Truths Regarding Humans Development
The Karma of Materialism
GA 176
4 September 1917, Berlin
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Menschliche und menschheitliche Entwicklungswahrheiten
Das Karma des Materialismus VI
Das Karma des Materialismus VI
[ 1 ] In einer Zeit wie der unsrigen darf man vor allen Dingen nicht verwechseln die Wirklichkeit des geistigen Lebens und das Verständnis, welches die Menschen diesem geistigen Leben entgegenbringen. Es ist ja zweifellos: Wir leben in einer Zeit, in welcher das menschliche Verständnis und auch das menschliche Gebaren vom Materialismus ergriffen ist. Aber man darf nicht glauben, daß in dieser Zeit des Materialismus die geistigen Einflüsse etwa nicht vorhanden seien, daß gewissermaßen der Geist nicht da sei in seiner Wirksamkeit; das wäre falsch. Man kann sogar, so sonderbar der Ausspruch klingt, in unserer Zeit reichlich geistige Wirkungen, rein geistige Wirkungen im Menschenleben wahrnehmen. Sie treten überall auf, sie sind da. Und sie treten so auf, daß man nicht sagen kann, sie würden dort, wo sie auftreten, nicht gesehen oder sie wären dort nicht wirksam. So ist es nicht. Vielmehr ist es so, daß der brutale Wille der materialistischen Weltanschauungen gerade über dasjenige, was sich zeigt, was da ist, einfach zur Tagesordnung übergeht. Wenn man heute beobachtet, wie sich die Menschen zum Geiste verhalten, wie sie sich verhalten, wenn geistige Wirksamkeiten von irgend jemandem geltend gemacht werden, dann wird man immer an einen merkwürdigen Zwischenfall erinnert, der sich schon vor vielen Jahrzehnten in einer mitteleuropäischen Großstadt ereignet hat. Da war in einer wichtigen Sitzung einer wichtigen Körperschaft davon die Rede, wie auf gewisse Finanzgebarungen moralische Versumpftheit, niedrige moralische Anschauungen einen bösen Einfluß genommen haben. Da war selbstverständlich eine große Partei in dieser erlauchten, erleuchteten Körperschaft, welche Finanzfragen eben nur vom finanztechnischen Standpunkte aus betrachtet wissen wollte. Aber eine andere Minorität — es sind ja meistens Minoritäten — war auch vorhanden, welche die moralische Korruption hervorhob. Und ein Minister erhob sich und schob einfach dieses ganze Einmischen ungehöriger Begriffe hinweg, indem er sagte: Aber meine Herren, die Moral steht doch nicht auf der Tagesordnung! — So etwa, möchte man sagen, verhält sich heute ein großer Teil der Menschen, wenn die Rede auf spirituelle Erscheinungen, auf spirituelle Einflüsse kommt: Aber meine Herren, der Geist steht doch nicht auf der Tagesordnung! — Er steht nämlich nicht auf der Tagesordnung dort, wo verhandelt wird. Aber vielleicht treffen gerade die Verhandlungen nicht immer die Wirklichkeit; vielleicht ist gerade der Geist da, er wird aber nur nicht auf die Tagesordnung dort gesetzt, wo man über die Angelegenheiten der Menschheit redet.
[ 1 ] In einer Zeit wie der unsrigen darf man vor allen Dingen nicht verwechseln die Wirklichkeit des geistigen Lebens und das Verständnis, welches die Menschen diesem geistigen Leben entgegenbringen. Es ist ja zweifellos: Wir leben in einer Zeit, in welcher das menschliche Verständnis und auch das menschliche Gebaren vom Materialismus ergriffen ist. Aber man darf nicht glauben, daß in dieser Zeit des Materialismus die geistigen Einflüsse etwa nicht vorhanden seien, daß gewissermaßen der Geist nicht da sei in seiner Wirksamkeit; das wäre falsch. Man kann sogar, so sonderbar der Ausspruch klingt, in unserer Zeit reichlich geistige Wirkungen, rein geistige Wirkungen im Menschenleben wahrnehmen. Sie treten überall auf, sie sind da. Und sie treten so auf, daß man nicht sagen kann, sie würden dort, wo sie auftreten, nicht gesehen oder sie wären dort nicht wirksam. So ist es nicht. Vielmehr ist es so, daß der brutale Wille der materialistischen Weltanschauungen gerade über dasjenige, was sich zeigt, was da ist, einfach zur Tagesordnung übergeht. Wenn man heute beobachtet, wie sich die Menschen zum Geiste verhalten, wie sie sich verhalten, wenn geistige Wirksamkeiten von irgend jemandem geltend gemacht werden, dann wird man immer an einen merkwürdigen Zwischenfall erinnert, der sich schon vor vielen Jahrzehnten in einer mitteleuropäischen Großstadt ereignet hat. Da war in einer wichtigen Sitzung einer wichtigen Körperschaft davon die Rede, wie auf gewisse Finanzgebarungen moralische Versumpftheit, niedrige moralische Anschauungen einen bösen Einfluß genommen haben. Da war selbstverständlich eine große Partei in dieser erlauchten, erleuchteten Körperschaft, welche Finanzfragen eben nur vom finanztechnischen Standpunkte aus betrachtet wissen wollte. Aber eine andere Minorität — es sind ja meistens Minoritäten — war auch vorhanden, welche die moralische Korruption hervorhob. Und ein Minister erhob sich und schob einfach dieses ganze Einmischen ungehöriger Begriffe hinweg, indem er sagte: Aber meine Herren, die Moral steht doch nicht auf der Tagesordnung! — So etwa, möchte man sagen, verhält sich heute ein großer Teil der Menschen, wenn die Rede auf spirituelle Erscheinungen, auf spirituelle Einflüsse kommt: Aber meine Herren, der Geist steht doch nicht auf der Tagesordnung! — Er steht nämlich nicht auf der Tagesordnung dort, wo verhandelt wird. Aber vielleicht treffen gerade die Verhandlungen nicht immer die Wirklichkeit; vielleicht ist gerade der Geist da, er wird aber nur nicht auf die Tagesordnung dort gesetzt, wo man über die Angelegenheiten der Menschheit redet.
[ 2 ] Wer heute nämlich Gelegenheit hat zu prüfen, wer alles so denkt, der trifft alle Augenblicke irgendeine ganz bedeutsame Tatsache etwa dahingehend, daß er mit jemandem besprechen muß, wie dies oder jenes entstanden ist, wie der oder jener dies oder jenes gegründet hat, die eine oder die andere Sache ins Leben gerufen hat. Hat man Gelegenheit, intimer über solche Dinge mit Menschen zu sprechen, die insbesondere da oder dort berufen werden, dann erfährt man meistens etwas anderes, als diejenigen heute erfahren, vor denen man sich schämt, vom Geist zu sprechen. Man erfährt sehr häufig, daß dieses oder jenes nur getan worden ist, das eine oder das andere nur gegründet worden ist, weil der Betreffende diese oder jene Vision hatte, weil ihm dieser oder jener spirituelle Impuls gegeben worden ist. Wie gesagt, wer Gelegenheit hat wahrzunehmen, wie viele Menschen heute unter rein spirituellen Impulsen, sei es auf Visionen oder auch nur auf solche Träume hin, in denen sich ihnen spirituelle Impulse ankündigen können, dieses oder jenes tun, wer Gelegenheit hat in dieser Beziehung, ich möchte sagen, die Wirklichkeit zu beobachten, der weiß, daß heute unendlich viel mehr, als man glaubt, unter dem Einfluß von spirituellen Mächten, von spirituellen Impulsen geschieht, die aus der geistigen Welt hereinfließen in die physische Welt, und daß durchaus das theoretische Ablehnen, das anschauungsgemäße Ablehnen des Spirituellen nichts bedeutet gegenüber der Wichtigkeit spiritueller Tatsachen, die in unsere Welt durchaus lebendig hereinragen, aber allerdings nicht unbeeinflußt von dem herrschenden Materialismus. Solches Hereinragen spiritueller Impulse hat zu jeder Zeit in der Menschheitsentwickelung stattgefunden, und man sollte nur nicht glauben, daß es heute nicht da wäre. Spirituelle Impulse haben immer in die Menschheit hereingewirkt. Aber in unserem materialistischen Zeitalter kommen die Menschen in einer anderen Art solchen spirituellen Impulsen entgegen, als sie in Zeiten ihnen entgegenkommen, in welchen man mehr Bewußtsein von dem Dasein der spirituellen Welt hat. Nehmen wir gleich einen bedeutungsvollen konkreten Fall.
[ 2 ] Wer heute nämlich Gelegenheit hat zu prüfen, wer alles so denkt, der trifft alle Augenblicke irgendeine ganz bedeutsame Tatsache etwa dahingehend, daß er mit jemandem besprechen muß, wie dies oder jenes entstanden ist, wie der oder jener dies oder jenes gegründet hat, die eine oder die andere Sache ins Leben gerufen hat. Hat man Gelegenheit, intimer über solche Dinge mit Menschen zu sprechen, die insbesondere da oder dort berufen werden, dann erfährt man meistens etwas anderes, als diejenigen heute erfahren, vor denen man sich schämt, vom Geist zu sprechen. Man erfährt sehr häufig, daß dieses oder jenes nur getan worden ist, das eine oder das andere nur gegründet worden ist, weil der Betreffende diese oder jene Vision hatte, weil ihm dieser oder jener spirituelle Impuls gegeben worden ist. Wie gesagt, wer Gelegenheit hat wahrzunehmen, wie viele Menschen heute unter rein spirituellen Impulsen, sei es auf Visionen oder auch nur auf solche Träume hin, in denen sich ihnen spirituelle Impulse ankündigen können, dieses oder jenes tun, wer Gelegenheit hat in dieser Beziehung, ich möchte sagen, die Wirklichkeit zu beobachten, der weiß, daß heute unendlich viel mehr, als man glaubt, unter dem Einfluß von spirituellen Mächten, von spirituellen Impulsen geschieht, die aus der geistigen Welt hereinfließen in die physische Welt, und daß durchaus das theoretische Ablehnen, das anschauungsgemäße Ablehnen des Spirituellen nichts bedeutet gegenüber der Wichtigkeit spiritueller Tatsachen, die in unsere Welt durchaus lebendig hereinragen, aber allerdings nicht unbeeinflußt von dem herrschenden Materialismus. Solches Hereinragen spiritueller Impulse hat zu jeder Zeit in der Menschheitsentwickelung stattgefunden, und man sollte nur nicht glauben, daß es heute nicht da wäre. Spirituelle Impulse haben immer in die Menschheit hereingewirkt. Aber in unserem materialistischen Zeitalter kommen die Menschen in einer anderen Art solchen spirituellen Impulsen entgegen, als sie in Zeiten ihnen entgegenkommen, in welchen man mehr Bewußtsein von dem Dasein der spirituellen Welt hat. Nehmen wir gleich einen bedeutungsvollen konkreten Fall.
[ 3 ] Es ist aus gewissen Gründen außerordentlich schwierig, der Welt gewisse Tatsachen über die geistigen Verhältnisse mitzuteilen. Die Menschen sind nicht vorbereitet genug, sie haben in sich nicht die Begriffe, um in entsprechender Art solche Mitteilungen aus der geistigen Welt entgegenzunehmen, und leicht werden solche Mitteilungen in das Gegenteil verkehrt. So kommt es, daß gerade in der Gegenwart der in die geistige Welt Eingeweihte über die wichtigsten Dinge in vieler Beziehung schweigen muß. Man kann nicht einmal sagen, was geschehen würde, wenn über die wichtigsten Dinge einer völlig unreifen Menschheit gegenüber dieses oder jenes gesagt würde. Aber ein Fall, der sehr häufig vorkommt, ist der folgende: Verhandelt werden muß immer nach gewissen Weltgesetzen über die spirituellen Dinge. Wenn nun mit den Lebenden schlecht zu verhandeln ist, wie in der Gegenwart, so ist sehr häufig die Verhandlung mit den Toten eine um so regere, eine um so intensivere. Und man kann sagen: vielleicht war in wenigen Zeiten das Zusammenwirken, das bewußte Zusammenwirken des physischen Planes mit der geistigen Welt, in welche die Verstorbenen versetzt sind, ein so reges, wie es in der Gegenwart sein kann. Aber nehmen wir an, irgendwo findet eine Verhandlung statt, die nur sein kann zwischen einem Wissenden auf dem physischen Plan und einem Verstorbenen. Dann kann gerade dadurch etwas sehr Merkwürdiges geschehen. Es kann gewissermaßen eine transzendente Indiskretion geschehen. Es können zwei Fälle eintreten. Nicht nur hier auf dem physischen Plane gibt es Horcher, die durch Schlüssellöcher horchen, sondern auch unter den Wesen der geistigen Welt gibt es Horcher, die Geister niederer Art sind, die aber eigentlich immer darauf aus sind, allerlei reelle spirituelle Tatsachen dadurch zu erfahren, daß sie horchen, daß sie namentlich das auffangen, was zwischen Wesen des physischen Planes und der geistigen Welt gesprochen wird. Da kann dann der eine Fall eintreten: Wenn ein Mensch besonders leidenschaftlich ist, von seinen Leidenschaften besonders ergriffen wird, so daß man von ihm sagt: er ist außer sich —, was ja durch Leidenschaft öfter vorkommt, oder wenn er betrunken ist, richtig physisch betrunken ist, oder wenn er in einem Ohnmachts- oder dergleichen Zustande ist, dann können solche Geister die Gelegenheit benutzen und über ihn kommen; und was sie ihm dann einimpfen, das kann ihm in Form einer Vision gleichzeitig oder später auftreten, und er kann dadurch allerlei erlauschen, was er nicht hören sollte.
[ 3 ] Es ist aus gewissen Gründen außerordentlich schwierig, der Welt gewisse Tatsachen über die geistigen Verhältnisse mitzuteilen. Die Menschen sind nicht vorbereitet genug, sie haben in sich nicht die Begriffe, um in entsprechender Art solche Mitteilungen aus der geistigen Welt entgegenzunehmen, und leicht werden solche Mitteilungen in das Gegenteil verkehrt. So kommt es, daß gerade in der Gegenwart der in die geistige Welt Eingeweihte über die wichtigsten Dinge in vieler Beziehung schweigen muß. Man kann nicht einmal sagen, was geschehen würde, wenn über die wichtigsten Dinge einer völlig unreifen Menschheit gegenüber dieses oder jenes gesagt würde. Aber ein Fall, der sehr häufig vorkommt, ist der folgende: Verhandelt werden muß immer nach gewissen Weltgesetzen über die spirituellen Dinge. Wenn nun mit den Lebenden schlecht zu verhandeln ist, wie in der Gegenwart, so ist sehr häufig die Verhandlung mit den Toten eine um so regere, eine um so intensivere. Und man kann sagen: vielleicht war in wenigen Zeiten das Zusammenwirken, das bewußte Zusammenwirken des physischen Planes mit der geistigen Welt, in welche die Verstorbenen versetzt sind, ein so reges, wie es in der Gegenwart sein kann. Aber nehmen wir an, irgendwo findet eine Verhandlung statt, die nur sein kann zwischen einem Wissenden auf dem physischen Plan und einem Verstorbenen. Dann kann gerade dadurch etwas sehr Merkwürdiges geschehen. Es kann gewissermaßen eine transzendente Indiskretion geschehen. Es können zwei Fälle eintreten. Nicht nur hier auf dem physischen Plane gibt es Horcher, die durch Schlüssellöcher horchen, sondern auch unter den Wesen der geistigen Welt gibt es Horcher, die Geister niederer Art sind, die aber eigentlich immer darauf aus sind, allerlei reelle spirituelle Tatsachen dadurch zu erfahren, daß sie horchen, daß sie namentlich das auffangen, was zwischen Wesen des physischen Planes und der geistigen Welt gesprochen wird. Da kann dann der eine Fall eintreten: Wenn ein Mensch besonders leidenschaftlich ist, von seinen Leidenschaften besonders ergriffen wird, so daß man von ihm sagt: er ist außer sich —, was ja durch Leidenschaft öfter vorkommt, oder wenn er betrunken ist, richtig physisch betrunken ist, oder wenn er in einem Ohnmachts- oder dergleichen Zustande ist, dann können solche Geister die Gelegenheit benutzen und über ihn kommen; und was sie ihm dann einimpfen, das kann ihm in Form einer Vision gleichzeitig oder später auftreten, und er kann dadurch allerlei erlauschen, was er nicht hören sollte.
[ 4 ] Wer Sinn und Beobachtungsgabe für so etwas hat, der weiß, daß heute in allen möglichen Büchern unserer Literatur Unzähliges geschrieben wird, Unzähliges vorhanden ist, insbesondere in mancher höchst zweifelhaften Literatur, was auf allerlei verkehrte Art durch Indiskretion aus dem geistigen Verkehr herstammend ist. Es kann nichts Wirksameres geben, als wenn irgendein Kobold den Schreiber eines Detektivromans, wenn er gerade betrunken ist, von sich besessen macht, in seine Menschlichkeit hineingeht, ihm irgendeinen Satz eingibt, so daß er diesen Satz in seinem Detektivroman unterbringt. Dieser Roman gelangt dann durch allerlei Hinter- oder auch Vordertreppen zu den Menschen, und jener Satz kann dann ganz besonders in den Menschenseelen wirken, kann insbesondere dadurch wirksam werden, weil er durch die Art, wie die Menschen solche Dinge aufnehmen, nicht das volle Bewußtsein ansprechend ist, sondern an sich schon etwas zum Unterbewußtsein Sprechendes ist.
[ 4 ] Wer Sinn und Beobachtungsgabe für so etwas hat, der weiß, daß heute in allen möglichen Büchern unserer Literatur Unzähliges geschrieben wird, Unzähliges vorhanden ist, insbesondere in mancher höchst zweifelhaften Literatur, was auf allerlei verkehrte Art durch Indiskretion aus dem geistigen Verkehr herstammend ist. Es kann nichts Wirksameres geben, als wenn irgendein Kobold den Schreiber eines Detektivromans, wenn er gerade betrunken ist, von sich besessen macht, in seine Menschlichkeit hineingeht, ihm irgendeinen Satz eingibt, so daß er diesen Satz in seinem Detektivroman unterbringt. Dieser Roman gelangt dann durch allerlei Hinter- oder auch Vordertreppen zu den Menschen, und jener Satz kann dann ganz besonders in den Menschenseelen wirken, kann insbesondere dadurch wirksam werden, weil er durch die Art, wie die Menschen solche Dinge aufnehmen, nicht das volle Bewußtsein ansprechend ist, sondern an sich schon etwas zum Unterbewußtsein Sprechendes ist.
[ 5 ] Das andere, was geschehen kann, ist, daß in irgendwelchen spiritistischen Sitzungen durch dieses oder jenes Medium das eine oder das andere geschildert wird, und dann mischt sich in das, was durch das Medium zutage tritt, die Kundgebung eines solchen Geistes hinein, der da seine Indiskretion unterbringen will. Wiederum ein Weg, der vielleicht gerade an dem Punkte, wo er eingeschlagen wird, ganz besonders wirksam ist. Es soll damit nicht etwas gesagt werden gegen das Mediumwesen an sich, sondern nur gegen seine Ausartung. Im Verlaufe des Menschheitskarmas treten verschiedene Dinge auf, die durch mediale Kundgebungen dieses oder jenes zutage fördern; das soll heute nicht besprochen werden, dagegen soll die Möglichkeit hervorgehoben werden, wie in der Tat gerade in einer Zeit, wie es die heutige ist, geistige Kanäle von der anderen Welt herübergehen in die physische Welt. Diese Kanäle sind sehr, sehr zahlreich, und sie sind viel mehr wirklich als man denkt. Dies vorausgesetzt, werden Sie begreifen, wenn ich nun etwas sage, was ganz gewiß der Gegenwart gegenüber heute vielfach noch als ein Paradoxon aufgefaßt werden kann, was aber doch tief wahr ist.
[ 5 ] Das andere, was geschehen kann, ist, daß in irgendwelchen spiritistischen Sitzungen durch dieses oder jenes Medium das eine oder das andere geschildert wird, und dann mischt sich in das, was durch das Medium zutage tritt, die Kundgebung eines solchen Geistes hinein, der da seine Indiskretion unterbringen will. Wiederum ein Weg, der vielleicht gerade an dem Punkte, wo er eingeschlagen wird, ganz besonders wirksam ist. Es soll damit nicht etwas gesagt werden gegen das Mediumwesen an sich, sondern nur gegen seine Ausartung. Im Verlaufe des Menschheitskarmas treten verschiedene Dinge auf, die durch mediale Kundgebungen dieses oder jenes zutage fördern; das soll heute nicht besprochen werden, dagegen soll die Möglichkeit hervorgehoben werden, wie in der Tat gerade in einer Zeit, wie es die heutige ist, geistige Kanäle von der anderen Welt herübergehen in die physische Welt. Diese Kanäle sind sehr, sehr zahlreich, und sie sind viel mehr wirklich als man denkt. Dies vorausgesetzt, werden Sie begreifen, wenn ich nun etwas sage, was ganz gewiß der Gegenwart gegenüber heute vielfach noch als ein Paradoxon aufgefaßt werden kann, was aber doch tief wahr ist.
[ 6 ] Man wird in der Zukunft gewiß über die Ereignisse der Jahre 1914, 1915, 1916, 1917 schreiben. Man wird mancherlei schreiben in dem Sinne, wie Geschichtsschreiber eben schreiben. Man wird über die Ursachen dieses furchtbaren Weltkrieges schreiben, man wird nach allen Seiten die Dokumente durchstöbern, die sich in allen möglichen Archiven finden, und wird versuchen, aus diesen Dokumenten heraus eine plausible Geschichte, vielleicht des Jahres 1914, in bezug auf die europäischen Ereignisse zu schreiben. Das Wichtige, was wir bei einer solchen Sache einsehen müssen, ist dies, daß alle Dokumentenforschung, daß alle Berichterstattung, die nach dem Muster der historischen Forschung bis zur Gegenwart angeregt ist, nicht ausreichen wird, um die Ursachen dieses ungeheuren Weltereignisses klarzulegen. Denn unter den wichtigsten Ursachen werden solche sein, die ihrer Natur nach auf äußeren Dokumenten, die man mit Tinte oder Druckerschwärze fabriziert, eben nicht aufgezeichnet worden sind, sondern die, weil sie eben wiederum heute nicht «an der Tagesordnung» sind, gewissermaßen abgeleugnet werden. In diesen Tagen lasen Sie gewiß die Berichte über jene russische Gerichtsverhandlung, bei welcher der russische Kriegsminister Suchomlinoff, der damalige Generalstabschef und andere Persönlichkeiten bedeutsame Aussagen gemacht haben. Über diese Aussagen sind viele Leute entrüstet; bei diesen Aussagen fällt vielen Leuten ein, daß man ja darob sich stark moralisch entrüsten kann, darüber zum Beispiel, daß Suchomlinoff den Zaren angelogen hat, oder daß der russische Generalstabschef, als er den Mobilisationsbefehl noch in der Tasche hatte, dem deutschen Militärattache das feste Versprechen abgab, daß dieser Befehl noch nicht erlassen sei, weil er ihn erst nach wenigen Minuten an die betreffenden Stellen weitergeben wollte. Gewiß, darüber kann man sich entrüsten, darüber kann allerlei Moralisches deklamiert werden. Aber gelogen wird nun einmal heute so viel, daß es den Weltenkenner eigentlich nicht wundern sollte, daß an einer wichtigen Stelle einmal recht saftig gelogen worden ist. Dies jedoch und was die Leute darüber reden, ist nicht die Hauptsache. Etwas anderes ist die Hauptsache. Wenn man nämlich diesen ganzen Prozeß durchliest, findet man sogar merkwürdige Worte, die handgreiflich auf das hindeuten, worum es sich handelt. Suchomlinoff erzählt geradezu, daß er, als diese Sachen sich abspielten, für eine Zeitlang den Verstand verloren hat. Er sagte geradezu: «Ich hatte darüber den Verstand verloren.» — Das ganze Hin und Her hatte ihn um den Verstand gebracht. Und damals waren nicht wenige Leute in einer solchen Lage.
[ 6 ] Man wird in der Zukunft gewiß über die Ereignisse der Jahre 1914, 1915, 1916, 1917 schreiben. Man wird mancherlei schreiben in dem Sinne, wie Geschichtsschreiber eben schreiben. Man wird über die Ursachen dieses furchtbaren Weltkrieges schreiben, man wird nach allen Seiten die Dokumente durchstöbern, die sich in allen möglichen Archiven finden, und wird versuchen, aus diesen Dokumenten heraus eine plausible Geschichte, vielleicht des Jahres 1914, in bezug auf die europäischen Ereignisse zu schreiben. Das Wichtige, was wir bei einer solchen Sache einsehen müssen, ist dies, daß alle Dokumentenforschung, daß alle Berichterstattung, die nach dem Muster der historischen Forschung bis zur Gegenwart angeregt ist, nicht ausreichen wird, um die Ursachen dieses ungeheuren Weltereignisses klarzulegen. Denn unter den wichtigsten Ursachen werden solche sein, die ihrer Natur nach auf äußeren Dokumenten, die man mit Tinte oder Druckerschwärze fabriziert, eben nicht aufgezeichnet worden sind, sondern die, weil sie eben wiederum heute nicht «an der Tagesordnung» sind, gewissermaßen abgeleugnet werden. In diesen Tagen lasen Sie gewiß die Berichte über jene russische Gerichtsverhandlung, bei welcher der russische Kriegsminister Suchomlinoff, der damalige Generalstabschef und andere Persönlichkeiten bedeutsame Aussagen gemacht haben. Über diese Aussagen sind viele Leute entrüstet; bei diesen Aussagen fällt vielen Leuten ein, daß man ja darob sich stark moralisch entrüsten kann, darüber zum Beispiel, daß Suchomlinoff den Zaren angelogen hat, oder daß der russische Generalstabschef, als er den Mobilisationsbefehl noch in der Tasche hatte, dem deutschen Militärattache das feste Versprechen abgab, daß dieser Befehl noch nicht erlassen sei, weil er ihn erst nach wenigen Minuten an die betreffenden Stellen weitergeben wollte. Gewiß, darüber kann man sich entrüsten, darüber kann allerlei Moralisches deklamiert werden. Aber gelogen wird nun einmal heute so viel, daß es den Weltenkenner eigentlich nicht wundern sollte, daß an einer wichtigen Stelle einmal recht saftig gelogen worden ist. Dies jedoch und was die Leute darüber reden, ist nicht die Hauptsache. Etwas anderes ist die Hauptsache. Wenn man nämlich diesen ganzen Prozeß durchliest, findet man sogar merkwürdige Worte, die handgreiflich auf das hindeuten, worum es sich handelt. Suchomlinoff erzählt geradezu, daß er, als diese Sachen sich abspielten, für eine Zeitlang den Verstand verloren hat. Er sagte geradezu: «Ich hatte darüber den Verstand verloren.» — Das ganze Hin und Her hatte ihn um den Verstand gebracht. Und damals waren nicht wenige Leute in einer solchen Lage.
[ 7 ] Stellen Sie sich einen solchen Suchomlinoff vor, der den Verstand verloren hat: da ist so richtig die Möglichkeit, daß ahrimanische geistige Wesenheiten von seiner Seele Besitz ergreifen und ihm alles mögliche eingeben; das ist die Art, wie Ahriman in die Welt hereinwirkt, besonders wenn wir — außer wenn wir schlafen — keinen Wert darauf legen, voll in unserem Bewußtsein zu sein. Sind wir voll in unserem Bewußtsein, so können solche geistigen Wesen keinen richtigen Zugang zu unserer Seele haben. Ist aber die Geistigkeit, das Bewußtsein heruntergetrübt, so haben ahrimanische Wesen sofort den Zugang zu uns. Das sind die Tore, die Fenster, wo die ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten in die Welt hereinkommen und ihre Pläne ausführen, indem sie die Menschen im Zustande des herabgedämmerten Bewußtseins überfallen und von sich besessen machen. Denn nicht auf eine unerklärliche, schauderhafte Weise wirken Ahriman und Luzifer, sondern dadurch, daß die Menschen mit ihrem Bewußtseinszustande ihnen entgegenkommen. Wer die Geschichte dieses Krieges in Zukunft wird schreiben wollen, der wird untersuchen müssen, wo überall solche herabgedämpften Bewußtseinszustände vorhanden waren, wo überall Tore und Fenster geöffnet waren für das Hereindringen ahrimanischer und luziferischer Mächte. Das ist bei früheren ähnlichen Ereignissen nicht in demselben Grade der Fall gewesen. Bei früheren ähnlichen Ereignissen wird man mit dem ausreichen, was Professoren und Geschichtsschreiber finden, indem sie die Archive untersuchen und aus dem Gefundenen die Ursachen für die Ereignisse zusammenstellen. Diesmal wird ein Rest bleiben, wenn man noch so genau die äußeren Dokumente zusammenstellen wird. Und dieser dableibende Rest ist das Hereinragen ganz besonderer geistiger Mächte durch die abgedämmerten Bewußtseinszustände in die Menschenwelt.
[ 7 ] Stellen Sie sich einen solchen Suchomlinoff vor, der den Verstand verloren hat: da ist so richtig die Möglichkeit, daß ahrimanische geistige Wesenheiten von seiner Seele Besitz ergreifen und ihm alles mögliche eingeben; das ist die Art, wie Ahriman in die Welt hereinwirkt, besonders wenn wir — außer wenn wir schlafen — keinen Wert darauf legen, voll in unserem Bewußtsein zu sein. Sind wir voll in unserem Bewußtsein, so können solche geistigen Wesen keinen richtigen Zugang zu unserer Seele haben. Ist aber die Geistigkeit, das Bewußtsein heruntergetrübt, so haben ahrimanische Wesen sofort den Zugang zu uns. Das sind die Tore, die Fenster, wo die ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten in die Welt hereinkommen und ihre Pläne ausführen, indem sie die Menschen im Zustande des herabgedämmerten Bewußtseins überfallen und von sich besessen machen. Denn nicht auf eine unerklärliche, schauderhafte Weise wirken Ahriman und Luzifer, sondern dadurch, daß die Menschen mit ihrem Bewußtseinszustande ihnen entgegenkommen. Wer die Geschichte dieses Krieges in Zukunft wird schreiben wollen, der wird untersuchen müssen, wo überall solche herabgedämpften Bewußtseinszustände vorhanden waren, wo überall Tore und Fenster geöffnet waren für das Hereindringen ahrimanischer und luziferischer Mächte. Das ist bei früheren ähnlichen Ereignissen nicht in demselben Grade der Fall gewesen. Bei früheren ähnlichen Ereignissen wird man mit dem ausreichen, was Professoren und Geschichtsschreiber finden, indem sie die Archive untersuchen und aus dem Gefundenen die Ursachen für die Ereignisse zusammenstellen. Diesmal wird ein Rest bleiben, wenn man noch so genau die äußeren Dokumente zusammenstellen wird. Und dieser dableibende Rest ist das Hereinragen ganz besonderer geistiger Mächte durch die abgedämmerten Bewußtseinszustände in die Menschenwelt.
[ 8 ] An anderer Stelle habe ich davon gesprochen, wie auf einem gewissen Gebiete der Erde seit Jahrzehnten die Verhältnisse so zubereitet wurden, daß im richtigen Momente die richtigen ahrimanischen Kräfte in die Menschheit hereinwirkten. Eine ungeheuere Flut von geistigen Impulsen ging im Juli und August 1914 durch Europa, ein Wirbel geistiger Wirkungen. Das ist es, was ganz besonders zu berücksichtigen ist, was verstanden werden soll, richtig verstanden werden soll. Man versteht eben die Wirklichkeit nicht, wenn man nicht in der Lage ist, an diese Wirklichkeit mit denjenigen Begriffen heranzutreten, die aus dem konkreten geistigen Leben genommen sind. Geisteswissenschaft ist zum Verständnis der Wirklichkeit der Gegenwart einmal notwendig. Und auch eine Wirksamkeit in der Gegenwart, sei es auf politischem, sei es auf anderen Gebieten, ist nicht möglich, ohne daß der Mensch über die Ereignisse ein waches Leben entwickelt mit den Vorstellungen, mit den Begriffen, die er aus der Geisteswissenschaft gewinnen kann. Nicht als ob man alles schablonenhaft nach der Geisteswissenschaft beurteilen kann, aber sie ist etwas, was uns dazu anleitet, wach das Gegenwartsleben mitzuerleben, während gerade die materialistische Seelenverfassung uns schlafen läßt über das Allerwichtigste, uns nicht so aufrüttelt, daß wir zu einem Urteil über unsere Zeitgenossenschaft kommen.
[ 8 ] An anderer Stelle habe ich davon gesprochen, wie auf einem gewissen Gebiete der Erde seit Jahrzehnten die Verhältnisse so zubereitet wurden, daß im richtigen Momente die richtigen ahrimanischen Kräfte in die Menschheit hereinwirkten. Eine ungeheuere Flut von geistigen Impulsen ging im Juli und August 1914 durch Europa, ein Wirbel geistiger Wirkungen. Das ist es, was ganz besonders zu berücksichtigen ist, was verstanden werden soll, richtig verstanden werden soll. Man versteht eben die Wirklichkeit nicht, wenn man nicht in der Lage ist, an diese Wirklichkeit mit denjenigen Begriffen heranzutreten, die aus dem konkreten geistigen Leben genommen sind. Geisteswissenschaft ist zum Verständnis der Wirklichkeit der Gegenwart einmal notwendig. Und auch eine Wirksamkeit in der Gegenwart, sei es auf politischem, sei es auf anderen Gebieten, ist nicht möglich, ohne daß der Mensch über die Ereignisse ein waches Leben entwickelt mit den Vorstellungen, mit den Begriffen, die er aus der Geisteswissenschaft gewinnen kann. Nicht als ob man alles schablonenhaft nach der Geisteswissenschaft beurteilen kann, aber sie ist etwas, was uns dazu anleitet, wach das Gegenwartsleben mitzuerleben, während gerade die materialistische Seelenverfassung uns schlafen läßt über das Allerwichtigste, uns nicht so aufrüttelt, daß wir zu einem Urteil über unsere Zeitgenossenschaft kommen.
[ 9 ] Das ist es ja, was ich in die Untertöne, die ich in die geisteswissenschaftlichen Vorträge und Betrachtungen lege, so gerne hineinbringen möchte, damit diese Geisteswissenschaft wirklich lebendiges, regsames Element werde, so daß die Seelen sich so zu dem Außenleben verhalten, wie es der Außenwelt entspricht, und ergriffen werden von dem Konkreten der Welt, nicht nur der Geisteswissenschaft. Man muß richtig aus Symptomen heraus urteilen können.
[ 9 ] Das ist es ja, was ich in die Untertöne, die ich in die geisteswissenschaftlichen Vorträge und Betrachtungen lege, so gerne hineinbringen möchte, damit diese Geisteswissenschaft wirklich lebendiges, regsames Element werde, so daß die Seelen sich so zu dem Außenleben verhalten, wie es der Außenwelt entspricht, und ergriffen werden von dem Konkreten der Welt, nicht nur der Geisteswissenschaft. Man muß richtig aus Symptomen heraus urteilen können.
[ 10 ] Ich habe Ihnen neulich erzählen können, mit welcher geradezu phänomenalen Oberflächlichkeit ein Berliner Universitätsprofessor sich über die Anthroposophie hergemacht hat. Ich habe Ihnen erzählt, was an Entstellung oder auch unbewußter Verleumdung sich Max Dessoir geleistet hat. Aber das steht doch im Zusammenhang mit dem ganzen Erscheinungskomplex, daß ein solches Individuum Max Dessoir in einer gelehrten Körperschaft drinnen steht, ja, daß noch etwas ganz anderes möglich war. Dieses Individuum Max Dessoir hat einmal eine Geschichte der Psychologie geschrieben, und wie er in der Vorrede zu diesem Buche gleich bemerkt, hat er besagte Geschichte der Psychologie auf Anregung der Berliner Akademie der Wissenschaften verfaßt, die einen Preis auf die Darstellung der Geschichte der Psychologie ausgeschrieben hatte. Diese Geschichte der Psychologie ist ein so lotteriges, ein innerlich so defektes Werk, daß das betreffende Individuum Max Dessoir es selbst später wieder zurückgezogen und einstampfen lassen hat. Es könnten also nicht so viele Exemplare davon vorhanden sein. Aber ich besitze ein Rezensionsexemplar dieses Buches und werde vielleicht noch manches darüber erzählen können. Vorläufig mußte ich mich damit beschäftigen in meiner demnächst erscheinenden Broschüre in dem Kapitel über die Angriffe gegen die Anthroposophie. Also Max Dessoir schreibt über die Geschichte der Psychologie, und er läßt dann dieses Werk wieder einstampfen. Aber die Tatsache liegt vor, daß die Berliner Akademie der Wissenschaften diese eingestampfte Geschichte der Psychologie preisgekrönt hat! Diese Dinge darf man nicht verschlafen, denn sie sind symptomatisch und sprechen für das, was in unserer gegenwärtigen Welt geschieht.
[ 10 ] Ich habe Ihnen neulich erzählen können, mit welcher geradezu phänomenalen Oberflächlichkeit ein Berliner Universitätsprofessor sich über die Anthroposophie hergemacht hat. Ich habe Ihnen erzählt, was an Entstellung oder auch unbewußter Verleumdung sich Max Dessoir geleistet hat. Aber das steht doch im Zusammenhang mit dem ganzen Erscheinungskomplex, daß ein solches Individuum Max Dessoir in einer gelehrten Körperschaft drinnen steht, ja, daß noch etwas ganz anderes möglich war. Dieses Individuum Max Dessoir hat einmal eine Geschichte der Psychologie geschrieben, und wie er in der Vorrede zu diesem Buche gleich bemerkt, hat er besagte Geschichte der Psychologie auf Anregung der Berliner Akademie der Wissenschaften verfaßt, die einen Preis auf die Darstellung der Geschichte der Psychologie ausgeschrieben hatte. Diese Geschichte der Psychologie ist ein so lotteriges, ein innerlich so defektes Werk, daß das betreffende Individuum Max Dessoir es selbst später wieder zurückgezogen und einstampfen lassen hat. Es könnten also nicht so viele Exemplare davon vorhanden sein. Aber ich besitze ein Rezensionsexemplar dieses Buches und werde vielleicht noch manches darüber erzählen können. Vorläufig mußte ich mich damit beschäftigen in meiner demnächst erscheinenden Broschüre in dem Kapitel über die Angriffe gegen die Anthroposophie. Also Max Dessoir schreibt über die Geschichte der Psychologie, und er läßt dann dieses Werk wieder einstampfen. Aber die Tatsache liegt vor, daß die Berliner Akademie der Wissenschaften diese eingestampfte Geschichte der Psychologie preisgekrönt hat! Diese Dinge darf man nicht verschlafen, denn sie sind symptomatisch und sprechen für das, was in unserer gegenwärtigen Welt geschieht.
[ 11 ] Was sind solche Individuen für Menschen? Es sind die, welche die Junge Generation heranziehen, welche diejenigen heranziehen, die dann die leitenden Persönlichkeiten der Menschheit werden; es sind die, welche dasjenige Geschlecht heranziehen, das es bis zu dem gegenwärtigen Zustande der Welt gebracht hat! Es ist schon notwendig, die Dinge in ihrem Zusammenhange zu sehen, es ist notwendig, schon zu sehen, wie die Symptome für das sprechen, was einzig und allein zum Verständnis desjenigen führen kann, in dem wir leben. Dies also ist es, was ich so gerne als einen Unterton in dieser Geisteswissenschaft haben möchte, daß es die Seelen ergreife und zu wachenden Beobachtern ihrer Umgebung mache, denn die Gelegenheit zum Schlafen ist heute eine gar große. Selbstverständlich werden die ahrimanischen und luziferischen Kräfte jede Gelegenheit benutzen, um die volle Bewußtheit abzulenken, die den Menschen für die Beobachtung der um ihn liegenden Wirklichkeit aus den geisteswissenschaftlichen Begriffen heute überkommt. Aber das Bewußtsein herunterzudämmern, dafür ist in mancherlei Beziehung Gelegenheit da.
[ 11 ] Was sind solche Individuen für Menschen? Es sind die, welche die Junge Generation heranziehen, welche diejenigen heranziehen, die dann die leitenden Persönlichkeiten der Menschheit werden; es sind die, welche dasjenige Geschlecht heranziehen, das es bis zu dem gegenwärtigen Zustande der Welt gebracht hat! Es ist schon notwendig, die Dinge in ihrem Zusammenhange zu sehen, es ist notwendig, schon zu sehen, wie die Symptome für das sprechen, was einzig und allein zum Verständnis desjenigen führen kann, in dem wir leben. Dies also ist es, was ich so gerne als einen Unterton in dieser Geisteswissenschaft haben möchte, daß es die Seelen ergreife und zu wachenden Beobachtern ihrer Umgebung mache, denn die Gelegenheit zum Schlafen ist heute eine gar große. Selbstverständlich werden die ahrimanischen und luziferischen Kräfte jede Gelegenheit benutzen, um die volle Bewußtheit abzulenken, die den Menschen für die Beobachtung der um ihn liegenden Wirklichkeit aus den geisteswissenschaftlichen Begriffen heute überkommt. Aber das Bewußtsein herunterzudämmern, dafür ist in mancherlei Beziehung Gelegenheit da.
[ 12 ] Man kann auch, indem man studiert — und studiert nach einer bestimmten Richtung —, immer klüger, immer gescheiter, immer gelehrter werden; gewiß, das kann man werden. Aber man kann dabei an der Helligkeit seines Bewußtseins Einbuße erleiden. Da kommt man auf dünnes Eis, auf recht dünnes Eis, wenn man die Wirklichkeit bespricht.
[ 12 ] Man kann auch, indem man studiert — und studiert nach einer bestimmten Richtung —, immer klüger, immer gescheiter, immer gelehrter werden; gewiß, das kann man werden. Aber man kann dabei an der Helligkeit seines Bewußtseins Einbuße erleiden. Da kommt man auf dünnes Eis, auf recht dünnes Eis, wenn man die Wirklichkeit bespricht.
[ 13 ] Nun kann man zwar, ich möchte sagen, auf gewisse Punkte im Leben der Gegenwart nicht vom Eingeweihten-Standpunkte aus hindeuten, weil etwas Ungeheuerliches daraus erfolgen könnte; aber auf manche Sachen kann man, muß man und soll man hindeuten. Da ist zum Beispiel ein deutscher Universitätsprofessor. Ich will über den Mann gar nichts Schlimmes sagen, sondern alles mögliche Gute, aber ich will ihn sachlich charakterisieren. Dieser Mann ist ein großer Gelehrter, ein bedeutender Gelehrter auf dem Gebiete der 'Theologie. Er hat viel studiert. Doch das Theologiestudium hat ihn zwar gelehrt gemacht, aber nicht wachend, nicht dasjenige sehend, was in der Welt Wirklichkeit ist. Nun hat er als Theologieprofessor die Aufgabe, über Religion und Religionswissenschaft, über das, was in der Religion verehrt wird, über überirdische Mächte zu sprechen. Das ist den 'Theologieprofessoren heute eine recht unbehagliche Sache. Daher reden sie gern mehr über religiöse Zustände, über die Art und Weise, wie die Seele empfindet, wenn sie der geistigen Welt gegenübersteht. Nun liegt bei diesem Professor etwas Besonderes vor. Er hat, wie alle Menschen in der Gegenwart, die seiner Art sind, eine gewisse Furcht vor der geistigen Welt, vor ihrem Enthüllen und ihrem Eingießen in wörtliche Definitionen, in wirkliche Vorstellungen. Diese Angst habe ich Ihnen öfter charakterisiert: sie ist rein ahrimanischen Ursprunges. Der Betreffende fühlt: wenn er auf der einen Seite nach dem Durchdringen der materiellen Welt in die geistige Welt hineinkommt, so begegnet er Ahriman. Er muß Ahriman überwinden, muß ihn beiseiteschaffen. Nun sehen wir, ein solcher Theologe steht nun vor der großen, die Geistigkeit offenbarenden Natur; irgendwie darauf eingehen will er nicht. Was sich da durch die Natur offenbart an Wesenheiten der höheren Hierarchien, das ist ja heute nicht wissenschaftlich; doch den Seelenzustand beim religiösen Erleben will er untersuchen. Aber indem man den Seelenzustand untersuchen will und eigentlich nicht auf die wirkliche geistige Welt eingeht, verfällt man eben sehr leicht jenem Seelenzustande, den man gerade den ahrimanischen Mächten gegenüber haben kann. Ein Teil des religiösen Gefühls ist daher für diesen Theologen die Furcht, die Scheu vor dem Unbekannten. Das Unbekannte möchte er auf keinen Fall zu einem Bekannten machen. Aber die Scheu, die Furcht vor dem Unbekannten, die nun gerade von ahrimanischen Wesen herkommt, registriert er als ein Glied im religiösen Fühlen.
[ 13 ] Nun kann man zwar, ich möchte sagen, auf gewisse Punkte im Leben der Gegenwart nicht vom Eingeweihten-Standpunkte aus hindeuten, weil etwas Ungeheuerliches daraus erfolgen könnte; aber auf manche Sachen kann man, muß man und soll man hindeuten. Da ist zum Beispiel ein deutscher Universitätsprofessor. Ich will über den Mann gar nichts Schlimmes sagen, sondern alles mögliche Gute, aber ich will ihn sachlich charakterisieren. Dieser Mann ist ein großer Gelehrter, ein bedeutender Gelehrter auf dem Gebiete der 'Theologie. Er hat viel studiert. Doch das Theologiestudium hat ihn zwar gelehrt gemacht, aber nicht wachend, nicht dasjenige sehend, was in der Welt Wirklichkeit ist. Nun hat er als Theologieprofessor die Aufgabe, über Religion und Religionswissenschaft, über das, was in der Religion verehrt wird, über überirdische Mächte zu sprechen. Das ist den 'Theologieprofessoren heute eine recht unbehagliche Sache. Daher reden sie gern mehr über religiöse Zustände, über die Art und Weise, wie die Seele empfindet, wenn sie der geistigen Welt gegenübersteht. Nun liegt bei diesem Professor etwas Besonderes vor. Er hat, wie alle Menschen in der Gegenwart, die seiner Art sind, eine gewisse Furcht vor der geistigen Welt, vor ihrem Enthüllen und ihrem Eingießen in wörtliche Definitionen, in wirkliche Vorstellungen. Diese Angst habe ich Ihnen öfter charakterisiert: sie ist rein ahrimanischen Ursprunges. Der Betreffende fühlt: wenn er auf der einen Seite nach dem Durchdringen der materiellen Welt in die geistige Welt hineinkommt, so begegnet er Ahriman. Er muß Ahriman überwinden, muß ihn beiseiteschaffen. Nun sehen wir, ein solcher Theologe steht nun vor der großen, die Geistigkeit offenbarenden Natur; irgendwie darauf eingehen will er nicht. Was sich da durch die Natur offenbart an Wesenheiten der höheren Hierarchien, das ist ja heute nicht wissenschaftlich; doch den Seelenzustand beim religiösen Erleben will er untersuchen. Aber indem man den Seelenzustand untersuchen will und eigentlich nicht auf die wirkliche geistige Welt eingeht, verfällt man eben sehr leicht jenem Seelenzustande, den man gerade den ahrimanischen Mächten gegenüber haben kann. Ein Teil des religiösen Gefühls ist daher für diesen Theologen die Furcht, die Scheu vor dem Unbekannten. Das Unbekannte möchte er auf keinen Fall zu einem Bekannten machen. Aber die Scheu, die Furcht vor dem Unbekannten, die nun gerade von ahrimanischen Wesen herkommt, registriert er als ein Glied im religiösen Fühlen.
[ 14 ] Indem er auf die Hierarchien, die hinter der Sinneswelt leben, nicht eingehen will, sondern nur den Seelenzustand charakterisieren will, verdunkelt nun schon Ahriman sein Verständnis für die geistige Welt. Die soll das große Unbekannte sein, das Irrationale, und das eigentlich Religiöse liegt, wie er sagt, im Mysterium tremendum, im Mysterium des Fürchtens, im Mysterium der Scheu. Aber das ist nicht das einzige. Nach außen paßt Ahriman auf, wenn man die geistige Welt finden will, nach innen paßt Luzifer auf. Der moderne Theologe jedoch, den ich meine, sucht auch nach innen wieder nicht nach den Hierarchien. Da muß die Welt der Hierarchien wieder das große Unbekannte bleiben, das er nur ja nicht zu etwas Bekanntem machen will. Aber die innere Seelenverfassung soll untersucht werden; das muß nun das Entgegengesetzte von dem sein, was das Mysterium der Furcht ist: das ist das Mysterium des Faszinierens. Da werden wir angezogen, fasziniert. Nun hat er auf der einen Seite das Mysterium der Scheu, auf der anderen Seite das Mysterium des Faszinierens; daraus setzt er das religiöse Leben zusammen. Es finden sich nun selbstverständlich heute Kritiker, welche das als den besonderen Fortschritt der Menschheit auf diesem Gebiete empfehlen, daß nun die theologische Betrachtung endlich davon abkomme, von geistigen Wesenheiten zu sprechen, daß sie nicht mehr von dem Rationalen, sondern von dem Irrationalen spreche, von dem Mysterium des Faszinierens und von dem Mysterium der Scheu, von dem zweifachen Sichhinwenden auf ein Unbekanntes. Es wird ja bestimmt das Buch des Breslauer Universitätsprofessors Otto: «Über das Heilige» ein sehr berühmtes Buch in der Gegenwart werden, dieses Buch über das Heilige, welches das ganze religiöse Leben entrationalisieren will, aber nicht nur dies, sondern auch entkonkretisieren und alles bestimmte Fühlen ausmerzen will, auf der einen Seite aus der Scheu vor dem Unbekannten und auf der anderen Seite aus dem Erfülltsein von dem Fasziniertsein durch das Unbekannte. Diese ganze Betrachtung des religiösen Lebens wird besonderes Aufsehen machen. Man wird sagen: Endlich sind wir über die alte Art hinaus, etwas über die geistige Welt aussagen zu wollen.
[ 14 ] Indem er auf die Hierarchien, die hinter der Sinneswelt leben, nicht eingehen will, sondern nur den Seelenzustand charakterisieren will, verdunkelt nun schon Ahriman sein Verständnis für die geistige Welt. Die soll das große Unbekannte sein, das Irrationale, und das eigentlich Religiöse liegt, wie er sagt, im Mysterium tremendum, im Mysterium des Fürchtens, im Mysterium der Scheu. Aber das ist nicht das einzige. Nach außen paßt Ahriman auf, wenn man die geistige Welt finden will, nach innen paßt Luzifer auf. Der moderne Theologe jedoch, den ich meine, sucht auch nach innen wieder nicht nach den Hierarchien. Da muß die Welt der Hierarchien wieder das große Unbekannte bleiben, das er nur ja nicht zu etwas Bekanntem machen will. Aber die innere Seelenverfassung soll untersucht werden; das muß nun das Entgegengesetzte von dem sein, was das Mysterium der Furcht ist: das ist das Mysterium des Faszinierens. Da werden wir angezogen, fasziniert. Nun hat er auf der einen Seite das Mysterium der Scheu, auf der anderen Seite das Mysterium des Faszinierens; daraus setzt er das religiöse Leben zusammen. Es finden sich nun selbstverständlich heute Kritiker, welche das als den besonderen Fortschritt der Menschheit auf diesem Gebiete empfehlen, daß nun die theologische Betrachtung endlich davon abkomme, von geistigen Wesenheiten zu sprechen, daß sie nicht mehr von dem Rationalen, sondern von dem Irrationalen spreche, von dem Mysterium des Faszinierens und von dem Mysterium der Scheu, von dem zweifachen Sichhinwenden auf ein Unbekanntes. Es wird ja bestimmt das Buch des Breslauer Universitätsprofessors Otto: «Über das Heilige» ein sehr berühmtes Buch in der Gegenwart werden, dieses Buch über das Heilige, welches das ganze religiöse Leben entrationalisieren will, aber nicht nur dies, sondern auch entkonkretisieren und alles bestimmte Fühlen ausmerzen will, auf der einen Seite aus der Scheu vor dem Unbekannten und auf der anderen Seite aus dem Erfülltsein von dem Fasziniertsein durch das Unbekannte. Diese ganze Betrachtung des religiösen Lebens wird besonderes Aufsehen machen. Man wird sagen: Endlich sind wir über die alte Art hinaus, etwas über die geistige Welt aussagen zu wollen.
[ 15 ] Wer etwas über Anthroposophie kennt, der muß verstehen, was in einem solchen Falle vorliegt, daß hier ein Dämmerzustand des Bewußtseins bei dem betreffenden Gelehrten vorliegt. Solche Dämmerzustände kennt man. Philologen wie Naturforscher kommen sehr häufig in solche Zustände, wenn sie nur auf einem engbegrenzten Gebiet forschen, und dann haben Ahriman und Luzifer den Zugang zu ihnen. Warum sollte nicht Ahriman einen solchen Forscher davon abhalten, auf die geistige Welt hinzublicken und ihn einlullen in das Gefühl des Mysterium tremendum, des Mysteriums der Furcht? Warum sollte nicht Luzifer ihn einlullen in das Gefühl des Mysterium «fascinosum»? Einzig und allein das Aufgeklärtsein darüber, welche Rollen Ahriman und Luzifer spielen, ist es, was zum Gedeihen führen kann, sonst plätschert man in dem Unbestimmten des Gefühles herum. Das Gefühl ist ganz gewiß ein mächtiges Lebenselement, und der Intellektualismus darf nicht das Gefühlsleben unterdrücken, aber etwas anderes ist es, wenn ein unbestimmtes Plätschern im Gefühlsleben jedes konkrete Ausblicken auf die geistige Welt hinwegdämmern will. Da muß man immer wieder an einen Ausspruch Hegels erinnern, wenn es auch ein theoretisch zynischer Ausspruch von ihm war, auf Schleiermachers berühmte Definition: das Religiöse läge im absoluten Abhängigkeitsgefühl, im Abhängigkeitsgefühl schlechthin. — Eine solche Definition ist ja nicht falsch, aber darum handelt es sich nicht. Hegel, der die Menschenseele auf das Konkrete in der Welt hinlenken wollte und nicht auf das Abhängigkeitsgefühl, meinte: Wenn das Abhängigkeitsgefühl das beste religiöse Gefühl ausmacht, dann ist der Hund der beste Christ. — So meint Hegel. Und wenn das Mysterium der Scheu wirklich Bedingung wäre für ein gewisses inneres Erleben, dann brauchte man nur tollwütig zu werden, brauchte nur wasserscheu zu werden, und würde das intensivste Gefühl für das Mysterium der Scheu entwickeln.
[ 15 ] Wer etwas über Anthroposophie kennt, der muß verstehen, was in einem solchen Falle vorliegt, daß hier ein Dämmerzustand des Bewußtseins bei dem betreffenden Gelehrten vorliegt. Solche Dämmerzustände kennt man. Philologen wie Naturforscher kommen sehr häufig in solche Zustände, wenn sie nur auf einem engbegrenzten Gebiet forschen, und dann haben Ahriman und Luzifer den Zugang zu ihnen. Warum sollte nicht Ahriman einen solchen Forscher davon abhalten, auf die geistige Welt hinzublicken und ihn einlullen in das Gefühl des Mysterium tremendum, des Mysteriums der Furcht? Warum sollte nicht Luzifer ihn einlullen in das Gefühl des Mysterium «fascinosum»? Einzig und allein das Aufgeklärtsein darüber, welche Rollen Ahriman und Luzifer spielen, ist es, was zum Gedeihen führen kann, sonst plätschert man in dem Unbestimmten des Gefühles herum. Das Gefühl ist ganz gewiß ein mächtiges Lebenselement, und der Intellektualismus darf nicht das Gefühlsleben unterdrücken, aber etwas anderes ist es, wenn ein unbestimmtes Plätschern im Gefühlsleben jedes konkrete Ausblicken auf die geistige Welt hinwegdämmern will. Da muß man immer wieder an einen Ausspruch Hegels erinnern, wenn es auch ein theoretisch zynischer Ausspruch von ihm war, auf Schleiermachers berühmte Definition: das Religiöse läge im absoluten Abhängigkeitsgefühl, im Abhängigkeitsgefühl schlechthin. — Eine solche Definition ist ja nicht falsch, aber darum handelt es sich nicht. Hegel, der die Menschenseele auf das Konkrete in der Welt hinlenken wollte und nicht auf das Abhängigkeitsgefühl, meinte: Wenn das Abhängigkeitsgefühl das beste religiöse Gefühl ausmacht, dann ist der Hund der beste Christ. — So meint Hegel. Und wenn das Mysterium der Scheu wirklich Bedingung wäre für ein gewisses inneres Erleben, dann brauchte man nur tollwütig zu werden, brauchte nur wasserscheu zu werden, und würde das intensivste Gefühl für das Mysterium der Scheu entwickeln.
[ 16 ] Wenn wir das, was ich durch solche Betrachtungen nicht so sehr an theoretischem Gehalt, sondern an Gesinnungssubstanz vorbringen möchte, berücksichtigen, dann, und nur dann können sich die Elemente ergeben, um in unserer Zeit den Weltenzusammenhang sachgemäß zu beobachten. Und auf solches sachgemäßes Beobachten kommt es ja an. Man kann an jeder Stelle in der Welt, wo man steht, sachgemäß beobachten, oder man kann an jeder Stelle, an der man steht, unsachgemäß schlafen; denn das, was in der großen Welt flutet und pulst, drückt sich auch im kleinsten Kreise aus. Das kann man überall beobachten; da handelt es sich nur darum, daß wir es wirklich beobachten.
[ 16 ] Wenn wir das, was ich durch solche Betrachtungen nicht so sehr an theoretischem Gehalt, sondern an Gesinnungssubstanz vorbringen möchte, berücksichtigen, dann, und nur dann können sich die Elemente ergeben, um in unserer Zeit den Weltenzusammenhang sachgemäß zu beobachten. Und auf solches sachgemäßes Beobachten kommt es ja an. Man kann an jeder Stelle in der Welt, wo man steht, sachgemäß beobachten, oder man kann an jeder Stelle, an der man steht, unsachgemäß schlafen; denn das, was in der großen Welt flutet und pulst, drückt sich auch im kleinsten Kreise aus. Das kann man überall beobachten; da handelt es sich nur darum, daß wir es wirklich beobachten.
[ 17 ] So beginnt eine Zeit, in der es wirklich von besonderer Wichtigkeit ist, dasjenige, was ich namentlich in diesen letzten Betrachtungen andeutete, recht genau ins Seelenauge zu fassen. Zu einem Bewußtsein einer allgemeinen Göttlichkeit oder Geistigkeit der Welt kommen heute zahlreiche Menschen; zu einem wirklichen Christus-Bewußtsein kommen selbst Menschen nicht von der Art Hermann Bahrs, wie ich es Ihnen mitgeteilt habe, als ich über seinen Aufsatz «Vernunft und Wissenschaft» sprach. Er sucht Anschluß beim allerpositivsten Christentum der Gegenwart: bei Rom. Aber so viel er auch redet: irgendein Bewußtsein, den Christus-Impuls zu suchen, kann man in dieser ganzen Schrift «Vernunft und Wissenschaft» bei Hermann Bahr nicht finden. Gerade dies aber ist die Notwendigkeit in unserer Zeit: immer klarer und klarer gerade über den Christus-Impuls zu werden. Im Laufe des verflossenen Jahrhunderts haben wir den großen Aufschwung der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart erlebt mit alle dem, was sie im Gefolge hatte. Dieser erste große Aufschwung der naturwissenschaftlichen Denkungsart hat auch zu einem theoretischen Materialismus geführt, der von einem religiösen Atheismus begleitet war. Der Atheismus hat ja in gewissem Sinne bei den Materialisten des neunzehnten Jahrhunderts wahre Orgien gefeiert. Aber solche Dinge schlagen um, und dieselbe Denkungsweise, welche aus gewissen luziferisch-ahrimanischen Impulsen heraus beim ersten Aufschwung der Naturwissenschaften die Menschen atheistisch werden ließ, wird sie gottgläubig werden lassen, wenn der erste Taumel vorüber ist. Aus dem, was Darwin gelehrt hat, ist es ebensogut möglich, daß man gottgläubig werden kann, wie daß man Atheist werden kann. Es ist wirklich so, daß die Medaille auf die eine Seite und auf die andere Seite gelegt werden kann. Aber christlich kann man nicht aus dem Darwinismus werden, kann es auch nicht aus dem Aufschwung der modernen Naturwissenschaft werden, wenn man nur bei diesem Aufschwung stehenbleibt. Dazu gehört etwas ganz anderes: dazu gehört das Verständnis für eine gewisse Seelenverfassung in den Fundamenten. Welche Fundamente meine ich?
[ 17 ] So beginnt eine Zeit, in der es wirklich von besonderer Wichtigkeit ist, dasjenige, was ich namentlich in diesen letzten Betrachtungen andeutete, recht genau ins Seelenauge zu fassen. Zu einem Bewußtsein einer allgemeinen Göttlichkeit oder Geistigkeit der Welt kommen heute zahlreiche Menschen; zu einem wirklichen Christus-Bewußtsein kommen selbst Menschen nicht von der Art Hermann Bahrs, wie ich es Ihnen mitgeteilt habe, als ich über seinen Aufsatz «Vernunft und Wissenschaft» sprach. Er sucht Anschluß beim allerpositivsten Christentum der Gegenwart: bei Rom. Aber so viel er auch redet: irgendein Bewußtsein, den Christus-Impuls zu suchen, kann man in dieser ganzen Schrift «Vernunft und Wissenschaft» bei Hermann Bahr nicht finden. Gerade dies aber ist die Notwendigkeit in unserer Zeit: immer klarer und klarer gerade über den Christus-Impuls zu werden. Im Laufe des verflossenen Jahrhunderts haben wir den großen Aufschwung der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart erlebt mit alle dem, was sie im Gefolge hatte. Dieser erste große Aufschwung der naturwissenschaftlichen Denkungsart hat auch zu einem theoretischen Materialismus geführt, der von einem religiösen Atheismus begleitet war. Der Atheismus hat ja in gewissem Sinne bei den Materialisten des neunzehnten Jahrhunderts wahre Orgien gefeiert. Aber solche Dinge schlagen um, und dieselbe Denkungsweise, welche aus gewissen luziferisch-ahrimanischen Impulsen heraus beim ersten Aufschwung der Naturwissenschaften die Menschen atheistisch werden ließ, wird sie gottgläubig werden lassen, wenn der erste Taumel vorüber ist. Aus dem, was Darwin gelehrt hat, ist es ebensogut möglich, daß man gottgläubig werden kann, wie daß man Atheist werden kann. Es ist wirklich so, daß die Medaille auf die eine Seite und auf die andere Seite gelegt werden kann. Aber christlich kann man nicht aus dem Darwinismus werden, kann es auch nicht aus dem Aufschwung der modernen Naturwissenschaft werden, wenn man nur bei diesem Aufschwung stehenbleibt. Dazu gehört etwas ganz anderes: dazu gehört das Verständnis für eine gewisse Seelenverfassung in den Fundamenten. Welche Fundamente meine ich?
[ 18 ] Kant hat gesagt: Die Welt ist unsere Erscheinung, und wenn wir uns Vorstellungen von der Welt machen, so sind sie nach unserer Organisation gebildet. — Mit diesem Kantianismus ist, wie ich, nicht aus persönlicher Albernheit, sondern aus sachlichen Gründen hervorheben darf, am intensivsten erst im Fundament in meiner Schrift «Wahrheit und Wissenschaft» und in meiner «Philosophie der Freiheit» gebrochen. Diese beiden Schriften gehen davon aus, daß wir dann, wenn wir uns Begriffe über die Welt bilden und aus der Seele herausarbeiten, uns nicht von der Wirklichkeit entfernen, sondern daß wir in einen physischen Leib hineingeboren werden, damit wir durch Augen die Welt ansehen, damit wir durch Ohren die Dinge anhören und so weiter. Was uns die Sinne zeigen, ist nicht die ganze, das ist nur die halbe Wirklichkeit. Ich habe das noch einmal in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» unterstrichen. Gerade dadurch, daß wir in einer bestimmten Weise organisiert sind, ist die Welt nur in einer gewissen Beziehung, wie die Orientalen sagen, Schein, Maja. Und dadurch, daß wir uns Vorstellungen über die Welt bilden, kommt es, daß wir im Gedanken das hinzufügen, was wir unterdrückt haben, indem wir in den Leib hineingegangen sind. So ist das wahre Verhältnis zwischen Wahrheit und Wissenschaft. Wirkliche Wissenschaft ist Ergänzung des Scheines zur vollen Wirklichkeit. Und von dieser Idee ausgehend, daß die Welt in ihrer ersten Gestalt, wie sie den Sinnen vorliegt, durch uns — nicht durch sich — uns unwirklich erscheint, und daß wir diese Gestalt der Welt, die durch uns eine unwirkliche ist, im subjektiven Arbeiten zur Wirklichkeit machen, darf ich diesen Gedanken den paulinischen Gedanken auf dem Gebiete der Erkenntnistheorie nennen.
[ 18 ] Kant hat gesagt: Die Welt ist unsere Erscheinung, und wenn wir uns Vorstellungen von der Welt machen, so sind sie nach unserer Organisation gebildet. — Mit diesem Kantianismus ist, wie ich, nicht aus persönlicher Albernheit, sondern aus sachlichen Gründen hervorheben darf, am intensivsten erst im Fundament in meiner Schrift «Wahrheit und Wissenschaft» und in meiner «Philosophie der Freiheit» gebrochen. Diese beiden Schriften gehen davon aus, daß wir dann, wenn wir uns Begriffe über die Welt bilden und aus der Seele herausarbeiten, uns nicht von der Wirklichkeit entfernen, sondern daß wir in einen physischen Leib hineingeboren werden, damit wir durch Augen die Welt ansehen, damit wir durch Ohren die Dinge anhören und so weiter. Was uns die Sinne zeigen, ist nicht die ganze, das ist nur die halbe Wirklichkeit. Ich habe das noch einmal in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» unterstrichen. Gerade dadurch, daß wir in einer bestimmten Weise organisiert sind, ist die Welt nur in einer gewissen Beziehung, wie die Orientalen sagen, Schein, Maja. Und dadurch, daß wir uns Vorstellungen über die Welt bilden, kommt es, daß wir im Gedanken das hinzufügen, was wir unterdrückt haben, indem wir in den Leib hineingegangen sind. So ist das wahre Verhältnis zwischen Wahrheit und Wissenschaft. Wirkliche Wissenschaft ist Ergänzung des Scheines zur vollen Wirklichkeit. Und von dieser Idee ausgehend, daß die Welt in ihrer ersten Gestalt, wie sie den Sinnen vorliegt, durch uns — nicht durch sich — uns unwirklich erscheint, und daß wir diese Gestalt der Welt, die durch uns eine unwirkliche ist, im subjektiven Arbeiten zur Wirklichkeit machen, darf ich diesen Gedanken den paulinischen Gedanken auf dem Gebiete der Erkenntnistheorie nennen.
[ 19 ] Denn es ist nichts anderes, als, auf das philosophische Erkenntnisgebiet übertragen, der Gedanke der paulinischen Erkenntnistheorie, daß der Mensch so, wie er in die Welt getreten ist durch den ersten Adam, diese Welt in einer untergeordneten Art vor sich hat, und sie erst durch das, was er durch den Christus wird, in ihrer wahren Gestalt erlebt. Das Christentum kann warten in der Philosophie, in der Erkenntnistheorie. Aber nicht darauf kommt es an, daß man die Erkenntnistheorie damit beginnt, daß man irgendwelche in der Theologie gebräuchliche Formeln an die Spitze setzt, sondern auf die Art des Denkens. Und ich darf sagen: In den Schriften «Wahrheit und Wissenschaft» und «Philosophie der Freiheit», trotzdem sie ganz aus der Philosophie herausgearbeitet sind, lebt paulinischer Geist. Von dieser Philosophie aus ist es möglich, die Brücke hinüber zu finden zu dem Christus-Geist, wie man von der Naturwissenschaft aus die Brücke zum Vater-Geist finden kann. Aber man kann nicht von der naturwissenschaftlichen Denk weise aus zum Christus-Geist kommen. So lange daher der Kantianismus, der durchaus als Philosophie ein vorchristlicher Standpunkt ist, irgendwie herrscht, wird die Philosophie immer mehr das Christentum vernebeln. Da kann nur unrichtiges, verlogenes Christentum in die Philosophie hineinkommen, wenn der Kantianismus als erkenntnistheoretische Grundlage herrscht.
[ 19 ] Denn es ist nichts anderes, als, auf das philosophische Erkenntnisgebiet übertragen, der Gedanke der paulinischen Erkenntnistheorie, daß der Mensch so, wie er in die Welt getreten ist durch den ersten Adam, diese Welt in einer untergeordneten Art vor sich hat, und sie erst durch das, was er durch den Christus wird, in ihrer wahren Gestalt erlebt. Das Christentum kann warten in der Philosophie, in der Erkenntnistheorie. Aber nicht darauf kommt es an, daß man die Erkenntnistheorie damit beginnt, daß man irgendwelche in der Theologie gebräuchliche Formeln an die Spitze setzt, sondern auf die Art des Denkens. Und ich darf sagen: In den Schriften «Wahrheit und Wissenschaft» und «Philosophie der Freiheit», trotzdem sie ganz aus der Philosophie herausgearbeitet sind, lebt paulinischer Geist. Von dieser Philosophie aus ist es möglich, die Brücke hinüber zu finden zu dem Christus-Geist, wie man von der Naturwissenschaft aus die Brücke zum Vater-Geist finden kann. Aber man kann nicht von der naturwissenschaftlichen Denk weise aus zum Christus-Geist kommen. So lange daher der Kantianismus, der durchaus als Philosophie ein vorchristlicher Standpunkt ist, irgendwie herrscht, wird die Philosophie immer mehr das Christentum vernebeln. Da kann nur unrichtiges, verlogenes Christentum in die Philosophie hineinkommen, wenn der Kantianismus als erkenntnistheoretische Grundlage herrscht.
[ 20 ] Sie sehen also, die Dinge sind schon tiefer anzufassen, und es wäre notwendig, daß man dasjenige, was heute geistig zutage tritt, nicht bloß dem wörtlichen Inhalte nach, sondern der Art und Weise der Denkenden, der ganzen Richtung nach, ins Auge faßt. Dann würde man verstehen, worin für die Zukunft Fruchtbares ist, und worin das liegt, was überwunden werden muß. Und dann würde man die Fäden nach anderen Gebieten herüber finden, nach Gebieten, die man heute so braucht, wenn man aufwachen will, richtig aufwachen will. Die furchtbaren Zeitereignisse sollten wahrhaftig nur Symptome bleiben. Die große Umkehr sollte von innen kommen.
[ 20 ] Sie sehen also, die Dinge sind schon tiefer anzufassen, und es wäre notwendig, daß man dasjenige, was heute geistig zutage tritt, nicht bloß dem wörtlichen Inhalte nach, sondern der Art und Weise der Denkenden, der ganzen Richtung nach, ins Auge faßt. Dann würde man verstehen, worin für die Zukunft Fruchtbares ist, und worin das liegt, was überwunden werden muß. Und dann würde man die Fäden nach anderen Gebieten herüber finden, nach Gebieten, die man heute so braucht, wenn man aufwachen will, richtig aufwachen will. Die furchtbaren Zeitereignisse sollten wahrhaftig nur Symptome bleiben. Die große Umkehr sollte von innen kommen.
[ 21 ] Wie stand man, lassen Sie mich das noch zum Schlusse sagen, allein da, als man vor 1914 in objektiver Weise die ganze verworrene Denkweise Woodrow Wilsons charakterisierte. Ich habe auf das, was Sie über Wilson finden können, in meinem Helsingforser Zyklus aufmerksam gemacht. Das war in der Zeit, als die übrige Literatenwelt, weil damals gerade von Wilson «Nur Literatur» und anderes übersetzt war, zu den Füßen von Woodrow Wilson gelegen hat, und wie wurde damals die «große, vornehme, unbefangene» Denkweise Wilsons hervorgehoben, vielfach von denen hervorgehoben, die jetzt ganz gewiß anders sprechen. Aber was war dazu notwendig? War Einsicht notwendig, oder etwas ganz anderes als Einsicht, um zu dieser Umkehr zu kommen? Dies aber ist notwendig, daß genauer auf das hingesehen wird, was Geisteswissenschaft bringen soll an Verbindung mit der gesamten Wirklichkeit, an Urteilen über die Wirklichkeit, gegenüber dem, was heute an Unwirklichkeit auf allen Gebieten und an wesenlosen Abstraktionen herrscht. Ich empfehle Ihnen, wenn Sie die Ideen der Zeit so genießen wollen wie jemand, der etwa, um eine Orange zu genießen, dieselbe zuerst zwischen zwei Eisenpfosten zerquetscht, um allen Saft herauszubringen, und nur was übrig bleibt verspeist, dann lesen Sie die ausgepreßten, die ausgequetschten Ideen der Zeit, welche Georg Simmel geschrieben hat über den Geistgehalt dieses Krieges. Da haben Sie ein Musterbeispiel von den in der Gegenwart «geistvollen» Darlegungen, die nichts, aber auch gar nichts enthalten, sondern die nur ausgepreßte, ausgequetschte und inhaltleerste Begriffe sind. Wollen Sie sich ein solches Musterbeispiel einer solchen abstrakten, inhaltleeren Schrift der Gegenwart leisten, so finden Sie es in der Schrift «Der Geistgehalt dieses Krieges» von Georg Simmel. Denn es ist von dem berühmten Philosophen, dem Erneuerer des modernen Denkens, der an der Berliner Universität den größten Zulauf hatte, der auch nie einen wirklichen Gedanken gehabt hat, aber der gerade in unserer Zeit berühmt geworden ist.
[ 21 ] Wie stand man, lassen Sie mich das noch zum Schlusse sagen, allein da, als man vor 1914 in objektiver Weise die ganze verworrene Denkweise Woodrow Wilsons charakterisierte. Ich habe auf das, was Sie über Wilson finden können, in meinem Helsingforser Zyklus aufmerksam gemacht. Das war in der Zeit, als die übrige Literatenwelt, weil damals gerade von Wilson «Nur Literatur» und anderes übersetzt war, zu den Füßen von Woodrow Wilson gelegen hat, und wie wurde damals die «große, vornehme, unbefangene» Denkweise Wilsons hervorgehoben, vielfach von denen hervorgehoben, die jetzt ganz gewiß anders sprechen. Aber was war dazu notwendig? War Einsicht notwendig, oder etwas ganz anderes als Einsicht, um zu dieser Umkehr zu kommen? Dies aber ist notwendig, daß genauer auf das hingesehen wird, was Geisteswissenschaft bringen soll an Verbindung mit der gesamten Wirklichkeit, an Urteilen über die Wirklichkeit, gegenüber dem, was heute an Unwirklichkeit auf allen Gebieten und an wesenlosen Abstraktionen herrscht. Ich empfehle Ihnen, wenn Sie die Ideen der Zeit so genießen wollen wie jemand, der etwa, um eine Orange zu genießen, dieselbe zuerst zwischen zwei Eisenpfosten zerquetscht, um allen Saft herauszubringen, und nur was übrig bleibt verspeist, dann lesen Sie die ausgepreßten, die ausgequetschten Ideen der Zeit, welche Georg Simmel geschrieben hat über den Geistgehalt dieses Krieges. Da haben Sie ein Musterbeispiel von den in der Gegenwart «geistvollen» Darlegungen, die nichts, aber auch gar nichts enthalten, sondern die nur ausgepreßte, ausgequetschte und inhaltleerste Begriffe sind. Wollen Sie sich ein solches Musterbeispiel einer solchen abstrakten, inhaltleeren Schrift der Gegenwart leisten, so finden Sie es in der Schrift «Der Geistgehalt dieses Krieges» von Georg Simmel. Denn es ist von dem berühmten Philosophen, dem Erneuerer des modernen Denkens, der an der Berliner Universität den größten Zulauf hatte, der auch nie einen wirklichen Gedanken gehabt hat, aber der gerade in unserer Zeit berühmt geworden ist.
