Truths Regarding Humans Development
The Karma of Materialism
GA 176
10 July 1917, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Menschliche und menschheitliche Entwicklungswahrheiten
Sechster Vortrag
Sechster Vortrag
[ 1 ] Sie müssen es schon hinnehmen, daß ich in diesen Stunden etwas, ich möchte sagen, elementarere Begriffe und Ideen auseinandersetze, weil sie uns dienen sollen beim Aufbau einiger weiterer Ausblicke, die ich noch in dieser Betrachtung und das nächste Mal geben will.
[ 1 ] Sie müssen es schon hinnehmen, daß ich in diesen Stunden etwas, ich möchte sagen, elementarere Begriffe und Ideen auseinandersetze, weil sie uns dienen sollen beim Aufbau einiger weiterer Ausblicke, die ich noch in dieser Betrachtung und das nächste Mal geben will.
[ 2 ] Ich begann schon das letzte Mal damit, solche, ich möchte sagen, mehr prinzipielle Auseinandersetzungen zu geben, die, um eine Perspektive zu gewinnen, notwendig sind, die eben dasjenige, was mit dieser Perspektive erscheinen soll, vorbereiten und zu dem führen sollen, was wir dann das nächste Mal besprechen wollen.
[ 2 ] Ich begann schon das letzte Mal damit, solche, ich möchte sagen, mehr prinzipielle Auseinandersetzungen zu geben, die, um eine Perspektive zu gewinnen, notwendig sind, die eben dasjenige, was mit dieser Perspektive erscheinen soll, vorbereiten und zu dem führen sollen, was wir dann das nächste Mal besprechen wollen.
[ 3 ] Es ist ja naheliegend für den Menschen, der sich gewissermaßen in seinem eigenen Lebenslauf bewußt auffindet, der gewissermaßeri bewußt zu seinem Ich erwacht, daß er sich über dieses Ich und seine Stellung zur Welt klarwerden will. Nun müssen wir ja bemerken, daß eigentlich das Streben gerade nach dieser eben bezeichneten Klarheit als eine Sehnsucht in unserer Zeit außerordentlich stark vorhanden ist, daß diese Sehnsucht, über sich selbst sich aufzuklären, gewissermaßen so recht schon erwacht ist, daß diese Sehnsucht eben in der Gegenwart eine weit, weit verbreitete ist. Indem die Menschen der Gegenwart diese Sehnsucht erleben, machen sie aber zugleich Bekanntschaft mit all den außerordentlichen Klippen und Klüften, in die man hineinkommt, wenn man sich selber suchen will. Man kann ja sagen, daß die Menschen, indem sie Selbsterkenntnis anstreben, mit Recht den Glauben haben, sie gingen richtig, wenn sie als den Inhalt dieser Selbsterkenntnis ein mehr oder weniger einfaches Wesen in sich vermuten. Allein gerade dieser Glaube, daß das menschliche Selbst, das menschliche Ich, ein recht einfaches Wesen ist, der ist es, der in der Gegenwart vielen Menschen schwere, schwere Enttäuschungen bringt. Unter diesem Glauben beginnen die Menschen, ich will sagen, sich mit solchen Führungen, wie sie gegeben sind in Waldo Trines oder in anderen Auseinandersetzungen und Betrachtungen, zu befassen. Es sind ja viele Menschen der Gegenwart, die auf solchen Wegen suchen. Sie glauben gewissermaßen sich dadurch besser zu erkennen, daß sie in sich eindringen, und sie glauben, dadurch mehr Klarheit und mehr Sicherheit für das Leben zu gewinnen. Wenn man sich nicht damit bekannt macht, daß man zunächst schon die starke Enttäuschung erleben kann, daß die Selbsterkenntnis fürs erste einen von sich selber weiter wegbringt, als man früher gewesen ist, bevor man diese Selbsterkenntnis angestrebt hat, wenn man diese Enttäuschung schon schwer ertragen kann, wenn man es nicht ertragen kann, dann werden die Klippen und Klüfte um so größer.
[ 3 ] Es ist ja naheliegend für den Menschen, der sich gewissermaßen in seinem eigenen Lebenslauf bewußt auffindet, der gewissermaßeri bewußt zu seinem Ich erwacht, daß er sich über dieses Ich und seine Stellung zur Welt klarwerden will. Nun müssen wir ja bemerken, daß eigentlich das Streben gerade nach dieser eben bezeichneten Klarheit als eine Sehnsucht in unserer Zeit außerordentlich stark vorhanden ist, daß diese Sehnsucht, über sich selbst sich aufzuklären, gewissermaßen so recht schon erwacht ist, daß diese Sehnsucht eben in der Gegenwart eine weit, weit verbreitete ist. Indem die Menschen der Gegenwart diese Sehnsucht erleben, machen sie aber zugleich Bekanntschaft mit all den außerordentlichen Klippen und Klüften, in die man hineinkommt, wenn man sich selber suchen will. Man kann ja sagen, daß die Menschen, indem sie Selbsterkenntnis anstreben, mit Recht den Glauben haben, sie gingen richtig, wenn sie als den Inhalt dieser Selbsterkenntnis ein mehr oder weniger einfaches Wesen in sich vermuten. Allein gerade dieser Glaube, daß das menschliche Selbst, das menschliche Ich, ein recht einfaches Wesen ist, der ist es, der in der Gegenwart vielen Menschen schwere, schwere Enttäuschungen bringt. Unter diesem Glauben beginnen die Menschen, ich will sagen, sich mit solchen Führungen, wie sie gegeben sind in Waldo Trines oder in anderen Auseinandersetzungen und Betrachtungen, zu befassen. Es sind ja viele Menschen der Gegenwart, die auf solchen Wegen suchen. Sie glauben gewissermaßen sich dadurch besser zu erkennen, daß sie in sich eindringen, und sie glauben, dadurch mehr Klarheit und mehr Sicherheit für das Leben zu gewinnen. Wenn man sich nicht damit bekannt macht, daß man zunächst schon die starke Enttäuschung erleben kann, daß die Selbsterkenntnis fürs erste einen von sich selber weiter wegbringt, als man früher gewesen ist, bevor man diese Selbsterkenntnis angestrebt hat, wenn man diese Enttäuschung schon schwer ertragen kann, wenn man es nicht ertragen kann, dann werden die Klippen und Klüfte um so größer.
[ 4 ] Es ist nun gut, sich klarzumachen, gewissermaßen prinzipiell klarzumachen, worauf denn eigentlich diese Schwierigkeit der Selbsterkenntnis beruht. Man kann im Grunde gar nicht auf einem einfachen, unkomplizierten Wege, so ohne weiteres Selbsterkenntnis anstreben. Denn das Selbst, das Ich, man kann es finden, oder wenigstens man kann es suchen, denkend, fühlend, wollend. Man findet gewissermaßen immer etwas, was man als Ich ansprechen kann. Ob man versucht, sich in seine Gedanken, seine Vorstellungen einzuleben, ob man versucht, sich in seine Gefühle einzuleben, ob man versucht, sich in seine Willensimpulse einzuleben: man bekommt immer die Empfindung, es müsse sich da ein Weg ergeben, durch den man an das eigene Selbst näher herankommt.
[ 4 ] Es ist nun gut, sich klarzumachen, gewissermaßen prinzipiell klarzumachen, worauf denn eigentlich diese Schwierigkeit der Selbsterkenntnis beruht. Man kann im Grunde gar nicht auf einem einfachen, unkomplizierten Wege, so ohne weiteres Selbsterkenntnis anstreben. Denn das Selbst, das Ich, man kann es finden, oder wenigstens man kann es suchen, denkend, fühlend, wollend. Man findet gewissermaßen immer etwas, was man als Ich ansprechen kann. Ob man versucht, sich in seine Gedanken, seine Vorstellungen einzuleben, ob man versucht, sich in seine Gefühle einzuleben, ob man versucht, sich in seine Willensimpulse einzuleben: man bekommt immer die Empfindung, es müsse sich da ein Weg ergeben, durch den man an das eigene Selbst näher herankommt.
[ 5 ] Nun liegt die Sache so, daß der Mensch zunächst ja gehen kann den Weg des Vorstellungslebens; er kann versuchen, sich das Ich vorzustellen. Und gerade philosophisch geartete Menschen haben in der letzten Zeit darin einen sicheren Weg zu finden geglaubt, indem sie sich einfach sagen: Ja, das, was wir als unser eigentliches Ich bezeichnen, bleibt ja unser ganzes Leben hindurch, von unserer Geburt bis zu unserem Tode, ein und dasselbe Wesen. Ich bin immer dasselbe gewesen, wenn ich mich zurückerinnere an mich selbst. — So sagen die Menschen. Ich habe schon öfter erwähnt, daß dies für jeden normalen Menschen jeden Tag widerlegt wird, denn er kann gar nicht wissen, bloß durch die äußere Betrachtung, wie es sich verhält mit diesem Ich, dieser Ich-Vorstellung, in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Er kann eigentlich von diesem Ich in den Vorstellungen nur für alle die Wachzustände, die er durchgemacht hat, reden und muß immer die Kette für alle die Schlafzustände unterbrochen denken. Das werden Sie leicht einsehen können, denn es ergibt sich das aus einer einfachen Überlegung. Derjenige, der also glaubt, das Ich, das lebe in dem Vorstellungsleben so, daß man es in den Vorstellungen finden könne, der sollte sich vor allen Dingen ganz klarmachen: Ja, meine Vorstellungen gehen mir eigentlich mit jedem Einschlafen verloren; da geht mir auch das Vorstellungs-Ich, für das Bewußtsein wenigstens, verloren. Etwas, was jeder Tag in die Nacht des Nichtwahrnehmbaren hinuntertauchen kann, das kann man eigentlich nicht so bezeichnen, wie wenn es ein sicheres Sein, ein sicheres Dasein wäre. So daß der Mensch, wenn er auf dem Wege des Vorstellens sein Ich sucht, sich philosophisch recht klar sein kann: so und so ist der Ich-Gedanke. Aber dieser Ich-Gedanke wird ihn nicht glücklich machen. Dieser Ich-Gedanke kann ihm auch keine besondere Sicherheit geben, auch wenn er nicht darauf kommt durch die einfache Überlegung, daß dieser Ich-Gedanke jeden Tag abreißt. Das ganze innere Wesen des Menschen, das wahrer ist als unser Vorstellen, das bringt es schon zum Ausdruck, daß man zunächst bei der bloßen Ich-Vorstellung unbefriedigt ist, wenn man das Ich sucht. Es ist einem zu wenig, ich möchte sagen, etwas zu Dünnes, was man da findet, wenn man das Ich bloß im Vorstellungsleben sucht. Woher kommt das?
[ 5 ] Nun liegt die Sache so, daß der Mensch zunächst ja gehen kann den Weg des Vorstellungslebens; er kann versuchen, sich das Ich vorzustellen. Und gerade philosophisch geartete Menschen haben in der letzten Zeit darin einen sicheren Weg zu finden geglaubt, indem sie sich einfach sagen: Ja, das, was wir als unser eigentliches Ich bezeichnen, bleibt ja unser ganzes Leben hindurch, von unserer Geburt bis zu unserem Tode, ein und dasselbe Wesen. Ich bin immer dasselbe gewesen, wenn ich mich zurückerinnere an mich selbst. — So sagen die Menschen. Ich habe schon öfter erwähnt, daß dies für jeden normalen Menschen jeden Tag widerlegt wird, denn er kann gar nicht wissen, bloß durch die äußere Betrachtung, wie es sich verhält mit diesem Ich, dieser Ich-Vorstellung, in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Er kann eigentlich von diesem Ich in den Vorstellungen nur für alle die Wachzustände, die er durchgemacht hat, reden und muß immer die Kette für alle die Schlafzustände unterbrochen denken. Das werden Sie leicht einsehen können, denn es ergibt sich das aus einer einfachen Überlegung. Derjenige, der also glaubt, das Ich, das lebe in dem Vorstellungsleben so, daß man es in den Vorstellungen finden könne, der sollte sich vor allen Dingen ganz klarmachen: Ja, meine Vorstellungen gehen mir eigentlich mit jedem Einschlafen verloren; da geht mir auch das Vorstellungs-Ich, für das Bewußtsein wenigstens, verloren. Etwas, was jeder Tag in die Nacht des Nichtwahrnehmbaren hinuntertauchen kann, das kann man eigentlich nicht so bezeichnen, wie wenn es ein sicheres Sein, ein sicheres Dasein wäre. So daß der Mensch, wenn er auf dem Wege des Vorstellens sein Ich sucht, sich philosophisch recht klar sein kann: so und so ist der Ich-Gedanke. Aber dieser Ich-Gedanke wird ihn nicht glücklich machen. Dieser Ich-Gedanke kann ihm auch keine besondere Sicherheit geben, auch wenn er nicht darauf kommt durch die einfache Überlegung, daß dieser Ich-Gedanke jeden Tag abreißt. Das ganze innere Wesen des Menschen, das wahrer ist als unser Vorstellen, das bringt es schon zum Ausdruck, daß man zunächst bei der bloßen Ich-Vorstellung unbefriedigt ist, wenn man das Ich sucht. Es ist einem zu wenig, ich möchte sagen, etwas zu Dünnes, was man da findet, wenn man das Ich bloß im Vorstellungsleben sucht. Woher kommt das?
[ 6 ] Sehen Sie, diejenigen Ideen und Erkenntnisse, welche scharf die Tatsachen des geistigen Lebens beleuchten, sind eigentlich nicht so leicht zu finden; aus dem ganz einfachen Grunde nicht leicht zu finden, weil wirklich uns unsere Sprache da große Schwierigkeiten macht. Man kann eigentlich immer die Erfahrung machen, daß man sich in das Gewebe der Sprachvorstellungen wie verfängt, wenn man an der Hand der Sprachvorstellungen über allerlei nachgrübelt und nachsinnt. Das ist das Fatale des bloßen gedanklichen Philosophierens, daß man so schwer von den Sprachvorstellungen loskommt. Aber eine hinter all diesem Spintisieren in den Sprachvorstellungen liegende Empfindung läßt einen doch unbefriedigt sein bei dem, was einem die Sprachvorstellungen geben. Namentlich bleibt man unbefriedigt, wenn man gerade das Ich im Vorstellungsleben sucht. Man kann schon diese Erfahrung machen. Versuchen Sie es nur einmal, sich so recht mit Philosophen, die viel über das Ich reden, zu befassen, so werden Sie verspüren, daß diese Gedanken recht dünn sind, und daß Sie die Empfindung immer im Hintergrund haben werden: Ja, kann man sich denn eigentlich doch darauf verlassen? Hat man ein sicheres Sein? — Es gibt Menschen, die glauben, so wie man das Ich denkt, so verbürgt dieser Gedanke auch, daß dieses Ich durch die Pforte des Todes geht und in die geistige Welt hineingeht. Aber die Empfindung sagt einem: Wenn das Ich jede Nacht eigentlich auslöscht, könnte es nicht auch so sein, daß es mit dem Tode auslöschte? Und diese Empfindung gibt dann erst recht eine gewisse Unsicherheit; sie ist eine Klippe. Woher rührt denn gerade diese Klippe’ Wenn man das Ich wirklich kennenlernt, durch Geistesforschung wirklich kennenlernt, jenes Ich, das nicht auslöscht mit dem Einschlafen, wenn auch das Bewußtsein davon auslöscht, dann lernt man es allmählich vergleichen mit dem Ich, das in den Vorstellungen erhascht werden kann, und dann lernt man die wirkliche Natur dieses Ich kennen. Da kann man dann für eine Weile — wohlgemerkt: für eine Weile — solch einem Philosophen wie dem Ernst Mach nicht ganz unrecht geben, wenn er sagt: Das Ich ist unrettbar; es ist eigentlich ein Nichtwirkliches. Wir haben durch unser Leben hindurch Erlebnisse, die reihen sich an einem Faden auf wie Perlen. Und weil wir finden, daß sie zusarmmengehören, so abstrahieren wir von ihnen die Ich-Vorstellung, aber es ist nichts Wirkliches. — Das ist, wozu solche Philosophen kommen. Sie halten das Ich für einen bloßen Gedanken, und bei einem Gedanken kann sich der Mensch als einem Wirklichen, als einem wirklich Seienden nicht beruhigen. Nun haben wir aber im Vorstellen kein anderes Ich als das Ich, das jedesmal beim Einschlafen auslöscht. Wir haben im Vorstellen kein anderes; aber es ist wirklich so dünn, es ist eben bloß vorstellungsgemäß, so daß wir uns eben geisteswissenschaftlich fragen müssen: Wie ist es denn eigentlich mit dieser Ich-Vorstellung? Wie verhält es sich mit dieser Ich-Vorstellung?
[ 6 ] Sehen Sie, diejenigen Ideen und Erkenntnisse, welche scharf die Tatsachen des geistigen Lebens beleuchten, sind eigentlich nicht so leicht zu finden; aus dem ganz einfachen Grunde nicht leicht zu finden, weil wirklich uns unsere Sprache da große Schwierigkeiten macht. Man kann eigentlich immer die Erfahrung machen, daß man sich in das Gewebe der Sprachvorstellungen wie verfängt, wenn man an der Hand der Sprachvorstellungen über allerlei nachgrübelt und nachsinnt. Das ist das Fatale des bloßen gedanklichen Philosophierens, daß man so schwer von den Sprachvorstellungen loskommt. Aber eine hinter all diesem Spintisieren in den Sprachvorstellungen liegende Empfindung läßt einen doch unbefriedigt sein bei dem, was einem die Sprachvorstellungen geben. Namentlich bleibt man unbefriedigt, wenn man gerade das Ich im Vorstellungsleben sucht. Man kann schon diese Erfahrung machen. Versuchen Sie es nur einmal, sich so recht mit Philosophen, die viel über das Ich reden, zu befassen, so werden Sie verspüren, daß diese Gedanken recht dünn sind, und daß Sie die Empfindung immer im Hintergrund haben werden: Ja, kann man sich denn eigentlich doch darauf verlassen? Hat man ein sicheres Sein? — Es gibt Menschen, die glauben, so wie man das Ich denkt, so verbürgt dieser Gedanke auch, daß dieses Ich durch die Pforte des Todes geht und in die geistige Welt hineingeht. Aber die Empfindung sagt einem: Wenn das Ich jede Nacht eigentlich auslöscht, könnte es nicht auch so sein, daß es mit dem Tode auslöschte? Und diese Empfindung gibt dann erst recht eine gewisse Unsicherheit; sie ist eine Klippe. Woher rührt denn gerade diese Klippe’ Wenn man das Ich wirklich kennenlernt, durch Geistesforschung wirklich kennenlernt, jenes Ich, das nicht auslöscht mit dem Einschlafen, wenn auch das Bewußtsein davon auslöscht, dann lernt man es allmählich vergleichen mit dem Ich, das in den Vorstellungen erhascht werden kann, und dann lernt man die wirkliche Natur dieses Ich kennen. Da kann man dann für eine Weile — wohlgemerkt: für eine Weile — solch einem Philosophen wie dem Ernst Mach nicht ganz unrecht geben, wenn er sagt: Das Ich ist unrettbar; es ist eigentlich ein Nichtwirkliches. Wir haben durch unser Leben hindurch Erlebnisse, die reihen sich an einem Faden auf wie Perlen. Und weil wir finden, daß sie zusarmmengehören, so abstrahieren wir von ihnen die Ich-Vorstellung, aber es ist nichts Wirkliches. — Das ist, wozu solche Philosophen kommen. Sie halten das Ich für einen bloßen Gedanken, und bei einem Gedanken kann sich der Mensch als einem Wirklichen, als einem wirklich Seienden nicht beruhigen. Nun haben wir aber im Vorstellen kein anderes Ich als das Ich, das jedesmal beim Einschlafen auslöscht. Wir haben im Vorstellen kein anderes; aber es ist wirklich so dünn, es ist eben bloß vorstellungsgemäß, so daß wir uns eben geisteswissenschaftlich fragen müssen: Wie ist es denn eigentlich mit dieser Ich-Vorstellung? Wie verhält es sich mit dieser Ich-Vorstellung?
[ 7 ] Und da bekommt man geisteswissenschaftlich als Ergebnis dieses: daß das vorgestellte Ich überhaupt gar nicht dieses Ich ist, das wir jetzt haben. — Das ist ein sehr wichtiges, bedeutsames Resultat: Das vorgestellte Ich, das ist gar nicht dasjenige, das wir jetzt haben, sondern dieses vorgestellte Ich, das entbehrt in der Gegenwart des inneren wirksamen Seins. Wollen wir uns den Gedanken aus dem bloßen Vorstellungs-Ich heraus bilden: Du bist in der Gegenwart, so können wir, wenn wir real, wirklichkeitsgemäß denken, uns diesen Gedanken gar nicht bilden. Denn niemals kann uns das bloß vorgestellte Ich garantieren, daß wir in der Gegenwart sind. Wir sind immer der Gefahr ausgesetzt, daß uns irgendwie ein Zusammenwirken unserer Vorstellungen das Ich selber, die Ich-Vorstellung, bloß vorgaukelt. Und das ist das Unsichere, das wir fühlen, daß wir eigentlich einem bloßen Bilde, daß wir keiner Wirklichkeit gegenüberstehen. Woher kommt das? Das kommt davon her, daß dieses Ich, das wir vorstellen, so sein muß, wie es in der Vorstellung ist, weil in diesem Ich, in diesem vorgestellten Ich, schon die Kräfte für die nächstfolgende Inkarnation liegen. Also denken Sie, wenn wir das Ich bloß vorstellen, so haben wir uns nicht als Kraft in der Gegenwart, sondern wir haben uns da schon als Kraft für die nächste Inkarnation. Es ist gerade so, wie wenn die Pflanze, die den Keim in sich fühlt, sich vorstellen müßte: Dieser Keim, der bist eigentlich nicht du, sondern das ist die Pflanze, die erst im nächsten Frühling wachsen will. — So lebt in dem, was wir uns vom Ich vorstellen, die Kraft, die in der nächsten Inkarnation sich erst entfalten wird. Und sie muß sich so ausleben, diese Kraft; denn würden wir mehr haben in der gegenwärtigen Inkarnation, so würde das, was wir haben, nicht keimhaft, sondern es würde eine gegenwärtige Wirklichkeit sein; wir trügen keine Keimanlagen in uns für die nächste Inkarnation. Es muß also das vorgestellte Ich so abgeschwächt sein, daß es für die Gegenwart nicht wirksam ist, sondern die Keimkräfte für die nächste Inkarnation enthält.
[ 7 ] Und da bekommt man geisteswissenschaftlich als Ergebnis dieses: daß das vorgestellte Ich überhaupt gar nicht dieses Ich ist, das wir jetzt haben. — Das ist ein sehr wichtiges, bedeutsames Resultat: Das vorgestellte Ich, das ist gar nicht dasjenige, das wir jetzt haben, sondern dieses vorgestellte Ich, das entbehrt in der Gegenwart des inneren wirksamen Seins. Wollen wir uns den Gedanken aus dem bloßen Vorstellungs-Ich heraus bilden: Du bist in der Gegenwart, so können wir, wenn wir real, wirklichkeitsgemäß denken, uns diesen Gedanken gar nicht bilden. Denn niemals kann uns das bloß vorgestellte Ich garantieren, daß wir in der Gegenwart sind. Wir sind immer der Gefahr ausgesetzt, daß uns irgendwie ein Zusammenwirken unserer Vorstellungen das Ich selber, die Ich-Vorstellung, bloß vorgaukelt. Und das ist das Unsichere, das wir fühlen, daß wir eigentlich einem bloßen Bilde, daß wir keiner Wirklichkeit gegenüberstehen. Woher kommt das? Das kommt davon her, daß dieses Ich, das wir vorstellen, so sein muß, wie es in der Vorstellung ist, weil in diesem Ich, in diesem vorgestellten Ich, schon die Kräfte für die nächstfolgende Inkarnation liegen. Also denken Sie, wenn wir das Ich bloß vorstellen, so haben wir uns nicht als Kraft in der Gegenwart, sondern wir haben uns da schon als Kraft für die nächste Inkarnation. Es ist gerade so, wie wenn die Pflanze, die den Keim in sich fühlt, sich vorstellen müßte: Dieser Keim, der bist eigentlich nicht du, sondern das ist die Pflanze, die erst im nächsten Frühling wachsen will. — So lebt in dem, was wir uns vom Ich vorstellen, die Kraft, die in der nächsten Inkarnation sich erst entfalten wird. Und sie muß sich so ausleben, diese Kraft; denn würden wir mehr haben in der gegenwärtigen Inkarnation, so würde das, was wir haben, nicht keimhaft, sondern es würde eine gegenwärtige Wirklichkeit sein; wir trügen keine Keimanlagen in uns für die nächste Inkarnation. Es muß also das vorgestellte Ich so abgeschwächt sein, daß es für die Gegenwart nicht wirksam ist, sondern die Keimkräfte für die nächste Inkarnation enthält.
[ 8 ] Also denken Sie, was das eigentlich für ein wichtiges Ergebnis ist. Wenn man es so abstrakt ausspricht, so hat man gar nicht gleich die Empfindung, daß das ein Ergebnis von ungeheurer Tragweite ist; denn man hat eigentlich das Schattenhafte der nächsten Inkarnation vor sich. Und wenn man nichts tut, um dieses Schattenhafte der nächsten Inkarnation irgendwie reicher zu machen, als es im gewöhnlichen Leben ist, so bleibt es immer unbefriedigend; denn es bleibt sozusagen bei der Punktvorstellung: Ich, Ich, Ich, Ich. Man kommt nicht über diesen bloßen Ich-Punkt hinaus. Aber reicher machen dieses Ich, als eine bloße Punktvorstellung ist — das ist eben die Frage, wie man das kann.
[ 8 ] Also denken Sie, was das eigentlich für ein wichtiges Ergebnis ist. Wenn man es so abstrakt ausspricht, so hat man gar nicht gleich die Empfindung, daß das ein Ergebnis von ungeheurer Tragweite ist; denn man hat eigentlich das Schattenhafte der nächsten Inkarnation vor sich. Und wenn man nichts tut, um dieses Schattenhafte der nächsten Inkarnation irgendwie reicher zu machen, als es im gewöhnlichen Leben ist, so bleibt es immer unbefriedigend; denn es bleibt sozusagen bei der Punktvorstellung: Ich, Ich, Ich, Ich. Man kommt nicht über diesen bloßen Ich-Punkt hinaus. Aber reicher machen dieses Ich, als eine bloße Punktvorstellung ist — das ist eben die Frage, wie man das kann.
[ 9 ] Nun, sehen Sie, das kann man nicht, wenn man bloß in sich hineinbrütet. Denn wenn man immer so in sich hineinbrütet, dann findet man, was man jetzt in dieser Inkarnation ist. Aber dieser Ich-Punkt ist das einzige, was man als Keimanlage für die nächste Inkarnation hat, so daß man noch so stark, meinetwillen noch so tief mystisch in sich hineinbrüten, noch so schöne Lehren sich selbst geben mag, man kommt nie an sein Ich heran, denn dieses Ich, dieses vorgestellte Ich, das gehört im Grunde genommen gar nicht uns, insofern wir Wesen in dieser Inkarnation sind, sondern es gehört jetzt noch — innerhalb dieser jetzigen Inkarnation — der Welt an. Die Welt wird aus dem, was in uns als Bild-Ich, als Gedankenbild-Ich erscheint, für die nächste Inkarnation das machen, was dann in unserer Seele mehr wirksam sein wird. Daher kann dieses Ich auch nur an dem äußeren Leben bereichert werden. Ich habe manchem unserer Freunde, die mich gebeten haben, in irgendein Stammbuch das oder jenes zu schreiben, immer wieder versucht, wenn ich gerade das für das Geeignete fand, die Worte aufzuschreiben: «Suchst du dich selbst, so suche draußen in der Welt; suchst du die Welt, so suche in dir selbst.» Suchst du dich selbst, suchst du mehr in deinen Vorstellungen lebend Reicheres zu haben, als du haben kannst im gewöhnlichen Leben, so mußt du diesen Reichtum durch Erweiterung deiner Beobachtungen über die Welt machen. Aber das kann nicht die äußere Sinnesbeobachtung sein; denn die hängt ja auch nur mit unserer gegenwärtigen Inkarnation zusammen, weil sie eigentlich nur unserem Leibe anhängt, der mit dem Tode verloren geht. Wir müssen schon eine andere Betrachtung anstellen. Wir müssen gewissermaßen eingehen können auf den feineren Sinn des Lebens. Nur dadurch werden wir wirklich das Ich als Vorstellung bereichern, daß wir uns darauf einlassen, nicht bloß so, ich möchte sagen, abstrakt, so gradlinig zu denken, wie man gerade in der Gegenwart gerne denken möchte, sondern man muß sich bemühen, wenn man dieses Ich bereichern will, ich möchte sagen, geheimnisvollere Zusammenhänge des Lebens, als sie sich so ohne weiteres darbieten, aufzusuchen. Mißverstehen Sie nur ja diese Bemerkung nicht! Solche geheimnisvollen Zusammenhänge im Leben aufzusuchen, das betrachten die Menschen der Gegenwart womöglich als eine sehr unnütze Sache, weil sie gar nicht anstreben, das Ich zu bereichern. Die Menschen in der Gegenwart streben an, sich solche Vorstellungen zu bilden, durch die man entweder etwas Äußeres erkennt, oder die einem im Handeln nützen. Aber das ist alles für die gegenwärtige Inkarnation. Das Aufsuchen dieser geheimnisvollen Zusammenhänge, die das Ich bereichern sollen, das müssen wir schon eine Art Selbstzweck der Seele, müssen es eine intime Handlung der Seele sein lassen, eine solche intime Handlung, durch die wir auch auf, ich möchte sagen, nichts anderes Anspruch machen, als unsere Seele beziehungsweise das Gedanken-Ich zu bereichern. Es ist für das, was die Gegenwart von uns fordert, wichtig, daß wir geradezu unsere Zuflucht zu dem Weitauseinanderliegenden im Leben nehmen, das aber doch eigentlich zusammengehört, daß wir über Zusammenhänge sinnen, die nicht an der Oberfläche des Daseins liegen, die, ich möchte sagen, unter der Oberfläche des Daseins liegen, und die daher für den, der nur an der Oberfläche des Daseins sich betätigen will, denken will, im Grunde genommen auch frappierend sind. Nun, je weiter man es bringt im, ich möchte sagen, Sichenträtseln ferner liegender und doch zu unserer Seele mächtig sprechender Lebenszusammenhänge, die außer uns liegen, desto mehr wird man finden, daß dieses Vorstellungs-Ich reicher und reicher wird. Man kann nicht gleich abstrakt einen Zusammenhang angeben, so wie man einen Zusammenhang zwischen dem Stein, der warm wird, und dem Sonnenstrahl, der ihn erwärmt, angibt. Aber man erfährt das im Leben; man erfährt, daß, je mehr man verborgene Lebenszusammenhänge aufsucht, desto stärker fühlt man sich gerade im Vorstellungs-Ich, desto mehr wächst man im Vorstellungs-Ich mit dem inneren Leben, das dann dieses Vorstellungs-Ich hinüberträgt in die nächste Inkarnation, zusammen.
[ 9 ] Nun, sehen Sie, das kann man nicht, wenn man bloß in sich hineinbrütet. Denn wenn man immer so in sich hineinbrütet, dann findet man, was man jetzt in dieser Inkarnation ist. Aber dieser Ich-Punkt ist das einzige, was man als Keimanlage für die nächste Inkarnation hat, so daß man noch so stark, meinetwillen noch so tief mystisch in sich hineinbrüten, noch so schöne Lehren sich selbst geben mag, man kommt nie an sein Ich heran, denn dieses Ich, dieses vorgestellte Ich, das gehört im Grunde genommen gar nicht uns, insofern wir Wesen in dieser Inkarnation sind, sondern es gehört jetzt noch — innerhalb dieser jetzigen Inkarnation — der Welt an. Die Welt wird aus dem, was in uns als Bild-Ich, als Gedankenbild-Ich erscheint, für die nächste Inkarnation das machen, was dann in unserer Seele mehr wirksam sein wird. Daher kann dieses Ich auch nur an dem äußeren Leben bereichert werden. Ich habe manchem unserer Freunde, die mich gebeten haben, in irgendein Stammbuch das oder jenes zu schreiben, immer wieder versucht, wenn ich gerade das für das Geeignete fand, die Worte aufzuschreiben: «Suchst du dich selbst, so suche draußen in der Welt; suchst du die Welt, so suche in dir selbst.» Suchst du dich selbst, suchst du mehr in deinen Vorstellungen lebend Reicheres zu haben, als du haben kannst im gewöhnlichen Leben, so mußt du diesen Reichtum durch Erweiterung deiner Beobachtungen über die Welt machen. Aber das kann nicht die äußere Sinnesbeobachtung sein; denn die hängt ja auch nur mit unserer gegenwärtigen Inkarnation zusammen, weil sie eigentlich nur unserem Leibe anhängt, der mit dem Tode verloren geht. Wir müssen schon eine andere Betrachtung anstellen. Wir müssen gewissermaßen eingehen können auf den feineren Sinn des Lebens. Nur dadurch werden wir wirklich das Ich als Vorstellung bereichern, daß wir uns darauf einlassen, nicht bloß so, ich möchte sagen, abstrakt, so gradlinig zu denken, wie man gerade in der Gegenwart gerne denken möchte, sondern man muß sich bemühen, wenn man dieses Ich bereichern will, ich möchte sagen, geheimnisvollere Zusammenhänge des Lebens, als sie sich so ohne weiteres darbieten, aufzusuchen. Mißverstehen Sie nur ja diese Bemerkung nicht! Solche geheimnisvollen Zusammenhänge im Leben aufzusuchen, das betrachten die Menschen der Gegenwart womöglich als eine sehr unnütze Sache, weil sie gar nicht anstreben, das Ich zu bereichern. Die Menschen in der Gegenwart streben an, sich solche Vorstellungen zu bilden, durch die man entweder etwas Äußeres erkennt, oder die einem im Handeln nützen. Aber das ist alles für die gegenwärtige Inkarnation. Das Aufsuchen dieser geheimnisvollen Zusammenhänge, die das Ich bereichern sollen, das müssen wir schon eine Art Selbstzweck der Seele, müssen es eine intime Handlung der Seele sein lassen, eine solche intime Handlung, durch die wir auch auf, ich möchte sagen, nichts anderes Anspruch machen, als unsere Seele beziehungsweise das Gedanken-Ich zu bereichern. Es ist für das, was die Gegenwart von uns fordert, wichtig, daß wir geradezu unsere Zuflucht zu dem Weitauseinanderliegenden im Leben nehmen, das aber doch eigentlich zusammengehört, daß wir über Zusammenhänge sinnen, die nicht an der Oberfläche des Daseins liegen, die, ich möchte sagen, unter der Oberfläche des Daseins liegen, und die daher für den, der nur an der Oberfläche des Daseins sich betätigen will, denken will, im Grunde genommen auch frappierend sind. Nun, je weiter man es bringt im, ich möchte sagen, Sichenträtseln ferner liegender und doch zu unserer Seele mächtig sprechender Lebenszusammenhänge, die außer uns liegen, desto mehr wird man finden, daß dieses Vorstellungs-Ich reicher und reicher wird. Man kann nicht gleich abstrakt einen Zusammenhang angeben, so wie man einen Zusammenhang zwischen dem Stein, der warm wird, und dem Sonnenstrahl, der ihn erwärmt, angibt. Aber man erfährt das im Leben; man erfährt, daß, je mehr man verborgene Lebenszusammenhänge aufsucht, desto stärker fühlt man sich gerade im Vorstellungs-Ich, desto mehr wächst man im Vorstellungs-Ich mit dem inneren Leben, das dann dieses Vorstellungs-Ich hinüberträgt in die nächste Inkarnation, zusammen.
[ 10 ] Was meine ich für Zusammenhänge? Ich meine ganz reale Zusammenhänge, nur solche Zusammenhänge, die man gewöhnlich nicht sucht. Ich will Ihnen ein Beispiel sagen. Ein Geistlicher ging einmal des Weges und fand eine Zigeunerin mit einem recht schmutzigen Kinde. Zigeuner — der Weltkrieg hat sie ja auch hinweggefegt —, aber jeder, der sie kennt, der weiß: es waren Leute, welche auf Vieles wenig gaben, und unter diesem Vielen ist vor allen Dingen die Reinlichkeit. Die Kinder der Zigeuner waren mit ganzen Schichten von Schmutz bedeckt. Aber auch vieles andere wird diesen Kindern nicht zuteil außer der Reinlichkeit. Nun, dieser Geistliche war ein guter Mann und er dachte eine gute Tat zu tun, indem er ein so verlorenes Kind gewissermaßen rettete. Er sprach die Zigeunerin an und sagte ihr, er wolle eine kleinere Summe Geldes aussetzen, wenn dieses Zigeunerkind dafür ordentlich erzogen, zu einem ordentlichen Menschen gemacht würde. Es war ein recht guter Vorsatz dieses Geistlichen. Die Zigeunerin, die ja als ein gewöhnliches Almosen selbstverständlich die Gabe gerne hingenommen hätte, antwortete aber darauf etwas sehr Bedeutsames. Und ich möchte Ihnen diese Worte, die die Zigeunerin antwortete, wörtlich sagen. Sie sagte, nein, das wolle sie nicht tun, ihr Kind erziehen oder erziehen lassen, denn ihre Art zu leben mache die Menschen glücklicher als Wissenschaft, Ansehen, gegenseitige Hochschätzung und alle Genüsse, welche die sogenannte Kultur verschafft. So sagte die Zigeunerin. — Diese Sache hat ein Mann, der sie selbst erlebt hat, dem Fercher von Steinwand mitgeteilt. Und in dem schönen, bedeutungsvollen Aufsatz, den Fercher von Steinwand — Sie kennen ihn aus meinem Buche «Vom Menschenrätsel» — über die Zigeuner geschrieben hat, da finden Sie diese Bemerkung darin. Die Bemerkung glaubt jeder, der das Zigeunerleben genau kennt. Ich selber habe die Zigeuner genügend kennengelernt und weiß, daß solches unter den Zigeunern durchaus nicht nur möglich, sondern auch in zahllosen Fällen wirklich ist; sie sind der Ansicht, die diese Zigeunerin ausgesprochen hat, daß alle Kultur, alle Erziehung, alle unter den anderen Menschen vorhandene gegenseitige Hochschätzung der Menschen, und alles, was man überhaupt lernen kann, weniger glücklich mache als das ursprüngliche, elementare Leben, das der Zigeuner eben in seinem Zigeunerdasein führt, wo er ein Naturkind ist. Diese Antwort der Zigeunerin spricht ungeheuer viel aus. Man kann sie zunächst schon als Tatsache hinnehmen; das werden die meisten Menschen tun. Aber man kann nun auch gerade in diesem Ausspruch der Zigeunerin einen solchen Lebenszusammenhang herausfinden, wie die sind, auf welche ich eben hingedeutet habe. Es kann einem nämlich etwas einfallen — und dem Fercher von Steinwand ist es eben eingefallen —, das in sehr merkwürdigem Verhältnis zu diesem Ausspruch der Zigeunerin steht. Denken Sie sich einmal, es wäre ein anderer Mensch, der bekommt von einer gelehrten Körperschaft die Frage vorgelegt, ob die menschliche Kultur die Menschen glücklicher oder unglücklicher mache in ihrer Entwickelung, und dieser Mann hat, wenn auch in einer langen Abhandlung, eine Antwort gegeben, die aber genau dasselbe ist wie die Antwort dieser Zigeunerin an den Geistlichen. Und dieser Mann ist Rousseau, und die Abhandlung, in der Rousseau diese Zigeunerantwort gegeben hat, die ist ja von der Pariser Akademie der Wissenschaften preisgekrönt worden. Denken Sie, welch merkwürdiger Lebenszusammenhang: dasjenige, was seelisch ganz gleich vorhanden ist in dieser Zigeunerin, das führt Rousseau aus in einer Abhandlung, und er ist gerade durch diese Ansicht, der ungeheuer wirkungsvolle Rousseau geworden. Da haben Sie einen merkwürdigen Lebenszusammenhang. Sie finden bei Rousseau eine Gesinnung, eine Anschauung, die ganz gleich ist mit der Anschauung der Zigeunerin; nur just, daß diese Anschauung der Zigeunerin nicht von der Pariser Akademie der Wissenschaften preisgekrönt werden würde. Aber in beiden Fällen haben Sie genau dieselbe Anschauung. Die Zigeunerin hätte auch nicht gerade eine wissenschaftliche Abhandlung geschrieben; aber es ist genau dasselbe.
[ 10 ] Was meine ich für Zusammenhänge? Ich meine ganz reale Zusammenhänge, nur solche Zusammenhänge, die man gewöhnlich nicht sucht. Ich will Ihnen ein Beispiel sagen. Ein Geistlicher ging einmal des Weges und fand eine Zigeunerin mit einem recht schmutzigen Kinde. Zigeuner — der Weltkrieg hat sie ja auch hinweggefegt —, aber jeder, der sie kennt, der weiß: es waren Leute, welche auf Vieles wenig gaben, und unter diesem Vielen ist vor allen Dingen die Reinlichkeit. Die Kinder der Zigeuner waren mit ganzen Schichten von Schmutz bedeckt. Aber auch vieles andere wird diesen Kindern nicht zuteil außer der Reinlichkeit. Nun, dieser Geistliche war ein guter Mann und er dachte eine gute Tat zu tun, indem er ein so verlorenes Kind gewissermaßen rettete. Er sprach die Zigeunerin an und sagte ihr, er wolle eine kleinere Summe Geldes aussetzen, wenn dieses Zigeunerkind dafür ordentlich erzogen, zu einem ordentlichen Menschen gemacht würde. Es war ein recht guter Vorsatz dieses Geistlichen. Die Zigeunerin, die ja als ein gewöhnliches Almosen selbstverständlich die Gabe gerne hingenommen hätte, antwortete aber darauf etwas sehr Bedeutsames. Und ich möchte Ihnen diese Worte, die die Zigeunerin antwortete, wörtlich sagen. Sie sagte, nein, das wolle sie nicht tun, ihr Kind erziehen oder erziehen lassen, denn ihre Art zu leben mache die Menschen glücklicher als Wissenschaft, Ansehen, gegenseitige Hochschätzung und alle Genüsse, welche die sogenannte Kultur verschafft. So sagte die Zigeunerin. — Diese Sache hat ein Mann, der sie selbst erlebt hat, dem Fercher von Steinwand mitgeteilt. Und in dem schönen, bedeutungsvollen Aufsatz, den Fercher von Steinwand — Sie kennen ihn aus meinem Buche «Vom Menschenrätsel» — über die Zigeuner geschrieben hat, da finden Sie diese Bemerkung darin. Die Bemerkung glaubt jeder, der das Zigeunerleben genau kennt. Ich selber habe die Zigeuner genügend kennengelernt und weiß, daß solches unter den Zigeunern durchaus nicht nur möglich, sondern auch in zahllosen Fällen wirklich ist; sie sind der Ansicht, die diese Zigeunerin ausgesprochen hat, daß alle Kultur, alle Erziehung, alle unter den anderen Menschen vorhandene gegenseitige Hochschätzung der Menschen, und alles, was man überhaupt lernen kann, weniger glücklich mache als das ursprüngliche, elementare Leben, das der Zigeuner eben in seinem Zigeunerdasein führt, wo er ein Naturkind ist. Diese Antwort der Zigeunerin spricht ungeheuer viel aus. Man kann sie zunächst schon als Tatsache hinnehmen; das werden die meisten Menschen tun. Aber man kann nun auch gerade in diesem Ausspruch der Zigeunerin einen solchen Lebenszusammenhang herausfinden, wie die sind, auf welche ich eben hingedeutet habe. Es kann einem nämlich etwas einfallen — und dem Fercher von Steinwand ist es eben eingefallen —, das in sehr merkwürdigem Verhältnis zu diesem Ausspruch der Zigeunerin steht. Denken Sie sich einmal, es wäre ein anderer Mensch, der bekommt von einer gelehrten Körperschaft die Frage vorgelegt, ob die menschliche Kultur die Menschen glücklicher oder unglücklicher mache in ihrer Entwickelung, und dieser Mann hat, wenn auch in einer langen Abhandlung, eine Antwort gegeben, die aber genau dasselbe ist wie die Antwort dieser Zigeunerin an den Geistlichen. Und dieser Mann ist Rousseau, und die Abhandlung, in der Rousseau diese Zigeunerantwort gegeben hat, die ist ja von der Pariser Akademie der Wissenschaften preisgekrönt worden. Denken Sie, welch merkwürdiger Lebenszusammenhang: dasjenige, was seelisch ganz gleich vorhanden ist in dieser Zigeunerin, das führt Rousseau aus in einer Abhandlung, und er ist gerade durch diese Ansicht, der ungeheuer wirkungsvolle Rousseau geworden. Da haben Sie einen merkwürdigen Lebenszusammenhang. Sie finden bei Rousseau eine Gesinnung, eine Anschauung, die ganz gleich ist mit der Anschauung der Zigeunerin; nur just, daß diese Anschauung der Zigeunerin nicht von der Pariser Akademie der Wissenschaften preisgekrönt werden würde. Aber in beiden Fällen haben Sie genau dieselbe Anschauung. Die Zigeunerin hätte auch nicht gerade eine wissenschaftliche Abhandlung geschrieben; aber es ist genau dasselbe.
[ 11 ] Sie sehen, es ist etwas, wie es sich sehr häufig im Leben findet, wie man es nur nicht beachtet. Wenn man den Dingen, die man immer nur von einem Gesichtspunkte aus anschaut, nachgehen würde, und sie unter einem anderen Gesichtspunkte aufsuchte, so würde man ganz merkwürdige Berührungspunkte finden, wie hier den Berührungspunkt zwischen Rousseau und der Zigeunerin. Das Leben ist eben ungemein vieldeutig, und nur wenn man sich auf solche Vieldeutigkeit des Lebens einläßt, dann ist man imstande, das Ich in dem Sinne, wie ich es auseinandergesetzt habe, zu bereichern, es immer stärker und stärker zu machen. Denn durch solche Zusammenhänge, die man draußen in der Welt aufsucht, aber im gewöhnlichen Leben nicht findet, wächst gewissermaßen dieses Ich auch als Vorstellung. Das ist sehr wichtig, daß man das beachte. Man wird dann finden, daß man gerade dadurch, daß man solche unter der Oberfläche des Daseins liegenden Zusammenhänge sucht, nicht in sich hineinbrütet, sondern gewissermaßen in die Welt hineinbrütet, nach solchen Zusammenhängen brütet. Man wird dann finden, daß das Vorstellen, das mit dem Ich verknüpft ist, immer reger und reger, immer beweglicher und beweglicher wird, und daß einem viele, viele andere Dinge einfallen, als einem sonst einfallen. Und das ist nun eigentlich erst so recht wichtig. Denn dasjenige, woran wir so leicht kranken, woraus wir so viele Unbefriedigtheit im Leben ziehen, das besteht gerade darin, daß uns bei den Dingen dieser Welt so wenig einfällt, daß wir mit unseren Gedanken gewissermaßen einen engen, engen Kreis ziehen. Kommen wir in die Lage, dasjenige, was uns im Leben erscheint, mit vielem, vielem zu verbinden, weite Fäden zwischen den Ereignissen und Erfahrungen und Erlebnissen zu suchen, dann wird unser Ich stärker, dann fühlt es sich auch zuletzt dem Leben mehr gewachsen, auch als Gedanken-Ich. Daher ist alle Erziehung des Menschen schädlich, die die Menschen nur auf einseitige Gedanken über ein und dasselbe Ding hinweist. Ich will Ihnen ein Beispiel sagen, das, ich möchte sagen, in derselben Region gewachsen ist, wie das eben angegebene.
[ 11 ] Sie sehen, es ist etwas, wie es sich sehr häufig im Leben findet, wie man es nur nicht beachtet. Wenn man den Dingen, die man immer nur von einem Gesichtspunkte aus anschaut, nachgehen würde, und sie unter einem anderen Gesichtspunkte aufsuchte, so würde man ganz merkwürdige Berührungspunkte finden, wie hier den Berührungspunkt zwischen Rousseau und der Zigeunerin. Das Leben ist eben ungemein vieldeutig, und nur wenn man sich auf solche Vieldeutigkeit des Lebens einläßt, dann ist man imstande, das Ich in dem Sinne, wie ich es auseinandergesetzt habe, zu bereichern, es immer stärker und stärker zu machen. Denn durch solche Zusammenhänge, die man draußen in der Welt aufsucht, aber im gewöhnlichen Leben nicht findet, wächst gewissermaßen dieses Ich auch als Vorstellung. Das ist sehr wichtig, daß man das beachte. Man wird dann finden, daß man gerade dadurch, daß man solche unter der Oberfläche des Daseins liegenden Zusammenhänge sucht, nicht in sich hineinbrütet, sondern gewissermaßen in die Welt hineinbrütet, nach solchen Zusammenhängen brütet. Man wird dann finden, daß das Vorstellen, das mit dem Ich verknüpft ist, immer reger und reger, immer beweglicher und beweglicher wird, und daß einem viele, viele andere Dinge einfallen, als einem sonst einfallen. Und das ist nun eigentlich erst so recht wichtig. Denn dasjenige, woran wir so leicht kranken, woraus wir so viele Unbefriedigtheit im Leben ziehen, das besteht gerade darin, daß uns bei den Dingen dieser Welt so wenig einfällt, daß wir mit unseren Gedanken gewissermaßen einen engen, engen Kreis ziehen. Kommen wir in die Lage, dasjenige, was uns im Leben erscheint, mit vielem, vielem zu verbinden, weite Fäden zwischen den Ereignissen und Erfahrungen und Erlebnissen zu suchen, dann wird unser Ich stärker, dann fühlt es sich auch zuletzt dem Leben mehr gewachsen, auch als Gedanken-Ich. Daher ist alle Erziehung des Menschen schädlich, die die Menschen nur auf einseitige Gedanken über ein und dasselbe Ding hinweist. Ich will Ihnen ein Beispiel sagen, das, ich möchte sagen, in derselben Region gewachsen ist, wie das eben angegebene.
[ 12 ] Viele Menschen huldigen einem sogenannten Pantheismus. Dieser Pantheismus besteht — Sie wissen, ich habe öfters diesen Pantheismus zurückgewiesen — im wesentlichen darin, daß die Menschen sagen: Wir suchen überall den Geist. — Geist, Geist, Geist ist alles, und damit befriedigen sie sich. Pantheismus — manche nennen ihn heute auch Panpsychismus, weil sie den Theismus nicht haben wollen —, ich erläutere das gewöhnlich dadurch, daß ich sage: Der Mensch, der das für die Sinneswelt machen würde, der würde nicht besonders weit kommen. Denn wenn er auf eine Wiese geht und sagt: Blume, Blume, Blume, so ist das eben eine Abstraktion für alles. Er will nicht sagen: Lilie, Tulpe und so weiter. Aber das wäre ganz dasselbe, wenn er da nur immer sagen würde: Blume, Blume, Blume, Blume, als wenn man sagen würde: Geist, Geist, Geist, Geist. Aber das finden die Menschen durchaus nötig, immer nur Geist, Geist, Geist zu sagen; und sie weisen es doch ab, wenn man von wirklichen Geistern, von Angeloi, Archangeloi, Archai redet, so wie von einzelnen geistigen Wesenheiten, die ihr bestimmtes, ihr konkretes geistiges Dasein haben, wie man von einzelnen Wesenheiten der Sinneswelt redet. Aber es liegt gewissermaßen etwas im menschlichen Geiste, das dahin zielt, so pantheistisch zu denken, sich alles, alles zu vereinfachen, überall den abstraktesten Gedanken zu suchen. Da ist es interessant, daß wir nun auch ein Zigeunerbeispiel anführen können, welches uns so recht zeigt, wie zigeunerhaft es eigentlich ist, überall diese abstrakten Gedanken zu suchen.
[ 12 ] Viele Menschen huldigen einem sogenannten Pantheismus. Dieser Pantheismus besteht — Sie wissen, ich habe öfters diesen Pantheismus zurückgewiesen — im wesentlichen darin, daß die Menschen sagen: Wir suchen überall den Geist. — Geist, Geist, Geist ist alles, und damit befriedigen sie sich. Pantheismus — manche nennen ihn heute auch Panpsychismus, weil sie den Theismus nicht haben wollen —, ich erläutere das gewöhnlich dadurch, daß ich sage: Der Mensch, der das für die Sinneswelt machen würde, der würde nicht besonders weit kommen. Denn wenn er auf eine Wiese geht und sagt: Blume, Blume, Blume, so ist das eben eine Abstraktion für alles. Er will nicht sagen: Lilie, Tulpe und so weiter. Aber das wäre ganz dasselbe, wenn er da nur immer sagen würde: Blume, Blume, Blume, Blume, als wenn man sagen würde: Geist, Geist, Geist, Geist. Aber das finden die Menschen durchaus nötig, immer nur Geist, Geist, Geist zu sagen; und sie weisen es doch ab, wenn man von wirklichen Geistern, von Angeloi, Archangeloi, Archai redet, so wie von einzelnen geistigen Wesenheiten, die ihr bestimmtes, ihr konkretes geistiges Dasein haben, wie man von einzelnen Wesenheiten der Sinneswelt redet. Aber es liegt gewissermaßen etwas im menschlichen Geiste, das dahin zielt, so pantheistisch zu denken, sich alles, alles zu vereinfachen, überall den abstraktesten Gedanken zu suchen. Da ist es interessant, daß wir nun auch ein Zigeunerbeispiel anführen können, welches uns so recht zeigt, wie zigeunerhaft es eigentlich ist, überall diese abstrakten Gedanken zu suchen.
[ 13 ] Da fand derselbe Herr, der das andere erlebt hat, einen Zigeuner, welcher ein krepiertes Tier, das er auf der Straße oder auf dem Felde gefunden hatte, mit vollem Appetit verzehrte. Das tun nämlich die Zigeuner; sie verzehren krepierte 'Tiere, machen sich nichts daraus, können sie auch gut vertragen. Da wollte ihm der Betreffende klarmachen: Ja, ein krepiertes Tier ißt man doch nicht, man ißt doch nur geschlachtete Tiere. — Jetzt erwies sich der Zigeuner als ein Abstraktling, indem er sagte: Ja, aber das Tier, das ich jetzt esse, das ist von Gott geschlachtet! — Sie sehen, er bekommt einen Gottes-Begriff, den er auf alles anwendet, ganz nach dem Muster der Pantheisten. Selbstverständlich kann man denken wie die Pantheisten; dann denkt man ganz richtig, wenn man denkt: ein krepiertes Tier hat Gott geschlachtet. Wie soll man nicht essen, meinte er, was Gott geschlachtet hat.
[ 13 ] Da fand derselbe Herr, der das andere erlebt hat, einen Zigeuner, welcher ein krepiertes Tier, das er auf der Straße oder auf dem Felde gefunden hatte, mit vollem Appetit verzehrte. Das tun nämlich die Zigeuner; sie verzehren krepierte 'Tiere, machen sich nichts daraus, können sie auch gut vertragen. Da wollte ihm der Betreffende klarmachen: Ja, ein krepiertes Tier ißt man doch nicht, man ißt doch nur geschlachtete Tiere. — Jetzt erwies sich der Zigeuner als ein Abstraktling, indem er sagte: Ja, aber das Tier, das ich jetzt esse, das ist von Gott geschlachtet! — Sie sehen, er bekommt einen Gottes-Begriff, den er auf alles anwendet, ganz nach dem Muster der Pantheisten. Selbstverständlich kann man denken wie die Pantheisten; dann denkt man ganz richtig, wenn man denkt: ein krepiertes Tier hat Gott geschlachtet. Wie soll man nicht essen, meinte er, was Gott geschlachtet hat.
[ 14 ] Weite Zusammenhänge kann man zur Bereicherung des Ich entdecken, und die beleben dann das Ich weiter, insofern es ein GedankenIch ist. Gewiß, es werden sich jetzt manche finden, die werden sagen: Also was wird da verlangt? Kombinationsfähigkeit! Aber das ist sehr abstrakt. Das was ich meine, ist viel lebendiger als die Kombinationsfähigkeit. Gewöhnliche Kombinationsfähigkeit verhält sich wirklich zu dem, was ich meine, wie eine Maschine zu einem Organismus, zu einem lebendigen Wesen.
[ 14 ] Weite Zusammenhänge kann man zur Bereicherung des Ich entdecken, und die beleben dann das Ich weiter, insofern es ein GedankenIch ist. Gewiß, es werden sich jetzt manche finden, die werden sagen: Also was wird da verlangt? Kombinationsfähigkeit! Aber das ist sehr abstrakt. Das was ich meine, ist viel lebendiger als die Kombinationsfähigkeit. Gewöhnliche Kombinationsfähigkeit verhält sich wirklich zu dem, was ich meine, wie eine Maschine zu einem Organismus, zu einem lebendigen Wesen.
[ 15 ] So werden wir dann mehr die Kraft, die jetzt schon in uns lebt von unserer nächsten Inkarnation, gewahr, wenn wir uns so bemühen, voneinander liegende Dinge zu denken, in Beziehung zu setzen, um unser Ich zu bereichern. Wir geben uns eben sehr der Täuschung hin, daß wir unser Ich bereichern, wenn wir, nun, sagen wir, in uns hineinbrüten. Aber da bereichern wir unser Ich gar nicht, wenn wir also nur in uns hineinbrüten, sondern wir bereichern unser Ich, wenn wir uns in die Welt, die unter der Oberfläche des gewöhnlichen Daseins liegt, wie angedeutet, hineinfinden, und wenn wir wirklich dieses Sinnen über das Leben im Gegensatz zu dem bloßen Sinnen, das in einem Hineinbrüten in sich selbst besteht, pflegen. Liebevoll das Leben ergreifen und nicht philiströs Zusammenhänge ablehnen, die keine andere Bedeutung haben, als daß sie eben weit Auseinanderliegendes zusammenfassen, nur um das Ich zu bereichern, das bringt uns Stärke. Versuchen Sie es einmal im allergewöhnlichsten Leben — Sie werden sehen, Gelegenheit dazu gibt Ihnen jede Stunde —, versuchen Sie es im gewöhnlichen Leben, die Dinge, die Sie erleben, in solche geheimnisvolle Anknüpfungen ausklingen zu lassen. Nur muß man selbstverständlich nicht zum Phantasten werden. Zum Phantasten wird man dann, wenn man in solchen geheimnisvollen Zusammenhängen mehr sucht, als sie sind, wenn man durch sie etwas erkennen will. Aber nicht darauf kommt es an, durch sie etwas zu erkennen, sondern sie in sich wirken zu lassen. So daß man wirklich angeben kann, wie man sich in die Kraft einleben kann, die jetzt gedankenmäßig in einem ist, während ihre Wirklichkeit erst unserer nächsten Inkarnation entspricht.
[ 15 ] So werden wir dann mehr die Kraft, die jetzt schon in uns lebt von unserer nächsten Inkarnation, gewahr, wenn wir uns so bemühen, voneinander liegende Dinge zu denken, in Beziehung zu setzen, um unser Ich zu bereichern. Wir geben uns eben sehr der Täuschung hin, daß wir unser Ich bereichern, wenn wir, nun, sagen wir, in uns hineinbrüten. Aber da bereichern wir unser Ich gar nicht, wenn wir also nur in uns hineinbrüten, sondern wir bereichern unser Ich, wenn wir uns in die Welt, die unter der Oberfläche des gewöhnlichen Daseins liegt, wie angedeutet, hineinfinden, und wenn wir wirklich dieses Sinnen über das Leben im Gegensatz zu dem bloßen Sinnen, das in einem Hineinbrüten in sich selbst besteht, pflegen. Liebevoll das Leben ergreifen und nicht philiströs Zusammenhänge ablehnen, die keine andere Bedeutung haben, als daß sie eben weit Auseinanderliegendes zusammenfassen, nur um das Ich zu bereichern, das bringt uns Stärke. Versuchen Sie es einmal im allergewöhnlichsten Leben — Sie werden sehen, Gelegenheit dazu gibt Ihnen jede Stunde —, versuchen Sie es im gewöhnlichen Leben, die Dinge, die Sie erleben, in solche geheimnisvolle Anknüpfungen ausklingen zu lassen. Nur muß man selbstverständlich nicht zum Phantasten werden. Zum Phantasten wird man dann, wenn man in solchen geheimnisvollen Zusammenhängen mehr sucht, als sie sind, wenn man durch sie etwas erkennen will. Aber nicht darauf kommt es an, durch sie etwas zu erkennen, sondern sie in sich wirken zu lassen. So daß man wirklich angeben kann, wie man sich in die Kraft einleben kann, die jetzt gedankenmäßig in einem ist, während ihre Wirklichkeit erst unserer nächsten Inkarnation entspricht.
[ 16 ] So gibt es aber auch eine Möglichkeit, nicht nur das Ich, das die unserem Leben zugrunde liegende Kraft in der nächsten Inkarnation sein wird, nicht nur dieses Ich als Vorstellungs-Ich zu erfassen, sondern es gibt auch eine Möglichkeit, zu erfassen, wie dieses Ich zwischen dem Tod und einer neuen Geburt lebt. Da müssen wir allerdings dann mehr auf das sehen, wie wir uns selbst in das Leben hineinstellen, oder wie sich der Mensch überhaupt in das Leben hineinstellt. Aber die groben Einstellungen auf das Leben, die führen wiederum nicht in jene feine Art des inneren Erlebens, die man braucht, wenn man eine Wahrnehmung haben soll von der Art, wie man ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wie man ist nach dem Tode. Heute suchen ja die Menschen nur auf groben Wegen; aber auf groben Wegen kann man die Dinge nicht finden, die als Dinge in der Geisteswelt, als Wesen in der Geisteswelt gesucht werden. Da muß man sich auf feinere Zusammenhänge einlassen. Sie können sich eigentlich nicht wundern, daß man sich da auf feinere Zusammenhänge einlassen muß, denn schließlich ist das Leben in der geistigen Welt eben doch ein anderes als dasjenige, in dem wir hier in der sinnlichen Welt sind. Deshalb brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn das, was wir denken, fühlen und wollen, nicht unmittelbar anwendbar ist auf die geistige Welt, wenn es da einer Verfeinerung unseres ganzen Lebens bedarf.
[ 16 ] So gibt es aber auch eine Möglichkeit, nicht nur das Ich, das die unserem Leben zugrunde liegende Kraft in der nächsten Inkarnation sein wird, nicht nur dieses Ich als Vorstellungs-Ich zu erfassen, sondern es gibt auch eine Möglichkeit, zu erfassen, wie dieses Ich zwischen dem Tod und einer neuen Geburt lebt. Da müssen wir allerdings dann mehr auf das sehen, wie wir uns selbst in das Leben hineinstellen, oder wie sich der Mensch überhaupt in das Leben hineinstellt. Aber die groben Einstellungen auf das Leben, die führen wiederum nicht in jene feine Art des inneren Erlebens, die man braucht, wenn man eine Wahrnehmung haben soll von der Art, wie man ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wie man ist nach dem Tode. Heute suchen ja die Menschen nur auf groben Wegen; aber auf groben Wegen kann man die Dinge nicht finden, die als Dinge in der Geisteswelt, als Wesen in der Geisteswelt gesucht werden. Da muß man sich auf feinere Zusammenhänge einlassen. Sie können sich eigentlich nicht wundern, daß man sich da auf feinere Zusammenhänge einlassen muß, denn schließlich ist das Leben in der geistigen Welt eben doch ein anderes als dasjenige, in dem wir hier in der sinnlichen Welt sind. Deshalb brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn das, was wir denken, fühlen und wollen, nicht unmittelbar anwendbar ist auf die geistige Welt, wenn es da einer Verfeinerung unseres ganzen Lebens bedarf.
[ 17 ] Nun, für die Pflege des Reichtums des Vorstellungslebens, da ist dieses Zusammensuchen, wie ich es jetzt charakterisiert habe, dasjenige, was uns stärkt; für die Pflege des Ich, wie es lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, überhaupt für die Pflege dieses Drinnenstehens in der Welt, in der wir sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, da ist notwendig, daß man dieses Suchen von Zusammenhängen an den Menschen selbst anknüpft. Da muß man sagen: Es bietet das Leben Geheimnisvolles genug, wenn man dieses Geheimnisvolle nur nicht so nehmen will, daß man etwas Handgreifliches dadurch erhält, sondern, ich möchte sagen, wenn man es unphiliströs, in einer gewissen Zartheit nimmt; dann kommt man schon auf das Rechte. Gewiß, man wird heute, wenn man solche Dinge hinstellt, ich möchte sagen, beim materialistischen Wort genommen. Dadurch kommt man in eine gewisse Verlegenheit, wenn man so beim materialistischen Wort genommen wird. Ich will durch ein Beispiel klarmachen, was ich meine.
[ 17 ] Nun, für die Pflege des Reichtums des Vorstellungslebens, da ist dieses Zusammensuchen, wie ich es jetzt charakterisiert habe, dasjenige, was uns stärkt; für die Pflege des Ich, wie es lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, überhaupt für die Pflege dieses Drinnenstehens in der Welt, in der wir sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, da ist notwendig, daß man dieses Suchen von Zusammenhängen an den Menschen selbst anknüpft. Da muß man sagen: Es bietet das Leben Geheimnisvolles genug, wenn man dieses Geheimnisvolle nur nicht so nehmen will, daß man etwas Handgreifliches dadurch erhält, sondern, ich möchte sagen, wenn man es unphiliströs, in einer gewissen Zartheit nimmt; dann kommt man schon auf das Rechte. Gewiß, man wird heute, wenn man solche Dinge hinstellt, ich möchte sagen, beim materialistischen Wort genommen. Dadurch kommt man in eine gewisse Verlegenheit, wenn man so beim materialistischen Wort genommen wird. Ich will durch ein Beispiel klarmachen, was ich meine.
[ 18 ] Besonders charakteristisch kann sich dasjenige, was ich jetzt sagen will, an Menschen ergeben, welche in ihrer ganzen Charakteranlage dasjenige haben, was ich nennen möchte eine Art traumhaftes Seelenleben, nicht, daß sie vollständige Träumer sind, aber sie haben eine Art traumhaftes Seelenleben. Daher wird man das, was ich meine, ganz besonders stark ausgebildet finden bei Menschen, die mehr gegen den Osten hin leben. Je weiter man nach Westen geht, desto weniger leben sich durch die Menschen diejenigen Zusammenhänge aus, welche auf dieses geheimnisvolle geistige Reich, das ich meine, deuten. Deshalb wird auch der Westen Europas zum Beispiel, der mehr angewiesen ist auf grobe Zusammenhänge, die Seeleneigentümlichkeit des russischen Volkes so außerordentlich schwer verstehen, trotzdem in der Gegenwart auch dieses Verständnis ganz besonders notwendig wäre. Ich möchte sagen, das russische Volk ist heute noch um eine Nuance weniger wach als die westeuropäischen und sogar die mitteleuropäischen Völker. Daher knüpfen sich diejenigen Dinge, von denen wir jetzt sprechen, leichter an das Seelenleben eines russischen als an das Seelenleben eines westeuropäischen Menschen. Sie knüpfen sich schon auch an das Seelenleben eines westeuropäischen Menschen, aber sie sind eben nicht so auffällig, sie fallen einem nicht so auf, möchte ich sagen. Da hat ein deutscher Schriftsteller, Eduard Bernstein, eine ganz interessante Darstellung gegeben, die ich als Beispiel geben möchte. Er würde mir gewiß ganz übelnehmen, wenn ich das, was er erzählt, was er erlebt, für mystisch nähme. Aber deshalb ist das, was ich anführen will, doch ein gutes Beispiel für einen Lebenszusammenhang, der für den materialistisch denkenden Menschen nichts weiter ist als ein gewöhnlicher Zufall. Da erzählt der Betreffende, daß er in London viel verkehrt hat in dem Hause von Engels, des Freundes von Marx. Das Haus von Engels war ein sehr gastfreundliches, wo viele Menschen viel verkehrt haben, wo sich eine internationale Gesellschaft zusammenfand. Und da lernte Eduard Bernstein unter den Menschen, die dort verkehrten, auch den Sergius Kratschinsky kennen, der als Schriftsteller den Namen Stepniak geführt hat. Er ist ja unter diesem Namen sehr bekannt. Nun, er beschreibt ihn außerordentlich interessant, diesen Stepniak, und zunächst das äußere Leben dieses Stepniak:
[ 18 ] Besonders charakteristisch kann sich dasjenige, was ich jetzt sagen will, an Menschen ergeben, welche in ihrer ganzen Charakteranlage dasjenige haben, was ich nennen möchte eine Art traumhaftes Seelenleben, nicht, daß sie vollständige Träumer sind, aber sie haben eine Art traumhaftes Seelenleben. Daher wird man das, was ich meine, ganz besonders stark ausgebildet finden bei Menschen, die mehr gegen den Osten hin leben. Je weiter man nach Westen geht, desto weniger leben sich durch die Menschen diejenigen Zusammenhänge aus, welche auf dieses geheimnisvolle geistige Reich, das ich meine, deuten. Deshalb wird auch der Westen Europas zum Beispiel, der mehr angewiesen ist auf grobe Zusammenhänge, die Seeleneigentümlichkeit des russischen Volkes so außerordentlich schwer verstehen, trotzdem in der Gegenwart auch dieses Verständnis ganz besonders notwendig wäre. Ich möchte sagen, das russische Volk ist heute noch um eine Nuance weniger wach als die westeuropäischen und sogar die mitteleuropäischen Völker. Daher knüpfen sich diejenigen Dinge, von denen wir jetzt sprechen, leichter an das Seelenleben eines russischen als an das Seelenleben eines westeuropäischen Menschen. Sie knüpfen sich schon auch an das Seelenleben eines westeuropäischen Menschen, aber sie sind eben nicht so auffällig, sie fallen einem nicht so auf, möchte ich sagen. Da hat ein deutscher Schriftsteller, Eduard Bernstein, eine ganz interessante Darstellung gegeben, die ich als Beispiel geben möchte. Er würde mir gewiß ganz übelnehmen, wenn ich das, was er erzählt, was er erlebt, für mystisch nähme. Aber deshalb ist das, was ich anführen will, doch ein gutes Beispiel für einen Lebenszusammenhang, der für den materialistisch denkenden Menschen nichts weiter ist als ein gewöhnlicher Zufall. Da erzählt der Betreffende, daß er in London viel verkehrt hat in dem Hause von Engels, des Freundes von Marx. Das Haus von Engels war ein sehr gastfreundliches, wo viele Menschen viel verkehrt haben, wo sich eine internationale Gesellschaft zusammenfand. Und da lernte Eduard Bernstein unter den Menschen, die dort verkehrten, auch den Sergius Kratschinsky kennen, der als Schriftsteller den Namen Stepniak geführt hat. Er ist ja unter diesem Namen sehr bekannt. Nun, er beschreibt ihn außerordentlich interessant, diesen Stepniak, und zunächst das äußere Leben dieses Stepniak:
[ 19 ] «Ein kräftig gebauter Mann mit einem machtvollen Kopf entsprach er in seinem Wesen ganz dem Bild, das man sich bei uns vom Slawen macht. Er, der in Rußland Mann der Aktion und an der Befreiung Peter Krapotkins aus dem Gefängnis, sowie an dem geglückten Attentat auf den Petersburger Polizeidiktator Mesenzow, hervorragend beteiligt gewesen, war stark träumerisch veranlagt und sehr gefühlsweich. Er war die Seele der in England gegründeten Vereinigung Free Russia, die sich die Sammlung von Unterstützungsgeldern für russische Freiheitskämpfer zur Aufgabe gesetzt hatte. Für sie hat Stepniak wiederholt Vortragsreisen in England sowie auch eine Rundreise in Amerika gemacht, bei der ihm insbesondere der amerikanische Humorist Mark Twain sehr freundschaftlich entgegenkam. In bestimmten literarischen Kreisen Englands nahm Stepniak, der sich auch als Romanschriftsteller mit Erfolg betätigt hatte, eine geachtete Stellung ein.»
[ 19 ] «Ein kräftig gebauter Mann mit einem machtvollen Kopf entsprach er in seinem Wesen ganz dem Bild, das man sich bei uns vom Slawen macht. Er, der in Rußland Mann der Aktion und an der Befreiung Peter Krapotkins aus dem Gefängnis, sowie an dem geglückten Attentat auf den Petersburger Polizeidiktator Mesenzow, hervorragend beteiligt gewesen, war stark träumerisch veranlagt und sehr gefühlsweich. Er war die Seele der in England gegründeten Vereinigung Free Russia, die sich die Sammlung von Unterstützungsgeldern für russische Freiheitskämpfer zur Aufgabe gesetzt hatte. Für sie hat Stepniak wiederholt Vortragsreisen in England sowie auch eine Rundreise in Amerika gemacht, bei der ihm insbesondere der amerikanische Humorist Mark Twain sehr freundschaftlich entgegenkam. In bestimmten literarischen Kreisen Englands nahm Stepniak, der sich auch als Romanschriftsteller mit Erfolg betätigt hatte, eine geachtete Stellung ein.»
[ 20 ] «An der Engelsschen Tafel wie überhaupt in Gesellschaft war er gewöhnlich ein stiller Gast, der fast nur sprach, wenn man sich unmittelbar an ihn wandte. Aber man merkte ihm doch an, daß er gern zu Engels kam und auf die Freundschaft mit ihm großen Wert legte. Auch zwischen ihm und mir» — also das meinte Eduard Bernstein von sich und Stepniak — «entwickelte sich ein recht freundschaftliches Verhältnis.»
[ 20 ] «An der Engelsschen Tafel wie überhaupt in Gesellschaft war er gewöhnlich ein stiller Gast, der fast nur sprach, wenn man sich unmittelbar an ihn wandte. Aber man merkte ihm doch an, daß er gern zu Engels kam und auf die Freundschaft mit ihm großen Wert legte. Auch zwischen ihm und mir» — also das meinte Eduard Bernstein von sich und Stepniak — «entwickelte sich ein recht freundschaftliches Verhältnis.»
[ 21 ] Nun gab es einmal in der Gesellschaft, wo Bernstein und auch Stepniak waren, einen Streit, wie es solch einen Streit bei Menschen, die sich mit gewissen Emotionen für das große Leben interessieren, leicht geben kann. Man stritt sich über eine Frage, die das Verhältnis der Russen zu den Polen betraf. Man könnte vielleicht darauf wetten in einem solchen Falle, daß der normale Mitteleuropäer sich selbstverständlich zu den Polen hält. Und da gab es denn einen ganz derben Streit. Bernstein und andere waren auf der Seite der Polen, Stepniak nahm die Russen gegen die Polen in Schutz. Es gab einen derben Streit, der dazu führte, daß Stepniak nicht mehr in der Gesellschaft erschien. Durch Jahre hindurch hörte Bernstein nichts von Stepniak. Er, Stepniak, war ganz auseinandergekommen mit den Leuten, mit denen er sonst in der Gesellschaft zusammengewesen war. Eines Tages bekam nach langer Zeit der Bernstein einen Brief, worinnen ihm ein ganz anderer, der nicht zu der Gesellschaft gehörte, schrieb, ob er nicht an einem Abend der nächsten Tage zu ihm kommen möchte; aber er wisse, daß er mit Stepniak nicht gut stünde, daß sie vor längerer Zeit einmal eine Differenz gehabt hätten, und er möge nur kommen, wenn er sich nicht scheute, den Stepniak da zu treffen. Bernstein fand das nicht nur nicht hindernd, sondern er fand es sogar sehr schön, daß er Stepniak treffen könne, und so fanden sie sich dort zusammen. Nun, man könnte ja natürlich zunächst nichts Besonderes darin finden, daß zwei Leute, die sich ganz gern gesehen haben, längere Zeit auseinandergekommen sind, sich nach Jahren wiederfinden, man könnte nichts weiter als einen bloßen Zufall darin finden. Selbstverständlich, das materialistische Denken wird darin einen bloßen Zufall suchen. Nun, so wie der Bernstein die Sache schildert, muß man sagen, daß wirklich das Wiedertreffen an diesem Abend schon zeigt, daß insbesondere dem Stepniak die Sache außerordentlich wichtig war. Die Schilderung der Stimmung ergibt das, daß es Stepniak doch wichtig war, daß er an jenem Abend mit dem Bernstein noch zusammentraf. Sie waren sehr heiter, sehr froh. Und am übernächsten Tage, nachdem Stepniak am vorigen Abend gesagt hatte, nun sei er sehr froh, daß sie sich wiederum gefunden haben, er hoffe vieles mit ihm zusammen zu haben — am übernächsten Tage las der Bernstein in der Zeitung, daß Stepniak tot war. Er ging in einem Buche oder in der Zeitung lesend auf der Straße, ging über eine Eisenbahn, der Zug überfuhr ihn. Es war alles so klar, daß es sich um keinen Selbstmord handeln konnte, und daß man nur an ein Unglück denken konnte. Wiederum ein Zufall. Aber diese Dinge hören auf, sehen Sie, ein bloßer Zufall zu sein. Ich wähle eben ein eklatantes Beispiel, wie man sie im Leben suchen soll, für die nicht ganz offenbaren, die etwas verborgenen Zusammenhänge, in die die Menschen mit ihrem Seelenleben verstrickt sind. Diese Dinge hören auf, ein bloßer Zufall zu sein, wenn man in Erwägung zieht, daß eigentlich unser feineres Seelenleben, das vorzugsweise in Vorstellungen, in etwas gefühlsgefärbten Vorstellungen verläuft, dann, wenn es etwas träumerisch ist, in ganz eminentestem Maße nach der Zukunft hinweist, prophetisch ist. Es ist eigentlich jeder Traum prophetisch. Wenn Sie träumen, träumen Sie eigentlich immer Zukunft, nur können Sie sich über die Zukunft nicht Vorstellungen bilden, und daher tauchen Sie das, was Sie eigentlich über die Zukunft träumen, in die Vorstellungen der Vergangenheit. Die ziehen Sie wie ein Kleid über dasjenige darüber, was eigentlich in Ihrer Seele erlebt wird. Weil das Zukünftige mit dem Vergangenen im Zusammenhang steht, weil da Karma wirkt, ist ein tieferer Zusammenhang zwischen dem, was man für die Zukunft träumt, und dem Kleide, das man anzieht, wenn man sich des Traumes bewußt wird. Das, was man weiß, man kleidet es in Bilder der Vergangenheit, in Bilder, die einem schon bekannt sind. Man träumt ja immer vom Einschlafen bis zum Aufwachen, nur weiß man es nicht; man weiß nur das wenigste. Ist man nun im Leben träumerisch, dann wirkt dieses Träumerische, und wirkt in das Karma hinein. Daher wird derjenige, welcher solch einen geheimnisvollen Zusammenhang, wie ich ihn vorgeführt habe, richtig versteht, ich möchte sagen, Karma mit Händen ergreifen können. Gewiß, wäre der Stepniak nicht dieser gefühlsweiche und zugleich träumerische Mensch gewesen, so würde der Zusammenhang zwischen seinem bewußten Leben und der geheimnisvollen Karmaströmung nicht so stark gewirkt haben, daß noch am allerletzten Abend, sozusagen in den letzten Stunden, diese Wirkung, das Zusammentreffen, das ich Ihnen geschildert habe, herbeigeführt hat. Aber je mehr das abstrakte, das alltägliche Vorstellen heruntergeträumt wird, desto mehr Anziehungskräfte besitzt der Mensch dafür, karmische Zusammenhänge herbeizuführen. Ich hoffe, daß Sie diesen feinen Zusammenhang richtig verstehen. Man kann auch im Leben für Dinge, die einem begegnen, unaufmerksam sein. Wäre man aufmerksam gewesen, so hätte man vielleicht unter dem betreffenden Eindruck diese oder jene Handlung vollzogen. Hier liegt das vor, daß der Betreffende, der mehr träumerisch war, nicht im vollen Bewußtsein, aber in diesem träumerischen Bewußtsein, dazu gebracht wird, die Gelegenheit herbeizuziehen, die ihn, bevor er durch die Pforte des Todes geht, noch einmal mit dem anderen zusammenbringt.
[ 21 ] Nun gab es einmal in der Gesellschaft, wo Bernstein und auch Stepniak waren, einen Streit, wie es solch einen Streit bei Menschen, die sich mit gewissen Emotionen für das große Leben interessieren, leicht geben kann. Man stritt sich über eine Frage, die das Verhältnis der Russen zu den Polen betraf. Man könnte vielleicht darauf wetten in einem solchen Falle, daß der normale Mitteleuropäer sich selbstverständlich zu den Polen hält. Und da gab es denn einen ganz derben Streit. Bernstein und andere waren auf der Seite der Polen, Stepniak nahm die Russen gegen die Polen in Schutz. Es gab einen derben Streit, der dazu führte, daß Stepniak nicht mehr in der Gesellschaft erschien. Durch Jahre hindurch hörte Bernstein nichts von Stepniak. Er, Stepniak, war ganz auseinandergekommen mit den Leuten, mit denen er sonst in der Gesellschaft zusammengewesen war. Eines Tages bekam nach langer Zeit der Bernstein einen Brief, worinnen ihm ein ganz anderer, der nicht zu der Gesellschaft gehörte, schrieb, ob er nicht an einem Abend der nächsten Tage zu ihm kommen möchte; aber er wisse, daß er mit Stepniak nicht gut stünde, daß sie vor längerer Zeit einmal eine Differenz gehabt hätten, und er möge nur kommen, wenn er sich nicht scheute, den Stepniak da zu treffen. Bernstein fand das nicht nur nicht hindernd, sondern er fand es sogar sehr schön, daß er Stepniak treffen könne, und so fanden sie sich dort zusammen. Nun, man könnte ja natürlich zunächst nichts Besonderes darin finden, daß zwei Leute, die sich ganz gern gesehen haben, längere Zeit auseinandergekommen sind, sich nach Jahren wiederfinden, man könnte nichts weiter als einen bloßen Zufall darin finden. Selbstverständlich, das materialistische Denken wird darin einen bloßen Zufall suchen. Nun, so wie der Bernstein die Sache schildert, muß man sagen, daß wirklich das Wiedertreffen an diesem Abend schon zeigt, daß insbesondere dem Stepniak die Sache außerordentlich wichtig war. Die Schilderung der Stimmung ergibt das, daß es Stepniak doch wichtig war, daß er an jenem Abend mit dem Bernstein noch zusammentraf. Sie waren sehr heiter, sehr froh. Und am übernächsten Tage, nachdem Stepniak am vorigen Abend gesagt hatte, nun sei er sehr froh, daß sie sich wiederum gefunden haben, er hoffe vieles mit ihm zusammen zu haben — am übernächsten Tage las der Bernstein in der Zeitung, daß Stepniak tot war. Er ging in einem Buche oder in der Zeitung lesend auf der Straße, ging über eine Eisenbahn, der Zug überfuhr ihn. Es war alles so klar, daß es sich um keinen Selbstmord handeln konnte, und daß man nur an ein Unglück denken konnte. Wiederum ein Zufall. Aber diese Dinge hören auf, sehen Sie, ein bloßer Zufall zu sein. Ich wähle eben ein eklatantes Beispiel, wie man sie im Leben suchen soll, für die nicht ganz offenbaren, die etwas verborgenen Zusammenhänge, in die die Menschen mit ihrem Seelenleben verstrickt sind. Diese Dinge hören auf, ein bloßer Zufall zu sein, wenn man in Erwägung zieht, daß eigentlich unser feineres Seelenleben, das vorzugsweise in Vorstellungen, in etwas gefühlsgefärbten Vorstellungen verläuft, dann, wenn es etwas träumerisch ist, in ganz eminentestem Maße nach der Zukunft hinweist, prophetisch ist. Es ist eigentlich jeder Traum prophetisch. Wenn Sie träumen, träumen Sie eigentlich immer Zukunft, nur können Sie sich über die Zukunft nicht Vorstellungen bilden, und daher tauchen Sie das, was Sie eigentlich über die Zukunft träumen, in die Vorstellungen der Vergangenheit. Die ziehen Sie wie ein Kleid über dasjenige darüber, was eigentlich in Ihrer Seele erlebt wird. Weil das Zukünftige mit dem Vergangenen im Zusammenhang steht, weil da Karma wirkt, ist ein tieferer Zusammenhang zwischen dem, was man für die Zukunft träumt, und dem Kleide, das man anzieht, wenn man sich des Traumes bewußt wird. Das, was man weiß, man kleidet es in Bilder der Vergangenheit, in Bilder, die einem schon bekannt sind. Man träumt ja immer vom Einschlafen bis zum Aufwachen, nur weiß man es nicht; man weiß nur das wenigste. Ist man nun im Leben träumerisch, dann wirkt dieses Träumerische, und wirkt in das Karma hinein. Daher wird derjenige, welcher solch einen geheimnisvollen Zusammenhang, wie ich ihn vorgeführt habe, richtig versteht, ich möchte sagen, Karma mit Händen ergreifen können. Gewiß, wäre der Stepniak nicht dieser gefühlsweiche und zugleich träumerische Mensch gewesen, so würde der Zusammenhang zwischen seinem bewußten Leben und der geheimnisvollen Karmaströmung nicht so stark gewirkt haben, daß noch am allerletzten Abend, sozusagen in den letzten Stunden, diese Wirkung, das Zusammentreffen, das ich Ihnen geschildert habe, herbeigeführt hat. Aber je mehr das abstrakte, das alltägliche Vorstellen heruntergeträumt wird, desto mehr Anziehungskräfte besitzt der Mensch dafür, karmische Zusammenhänge herbeizuführen. Ich hoffe, daß Sie diesen feinen Zusammenhang richtig verstehen. Man kann auch im Leben für Dinge, die einem begegnen, unaufmerksam sein. Wäre man aufmerksam gewesen, so hätte man vielleicht unter dem betreffenden Eindruck diese oder jene Handlung vollzogen. Hier liegt das vor, daß der Betreffende, der mehr träumerisch war, nicht im vollen Bewußtsein, aber in diesem träumerischen Bewußtsein, dazu gebracht wird, die Gelegenheit herbeizuziehen, die ihn, bevor er durch die Pforte des Todes geht, noch einmal mit dem anderen zusammenbringt.
[ 22 ] Solche feineren Zusammenhänge im Leben, die man auch nicht als etwas anderes nehmen muß, als das, was sie sein sollen: Bereicherung unseres Innenlebens, die sollten an dem, der sein Innenleben bereichern will, als eine Perspektive auf das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, nicht vorübergehen. Man sollte wirklich auch diese, das Menschenleben selbst in weitere Netze aufnehmenden, unter der Oberfläche des Lebens liegenden Fäden, aufsuchen. Gewiß, es darf einen niemand sozusagen an der materialistischen Hand nehmen und sagen: Also behauptest du, daß der Stepniak diese Zusammenkunft mit Bernstein am Abend durch anziehende Kräfte seiner Seele herbeigezogen hat. Ja, wenn man so materialistisch an der Hand genommen wird, als ob man etwas hätte sagen wollen von einen materialistisch-naturwissenschaftlichen Beweis, dann ist das nichts. Denn so grob liegen die Dinge nicht. Die Dinge liegen eben viel feiner. Es muß jemand gar nicht auf den Gedanken kommen, einen gewissermaßen materialistisch auf diese Dinge festnageln zu wollen, sondern er muß zufrieden sein, daß man oder daß einer sich ergeht in der Schilderung solcher Zusammenhänge; er muß gar nicht das Bedürfnis haben, sie so grob anzufassen, wie die Dinge des gewöhnlichen materiellen Lebens. Wenn man sich einläßt, das Leben auf solche feineren Zusammenhänge hin so zu betrachten, dann wird wiederum die Seele bereichert. Im Grunde sind alle Zusammenhänge, die die Geisteswissenschaft gibt, solche feinere Zusammenhänge. Daher wird das Leben auch bereichert durch diese Zusammenhänge; wenn dieses Leben nicht gerade in dem Körper des Max Dessoir ist.
[ 22 ] Solche feineren Zusammenhänge im Leben, die man auch nicht als etwas anderes nehmen muß, als das, was sie sein sollen: Bereicherung unseres Innenlebens, die sollten an dem, der sein Innenleben bereichern will, als eine Perspektive auf das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, nicht vorübergehen. Man sollte wirklich auch diese, das Menschenleben selbst in weitere Netze aufnehmenden, unter der Oberfläche des Lebens liegenden Fäden, aufsuchen. Gewiß, es darf einen niemand sozusagen an der materialistischen Hand nehmen und sagen: Also behauptest du, daß der Stepniak diese Zusammenkunft mit Bernstein am Abend durch anziehende Kräfte seiner Seele herbeigezogen hat. Ja, wenn man so materialistisch an der Hand genommen wird, als ob man etwas hätte sagen wollen von einen materialistisch-naturwissenschaftlichen Beweis, dann ist das nichts. Denn so grob liegen die Dinge nicht. Die Dinge liegen eben viel feiner. Es muß jemand gar nicht auf den Gedanken kommen, einen gewissermaßen materialistisch auf diese Dinge festnageln zu wollen, sondern er muß zufrieden sein, daß man oder daß einer sich ergeht in der Schilderung solcher Zusammenhänge; er muß gar nicht das Bedürfnis haben, sie so grob anzufassen, wie die Dinge des gewöhnlichen materiellen Lebens. Wenn man sich einläßt, das Leben auf solche feineren Zusammenhänge hin so zu betrachten, dann wird wiederum die Seele bereichert. Im Grunde sind alle Zusammenhänge, die die Geisteswissenschaft gibt, solche feinere Zusammenhänge. Daher wird das Leben auch bereichert durch diese Zusammenhänge; wenn dieses Leben nicht gerade in dem Körper des Max Dessoir ist.
[ 23 ] Also Zusammenhänge, die mehr vom Menschen absehen, wie ich sie vorhin charakterisiert habe, die bereichern das Ich, das wir jetzt in uns tragen, aber eigentlich nur als eine Keimanlage für die nächste Inkarnation, so daß wir in bezug auf dieses Schatten-Ich größere Stärke haben. Zusammenhänge von der Art, daß wir vom Menschen nicht absehen, sondern Menschen hineinstellen, die bereichern das Leben in der Weise, daß sie die Seele reicher machen in dem Erfühlen, Erwahrnehmen jener Region, die wir durchgehen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Es ist höchst merkwürdig, daß man eigentlich manches bei Menschen, die darauf veranlagt sind, solche Zusammenhänge zu suchen, gar nicht richtig versteht, wenn man die Dinge, ich möchte sagen, materialistisch anfassen will. Goethes Stil zum Beispiel, der an sehr vielen außerordentlich wichtigen Stellen seiner Werke so zu nehmen ist, daß Goethe an diesen Stellen eigentlich niemals materialistisch festgenagelt sein will, der kann nur richtig verstanden werden, wenn man ihn so nimmt, daß Goethe sich niemals anders aussprechen will, als über etwas, was gewissermaßen unter der Oberfläche des Lebens liegt; an bestimmten Stellen seiner Werke natürlich.
[ 23 ] Also Zusammenhänge, die mehr vom Menschen absehen, wie ich sie vorhin charakterisiert habe, die bereichern das Ich, das wir jetzt in uns tragen, aber eigentlich nur als eine Keimanlage für die nächste Inkarnation, so daß wir in bezug auf dieses Schatten-Ich größere Stärke haben. Zusammenhänge von der Art, daß wir vom Menschen nicht absehen, sondern Menschen hineinstellen, die bereichern das Leben in der Weise, daß sie die Seele reicher machen in dem Erfühlen, Erwahrnehmen jener Region, die wir durchgehen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Es ist höchst merkwürdig, daß man eigentlich manches bei Menschen, die darauf veranlagt sind, solche Zusammenhänge zu suchen, gar nicht richtig versteht, wenn man die Dinge, ich möchte sagen, materialistisch anfassen will. Goethes Stil zum Beispiel, der an sehr vielen außerordentlich wichtigen Stellen seiner Werke so zu nehmen ist, daß Goethe an diesen Stellen eigentlich niemals materialistisch festgenagelt sein will, der kann nur richtig verstanden werden, wenn man ihn so nimmt, daß Goethe sich niemals anders aussprechen will, als über etwas, was gewissermaßen unter der Oberfläche des Lebens liegt; an bestimmten Stellen seiner Werke natürlich.
[ 24 ] Sie sehen, man irrt, wenn man auf grobe Weise glaubt — und zum Beispiel Waldo Trines Weise ist grob —, durch Hineinarbeiten in sich jene Bereicherung des Ich zu finden, welche eine stark machende Selbsterkenntnis ist. Man muß versuchen gerade loszukommen von sich, um sich stärker zu machen. Daher sind diejenigen im Grunde schlechte Führer zur Selbsterkenntnis, die einen auf sich verweisen, die einen nicht wegweisen von sich selber, die einen nicht mit der Welt und ihren nicht auf der flachen Hand liegenden Zusammenhänge zusammenbringen.
[ 24 ] Sie sehen, man irrt, wenn man auf grobe Weise glaubt — und zum Beispiel Waldo Trines Weise ist grob —, durch Hineinarbeiten in sich jene Bereicherung des Ich zu finden, welche eine stark machende Selbsterkenntnis ist. Man muß versuchen gerade loszukommen von sich, um sich stärker zu machen. Daher sind diejenigen im Grunde schlechte Führer zur Selbsterkenntnis, die einen auf sich verweisen, die einen nicht wegweisen von sich selber, die einen nicht mit der Welt und ihren nicht auf der flachen Hand liegenden Zusammenhänge zusammenbringen.
[ 25 ] Wie man sich solchen Irrtümern und Klippen und Klüften hingeben kann mit Bezug auf das vorstellende Ich, so kann man sich, ich möchte sagen, auch hingeben mit Bezug auf das wollende Ich. Das Wollen, das beachten wir eigentlich im gewöhnlichen Leben ebensowenig richtig — das wollende Ich, meine ich —, wie das denkende Ich. Sie können das schon daraus entnehmen, daß Leute, wie der von mir vor einiger Zeit angeführte Theodor Ziehen, auf das Wollen überhaupt nicht kommen. Sie finden im gegenwärtigen Menschen wiederum das Wollen nicht und sie haben, wie ich in öffentlichen Vorträgen jetzt an vielen Orten ausgeführt habe, damit nicht unrecht. Franz Brentano schaltet sogar das Wollen ganz aus von den Seelenkräften, unterscheidet nur Vorstellen, Urteilen und die Gefühlsphänomene des Liebens und des Hassens, so daß er das Wollen gar nicht in der Seele eigentlich anschaut. Er schaltet es auch als Psychologe aus. Und daran ist das richtig, daß, wenn man wiederum den Menschen, wie er in der gegenwärtigen Inkarnation ist, auf sein Wollen hin prüft, man das Wollen gar nicht findet. Man findet von dem Wollen im gegenwärtigen Menschen bloß, daß es einen befriedigt oder unbefriedigt läßt, daß es einem Freude macht, Trauer macht und dergleichen. Man findet sozusagen wirklich von dem Wollen nur den Gefühls-, den Gemütseindruck, aber das Wollen selber, es bleibt im Geheimnisvollen. Sie wissen nicht einmal, warum Sie eine Hand erheben; Sie wissen, warum, welches Gefühl Sie dazu verleitet hat, welche Vorstellung, aber wie Sie es machen, was eigentlich als Wille wirkt: Sie können es nicht im gegenwärtigen Menschen finden. Warum? Weil es nicht im gegenwärtigen Menschen drinnen ist. Das wollende Ich ist gar nicht im gegenwärtigen Menschen drinnen, sondern es ist das Ergebnis der vorigen Inkarnation. Was in der vorigen Inkarnation war, das lebt sich jetzt aus als Wille, der aus dem Ich herausfließt. Sage ich «Ich bin», so lebe ich in diesem Gedanken «Ich bin» in dem Keim der nächsten Inkarnation. Sage ich: «Ich will», dann lebe ich in dem, was herauswirkt aus der vorhergehenden Inkarnation in die gegenwärtige hinein.
[ 25 ] Wie man sich solchen Irrtümern und Klippen und Klüften hingeben kann mit Bezug auf das vorstellende Ich, so kann man sich, ich möchte sagen, auch hingeben mit Bezug auf das wollende Ich. Das Wollen, das beachten wir eigentlich im gewöhnlichen Leben ebensowenig richtig — das wollende Ich, meine ich —, wie das denkende Ich. Sie können das schon daraus entnehmen, daß Leute, wie der von mir vor einiger Zeit angeführte Theodor Ziehen, auf das Wollen überhaupt nicht kommen. Sie finden im gegenwärtigen Menschen wiederum das Wollen nicht und sie haben, wie ich in öffentlichen Vorträgen jetzt an vielen Orten ausgeführt habe, damit nicht unrecht. Franz Brentano schaltet sogar das Wollen ganz aus von den Seelenkräften, unterscheidet nur Vorstellen, Urteilen und die Gefühlsphänomene des Liebens und des Hassens, so daß er das Wollen gar nicht in der Seele eigentlich anschaut. Er schaltet es auch als Psychologe aus. Und daran ist das richtig, daß, wenn man wiederum den Menschen, wie er in der gegenwärtigen Inkarnation ist, auf sein Wollen hin prüft, man das Wollen gar nicht findet. Man findet von dem Wollen im gegenwärtigen Menschen bloß, daß es einen befriedigt oder unbefriedigt läßt, daß es einem Freude macht, Trauer macht und dergleichen. Man findet sozusagen wirklich von dem Wollen nur den Gefühls-, den Gemütseindruck, aber das Wollen selber, es bleibt im Geheimnisvollen. Sie wissen nicht einmal, warum Sie eine Hand erheben; Sie wissen, warum, welches Gefühl Sie dazu verleitet hat, welche Vorstellung, aber wie Sie es machen, was eigentlich als Wille wirkt: Sie können es nicht im gegenwärtigen Menschen finden. Warum? Weil es nicht im gegenwärtigen Menschen drinnen ist. Das wollende Ich ist gar nicht im gegenwärtigen Menschen drinnen, sondern es ist das Ergebnis der vorigen Inkarnation. Was in der vorigen Inkarnation war, das lebt sich jetzt aus als Wille, der aus dem Ich herausfließt. Sage ich «Ich bin», so lebe ich in diesem Gedanken «Ich bin» in dem Keim der nächsten Inkarnation. Sage ich: «Ich will», dann lebe ich in dem, was herauswirkt aus der vorhergehenden Inkarnation in die gegenwärtige hinein.
[ 26 ] Das ist außerordentlich interessant, weil es begreiflich erscheinen läßt, daß hier leicht Lebensenttäuschungen liegen können. Das Befriedigtsein oder Nicht-Befriedigtsein, das hängt ab von der Gegenwart, das liegt an dem gegenwärtigen Menschen, aber der Wille führt hinein aus dem Menschen der vorigen Inkarnation. Jedesmal, wenn ich irgend etwas vollführe, was mit den Worten ausgedrückt wird: ich will das oder jenes —, fährt der Wille aus der vorigen Inkarnation in meinen gegenwärtigen Gemütszustand hinein. Denken Sie, was das für ein geheimnisvoller Zusammenhang ist. Aber der Mensch im gewöhnlichen Leben wirft das alles durcheinander. Er glaubt: dieses Ich, das ist so irgendein geheimnisvolles Substantielles in seinem Innern, und einmal sagt es: «Ich denke», einmal «Ich war», einmal «Ich bin», einmal «Ich will». So ist es aber nicht; sondern wenn ich sage: «Ich bin», so entwickele ich eine Kraft, die jetzt in mir so ist wie die Keimkraft in der heurigen, in der diesjährigen Pflanze, die sich aber erst im nächsten Jahr entfaltet. Sowie ich sage «Ich bin», bin ich in einer Kraft, die Mensch wird in einer nächsten Inkarnation. Wenn ich sage: «Ich will», wirke ich aus einer Kraft heraus, die in mir war in einem vorhergehenden Erdenleben.
[ 26 ] Das ist außerordentlich interessant, weil es begreiflich erscheinen läßt, daß hier leicht Lebensenttäuschungen liegen können. Das Befriedigtsein oder Nicht-Befriedigtsein, das hängt ab von der Gegenwart, das liegt an dem gegenwärtigen Menschen, aber der Wille führt hinein aus dem Menschen der vorigen Inkarnation. Jedesmal, wenn ich irgend etwas vollführe, was mit den Worten ausgedrückt wird: ich will das oder jenes —, fährt der Wille aus der vorigen Inkarnation in meinen gegenwärtigen Gemütszustand hinein. Denken Sie, was das für ein geheimnisvoller Zusammenhang ist. Aber der Mensch im gewöhnlichen Leben wirft das alles durcheinander. Er glaubt: dieses Ich, das ist so irgendein geheimnisvolles Substantielles in seinem Innern, und einmal sagt es: «Ich denke», einmal «Ich war», einmal «Ich bin», einmal «Ich will». So ist es aber nicht; sondern wenn ich sage: «Ich bin», so entwickele ich eine Kraft, die jetzt in mir so ist wie die Keimkraft in der heurigen, in der diesjährigen Pflanze, die sich aber erst im nächsten Jahr entfaltet. Sowie ich sage «Ich bin», bin ich in einer Kraft, die Mensch wird in einer nächsten Inkarnation. Wenn ich sage: «Ich will», wirke ich aus einer Kraft heraus, die in mir war in einem vorhergehenden Erdenleben.
[ 27 ] Wenn man dies gehörig begriffen hat, dann weiß man, daß man eigentlich nur in seinem Fühlen — wie der Philosoph sagt —, im modus praesens lebt, in der Gegenwartsform lebt. Real in der Gegenwartsform ist eigentlich nur das Gefühlserlebnis; und wir sind wirklich zeitlich gewissermaßen eine dreifach ineinandergeschachtelte Wesenheit. Wir sind so zusammengeschachtelt, daß in uns lebt das, was herüberwirkt.aus der vorigen Inkarnation, dasjenige, was jetzt erfühlt wird, und dasjenige, was herüberwirkt in die nächste Inkarnation. Wie die Pflanze herauswächst aus dem, was Same des vorigen Jahres war, der vertrocknet, so ist das Vertrocknende der vorigen Inkarnation, das allmählich in die übrige Welt Übergehende, das Wollen, das aus dem Ich quillt. Der Keim für die nächste Inkarnation ist dasjenige, was wir als Ich denken. Aus diesem Grunde, weil das so ist, schrieb ich in dem Aufsatze, der von mir im April-Heft 1916, dem ersten Heft vom «Reich», der Bernusschen Zeitschrift enthalten ist: «Der Weg in die geistige Welt wird also zurückgelegt durch die Bloßlegung dessen, was im Denken und Wollen enthalten ist», weil das Denken und Wollen, so wie es in uns lebt, in der Tat nicht in uns als bloß gegenwärtig lebt, sondern durch den geistigen Zusammenhang hinüberweist aus früherem Erdenleben in späteres Erdenleben. Man kann dann wirklich sagen: Es kann nicht in einer ähnlichen Art das Gefühlserleben durch einen inneren Seelenanstoß entwickelt werden, weil das Gefühlserleben als geistiges Gefühlserleben auch wirklich erfahren wird. Daher ist dasjenige, was dem Gefühl entspricht, drüben in der geistigen Welt etwas, was selbst an einen herankommen muß. Man kann meditierend, sich konzentrierend, Wollen und Denken ausleben, aber man kann nicht das Gefühlsleben kultivieren. Das muß man führen lassen, und das ergibt sich dann.
[ 27 ] Wenn man dies gehörig begriffen hat, dann weiß man, daß man eigentlich nur in seinem Fühlen — wie der Philosoph sagt —, im modus praesens lebt, in der Gegenwartsform lebt. Real in der Gegenwartsform ist eigentlich nur das Gefühlserlebnis; und wir sind wirklich zeitlich gewissermaßen eine dreifach ineinandergeschachtelte Wesenheit. Wir sind so zusammengeschachtelt, daß in uns lebt das, was herüberwirkt.aus der vorigen Inkarnation, dasjenige, was jetzt erfühlt wird, und dasjenige, was herüberwirkt in die nächste Inkarnation. Wie die Pflanze herauswächst aus dem, was Same des vorigen Jahres war, der vertrocknet, so ist das Vertrocknende der vorigen Inkarnation, das allmählich in die übrige Welt Übergehende, das Wollen, das aus dem Ich quillt. Der Keim für die nächste Inkarnation ist dasjenige, was wir als Ich denken. Aus diesem Grunde, weil das so ist, schrieb ich in dem Aufsatze, der von mir im April-Heft 1916, dem ersten Heft vom «Reich», der Bernusschen Zeitschrift enthalten ist: «Der Weg in die geistige Welt wird also zurückgelegt durch die Bloßlegung dessen, was im Denken und Wollen enthalten ist», weil das Denken und Wollen, so wie es in uns lebt, in der Tat nicht in uns als bloß gegenwärtig lebt, sondern durch den geistigen Zusammenhang hinüberweist aus früherem Erdenleben in späteres Erdenleben. Man kann dann wirklich sagen: Es kann nicht in einer ähnlichen Art das Gefühlserleben durch einen inneren Seelenanstoß entwickelt werden, weil das Gefühlserleben als geistiges Gefühlserleben auch wirklich erfahren wird. Daher ist dasjenige, was dem Gefühl entspricht, drüben in der geistigen Welt etwas, was selbst an einen herankommen muß. Man kann meditierend, sich konzentrierend, Wollen und Denken ausleben, aber man kann nicht das Gefühlsleben kultivieren. Das muß man führen lassen, und das ergibt sich dann.
[ 28 ] Viele fragen immer wieder und wiederum: Ja, wie komme ich in ein näheres Verhältnis zu jener Wesenheit, die wir als den Christus ansprechen? — Man kann nicht eine einfache Formel geben: Mache es so oder so! — sondern gewisse wichtigere Dinge der ganzen Geisteswissenschaft sind heute so, daß sie einen in die Region des Christus führen, so wie er vorhanden ist. Nehmen Sie nur die Tatsache, die wir ja gut kennen: Als physischer Mensch ist der Christus doch nur zur Zeit des Mysteriums von Golgatha auf der Erde herumgewandelt. Also so ihn erleben, daß man ihn wie einen physischen Menschen in physischen Ereignissen erlebt, konnte man nur damals. Will man ihm heute nahekommen, dann muß man ihn suchen, wie er in der Erdensphäre lebt. Aber er lebt nicht in den groben Zusammenhängen, sondern er lebt in feineren Zusammenhängen. So daß gerade das, was ich Ihnen heute erzählt habe: Das Suchen nach feineren, entlegenen Zusammenhängen, das Sich-Schulen an feineren, entlegenen Zusammenhängen, die Menschen in jene Region des Bewußtseins hereinbringen kann, wo sie den Christus wirklich erleben. Freilich kann man da wiederum, ich möchte sagen, unsanft von einer materlalistischen Hand angefaßt werden. Es kann einer sagen: Nun ja, dann erzählst du uns, daß man den Christus eben nicht im gewöhnlichen Vorstellen erfassen kann, wie man es auf Naturdinge anwendet! — Menschen, die überhaupt einen solchen Gedanken anwenden, die also eigentlich aus der Empfindung heraus sprechen: es ist nur das berechtigt, was nach dem Muster der Naturdinge vorgestellt wird — das machen ja alle Materialisten —, die können überhaupt nicht so geführt werden, daß sie das Geistige wahrnehmen.
[ 28 ] Viele fragen immer wieder und wiederum: Ja, wie komme ich in ein näheres Verhältnis zu jener Wesenheit, die wir als den Christus ansprechen? — Man kann nicht eine einfache Formel geben: Mache es so oder so! — sondern gewisse wichtigere Dinge der ganzen Geisteswissenschaft sind heute so, daß sie einen in die Region des Christus führen, so wie er vorhanden ist. Nehmen Sie nur die Tatsache, die wir ja gut kennen: Als physischer Mensch ist der Christus doch nur zur Zeit des Mysteriums von Golgatha auf der Erde herumgewandelt. Also so ihn erleben, daß man ihn wie einen physischen Menschen in physischen Ereignissen erlebt, konnte man nur damals. Will man ihm heute nahekommen, dann muß man ihn suchen, wie er in der Erdensphäre lebt. Aber er lebt nicht in den groben Zusammenhängen, sondern er lebt in feineren Zusammenhängen. So daß gerade das, was ich Ihnen heute erzählt habe: Das Suchen nach feineren, entlegenen Zusammenhängen, das Sich-Schulen an feineren, entlegenen Zusammenhängen, die Menschen in jene Region des Bewußtseins hereinbringen kann, wo sie den Christus wirklich erleben. Freilich kann man da wiederum, ich möchte sagen, unsanft von einer materlalistischen Hand angefaßt werden. Es kann einer sagen: Nun ja, dann erzählst du uns, daß man den Christus eben nicht im gewöhnlichen Vorstellen erfassen kann, wie man es auf Naturdinge anwendet! — Menschen, die überhaupt einen solchen Gedanken anwenden, die also eigentlich aus der Empfindung heraus sprechen: es ist nur das berechtigt, was nach dem Muster der Naturdinge vorgestellt wird — das machen ja alle Materialisten —, die können überhaupt nicht so geführt werden, daß sie das Geistige wahrnehmen.
[ 29 ] Es ist vielleicht gewagt, aber denken Sie sich einmal, es wäre ein Wesen so geartet, daß man es nur wahrnehmen könnte, wenn man es träumt. Den Augen, den Ohren zeigt es sich nicht, sogar dem gewöhnlichen Alltagsdenken zeigt es sich nicht; aber es zeigt sich dem Traum. Ja, da müßte halt der Mensch, der etwas von diesem Wesen erleben will, sich darauf einlassen, die Kunst des Träumens zu entwickeln, sonst kann das Wesen nicht für ihn da sein. Nun, wenn einer sagt: Träume, die geben mir nichts Wirkliches! —, dann ist an ihm die Schuld, daß er diesem Wesen nicht nahekommen kann. In dieser Beziehung denken die Menschen eben verkehrt, indem sie eigentlich von sich aus Forderungen aufstellen; und wenn irgend etwas diese Forderungen nicht erfüllt, dann gilt es ihnen nicht. Ja, aber wenn das Ding von der Art ist, daß es für diese Forderung nicht da ist, dann muß es eben den Menschen, die solche Forderungen aufstellen, entgehen. So muß man sich schon auch klar darüber sein, daß man eben eine besondere Art des Denkens oder des Innenlebens überhaupt ausbilden muß, für die sich dasjenige, was nicht in der äußeren Natur liegt, zeigen kann. Wir müssen zu diesen Wesen hingehen: nicht sie kommen zu uns. Das ist das Wichtige!
[ 29 ] Es ist vielleicht gewagt, aber denken Sie sich einmal, es wäre ein Wesen so geartet, daß man es nur wahrnehmen könnte, wenn man es träumt. Den Augen, den Ohren zeigt es sich nicht, sogar dem gewöhnlichen Alltagsdenken zeigt es sich nicht; aber es zeigt sich dem Traum. Ja, da müßte halt der Mensch, der etwas von diesem Wesen erleben will, sich darauf einlassen, die Kunst des Träumens zu entwickeln, sonst kann das Wesen nicht für ihn da sein. Nun, wenn einer sagt: Träume, die geben mir nichts Wirkliches! —, dann ist an ihm die Schuld, daß er diesem Wesen nicht nahekommen kann. In dieser Beziehung denken die Menschen eben verkehrt, indem sie eigentlich von sich aus Forderungen aufstellen; und wenn irgend etwas diese Forderungen nicht erfüllt, dann gilt es ihnen nicht. Ja, aber wenn das Ding von der Art ist, daß es für diese Forderung nicht da ist, dann muß es eben den Menschen, die solche Forderungen aufstellen, entgehen. So muß man sich schon auch klar darüber sein, daß man eben eine besondere Art des Denkens oder des Innenlebens überhaupt ausbilden muß, für die sich dasjenige, was nicht in der äußeren Natur liegt, zeigen kann. Wir müssen zu diesen Wesen hingehen: nicht sie kommen zu uns. Das ist das Wichtige!
[ 30 ] Immer wieder und wiederum möchte ich sagen: Man möchte so gerne mehr als Worte finden, daß die Menschen der Gegenwart wirklich aus ihrem groben materialistischen Empfinden heraus den Weg fänden zu solchen subtilen Dingen. Denn selbst die Besten in unserer Zeit finden den Weg nicht leicht zu solchen Dingen, wie ich sie jetzt auseinandergesetzt habe. Sie halten das für Phantasie und lachen einen aus, wenn man etwa gar sagen würde: Nun, schön, laß es Phantasie sein, aber die Wesen sind eben so, daß du die Kraft der Phantasie haben mußt, sonst erscheinen sie dir nicht. — Sie lassen sich eben nur herbei, als reale Wesen zu erscheinen, wenn man auch die Kraft der Phantasie hat. Ich sagte, man möchte etwas mehr als Worte haben, um plausibel zu machen, wie notwendig es gerade in der Gegenwart ist, sich auf solche subtilen Vorstellungen einzulassen. Die Vorstellungen sind subtil, aber die Seele wird durch diese subtilen Vorstellungen stark, so stark, daß sie Verständnis für die Wirklichkeit findet, daß sie wirklich tiefer hineinschauen kann in die wirklichen Zusammenhänge, als das Vorstellen hineinschauen kann, das sich nur schulen will an den materialistischen, naturwissenschaftlichen Vorstellungen der Gegenwart. Selbst bei ausgezeichneten Geistern findet man heute, daß das Denken, ich möchte sagen, wirklich verlernt hat, sich in der notwendigen Subtilität zu ergehen. Ich habe Ihnen das letzte Mal wirklich, ich glaube, mit ganz eindringlichen Worten begreiflich gemacht, daß ich Franz Brentano außerordentlich schätze, gerade deshalb, weil er durch sein AristotelesStudium das Denken bei sich zu einer gewissen Subtilität ausgebildet hat. Aber ich sagte: er ist nicht zur Geisteswissenschaft gekommen. Daran war manches schuld, vor allen Dingen aber auch, daß er doch nun jene Subtilität des Denkens nicht gehabt hat, welche man haben muß als erstes, um in die wirkliche geistige Welt hineinzudringen; wenigstens anstreben muß man es. Lesen Sie die letzten Kapitel meiner «Theosophie» oder im zweiten Teil der «Geheimwissenschaft». Da kann man, ich möchte sagen, manchmal die Leute abfassen dabei, wie sie mit dem gegenwärtigen Denken stolpern. Man kann sie abfassen. So kann man auch Brentano abfassen. Ich muß sagen, ich würde es rätselhaft finden, daß ein so feinsinniger Mensch wie der Brentano gewisse Wege nicht gefunden hat, wenn es mir nicht gelänge, solch einen Menschen dann abzufassen an dem Punkte, woran es liegt. Und, man kann ihn an vielen Stellen abfassen, aber ich will eine solche Sache anführen.
[ 30 ] Immer wieder und wiederum möchte ich sagen: Man möchte so gerne mehr als Worte finden, daß die Menschen der Gegenwart wirklich aus ihrem groben materialistischen Empfinden heraus den Weg fänden zu solchen subtilen Dingen. Denn selbst die Besten in unserer Zeit finden den Weg nicht leicht zu solchen Dingen, wie ich sie jetzt auseinandergesetzt habe. Sie halten das für Phantasie und lachen einen aus, wenn man etwa gar sagen würde: Nun, schön, laß es Phantasie sein, aber die Wesen sind eben so, daß du die Kraft der Phantasie haben mußt, sonst erscheinen sie dir nicht. — Sie lassen sich eben nur herbei, als reale Wesen zu erscheinen, wenn man auch die Kraft der Phantasie hat. Ich sagte, man möchte etwas mehr als Worte haben, um plausibel zu machen, wie notwendig es gerade in der Gegenwart ist, sich auf solche subtilen Vorstellungen einzulassen. Die Vorstellungen sind subtil, aber die Seele wird durch diese subtilen Vorstellungen stark, so stark, daß sie Verständnis für die Wirklichkeit findet, daß sie wirklich tiefer hineinschauen kann in die wirklichen Zusammenhänge, als das Vorstellen hineinschauen kann, das sich nur schulen will an den materialistischen, naturwissenschaftlichen Vorstellungen der Gegenwart. Selbst bei ausgezeichneten Geistern findet man heute, daß das Denken, ich möchte sagen, wirklich verlernt hat, sich in der notwendigen Subtilität zu ergehen. Ich habe Ihnen das letzte Mal wirklich, ich glaube, mit ganz eindringlichen Worten begreiflich gemacht, daß ich Franz Brentano außerordentlich schätze, gerade deshalb, weil er durch sein AristotelesStudium das Denken bei sich zu einer gewissen Subtilität ausgebildet hat. Aber ich sagte: er ist nicht zur Geisteswissenschaft gekommen. Daran war manches schuld, vor allen Dingen aber auch, daß er doch nun jene Subtilität des Denkens nicht gehabt hat, welche man haben muß als erstes, um in die wirkliche geistige Welt hineinzudringen; wenigstens anstreben muß man es. Lesen Sie die letzten Kapitel meiner «Theosophie» oder im zweiten Teil der «Geheimwissenschaft». Da kann man, ich möchte sagen, manchmal die Leute abfassen dabei, wie sie mit dem gegenwärtigen Denken stolpern. Man kann sie abfassen. So kann man auch Brentano abfassen. Ich muß sagen, ich würde es rätselhaft finden, daß ein so feinsinniger Mensch wie der Brentano gewisse Wege nicht gefunden hat, wenn es mir nicht gelänge, solch einen Menschen dann abzufassen an dem Punkte, woran es liegt. Und, man kann ihn an vielen Stellen abfassen, aber ich will eine solche Sache anführen.


[ 31 ] Er sagt: Das seelische Leben, das muß in bezug auf die Materie, in der dieses seelische Leben ist, individualisiert sein, denn man kann gewisse niedere Tiere zerschneiden, und jeder Teil zeigt wiederum dasselbe Leben wie das Ganze, das man in Teile zerschnitten hat. Sie wissen, gewisse niedere Tiere kann man zerschneiden, sie machen sich nichts daraus, es leben dann eben zwei weiter. Nun sagt er: Ja, da können wir uns keine andere Vorstellung bilden, als daß nunmehr in jedem der Teile ein selbständiges Seelisches lebt. Habe ich also einen niederen Wurm in zwei Stücke zerschnitten und jeder lebt wiederum, so ist in jedem Teilstück eine Seele. Er schließt daraus, daß das Seelische als ganz Einheitliches in dieser Weise mit dem Körperlichen verbunden ist. Und er gebraucht nun einen Vergleich, denken Sie, er sagt: So ist es doch auch bei dem Dreieck. Wenn wir einen Strich machen, so zerfällt es in zwei Dreiecke, da haben wir es geteilt, jedes ist ein Dreieck. Ich will jetzt nur dieses sagen: Er vergleicht also den Gedanken, den er beim Zweiteilen eines Wurmes hat mit dem Gedanken, den er beim Zweiteilen eines Dreiecks hat und macht sich das eine durch das andere klar. Zweiteilen eines Dreiecks ist ein einfacherer Gedanke als das Zweiteilen eines Wurmes; also man kann sich das eine durch das andere verdeutlichen. Aber gilt das? Brentano kommt es außerordentlich wichtig vor. Aber gilt das? Es gilt nicht! Denn, nehmen Sie an, Sie haben hier ein Dreieck. Gewiß, wenn Sie hier eine Linie ziehen, teilen Sie es in zwei Dreiecke. Jeder Teil ist wiederum ein Dreieck, wie beim Wurm, wenn er in zwei Teile zerschnitten wird. Aber teilen Sie das dann so ab, dann entstehen nicht zwei Dreiecke, sondern eines ist ein Viereck. Das heißt, Sie bekommen nur unter gewissen Voraussetzungen zwei Dreiecke; eines ist hier ein Viereck.
[ 31 ] Er sagt: Das seelische Leben, das muß in bezug auf die Materie, in der dieses seelische Leben ist, individualisiert sein, denn man kann gewisse niedere Tiere zerschneiden, und jeder Teil zeigt wiederum dasselbe Leben wie das Ganze, das man in Teile zerschnitten hat. Sie wissen, gewisse niedere Tiere kann man zerschneiden, sie machen sich nichts daraus, es leben dann eben zwei weiter. Nun sagt er: Ja, da können wir uns keine andere Vorstellung bilden, als daß nunmehr in jedem der Teile ein selbständiges Seelisches lebt. Habe ich also einen niederen Wurm in zwei Stücke zerschnitten und jeder lebt wiederum, so ist in jedem Teilstück eine Seele. Er schließt daraus, daß das Seelische als ganz Einheitliches in dieser Weise mit dem Körperlichen verbunden ist. Und er gebraucht nun einen Vergleich, denken Sie, er sagt: So ist es doch auch bei dem Dreieck. Wenn wir einen Strich machen, so zerfällt es in zwei Dreiecke, da haben wir es geteilt, jedes ist ein Dreieck. Ich will jetzt nur dieses sagen: Er vergleicht also den Gedanken, den er beim Zweiteilen eines Wurmes hat mit dem Gedanken, den er beim Zweiteilen eines Dreiecks hat und macht sich das eine durch das andere klar. Zweiteilen eines Dreiecks ist ein einfacherer Gedanke als das Zweiteilen eines Wurmes; also man kann sich das eine durch das andere verdeutlichen. Aber gilt das? Brentano kommt es außerordentlich wichtig vor. Aber gilt das? Es gilt nicht! Denn, nehmen Sie an, Sie haben hier ein Dreieck. Gewiß, wenn Sie hier eine Linie ziehen, teilen Sie es in zwei Dreiecke. Jeder Teil ist wiederum ein Dreieck, wie beim Wurm, wenn er in zwei Teile zerschnitten wird. Aber teilen Sie das dann so ab, dann entstehen nicht zwei Dreiecke, sondern eines ist ein Viereck. Das heißt, Sie bekommen nur unter gewissen Voraussetzungen zwei Dreiecke; eines ist hier ein Viereck.
[ 32 ] Der Vergleich gilt also nicht. Ein sehr scharfsinniger Mensch macht einen Vergleich. Aber der Vergleich gilt nicht. Sein Denken ist also nicht beweglich genug, nicht lebendig genug, um einen gültigen Vergleich zu finden. Er stolpert. Aber das hat Folgen. Denn würde er sich nicht durch einen solchen Vergleich täuschen lassen, daß man einen Wurm ebenso in zwei Teile teilt wie ein Dreieck, so würde er auf das Richtige kommen. Und er kommt nicht auf das Richtige. Wenn ich nämlich einen Wurm in zwei Teile teile, hat das nichts mit zwei Seelen zu tun, sondern die Gruppenseele wirkt in die zwei Teile hinein ebenso, wie wenn ich mein Bild im Spiegel ansehe, und den Spiegel in der Mitte in zwei Teile breche, so habe ich zwei Bilder, und ich habe mich doch nicht geteilt. Ich habe wohl zwei Bilder erhalten, aber ich habe mich nicht geteilt, sondern den Spiegel, dadurch sind es zwei Bilder geworden. Ebensowenig kann ich die Seele des Wurmes teilen; sie ist eine geblieben, wie ich einer geblieben bin, wenn ich in zwei Spiegeln mich spiegele, so ist die eine Seele in den zwei Wurmstücken vorhanden. Er konnte nicht zu dieser Vorstellung kommen, die der Realität entspricht, weil er sich in einem nicht genug beweglichen Denken durch einen falschen Vergleich hat täuschen lassen. Hätte er nämlich den Vergleich richtig gemacht, da, wo wirklich zwei Dreiecke sind, dann würde er sich gesagt haben: Ja, aber das bloße Teilen macht es nicht, daß da zwei Dreiecke sind, sondern es muß etwas dazu kommen. Wenn ich geteilt habe, muß wiederum die Idee des Dreieckes auf die beiden Teile anwendbar sein. Bloßes Teilen von außen gibt nicht zwei Dreiecke. Hier muß ich zwei Ideen anwenden: die Idee des Dreieckes und die Idee des Viereckes. Wäre er darauf gekommen, daß er ein und dieselbe Idee bei diesem Teilen anwenden muß, und daß nur diese ein und dieselbe Idee ihm die Garantie gibt, er habe in zwei Dreiecke geteilt, dann wäre der Vergleich richtig. Aber darauf war er nicht gekommen, daß die eine Wurmseele in beiden Teilen drinnen ist, aber von außen hineinschaut, wie derjenige, der vor dem Spiegel steht und in die beiden Teile des Spiegels hineinschaut.
[ 32 ] Der Vergleich gilt also nicht. Ein sehr scharfsinniger Mensch macht einen Vergleich. Aber der Vergleich gilt nicht. Sein Denken ist also nicht beweglich genug, nicht lebendig genug, um einen gültigen Vergleich zu finden. Er stolpert. Aber das hat Folgen. Denn würde er sich nicht durch einen solchen Vergleich täuschen lassen, daß man einen Wurm ebenso in zwei Teile teilt wie ein Dreieck, so würde er auf das Richtige kommen. Und er kommt nicht auf das Richtige. Wenn ich nämlich einen Wurm in zwei Teile teile, hat das nichts mit zwei Seelen zu tun, sondern die Gruppenseele wirkt in die zwei Teile hinein ebenso, wie wenn ich mein Bild im Spiegel ansehe, und den Spiegel in der Mitte in zwei Teile breche, so habe ich zwei Bilder, und ich habe mich doch nicht geteilt. Ich habe wohl zwei Bilder erhalten, aber ich habe mich nicht geteilt, sondern den Spiegel, dadurch sind es zwei Bilder geworden. Ebensowenig kann ich die Seele des Wurmes teilen; sie ist eine geblieben, wie ich einer geblieben bin, wenn ich in zwei Spiegeln mich spiegele, so ist die eine Seele in den zwei Wurmstücken vorhanden. Er konnte nicht zu dieser Vorstellung kommen, die der Realität entspricht, weil er sich in einem nicht genug beweglichen Denken durch einen falschen Vergleich hat täuschen lassen. Hätte er nämlich den Vergleich richtig gemacht, da, wo wirklich zwei Dreiecke sind, dann würde er sich gesagt haben: Ja, aber das bloße Teilen macht es nicht, daß da zwei Dreiecke sind, sondern es muß etwas dazu kommen. Wenn ich geteilt habe, muß wiederum die Idee des Dreieckes auf die beiden Teile anwendbar sein. Bloßes Teilen von außen gibt nicht zwei Dreiecke. Hier muß ich zwei Ideen anwenden: die Idee des Dreieckes und die Idee des Viereckes. Wäre er darauf gekommen, daß er ein und dieselbe Idee bei diesem Teilen anwenden muß, und daß nur diese ein und dieselbe Idee ihm die Garantie gibt, er habe in zwei Dreiecke geteilt, dann wäre der Vergleich richtig. Aber darauf war er nicht gekommen, daß die eine Wurmseele in beiden Teilen drinnen ist, aber von außen hineinschaut, wie derjenige, der vor dem Spiegel steht und in die beiden Teile des Spiegels hineinschaut.
[ 33 ] Wir stehen wirklich in einem solchen Zeitpunkt, wo alles nach Subtilisierung des Denkens schreit. Wir kommen wirklich nicht weiter, wenn solche Subtilisierung des Denkens nicht eintritt, wenn das Denken nicht beweglicher wird, wenn es immer kleben will an dem grob Äußerlichen. Und wenn auch heute der Widerstand gegen diese Subtilisierung des Denkens am stärksten ist, so muß um so mehr stark gearbeitet werden in der Sache der Geisteswissenschaft, denn die kommt ohnedies nicht zustande, wenn man nicht zu subtileren Vorstellungen seine Zuflucht nimmt; die ist aber auch geeignet, das Ich des Menschen durch das, was sie ist, stärker zu machen. Alles übrige kann ja den Menschen auf den Weg führen, nach dem die heutige Sehnsucht hinstrebt; aber wirkliche Kraft geben kann nur die Geisteswissenschaft, gerade durch das, was man ihr besonders vorwirft: daß sie ja lauter Vorstellungen erweckt, die eigentlich nicht so recht anwendbar sind, sich im Leben nicht äußerlich darstellen lassen. Aber gerade durch das, daß sie sich nicht äußerlich darstellen lassen im Leben, machen sie uns innerlich stark und kräftig, das heißt, wirklichkeitsbefreundet.
[ 33 ] Wir stehen wirklich in einem solchen Zeitpunkt, wo alles nach Subtilisierung des Denkens schreit. Wir kommen wirklich nicht weiter, wenn solche Subtilisierung des Denkens nicht eintritt, wenn das Denken nicht beweglicher wird, wenn es immer kleben will an dem grob Äußerlichen. Und wenn auch heute der Widerstand gegen diese Subtilisierung des Denkens am stärksten ist, so muß um so mehr stark gearbeitet werden in der Sache der Geisteswissenschaft, denn die kommt ohnedies nicht zustande, wenn man nicht zu subtileren Vorstellungen seine Zuflucht nimmt; die ist aber auch geeignet, das Ich des Menschen durch das, was sie ist, stärker zu machen. Alles übrige kann ja den Menschen auf den Weg führen, nach dem die heutige Sehnsucht hinstrebt; aber wirkliche Kraft geben kann nur die Geisteswissenschaft, gerade durch das, was man ihr besonders vorwirft: daß sie ja lauter Vorstellungen erweckt, die eigentlich nicht so recht anwendbar sind, sich im Leben nicht äußerlich darstellen lassen. Aber gerade durch das, daß sie sich nicht äußerlich darstellen lassen im Leben, machen sie uns innerlich stark und kräftig, das heißt, wirklichkeitsbefreundet.
[ 34 ] Davon wollen wir dann das nächste Mal in einer weiteren Perspektive auf wichtige Verhältnisse des Lebens weiter reden.
[ 34 ] Davon wollen wir dann das nächste Mal in einer weiteren Perspektive auf wichtige Verhältnisse des Lebens weiter reden.
