Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Truths Regarding Humans Development
The Karma of Materialism
GA 176

19 June 1917, Berlin

Translate the original German text into any language:

Dritter Vortrag

Dritter Vortrag

[ 1 ] Es wird heute meine Aufgabe sein, einiges zur Ergänzung desjenigen wiederum vorzubringen, was in Hauptgedanken entwickelt worden ist als eine Art Grundlage für ein zu suchendes Verständnis der Rätsel unserer Zeit. Es ist ja gewiß rechtes, vollberechtigtes Bedürfnis der Gegenwartsmenschen, diese Zeit nicht zu verschlafen, die zahlreichen Umwandlungsimpulse, die in dieser Zeit in verhältnismäßig kurzen Epochen auf uns wirken, wirklich zu beachten, und dann sich bekannt zu machen mit demjenigen, was notwendig ist für ein gedeihliches Weiterentwickeln der in unserer Zeit vorhandenen geistigen und damit auch der anderen Kulturimpulse.

[ 1 ] Es wird heute meine Aufgabe sein, einiges zur Ergänzung desjenigen wiederum vorzubringen, was in Hauptgedanken entwickelt worden ist als eine Art Grundlage für ein zu suchendes Verständnis der Rätsel unserer Zeit. Es ist ja gewiß rechtes, vollberechtigtes Bedürfnis der Gegenwartsmenschen, diese Zeit nicht zu verschlafen, die zahlreichen Umwandlungsimpulse, die in dieser Zeit in verhältnismäßig kurzen Epochen auf uns wirken, wirklich zu beachten, und dann sich bekannt zu machen mit demjenigen, was notwendig ist für ein gedeihliches Weiterentwickeln der in unserer Zeit vorhandenen geistigen und damit auch der anderen Kulturimpulse.

[ 2 ] Nun habe ich von verschiedenen Gesichtspunkten aus versucht, Ihre Aufmerksamkeit hinzulenken auf jenen großen Zeitraum, dessen Verständnis doch ganz allein die Gegenwart wirklich auch begreiflich machen kann, auf den großen nachatlantischen Zeitraum. Einzelheiten habe ich Ihnen daraus geschildert und große Gesichtspunkte, welche dadurch, daß man die Entwickelung der Menschheit in der ganzen nachatlantischen Zeit einmal auf sich wirken läßt, auch zu einem gewissen Verständnis der Gegenwart bringen können. Nun möchte ich heute noch einmal, wiederum von anderen Gesichtspunkten aus, ich möchte sagen, denselben Zeitraum besprechen, möchte einige andere charakteristische Eigentümlichkeiten dieses Zeitraumes vor Ihre Seele hinstellen. Allerdings, verständlich kann dasjenige nur sein, was ich heute sagen werde, wenn man den Blick auf jene Verjüngung des Menschengeschlechtes wirft, jenes Immer-jünger-und-jünger-Werden von einem Lebensalter unmittelbar nach der atlantischen Katastrophe, das wir als 56. Lebensjahr der Menschheit bezeichnet haben, zu dem Lebensalter des heutigen Menschen, das ihn nur bis zum 27. Lebensjahr naturgemäß entwickelungsfähig läßt, wenn er nicht auf sich selbst gebaute, freie Impulse der Seele, die aus dem Geiste selbst herauskommen müssen, zu bauen geneigt ist. Das wollen wir uns also vor die Seele stellen, was über den heutigen siebenundzwanzigjährigen Menschen in das Gebiet unserer Aufmerksamkeit gekommen ist. Blicken wir nun noch einmal zurück auf die Zeit unmittelbar nach der großen atlantischen Katastrophe. Ich habe ja schon darauf hingewiesen, wie ganz anders das soziale Leben ist, wie ganz anders die sozialen Empfindungen der Menschen in dieser Zeit waren. Ich möchte heute auf die besondere Seelenverfassung der ersten nachatlantischen Menschen, vor allem derjenigen, die den Süden Asiens bewohnten, hinweisen, noch einmal hinweisen auf dasjenige, was Sie genugsam kennen als urindische Kultur, wie es in meinen Schriften verzeichnet ist. Vor allen Dingen war in jener Zeit unter den verschiedenen sozialen Vorstellungen, die die Menschen hatten, etwas ganz und gar nicht vorhanden, was heute sich der Mensch aus unserem sozialen Leben kaum wegdenken kann. Sie wissen, in welchem Zusammenhang und mit welcher ungeheuren Bedeutung man heute von Gesetz und Recht und ähnlichen Dingen spricht. Von diesen Dingen hat man in der ersten nachatlantischen Zeit überhaupt nicht gesprochen. Man hat sie gar nicht gekannt. Mit dem Begriff Recht, mit dem Worte Recht, mit dem Worte Gesetz und ähnlichen Worten, die uns heute unabtrennbar sind von der sozialen Denkweise, hätte man gar keinen Begriff verbinden können. Dagegen hörte man, wenn man Entscheidungen haben wollte für dasjenige, was zu tun oder zu lassen ist, was an Einrichtungen zu treffen ist im öffentlichen oder auch privaten Leben, auf diejenigen Menschen, die das damalige Patriarchenalter erreicht hatten — die Fünfzigerjahre erreicht hatten. Man machte die selbstverständliche Voraussetzung, weil die Menschen in Entwickelungsfähigkeit waren bis in die Fünfzigerjahre hinein, weil sie gewissermaßen wie die Kinder entwickelungsfähig blieben bis in die Fünfzigerjahre hinein, und da sie entwickelungsfähig blieben, eben eine gewisse Lebensreife erlangten in dieser Zeit, auf ganz naturgemäßse Weise, so hatte man die Vorstellung, daß man nur sich sagen zu lassen brauche von denjenigen, die die Fünfzigerjahre erreicht hatten, was zu tun und zu lassen ist. Man war vollständig einig darüber, daß das die Weisen waren, daß die wissen, wie die Welt einzurichten ist, wie die Angelegenheiten der Menschen zu besorgen sind. Es hätte damals niemandem in den Kopf kommen können, zu zweifeln daran, daß die normal bis in die Fünfzigerjahre hinein sich entwickelnden Menschen nicht das Richtige in bezug auf Lebensweisheit hätten finden können. Denn dadurch, daß die Menschen bis in dieses Alter hinein entwickelungsfähig geblieben sind, dadurch offenbarte sich in ihrem Innern auf so naturgemäße Weise, wie jetzt bei Kindern etwas in der Seele sich offenbart, wenn sie geschlechtsreif werden, so bei denen in den Fünfzigerjahren etwas, wobei sie eben diese Fähigkeit, die ich angedeutet habe, erlangten. Man frug also die Alten, die Weisen, und sie waren die selbstverständlichen Gesetzgeber.

[ 2 ] Nun habe ich von verschiedenen Gesichtspunkten aus versucht, Ihre Aufmerksamkeit hinzulenken auf jenen großen Zeitraum, dessen Verständnis doch ganz allein die Gegenwart wirklich auch begreiflich machen kann, auf den großen nachatlantischen Zeitraum. Einzelheiten habe ich Ihnen daraus geschildert und große Gesichtspunkte, welche dadurch, daß man die Entwickelung der Menschheit in der ganzen nachatlantischen Zeit einmal auf sich wirken läßt, auch zu einem gewissen Verständnis der Gegenwart bringen können. Nun möchte ich heute noch einmal, wiederum von anderen Gesichtspunkten aus, ich möchte sagen, denselben Zeitraum besprechen, möchte einige andere charakteristische Eigentümlichkeiten dieses Zeitraumes vor Ihre Seele hinstellen. Allerdings, verständlich kann dasjenige nur sein, was ich heute sagen werde, wenn man den Blick auf jene Verjüngung des Menschengeschlechtes wirft, jenes Immer-jünger-und-jünger-Werden von einem Lebensalter unmittelbar nach der atlantischen Katastrophe, das wir als 56. Lebensjahr der Menschheit bezeichnet haben, zu dem Lebensalter des heutigen Menschen, das ihn nur bis zum 27. Lebensjahr naturgemäß entwickelungsfähig läßt, wenn er nicht auf sich selbst gebaute, freie Impulse der Seele, die aus dem Geiste selbst herauskommen müssen, zu bauen geneigt ist. Das wollen wir uns also vor die Seele stellen, was über den heutigen siebenundzwanzigjährigen Menschen in das Gebiet unserer Aufmerksamkeit gekommen ist. Blicken wir nun noch einmal zurück auf die Zeit unmittelbar nach der großen atlantischen Katastrophe. Ich habe ja schon darauf hingewiesen, wie ganz anders das soziale Leben ist, wie ganz anders die sozialen Empfindungen der Menschen in dieser Zeit waren. Ich möchte heute auf die besondere Seelenverfassung der ersten nachatlantischen Menschen, vor allem derjenigen, die den Süden Asiens bewohnten, hinweisen, noch einmal hinweisen auf dasjenige, was Sie genugsam kennen als urindische Kultur, wie es in meinen Schriften verzeichnet ist. Vor allen Dingen war in jener Zeit unter den verschiedenen sozialen Vorstellungen, die die Menschen hatten, etwas ganz und gar nicht vorhanden, was heute sich der Mensch aus unserem sozialen Leben kaum wegdenken kann. Sie wissen, in welchem Zusammenhang und mit welcher ungeheuren Bedeutung man heute von Gesetz und Recht und ähnlichen Dingen spricht. Von diesen Dingen hat man in der ersten nachatlantischen Zeit überhaupt nicht gesprochen. Man hat sie gar nicht gekannt. Mit dem Begriff Recht, mit dem Worte Recht, mit dem Worte Gesetz und ähnlichen Worten, die uns heute unabtrennbar sind von der sozialen Denkweise, hätte man gar keinen Begriff verbinden können. Dagegen hörte man, wenn man Entscheidungen haben wollte für dasjenige, was zu tun oder zu lassen ist, was an Einrichtungen zu treffen ist im öffentlichen oder auch privaten Leben, auf diejenigen Menschen, die das damalige Patriarchenalter erreicht hatten — die Fünfzigerjahre erreicht hatten. Man machte die selbstverständliche Voraussetzung, weil die Menschen in Entwickelungsfähigkeit waren bis in die Fünfzigerjahre hinein, weil sie gewissermaßen wie die Kinder entwickelungsfähig blieben bis in die Fünfzigerjahre hinein, und da sie entwickelungsfähig blieben, eben eine gewisse Lebensreife erlangten in dieser Zeit, auf ganz naturgemäßse Weise, so hatte man die Vorstellung, daß man nur sich sagen zu lassen brauche von denjenigen, die die Fünfzigerjahre erreicht hatten, was zu tun und zu lassen ist. Man war vollständig einig darüber, daß das die Weisen waren, daß die wissen, wie die Welt einzurichten ist, wie die Angelegenheiten der Menschen zu besorgen sind. Es hätte damals niemandem in den Kopf kommen können, zu zweifeln daran, daß die normal bis in die Fünfzigerjahre hinein sich entwickelnden Menschen nicht das Richtige in bezug auf Lebensweisheit hätten finden können. Denn dadurch, daß die Menschen bis in dieses Alter hinein entwickelungsfähig geblieben sind, dadurch offenbarte sich in ihrem Innern auf so naturgemäße Weise, wie jetzt bei Kindern etwas in der Seele sich offenbart, wenn sie geschlechtsreif werden, so bei denen in den Fünfzigerjahren etwas, wobei sie eben diese Fähigkeit, die ich angedeutet habe, erlangten. Man frug also die Alten, die Weisen, und sie waren die selbstverständlichen Gesetzgeber.

[ 3 ] Wodurch hatten sie denn eigentlich diese bedeutsame Weisheit? Sie hatten diese bedeutsame Weisheit, weil sie sich einig wußten mit dem Geiste, oder vielmehr den Geistern, die in dem Lichte lebten. Heute empfinden wir die Wärme unserer Umgebung, heute empfinden wir die Luft, indem wir sie ein- und ausatmen, wir empfinden die Gewalt des Wassers, wie es aufsteigt und als Regen herunterfällt, wir empfinden das alles aber nur physikalisch, mit den Sinnen. So war es nicht für die ersten nachatlantischen Menschen, wenn sie die Fünfzigerjahre erlebt hatten, sondern sie empfanden in der Wärme, in der Luft und ihren Strömungen, in dem Kreislauf des Wassers überall mit das Geistige. Dadurch aber, daß sie das Geistige in den Elementen empfanden, daß sie gewissermaßen nicht bloß Wind empfanden, sondern die Geister des Windes, nicht bloß Wärme fühlten, sondern den Geist der Wärme, nicht bloß Wasser sahen, sondern auch die Geister des Wassers, dadurch lauschten sie innerlich in gewissen Lebensaltern, allerdings nur in gewissen Wachzuständen, den Offenbarungen dieser Elementengeister; und was ihnen diese Elementengeister mitteilten, das war dasjenige, was sie ihrer Weisheit, die sie den anderen mitteilten, zugrunde legten. Diese Leute waren, wenn sie normal entwickelt waren, nicht bloß dasjenige, was wir heute ein Genie nennen, sondern etwas weit über das, was wir heute Genies nennen, Hinausgehendes. Es war eben möglich in der damaligen Zeit, daß die menschliche Natur selbst dasjenige hergab, daß sich die Weisheit in ihr offenbarte, wie sich heute nach und nach die Seelenstadien unter der körperlichen Entwickelung des Kindes bis in ein gewisses Lebensalter hinein offenbaren. Und daß die Weisheit sich offenbarte, das hing damit zusammen, daß die Menschen nicht nur entwickelungsfähig blieben, solange der Leib im Wachsen, Blühen und Aufsteigen war, sondern auch wenn der Leib zusammensank, wenn der Leib wiederum sich sklerotisierte, mineralisierte. Dieses Abnehmen der Leiblichkeit, dieses Verkalken der Leiblichkeit, das führte dazu, daß sich das Seelisch-Geistige entwickelte. Das war allerdings mit etwas anderem noch verknüpft, was Sie leicht verstehen werden, wenn Sie sich das lebhaft vorstellen, was jetzt auseinandergesetzt worden ist. Solche Menschen nahmen lebendig wahr die geistigen Wesenheiten der Elemente. Kam dann die Nacht herein, so waren die damaligen Sinne normalerweise nicht geeignet, bloß die Sterne zu sehen, sondern sie sahen Imaginationen, wirklich das Geistige, das lebte auch im Sternenhimmel. Deshalb habe ich oftmals darauf aufmerksam gemacht: Die alten Sternkarten, auf denen so merkwürdige Figuren darauf sind, das ist nicht, der Phantastik der neueren Naturwissenschaft entsprechend, durch Phantasie gemacht, sondern durch unmittelbare Schauungen. Diese Dinge hat man wirklich gesehen.

[ 3 ] Wodurch hatten sie denn eigentlich diese bedeutsame Weisheit? Sie hatten diese bedeutsame Weisheit, weil sie sich einig wußten mit dem Geiste, oder vielmehr den Geistern, die in dem Lichte lebten. Heute empfinden wir die Wärme unserer Umgebung, heute empfinden wir die Luft, indem wir sie ein- und ausatmen, wir empfinden die Gewalt des Wassers, wie es aufsteigt und als Regen herunterfällt, wir empfinden das alles aber nur physikalisch, mit den Sinnen. So war es nicht für die ersten nachatlantischen Menschen, wenn sie die Fünfzigerjahre erlebt hatten, sondern sie empfanden in der Wärme, in der Luft und ihren Strömungen, in dem Kreislauf des Wassers überall mit das Geistige. Dadurch aber, daß sie das Geistige in den Elementen empfanden, daß sie gewissermaßen nicht bloß Wind empfanden, sondern die Geister des Windes, nicht bloß Wärme fühlten, sondern den Geist der Wärme, nicht bloß Wasser sahen, sondern auch die Geister des Wassers, dadurch lauschten sie innerlich in gewissen Lebensaltern, allerdings nur in gewissen Wachzuständen, den Offenbarungen dieser Elementengeister; und was ihnen diese Elementengeister mitteilten, das war dasjenige, was sie ihrer Weisheit, die sie den anderen mitteilten, zugrunde legten. Diese Leute waren, wenn sie normal entwickelt waren, nicht bloß dasjenige, was wir heute ein Genie nennen, sondern etwas weit über das, was wir heute Genies nennen, Hinausgehendes. Es war eben möglich in der damaligen Zeit, daß die menschliche Natur selbst dasjenige hergab, daß sich die Weisheit in ihr offenbarte, wie sich heute nach und nach die Seelenstadien unter der körperlichen Entwickelung des Kindes bis in ein gewisses Lebensalter hinein offenbaren. Und daß die Weisheit sich offenbarte, das hing damit zusammen, daß die Menschen nicht nur entwickelungsfähig blieben, solange der Leib im Wachsen, Blühen und Aufsteigen war, sondern auch wenn der Leib zusammensank, wenn der Leib wiederum sich sklerotisierte, mineralisierte. Dieses Abnehmen der Leiblichkeit, dieses Verkalken der Leiblichkeit, das führte dazu, daß sich das Seelisch-Geistige entwickelte. Das war allerdings mit etwas anderem noch verknüpft, was Sie leicht verstehen werden, wenn Sie sich das lebhaft vorstellen, was jetzt auseinandergesetzt worden ist. Solche Menschen nahmen lebendig wahr die geistigen Wesenheiten der Elemente. Kam dann die Nacht herein, so waren die damaligen Sinne normalerweise nicht geeignet, bloß die Sterne zu sehen, sondern sie sahen Imaginationen, wirklich das Geistige, das lebte auch im Sternenhimmel. Deshalb habe ich oftmals darauf aufmerksam gemacht: Die alten Sternkarten, auf denen so merkwürdige Figuren darauf sind, das ist nicht, der Phantastik der neueren Naturwissenschaft entsprechend, durch Phantasie gemacht, sondern durch unmittelbare Schauungen. Diese Dinge hat man wirklich gesehen.

[ 4 ] So also schufen und rieten diese Alten, diese alten Weisen aus ihrem unmittelbaren Schauen heraus und richteten das soziale Leben in diesem Sinne ein. Damals aber waren sie auch in innigem Kontakt, in ganz innigem Kontakt mit dem Stück Erde, das sie bewohnten, denn sie sahen ja das Geistige dieses Stückes Erde, das sie bewohnten: das Geistige des Wassers, das entquoll dieser Erde, die sie bewohnten, sie sahen das Geistige der Luft, die darüber wehte, das Geistige der sonstigen klimatischen Verhältnisse, sahen die Verhältnisse, die in der Wärme lebten und so weiter. Diese Verhältnisse waren überall andere, in Griechenland andere als in Indien, andere als in Persien und so weiter. Daher sahen wirklich die Weisen in der damaligen Zeit so, wie es gemäß ihrem Stück Erde war. Und es entwickelte sich in Indien eine solche Kultur, wie sie aus der Erde herauskommen mußte, ebenso entwickelte sich in Griechenland eine solche Kultur, wie sie herauskommen mußte aus der Erde, im Einverständnis mit den Elementen der Erde. Die Erde wurde empfunden als etwas Konkretes. Nicht wahr, heute empfinden wir es höchstens nur noch am Menschen so: wir würden es heute grotesk am Menschen empfinden, wenn uns jemand weismachen wollte, daß an der Stelle der Nase das Ohr sein könnte und an der Stelle des Ohres die Nase; nicht wahr, der ganze Organismus ist so gebaut, daß die Nase an einer bestimmten Stelle sitzt, und das Ohr an einer bestimmten Stelle sitzt. Aber davon hat man heute keinen rechten Begriff mehr, daß die Erde ein ganzer Organismus ist, und daß, wenn eine bestimmte Kultur, wenn sie wirklich unter dem Einfluß der Erdenelementargeister geschieht, sich entwickelt, sie auch eine bestimmte Physiognomie tragen muß. Man hätte nicht dasjenige, was im alten Griechenland gewachsen ist, hinübertragen können nach dem alten Indien und umgekehrt. Auf der Erde entwickelte sich also eine solche Kultur, welche die geistige Physiognomie der Erde wiedergab. Das ist das Bedeutsame für diese alte Zeit. Heute weiß der Mensch nichts davon, weil er in den Zeiten, wo er es wissen könnte, nicht entwickelungsfähig bleibt. So denken die Leute wenig darüber nach, woher es kommt, daß im östlichen Amerika, wenn die Weißen einwandern, diese Weißen dort ein völlig anderes Aussehen bekommen als in Kalifornien, im westlichen Amerika. Im östlichen Amerika werden bei den eingewanderten Weißen die Augen, der Blick, ganz anders, die Hände werden größer als in Europa, die Hautfarbe wird sogar etwas anders. Im östlichen Amerika ist das der Fall, nicht im westlichen Amerika. Diese Zusammenhänge mit der Stelle im Erdenorganismus, auf der sich eine Kultur entwickelt, die werden gar nicht mehr berücksichtigt. Das hängt heute damit zusammen, daß der Mensch nicht mehr weiß, welche geistigen Entitäten, welche geistigen Wesenheiten in den Elementen der Erde leben. Heute ist der Mensch abstrakt geworden, heute denkt er über die konkreten Dinge überhaupt nicht mehr nach.

[ 4 ] So also schufen und rieten diese Alten, diese alten Weisen aus ihrem unmittelbaren Schauen heraus und richteten das soziale Leben in diesem Sinne ein. Damals aber waren sie auch in innigem Kontakt, in ganz innigem Kontakt mit dem Stück Erde, das sie bewohnten, denn sie sahen ja das Geistige dieses Stückes Erde, das sie bewohnten: das Geistige des Wassers, das entquoll dieser Erde, die sie bewohnten, sie sahen das Geistige der Luft, die darüber wehte, das Geistige der sonstigen klimatischen Verhältnisse, sahen die Verhältnisse, die in der Wärme lebten und so weiter. Diese Verhältnisse waren überall andere, in Griechenland andere als in Indien, andere als in Persien und so weiter. Daher sahen wirklich die Weisen in der damaligen Zeit so, wie es gemäß ihrem Stück Erde war. Und es entwickelte sich in Indien eine solche Kultur, wie sie aus der Erde herauskommen mußte, ebenso entwickelte sich in Griechenland eine solche Kultur, wie sie herauskommen mußte aus der Erde, im Einverständnis mit den Elementen der Erde. Die Erde wurde empfunden als etwas Konkretes. Nicht wahr, heute empfinden wir es höchstens nur noch am Menschen so: wir würden es heute grotesk am Menschen empfinden, wenn uns jemand weismachen wollte, daß an der Stelle der Nase das Ohr sein könnte und an der Stelle des Ohres die Nase; nicht wahr, der ganze Organismus ist so gebaut, daß die Nase an einer bestimmten Stelle sitzt, und das Ohr an einer bestimmten Stelle sitzt. Aber davon hat man heute keinen rechten Begriff mehr, daß die Erde ein ganzer Organismus ist, und daß, wenn eine bestimmte Kultur, wenn sie wirklich unter dem Einfluß der Erdenelementargeister geschieht, sich entwickelt, sie auch eine bestimmte Physiognomie tragen muß. Man hätte nicht dasjenige, was im alten Griechenland gewachsen ist, hinübertragen können nach dem alten Indien und umgekehrt. Auf der Erde entwickelte sich also eine solche Kultur, welche die geistige Physiognomie der Erde wiedergab. Das ist das Bedeutsame für diese alte Zeit. Heute weiß der Mensch nichts davon, weil er in den Zeiten, wo er es wissen könnte, nicht entwickelungsfähig bleibt. So denken die Leute wenig darüber nach, woher es kommt, daß im östlichen Amerika, wenn die Weißen einwandern, diese Weißen dort ein völlig anderes Aussehen bekommen als in Kalifornien, im westlichen Amerika. Im östlichen Amerika werden bei den eingewanderten Weißen die Augen, der Blick, ganz anders, die Hände werden größer als in Europa, die Hautfarbe wird sogar etwas anders. Im östlichen Amerika ist das der Fall, nicht im westlichen Amerika. Diese Zusammenhänge mit der Stelle im Erdenorganismus, auf der sich eine Kultur entwickelt, die werden gar nicht mehr berücksichtigt. Das hängt heute damit zusammen, daß der Mensch nicht mehr weiß, welche geistigen Entitäten, welche geistigen Wesenheiten in den Elementen der Erde leben. Heute ist der Mensch abstrakt geworden, heute denkt er über die konkreten Dinge überhaupt nicht mehr nach.

[ 5 ] Was ich Ihnen so geschildert habe für den ältesten Zeitraum, das wurde selbstverständlich anders im nächsten Zeitraum, als die Menschheit das Lebensalter vom 48. bis 42. Jahr durchmachte. Dieser zweite nachatlantische Zeitraum, in ihm blieben die Menschen nur entwickelungsfähig bis in die Vierzigerjahre hinein. Also da erreichten sie nicht jene Weisheit, die sie in der ersten Periode erreichten, sondern sie blieben eben nur in ihrem Seelisch-Geistigen abhängig von dem Leiblichen bis in die Vierzigerjahre hinein. Daher wurde diese Fähigkeit, den Zusammenhang mit den Elementen noch zu empfinden, geringer. Die Menschen konnten nicht mehr den Zusammenhang mit den Elementen empfinden. Aber diese Fähigkeit war nur etwas geringer geworden; sie war noch da. Die Menschen empfanden es damals so, daß sie wußten: Wenn sie mit ihrer Seele im Schlafe außerhalb des Leibes sind, dann sind sie in der geistigen Welt drinnen. Das wußten sie, wenn sie die Reife der Vierzigerjahre erreicht hatten. Und sie wußten auch: Wenn sie wiederum untertauchen in ihren Leib beim Aufwachen, dann verdunkelt sich für sie die geistige Welt. Daher bildete sich der eigentliche Ursprung der späteren Ormuzd- und Ahrimanlehre, der Lehre von Licht und Finsternis. Es ist richtig aus der Erfahrung stammend. Der Mensch wußte: Du bist mit deiner Seele im Schlafe in der geistigen Lichtwelt drinnen; wenn du in den Leib hinuntersteigst, steigst du’ in die geistige Finsternis herunter. Es war nicht mehr die enge Abhängigkeit von dem Stück Land da, auf dem man lebte, aber es war ein Mitleben mit Tag und Nacht. Die Sternbilder sah man auch noch nicht anders als Imaginationen, bildlich. Aber gerade, daß man sie bildlich sah, wenn man außerhalb des Leibes war: diese Fähigkeit war atavistisch geblieben seit der atlantischen Zeit. Daher wußten die Menschen: Du hast eine lebendige Seele, die ist im Schlafe in einer geistigen Welt drinnen, in einer Welt, die durch Imagination erfaßbar ist.

[ 5 ] Was ich Ihnen so geschildert habe für den ältesten Zeitraum, das wurde selbstverständlich anders im nächsten Zeitraum, als die Menschheit das Lebensalter vom 48. bis 42. Jahr durchmachte. Dieser zweite nachatlantische Zeitraum, in ihm blieben die Menschen nur entwickelungsfähig bis in die Vierzigerjahre hinein. Also da erreichten sie nicht jene Weisheit, die sie in der ersten Periode erreichten, sondern sie blieben eben nur in ihrem Seelisch-Geistigen abhängig von dem Leiblichen bis in die Vierzigerjahre hinein. Daher wurde diese Fähigkeit, den Zusammenhang mit den Elementen noch zu empfinden, geringer. Die Menschen konnten nicht mehr den Zusammenhang mit den Elementen empfinden. Aber diese Fähigkeit war nur etwas geringer geworden; sie war noch da. Die Menschen empfanden es damals so, daß sie wußten: Wenn sie mit ihrer Seele im Schlafe außerhalb des Leibes sind, dann sind sie in der geistigen Welt drinnen. Das wußten sie, wenn sie die Reife der Vierzigerjahre erreicht hatten. Und sie wußten auch: Wenn sie wiederum untertauchen in ihren Leib beim Aufwachen, dann verdunkelt sich für sie die geistige Welt. Daher bildete sich der eigentliche Ursprung der späteren Ormuzd- und Ahrimanlehre, der Lehre von Licht und Finsternis. Es ist richtig aus der Erfahrung stammend. Der Mensch wußte: Du bist mit deiner Seele im Schlafe in der geistigen Lichtwelt drinnen; wenn du in den Leib hinuntersteigst, steigst du’ in die geistige Finsternis herunter. Es war nicht mehr die enge Abhängigkeit von dem Stück Land da, auf dem man lebte, aber es war ein Mitleben mit Tag und Nacht. Die Sternbilder sah man auch noch nicht anders als Imaginationen, bildlich. Aber gerade, daß man sie bildlich sah, wenn man außerhalb des Leibes war: diese Fähigkeit war atavistisch geblieben seit der atlantischen Zeit. Daher wußten die Menschen: Du hast eine lebendige Seele, die ist im Schlafe in einer geistigen Welt drinnen, in einer Welt, die durch Imagination erfaßbar ist.

[ 6 ] Noch mehr zurückgegangen war dann die Fähigkeit, sich in solcher Weise konkret in das ganze Weltenall hineinzustellen, in der dritten, der ägyptisch-chaldäischen Kulturepoche. Da war sie noch mehr zurückgegangen. Da empfanden die Menschen nicht mehr so stark. In Persien blieb die Tradition, nicht mehr die unmittelbare Erfahrung. Zarathustra hat das dann als Sternenschulung seinen Schülern gebracht. Aber da, wo sich die eigentliche Menschheitskultur normal entwickelte, in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode, da ist die Fähigkeit der Menschen mit Bezug auf das sinnliche Wahrnehmen erhöht; das alte geistige Wahrnehmen ging zurück. Daher kommt es, daß die Menschen in dieser dritten Periode vorzugsweise den Sternendienst hatten. In der alten Zeit in Persien hatte man nicht einen Sternendienst, sondern man hatte die geistige Welt der Imagination und der Sphärenmusik. Jetzt fing man schon an, die Dinge zu deuten, die Bilder gewissermaßen nur mehr undeutlich zu sehen und die Sterne nur durchzusehen. Daher entwickelte sich da in dieser dritten Periode der eigentliche Sternendienst.

[ 6 ] Noch mehr zurückgegangen war dann die Fähigkeit, sich in solcher Weise konkret in das ganze Weltenall hineinzustellen, in der dritten, der ägyptisch-chaldäischen Kulturepoche. Da war sie noch mehr zurückgegangen. Da empfanden die Menschen nicht mehr so stark. In Persien blieb die Tradition, nicht mehr die unmittelbare Erfahrung. Zarathustra hat das dann als Sternenschulung seinen Schülern gebracht. Aber da, wo sich die eigentliche Menschheitskultur normal entwickelte, in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode, da ist die Fähigkeit der Menschen mit Bezug auf das sinnliche Wahrnehmen erhöht; das alte geistige Wahrnehmen ging zurück. Daher kommt es, daß die Menschen in dieser dritten Periode vorzugsweise den Sternendienst hatten. In der alten Zeit in Persien hatte man nicht einen Sternendienst, sondern man hatte die geistige Welt der Imagination und der Sphärenmusik. Jetzt fing man schon an, die Dinge zu deuten, die Bilder gewissermaßen nur mehr undeutlich zu sehen und die Sterne nur durchzusehen. Daher entwickelte sich da in dieser dritten Periode der eigentliche Sternendienst.

[ 7 ] Und dann kommt die vierte Periode, in der das Bewußtsein der geistigen Welt ringsumher geschwunden war, in der sich schon die Menschen jener Anschauungsform näherten, die wir auch jetzt haben, in der man auch nur mehr aus der Weltumgebung die sinnliche Wirklichkeit der Sterne sah. Ich habe Ihnen geschildert, wie. das im Griechentum war. Da wußte man, in jeder einzelnen Leibesäußerung lebt die Seele; aber die Heimat der Seele im Kosmos, die empfand man in der Weise nicht mehr mit. Daher sehen Sie bei dem großen Weisen, den ich Ihnen ja als für andere Dinge charakteristisch schon öfter angeführt habe, gerade weil er nicht ein Initiierter war, Aristoteles, daß er nicht mehr Anschauungen über die Sterne hat, sondern eine Philosophie über die Sternenwelt begründet. Er deutet; er deutet das, was das Auge sieht, er deutet es deshalb, weil er noch weiß: in dem Leben zwischen Geburt und Tod, da ist die Seele im Leibe. Philosophisch weiß Aristoteles auch: Die Seele hat ihre Heimat da, wo der oberste Gott — für Aristoteles — die äußerste Sphäre lenkt, und die Untergötter dann die anderen Sphären lenken. Aristoteles hat auch noch eine Philosophie über die Elemente der Erde, des Wassers, der Luft, des Feuers oder der Wärme, aber er hat eben nur noch eine Philosophie, nicht eine Erfahrung. In älteren Zeiten war die Erfahrung, die unmittelbare Anschauung da. So war es nicht in der vierten nachatlantischen Kulturperiode. Die Menschheit war herausgetrieben, richtig herausgetrieben aus der geistigen Welt. Daher mußte jener Einschlag kommen, der eben durch das Mysterium von Golgatha kam.

[ 7 ] Und dann kommt die vierte Periode, in der das Bewußtsein der geistigen Welt ringsumher geschwunden war, in der sich schon die Menschen jener Anschauungsform näherten, die wir auch jetzt haben, in der man auch nur mehr aus der Weltumgebung die sinnliche Wirklichkeit der Sterne sah. Ich habe Ihnen geschildert, wie. das im Griechentum war. Da wußte man, in jeder einzelnen Leibesäußerung lebt die Seele; aber die Heimat der Seele im Kosmos, die empfand man in der Weise nicht mehr mit. Daher sehen Sie bei dem großen Weisen, den ich Ihnen ja als für andere Dinge charakteristisch schon öfter angeführt habe, gerade weil er nicht ein Initiierter war, Aristoteles, daß er nicht mehr Anschauungen über die Sterne hat, sondern eine Philosophie über die Sternenwelt begründet. Er deutet; er deutet das, was das Auge sieht, er deutet es deshalb, weil er noch weiß: in dem Leben zwischen Geburt und Tod, da ist die Seele im Leibe. Philosophisch weiß Aristoteles auch: Die Seele hat ihre Heimat da, wo der oberste Gott — für Aristoteles — die äußerste Sphäre lenkt, und die Untergötter dann die anderen Sphären lenken. Aristoteles hat auch noch eine Philosophie über die Elemente der Erde, des Wassers, der Luft, des Feuers oder der Wärme, aber er hat eben nur noch eine Philosophie, nicht eine Erfahrung. In älteren Zeiten war die Erfahrung, die unmittelbare Anschauung da. So war es nicht in der vierten nachatlantischen Kulturperiode. Die Menschheit war herausgetrieben, richtig herausgetrieben aus der geistigen Welt. Daher mußte jener Einschlag kommen, der eben durch das Mysterium von Golgatha kam.

[ 8 ] Ich habe Sie auf die ganze tiefe Bedeutung dieses Mysteriums von Golgatha an jener Stelle dieser Betrachtungen hingewiesen, wo ich Ihnen gezeigt habe: da war die Menschheit bis zum 33. Lebensjahr entwickelungsfähig geblieben, und der Christus in dem Jesus erlebte gerade das 33. Jahr. Ein wunderbares Zusammentreffen! Also unmittelbar nach der atlantischen Katastrophe blieb der Mensch entwickelungsfähig bis zum 56., 55., 54. Jahre und so weiter, im Anfang der zweiten Periode bis zum 48., 47. Jahre und so weiter, am Ende bis zum 42. Jahr, am Anfang der dritten Periode bis zum 42., dann heruntergehend bis zum Ende der ägyptisch-chaldäischen Epoche, bis zum 36. Jahr. Dann fing die griechisch-lateinische Zeit an, 747 vor dem Mysterium von Golgatha. Da blieb die Menschheit nur entwickelungsfähig bis zum 35. Jahr, dann bis zum 34. Jahr. Und als sie bis zum 33. Jahr nur entwickelungsfähig war, da erlebten die Menschen — weil das 33. Lebensjahr unter dem 35. Lebensjahr steht; bis zum 35. Jahr geht die Entwickelung hinauf, dann hinunter —, da erlebten die Menschen gar nicht mehr das Hinuntersinken mit der Seele, daher kam der Geist von außen, der Christus-Geist. Denken Sie, wie man da hineinsieht in die Notwendigkeit des Eintretens des Christus-Geistes in die Menschheitsentwickelung!

[ 8 ] Ich habe Sie auf die ganze tiefe Bedeutung dieses Mysteriums von Golgatha an jener Stelle dieser Betrachtungen hingewiesen, wo ich Ihnen gezeigt habe: da war die Menschheit bis zum 33. Lebensjahr entwickelungsfähig geblieben, und der Christus in dem Jesus erlebte gerade das 33. Jahr. Ein wunderbares Zusammentreffen! Also unmittelbar nach der atlantischen Katastrophe blieb der Mensch entwickelungsfähig bis zum 56., 55., 54. Jahre und so weiter, im Anfang der zweiten Periode bis zum 48., 47. Jahre und so weiter, am Ende bis zum 42. Jahr, am Anfang der dritten Periode bis zum 42., dann heruntergehend bis zum Ende der ägyptisch-chaldäischen Epoche, bis zum 36. Jahr. Dann fing die griechisch-lateinische Zeit an, 747 vor dem Mysterium von Golgatha. Da blieb die Menschheit nur entwickelungsfähig bis zum 35. Jahr, dann bis zum 34. Jahr. Und als sie bis zum 33. Jahr nur entwickelungsfähig war, da erlebten die Menschen — weil das 33. Lebensjahr unter dem 35. Lebensjahr steht; bis zum 35. Jahr geht die Entwickelung hinauf, dann hinunter —, da erlebten die Menschen gar nicht mehr das Hinuntersinken mit der Seele, daher kam der Geist von außen, der Christus-Geist. Denken Sie, wie man da hineinsieht in die Notwendigkeit des Eintretens des Christus-Geistes in die Menschheitsentwickelung!

[ 9 ] Werfen wir jetzt einen Blick zurück auf die alten Patriarchen, die übergenial waren. Man frug sie, wenn es sich darum handelte, Erdeneinrichtungen zu treffen, weil sie durch eigene seelische Entwickelung das Göttlich-Geistige verwirklichen konnten. Immer weniger und weniger konnte man die Menschen fragen. Und als die Menschheit bis zum 33, Jahr gekommen war, da mußte aus ganz anderen Welten der Christus in den Jesus von Nazareth kommen. Da mußte von ganz anderer Seite her den Menschen der Impuls kommen, der ihnen durch eigenes Wachstum ihrer eigenen Entwickelung verlorengegangen war. Tief hinein sehen wir da in den notwendigen Zusammenhang der Menschheitsentwickelung mit dem Mysterium von Golgatha. Immer wieder und wiederum kann man nur sagen: Wenn in dieser Weise Geisteswissenschaft wirken kann, so wird sie zeigen, wie der Christus aus einer inneren Notwendigkeit heraus in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist. Und daß die Menschheit heute eine solche Anschauung, eine solche Erneuerung des Verständnisses für den ChristusImpuls braucht: Sie sehen es überall auf Schritt und Tritt.

[ 9 ] Werfen wir jetzt einen Blick zurück auf die alten Patriarchen, die übergenial waren. Man frug sie, wenn es sich darum handelte, Erdeneinrichtungen zu treffen, weil sie durch eigene seelische Entwickelung das Göttlich-Geistige verwirklichen konnten. Immer weniger und weniger konnte man die Menschen fragen. Und als die Menschheit bis zum 33, Jahr gekommen war, da mußte aus ganz anderen Welten der Christus in den Jesus von Nazareth kommen. Da mußte von ganz anderer Seite her den Menschen der Impuls kommen, der ihnen durch eigenes Wachstum ihrer eigenen Entwickelung verlorengegangen war. Tief hinein sehen wir da in den notwendigen Zusammenhang der Menschheitsentwickelung mit dem Mysterium von Golgatha. Immer wieder und wiederum kann man nur sagen: Wenn in dieser Weise Geisteswissenschaft wirken kann, so wird sie zeigen, wie der Christus aus einer inneren Notwendigkeit heraus in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist. Und daß die Menschheit heute eine solche Anschauung, eine solche Erneuerung des Verständnisses für den ChristusImpuls braucht: Sie sehen es überall auf Schritt und Tritt.

[ 10 ] Im letzten Heft «Die Tat» — darinnen manches Interessante ist, und deshalb empfehle ich Ihnen das zu lesen — finden Sie einen interessanten Aufsatz unseres verehrten Freundes Dr. Rittelmeyer und eine der letzten Arbeiten unseres verstorbenen lieben Freundes Deinhard. Aber es ist auch in diesem Heft ein Aufsatz von Arthur Drews, der sehr bedeutsam ist aus dem Grunde, weil Arthur Drews sich wieder einmal damit auseinandersetzt, welche Stellung der Christus Jesus in der modernen Menschheitsentwickelung haben kann. Sie wissen, wir haben öfter von Drews gesprochen. Er ist derjenige, der damals in Berlin aufgetreten ist, als man von sogenannter monistischer Seite sich nachzuweisen bemühte, daß Jesus von Nazareth keine historische Persönlichkeit sein kann und so weiter. Die beiden Bücher von der ChristusMythe sind ja geschrieben, um den Nachweis zu führen, daß es sich nicht geschichtlich beweisen läßt, daß ein Jesus von Nazareth gelebt hat.

[ 10 ] Im letzten Heft «Die Tat» — darinnen manches Interessante ist, und deshalb empfehle ich Ihnen das zu lesen — finden Sie einen interessanten Aufsatz unseres verehrten Freundes Dr. Rittelmeyer und eine der letzten Arbeiten unseres verstorbenen lieben Freundes Deinhard. Aber es ist auch in diesem Heft ein Aufsatz von Arthur Drews, der sehr bedeutsam ist aus dem Grunde, weil Arthur Drews sich wieder einmal damit auseinandersetzt, welche Stellung der Christus Jesus in der modernen Menschheitsentwickelung haben kann. Sie wissen, wir haben öfter von Drews gesprochen. Er ist derjenige, der damals in Berlin aufgetreten ist, als man von sogenannter monistischer Seite sich nachzuweisen bemühte, daß Jesus von Nazareth keine historische Persönlichkeit sein kann und so weiter. Die beiden Bücher von der ChristusMythe sind ja geschrieben, um den Nachweis zu führen, daß es sich nicht geschichtlich beweisen läßt, daß ein Jesus von Nazareth gelebt hat.

[ 11 ] Dieses Mal setzt er, Drews, sich von einem merkwürdigen Standpunkte aus mit dem Christus Jesus-Problem auseinander. Es ist im dritten Heft 1917/18, im Juni-Heft von «Die Tat» des Diederichschen Verlags, in dem Artikel «Die Stellung Jesu Christi in der deutschen Frömmigkeit». Nun konstruiert er einen merkwürdigen Begriff von deutscher Frömmigkeit. Ebenso geistreich, als wenn man einen Begriff konstruieren würde von der deutschen Sonne oder dem deutschen Mond. Denn diese Dinge sind ja nun wirklich so, daß, wenn man nach nationalen Differenzierungen von diesen Dingen spricht, man schon das Wort deutsche Frömmigkeit vergleichen kann mit dem unsinnigen Wort deutsche Sonne oder deutscher Mond. Aber diese Dinge finden ja heute ein großes Publikum. Und es ist interessant, wie nun Drews, der ja sonst nicht so sehr sich auf Eckart, Tauler, Jakob Böhme berufen würde, sich hier auf Fichte beruft, auf den er sich auch in philosophischen Dingen sonst nicht berufen würde, wie er anknüpft und etwas krebsen geht, mit dem Begriff deutsche Frömmigkeit und zu zeigen versucht, daß man aber eigentlich heute doch nur, insbesondere wenn man ein Deutscher ist, zu einem richtigen Jesus Christus-Begriff kommen könne, wenn man nicht auf dem Wege geschichtlicher Betrachtung, geschichtlicher Theologie zu diesem Christus-Begriff kommt, sondern durch dasjenige, was er deutsche Metaphysik nennt — Metaphysik! Da kann man, sagt Drews, überhaupt mit einem historischen Christus Jesus nicht rechnen; denn der kann von keiner Metaphysik aufgefunden werden.

[ 11 ] Dieses Mal setzt er, Drews, sich von einem merkwürdigen Standpunkte aus mit dem Christus Jesus-Problem auseinander. Es ist im dritten Heft 1917/18, im Juni-Heft von «Die Tat» des Diederichschen Verlags, in dem Artikel «Die Stellung Jesu Christi in der deutschen Frömmigkeit». Nun konstruiert er einen merkwürdigen Begriff von deutscher Frömmigkeit. Ebenso geistreich, als wenn man einen Begriff konstruieren würde von der deutschen Sonne oder dem deutschen Mond. Denn diese Dinge sind ja nun wirklich so, daß, wenn man nach nationalen Differenzierungen von diesen Dingen spricht, man schon das Wort deutsche Frömmigkeit vergleichen kann mit dem unsinnigen Wort deutsche Sonne oder deutscher Mond. Aber diese Dinge finden ja heute ein großes Publikum. Und es ist interessant, wie nun Drews, der ja sonst nicht so sehr sich auf Eckart, Tauler, Jakob Böhme berufen würde, sich hier auf Fichte beruft, auf den er sich auch in philosophischen Dingen sonst nicht berufen würde, wie er anknüpft und etwas krebsen geht, mit dem Begriff deutsche Frömmigkeit und zu zeigen versucht, daß man aber eigentlich heute doch nur, insbesondere wenn man ein Deutscher ist, zu einem richtigen Jesus Christus-Begriff kommen könne, wenn man nicht auf dem Wege geschichtlicher Betrachtung, geschichtlicher Theologie zu diesem Christus-Begriff kommt, sondern durch dasjenige, was er deutsche Metaphysik nennt — Metaphysik! Da kann man, sagt Drews, überhaupt mit einem historischen Christus Jesus nicht rechnen; denn der kann von keiner Metaphysik aufgefunden werden.

[ 12 ] Das hängt tief zusammen mit etwas, was ich Ihnen sagte in diesen Betrachtungen; ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß man in einer gewissen Beziehung überhaupt nur eine Gottes-Idee, den VaterGott finden könne, daß eigentlich bei Harnack der Christus gar nicht vorhanden, sondern nur hineingezerrt ist, daß eigentlich nur der VaterGott vorhanden ist. Denn man kann nicht durch bloße sogenannte innere Mystik etwas anderes finden als nur den einheitlichen Gott. Den Christus kann man nicht finden aus dem, was Tauler und Eckart haben; etwas anderes ist es bei Jakob Böhme, aber den Unterschied versteht der Drews nicht, da kann man, weil der Christus-Begriff da ist, ihn hereinnehmen. Ebensowenig kann man durch die Theologie des Adolf Harnack den Christus finden. Arthur Drews ist nur vom gegenwärtigen Standpunkte aus, ein Stück ehrlicher. Er sucht den Christus und findet ihn nicht, weil man ihn nicht finden kann vom Standpunkte seiner Metaphysik, die sich nicht auf die geschichtlichen Tatsachen bezieht — die, denken Sie, uns so weit führen, daß wir sogar das Alter des Christus Jesus im Mysterium von Golgatha begreifen —, weil Drews stehen bleiben will bei einer abstrakten Metaphysik, die man höchstens heute noch gelten läßt und bei der man den Christus nicht findet. Man kann ihn auch nicht finden, sondern ihn nur herbeizitieren in einer abstrakten Metaphysik. Eine Metaphysik wird einen Gott finden, wird theistisch sein, wenn sie nicht krank ist, aber sie kann nicht den Christus finden. Das hängt mit dem zusammen, was ich Ihnen sagte: Atheist sein, den Gott nicht finden, ist eigentlich eine Krankheit, den Christus nicht finden, ist ein Unglück, den Geist nicht finden, ist eine Blindheit. Damit hängt das zusammen. So kommt Drews dazu, sich zu sagen: Ja, das, was wir da finden, haben wir kein Recht, den Christus zu nennen, daher muß der Christus verschwinden. Jetzt konstruiert Drews — und er glaubt da so recht auf dem Boden der Gegenwart zu stehen, und steht auch darauf, insofern diese Gegenwart die Geisteswissenschaft ablehnt — und glaubt sagen zu können: Gerade diejenige Religion, die wir anstreben müssen, die auf Metaphysik begründet ist, kann, wenn sie ehrlich ist, den Christus-Begriff gar nicht haben. — Nun hören wir die Worte an, mit denen Drews den merkwürdigen Aufsatz schließt:

[ 12 ] Das hängt tief zusammen mit etwas, was ich Ihnen sagte in diesen Betrachtungen; ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß man in einer gewissen Beziehung überhaupt nur eine Gottes-Idee, den VaterGott finden könne, daß eigentlich bei Harnack der Christus gar nicht vorhanden, sondern nur hineingezerrt ist, daß eigentlich nur der VaterGott vorhanden ist. Denn man kann nicht durch bloße sogenannte innere Mystik etwas anderes finden als nur den einheitlichen Gott. Den Christus kann man nicht finden aus dem, was Tauler und Eckart haben; etwas anderes ist es bei Jakob Böhme, aber den Unterschied versteht der Drews nicht, da kann man, weil der Christus-Begriff da ist, ihn hereinnehmen. Ebensowenig kann man durch die Theologie des Adolf Harnack den Christus finden. Arthur Drews ist nur vom gegenwärtigen Standpunkte aus, ein Stück ehrlicher. Er sucht den Christus und findet ihn nicht, weil man ihn nicht finden kann vom Standpunkte seiner Metaphysik, die sich nicht auf die geschichtlichen Tatsachen bezieht — die, denken Sie, uns so weit führen, daß wir sogar das Alter des Christus Jesus im Mysterium von Golgatha begreifen —, weil Drews stehen bleiben will bei einer abstrakten Metaphysik, die man höchstens heute noch gelten läßt und bei der man den Christus nicht findet. Man kann ihn auch nicht finden, sondern ihn nur herbeizitieren in einer abstrakten Metaphysik. Eine Metaphysik wird einen Gott finden, wird theistisch sein, wenn sie nicht krank ist, aber sie kann nicht den Christus finden. Das hängt mit dem zusammen, was ich Ihnen sagte: Atheist sein, den Gott nicht finden, ist eigentlich eine Krankheit, den Christus nicht finden, ist ein Unglück, den Geist nicht finden, ist eine Blindheit. Damit hängt das zusammen. So kommt Drews dazu, sich zu sagen: Ja, das, was wir da finden, haben wir kein Recht, den Christus zu nennen, daher muß der Christus verschwinden. Jetzt konstruiert Drews — und er glaubt da so recht auf dem Boden der Gegenwart zu stehen, und steht auch darauf, insofern diese Gegenwart die Geisteswissenschaft ablehnt — und glaubt sagen zu können: Gerade diejenige Religion, die wir anstreben müssen, die auf Metaphysik begründet ist, kann, wenn sie ehrlich ist, den Christus-Begriff gar nicht haben. — Nun hören wir die Worte an, mit denen Drews den merkwürdigen Aufsatz schließt:

[ 13 ] «Jede derartige geschichtliche Tradition» — er meint also eine geschichtliche Tradition, die den Christus geschichtlich überliefert nimmt — «aber ist ein Hindernis der Religion, und nicht eher wird das große Werk der Reformation, das Luther nur erst begonnen hat, zu Ende geführt sein, als bis das religiöse Bewußtsein auch mit den letzten Resten eines irgendwie gearteten Geschichtsglaubens aufgeräumt hat.»

[ 13 ] «Jede derartige geschichtliche Tradition» — er meint also eine geschichtliche Tradition, die den Christus geschichtlich überliefert nimmt — «aber ist ein Hindernis der Religion, und nicht eher wird das große Werk der Reformation, das Luther nur erst begonnen hat, zu Ende geführt sein, als bis das religiöse Bewußtsein auch mit den letzten Resten eines irgendwie gearteten Geschichtsglaubens aufgeräumt hat.»

[ 14 ] Geisteswissenschaft wird diesen geschichtlichen Glauben, wie ich schon öfter gesagt habe, aus dem Grunde herstellen, weil sie wirklich in konkreter Art zu den geistigen Entwickelüngsimpulsen führt, die, ebenso wie die abstrakte Metaphysik den Gott, den konkreten Christus findet. Aber die Metaphysik, die die Gegenwart liebt, wenn sie überhaupt noch Metaphysik will, die kann nur zum einheitlichen Gott kommen. Da hat man kein Recht, zu unterscheiden zwischen dem Vater-Gott und dem Christus.

[ 14 ] Geisteswissenschaft wird diesen geschichtlichen Glauben, wie ich schon öfter gesagt habe, aus dem Grunde herstellen, weil sie wirklich in konkreter Art zu den geistigen Entwickelüngsimpulsen führt, die, ebenso wie die abstrakte Metaphysik den Gott, den konkreten Christus findet. Aber die Metaphysik, die die Gegenwart liebt, wenn sie überhaupt noch Metaphysik will, die kann nur zum einheitlichen Gott kommen. Da hat man kein Recht, zu unterscheiden zwischen dem Vater-Gott und dem Christus.

[ 15 ] «Die «deutsche Religion wird entweder eine Religion ohne Christus oder sie wird überhaupt nicht sein.»

[ 15 ] «Die «deutsche Religion wird entweder eine Religion ohne Christus oder sie wird überhaupt nicht sein.»

[ 16 ] Das ist tatsächlich dasjenige, was ich Ihnen öfter angedeutet habe. Es wird schon ausgesprochen, daß das Bewußtsein der Gegenwart den Christus wird wegmachen müssen, wenn es sich nicht geneigt erklärt, durch ein Ergreifen der geistigen Welt in konkreter Art, wie es die Geisteswissenschaft tut, diesen Christus wieder zu beleben. Er sagt weiter:

[ 16 ] Das ist tatsächlich dasjenige, was ich Ihnen öfter angedeutet habe. Es wird schon ausgesprochen, daß das Bewußtsein der Gegenwart den Christus wird wegmachen müssen, wenn es sich nicht geneigt erklärt, durch ein Ergreifen der geistigen Welt in konkreter Art, wie es die Geisteswissenschaft tut, diesen Christus wieder zu beleben. Er sagt weiter:

[ 17 ] «Wo Gott und Mensch wesentlich eins sind» — denken Sie: uns wirft man vor, Gott und Mensch eins zu machen, aber die tun es gerade! —, «wo jeder Mensch seiner Anlage nach ein «Christus, d. h. Gottmensch ist, da ist für einen Jesus Christus keine Stelle. Man mag die von ihm berichteten Tatsachen zur Verdeutlichung und Veranschaulichung bestimmter religiöser Vorgänge heranziehen, so wie die Mystiker dies getan haben; man mag sich auch der ihm zugeschriebenen Worte bedienen, um die eigene Meinung zu beleuchten und zu beleben, aber dies nicht in einem anderen Sinne, als wie man sich der Worte und Taten jedes anderen hervorragenden Individuums bedient.»

[ 17 ] «Wo Gott und Mensch wesentlich eins sind» — denken Sie: uns wirft man vor, Gott und Mensch eins zu machen, aber die tun es gerade! —, «wo jeder Mensch seiner Anlage nach ein «Christus, d. h. Gottmensch ist, da ist für einen Jesus Christus keine Stelle. Man mag die von ihm berichteten Tatsachen zur Verdeutlichung und Veranschaulichung bestimmter religiöser Vorgänge heranziehen, so wie die Mystiker dies getan haben; man mag sich auch der ihm zugeschriebenen Worte bedienen, um die eigene Meinung zu beleuchten und zu beleben, aber dies nicht in einem anderen Sinne, als wie man sich der Worte und Taten jedes anderen hervorragenden Individuums bedient.»

[ 18 ] Es ist allerdings merkwürdig, daß man da wiederum die Lüge protegiert findet; auf der einen Seite wird bewiesen: «der Christus hat nicht gelebt», auf der anderen Seite: «man kann sich seiner bedienen zur Veranschaulichung». Dann sagt er weiter:

[ 18 ] Es ist allerdings merkwürdig, daß man da wiederum die Lüge protegiert findet; auf der einen Seite wird bewiesen: «der Christus hat nicht gelebt», auf der anderen Seite: «man kann sich seiner bedienen zur Veranschaulichung». Dann sagt er weiter:

[ 19 ] «Für einen historischen Erlösungsmittler hingegen, gar für einen «einzigartigen» Menschen Jesus, wie er in den Köpfen unserer liberalen Theologen spukt, hat die «deutsche Religion der Gottmenschheit keinerlei Verwendung. Sie muß ihn ablehnen, weil sie für ihren Grundgedanken der Gottmenschheit keines symbolischen Repräsentanten bedarf, ein solcher vielmehr ihre Anschauungen nur verwirren könnte. Sie muß ihn vor allem’aber auch deshalb für überflüssig, ja schädlich erklären, weil er ein fremdartiges Element, die bei aller Erhabenheit doch einseitige und für uns in den Hauptpunkten unannehmbare evangelische Ethik, in die deutsche Religionsanschauung hineinbringt, die mit schuld ist an der Abwendung der heutigen vom Christentum, und deren Widerspruch gegen die von unserem eigenen Wesen uns auferlegten Pflichten wir gerade gegenwärtig wieder so tief empfinden.»

[ 19 ] «Für einen historischen Erlösungsmittler hingegen, gar für einen «einzigartigen» Menschen Jesus, wie er in den Köpfen unserer liberalen Theologen spukt, hat die «deutsche Religion der Gottmenschheit keinerlei Verwendung. Sie muß ihn ablehnen, weil sie für ihren Grundgedanken der Gottmenschheit keines symbolischen Repräsentanten bedarf, ein solcher vielmehr ihre Anschauungen nur verwirren könnte. Sie muß ihn vor allem’aber auch deshalb für überflüssig, ja schädlich erklären, weil er ein fremdartiges Element, die bei aller Erhabenheit doch einseitige und für uns in den Hauptpunkten unannehmbare evangelische Ethik, in die deutsche Religionsanschauung hineinbringt, die mit schuld ist an der Abwendung der heutigen vom Christentum, und deren Widerspruch gegen die von unserem eigenen Wesen uns auferlegten Pflichten wir gerade gegenwärtig wieder so tief empfinden.»

[ 20 ] Allerdings ein Satz aus dem ich nichts Rechtes machen kann. Wie zurechtkommen mit diesem Denken der Gegenwart? Das ist für den, der an wirklichkeitsgemäßes Denken sich hält, eine unerfindliche Sache. Nun geht es weiter:

[ 20 ] Allerdings ein Satz aus dem ich nichts Rechtes machen kann. Wie zurechtkommen mit diesem Denken der Gegenwart? Das ist für den, der an wirklichkeitsgemäßes Denken sich hält, eine unerfindliche Sache. Nun geht es weiter:

[ 21 ] «Was groß und bedeutend ist an den Evangelien, das bleibt der Menschheit unverloren, auch wenn es niemals einen Jesus gegeben haben sollte und seine Worte einen ganz anderen Ursprung haben sollten, als wie man dies bisher gemeint hat: unser Seelenheil können wir davon jedenfalls nicht abhängig sein lassen. Die Anerkennung Jesu als Heilsprinzip zieht nicht nur die ganze dualistische Metaphysik des palästinensischen Judentums nach sich, die mit dem modernen Geiste nun einmal unvereinbar ist, sie bindet auch zugleich die Religion an die Geschichtswissenschaft, liefert sie den schwankenden Meinungen des Tages aus und macht zweifelhaft historische Geschehnisse zum Beweisgrunde ewiger religiöser Innentatsachen! Die «deutsche Religion der Gottmenschheit ist als solche eine Religion der eigensten tiefsten Innerlichkeit, eine Religion der Freiheit. So aber wird sie nicht eher ins Leben treten, als bis wir uns nicht bloß von jedem äußerlichen bisherigen Kirchentum und seinem Vermittleranspruch, sondern auch von Jesus Christus befreit haben. Denn, wie sagt doch Fichte? «Nur das Metaphysische, keineswegs das Historische macht selig.» Die Metaphysik aber weiß nichts von einem Jesus Christus.»

[ 21 ] «Was groß und bedeutend ist an den Evangelien, das bleibt der Menschheit unverloren, auch wenn es niemals einen Jesus gegeben haben sollte und seine Worte einen ganz anderen Ursprung haben sollten, als wie man dies bisher gemeint hat: unser Seelenheil können wir davon jedenfalls nicht abhängig sein lassen. Die Anerkennung Jesu als Heilsprinzip zieht nicht nur die ganze dualistische Metaphysik des palästinensischen Judentums nach sich, die mit dem modernen Geiste nun einmal unvereinbar ist, sie bindet auch zugleich die Religion an die Geschichtswissenschaft, liefert sie den schwankenden Meinungen des Tages aus und macht zweifelhaft historische Geschehnisse zum Beweisgrunde ewiger religiöser Innentatsachen! Die «deutsche Religion der Gottmenschheit ist als solche eine Religion der eigensten tiefsten Innerlichkeit, eine Religion der Freiheit. So aber wird sie nicht eher ins Leben treten, als bis wir uns nicht bloß von jedem äußerlichen bisherigen Kirchentum und seinem Vermittleranspruch, sondern auch von Jesus Christus befreit haben. Denn, wie sagt doch Fichte? «Nur das Metaphysische, keineswegs das Historische macht selig.» Die Metaphysik aber weiß nichts von einem Jesus Christus.»

[ 22 ] Es wäre gut, wenn sich die Menschen bewußt würden, daß dasjenige, was moderne Bildung ohne Geisteswissenschaft ist, mit voller Berechtigung zu dieser Konsequenz führt, denn das andere ist eine Halbheit und deshalb unwahrhaftig; man würde dann darauf kommen, daß Geisteswissenschaft wirklich nicht etwas ist, was wie willkürlich in die Gegenwart hineingetrieben wird, sondern was tatsächlich mit den tiefsten Anforderungen, den wahren Anforderungen der Gegenwart mit Bezug auf die Menschenseele, zusammenhängt.

[ 22 ] Es wäre gut, wenn sich die Menschen bewußt würden, daß dasjenige, was moderne Bildung ohne Geisteswissenschaft ist, mit voller Berechtigung zu dieser Konsequenz führt, denn das andere ist eine Halbheit und deshalb unwahrhaftig; man würde dann darauf kommen, daß Geisteswissenschaft wirklich nicht etwas ist, was wie willkürlich in die Gegenwart hineingetrieben wird, sondern was tatsächlich mit den tiefsten Anforderungen, den wahren Anforderungen der Gegenwart mit Bezug auf die Menschenseele, zusammenhängt.

[ 23 ] Wir sind eben seit 1413 nach dem Mysterium von Golgatha in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum drinnen, der noch fremder geworden ist durch die eigene menschliche Entwickelung der geistigen Welt. Wir können nicht anders, als von der Seele selbst aus, durch ureigene seelische Impulse, die nicht mehr das Körperliche hergibt, unseren Anschluß an das Geistige finden. Und weil die Menschen heute noch nicht so weit vom Christentum durchdrungen sind, daß sie die Notwendigkeit des seelischen Anschlusses an die Geisteswelt verspüren würden, deshalb verfallen sie in der Weise in die Abstraktion, wie ich es Ihnen geschildert habe. Deshalb sind alle Begriffe heute abstrakt geworden. Es ist wirklich etwas was zusammengehört, die Unchristlichkeit der Gegenwart und die Abstraktheit der Begriffe, die Unwirklichkeit der Begriffe. Unsere Begriffe werden unwirklich bleiben, wenn wir sie nicht wiederum zu verbinden wissen mit dem im Geiste lebendigen Christus, der sie uns ebenso lebendig machen kann, wie die alten indischen Patriarchen durch ihre Persönlichkeit das lebendig gemacht haben, was Recht und Gesetz war. Unsere Rechte und Gesetze sind heute selber abstrakt. Wenn man eine Brücke falsch baut, dann sieht man bald daran, wenn sie einstürzt, daß sie nach falschen Begriffen aufgebaut ist. Im sozialen Leben kann man quacksalbern, da weist sich dann das Quacksalbern erst an den Unglücken nach, die die Menschen in solchen Zeiten erleben müssen, wie in der unsrigen, und da hat man den Zusammenhang nicht so schnell. Wenn eine Brücke einstürzt, dann gibt man dem Ingenieur die Schuld, der die Brücke gebaut hat; wenn Unglück über die Menschheit kommt durch Begriffe, die nicht in die Wirklichkeit eingreifen, dann gibt man allem möglichen Schuld, nur nicht dem Umstande, daß wir eben jetzt durch eine Krisis durchgehen, in der die Menschen die wahren Empfindungen für einen Begriff eben nicht mehr haben, der mit der Wirklichkeit verwandt ist, und einem Begriff, der wirklichkeitsfremd ist.

[ 23 ] Wir sind eben seit 1413 nach dem Mysterium von Golgatha in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum drinnen, der noch fremder geworden ist durch die eigene menschliche Entwickelung der geistigen Welt. Wir können nicht anders, als von der Seele selbst aus, durch ureigene seelische Impulse, die nicht mehr das Körperliche hergibt, unseren Anschluß an das Geistige finden. Und weil die Menschen heute noch nicht so weit vom Christentum durchdrungen sind, daß sie die Notwendigkeit des seelischen Anschlusses an die Geisteswelt verspüren würden, deshalb verfallen sie in der Weise in die Abstraktion, wie ich es Ihnen geschildert habe. Deshalb sind alle Begriffe heute abstrakt geworden. Es ist wirklich etwas was zusammengehört, die Unchristlichkeit der Gegenwart und die Abstraktheit der Begriffe, die Unwirklichkeit der Begriffe. Unsere Begriffe werden unwirklich bleiben, wenn wir sie nicht wiederum zu verbinden wissen mit dem im Geiste lebendigen Christus, der sie uns ebenso lebendig machen kann, wie die alten indischen Patriarchen durch ihre Persönlichkeit das lebendig gemacht haben, was Recht und Gesetz war. Unsere Rechte und Gesetze sind heute selber abstrakt. Wenn man eine Brücke falsch baut, dann sieht man bald daran, wenn sie einstürzt, daß sie nach falschen Begriffen aufgebaut ist. Im sozialen Leben kann man quacksalbern, da weist sich dann das Quacksalbern erst an den Unglücken nach, die die Menschen in solchen Zeiten erleben müssen, wie in der unsrigen, und da hat man den Zusammenhang nicht so schnell. Wenn eine Brücke einstürzt, dann gibt man dem Ingenieur die Schuld, der die Brücke gebaut hat; wenn Unglück über die Menschheit kommt durch Begriffe, die nicht in die Wirklichkeit eingreifen, dann gibt man allem möglichen Schuld, nur nicht dem Umstande, daß wir eben jetzt durch eine Krisis durchgehen, in der die Menschen die wahren Empfindungen für einen Begriff eben nicht mehr haben, der mit der Wirklichkeit verwandt ist, und einem Begriff, der wirklichkeitsfremd ist.

[ 24 ] Ich möchte noch einmal jenes Beispiel brauchen aus der äußeren physischen Welt, damit Sie noch einmal vor Ihre Seele diesen Unterschied zwischen wirklichkeitsverwandten und wirklichkeitsfremden Begriffen führen. Wenn Sie einen Kristall nehmen: der kann, wenn Sie ihn als Kristall denken, auch als Kristall bestehen; denn so entsteht er, so ist er wirklich. Bauen Sie sich also den Begriff eines sechsseitigen Prismas, geschlossen oben und unten von sechsseitigen Pyramiden auf, so haben Sie einen wirklichkeitsgemäßen Begriff von Quarz. Bauen Sie sich den Begriff einer Blume ohne Wurzel auf, so haben Sie einen unwirklichen Begriff; denn eine Blume ohne Wurzel kann in der Wirklichkeit nicht leben. Für denjenigen, der nicht nach Wirklichkeit strebt, für den ist eine Blume, wenn sie am Stiele abgerissen ist, gerade so etwas Wirkliches, wie ein Quarzkristall. Aber das ist nicht wahr. Die Vorstellung einer Blume ohne Wurzel kann derjenige, der real denkt, überhaupt im Gedanken nicht vollziehen. Das müssen die Menschen erst wieder lernen, wirklichkeitsgemäße Begriffe zu bilden. Ein Baum, der ausgegraben ist, ist schon nicht mehr eine Wirklichkeit, wenn wir sie als Begriff bilden. Und wenn wir diese Empfindung haben, er sei eine Wirklichkeit, so ist es nicht richtig, denn er kann nicht leben, ohne in der Erde mit der Wurzel zu stecken; er dorrt ab, er kann nicht mehr im Leben sein. Da haben Sie den Unterschied!

[ 24 ] Ich möchte noch einmal jenes Beispiel brauchen aus der äußeren physischen Welt, damit Sie noch einmal vor Ihre Seele diesen Unterschied zwischen wirklichkeitsverwandten und wirklichkeitsfremden Begriffen führen. Wenn Sie einen Kristall nehmen: der kann, wenn Sie ihn als Kristall denken, auch als Kristall bestehen; denn so entsteht er, so ist er wirklich. Bauen Sie sich also den Begriff eines sechsseitigen Prismas, geschlossen oben und unten von sechsseitigen Pyramiden auf, so haben Sie einen wirklichkeitsgemäßen Begriff von Quarz. Bauen Sie sich den Begriff einer Blume ohne Wurzel auf, so haben Sie einen unwirklichen Begriff; denn eine Blume ohne Wurzel kann in der Wirklichkeit nicht leben. Für denjenigen, der nicht nach Wirklichkeit strebt, für den ist eine Blume, wenn sie am Stiele abgerissen ist, gerade so etwas Wirkliches, wie ein Quarzkristall. Aber das ist nicht wahr. Die Vorstellung einer Blume ohne Wurzel kann derjenige, der real denkt, überhaupt im Gedanken nicht vollziehen. Das müssen die Menschen erst wieder lernen, wirklichkeitsgemäße Begriffe zu bilden. Ein Baum, der ausgegraben ist, ist schon nicht mehr eine Wirklichkeit, wenn wir sie als Begriff bilden. Und wenn wir diese Empfindung haben, er sei eine Wirklichkeit, so ist es nicht richtig, denn er kann nicht leben, ohne in der Erde mit der Wurzel zu stecken; er dorrt ab, er kann nicht mehr im Leben sein. Da haben Sie den Unterschied!

[ 25 ] Aber solches Denken kann nicht wirklichkeitsgemäße Begriffe bilden, sonst würde nicht jemand wie der Professor Dewar sagen, daß man ausdenken könne einen realen Endzustand der Erde, wo man mit Eiweiß, das in bläulichem Lichte erstrahlt, die Wände bestreicht und so weiter; das alles kann nicht real sein. Das muß eine Denkgewohnheit werden, sonst kann man in die geistige Welt nur hineinphantasieren. Nur derjenige, der einen Begriff, dessen was lebendig und tot ist, bilden kann, der kann einen Begriff für die geistige Welt haben. Wer aber einen Baum ohne Wurzel oder eine geologische Schichte als real ansieht — die ja auch nicht bestehen kann, ohne daß eine andere darunter, eine andere darüber liegt —, wer so denkt, wie die Geologen, die Physiker, namentlich die Biologen denken, wer einen Zahn für sich denkt, während doch ein Zahn nicht für sich bestehen kann, der denkt nicht real. Daher ist es heute so, daß unter den nicht der Geisteswissenschaft Ergebenen, für reale Begriffe nur noch bei der Künstlerschaft, ausgenommen die reinen Naturalisten, ein Verständnis dafür vorhanden ist, daß etwas von gewissen Gesichtspunkten aus real oder unreal ist, wenn etwas anderes nicht dabei ist und dergleichen.

[ 25 ] Aber solches Denken kann nicht wirklichkeitsgemäße Begriffe bilden, sonst würde nicht jemand wie der Professor Dewar sagen, daß man ausdenken könne einen realen Endzustand der Erde, wo man mit Eiweiß, das in bläulichem Lichte erstrahlt, die Wände bestreicht und so weiter; das alles kann nicht real sein. Das muß eine Denkgewohnheit werden, sonst kann man in die geistige Welt nur hineinphantasieren. Nur derjenige, der einen Begriff, dessen was lebendig und tot ist, bilden kann, der kann einen Begriff für die geistige Welt haben. Wer aber einen Baum ohne Wurzel oder eine geologische Schichte als real ansieht — die ja auch nicht bestehen kann, ohne daß eine andere darunter, eine andere darüber liegt —, wer so denkt, wie die Geologen, die Physiker, namentlich die Biologen denken, wer einen Zahn für sich denkt, während doch ein Zahn nicht für sich bestehen kann, der denkt nicht real. Daher ist es heute so, daß unter den nicht der Geisteswissenschaft Ergebenen, für reale Begriffe nur noch bei der Künstlerschaft, ausgenommen die reinen Naturalisten, ein Verständnis dafür vorhanden ist, daß etwas von gewissen Gesichtspunkten aus real oder unreal ist, wenn etwas anderes nicht dabei ist und dergleichen.

[ 26 ] Das ist aus der äußeren, physischen Welt entlehnt. Aber unter solchen unwirklichen Begriffen leidet heute alles, was Nationalökonomie ist, was Staatswissenschaft ist namentlich. Daher dieses Unmögliche der Staatswissenschaft, das ich Ihnen nachgewiesen habe an dem Buche von Kjellén: «Der Staat als Lebensform.» Wenn jemand ein solches Buch schreiben würde auf naturwissenschaftlichem Gebiete — Sie wissen, ich habe großen Respekt vor Kjellén —, wie dieses Buch «Der Staat als Lebensform», das heute so viel gelesen wird und in solchem Ansehen steht, der würde einfach ausgelacht. Man kann nicht über ein Krokodil so schreiben, wie über den Staat, weil kein einziger Begriff real gedacht ist, mit denen er sein Buch füllt.

[ 26 ] Das ist aus der äußeren, physischen Welt entlehnt. Aber unter solchen unwirklichen Begriffen leidet heute alles, was Nationalökonomie ist, was Staatswissenschaft ist namentlich. Daher dieses Unmögliche der Staatswissenschaft, das ich Ihnen nachgewiesen habe an dem Buche von Kjellén: «Der Staat als Lebensform.» Wenn jemand ein solches Buch schreiben würde auf naturwissenschaftlichem Gebiete — Sie wissen, ich habe großen Respekt vor Kjellén —, wie dieses Buch «Der Staat als Lebensform», das heute so viel gelesen wird und in solchem Ansehen steht, der würde einfach ausgelacht. Man kann nicht über ein Krokodil so schreiben, wie über den Staat, weil kein einziger Begriff real gedacht ist, mit denen er sein Buch füllt.

[ 27 ] Das ist aber das, was sich die Menschheit aneignen muß; dann wird sie namentlich unterscheiden lernen dasjenige, was fähig ist, in die soziale Ordnung hineinzugehen, und dasjenige, was unfähig ist, in die soziale Ordnung einzugehen. Denken Sie, wie notwendig wir es heute haben, über diejenigen Menschen, die auf russischem Boden leben, reale Vorstellungen zu gewinnen. Es ist merkwürdig, wie wenig sich die Menschen Mühe geben, über so etwas reale Vorstellungen zu bekommen. Dasjenige, was heute die Menschen hier, oder sonst in West- oder Mitteleuropa über die Natur der russischen Bevölkerung denken, ist ganz ferne jeder Realität. Ich habe einen Aufsatz vor ein paar Tagen gelesen, da wird auseinandergesetzt: Die Russen sind zum Teil noch in der mittelalterlichen Mystik drinnen, sie haben jene Intellektualiität nicht durchgemacht, welche im Westen und in Mitteleuropa seit dem Mittelalter gang und gäbe ist. Und es wird bemerklich gemacht, daß die Russen nun werden anfangen müssen, diese Intellektualität ebenso zu erreichen, die die andere europäische Bevölkerung nun glücklich erreicht hat, weil der Betreffende keine Ahnung hat, daß der ganze russische Charakter ein durchaus anderer ist.

[ 27 ] Das ist aber das, was sich die Menschheit aneignen muß; dann wird sie namentlich unterscheiden lernen dasjenige, was fähig ist, in die soziale Ordnung hineinzugehen, und dasjenige, was unfähig ist, in die soziale Ordnung einzugehen. Denken Sie, wie notwendig wir es heute haben, über diejenigen Menschen, die auf russischem Boden leben, reale Vorstellungen zu gewinnen. Es ist merkwürdig, wie wenig sich die Menschen Mühe geben, über so etwas reale Vorstellungen zu bekommen. Dasjenige, was heute die Menschen hier, oder sonst in West- oder Mitteleuropa über die Natur der russischen Bevölkerung denken, ist ganz ferne jeder Realität. Ich habe einen Aufsatz vor ein paar Tagen gelesen, da wird auseinandergesetzt: Die Russen sind zum Teil noch in der mittelalterlichen Mystik drinnen, sie haben jene Intellektualiität nicht durchgemacht, welche im Westen und in Mitteleuropa seit dem Mittelalter gang und gäbe ist. Und es wird bemerklich gemacht, daß die Russen nun werden anfangen müssen, diese Intellektualität ebenso zu erreichen, die die andere europäische Bevölkerung nun glücklich erreicht hat, weil der Betreffende keine Ahnung hat, daß der ganze russische Charakter ein durchaus anderer ist.

[ 28 ] Reale Dinge zu studieren fällt den Menschen heute gar nicht ein. Wo reale Dinge auftreten, da empfinden die Menschen heute gar nichts mehr Rechtes. Einer unserer Freunde hat versucht, dasjenige zusammenzubinden, was ich in meinen Büchern über Goethe geschrieben habe, mit dem, was ich einmal hier vorgetragen habe über den menschlichen und kosmischen Gedanken. Er hat ein russisches Buch daraus gemacht, ein merkwürdiges russisches Buch. Das Buch ist schon erschienen. Ich bin überzeugt davon, es wird in Rußland von einer gewissen Schichte der Bevölkerung außerordentlich viel gelesen werden. Würde es ins Deutsche übersetzt werden oder in andere europäische Sprachen, so würden es die Leute sterbenslangweilig finden, weil sie keinen Sinn haben für die fein ausziselierten Begriffe, für die wunderbare Filigranarbeit der Begriffe, möchte ich sagen, die da gerade in diesem Buche auffällt. Es ist dieses ganz merkwürdig, daß im russischen Charakter, wie er sich entwickeln wird, etwas ganz anderes auftreten wird als im übrigen Europa, daß da nicht wie im übrigen Europa Mystik und Intellektualität getrennt leben werden, sondern eine mystische Natur sich ausleben wird, die selbst intellektualistisch wirkt, und eine Intellektualität, die nicht ohne mystische Grundlage bleibt, daß da etwas ganz Neues heraufkommt: eine Intellektualität, die zugleich Mystik ist, eine Mystik, die zugleich Intellektualität ist, aber schon so gewachsen, wenn ich mich so ausdrücken darf. Dafür ist nicht das geringste Verständnis vorhanden, und doch ist das dasjenige, was in diesem östlichen Chaos jetzt aber noch ganz verborgen lebt, denn es wird erst in dieser Eigenart, die ich nur in ein paar Strichen angedeutet habe, sich ausleben. Aber um diese Dinge zu verstehen, muß man eben das Gefühl haben für die Realität der Vorstellungen; für die Wirklichkeit der Ideen. Das ist aber heute so notwendig wie nur irgend etwas, daß man sich diese Empfindung, dieses Gefühl für die Wirklichkeit der Ideen aneignet, sonst wird man immer wieder und wiederum abstrakte politische Programmpunkte, schöne politische Reden halten für etwas, was wirklich schöpferisch sein könnte, während es nicht wirklich schöpferisch sein kann. Man wird keine Empfindung gewinnen können für diejenigen Punkte in der Geschichte, die sehr lehrreich sein könnten, in denen, wenn man sie wirklich verfolgt, ein Etwas auftritt, was auch für die Gegenwart außerordentlich lehrreich sein könnte.

[ 28 ] Reale Dinge zu studieren fällt den Menschen heute gar nicht ein. Wo reale Dinge auftreten, da empfinden die Menschen heute gar nichts mehr Rechtes. Einer unserer Freunde hat versucht, dasjenige zusammenzubinden, was ich in meinen Büchern über Goethe geschrieben habe, mit dem, was ich einmal hier vorgetragen habe über den menschlichen und kosmischen Gedanken. Er hat ein russisches Buch daraus gemacht, ein merkwürdiges russisches Buch. Das Buch ist schon erschienen. Ich bin überzeugt davon, es wird in Rußland von einer gewissen Schichte der Bevölkerung außerordentlich viel gelesen werden. Würde es ins Deutsche übersetzt werden oder in andere europäische Sprachen, so würden es die Leute sterbenslangweilig finden, weil sie keinen Sinn haben für die fein ausziselierten Begriffe, für die wunderbare Filigranarbeit der Begriffe, möchte ich sagen, die da gerade in diesem Buche auffällt. Es ist dieses ganz merkwürdig, daß im russischen Charakter, wie er sich entwickeln wird, etwas ganz anderes auftreten wird als im übrigen Europa, daß da nicht wie im übrigen Europa Mystik und Intellektualität getrennt leben werden, sondern eine mystische Natur sich ausleben wird, die selbst intellektualistisch wirkt, und eine Intellektualität, die nicht ohne mystische Grundlage bleibt, daß da etwas ganz Neues heraufkommt: eine Intellektualität, die zugleich Mystik ist, eine Mystik, die zugleich Intellektualität ist, aber schon so gewachsen, wenn ich mich so ausdrücken darf. Dafür ist nicht das geringste Verständnis vorhanden, und doch ist das dasjenige, was in diesem östlichen Chaos jetzt aber noch ganz verborgen lebt, denn es wird erst in dieser Eigenart, die ich nur in ein paar Strichen angedeutet habe, sich ausleben. Aber um diese Dinge zu verstehen, muß man eben das Gefühl haben für die Realität der Vorstellungen; für die Wirklichkeit der Ideen. Das ist aber heute so notwendig wie nur irgend etwas, daß man sich diese Empfindung, dieses Gefühl für die Wirklichkeit der Ideen aneignet, sonst wird man immer wieder und wiederum abstrakte politische Programmpunkte, schöne politische Reden halten für etwas, was wirklich schöpferisch sein könnte, während es nicht wirklich schöpferisch sein kann. Man wird keine Empfindung gewinnen können für diejenigen Punkte in der Geschichte, die sehr lehrreich sein könnten, in denen, wenn man sie wirklich verfolgt, ein Etwas auftritt, was auch für die Gegenwart außerordentlich lehrreich sein könnte.

[ 29 ] Ein Beispiel dafür will ich Ihnen anführen, das sehr charakteristisch ist. Für denjenigen, der an den Rätseln der Gegenwart, ich möchte sagen, sich abplagt, taucht immer wieder und wiederum die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, namentlich die sechziger Jahre des achtzehnten Jahrhunderts auf; denn da sind auch merkwürdige europäische Entwickelungsimpulse, die, wenn man versucht, sie zu verstehen, für die Gegenwart sehr lehrreich sind. Sie wissen, in der damaligen Zeit war die europäische Konstellation so — es war ja die Zeit während des Siebenjährigen Krieges —, daß England und Frankreich tief zerfallen waren, namentlich wegen der nordamerikanischen Verhältnisse, daß England mit Preußen im Bündnisse war, Frankreich auf der anderen Seite mit Österreich im Bündnisse war, und daß, solange die russische Zarin Elisabeth herrschte, in Rußland eine absolut feindliche Stimmung gegen Preußen war, so daß man schon sprechen kann von einem Bündnis zwischen Rußland, Frankreich und Österreich gegen Preußen und England. Das hatte Verhältnisse heraufgeführt, die gewiß, man kann sagen, gegen die heutigen etwas sind wie eine Sache en miniature, die aber für die damalige Zeit etwas sehr ähnliches darboten an europäischem Chaos. Und insbesondere der Anfang der sechziger Jahre wenn Sie eingehen auf die Verhältnisse — ist unserem Jahr 1917 ja gar nicht so unähnlich. Nun ist das Merkwürdige, daß ich da das Folgende erwähnen möchte: Am 5. Januar, glaube ich, war es, da war die Zarin Elisabeth gestorben; wie die Historiker sagen: Sie hatte ihr nur selten nüchternes Leben beendet, denn sie war den größten Teil ihres Lebens betrunken, so erzählt die Geschichte. Die Zarin Elisabeth war gestorben. Und ihr Schwestersohn stand damals vor den dazu Befugten, um die Zarenkrone sich aufs Haupt setzen zu lassen. Eine merkwürdige Persönlichkeit, die da stand am 5. Januar 1762 zur feierlichen Übernahme der Zarenwürde in der hohen Auszeichnung des Preobrashenskischen Regimentes, mit der grünen Jacke, dem roten Kragen und roten Aufschlägen, der strohgelben Weste, strohgelben Hosen, mit Gamaschen, die über die Knie hinaufgingen, weil er schon als Großfürst sich daran gewöhnt hatte, niemals die Knie zu beugen, wenn er ging, sondern mit steifen Knien zu gehen schien ihm würdevoller, mit langem Zopf, zwei gepuderten Rollen, einem Hut mit umgebogener Krempe und einem richtigen Knotenstock, den er als sein Symbol trug. Sie wissen, daß Katharina seine Gemahlin war. Er übernahm die Zarenkrone. Und er wird von der Geschichte geschildert so mehr als ein unreif gebliebener junger Mann. Es ist außerordentlich schwierig zu prüfen, was das eigentlich für eine Persönlichkeit war. Höchst wahrscheinlich war er wirklich eine ganz unreife, fast schwachsinnige Persönlichkeit. Der trat also die Zarenwürde an in einem bedeutungsvollsten Momente der europäischen Entwickelung. Neben ihm lebte jene Frau, die schon als siebenjähriges Mädchen in ihr Tagebuch geschrieben hatte, daß sie nichts sehnlicher wünschte, als die unabhängige Herrscherin der Russen zu werden, deren Traum es war, Selbstherrscherin zu sein, deren Stolz es gewesen zu sein scheint, daß sie niemals nötig hatte, unter ihrer unmittelbaren Nachkommenschaft ein echtes Kind ihres Zarenmannes zu haben. Nun, die Situation war dazumal so, daß lange Krieg war, und die Völker sich alle nach Frieden sehnten oder wenigstens so fühlten, als ob der Friede zum Segen gereichen würde, aber man ihn nicht haben könnte.

[ 29 ] Ein Beispiel dafür will ich Ihnen anführen, das sehr charakteristisch ist. Für denjenigen, der an den Rätseln der Gegenwart, ich möchte sagen, sich abplagt, taucht immer wieder und wiederum die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, namentlich die sechziger Jahre des achtzehnten Jahrhunderts auf; denn da sind auch merkwürdige europäische Entwickelungsimpulse, die, wenn man versucht, sie zu verstehen, für die Gegenwart sehr lehrreich sind. Sie wissen, in der damaligen Zeit war die europäische Konstellation so — es war ja die Zeit während des Siebenjährigen Krieges —, daß England und Frankreich tief zerfallen waren, namentlich wegen der nordamerikanischen Verhältnisse, daß England mit Preußen im Bündnisse war, Frankreich auf der anderen Seite mit Österreich im Bündnisse war, und daß, solange die russische Zarin Elisabeth herrschte, in Rußland eine absolut feindliche Stimmung gegen Preußen war, so daß man schon sprechen kann von einem Bündnis zwischen Rußland, Frankreich und Österreich gegen Preußen und England. Das hatte Verhältnisse heraufgeführt, die gewiß, man kann sagen, gegen die heutigen etwas sind wie eine Sache en miniature, die aber für die damalige Zeit etwas sehr ähnliches darboten an europäischem Chaos. Und insbesondere der Anfang der sechziger Jahre wenn Sie eingehen auf die Verhältnisse — ist unserem Jahr 1917 ja gar nicht so unähnlich. Nun ist das Merkwürdige, daß ich da das Folgende erwähnen möchte: Am 5. Januar, glaube ich, war es, da war die Zarin Elisabeth gestorben; wie die Historiker sagen: Sie hatte ihr nur selten nüchternes Leben beendet, denn sie war den größten Teil ihres Lebens betrunken, so erzählt die Geschichte. Die Zarin Elisabeth war gestorben. Und ihr Schwestersohn stand damals vor den dazu Befugten, um die Zarenkrone sich aufs Haupt setzen zu lassen. Eine merkwürdige Persönlichkeit, die da stand am 5. Januar 1762 zur feierlichen Übernahme der Zarenwürde in der hohen Auszeichnung des Preobrashenskischen Regimentes, mit der grünen Jacke, dem roten Kragen und roten Aufschlägen, der strohgelben Weste, strohgelben Hosen, mit Gamaschen, die über die Knie hinaufgingen, weil er schon als Großfürst sich daran gewöhnt hatte, niemals die Knie zu beugen, wenn er ging, sondern mit steifen Knien zu gehen schien ihm würdevoller, mit langem Zopf, zwei gepuderten Rollen, einem Hut mit umgebogener Krempe und einem richtigen Knotenstock, den er als sein Symbol trug. Sie wissen, daß Katharina seine Gemahlin war. Er übernahm die Zarenkrone. Und er wird von der Geschichte geschildert so mehr als ein unreif gebliebener junger Mann. Es ist außerordentlich schwierig zu prüfen, was das eigentlich für eine Persönlichkeit war. Höchst wahrscheinlich war er wirklich eine ganz unreife, fast schwachsinnige Persönlichkeit. Der trat also die Zarenwürde an in einem bedeutungsvollsten Momente der europäischen Entwickelung. Neben ihm lebte jene Frau, die schon als siebenjähriges Mädchen in ihr Tagebuch geschrieben hatte, daß sie nichts sehnlicher wünschte, als die unabhängige Herrscherin der Russen zu werden, deren Traum es war, Selbstherrscherin zu sein, deren Stolz es gewesen zu sein scheint, daß sie niemals nötig hatte, unter ihrer unmittelbaren Nachkommenschaft ein echtes Kind ihres Zarenmannes zu haben. Nun, die Situation war dazumal so, daß lange Krieg war, und die Völker sich alle nach Frieden sehnten oder wenigstens so fühlten, als ob der Friede zum Segen gereichen würde, aber man ihn nicht haben könnte.

[ 30 ] Da erschien schon im Februar, nachdem der, wie es heißt, schwachsinnige Peter III. den Zarenthron bestiegen hatte, ein russisches Manifest an die anderen Mächte Europas. Das ist merkwürdig. Deshalb will ich es Ihnen in der Übersetzung wörtlich vorlesen. Dieses Manifest ging nämlich an die Gesandten Österreichs, Frankreichs, Schwedens und Sachsens; Kursachsen war damals mit Polen vereinigt:

[ 30 ] Da erschien schon im Februar, nachdem der, wie es heißt, schwachsinnige Peter III. den Zarenthron bestiegen hatte, ein russisches Manifest an die anderen Mächte Europas. Das ist merkwürdig. Deshalb will ich es Ihnen in der Übersetzung wörtlich vorlesen. Dieses Manifest ging nämlich an die Gesandten Österreichs, Frankreichs, Schwedens und Sachsens; Kursachsen war damals mit Polen vereinigt:

[ 31 ] «Seine Kaiserliche Majestät, welche bei der glücklichen Besteigung des Throns Ihrer Vorfahren es als Ihre erste Schuldigkeit betrachten, das Wohl Ihrer Untertanen zu erweitern und zu vermehren, sehen mit dem äußersten Leidwesen, daß das gegenwärtige, seit sechs Jahren dauernde Kriegsfeuer, welches allen darinnen begriffenen Mächten schon lange beschwerlich fällt, statt seinem Ende sich zu nähern, zum großen Unglück aller Nationen je länger je weiter um sich greift, und daß das menschliche Geschlecht durch diese Plage desto mehr leiden muß, da das Schicksal der Waffen, das bis zur Stunde so vieler Ungewißheit unterworfen gewesen, solches nicht weniger für die Zukunft ist. Da Seine Kaiserliche Majestät bei solchen Umständen aus Gefühl der Menschlichkeit mit der unnützen Vergießung unschuldigen Blutes Mitleid tragen und Dero Seits einem solchen Übel Einhalt tun wollen, so finden Sie nötig, den Alliierten von Rußland zu deklarieren, daß, indem Sie das erste Gesetz, das Gott den Souverainen vorschreibt, nämlich die Erhaltung der ihnen anvertrauten Völker, allen Betrachtungen vorziehen, Sie wünschen, Dero Reichen den Frieden zu verschaffen, der denselben so nötig und so kostbar ist, und zu gleicher Zeit so viel als möglich dazu beizutragen, daß solcher in dem ganzen Europa hergestellt werde. In dieser Absicht sind Seine Majestät bereit, die in diesem Kriege durch die Russischen Waffen gemachten Eroberungen aufzuopfern, in der Hoffnung, daß sämtliche alliierte Höfe Ihrerseits die Rückkehr der Ruhe und des Friedens den Vorteilen vorziehen werden, dieSie von dem Kriege erwarten könnten und die nicht anders als durch weiteres Vergießen von Menschenblut zu erhalten sind. Um deswillen raten Seine Kaiserliche Majestät Ihnen in der besten Gesinnung, Ihrerseits zur Vollendung eines so großen und heilsamen Werkes alle Ihre Kräfte aufzuwenden. St. Petersburg, den 23. Februar 1762.»

[ 31 ] «Seine Kaiserliche Majestät, welche bei der glücklichen Besteigung des Throns Ihrer Vorfahren es als Ihre erste Schuldigkeit betrachten, das Wohl Ihrer Untertanen zu erweitern und zu vermehren, sehen mit dem äußersten Leidwesen, daß das gegenwärtige, seit sechs Jahren dauernde Kriegsfeuer, welches allen darinnen begriffenen Mächten schon lange beschwerlich fällt, statt seinem Ende sich zu nähern, zum großen Unglück aller Nationen je länger je weiter um sich greift, und daß das menschliche Geschlecht durch diese Plage desto mehr leiden muß, da das Schicksal der Waffen, das bis zur Stunde so vieler Ungewißheit unterworfen gewesen, solches nicht weniger für die Zukunft ist. Da Seine Kaiserliche Majestät bei solchen Umständen aus Gefühl der Menschlichkeit mit der unnützen Vergießung unschuldigen Blutes Mitleid tragen und Dero Seits einem solchen Übel Einhalt tun wollen, so finden Sie nötig, den Alliierten von Rußland zu deklarieren, daß, indem Sie das erste Gesetz, das Gott den Souverainen vorschreibt, nämlich die Erhaltung der ihnen anvertrauten Völker, allen Betrachtungen vorziehen, Sie wünschen, Dero Reichen den Frieden zu verschaffen, der denselben so nötig und so kostbar ist, und zu gleicher Zeit so viel als möglich dazu beizutragen, daß solcher in dem ganzen Europa hergestellt werde. In dieser Absicht sind Seine Majestät bereit, die in diesem Kriege durch die Russischen Waffen gemachten Eroberungen aufzuopfern, in der Hoffnung, daß sämtliche alliierte Höfe Ihrerseits die Rückkehr der Ruhe und des Friedens den Vorteilen vorziehen werden, dieSie von dem Kriege erwarten könnten und die nicht anders als durch weiteres Vergießen von Menschenblut zu erhalten sind. Um deswillen raten Seine Kaiserliche Majestät Ihnen in der besten Gesinnung, Ihrerseits zur Vollendung eines so großen und heilsamen Werkes alle Ihre Kräfte aufzuwenden. St. Petersburg, den 23. Februar 1762.»

[ 32 ] Ich möchte fragen: Wird man heute ein richtiges Gefühl dafür haben, daß dieses Manifest so konkret wie möglich ist, daß es unmittelbar wirklichkeitsgeboren ist? Das muß man empfinden! Ein unmittelbar aus der Wirklichkeit heraus empfundenes Manifest. Wenn man die Noten liest, die auf dieses Manifest geliefert wurden, dann liest man Deklarationen, welche ungefähr den Stil haben, den die letzten Entente-Noten, insbesondere die Note jenes Woodrow Wilson hatten, die auch wieder die neueste Note Woodrow Wilsons hat, die ich Ihnen ja auf ihre Art charakterisiert habe. Alles abstrakt, abstrakt, abstrakt! Alles nichts von Wirklichkeit! Doch da, wo man am 23. Februar 1762 neuen Stils dies geschrieben hat, was ich eben vorgelesen habe, da waltete irgend etwas ganz Merkwürdiges, trotzdem der Zar so dastand, wie ich es eben geschildert habe, etwas ganz Merkwürdiges; da muß irgendeine Macht dahinter gewesen sein, die so etwas machen konnte, die Sinn für die Wirklichkeit hatte. Denn nachdem die anderen abstrakten Deklarationen entgegengekommen waren, die alle solche Dinge enthielten — man nennt sie heute «annexionslosen Frieden», «Völkerfreiheit» und wie die Abstraktionen alle heißen —, nachdem alle diese Deklarationen wiederum Rußland erreicht hatten, da ging wiederum von Peter, dem Schwachsinnigen, eine Antwort aus, die der russische Gesandte, Fürst Gallitzin, am Wiener Hofe am 9. April überreichte. Hören Sie diese Deklaration an! In der heißt es:

[ 32 ] Ich möchte fragen: Wird man heute ein richtiges Gefühl dafür haben, daß dieses Manifest so konkret wie möglich ist, daß es unmittelbar wirklichkeitsgeboren ist? Das muß man empfinden! Ein unmittelbar aus der Wirklichkeit heraus empfundenes Manifest. Wenn man die Noten liest, die auf dieses Manifest geliefert wurden, dann liest man Deklarationen, welche ungefähr den Stil haben, den die letzten Entente-Noten, insbesondere die Note jenes Woodrow Wilson hatten, die auch wieder die neueste Note Woodrow Wilsons hat, die ich Ihnen ja auf ihre Art charakterisiert habe. Alles abstrakt, abstrakt, abstrakt! Alles nichts von Wirklichkeit! Doch da, wo man am 23. Februar 1762 neuen Stils dies geschrieben hat, was ich eben vorgelesen habe, da waltete irgend etwas ganz Merkwürdiges, trotzdem der Zar so dastand, wie ich es eben geschildert habe, etwas ganz Merkwürdiges; da muß irgendeine Macht dahinter gewesen sein, die so etwas machen konnte, die Sinn für die Wirklichkeit hatte. Denn nachdem die anderen abstrakten Deklarationen entgegengekommen waren, die alle solche Dinge enthielten — man nennt sie heute «annexionslosen Frieden», «Völkerfreiheit» und wie die Abstraktionen alle heißen —, nachdem alle diese Deklarationen wiederum Rußland erreicht hatten, da ging wiederum von Peter, dem Schwachsinnigen, eine Antwort aus, die der russische Gesandte, Fürst Gallitzin, am Wiener Hofe am 9. April überreichte. Hören Sie diese Deklaration an! In der heißt es:

[ 33 ] «Die schon von Kaiser Peters I. Zeiten her zwischen den kaiserlich russischen und königlich preußischen Höfen gepflogene Freundschaft hat in den letzten Jahren durch bloß zufällige Vorfälle und Veränderungen im System Europas eine Erschütterung erlitten. Da nun aber der dadurch ausgebrochene Krieg weder ewig dauern kann, noch die durch einen solchen erlangten Vorteile die Freundschaft einer Macht hintanzusetzen vermöchten, die so viele Jahre hindurch ein nützlicher Bundesgenosse gewesen und noch künftig sein kann, so haben Seine RussischKaiserliche Majestät sich vorgesetzt, mit dem Könige von Preußen nicht allein einen dauerhaften Frieden, sondern auch nach Erforderung Ihres Interesses an noch einen weitern Allianz-Traktat zu schließen.»

[ 33 ] «Die schon von Kaiser Peters I. Zeiten her zwischen den kaiserlich russischen und königlich preußischen Höfen gepflogene Freundschaft hat in den letzten Jahren durch bloß zufällige Vorfälle und Veränderungen im System Europas eine Erschütterung erlitten. Da nun aber der dadurch ausgebrochene Krieg weder ewig dauern kann, noch die durch einen solchen erlangten Vorteile die Freundschaft einer Macht hintanzusetzen vermöchten, die so viele Jahre hindurch ein nützlicher Bundesgenosse gewesen und noch künftig sein kann, so haben Seine RussischKaiserliche Majestät sich vorgesetzt, mit dem Könige von Preußen nicht allein einen dauerhaften Frieden, sondern auch nach Erforderung Ihres Interesses an noch einen weitern Allianz-Traktat zu schließen.»

[ 34 ] Und nun, bitte, hören Sie das ungeheuer Geniale, das jetzt kommt:

[ 34 ] Und nun, bitte, hören Sie das ungeheuer Geniale, das jetzt kommt:

[ 35 ] «Die Ursachen, die Seine Russisch-Kaiserliche Majestät haben, solches zu beschleunigen, bedürfen keiner weitläufigen Erklärung, indem leicht zu erweisen ist, daß man einen so allgemeinen Frieden, wie der westfälische gewesen, von den unendlichen Veränderungen der Waffen und den so unterschiedenen Absichten nicht zu erwarten hat und derselbe nicht dauerhaft sein kann. Bei dem Westfälischen Frieden haben einem jeden die schon erworbenen Besitzungen versichert werden müssen; jetzt aber kommt es auf Prätentionen an, die erst aus dem Kriege entstanden und nicht wohl zu vereinbaren sind, da man, zumal zu Anfang des Krieges, darauf bedacht gewesen, mehr Mächte in denselben hineinzuziehen, als daß man überlegte, wo die vielen so eilfertig errichteten Traktaten und Verbindungen hinausgehen würden.»

[ 35 ] «Die Ursachen, die Seine Russisch-Kaiserliche Majestät haben, solches zu beschleunigen, bedürfen keiner weitläufigen Erklärung, indem leicht zu erweisen ist, daß man einen so allgemeinen Frieden, wie der westfälische gewesen, von den unendlichen Veränderungen der Waffen und den so unterschiedenen Absichten nicht zu erwarten hat und derselbe nicht dauerhaft sein kann. Bei dem Westfälischen Frieden haben einem jeden die schon erworbenen Besitzungen versichert werden müssen; jetzt aber kommt es auf Prätentionen an, die erst aus dem Kriege entstanden und nicht wohl zu vereinbaren sind, da man, zumal zu Anfang des Krieges, darauf bedacht gewesen, mehr Mächte in denselben hineinzuziehen, als daß man überlegte, wo die vielen so eilfertig errichteten Traktaten und Verbindungen hinausgehen würden.»

[ 36 ] Man kann sich ein genialeres Regierungsdokument nicht denken. Denken Sie, wenn es jetzt jemand einsehen könnte, daß es auf Prätentionen ankommt, die erst in diesem Kriege entstanden sind!

[ 36 ] Man kann sich ein genialeres Regierungsdokument nicht denken. Denken Sie, wenn es jetzt jemand einsehen könnte, daß es auf Prätentionen ankommt, die erst in diesem Kriege entstanden sind!

[ 37 ] «Der Russisch-Kaiserliche Hof hat allein jederzeit auf der Notwendigkeit bestanden, die voneinander so unterschiedenen Interessen und Forderungen erst zu vereinbaren, ehe ein Generalkongreß angestellt würde. Der Wienerische Hof schien solches zu begreifen, weshalb er, doch ohne jemals auf die Kaiserlich-Russischen Gesinnungen direkt zu antworten, sich nur kurz auf die zu seinem Vorteil genommene Abrede berief, und indem er die andern Forderungen mit Stillschweigen überging, alles vom möglichen Glücke der Waffen erwartete...

[ 37 ] «Der Russisch-Kaiserliche Hof hat allein jederzeit auf der Notwendigkeit bestanden, die voneinander so unterschiedenen Interessen und Forderungen erst zu vereinbaren, ehe ein Generalkongreß angestellt würde. Der Wienerische Hof schien solches zu begreifen, weshalb er, doch ohne jemals auf die Kaiserlich-Russischen Gesinnungen direkt zu antworten, sich nur kurz auf die zu seinem Vorteil genommene Abrede berief, und indem er die andern Forderungen mit Stillschweigen überging, alles vom möglichen Glücke der Waffen erwartete...

[ 38 ] Der seither zwischen England und Spanien hinzugekommene Krieg vermehrt das allgemeine Elend und beut kein Mittel, den Krieg in Deutschland zu hemmen, wenn auch England zur See alles anwendet. Schweden, das ohne Nutzen und Hoffnung, ja mit Verlust seines eigenen Ruhmes, erschöpft, scheint weder den Krieg fortzusetzen noch endigen zu dürfen. Da nun alle an dem gegenwärtigen Kriege teilhabenden Höfe nur abzuwarten schienen, wer den ersten und entscheidendsten Schritt zur Herstellung des Friedens tun würde, und Seine Russisch-Kaiserliche Majestät jetzo dazu aus warmem Erbarmen und in Erwägung der Gefälligkeiten, die Ihr von des Königs von Preußen Majestät bezeigt wurden, allein imstande wäre, so kommt Ihr auch zu, gedachten Schritt um so eher zu tun, als Sie solche Gesinnungen gleich beim Antritt Ihrer Regierung unterm 23. Februar allen Höfen eröffnet haben.»

[ 38 ] Der seither zwischen England und Spanien hinzugekommene Krieg vermehrt das allgemeine Elend und beut kein Mittel, den Krieg in Deutschland zu hemmen, wenn auch England zur See alles anwendet. Schweden, das ohne Nutzen und Hoffnung, ja mit Verlust seines eigenen Ruhmes, erschöpft, scheint weder den Krieg fortzusetzen noch endigen zu dürfen. Da nun alle an dem gegenwärtigen Kriege teilhabenden Höfe nur abzuwarten schienen, wer den ersten und entscheidendsten Schritt zur Herstellung des Friedens tun würde, und Seine Russisch-Kaiserliche Majestät jetzo dazu aus warmem Erbarmen und in Erwägung der Gefälligkeiten, die Ihr von des Königs von Preußen Majestät bezeigt wurden, allein imstande wäre, so kommt Ihr auch zu, gedachten Schritt um so eher zu tun, als Sie solche Gesinnungen gleich beim Antritt Ihrer Regierung unterm 23. Februar allen Höfen eröffnet haben.»

[ 39 ] Der Friede kam zustande, und zwar infolge desjenigen, was durch dieses konkrete, reale Dokument eingeleitet worden ist. Aber man muß sich eine Empfindung erwerben für dasjenige, was uns die Geschichte überliefert, eine Empfindung für Ideen und Vorstellungen erwerben, die unmöglich in die Realität eingreifen können, und solche Ideen und Vorstellungen, die tief aus der Wirklichkeit heraus entlehnt sind, daher auch die Wirklichkeit tragen können. Man soll daher nicht glauben, daß Worte immer nur Worte sind; Worte können auch Taten sein, aber sie müssen wirklichkeitsgetragen sein. Man muß sich eben überzeugen, daß wir in der Gegenwart durch eine Krisis hindurchgehen, daß wir in einer neuen Weise den Anschluß an die Wirklichkeit finden müssen. Daher erscheinen einem heute die Menschen so wirklichkeitsfremd. Wir sehen es ja auf Schritt und Tritt. Lassen Sie mich ein kleines Beispiel anführen: Heute wird dadurch so viel Unwahrhaftiges gehört und in die Tat umgesetzt, weil die Menschen wirklichkeitsfremd geworden sind und daher auch nicht den Sinn haben für die richtige Anführung und Auffassung der Tatsachen. Es ist sehr wichtig, auch die heutige Unwahrhaftigkeit in Zusammenhang mit der Krisis zu bringen, durch die wir durchgehen. Nehmen Sie ein naheliegendes kleines Beispiel. Da erscheint eine kleine Zeitschrift, sie nennt sich: «Der unsichtbare Tempel», also selbstverständlich eine Zeitschrift, in welcher die abstrakten Mystlinge — ich will sagen Mystiker — etwas Tiefes zu finden gedenken. Der unsichtbare Tempel — tief, tief! «Monatsschrift zur Sammlung der Geister.» Nun, ich will auf die Sache nicht weiter eingehen; aber da wird in einem Heft auch über Monisten und Theosophen gesprochen. Verschiedenes recht Törichtes wird gesagt. Dann aber kommt ein merkwürdiger Satz, den ich Ihnen vorlesen will, denn diese Zeitschrift ist ja das äußere Organ einer Gesellschaft, die heute unter Horneffers Führung den Anspruch macht, die Welt zu erneuern:

[ 39 ] Der Friede kam zustande, und zwar infolge desjenigen, was durch dieses konkrete, reale Dokument eingeleitet worden ist. Aber man muß sich eine Empfindung erwerben für dasjenige, was uns die Geschichte überliefert, eine Empfindung für Ideen und Vorstellungen erwerben, die unmöglich in die Realität eingreifen können, und solche Ideen und Vorstellungen, die tief aus der Wirklichkeit heraus entlehnt sind, daher auch die Wirklichkeit tragen können. Man soll daher nicht glauben, daß Worte immer nur Worte sind; Worte können auch Taten sein, aber sie müssen wirklichkeitsgetragen sein. Man muß sich eben überzeugen, daß wir in der Gegenwart durch eine Krisis hindurchgehen, daß wir in einer neuen Weise den Anschluß an die Wirklichkeit finden müssen. Daher erscheinen einem heute die Menschen so wirklichkeitsfremd. Wir sehen es ja auf Schritt und Tritt. Lassen Sie mich ein kleines Beispiel anführen: Heute wird dadurch so viel Unwahrhaftiges gehört und in die Tat umgesetzt, weil die Menschen wirklichkeitsfremd geworden sind und daher auch nicht den Sinn haben für die richtige Anführung und Auffassung der Tatsachen. Es ist sehr wichtig, auch die heutige Unwahrhaftigkeit in Zusammenhang mit der Krisis zu bringen, durch die wir durchgehen. Nehmen Sie ein naheliegendes kleines Beispiel. Da erscheint eine kleine Zeitschrift, sie nennt sich: «Der unsichtbare Tempel», also selbstverständlich eine Zeitschrift, in welcher die abstrakten Mystlinge — ich will sagen Mystiker — etwas Tiefes zu finden gedenken. Der unsichtbare Tempel — tief, tief! «Monatsschrift zur Sammlung der Geister.» Nun, ich will auf die Sache nicht weiter eingehen; aber da wird in einem Heft auch über Monisten und Theosophen gesprochen. Verschiedenes recht Törichtes wird gesagt. Dann aber kommt ein merkwürdiger Satz, den ich Ihnen vorlesen will, denn diese Zeitschrift ist ja das äußere Organ einer Gesellschaft, die heute unter Horneffers Führung den Anspruch macht, die Welt zu erneuern:

[ 40 ] «So verschieden die Richtung der Monisten von der der Theosophen ist, und so eifrig sie sich gegenseitig bekämpfen und verachten, so sind sie sich doch in dem einen Punkte merkwürdig ähnlich, daß sie das Wort Wissenschaft gleichsam für sich mit Beschlag belegen. Was sie selber treiben, ist wahre, reine Wissenschaft; was andere Leute treiben, ist Schein- und Afterwissenschaft. So bei Haeckel und so bei Rudolf Steiner zu lesen.»

[ 40 ] «So verschieden die Richtung der Monisten von der der Theosophen ist, und so eifrig sie sich gegenseitig bekämpfen und verachten, so sind sie sich doch in dem einen Punkte merkwürdig ähnlich, daß sie das Wort Wissenschaft gleichsam für sich mit Beschlag belegen. Was sie selber treiben, ist wahre, reine Wissenschaft; was andere Leute treiben, ist Schein- und Afterwissenschaft. So bei Haeckel und so bei Rudolf Steiner zu lesen.»

[ 41 ] Nun bitte ich Sie, nehmen Sie alles dasjenige, was ich jemals geschrieben und gesagt habe, und versuchen Sie das zu finden, wovon hier behauptet wird, daß es bei mir zu lesen ist. Aber wie viele Leute sind heute bereit, in diesen Fällen das Kind beim rechten Namen zu nennen: es ist verlogen, eine ganz gewöhnliche Lüge! Das muß man aber auch einsehen. Man muß das Kind beim rechten Namen nennen. Nicht wahr, daß schließlich Horneffer, dem ich einstmals, als er Nietzsche-Herausgeber war, nachweisen mußte, daß er nicht eine Spur von NietzscheVerständnis hat, und das törichteste Zeug zusammengeschrieben und auch herausgegeben hat als Nietzsche-Herausgeber, daß der schließlich solche Dinge schreibt, kann man verstehen, aber solche Dinge werden im Ernste genommen. Daher ist es möglich, daß heute das schlimmste, dümmste Gauklertum mit dem ernsten Bestreben der Geisteswissenschaft verwechselt und zusammengeworfen wird, und daß vor allen Dingen die Lügen nicht Lügen genannt werden, was das Richtige wäre.

[ 41 ] Nun bitte ich Sie, nehmen Sie alles dasjenige, was ich jemals geschrieben und gesagt habe, und versuchen Sie das zu finden, wovon hier behauptet wird, daß es bei mir zu lesen ist. Aber wie viele Leute sind heute bereit, in diesen Fällen das Kind beim rechten Namen zu nennen: es ist verlogen, eine ganz gewöhnliche Lüge! Das muß man aber auch einsehen. Man muß das Kind beim rechten Namen nennen. Nicht wahr, daß schließlich Horneffer, dem ich einstmals, als er Nietzsche-Herausgeber war, nachweisen mußte, daß er nicht eine Spur von NietzscheVerständnis hat, und das törichteste Zeug zusammengeschrieben und auch herausgegeben hat als Nietzsche-Herausgeber, daß der schließlich solche Dinge schreibt, kann man verstehen, aber solche Dinge werden im Ernste genommen. Daher ist es möglich, daß heute das schlimmste, dümmste Gauklertum mit dem ernsten Bestreben der Geisteswissenschaft verwechselt und zusammengeworfen wird, und daß vor allen Dingen die Lügen nicht Lügen genannt werden, was das Richtige wäre.

[ 42 ] Nun, das muß eben gelernt werden, daß ein neuer Anschluß an die Wirklichkeit gefunden werden muß. Denn was ist das letzte, was geblieben ist aus jener alten Zeit der ersten nachatlantischen Kulturperiode, wo die Patriarchen in den fünfziger Jahren das Geistige durch naturgemäße Entwickelung in sich aufgenommen haben? Was ist geblieben durch die Griechenzeit hindurch bis in unsere Zeit herein? Geblieben ist von alledem dasjenige, was wir die Genies nennen. Da ist noch gewissermaßen eine Abhängigkeit von der Natur, wenn die genialen Fähigkeiten auftreten. Diejenigen Genies, die die fünfte Kulturperiode hat, werden die letzten Genies unserer Erdenentwickelung sein. Genies wird es in Zukunft nicht mehr geben. Das ist wichtig zu wissen. Jene Genialität, die eine Naturgabe ist, die hört auf — man muß sich schon ungeschminkt der Wirklichkeit gegenüberstellen —, dafür muß die erarbeitete Genialität eintreten, jene Genialität, welche mit einer lebendigen Verbindung des Menschen mit der sich offenbarenden Geistigkeit von außen zusammenhängen muß. Es ist ungeheuer interessant, wenn man die Tatsachen in diesem Zusammenhang einmal sich vor die Seele stellt.

[ 42 ] Nun, das muß eben gelernt werden, daß ein neuer Anschluß an die Wirklichkeit gefunden werden muß. Denn was ist das letzte, was geblieben ist aus jener alten Zeit der ersten nachatlantischen Kulturperiode, wo die Patriarchen in den fünfziger Jahren das Geistige durch naturgemäße Entwickelung in sich aufgenommen haben? Was ist geblieben durch die Griechenzeit hindurch bis in unsere Zeit herein? Geblieben ist von alledem dasjenige, was wir die Genies nennen. Da ist noch gewissermaßen eine Abhängigkeit von der Natur, wenn die genialen Fähigkeiten auftreten. Diejenigen Genies, die die fünfte Kulturperiode hat, werden die letzten Genies unserer Erdenentwickelung sein. Genies wird es in Zukunft nicht mehr geben. Das ist wichtig zu wissen. Jene Genialität, die eine Naturgabe ist, die hört auf — man muß sich schon ungeschminkt der Wirklichkeit gegenüberstellen —, dafür muß die erarbeitete Genialität eintreten, jene Genialität, welche mit einer lebendigen Verbindung des Menschen mit der sich offenbarenden Geistigkeit von außen zusammenhängen muß. Es ist ungeheuer interessant, wenn man die Tatsachen in diesem Zusammenhang einmal sich vor die Seele stellt.

[ 43 ] In unserer Zeit treten Menschen auf, die sehr häufig auf dem einen oder anderen Gebiet das sehen, worauf es ankommt, wie das bei Robert Scheu der Fall ist, auf den ich hier vor vierzehn Tagen aufmerksam gemacht habe. Aber es fehlt ihnen die Möglichkeit, das in einem großen Zusammenhang drinnen zu sehen, wirklich in einen Zusammenhang mit der ganzen Weltenentwickelung hineinzustellen.

[ 43 ] In unserer Zeit treten Menschen auf, die sehr häufig auf dem einen oder anderen Gebiet das sehen, worauf es ankommt, wie das bei Robert Scheu der Fall ist, auf den ich hier vor vierzehn Tagen aufmerksam gemacht habe. Aber es fehlt ihnen die Möglichkeit, das in einem großen Zusammenhang drinnen zu sehen, wirklich in einen Zusammenhang mit der ganzen Weltenentwickelung hineinzustellen.

[ 44 ] Nun ist ja wirklich ein sehr interessanter Mensch jener Psychologe gewesen, der jetzt im März 1917 gestorben ist; ich habe schon auf den Namen hingewiesen, Franz Brentano. Nicht nur daß er der bedeutendste Aristoteles-Kenner der Gegenwart war, sondern er war überhaupt für die Denkweise der Gegenwart ganz charakteristisch. Ich habe Sie aufmerksam gemacht: er hat eine Seelenkunde zu schreiben begonnen. Im Jahre 1874 erschien der ersteBand, der zweite sollte im Herbst erscheinen, und es sollten noch mehrere Bände nachfolgen. Nichts erschien mehr, nicht im Herbst der zweite Band, nicht die folgenden Bände. Ich habe die Überzeugung — und nicht aus etwas anderem heraus, als aus einer gründlichen Kenntnis Franz Brentanos, denn ich kenne sowohl Franz Brentanos persönliche Art vorzutragen, von Wien her; ich kann mich kaum entschlagen, doch zu sagen, daß es kaum irgendeine gedruckte Zeile von Brentano gibt, die ich nicht gelesen habe, ich kenne seine ganze Entwickelung, ich kann mir daher schon eine Überzeugung bilden; sie besteht darin, daß Brentano als ehrlicher Mann einfach die folgenden Bände nicht erscheinen lassen konnte. Denn er läßt schon im ersten Bande merken, daß er auf eine Anschauung über die Unsterblichkeit der Seele hinarbeitet. Das drückt er klar aus. Aber er konnte nicht ohne Geisteswissenschaft, die er nicht haben wollte — die Geisteswissenschaft schloß er aus, die wollte er nicht haben —, ohne Geisteswissenschaft konnte er nicht über den ersten Band hinauskommen, viel weniger bis zum fünften Band, wo er die Unsterblichkeit der Seele beweisen wollte. Er schloß die Geisteswissenschaft aus. Er ist ja gerade der Erfinder dessen, was so viele Philosophen des neunzehnten Jahrhunderts beschäftigt hat: «Vera philosophiae methodus nulla alia nisi scientiae naturalis est.» «Die wahre Geisteswissenschaft hat keine andere Forschungsart als die Naturwissenschaft.» Diesen Satz hat er aufgestellt als eine Dozententhese bei seinem Antritte im Jahre 1866, wo er aus dem Dominikanerorden ausgetreten ist und in Würzburg Professor wurde. Philosophie war dazumal schon ganz verachtet. Als er das erste Mal in den Hörsaal kam, wo ein Anhänger Baaders bis dahin gelehrt hatte, da war angeschrieben im Hörsaal: Schwefelfabrik.

[ 44 ] Nun ist ja wirklich ein sehr interessanter Mensch jener Psychologe gewesen, der jetzt im März 1917 gestorben ist; ich habe schon auf den Namen hingewiesen, Franz Brentano. Nicht nur daß er der bedeutendste Aristoteles-Kenner der Gegenwart war, sondern er war überhaupt für die Denkweise der Gegenwart ganz charakteristisch. Ich habe Sie aufmerksam gemacht: er hat eine Seelenkunde zu schreiben begonnen. Im Jahre 1874 erschien der ersteBand, der zweite sollte im Herbst erscheinen, und es sollten noch mehrere Bände nachfolgen. Nichts erschien mehr, nicht im Herbst der zweite Band, nicht die folgenden Bände. Ich habe die Überzeugung — und nicht aus etwas anderem heraus, als aus einer gründlichen Kenntnis Franz Brentanos, denn ich kenne sowohl Franz Brentanos persönliche Art vorzutragen, von Wien her; ich kann mich kaum entschlagen, doch zu sagen, daß es kaum irgendeine gedruckte Zeile von Brentano gibt, die ich nicht gelesen habe, ich kenne seine ganze Entwickelung, ich kann mir daher schon eine Überzeugung bilden; sie besteht darin, daß Brentano als ehrlicher Mann einfach die folgenden Bände nicht erscheinen lassen konnte. Denn er läßt schon im ersten Bande merken, daß er auf eine Anschauung über die Unsterblichkeit der Seele hinarbeitet. Das drückt er klar aus. Aber er konnte nicht ohne Geisteswissenschaft, die er nicht haben wollte — die Geisteswissenschaft schloß er aus, die wollte er nicht haben —, ohne Geisteswissenschaft konnte er nicht über den ersten Band hinauskommen, viel weniger bis zum fünften Band, wo er die Unsterblichkeit der Seele beweisen wollte. Er schloß die Geisteswissenschaft aus. Er ist ja gerade der Erfinder dessen, was so viele Philosophen des neunzehnten Jahrhunderts beschäftigt hat: «Vera philosophiae methodus nulla alia nisi scientiae naturalis est.» «Die wahre Geisteswissenschaft hat keine andere Forschungsart als die Naturwissenschaft.» Diesen Satz hat er aufgestellt als eine Dozententhese bei seinem Antritte im Jahre 1866, wo er aus dem Dominikanerorden ausgetreten ist und in Würzburg Professor wurde. Philosophie war dazumal schon ganz verachtet. Als er das erste Mal in den Hörsaal kam, wo ein Anhänger Baaders bis dahin gelehrt hatte, da war angeschrieben im Hörsaal: Schwefelfabrik.

[ 45 ] Nun war er ein geistreicher Mann, er kam so weit als man kommen konnte mit der These, die ich eben angeführt habe, aber er konnte nicht hineinkommen in die Geisteswissenschaft. Daher blieb es beim ersten Band. Was er später geschrieben hat, sind einzelne Fragmente. Aber eine Abhandlung von ihm ist außerordentlich interessant. Diese Abhandlung ist die Wiedergabe eines Vortrages, den er gehalten hat. Und Franz Brentano war ein feiner Beobachter; er war kein Mensch, der aufsteigen konnte von der Beobachtung der äußeren Welt zum Geistigen, aber er war ein feiner Beobachter. Und diese Abhandlung, die ich jetzt meine, ist eigentlich die Bekämpfung der Idee vom Genie. Sie heißt: «Das Genie». Aber es wird darin eigentlich bekämpft die Möglichkeit, daß aus irgendwelchen unterbewußten Grundlagen heraus das kommt, was Genie ist. Es wird dargestellt, daß dasjenige, was sich als Genie auslebt, sich im wesentlichen auf eine schnellere, überschauendere Behandlung der Welt stützt, als sie vom gewöhnlichen Menschen angestrebt und erreicht wird. Sehr interessant ist diese Abhandlung; denn obwohl Brentano keine Geisteswissenschaft erringen konnte: er war ein feiner Beobachter und konnte eigentlich in dem Beobachten des wirklichen Lebens der Gegenwart den Genie-Begriff nicht mehr finden. Er war ehrlich genug, den Genie-Gedanken zu bekämpfen.

[ 45 ] Nun war er ein geistreicher Mann, er kam so weit als man kommen konnte mit der These, die ich eben angeführt habe, aber er konnte nicht hineinkommen in die Geisteswissenschaft. Daher blieb es beim ersten Band. Was er später geschrieben hat, sind einzelne Fragmente. Aber eine Abhandlung von ihm ist außerordentlich interessant. Diese Abhandlung ist die Wiedergabe eines Vortrages, den er gehalten hat. Und Franz Brentano war ein feiner Beobachter; er war kein Mensch, der aufsteigen konnte von der Beobachtung der äußeren Welt zum Geistigen, aber er war ein feiner Beobachter. Und diese Abhandlung, die ich jetzt meine, ist eigentlich die Bekämpfung der Idee vom Genie. Sie heißt: «Das Genie». Aber es wird darin eigentlich bekämpft die Möglichkeit, daß aus irgendwelchen unterbewußten Grundlagen heraus das kommt, was Genie ist. Es wird dargestellt, daß dasjenige, was sich als Genie auslebt, sich im wesentlichen auf eine schnellere, überschauendere Behandlung der Welt stützt, als sie vom gewöhnlichen Menschen angestrebt und erreicht wird. Sehr interessant ist diese Abhandlung; denn obwohl Brentano keine Geisteswissenschaft erringen konnte: er war ein feiner Beobachter und konnte eigentlich in dem Beobachten des wirklichen Lebens der Gegenwart den Genie-Begriff nicht mehr finden. Er war ehrlich genug, den Genie-Gedanken zu bekämpfen.

[ 46 ] Solche Dinge erscheinen einem geradezu als Rätsel, wenn man nicht auf die tieferen Grundlagen der Menschheitsentwickelung eingeht, wenn man nicht weiß, daß dasjenige, was das Genie in der Zukunft ersetzen wird, darinnen bestehen wird, daß gewisse Menschen sich dazu finden werden, die in einer anderen Weise als es in alten Zeiten der Fall war, Umgang haben werden mit der geistigen Welt. Und weil sie das haben werden, werden sie aus der geistigen Welt die Impulse bekommen, die sich dann in dem äußern, was in der Zukunft äquivalent ist mit demjenigen, was in der Vergangenheit von Genies geschaffen worden ist. So weit geht der Entwickelungsgedanke: Es ist alles, alles anders gewesen in alten Zeiten, es wird alles anders sein in Zukunftszeiten. — Ich weiß sehr wohl, wie einen heute noch die Leute auslachen, wenn man solche Dinge sagt, aber die Dinge sind eben der konkreten Betrachtung der Wirklichkeit entnommen, während man sich heute in Begriffe verliebt. Es hat sich zum Beispiel einer den Begriff gebildet: Für gewisse Krankheiten ist Bewegung gut. Dagegen ist nichts einzuwenden. Dann kommt aber einer zu ihm, der ihm über Krankheit klagt, und er findet, daß das die Zustände sind, für die Bewegung gut ist. Er rät dem Kranken, sich viel Bewegung zu machen, der sagt ihm aber: Sie verzeihen, Sie vergessen wohl, daß ich Briefträger bin! — Die Begriffe sind eben nicht real, wenn man nicht weiß, daß sie nur Instrumente für die Wirklichkeit sind, wenn man nicht weiß, daß man nie dogmatisieren darf. — Ich sagte ja, ebenso gilt auch der Begriff nicht: Der Tüchtigste an der richtigen Stelle, wenn man nachher überzeugt ist, daß der Neffe oder der Schwiegersohn der tüchtigste Mann ist. Auf die Wirklichkeit kommt es an, nicht auf Begriffe, in die man sich verliebt. Diese Empfindung muß man erhalten, sonst wird man nichts lernen aus der Geschichte, auch nichts aus der Wirklichkeit der Gegenwart, und sonst wird man auch nicht zu einer Möglichkeit kommen, den Christus Jesus wieder zu finden.

[ 46 ] Solche Dinge erscheinen einem geradezu als Rätsel, wenn man nicht auf die tieferen Grundlagen der Menschheitsentwickelung eingeht, wenn man nicht weiß, daß dasjenige, was das Genie in der Zukunft ersetzen wird, darinnen bestehen wird, daß gewisse Menschen sich dazu finden werden, die in einer anderen Weise als es in alten Zeiten der Fall war, Umgang haben werden mit der geistigen Welt. Und weil sie das haben werden, werden sie aus der geistigen Welt die Impulse bekommen, die sich dann in dem äußern, was in der Zukunft äquivalent ist mit demjenigen, was in der Vergangenheit von Genies geschaffen worden ist. So weit geht der Entwickelungsgedanke: Es ist alles, alles anders gewesen in alten Zeiten, es wird alles anders sein in Zukunftszeiten. — Ich weiß sehr wohl, wie einen heute noch die Leute auslachen, wenn man solche Dinge sagt, aber die Dinge sind eben der konkreten Betrachtung der Wirklichkeit entnommen, während man sich heute in Begriffe verliebt. Es hat sich zum Beispiel einer den Begriff gebildet: Für gewisse Krankheiten ist Bewegung gut. Dagegen ist nichts einzuwenden. Dann kommt aber einer zu ihm, der ihm über Krankheit klagt, und er findet, daß das die Zustände sind, für die Bewegung gut ist. Er rät dem Kranken, sich viel Bewegung zu machen, der sagt ihm aber: Sie verzeihen, Sie vergessen wohl, daß ich Briefträger bin! — Die Begriffe sind eben nicht real, wenn man nicht weiß, daß sie nur Instrumente für die Wirklichkeit sind, wenn man nicht weiß, daß man nie dogmatisieren darf. — Ich sagte ja, ebenso gilt auch der Begriff nicht: Der Tüchtigste an der richtigen Stelle, wenn man nachher überzeugt ist, daß der Neffe oder der Schwiegersohn der tüchtigste Mann ist. Auf die Wirklichkeit kommt es an, nicht auf Begriffe, in die man sich verliebt. Diese Empfindung muß man erhalten, sonst wird man nichts lernen aus der Geschichte, auch nichts aus der Wirklichkeit der Gegenwart, und sonst wird man auch nicht zu einer Möglichkeit kommen, den Christus Jesus wieder zu finden.

[ 47 ] An diese Betrachtung wollen wir heute in acht Tagen anknüpfen.

[ 47 ] An diese Betrachtung wollen wir heute in acht Tagen anknüpfen.