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Truths Regarding Humans Development
The Karma of Materialism
GA 176

7 August 1917, Berlin

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Das Karma des Materialismus II

2. False Analogies

[ 1 ] Ich sagte, daß ich aphoristische Ergänzungen zu mancherlei bringen wollte, das in der letzten Zeit betrachtet worden ist. Diese Betrachtungen gingen ja vorzugsweise darauf hinaus, zu zeigen, was gegenüber den geistigen Zeitströmungen, gegenüber dem Grundcharakter der geistigen Zeitströmungen vonnöten ist. Sie gingen darauf hin, zu zeigen, wie aus der Geisteswissenschaft, wie wir sie hier meinen, dasjenige kommen könne, was einfließen muß in das Denken, Fühlen und Wollen der Zeit. Denn daß solches einfließen muß, das könnte ja heute schon manchen auch aus einer oberflächlichen, aus einer äußeren Betrachtung der Zeitereignisse klar sein.

[ 1 ] I should like to add supplementary material to our recent considerations. The primary aim has been to show what, in view of the fundamental character and direction of present-day cultural life, is so urgently needed. Our studies also set out to show that from spiritual knowledge there must flow into man's thinking, feeling and willing the impulses needed at the present time. That spiritual impulses are needed must be obvious to many from even a superficial observation of present events.

[ 2 ] Beginnen möchte ich damit, zu zeigen, wie einem, ich möchte sagen, heute auf Schritt und Tritt entgegenkommt dasjenige, was durch Geisteswissenschaft allein geheilt werden kann. Ich könnte ja, um dies zu zeigen, zu zeigen in Verbindung mit mancherlei in der letzten Zeit Gesagtem, selbstverständlich auch irgend etwas anderes herausgreifen; ich will einen Aufsatz, der in den letzten Tagen hier in einer Berliner Zeitung erschienen ist, herausgreifen, und der überschrieben ist «StaatsPhysiologie». Es ist ja notwendig, wenn man eine Betrachtung der Zeit anstellt, auf solche Symptome wohl zu achten, denn in ihnen spricht sich ja aus die Art und Weise, wie die Zeitgenossen denken, fühlen, was sie wollen und dergleichen. Wenn man sich nicht in einer einseitigen Weise bloß in eine Polemik oder dergleichen über einen solchen Aufsatz ergeht, sondern wenn man ihn betrachtet wie herausfließend aus der ganzen Natur und dem ganzen Wesen unseres Fühlens und Denkens, so kann man an einer solchen Erscheinung gar mancherlei zeigen. Der Aufsatz hat zum Verfasser Max Verworn, den ich hier oftmals genannt habe, Max Verworn, der in seinem Fache als höchste Autorität geltende Max Verworn. Und Verworn, der berühmte Professor der Physiologie, setzt sich zur Aufgabe, zu zeigen, wie die Politik beeinflußt werden müsse durch dasjenige Denken, an das er gewöhnt ist. Man kann sich das schon denken, es ist fast selbstverständlich, denn wie sollte nicht jeder glauben, daß sein Denken das beste sei, und daher gerade sein Denken als dasjenige anempfehlen, nach dem sich die wichtigsten Angelegenheiten der Zeit zu richten haben. Nun, wenn man diesen Aufsatz «Staats-Physiologie» durchliest, bekommt man ein eigentümliches Gefühl. Zunächst erinnert einen dieser Aufsatz wiederum einmal daran, wie unrecht diejenigen haben, die da glauben, daß der krasseste Materialismus aus der Wissenschaft heute schon vertilgt sei. Manche sagen das, manche, die gerade vollständig in den Klauen dieses Materialismus sind, und nur weil sie sich ein paar Begriffe hingezimmert haben, die sie als Philosophie anschauen, glauben sie, den Materialismus überwunden zu haben. Wie wenig sie den Materialisimus überwunden haben, das zeigen einige Sätze dieses Aufsatzes einer der naturwissenschaftlichen Autoritäten der Gegenwart. Wir brauchen nur solche Sätze vor unsere Seele zu führen: «Die Tierwelt stellt den allgemeineren Begriff vor, der auch den speziellen Fall des Menschen mit einschließt, sowie die Tierwelt selbst wieder einen speziellen Fall des noch umfassenderen Begriffs der Organismenwelt bildet.» Das heißt: Will man etwas wissen über den Menschen, so wendet man sich an die Tierwelt; will man etwas wissen über die Tiere, so wendet man sich an den allgemeinen Begriff des Organismus. Jedenfalls findet diese bedeutende Autorität, daß man vor allen Dingen die Verhältnisse im politischen Leben studieren müsse nach dem Muster, wie man studiert, das heißt, wie er, der Professor Max Verworn, die Verhältnisse innerhalb der Tierwelt studiert. Denn er entdeckt das Bedeutsame:

[ 2 ] Let me begin by illustrating the fact that at every turn we encounter proof of the need for spiritual insight. Many examples related to our recent studies could be chosen, but I will take an article that appeared a few days ago in a Berlin newspaper under the title: “Physiology of Politics.” We must pay attention to symptoms of this kind for they indicate the nature of contemporary man's thinking, feeling and willing. Provided one refrains from entering into a one-sided controversy over such an article, seeing it rather as characteristic of the present-day outlook, then a publication of this kind can be enlightening. The author of the article, Max Verworn,7 Max Verworn 1863–1921 as I have mentioned before, is deemed one of the greatest authorities in his branch of science. This famous professor of physiology sets out to show that politics ought to be influenced by his way of thinking. This is understandable, indeed it is almost a matter of course, for everyone naturally considers his own thinking the best and therefore recommends its application to important affairs of the time. However, the article leaves one with a peculiar impression. First of all it brings home the fallacy that materialism, even in its crudest form, has been eradicated from natural science. Many who are firmly in the clutches of materialism, nevertheless believe this to be the case. They may have absorbed one or two ideas considered to be philosophical and so imagine materialism to be transcended. This article, by a leading authority on natural science, demonstrates how little materialism is overcome. A sentence like the following brings it home: “The general concept of the animal kingdom includes as a special example the concept of man, just as the animal kingdom is itself a special example within the still more comprehensive concept of the organic world.” This means that if we want to understand man we must turn to the animal kingdom; to understand the animal we must turn to the general concept of organism. Furthermore, this distinguished authority finds it of utmost importance that mutual relationships in political life should be studied the way one studies—that is to say, the way professor Verworn studies—mutual relationships in the animal kingdom. He considers himself to have made a remarkable discovery, for he says: “No one can deny this fact (that man is a special example of the animal kingdom) unless he is completely ignorant of biological evolution. Man differs from the rest of the animal kingdom merely through certain distinguishing features and through his cultural achievements. Nevertheless he is and remains, an animal organism whose total behaviour is subject to the general laws that govern animal species.”

[ 3 ] «Diese Tatsache kann heute» — nämlich daß der Mensch dieser spezielle Fall der Tierwelt ist — «niemand mehr verkennen, der nicht an der gesamten Entwickelung der Biologie ahnungslos vorbeigegangen ist. Der Mensch steht der übrigen Tierwelt nur insofern gegenüber, als er sich von ihr durch gewisse besondere Merkmale unterscheidet, zum Beispiel auch durch seine Kulturproduktion, aber deshalb ist und bleibt er doch ein tierischer Organismus, der in seinem gesamten Verhalten den allgemeinen Gesetzen unterworfen ist, die jeden tierischen Organismus beherrschen.» — Man kann schon sagen: dies ist, mehr oder weniger ausgesprochen, trotz aller Gegendeklamationen dennoch die Grundüberzeugung der heutigen offiziellen Wissenschaft. Und wenn sie auch theoretisch mit dieser oder jener Bemerkung oftmals darüber hinausgeht, so muß man sich dennoch klar sein darüber, daß die ganze Art und Weise des Denkens, die ganze Art und Weise Wissenschaft zu treiben, heute in dem Lichte einer solchen Betrachtungsweise steht. Und die Konsequenz ist, daß Verworn dazu kommt, zu sagen, «man könne sich davon überzeugt halten, daß unsere ganze Kulturentwickelung nichts anderes ist als ein spezieller Fall der organischen Entwickelung überhaupt.» — Also alles das, was unsere Kulturentwickelung einschließt, ist ein spezieller Fall der organischen Entwickelung überhaupt. Das heißt: studieren wir, wie das Tier frißt, wie es verdaut, wie es sich nach und nach entwickelt, wie die einzelnen Zellen im tierischen Organismus miteinander arbeiten und übertragen wir dann diesen Begriff auf das Leben der Familie, der Korporationen, sonstiger kleinerer Organismen im großen Organismus Staat, so haben wir eine richtige Grundlage für eine theoretische Politik, im Sinne Verworns. «Wir werden nur gesund denken auf diesem Gebiet», meint er, «wenn wir versuchen, den «politischen Staat » — wie er ihn nennt «uns zu denken als einen großen Organismus.» — Denn er findet, daß, wenn man die Zellen und Zellenverbände, die sich vorfinden in einem tierischen Organismus, betrachtet — und seiner Ansicht nach ist der menschliche Organismus nichts anderes als der tierische Organismus —, daß sie dann in einem solchen Zusammenhang stehen, gegenseitig voneinander abhängig sind und so weiter, wie die einzelnen Körperschaften innerhalb eines politischen Staates. Nun, meint Verworn, unterliege die tierische Organisation zunächst der Entwickelung. Die Entwickelung stellt er sich allerdings in einer eigentümlichen Weise vor. Er sagt: «Eine allgemeine Eigentümlichkeit alles Lebendigen ist die Tatsache der Entwickelung.» Worin besteht bei ihm aber die Entwickelung? Die Entwickelung besteht bei ihm darin, daß sich dasjenige, was er Organismus nennt, an die Lebensverhältnisse anpaßt. Entwickelung ist also dasjenige, was entsteht, indem das Organische, das Lebewesen, sich an die Lebensverhältnisse änpäßt. Ja, nun stolpert er ja gleich in den ersten Spalten, denn da sagt er: «Eine der niederen Organismen, zum Beispiel die Amöbe ist ja zweifellos auch schon ihren Lebensbedingungen angepaßt, sonst würde sie ja nicht lebensfähig sein, sondern zugrunde gehen.» — Nun entsteht der Haken: Der niederste Organismus ist schon den Lebensverhältnissen angepaßt; warum entwickelt er sich denn weiter, wenn er doch angepaßt ist, wenn Entwickelung die Anpassung an die Lebensverhältnisse ist? Sehen Sie, in der Verwertung der Begriffe und Vorstellungen kennt dasjenige, was heute Wissenschaft ist, nicht einmal die allerersten Anfangsimpulse, die in uns sein müssen, denn es würde sofort der ganze Begriff der Entwickelung zerfallen, wenn man solch einen Satz ernst nehmen würde, wie Verworn ihn hier selber ausspricht. Aber das hindert nicht, nachdem er diesen ausgesprochen hat, einen anderen darauf zu bauen: «Ein Vergleich der verschiedenen Organisationsstufen, die wir in der Organismenwelt finden, zeigt uns nun, daß die zunehmende Vervollkommnung besteht in der immer reicheren und besseren Ausgestaltung der physiologischen Mittel zur Erhaltung des Lebens bei den verschiedenartigsten Änderungen der Lebensbedingungen.» Aha! während die Amöbe, der niederste Organismus, schon angepaßt ist an die Lebensbedingungen und daher nicht nötig hat, sich zu entwickeln, konstruiert Verworn den Begriff dahin, daß er sagt: Es soll aber immer besser angepaßt werden. Woher kommt denn ein solcher Impuls des BesserAnpassens? Es ist kein Grund vorhanden in der Amöbe, denn «wenn sie nicht angepaßt wäre, müßte sie zugrunde gehen», sagt er selbst. Das heißt: Die Leute sind in jedem Augenblick bereit, solches Zeug auszusprechen und das gesamte Publikum ist darauf dressiert — weil man ja gar nicht autoritätsgläubig ist —, solche Gedanken-Bocksprünge in aller Geduld hinzunehmen und sie für den Ausfluß großer Wissenschaft zu halten und darauf allerlei anderes Zeug zu bauen. Mit solchen Begriffen wird nun gearbeitet auf dem Gebiete der Physiologie. Im einzelnen schadet es nicht viel, denn das, was die Physiologie zu verarbeiten hat, hat man unter dem Mikroskop. Wenn man die Tatsachen erzählt, kann man noch so falsche Begriffe aufbauen, man kann die schönsten Entdeckungen machen, weil das, was man unter dem Mikroskop hat, die Entdeckungen zeigt; man kann ein großer Physiologe sein und kann ein Dummkopf in bezug auf die Verarbeitung von irgendwelchen Begriffen sein. Aber der Schaden wird ungeheuer, wenn man dann die Prätention hat, zu glauben, daß man solche Begriffe, deren Torheit nicht zutage tritt, wenn man die Objekte vor sich hat, in das sozialpolitische Leben einführen könne, wo die Begriffe selbst das Richtunggebende sein müssen, wo sie, wenn sie sich verwirklichen, zur verwirklichten Torheit werden. Das ist eines, was in Betracht gezogen werden muß, wo die große Lebenstragik beginnt.

[ 3 ] Official science is of the same conviction despite what is said, with more or less emphasis, to the contrary. It is obvious that this way of thinking is prevalent in every aspect of modern science even if theoretically some scientific statements go beyond this view. Consequently it leads Verworn to say: “No doubt our culture has evolved as a special instance of organic evolution.” This means that organic development is supposed to be the source of all man's cultural achievements. So we must study how animals eat and digest, how they gradually develop, how the individual cells in their organism interact. We must then transfer these ideas to family life, to larger and smaller corporations and other bodies within the greater body of the State. We then, according to Verworn, have a proper foundation on which to build up a science of politics. He says: “We shall arrive at sound ideas in this domain only when we try to think of the political State (as he calls it) as a great organism.” According to him the human organism is no different from the animal organism. When investigated one will find that individual cells and systems of cells in the organism are related and interdependent just like the various corporate bodies within the State. Verworn sees development as a basic feature of the animal organism, but his view of development is peculiar. He says: “Development is a factor common to all living entities.” But what does he understand by development? According to him development takes place when an organic entity adapts itself to the conditions in which it finds itself. Thus development is the result of something organic; i.e., something living adapting to its environment. But at the very first hurdle he stumbles, for he says: “A lower organism such as the amoeba is no doubt adapted from the start for otherwise it would not be capable of life and would be destroyed.” There is the catch! If the lower organism is adapted from the first to its environment, and development is supposed to consist in adaptation, then why does the amoeba evolve further when it is already adapted? You see from this example that modern science disregards the basic principle of scientific investigation when it comes to the exact application of concepts and ideas. If a sentence such as the one Verworn makes in regard to development was taken seriously the whole current concept of evolution would collapse. But he goes on to make another statement based on the first: “A comparison of the different stages of organization, in various organisms, shows that increasing perfection is due to ever more elaborate and improved physiological means for maintaining life within the most varied changes of environment.” In other words, because the amoeba, the lowest organism, is already adapted to the environment and therefore has no need to evolve further Verworn conceives the idea that the reason it nevertheless does evolve is in order to become ever better adapted. What is not explained is where this impulse to better adaptation comes from. The impulse cannot be inherent in the amoeba for Verworn says himself that if it were not already adapted it would perish. This is the kind of evidence that is continuously brought forward. The public at large, though denying it has blind faith in authority, is conditioned to accept patiently such somersaults in ideas. These things are simply looked upon as signs of great and reliable science. When such ideas are applied in physiology they do no great harm in individual cases because what is investigated in physiology can be verified under the microscope. Facts may be falsely interpreted, the most extraordinary discoveries may be construed, but mistakes will be corrected when the facts are put under the microscope. It is in fact possible to be a great physiologist yet a dunce when it comes to working out ideas. However, the harm becomes immense when someone has the pretention to suggest that the concepts belonging to the realm of physiology can be transferred to social and political life. In this sphere false and misinterpreted ideas remain undetected as they no longer refer to something physical which can be verified under a microscope. Here concepts themselves are the guiding factor and if they are foolish their application results in foolishness. These things must be recognized, they lead to great tragedies in life.

[ 4 ] Derjenige, der ein wenig etwas weiß von der geistigen Entwickelung der Gegenwart, der muß freilich erstaunt sein über die Ignoranz, über die Unwissenheit, die gerade bei bedeutenden Forschern heute herrscht. Gedankenlosigkeit auf der einen Seite, Unwissenheit auf der anderen Seite. Denn von einer berühmten Autorität tritt einem solch eine Forderung entgegen, wie ich es charakterisiert habe. Man fragt sich vergeblich: Weiß ein solcher Herr nicht, daß der Versuch vor nicht so langer Zeit, aus ebenso unklaren Begriffen heraus allerdings, gemacht worden ist? Man nehme sich die drei Bände Schäffles, des einstigen österreichischen Ministers: «Bau und Leben des sozialen Körpers.» Da wurde versucht, den Staat nach dem Muster des Zellenorganismus zu denken. Die Sache ist also schon gemacht und hat Fiasko erlebt. Es ist derselbe Schäffle, der dann ein Buch geschrieben hat, welches betitelt ist «Die Aussichtslosigkeit der Sozialdemokratie», worauf Hermann Bahr als ganz junger Mann eine Gegenschrift geschrieben hat: «Die Einsichtslosigkeit des Herrn Schäffle.»

[ 4 ] In view of present-day intellectual proficiency it is astonishing how much ignorance, how much sheer lack of knowledge prevails among prominent scientific investigators—thoughtlessness on the one hand, superficiality on the other as demonstrated by claims such as those made by the famous authority just mentioned. One asks in despair if a man in his position can really be unaware that what he suggests has already been attempted not very long ago. And then it was based on concepts that were equally obscure. In three volumes by Schäffle,8 Albert Schaffle 1831–1903 Sociologist Austrian Minister of Trade. the former Austrian prime minister, entitled “The Structure and Life of the Body Social”*“Bau and Leben des socialen Korpers” the attempt is made to depict the State as a cellular organism. So the experiment had been made already and had ended in failure. Schäffle also wrote a book with the title: “The Lack of Prospect in Social Democracy”**“Die Aussichtslosigkeit der Sozialdemokratie” ; to which Hermann Bahr,9 Hermann Bahr 1863–1934 then a young man, wrote a rejoinder with the title: “The Lack of Insight of Herr Schäffle.”***“Die Einsichtslosigkeit des Herrn Schäffle”

[ 5 ] Das ist die Unwissenheit, daß man heute immer wieder und wiederum an derselben Stelle anfängt, ohne zu ahnen, daß derlei Dinge längst Fiasko gemacht haben. Würde man nicht einen allgemeinen Einfall einfach so hinwerfen, so würde man, bevor man einen solchen Gedanken hat, so etwas vornehmen wie Schäffles Werk «Bau und Leben des sozialen Körpers». Man kann fragen: Wie kommt denn Verworn überhaupt dazu, diesen Gedanken zu fassen? Das ist nun ganz besonders interessant. Denn, sehen Sie, einmal, vor nicht zu langer Zeit, vor ein paar Jahrzehnten, hat Virchow über den Aufbau des menschlichen Organismus, überhaupt des tierischen Organismus sprechen wollen. Im tierischen Organismus sind verschiedene Zellensysteme, die zusammengehören, zusammenarbeiten. Was hat er getan, um einen Begriff zu haben, eine Vorstellung, die zusammenfaßt diese einzelnen Zellensysteme? Nun, Virchow hat, um einen Begriff, ein Wort dafür zu bekommen, den tierischen Organismus einen «Zellenstaat» genannt. Das heißt, er hat den Begriff des Staates genommen, wie er um uns herum liegt, und hat den tierischen Organismus mit dem Staate verglichen. Was tut Verworn? Weil Virchow den Begriff des Staates genommen hat, um den tierischen Organismus zu charakterisieren, macht Verworn sich wiederum daran — nachdem nun der Begriff des Staates hineingenommen ist —, diesen Staat wiederum herauszuklauben, und vom tierischen Organismus aus nun die ganze Geschichte auf den Staat anzuwenden. Ist das nicht wie eine Geschichte des berühmten Münchhausen, der sich am eigenen Schopf in die Höhe zieht?

[ 5 ] This kind of ignorance results in repeated attempts to try again what has already been tried and has failed. Before acting on a general notion of this kind one would expect some one like Verworn to acquaint himself with a work such as that by Schäffle on the body social. It is interesting to ask: How does Verworn come to entertain these ideas at all? The answer could be that only a few decades earlier Virchow10Rudolf Vischow 1821–1902 Founder of Cellular Pathology spoke about the structure of the human organism and the animal organism in general. Concerning the animal organism he said that it contains various systems of cells which are related and which interact with one another. But the relevant point is the way Virchow arrived at this idea of interacting systems of cells: He coined a word; calling the animal organism a “cell-State.” In other words, he takes the idea of the State and compares the animal organism to it. Verworn turns the idea around, he extracts the concept of the State and proceeds to apply to it the whole evolution of the animal organism.—One is reminded of the story of the ingenious Münchausen who pulls himself up by his forelock.

[ 6 ] Das ist die Gedankenlosigkeit, nur ein Beispiel der Gedankenlosigkeit, die Sie heute auf Schritt und Tritt finden. Der eine macht sich an den Staat und trägt ihn in den Organismus hinein, der andere trägt wiederum den Organismus in den Staat hinein. Für diejenigen Menschen, die immer nur das eine mitmachen, und keinen Begriff haben davon, wann einmal irgend etwas hineingetragen ist, was der andere wieder herausholt, für diese Menschen wird die Sache allerdings undurchsichtig. Aber so ist die Sache. Die Menschen suchen heute unter dem Einfluß all der populären Anleitungen, die aus dieser «großen Wissenschaft» kommen, festen, sicheren Lebenshalt, und können ihn nicht finden. Die Seelen verlieren sich. Warum verlieren sich diese Seelen? Weil ihnen die Wissenschaft solche Münchhausenschen Helden darbietet, die allerdings nicht gut stehen können. Solche Begriffe werden als Einfälle einfach hingeworfen. Würde man im einzelnen auf die Dinge eingehen, würde man auch nur sich die Mühe nehmen, wiederum zurückzugehen zu seinen eigenen Begriffen, um diese dann anzuschauen, dann würde man finden, was man zuweilen für Tollheiten sagt. Also zum Beispiel: «Es besteht ein Abhängigkeitsverhältnis einer Zellenorganisation von der anderen. Die besteht nicht in einer Geltendmachung der Macht der einen Zellenart zur Unterdrückung der anderen, sondern in einer Förderung ihrer spezifischen Eigenart im Interesse der sozialen Gesamtheit und damit wieder jedes einzelnen Individuums.» Er meint jetzt den Organismus. Bei den Zellenverbänden soll es so sein, daß die beiden in Abhängigkeit sind, daß das eine das andere aber ganz besonders fördert. Und wie sich die Zellensysteme im Organismus gegenseitig fördern, das soll man nun als Musterbild hinstellen für einen Gedanken, der eine Staatsstruktur geben soll. Man soll zum Beispiel den Gedanken fassen, daß die Gehirnzellen, also ein Zellenverband, die Blutzellen, um tätig sein zu können, brauchen, aber sie ganz in ihren Dienst stellen. Was würde herauskommen, wenn man in einem Staatsorganismus etwas Ähnliches schaffen würde, wie den Gebrauch der Blutzellen durch die Gehirnzellen und dergleichen? Also die Sache ist so gedankenlos, daß man nur irgendwo mit einer Einzelheit anzufangen braucht, und man sieht sofort: man hat es zu tun mit einem ganz tollen Einfall, mit einem wahnsinnigen beziehungsweise schwachsinnigen Einfall; doch Schwachsinn ist ja nur ein spezieller Fall des Wahnsinns. Das Beste aber ist wohl dieses, daß Herr Verworn findet, daß, so wie sich die einzelnen Zellverbände zueinander verhalten, die einzelnen Staatsteile sich verhalten sollen, denn dann käme das richtige heraus von dem, was er den Begriff der Freiheit nennt.

[ 6 ] That is just one example of the superficiality that one meets at every turn. Here is someone who conceives the notion of how a State functions and transfers this notion to organisms. Someone else comes along and transfers his notion of how an organism functions over to the State. The whole subject remains obscure to the public in general who simply accept what is presented and have no idea that concepts, belonging to quite a different realm, are introduced. It is the kind of situation that is prevalent everywhere. People, trying to gain a firm hold on life, turn to popular science for guidance but do not find the security they long for. All that the highly respected science has to offer are theories built on shaky foundations. The most arbitrary notions are bandied about; statements are issued and no trouble taken to verify their correctness first. If only they were examined first one would realize the nonsense they often present. Take this statement by Verworn: “All systems of cells are dependent on others, which however does not mean that one kind of cell exercises a power to suppress another kind. On the contrary, cell systems mutually promote one an-other's specific quality in the interest of the social whole and consequently in the interest of each individual cell.”—Verworn is here referring to the human organism. Thus groups of cells are supposed to be dependent on each other but in such a way that it is to their mutual benefit. This arrangement is then held up as a model for arranging the various departments within a State. The notion is that, in order to function, brain cells; i.e., one kind of cells, need the cooperation of blood cells, while the brain cells at the same time place themselves at the service of the blood cells. One wonders what the outcome would be were these notions introduced into organizing a State. The whole idea is so preposterous that we need look at one aspect only to realize the insanity of the whole idea. Verworn visualizes individual departments of State interacting the way that, according to him, individual systems of cells interact in an animal organism. This, he maintains, reveals the real concept of freedom.

[ 7 ] «Das ist ein ungemein wichtiges Prinzip und ein genaues Studium der speziellen Wege, welche die Entwickelung des tierischen Zellenstaates in dieser Richtung eingeschlagen hat, vermag uns eine Richtung zu geben für entsprechende Organisationsfragen im sozialen Organismus des politischen Staates. Vor allem wird hier der Begriff der «individuellen Freiheit: auf seine natürliche und einzig richtige Fassung gebracht und von dem törichten Beiwerke befreit, das so üppig an ihm emporgerankt ist.» Also der Begriff der Freiheit soll dadurch gefunden werden, daß man zum Beispiel studiert, wie die Gehirnzellen die Blutzellen brauchen — die Blutzellen haben nämlich ihre Freiheit gegenüber den Gehirnzellen! Er möchte nun die Sache durchführen. Das Nervensystem sieht er an als das, was im Organismus ist für den Verwaltungsapparat im Staate. Der oberflächlichste Vergleich, der sich nur überhaupt bieten kann. Die Nerven gehen nach den Sinnesorganen hin. Wenn man nun wirklich vergleichen würde: Wo sind nun die Augen, wo sind die Ohren des Staates?

[ 7 ] He continues: “A close study of the direction evolution has taken in the case of the cell State in the animal organism, provides us with guidelines for the direction we should take in order to establish a corresponding system within the social organism of the political State. It reveals to us among other things the true idea of individual freedom, seen here in its natural setting, free from all nonessential externalities with which it is often associated.”—So, according to Verworn, because blood cells are enjoying freedom in their interaction with brain cells, human freedom can be discovered by studying their relationship!—As for the nervous system, Verworn sees it as corresponding in the organism to the administrative machinery of the State. Not only is the comparison ridiculous, it is not even consistent for he overlooks that nerves lead to sense organs, so where do we have the eyes and ears of the State?

[ 8 ] Treibt man Geisteswissenschaft, dann kommt man zu überragenden, zu übergeordneten Begriffen; die sind dann anwendbar auf dasjenige, was in geistigen Zusammenhängen ist, und auch auf dasjenige, was in einem solchen Zusammenhang ist, wie der tierisch-menschliche Organismus. Aber wenn man seine Begriffe — und noch dazu in einer solchen Weise, wie es hier geschehen ist — in einseitiger Weise nur vom menschlichen Organismus nimmt, dann kann man überhaupt nimmermehr zu irgend etwas kommen.

[ 8 ] When one works with spiritual knowledge one is led to lofty, sublime concepts. They apply to the way things are related spiritually; they therefore apply also to the spiritual connections in man's animal-human organism. But when concepts are derived one-sidedly from the human organism as such, especially as done in this case, one simply gets nowhere.

[ 9 ] Aber das schönste ist, daß die Gedankenlosigkeit geradezu himmelschreiend wird. Das sieht man zum Beispiel an einem solchen Satz: «Dieser Zustand wird aber in der organischen Entwickelung des tierischen Zellenstaates erst vollkommener erreicht auf einer weiteren Etappe durch das Prinzip der Zentralisation. Das ist nur möglich, wenn die Arbeit der einzelnen Zellen und Zellengruppen je nach dem momentanen Bedürfnis regulatorisch geleitet wird von einer zentralen Stelle aus, die imstande ist, die Bedürfnisse auf Grund ihrer Informationen zu beurteilen.» Das heißt ungefähr, das Gehirn informiert sich bei den anderen Zellengruppen. Und Verworn führt die kindischesten Begriffe ein. So wie wenn das Gehirn Boten ausschickte zum Magen und dergleichen. Also hier wird die Gedankenlosigkeit eine himmelschreiende Tatsache.

[ 9 ] Yet in another statement Verworn carries the absurdity even further when he says: “The level of greater perfection of organic development in the animal cell-State is only reached at a further stage through centralization. At this stage the function of single cells and groups of cells is regulated and guided, according to momentary needs, from a center which is able to assess the need on the basis of information received.” Verworn suggests with these childish ideas that the brain receives information from other groups of cells and sends messages accordingly to the stomach, and so on.

[ 10 ] Was ist nach Verworn Kultur? Die Ohren kann man sich verstopfen, um nicht zu hören, die Augen kann man sich verbinden; man denke sich einmal hypothetisch, es könne sich jemand den Verstand verstopfen, dann könnte man ungefähr eine solche Definition von Kultur geben: «Die Mittel, die sich der Mensch für diese vollbewußte Stellungnahme zu den Vorgängen in seiner Umgebung selbst geschaffen hat, und die er als Mittel seiner Anpassung an alle Vorkommnisse in seinem Leben benutzt, bilden in ihrer Gesamtheit seine Kultur: denn die Kultur ist nichts anderes, als die Gesamtheit der vom Menschen selbst geschaffenen Werte zur Erhaltung und Förderung seines Lebens.» Also die Kultur ist die Gesamtheit der von Menschen geschaffenen Werte zur Erhaltung und Förderung des Lebens. Man muß den Verstand verstopft haben, denn zweifellos hängt es auch mit der Kultur zusammen, daß man heute so vorzügliche Mordinstrumente hat. Man schaue sich den ganzen Prozeß an, in den die Kultur da hineingelaufen ist, und definiere einmal, daß das alles geschaffen ist von Menschen zur Erhaltung und Förderung des Lebens. Würde jemand diesen Teil der Kultur etwa so schildern, daß er geschaffen ist zur Bedrängung und Vernichtung des Lebens, dann würde er von einem Teil der Kultur wenigstens das Richtige aussagen. Man muß also den Verstand verloren haben, um solche Worte zusammenzustellen. Aber das ist doch auf Schritt und Tritt so zu finden in dem, was heute sich Wissenschaft nennt. Und dann kommt solche Wissenschaft und findet: «Die Produktion von Kulturwerten ist aber durchaus nicht bloß eine physiologische Funktion des einzelnen Individuums, sondern sie ist zum großen Teil eine spezifische Funktion des politischen Staates, nämlich insofern, als viele Kulturwerte überhaupt nicht von einem einzelnen Individuum, sondern als soziale Leistung durch das Zusammenwirken zahlreicher Einzelindividuen hervorgebracht werden können. Der politische Staat ist also als Ganzes ebenso ein Kulturorganismus wie der einzelne Mensch.

[ 10 ] And how, according to Verworn, does civilization, does culture come about? He says: “Culture is the sum total of all the ways and means created by man himself that enables him to be fully conscious of his environment and adapt to whatever occurrence happens in his life. Culture is nothing else than the totality of all the values man has created for the preservation and advancement of his life.”—To define culture in this way one must have lost all capacity of observation and taken leave of one's reason as well! Culture is supposed to be the sum total of values created by man for the preservation and advancement of life! The intellect must indeed have ceased to function for undoubtedly the culture created by man at present consists mainly in instruments designed to destroy. Looking at what culture has become in this domain it can hardly be described as preserving and advancing human life. Had it been described as created for oppression and destruction that would have been correct, at least in regard to a part of culture. But statements like those brought forward by Verworn one meets everywhere in modern science. Take the following example: “The production of cultural values is a physiological function not just in individuals but is to a large extent a specific function of the political State. This is because there are many cultural values which cannot be created by single individuals, as they are values which serve the whole community they need the cooperation of many. The political State as such is therefore an organism that produces cultural values just like the individual.

[ 11 ] Nach alle dem liegen die engen Beziehungen der Politik zur Physiologie auf der Hand, und es wird Zeit, daß man daraus die praktischen Folgerungen zieht, indem man in der Politik den physiologischen Grundlagen des menschlichen Staates Rechnung trägt und sich für alle organisatorischen Probleme des Staatslebens Rat holt beim lebendigen Organismus.» Besser gesagt, meint natürlich Verworn, bei Verworn, nach dem was er ja weiß über den menschlichen Organismus.

[ 11 ] Moreover, as it is obvious that a close relation exists between politics and physiology it is time that practical results were gained from this fact. One should reckon with the reality that a political State has a physiological basis, therefore information should be derived from the living organism concerning all matters of organization.”—Verworn would no doubt have said that information should be derived from his knowledge of the human organism.

[ 12 ] Ja, man muß manchmal solche Symptome herausholen, denn sie sind ja dasjenige, dem die heutige Menschenseele ausgesetzt ist. Diese unglückselige Menschenseele der Gegenwart, die gerne etwas wissen möchte über die Art und Weise, wie sie selber hineingestellt ist in diesen großen Weltorganismus, und der man dann von der Art und Weise, wie sie in den großen Weltorganismus hineingestellt ist, derlei Dinge erzählt. Es ist deshalb außerordentlich schwierig, sich heute überhaupt mit einer großen Anzahl von Menschen, die gerade tonangebend sind auf dem wissenschaftlichen Gebiet, auch nur irgendwie zu verständigen, denn kann man sich überhaupt nur dem Wahn hingeben, daß so jemand wie Verworn auch nur die allergeringsten elementaren Sachen aus der Geisteswissenschaft irgendwie verstehen kann? Daran ist ja gar nicht zu denken. Nur daran ist zu denken, daß Geisteswissenschaft durch ihre eigene Kraft immer mehr und mehr Menschenseelen tragen muß, damit dann überwunden werden solche wissenschaftlichen Torheiten mit ihren ungeheuerlichen Prätentionen. Widerlegen oder sich verständigen ist da aussichtslos. Hier kann es sich nur um Überwindung handeln, indem eine genügend große Anzahl von Menschen verstehen lernt, wohin die Menschheit geführt wird, wenn noch weiterhin dasjenige, was sich heute Wissenschaft nennt, tonangebend bleiben darf und sich gar hineinnisten darf in diejenigen Lebensimpulse, in denen die Begriffe selber Gestalt gewinnen, Tatsachen werden. Es ist eine sehr ernste Sache, die durchaus ernst ins Auge gefaßt werden muß. Die Gedankenlosigkeit zum Beispiel, sie liegt schon in den allerersten Anfängen. Wo man hinsieht, überall tritt einem die Sache entgegen. Und das möchte man so gerne erreichen, daß eine genügend große Anzahl von Menschen da wäre, welche das, was einem sozusagen jeden Tag dreimal ins Haus geschickt werden kann, betrachtet mit dem Geiste, der jetzt ein wenig charakterisiert worden ist.

[ 12 ] These things are symptoms and must be brought to light. They delude the unhappy soul of man who at present is longing to know how and where it belongs within the great organism of the universe. It is nonsense of this kind that makes it so extraordinarily difficult to reach any understanding, particularly with people who are proficient in science. It would be an illusion to imagine that someone like Verworn could begin to understand even the most elementary aspects of spiritual science. While that is unthinkable there is at least the possibility that spiritual science, through its own power, will sustain more and more people so that eventually such scientific folly with its colossal pretentions will be overcome. It is no use trying to refute it and trying to be understood is hopeless. All that can be done is for a sufficient number of people to become aware of the danger threatening mankind if what today calls itself science is allowed to lead the way and to insinuate itself into realms where concepts become realities. This danger is a serious one of which one ought to be well aware; it is all the more important because this kind of superficiality, prevalent though it already is, will undoubtedly increase. These things are staring one in the face and it is so much to be wished that a sufficient number of people would look at them from a deeper aspect as we have to some extent just done.

[ 13 ] Gerade auf die richtige Bewertung dieser Dinge kommt ungeheuer viel an. Man liest eine berühmte Rede von Virchow. Wie geht man heute vor? Virchow ist ein berühmter Mann, ein ungeheuer bedeutender Mann gewesen. Man stellt sich von vornherein — autoritätsgläubig ist man heute ja nicht — auf den Standpunkt: Ja, was ein so berühmter Mann sagt, ist selbstverständlich ein Dogma; das muß absolut stimmen. Aber sagen wir, es stimmt einmal. Dann kann man auch noch eine Torheit begehen, wenn man dieses Stimmen wiederum nicht in der richtigen Weise zu seiner Vorstellungskonsequenz weiterleitet. Da gab es einmal auf einer Münchener Naturforscherversammlung von Haeckel und von Virchow eine Rede über die Freiheit der Wissenschaft und ihrer Lehren. Virchow sprach sich darüber aus, daß man nicht aus der Entwickelungslehre weitere Schlüsse ziehen solle. Er hatte manches Berechtigte gegen Haeckel gesagt, sich vor allen Dingen gewendet dagegen, daß man den Darwinismus sogleich in die Schule hineintragen soll, wo er doch nur dazu dienen könne, Mucken in die Gemüter der Menschen zu setzen. In dieser Rede kann man den folgenden Satz lesen:

[ 13 ] Very much depends upon these things being evaluated rightly, but what happens is usually something like the following: A speech by Virchow appears in print; how is it received? Because Virchow is famous and regarded as a very important person it is taken for granted—though of course no one is supposed to suffer from blind faith in authority—that what such a famous man says can be accepted without question, it must be Gospel truth. Yet even if for once it was the truth one still ought to think through and evaluate for oneself what has been said. Take another example: at a meeting of scientists in Munich, Haeckel and Virchow discussed the liberty that prevailed in spreading scientific theories. Virchow suggested that conclusions should not be drawn indiscriminately from the theory of evolution. Much of what he said in opposition to Haeckel was justified. He was more particularly against Darwinism being introduced without reservations into schools, where it would only serve to close the minds to other views. In his speech Virchow said among other things the following:

[ 14 ] «Das, was mich ziert, ist die Kenntnis meiner Unwissenheit. Das ist das Wichtigste, daß ich genau weiß, was ich von Chemie nicht verstehe. Wüßte ich das nicht, dann würde ich allerdings immer hin und her schaukeln.» Nun, das ist schön, wenn der Virchow gesteht, daß er weiß, daß er von Chemie nichts versteht. Aber diejenigen, die Virchowianer sind, werden es zwar ablehnen, in chemische Dinge sich einzulassen, weil sie sagen, daß sie nichts davon verstehen, aber sie werden jeden für einen Narren oder Phantasten halten, der zur Geisteswissenschaft sich bekennt. Würden sie dasjenige, was Virchow selber in bezug auf die Chemie gesagt hat, auf die Geisteswissenschaft ausdehnen, so würden sie sagen: Es ist das Wichtigste, daß ich genau weiß, was ich von der Geisteswissenschaft nicht verstehe. Aber da handeln sie nicht so. Da ist vor allen Dingen eine gleiche Gesinnung nicht vorhanden. Also auch bei den Dingen, die gesagt werden, handelt es sich darum, daß man die richtigen Konsequenzen zu ziehen vermag.

[ 14 ] “It is to my credit that I know my own ignorance. It is important for me to know the exact extent of my ignorance of chemistry, otherwise I should forever labor under uncertainty.” Of course, it is commendable of Virchow to admit knowing nothing of chemistry. However, the unfortunate consequence is that his followers refuse to concern themselves with chemistry, simply saying they know nothing about it. On the other hand they look upon those who confess to spiritual-scientific knowledge as fools or visionaries. If only these people would let what Virchow says about chemistry apply also to spiritual science, then they would say: It is important that I know exactly to what extent I know nothing about spiritual science. But this is not said; the same honest attitude is not forthcoming. So you see, it is essential to recognize the consequences even when what is said is correct.

[ 15 ] Das neunzehnte Jahrhundert war in vieler Beziehung dennoch groß, aber man muß dasjenige, was in ihm groß war, in der richtigen Weise verstehen. Und man muß vieles von dem, was jetzt allgemeines Menschheitsschicksal ist, in Zusammenhang bringen mit der Entwickelung des neunzehnten Jahrhunderts. Haltlose Seelen, Seelen, die sich nicht zurechtfinden in der Welt, sie sind jetzt sehr zahlreich. Es sind zumeist Seelen, welche aus einem instinktiven Bedürfnis heraus nach etwas anderem dürsten als ihnen nach den traditionellen Überlieferungen gebracht wird; Seelen, die sich in vielem umgeschaut haben, die aber irgend etwas, von dem sie verspüren würden, daß es ihnen sicheren Halt gibt, nicht finden können. Was braucht der Mensch, um — ich will nicht sagen, um in einem Augenblick einen sicheren Halt zu bekommen, das haben wir ja genügend zurückgewiesen in den letzten Betrachtungen hier, das ist nicht möglich, so wie man sich nicht durch eine Mahlzeit für das ganze Leben ernähren kann —, was braucht der Mensch, um auf einem sicheren Wege zu gehen? — das ist vielleicht besser gesagt. Nun, was er vor allen Dingen braucht, das ist das Bewußtsein des Drinnenstehens im Weltenall. Alle Schwachheiten der Seele, alle Unbefriedigtheiten der Seele, sie kommen aus dem seelischen Sich-allein-Fühlen, aus dem Sich—nicht—drinnenstehend—Fühlen in der Welt. Es ist gewissermaßen die große Frage des Lebens: Wie stehe ich in der Welt darinnen? — Es ist zunächst recht abstrakt ausgesprochen, aber in diesem abstrakten Satze liegt ungeheuer Bedeutungsvolles, liegt ungeheuer viel, es liegt das tiefste menschliche Schicksal darin.

[ 15 ] Nonetheless there was much of greatness in the 19th Century, but it is necessary to have a proper understanding of this greatness. Many things which are now part of mankind's general destiny, can be understood only in relation to what took place in the 19th Century. Souls without a rudder, souls without a firm grip on life who feel they do not belong, are numerous in our time. They are for the most part souls who, out of an instinctive need, long for something different from what traditional values can offer, souls who have been searching without finding anything which could give them a feeling of security, of belonging. So what is lacking, what is it that man needs?—I will not say to give him security once and for all, that is no more possible than it is possible for a single meal to sustain the whole of life. It is perhaps better to ask: What does man need to find a secure path through life? What he needs above all is a consciousness of belonging within the world. Weakness and inner discontent comes from the soul's feeling of isolation. Life's greatest question is in fact: Where and how do I fit into the world? This is putting it abstractly; but this abstract question expresses much of immense significance concerning the deeper aspect of human destiny.

[ 16 ] Wenn heute aber der Mensch bei den naturwissenschaftlichen Vorstellungen anfragt, um eine Befriedigung zu erlangen für die Frage: Wie stehe ich im Weltenall darinnen? — da gibt ihm im besten Falle diese naturwissenschaftliche Weltanschauung die Möglichkeit, eine Antwort zu bekommen auf die Frage, wie der physische Leib in der ganzen Entwickelung, im ganzen Weltenall drinnen steht. Das kann man ja bis zu einem gewissen Grade heute wissen, wie der physische Leib im Weltenall drinnen steht. Aber nichts, auch nicht das allergeringste sagt diese naturwissenschaftliche Weltanschauung über das Darinnenstehen der Seele oder gar des Geistes im Weltenall. Vergleichen Sie die geisteswissenschaftliche Entwickelungslehre mit der naturwissenschaftlichen Entwickelungslehre von heute. Die naturwissenschaftliche Entwickelungslehre führt auf tierische Gebiete — wie man sich die Vorstellung macht, mag Nebensache sein —, Geisteswissenschaft stellt den menschlichen Leib in das ganze Weltenall hinein. Geisteswissenschaft führt uns zurück durch die verschiedenen Phasen der irdischen Entwickelung, der Mondenentwickelung, der Sonnenentwickelung bis zur Saturnentwickelung, und sie zeigt uns, daß dasjenige, was in uns als Menschen seelisch—geistig lebt, zur Zeit der Saturnentwickelung schon veranlagt war. Vom ganzen Physischen war dazumal überhaupt nichts vorhanden als Wärmezustände. In Zusammenhang werden wir gebracht mit Wärmezuständen der Ururzeit, die durchwogt und durchwellt war von den einzelnen Wesenheiten der Hierarchien, die heute noch um uns leben. In ein Weltenall werden wir hineingestellt, worinnen Geist und Seele stehen. Das ist der große Unterschied. Geisteswissenschaft stellt unsere Seele und unseren Geist in ein großes All hinein, das sie im einzelnen zu beschreiben vermag. Sie allein kann daher der Seele dasjenige geben, ohne das sich die Seele selbst vernichtet denken muß. Und die Unbefriedigtheiten, die Haltlosiigkeiten der heutigen Seelen, sie sind nur der Reflex des heutigen Denkens. Das Denken erklärt nur den menschlichen Leib als im Weltenall drinnenstehend. Es übersieht die Seele. Das ist der eine Aspekt. Der andere ist der, daß sich die Seele nun auch nicht erfühlt, daß sie nichts an sich hat, an das sie sich selber halten kann. Das verhindert aber, daß die Seelen in sich Gemütsstärke finden; das kann nicht kommen, ohne daß wir zu Vorstellungen gelangen über das Weltenall, die den Menschen enthalten in seinem Seelisch-Geistigen, so wie die naturwissenschaftlichen Vorstellungen den physischen Menschen enthalten als einen Teil des physischen Weltenalls in seiner physischen Entwickelung.

[ 16 ] When man today turns to natural science in order to reach a satisfying answer to the question: Where, as man, is my place in the world? then at best the natural-scientific world view will tell him where his physical body belongs within world evolution as a whole. Today it is known, at least up to a point, where man's physical body belongs in the evolutionary process. But the natural-scientific world view has absolutely nothing to say about how man's soul, let alone spirit, fits into world evolution. Compare for a moment the evolutionary process, as described by spiritual science, with that described by natural science. The natural-scientific theory of evolution leads to the animal kingdom—how this is arrived at is a separate issue—spiritual science leads us back through the different phases of earth evolution: through the Ancient Moon evolution, the Ancient Sun evolution to the Ancient Saturn evolution. It shows us that what lives within us as soul and spirit were germinally present already within the Ancient Saturn evolution. Nothing physically was then present, except conditions of warmth. We are shown how we are related to the primordial warmth, pervaded through and through by the individual beings of the Hierarchies who are still about us. We are placed within a cosmos filled with soul and spirit. That is the great difference. Spiritual science shows our soul and spirit to be part and parcel of a universal all which it can describe in detail. Thus spiritual science alone can give the human soul that without which it feels annihilated. The dissatisfaction and insecurity felt by modern man reflect modern thinking. This thinking disregards the soul and declares that only the human body exists within the cosmic all. Another aspect is that the soul feels it has nothing to relate to, and that prevents it from finding inner strength. To reach inner strength of soul one must have attained concepts and ideas which depict the cosmic all as containing man as a being of soul and spirit; just as natural science depicts physical man as part of the physical evolution of the universe.

[ 17 ] Dazu ist es notwendig, daß der Mut, der sich heute in äußeren Dingen in so glorioser Weise zeigt, nun wirklich auch auftritt in bezug auf das menschliche Innere. Denn vor dem Verfolgen des inneren Lebens erweist sich die heutige Seele des Menschen ganz und gar nicht mutig. Es ist überall ein Zurückweichen vor dem geistigen Inhalte der Welt. Und das führt dann zu so unzähligen Beispielen von Seelenhaltlosigkeiten, die uns heute überall begegnen. Es ist freilich vieles notwendig, wenn die vertrackten Vorstellungen der Gegenwart einmal gesunden Vorstellungen weichen sollen. Es sind ja heute noch immer auf der einen Seite, sagen wir, die atomistischen Vorstellungen vorhanden, wenn man auch von der alten Klotzatomistik übergegangen ist zu der heutigen Ionen- und Elektronenatomistik. Aus Atomen besteht dasjenige, was wir um uns haben. Das meint die heutige Weltanschauung. Und viele stellen sich ja vor, alles müßten sie zurückführen auf kleinste atomistische Gebilde. Ja, so stellen sich die Menschen dasjenige vor, was sie den Stoff nennen, Stoff: aus kleinsten Teilen, aus Atomen bestehend. Manche, sogar die größere Zahl, fügt dann zu dem Stoff noch die Kraft hinzu, daß Stoffteile sich anziehen und abstoßen; aber dann glauben sie sich genug getan zu haben. Und wir haben ja im neunzehnten Jahrhundert gesehen, die ganze bedeutungsvolle Periode durch die Entwickelung der Menschheit ziehen, die ihren klassischen Ausdruck gefunden hat in all den Werken, welche das Weltenall erklärt haben aus dem Aufbau von Kraft und Stoff.

[ 17 ] The courage shown today so admirable in regard to external issues must be extended to the inner life. In this respect modern man is far from courageous. He draws back from all aspects of spiritual reality with the consequence that so many human beings experience inner dissatisfaction and insecurity. Very much has to be done it is true, before distorted ideas give way to sound ones. Nowadays there is, for example, still a preoccupation with atomic theories, even though the earlier crude form has given way to ions and electrons. The modern view is that everything consists of atoms. Many are of the opinion that everything can be traced back to minute atomic structures. Matter is thought to consist of the tiniest of particles; i.e., atoms. And many scientists, in fact most, endow matter with force so that the particles of matter are supposed to attract and repel one another. At this point investigations come to an end. The 19th Century will be seen as a significant period in mankind's evolution: the time when the universe was explained as a structure of matter and force, a view that has been given classical expression in innumerable works.

[ 18 ] Nun wollen wir einmal an diesem Beispiel uns klarmachen, wie man wird umlernen müssen, um zu ermessen, was eigentlich heute alles vonnöten ist. Halten wir daran fest: Die Stoffler — so nennen wir sie einfach — stellen sich vor, die Welt bestände aus Atomen. Was zeigt uns Geisteswissenschaft? Gewiß, die Naturerscheinungen führen uns auf solche Atome zurück, aber was sind sie, diese Atome? Sobald die erste Stufe der schauenden Erkenntnis eintritt, die allererste Stufe, die imaginative Stufe, da entpuppen sich die Atome als dasjenige, was sie sind. Ich habe ja vor vielen Jahren schon in öffentlichen Vorträgen darauf hingewiesen, als was sie sich entpuppen, in verschiedenen Zusammenhängen. Sie entpuppen sich nämlich in einer ganz eigentümlichen Weise, diese Atome. Nach den Stofflern ist der Raum leer, und da drinnen, da wackeln die Atome herum. Also sie sind das Allerfesteste. Aber so ist es nicht, das Ganze beruht auf Täuschung. Die Atome sind nämlich Blasen vor der imaginativen Erkenntnis, und da, wo der leere Raum ist, da ist die Wirklichkeit; und die Atome bestehen gerade darin, daß sie zu Blasen aufgetrieben sind. Blasen sind das. Da ist gerade nichts, gegenüber ihrer Umgebung. Wissen Sie, wie in einer Selterswasserflasche die Perlen: es ist nichts im Wasser, wo die Perlen sind, aber man sieht dort die Perlen. So sind die Atome Blasen. Da ist der Raum hohl, da ist nichts drinnen. Ja, aber man kann doch darauf stoßen! Das Daraufstoßen, das besteht aber gerade darin, daß man an die Hohlheit stößt, und daß einem die Hohlheit, indem man darauf stößt, eine Wirkung verursacht. Ja, aber das Nichts soll eine Wirkung verursachen? Nehmen Sie einmal den fast luftleeren Raum in dem Luftpumpen-Rezipienten, da können Sie sehen, wie die Luft hineinfließt in das Nichts. Wenn Sie es falsch interpretieren wollen, können Sie das, was in der Glocke der Luftpumpe nicht darinnen ist, eine Substanz nennen und sagen, es schieße die Luft herein.

[ 18 ] This example shows the extent to which ideas must be readjusted before it is possible to evaluate what is needed now. Let us hold on to the fact that there are those whose speculations are mainly concerned with matter; they imagine that the world consists of atoms. How does this view compare with what spiritual science has to say? Certainly natural physical phenomena do lead us back to atoms, but what are these atoms? They reveal what they are at the moment the very first stage of spiritual perception has been attained. At the stage of imaginative perception atoms reveal what they truly are. I have spoken about this in various connections many years ago in public lectures. Those who speculate on matter come to the conclusion that space is empty and atoms whirl around in this empty space. Atoms are supposed to be the most solid entities in existence. That is simply not the case, the whole issue is based on illusion. To imaginative cognition atoms are revealed as bubbles and the reality is where the empty space is supposed to be. Atoms are blown up bubbles. In other words, in contrast to what surrounds them they are nothing. You know that where bubbles are seen in soda-water there is no water. Atoms are bubbles in that sense; where they are the space is hollow, nothing is there. And yet it is possible to push against it; impact occurs precisely because, in pushing against hollowness, an effect is produced. How can nothing produce an effect? Take the case of the space, practically empty of air, within an air-pump; there you see how air streams into nothingness. A wrong interpretation might imagine the empty space in the bulb of the air pump as containing a substance that forced in the air.

[ 19 ] Gerade dieselbe Täuschung besteht in bezug auf die Atome. Es ist gerade das Gegenteil wahr. Sie sind leer — und doch wiederum nicht leer. Es ist doch etwas darinnen, in diesen Blasen. Was ist in diesen Blasen darinnen? Nun, auch darüber habe ich schon Betrachtungen angestellt, was in diesen Blasen darinnen ist, das ist nämlich die Substanz des Ahriman, da steckt er drinnen, da ist er eigentlich in seinen einzelnen Teilen drinnen, Ahriman. Das ganze Atomsystem ist ahrimanische Substantialität, Ahriman. Denken Sie, zu welcher merkwürdigen Metamorphose der Stoffleridee wir da kommen. Wir müssen an diejenigen Stellen des Raumes, wohin die Stoffler ihren Stoff setzen, den Ahriman setzen. Da ist überall Ahriman.

[ 19 ] That is exactly the illusion prevailing in regard to the atom. The opposite is true: atoms are empty—yet again not empty. There is after all something within these bubbles. And what is it? — This is also something about which have already spoken — what exists within the atom bubbles is ahrimanic substance. Ahriman is there. The whole system of atoms consists of ahrimanic substantiality. As you see this is a considerable metamorphosis of the ideas entertained by those who theorize about matter. Where in space they see something material we see the presence of Ahriman.

[ 20 ] Kraft, das ist der andere Begriff, den die Kraftler, wie man sie auch genannt hat, zur Konstitution ihres Weltall-Bildes aufrufen. Wiederum zeigt die erste Stufe der schauenden Erkenntnis, daß man es bei dem, was als Kraft wirkt, gar nicht zu tun hat mit etwas, sondern da,wo die Kraft nicht ist, außer der Kraft, da wirkt etwas. Es ist gerade so, wie wenn zwei Menschen gehen würden und einer beobachtet jetzt: da gehen zwei Menschen dahin. Er guckt und guckt nun zwischendurch, Sie gehen ein bißchen voneinander entfernt, er guckt auf das und zeichnet nun auf, nicht den einen und den anderen Menschen, sondern die Grenzen des Raumes, der da zwischen beiden ist; er guckt auf das, was zwischen beiden ist. So gucken die Kraftler auf dasjenige, was zwischen der Realität ist. Wo sie sagen: Da ist Anziehungskraft, — da ist in Wirklichkeit nämlich gar nichts. Aber links und rechts davon, da ist dasjenige, was wirklich vorhanden ist. Ich müßte allerdings sehr vieles ausführen, wenn ich Ihnen das, was ich nur als Tatsachen hinstellte, in seinen Einzelheiten darlegen wollte. Aber es ist schon heute an der Zeit, daß auch von solchen Dingen gesprochen wird. Denn all der glänzende Unsinn, den man heute zum Beispiel als Relativitätstheorie verzapft, durch welchen Einstein ein großer Mann geworden ist, der wird nur zurückgewiesen werden können, wenn man über diese Dinge klare Begriffe haben wird, die den Wirklichkeiten entsprechen. Wissen Sie, die Relativitätstheorie ist ja so einleuchtend. Nicht wahr, man braucht sich nur vorzustellen, daß, nun ja, wenn in einer Entfernung eine Kanone losgeschossen ist, so hört man es erst nach einer bestimmten Zeit. Nun, nehmen wir aber an, wir bewegen uns zur Kanone hin, nicht wahr, so hört man sie früher, weil man ja näher kommt. Nun schließt der Relativitätstheoretiker: Wenn man nun ebenso schnell sich bewegt, wie der Schall geht, dann geht man mit dem Schall, dann hört man ihn nicht. Und geht man gar schneller als der Schall, dann hört man etwas, was später abgeschossen wird, früher als das, was früher abgeschossen worden ist. Das ist ja heute eine allgemein angenommene Vorstellung, nur just steht sie nicht im geringsten Verhältnis zur Wirklichkeit. Denn wenn man sich ebenso schnell bewegt wie der Schall, so kann man selber ein Schall sein, aber man kann keinen Schall hören. Diese ganzen ungesunden Vorstellungen leben aber heute als Relativitätstheorie und genießen das allergrößte Ansehen.

[ 20 ] Force is another concept which in particular occupies those who speculate about force in their attempt to build up a world picture. Here again the very first stage of spiritual cognition shows that where force is supposed to be active there is in fact nothing. But where the force is thought not to be, there something is at work. It is exactly as if two people walked side by side and were observed by a third person. He looks towards them and, as they are walking a little apart, he looks between them and describes, not one or the other person, but the space between them. He is concerned, not with the two persons but the emptiness between them. That is the way those who theorize about force are looking at what is between the reality. Where it is said that a force of attraction is operating there is actually nothing, but to the left and the right there is the reality. I would have to go into many things were I to explain in detail what I have put forward simply as facts. It is time such things were discussed, for clear ideas corresponding to facts are needed. Otherwise it is not possible to refute such brilliant nonsense as, for example, the theory of relativity which has made Einstein11Albert Einstein 1879–1955 Physicist, formulated the Theory of Relativity a figure of renown. The theory of relativity seems so self-evident: for example, when a cannon is fired at a distance the sound is heard after a certain interval; if one moves nearer to the cannon the sound is heard sooner. Now, according to the theory of relativity if one moved with the speed of sound one would not hear it for one would go with it. If one went even faster than the sound, then one would hear something which is fired later, before one would hear what was fired earlier. This idea is generally accepted today but it has no relation whatever to reality. To go as fast as sound would mean to be sound and to hear none. These quite distorted ideas exist today as the theory of relativity and enjoy the greatest respect.

[ 21 ] Nun, wie gesagt, da wo die Kraftlinien sind, die man heute zeichnet in der Physik, da ist nichts; aber ringsherum ist — was denn? Das luziferische Element, Luzifer. Wollen wir also irgend etwas vorstellen der Realität gemäß, an den Stellen, wo der Kraftstoffler seine Kraft hinsetzt, dann müssen wir uns dort das Luziferische vorstellen. Schön, nun haben wir dasjenige, was an die Stelle eines anderen treten muß. Wenn also im neunzehnten Jahrhundert ein Buch geschrieben worden ist: «Kraft und Stoff», wo Kraft und Stoff als die das Weltenall konstitulerenden Dinge dargestellt sind, so muß das zwanzigste Jahrhundert an die Stelle setzen: Luzifer und Ahriman. Denn Kraft und Stoff decken sich vollständig mit Luzifer und Ahriman. Und dasjenige, was als Kraft und Stoff erklärt werden kann, wird in Wirklichkeit als Luzifer und Ahriman erklärt. Sie werden sagen: Schrecklich! Es ist nichts Schreckliches; denn Ahriman und Luzifer, ich habe es oft betont, sind nur dann schrecklich, wenn man sie im einseitigen Pendelschlag betrachtet. Im gegenseitigen Verhältnis werden sie gebraucht gerade zur weisen Weltenlenkung, indem sie das eine auf die eine Waagschale, das andere auf die andere Waagschale legt, nur muß ein Ausgleich zwischen beiden stattfinden. Auf diesen Ausgleich sind wir verwiesen, fortwährend sind wir an diesen Ausgleich gewiesen. Wir tragen diesen Ausgleich in einer gewissen Weise in uns, und in einer merkwürdigen Weise tragen wir diesen Ausgleich in uns. Erinnern Sie sich der Betrachtung, in der ich Ihnen gesagt habe, wie merkwürdig wir mit unserem Atmungsprozeß im ganzen Weltenall drinnen stehen. Wir machen in der Minute eine gewisse Zahl von Atemzügen. Rechnet man sich die Zahl von Atemzügen in einem Menschentage aus, so bekommt man, wie ich Ihnen sagte, dieselbe Zahl heraus, welche man als Zahl der Tage, die ein Mensch lebt, wenn er in die Siebzigerjahre hineinkommt, findet. Ein Wunderbares! Wir leben so viele Lebenstage, als wir Atemzüge in einem Tage haben. Das ist aber nur ein Teil einer gewaltigen Zusammenstimmung von Harmonien im Weltenall. Einer unserer Atemzüge verhält sich zu unseren Lebenstagen, wie sich ein Lebenstag verhält zu unserem gesamten irdischen Leben; und unser gesamtes irdisches Leben wiederum verhält sich zu einem großen Sonnenjahr, zum sogenannten platonischen Jahr gerade so, wie unsere Lebenstage zum gesamten menschlichen Leben und wie ein Atemzug zu einem Tage. Unser Atem nämlich steht in einer wunderbaren inneren Beziehung zu dem gesamten Kosmos. Würden wir mit unserem Erkennen in ein solches Tempo hineinkommen können, das unser Atem entwickelt, dann würden wir in einer dem Menschen angemessenen Harmonie zum Weltenall stehen. Der Morgenländer versucht es durch seine Atmungsübungen auf mancherlei Weise, die dem Abendländer aber nicht entspricht; der muß es auf geistige Weise suchen.

[ 21 ] As it has already been said, physicists draw lines to depict currents of force, but where the force is supposed to be there is in fact nothing, whereas all around there is something. There is Lucifer, the luciferic element is there. If we want to depict what corresponds to actual reality we must place the luciferic element where force is placed by those who theorize about it. In the 19th Century someone wrote a book with the title “Force and Matter” in which the world is presented as consisting of force and matter. In the 20th Century we must substitute that title with “Lucifer and Ahriman,” for Lucifer and Ahriman are identical with what are described as force and matter. What can be described as force and matter are really described by Lucifer and Ahriman. You may say: this is dreadful! It is not dreadful for as I have often emphasized Lucifer and Ahriman are only dreadful when they are not balanced against each other. In mutual balance they serve the wise guidance of worlds. When Lucifer is placed on one side of the scales and Ahriman on the opposite side the balance between them must be achieved. It is a balance for which we must constantly strive. In our own being this balance comes about in a remarkable way. You may remember my speaking about the extraordinary way we are related to the whole universe through our breathing. We draw a certain number of breaths per minute; if we count the number of breaths inhaled in one day we arrive at a number which corresponds to the days of a person's life, if he lives to the age of seventy. It really is quite astonishing: we live the same number of days as the number of breaths drawn in one day. And that is only one detail of the mighty concordance of harmonies within the universe. One of our breaths is related to the days of our life as one day of our life is related to our whole earthly life and the whole earthly life is related to a great Solar Year, the so-called Platonic Year, just as one day of life is related to the whole life and one breath to one day. Thus our breathing is in a wonderful inner relationship to the whole cosmos. If in our cognition we could achieve a tempo that corresponded to that of our breath then we would come into harmony with the whole universe in a way that befits man. People in the Orient attempt this through breathing exercises which are not suitable for Western man. He must seek this harmony along a more spiritual path.

[ 22 ] Aber im Grunde genommen sind alle die Übungen, die geschildert sind in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das geistige Korrelat des Abendlandes für dasjenige, was das Morgenland in der Sehnsucht hat: mit dem Erkenntnisprozeß in das Tempo des Atmungsprozesses hineinzukommen. Wären wir nämlich darinnen, würden wir mit unserem Erkennen in dem Tempo des Atmungsprozesses drinnen sein, dann würde uns das Weltenall viele seiner Geheimnisse enthüllen können; es enthüllt sie uns auch, aber leider nicht unserer Erkenntnis — wenn man in diesem Falle leider sagen kann —, sondern dunklen Gefühlen, die noch dazu manchen Täuschungen unterworfen sind. Dagegen unsere Erkenntnis, die im Vorstellen verläuft, unser Denken, ist gegenüber dem Rhythmus, in den unser Atmen hineingestellt ist, zu klein; es schlägt gleichsam zu kleine Pendelschläge unser Denken. Wir können uns mit unserem Denken im gewöhnlichen äußeren normalen Leben nicht in den großen Weltenrhythmus hineinstellen; es ist zu klein, das Denken. Etwas anderes aber ist dagegen zu groß, das wir auch haben, und das ist unser Wollen. Das schlägt zu stark aus. Das macht zu starke Amplituden. So stehen wir zwischen Denken und Wollen. Das Denken ist zu klein in seinem Pendelausschlag, das Wollen ist zu groß. Daher wird das Denken immer nur solche Vorstellungen entwickeln können, die an anderem korrigiert werden müssen. Durch die verschiedensten Standpunkte, die wir einnehmen, können wir uns allmählich einer Einsicht annähern. Das Wollen kann sich nur durch ein Zusammenschließen mit anderem — weil es zu stark ausschlägt, können wir immer nur zu kleine Teile davon einfangen —, nur durch sein Zusammenschließen mit anderem kann das Wollen zu dem kommen, zu dem es prädestiniert, vorgebildet ist. Das heißt: ein Wollen kann nur im Zusammenhang mit einem anderen Wollen zu etwas kommen; ein Wollen in einer Inkarnation mit einem Wollen in einer anderen Inkarnation zusammen und so weiter.

[ 22 ] All the exercises described in the book Knowledge of the Higher Worlds and its Attainment are the spiritual correlate suited to the West, of that for which the Orient longs: to bring the rhythm of the process of breathing into the process of cognition. If our thinking had the same tempo as our breathing many secrets of the universe would be disclosed to us. The universe does disclose its secrets but unfortunately not to our cognition—if one can use the word, unfortunately in this connection—but to our dim feelings which are subject to many illusions. On the other hand our cognition, our thinking by means of which we form mental pictures, is too “short” when compared to the rhythm of the breath. The swing of the pendulum in our thinking is too short. In our ordinary normal external life, we are not able to enter, by means of thinking, into the great rhythm of the cosmos. Our thinking is too small. By contrast there is something in us which is too large: that is our will. In the will the pendulum swings out too far; its amplitude is too strong. Thus we live between our thinking and our will. In thinking the swing of the pendulum is too short, in the will it is too wide. That is the reason our thinking forms mental pictures which must always be modified by others. The only way we can gradually come to an insight is by adopting various standpoints. As for the will, because it swings out too far the amount we are able to catch hold of is always too small. The will must therefore flow together with another will in order to reach its predestined goal. The will can only achieve something in connection with another will; i.e., the will of one incarnation together with the will of a former incarnation and so on.

[ 23 ] Ich stelle diese Dinge hier zunächst einmal, ich möchte sagen, die Sache fadenzeichnend hin; sie bedürfen alle selbstverständlich einer weiteren Ausführung, aber ich möchte dadurch einmal begreiflich machen, nach welchen Begriffen Geisteswissenschaft den Menschen hinführen muß, um ihn so, wie er es jetzt und in der Zukunft braucht, in das Weltenall hineingestellt zu denken. Gewiß, alles das, was unsere ganz gewöhnliche Erkenntnis ist, das ist zu klein. Sie hat zu kleine Schwingungen gegenüber den größeren Schwingungen, die unser Atmen durchmacht. Aber dieses Denken, von dem wissen wir, es ist nicht ein Ziel, es ist nur ein Weg. Sie alle denken. Die Menschen denken, aber sie denken nicht alles, was in ihre Seelen geht. Ein Gedanke hat sein Ziel nicht erreicht, indem er gedacht wird, sondern erst wenn er sich mit uns verbunden hat. Bewußte Gedanken werden der Erinnerungsfähigkeit mitgeteilt, aber vieles nehmen wir auch auf, das gar nicht zum Bewußtsein kommt, das aber doch in uns hineingeht. Denken Sie sich den ganzen Komplex dessen, was Sie gedacht haben und nicht gedacht haben, und was in Ihnen ist. Wo ist es? Es ist in Ihnen. Sie können sich daran erinnern. Manchmal treten sie auf, die Erinnerungen, manchmal treten sie nicht auf, aber sie sind in Ihnen. Sie sind nämlich im Ätherleibe. Nach dem Tode sondern sie sich ab, gehen in die allgemeine Welt über. Da sind sie dann dasjenige, was wir anschauen in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, was macht, daß wir da überhaupt Wirklichkeit sehen; das sondert sich von uns ab. Was wir denken, das geht mit der Außenwelt zusammen. Wir brauchen dieses in der Außenwelt. So wie wir hier in der physischen Welt Licht brauchen, so brauchen wir dort in der Außenwelt dasjenige, was sich von uns absondert. Wir haben es oftmals beschrieben, daß das in die Außenwelt übergeht; das macht, daß wir dann die Außenwelt haben.

[ 23 ] I am sketching these things in merest outline; they all require elaboration. But my aim is to indicate the kind of concepts spiritual science must bring to man; concepts that will enable him to recognize where he belongs, now and in the future, within the universe. Our ordinary thinking is too narrow. It does not oscillate far enough compared with the wider oscillation of our breath. However, thinking in itself is not the goal, only the path. All human beings think, but they are not conscious of everything which passes through their soul. A thought has not reached its goal by merely being formulated, it must unite itself with our being. Thoughts which become conscious pass over into memory; but we assimilate a great deal which does not reach consciousness. Just think of all the experiences that have passed through your soul, some you have thought about, others not. Some you remember, others not, but all are within you; within your etheric body. After death they separate themselves from us and pass over into the world in general. There they become what we behold in the time between death and a new birth. They enable us to perceive the reality around us. Our thoughts unite themselves with what there constitutes our external world. Just as here, in the physical world, we need light in order to perceive so do we there need what separates itself from us. I have often described this process of our thoughts separating themselves from us after death to become our external world.

[ 24 ] Dasjenige, was wir wollen, das macht, daß wir dann eine Innenwelt haben. Nicht bloß das, was wir wünschen, sondern das, was wir wollen, das heißt, was wirklich Tat wird, das macht, daß wir dann eine Innenwelt haben. In der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wird dasjenige, was wir hier gewollt haben, was wir hier der Außenwelt mitgeteilt haben, was wir getan haben, das wird unsere Innenwelt. Was wir gedacht haben, was heruntergestiegen ist in uns, das beleuchtet unsere Außenwelt; das Äußere wird Innen, das Innere wird Außen. Halten Sie fest an diesem bedeutsamen Satz: das Außen wird Innen, das Innen wird Außen.

[ 24 ] The content of our will becomes our inner world, not that which we have merely wished; but will that has become deed. What we have willed here, what we have imprinted into the external world, the actions we have carried out become our inner world in the time between death and a new birth, whereas our thoughts, our inner life, become what illumines our external world. The outer becomes the inner; the inner becomes the outer. It is important to keep that well in mind.

[ 25 ] Es wird allerdings noch manches Wasser die Spree herunterrinnen — kann man sagen, um ein beliebtes Sprichwort zu gebrauchen —, bis in dem, was man offiziell wissenschaftliche Kreise nennt, die Einsicht erwacht, daß Kraft und Stoff heißen müssen: Luzifer und Ahriman, bis die Einsicht erwacht, daß nach zwei Einseitigkeiten hin, nach der luziferischen Einseitigkeit, indem wir denken, der Atmungsprozeß sich entwickelt, und nach der anderen Einseitigkeit hin, nach dem Willensprozeß, nach der Ahrimanseite die Stoffwechselvorgänge. Wir pendeln hin und her zwischen Luzifer und Ahriman, und die Gleichgewichtslage, das Mittlere, ist der Atmungsprozeß, durch den wir in der großen Harmonie drinnenstehen. Das ist wirkliche Wissenschaft, geschaute Wissenschaft!

[ 25 ] To use a popular saying: a great deal of water will have to flow under the bridge before official science wakes up to the fact that force and matter should be termed Lucifer and Ahriman, or come to realize that we tend towards one-sidedness in two directions: our thinking, related to breathing, has a tendency towards the luciferic; while our will, related to metabolism, has a tendency towards the ahrimanic. We oscillate between Lucifer and Ahriman. In the middle is the breathing process, the sphere of equilibrium, where we partake of the great harmony of the universe. That is true science, that is experienced, not abstract science.

[ 26 ] Jetzt gehen Sie von dieser geschauten Wissenschaft zurück zu der ersten Seite des Alten Testaments und vergleichen Sie diese geschaute Wissenschaft mit dem Satz aus dem Alten Testament: «und er blies dem Menschen den lebendigen Odem ein, und er ward eine lebendige Seele». Nicht wird gesagt, er erteilte ihm das Wollen, er erteilte ihm das Denken, aber auf das Atmen wird hingewiesen; dann werden Sie etwas empfinden — wenn Sie solches empfinden! — von jener Uroffenbarung, von der heute eine einseitige Wissenschaft auch schon sprechen kann, von dem, was in alten Zeiten ein andersgeartetes Wissen war, als dasjenige ist, zu dem man heute gekommen ist. Aber Sie kommen zu der Empfindung eines wunderbaren Zusammenschlusses des heute Geschauten mit diesem größten und auch mit anderen Dokumenten der Menschheitsentwickelung, diesem größten Dokument, dem Alten Testament. Selbstverständlich wird nirgends behauptet, daß auf dieselbe Weise, wie die heutige schauende Wissenschaft, man in der Zeit zu den Dingen gekommen ist, in der das Alte Testament geoffenbart worden ist, aber um so grandioser ist die Konkordanz, ist die Übereinstimmung. Wie sich diese Übereinstimmung dann mit anderen Urkunden, namentlich mit dem Neuen Testament, mit der Erscheinung des Mysteriums von Golgatha von diesem Gesichtspunkte aus betrachten läßt, das werden wir wohl das nächste Mal uns vor die Seele führen können.

[ 26 ] And now let us turn from spiritual science and compare it to the verse in the Old Testament where it says. “And He breathed into man's nostrils the breath of life and man became a living soul.” It is not said that power of will or of thinking was bestowed upon man; it is the breath that is emphasized. You can sense that this primordial revelation stems from a knowledge very different from that of modern spiritual science. But you will also sense the marvelous concordance, the marvelous agreement that exists between the findings of spiritual science today and the content of this and other great historical documents dealing with mankind's evolution. It goes without saying that the revelations in the Old Testament were not arrived at in the same way as the findings of modern spiritual science, but for that very reason the agreement between them is all the more significant. We shall see in the next lecture that this agreement applies also to other historical documents such as the New Testament, especially to the Mystery of Golgotha.

[ 27 ] Ich möchte durch diese Betrachtungen eben in Ihnen Vorstellungen von dem hervorrufen, was nötig ist für unsere Zeit, aber auch davon, wie schwer es ist, sich mit denjenigen, die heute sich Wissenschafter nennen, überhaupt nur zu verständigen. Man findet sehr schwer die Möglichkeit, sich mit dem zu verständigen, der eingerostet ist in einer bestimmten Art von Begriffen, von denen er glaubt, daß sie unfehlbar sind. Ich habe einmal gesagt: das Infallibilitätsdogma des Papstes bezweifelt man, die Infallibilität vieler, vieler, die nimmt unsere autoritätslose, über jede Autorität hinaus sich wähnende Zeit, sehr gerne hin.

[ 27 ] My aim today was to call your attention to what is needed at present and also to point out how very difficult it is to come to any understanding, especially in the sphere of science, with people who hold on to outdated ideas which they regard as infallible. As I once said: the infallibility of the Pope may be questioned but the authority of a great many people is thought to be infallible by those who labor under the illusion that they are above taking things on authority.