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Truths Regarding Humans Development
The Karma of Materialism
GA 176

26 June 1917, Berlin

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Ich werde heute episodisch unserer fortlaufenden Betrachtung einiges einzufügen haben, hervorgerufen zum Teil durch Zeiterscheinungen und auch durch das Verhältnis unserer anthroposophischen Bewegung zu den Gedanken und Beurteilungsweisen der Zeit.

[ 1 ] Today I will have to make a few episodic additions to our ongoing discussion, prompted in part by current events and also by the relationship of our anthroposophical movement to the ideas and ways of thinking prevalent today.

[ 2 ] Zunächst möchte ich über eine Zeitbestrebung sprechen, die von einem gewissen Gesichtspunkte aus für uns ganz interessant sein kann. Ich habe Ihnen öfter gesagt im Verlaufe unserer anthroposophischen Betrachtungen den Namen des Naturforschers — und speziell ist er Kriminalanthropologe — Moritz Benedikt; allein er dehnte das Gebiet seiner naturwissenschaftlichen Betrachtungen auf die verschiedensten Erscheinungen aus. In:der letzten Zeit hat er sich namentlich beschäftigt, intensiv und eingehend beschäftigt mit wissenschaftlichen Versuchen über die sogenannte Rutengängerei. Die Rutengängerei hat ja auch durch die Verhältnisse dieses Krieges eine gewisse Bedeutung gewonnen. Sie wissen, die Rutengängerei beruht im wesentlichen darauf, daß mit einer bestimmt geformten, gabelförmigen Rute aus einem bestimmten Baummaterial, Haselnußstaude zum Beispiel, die in einer bestimmten Weise entweder mit Untergriff oder Obergriff gehalten wird mit ihren beiden Gabelungen, durch das Ausschlagen der Rute gefunden werden kann dasjenige, was sich im Boden befindet, teilweise an Metallschätzen, teilweise aber auch, was sich im Boden befindet namentlich an Quellen, an Wasser und dergleichen. — Nun, Moritz Benedikt, der durchaus kein Phantast ist, weit entfernt ist, Phantast zu sein, der im Gegenteil zu denjenigen gehört, die alles das, was wir Anthroposophie nennen, scharf abweisen würde, er ist ganz und gar in der letzten Zeit mit seinen Forschungen, zum Teil mitveränlaßt durch die kriegerischen Operationen in bestimmten Gegenden, auf dieseRutengängerei ausgegangen. Dabei hat er versucht, der Sache gewissermaßen eine rationelle Grundlage zu geben. Er hat mit Personen, die er «dunkelangepaßte» nennt, experimentiert. Ich werde gleich nachher sagen, warum er festzustellen versucht, daß eigentlich jeder Mensch ein asymmertrisches, ein zweigliedriges Wesen ist, daß also der Mensch links von seiner Symmetrielinie ein anderes Wesen ist als rechts von seiner Symmetrielinie. Diese Verschiedenheit von links und rechts ist eben nicht nur eine Verschiedenheit, sondern sie ist sogar eine Polarität. In gewisser Beziehung sind Kräfte vorhanden in der linken und rechten Körperhälfte, welche so entgegengesetzt wirken, wie positiver und negativer Magnetismus und positive und negative Elektrizität, ähnlich wie positive und negative sich zueinander verhaltende Kräfteimpulse.

[ 2 ] First, I would like to speak about an endeavor in the field of time that, from a certain point of view, may be quite interesting to us. I have often mentioned to you in the course of our anthroposophical reflections the name of the natural scientist—and specifically, he is a forensic anthropologist—Moritz Benedikt; however, he expanded the scope of his scientific investigations to encompass a wide variety of phenomena. Recently, he has been engaged—intensively and in depth—in scientific experiments concerning so-called dowsing. Dowsing has, after all, gained a certain significance due to the circumstances of this war. As you know, dowsing essentially involves using a specifically shaped, forked rod made from a certain type of wood, such as hazel, which is held in a specific manner—either with an underhand or overhand grip—and by swinging the rod with its two prongs, one can locate what lies beneath the ground, sometimes metal treasures, but also, in particular, springs, water, and the like. — Now, Moritz Benedikt, who is by no means a dreamer—far from it—and who, on the contrary, belongs to those who would sharply reject everything we call anthroposophy, has recently devoted himself entirely to this dowsing practice in his research, partly prompted by military operations in certain regions. In doing so, he has attempted, so to speak, to give the matter a rational foundation. He has experimented with people whom he calls “darkly adapted.” I will explain shortly why he is attempting to establish that every human being is, in fact, an asymmetrical, two-part being—that is, that a person to the left of their line of symmetry is a different being than to the right of it. This difference between left and right is not merely a difference, but rather a polarity. In a certain sense, there are forces present in the left and right halves of the body that act as oppositely as positive and negative magnetism and positive and negative electricity, similar to positive and negative force impulses in relation to one another.

[ 3 ] Nun fand Moritz Benedikt, daß, wenn der Mensch eine Rute in die Hand nimmt, die beiden Gabeln in die Hand nimmt, dann das Kräftemassiv der linken Seite und das Kräftemassiv der rechten Seite sich vereinigen, wie er sagt: einen gemeinsamen Emanationsstrom bilden, also ineinander übergehen. Wenn nun, sagen wir, ein Mensch, der im besonderen stark durchsetzt ist von solchen Kräften, die dabei eben in Betracht kommen, über eine Bodenfläche geht, unter der im Innern ein Wasser ist, so verändern sich seine Kräfte links und rechts. Das heißt, das Wasser, das seinerseits eine Ausströmung nach oben hat, strömt in die Kräfte des Menschen ein, und dadurch verändert sich sein Kräftemassiv. Interessant ist, daß Moritz Benedikt, der selber Arzt ist, gefunden hat, daß besonders empfängliche Personen einfach, wenn sie über eine Stelle gehen, unter der eine Quelle ist, oder namentlich eine Stelle, unter der eine bestimmte Metallader oder dergleichen ist, bis zum Krankwerden beeinflußt werden können. So daß einfach manche Zustände, von denen Benedikt, der selber Arzt ist, findet, daß die Ärzte nicht viel mehr wissen als den Namen davon, daß gewisse Zustände, wie Melancholie, Hypochondrie, Hysterie, die zusammengeworfen werden, bei gewissen Persönlichkeiten dadurch hervorgerufen werden können, daß eine solche Person über eine Fläche geht, unter der eine entsprechende Quelle ist, aber sie beachtet das nicht, sie weiß das vielleicht nicht. Wenn sie sich aber der Rute bedient, so wird sie nicht krank. Dadurch, daß die Rute die beiden Kraftströme miteinander vereinigt und ausschlägt, wird die Kraft, die sonst zur Erkrankung irgendeines Körperteiles hätte führen können, abgeleitet. So daß man es also im wesentlichen zu tun hat mit einer Ableitung von Strömungen im Organismus durch die in den Händen befindliche Rute. Die Rute ist also ein Zweig, der einen Stock hat und dann sich gabelt, wie sich Äste gabeln; das wird so geschnitten, und an den beiden Gabelstangen hält man ihn.

[ 3 ] Now Moritz Benedikt found that when a person takes a rod in their hand—that is, takes hold of the two prongs—the force complex on the left side and the force complex on the right side unite, as he says: they form a common stream of emanation, that is, they merge into one another. Now, if, say, a person who is particularly strongly permeated by the forces in question walks over a patch of ground beneath which there is water, the person’s forces on the left and right change. That is to say, the water—which itself has an upward flow—flows into the person’s forces, and as a result, the person’s force field changes. It is interesting that Moritz Benedikt, who is a physician himself, has found that particularly sensitive individuals can be affected—even to the point of becoming ill—simply by walking over a spot beneath which there is a spring, or specifically a spot beneath which there is a certain metal vein or the like. Thus, there are certain conditions—of which Benedikt, who is a physician himself, believes that doctors know little more than their names—such as melancholy, hypochondria, and hysteria, which are often lumped together; these can be triggered in certain individuals simply by walking over an area beneath which lies a corresponding spring, even though the person may not notice it or may not even be aware of it. But if they use the divining rod, they do not become ill. Because the divining rod unites the two energy currents and deflects them, the energy that might otherwise have led to the illness of some part of the body is diverted. So essentially, what we are dealing with is a diversion of energy currents within the organism through the divining rod held in the hands. The rod is therefore a twig that has a single stem and then forks, just as branches fork; it is cut in this way, and one holds it by the two forked ends.

[ 4 ] Nun, auf welche Weise stellt denn der Professor Benedikt das alles fest? Das ist jetzt die Frage. Er stellt es fest mit Hilfe gewisser Personen, die er «dunkel-angepaßt» nennt. Was macht er da? Er hat sich namentlich zweier solcher «dunkel-angepaßter» Personen bedient, die imstande sind, wenn sie in der Dunkelkammer, also im verfinsterten Zimmer sitzen, diejenigen Personen, bei denen die Rute ausschlägt, zu beobachten. «Dunkel-angepaßt» nennt er seine Mitgehilfen, seine Experimentatoren; er nennt sie deshalb so, weil sie, wenn sie im Finstern Menschen beobachten, Farben sehen und dergleichen. Und dieses Im-Finstern-Farben-Sehen führt dazu, unterscheiden zu können, daß die Farben, die am Menschen zu sehen sind, links verschieden sind von den Farben, welche rechts zu sehen sind. Da sich nun klärlich ergibt, daß diese Farben, die da in der Dunkelkammer, wo man den gewöhnlichen physischen Anblick nicht hat — so weit wird die Kammer verdunkelt —, die äußere Erscheinung für das ist, was Benedikt Emanation nennt, was wir die tiefste physische Aura nennen würden, so kann Professor Benedikt mit Hilfe solcher Personen, die er «dunkel-angepaßte» nennt, einfach prüfen, wie der Mensch asymmetrisch ist, links andere Farben zeigt als rechts, wie sich das ganze Farbenbild verändert, wenn der Mensch nun die Rute in die Hand nimmt und im Laboratorium ausgesetzt wird. Man braucht nicht irgendeine Quelle zu haben, sondern man kann ein kleines Wasserbassin oder ein Stück Metall haben; das geht geradesogut. Man kann in der Dunkelkammer nachweisen, worauf die Wirkung der Rute beruht. Es ist interessant, einige Stellen der neuesten Publikation von Professor Benedikt sich einmal anzusehen. Er sagt:

[ 4 ] Well, how exactly does Professor Benedikt determine all this? That is the question. He determines it with the help of certain individuals whom he calls “darkly conformist.” What does he do? Specifically, he has made use of two such “dark-adapted” individuals who, when sitting in the darkroom—that is, in a room with the lights turned off—are able to observe the people toward whom the rod reacts. He calls his assistants, his experimenters, “dark-adapted”; he calls them that because, when they observe people in the dark, they see colors and the like. And this ability to see colors in the dark allows them to distinguish that the colors visible on the left side of a person differ from those visible on the right. Since it is now clearly evident that these colors—which are visible in the darkroom, where ordinary physical vision is absent (the room is darkened to that extent)—represent what Benedikt calls “emanation,” what we would call the deepest physical aura, Professor Benedikt can, with the help of such individuals—whom he calls “dark-adapted”—simply test how asymmetrical a person is, showing different colors on the left than on the right, and how the entire color pattern changes when the person takes the divining rod in hand and is exposed to it in the laboratory. One does not need any particular source; a small water basin or a piece of metal will do just as well. In the darkroom, one can demonstrate what the effect of the divining rod is based on. It is interesting to take a look at a few passages from Professor Benedikt’s latest publication. He says:

[ 5 ] «Es gibt, wenn auch eine relativ geringe Anzahl von Menschen, die «dunkel-angepaßt sind. Ein relativ größerer 'Teil dieser Minorität sieht in der Dunkelheit sehr viele Objekte leuchtend, ohne Farben, und nur relativ sehr wenige sehen die Objekte auch gefärbt, Reichenbach hat schon den Ausspruch getan, daß jeder Mensch eine große Hülle leuchtender Substanz (Emanationen) mit sich herumschleppt.

[ 5 ] “There are, albeit a relatively small number of people, who are ‘adapted to the dark.’ A relatively larger portion of this minority sees a great many objects glowing in the darkness, without colors, and only relatively very few also see the objects as colored. Reichenbach has already stated that every human being carries around a large shell of luminous substance (emanations).

[ 6 ] Die farblosen und farbigen Leuchterscheinungen sind seitdem auch von mir vielfach durch kritische Beobachtung erprobt. Eine größere Zahl Gelehrter und Ärzte wurden in meiner Dunkelkammer von meinen zwei klassischen «Dunkel-angepaßten», Herrn Ingenieur Josef Póra und der Beamtin Fräulein Hedwig Kaindl, untersucht, und es konnte den von denselben Untersuchten kein gerechter Zweifel an der Richtigkeit der Beobachtung und Schilderung zurückbleiben. Die Herren haben sich überzeugt, daß die genannten Dunkel-angepaßten die unerwartet Anwesenden sahen, alle Teile des Körpers bezeichneten und ihre Emanationsfarbe bestimmten.

[ 6 ] Since then, I have also tested the colorless and colored light phenomena many times through critical observation. A large number of scholars and physicians were examined in my darkroom by my two “dark-adapted” subjects, engineer Josef Póra and civil servant Hedwig Kaindl, and none of those examined could harbor any reasonable doubt as to the accuracy of the observations and descriptions. These gentlemen were convinced that the aforementioned individuals adapted to darkness saw the unexpected visitors, identified all parts of their bodies, and determined the color of their emanations.

[ 7 ] Farbenwahrnehmende Dunkel-angepaßte sehen nur an der Vorderseite die Stirne und den Scheitel blau, die übrige Hälfte ebenfalls blau und die linke rot oder mancher, wie zum Beispiel Herr Ingenieur Pöra, orangegelb. Rückwärts finder dieselbe Teilung und dieselbe Färbung statt.»

[ 7 ] Those with color vision who are adapted to darkness see only the forehead and crown as blue at the front, the remaining half also blue, and the left side red—or, in some cases, such as that of Engineer Pöra, orange-yellow. The same division and coloring occur at the back.»

[ 8 ] «Ich will hier anführen, daß eine geschlossene elektrische Batterie in der Dunkelkammer an der Anode rot, an der Kathode blau leuchtet — also analog der linken und rechten Körperhälfte. Die zwei polaren Körperhälften werden durch die Rute zu einem Emanationsstrom geschlossen. Der Körperrutenstrom tritt in Beziehung zu den emanierenden Substanzen, und der Ausschlag der Rute ist der Ausdruck dieser Beziehung.»

[ 8 ] “I would like to point out here that a closed electric battery in the darkroom glows red at the anode and blue at the cathode—that is, analogous to the left and right halves of the body. The two polar halves of the body are connected by the rod to form an emanation current. The body-rod current enters into a relationship with the emanating substances, and the deflection of the rod is the expression of this relationship.”

[ 9 ] Es ist sehr interessant. Wir haben es hier, das möchte ich ausdrücklich betonen, damit das nicht mißverstanden wird, was ich sage, nicht mit demjenigen zu tun, was in meiner « Theosophie» als Aura beschrieben wird. Bei dieser Aura haben wir es zu tun mit den Offenbarungsweisen des höheren Seelischen und Geistigen, während es der Professor Benedikt in seiner Dunkelkammer zu tun hat mit durchaus unterschwelligen, also unter der Schwelle des Bewußtseins befindlichen, aber für das gewöhnliche sinnliche Anschauen nicht wahrnehmbaren Emanationen, Ausstrahlungen. Interessant muß uns nur sein, daß es dem Naturforscher heute erlaubt ist, durchaus in ganz exakter Weise von einer unterschwelligen Aura zu sprechen und Untersuchungen zu. machen und so weiter. Es ist interessant, daß Benedikt selber angeben muß, daß die Rutenfähigkeit übrigens keine hochstehende menschliche Qualität ist; sie ist mit sonst niederer Organisation möglich, während sie bei intellektuell Fortgeschrittenen versagt. Das weist eben darauf hin auf der einen Seite, daß die Rutenfähigkeit, das heißt die besonders starke Ausschlagfähigkeit der Rute, bei bestimmten Personen mit unterseelischen Impulsen zu tun hat. Aber immerhin, die unterseelischen Impulse sind auch durchaus solche, die nicht mit den gewöhnlichen Sinnen oder wenigstens auf gewöhnliche sinnliche Weise wahrnehmbar sind. Denn Professor Benedikt braucht immerhin, ich möchte sagen, als Versuchsinstrumente «dunkel-angepaßte» Personen.

[ 9 ] It is very interesting. I would like to emphasize this point explicitly—so that what I am saying is not misunderstood—that this has nothing to do with what is described as the “aura” in my book *Theosophy*. With this aura, we are dealing with the modes of manifestation of the higher soul and spirit, whereas Professor Benedikt, in his darkroom, is dealing with emanations and radiations that are entirely subliminal—that is, lying below the threshold of consciousness—but imperceptible to ordinary sensory perception. What should interest us is simply that the natural scientist today is permitted to speak in a thoroughly precise manner of a subliminal aura and to conduct investigations into it, and so on. It is interesting that Benedikt himself must admit that dowsing ability, incidentally, is not a superior human quality; it is possible even with an otherwise lower level of organization, whereas it fails in intellectually advanced individuals. This indicates, on the one hand, that dowsing ability—that is, the particularly strong response of the dowsing rod—is related to sub-soul impulses in certain individuals. But in any case, these sub-psychic impulses are certainly not perceptible through the ordinary senses—or at least not in the usual sensory way. For Professor Benedikt does, after all, require—I would say—“darkly adapted” individuals as test subjects.

[ 10 ] Natürlich findet die Sache heute noch einige Gegnerschaft; das macht aber nichts, denn alle diese Dinge finden Gegnerschaften, und Professor Benedikt sagt selber, gleich auf Seite zwölf seines Büchelchens:

[ 10 ] Of course, the matter still faces some opposition today; but that doesn’t matter, because all such things face opposition, and Professor Benedikt himself says, right on page twelve of his little book:

[ 11 ] «Der schlichte Mann erkennt instinktmäßig die Souveränität der Tatsachen an; der akademisch Verbildete die Souveränität der Meinungen. Der Bauer kennt die Tatsache von Kindheit an durch Tradition, und sie wird für ihn zum unumstößlichen Ereignisse, sobald er den ersten Rutenausschlag gesehen und gefühlt hat. Der «Intellektuelle legt Scheuklappen gegen die Wahrheit an, wenn er Tatsachen nicht in die Kammer seiner Weisheit einreihen kann.»

[ 11 ] “The simple man instinctively recognizes the sovereignty of facts; the academically educated man, the sovereignty of opinions. The farmer knows the fact from childhood through tradition, and it becomes an irrefutable reality for him as soon as he has seen and felt the first bud on the branch. The ‘intellectual’ puts on blinders against the truth when he cannot fit facts into the chamber of his wisdom.”

[ 12 ] Es kommt ja in der Regel darauf an, bei welcher Grenze der Betreffende seine Scheuklappen anlegt. Nicht wahr, Professor Benedikt legt sie da ab, wo es sich darum handelt, diejenige Aura zu studieren, welche die Rutenfähigkeit nach sich zieht; allein er legt die Scheuklappen sogleich wieder an, wenn es sich um höhere anthroposophische Gebiete handelt. Aber das tut nichts. Wir brauchen nicht Gleiches mit Gleichem zu bezahlen, sondern wir müssen von einer solchen Sache immerhin Kenntnis nehmen.

[ 12 ] It usually depends on where the person in question draws the line. Isn’t that right? Professor Benedikt sets them aside when it comes to studying the aura associated with dowsing; yet he puts them back on immediately when it comes to higher anthroposophical realms. But that doesn’t matter. We don’t need to repay like with like, but we must at least take note of such a thing.

[ 13 ] Interessant ist zum Beispiel auch dieses, was Professor Benedikt mit Hilfe dieser seiner Experimente herausgebracht hat:

[ 13 ] Another interesting point, for example, is what Professor Benedikt discovered through his experiments:

[ 14 ] «Wir wollen hier gleich die große Bedeutung dieser Versuche für die Farbenlehre hervorheben. Die Newton’sche Lehre, daß die FarbenEffekte ausschließlich von dem reflektierten, respektive durchgehenden prismatischen Farbenlicht herrühren, die auch von den zünftigen Physikern allgemein ohne Reserve akzeptiert ist, wurde von Goethe bestritten. Dieser behauptet, daß von natürlich gefärbten Objekten und mit natürlichen Farben behandelten Stoffen ein Teil des Farbeneindruckes sozusagen autonom von diesen gefärbten Objekten herrühre. Die Beweise Goethes hatten keinen äußeren Erfolg und waren halb und halb indirekte.

[ 14 ] “We wish to emphasize here the great significance of these experiments for the theory of colors. Newton’s theory—that color effects arise exclusively from reflected or transmitted prismatic colored light, a theory that is also generally accepted without reservation by contemporary physicists—was contested by Goethe. He asserted that, in the case of naturally colored objects and materials treated with natural colors, part of the color impression arises, so to speak, autonomously from these colored objects. Goethe’s evidence met with no outward success and was only partly indirect.

[ 15 ] Ungemein drastisch gibt hier die Emanationslehre mit Hilfe des Pendels eine die Ansicht Goethes bestätigende Aufklärung, wobei betont werden muß, daß das reflektierte Licht die gleichgefärbte Emanation mit sich fortreißt.»

[ 15 ] The theory of emanation provides an exceptionally dramatic explanation here, using the pendulum to confirm Goethe’s view; it must be emphasized, however, that the reflected light carries the emanation of the same color along with it.»

[ 16 ] Sie sehen daraus, daß auf halbem Wege auch Benedikt, da er nun einmal auf diesen Grenzgebieten Versuche macht, sogar zur Goetheschen Farbenlehre kommen muß. Wenn man sich selbst, wie ich, seit mehr als drei Jahrzehnten mit der Verteidigung der Goetheschen Farbenlehre befaßt, so kann man ermessen, ob ein Zusammenhang besteht zwischen der Emanationslehre und der Goetheschen Farbenlehre, und ob auf der anderen Seite ein Zusammenhang besteht zwischen all der stumpfsinnigen, materialistischen Theoretisierung, die die heutige Physik beherrscht, und wiederum der Ablehnung der Goetheschen Farbenlehre. Interessant ist: Sogleich, wenn einer nur ein wenig die Farbenlehre durchdringt, kommt er ein Stückchen weiter, aber der Weg geht immer in der Richtung, in welcher die anthroposophische Betrachtungsweise gehen muß.

[ 16 ] You can see from this that, halfway through his explorations in these border areas, even Benedikt—since he is, after all, conducting experiments in these fields—must inevitably arrive at Goethe’s theory of colors. If, like me, one has been engaged in defending Goethe’s theory of colors for more than three decades, one can assess whether there is a connection between the doctrine of emanation and Goethe’s theory of colors, and whether, on the other hand, there is a connection between all the dull, materialistic theorizing that dominates modern physics and, in turn, the rejection of Goethe’s theory of colors. It is interesting to note that as soon as one delves even a little into the theory of colors, one makes a bit of progress, but the path always leads in the direction that the anthroposophical approach must take.

[ 17 ] In unserer Zeit ist es sehr wichtig, daß sich ein Mann, der sich nun experimentell mit diesen Dingen befaßt, gestehen muß: Der schlichte Mann erkennt instinktmäßig die Souveränität der Tatsachen an. Der Gelehrte oder akademisch Verbildete, wie Benedikt sagt, erkennt nur die Souveränität der Meinungen an. Das ist sehr wichtig. Denn keine Zeit ist noch so sehr unter dem Einfluß der Meinungen gestanden als diese unsere Zeit, obwohl unsere Zeit immer wieder betont: Auf den gesunden Menschenverstand kommt es an! — Insbesondere in der Politik wird das immer betont. Aber dieser gesunde Menschenverstand, der muß heute erst unter Mühe erworben werden, der ist heute nämlich nicht da — das ist das große Geheimnis —, der muß erst wiederum erworben werden dadurch, daß man dasjenige, was frühere Zeiten atavistisch noch hatten, den Zusammenhang mit der geistigen Welt, was heute nicht atavistisch da ist, nun erst auf den Wegen, welche die Anthroposophie angibt, gewinnt. Das ist sehr wichtig. Man könnte sagen: So sitzt nun Benedikt, der ja ein bißchen eitel ist — nicht wahr, ich habe das ja schon früher erwähnt, daß daher seine Bücher nicht angenehm zu lesen sind, aber das gilt nicht für dieses Buch —, er sitzt in seiner Dunkelkammer und macht Pendelversuche. Er hat sich sogar so photographieren lassen; das Bild ist am Anfang des Buches. Er beschreibt eigentlich die physischen Auren, um dahinterzukommen, was da eigentlich für Wechselkräfte spielen zwischen dem Menschen und der übrigen Welt. Natürlich hat das eine außerordentlich große Bedeutung. Es hat deshalb eine große Bedeutung, weil dadurch schon durch physische Forschung der Raumbegriff, ich möchte sagen, auf eine neue Basis gestellt wird. Wasser, wo ist es? Nun, da drinnen in der Erde, nicht wahr. Nun geht der Rutengänger darüber, die Rute schlägt aus. Eine Emanation geht nach oben, die sich mit der menschlichen Emanation vereinigt. Ausströmungen kommen ineinander. Das Wasser ist also nicht nur da unten, sondern es hat etwas in sich, was bis nach oben geht. Erinnern Sie sich, welchen großen Wert ich einmal darauf gelegt habe, als ich den berühmten — oder nicht berühmten —, den bedeutenden Schellingschen Ausspruch zitierte: «Ein Ding wirkt nicht nur da, wo es ist, sondern es ist, wo es wirkt.» Auf die Auffassung solcher Dinge kommt es an. Sie können das in meinem Buche über die «Rätsel der Philosophie» nachlesen, welche Bedeutung einer solchen Anschauung, einem solchen Begriff, einer solchen Vorstellung zukommt, wenn man auf Wirklichkeit sehen will, und nicht auf vorgefaßte und an Worten klebende Meinungen.

[ 17 ] In our time, it is very important that a man who is now experimentally engaged with these matters must admit to himself: The simple man instinctively recognizes the sovereignty of facts. The scholar or the academically distorted mind, as Benedikt says, recognizes only the sovereignty of opinions. This is very important. For no era has been so heavily influenced by opinions as our own, even though our era repeatedly emphasizes: “Common sense is what matters!” — This is emphasized time and again, especially in politics. But this common sense must be acquired with great effort today; for it is not present today—that is the great secret—and must be regained by reclaiming what earlier times still possessed atavistically—the connection with the spiritual world—which is no longer present atavistically today, but must now be regained along the paths indicated by anthroposophy. This is very important. One might say: So there sits Benedikt, who is, after all, a bit vain—isn’t that right? I’ve mentioned this before, which is why his books aren’t exactly a pleasure to read, though that doesn’t apply to this one—he sits in his darkroom conducting pendulum experiments. He even had himself photographed like that; the picture is at the beginning of the book. He is actually describing the physical auras in order to uncover what kinds of interactive forces are at work between the human being and the rest of the world. Of course, this is of extraordinary importance. It is of great importance because, through physical research alone, the concept of space is—I would say—placed on a new foundation. Water—where is it? Well, down there inside the earth, isn’t it? Now the dowser walks over it, and the rod strikes. An emanation rises upward, uniting with the human emanation. These emanations merge. So the water is not only down there, but it has something within it that reaches all the way up. Do you remember how much importance I once attached to this when I quoted the famous—or perhaps not so famous—but significant saying by Schelling: “A thing does not merely act where it is, but it is where it acts.” It all comes down to how one conceives of such things. You can read in my book on the “Riddles of Philosophy” what significance such a view, such a concept, such an idea holds when one wishes to look at reality, rather than at preconceived opinions that cling to words.

[ 18 ] So, möchte ich sagen, kann man bis in die Einzelheiten hinein zeigen, wie gewissermaßen das Anthroposophische am Steuer sitzt und richtig die gegenwärtige Zeit-Denkweise lenkt. Man kann es im einzelnen tatsächlich nachweisen, nur daß natürlich die einzelnen Menschen nicht nachkommen. Aber wo sie versuchen, einmal nur eine Einzelheit vorurteilslos anzugreifen, da geht es in dieser Richtung. Der Krieg hat diese Untersuchungen über Rutengängerei besonders dadurch an die Oberfläche gebracht, weil man in gewissen Territorien zu wissen brauchte, was da unten eigentlich ist, namentlich wenn es sich um Wasser handelte, das man dann da verwenden muß für diejenigen, die in den Gegenden sich aufzuhalten haben, wenn man Quellen auszunützen hat. Sie sehen daraus, daß tatsächlich im Menschen, schon rein wenn man auf die allerniedrigsten Dinge sieht, viel mehr vorhanden ist, als die heutige Philosophie oder Biologie sich irgendwie träumen läßt.

[ 18 ] So, I would say, one can demonstrate in great detail how, in a sense, anthroposophy is at the helm and is effectively steering the current way of thinking. One can indeed demonstrate this in detail, though of course individual people do not follow through. But whenever they try to approach even a single detail without prejudice, things move in this direction. The war brought these investigations into dowsing to the surface particularly because, in certain territories, it was necessary to know what was actually down there—namely, when it came to water that had to be used by those who had to stay in those areas, or when springs had to be tapped. You can see from this that there is in fact much more present in human beings—even when looking at the most basic things—than today’s philosophy or biology could ever imagine.

[ 19 ] Es ist nun sehr merkwürdig, und es ist schon notwendig — diejenigen, die sich länger für unsere Sache interessieren, begreifen, daß es notwendig ist —, daß, trotzdem im einzelnen nachgewiesen werden kann, wie Anthroposophie in der richtigen Weise steuert, diese Anthroposophie in einer Weise behandelt wird, wie ich es ja schon in den letzten hier angestellten Betrachtungen angeführt habe. Aber ich muß heute über eine literarische Erscheinung sprechen, die zu den charakteristischsten, ich möchte sagen, der Gegenwart in bezug auf die anthroposophische Geistesströmung gehört, charakteristisch aus den Gründen, die Sie aus den Besprechungen selber ersehen werden.

[ 19 ] It is indeed very strange, and it is indeed necessary—those who have long been interested in our cause understand that it is necessary—that, even though it can be demonstrated in detail how anthroposophy provides the right guidance, this anthroposophy is treated in the manner I have already described in my recent reflections here. But today I must speak about a literary phenomenon that is among the most characteristic—I would say—of the present day with regard to the anthroposophical spiritual movement, characteristic for reasons that you will see for yourselves from the discussions themselves.

[ 20 ] Ein Buch, «Vom Jenseits der Seele», ein dickes Buch, ist erschienen von dem Berliner Universitätsprofessor Max Dessoir. In diesem Buche findet sich ein ausführliches Kapitel über Anthroposophie. Dieses ausführliche Kapitel über Anthroposophie, das ist nun im höchsten Grade charakteristisch. Man könnte den Gedanken haben, den ich gehabt habe, als ich das Buch zuerst in die Hand genommen, es ist ja eben erschienen, ich dachte mir: Es ist einmal interessant zu hören, wie die offizielle Philosophie, die sich zur Universitätsphilosophie rechnende Philosophie — und die ja auch als solche gerechnet wird, weil der Betreffende ja hier Professor an der Universität ist —, sich über Anthroposophie ausspricht. Und ich dachte, das würde interessant sein. Gewiß, Gegnerschaften müssen sich ja heute ergeben aus den verschiedensten Gründen heraus, die ich schon angeführt habe. Daß die heutige Philosophie noch gegnerisch zur Anthroposophie ist, das ist nicht weiter verwunderlich, und es schadet auch nichts, wenn die Gegnerschaft nicht verleumderisch, nicht gehässig ist. Gerade durch die dialektische Wechselrede könnte ja etwas außerordentlich Günstiges bewirkt werden. Aber, sehen Sie, als ich das ziemlich dicke Buch nun studierte, konnte ich mir sagen: die Sache ist gar nicht interessant. Das Buch ist ganz und gar nicht interessant, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil dieses gar nicht ganz kurze Kapitel über Anthroposophie in dem dicken Buche und verschiedenes andere, das Dessoir noch vorbringt, in der charakteristischesten Weise zeigt, daß er auch nicht das allergeringste Verständnis für die anthroposophische Geistesrichtung hat, indem er gewissermaßen keinen einzigen Satz zustande bringt — er versucht darzustellen, was Anthroposophie will —, der nun wirklich richtig wäre. Das ist sehr merkwürdig. Aber die Unrichtigkeiten sind außerordentlich charakteristisch.

[ 20 ] A book, *Vom Jenseits der Seele* (*On the Afterlife of the Soul*), a thick volume, has been published by Max Dessoir, a professor at the University of Berlin. This book contains a detailed chapter on anthroposophy. This detailed chapter on anthroposophy is, in fact, highly characteristic. One might have the same thought I had when I first picked up the book—it has just been published, after all—and I thought to myself: It is certainly interesting to hear how official philosophy—the kind of philosophy that counts itself as university philosophy, and which is indeed regarded as such because the author in question is a professor at the university—expresses its views on anthroposophy. And I thought that would be interesting. Certainly, opposition must arise today for a wide variety of reasons, which I have already mentioned. That contemporary philosophy is still opposed to anthroposophy is not particularly surprising, and it does no harm if that opposition is not slanderous or spiteful. It is precisely through dialectical dialogue that something extraordinarily beneficial could be achieved. But, you see, as I studied this rather thick book, I found myself thinking: the subject is not interesting at all. The book is not at all interesting, for the simple reason that this by no means brief chapter on anthroposophy in the thick book—along with various other points Dessoir raises—demonstrates in the most characteristic way that he lacks even the slightest understanding of the anthroposophical school of thought, in that he is, so to speak, unable to formulate a single sentence — he tries to describe what anthroposophy aims for — that is actually correct. That is very strange. But the inaccuracies are extraordinarily characteristic.

[ 21 ] Wenn man so oberflächlich die Sache liest, so sagt man sich: Wie kommt denn ein Mensch, der doch eigentlich Anspruch macht auf Gescheitheit, dazu, solche Karikaturen von einer Sache zu entwerfen, nachdem er sich damit beschäftigt — denn wenn man ein anständiger Mensch ist, darf man ja nicht über eine Sache schreiben, wenn man sich nicht damit beschäftigt hat, nicht wahr? Nun, liest man aber das, was er darstellt, so hat man den Eindruck: ja, der Mann versteht gar nichts von der Sache, er stellt alles in der unglaublichsten Weise verkehrt dar! So verkehrt, daß diese Verkehrtheit eigentlich für denjenigen, der solche Sachen ernst nimmt, zum Problem werden kann. Man fragt sich: Wie kommt ein Mensch, der ja schon dadurch, daß er Universitätsprofessor ist, im allgemeinen Anspruch darauf hat, für einen gescheiten Menschen gehalten zu werden — wenigstens relativ —, wie kommt er dazu, in solcher Weise überall danebenzuhauen? Das wird wirklich zunächst zum Problem.

[ 21 ] If you read this so superficially, you might ask yourself: How can a person who actually claims to be intelligent come to draw such caricatures of a subject after having studied it—because if you’re a decent person, you’re not supposed to write about something unless you’ve studied it, right? But when you read what he presents, you get the impression: yes, this man doesn’t understand a thing about the subject; he misrepresents everything in the most unbelievable way! So badly, in fact, that this misrepresentation can actually become a problem for anyone who takes such matters seriously. One wonders: How does a person—who, simply by virtue of being a university professor, generally has a claim to being regarded as an intelligent person—at least relatively speaking—how does he end up getting it so wrong across the board? That really does become a problem at first.

[ 22 ] Nun, wenn man einige philologische Erfahrung hat — und ich habe ja nicht umsonst sechseinhalb Jahre im Weimarer Goethe-SchillerArchiv mit Philologen zusammen gearbeitet —, so gelingt es einem manchmal ganz exakt, genau solche Probleme zu lösen. Und ich will gleich ausgehen, damit wir nicht von einem Unbestimmten sprechen, von der Lösung eines ganz besonders knüppeldicken Mißverständnisses. Sie wissen ja alle, daß jemand, der meine Bücher gelesen hat, wenn er überhaupt im Verlauf dieser Bücher darauf gekommen ist, in der «Geheimwissenschaft» steht ja das, die Geschichte der nachatlantischen Zeit ins Auge zu fassen, daß er dann keinen Augenblick daran zweifeln kann: ich teile die nachatlantische Zeit in sieben aufeinanderfolgende Zeiträume ein und rechne die Zeit, in der wir jetzt leben, als fünften nachatlantischen Zeitraum, als die fünfte Periode im nachatlantischen Zeitraum. Wie oft sage ich: Wir stehen in der fünften Periode des nachatlantischen Zeitraumes. Die erste ist die urindische, die zweite die urpersische und so weiter. Sie kennen ja das. Max Dessoir, der schreibt — nachdem er darauf gekommen ist, daß es etwas gibt wie eine solche Zeiteinteilung:

[ 22 ] Well, if you have some philological experience—and it’s not for nothing that I spent six and a half years working alongside philologists at the Goethe-Schiller Archive in Weimar—you can sometimes solve precisely such problems with great accuracy. And I’ll start right away—so that we’re not talking about something vague—with the resolution of a particularly massive misunderstanding. As you all know, anyone who has read my books—if they’ve even come across this point in the course of reading them; after all, *The Secret Science* explicitly sets out to examine the history of the post-Atlantean era—cannot for a moment doubt that: I divide the post-Atlantean era into seven successive periods and consider the time in which we now live to be the fifth post-Atlantean period, the fifth period within the post-Atlantean era. How often do I say: We are in the fifth period of the post-Atlantean era. The first is the Proto-Indian, the second the Proto-Persian, and so on. You are familiar with this, of course. Max Dessoir, who writes—after he realized that there is such a division of time:

[ 23 ] «Alt-Indien ist nicht das jetzige Indien, wie denn überhaupt alle geographischen, astronomischen, historischen Bezeichnungen sinnbildlich zu verstehen sind. Auf die indische Kultur folgte die urpersische, geführt von Zarathustra, der aber viel früher lebte als die in der Geschichte diesen Namen tragende Persönlichkeit. Andere Zeitabschnitte schlossen sich an. Wir stehen in der sechsten Periode.» [S. 258 f.]

[ 23 ] “Ancient India is not present-day India; indeed, all geographical, astronomical, and historical designations are to be understood symbolically. Indian culture was followed by the primordial Persian culture, led by Zarathustra, who, however, lived much earlier than the historical figure bearing that name. Other periods followed. We are now in the sixth period.” [p. 258 ff.]

[ 24 ] Hier haben Sie solch einen knüppeldicken Unsinn, wo irgend jemand referiert über dasjenige, was ich gesagt habe. Das wird für einen zum Problem, nicht wahr, denn, sehen Sie, ein Professor ist genau. Ein Professor ist genau, aber er schreibt Unsinn in diesem Falle. Das wird zum Problem. Schlagen Sie auf Seite 294 in meiner «Geheimwissenschaft» nach. Da finden Sie die Lösung dieses Problems. Da wird nämlich gesagt, daß sich allmählich im vierten das fünfte Kulturzeitalter vorbereitete, und daß besonders wichtig sind das vierte, fünfte und sechste Jahrhundert dieses vierten Zeitraumes zur Vorbereitung des fünften. Da heißt es:

[ 24 ] Here you have such utter nonsense, where someone is lecturing about what I said. That becomes a problem, doesn’t it? Because, you see, a professor is precise. A professor is precise, but in this case he’s writing nonsense. That becomes a problem. Look up page 294 in my *Secret Science*. There you will find the solution to this problem. It states there that the fifth cultural epoch was gradually being prepared during the fourth, and that the fourth, fifth, and sixth centuries of this fourth epoch are particularly important for the preparation of the fifth. It says:

[ 25 ] «Im vierten, fünften und sechsten Jahrhundert nach Christus bereitete sich in Europa ein Kulturzeitalter vor, das mit dem fünfzehnten Jahrhundert begann und in welchem die Gegenwart noch lebt. Es sollte das vierte, das griechisch-lateinische allmählich ablösen. Es ist das fünfte nachatlantische Kulturzeitalter.»

[ 25 ] “In the fourth, fifth, and sixth centuries A.D., a cultural era was taking shape in Europe that began in the fifteenth century and in which the present day still lives. It was to gradually replace the fourth, the Greco-Latin era. It is the fifth post-Atlantean cultural epoch.”

[ 26 ] Das hat der Mann gelesen. Aber er liest so genau, daß er bei der fünften Zeile schon vergessen hat, um was es sich handelt — oder er hat es sich nicht genau in seinen Zettelkatalog eingeschrieben —, und wie er wieder nachgeschaut hat, hat er auf die erste Zeile gesehen, «im vierten, fünften und sechsten Jahrhundert», da ist die fünfte nachatlantische Periode angebrochen; und weil er da hinaufschaute, er ist als Professor genau, er schaut noch einmal nach, aber er sieht auf die erste Zeile statt auf die sechste, er sieht: im vierten, fünften und sechsten Jahrhundert, und schreibt hin: Wir sind in der sechsten Periode, während in den Zeilen danach steht: «Es ist das fünfte nachatlantische Kulturzeitalter.»

[ 26 ] That’s what the man read. But he reads so carefully that by the fifth line he has already forgotten what it’s about—or he didn’t write it down precisely in his card catalog—and when he looked it up again, he saw the first line, “in the fourth, fifth, and sixth centuries,” that’s when the fifth post-Atlantean period began; and because he looked up there—he’s precise, being a professor—he checks again, but he looks at the first line instead of the sixth; he sees: “in the fourth, fifth, and sixth centuries,” and writes down: “We are in the sixth period,” while the lines that follow state: “It is the fifth post-Atlantean cultural epoch.”

[ 27 ] Das ist die Methode des Mannes, der sich nun vermißt, über eine solche Erscheinung, wie die anthroposophische Bewegung ist, zu schreiben. Man kann sagen: Es ist eine unglaubliche Oberflächlichkeit, die nur damit gedeckt ist, daß es ja gilt: Professoren sind genau. Also wenn jemand das liest, ohne sich in meinen Büchern umzusehen, so gilt das als bedenklich. Es ist nicht besonders wichtig, ob es die fünfte oder sechste Periode ist, aber das Problem löst sich da, das uns sagt: Dieser Mann ist ein gewissenloser Oberflächling! Das ist mit philologischer Genauigkeit an dieser Stelle gelöst.

[ 27 ] This is the approach of a man who is now out of his depth when it comes to writing about a phenomenon such as the anthroposophical movement. One might say: It is an unbelievable superficiality, masked only by the assumption that professors are, after all, precise. So if someone reads this without consulting my books, that is cause for concern. It is not particularly important whether it is the fifth or sixth period, but the problem is resolved here, telling us: This man is an unscrupulous superficialist! That is resolved with philological precision at this point.

[ 28 ] Nun sehen wir uns weiter um, um zunächst den Maßstab zu gewinnen, mit dem man diese Ausführungen zu messen hat. Da schreibt Dessoir auf Seite 255 folgenden Satz:

[ 28 ] Now let us continue our examination in order to first establish the standard by which these remarks should be measured. On page 255, Dessoir writes the following sentence:

[ 29 ] «Die Schulung zur höheren Bewußtseinsverfassung beginnt — wenigstens für den Menschen der Gegenwart — damit, daß man mit aller Kraft sich in eine Vorstellung als in einen rein seelischen Tatbestand versenkt. Am besten eignet sich eine sinnbildliche Vorstellung, etwa die eines schwarzen Kreuzes (Symbol für vernichtete niedere Triebe und Leidenschaften), dessen Schneidestelle von sieben roten Rosen umgeben ist (Symbol für geläuterte Triebe und Leidenschaften).»

[ 29 ] “The training for a higher state of consciousness begins—at least for people today—by immersing oneself with all one’s strength in an image as a purely spiritual reality. A symbolic image is best suited for this, such as that of a black cross (symbolizing destroyed lower instincts and passions), the intersection of which is surrounded by seven red roses (symbolizing purified instincts and passions).»

[ 30 ] Nun frage ich mich, wenn ich das lese bei Max Dessoir: Ist denn diese Anthroposophie ganz verrückt? Was soll denn als Symbol für geläuterte Triebe und Leidenschaften noch bleiben, wenn das schwarze Kreuz das Symbol für «vernichtete» Triebe und Leidenschaften ist? Wenn die Triebe und Leidenschaften, die niedrig sind, zunächst alle vernichtet werden, was soll denn in der Verwandlung noch auftreten? Also da steht ein Unsinn! Aber es ist ein Zitat, sehen Sie. Nun schlagen wir auf Seite 311 lieber nach! Da heißt es:

[ 30 ] Now, when I read this in Max Dessoir’s work, I ask myself: Is this anthroposophy completely crazy? What is left as a symbol of purified drives and passions if the black cross is the symbol of “destroyed” drives and passions? If the base instincts and passions are all destroyed to begin with, what is there left to be transformed? So that’s nonsense! But it’s a quote, you see. Let’s look it up on page 311! It says:

[ 31 ] «Nachdem man sich in solchen Gedanken und Gefühlen ergangen hat, verwandle man sich dieselben in folgende sinnbildliche Vorstellung. Man stelle sich ein schwarzes Kreuz vor. Dieses sei Sinnbild für das vernichtete Niedere der Triebe und Leidenschaften .. .»

[ 31 ] “After indulging in such thoughts and feelings, transform them into the following symbolic image. Imagine a black cross. Let this be a symbol of the annihilation of the base aspects of the instincts and passions . . .”

[ 32 ] Das verwandelt der Professor Max Dessoir kühn in ein «Symbol für vernichtete niedere Triebe und Leidenschaften», während hier steht: «das vernichtete Niedere der Triebe und Leidenschaften». So genau liest der Mensch, und so genau zitiert der Mensch; während es in der Geisteswissenschaft gerade darauf ankommt, daß man sich gewissenhaft die Mühe gibt, genau zu stilisieren — Max Seiling nennt das schlechte deutsche Sprache. Während es in der Geisteswissenschaft darauf ankommt, genau zu zitieren, findet der exakte Herr Professor es notwendig, die Sache in der schlampigsten Weise, ich finde kein anderes Wort, zu veroberflächlichen.

[ 32 ] Professor Max Dessoir boldly transforms this into a “symbol for destroyed base instincts and passions,” whereas the text here reads: “the destroyed baseness of instincts and passions.” That is how carefully people read, and that is how carefully people quote; whereas in the humanities, it is precisely essential to conscientiously take the trouble to phrase things precisely—Max Seiling calls this poor German. While it is essential in the humanities to quote accurately, the meticulous professor deems it necessary to treat the matter in the most sloppy manner—I can find no other word for it—and reduce it to a superficial level.

[ 33 ] Nun frage ich mich: Solch ein Mann stellt also Anthroposophie dar; er stellt sie so dar, daß alles, alles als Karikatur erscheint. Man kommt darauf: er ist nicht imstande, das wiederzugeben. Aber da fehlt es nun nicht an Verstand, sondern es fehlt überhaupt an der ganz gewöhnlichen wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit. Gewissenlosigkeit waltet! Nehmen wir eine andere Stelle, wo er davon spricht, wie der Mensch zur Hellsichtigkeit kommen kann:

[ 33 ] Now I ask myself: So this is how such a man presents anthroposophy; he presents it in such a way that everything—absolutely everything—appears as a caricature. One comes to the conclusion that he is incapable of conveying it. But the problem here is not a lack of intelligence; rather, there is a complete lack of the most ordinary scientific rigor. Unscrupulousness reigns! Let’s take another passage where he discusses how a person can attain clairvoyance:

[ 34 ] «Durch solche Innenarbeit erreicht die Seele das, was von aller Philosophie erstrebt wird. Freilich muß das leibfreie Bewußtsein vor der Verwechselung mit traumhaftem Hellsehen und hypnotischen Vorgängen behütet werden. Wenn unsere Seelenkräfte gesteigert sind, kann das Ich sich oberhalb des Bewußtseins erleben, gleichsam in einer Verdichtung und Verselbständigung des Geistigen, ja, es kann schon bei der Wahrnehmung von Farben und Tönen die Vermittelung des Leibes aus dem Erlebnis ausschließen.» [S. 255.]

[ 34 ] “Through such inner work, the soul attains what all philosophy strives for. Of course, the bodyless consciousness must be protected from being confused with dreamlike clairvoyance and hypnotic processes. When our soul forces are heightened, the ‘I’ can experience itself above the level of consciousness, as it were, in a condensation and autonomization of the spiritual; indeed, even in the perception of colors and tones, it can exclude the body’s mediation from the experience.” [p. 255.]

[ 35 ] Das steht nirgends, daß der Mensch schon bei der gewöhnlichen Farben- und Tonwahrnehmung den Leib ausschließen kann. Aber Professor Max Dessoir schreibt es hin. Von einem solchen Menschen kann man nun nicht hoffen, daß er irgend etwas verstehen kann, denn er hat ja das gar nicht einmal, was er verstehen will; er hat ja etwas ganz anderes! Suchen Sie zum Beispiel bei mir den Ausdruck Zellenkörper! In dem Zusammenhange der «Geheimwissenschaft» und so weiter hat der Ausdruck Zellenkörper keine Bedeutung. Ja, aber was tut Professor Dessoir? Er sagt:

[ 35 ] Nowhere does it say that a person can exclude the body even in the ordinary perception of color and sound. But Professor Max Dessoir goes and writes that. One cannot hope that such a person can understand anything at all, for he does not even possess what he claims to want to understand; he has something entirely different! Try, for example, to find the term “cell body” in my work! In the context of “esoteric science” and so on, the term “cell body” has no meaning. Yes, but what does Professor Dessoir do? He says:

[ 36 ] «Wenn die Versenkung den Geist vom Zellenleib befreit, so löst sie ihn doch nicht von jeder Art Körperlichkeit.» [S. 256.]

[ 36 ] “While the descent frees the spirit from the cellular body, it does not detach it from all forms of physicality.” [p. 256.]

[ 37 ] Denn: «... Die Leistungen des Astralleibes sind mannigfach. Er enthält die Vorbilder, nach denen der Ätherleib dem Zellenkörper seine Gestalt gibt.» [S. 256 £.]

[ 37 ] For: “... The functions of the astral body are manifold. It contains the archetypes according to which the etheric body gives the physical body its form.” [p. 256 £.]

[ 38 ] Nichts steht bei mir von Zellenkörper, sondern vom physischen Leib. Sobald man Zellenkörper sagt, hat das alles keinen Sinn, was bei mir vom physischen Leib gesagt wird. Also Sie sehen, er versteht gar nichts. Ein niedliches Beispiel ist noch das Folgende:

[ 38 ] I don't talk about “cell bodies” at all, but rather about the physical body. As soon as you say “cell bodies,” everything I say about the physical body loses all meaning. So you see, he doesn't understand a thing. Here's another cute example:

[ 39 ] «Es braucht wohl nicht erst nachgewiesen zu werden, daß die Erholung nach dem Schlafe sich anders, und zwar einfacher und zutreffender als mit Hilfe des Astralleibes erklären läßt. Ebensowenig werden wir mit Steiner das «Einschlafen> eines Beines durch Abtrennung des Ätherleibes vom physischen Leibe «erklären» wollen.» [S. 257.]

[ 39 ] “It hardly needs to be demonstrated that recovery after sleep can be explained in a different way—namely, more simply and accurately—than by means of the astral body. Nor will we, like Steiner, attempt to ‘explain’ the ‘falling asleep’ of a leg by the separation of the etheric body from the physical body.” [p. 257.]

[ 40 ] Erklären setzt er in Anführungszeichen. Nehmen Sie sich die Stelle auf Seite 96:

[ 40 ] He puts “explain” in quotation marks. Take a look at the passage on page 96:

[ 41 ] «Wenn der Mensch zum Beispiel eines seiner Glieder belastet, so kann ein Teil des Ätherleibes aus dem physischen sich abtrennen. Von einem Gliede, bei dem dies der Fall ist, sagt man, es sei eingeschlafen. Und das eigentümliche Gefühl, das man dann empfindet, rührt von dem Abtrennen des Ätherleibes her.»

[ 41 ] “For example, when a person puts strain on one of their limbs, a part of the etheric body can become separated from the physical body. A limb in which this occurs is said to have fallen asleep. And the peculiar sensation one then experiences stems from the separation of the etheric body.”

[ 42 ] Weiter heißt es: «Natürlich kann eine materialistische Vorstellungsart auch hier wieder das Unsichtbare in dem Sichtbaren leugnen und sagen: Das alles rühre nur von der durch den Druck bewirkten physischen Störung her.»

[ 42 ] It goes on to say: “Of course, a materialistic way of thinking can once again deny the invisible in the visible and say: All of this stems solely from the physical disturbance caused by the pressure.”

[ 43 ] Also das wird nicht abgestritten, daß der Druck eine physische Störung bewirkt hat; das wird durchaus zugegeben, und daraus das Einschlafen erklärt. Aber etwas anderes als das Einschlafen ist das, was ich hier sage: Das eigentümliche Gefühl, das man dann empfindet, rührt von dem Abtrennen des Ätherleibes her.

[ 43 ] So it is not disputed that the pressure caused a physical disturbance; this is fully acknowledged, and it explains why one falls asleep. But what I am talking about here is something other than falling asleep: the peculiar sensation one experiences then stems from the separation of the etheric body.

[ 44 ] Also das Gefühl, das man beim Einschlafen eines Gliedes hat, rührt vom Abtrennen des Ätherleibes her.

[ 44 ] So the sensation one feels when a limb falls asleep stems from the separation of the etheric body.

[ 45 ] «Ebensowenig werden wir mit Steiner das «Einschlafen» eines Beines durch Abtrennung des Ätherleibes vom physischen Leibe «erklären» wollen.» [S. 257.]

[ 45 ] “Nor will we, following Steiner, attempt to ‘explain’ the ‘numbness’ of a leg by separating the etheric body from the physical body.” [p. 257.]

[ 46 ] Das Abtrennen habe ich nicht erklären wollen, sondern das eigentümliche Gefühl, das auftritt. Man fragt sich: können solche Menschen überhaupt noch lesen? Sind sie imstande, ein ernsthaft geistiges Buch zu lesen, das auf alle seine Objekte acht gibt? Aber mit solchen Leuten werden die Lehrkanzeln der Universitäten besetzt! — das ist ein Nachsatz, der doch eine gewisse Bedeutung hat —, mit Leuten, die imstande sind, in dieser Weise mit Zeiterscheinungen umzugehen. Ich habe eigentlich gedacht, Ihnen heute eine Auseinandersetzung geben zu können über die Art, wie man ernsthafte Einwände zurückweist, und ich bin gezwungen, Ihnen zu zeigen, daß man es mit einem Oberflächling zu tun hat, der in dieser Weise alles fälscht. Ich hätte mich gefreut auf eine andersartige Widerlegung!

[ 46 ] I did not intend to explain the separation itself, but rather the peculiar feeling that arises. One wonders: Can such people even read anymore? Are they capable of reading a seriously intellectual book that pays attention to all its subjects? But it is precisely such people who occupy the university lecterns! — that is an afterthought that does, after all, carry a certain significance — people who are capable of dealing with contemporary phenomena in this manner. I had actually thought I would be able to offer you today a discussion of how to refute serious objections, and I am compelled to show you that we are dealing with a superficial person who distorts everything in this way. I would have welcomed a different kind of rebuttal!

[ 47 ] Natürlich ganz besonders findet sich Dessoir nun, wie soll man sagen, zum selbstbefriedigten Fingerablecken bereit da, wo über die Saturnverhältnisse gesprochen wird. Da findet er natürlich ganz besonders anstößig dasjenige, was er in der folgenden Weise darstellt:

[ 47 ] Of course, Dessoir is particularly—how shall I put it?—ready to engage in self-satisfying finger-licking whenever the “Saturnian conditions” are discussed. There, he naturally finds particularly offensive what he describes as follows:

[ 48 ] «Im Umkreis des Saturn bewegten sich Geister verschiedener Art, so die der Form (Exusiai), der Persönlichkeit (Archai), des Feuers (Archangeloi), der Liebe (Seraphim). Später entwickelten sich durch die Angeloi Nahrungs- und Ausscheidungsprozesse auf dem Saturn, durch die Cherubim dumpfe, traumhafte Bewußtseinszustände; von diesen . Zuständen erfährt der Hellsichtige noch heute durch eine dem Riechen ähnliche übersinnliche Wahrnehmung, denn die Zustände sind eigentlich immer da.» [S. 258.]

[ 48 ] “Spirits of various kinds moved within Saturn’s orbit, such as those of Form (Exusiai), Personality (Archai), Fire (Archangeloi), and Love (Seraphim). Later, the Angeloi gave rise to processes of nutrition and excretion on Saturn, while the Cherubim gave rise to dull, dreamlike states of consciousness; even today, the clairvoyant experiences these states through a supersensory perception similar to the sense of smell, for these states are actually always present.” [p. 258.]

[ 49 ] Also der Hellsichtige erfährt durch eine dem Riechen ähnliche übersinnliche Wahrnehmung! Das ist natürlich so, daß man sich selbstgefällig die Finger ablecken kann, nicht wahr — der Hellriechende riecht die Saturnzustände! Dessoir kann sich sogar nicht enthalten, da zu sagen:

[ 49 ] So the clairvoyant perceives through a form of extrasensory perception similar to smell! Of course, that’s so obvious it’s almost laughable—the clair-smeller smells the Saturn states! Dessoir can’t even resist saying:

[ 50 ] «Mich wundert, daß hiermit der «Geruch der Heiligkeit» und der nicht in Verbindung gebracht wird.» [S. 258.]

[ 50 ] “I am surprised that the ‘scent of holiness’ and the are not associated with this.” [p. 258.]

[ 51 ] Man würde nun diskutieren mit einem solchen Manne, wenn er einen in die Lage versetzte. Aber schlagen Sie wiederum auf, Seite 168 [der «Geheimwissenschaft»], woher er diese Stelle hat:

[ 51 ] One would certainly debate with such a man, if he put one in that position. But turn to page 168 [of *The Secret Science*] and see where he got this passage from:

[ 52 ] «Nach innen (im Saturn) gibt sich dieser dumpfe Menschenwille dem hellseherischen Wahrnehmungsvermögen durch Wirkungen kund, welche sich mit den «Gerüchen> vergleichen lassen.»

[ 52 ] “Inwardly (within Saturn), this dull human will reveals itself to the clairvoyant faculty of perception through effects that can be compared to ‘odors.’”

[ 53 ] Das ist da gesagt. Also durch Wirkungen, welche sich mit dem Geruch vergleichen lassen. Herr Dessoir findet sich genötigt zu sagen: «Von diesen Zuständen erfährt der Hellsichtige noch heute durch eine dem Riechen ähnliche übersinnliche Wahrnehmung.» [S. 258.]

[ 53 ] That is what is said there. That is, through effects that can be compared to smell. Mr. Dessoir feels compelled to say: “Even today, the clairvoyant perceives these states through a supersensory perception similar to smell.” [p. 258.]

[ 54 ] Das heißt, er übersetzt das, was klar dargestellt ist, in ein Blech und kritisiert dann sein eigenes Blech. Ebensowenig wie bei mir jemals gesagt ist, daß durch die Angeloi Nahrungs- und Ausscheidungsprozesse auf dem Saturn entstehen; sondern gesagt ist an jener Stelle: In der Zeit, in welcher die Angeloi erscheinen, geschehen auf dem Saturn Nahrungs- und Ausscheidungsprozesse. Da ist Gleichzeitigkeit angegeben. Angeloi treten auf, und die Nahrungs- und Ausscheidungsprozesse entstehen. Das durch die Angeloi macht Dessoir selber dazu.

[ 54 ] In other words, he translates what is clearly presented into a “sheet” and then criticizes his own “sheet.” Nor has it ever been said in my work that the Angeloi give rise to processes of nutrition and excretion on Saturn; rather, what is stated at that point is: “At the time when the Angeloi appear, processes of nutrition and excretion occur on Saturn.” Simultaneity is indicated here. The Angeloi appear, and the processes of nutrition and excretion occur. Dessoir himself adds the “through the Angeloi” part.

[ 55 ] Sie sehen, was soll man überhaupt anfangen mit einem Menschen, der in dieser Weise sich über eine solche Erscheinung hermacht.

[ 55 ] You see, what is one even supposed to do with a person who attacks such a phenomenon in this way?

[ 56 ] «Der Christus oder Sonnenmensch erzog sieben große Lehrer.» [S.258.]

[ 56 ] “The Christ, or Sun Man, trained seven great teachers.” [p. 258.]

[ 57 ] Ich habe bis jetzt nicht einmal einen Anhaltspunkt gefunden, um diese Bezeichnung zu rechtfertigen: der Christus oder Sonnenmensch, denn auf Seite 242 ist ausdrücklich gesagt, daß die Sonnenmenschen den Christus als das höhere Ich empfinden — was natürlich etwas ganz anderes ist, als wenn man sagt: der Christus oder Sonnenmensch.

[ 57 ] So far, I have not found even a single clue to justify this designation: “the Christ or the Sun-Man,” because on page 242 it is explicitly stated that the Sun-Men perceive the Christ as the Higher Self—which is, of course, something entirely different from saying “the Christ or the Sun-Man.”

[ 58 ] Nun, sehen Sie, diese Dinge werden aber auch zuweilen zur Raffiniertheit. Da geht dann die Oberflächlichkeit hart an die Grenze dessen, was dem Leser einen Eindruck machen muß, der, wenn er beabsichtigt war, ein verleumderischer genannt werden müßte. So erinnert Dessoir an die Stelle, wo ich davon spreche, daß im kindlichen Lebensalter Kräfte an der Zubereitung des Gehirns arbeiten; Sie brauchen sich nur zu erinnern an meine Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», die der Professor Dessoir sich angeschaut hat. Ich habe dargestellt: Wenn man sich später erinnert, wie man das alles hätte durch eigene Klugheit machen können, was am Gehirn später als Wunderbares erscheint, so kommt man darauf, wie aus dem Unbewußten heraus die Weisheit gleich in den ersten drei Kindheitsjahren an dem Menschen arbeitet. So zitiert Herr Dessoir — pardon, Professor an der Berliner Universität Max Dessoir:

[ 58 ] Well, you see, these things sometimes border on the contrived. The superficiality then pushes right up against the limit of what is necessary to make an impression on the reader—an impression that, if intentional, would have to be called defamatory. Dessoir, for example, refers to the passage where I discuss how, during childhood, forces are at work preparing the brain; you need only recall my work *The Spiritual Guidance of Man and Humanity*, which Professor Dessoir has examined. I have described: When one later recalls how one could have accomplished all of this through one’s own intelligence—what later appears as a marvel in the brain—one realizes how wisdom works within a person from the unconscious right from the very first three years of childhood. Thus, Mr. Dessoir—pardon me, Max Dessoir, professor at the University of Berlin—quotes:

[ 59 ] «Besonders ein Mensch, der selber Weisheit lehrt — das bekennt Herr Rudolf Steiner —, wird sich sagen: Als ich Kind war, habe ich an mir durch Kräfte gearbeitet, die aus der geistigen Welt hereinwirkten, und das, was ich jetzt als mein Bestes geben kann, muß auch aus höheren Welten hereinwirken; ich darf es nicht als meinem gewöhnlichen Bewußtsein angehörig betrachten.» [S. 260.]

[ 59 ] “Especially a person who teaches wisdom himself—as Mr. Rudolf Steiner acknowledges—will say to himself: ‘When I was a child, I worked on myself through forces that acted upon me from the spiritual world, and what I can now offer as my very best must also be acting upon me from higher worlds; I must not regard it as belonging to my ordinary consciousness.’ [p. 260.]

[ 60 ] Also Max Dessoir macht seine Leser glauben, daß ich behauptet hätte von mir selber das alles, was hier gesagt ist. Schlagen wir auf «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», wo er das her hat. Seite 30, da steht:

[ 60 ] So Max Dessoir leads his readers to believe that I claimed all of this—everything said here—to be my own words. Let’s turn to *The Spiritual Guidance of Man and Humanity* to see where he got this from. On page 30, it says:

[ 61 ] «Der so gewonnene Begriff der Menschenführerschaft kann nun in mancher Hinsicht erweitert werden. Man nehme an, ein Mensch habe Schüler gefunden, einige Leute, die sich zu ihm bekennen. Ein solcher wird durch echte Selbsterkenntnis leicht gewahr werden, daß ihm gerade die Tatsache, daß er Bekenner gefunden hat, das Gefühl gibt: was er zu sagen habe, rühre nicht von ihm her. Es sei vielmehr so, daß sich geistige Kräfte aus höheren Welten den Bekennern mitteilen wollen, und diese finden in dem Lehrer das geeignete Werkzeug, um sich zu offenbaren.

[ 61 ] “The concept of leadership thus derived can now be expanded in several respects. Suppose a person has found disciples—a few people who profess their allegiance to him. Through genuine self-knowledge, such a person will easily realize that it is precisely the fact that he has found followers that gives him the sense that what he has to say does not originate from him. Rather, it is the case that spiritual forces from higher worlds wish to communicate with the followers, and they find in the teacher the suitable instrument through which to reveal themselves.

[ 62 ] Einem solchen Menschen wird der Gedanke nahetreten», und jetzt kommt die Stelle, die Dessoir zitiert:

[ 62 ] “Such a person will be struck by the thought,” and now comes the passage that Dessoir quotes:

[ 63 ] «Als ich Kind war, habe ich an mir durch Kräfte gearbeitet, die aus der geistigen Welt hereinwirkten, und das, was ich jetzt als mein Bestes geben kann, muß auch aus höheren Welten hereinwirken: ich darf es nicht als meinem gewöhnlichen Bewußtsein angehörig betrachten.» [S. 260.]

[ 63 ] “When I was a child, I worked on myself through forces that acted upon me from the spiritual world, and what I can now give of my very best must also come from higher worlds: I must not regard it as belonging to my ordinary consciousness.” [p. 260.]

[ 64 ] Bis hierher zitiert Dessoir. Und nun heißt es bei mir weiter:

[ 64 ] This is where Dessoir’s quotation ends. And now I continue:

[ 65 ] «Ja, ein solcher Mensch darf sagen: etwas Dämonisches, etwas wie ein Dämon — aber das Wort «Dämon» im Sinne einer guten geistigen Macht genommen — wirkt aus einer geistigen Welt durch mich auf die Bekenner. — So etwas empfand Sokrates.» [S. 30.]

[ 65 ] “Yes, such a person may say: something demonic, something like a demon—but the word ‘demon’ taken in the sense of a benevolent spiritual power—acts through me from a spiritual world upon the believers. — That is what Socrates felt.” [p. 30.]

[ 66 ] Also die ganze Stelle bezieht sich auf Sokrates. Max Dessoir hat die Geschmacklosigkeit — möchte ich bloß sagen, um kein stärkeres Wort hier zu gebrauchen —, diese Stelle in dieser Weise zu verdrehen und dann noch dazu zu sagen:

[ 66 ] So the entire passage refers to Socrates. Max Dessoir has shown a lack of taste—I’ll just say that, so as not to use a stronger word here—in twisting this passage in this way and then going on to say:

[ 67 ] «Die Tatsache also, daß der einzelne ein Träger überindividueller Wahrheiten ist, vergrößert sich hier zu der Vorstellung, daß eine dinglich gedachte Geisteswelt gleichsam durch Röhren oder Drähte mit dem Individuum verbunden sei; Hegels objektiver Geist verwandelt sich in eine Gruppe von Dämonen und alle Schattengestalten eines ungeläuterten religiösen Denkens treten wieder auf.» [S. 260.]

[ 67 ] “The fact, then, that the individual is a bearer of supra-individual truths is expanded here into the notion that a world of spirit, conceived as a physical entity, is connected to the individual, as it were, through tubes or wires; Hegel’s objective Spirit is transformed into a group of demons, and all the shadowy figures of an unrefined religious mindset reappear.” [p. 260.]

[ 68 ] Nun soll man das Kapitel, das ich in meinen «Rätseln der Philosophie» über Hegel geschrieben habe, lesen, und dann sich klarmachen: daß ich hier davon spreche, von Dämonen, das bezieht sich auf Sokrates, der selber das Wort «Dämonion» gebraucht hat. Von Hegel sagte ich selber in den «Rätseln der Philosophie» ausdrücklich in sehr deutlicher Weise, daß man das nicht brauchen kann. Aber ich werde Ihnen nachher zeigen, warum in diesem besonderen Fall der Professor Dessoir, sagen wir, so geschmackvoll sein kann. Solche Oberflächlichkeit, die steigert sich tatsächlich zu dem, was eine richtige Verleumdung ist, wenn auch nur eine oberflächlichkeitsgeborene. Aber es mischen sich ja da andere Gefühle hinein.

[ 68 ] Now one should read the chapter I wrote about Hegel in my *Riddles of Philosophy*, and then realize: when I speak here of demons, I am referring to Socrates, who himself used the word “daimonion.” As for Hegel, I myself stated explicitly and very clearly in *The Riddles of Philosophy* that one cannot use that term. But I will show you later why, in this particular case, Professor Dessoir, let’s say, can be so tactful. Such superficiality actually escalates into what amounts to outright slander, even if it is born of superficiality. But other feelings are mixed in there as well.

[ 69 ] Geht man auf das Begriffliche ein, da muß ich sagen: man staunt überhaupt darüber, wie es in dem Hirnkasten eines solchen Gegenwartsprofessors aussieht. Ich stelle dar, daß man als eine erste Stufe der übersinnlichen Erkenntnis die imaginative Erkenntnis hat, die bildhaft wirkt. Also, wie man die sinnliche Erkenntnis durch Begriffe gewinnt, die schattenhaft, abstrakt wirken, so gewinnt man die Tatsachen der höheren Welt durch imaginative Erkenntnis. Daraus macht nun Professor Dessoir etwas — ja, man weiß nicht recht was, denn weil er also liest, daß durch Sinnbilder erkannt wird, so sagt er: Die Tatsachen sind Sinnbilder. Deshalb hat er vorher gesagt:

[ 69 ] If we delve into the conceptual aspects, I must say: one is truly amazed at what goes on inside the mind of such a contemporary professor. I explain that the first stage of supersensible knowledge is imaginative knowledge, which operates through images. Just as one gains sensory knowledge through concepts that appear shadowy and abstract, so one gains knowledge of the facts of the higher world through imaginative knowledge. Professor Dessoir then makes something of this—well, one isn’t quite sure what, because since he reads that knowledge is gained through symbols, he says: “The facts are symbols.” That is why he said earlier:

[ 70 ] «Alt-Indien ist nicht das jetzige Indien, wie denn überhaupt alle geographischen, astronomischen, historischen Bezeichnungen sinnbildlich zu verstehen sind.» [S. 258.]

[ 70 ] “Ancient India is not present-day India; indeed, all geographical, astronomical, and historical terms should be understood symbolically.” [p. 258.]

[ 71 ] Nun soll man überhaupt denken, daß ein vernünftiger Mensch aus der Darstellung der «Geheimwissenschaft» den Eindruck bekommen kann — wenn auch der heutige Begriff Indiens sich nicht deckt mit dem des alten Indiens —, ich meinte, das alte Indien sei bloß symbolisch zu verstehen. Weil er gelesen hat, daß die erste Stufe der Erkenntnis, die imaginative Erkenntnis, eine sinnbildliche ist, glaubt er, das alte Indien, also der Gegenstand, sei ein bloßes Sinnbild. Daß er das nun glaubt, das bringt ihn wiederum dazu, auf Seite 261 das Folgende zu schreiben:

[ 71 ] Now, one might even think that a reasonable person could get the impression from the presentation of “Esoteric Science”—even if today’s concept of India does not correspond to that of ancient India—that I meant ancient India should be understood merely symbolically. Because he has read that the first stage of knowledge—imaginative knowledge—is symbolic, he believes that ancient India, that is, the subject matter, is merely a symbol. The fact that he believes this, in turn, leads him to write the following on page 261:

[ 72 ] «Dieser Mensch hat sich herausgebildet in einer urfernen Vergangenheit, die Steiner das lemurische Zeitalter der Erde nennt — warum wohl? —, und in einem Lande, das damals zwischen Australien und Indien lag (was also eine richtige Ortsbestimmung und kein Symbol ist).»

[ 72 ] “This human being emerged in a distant past that Steiner calls the Lemurian Age of the Earth—I wonder why?—and in a land that was located between Australia and India at that time (which is therefore a specific geographical location and not a symbol).”

[ 73 ] Also sehen Sie, Dessoir bildet sich ein, ich meinte, das lemurische Land wäre ein Symbol, und nun tadelt er, daß ich die Sache so darstelle, daß es kein Symbol ist; er findet das scharf tadelnswert. Also hier wird die Oberflächlichkeit schon dumm. Da findet er sich besonders geistreich, wenn er zum Schlusse sagt:

[ 73 ] So you see, Dessoir imagines that I meant the Lemurian land was a symbol, and now he criticizes me for presenting the matter in such a way that it is not a symbol; he finds this highly reprehensible. This is where the superficiality becomes downright silly. He thinks he’s being particularly witty when he concludes by saying:

[ 74 ] «An diesen Erwägungen befremden Widersprüche und eine gewisse logische Genügsamkeit. Es ist widerspruchsvoll, daß aus ‹erschauten› und nur ‹symbolisch› gemeinten Sachverhalten die Tatbestände der Wirklichkeit sich entwickelt haben sollen.» [S. 263.]

[ 74 ] “These considerations are marred by contradictions and a certain logical frugality. It is contradictory to suggest that the facts of reality are said to have developed from circumstances that were merely ‘perceived’ and intended only ‘symbolically.’” [p. 263.]

[ 75 ] Weil die Erkenntnis durch Bilder wirkt, so sollen die Tatbestände auch bildlich sein; und das findet er einen Widerspruch. Also denken Sie, wenn einer sagt, ein Bild, das ein Maler malt, das ist eben ein Bild, aber er verwechselt nun selber das Bild mit der Wirklichkeit, und findet das widerspruchsvoll, daß dieses Bild eine Wirklichkeit darstellen soll — oder so irgend etwas. Also, Sie kommen dazu, diese Oberflächlichkeit an einer solchen Stelle geradezu dumm zu finden.

[ 75 ] Since understanding operates through images, the facts themselves must also be pictorial; and he finds this to be a contradiction. So you think that when someone says a picture painted by an artist is just a picture, but then that person himself confuses the picture with reality and finds it contradictory that this picture is supposed to represent reality—or something like that. So, you come to find this superficiality downright foolish in a context like this.

[ 76 ] Nun, sehen Sie, so wird Anthroposophie heute der Welt dargestellt. Denken Sie sich, dieses dicke Buch, das also von einem Universitätsprofessor geschrieben ist, wird selbstverständlich überall besprochen; die Leute lesen dieses Kapitel selbstverständlich mit besonderer Inbrunst. Kümmern sich nicht darum, daß der Mann eine Karikatur der Anthroposophie dargestellt hat, sondern werden finden, daß sie vielleicht der Sache Recht zu geben haben, die der Mann in der Ankündigung jetzt durch alle Zeitschriften schickt — solche Buchhändlerannoncen, die rühren ja gewöhnlich von Leuten her, die dem Autor nicht so ganz ferne stehen. — Da in der Buchhändlerannonce heißt es:

[ 76 ] Well, you see, this is how anthroposophy is presented to the world today. Just imagine: this thick book, written by a university professor, is of course being discussed everywhere; people are naturally reading this chapter with particular fervor. They don’t care that the man has presented a caricature of anthroposophy, but will find that they might have to agree with the point the man is now making in the announcement he’s sending out to all the magazines—such bookstore advertisements usually come from people who aren’t entirely unrelated to the author. — The bookstore advertisement reads:

[ 77 ] «... Dann geht das Buch über zu dem kabbalistischen Denkverfahren, das sich nicht nur in der eigentlichen Kabbala, sondern auch in der Freud’schen Psycho-Analyse und in den unfruchtbaren Spitzfindigkeiten gewisser Faust-Erklärer sowie in der Shakespeare-BaconLehre bekundet: alle diese Nebenformen der Wissenschaft werden zergliedert und in ihrer Hohlheit aufgedeckt. Ebenso gründlich, aber auch ebenso unerbittlich werden die Irrlehren eines Guido von List und eines Rudolf Steiner kritisiert; es wird Licht hineingetragen in die dunklen, anspruchsvollen Theorien der Gesundbeter und der Theosophen.»

[ 77 ] “... The book then turns to the Kabbalistic mode of thought, which manifests itself not only in Kabbalah proper, but also in Freudian psychoanalysis, in the fruitless sophistry of certain interpreters of *Faust*, and in the Shakespeare-Bacon theory: all these offshoots of science are dissected and exposed in their hollowness. Just as thoroughly, but also just as relentlessly, the heresies of Guido von List and Rudolf Steiner are criticized; light is shed on the obscure, pretentious theories of faith healers and theosophists.”

[ 78 ] Also, nun sehen Sie, das ist heute Gelehrtenusus; das ist heute die Manier, wie man von offizieller Seite die Dinge behandelt, die sich in den Dienst der Wahrheit stellen wollen. Aber die Oberflächlichkeit des Herrn Max Dessoir, die geht manchmal wirklich in hohe Regionen. Er macht zum Beispiel auf Seite 254 die Anmerkung:

[ 78 ] So, as you can see, this is standard scholarly practice today; this is the way officials today handle matters that are intended to serve the truth. But Mr. Max Dessoir’s superficiality sometimes really reaches new heights. For example, on page 254, he makes the following remark:

[ 79 ] «Vgl. Rudolf Steiner, die «Geheimwissenschaft im Umriß», fünfte Auflage, Leipzig 1913. Daneben habe ich noch eine lange Reihe anderer Schriften benutzt.»

[ 79 ] “See Rudolf Steiner, *Outlines of Esoteric Science*, fifth edition, Leipzig 1913. In addition, I have drawn on a long series of other writings.”

[ 80 ] Ich habe nachgewiesen — meine philologische Beschäftigung gestattet mir so etwas nämlich —, daß Max Dessoir nichts kennt als die «Geheimwissenschaft», die «Geistige Führung des Menschen und der Menschheit» und «Blut ist ein ganz besonderer Saft». Das ist alles, was er kennt. Das kann ich aus seinem Aufsatz nachweisen. «Die Rätsel der Philosophie» hat er zum Beispiel nicht gelesen — um nur dieses Buch zu nennen. Das nennt er allerdings eine lange Reihe anderer Schriften. Die «Geheimwissenschaft» und die lange Reihe, das ist dieses: «Die geistige Führung» und «Blut ist ein ganz besonderer Saft». Dann fährt er fort:

[ 80 ] I have demonstrated—my work as a philologist allows me to do so—that Max Dessoir knows nothing other than “esoteric science,” “the spiritual guidance of man and humanity,” and “blood is a very special fluid.” That is all he knows. I can prove this from his essay. For example, he has not read *The Riddles of Philosophy*—to name just this one book. He does, however, refer to a long series of other writings. The “Secret Science” and the long series—that is: *The Spiritual Guidance* and *Blood Is a Very Special Juice*. Then he continues:

[ 81 ] «In Steiners Erstling, der «Philosophie der Freiheit> (Berlin 1894), finden sich nur Ansätze zur eigentlichen Lehre.» [S. 254, Anm.]

[ 81 ] “In Steiner’s debut work, *The Philosophy of Freedom* (Berlin, 1894), there are only the beginnings of his actual doctrine.” [p. 254, note]

[ 82 ] Erstling! Mein erstes Buch ist 1883 erschienen. Dieser Erstling ist also elf Jahre nach meinem wirklichen Erstling erschienen. Das erlebt man heute! So erlebt man die Dinge!

[ 82 ] My first book! It was published in 1883. So this “first book” came out eleven years after my actual first book. That’s what happens these days! That’s how things go!

[ 83 ] Nun, ich werde selbstverständlich eine Broschüre schreiben über dieses Kapitel im Zusammenhang mit diesem ganzen Buch. Denn das ist notwendig. Hier handelt es sich wirklich darum, einmal eine sogenannte Kulturerscheinung festzunageln und nicht bloß Satz für Satz zu widerlegen, sondern vor allen Dingen die ganze brüchige Oberflächlichkeit zu zeigen, wirklich mit gelehrtem Apparat dem Mann zu zeigen, daß er nicht einmal die allereinfachsten Regeln des wirklichen Anstands einzuhalten vermag. Es darf nicht auf diese Sache geantwortet werden, indem man einfach Satz für Satz nimmt, sondern indem man zeigt, was der Mann erst aus der Sache macht. Die ganze Sache ist nämlich, ich möchte sagen, nach dem Muster geschrieben, wie die ersten Zeilen. Ich weiß selbstverständlich, daß das die Menschen nicht anstößig finden werden; er beginnt:

[ 83 ] Well, I will, of course, write a pamphlet about this chapter in the context of the entire book. Because that is necessary. The real issue here is to pin down a so-called cultural phenomenon—not merely to refute it sentence by sentence, but above all to expose its entire fragile superficiality, to show the man, using scholarly rigor, that he is incapable of adhering even to the simplest rules of proper decorum. One must not respond to this matter by simply taking it sentence by sentence, but by showing what the man makes of the matter in the first place. The whole thing is, in fact—I would say—written in the same style as the first few lines. I know, of course, that people will not find this offensive; he begins:

[ 84 ] «Ein immerhin merkwürdiger Mensch, der Dr. Rudolf Steiner. Er stammt aus Ungarn, geboren am 27. Februar 1861, und ist über Wien nach Weimar gekommen.» [S. 254.]

[ 84 ] “Dr. Rudolf Steiner is, after all, a remarkable man. He comes from Hungary, was born on February 27, 1861, and came to Weimar via Vienna.” [p. 254.]

[ 85 ] Nun, ich habe im ganzen in Ungarn die ersten eineinhalb Jahre meines Lebens verbracht. Ich stamme nicht aus Ungarn, sondern ich stamme wirklich aus Niederösterreich, und zwar in ältester Abstammung aus Niederösterreich, aus einer urdeutschen Familie. Ich bin nur in Ungarn geboren, weil mein Vater Beamter war an der österreichischen Südbahn, die von Wiener-Neustadt nach Groß-Kanizsa ging, die damals noch zu Cisleithanien gerechnet wurde, und er dort stationiert war an einer Station der ungarischen Linie, Kraljevec, wo ich zufällig geboren worden bin, und bis zu eineinhalb Jahren lebte. Aber im «Kürschner» steht selbstverständlich: «geboren in Ungarn». Das ist die Quelle des Herrn Max Dessoir. Ich weiß, daß natürlich diejenigen Menschen, die immer denjenigen Recht geben, die Gewissenlosigkeiten begehen, sagen werden: Nun, woher soll denn der Mann das andere wissen, wenn es im Kürschner steht. Kürschner gibt nämlich den Geburtsort an; aber man weiß eben sonst, daß der Mensch auch woanders herstammen kann, als wo er zufällig geboren ist — was in der Gegenwart ja sehr häufig der Fall ist, nicht wahr, wo die Menschen durcheinandergewürfelt werden —, nur ein deutscher Philosophieprofessor richtet sich nicht nach den allergewöhnlichsten Erwägungen. Die anderen Dinge sind der Sache würdig.

[ 85 ] Well, I spent the first year and a half of my life in Hungary. I’m not originally from Hungary; I’m actually from Lower Austria—and, tracing my lineage back to its earliest roots, from a family of ancient German descent. I was only born in Hungary because my father was a civil servant on the Austrian Southern Railway, which ran from Wiener-Neustadt to Groß-Kanizsa—which at that time was still considered part of Cisleithania—and he was stationed there at a station on the Hungarian line, Kraljevec, where I happened to be born and lived until I was one and a half years old. But of course, the “Kürschner” states: “born in Hungary.” That is Mr. Max Dessoir’s source. I know that, naturally, those people who always side with those who act unscrupulously will say: Well, how is the man supposed to know otherwise if it’s in the Kürschner? The *Kürschner* does indeed list the place of birth; but it’s well known that a person can also come from somewhere other than where they happened to be born—which is very often the case nowadays, isn’t it, when people are shuffled about all over the place—only a German professor of philosophy doesn’t base his judgment on the most ordinary considerations. The other matters are worthy of consideration.

[ 86 ] Aber die Dinge werden manchmal höchst niedlich. Sehen Sie, er kennt auch noch, wie ich schon sagte: «Blut ist ein ganz besonderer Saft.» Da werden Sie finden, daß ich einmal wirklich mit großer Vorsicht dargestellt habe, wie es in früheren Zeiten war, wie das Blut gewissermaßen eine tiefere Gedächtniswirkung hatte und dergleichen. Ich habe allerdings nicht versäumt, ausdrücklich zu sagen, daß es schwierig ist, diese Dinge darzustellen, und daß man deshalb vielfach vergleichsweise reden muß. Selbstverständlich läßt Max Dessoir diese Einleitung weg und zitiert dasjenige, was, wenn Sie es nachlesen in «Blut ist ein ganz besonderer Saft», sehen werden, mit welcher Vorsicht und mit welchen Übergängen das alles dargestellt ist. Max Dessoir zitiert aber, weil er dadurch besonders auf die Leser wirken zu können glaubt, so:

[ 86 ] But things sometimes get quite charming. You see, as I already said, he also knows that “blood is a very special fluid.” There you’ll find that I once really did describe with great caution how things were in earlier times, how blood, so to speak, had a deeper effect on memory, and the like. I did, however, not fail to state explicitly that it is difficult to describe these things, and that one must therefore often speak in relative terms. Of course, Max Dessoir omits this introduction and quotes the passage which—if you look it up in “Blood Is a Very Special Juice”—will show you the caution and the gradual transitions with which all of this is presented. But Max Dessoir quotes it as follows, because he believes this will have a particular impact on readers:

[ 87 ] «Der Astralleib soll «seinen Ausdruck finden > teils im sympathischen Nervensystem, teilsim Rückenmark und Gehirn.» [S. 261.]

[ 87 ] “The astral body is said to ‘find its expression’ partly in the sympathetic nervous system, partly in the spinal cord and brain.” [p. 261.]

[ 88 ] Nun zitiert er die Sache bei mir:

[ 88 ] Now he quotes this from my work:

[ 89 ] «Das Blut nimmt die durch das Gehirn verinnerlichten Bilder der Außenwelt auf.»

[ 89 ] “The blood absorbs the images of the external world that have been internalized by the brain.”

[ 90 ] «Eine solch ungeheuerliche Mißachtung aller Tatsachen verbindet sich mit der ebenso unbeweisbaren wie unverständlichen Behauptung, der vorgeschichtliche Mensch habe in den «Bildern, die sein Blut empfing> auch die Erlebnisse seiner Vorfahren erinnert.» [S. 261.]

[ 90 ] “Such a flagrant disregard for all the facts goes hand in hand with the assertion—as unprovable as it is incomprehensible—that prehistoric man, in the ‘images conceived by his blood,’ also recalled the experiences of his ancestors.” [p. 261.]

[ 91 ] Man darf einfach nicht etwas, was mit aller Vorsicht dargestellt ist, in einen Satz so zusammenziehen, daß es keinen Sinn hat, und man bindet dadurch dem Leser Bären auf. Aber die Bären sind in diesem Falle ganz besonders schlimme, weil sie wie verleumderisch die Sache darstellen. Aber was zitiert denn da der gute Dessoir? Nichts anderes, als daß der Mensch das, was er von seinen Vorfahren überliefert bekommen hat, in den früheren, anderen Verhältnissen des Blutes wie ein Gedächtnis erlebte. Das findet Max Dessoir besonders schlimm. Nun möchte ich aber eine eigene Meinung des Dessoir aufschlagen; das ist nämlich höchst interessant. Da erklärt er, wie es kommt, daß heute noch uralte Anschauungen leben, solche Anschauungen, wie sie die abergläubischen Leute auf dem Lande und wie sie die Gesundbeter haben, oder wie sie Guido von List hat und die Anthroposophen. Woher das kommt, sucht er zu erklären. Da sagt er:

[ 91 ] One simply must not condense something that has been presented with the utmost care into a single sentence in such a way that it makes no sense, thereby pulling the reader’s leg. But in this case, the pranks are particularly bad because they portray the matter in a defamatory light. But what exactly is the good Dessoir quoting here? Nothing other than the idea that humans experienced what they had inherited from their ancestors as a kind of memory within the earlier, different circumstances of kinship. Max Dessoir finds this particularly troubling. Now, however, I would like to highlight one of Dessoir’s own views; it is, in fact, highly interesting. There he explains how it is that ancient beliefs still persist today—beliefs such as those held by superstitious people in the countryside, by faith healers, or by Guido von List and the anthroposophists. He seeks to explain where this comes from. He says:

[ 92 ] «Schon aus solchen Beispielen kann geschlossen werden, daß ir der Geheimforschung uralte Vorstellungsformen weiterleben. Eine bündige Widerlegung des Okkultismus ist mit dieser Resttheorie freilich noch nicht gegeben, da ja die Wahrheit in der Jugend der Völker erfaßt und unserem Kulturkreis verloren gegangen sein könnte. Aber die Tatsachen, die zur Stütze herangezogen werden, versagen, und die Erinnerung an jene urmenschlichen Völkergedanken soll erklären, weshalb wir Menschen der Gegenwart trotzdem so schwer davon loskommen. Das Blut vieler Jahrtausende rinnt in unseren Adern. Sein Pulsschlag ist nicht immer regelmäßig, sondern wird manchmalarrhythmisch, wie er einst gewesen war.» [S. 11f.]

[ 92 ] “Even from such examples, one can conclude that ancient forms of thought live on in secret research. Of course, this ‘residual theory’ does not yet provide a concise refutation of occultism, since the truth might have been grasped in the early stages of human civilization and lost to our cultural sphere. But the facts cited in its support fall short, and the memory of those primordial human ideas is meant to explain why we, the people of the present, nevertheless find it so difficult to break free from them. The blood of many millennia flows through our veins. Its pulse is not always regular, but sometimes becomes arrhythmic, just as it once was.” [p. 11f.]

[ 93 ] So Max Dessoir. Also, wenn in der Anthroposophie in einer sehr erklärlichen Weise vorkommt, daß gesagt wird: «Das Blut der Vorfahren rinnt in uns und stellt eine Art Gedächtnis dar» — da wird es lächerlich gemacht; wo er es selber braucht, da führt er es selber an. Das ist Max Dessoir, Universitätsprofessor der Philosophie in Berlin.

[ 93 ] According to Max Dessoir. So, when it is stated in anthroposophy in a very clear and explainable way that “the blood of our ancestors flows within us and represents a kind of memory”—then it is ridiculed; but when he needs it himself, he cites it himself. This is Max Dessoir, professor of philosophy at the University of Berlin.

[ 94 ] Nun, ein besonders kurioses Buch, das ich immer weit von mir gewiesen habe, von dem jeder wissen kann, der meine Goethe-Schriften kennt, daß ich es weit von mir gewiesen habe, ist das Buch von F. A. Louvier: «Sphinx locuta est», wo auf kabbalistische Weise Goethes «Faust» erklärt wird. Es ist ein schreckliches Buch. Aber Dessoir nimmt vorerst die Kabbalistik. Was er über Kabbalistik sagt, das würde zu weit führen, denn davon versteht er wirklich nichts; aber er führt dann die moderne Kabbalistik an und darunter auch den Louvier: «Sphinx locuta est», wo so schöne Dinge drinnenstehen. Nicht wahr, da kann er sich nun wieder einmal die Finger ablecken:

[ 94 ] Well, a particularly curious book that I have always rejected—and anyone familiar with my writings on Goethe knows that I have rejected it—is the book by F. A. Louvier: “Sphinx locuta est,” in which Goethe’s “Faust” is explained in a Kabbalistic manner. It is a terrible book. But Dessoir begins by addressing Kabbalah. What he says about Kabbalah would take us too far afield, for he really understands nothing about it; but he then cites modern Kabbalah, including Louvier’s *Sphinx locuta est*, which contains such beautiful things. Isn’t that right? Now he can once again lick his fingers:

[ 95 ] «Aus vielen Stellen soll hervorgehen, daß die Geisteskräfte als allegorische handelnde Personen auftreten. Der Erdgeist — in Wahrheit freilich eine der dunkelsten Gestalten des Werks — ist der Geist des Faustplans (denn «Erde steht für «Ebene oder «Plan») und als solcher die Abstraktion; Gretchen ist die Naivität; der schwarze Pudel ist der — negative Beweis und so weiter. Betrachten wir daraufhin die Szene «vor dem Tor; (Sphinx locuta est S. 122ff.). Wenn Faust den spekulierenden Verstand symbolisiert, so ist seine Wohnstätte der Kopf. Demnach bedeutet die Stadt das Gehirn, das hohle, finstere Tor den Mund, und die Spaziergänger aller Art sind die hörbaren Äußerungen des Geistes, die von da hinausziehen ins Freie. Die Sprache selbst erscheint hier nicht, weil sie im zweiten Teil als «Heroldsstab» ausführlich geschildert wird. Wohl aber treten die Gedichte und zwar als die Soldaten auf: Burgen (Sitz der Gedanken) und Mädchen (Gefühle) müssen sich dem Gedicht ergeben; die Trompeten (die Klänge) der Gedichte werben wie für die Freude so zum Verderben.... Das Bürgermädchen (Agathe) stellt das Volkslied vor, und der Geliebte, der sich mit dem Volksliede verbinden soll, d.h. einer der Soldaten, ist ein Gedicht; denn Text und Lied bilden eben ein Paar... Neben dem Volkslied (Agathe) erscheint ferner ein «Schüler, d.h. das Studentenlied, der Krauskopf genannt, und bei diesem ein zweiter Schüler — der Refrain des Liedes... Außer den besprochenen Figuren erscheinen noch die folgenden hörbaren Außerungen, die aus dem Tor (dem Munde) hervorgehen. Es sind: die Bitte, die Wortverdrehung, das Schwatzen, die Einwilligung, der Zank, der Befehl, die Frage, die Kannegießerei, das Ja, das Versprechen und die Abbitte.» [S. 222 f.]

[ 95 ] “It should be evident from many passages that the spiritual powers appear as allegorical characters. The Earth Spirit—in truth, of course, one of the work’s most enigmatic figures—is the spirit of the Faustian plan (for “Earth” stands for “plane” or “plan”) and, as such, abstraction; Gretchen is naivety; the black poodle is the negative proof, and so on. Let us now consider the scene “before the gate” (Sphinx locuta est, p. 122ff.). If Faust symbolizes the speculating intellect, then his dwelling place is the head. Accordingly, the city signifies the brain, the hollow, gloomy gate the mouth, and the passersby of all kinds are the audible expressions of the spirit that flow out from there into the open. Language itself does not appear here, because it is described in detail in the second part as the “herald’s staff.” What do appear, however, are the poems, specifically in the form of soldiers: castles (the seat of thoughts) and maidens (feelings) must surrender to the poem; the trumpets (the sounds) of the poems court both joy and ruin.... The town girl (Agathe) introduces the folk song, and the beloved, who is to unite with the folk song—that is, one of the soldiers—is a poem; for text and song form a pair... Alongside the folk song (Agathe), a “student”—that is, the student song, called Krauskopf—also appears, and with him a second student—the song’s refrain... In addition to the characters discussed, the following audible utterances emerge from the gate (the mouth). These are: the request, the twisting of words, the chatter, the consent, the quarrel, the command, the question, the flattery, the “yes,” the promise, and the apology.” [p. 222 ff.]

[ 96 ] So kann er sich gut lustig machen über den Louvier, der ja die ganze kantische Philosophie im «Faust» dargestellt findet. Dann geht er über zu dem honorificabili von Edwin Bormann und den ShakespeareBacon-Menschen; stellt dar, wie das alles unsinnig ist, was die Shakespeare-Bacon-Menschen in kabbalistischer Weise gemacht haben; geht dann über zu Stefan George, wo er die geschmackvolle Art hat, drei Gedichte zu zitieren, um Stefan George zu charakterisieren. Auf das alles wollen wir nicht eingehen, das würde eine Stunde in Anspruch nehmen, um Ihnen die ganze Vertracktheit des Max Dessoir darzulegen; aber auf das eine wollen wir doch eingehen, wo er drei Gedichte nebeneinanderstellt. Das eine Gedicht, das zweite, das er bringt, das will ich zuerst vorlesen. Man braucht nicht mit solchen Dichtungen einverstanden zu sein, aber ich will Ihnen die Praktik des Max Dessoir darlegen. Also bitte, nehmen Sie es nicht so, als ob ich mit diesem Gedicht, das von Werfel ist, einverstanden wäre, aber darauf kommt es nicht an:

[ 96 ] This allows him to poke fun at Louvier, who, after all, finds the entire Kantian philosophy depicted in *Faust*. He then moves on to Edwin Bormann’s *honorificabili* and the Shakespeare-Bacon scholars; he demonstrates how nonsensical everything is that the Shakespeare-Bacon scholars have done in a Kabbalistic manner; he then moves on to Stefan George, where he has the good taste to quote three poems to characterize Stefan George. We won’t go into all of that—it would take an hour to explain the full intricacy of Max Dessoir’s work to you—but we do want to address the one instance where he juxtaposes three poems. I’ll read the first poem he presents—the second one—aloud first. You don’t have to agree with such poetry, but I want to illustrate Max Dessoir’s method to you. So please, don’t take this to mean that I agree with this poem, which is by Werfel, but that’s not the point:

Entrückter, leichter Himmel über dem Ort!
Du weißt von der Seebäder goldenen Fetzen.
Du weißt von Prinzen
Und herbstlichem Halali.
Ihr Knabenbäume
Zuckt von den Schultern
Das letzte Netz,
Das braune.
Den Schatten werfet auf mich,
Hier sitze ich
Und lese den übermütigen
Namen im Stein.
Nun bist du bei meiner Großmutter, Kind,
O unterirdisches Fest,
Das niemand denken will! [S. 234.)

A dreamy, light sky above the village!
You know of the seaside resorts’ golden shreds.
You know of princes
And the autumnal hunt.
You, trees of my boyhood
Shake from your shoulders
The last net,
The brown one.
Cast your shadow upon me,
Here I sit
And read the exuberant
Name carved in stone.
Now you are with my grandmother, child,
O subterranean feast,
That no one wants to think of! [p. 234.)

[ 97 ] Wie gesagt, man kann gegen dieses Gedicht manches haben, aber Dessoir hat die geschmackvolle Art und stellt es mit dem folgenden Gedicht zusammen. Das ist also das erste, das ich jetzt anführen will:

[ 97 ] As I said, one might have some reservations about this poem, but Dessoir has good taste and pairs it with the following poem. So this is the first one I’d like to cite now:

Der blasse Adelknabe spricht:
Du Dunkelheit, aus der ich stamme —
Ich glaube an alles noch nie Gesagte,
Ich bin auf der Welt zu allein und doch nicht allein genug.
Du siehst, ich will viel!
Wir bauen an dir mit zitternden Händen. [S. 234.]

The pale nobleman’s son speaks:
O darkness, from which I come—
I believe in everything that has never been said,
I am too alone in this world, and yet not alone enough.
You see, I want so much!
We build upon you with trembling hands. [p. 234.]

[ 98 ] Das ist also das eine Gedicht; dann kommt das Werfelsche Gedicht, und dann kommt das dritte; das will ich auch jetzt lesen:

[ 98 ] So that is one poem; next comes Werfel’s poem, and then the third; I’d like to read that one now as well:

Vielleicht, daß ich durch schwere Berge gehe
Du Berg, der blieb, da die Gebirge kamen,
Mach mich zum Wächter deiner Weiten,
Denn, Herr, die großen Städte sind:
Da leben Menschen, weiß erblühte, blasse,
O Herr, gib jedem seinen eignen Tod!
Herr, wir sind ärmer denn die armen Tiere,
Mach’ Einen herrlich, Herr, mach’ Einen groß
Das letzte Zeichen laß an uns geschehen. [S. 235.]

Perhaps I walk through rugged mountains
You, the mountain that remained when the ranges arose,
Make me the guardian of your vast expanses,
For, Lord, the great cities are:
There live people, pale as white blossoms,
O Lord, grant each one his own death!
Lord, we are poorer than the poor animals,
Make one glorious, Lord, make one great
Let the final sign come upon us. [p. 235.]

[ 99 ] Das mittlere Gedicht, das ich zuerst gelesen habe, ist wirklich von Werfel; aber um dieses zu charakterisieren, begeht Dessoir das Geschmackvolle, daß er einen Band Rilkescher Gedichte nimmt, und nun nicht diese Rilke-Gedichte abschreibt, sondern immer die Versanfänge, wie sie in dem Inhaltsverzeichnis angegeben sind. Also er macht Gedichte, indem er die Versanfänge zusammenstellt; und die vergleicht er dann mit dem Werfelschen Gedicht. Das ist die geschmackvolle Art, wie er moderne Lyrik zu charakterisieren versucht. Er will sagen: Das Werfelsche Gedicht kommt auch heraus, wenn man die Versanfänge im Rilkeschen «Stundenbuch» hintereinander aufschreibt, da macht er ein Gedicht daraus. So macht er es.

[ 99 ] The middle poem, which I read first, is indeed by Werfel; but to characterize it, Dessoir takes the tasteful approach of selecting a volume of Rilke’s poems—not copying these Rilke poems themselves, but rather the opening lines of each, as listed in the table of contents. So he creates poems by compiling these opening lines; and he then compares them to Werfel’s poem. That is the tasteful way in which he attempts to characterize modern poetry. He means to say: Werfel’s poem also emerges when one writes down the first lines of the verses in Rilke’s *Book of Hours* one after another—and he turns that into a poem. That is how he does it.

[ 100 ] Dann bringt er die Rassenmystik von Guido von List. Ich habe zu Guido von List keine andere Beziehung, als daß ich einstmals von ihm, den ich gekannt habe, als er noch ein vernünftiger Mensch war und seinen Roman «Carnuntum» geschrieben hatte, in dem Anfang der achtziger Jahre, eine Abhandlung bekommen habe, in der Zeit, als ich noch «Luzifer-Gnosis» herausgab; da habe ich sie zurückgeschickt als dilettantisch und unbrauchbar. Das ist die einzige Beziehung, die ich zu Guido von List gehabt habe.

[ 100 ] Then he introduces Guido von List’s racial mysticism. I have no connection to Guido von List other than that I once received a treatise from him—whom I knew when he was still a reasonable person and had written his novel *Carnuntum*—in the early 1980s, at a time when I was still publishing *Luzifer-Gnosis*; I sent it back as amateurish and useless. That is the only connection I have ever had with Guido von List.

[ 101 ] Dann bespricht Dessoir die Christian Science. Sie wissen, wieviel Beziehung ich zur Christian Science habe. Die einzige Beziehung, die ich zur Christian Science habe, die kann ich Ihnen ungefähr vorlesen. Wenn ich gefragt worden bin nach öffentlichen Vorträgen über diese Christian Science, habe ich immer als erstes gesagt, daß es wirklich Materie gibt. Aber ich habe gesagt, daß sich diese christliche Wissenschaft nicht christlich nennen darf, und zwar aus folgenden Gründen:

[ 101 ] Then Dessoir discusses Christian Science. You know how much of a connection I have to Christian Science. The only connection I have to Christian Science—I can read it to you, more or less. Whenever I’ve been asked to give public lectures on this Christian Science, the first thing I’ve always said is that matter really does exist. But I have said that this Christian Science should not be called “Christian,” for the following reasons:

[ 102 ] «Hier wird deutlich, daß die ganze Lehre mit dem Geist des Christentums unvereinbar ist. Eine Lehre, die das Leiden aus der Welt wegvernünfteln will, darf sich nicht auf das Evangelium berufen. Denn das Christentum hat mit furchtbarem Ernst die Wahrheit verkündet, daß Sünde und Schmerz notwendig zur Natur des Menschen gehören; sie sind keine Wahngebilde des unvollkommenen menschlichen Denkens, sondern Tatsachen, denen das Erbarmen Gottes und der Opfertod Jesu gilt. Die «christliche Wissenschaft» darf sich nicht christlich nennen.» [S. 243.]

[ 102 ] “Here it becomes clear that this entire doctrine is incompatible with the spirit of Christianity. A doctrine that seeks to rationalize away suffering from the world must not claim to be based on the Gospel. For Christianity has proclaimed with the utmost seriousness the truth that sin and suffering are an essential part of human nature; they are not figments of imperfect human thought, but realities to which God’s mercy and the sacrificial death of Jesus are directed. ‘Christian Science’ must not call itself Christian.” [p. 243.]

[ 103 ] Das habe ich immer gesagt, nur hier sagt es Dessoir; ich habe Ihnen jetzt eine Stelle von Dessoir vorgelesen; aber Sie wissen, daß ich gerade die Christian Science so charakterisiert habe, wenn nach öffentlichen Vorträgen darüber gefragt wurde.

[ 103 ] I've always said that; it's just that here, Dessoir is the one saying it. I've just read you a passage from Dessoir; but you know that I've characterized Christian Science in exactly that way whenever I was asked about it after public lectures.

[ 104 ] Dann charakterisiert er die theosophische Bewegung als NeuBuddhismus. Aber nach der Art, wie der Professor Dessoir in diesem Buche immer erzählt, daß er allen möglichen Spiritistensitzungen beigewohnt hat, könnte ich ja auch ein Buch schreiben über Spiritismus und ein Kapitel Max Dessoir widmen, unmittelbar an Max Dessoir anreihen. Denn mit derselben Gerechtigkeit könnte das geschehen, wie er hier die Anthroposophie an die 'Theosophie anreiht, insbesondere wenn er den geschmack vollen Satz anführt:

[ 104 ] He then characterizes the Theosophical Movement as “New Buddhism.” But given the way Professor Dessoir keeps recounting in this book that he has attended all sorts of spiritualist séances, I could just as easily write a book on spiritualism and dedicate a chapter to Max Dessoir, placing it right next to Max Dessoir. For that could be done with just as much justification as he uses here to link anthroposophy to “theosophy,” especially when he quotes that tasteful sentence:

[ 105 ] «Diese, der «Universalen Bruderschaft» angehörenden Geheimforscher bekämpfen aufs heftigste die «Mode- oder Pseudo-Theosophen», worunter sie die um ihren Meister Rudolf Steiner gescharten Anthroposophen verstehen. Wir wollen uns aber dadurch nicht abhalten lassen, auch diese Richtung zu betrachten.» [S. 253.]

[ 105 ] “These secret researchers, who belong to the ‘Universal Brotherhood,’ vehemently oppose the ‘fashionable or pseudo-theosophists,’ by which they mean the anthroposophists gathered around their master Rudolf Steiner. However, we do not want to let this deter us from also examining this movement.” [p. 253.]

[ 106 ] Auch durch die ganze Art und Weise, wie das zwischen lauter Dinge hineingestellt wird, in die es nicht hineingehört, auch darin zeigt sich die Gewissenlosigkeit; das muß ausdrücklich gesagt werden.

[ 106 ] The unscrupulousness is also evident in the very way this is inserted among all sorts of things where it does not belong; this must be explicitly stated.

[ 107 ] Aber man kann aufschlagen wo man will, überall findet man das gleiche. Sehen Sie, Seite 240:

[ 107 ] But no matter where you open the book, you'll find the same thing everywhere. Look, page 240:

[ 108 ] «Es liegt eine Gefahr darin, daß solche Genossenschaften Einfluß üben können und zumal in unserer ausgerutschten Zeit. Immerhin gewährt es einen Trost, daß sie sich gegenseitig mißachten und bekämpfen: die Rassenmystiker, die Gesundbeter, die Theosophen.»

[ 108 ] “There is a danger that such groups can exert influence, especially in these troubled times. Still, it is some consolation that they despise and fight one another: the racial mystics, the faith healers, the theosophists.”

[ 109 ] Nun, meine lieben Freunde, frage ich Sie einmal, ob ich irgend jemanden bekämpft habe, bei dem es nicht notwendig war, deswegen, weil er mich bekämpfte? Das ist die Unehrlichkeit, mit der immer vorgegangen wird. Sehen Sie nach, ob irgendwie jemand von mir bekämpft worden ist von all den Leuten, die hier angeführt werden. Rassenmystik habe ich nicht bekämpft, weil ich sie für etwas trottelig halte und es nicht der Mühe wert finde, sie zu bekämpfen. Über die Gesundbeter habe ich nur die zwei Sätze gesagt, die ich Ihnen eben angeführt habe.

[ 109 ] Well, my dear friends, let me ask you this: Have I ever fought anyone when it wasn’t necessary—simply because they were fighting me? That is the dishonesty that is always employed. See for yourselves whether I have ever opposed any of the people listed here. I have not opposed racial mysticism because I consider it rather silly and do not find it worth the effort to oppose it. Regarding the faith healers, I have said only the two sentences that I just quoted to you.

[ 110 ] Ja, mit Dessoir hat es ja eine besondere Bewandtnis. Er erzählt nun alle die Dinge, die er bei verschiedenen spiritistischen Sitzungen erfahren hat. Nun, auf das kann ich heute nicht eingehen, denn bei der ganzen Sache kommt nichts heraus als höchstens das, daß Dessoir in die Lage gekommen ist, ein Buch darüber zu schreiben, denn es ist ja nichts anderes, als ein Gehen auf allerlei Sensationen und dergleichen. Aber ich frage mich: Wie kommt denn nun ein Mensch dazu, solch ein Buch zu schreiben, das eigentlich verrückt ist? Denn wirklich, geht man die anderen Kapitel durch, dann kommt man zu einem höchst traurigen Ergebnis. Der Mann schreibt über lauter Dinge, ohne fachmännisch überhaupt irgend etwas zu kennen, was der Fachmann überall kennen muß in seinem Fach. Ich möchte wissen, ob ein Philosoph wie Max Dessoir solch einen Satz heute hinschreiben darf:

[ 110 ] Yes, there’s a special story behind Dessoir. He’s now recounting all the things he experienced at various spiritualist séances. Well, I can’t go into that today, because the whole thing amounts to nothing more than—at best—Dessoir finding himself in a position to write a book about it, since it’s really nothing more than a pursuit of all sorts of sensationalism and the like. But I ask myself: How does a person end up writing such a book, which is actually crazy? Because really, if you go through the other chapters, you come to a most sad conclusion. The man writes about all sorts of things without having any expert knowledge whatsoever—knowledge that an expert must possess in every aspect of his field. I would like to know whether a philosopher like Max Dessoir is allowed to write a sentence like this today:

[ 111 ] «Einem geistig und musikalisch durchgebildeten Menschen gelingt es, während einer Opernvorstellung in jedem Augenblick den Text, die Musik, die ihrerseits wieder äußerst zusammengesetzt ist, und die mimische Leistung gleichzeitig aufzufassen, obwohl diese drei Bestandteile sehr unabhängig voneinander sein können.» [S. 35.]

[ 111 ] “A person of broad intellectual and musical education is able, during an opera performance, to simultaneously grasp the libretto, the music—which is itself highly complex—and the acting, even though these three elements can be quite independent of one another.” [p. 35.]

[ 112 ] Ja, wer bloß Aristoteles studiert hat, das Zusammenwirken der Sinneswirkungen in dem einheitlichen Menschen, der kann solches Satzgestrüppe sich nicht leisten! Also man kommt heute darauf, sich zu sagen, daß solch ein Mensch Universitätsprofessor ist für ein Fach und nicht die einfachsten Dinge seines Faches gelesen, studiert haben kann. Es ist wirklich unerhört.

[ 112 ] Yes, anyone who has even just studied Aristotle—the interplay of sensory impressions in the unified human being—cannot afford such a tangle of sentences! So today one is led to conclude that such a person is a university professor in a particular field and yet may not have read or studied even the most basic aspects of that field. It is truly outrageous.

[ 113 ] Ich werde ganz objektiv die Sache widerlegen — selbstverständlich, hier mußten wir uns untereinander einmal über die Sache aussprechen —, aber ich werde objektiv, ohne die scharfen Worte zu brauchen, die ich heute hier gebraucht habe, auf die Tatsache hinweisen, um zu sehen, ob es heute noch Menschen gibt, die, nachdem man ihre Nase auf die Tatsachen hinstößt, wenigstens entrüstet sein können über eine solche Kulturerscheinung. Das möchte ich gerade einmal ausprüfen. Man fragt sich: wie ist es möglich? Allerdings, da kommt man auf Seite 34 auf eine solche merkwürdige Sache. Da redet er über eine solche Sache wie das Bewußtsein, wie es einen «Rand des Bewußtseins», na, und eine «Oberfläche» des Bewußtseins gibt; solch ein Mensch will ja ein Bild haben, nicht wahr, er sagt:

[ 113 ] I will refute this matter completely objectively—of course, we had to discuss this among ourselves at some point— but I will point out the facts objectively, without resorting to the harsh words I’ve used here today, to see if there are still people today who, once confronted with the facts, can at least be outraged by such a cultural phenomenon. That is precisely what I would like to test. One wonders: how is this possible? Indeed, on page 34 one comes across such a strange thing. There he talks about something like consciousness, how there is a “periphery of consciousness,” well, and a “surface” of consciousness; such a person wants to have a picture, doesn’t he? He says:

[ 114 ] «Um wiederum ein leicht verständliches Bild zu gebrauchen: aus dem Mittelpunkt des Kreises» — er meint den Kreis des Bewußtseins «gleitet ein Komplex an die Peripherie, versinkt dort aber nicht ins Nebelhafte, sondern bewahrt teilweise seine Bestimmtheit und seinen Zusammenhang. Ein Beispiel: Beim Vortragen sehr geläufiger Gedankengänge geraten mir gelegentlich Begriffe und Worte in jene Region, und die Aufmerksamkeit beschäftigt sich mit anderen Dingen. Trotzdem spreche ich weiter, gewissermaßen ohne Anteil des Bewußtseins. Dabei ist es vorgekommen, daß ich von einer plötzlich eingetretenen Stille im Saal überrascht wurde, und mir erst klar gemacht werden mußte, daß sie die Folge meines eigenen Verstummens war! Gewohnte Vorstellungsverknüpfungen und Urteile können also auch «unterbewußt» vollzogen werden, zumal solche, die sich im Unanschaulichen bewegen; die mit ihnen verbundenen Sprachbewegungen laufen gleichfalls ohne Schwierigkeiten in den eingeübten Bahnen.» [S. 34.]

[ 114 ] “To use another easily understandable image: from the center of the circle”—he means the circle of consciousness—“a complex drifts toward the periphery, but does not sink there into obscurity; rather, it partially retains its definiteness and coherence. An example: When presenting very familiar lines of thought, concepts and words occasionally drift into that region for me, and my attention turns to other things. Nevertheless, I continue speaking, so to speak, without any conscious involvement. It has happened that I was surprised by a sudden silence in the hall, and it had to be pointed out to me that it was the result of my own falling silent! Familiar associations of ideas and judgments can thus also be carried out “subconsciously,” especially those that deal with the abstract; the associated speech patterns likewise proceed without difficulty along well-rehearsed paths.” [p. 34.]

[ 115 ] Na, ich möchte wissen, ich glaube nicht, daß es mir jemals vorgekommen ist, selbst in diesem Kreise hier, daß ich so fortgeredet habe und nicht dabei war, bei der Sache. Es ist eigentlich ein sonderbares Selbstzeugnis, und man frägt sich dann, auf wen sich diese Stelle bezieht. Ich will das aber nun auch nicht unterstellen, aber es ist nicht ausdrücklich gesagt, daß es sich auf jemand anders bezöge; es scheint sich also auf ihn selbst zu beziehen, daß er zuweilen Vorträge hält, ohne bei der Sache dabei zu sein. Dann könnte man ja auch denken, daß er auch seitenweise weiterschriebe, ohne bei der Sache dabei zu sein. Dann könnte man sich freilich manches erklären. Nun aber ist das ganze Buch so, daß er es eigentlich bei heruntergedämmertem Bewußtsein geschrieben haben muß; — und das ist wieder zuviel auf einmal, daß man annehmen könnte, daß dieser Professor Max Dessoir in einer Art von Trance das Buch geschrieben und daß die Trance in einer bis zur Perfidie gehenden Oberflächlichkeit gewirkt hätte.

[ 115 ] Well, I’d like to know—I don’t think it’s ever happened to me, even in this circle here, that I’ve talked on and on like that without really being present, without being focused on the matter at hand. It’s actually a strange self-revelation, and one wonders whom this passage refers to. I don’t want to imply that, though—but it isn’t explicitly stated that it refers to anyone else; so it seems to refer to him himself, that he sometimes gives lectures without really being present in the moment. Then one might also think that he continues writing page after page without really being present in the moment. That would certainly explain a lot. But the whole book is such that he must actually have written it with his consciousness dimmed—and that, in turn, is too much to take in all at once; one might assume that this Professor Max Dessoir wrote the book in a kind of trance and that the trance had produced a superficiality bordering on perfidy.

[ 116 ] Aber solche sonderbaren Erfahrungen macht man schon. Und wenn man heute darauf angewiesen ist, mit einer geistigen Bewegung sich in die Gegenwart hineinzustellen, dann gibt es wahrhaftig Dinge, die nicht so ganz leicht sind, auch nicht leicht zu nehmen sind. Daher ist es schon notwendig, daß ich Sie heute einmal mit diesen beiden Dingen ein wenig beschäftigt habe. Auf der einen Seite wollte ich Ihnen kurz schildern, wie ein Mensch, der versucht, nur ein paar Schritte zu machen auf dem angedeuteten Wege, sich ganz im Sinne der Anthroposophie bewegt, und wie, wenn diese Anthroposophie selber auftritt, sie von denjenigen, die heute angestellt sind, offiziell, amtlich, philosophische Wissenschaft zu tradieren und deshalb ernst genommen werden, wie sie von solchen Leuten behandelt wird. Nun, sie wird sich als Sache schon durchringen; aber es mußte einmal doch uns ganz klar werden, daß wir es bei einem Manne wie Max Dessoir mit einer oberflächlichen und im Grunde genommen lächerlichen Persönlichkeit zu tun haben.

[ 116 ] But one does have such strange experiences. And if today we are called upon to place ourselves in the present through a spiritual movement, then there are truly things that are not so easy—nor are they easy to take in. That is why it was necessary for me to have engaged you a little with these two things today. On the one hand, I wanted to briefly describe to you how a person who attempts to take just a few steps along the path I have outlined is moving entirely in the spirit of anthroposophy, and how, when this anthroposophy itself comes to the fore, it is treated by those who are currently tasked—officially and by authority—with teaching philosophical science and are therefore taken seriously. Well, it will certainly prevail in its own right; but it had to become quite clear to us that, in a man like Max Dessoir, we are dealing with a superficial and, fundamentally speaking, ridiculous personality.

[ 117 ] Ich hoffe, daß wir das nächste Mal wiederum tiefer in unsere Betrachtungen hineingehen können, zu denen das ja nur eine Episode werden sollte.

[ 117 ] I hope that next time we can delve even deeper into our reflections, of which this was meant to be just one episode.