Truths Regarding Humans Development
The Karma of Materialism
GA 176
3 July 1917, Berlin
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Menschliche und menschheitliche Entwicklungswahrheiten
Fünfter Vortrag
Fünfter Vortrag
[ 1 ] Sie haben gesehen in den verschiedenen Betrachtungen, die wir nun schon seit Wochen anstellen, daß diesen Betrachtungen die Bemühung zugrunde liegt, Bausteine herbeizutragen zum Verständnisse unserer, ich möchte sagen, schwer verständlichen Zeit, in der wir drinnen stehen, und die Verständnis heischt von uns, weil ja, wie wir wiederholt betonen konnten, dasjenige, was in unserer Zeit liegt, sich nur dann in einer günstigen Weise weiterentwickeln kann für die Menschheit, wenn ein neues Verständnis der Dinge wenigstens eine größere Anzahl von Menschen durchdringt. Nun möchte ich die Betrachtungen möglichst konkret gestalten, so wie das Wort «konkret», der Begriff «konkret» sich uns durch die schon Wochen hindurch laufenden Auseinandersetzungen ergeben hat. Es ist ja wirklich in der Menschheitsentwickelung so, daß die großen Impulse, welche der Zeitentwickelung zugrunde liegen, durch die eine oder andere Persönlichkeit hindurchwirken. So zeigt sich denn auch an der einen oder anderen Persönlichkeit, wie kräftig gewisse Impulse in einem gewissen Zeitalter sind. Oder vielleicht anders ausgedrückt: wieviel Glück zur Wirksamkeit der eine oder andere Impuls haben kann.
[ 1 ] Sie haben gesehen in den verschiedenen Betrachtungen, die wir nun schon seit Wochen anstellen, daß diesen Betrachtungen die Bemühung zugrunde liegt, Bausteine herbeizutragen zum Verständnisse unserer, ich möchte sagen, schwer verständlichen Zeit, in der wir drinnen stehen, und die Verständnis heischt von uns, weil ja, wie wir wiederholt betonen konnten, dasjenige, was in unserer Zeit liegt, sich nur dann in einer günstigen Weise weiterentwickeln kann für die Menschheit, wenn ein neues Verständnis der Dinge wenigstens eine größere Anzahl von Menschen durchdringt. Nun möchte ich die Betrachtungen möglichst konkret gestalten, so wie das Wort «konkret», der Begriff «konkret» sich uns durch die schon Wochen hindurch laufenden Auseinandersetzungen ergeben hat. Es ist ja wirklich in der Menschheitsentwickelung so, daß die großen Impulse, welche der Zeitentwickelung zugrunde liegen, durch die eine oder andere Persönlichkeit hindurchwirken. So zeigt sich denn auch an der einen oder anderen Persönlichkeit, wie kräftig gewisse Impulse in einem gewissen Zeitalter sind. Oder vielleicht anders ausgedrückt: wieviel Glück zur Wirksamkeit der eine oder andere Impuls haben kann.
[ 2 ] Ich habe Sie auf einen Mann hingewiesen, der in der letzten Zeit gestorben ist, und an den ich hier und in anderen Betrachtungen verschiedenes anzuknüpfen versucht habe zur Charakteristik unserer Zeit. Auch heute will ich wiederum an diesen Mann anknüpfen; ich meine an Franz Brentano, den kürzlich in Zürich verstorbenen Philosophen, der aber wirklich nicht im engeren Sinn ein Schulphilosoph war, sondern der demjenigen, der ihm nähertritt, auch nur geistig nähertritt, so recht als der Repräsentant ringender Menschheit der Gegenwart, man könnte sagen, mit den Welträtseln ringender Menschen der Gegenwart erscheinen muß. Man kann auch nicht einmal sagen, daß Brentano einseitig Philosoph war, sondern als Philosoph wirklich umfassendes Menschen wesentliches zum Ausdruck brachte. Nun, es sind kaum irgendwelche den Menschen berührende Rätselfragen, tiefere Rätselfragen, an deren Lösung Franz Brentano sich nicht versucht haben würde. Man könnte sagen: Der ganze Umfang menschlicher Weltanschauung war es, der ihn interessiert hat. Weniges ist veröffentlicht, weil er mit Bezug auf all das, was er hat drucken lassen, eigentlich recht zurückhaltend war. Es soll ein großer Nachlaß da sein, der wird ja zeigen, was Franz Brentano von seinem Streben und Ringen niedergeschrieben hat. Allein für denjenigen, der gewissermaßen Begabung hatte, nicht nur das in Franz Brentanos Seele zu sehen, was er in seinen Worten ausdrückte, sondern was da rang und strebte, für den wird durch die Veröffentlichung des Nachlasses vielleicht nicht einmal so besonders viel Neues zutage treten.
[ 2 ] Ich habe Sie auf einen Mann hingewiesen, der in der letzten Zeit gestorben ist, und an den ich hier und in anderen Betrachtungen verschiedenes anzuknüpfen versucht habe zur Charakteristik unserer Zeit. Auch heute will ich wiederum an diesen Mann anknüpfen; ich meine an Franz Brentano, den kürzlich in Zürich verstorbenen Philosophen, der aber wirklich nicht im engeren Sinn ein Schulphilosoph war, sondern der demjenigen, der ihm nähertritt, auch nur geistig nähertritt, so recht als der Repräsentant ringender Menschheit der Gegenwart, man könnte sagen, mit den Welträtseln ringender Menschen der Gegenwart erscheinen muß. Man kann auch nicht einmal sagen, daß Brentano einseitig Philosoph war, sondern als Philosoph wirklich umfassendes Menschen wesentliches zum Ausdruck brachte. Nun, es sind kaum irgendwelche den Menschen berührende Rätselfragen, tiefere Rätselfragen, an deren Lösung Franz Brentano sich nicht versucht haben würde. Man könnte sagen: Der ganze Umfang menschlicher Weltanschauung war es, der ihn interessiert hat. Weniges ist veröffentlicht, weil er mit Bezug auf all das, was er hat drucken lassen, eigentlich recht zurückhaltend war. Es soll ein großer Nachlaß da sein, der wird ja zeigen, was Franz Brentano von seinem Streben und Ringen niedergeschrieben hat. Allein für denjenigen, der gewissermaßen Begabung hatte, nicht nur das in Franz Brentanos Seele zu sehen, was er in seinen Worten ausdrückte, sondern was da rang und strebte, für den wird durch die Veröffentlichung des Nachlasses vielleicht nicht einmal so besonders viel Neues zutage treten.
[ 3 ] Nun möchte ich versuchen, ich möchte sagen, in unserer problematischen Zeit das Problematische gerade einer großen Persönlichkeit, wie Franz Brentano eine war, einmal vor Ihre Seele hinzustellen. Franz Brentano war ja allerdings nicht ein Philosoph nach dem Zuschnitt der gegenwärtigen Philosophen, sondern er war, was die gegenwärtigen Philosophen eben gar nicht sind, erstens ein wirklicher Denker, und ein Denker, der sich mit seinem Denken nicht stellen wollte, ich möchte sagen, ins Blaue hinein, sondern der sich mit seinem Denken stellen wollte auf den guten Boden der Gedankenentwickelung der Menschheit. Daher war eine der ersten Publikationen des Franz Brentano das Buch über die Psychologie, die Seelenlehre des Aristoteles, namentlich über den Begriff des sogenannten «noûs poëtikós» bei Aristoteles. Dieses Buch, das jetzt lange schon vergriffen ist, ist, ich möchte sagen, eine Prachtleistung des Denkens der weiteren Gegenwart. Es zeigt vor allen Dingen, daß Brentano ein Mensch war, der eben wirklich noch denken konnte, wenn man unter Denken versteht die Ausgestaltung wirklicher Begriffe, das Bilden von wirklichen Begriffen. Insbesondere der zweite Teil dieses Buches über die Seelenkunde des Aristoteles zeigt uns Franz Brentano in einem Denkprozeß drinnen von einer Feinheit, von einer Ausgestaltetheit, die man jetzt überhaupt nicht mehr, und in der Zeit, in der das Buch geschrieben worden ist, sehr selten, findet. Denn das Bedeutsame ist, daß Franz Brentanos Begriffe noch stark genug waren, das Seelische, ich möchte sagen, wirklich einzufangen, das Seelische wirklich zu bezeichnen. Heute haben die Menschen, wenn sie von dem Seelischen reden, zum großen Teil nur noch Worthülsen, nicht wirkliche Ideen, nicht wirkliche Begriffe. Worthülsen, die man eben halten kann aus dem Grunde, weil sie sich in dem geschichtlichen Sprechprozeß ergeben haben, bei denen man auch glaubt, daß man bei den Worten auch etwas denkt; aber man denkt in Wirklichkeit nichts bei den Worten.
[ 3 ] Nun möchte ich versuchen, ich möchte sagen, in unserer problematischen Zeit das Problematische gerade einer großen Persönlichkeit, wie Franz Brentano eine war, einmal vor Ihre Seele hinzustellen. Franz Brentano war ja allerdings nicht ein Philosoph nach dem Zuschnitt der gegenwärtigen Philosophen, sondern er war, was die gegenwärtigen Philosophen eben gar nicht sind, erstens ein wirklicher Denker, und ein Denker, der sich mit seinem Denken nicht stellen wollte, ich möchte sagen, ins Blaue hinein, sondern der sich mit seinem Denken stellen wollte auf den guten Boden der Gedankenentwickelung der Menschheit. Daher war eine der ersten Publikationen des Franz Brentano das Buch über die Psychologie, die Seelenlehre des Aristoteles, namentlich über den Begriff des sogenannten «noûs poëtikós» bei Aristoteles. Dieses Buch, das jetzt lange schon vergriffen ist, ist, ich möchte sagen, eine Prachtleistung des Denkens der weiteren Gegenwart. Es zeigt vor allen Dingen, daß Brentano ein Mensch war, der eben wirklich noch denken konnte, wenn man unter Denken versteht die Ausgestaltung wirklicher Begriffe, das Bilden von wirklichen Begriffen. Insbesondere der zweite Teil dieses Buches über die Seelenkunde des Aristoteles zeigt uns Franz Brentano in einem Denkprozeß drinnen von einer Feinheit, von einer Ausgestaltetheit, die man jetzt überhaupt nicht mehr, und in der Zeit, in der das Buch geschrieben worden ist, sehr selten, findet. Denn das Bedeutsame ist, daß Franz Brentanos Begriffe noch stark genug waren, das Seelische, ich möchte sagen, wirklich einzufangen, das Seelische wirklich zu bezeichnen. Heute haben die Menschen, wenn sie von dem Seelischen reden, zum großen Teil nur noch Worthülsen, nicht wirkliche Ideen, nicht wirkliche Begriffe. Worthülsen, die man eben halten kann aus dem Grunde, weil sie sich in dem geschichtlichen Sprechprozeß ergeben haben, bei denen man auch glaubt, daß man bei den Worten auch etwas denkt; aber man denkt in Wirklichkeit nichts bei den Worten.
[ 4 ] Es ist sehr merkwürdig, daß die Menschen, die heute noch vorgeben Aristoteles zu lesen, sich auch nur getrauen, so ganz an der Geisteswissenschaft vorbeizugehen. Denn bei Aristoteles zeigt sich überall ein richtiges Aufflackern jenes alten Wissens, das wir oftmals als ein Ergebnis des alten atavistischen Hellsehens bezeichnet haben. Wenn wir heute von dem Ätherleib des Menschen, von dem Empfindungsleib, von der Empfindungsseele, von der Verstandes- oder Gemütsseele, von der Bewußtseinsseele sprechen, so sind diese Ausdrücke geprägt für Wirklichkeiten des seelisch-geistigen Lebens, die den Menschen erst wiederum zum Bewußtsein kommen sollen.
[ 4 ] Es ist sehr merkwürdig, daß die Menschen, die heute noch vorgeben Aristoteles zu lesen, sich auch nur getrauen, so ganz an der Geisteswissenschaft vorbeizugehen. Denn bei Aristoteles zeigt sich überall ein richtiges Aufflackern jenes alten Wissens, das wir oftmals als ein Ergebnis des alten atavistischen Hellsehens bezeichnet haben. Wenn wir heute von dem Ätherleib des Menschen, von dem Empfindungsleib, von der Empfindungsseele, von der Verstandes- oder Gemütsseele, von der Bewußtseinsseele sprechen, so sind diese Ausdrücke geprägt für Wirklichkeiten des seelisch-geistigen Lebens, die den Menschen erst wiederum zum Bewußtsein kommen sollen.
[ 5 ] Bei Aristoteles finden sich durchaus Ausdrücke, aus denen er nicht mehr das Rechte machen kann, die aber daran erinnern, daß er sie aus jener Zeit her hat, in der man noch diese einzelnen Glieder der Seele kannte. Es ist bei Aristoteles nur abstrakt geworden. Und Franz Brentano mühte sich ab, Klarheit zu gewinnen über diese Begriffe gerade bei demjenigen Denker der alten Zeit, bei Aristoteles, bei dem, ich möchte sagen, diese Begriffe gerade aus der Entwickelungsgeschichte der Menschheit verschwinden. Aristoteles unterscheidet die vegetative Seele. Damit trifft er ungefähr dasjenige, was wir als den Ätherleib beim Menschen bezeichnen. Er unterscheidet dann die sensitive Seele, das aesthetikon, was wir als Empfindungsleib bezeichnen. Dann hat er den entsprechenden Begriff für das, was wir als Empfindungsseele bezeichnen, orektikon. Dann hat er einen entsprechenden Begriff für dasjenige, was wir als Verstandes- oder Gemütsseele bezeichnen: kinetikon, und auch für dasjenige, was wir als die Bewußtseinsseele bezeichnen: dianoetikon. Diese Begriffe sind bei Aristoteles vorhanden, es fehlt ihm nur der genaue Ausblick auf die Wirklichkeiten. Das bewirkt etwas Unklares, etwas, ich möchte sagen, Abstraktes zugleich bei Aristoteles. Das alles haftet auch dem genannten Buche des Franz Brentano an, aber es ist eben doch ein Buch, in dem noch wirkliches Denken herrscht, solches Denken, daß derjenige, der sich einmal solchem Denken hingegeben hat, wie Brentano, nicht mehr zu der törichten Anschauung kommen konnte, daß das Seelisch-Geistige etwa nur eine Funktion, ein Entwickelungsprodukt des Physisch-Leiblichen sei. Es war, ich möchte sagen, zu viel in den Begriffen, die Franz Brentano an der Hand des Aristoteles geprägt hat, um in die Unart des neueren Materialismus zu verfallen.
[ 5 ] Bei Aristoteles finden sich durchaus Ausdrücke, aus denen er nicht mehr das Rechte machen kann, die aber daran erinnern, daß er sie aus jener Zeit her hat, in der man noch diese einzelnen Glieder der Seele kannte. Es ist bei Aristoteles nur abstrakt geworden. Und Franz Brentano mühte sich ab, Klarheit zu gewinnen über diese Begriffe gerade bei demjenigen Denker der alten Zeit, bei Aristoteles, bei dem, ich möchte sagen, diese Begriffe gerade aus der Entwickelungsgeschichte der Menschheit verschwinden. Aristoteles unterscheidet die vegetative Seele. Damit trifft er ungefähr dasjenige, was wir als den Ätherleib beim Menschen bezeichnen. Er unterscheidet dann die sensitive Seele, das aesthetikon, was wir als Empfindungsleib bezeichnen. Dann hat er den entsprechenden Begriff für das, was wir als Empfindungsseele bezeichnen, orektikon. Dann hat er einen entsprechenden Begriff für dasjenige, was wir als Verstandes- oder Gemütsseele bezeichnen: kinetikon, und auch für dasjenige, was wir als die Bewußtseinsseele bezeichnen: dianoetikon. Diese Begriffe sind bei Aristoteles vorhanden, es fehlt ihm nur der genaue Ausblick auf die Wirklichkeiten. Das bewirkt etwas Unklares, etwas, ich möchte sagen, Abstraktes zugleich bei Aristoteles. Das alles haftet auch dem genannten Buche des Franz Brentano an, aber es ist eben doch ein Buch, in dem noch wirkliches Denken herrscht, solches Denken, daß derjenige, der sich einmal solchem Denken hingegeben hat, wie Brentano, nicht mehr zu der törichten Anschauung kommen konnte, daß das Seelisch-Geistige etwa nur eine Funktion, ein Entwickelungsprodukt des Physisch-Leiblichen sei. Es war, ich möchte sagen, zu viel in den Begriffen, die Franz Brentano an der Hand des Aristoteles geprägt hat, um in die Unart des neueren Materialismus zu verfallen.
[ 6 ] Nun wurde es das hauptsächlichste Bestreben Franz Brentanos, über die menschliche Seele überhaupt Klarheit zu gewinnen. Psychologe, Seelenforscher, wurde Franz Brentano hauptsächlich; aber von der Seelenkunde aus beschäftigte er sich mit den umfassendsten Weltanschauungen. Nun habe ich Sie ja darauf aufmerksam gemacht, daß von der ganzen Seelenkunde, von der ganzen «Psychologie» des Franz Brentano, die auf vier oder fünf Bände berechnet war, nur der erste Band erschienen ist. Und wer Franz Brentano genau kennt, der kann durchaus verstehen, warum die folgenden Bände nicht erschienen sind. Brentano wollte eben nicht, konnte sich seiner ganzen Veranlagung nach nicht zur Geisteswissenschaft wenden. Hätte er aber diejenigen Fragen, die sich ihm nach dem ersten Bande der «Seelenkunde» aufgeworfen haben, beantworten wollen, so hätte er Geisteswissenschaft gebraucht. Die konnte er nicht finden. Als ehrlicher Mann unterließ er daher die Abfassung der folgenden Bände; es blieb beim ersten Bande. Das ganze Unternehmen blieb eben Fragment.
[ 6 ] Nun wurde es das hauptsächlichste Bestreben Franz Brentanos, über die menschliche Seele überhaupt Klarheit zu gewinnen. Psychologe, Seelenforscher, wurde Franz Brentano hauptsächlich; aber von der Seelenkunde aus beschäftigte er sich mit den umfassendsten Weltanschauungen. Nun habe ich Sie ja darauf aufmerksam gemacht, daß von der ganzen Seelenkunde, von der ganzen «Psychologie» des Franz Brentano, die auf vier oder fünf Bände berechnet war, nur der erste Band erschienen ist. Und wer Franz Brentano genau kennt, der kann durchaus verstehen, warum die folgenden Bände nicht erschienen sind. Brentano wollte eben nicht, konnte sich seiner ganzen Veranlagung nach nicht zur Geisteswissenschaft wenden. Hätte er aber diejenigen Fragen, die sich ihm nach dem ersten Bande der «Seelenkunde» aufgeworfen haben, beantworten wollen, so hätte er Geisteswissenschaft gebraucht. Die konnte er nicht finden. Als ehrlicher Mann unterließ er daher die Abfassung der folgenden Bände; es blieb beim ersten Bande. Das ganze Unternehmen blieb eben Fragment.
[ 7 ] Nun möchte ich auf zwei Punkte aufmerksam machen, die Rätsel darstellen, nach denen Brentano rang, die aber zugleich Rätsel darstellen, nach denen im Grunde genommen jeder denkende Mensch heute bewußt ringen muß, nach denen die ganze Menschheit — insofern sie nicht ein tierisch stumpfes Dasein lebt — ringt, aber unbewußt; unbewußt, indem sie sich entweder abmüht, nach der einen oder anderen Richtung die Lösungen dieser Rätsel scheinbar zu finden, oder aber indem sie mehr oder weniger seelisch krankt an dem Unvermögen, irgend etwas nach den Richtungen hin, die durch diese Rätsel vorgezeichnet sind, zu erreichen. Franz Brentano dachte nach, forschte nach über die menschliche Seele. Nun, wenn man so, wie die Wissenschaft es tut, über die menschliche Seele nachforscht und dadurch von der menschlichen Seele aus den Weg zum Geiste findet, dann kann man bei dem Selbstverständlichsten bleiben und die Betätigungen der menschlichen Seele dreigliedrig auffassen als Denken oder Vorstellen, Fühlen und Wollen; denn das sind in der Tat die drei Glieder des menschlichen Seelenlebens: Denken, Fühlen und Wollen. Aber man kann erst dann zu irgendeiner Befriedigung kommen in bezug auf Denken, Fühlen und Wollen in der menschlichen Seele, wenn man durch Geisteswissenschaft den Weg in die geistige Wirklichkeit hineinfindet, mit der die Menschenseele zusammenhängt. Wenn man diesen Weg nicht findet — und Franz Brentano konnte ihn ja nicht finden —, dann fühlt man sich ja gewissermaßen in der Seele mit dem Denken, Fühlen und Wollen ganz vereinsamt. Das Denken kann im besten Falle Abbilder einer äußeren, rein räumlichen, stofflichen Wirklichkeit geben, das Fühlen kann im besten Falle Mißfallen oder Gefallen an demjenigen geben, was sich in der räumlichen physischen Wirklichkeit abspielt, und das Wollen kann eine Befriedigung des physischen Menschen sein, seiner Lust, seiner Unlust. Aber man steht durch Denken, Fühlen und Wollen in keinem Zusammenhang mit einer Realität, mit einer Wirklichkeit, in der sich der Mensch gewissermaßen geborgen fühlen kann. Daher sagte sich Franz Brentano: Für die Betrachtung des menschlichen Seelenlebens gibt mir eigentlich die Gliederung der Seele in Denken, Fühlen und Wollen, Vorstellen, Fühlen und Wollen, nichts, Ich bleibe ja innerhalb der Seele mit dem Denken, Fühlen und Wollen. — Daher gliedert er das Seelenleben anders. Und es ist charakteristisch, wie er es gliedert. Er unterscheidet auch eine Dreiteilung des Seelenlebens, aber nicht die nach Vorstellen, Fühlen und Wollen, sondern er unterscheidet Vorstellen, Urteilen und die innere Welt der Gemütsbewegungen. So daß also nach Brentano das Seelenleben zerfällt in Vorstellen, Urteilen und in die Welt der Gemütsbewegungen. Das Vorstellen führt uns zunächst über die Seele nicht hinaus. Wenn wir irgend etwas vorstellen, so ist das Vorgestellte in unserer Seele. Wir glauben auch, es beziehe sich auf etwas, aber es ist gewissermaßen nicht ausgemacht, ob sich das Vorgestellte auf etwas bezieht. Insofern wir im Vorstellen bleiben, ist das Phantasiegebilde ganz ebenso eine Vorstellung wie dasjenige, was sich auf die Wirklichkeit bezieht. Auch wenn ich Vorstellungen miteinander verknüpfe, so ist damit nicht ausgemacht, daß ich in der Welt der Wirklichkeit bin. Der Baum ist eine Vorstellung, grün ist eine Vorstellung. «Der Baum ist grün» verknüpft zwei Vorstellungen. Aber damit ist nicht ausgemacht, wenn ich vorstelle «der Baum ist grün», daß ich in einer Wirklichkeit stehe, denn dieser grüne Baum könnte auch meine Phantasievorstellung sein. In der Wirklichkeit stehe ich erst, sagte sich Brentano, wenn ich urteile; und eigentlich urteile ich schon, nur maskiert, wenn ich in solcher Weise Vorstellungen verknüpfe, wie: der Baum ist grün. Denn ich meine damit nicht, daß ich bloß die Vorstellungen Baum und grün miteinander verknüpfe, sondern ich meine eigentlich: es gibt einen grünen Baum. Da gehe ich aber über zur Existenz, da bleibe ich nicht innerhalb meiner Vorstellung stehen. Es ist ein Unterschied zwischen dem Bewußtsein: der Baum ist grün, und dem Bewußtsein: es ist ein grüner Baum. Das erste ist ein bloßes Vorstellen, das zweite ist etwas, dem in der Seele Anerkennen oder Verwerfen zugrunde liegt, so daß man im bloßen Vorstellen eben mit der Seele selbst beschäftigt ist. Im Urteilen hat man es zu tun mit einer Seelentätigkeit, die aber sich in Beziehung setzt zu der Umwelt, indem sie anerkennt oder verwirft. «Ein grüner Baum ist» ist nicht bloß die Anerkennung, daß ich ihn vorstelle, sondern daß er, abgesehen von meiner Vorstellung, da ist. «Ein Kentaur ist nicht» ist die Verwerfung der Vorstellung: halb Mensch, halb Tier; das ist Urteilen. Das ist die zweite Seelentätigkeit.
[ 7 ] Nun möchte ich auf zwei Punkte aufmerksam machen, die Rätsel darstellen, nach denen Brentano rang, die aber zugleich Rätsel darstellen, nach denen im Grunde genommen jeder denkende Mensch heute bewußt ringen muß, nach denen die ganze Menschheit — insofern sie nicht ein tierisch stumpfes Dasein lebt — ringt, aber unbewußt; unbewußt, indem sie sich entweder abmüht, nach der einen oder anderen Richtung die Lösungen dieser Rätsel scheinbar zu finden, oder aber indem sie mehr oder weniger seelisch krankt an dem Unvermögen, irgend etwas nach den Richtungen hin, die durch diese Rätsel vorgezeichnet sind, zu erreichen. Franz Brentano dachte nach, forschte nach über die menschliche Seele. Nun, wenn man so, wie die Wissenschaft es tut, über die menschliche Seele nachforscht und dadurch von der menschlichen Seele aus den Weg zum Geiste findet, dann kann man bei dem Selbstverständlichsten bleiben und die Betätigungen der menschlichen Seele dreigliedrig auffassen als Denken oder Vorstellen, Fühlen und Wollen; denn das sind in der Tat die drei Glieder des menschlichen Seelenlebens: Denken, Fühlen und Wollen. Aber man kann erst dann zu irgendeiner Befriedigung kommen in bezug auf Denken, Fühlen und Wollen in der menschlichen Seele, wenn man durch Geisteswissenschaft den Weg in die geistige Wirklichkeit hineinfindet, mit der die Menschenseele zusammenhängt. Wenn man diesen Weg nicht findet — und Franz Brentano konnte ihn ja nicht finden —, dann fühlt man sich ja gewissermaßen in der Seele mit dem Denken, Fühlen und Wollen ganz vereinsamt. Das Denken kann im besten Falle Abbilder einer äußeren, rein räumlichen, stofflichen Wirklichkeit geben, das Fühlen kann im besten Falle Mißfallen oder Gefallen an demjenigen geben, was sich in der räumlichen physischen Wirklichkeit abspielt, und das Wollen kann eine Befriedigung des physischen Menschen sein, seiner Lust, seiner Unlust. Aber man steht durch Denken, Fühlen und Wollen in keinem Zusammenhang mit einer Realität, mit einer Wirklichkeit, in der sich der Mensch gewissermaßen geborgen fühlen kann. Daher sagte sich Franz Brentano: Für die Betrachtung des menschlichen Seelenlebens gibt mir eigentlich die Gliederung der Seele in Denken, Fühlen und Wollen, Vorstellen, Fühlen und Wollen, nichts, Ich bleibe ja innerhalb der Seele mit dem Denken, Fühlen und Wollen. — Daher gliedert er das Seelenleben anders. Und es ist charakteristisch, wie er es gliedert. Er unterscheidet auch eine Dreiteilung des Seelenlebens, aber nicht die nach Vorstellen, Fühlen und Wollen, sondern er unterscheidet Vorstellen, Urteilen und die innere Welt der Gemütsbewegungen. So daß also nach Brentano das Seelenleben zerfällt in Vorstellen, Urteilen und in die Welt der Gemütsbewegungen. Das Vorstellen führt uns zunächst über die Seele nicht hinaus. Wenn wir irgend etwas vorstellen, so ist das Vorgestellte in unserer Seele. Wir glauben auch, es beziehe sich auf etwas, aber es ist gewissermaßen nicht ausgemacht, ob sich das Vorgestellte auf etwas bezieht. Insofern wir im Vorstellen bleiben, ist das Phantasiegebilde ganz ebenso eine Vorstellung wie dasjenige, was sich auf die Wirklichkeit bezieht. Auch wenn ich Vorstellungen miteinander verknüpfe, so ist damit nicht ausgemacht, daß ich in der Welt der Wirklichkeit bin. Der Baum ist eine Vorstellung, grün ist eine Vorstellung. «Der Baum ist grün» verknüpft zwei Vorstellungen. Aber damit ist nicht ausgemacht, wenn ich vorstelle «der Baum ist grün», daß ich in einer Wirklichkeit stehe, denn dieser grüne Baum könnte auch meine Phantasievorstellung sein. In der Wirklichkeit stehe ich erst, sagte sich Brentano, wenn ich urteile; und eigentlich urteile ich schon, nur maskiert, wenn ich in solcher Weise Vorstellungen verknüpfe, wie: der Baum ist grün. Denn ich meine damit nicht, daß ich bloß die Vorstellungen Baum und grün miteinander verknüpfe, sondern ich meine eigentlich: es gibt einen grünen Baum. Da gehe ich aber über zur Existenz, da bleibe ich nicht innerhalb meiner Vorstellung stehen. Es ist ein Unterschied zwischen dem Bewußtsein: der Baum ist grün, und dem Bewußtsein: es ist ein grüner Baum. Das erste ist ein bloßes Vorstellen, das zweite ist etwas, dem in der Seele Anerkennen oder Verwerfen zugrunde liegt, so daß man im bloßen Vorstellen eben mit der Seele selbst beschäftigt ist. Im Urteilen hat man es zu tun mit einer Seelentätigkeit, die aber sich in Beziehung setzt zu der Umwelt, indem sie anerkennt oder verwirft. «Ein grüner Baum ist» ist nicht bloß die Anerkennung, daß ich ihn vorstelle, sondern daß er, abgesehen von meiner Vorstellung, da ist. «Ein Kentaur ist nicht» ist die Verwerfung der Vorstellung: halb Mensch, halb Tier; das ist Urteilen. Das ist die zweite Seelentätigkeit.
[ 8 ] Das dritte, was Brentano unterscheidet in der Seele ist die Gemütsbewegung. So wie das Urteilen beruht auf Anerkennen und Verwerfen, so beruht die Gemütsbewegung überall auf einem Lieben oder Hassen, auf Gefallen oder Mißfallen. Irgend etwas ist mir sympathisch, oder irgend etwas ist mir antipathisch. Und das Wollen unterscheidet Brentano nun nicht von der bloßen Gemütsbewegung. Das ist sehr charakteristisch, das weist in tiefe Geheimnisse der Brentano-Seele hinein. Es würde zu weit führen, wollte ich das ausführen, aber ich will nur sagen, daß Brentano nicht unterscheidet zwischen dem bloßen Fühlen im Gefallen oder Mißfallen und dem Wollen, sondern daß das für ihn ineinander übergeht. Wenn ich etwas will, so untersucht dabei Brentano auch nur, daß ich es liebe; wenn ich es nicht will, untersucht er, daß ich es hasse. Das ist also das Dritte, das er in der Seele unterscheidet. Lieben und Hassen, Anerkennen und Verwerfen, und das Vorstellen im allgemeinen.
[ 8 ] Das dritte, was Brentano unterscheidet in der Seele ist die Gemütsbewegung. So wie das Urteilen beruht auf Anerkennen und Verwerfen, so beruht die Gemütsbewegung überall auf einem Lieben oder Hassen, auf Gefallen oder Mißfallen. Irgend etwas ist mir sympathisch, oder irgend etwas ist mir antipathisch. Und das Wollen unterscheidet Brentano nun nicht von der bloßen Gemütsbewegung. Das ist sehr charakteristisch, das weist in tiefe Geheimnisse der Brentano-Seele hinein. Es würde zu weit führen, wollte ich das ausführen, aber ich will nur sagen, daß Brentano nicht unterscheidet zwischen dem bloßen Fühlen im Gefallen oder Mißfallen und dem Wollen, sondern daß das für ihn ineinander übergeht. Wenn ich etwas will, so untersucht dabei Brentano auch nur, daß ich es liebe; wenn ich es nicht will, untersucht er, daß ich es hasse. Das ist also das Dritte, das er in der Seele unterscheidet. Lieben und Hassen, Anerkennen und Verwerfen, und das Vorstellen im allgemeinen.
[ 9 ] Bei dieser Gelegenheit gingen nun Brentano wirklich auf die zwei zunächst größten Rätsel des menschlichen Seelenlebens, das Rätsel nach der Wahrheit und das Rätsel nach dem Guten. Was ist wahr? Was ist gut? Denn ringt man nach der Berechtigung des Urteils, so muß man fragen: Woher kommt es, daß wir das eine anerkennen, das andere verwerfen? Was wir anerkennen, zählen wir zur Wahrheit, was wir verwerfen, zählen wir zur Unwahrheit. Da stecken wir drinnen in dem Problem, in dem Rätsel: Was ist überhaupt Wahrheit? — Wenn wir nach den Gemütsbewegungen hinsehen, stecken wir drinnen in dem Rätsel des Guten und Bösen, oder Guten und Schlechten. Denn es ist ganz klar, daß in der Art von Anerkennung, die im Lieben liegt — wobei Lieben von Brentano gemeint ist als die Anerkennung, die wir einer Handlung, die wir gut nennen, zuteil werden lassen; Haß ist die Verwerfung einer Handlung, die wir böse nennen —, also in diesem Lieben und Hassen, diesen Gemütsbewegungen, liegt die Ethik, die Moral, liegt auch alles Recht. Die Frage nach dem Guten und Schlechten, die ging Brentano durch die Seele, als er vor diese seine Seele hinstellte das Wesen der menschlichen Gemütsbewegungen, des Liebens und des Hassens.
[ 9 ] Bei dieser Gelegenheit gingen nun Brentano wirklich auf die zwei zunächst größten Rätsel des menschlichen Seelenlebens, das Rätsel nach der Wahrheit und das Rätsel nach dem Guten. Was ist wahr? Was ist gut? Denn ringt man nach der Berechtigung des Urteils, so muß man fragen: Woher kommt es, daß wir das eine anerkennen, das andere verwerfen? Was wir anerkennen, zählen wir zur Wahrheit, was wir verwerfen, zählen wir zur Unwahrheit. Da stecken wir drinnen in dem Problem, in dem Rätsel: Was ist überhaupt Wahrheit? — Wenn wir nach den Gemütsbewegungen hinsehen, stecken wir drinnen in dem Rätsel des Guten und Bösen, oder Guten und Schlechten. Denn es ist ganz klar, daß in der Art von Anerkennung, die im Lieben liegt — wobei Lieben von Brentano gemeint ist als die Anerkennung, die wir einer Handlung, die wir gut nennen, zuteil werden lassen; Haß ist die Verwerfung einer Handlung, die wir böse nennen —, also in diesem Lieben und Hassen, diesen Gemütsbewegungen, liegt die Ethik, die Moral, liegt auch alles Recht. Die Frage nach dem Guten und Schlechten, die ging Brentano durch die Seele, als er vor diese seine Seele hinstellte das Wesen der menschlichen Gemütsbewegungen, des Liebens und des Hassens.
[ 10 ] Nun ist es im höchsten Grade wirklich interessant, einen Menschen wie diesen Brentano zu verfolgen, wie er durch Jahrzehnte ringt, Antwort zu bekommen auf solch eine Frage: Woher die Berechtigung des Wahren und Falschen, des Anerkennens und Verwerfens im Urteil? — Sie können die publizierten Schriften des Franz Brentano durchgehen und die nicht publizierten, später herauskommenden werden sicherlich nichts anderes bringen —, Sie können überall finden, daß das einzige, was Brentano aufbringt zur Beantwortung der Frage: Was ist wahr? Was berechtigt also zur Anerkennung im Urteil? — das ist, was er die Evidenz des Urteils nennt, die Augenscheinlichkeit; natürlich, gemeint ist die innere Augenscheinlichkeit. Wenn ich gewissermaßen einen inneren seelischen Tatbestand, als der sich ja doch alles ausdrückt, was ich erfahren kann, mir so vor das Seelenauge führen kann, daß ich ihn voll durchschauen und ihm zustimmen oder ihn bei vollem Durchschauen verwerfen kann, mit anderen Worten, wenn ich innerlich sehend und nicht innerlich blind urteile, dann gibt mir das Wahrheit. Zu etwas anderem kommt Franz Brentano nicht. Und es ist gerade das Bedeutungsvolle, daß ein Mensch eben, der denken kann, was die anderen jetzt nicht können, durch Jahrzehnte danach ringt, eine Antwort auf die Frage zu finden: Was berechtigt mich, etwas als wahr oder als falsch anzuerkennen oder zu verwerfen? Die Evidenz, die innere Augenscheinlichkeit. — Dazu kommt er.
[ 10 ] Nun ist es im höchsten Grade wirklich interessant, einen Menschen wie diesen Brentano zu verfolgen, wie er durch Jahrzehnte ringt, Antwort zu bekommen auf solch eine Frage: Woher die Berechtigung des Wahren und Falschen, des Anerkennens und Verwerfens im Urteil? — Sie können die publizierten Schriften des Franz Brentano durchgehen und die nicht publizierten, später herauskommenden werden sicherlich nichts anderes bringen —, Sie können überall finden, daß das einzige, was Brentano aufbringt zur Beantwortung der Frage: Was ist wahr? Was berechtigt also zur Anerkennung im Urteil? — das ist, was er die Evidenz des Urteils nennt, die Augenscheinlichkeit; natürlich, gemeint ist die innere Augenscheinlichkeit. Wenn ich gewissermaßen einen inneren seelischen Tatbestand, als der sich ja doch alles ausdrückt, was ich erfahren kann, mir so vor das Seelenauge führen kann, daß ich ihn voll durchschauen und ihm zustimmen oder ihn bei vollem Durchschauen verwerfen kann, mit anderen Worten, wenn ich innerlich sehend und nicht innerlich blind urteile, dann gibt mir das Wahrheit. Zu etwas anderem kommt Franz Brentano nicht. Und es ist gerade das Bedeutungsvolle, daß ein Mensch eben, der denken kann, was die anderen jetzt nicht können, durch Jahrzehnte danach ringt, eine Antwort auf die Frage zu finden: Was berechtigt mich, etwas als wahr oder als falsch anzuerkennen oder zu verwerfen? Die Evidenz, die innere Augenscheinlichkeit. — Dazu kommt er.
[ 11 ] Nun hat er durch viele Jahre in Wien vorgetragen das, was man in Österreich universitätsgemäß nannte: Die praktische Philosophie. Unter der praktischen Philosophie verstand man eigentlich eine Art Morallehre, eine Art Ethik. Und so wie sie von Brentano obligatorisch vorgetragen werden mußte, so wurde sie für angehende Juristen als ein Pflichtkolleg, eine Pflichtvorlesung, die die angehenden Juristen zu hören hatten, vorgetragen. Franz Brentano hat in diesem Kolleg über praktische Philosophie gewöhnlich nicht so sehr über «praktische Philosophie» gesprochen, sondern, ich möchte sagen, über die Frage: Wie kommt man überhaupt dazu, irgend etwas als Gutes anzuerkennen oder irgend etwas als Schlechtes hinzustellen? — Nun hatte Franz Brentano mit seinen eigenartigen Ansichten nach dieser Richtung keinen ganz leichten Stand, denn Sie wissen ja, auch über das Gute ist innerhalb der Philosophie immer gedacht worden. Und es ist auch gesucht worden, die Frage zu beantworten: Welches Recht hat man, das eine als gut, das andere als schlecht anzusehen? — beziehungsweise die Frage zu beantworten: Woraus fließt das Gute, aus welcher Quelle fließt das Gute, und aus welcher Quelle fließt das Schlechte oder Böse? — Man darf sagen, auf alle mögliche Art und Weise wurde diese Frage angefaßt. Und in der Zeit, in welcher Brentano versuchte — wenn ich mich schulmäßig, pedantisch ausdrücken wollte, würde ich sagen, das Kriterium des Guten zu suchen —, in der Zeit war rings um ihn eine eigentümliche Morallehre vorhanden: die Herbartische.
[ 11 ] Nun hat er durch viele Jahre in Wien vorgetragen das, was man in Österreich universitätsgemäß nannte: Die praktische Philosophie. Unter der praktischen Philosophie verstand man eigentlich eine Art Morallehre, eine Art Ethik. Und so wie sie von Brentano obligatorisch vorgetragen werden mußte, so wurde sie für angehende Juristen als ein Pflichtkolleg, eine Pflichtvorlesung, die die angehenden Juristen zu hören hatten, vorgetragen. Franz Brentano hat in diesem Kolleg über praktische Philosophie gewöhnlich nicht so sehr über «praktische Philosophie» gesprochen, sondern, ich möchte sagen, über die Frage: Wie kommt man überhaupt dazu, irgend etwas als Gutes anzuerkennen oder irgend etwas als Schlechtes hinzustellen? — Nun hatte Franz Brentano mit seinen eigenartigen Ansichten nach dieser Richtung keinen ganz leichten Stand, denn Sie wissen ja, auch über das Gute ist innerhalb der Philosophie immer gedacht worden. Und es ist auch gesucht worden, die Frage zu beantworten: Welches Recht hat man, das eine als gut, das andere als schlecht anzusehen? — beziehungsweise die Frage zu beantworten: Woraus fließt das Gute, aus welcher Quelle fließt das Gute, und aus welcher Quelle fließt das Schlechte oder Böse? — Man darf sagen, auf alle mögliche Art und Weise wurde diese Frage angefaßt. Und in der Zeit, in welcher Brentano versuchte — wenn ich mich schulmäßig, pedantisch ausdrücken wollte, würde ich sagen, das Kriterium des Guten zu suchen —, in der Zeit war rings um ihn eine eigentümliche Morallehre vorhanden: die Herbartische.
[ 12 ] Herbart, der einer der Nachfolger Kants war, hat ja gerade in bezug auf Ethik die Anschauung vertreten — die auch andere vertreten haben, nur er ganz hervorragend —, daß alles Ethische eigentlich darauf beruht, daß uns gewisse Verhältnisse im menschlichen Leben gefallen, andere mißfallen. Und diejenigen Verhältnisse im menschlichen Leben, die gefallen, sind die guten, die mißfallen, sind die schlechten. So daß der Mensch gewissermaßen ein naturgemäßes, ihm unmittelbar zukommendes Vermögen hätte, dem Guten Gefallen, dem Schlechten Mißfallen zuzuwenden. Herbart sagt zum Beispiel: Innere Freiheit ist etwas, was uns unter allen Umständen gefällt, wenn sie an einem Menschen erscheint. Was ist innere Freiheit? Nun, ein Mensch ist innerlich frei, wenn er so handelt, wie er sich über sein Handeln VorstelJungen machen kann, wenn sein Handeln und sein Vorstellen in Harmonie stehen. Wenn also, grob gesprochen, der A von dem B denkt: Du bist eigentlich ein schlechter Kerl —, aber ihm schmeichlerische Worte sagt, so ist das nicht der Ausfluß der inneren Freiheit, und keine Harmonie zwischen Handeln und Vorstellen. Auf diesem Einklang zwischen Vorstellen und Handeln beruht die Idee, die ethische Idee der inneren Freiheit. — Eine andere ethische Idee ist die Vollkommenheit, darin bestehend, daß, wenn wir irgend etwas tun, das wir besser tun könnten, es uns mißfällt. Wenn wir aber etwas tun, das wir so tun, daß es, mit jedem unserem möglichen anderen Tun verglichen, das bessere ist, das vollkommenere ist, so gefällt es uns. Solcher Ideen, solcher ethischen Ideen unterscheidet Herbart fünf. Das Wesentliche ist für uns das, daß Herbart auf das unmittelbar in der Seele auftretende Gefallen und Mißfallen die Ethik stützt.
[ 12 ] Herbart, der einer der Nachfolger Kants war, hat ja gerade in bezug auf Ethik die Anschauung vertreten — die auch andere vertreten haben, nur er ganz hervorragend —, daß alles Ethische eigentlich darauf beruht, daß uns gewisse Verhältnisse im menschlichen Leben gefallen, andere mißfallen. Und diejenigen Verhältnisse im menschlichen Leben, die gefallen, sind die guten, die mißfallen, sind die schlechten. So daß der Mensch gewissermaßen ein naturgemäßes, ihm unmittelbar zukommendes Vermögen hätte, dem Guten Gefallen, dem Schlechten Mißfallen zuzuwenden. Herbart sagt zum Beispiel: Innere Freiheit ist etwas, was uns unter allen Umständen gefällt, wenn sie an einem Menschen erscheint. Was ist innere Freiheit? Nun, ein Mensch ist innerlich frei, wenn er so handelt, wie er sich über sein Handeln VorstelJungen machen kann, wenn sein Handeln und sein Vorstellen in Harmonie stehen. Wenn also, grob gesprochen, der A von dem B denkt: Du bist eigentlich ein schlechter Kerl —, aber ihm schmeichlerische Worte sagt, so ist das nicht der Ausfluß der inneren Freiheit, und keine Harmonie zwischen Handeln und Vorstellen. Auf diesem Einklang zwischen Vorstellen und Handeln beruht die Idee, die ethische Idee der inneren Freiheit. — Eine andere ethische Idee ist die Vollkommenheit, darin bestehend, daß, wenn wir irgend etwas tun, das wir besser tun könnten, es uns mißfällt. Wenn wir aber etwas tun, das wir so tun, daß es, mit jedem unserem möglichen anderen Tun verglichen, das bessere ist, das vollkommenere ist, so gefällt es uns. Solcher Ideen, solcher ethischen Ideen unterscheidet Herbart fünf. Das Wesentliche ist für uns das, daß Herbart auf das unmittelbar in der Seele auftretende Gefallen und Mißfallen die Ethik stützt.
[ 13 ] Eine andere Begründung der Ethik ist die Kantische durch den sogenannten kategorischen Imperativ. Er soll darin bestehen, daß wir eine Handlung für gut finden, wenn wir uns sagen können, daß diese Handlung eine solche der allgemeinen menschlichen Gesetzgebung werden könnte. Dieser kategorische Imperativ führt auf Schritt und Tritt zu Unmöglichkeiten, eigentlich zu Leerheiten, und es ist sehr leicht einzusehen, daß selbst das Beispiel, das Kant selbst gebraucht, nicht eigentlich einen ethischen Inhalt abgibt. Zum Beispiel sagt Kant: Vertraut dir jemand irgend etwas an, was du aufbewahren sollst, und du eignest es dir an, so kann das nicht allgemeine Gesetzgebung werden. Denn wenn jeder sich das aneignen wollte, was ihm zur Aufbewahrung gegeben wird, so würde das Zusammenleben der Menschen unmöglich sein. — Nun, Sie sehen leicht ein, daß darauf nicht das Gute beruhen kann, im Behalten oder Zurückgeben irgendeines anvertrauten Gutes, das einem nicht gehört, sondern daß da andere Quellen, andere Gründe maßgebend sein müssen.
[ 13 ] Eine andere Begründung der Ethik ist die Kantische durch den sogenannten kategorischen Imperativ. Er soll darin bestehen, daß wir eine Handlung für gut finden, wenn wir uns sagen können, daß diese Handlung eine solche der allgemeinen menschlichen Gesetzgebung werden könnte. Dieser kategorische Imperativ führt auf Schritt und Tritt zu Unmöglichkeiten, eigentlich zu Leerheiten, und es ist sehr leicht einzusehen, daß selbst das Beispiel, das Kant selbst gebraucht, nicht eigentlich einen ethischen Inhalt abgibt. Zum Beispiel sagt Kant: Vertraut dir jemand irgend etwas an, was du aufbewahren sollst, und du eignest es dir an, so kann das nicht allgemeine Gesetzgebung werden. Denn wenn jeder sich das aneignen wollte, was ihm zur Aufbewahrung gegeben wird, so würde das Zusammenleben der Menschen unmöglich sein. — Nun, Sie sehen leicht ein, daß darauf nicht das Gute beruhen kann, im Behalten oder Zurückgeben irgendeines anvertrauten Gutes, das einem nicht gehört, sondern daß da andere Quellen, andere Gründe maßgebend sein müssen.
[ 14 ] Alledem was da eigentlich als ethische Ansichten in der neueren Zeit lebte, widersprach Franz Brentano. Er suchte nach einer tieferen Quelle, denn er sagte: Gefallen und Mißfallen, das begründet eigentlich nur ein ästhetisches Urteil. Bei dem Schönen können wir uns mit Recht sagen: Dasjenige ist schön, was uns gefällt, dasjenige ist häßlich, was uns mißfällt. Aber wir müssen sehr wohl verspüren, daß zum Ethischen, zum Moralischen noch ein anderer Impuls notwendig ist als derjenige, der bloß beim Schönen in uns maßgebend ist. — So sagte sich Brentano, und so wollte er denn jedes Jahr für Juristen seine Ethik begründen. Und dann hat er auch öffentlich in seinem sehr schönen Vortrage diese Begründung der Ethik ausgesprochen. «Von der natürlichen Sanktion für recht und sittlich» heißt dieser Vortrag. Es ist schon die Veranlassung sehr interessant, auf welche hin Franz Brentano diesen Vortrag gehalten hat. Der berühmte Rechtslehrer Ihering hat die Flüssigkeit der Rechtsbegriffe in einem Verein vertreten, die Flüssigkeit der Rechtsbegriffe, das heißt die Anschauung, daß das Recht nicht eigentlich etwas ist, von dem man im absoluten Sinne sprechen kann, sondern etwas, das sich im Verlaufe der Entwickelungsgeschichte der Menschheit fortwährend ändert. Man hätte eigentlich keine Möglichkeit, anders als im geschichtlichen Sinne von den Dingen zu sprechen. Geht man zurück in die Zeit, in der die Menschenfresserei üblich war, so hat man kein Recht zu sagen, für diese Zeit wären unsere Rechts- oder Sittlichkeitsbegriffe maßgebend, daß man nicht die Menschen auffrißt. Das wäre dazumal falsch gewesen. Dazumal war eben richtig die Menschenfresserei, das hat sich nur geändert im Laufe der Zeit. Wir müßten also sympathisieren für diejenige Zeit nicht mit denen, die nicht Menschenfresserei trieben, sondern wir müßten geradezu mit den Menschenfressern sympathisieren. Nun, das ist der radikalste Fall. Aber Sie sehen schon, worauf es Ihering ankommt. Es kommt nach Ihering darauf an, daß die Rechts- und Sittlichkeitsbegriffe im Laufe der Menschheitsentwickelung sich ändern, daß sie also flüssig seien. Das leuchtete Brentano durchaus nicht ein. Er wollte einen gewissen absoluten Quell des Sittlichen finden. Für die Wahrheit hat er die Evidenz hingestellt; dasjenige, was in unmittelbar klarer Anschaulichkeit seelisch einleuchtet, ist wahr. Also das richtige Urteil ist wahr. Was ist gut? Darauf fand Brentano, wiederum wirklich in jahrzehntelangem Ringen, eine ebenso, ich möchte sagen, abstrakte Antwort. Er sagte: Erfließend ist das Gute und das Schlechte aus den Gemütsbewegungen heraus. Die Gemütsbewegungen leben in Lieben und Hassen. Das Gute ist dasjenige, welches richtig geliebt wird; das Liebenswerte ist das Gute. Also dasjenige, was vom Menschen in der richtigen Weise geliebt wird, ist das Gute. Und nun bemüht er sich zu zeigen, wie in gewissen einzelnen Fällen der Mensch richtig lieben kann. So, wie er bezüglich der Wahrheit richtig urteilen soll, so soll er bezüglich des Guten richtig lieben.
[ 14 ] Alledem was da eigentlich als ethische Ansichten in der neueren Zeit lebte, widersprach Franz Brentano. Er suchte nach einer tieferen Quelle, denn er sagte: Gefallen und Mißfallen, das begründet eigentlich nur ein ästhetisches Urteil. Bei dem Schönen können wir uns mit Recht sagen: Dasjenige ist schön, was uns gefällt, dasjenige ist häßlich, was uns mißfällt. Aber wir müssen sehr wohl verspüren, daß zum Ethischen, zum Moralischen noch ein anderer Impuls notwendig ist als derjenige, der bloß beim Schönen in uns maßgebend ist. — So sagte sich Brentano, und so wollte er denn jedes Jahr für Juristen seine Ethik begründen. Und dann hat er auch öffentlich in seinem sehr schönen Vortrage diese Begründung der Ethik ausgesprochen. «Von der natürlichen Sanktion für recht und sittlich» heißt dieser Vortrag. Es ist schon die Veranlassung sehr interessant, auf welche hin Franz Brentano diesen Vortrag gehalten hat. Der berühmte Rechtslehrer Ihering hat die Flüssigkeit der Rechtsbegriffe in einem Verein vertreten, die Flüssigkeit der Rechtsbegriffe, das heißt die Anschauung, daß das Recht nicht eigentlich etwas ist, von dem man im absoluten Sinne sprechen kann, sondern etwas, das sich im Verlaufe der Entwickelungsgeschichte der Menschheit fortwährend ändert. Man hätte eigentlich keine Möglichkeit, anders als im geschichtlichen Sinne von den Dingen zu sprechen. Geht man zurück in die Zeit, in der die Menschenfresserei üblich war, so hat man kein Recht zu sagen, für diese Zeit wären unsere Rechts- oder Sittlichkeitsbegriffe maßgebend, daß man nicht die Menschen auffrißt. Das wäre dazumal falsch gewesen. Dazumal war eben richtig die Menschenfresserei, das hat sich nur geändert im Laufe der Zeit. Wir müßten also sympathisieren für diejenige Zeit nicht mit denen, die nicht Menschenfresserei trieben, sondern wir müßten geradezu mit den Menschenfressern sympathisieren. Nun, das ist der radikalste Fall. Aber Sie sehen schon, worauf es Ihering ankommt. Es kommt nach Ihering darauf an, daß die Rechts- und Sittlichkeitsbegriffe im Laufe der Menschheitsentwickelung sich ändern, daß sie also flüssig seien. Das leuchtete Brentano durchaus nicht ein. Er wollte einen gewissen absoluten Quell des Sittlichen finden. Für die Wahrheit hat er die Evidenz hingestellt; dasjenige, was in unmittelbar klarer Anschaulichkeit seelisch einleuchtet, ist wahr. Also das richtige Urteil ist wahr. Was ist gut? Darauf fand Brentano, wiederum wirklich in jahrzehntelangem Ringen, eine ebenso, ich möchte sagen, abstrakte Antwort. Er sagte: Erfließend ist das Gute und das Schlechte aus den Gemütsbewegungen heraus. Die Gemütsbewegungen leben in Lieben und Hassen. Das Gute ist dasjenige, welches richtig geliebt wird; das Liebenswerte ist das Gute. Also dasjenige, was vom Menschen in der richtigen Weise geliebt wird, ist das Gute. Und nun bemüht er sich zu zeigen, wie in gewissen einzelnen Fällen der Mensch richtig lieben kann. So, wie er bezüglich der Wahrheit richtig urteilen soll, so soll er bezüglich des Guten richtig lieben.
[ 15 ] Ich will nicht auf Einzelheiten eingehen, sondern ich will hauptsächlich betonen, daß nun Franz Brentano wirklich in jahrzehntelangem Ringen das Gute auf die einfache Formel gebracht hat: es ist das Liebenswerte, es ist dasjenige, was in richtiger Liebe getan wird. Eine Abstraktion! Denn bei Brentano ist das Große wirklich nicht dasjenige, zu dem er gekommen ist. Denn Sie werden sagen: es sind eigentlich magere Ergebnisse: «Das Wahre ist das, was aus der Evidenz des Urteils folgt», «Das Gute ist dasjenige, was richtig geliebt wird.» Es sind magere Dinge, werden Sie sagen. Aber das Charakteristische ist die Energie, der Ernst des Strebens; denn Sie werden wirklich nicht, bei keinem anderen Philosophen der Gegenwart, solch einen aristotelischen Scharfsinn in den Auseinandersetzungen finden und zu gleicher Zeit ein solches Mitschwingen des ganzen seelischen Lebens bei allem, was er sagte. Diese mageren Resultate werden doch eigentlich erst dadurch wertvoll, daß man sie bei einem Menschen, der eben so ringt, verfolgt. Aber gerade durch diese Art des Seelenlebens war Franz Brentano ein Repräsentant geistigen Strebens. Man könnte viele Menschen der Gegenwart — Philosophen — anführen, welche schon den Versuch gemacht haben, die Fragen: Was ist das Wahre?, was ist das Gute? zu beantworten. Gerade bei den Geschätztesten würde man finden, daß die Antworten viel leerer sind als die von Brentano, trotzdem Ihnen, die Sie sich jahrelang mit der Geisteswissenschaft befassen, Brentanos Antworten so mager erscheinen müssen. Brentano hat ja auch, ich möchte sagen, das Schicksal der ringenden Menschen der Gegenwart gehabt, denn er ist wenig in seinem Ringen verstanden worden.
[ 15 ] Ich will nicht auf Einzelheiten eingehen, sondern ich will hauptsächlich betonen, daß nun Franz Brentano wirklich in jahrzehntelangem Ringen das Gute auf die einfache Formel gebracht hat: es ist das Liebenswerte, es ist dasjenige, was in richtiger Liebe getan wird. Eine Abstraktion! Denn bei Brentano ist das Große wirklich nicht dasjenige, zu dem er gekommen ist. Denn Sie werden sagen: es sind eigentlich magere Ergebnisse: «Das Wahre ist das, was aus der Evidenz des Urteils folgt», «Das Gute ist dasjenige, was richtig geliebt wird.» Es sind magere Dinge, werden Sie sagen. Aber das Charakteristische ist die Energie, der Ernst des Strebens; denn Sie werden wirklich nicht, bei keinem anderen Philosophen der Gegenwart, solch einen aristotelischen Scharfsinn in den Auseinandersetzungen finden und zu gleicher Zeit ein solches Mitschwingen des ganzen seelischen Lebens bei allem, was er sagte. Diese mageren Resultate werden doch eigentlich erst dadurch wertvoll, daß man sie bei einem Menschen, der eben so ringt, verfolgt. Aber gerade durch diese Art des Seelenlebens war Franz Brentano ein Repräsentant geistigen Strebens. Man könnte viele Menschen der Gegenwart — Philosophen — anführen, welche schon den Versuch gemacht haben, die Fragen: Was ist das Wahre?, was ist das Gute? zu beantworten. Gerade bei den Geschätztesten würde man finden, daß die Antworten viel leerer sind als die von Brentano, trotzdem Ihnen, die Sie sich jahrelang mit der Geisteswissenschaft befassen, Brentanos Antworten so mager erscheinen müssen. Brentano hat ja auch, ich möchte sagen, das Schicksal der ringenden Menschen der Gegenwart gehabt, denn er ist wenig in seinem Ringen verstanden worden.
[ 16 ] Wenn man nun bei Franz Brentano dieses Ringen nach den Antworten auf die Fragen: Was ist wahr? Was ist gut? — sich ansieht, so findet man bei ihm auch eben am klarsten, am anschaulichsten, wo es fehlen muß bei einem Menschen der Gegenwart, der nicht in die Geisteswissenschaft herein will, weil eben Franz Brentano es am weitesten gebracht hat unter all denen, die nicht in die Geisteswissenschaft haben herein wollen. Er hat es am weitesten gebracht, daher ist er gerade charakteristisch. Im weiten Umfange des philosophischen Strebens der Gegenwart werden Sie eben nirgends die Möglichkeit finden, Antwort zu geben auf die Fragen: Was ist wahr? Was ist gut? — Konfusionen werden Sie ja viele finden. Interessante Konfusionen sind zum Beispiel solche wie die Windelbandschen. Windelband, der lange in Heidelberg als Professor gelehrt hat, auch in Freiburg, Windelband konnte nichts herausfinden in der Seele, was dazu führt, etwas als wahr anzuerkennen oder als falsch zu verwerfen. Daher gründete er das Wahre auch auf die Zustimmung, also gewissermaßen auf das Lieben. Ein Urteil, das wir in einem gewissen Sinne lieben können, ist wahr, und ein Urteil, das wir hassen müssen, wäre also dann unwahr. Verstecktes Lieben und Hassen steckt auch in Wahr und Unwahr darin. Bei den Herbartianern sehen Sie, daß das ethisch Gute und ethisch Schlechte auch nach Gefallen und Mißfallen beurteilt wird, was Franz Brentano nur für das Schöne oder Häßliche gelten lassen will.
[ 16 ] Wenn man nun bei Franz Brentano dieses Ringen nach den Antworten auf die Fragen: Was ist wahr? Was ist gut? — sich ansieht, so findet man bei ihm auch eben am klarsten, am anschaulichsten, wo es fehlen muß bei einem Menschen der Gegenwart, der nicht in die Geisteswissenschaft herein will, weil eben Franz Brentano es am weitesten gebracht hat unter all denen, die nicht in die Geisteswissenschaft haben herein wollen. Er hat es am weitesten gebracht, daher ist er gerade charakteristisch. Im weiten Umfange des philosophischen Strebens der Gegenwart werden Sie eben nirgends die Möglichkeit finden, Antwort zu geben auf die Fragen: Was ist wahr? Was ist gut? — Konfusionen werden Sie ja viele finden. Interessante Konfusionen sind zum Beispiel solche wie die Windelbandschen. Windelband, der lange in Heidelberg als Professor gelehrt hat, auch in Freiburg, Windelband konnte nichts herausfinden in der Seele, was dazu führt, etwas als wahr anzuerkennen oder als falsch zu verwerfen. Daher gründete er das Wahre auch auf die Zustimmung, also gewissermaßen auf das Lieben. Ein Urteil, das wir in einem gewissen Sinne lieben können, ist wahr, und ein Urteil, das wir hassen müssen, wäre also dann unwahr. Verstecktes Lieben und Hassen steckt auch in Wahr und Unwahr darin. Bei den Herbartianern sehen Sie, daß das ethisch Gute und ethisch Schlechte auch nach Gefallen und Mißfallen beurteilt wird, was Franz Brentano nur für das Schöne oder Häßliche gelten lassen will.
[ 17 ] Also Konfusionen gibt es viele. Eine Möglichkeit, über diese Grundverhältnisse der Seele irgendwie zur Klarheit zu kommen, gibt es nicht. Es ist zum Verzweifeln. Wenn man sich einläßt auf die gegenwärtigen Philosophen, kann man schon manchmal verzweifeln. Die Fragen werfen sie natürlich auf, sie glauben auch manchmal Antworten zu geben, aber gerade wenn sie Antworten geben wollen, dann ist es am schlimmsten, denn dann merkt man überall, daß das nur Scheinantworten sind, gleichviel ob sie zustimmend oder verwerfend sind.
[ 17 ] Also Konfusionen gibt es viele. Eine Möglichkeit, über diese Grundverhältnisse der Seele irgendwie zur Klarheit zu kommen, gibt es nicht. Es ist zum Verzweifeln. Wenn man sich einläßt auf die gegenwärtigen Philosophen, kann man schon manchmal verzweifeln. Die Fragen werfen sie natürlich auf, sie glauben auch manchmal Antworten zu geben, aber gerade wenn sie Antworten geben wollen, dann ist es am schlimmsten, denn dann merkt man überall, daß das nur Scheinantworten sind, gleichviel ob sie zustimmend oder verwerfend sind.
[ 18 ] Nun ist es interessant, daß Franz Brentano überall, ich möchte sagen, just an dem Punkte steht, wo er, wenn er ein Stückchen weiter ginge, in das Rechte hineinkäme. Es kann nämlich niemand die Fragen: Was ist wahr? Was ist falsch? — beantworten, niemand, der bloß die heutigen Ansichten vom Menschenwesen hat. Es gibt keine Möglichkeit, auf der einen Seite die heutigen Ansichten vom Menschenwesen zu haben, und auf der anderen Seite die Frage zu beantworten: Was bedeutet die Wahrheit im menschlichen Leben? — Es gibt auch keine Möglichkeit, die Frage zu beantworten: Was ist gut? —, wenn man vom Menschenwesen die Ansicht hat, die heute üblich ist. Das gibt es nicht. Wir werden gleich sehen, warum. Vorerst möchte ich aber Ihre Aufmerksamkeit auf dasjenige hinlenken, was, ich möchte sagen, die Leute nach beiden Richtungen hin beirrt: Das ist das Schöne.
[ 18 ] Nun ist es interessant, daß Franz Brentano überall, ich möchte sagen, just an dem Punkte steht, wo er, wenn er ein Stückchen weiter ginge, in das Rechte hineinkäme. Es kann nämlich niemand die Fragen: Was ist wahr? Was ist falsch? — beantworten, niemand, der bloß die heutigen Ansichten vom Menschenwesen hat. Es gibt keine Möglichkeit, auf der einen Seite die heutigen Ansichten vom Menschenwesen zu haben, und auf der anderen Seite die Frage zu beantworten: Was bedeutet die Wahrheit im menschlichen Leben? — Es gibt auch keine Möglichkeit, die Frage zu beantworten: Was ist gut? —, wenn man vom Menschenwesen die Ansicht hat, die heute üblich ist. Das gibt es nicht. Wir werden gleich sehen, warum. Vorerst möchte ich aber Ihre Aufmerksamkeit auf dasjenige hinlenken, was, ich möchte sagen, die Leute nach beiden Richtungen hin beirrt: Das ist das Schöne.
[ 19 ] Bei den Herbartianern ist ja das Gute nur eine Unterabteilung des Schönen, des Schönen nämlich, das als Eigenschaft der menschlichen Handlungen auftritt. Wenn man die Frage aufwirft: Was ist eigentlich das Schöne? —, dann wird es ja vor allen Dingen auffallen, daß dieses Schöne wirklich einen recht starken subjektiven Charakter hat. Über nichts wird unter Menschen mehr gestritten als über das Schöne. Was der eine schön findet, findet der andere nicht mehr schön und so weiter. Man kann sagen: Das Kurioseste im Menschenleben vollzieht sich eigentlich in diesen Streitigkeiten um das Schöne oder Häßliche, das künstlerisch Berechtigte oder Nichtberechtigte. Denn schließlich fußt das ganze Urteil über das Schöne und Häßliche, über das künstlerisch Berechtigte oder Nichtberechtigte, lediglich auf der menschlichen Eigenheit selber. Man wird gar nicht irgendeine allgemeine Gesetzgebung des Schönen jemals auffinden können. Man wird sie auch nicht auffinden sollen, denn es könnte nichts Unsinnigeres geben, als eine allgemeine Gesetzgebung über das Schöne oder Häßliche. Es könnte nichts Unsinnigeres geben. Man kann ein Kunstwerk nicht mögen, man kann aber dahin kommen, einzugehen auf dasjenige, was der Künstler wollte, das man vorher nicht eingesehen hat, und man kann es dann sehr schön finden und kann einsehen, daß man es nur deshalb nicht schön gefunden hat, weil man es nicht verstanden hat. Es ist wirklich etwas berechtigt Subjektives, dieses ästhetische Urteil, das ästhetische Anerkennen oder Verwerfen.
[ 19 ] Bei den Herbartianern ist ja das Gute nur eine Unterabteilung des Schönen, des Schönen nämlich, das als Eigenschaft der menschlichen Handlungen auftritt. Wenn man die Frage aufwirft: Was ist eigentlich das Schöne? —, dann wird es ja vor allen Dingen auffallen, daß dieses Schöne wirklich einen recht starken subjektiven Charakter hat. Über nichts wird unter Menschen mehr gestritten als über das Schöne. Was der eine schön findet, findet der andere nicht mehr schön und so weiter. Man kann sagen: Das Kurioseste im Menschenleben vollzieht sich eigentlich in diesen Streitigkeiten um das Schöne oder Häßliche, das künstlerisch Berechtigte oder Nichtberechtigte. Denn schließlich fußt das ganze Urteil über das Schöne und Häßliche, über das künstlerisch Berechtigte oder Nichtberechtigte, lediglich auf der menschlichen Eigenheit selber. Man wird gar nicht irgendeine allgemeine Gesetzgebung des Schönen jemals auffinden können. Man wird sie auch nicht auffinden sollen, denn es könnte nichts Unsinnigeres geben, als eine allgemeine Gesetzgebung über das Schöne oder Häßliche. Es könnte nichts Unsinnigeres geben. Man kann ein Kunstwerk nicht mögen, man kann aber dahin kommen, einzugehen auf dasjenige, was der Künstler wollte, das man vorher nicht eingesehen hat, und man kann es dann sehr schön finden und kann einsehen, daß man es nur deshalb nicht schön gefunden hat, weil man es nicht verstanden hat. Es ist wirklich etwas berechtigt Subjektives, dieses ästhetische Urteil, das ästhetische Anerkennen oder Verwerfen.
[ 20 ] Es würde sehr lange dauern, wenn ich Ihnen im einzelnen die Berechtigung dieser Behauptung erhärten wollte, die ich eben ausgesprochen habe, aber Sie wissen ja, eine gewisse Berechtigung hat schon der Satz: Über den Geschmack läßt sich nicht streiten. Man hat eben für irgendeine Sache Geschmack oder hat ihn nicht, hat ihn schon oder hat ihn noch nicht. Woher kommt dieses? Sehen Sie, das kommt davon her, daß bei aller Wahrnehmung desjenigen, auf das wir die Idee des Schönen anwenden, eigentlich ein doppeltes Wahrnehmen vorhanden ist. Das ist der wichtige Tatbestand, der sich der geisteswissenschaftlichen Forschung ergibt. Wenn Sie überhaupt veranlaßt werden, etwas unter die Idee des Schönen zu subsummieren, dann ist eigentlich Ihre Wahrnehmung eine Doppelwahrnehmung dem betreffenden Gegenstand gegenüber. Sie nehmen einen Gegenstand, den Sie so betrachten, wahr, erstens indem er eine gewisse Wirkung auf Sie ausübt, auf physischen und Ätherleib. Dies ist die eine Strömung, möchte ich sagen, die von dem schönen Objekt zu Ihnen kommt, die Strömung, die auf den physischen und auf den Ätherleib geht, gleichgültig, ob Sie eine Malerei, eine Skulptur oder irgend etwas vor sich haben, die Wirkung geschieht auf physischen und Ätherleib. Und im physischen und Ätherleib erleben Sie mit dasjenige, was da draußen ist. Außerdem erleben Sie im Ich und im Astralleibe dasjenige mit, was draußen ist. Aber Sie erleben es nicht so mit, daß Sie das letztere in einem Akt mit dem ersteren erleben, sondern Sie erleben tatsächlich eine Zweiheit. Sie erleben auf der einen Seite den Eindruck auf Ihren physischen und Ätherleib, und auf der anderen Seite erleben Sie den Eindruck auf Ihr Ich und Ihren Astralleib. Sie erleben tatsächlich eine Doppelwahrnehmung. Und je nachdem Sie in der Lage sind, das eine mit dem anderen in Harmonie oder Disharmonie zu bringen, finden Sie das betreffende Objekt schön oder häßlich. Erleben Sie für Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib auf der einen Seite etwas, für Ihr Ich und den Astralleib auf der anderen Seite etwas, und Sie können die beiden Dinge nicht miteinander vereinigen, die beiden Dinge klingen nicht zusammen, dann können Sie das betreffende Kunstwerk nicht verstehen, dann wirkt es nicht schön. Das Schöne ist unter allen Umständen darin gelegen, daß auf der einen Seite Ihr Ich und Astralleib, auf der anderen Seite Ihr physischer und Ätherleib zusammenschwingen, miteinander in Einklang kommen. Es muß ein innerer Prozeß, ein innerer Vorgang stattfinden, damit Sie etwas als schön erleben können. Anders können Sie das Schöne nicht erleben. — Denken Sie, wieviel Möglichkeiten es da gibt im Erleben des Schönen, wie vielerlei Zusammenstimmungen und Nichtzusammenstimmungen da möglich sind. So ist einmal das Schöne etwas Subjektives, etwas im Innern zu Erlebendes.
[ 20 ] Es würde sehr lange dauern, wenn ich Ihnen im einzelnen die Berechtigung dieser Behauptung erhärten wollte, die ich eben ausgesprochen habe, aber Sie wissen ja, eine gewisse Berechtigung hat schon der Satz: Über den Geschmack läßt sich nicht streiten. Man hat eben für irgendeine Sache Geschmack oder hat ihn nicht, hat ihn schon oder hat ihn noch nicht. Woher kommt dieses? Sehen Sie, das kommt davon her, daß bei aller Wahrnehmung desjenigen, auf das wir die Idee des Schönen anwenden, eigentlich ein doppeltes Wahrnehmen vorhanden ist. Das ist der wichtige Tatbestand, der sich der geisteswissenschaftlichen Forschung ergibt. Wenn Sie überhaupt veranlaßt werden, etwas unter die Idee des Schönen zu subsummieren, dann ist eigentlich Ihre Wahrnehmung eine Doppelwahrnehmung dem betreffenden Gegenstand gegenüber. Sie nehmen einen Gegenstand, den Sie so betrachten, wahr, erstens indem er eine gewisse Wirkung auf Sie ausübt, auf physischen und Ätherleib. Dies ist die eine Strömung, möchte ich sagen, die von dem schönen Objekt zu Ihnen kommt, die Strömung, die auf den physischen und auf den Ätherleib geht, gleichgültig, ob Sie eine Malerei, eine Skulptur oder irgend etwas vor sich haben, die Wirkung geschieht auf physischen und Ätherleib. Und im physischen und Ätherleib erleben Sie mit dasjenige, was da draußen ist. Außerdem erleben Sie im Ich und im Astralleibe dasjenige mit, was draußen ist. Aber Sie erleben es nicht so mit, daß Sie das letztere in einem Akt mit dem ersteren erleben, sondern Sie erleben tatsächlich eine Zweiheit. Sie erleben auf der einen Seite den Eindruck auf Ihren physischen und Ätherleib, und auf der anderen Seite erleben Sie den Eindruck auf Ihr Ich und Ihren Astralleib. Sie erleben tatsächlich eine Doppelwahrnehmung. Und je nachdem Sie in der Lage sind, das eine mit dem anderen in Harmonie oder Disharmonie zu bringen, finden Sie das betreffende Objekt schön oder häßlich. Erleben Sie für Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib auf der einen Seite etwas, für Ihr Ich und den Astralleib auf der anderen Seite etwas, und Sie können die beiden Dinge nicht miteinander vereinigen, die beiden Dinge klingen nicht zusammen, dann können Sie das betreffende Kunstwerk nicht verstehen, dann wirkt es nicht schön. Das Schöne ist unter allen Umständen darin gelegen, daß auf der einen Seite Ihr Ich und Astralleib, auf der anderen Seite Ihr physischer und Ätherleib zusammenschwingen, miteinander in Einklang kommen. Es muß ein innerer Prozeß, ein innerer Vorgang stattfinden, damit Sie etwas als schön erleben können. Anders können Sie das Schöne nicht erleben. — Denken Sie, wieviel Möglichkeiten es da gibt im Erleben des Schönen, wie vielerlei Zusammenstimmungen und Nichtzusammenstimmungen da möglich sind. So ist einmal das Schöne etwas Subjektives, etwas im Innern zu Erlebendes.
[ 21 ] Was ist dagegen das Wahre? Im Wahren stehen Sie auch einem Objekte, einem Gegenstand gegenüber; aber wie da gewirkt wird, geht zunächst auf Ihren physischen und Ätherleib. Und dann müssen Sie Ihrerseits die Wirkung auf den physischen und Ätherleib wahrnehmen. Merken Sie den Unterschied, bitte! Wenn Sie dem schönen Objekt gegenüberstehen, haben Sie die Doppelwahrnehmung; das Schöne wirkt auf Ihren physischen und Ätherleib und auf Ich und Astralleib, und innerlich müssen Sie die Harmonie herstellen. Alles dasjenige, was überhaupt je Gegenstand des Wahren bilden kann, muß auf physischen und Ätherleib wirken, und Sie müssen dann innerlich diese Wirkung, die auf Sie ausgeübt wird, wahrnehmen. Beim Schönen nehmen Sie die Wirkung auf physischen und Ätherleib nicht wahr, die bleibt unbewußt. Ebenso bringen Sie auf der anderen Seite die Wirkung auf Ich und Astralleib nicht herunter ins Bewußtsein, sondern das schwingt im Unterbewußten hin und her bei dem, was Gegenstand des Wahren ist. Notwendig ist, daß Sie sich jetzt dem physischen und Ätherleib hingeben und im Ich und Astralleib die Abspiegelung desjenigen, was da drinnen vorgeht, finden. Also Sie haben beim Wahren im Ich und Astralleib dasjenige, was Sie im physischen und Ätherleib haben. Beim Schönen haben Sie etwas anderes im Ich und Astralleib. So ist also die Frage nach dem Wahren hingelenkt auf die menschliche Wesenheit, insofern sich als die untersten Glieder dieser Wesenheit physischer Leib und Ätherleib zeigen. Im physischen Leibe erleben wir nur die äußere Scheinwelt mit; im Ätherleib erleben wir einzig und allein dasjenige mit, was den Einklang mit dem gesamten Kosmos ergibt. Die Wahrheit liegt daher verankert im Ätherleib, und wer keinen Ätherleib anerkennt, kann nie die Frage beantworten: Wo sitzt die Wahrheit? — Er kann die Frage beantworten: Wo sitzt der Sinnenschein? —, aber nicht die Frage nach der Wahrheit. Denn der Sinnenschein, der im physischen Leibe sitzt, wird erst zur Wahrheit verarbeitet im Ätherleibe. So daß die Frage nach der Wahrheit nur derjenige beantworten kann, der diese ganze Einwirkung des äußeren Objektes auf physischen Leib und Ätherleib anerkennt.
[ 21 ] Was ist dagegen das Wahre? Im Wahren stehen Sie auch einem Objekte, einem Gegenstand gegenüber; aber wie da gewirkt wird, geht zunächst auf Ihren physischen und Ätherleib. Und dann müssen Sie Ihrerseits die Wirkung auf den physischen und Ätherleib wahrnehmen. Merken Sie den Unterschied, bitte! Wenn Sie dem schönen Objekt gegenüberstehen, haben Sie die Doppelwahrnehmung; das Schöne wirkt auf Ihren physischen und Ätherleib und auf Ich und Astralleib, und innerlich müssen Sie die Harmonie herstellen. Alles dasjenige, was überhaupt je Gegenstand des Wahren bilden kann, muß auf physischen und Ätherleib wirken, und Sie müssen dann innerlich diese Wirkung, die auf Sie ausgeübt wird, wahrnehmen. Beim Schönen nehmen Sie die Wirkung auf physischen und Ätherleib nicht wahr, die bleibt unbewußt. Ebenso bringen Sie auf der anderen Seite die Wirkung auf Ich und Astralleib nicht herunter ins Bewußtsein, sondern das schwingt im Unterbewußten hin und her bei dem, was Gegenstand des Wahren ist. Notwendig ist, daß Sie sich jetzt dem physischen und Ätherleib hingeben und im Ich und Astralleib die Abspiegelung desjenigen, was da drinnen vorgeht, finden. Also Sie haben beim Wahren im Ich und Astralleib dasjenige, was Sie im physischen und Ätherleib haben. Beim Schönen haben Sie etwas anderes im Ich und Astralleib. So ist also die Frage nach dem Wahren hingelenkt auf die menschliche Wesenheit, insofern sich als die untersten Glieder dieser Wesenheit physischer Leib und Ätherleib zeigen. Im physischen Leibe erleben wir nur die äußere Scheinwelt mit; im Ätherleib erleben wir einzig und allein dasjenige mit, was den Einklang mit dem gesamten Kosmos ergibt. Die Wahrheit liegt daher verankert im Ätherleib, und wer keinen Ätherleib anerkennt, kann nie die Frage beantworten: Wo sitzt die Wahrheit? — Er kann die Frage beantworten: Wo sitzt der Sinnenschein? —, aber nicht die Frage nach der Wahrheit. Denn der Sinnenschein, der im physischen Leibe sitzt, wird erst zur Wahrheit verarbeitet im Ätherleibe. So daß die Frage nach der Wahrheit nur derjenige beantworten kann, der diese ganze Einwirkung des äußeren Objektes auf physischen Leib und Ätherleib anerkennt.
[ 22 ] Würde sich also Franz Brentano auf die Frage: Was ist Wahrheit? Antwort haben geben wollen, so würde er die ganze Beziehung, in der der Mensch steht zur Welt durch seinen Ätherleib, haben untersuchen müssen. Das kann er nicht, weil er den Ätherleib nicht anerkennt. Daher bleibt ihm nichts anderes übrig, als gewissermaßen ein mageres Urteil hinzustellen, ein mageres Wort: Die Evidenz. Denn die Auseinandersetzung der Wahrheit ist einerlei mit der Erklärung der Beziehungen des menschlichen Ätherleibes zum Kosmos. Wir stehen mit dem Kosmos in Zusammenhang, indem wir die Wahrheit ausdrücken, dadurch, daß wir mit dem Kosmos durch den Ätherleib in Zusammenhang stehen. Gerade aus diesem Grunde muß uns nach dem Tode das Erleben des Ätherleibes für mehrere Tage verbleiben. Denn würde es das nicht, ginge uns die Wahrheit für die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verloren. Wir leben auf Erden, um unsere Vereinigung mit der Wahrheit zu pflegen, und nehmen gewissermaßen das Erlebnis der Wahrheit mit, indem wir mehrere Tage nach unserem Tode in dem großen Tableau des Ätherleibes leben. — Untersuchungen also über den menschlichen Ätherleib würden dasjenige bilden, was die Frage zu beantworten hat: Was ist Wahrheit?
[ 22 ] Würde sich also Franz Brentano auf die Frage: Was ist Wahrheit? Antwort haben geben wollen, so würde er die ganze Beziehung, in der der Mensch steht zur Welt durch seinen Ätherleib, haben untersuchen müssen. Das kann er nicht, weil er den Ätherleib nicht anerkennt. Daher bleibt ihm nichts anderes übrig, als gewissermaßen ein mageres Urteil hinzustellen, ein mageres Wort: Die Evidenz. Denn die Auseinandersetzung der Wahrheit ist einerlei mit der Erklärung der Beziehungen des menschlichen Ätherleibes zum Kosmos. Wir stehen mit dem Kosmos in Zusammenhang, indem wir die Wahrheit ausdrücken, dadurch, daß wir mit dem Kosmos durch den Ätherleib in Zusammenhang stehen. Gerade aus diesem Grunde muß uns nach dem Tode das Erleben des Ätherleibes für mehrere Tage verbleiben. Denn würde es das nicht, ginge uns die Wahrheit für die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verloren. Wir leben auf Erden, um unsere Vereinigung mit der Wahrheit zu pflegen, und nehmen gewissermaßen das Erlebnis der Wahrheit mit, indem wir mehrere Tage nach unserem Tode in dem großen Tableau des Ätherleibes leben. — Untersuchungen also über den menschlichen Ätherleib würden dasjenige bilden, was die Frage zu beantworten hat: Was ist Wahrheit?
[ 23 ] Die andere Frage, die Franz Brentano beantworten wollte, das war die Frage: Was ist das Gute? — Gerade so, wie der Mensch das äußere Objekt, das Gegenstand der Wahrheit wird, wirken lassen muß auf seinen physischen und Ätherleib, so muß dasjenige, was Impuls des Guten beziehungsweise auch Impuls des Bösen werden soll, auf das Ich und den Astralleib wirken. Da können sie noch nicht vorgestellt werden; sie müssen jetzt vorgestellt werden, indem sie sich spiegeln im Ätherleibe und physischen Leibe. Vorstellungen von Gut und Böse haben wir nur, indem sich dasjenige, was im Ich und Astralleibe vorgeht, im physischen und im Ätherleib spiegelt, indem wir Bilder gewinnen von dem, was im Astralleib und Ich bildlos ist. Aber die unmittelbare Wirkung, die sich äußert im Guten und Bösen, geschieht im Ich und Astralleib. Daher weiß derjenige, der ein Ich und einen Astralleib nicht anerkennt, überhaupt nicht, wo der Impuls des Guten oder Bösen im Menschen wirkt. Er kann also nur das Wort hinsetzen: Das Gute ist dasjenige, das in der richtigen Weise geliebt wird. Liebe ist aber etwas, was im Astralleibe sich vollzieht. Das Konkrete, das Reale hat man nur, wenn man dasjenige untersucht, was im menschlichen Astralleib und im Ich sich vollzieht. Nun, das Ich des Menschen ist in der gegenwärtigen Entwickelung so, daß es nur zeigt, wie dasjenige, was im Astralleibe lebt, in Trieben, in Affekten zum Ausdruck kommt. Das Ich des Menschen ist, wie Sie wissen, nicht sehr weit in seiner Entwickelung; der Astralleib ist weiter. Aber der Astralleib kommt dem Menschen nicht so zum Bewußtsein wie das, was in seinem Ich vorgeht. Daher kommen die sittlichen Impulse auch dem Menschen so wenig zum Bewußtsein, beziehungsweise es hilft das Bewußtsein nicht viel, wenn nicht die astralischen Impulse da sind; so daß für den gegenwärtigen Menschen die sittlichen Urimpulse eigentlich im Astralleibe sitzen, so wie die Wahrheitskräfte im Ätherleibe sitzen. Durch den Astralleib hängt der Mensch zusammen mit der geistigen Welt; und in der geistigen Welt sind die Impulse des Guten. In der geistigen Welt spielt sich auch dasjenige ab, was des Menschen Gutes und Böses ist. Was wir von diesen wissen, ist nur die Spiegelung im Ätherleibe und physischen Leibe.
[ 23 ] Die andere Frage, die Franz Brentano beantworten wollte, das war die Frage: Was ist das Gute? — Gerade so, wie der Mensch das äußere Objekt, das Gegenstand der Wahrheit wird, wirken lassen muß auf seinen physischen und Ätherleib, so muß dasjenige, was Impuls des Guten beziehungsweise auch Impuls des Bösen werden soll, auf das Ich und den Astralleib wirken. Da können sie noch nicht vorgestellt werden; sie müssen jetzt vorgestellt werden, indem sie sich spiegeln im Ätherleibe und physischen Leibe. Vorstellungen von Gut und Böse haben wir nur, indem sich dasjenige, was im Ich und Astralleibe vorgeht, im physischen und im Ätherleib spiegelt, indem wir Bilder gewinnen von dem, was im Astralleib und Ich bildlos ist. Aber die unmittelbare Wirkung, die sich äußert im Guten und Bösen, geschieht im Ich und Astralleib. Daher weiß derjenige, der ein Ich und einen Astralleib nicht anerkennt, überhaupt nicht, wo der Impuls des Guten oder Bösen im Menschen wirkt. Er kann also nur das Wort hinsetzen: Das Gute ist dasjenige, das in der richtigen Weise geliebt wird. Liebe ist aber etwas, was im Astralleibe sich vollzieht. Das Konkrete, das Reale hat man nur, wenn man dasjenige untersucht, was im menschlichen Astralleib und im Ich sich vollzieht. Nun, das Ich des Menschen ist in der gegenwärtigen Entwickelung so, daß es nur zeigt, wie dasjenige, was im Astralleibe lebt, in Trieben, in Affekten zum Ausdruck kommt. Das Ich des Menschen ist, wie Sie wissen, nicht sehr weit in seiner Entwickelung; der Astralleib ist weiter. Aber der Astralleib kommt dem Menschen nicht so zum Bewußtsein wie das, was in seinem Ich vorgeht. Daher kommen die sittlichen Impulse auch dem Menschen so wenig zum Bewußtsein, beziehungsweise es hilft das Bewußtsein nicht viel, wenn nicht die astralischen Impulse da sind; so daß für den gegenwärtigen Menschen die sittlichen Urimpulse eigentlich im Astralleibe sitzen, so wie die Wahrheitskräfte im Ätherleibe sitzen. Durch den Astralleib hängt der Mensch zusammen mit der geistigen Welt; und in der geistigen Welt sind die Impulse des Guten. In der geistigen Welt spielt sich auch dasjenige ab, was des Menschen Gutes und Böses ist. Was wir von diesen wissen, ist nur die Spiegelung im Ätherleibe und physischen Leibe.
[ 24 ] Sie sehen also, richtige Begriffe vom Wahren, Guten und Schönen werden erst möglich sein, wenn man die wirklichen Wesensglieder des Menschen ins Auge fassen wird. Denn man kann nicht einen Begriff über die Wahrheit gewinnen, wenn man nicht die Wesenheit des Ätherleibes ins Auge faßt. Und man kann nicht einen Begriff über das Schöne gewinnen, wenn man nicht weiß, wie innerlich namentlich Ätherleib und Astralleib zusammenvibrieren — mehr untergeordnet Ich und physischer Leib —, in dem Erleben des Schönen. Man kann nicht einen wirklichen Begriff des Guten gewinnen, wenn man nicht weiß, daß dieses Gute im Grunde genommen wirksame Kräfte im Astralleibe darstellt.
[ 24 ] Sie sehen also, richtige Begriffe vom Wahren, Guten und Schönen werden erst möglich sein, wenn man die wirklichen Wesensglieder des Menschen ins Auge fassen wird. Denn man kann nicht einen Begriff über die Wahrheit gewinnen, wenn man nicht die Wesenheit des Ätherleibes ins Auge faßt. Und man kann nicht einen Begriff über das Schöne gewinnen, wenn man nicht weiß, wie innerlich namentlich Ätherleib und Astralleib zusammenvibrieren — mehr untergeordnet Ich und physischer Leib —, in dem Erleben des Schönen. Man kann nicht einen wirklichen Begriff des Guten gewinnen, wenn man nicht weiß, daß dieses Gute im Grunde genommen wirksame Kräfte im Astralleibe darstellt.
[ 25 ] So könnte man sagen: Franz Brentano ist bis zum Tore gegangen, und seine Antworten sind eigentlich nur zu verstehen, wenn man sie auf Höheres, als er gefunden hat, bezieht. Sie sind daher bei ihm mager geblieben. Da, wo er davon gesprochen hat, daß in innerer Anschaulichkeit vor dem Seelenauge das Wahre aufleuchten muß, da hätte er eigentlich sagen müssen: Das Wahre nimmt man eigentlich erst dann wahr, wenn es einem gelingt, die Urteile so zu erfassen, daß man sie losbekommt vom physischen Leibe, daß man den Ätherleib losbekommt vom physischen Leibe. Nun, erinnern Sie sich, wie ich immer den Standpunkt vertreten habe, den jeder Geisteswissenschafter vertreten muß: Das erste Hellsehen ist schon das wirklich reine Denken. Derjenige, der einen reinen Gedanken faßt, ist schon hellsehend. Nur ist das gewöhnliche menschliche Denken eben kein reines Denken, sondern ein von sinnlichen Vorstellungen, von Phantasmen erfülltes Denken. Aber derjenige, der einen reinen Gedanken faßt, ist eigentlich schon hellsehend, denn der reine Gedanke kann nur im Ätherleibe gefaßt werden. Ebensowenig kann man jemals das Gute erfassen, ohne sich klar darüber zu sein, daß das Gute in demjenigen lebt, was menschlicher Astralleib beziehungsweise was vom Ich durchsetzt ist.
[ 25 ] So könnte man sagen: Franz Brentano ist bis zum Tore gegangen, und seine Antworten sind eigentlich nur zu verstehen, wenn man sie auf Höheres, als er gefunden hat, bezieht. Sie sind daher bei ihm mager geblieben. Da, wo er davon gesprochen hat, daß in innerer Anschaulichkeit vor dem Seelenauge das Wahre aufleuchten muß, da hätte er eigentlich sagen müssen: Das Wahre nimmt man eigentlich erst dann wahr, wenn es einem gelingt, die Urteile so zu erfassen, daß man sie losbekommt vom physischen Leibe, daß man den Ätherleib losbekommt vom physischen Leibe. Nun, erinnern Sie sich, wie ich immer den Standpunkt vertreten habe, den jeder Geisteswissenschafter vertreten muß: Das erste Hellsehen ist schon das wirklich reine Denken. Derjenige, der einen reinen Gedanken faßt, ist schon hellsehend. Nur ist das gewöhnliche menschliche Denken eben kein reines Denken, sondern ein von sinnlichen Vorstellungen, von Phantasmen erfülltes Denken. Aber derjenige, der einen reinen Gedanken faßt, ist eigentlich schon hellsehend, denn der reine Gedanke kann nur im Ätherleibe gefaßt werden. Ebensowenig kann man jemals das Gute erfassen, ohne sich klar darüber zu sein, daß das Gute in demjenigen lebt, was menschlicher Astralleib beziehungsweise was vom Ich durchsetzt ist.
[ 26 ] Franz Brentano hat nun in geistreicher Weise, gerade als er über den Urquell des Guten sprechen wollte, auf mancherlei Bedeutungsvolles hingewiesen, so zum Beispiel darauf, daß Aristoteles schon gesagt habe: Über das Gute kann man eigentlich nur demjenigen vortragen, der das Gute schon in seiner Gewohnheit hat. Aber denken Sie, wenn dieser Satz richtig wäre, so wäre es ja eigentlich furchtbar; denn derjenige, der das Gute schon in seiner Gewohnheit hat, der braucht einen ja eigentlich nicht dazu, ihm erst über das Gute vorzutragen, denn er tut es ja aus Gewohnheit; warum sollte man dann den erst über das Gute unterrichten? Aber wenn dieses Aristoteles-Wort richtig wäre, würde man auf der anderen Seite sagen müssen: Bei dem, der das Gute nicht in seiner Gewohnheit hat, hilft es nicht, daß über das Gute vorgetragen wird. Also das ganze Reden über das Gute wäre eigentlich unsinnig, wenn das Aristoteles-Wort richtig wäre. Wozu sollen wir denn überhaupt eine Ethik begründen? Aber das ist auch eine von den Fragen, die keine befriedigende Beantwortung finden, wenn sie nicht innerhalb der Geisteswissenschaft gestellt und beantwortet werden.
[ 26 ] Franz Brentano hat nun in geistreicher Weise, gerade als er über den Urquell des Guten sprechen wollte, auf mancherlei Bedeutungsvolles hingewiesen, so zum Beispiel darauf, daß Aristoteles schon gesagt habe: Über das Gute kann man eigentlich nur demjenigen vortragen, der das Gute schon in seiner Gewohnheit hat. Aber denken Sie, wenn dieser Satz richtig wäre, so wäre es ja eigentlich furchtbar; denn derjenige, der das Gute schon in seiner Gewohnheit hat, der braucht einen ja eigentlich nicht dazu, ihm erst über das Gute vorzutragen, denn er tut es ja aus Gewohnheit; warum sollte man dann den erst über das Gute unterrichten? Aber wenn dieses Aristoteles-Wort richtig wäre, würde man auf der anderen Seite sagen müssen: Bei dem, der das Gute nicht in seiner Gewohnheit hat, hilft es nicht, daß über das Gute vorgetragen wird. Also das ganze Reden über das Gute wäre eigentlich unsinnig, wenn das Aristoteles-Wort richtig wäre. Wozu sollen wir denn überhaupt eine Ethik begründen? Aber das ist auch eine von den Fragen, die keine befriedigende Beantwortung finden, wenn sie nicht innerhalb der Geisteswissenschaft gestellt und beantwortet werden.
[ 27 ] Wir handeln ja ganz gewiß, indem wir als Menschen in der Welt handeln, nicht unter reinen Begriffen, unter reinen Ideen, obwohl, wie Sie in der «Philosophie der Freiheit» nachlesen können, nur das Handeln unter reinen Begriffen und Ideen ein freies Handeln ist. Aber wir handeln nicht aus reinen Begriffen und Ideen, sondern wir handeln aus Trieben, Leidenschaften, Affekten heraus ebensosehr, wie aus reinen Ideen und Idealen, das letztere vielleicht sogar sehr selten. Eine Einsicht in diese Sache bekommt man, wenn man nun zu Hilfe nimmt dasjenige, was Sie ausgeführt finden in dem kleinen Büchelchen «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft», was ich dann in anderen Vorträgen weiter ausgeführt habe.
[ 27 ] Wir handeln ja ganz gewiß, indem wir als Menschen in der Welt handeln, nicht unter reinen Begriffen, unter reinen Ideen, obwohl, wie Sie in der «Philosophie der Freiheit» nachlesen können, nur das Handeln unter reinen Begriffen und Ideen ein freies Handeln ist. Aber wir handeln nicht aus reinen Begriffen und Ideen, sondern wir handeln aus Trieben, Leidenschaften, Affekten heraus ebensosehr, wie aus reinen Ideen und Idealen, das letztere vielleicht sogar sehr selten. Eine Einsicht in diese Sache bekommt man, wenn man nun zu Hilfe nimmt dasjenige, was Sie ausgeführt finden in dem kleinen Büchelchen «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft», was ich dann in anderen Vorträgen weiter ausgeführt habe.
[ 28 ] In der ersten Epoche des Lebens bis zum Zahnwechsel, bis zum siebenten Jahr, und in der zweiten Epoche bis zur Geschlechtsreife, da handeln wir wohl eigentlich vorzugsweise nur unter dem Einfluß von Trieben, von Affekten und dergleichen. Denn eigentlich werden wir erst mit der Geschlechtsreife fähig, Begriffe über Gut und Böse aufzunehmen. Man kann nun schon sagen, in dem Sinne hat Aristoteles recht, daß man ihm zugeben muß: Die Triebe zum Guten oder Schlechten, die wir schon in den ersten zwei Lebensperioden, also bis zum 14. Lebensjahr, in uns haben, die beherrschen uns eigentlich so ziemlich durch das ganze Leben hindurch, wir können sie modifizieren, unterdrücken, aber sie sind schon da, sie sind im ganzen Leben da. Es frägt sich nun bloß: Was hilft es, daß wir, wenn wir geschlechtsreif geworden sind, nun anfangen, sittliche Grundsätze zu begreifen, unsere Instinkte gleichsam zu rationalisieren, was hilft es? — Das hilft in zweifacher Beziehung; und hier betreten wir einen Boden, von dem Sie, wenn Sie in der richtigen Weise empfinden, gar bald einsehen werden, wie richtig und bedeutungsvoll sein Begreifen in der Gegenwart ist. Denken Sie das Folgende, ein Mensch sei durch erbliche Anlagen das, was man nennen könnte gut veranlagt, so daß man sieht, bis er ein geschlechtsreifer Mensch geworden ist, hat er aus dem Unbestimmten heraus eigentlich lauter gute Anlagen entwickelt. Er wird eigentlich ein ganz guter Mensch. Ich will jetzt nicht untersuchen, warum er ein guter Mensch geworden ist, sondern ich will nur auf die äußere Erscheinung hinlenken. Er ist geboren von zwei guten Eltern, hat gute Großeltern gehabt und so weiter; das hat sich alles so gemacht, daß er lauter gute Anlagen entwickelt, so daß er instinktiv das Gute tut. Aber nehmen wir an: Nach der Geschlechtsreife zeigt sich, daß er nun keine Lust hat, seine Instinkte für das Gute zu rationalisieren, sich Begriffe über diese Instinkte zu machen. Nehmen wir an, es ergebe sich diese Erscheinung durch irgendeine Veranlassung, die ich nicht weiter erörtern will. Also bis zum 14. Jahre hat er gute Instinkte entwickelt, aber nun zeigt er keine Lust, diese Instinkte in Begriffen auszudrücken. Er hat zwar Lust, das Gute zu tun, es liegt nicht in seiner Gewohnheit, ‚stark das Schlechte zu tun, er tut schon das Gute, aber wenn man ihn aufmerksam machen will: Das ist gut, das ist böse, so sagt er: Ich kümmere mich nicht darum, ob das gut oder böse ist. — Das läßt er bleiben. Er hat keine Lust, seine Instinkte zu rationalisieren, sie ins Intellektuelle zu übersetzen. Nun denken Sie sich, er ist geschlechtsreif, er bekommt Kinder — gleichgültig, ob er Mann oder Frau ist —, er bekommt Kinder. Die Kinder werden nun nicht die Instinkte haben, die er hat, wenn er diese Instinkte nicht in Begriffe umgewandelt hat, sondern dieKinder werden schon Unsicherheiten in den Instinkten aufweisen. Das ist das Bedeutsame. Also für sich konnte der betreffende Mensch mit seinen Instinkten auskommen, aber wirksame Instinkte wird er auf seine Kinder nicht übertragen können, wenn er sich nicht bewußt beschäftigt mit dem, was Gut und Böse ist. Und schon gar in das nächste Erdenleben wird er nicht hineintragen können irgendwelche Instinkte für Gut und Böse, wenn er sich im vorhergehenden Erdenleben nicht darauf eingelassen hat, sich Vorstellungen über das Gut und Böse zu machen. Es ist hier wirklich gerade so: Eine Pflanze kann ein hübsches Kraut werden. Wenn sie abgehalten wird vom Blühen, so wird keine weitere Pflanze aus ihr entstehen können. Als einzelne Pflanze, wie sie ist, kann sie ja irgendwie dienen; aber sie muß zum Blühen und Fruchttragen kommen, wenn eine neue Pflanze aus ihr entstehen soll. So kann der Mensch mit Trieben und Instinkten für sich selber ausreichen; aber er versündigt sich an der physischen und geistigen Nachwelt, wenn er bei dem bloßen Instinkte bleibt. Sehen Sie, hier wird die Sache sehr bedeutsam. Und diese Einsicht, die ergibt sich nun erst wiederum auf dem Boden der Geisteswissenschaft.
[ 28 ] In der ersten Epoche des Lebens bis zum Zahnwechsel, bis zum siebenten Jahr, und in der zweiten Epoche bis zur Geschlechtsreife, da handeln wir wohl eigentlich vorzugsweise nur unter dem Einfluß von Trieben, von Affekten und dergleichen. Denn eigentlich werden wir erst mit der Geschlechtsreife fähig, Begriffe über Gut und Böse aufzunehmen. Man kann nun schon sagen, in dem Sinne hat Aristoteles recht, daß man ihm zugeben muß: Die Triebe zum Guten oder Schlechten, die wir schon in den ersten zwei Lebensperioden, also bis zum 14. Lebensjahr, in uns haben, die beherrschen uns eigentlich so ziemlich durch das ganze Leben hindurch, wir können sie modifizieren, unterdrücken, aber sie sind schon da, sie sind im ganzen Leben da. Es frägt sich nun bloß: Was hilft es, daß wir, wenn wir geschlechtsreif geworden sind, nun anfangen, sittliche Grundsätze zu begreifen, unsere Instinkte gleichsam zu rationalisieren, was hilft es? — Das hilft in zweifacher Beziehung; und hier betreten wir einen Boden, von dem Sie, wenn Sie in der richtigen Weise empfinden, gar bald einsehen werden, wie richtig und bedeutungsvoll sein Begreifen in der Gegenwart ist. Denken Sie das Folgende, ein Mensch sei durch erbliche Anlagen das, was man nennen könnte gut veranlagt, so daß man sieht, bis er ein geschlechtsreifer Mensch geworden ist, hat er aus dem Unbestimmten heraus eigentlich lauter gute Anlagen entwickelt. Er wird eigentlich ein ganz guter Mensch. Ich will jetzt nicht untersuchen, warum er ein guter Mensch geworden ist, sondern ich will nur auf die äußere Erscheinung hinlenken. Er ist geboren von zwei guten Eltern, hat gute Großeltern gehabt und so weiter; das hat sich alles so gemacht, daß er lauter gute Anlagen entwickelt, so daß er instinktiv das Gute tut. Aber nehmen wir an: Nach der Geschlechtsreife zeigt sich, daß er nun keine Lust hat, seine Instinkte für das Gute zu rationalisieren, sich Begriffe über diese Instinkte zu machen. Nehmen wir an, es ergebe sich diese Erscheinung durch irgendeine Veranlassung, die ich nicht weiter erörtern will. Also bis zum 14. Jahre hat er gute Instinkte entwickelt, aber nun zeigt er keine Lust, diese Instinkte in Begriffen auszudrücken. Er hat zwar Lust, das Gute zu tun, es liegt nicht in seiner Gewohnheit, ‚stark das Schlechte zu tun, er tut schon das Gute, aber wenn man ihn aufmerksam machen will: Das ist gut, das ist böse, so sagt er: Ich kümmere mich nicht darum, ob das gut oder böse ist. — Das läßt er bleiben. Er hat keine Lust, seine Instinkte zu rationalisieren, sie ins Intellektuelle zu übersetzen. Nun denken Sie sich, er ist geschlechtsreif, er bekommt Kinder — gleichgültig, ob er Mann oder Frau ist —, er bekommt Kinder. Die Kinder werden nun nicht die Instinkte haben, die er hat, wenn er diese Instinkte nicht in Begriffe umgewandelt hat, sondern dieKinder werden schon Unsicherheiten in den Instinkten aufweisen. Das ist das Bedeutsame. Also für sich konnte der betreffende Mensch mit seinen Instinkten auskommen, aber wirksame Instinkte wird er auf seine Kinder nicht übertragen können, wenn er sich nicht bewußt beschäftigt mit dem, was Gut und Böse ist. Und schon gar in das nächste Erdenleben wird er nicht hineintragen können irgendwelche Instinkte für Gut und Böse, wenn er sich im vorhergehenden Erdenleben nicht darauf eingelassen hat, sich Vorstellungen über das Gut und Böse zu machen. Es ist hier wirklich gerade so: Eine Pflanze kann ein hübsches Kraut werden. Wenn sie abgehalten wird vom Blühen, so wird keine weitere Pflanze aus ihr entstehen können. Als einzelne Pflanze, wie sie ist, kann sie ja irgendwie dienen; aber sie muß zum Blühen und Fruchttragen kommen, wenn eine neue Pflanze aus ihr entstehen soll. So kann der Mensch mit Trieben und Instinkten für sich selber ausreichen; aber er versündigt sich an der physischen und geistigen Nachwelt, wenn er bei dem bloßen Instinkte bleibt. Sehen Sie, hier wird die Sache sehr bedeutsam. Und diese Einsicht, die ergibt sich nun erst wiederum auf dem Boden der Geisteswissenschaft.
[ 29 ] So könnte es ja vorkommen, daß eine soziale Gemeinschaft sagen würde: Das Gute, das beruht doch nur auf Instinkten! — Nun schön, das kann man sogar beweisen. Aber wer dieses sagt und deshalb alles begriffliche Erkennen des Ethischen abschaffen wollte, der gliche einem Menschen, der sagt: Ja, es interessiert mich, dieses Jahr meinen Acker zu bestellen, aber warum soll ich mir erst Samen für das nächste Jahr aufbewahren! — Er wird alles verzehren lassen, was dieses Jahr gewachsen ist. Beim Acker tun es die Menschen nicht, weil sie da durchschauen, wie das Gegenwärtige mit dem Zukünftigen zusammenhängt. Im geistigen Leben, in der Entwickelung der Menschheit selber, tun es die Menschen leider. Und sehen Sie, hier liegen solche Dinge, welche immer wieder und wiederum zu den herbsten Mißverständnissen führen werden, indem die Menschen nie die verschiedenen Gesichtspunkte auffassen wollen, sondern, wenn sie etwas einseitig eingesehen haben, bleiben sie bei dieser Einseitigkeit. Man kann natürlich beweisen: In den Instinkten muß der Impuls des Guten liegen. — Gewiß, aber diese Instinkte wirken nur, wenn sie Impulse des Guten sein sollen, im Ich und Astralleibe. Wenn sie aber da als Instinkte wirken sollen, müssen sie herüberwirken aus dem vorhergehenden Leben. Daher kann man, ohne die Geisteswissenschaft zugrunde zu legen, auch keine Begriffe bekommen über das menschliche Zusammenleben, nicht in der Gegenwart und nicht in der geschichtlichen Entwickelung.
[ 29 ] So könnte es ja vorkommen, daß eine soziale Gemeinschaft sagen würde: Das Gute, das beruht doch nur auf Instinkten! — Nun schön, das kann man sogar beweisen. Aber wer dieses sagt und deshalb alles begriffliche Erkennen des Ethischen abschaffen wollte, der gliche einem Menschen, der sagt: Ja, es interessiert mich, dieses Jahr meinen Acker zu bestellen, aber warum soll ich mir erst Samen für das nächste Jahr aufbewahren! — Er wird alles verzehren lassen, was dieses Jahr gewachsen ist. Beim Acker tun es die Menschen nicht, weil sie da durchschauen, wie das Gegenwärtige mit dem Zukünftigen zusammenhängt. Im geistigen Leben, in der Entwickelung der Menschheit selber, tun es die Menschen leider. Und sehen Sie, hier liegen solche Dinge, welche immer wieder und wiederum zu den herbsten Mißverständnissen führen werden, indem die Menschen nie die verschiedenen Gesichtspunkte auffassen wollen, sondern, wenn sie etwas einseitig eingesehen haben, bleiben sie bei dieser Einseitigkeit. Man kann natürlich beweisen: In den Instinkten muß der Impuls des Guten liegen. — Gewiß, aber diese Instinkte wirken nur, wenn sie Impulse des Guten sein sollen, im Ich und Astralleibe. Wenn sie aber da als Instinkte wirken sollen, müssen sie herüberwirken aus dem vorhergehenden Leben. Daher kann man, ohne die Geisteswissenschaft zugrunde zu legen, auch keine Begriffe bekommen über das menschliche Zusammenleben, nicht in der Gegenwart und nicht in der geschichtlichen Entwickelung.
[ 30 ] Wenn wir von diesen elementaren Dingen, die ich jetzt ausgeführt habe, zu etwas noch Höherem übergehen, so kann es das Folgende sein: In der Gegenwart leben zum größten Teil Menschen, die seit dem Beginn der christlichen Zeitrechnung, sagen wir, durchschnittlich in ihrer zweiten Inkarnation leben. Im ersten Leben genügte es für sie, den Christus-Impuls so aufzunehmen, wie er aus ihrer Umgebung, aus ihrer Gegenwartsumgebung heraus ihnen zukommen konnte. Jetzt, da sie wiederkommen, genügt das nicht, daher verlieren die Menschen nach und nach den Christus-Impuls. Und wenn die Menschen, die jetzt gegenwärtig leben, wiederkommen würden ohne die Erneuerung des Christus-Impulses, dann würden sie ihn ganz verloren haben. Daher ist es wiederum so notwendig, daß dieser Christus-Impuls sich so in die menschliche Seele setzt, wie ihn die Geisteswissenschaft gibt, die nicht angewiesen ist auf irgendeinen historischen Beweis, sondern die aus solchen Grundlagen heraus, wie sie hier wiederholt besprochen worden sind, den Christus-Impuls aufzeigt. So verbindet er sich mit der menschlichen Seele, daß er wirklich auch hinübergetragen werden kann in die Zeitalter, wo die Menschen neu kommen werden. Aber gerade deshalb sind wir in der Gegenwart in einer Art von Krisis auch in bezug auf den Christus-Impuls. So können wir ihn nicht aufnehmen, wie wir ihn in unserer ersten Inkarnation aufgenommen haben, denn wir sind zu weit von dem Historischen entfernt. Die Tradition ist vorbei. Diejenigen Menschen sind ehrlich, die sagen: Es gibt keinen Beweis aus der Geschichte für den historischen Christus. — Die Geisteswissenschaft zeigt, wie der Christus-Impuls in der Menschheitsentwickelung da ist. Geisteswissenschaft kann die Realität des Christus-Impulses wiederum bringen. Aber so muß er auftreten innerhalb der Menschheitsentwickelung, wie er aus der Geisteswissenschaft heraus auftreten kann. Das zeigt einfach der äußere Verlauf des heutigen Daseins.
[ 30 ] Wenn wir von diesen elementaren Dingen, die ich jetzt ausgeführt habe, zu etwas noch Höherem übergehen, so kann es das Folgende sein: In der Gegenwart leben zum größten Teil Menschen, die seit dem Beginn der christlichen Zeitrechnung, sagen wir, durchschnittlich in ihrer zweiten Inkarnation leben. Im ersten Leben genügte es für sie, den Christus-Impuls so aufzunehmen, wie er aus ihrer Umgebung, aus ihrer Gegenwartsumgebung heraus ihnen zukommen konnte. Jetzt, da sie wiederkommen, genügt das nicht, daher verlieren die Menschen nach und nach den Christus-Impuls. Und wenn die Menschen, die jetzt gegenwärtig leben, wiederkommen würden ohne die Erneuerung des Christus-Impulses, dann würden sie ihn ganz verloren haben. Daher ist es wiederum so notwendig, daß dieser Christus-Impuls sich so in die menschliche Seele setzt, wie ihn die Geisteswissenschaft gibt, die nicht angewiesen ist auf irgendeinen historischen Beweis, sondern die aus solchen Grundlagen heraus, wie sie hier wiederholt besprochen worden sind, den Christus-Impuls aufzeigt. So verbindet er sich mit der menschlichen Seele, daß er wirklich auch hinübergetragen werden kann in die Zeitalter, wo die Menschen neu kommen werden. Aber gerade deshalb sind wir in der Gegenwart in einer Art von Krisis auch in bezug auf den Christus-Impuls. So können wir ihn nicht aufnehmen, wie wir ihn in unserer ersten Inkarnation aufgenommen haben, denn wir sind zu weit von dem Historischen entfernt. Die Tradition ist vorbei. Diejenigen Menschen sind ehrlich, die sagen: Es gibt keinen Beweis aus der Geschichte für den historischen Christus. — Die Geisteswissenschaft zeigt, wie der Christus-Impuls in der Menschheitsentwickelung da ist. Geisteswissenschaft kann die Realität des Christus-Impulses wiederum bringen. Aber so muß er auftreten innerhalb der Menschheitsentwickelung, wie er aus der Geisteswissenschaft heraus auftreten kann. Das zeigt einfach der äußere Verlauf des heutigen Daseins.
[ 31 ] Denn, nicht wahr, vieles, vieles was die Menschen in Jahrhunderten erlebt und durchlebt haben, hat in den letzten drei Jahren Schiffbruch gelitten. Und wir leiden alle schwer, gerade wenn wir recht dabei sind bei dem, was in den letzten drei Jahren durchlebt werden mußte. Aber was hat denn eigentlich am meisten Schiffbruch gelitten? Was am meisten Schiffbruch gelitten hat: die Frage darf man doch auch aufwerfen. Das Christentum hat am meisten Schiffbruch gelitten! So sonderbar wie es vielleicht manchem klingt: das Christentum hat am meisten Sciffbruch gelitten. Wo Sie hinsehen, sehen Sie, wie das Christentum im Grunde genommen heute, man darf sagen, verleugnet wird. Manches ist direkt eine Verspottung des Christentums, wenn man auch nicht mutig genug ist, sich das zu gestehen. Ist es denn eine christliche Idee, von der sich heute zahlreiche Menschen, die weitaus größte Majorität der Erdenmenschheit, das Wertvollste verspricht, wenn man sagt: Jedes Volk soll sich selbst verwalten? Ich will gar nichts über die Berechtigung oder Unberechtigung sagen, sondern nur über die Christlichkeit oder Unchristlichkeit. Ist es denn eine christliche Idee? Nein, es ist ganz und gar keine christliche Idee. Denn eine christliche Idee ist es, daß sich die Völker verständigen durch die Menschen. Gerade was über die angebliche Freiheit der einzelnen Völker — die ohnedies nicht zu verwirklichen ist — gesagt wird, ist das Unchristlichste, was man sich heute vorstellen kann. Denn das Christentum bedeutet das Verständnis für alle Menschen über die ganze Erde hin. Es bedeutet sogar das Verständnis aller Menschen über die Gebiete, die nicht auf der Erde wären, wenn sie zu finden wären. Und nicht einmal dazu ist es seit dem Mysterium von Golgatha gekommen, daß nur im alleroberflächlichsten Sinne die Menschen, die sich Christen nennen, über die Erde hin sich verständigen! Das ist ein furchtbarer Schiffbruch, gerade mit Bezug auf christliches Fühlen und Empfinden, das dann zu so Groteskem führen kann, wie ich es vor kurzem erwähnt habe, wo jemand von deutscher Religion oder deutscher Frömmigkeit redet, was geradesoviel Sinn hat, als wenn einer von einer deutschen Sonne oder einem deutschen Mond redete. Aber sehen Sie, diese Dinge hängen zusammen mit weitgehenden sozialen Anschauungen oder Mißanschauungen. Ich habe Ihnen davon gesprochen, daß es eigentlich eine Staatsanschauung heute gar nicht gibt, daß die Besten, die von Staatsanschauung heute reden, so reden, als ob der Staat ein Organismus und die Menschen die Zellen wären. Derjenige, dem ein solcher Vergleich kommt, der zeigt schon, daß er ganz weit, weit weg ist von wirklichen Begriffen auf diesem Gebiet. Das ist es, was wir vor allen Dingen brauchen: wirklich in die Wirklichkeit eindringende Begriffe. Ich habe es oft gesagt, was uns fehlt, das ist dasjenige, was unser Chaos bewirkt hat, daß wir in Abstraktionen, in wirklichkeitsfremden Begriffen leben. Wie sollten wir nicht in wirklichkeitsfremden Begriffen leben, wenn wir dem einen Gliede der Wirklichkeit in der Gegenwart so fremd gegenüberstehen, daß wir es überhaupt nicht anerkennen, nämlich dem Geiste, dem geistigen Teil der Wirklichkeit. Von Wirklichkeit wird man erst dann einen Begriff haben können, wenn man den Geist in seinem Leben und Weben anerkennt. Es hat etwas Tragisches, solch ein Geist sein zu müssen, wie es Franz Brentano bis zu seinem Tode war, etwas Tragisches, weil sozusagen in Franz Brentanos Seele ein Gefühl vorhanden war nach den Richtungen, die die menschliche Seele der Gegenwart nehmen soll. Hätte man ihm Geisteswissenschaft gebracht, so würde er über sie ungefähr so gesprochen haben, wie er über Plotin gesprochen hat. Er würde so gesprochen haben, daß er die Geisteswissenschaft als eine Torheit angesehen hätte, als etwas ganz Unwissenschaftliches. So ist es natürlich bei vielen, deren Geistesflug gehemmt ist, dadurch, daß sie noch in den physischen Leibern des neunzehnten, anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts leben. Aber deshalb stehen wir eben in einer Zeitkrisis, die wir überwinden müssen. Es hat natürlich seinen guten Sinn, denn dadurch erstarken wir, daß wir etwas zu überwinden haben.
[ 31 ] Denn, nicht wahr, vieles, vieles was die Menschen in Jahrhunderten erlebt und durchlebt haben, hat in den letzten drei Jahren Schiffbruch gelitten. Und wir leiden alle schwer, gerade wenn wir recht dabei sind bei dem, was in den letzten drei Jahren durchlebt werden mußte. Aber was hat denn eigentlich am meisten Schiffbruch gelitten? Was am meisten Schiffbruch gelitten hat: die Frage darf man doch auch aufwerfen. Das Christentum hat am meisten Schiffbruch gelitten! So sonderbar wie es vielleicht manchem klingt: das Christentum hat am meisten Sciffbruch gelitten. Wo Sie hinsehen, sehen Sie, wie das Christentum im Grunde genommen heute, man darf sagen, verleugnet wird. Manches ist direkt eine Verspottung des Christentums, wenn man auch nicht mutig genug ist, sich das zu gestehen. Ist es denn eine christliche Idee, von der sich heute zahlreiche Menschen, die weitaus größte Majorität der Erdenmenschheit, das Wertvollste verspricht, wenn man sagt: Jedes Volk soll sich selbst verwalten? Ich will gar nichts über die Berechtigung oder Unberechtigung sagen, sondern nur über die Christlichkeit oder Unchristlichkeit. Ist es denn eine christliche Idee? Nein, es ist ganz und gar keine christliche Idee. Denn eine christliche Idee ist es, daß sich die Völker verständigen durch die Menschen. Gerade was über die angebliche Freiheit der einzelnen Völker — die ohnedies nicht zu verwirklichen ist — gesagt wird, ist das Unchristlichste, was man sich heute vorstellen kann. Denn das Christentum bedeutet das Verständnis für alle Menschen über die ganze Erde hin. Es bedeutet sogar das Verständnis aller Menschen über die Gebiete, die nicht auf der Erde wären, wenn sie zu finden wären. Und nicht einmal dazu ist es seit dem Mysterium von Golgatha gekommen, daß nur im alleroberflächlichsten Sinne die Menschen, die sich Christen nennen, über die Erde hin sich verständigen! Das ist ein furchtbarer Schiffbruch, gerade mit Bezug auf christliches Fühlen und Empfinden, das dann zu so Groteskem führen kann, wie ich es vor kurzem erwähnt habe, wo jemand von deutscher Religion oder deutscher Frömmigkeit redet, was geradesoviel Sinn hat, als wenn einer von einer deutschen Sonne oder einem deutschen Mond redete. Aber sehen Sie, diese Dinge hängen zusammen mit weitgehenden sozialen Anschauungen oder Mißanschauungen. Ich habe Ihnen davon gesprochen, daß es eigentlich eine Staatsanschauung heute gar nicht gibt, daß die Besten, die von Staatsanschauung heute reden, so reden, als ob der Staat ein Organismus und die Menschen die Zellen wären. Derjenige, dem ein solcher Vergleich kommt, der zeigt schon, daß er ganz weit, weit weg ist von wirklichen Begriffen auf diesem Gebiet. Das ist es, was wir vor allen Dingen brauchen: wirklich in die Wirklichkeit eindringende Begriffe. Ich habe es oft gesagt, was uns fehlt, das ist dasjenige, was unser Chaos bewirkt hat, daß wir in Abstraktionen, in wirklichkeitsfremden Begriffen leben. Wie sollten wir nicht in wirklichkeitsfremden Begriffen leben, wenn wir dem einen Gliede der Wirklichkeit in der Gegenwart so fremd gegenüberstehen, daß wir es überhaupt nicht anerkennen, nämlich dem Geiste, dem geistigen Teil der Wirklichkeit. Von Wirklichkeit wird man erst dann einen Begriff haben können, wenn man den Geist in seinem Leben und Weben anerkennt. Es hat etwas Tragisches, solch ein Geist sein zu müssen, wie es Franz Brentano bis zu seinem Tode war, etwas Tragisches, weil sozusagen in Franz Brentanos Seele ein Gefühl vorhanden war nach den Richtungen, die die menschliche Seele der Gegenwart nehmen soll. Hätte man ihm Geisteswissenschaft gebracht, so würde er über sie ungefähr so gesprochen haben, wie er über Plotin gesprochen hat. Er würde so gesprochen haben, daß er die Geisteswissenschaft als eine Torheit angesehen hätte, als etwas ganz Unwissenschaftliches. So ist es natürlich bei vielen, deren Geistesflug gehemmt ist, dadurch, daß sie noch in den physischen Leibern des neunzehnten, anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts leben. Aber deshalb stehen wir eben in einer Zeitkrisis, die wir überwinden müssen. Es hat natürlich seinen guten Sinn, denn dadurch erstarken wir, daß wir etwas zu überwinden haben.
[ 32 ] Und namentlich wird dasjenige, was notwendig ist, ich möchte sagen, zu einer Revision all unserer Rechtsbegriffe, unserer Sittlichkeitsbegriffe, unserer Sozialbegriffe, unserer politischen Begriffe erst unter die Menschheit kommen können, wenn die wirklichkeitserfüllten Begriffe der Geisteswissenschaft verstanden werden. Denn gerade ein solcher Geist wie Franz Brentano zeigt uns: Jurisprudenz hängt in der Luft. Denn man kann die Frage nicht beantworten: Was ist das Recht, was ist das Sittliche? —, wenn man nicht auf dasjenige eingehen kann, was im menschlichen Astralleibe, das heißt, im übersinnlichen Teil des Menschen lebt. Ebenso ist es mit den religiösen, ebenso mit den politischen Begriffen. Ja, wenn man auf dem Gebiete der äußeren Natur, auf dem Gebiete der materiellen Wirklichkeit unwirkliche Begriffe hat, so zeigt sich das schnell. Denken Sie, wie eine Brücke sich ausnehmen würde, welche Ingenieure bauten, die unwirkliche Begriffe über Brückenbau haben: die Brücken würden eben einstürzen. Das würde man sich nicht lange gefallen lassen. Aber auf sittlichem, auf sozialem, auf politischem Gebiete, da kann man unwirkliche Begriffe haben, das zeigt sich nicht schnell. Denn wenn es sich zeigt, da kommen die Menschen nicht darauf, wo der Zusammenhang liegt. Wir leben jetzt hinter den Wirkungen der unwirklichen Begriffe; aber wie weit sind die Menschen im Durchschauen dieses Zusammenhanges? Wahrhaftig nicht weit! Das ist es, was dem Gemüte, das die gegenwärtige schwere Zeit miterlebt, so nahegehen muß! Man findet ja fast jeden Augenblick für verloren, den man heute nicht den schweren Zeitverhältnissen widmet. Aber je mehr man diesen Zeitverhältnissen an Kraft widmet, an Zeit selbst, desto mehr wird man finden, wie wenig eigentlich die Menschen der Gegenwart noch geneigt sind, auf dasjenige einzugehen, auf das es ankommt. Heilung aber wird es nur erst geben, wenn man auf das eingeht, auf das es ankommt: wenn man eingeht auf die Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen den wirklichkeitsfremden Vorstellungen, die die Menschheit so lange entwickelt hat, und den Ereignissen der Gegenwart. Weil die Begriffe des geistigen Lebens, das sich im Sozialen auslebt, so unwirklich gewesen sind durch Jahrhunderte, wie lauter Begriffe von Ingenieuren, die sich auf Brücken, die einstürzen mußten, beziehen, deshalb leben wir in der heutigen chaotischen Zeit. Möchte man doch fühlen, wie notwendig es ist, wirklichkeitsverwandte, wirklichkeitsdurchtränkte Begriffe auf allen Gebieten zu finden, welche irgend etwas zu tun haben mit dem sozialen, mit dem politischen, mit dem Leben in der Kultur überhaupt! Wird man mit der Jurisprudenz, mit der Sozialwiissenschaft, mit der Politik aufbauen wollen, wird man die Menschenseele durchtränken wollen mit den religiösen Vorstellungen, die gang und gäbe waren bis zum Jahre 1914, dann wird man nichts Besonderes aufbauen. Dann wird man sehr bald wiederum sehen, wie wenig man damit aufbauen kann. Umlernen, wahrhaftig umlernen, das ist dasjenige, was die Menschen müssen. Aber umlernen, das wollen die Menschen so wenig, darauf wollen sie sich so wenig einlassen.
[ 32 ] Und namentlich wird dasjenige, was notwendig ist, ich möchte sagen, zu einer Revision all unserer Rechtsbegriffe, unserer Sittlichkeitsbegriffe, unserer Sozialbegriffe, unserer politischen Begriffe erst unter die Menschheit kommen können, wenn die wirklichkeitserfüllten Begriffe der Geisteswissenschaft verstanden werden. Denn gerade ein solcher Geist wie Franz Brentano zeigt uns: Jurisprudenz hängt in der Luft. Denn man kann die Frage nicht beantworten: Was ist das Recht, was ist das Sittliche? —, wenn man nicht auf dasjenige eingehen kann, was im menschlichen Astralleibe, das heißt, im übersinnlichen Teil des Menschen lebt. Ebenso ist es mit den religiösen, ebenso mit den politischen Begriffen. Ja, wenn man auf dem Gebiete der äußeren Natur, auf dem Gebiete der materiellen Wirklichkeit unwirkliche Begriffe hat, so zeigt sich das schnell. Denken Sie, wie eine Brücke sich ausnehmen würde, welche Ingenieure bauten, die unwirkliche Begriffe über Brückenbau haben: die Brücken würden eben einstürzen. Das würde man sich nicht lange gefallen lassen. Aber auf sittlichem, auf sozialem, auf politischem Gebiete, da kann man unwirkliche Begriffe haben, das zeigt sich nicht schnell. Denn wenn es sich zeigt, da kommen die Menschen nicht darauf, wo der Zusammenhang liegt. Wir leben jetzt hinter den Wirkungen der unwirklichen Begriffe; aber wie weit sind die Menschen im Durchschauen dieses Zusammenhanges? Wahrhaftig nicht weit! Das ist es, was dem Gemüte, das die gegenwärtige schwere Zeit miterlebt, so nahegehen muß! Man findet ja fast jeden Augenblick für verloren, den man heute nicht den schweren Zeitverhältnissen widmet. Aber je mehr man diesen Zeitverhältnissen an Kraft widmet, an Zeit selbst, desto mehr wird man finden, wie wenig eigentlich die Menschen der Gegenwart noch geneigt sind, auf dasjenige einzugehen, auf das es ankommt. Heilung aber wird es nur erst geben, wenn man auf das eingeht, auf das es ankommt: wenn man eingeht auf die Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen den wirklichkeitsfremden Vorstellungen, die die Menschheit so lange entwickelt hat, und den Ereignissen der Gegenwart. Weil die Begriffe des geistigen Lebens, das sich im Sozialen auslebt, so unwirklich gewesen sind durch Jahrhunderte, wie lauter Begriffe von Ingenieuren, die sich auf Brücken, die einstürzen mußten, beziehen, deshalb leben wir in der heutigen chaotischen Zeit. Möchte man doch fühlen, wie notwendig es ist, wirklichkeitsverwandte, wirklichkeitsdurchtränkte Begriffe auf allen Gebieten zu finden, welche irgend etwas zu tun haben mit dem sozialen, mit dem politischen, mit dem Leben in der Kultur überhaupt! Wird man mit der Jurisprudenz, mit der Sozialwiissenschaft, mit der Politik aufbauen wollen, wird man die Menschenseele durchtränken wollen mit den religiösen Vorstellungen, die gang und gäbe waren bis zum Jahre 1914, dann wird man nichts Besonderes aufbauen. Dann wird man sehr bald wiederum sehen, wie wenig man damit aufbauen kann. Umlernen, wahrhaftig umlernen, das ist dasjenige, was die Menschen müssen. Aber umlernen, das wollen die Menschen so wenig, darauf wollen sie sich so wenig einlassen.
[ 33 ] Betrachten Sie das, was ich gerade mit Bezug auf Franz Brentano gesagt habe, als den Ausfluß, möchte ich sagen, einer wirklichen Verehrung dieser repräsentativen Persönlichkeit. Gerade an einer solchen Persönlichkeit sieht man ja, wie gestrebt werden muß, wenn angestrebt werden soll ein Impuls, der tragend ist in die Zukunft der Menschheit hinein. Denn Franz Brentano ist eine außerordentlich interessante Persönlichkeit, aber keine Persönlichkeit, welche Begriffe, Vorstellungen, Empfindungen, Impulse gibt, die in die Zukunft hineintragen könnten. Sehr interessant ist es, daß Franz Brentano versichert haben soll einige Wochen vor seinem Tode: Es werde ihm gelingen, das Dasein Gottes zu beweisen. — Das betrachtete er ja gewissermaßen als das Ziel seines wissenschaftlichen Lebens, das Dasein Gottes zu beweisen. Nun, es wird ihm wohl nicht gelungen sein, denn er hätte sonst vor seinem Tode ein Bekenner der Geisteswissenschaft werden müssen. Beweisbar war das Dasein Gottes noch bis zur Zeit des Eintretens des Mysteriums von Golgatha, bis zu dem von oben heruntergehenden 33. Lebensjahre der Menschheit. Seit jener Zeit, seitdem die Menschheit 32, 31, 30, jetzt bis zum 27. Jahre zurückgegangen ist, ist das Dasein Gottes durch Denken nicht mehr beweisbar, sondern kann nur durch Eindringen in die Geisteswissenschaft gefunden werden. Es ist wirklich nicht irgendwie zu vergleichen mit sonst einem Programm einer Bewegung, wenn von der Geisteswissenschaft als einer Notwendigkeit gesprochen wird, ich habe das oftmals betont, sondern die Tatsachen der Menschheitsentwickelung selber zwingen uns diese Geisteswissenschaft auf. Sie ist selber eine Notwendigkeit.
[ 33 ] Betrachten Sie das, was ich gerade mit Bezug auf Franz Brentano gesagt habe, als den Ausfluß, möchte ich sagen, einer wirklichen Verehrung dieser repräsentativen Persönlichkeit. Gerade an einer solchen Persönlichkeit sieht man ja, wie gestrebt werden muß, wenn angestrebt werden soll ein Impuls, der tragend ist in die Zukunft der Menschheit hinein. Denn Franz Brentano ist eine außerordentlich interessante Persönlichkeit, aber keine Persönlichkeit, welche Begriffe, Vorstellungen, Empfindungen, Impulse gibt, die in die Zukunft hineintragen könnten. Sehr interessant ist es, daß Franz Brentano versichert haben soll einige Wochen vor seinem Tode: Es werde ihm gelingen, das Dasein Gottes zu beweisen. — Das betrachtete er ja gewissermaßen als das Ziel seines wissenschaftlichen Lebens, das Dasein Gottes zu beweisen. Nun, es wird ihm wohl nicht gelungen sein, denn er hätte sonst vor seinem Tode ein Bekenner der Geisteswissenschaft werden müssen. Beweisbar war das Dasein Gottes noch bis zur Zeit des Eintretens des Mysteriums von Golgatha, bis zu dem von oben heruntergehenden 33. Lebensjahre der Menschheit. Seit jener Zeit, seitdem die Menschheit 32, 31, 30, jetzt bis zum 27. Jahre zurückgegangen ist, ist das Dasein Gottes durch Denken nicht mehr beweisbar, sondern kann nur durch Eindringen in die Geisteswissenschaft gefunden werden. Es ist wirklich nicht irgendwie zu vergleichen mit sonst einem Programm einer Bewegung, wenn von der Geisteswissenschaft als einer Notwendigkeit gesprochen wird, ich habe das oftmals betont, sondern die Tatsachen der Menschheitsentwickelung selber zwingen uns diese Geisteswissenschaft auf. Sie ist selber eine Notwendigkeit.
[ 34 ] Das ist es vor allen Dingen, was ich heute wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus vor Ihre Seelen hinstellen wollte. Ich habe Ihnen heute ausnahmsweise einen Aufbau gegeben, der sich auf mannigfaltige philosophische Begriffe gestützt hat. Aber ich glaube, daß Sie nicht gut tun werden, wenn Sie sich nur ungern auf solche Dinge einlassen. Denn dasjenige, was der gegenwärtigen Menschheit am allerdringendsten notwendig ist, ist das Sichbekennen zu scharfen Begriffen. Wollen Sie nur eine Geisteswissenschaft oder Anthroposophie oder Theosophie, wie Sie sie nennen wollen, nach dem Muster treiben, wie so viele sie gegenwärtig treiben, die da lebt in möglichst unklaren, verworrenen Begriffen, dann werden Sie ja egoistischen Bedürfnissen gut dienen können: Sie werden manchem Streben nach einer inneren Seelenwollust entgegenkommen. Allein das ist nicht dasjenige, wonach man in den heutigen schweren Zeiten streben soll. Dasjenige, wonach man in der heutigen Zeit streben soll, besonders wenn man Bekenner der Geisteswissenschaft ist, das ist: mitzuarbeiten, vor allen Dingen geistig mitzuarbeiten an demjenigen, was der Menschheit vor allen Dingen vonnöten ist. Wenden Sie womöglich Ihre Gedanken, soviel Sie können, gerade dem Kapitel zu: Was ist der Menschheit notwendig, welche Vorstellungen müssen in der Menschheit walten, damit wir weiterkommen, damit wir aus dem Chaos herauskommen? Sagen Sie sich nicht: Andere werden das schon tun, die mehr berufen sind dazu! Vor allen Dingen sind dazu diejenigen berufen, die auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen. Die Bedingungen des kulturellen menschlichen Zusammenlebens, das ist es, was uns vor allen Dingen beschäftigen muß.
[ 34 ] Das ist es vor allen Dingen, was ich heute wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus vor Ihre Seelen hinstellen wollte. Ich habe Ihnen heute ausnahmsweise einen Aufbau gegeben, der sich auf mannigfaltige philosophische Begriffe gestützt hat. Aber ich glaube, daß Sie nicht gut tun werden, wenn Sie sich nur ungern auf solche Dinge einlassen. Denn dasjenige, was der gegenwärtigen Menschheit am allerdringendsten notwendig ist, ist das Sichbekennen zu scharfen Begriffen. Wollen Sie nur eine Geisteswissenschaft oder Anthroposophie oder Theosophie, wie Sie sie nennen wollen, nach dem Muster treiben, wie so viele sie gegenwärtig treiben, die da lebt in möglichst unklaren, verworrenen Begriffen, dann werden Sie ja egoistischen Bedürfnissen gut dienen können: Sie werden manchem Streben nach einer inneren Seelenwollust entgegenkommen. Allein das ist nicht dasjenige, wonach man in den heutigen schweren Zeiten streben soll. Dasjenige, wonach man in der heutigen Zeit streben soll, besonders wenn man Bekenner der Geisteswissenschaft ist, das ist: mitzuarbeiten, vor allen Dingen geistig mitzuarbeiten an demjenigen, was der Menschheit vor allen Dingen vonnöten ist. Wenden Sie womöglich Ihre Gedanken, soviel Sie können, gerade dem Kapitel zu: Was ist der Menschheit notwendig, welche Vorstellungen müssen in der Menschheit walten, damit wir weiterkommen, damit wir aus dem Chaos herauskommen? Sagen Sie sich nicht: Andere werden das schon tun, die mehr berufen sind dazu! Vor allen Dingen sind dazu diejenigen berufen, die auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen. Die Bedingungen des kulturellen menschlichen Zusammenlebens, das ist es, was uns vor allen Dingen beschäftigen muß.
[ 35 ] Davon wollen wir dann das nächste Mal weiterreden.
[ 35 ] Davon wollen wir dann das nächste Mal weiterreden.
