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Truths Regarding Humans Development
The Karma of Materialism
GA 176

29 May 1917, Berlin

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Zu Festesbetrachtungen im gewöhnlichen Sinn ist die Zeit ungeeignet, und in dieser schweren Zeit wird es am besten sein, wenn wir versuchen im Umfange, im Umkreise der Geisteswissenschaft nach Dingen zu forschen, welche uns einigermaßen in der richtigen Art begreiflich machen können, was die tieferen Grundlagen dieser unserer Zeit sind. Und so möchte ich denn heute von einem besonderen Forschungsresultat zu Ihnen sprechen, das nach dieser Richtung hin aufklärend sein kann, möchte versuchen, von einem besonderen Gesichtspunkte aus die Entwickelung der Menschheit in der nachatlantischen Zeit bis in unsere Gegenwart herein ins Auge zu fassen. Ich werde allerdings, nachdem diese Betrachtungen beendet sein werden, durch mancherlei Veranlassungen genötigt sein, heute abend auch einiges über die Gesellschaft selbst vorzubringen.

[ 1 ] This is not the time for festive reflections in the usual sense, and in these difficult times it will be best if we try, within the scope and framework of spiritual science, to search for things that can help us understand, to some extent and in the right way, what the deeper foundations of our time are. And so today I would like to speak to you about a specific research finding that may shed light in this direction; I would like to attempt to view the development of humanity from the post-Atlantean era up to the present day from a particular perspective. However, once these reflections are concluded, I will be compelled by various circumstances to also say a few words this evening about the Society itself.

[ 2 ] Wir wissen ja aus verschiedenen Dingen, die im Laufe der Jahre vorgebracht worden sind, daß in einer gewissen Beziehung verglichen werden kann die Entwickelung der Menschheit im großen mit der Entwickelung des einzelnen menschlichen Individuums, einfach aus dem Grunde, weil in beiden Fällen diese Entwickelung, wenigstens dem ersten Anschein nach, ein Fortschreiten in der Zeit ist. Ich bin nun durch Jahre hindurch nachgegangen den inneren Entwickelungsbedingungen namentlich der nachatlantischen Menschheit. Und wie so manches mir gerade während der Forschungen dieses Winters sich ergeben hat, so auch etwas Bedeutungsvolles mit Bezug auf diese eben aufgeworfene Frage.

[ 2 ] We know from various observations made over the years that, in a certain sense, the development of humanity as a whole can be compared to the development of the individual human being, simply because in both cases this development, at least at first glance, is a progression over time. For years now, I have been investigating the inner conditions of development, particularly those of post-Atlantean humanity. And just as many things have become clear to me during my research this winter, so too has something significant emerged regarding the question just raised.

[ 3 ] Äußerlich betrachtet könnte es so scheinen, wenn man ein Stück menschlicher Entwickelung in ihrem Fortgange betrachtet, daß man zu der Anschauung kommen müßte, dieses Stück Menschheitsentwickelung entspreche so der individuellen Entwickelung des einzelnen Menschen, daß man vielleicht zu sagen hätte: Wie der einzelne Mensch sich zwischen diesen und jenen Jahren seines Lebens entwickelt, so ähnlich entwickelt sich die Menschheit. Nun habe ich gefunden, daß dies ganz und gar nicht so ist, und daß mit dem Anderssein in dieser Beziehung bedeutungsvolle Geheimnisse gerade auch des gegenwärtigen menschlichen Zeitalters zusammenhängen. Wenn wir zurückgehen, und wir dürfen dabei ja uns bekannte, uns geläufige Ideen anwenden, in die erste nachatlantische Kulturperiode, die wir gewöhnt sind die altindische, die urindische zu nennen, so können wir uns fragen: Mit welchem einzelnen individuellen menschlichen Lebensalter läßt sich das Gesamtalter der Menschheit in der damaligen urindischen Kulturperiode vergleichen? — Die geistige Forschung ergibt da etwas höchst Merkwürdiges. Ich habe ja oft gesagt: Man stellt sich zu leicht vor, daß in den Zeiten, in denen es da oder dort schon eine menschliche Kultur gegeben hat, die innere Grundverfassung der Menschenseele eigentlich im wesentlichen so war, wie sie jetzt ist. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Diese Anschauung entsteht nur aus dem Grunde, weil der heutige Mensch mit seinen Mitteln der materialistischen Wissenschaft durchaus nicht imstande ist, sich Vorstellungen zu bilden darüber, wie eigentlich die Seelen in verhältnismäßig kurzer Zeit im Laufe der Menschheitsentwickelung anders geworden sind, und wie namentlich das Seelenleben anders geworden ist.

[ 3 ] Viewed from the outside, when observing a phase of human development as it unfolds, it might seem that one would have to conclude that this phase of human development corresponds so closely to the individual development of a single human being that one might perhaps say: Just as the individual human being develops between these and those years of his or her life, so too does humanity develop in a similar way. Now, I have found that this is not the case at all, and that significant mysteries—particularly those of the present human epoch—are connected with this difference. If we go back—and in doing so we may certainly apply ideas that are familiar to us—to the first post-Atlantean cultural period, which we are accustomed to calling the ancient Indian or primordial Indian period, we may ask ourselves: To which specific stage of an individual human life can the collective age of humanity during that primordial Indian cultural period be compared? — Spiritual research reveals something most remarkable here. I have often said: People too easily imagine that in the times when human culture already existed here or there, the inner constitution of the human soul was essentially the same as it is now. But that is by no means the case. This view arises solely because modern humanity, with its tools of materialistic science, is utterly incapable of forming a conception of how souls have actually changed over a relatively short period in the course of human development—and how, in particular, the life of the soul has changed.

[ 4 ] Wenn wir heute die Menschheit um uns herum sehen, so bemerken wir, daß während einer gewissen Zeit der individuellen menschlichen Entwickelung der Mensch heranwächst erstens körperlich: seine körperlichen Organe in ihren feineren und gröberen Gliederungen gestalten sich aus, der Mensch wird nicht nur größer, dieOrgane vervollkommnen sich auch innerlich. Und wir sehen, daß bis zu einem gewissen Lebensalter die geistig-seelische Entwickelung an die körperlich-physische Entwickelung gebunden ist, ihr gewissermaßen parallel geht; und kein Erzieher kann ungestraft dies außer acht lassen. Aber wir wissen auch, wie von einem gewissen Lebensalter ab dieses innige Zusammen verwoben sein der seelisch-geistigen Entwickelung mit der körperlichen Entwickelung aufhört. Wir gewahren, daß der Mensch sich von einem bestimmten Lebensalter ab für fertig hält. In unserer Zeit werden wir ja, wenn wir das Leben um uns herum genauer betrachten, gar sehr gewahr, wie sich, man kann sagen, schon in möglichst früher Zeit die Menschen als fertig betrachten, als so betrachten, daß sie eigentlich nichts mehr zu lernen haben. Wir wissen ja, daß es heute für viele eine Zumutung ist, wenn man etwa voraussetzt, sie könnten in einem bestimmten Lebensalter noch Goethes «Iphigenie» oder Schillers «Tell» lesen. Das hat man, als man junges Mädchen oder Schüler war, in der Schule gelesen. Das gehört für die Jugend. Von einem bestimmten Lebensalter an befaßt man sich mit solchen Dingen doch nicht mehr! Gewiß, es ist dies nicht eine allgemeine Gewohnheit, aber doch eine sehr, sehr weit verbreitete Gewohnheit. Und ähnliches können wir auf vielen Gebieten des Lebens gewahr werden. Aber dem liegt schon eine Wahrheit zugrunde. Dem liegt die Wahrheit zugrunde, daß der Mensch von einem bestimmten Zeitpunkte seiner individuellen Entwickelung an gewissermaßen physisch ausgewachsen ist, daß dann sein Geistig-Seelisches aufhört in Abhängigkeit zu sein von dem Wachstum und von der Entwickelung der leiblichen Organe, die ja aufgehört hat, und daß sein Geistig-Seelisches sich frei und selbständig entwickelt; das werden wir gewahr. Wenn wir heute die Menschheit ansehen, so finden wir, daß dieser eben charakterisierte Zeitpunkt in einem bestimmten Lebensalter eintritt; wir werden noch genauer darüber sprechen. Aber man würde sich sehr irren, wenn man glauben würde, daß die Sache so, wie sie heute ist, auch nur im entferntesten ähnlich war in der ersten, in der urindischen Kulturepoche. Auch damals wurden selbstverständlich die Menschen 6, 12, 20, 30, 40, 50 und so weiter Jahre alt, aber ihr ganzes Leben verhielt sich zu diesem Älterwerden anders als jetzt. In diesen alten Zeiten verspürte die Menschenseele bis in ein ungeheuer hohes Alter hinauf, bis in die Zeit vom 48. bis 56. Lebensjahr eine solche Abhängigkeit des Seelisch-Geistigen vom Physisch-Leiblichen, wie sie heute nur empfunden wird im Kindes- und Jünglingsalter. Und bedenken Sie, was das bedeutet. Das bedeutet, daß dazumal der Mensch durchmachte ein Mitleben des Seelischen mit dem Leiblichen in der aufsteigenden körperlichen Entwickelung des Menschen bis zum 35. Jahr, dann wiederum mit der absteigenden körperlichen Entwickelung seelisch mitging, das Seelische in Abhängigkeit fühlte von dieser körperlichen Entwickelung. Indem anfangs das Körperliche ein Wachsen, ein Sichentfalten war, wurde es dann allmählich ein Einsinken. Aber mit dem Einsinken des Körperlichen, das heute der Mensch gar nicht spürt, weil sein SeelischGeistiges verhältnismäßig unabhängig vom Körperlichen verläuft, mit dem Einsinken des Körperlichen verspürten gerade diejenigen, die dieses Alter erreichten, im ersten nachatlantischen Zeitraum, ein innerliches Freiwerden des universell Geistigen. Indem das Körperliche zurückging, sie aber doch abhängig blieben vom Körperlichen, leuchtete ihnen das Geistige im Innern auf. Und das dauerte gleich nach der atlantischen Katastrophe bis zum 56. Lebensjahre. Da war, wenn wir so sagen dürfen, der Mensch erst ausgewachsen, das heißt, da erst verlor sich die Abhängigkeit des Geistig-Seelischen vom Körperlichen. Daß der Mensch auch geistig-seelisch mitmachte das Körperliche in der absteigenden Entwickelungszeit, das bedingte, daß gerade damals noch Nachklänge innerlich geistigen Schauens vorhanden waren. Und nun ist das Eigentümliche, daß diese Beschaffenheit des menschlichen Lebens natürlich auf die ganze Kultur ausstrahlte. Derjenige, der jung war in jenen alten Zeiten, der wußte durch die allgemeinen Begriffe, Denk- und Empfindungsgewohnheiten, die man sich aneignete, daß, wenn einer alt wurde, er in jenes ehrwürdige Alter kam, wo die göttlichen Geheimnisse in seiner Seele aufgingen. Daher war in jener ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit eine Altersverehrung, ein Kultus des Alters vorhanden, von dem wir uns heute gar keine Vorstellung mehr machen können, wenn wir sie nicht schauen in den Nachklängen, die uns geistig geblieben sind aus jenen alten Zeiten. Kaum zu erwähnen brauche ich nach all den Betrachtungen, die ich schon angestellt habe, daß jeder, der früher starb, bevor dieses patriarchalische Alter erreicht war, wußte, daß es andere Welten als die materiell-physische Welt gibt, und daß da die hohen geistig-seelischen Wesenheiten der höheren Welten mit jenen, die früher starben, andere Aufgaben zu verrichten hatten. So daß jeder selbstverständlich, auch wenn er früher sterben mußte als der Eintritt in dieses patriarchalisch hohe Alter erfolgte, doch in sich befriedigende Weltempfindungen haben konnte.

[ 4 ] When we look at humanity around us today, we notice that during a certain phase of individual human development, a person first grows physically: their physical organs develop in both their finer and coarser structures; not only does the person grow taller, but the organs also become more perfected internally. And we see that up to a certain age, spiritual and soul development is linked to physical development, proceeding, so to speak, in parallel with it; and no educator can ignore this with impunity. But we also know how, from a certain age onward, this intimate interweaving of spiritual and soul development with physical development ceases. We observe that, from a certain age onward, people consider themselves finished. In our time, indeed, if we look more closely at life around us, we become very aware of how—one might say—people consider themselves finished at the earliest possible stage, regarding themselves as having nothing more to learn. We know, after all, that it is considered unreasonable for many people today to expect them to read, say, Goethe’s *Iphigenia* or Schiller’s *Tell* at a certain age. These were read in school when one was a young girl or a student. They belong to one’s youth. From a certain age onward, one no longer concerns oneself with such things! Admittedly, this is not a universal habit, but it is a very, very widespread one. And we can observe similar phenomena in many areas of life. But there is a truth underlying this. The truth underlying it is that, from a certain point in their individual development, human beings have, so to speak, physically matured; that their spiritual and soul life then ceases to be dependent on the growth and development of the physical organs—which has, after all, come to an end—and that their spiritual and soul life develops freely and independently; this is what we come to realize. When we look at humanity today, we find that this point in time, just described, occurs at a certain age; we will speak about this in more detail later. But one would be very much mistaken to believe that the situation as it is today was even remotely similar to that of the first, the primordial Indian cultural epoch. Even back then, of course, people lived to be 6, 12, 20, 30, 40, 50, and so on years old, but their entire life related to this aging process differently than it does now. In those ancient times, right up to an incredibly advanced age—from the 48th to the 56th year of life—the human soul experienced such a dependence of the soul-spiritual upon the physical-bodily that is felt today only in childhood and adolescence. And consider what that means. It means that in those days, the human being experienced a coexistence of the soul with the physical body during the ascending physical development of the human being up to the age of 35; then, as physical development began to decline, the soul accompanied this process, feeling dependent on this physical development. Whereas at first the physical aspect was a process of growth and unfolding, it then gradually became a process of decline. But with this decline of the physical—which people today do not perceive at all, because their soul-spiritual life proceeds relatively independently of the physical—it was precisely those who reached this age during the first post-Atlantean epoch who experienced an inner liberation into the universal spiritual. As the physical aspect receded, yet they remained dependent on it, the spiritual shone forth within them. And this lasted from immediately after the Atlantean catastrophe until the age of 56. It was then, if we may put it that way, that the human being had truly come of age; that is to say, it was only then that the dependence of the spiritual-soul aspect on the physical aspect ceased. The fact that the human being also participated spiritually and soulfully in the physical aspect during the period of descending development meant that, precisely at that time, echoes of inner spiritual vision were still present. And now the remarkable thing is that this nature of human life naturally radiated out into the entire culture. Those who were young in those ancient times knew, through the general concepts and habits of thought and feeling that one acquired, that when a person grew old, they reached that venerable age in which the divine mysteries unfolded within their soul. Thus, in that first cultural epoch of the post-Atlantean era, there existed a veneration of old age, a cult of old age, of which we can no longer form any conception today unless we perceive it in the echoes that have remained with us spiritually from those ancient times. After all the reflections I have already made, I hardly need to mention that everyone who died earlier, before reaching this patriarchal age, knew that there are worlds other than the material-physical world, and that there the high spiritual-soul beings of the higher worlds had other tasks to perform with those who had died earlier. Thus, it goes without saying that even if someone had to die before reaching this advanced patriarchal age, they could still experience a sense of fulfillment within themselves.

[ 5 ] Das Merkwürdige ist, daß, wenn man diesen Dingen nachforscht, man nicht davon sprechen kann: die Menschheit wird älter, sondern man muß kurioserweise davon sprechen: die Menschheit wird jünger, schreitet zurück. Gleich nach der atlantischen Katastrophe war es so, daß die Entwickelung, wie ich sie geschildert habe, stattfand bis zum 56. Lebensjahre, dann kam die Zeit, wo sie stattfand bis zum 55., dann bis zum 54. Lebensjahre und so weiter. Und als die erste nachatlantische Kulturperiode abgelaufen war, dauerte diese Entwickelung nur bis zum 48. Lebensjahre. Dann war gewissermaßen der Mensch in der Lage, daß er sich sagen mußte: Jetzt bin ich mir selbst überlassen, jetzt gibt nicht mehr das Körperliche von sich aus etwas her für meine geistig-seelische Entwickelung! — was heute, wie wir sehen werden, schon viel früher eintritt.

[ 5 ] The strange thing is that, when one investigates these matters, one cannot say that humanity is growing older; rather, curiously enough, one must say that humanity is growing younger, regressing. Immediately after the Atlantean catastrophe, development—as I have described it—took place up to the age of 56; then came a time when it took place up to the age of 55, then up to the age of 54, and so on. And when the first post-Atlantean cultural epoch had come to an end, this development lasted only until the age of 48. Then, in a sense, the human being found himself in a situation where he had to say to himself: “Now I am left to my own devices; now the physical body no longer contributes anything of its own accord to my spiritual and soul development!” — which, as we shall see, occurs much earlier today.

[ 6 ] Nun kommen wir in die zweite, die urpersische Kulturepoche. Sie entspricht dem individuellen menschlichen Lebensalter vom 48. bis zum 42. Lebensjahre. Das heißt: in dieser Epoche ist die Sache so, daß sich die Menschen abhängig fühlen in ihrer Entwickelung seelisch-geistig vom Körperlichen bis in die Vierzigerjahre hinein, und daß sie erst, wenn sie über die Vierzigerjahre hinauskommen, jene Unabhängigkeit empfinden, die heute früher eintritt. Daher aber machte die Seele auch nicht so lange und nicht in so hohem Grade gewissermaßen das Einsinken, das Sklerotisieren des Organismus mit, machte nicht so lange mit dieses Hergeben von Kräften des Organismus, die in die geistige Welt hinein den Menschen weisen konnten, die ihm Erleuchtungen geben konnten in die geistige Welt hinein.

[ 6 ] Now we come to the second, the primordial Persian cultural epoch. It corresponds to the individual human life span from age 48 to 42. This means that during this epoch, people feel dependent in their soul-spiritual development on the physical body well into their forties, and that it is only when they pass the age of forty that they begin to experience the independence that today tends to set in earlier. Consequently, however, the soul did not participate for so long or to such a high degree in, so to speak, the decline and sclerosis of the organism; it did not participate for so long in this surrender of the organism’s forces that could guide the human being into the spiritual world and provide him with insights into that world.

[ 7 ] Dann kam, nach der zweiten, der urpersischen Kulturepoche, diejenige, die wir genannt haben die ägyptisch-chaldäische Epoche. Da stieg das Lebensalter der ganzen Menschheit herunter bis zum individuellen Lebensalter zwischen dem 42. und 35. Lebensjahre. Das heißt: von selbst kamen dem Menschen die Früchte der Entwickelung bis zu diesem Lebensalter zu. Dann mußte er, aufeinanderfolgend in den verschiedenen Unterepochen dieser ägyptisch-chaldäischen Zeit, die freie, selbständige, rein innerliche Entwickelung durchmachen im 42., 40., 38. Lebensjahre und so weiter.

[ 7 ] Then, following the second, the Proto-Persian cultural epoch, came the one we have called the Egyptian-Chaldean epoch. During this time, the age of humanity as a whole declined to an individual lifespan of between 42 and 35 years. This means that the fruits of development up to this age came to the individual of their own accord. Then, successively through the various sub-epochs of this Egyptian-Chaldean period, the individual had to undergo free, independent, purely inner development at the ages of 42, 40, 38, and so on.

[ 8 ] Am bedeutungsvollsten erscheint uns diese Wahrheit für das vierte, für das griechisch-lateinische Zeitalter, denn in diesem griechisch-lateinischen Zeitalter entwickelt sich die ganze Menschheit so, daß ihr Lebensalter entsprach dem individuellen menschlichen Lebensalter zwischen dem 35. und 28. Lebensjahre. Damit aber stehen wir gerade in den Jahren der Lebensmitte. Denken Sie also, was eigentlich für diese griechisch-lateinische Periode statt hatte. Diejenigen, die als individuelle Menschen sich entwickelten innerhalb dieser griechisch-lateinischen Kulturperiode, die machten durch, rein durch die Entwickelungsgesetze der Menschheit selber, die Abhängigkeit des Seelisch-Geistigen von dem fortschreitenden Wachstum. Und in der Zeit, als das Einsinken des Menschen begann, das Sklerotischwerden des Menschen — wenn ich so sagen darf, das ist natürlich ein radikaler Ausdruck —, da wurde die Seele frei vom Körperlichen. Die erste Hälfte des Lebens machte ein Angehöriger der griechisch-lateinischen Kultur im Sinne der allgemeinen Menschheitsentwickelung durch. So wunderbar fiel die individuelle Entwickelung mit der allgemeinen Menschheitsentwickelung in diesem Zeitalter zusammen, daß von dem Augenblick ab, wo der Mensch anfängt, seine körperliche Entwickelung in absteigender Linie zu haben, sich nichts mehr den Griechen vom Körper aus offenbarte. Daher war der Grieche auch in seiner Kultur so voll von allem Wachsenden, Gedeihenden, Aufsteigenden in der Entwickelung. Aber es entging ihm auch dasjenige, was sich von selbst durch die Entwickelung des Körperlichen nur offenbaren kann in der absteigenden menschlichen Entwickelung. Das heißt: es fiel weg für den Griechen, wenn er nicht in den Mysterien durch spirituellen Unterricht das hatte, es fiel weg durch die eigene menschliche Natur, das Hineinblicken in die geistige Welt.

[ 8 ] This truth seems to us to be most significant for the fourth, the Greco-Latin era, for in this Greco-Latin era, all of humanity developed in such a way that its age corresponded to the individual human age between 35 and 28 years. This, however, places us precisely in the years of middle age. So consider what actually took place during this Greco-Latin period. Those who developed as individual human beings within this Greco-Latin cultural period experienced—purely through the laws of human development itself—the dependence of the soul-spiritual upon progressive growth. And during the time when humanity began to decline, when it became sclerotic—if I may put it that way; this is, of course, a radical expression—the soul became free from the physical. A member of the Greco-Latin culture lived through the first half of life in accordance with the general development of humanity. Individual development coincided so wonderfully with the general development of humanity in this age that, from the moment when human beings began to experience a downward trajectory in their physical development, nothing more was revealed to the Greeks through the physical body. That is why Greek culture was so full of everything that grows, flourishes, and ascends in its development. But they also missed what can reveal itself only through the development of the physical in the descending course of human evolution. That is to say: unless they had received spiritual instruction through the Mysteries, the Greeks lost—through their own human nature—the ability to glimpse into the spiritual world.

[ 9 ] In dem dritten Zeitraum war in absteigender Folge einfach durch die menschliche Natur ein Einblicken in die geistigen Welten möglich, es war möglich, daß der Mensch unmittelbar aus Anschauung etwas wissen konnte über die Unsterblichkeit der Seele. Im griechisch-lateinischen Zeitraum war es zwar noch möglich, daß der Mensch wissen konnte: alles Wachsende, Aufsteigende, Werdende ist seeldurchdrungen. Aber das selbständige Leben der Seele, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen, oder bevor er durch die Geburt ins physische Leben eingetreten war, das war nicht mehr durch die selbstverständliche Entwickelung der Menschheit dem Griechen gegeben. Daher solch eine Anschauung, wie ich sie öfter schon hier auch erwähnt habe und wie sie ja bekannt ist, die sich ausdrückt in dem berühmten Spruche des griechischen Heroen: Lieber ein Bettler sein in der Oberwelt, als ein König im Reiche der Schatten. — Wie die Oberwelt mit dem, was der Mensch darin ist, seeldurchdrungen ist, das wußte der Grieche durch unmittelbare Anschauung. Durch diese Anschauung entzog sich ihm die übersinnliche Welt. Und merkwürdig ist es, wie der große griechische Weise Aristoteles gerade aus dieser Grundanschauung heraus seine Ideen, von denen wir ja schon in den kürzlich hier gehaltenen Betrachtungen gesprochen haben, entwickelt. Franz Brentano, der kürzlich verstorbene große Aristoteles-Forscher, hat richtig gedeutet, wenn er sagt: Es ist des Aristoteles Idee von der Unsterblichkeit, daß der Mensch, der durch die Pforte des Todes gegangen ist, kein vollständiger Mensch mehr sei. — Denn als Grieche hatte Aristoteles zum vollständigen Menschen, aus den Voraussetzungen heraus, die ich Ihnen oben entwickelt habe, die Zugehörigkeit des Körperlichen zu dem Seelischen gerechnet. Nur wenn er ein Mysterien-Weiser war — was Aristoteles nicht war —, wußte er als Grieche von der wahren Unsterblichkeit der Seele. Wenn er kein Mysterien-Weiser war, wie Aristoteles, so mußte er sagen — was ja gewiß den höchsten Wahrheiten gegenüber falsch ist, was aber einem griechischen Denken entsprang, wenn sich dieses Denken auch in Aristoteles zur höchsten Blüte erhob —,, so mußte er sich sagen: Wenn ich einem Menschen einen Arm abschlage, so ist er kein vollständiger Mensch mehr, wenn ich ihm zwei Arme abschlage, noch weniger, wenn ich ihm aber den ganzen Leib nehme, wie der Tod tut, so ist er erst recht kein vollständiger Mensch mehr. Daher die Seele, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, für Aristoteles ein unvollständiger Mensch ist, ein Mensch, dem die Organe fehlen, um mit irgendeiner Umgebung in Zusammenhang zu kommen. Es ist die aristotelische Idee von der Unsterblichkeit, die Brentano richtig deutet.

[ 9 ] During the third period, it was possible—simply by virtue of human nature—to gain insight into the spiritual worlds; it was possible for human beings to know something about the immortality of the soul directly through intuition. During the Greco-Latin period, it was still possible for human beings to know that everything that grows, rises, and comes into being is permeated by the soul. But the independent life of the soul—whether after a person had passed through the gate of death or before entering physical life through birth—was no longer accessible to the Greeks through the natural course of human development. Hence the view—as I have often mentioned here and as is well known—expressed in the famous saying of the Greek hero: “Better to be a beggar in the upper world than a king in the realm of shadows.” — The Greeks knew through direct perception how the upper world, with whatever the human being is within it, is permeated by the soul. Through this perception, the supersensible world eluded them. And it is remarkable how the great Greek sage Aristotle developed his ideas—which we have already discussed in the reflections held here recently—precisely from this fundamental perspective. Franz Brentano, the great Aristotelian scholar who recently passed away, interpreted this correctly when he said: Aristotle’s idea of immortality is that the human being who has passed through the gate of death is no longer a complete human being. — For as a Greek, Aristotle—based on the premises I have outlined above—had counted the union of the physical with the spiritual as part of what constituted a complete human being. Only if he had been a mystery sage—which Aristotle was not—would he, as a Greek, have known of the true immortality of the soul. If he was not a sage of the mysteries, as Aristotle was not, then he had to say—which is certainly false in light of the highest truths, but which sprang from Greek thought, even though this thought reached its highest flowering in Aristotle—“he had to tell himself: If I cut off a person’s arm, he is no longer a complete human being; if I cut off both his arms, even less so; but if I take his entire body, as death does, then he is certainly no longer a complete human being. Hence, for Aristotle, the soul, having passed through the gate of death, is an incomplete human being—a human being lacking the organs necessary to interact with any environment. This is the Aristotelian idea of immortality, which Brentano correctly interprets.

[ 10 ] Nun bedenken Sie: in dieser Zeit also machten die Menschen im allgemeinen das Lebensalter durch, das dem individuellen Lebensalter vom 35. bis zum 28. Lebensjahr entspricht. Nehmen wir das erste Drittel, also ungefähr das 33. Lebensjahr. Der vierte nachatlantische Zeitraum beginnt ja im Jahre 747 vor dem Mysterium von Golgatha; er endet im Jahre 1413 nach dem Mysterium von Golgatha. Es ist derjenige Zeitraum, in dem — wenn die Menschheit in demselben Sinne sich weiterentwickelt hätte, wie sie sich bis dahin entwickelt hatte — das hätte geschehen müssen, daß die Menschen im allgemeinen immer jünger und jünger geworden wären, und daß sie aufgehört hätten mit Bezug auf das Geistig-Seelische vom Körperlichen abhängig zu sein, viel früher, als der Mensch in seinem Wachstum, seiner Entwickelung, bei der Lebensmitte ankommt. Es hätte sich nicht nur eine solche schattenhafte Unsterblichkeit ergeben müssen, wie es bei den Griechen war, sondern es hätte allmählich der Mensch, indem die Menschheit nurmehr hergab ein Lebensalter bis zum 34., 33., 32. Lebensjahre und so weiter, so werden müssen, daß ihn gewissermaßen das Physisch-Leibliche überwältigt hätte, daß er durch seine eigene Entwickelung innerhalb der Menschheit nicht mehr hätte hinaufschauen können auf irgendeine übersinnliche Welt. Da ist es denn das ungeheuer Bedeutungsvolle, daß am Ende des ersten Drittels dieses Zeitraumes, der 747 vor Christus beginnt, das Mysterium von Golgatha eintritt, gerade in diesem Zeitraum, und daß in diesem Zeitraum es also ist, in dem sich der Christus Jesus entwickelt genau bis zu demjenigen individuellen Lebensalter, dem 33. Lebensjahre, das dazumal das Lebensalter der Menschheit ist. Dann tritt der Tod auf Golgatha ein. Der Christus Jesus wächst dem Lebensalter der Menschheit entgegen, und er führt durch das Mysterium von Golgatha die Möglichkeit herbei, zum Wissen von der Unsterblichkeit auf eine Weise zu kommen, die nicht aus Irdischem genommen ist, die nur auf die Erde kommen konnte durch jene Befruchtung, welche für die Erde eingetreten ist, indem der Christus-Geist sich mit der Jesus-Persönlichkeit verbunden hat und diese 33 Jahre alt geworden ist, so alt, wie die Menschheit war, als dieser Menschheit drohte, jeden Zusammenhang mit der übersinnlichen Welt zu verlieren.

[ 10 ] Now consider this: during this period, people generally went through the stage of life that corresponds to the individual life stage from age 35 to age 28. Let’s take the first third, that is, around the age of 33. The fourth post-Atlantean epoch begins in the year 747 before the Mystery of Golgotha; it ends in the year 1413 after the Mystery of Golgotha. It is the period during which—if humanity had continued to develop in the same way as it had up to that point—people in general would have become younger and younger, and would have ceased to be dependent on the physical body in terms of their spiritual and soul life much earlier than when a person reaches middle age in their growth and development. Not only would a kind of shadowy immortality, such as that of the Greeks, have had to result, but human beings would gradually—as humanity would have yielded a lifespan extending only up to the ages of 34, 33, 32, and so on, have reached a point where the physical-bodily aspect would, so to speak, have overwhelmed him, so that through his own development within humanity he would no longer have been able to look up to any supersensible world. It is therefore of immense significance that at the end of the first third of this period, which begins in 747 B.C., the Mystery of Golgotha takes place—precisely during this period—and that it is during this period that Christ Jesus develops exactly up to that individual age, 33 years, which was the average age of humanity at that time. Then death occurs on Golgotha. Christ Jesus grows toward the age of humanity, and through the Mystery of Golgotha he brings about the possibility of attaining knowledge of immortality in a way that is not derived from the earthly realm—a way that could only come to Earth through that fertilization which occurred when the Christ Spirit united with the personality of Jesus, and this personality reached the age of 33, the same age as humanity was when it was in danger of losing all connection with the supersensible world.

[ 11 ] Ja, wenn man von ganz anderen Voraussetzungen aus unter diesem Gesichtspunkte die Entwickelung der Menschheit betrachtet, und sich dann ergibt, einfach ergibt im Laufe der geisteswissenschaftlichen Forschung dieser tiefe Zusammenhang des Alters und Todes des Christus Jesus mit der gesamten irdischen Menschheitsentwickelung, dann allerdings ist dies eine tief, tief in die Seele eingreifende Erkenntnis. Und ich kann mir nur weniges denken, das so ungeheuer in die Seele einschlagen muß, wie die Erkenntnis von diesem Hineingestelltsein des Mysteriums von Golgatha in ein bedeutungsvolles Entwickelungsgesetz der menschlichen und der menschheitlichen Entwickelung. Wir sehen, wie auf diese Art die Geisteswissenschaft nach und nach ihre erklärenden und aufklärenden Strahlen auf das Mysterium von Golgatha wirft. Und wir können vielleicht ahnen, daß, wenn die Geisteswissenschaft sich immer weiter und weiter in sorgfältiger Forschung entwickeln wird, noch manches andere Licht fällt auf dieses Mysterium von Golgatha, das wir ganz gewiß heute auch mit der eindringlichen Geisteswissenschaft nur zum kleinsten Teile irdisch verstehen, und das immer tiefer und tiefer verstanden werden wird, je weiter die Menschheit in dieser Entwickelung vorschreitet. Ich darf sagen, daß ich selber wenig Momente von solcher Ergriffenheit gehabt habe während des geisteswissenschaftlichen Forschens, wie diesen, wo mir — lassen Sie mich das Wort gebrauchen — aus grauen Geistestiefen heraus dieser Zusammenhang zwischen dem 33. Jahre der Menschheit im vierten nachatlantischen Zeitraum und dem 33. Lebensjahre des Christus Jesus, in dem der Tod auf Golgatha eintritt, als Ergebnis heraufgestiegen ist.

[ 11 ] Yes, if one considers the development of humanity from this perspective, starting from entirely different premises, and if—simply as a result of spiritual scientific research—this profound connection between the life and death of Christ Jesus and the entire earthly development of humanity then becomes apparent, then this is indeed a realization that penetrates deeply, deeply into the soul. And I can think of very little that must strike the soul as profoundly as the realization that the Mystery of Golgotha is embedded within a significant law of human and humankind’s development. We see how, in this way, spiritual science gradually casts its explanatory and illuminating rays upon the Mystery of Golgotha. And we may perhaps sense that, as spiritual science continues to develop further and further through careful research, many other lights will be shed on this Mystery of Golgotha—which we certainly understand today, even with the most intensive spiritual science, only to a very small extent on an earthly level—and which will be understood ever more deeply the further humanity advances in this development. I may say that I myself have had few moments of such deep emotion during my research in spiritual science as this one, when—let me use the word—from the gray depths of the spirit, this connection between the 33rd year of humanity in the fourth post-Atlantean epoch and the 33rd year of the life of Christ Jesus, in which death occurred on Golgotha, emerged as a result.

[ 12 ] Und wenn wir nun weitergehen, so kommen wir in unseren fünften nachatlantischen Zeitraum, und wir kommen dazu, sagen zu müssen, daß in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum das allgemeine Lebensalter der Menschheit dem individuellen Lebensalter zwischen dem 28. und 21. Lebensjahre entspricht. Das heißt: als 1413 der fünfte Zeitraum begonnen hatte, war die allgemeine Menschheitsentwickelung so, daß die Menschen sich abhängig wissen durften in ihrer geistig-seelischen Entwickelung bis zum 28. Lebensjahr. Dann mußte die Seele selbständig werden, Sie sehen also, daß für dieses Zeitalter notwendig ist, daß mit vollem Bewußtsein angestrebt wird, innerlich, durch spirituelle geistige Entwickelung, der Seele das zu geben, was aus der Abhängigkeit vom Körperlich-Physischen nicht mehr hergegeben werden kann. Der Mensch muß in diesem Zeitalter in die Seele Dinge aufnehmen, die nur individuell an ihn herankommen können, die seine Seele unmittelbar in ihrer Unabhängigkeit und Freiheit ergreifen und sie als Seele hinausführen über das 28., 27., 26. Jahr und so weiter. Allerdings, vorläufig geht noch die allgemeine Erziehung, so viel auch über diese Erziehung geredet wird — man könnte auch sagen «gefabelt» wird —, dahin, an den Menschen nicht mehr heranzubringen, als eben gerade dem entspricht, was die Menschheit von selbst hergibt. Jetzt steht eben in unserem Zeitalter die Menschheit im ganzen im 27. Lebensjahr. Sie wird 26, 25 und so weiter Jahre alt werden. Und bis der fünfte Zeitraum abgelaufen sein wird, wird sie bis zum 21. Jahr heruntergerückt sein. Daraus ersehen Sie die Notwendigkeit des Auftretens der Geisteswissenschaft, welche an die Seele dasjenige heranbringen will, was nicht aus der körperlichen Entwickelung folgen kann, welche die Seele unterstützen will in ihrer frei auf sich gestellten Entwickelung. Denn wir haben sonst die Erscheinung, daß die Menschen, deren Entwickelung nur abhängig bleibt von dem, was äußerlich aus der Sinnenwelt und aus der gewöhnlichen Geschichtswelt kommen kann, für unser Zeitalter nicht älter als 27 Jahre würden — und wenn sie hundert Jahre alt werden in Wirklichkeit. Das heißt, dasjenige, was sie in ihrer innerlichen Verfassung an Ideen, Empfindungen, an Idealen äußern könnten, das würde immer den Charakter tragen von dem, was dem menschlichen Lebensalter bis zum 27. Jahre entspricht.

[ 12 ] And as we proceed, we enter our fifth post-Atlantean epoch, and we must note that in this fifth post-Atlantean epoch, the general age of humanity corresponds to the individual age between 28 and 21 years. This means that when the fifth epoch began in 1413, the general state of human development was such that people could consider themselves dependent in their spiritual and soul development until the age of 28. Then the soul had to become independent. So you see that it is necessary for this age to strive with full consciousness—inwardly, through spiritual development—to give the soul what can no longer be provided by dependence on the physical body. In this age, a person must take into the soul things that can only reach him or her individually—things that directly grasp the soul in its independence and freedom and lead it, as a soul, beyond the ages of 28, 27, 26, and so on. However, for the time being, general education—no matter how much is talked about it, or one might even say “fabricated” about it—still aims to provide people with no more than what corresponds precisely to what humanity offers of its own accord. Now, in our age, humanity as a whole is in its 27th year of life. It will reach the ages of 26, 25, and so on. And by the time the fifth period has run its course, it will have regressed to the age of 21. From this you can see the necessity for the emergence of spiritual science, which seeks to impart to the soul that which cannot result from physical development, and which seeks to support the soul in its development as a free entity. Otherwise, we would have the situation where people whose development remains dependent solely on what comes externally from the sensory world and the ordinary historical world would, in our age, never be older than 27 years—even if they were actually to live to be a hundred years old. That is to say, whatever they might express in their inner state—in terms of ideas, feelings, and ideals—would always bear the character of what corresponds to the human life span up to the age of 27.

[ 13 ] Ich habe mich mit den mannigfaltigsten Persönlichkeiten unseres Zeitalters befaßt, solchen Persönlichkeiten, die eingreifen in die verschiedenen Kulturzweige unserer Zeit, in das öffentliche Leben. Gerade diesen Teil des Studiums habe ich mir wahrhaftig nicht leicht gemacht. Ich habe versucht zu finden, worin denn eigentlich die eine oder andere Erscheinung, die uns heute so fragwürdig im Leben entgegentritt, besteht. Und es hat sich ergeben, daß vieles von dem, was uns jetzt entgegentritt, darauf beruht, daß Menschen in der Öffentlichkeit wirken, so wirken, wie ich es Ihnen in vorangegangenen Betrachtungen geschildert habe, deren Grundstimmung in ihren Ideen, in dem, was sie von sich geben können, und wenn sie noch so alt sind, nur bis zum 27. Jahre geht. Wahrhaftig, was ich jetzt sagen will, sage ich nicht aus irgendeiner Stimmung heraus, nicht aus irgendeiner Animosität heraus, denn die Studien, die dem zugrunde liegen, die gehen weit in die Zeit vor diesem Kriege zurück, wie ich sogar aus den Zyklen nachweisen kann. Es hat sich mir ergeben, daß eine charakteristische Persönlichkeit, von der gesagt werden muß, daß sie in ihrer Seelenkonfiguration, in bezug auf dasjenige, was sie der Seele nach ist, nicht älter als 27 Jahre geworden ist, aber natürlich Jahre zugelegt hat und nun im öffentlichen Leben geradezu als eine typische repräsentative Persönlichkeit wirkt — es sind auch viele andere, von denen wir nicht sprechen wollen, nehmen wir ein ferneres Beispiel —, eine charakteristische Persönlichkeit, von der gerade viel in dieser unserer Zeit ausgegangen ist, der Präsident der Nordamerikanischen Union, Woodrow Wilson ist. Ich habe mir viele Mühe gegeben, die Seelenverfassung dieses Mannes zu studieren. Er ist ein repräsentativer Mensch für diejenigen, die nichts zugelegt haben durch die Entwickelung der frei auf sich gestellten, unabhängigen Seele, repräsentativ für diejenigen Menschen, die nicht älter werden in unserem Zeitalter, als das Alter der allgemeinen Menschheit ist: 27 Jahre. Es ist im Grunde genommen unwahr, wenn sie 30, 40, 50 Jahre und so weiter zählen, denn sie sind in Wirklichkeit in bezug auf das Fortschreiten ihrer Seele nicht älter als 27 Jahre. Und ich glaube, es ist wahr, was ein Freund unserer Bewegung mir sagte, nachdem er in München gerade diesen Vortrag, den ich jetzt hier halte, angehört hatte: daß ihm, der viel, viel gedacht und gelitten hat über mancherlei Erscheinungen der Gegenwart, diese Aufklärung über die Eigentümlichkeit der Gegenwart geradezu ein Lichtstrahl war, um viele Erscheinungen zu begreifen. Die Abstraktheit der Ideale, eine Jugendeigenschaft der Ideale, das abstrakte Herumreden in Freiheitsideen, in dem man der eigenen geistigen Wollust dient und glaubt, eine Weltmission zu haben — so recht charakteristisch für Woodrow Wilson! Es erklärt sich aus dieser Tatsache das Unpraktische der Ideen, das heißt, die Unmöglichkeit solche Ideen zu haben, die schöpferisch sind, so daß sie fortrinnen in der Wirklichkeit als schaffend und schöpferisch, sondern die einzige Möglichkeit, solche Ideen zu fassen, die den Leuten gefallen, die einleuchten der allgemeinen Menschheit, die eben Ideen unter 27 Jahren haben will. Das ist wiederum ein Charakteristikon desjenigen, was Woodrow Wilson in die Welt gesetzt hat; denn seine Ideen sind so unpraktisch gewesen, daß er zum Beispiel durch die Welt laufen ließ die Idee des Friedens, und entsprungen ist aus dieser Idee des Friedens — der Krieg für sein eigenes Land; Dinge, welche tief zusammenhängen, aber ihre Begründung in solchen Tatsachen haben, wie ich sie Ihnen eben angedeutet habe.

[ 13 ] I have studied the most diverse personalities of our age—those who have made their mark on the various branches of contemporary culture and on public life. I certainly did not take this part of my studies lightly. I have tried to determine what exactly constitutes one phenomenon or another that we encounter today in life as so questionable. And it has become clear that much of what we now face stems from the fact that people are active in the public sphere—acting in the way I have described to you in previous reflections—whose fundamental mindset, in their ideas and in what they are capable of expressing, extends only up to the age of 27, no matter how old they may be. Truly, what I am about to say, I do not say out of any passing mood, nor out of any animosity, for the studies on which this is based go far back into the time before this war, as I can even demonstrate from the cycles. It has become clear to me that a characteristic personality—of whom it must be said that, in terms of the configuration of his soul, in terms of what he is in his innermost being, he has not grown older than 27 years— but who has, of course, aged physically and now acts in public life as a quintessential representative figure—there are also many others we shall not discuss; let us take a more distant example—a distinctive figure who has had a significant influence in our time: Woodrow Wilson, President of the North American Union. I have taken great pains to study this man’s soul constitution. He is representative of those who have gained nothing through the development of the freely self-reliant, independent soul; representative of those people who, in our age, do not grow older than the age of humanity as a whole: 27 years. It is, in essence, untrue when they count 30, 40, 50 years, and so on, for in reality, in terms of the progress of their soul, they are no older than 27 years. And I believe it is true what a friend of our movement told me after he had just listened to this very lecture I am now giving here in Munich: that for him, who has thought and suffered deeply about many aspects of the present, this explanation of the peculiarity of the present was truly a ray of light that helped him understand many phenomena. The abstract nature of ideals—a youthful trait of ideals—the abstract rambling about ideas of freedom, in which one indulges one’s own intellectual lust and believes one has a world mission—so characteristic of Woodrow Wilson! This fact explains the impracticality of the ideas—that is, the impossibility of having ideas that are creative enough to take root in reality as constructive and creative—but rather the only possibility of conceiving ideas that appeal to people, that make sense to humanity at large, which simply wants ideas suitable for those under 27. This, in turn, is a hallmark of what Woodrow Wilson brought into the world; for his ideas were so impractical that, for example, he spread the idea of peace throughout the world, and from this idea of peace sprang—war for his own country; things that are deeply interconnected but have their basis in facts such as those I have just indicated to you.

[ 14 ] Ja, die tiefgehenden Entwickelungswahrheiten sind nicht angenehm zu hören. Daher kommt es wohl auch, daß diese tiefgehenden Entwickelungswahrheiten, die aus den Quellen der Geistesforschung geholt werden, in der Gegenwart so wenig geliebt werden. Zwar nicht im Oberbewußtsein, aber im Unterbewußtsein verspüren die Menschen, daß diese Ideen zuweilen nichts Angenehmes sind. Sie fürchten sich davor. Es ist eine unbewußte Furcht, eine unterbewußte Furcht, die aber so sicher wirkt, daß sie gerade die Idee nicht ins Oberbewußtsein heraufkommen läßt, dafür aber den Haß, die Antipathie gegenüber diesen Dingen, die sich dann geltend macht. Was heute der Geisteswissenschaft die Antipathie zuträgt, das ist dieser unterbewußte Haß, aber vor allen Dingen diese unterbewußte Furcht vor Ideen, welche allerdings nicht so leicht im Leben, sagen wir, verdaut werden können, wie die sogenannte große Idee, die man heute liebt: Der beste Mann am rechten Platz und so weiter. — Das Leben in die Zukunft hinein braucht konkrete Ideen, konkrete Ideale, es braucht solche Ideen und solche Ideale, welche mit der Wirklichkeit einen Bund eingehen können — ich habe das von den verschiedensten Gesichtspunkten aus erwähnt —, sie müssen aber geholt sein aus wirklicher Erkenntnis der Entwickelungs- und Daseinsbedingungen der Menschheit. Es kann nicht Heil in diese Menschheitsentwickelung hineinkommen, solange man sich nicht dazu bequemen wird, dasjenige, was man Idealismus nennt, auf solche konkrete Geistesforschung zu begründen. Aus der Willkür heraus lassen sich heute keine Ideale aufstellen, die wirklichkeits-befreundet sind, die in die Wirklichkeit hineinpassen.

[ 14 ] Yes, the profound truths of human development are not pleasant to hear. This is probably why these profound truths, drawn from the sources of spiritual research, are so unpopular today. Although not in their conscious mind, people sense in their subconscious that these ideas are sometimes unpleasant. They are afraid of them. It is an unconscious fear, a subconscious fear, but one that acts so reliably that it prevents the idea itself from rising into the conscious mind, allowing instead hatred and antipathy toward these things to assert themselves. What breeds antipathy toward spiritual science today is this subconscious hatred, but above all this subconscious fear of ideas that, admittedly, cannot be so easily “digested” in life—so to speak—as the so-called “great idea” that people love today: “the right man in the right place,” and so on. — Life moving into the future needs concrete ideas, concrete ideals; it needs ideas and ideals that can form an alliance with reality—I have mentioned this from a wide variety of perspectives—but they must be drawn from a genuine understanding of the conditions of humanity’s development and existence. No salvation can come to this development of humanity as long as people are unwilling to ground what is called idealism in such concrete spiritual research. Today, no ideals that are in harmony with reality—that fit into reality—can be established out of mere caprice.

[ 15 ] Stellen Sie sich nur einmal vor, wie es im sechsten Zeitraum sein wird, in dem Zeitraum, der den unsrigen ablöst, und wie es sein würde, wenn dasjenige, was aus den Quellen der geistigen Welt geholt werden kann, sich nicht verbinden würde mit der unabhängigen, auf sich selbst in Freiheit gestellten Menschenseele. Dann wird die Menschheitsentwickelung eingetreten sein in ein Lebensalter, das dem individuellen Lebensalter vom 21. bis zum 14. Jahre entspricht. Dann wird man 30, 40, 50 Jahre alt sein können, wenn dann nicht die individuelle Entwickelung angefacht worden ist, und eine Lebensreife haben können von 17, 16, 15 Jahren. Es ist auch wiederum das Große an der menschheitlichen Entwickelung, daß, je weiter die Erde vorrückt, desto mehr der Fortschritt der Menschheit in des Menschen eigene Hand gegeben ist. Aber wenn das nicht berücksichtigt wird, daß des Menschen Fortschritt in des Menschen eigene Hand gegeben wird, was folgt? Die epidemische Dementia praecox! Daraus aber ersehen Sie, daß es notwendig ist, in die Untergründe des Erdendaseins hineinzuschauen, bewußt zu werden über dasjenige, was der Menschheit droht. Es wird heute viel und nicht hoch genug einzuschätzender Mut in äußeren Taten erlebt; was aber der Menschheit im weiteren Fortgang der Entwickelung notwendig wird, das ist Mut der Seele, jener Mut, der sich entgegenzustellen vermag den Wahrheiten, die zuerst nicht angenehm, nicht bequem erscheinen, wenn man die Bequemlichkeit, die Annehmlichkeit des Lebens allein liebt, und wenn man danach strebt, nur dasjenige aus der Erkenntnis zu vernehmen, das einen, wie man so sagt, «erhebt». Denn dann verlangt man angenehme Wahrheiten. Und das ist ja vielleicht sogar etwas, was sehr, sehr weit verbreitet ist in der Gegenwart. Sobald jemand spricht von nicht angenehmen, obzwar notwendigen Wahrheiten, liebt man ihn nicht, denn man findet, er malträtiert einen, er erhebt einen nicht. Aber höher steht eben das Wahre der Erkenntnis als jene Worte, die wie Butter vom Munde rinnen, und die daher auch wie ein Labetrank mit nach Hause genommen werden können. Höher steht diejenige Befriedigung, die wir aus der Erkenntnis schöpfen, die sich stützen will auf das Leben in der Wahrheit und in der Notwendigkeit und nicht auf das Leben in der leichten Bequemlichkeit.

[ 15 ] Just imagine for a moment what it will be like in the sixth epoch—the one that will succeed our own—and what it would be like if what can be drawn from the sources of the spiritual world did not connect with the independent human soul, which stands freely on its own. Then human development will have entered a stage of life corresponding to the individual life stage from age 21 down to age 14. Then one could be 30, 40, or 50 years old—if individual development has not been stimulated—and yet possess the maturity of a 17-, 16-, or 15-year-old. It is also, once again, the greatness of human development that, the further the Earth advances, the more humanity’s progress is placed into the hands of the individual. But if we fail to take into account that human progress is placed in humanity’s own hands, what follows? Epidemic dementia praecox! From this, however, you can see that it is necessary to look into the depths of earthly existence and become aware of what threatens humanity. Today, we witness a great deal of courage—which cannot be overestimated—in outward actions; but what humanity will need as development continues is courage of the soul—that courage which is capable of facing truths that at first do not seem pleasant or comfortable, especially when one loves only the comfort and pleasantness of life, and when one strives to hear from knowledge only that which, as they say, “uplifts” one. For then one demands pleasant truths. And that is, perhaps, even something that is very, very widespread today. As soon as someone speaks of truths that are unpleasant, though necessary, one does not like him, for one feels he is mistreating one, that he does not uplift one. But the truth of knowledge stands higher than those words that flow from the mouth like butter and can therefore be taken home like a refreshing drink. Higher still is the satisfaction we draw from knowledge that seeks to be grounded in a life of truth and necessity, rather than in a life of easy comfort.

[ 16 ] Das sind die Dinge, die ich zum Verständnis unserer Zeit heute sagen wollte.

[ 16 ] These are the things I wanted to say today to help us understand the times we live in.