The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177
20 October 1917, Dornach
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The Spiritual Backgrounds of the Outer World, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] Man kann nicht sagen, daß die Gegenwart keine Ideale hätte. Im Gegenteil, sie hat sehr, sehr viele Ideale. Aber diese Ideale sind nicht wirksam. Warum sind sie nicht wirksam? Denken Sie sich einmal verzeihen Sie das etwas merkwürdige Bild, aber es entspricht doch der Sache —, denken Sie sich einmal, ein Huhn wäre bereit, ein Ei auszubrüten, man würde dieses Ei aber nehmen und durch Wärme ausbrüten lassen, das Kückelchen aus dem Ei herauskommen lassen. All das wäre ja denkbar, aber wenn man das zum Beispiel unter dem Rezipienten einer Luftpumpe machen würde, im luftleeren Raume, meinen Sie, daß das Huhn, das aus dem Ei ausschlüpft, gedeihen würde? Da sind gewissermaßen alle in der Evolution gegebenen Entwickelungsmomente da, aber eines ist nicht da: wo hinein man das betreffende Kückelchen setzen soll, damit es seine Lebensbedingungen habe.
[ 1 ] One cannot say that the present has no ideals. On the contrary, it has very, very many ideals. But these ideals are not effective. Why are they not effective? Just imagine—please forgive me for this somewhat strange image, but it does capture the essence of the matter—just imagine that a hen were ready to hatch an egg, but someone were to take that egg and incubate it with heat, allowing the little chick to emerge from the egg. All of that would be conceivable, but if, for example, one were to do this under the receptacle of an air pump, in a vacuum, do you think the chick hatching from the egg would thrive? In a sense, all the developmental stages inherent in evolution are present, but one thing is missing: the environment into which the chick in question must be placed so that it has the conditions necessary for life.
[ 2 ] So ungefähr geht es mit all den schönen Idealen, von denen man in der Gegenwart so sehr häufig spricht. Sie klingen nicht nur schön, sie sind in der Tat wertvolle Ideale. Aber die Gegenwart läßt sich nicht angelegen sein, die wirklichen, die realen Bedingungen der Evolution kennenzulernen, so wie man sie einmal nach den Bedingungen der Gegenwart erkennen muß. Und so kommt es, daß man in den merkwürdigsten Gesellschaften alle möglichen Ideale prägen, vertreten, fordern kann, und es kommt nichts dabei heraus. Denn schließlich, Gesellschaften mit Idealen hat es wahrhaftig im Beginne des 20. Jahrhunderts genügend gegeben. Daß aber die letzten drei Jahre just eine Erfüllung dieser Ideale waren, das kann man nicht sagen. Nur müßte man aus einer solchen Tatsache etwas lernen, wie es ja gerade in diesen Betrachtungen öfter erwähnt worden ist.
[ 2 ] That’s more or less how it is with all those beautiful ideals that are so frequently discussed today. They don’t just sound beautiful; they are, in fact, valuable ideals. But the present day is not concerned with understanding the true, real conditions of evolution, just as one must eventually come to understand them in light of present-day conditions. And so it happens that in the strangest of societies, one can formulate, advocate, and demand all manner of ideals, and yet nothing comes of it. After all, there were certainly enough societies with ideals at the beginning of the 20th century. But one cannot say that the last three years have been a fulfillment of these ideals. One should, however, learn something from such a fact, as has indeed been mentioned frequently in these reflections.
[ 3 ] Ich habe Ihnen nun vorigen Sonntag hier mit einigen Strichen ein Bild gegeben der geistigen Entwickelung der letzten Jahrzehnte. Ich habe Sie gebeten, darauf Rücksicht zu nehmen, daß dasjenige, was auf dem physischen Plane geschieht, längere Zeit vorbereitet ist in der geistigen Welt. Ich habe da auf ganz Konkretes hingewiesen. Ich habe darauf hingewiesen, wie in den vierziger Jahren in der unmittelbar an die unsrige nach oben angrenzenden geistigen Welt ein Kampf begonnen hat, eine Metamorphose jener Kämpfe, die man mit dem alten Symbolum bezeichnet als den Kampf des heiligen Michael mit dem Drachen. Und ich habe Ihnen angeführt, wie dieser Kampf in der geistigen Welt sich bis zum November 1879 abgespielt hat, wie man es also da in der geistigen Welt mit einem Kampf zu tun hatte, mit einem Kampf Michaels mit dem Drachen — wir wissen ja, was unter diesem Bilde zu verstehen ist —, wie dann nach dem November 1879 in der geistigen Welt der Sieg erfochten worden ist von seiten Michaels, und der Drache, das heißt die ahrimanischen Gewalten, heruntergestoßen worden sind in die Sphäre der Menschen. Wo sind sie jetzt?
[ 3 ] Last Sunday, I gave you a brief overview of the spiritual development of the past decades. I asked you to bear in mind that what happens on the physical plane has been in preparation for a long time in the spiritual world. I pointed to something very specific there. I pointed out how, in the 1840s, a struggle began in the spiritual world immediately above ours—a metamorphosis of those struggles that are described by the ancient symbol as the battle of Saint Michael with the dragon. And I have described to you how this battle in the spiritual world unfolded up until November 1879—how, in other words, the spiritual world was engaged in a battle, a battle of Michael against the dragon—we know, of course, what is meant by this image—and how, after November 1879, victory was won in the spiritual world by Michael, and the dragon—that is, the Ahrimanic forces—were cast down into the sphere of human beings. Where are they now?
[ 4 ] Also bedenken wir wohl: Diejenigen Mächte von der Schule Ahrimans, die vom Jahre 1841 bis 1879 einen entscheidungsvollen Kampf ausgeführt haben in der geistigen Welt, sie sind 1879 gestürzt worden aus der geistigen Welt herunter in das Reich des Menschen. Und seit jener Zeit haben sie ihre Festung, haben sie das Feld ihres Wirkens — und zwar speziell in derjenigen Epoche, in der wir jetzt leben — in dem Denken, in dem Empfinden, in den Willensimpulsen der Menschen.
[ 4 ] Let us therefore bear in mind: Those forces from the school of Ahriman that waged a decisive battle in the spiritual world from 1841 to 1879 were cast down from the spiritual world into the realm of humanity in 1879. And since that time, they have found their stronghold, their field of activity—especially in the era in which we now live—in human thought, feeling, and the impulses of the will.
[ 5 ] Vergegenwärtigen Sie sich daraus, wie unendlich viel in dem, was die Menschen denken, in dem, was die Menschen wollen und empfinden, in dieser unserer Zeit von ahrimanischen Mächten durchsetzt ist. Solche Ereignisse im Zusammenhange zwischen der geistigen und der physischen Welt liegen im Plane unserer ganzen Weltenordnung, und man muß mit diesen konkreten Tatsachen rechnen. Was nützt es, wenn man immerfort im Abstrakten stekkenbleibt und als ein richtiger Abstraktling sagt: Der Mensch muß Ahriman bekämpfen. — Es kommt ja nichts dabei heraus bei einer solchen abstrakten Formel. Die Menschen der Gegenwart ahnen zuweilen gar nicht, in welcher Geisteratmosphäre sie eigentlich stehen. Man muß diese Tatsache in ihrer ganzen schwerwiegenden Bedeutung ins Auge fassen.
[ 5 ] Consider how infinitely much of what people think, of what they want and feel, is permeated by Ahrimanic forces in our time. Such events, which connect the spiritual and physical worlds, are part of the plan of our entire world order, and one must reckon with these concrete facts. What good is it to remain stuck in the abstract and, like a true abstract thinker, say: “Humanity must fight Ahriman.” — After all, nothing comes of such an abstract formula. People today sometimes have no inkling of the spiritual atmosphere in which they actually find themselves. One must face this fact in all its grave significance.
[ 6 ] Nehmen Sie nur einmal dieses: daß Sie als Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft berufen sind, von diesen Dingen zu hören, sich in Ihren Gedanken, in Ihren Empfindungen mit diesen Dingen zu beschäftigen. Dann wird Ihnen der ganze Ernst der Sache vor die Seele treten, dann wird Ihnen schon vor die Seele treten, daß Sie mit dem Besten, was Sie fühlen und empfinden können, eine Aufgabe haben, je nach dem Platz, an dem Sie stehen in dieser so rätselvollen, so fragwürdigen, so verworrenen Gegenwart. Nehmen Sie etwa das folgende an: Irgendwo wären nur ein paar Menschen, die sich auf eine naturgemäße Weise zusammengetan hätten zu einer Art freundschaftlichem Verkehr, und dieser Kreis von Menschen, der wüßte von solchen und ähnlichen geistigen Zusammenhängen, wie ich sie Ihnen eben geschildert habe, und große Mengen von Menschen wüßten nichts davon. Seien Sie überzeugt, wenn dieser Kreis von Menschen, den ich jetzt hypothetisch vor Ihre Seele hingestellt habe, den Entschluß fassen würde, aus irgendwelchen Untergründen heraus, dasjenige, was er an Kraft gewinnen kann durch solches Wissen, in irgendeinen Dienst zu stellen, dann ist dieser geringe Kreis mit der Anhängerschaft, die er sich macht, oftmals ohne daß es dieser Anhängerschaft bewußt wird, sehr mächtig und am mächtigsten den Ahnungslosen gegenüber, die nichts wissen wollen von diesen Dingen.
[ 6 ] Just consider this for a moment: that, as a member of the Anthroposophical Society, you are called to hear about these things and to engage with them in your thoughts and feelings. Then the full gravity of the matter will dawn on you; then it will become clear to you that, with the very best of your feelings and sensibilities, you have a task to fulfill, depending on where you stand in this so enigmatic, so questionable, so confusing present. Consider the following scenario: Suppose there were just a few people somewhere who had come together in a natural way to form a kind of friendly circle, and this circle of people were aware of such spiritual connections—and others like them—as I have just described to you, while vast numbers of people knew nothing of it. Rest assured that if this circle of people—which I have now hypothetically presented to your mind—were to resolve, for whatever underlying reasons, to put the power it gains through such knowledge to some use, then this small circle, along with the followers it attracts—often without those followers even realizing it—would be very powerful, and most powerful of all in relation to the unsuspecting, who want to know nothing of these things.
[ 7 ] Es war schon im 18. Jahrhundert ein gewisser Kreis von Menschen da, der ganz von dieser Art war. Der hat heute auch seine Fortsetzung. Ein gewisser Kreis von Menschen wußte von solchen Tatsachen, von denen ich Ihnen gesprochen habe, wußte davon, daß solches im 19. und bis ins 20. Jahrhundert hinein geschehen werde, wie ich es Ihnen geschildert habe. Dieser Kreis von Menschen nahm sich aber vor — schon im 18. Jahrhundert —, gewisse, man kann sagen für diesen Kreis selbstsüchtige Absichten zu vollziehen, gewisse Impulse anzustreben. Dazu hat er dann ganz systematisch gearbeitet.
[ 7 ] As early as the 18th century, there was a certain circle of people who were entirely of this sort. That circle continues to this day. A certain circle of people knew about the events I have spoken to you about; they knew that such things would happen in the 19th century and well into the 20th century, just as I have described to you. However, this circle of people set out—as early as the 18th century—to carry out certain intentions that one might call self-serving for this circle, and to pursue certain impulses. To this end, they worked quite systematically.
[ 8 ] Die Menschen leben ja heute in großen Massen wie schlafend, gedankenlos dahin, achten auch gar nicht darauf, was manchmal in ganz großen Kreisen, die neben ihnen leben, eigentlich vorgeht. In dieser Beziehung gibt man sich ja gerade heute vielen Illusionen hin. Denken Sie nur einmal, daß natürlich die Menschen heute sagen: Ach, wie wirkt doch unser Verkehr, wie bringt er die Menschen zueinander! Wie erfährt jeder vom andern! Wie ist das doch ganz anders als in früheren Zeiten! — Erinnern Sie sich an alles das, was nach dieser Richtung gesagt wird. Man braucht nur einzelne Tatsachen sinngemäß und vernunftgemäß zu betrachten, dann findet man, daß in dieser Beziehung die Gegenwart ganz merkwürdige Dinge aufweist. Wer glaubt zum Beispiel — ich will das alles nur zum Exempel, nur zum Beleg anführen —, daß literarische Erscheinungen heute nicht durch die Presse, die alles versteht und über alles sich ergeht, in weitesten Kreisen bekannt werden kann? Wer glaubt im Ernste, daß heute bedeutungsvolle, tief eingreifende, epochemachende literarische Erscheinungen unbekannt bleiben können? Man muß doch auf irgendeine Weise etwas davon erfahren. Das Merkwürdige ist, daß dasjenige, was man heute mit Respekt zu vermelden die Presse nennt, seinen Aufschwung erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begonnen hat; einen Ansatz dazu hat die Presse ja schon vorher gemacht, wenn sie auch noch nicht so war wie heute. Und trotzdem [die Presse nichts darüber geschrieben hat], konnte damals über ganz Mitteleuropa hin eine literarische Erscheinung epochemachend sein, epochemachender als all die bekannten Schriftsteller wie Spielhagen, Gustav Freytag, Paul Heyse und was ich noch für Leute mit vielen, vielen Auflagen nennen könnte, eine literarische Erscheinung, die weiter verbreitet war und viel stärker gewirkt hat als all das, wovon man etwas weiß: Denn kein Werk hat eigentlich einen so breiten Leserkreis gehabt in diesem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wie «Dreizehnlinden» von Wilhelm Weber. Nun frage ich Sie: Wieviele Menschen werden hier sitzen, die nicht einmal wissen, daß es ein «Dreizehnlinden» von Weber gibt? — So leben die Menschen heute nebeneinander, trotz der Presse. In diesen «Dreizehnlinden» sind, in einer schönen dichterischen Sprache, Ideen verkörpert, die tief einschneidend waren. Ja, die leben heute in Tausenden und Abertausenden von Gemütern.
[ 8 ] People today, in vast numbers, go about their lives as if asleep, without a thought, paying no attention at all to what is actually happening in the very large circles that exist right alongside them. In this regard, people today are particularly prone to many illusions. Just consider how people today naturally say: “Oh, how effective our communication is, how it brings people together! How everyone learns about one another! How different this is from earlier times!”—Recall everything that is said along these lines. One need only consider individual facts in a meaningful and reasonable way to find that, in this regard, the present reveals some very peculiar things. Who believes, for example—I’m only citing all this as an example, merely as evidence—that literary works today cannot become known to the widest possible circles through the press, which understands everything and reports on everything? Who seriously believes that today’s significant, profoundly impactful, epoch-making literary works can remain unknown? One must surely hear about them in some way. The curious thing is that what we respectfully call “the press” today did not begin its rise until the last third of the 19th century; the press had, of course, already made a start in this direction before then, even if it was not yet what it is today. And yet [even though the press wrote nothing about it], a literary phenomenon could have been epoch-making across all of Central Europe at that time—more epoch-making than all the well-known writers such as Spielhagen, Gustav Freytag, Paul Heyse, and others I could name who had many, many print runs—a literary phenomenon that was more widely read and had a much greater impact than anything we know of: For no work actually had such a broad readership in this last third of the 19th century as Dreizehnlinden by Wilhelm Weber. Now I ask you: How many people are sitting here who do not even know that there is a Dreizehnlinden by Weber? — That is how people live side by side today, despite the press. In this Dreizehnlinden, written in beautiful, poetic language, ideas are embodied that were profoundly impactful. Yes, they live on today in thousands upon thousands of minds.
[ 9 ] Ich habe das angeführt, um zu exemplifizieren, daß es tatsächlich möglich ist, daß die Masse der Menschen nichts weiß von Dingen, die immerhin einschneidend sind und sich neben ihnen abspielen. Ja, Sie können sicher sein, wenn sich hier jemand finden sollte, der das Buch «Dreizehnlinden» nicht gelesen hat — und ich vermute, daß es solche unter den Freunden gibt —, Sie können ganz sicher sein: Sie waren schon in Ihrem Leben mit drei, vier Menschen zusammen, die «Dreizehnlinden» gelesen haben. Es sind eben solche Scheidewände zwischen den Menschen, daß oftmals über die wichtigsten Sachen zwischen Nahestehenden überhaupt nicht gesprochen wird. Man spricht sich nicht aus. Selbst Nahestehende sprechen sich über die wichtigsten Sachen nicht aus. Und so wie es in einer solchen Kleinigkeit ist — denn selbstverständlich ist das, was ich hier angeführt habe, für die weltgeschichtliche Entwickelung eine Kleinigkeit-, ist es ja dann im Großen. Es gehen eben in der Welt Dinge vor, die sich ein großer Teil der Menschheit nicht klarmacht.
[ 9 ] I mentioned this to illustrate that it is indeed possible for the masses to be completely unaware of events that are, after all, momentous and taking place right under their noses. Yes, you can be certain that if there happens to be someone here who hasn’t read the book Dreizehnlinden—and I suspect there are some among our friends—you can be absolutely certain: you’ve already spent time in your life with three or four people who have read Dreizehnlinden. It is precisely these barriers between people that often prevent even those closest to us from discussing the most important matters at all. People don’t open up to one another. Even those closest to us don’t discuss the most important matters. And just as it is with such a trifling matter—for of course what I have mentioned here is a trifle in the context of world history—so it is on a larger scale. There are simply things happening in the world that a large part of humanity does not fully grasp.
[ 10 ] Und so etwas ging auch vor, als im 18. Jahrhundert eine Gesellschaft vorbereitete gewisse Gedanken, gewisse Anschauungen, welche sich einnisten in die Gemüter der Menschen und wirksame Kräfte werden, wirksame Kräfte im Gebiete dessen, was solche Gesellschaften wollen, und die dann ins soziale Leben übergehen, die dann bestimmen, wie die Menschen zueinander sich verhalten. Die Menschen wissen nicht, woher die Dinge kommen, die in ihren Emotionen, in ihren Empfindungen und in ihren Willensimpulsen leben. Aber diejenigen, die den Zusammenhang der Entwickelung kennen, wissen, wie man die Impulse, die Emotionen hervortreibt. So war es auch mit einem Buche — vielleicht nicht gerade mit dem Buch, aber mit dem, was an Ideen diesem Buch zugrundeliegt, das von einer solchen Gesellschaft im 18. Jahrhundert ausgegangen ist, wo dargestellt ist, welchen Anteil die ahrimanische Wesenheit an den verschiedenen Tieren hat. Natürlich nannte man die ahrimanische Wesenheit da Teufel, und man stellte dar, welche verschiedenen Ausprägungen des Teuflischen in den einzelnen Tierarten enthalten seien. Im 18. Jahrhundert hat ja das Zeitalter der Aufklärung besonders geblüht. Auch heute blüht noch die Aufklärung. Die ganz gescheiten Leute, die ja hauptsächlich auch den Stamm «Pressemenschen» stellen, die finden sich mit einem Witz ab, die sagen: Da hat wieder einmal so ein ... — jetzt mache ich Punkte — ein Buch geschrieben, daß die Tiere Teufel seien! — Ja, aber solche Ideen im 18. Jahrhundert so propagandieren, daß sie sich in vielen menschlichen Gemütern einnisten, derart propagandieren, daß man dabei die realen Entwickelungsgesetze der Menschheit beobachtet, das bewirkt etwas, das bewirkt wirklich etwas. Denn es ist wichtig, wenn im 19. Jahrhundert der Darwinismus auftaucht, wenn im 19. Jahrhundert bei einer großen Anzahl von Menschen die Idee auftaucht, daß die Menschen sich allmählich von den Tieren herauf entwickelt haben, und wenn dann bei einer andern großen Anzahl in den Gemütern die Idee sitzt, die Tiere seien Teufel. Das gibt einen merkwürdigen Zusammenklang. Das alles ist da, das alles ist real vorhanden! Aber die Menschen schreiben Geschichten, in diesen Geschichten ist alles mögliche enthalten; nur die wirklichen, wirksamen Kräfte sind nicht darin enthalten.
[ 10 ] And something like this also took place in the 18th century, when a society laid the groundwork for certain ideas and certain views that take root in people’s minds and become active forces—active forces in the realm of what such societies desire—and which then spill over into social life, determining how people relate to one another. People do not know where the things that live in their emotions, in their feelings, and in their impulses of will come from. But those who understand the context of development know how to bring forth these impulses and emotions. This was also the case with a book—perhaps not exactly that book, but with the ideas underlying it, which originated from such a society in the 18th century, where the role of the Ahrimanic entity in the various animals is described. Of course, the Ahrimanic entity was called the devil there, and the text described the various manifestations of the devilish in the individual animal species. The Age of Enlightenment flourished particularly in the 18th century. The Enlightenment is still flourishing today. The very clever people—who, after all, mainly make up the ranks of “media people”—resolve the matter with a joke, saying: “Once again, some…—now I’ll leave it at that—has written a book claiming that animals are devils!” — Yes, but to propagate such ideas in the 18th century in such a way that they take root in many human minds—to propagate them in such a way that one observes the actual laws of human development in the process—that has an effect; it really does have an effect. For it is significant that when Darwinism emerged in the 19th century, when the idea took hold among a large number of people that humans had gradually evolved from animals, and when, at the same time, another large number of people harbored the belief that animals were devils. This creates a curious harmony. All of this is there; all of this actually exists! But people write stories, and these stories contain all sorts of things; only the real, active forces are not included in them.
[ 11 ] Was man berücksichtigen muß, das ist das folgende: Wie das Tier nur in der Luft gedeiht, nicht unter dem ausgepumpten Rezipienten der Luftpumpe, so können Ideen und Ideale nur gedeihen, wenn die Menschen eintauchen in die reale Atmosphäre des geistigen Lebens. Dazu muß aber dieses geistige Leben einem wirklich auch in seiner Realität entgegentreten. Heute jedoch liebt man Allgemeinheiten, richtige Allgemeinheiten; die liebt man ganz besonders. Und so wird man leicht unbeachtet lassen — was aber eine Tatsache ist —, daß ahrimanische Mächte seit dem Jahre 1879 heruntersteigen mußten von der geistigen Welt in das Reich der Menschen, daß sie durchsetzen mußten die menschliche Intellekrualität, das menschliche Denken und Empfinden und Anschauen. Und auch damit stellt man sich nicht in das rechte Verhältnis zu diesen Mächten, daß man einfach die abstrakte Formel hinstellt: Man muß diese Mächte bekämpfen. — Ja, was tun denn die Leute dazu, um sie zu bekämpfen? Sie tun eben nichts anderes als derjenige, der den Ofen ermahnt, er möge recht warm sein, ohne daß er Holz hineintut und Feuer macht. Man muß vor allen Dingen wissen, daß man jetzt, nachdem diese Mächte einmal auf die Erde heruntergegangen sind, mit ihnen leben muß, daß sie da sind, daß man nicht die Augen vor ihnen verschließen darf und daß sie am mächtigsten werden, wenn man die Augen vor ihnen verschließt. Das ist es gerade, daß diese ahrimanischen Gewalten, die den menschlichen Intellekt ergriffen haben, am mächtigsten werden, wenn man nichts von ihnen wissen, nichts von ihnen erfahren will.
[ 11 ] What must be taken into account is the following: Just as an animal can thrive only in the air, and not beneath the evacuated chamber of an air pump, so ideas and ideals can thrive only when people immerse themselves in the real atmosphere of spiritual life. For this to happen, however, this spiritual life must truly confront us in its reality. Today, however, people love generalities—true generalities; they love them especially. And so one easily overlooks—even though it is a fact—that Ahrimanic forces have had to descend since 1879 from the spiritual world into the realm of human beings, that they have had to permeate human intellectuality, human thinking, feeling, and perception. Nor does one establish the proper relationship to these forces by simply putting forward the abstract formula: “One must fight these forces.”—Yes, but what do people actually do to fight them? They do nothing more than someone who urges the stove to be nice and warm without putting wood in it or lighting a fire. Above all, one must realize that now, since these forces have descended to Earth, one must live with them; that they are here; that one must not close one’s eyes to them; and that they become most powerful when one closes one’s eyes to them. It is precisely the case that these Ahrimanic forces, which have taken hold of the human intellect, become most powerful when one wants to know nothing about them and learn nothing from them.
[ 12 ] Wenn das Ideal so mancher Menschen erreicht werden könnte, nur Naturwissenschaft zu studieren und aus den naturwissenschaftlichen Gesetzen auch soziale Gesetze zu machen, nur alles Reale, wie man sagt — wobei man aber das Sinnliche meint — ins Auge zu fassen, gar nicht daran zu denken, das Geistige zu pflegen, wenn dieses Ideal gelingen würde im weitesten Umkreise, dann hätten die ahrimanischen Mächte das allergewonnenste Spiel, denn dann wüßte man nichts von ihnen. Dann würde man eine monistische Religion im Haeckelschen Sinne gründen, und sie hätten das beste Arbeitsfeld. Denn das wäre ihnen gerade recht, wenn die Menschen nichts von ihnen wüßten und sie im Unterbewußtsein der Menschen arbeiten könnten.
[ 12 ] If the ideal of so many people could be achieved— to study only the natural sciences and to derive social laws from the laws of nature, to take into account only everything “real,” as they say—meaning, however, the sensory realm—and not to think at all of cultivating the spiritual, if this ideal were to succeed on the broadest scale, then the Ahrimanic forces would have the field entirely to themselves, for then people would know nothing of them. Then a monistic religion in the Haeckelian sense would be established, and they would have the best field of activity. For that would suit them perfectly: if people knew nothing of them, they could work in the subconscious of human beings.
[ 13 ] Also Hilfe können die ahrimanischen Mächte dadurch erlangen, daß man eine ganz naturalistische Religion bringt. Hätte David Friedrich Strauß sein Ideal vollständig erreichen können, diese Philisterreligion zu begründen, um derentwillen Nietzsche das Buch geschrieben hat «David Friedrich Strauß, der Bekenner und Schriftsteller», dann würden sich die ahrimanischen Mächte heute noch viel wohler fühlen, als sie sich fühlen. Aber das ist nur das eine; die ahrimanischen Mächte können noch auf eine andere Weise sehr gut gedeihen. Sie können dadurch gedeihen, daß man diejenigen Elemente pflegt, die sie gerade so recht unter den Menschen der Gegenwart verbreiten möchten: Vorurteil, Unwissenheit und Furcht vor dem geistigen Leben. Durch nichts fördert man so sehr die ahrimanischen Mächte als durch Vorurteil, durch Unwissenheit und durch die Furcht vor dem geistigen Leben.
[ 13 ] Thus, the Ahrimanic forces can gain support by promoting a wholly naturalistic religion. Had David Friedrich Strauss been able to fully realize his ideal of establishing this Philistine religion—for the sake of which Nietzsche wrote the book David Friedrich Strauss: The Confessor and the Writer—then the Ahrimanic forces would feel even more at home today than they do. But that is only one aspect; the Ahrimanic forces can also thrive very well in another way. They can thrive by cultivating precisely those elements they wish to spread among people today: prejudice, ignorance, and fear of the spiritual life. Nothing promotes the Ahrimanic forces as much as prejudice, ignorance, and fear of the spiritual life.
[ 14 ] Nun aber überschauen Sie, wie viele Menschen es sich heute geradezu zur Aufgabe machen, Vorurteile, Unwissenheit und Furcht vor den geistigen Mächten zu pflegen. Ich habe gestern im öffentlichen Vortrage gesagt: 1835 wurden erst die Dekrete gegen Kopernikus, Galilei, Kepler und so weiter aufgehoben. Die Katholiken durften also bis 1835 nichts studieren von kopernikanischer Weltanschauung oder dergleichen. Die Unwissenheit in bezug darauf wurde geradezu gefördert. Das war eine mächtige Beförderung der ahrimanischen Gewalten. Es war ein guter Dienst, den man den ahrimanischen Gewalten geleistet hat; sie konnten sich gut vorbereiten für ihre Kampagne, die dann folgen sollte vom Jahre 1841 an.
[ 14 ] But just look at how many people today have made it their mission to foster prejudice, ignorance, and fear of the spiritual powers. I said yesterday in my public lecture: It was not until 1835 that the decrees against Copernicus, Galileo, Kepler, and so on were repealed. Catholics were therefore not allowed to study the Copernican worldview or anything of the sort until 1835. Ignorance in this regard was actively encouraged. This was a powerful boost to the Ahrimanic forces. It was a great service rendered to the Ahrimanic forces; they were able to prepare well for their campaign, which was to follow starting in 1841.
[ 15 ] Zu diesem Satze, den ich jetzt eben ausgesprochen habe, müßte ich eigentlich noch einen andern dazu sagen, damit er vollständig wäre. Allein diesen andern Satz kann heute noch keiner sagen, der in diese Dinge wirklich eingeweiht ist. Aber wenn Sie erfühlen, was in den Untergründen eines solchen Satzes enthalten ist, so werden Sie vielleicht selber eine Ahnung bekommen von dem, was ich meine.
[ 15 ] Regarding this sentence I have just spoken, I should actually add another one to make it complete. However, no one who is truly initiated into these matters can yet utter that other sentence today. But if you sense what lies beneath the surface of such a sentence, you may perhaps get a glimpse of what I mean.
[ 16 ] Die naturwissenschaftliche Weltanschauung ist eine rein ahrimanische Sache; aber nicht dadurch bekämpft man sie, daß man nichts von ihr wissen will, sondern indem man sie — wo immer möglich in das Bewußtsein heraufbefördert, sie möglichst gut kennenlernt. Man kann Ahriman keinen größeren Dienst leisten, als die naturwissenschaftlichen Anschauungen zu ignorieren oder unverständig zu bekämpfen. Wer unverständige Kritik an den naturwissenschaftlichen Anschauungen übt, der bekämpft nicht, sondern der fördert Ahriman, weil er Täuschung, Trübnis ausbreitet über ein Feld, über das gerade Licht ausgebreitet werden sollte.
[ 16 ] The scientific worldview is a purely Ahrimanic phenomenon; but one does not combat it by refusing to learn anything about it, but rather by bringing it into consciousness wherever possible and getting to know it as well as possible. One cannot do Ahriman a greater service than by ignoring scientific views or fighting them unwisely. Anyone who offers unwise criticism of scientific views is not fighting Ahriman but rather promoting him, because they are spreading deception and darkness over a field where light should be shining.
[ 17 ] Die Menschen müssen sich nach und nach dazu erheben einzusehen, wie ein jegliches Ding schon einmal zwei Seiten hat. Die heutigen Menschen sind ja sehr gescheit, nicht wahr, grenzenlos gescheit, und so finden diese gescheiten Menschen der Gegenwart: In der vierten nachatlantischen Zeit, im griechisch-lateinischen Zeitalter, da hatte man noch den «Aberglauben», daß man aus dem Fluge der Vögel, aus den Eingeweiden der Tiere und mancherlei anderem die Zukunft erkennen könne. Nun, die Menschen, die das getan haben, waren natürlich «Dummköpfe». — Zwar weiß kein Mensch der Gegenwart, der heute die Sache abkanzelt, wie das eigentlich gemacht worden ist. Kein Mensch der Gegenwart redet auch anders als nach dem Beispiel, das ich Ihnen neulich einmal vorgeführt habe, wo der Betreffende zugeben mußte, daß eine Prophetie aus einem Traum heraus eingetroffen war, aber dann sagte: Nun ja, das hat eben der Zufall gewollt! — Aber nach den Grundbedingungen des vierten nachatlantischen Zeitraums gab es wirklich eine solche Wissenschaft, die etwas mit der Zukunft zu tun hatte. Man hat in dieser Zeit nicht den Glauben gehabt, daß man mit solchen Grundsätzen, wie man sie heute anwendet, im sozialen Werden etwas ausmachen kann. Sonst würde man ja auch dazumal nicht — man mag damit einverstanden sein oder nicht, darauf kommt es nicht an — weit über die Zeiten hinausgehende große Perspektiven sozialer Natur gefunden haben, wenn man nicht eine gewisse Wissenschaft der Zukunft gehabt hätte. Glauben Sie, heute zehren die Menschen in dem, was sie auf dem Felde des sozialen Lebens und der Politik zustandebringen, noch immer von dem, was aus der alten Zukunftswissenschaft hervorgegangen ist. Diese Zukunftswissenschaft kann man aber nie durch Beobachtung dessen gewinnen, was äußerlich vor den Sinnen da ist. Niemals kann man sie nach dem Muster der Naturwissenschaft gewinnen, denn was man äußerlich sinnlich beobachten kann, das ist Vergangenheitswissenschaft. Und jetzt verrate ich Ihnen ein sehr wichtiges, sehr wesenhaftes Gesetz des Weltenalls: Wenn Sie die Welt bloß sinnlich beobachten, so wie das moderne naturwissenschaftliche Anschauen die Welt beobachtet, dann beobachten Sie bloß vergangene Gesetze, die sich noch fortpflanzen; Sie beobachten eigentlich bloß den Weltenleichnam der Vergangenheit. Das gestorbene Leben betrachtet die Naturwissenschaft.
[ 17 ] People must gradually come to realize that every single thing has two sides. People today are very clever, aren’t they—boundlessly clever—and so these clever people of the present conclude: In the fourth post-Atlantean epoch, the Greco-Latin era, people still held the “superstition” that one could foresee the future from the flight of birds, the entrails of animals, and various other things. Well, the people who did that were, of course, “fools.”—Admittedly, no one today who dismisses the matter knows how it was actually done. Nor does anyone today speak any differently than in the example I recently gave you, where the person in question had to admit that a prophecy from a dream had come true, but then said: “Well, that was just a coincidence!” — But according to the fundamental conditions of the fourth post-Atlantean epoch, there really was such a science that had something to do with the future. People in that era did not believe that one could make a difference in social development using the same principles as are applied today. Otherwise, they would not have—whether one agrees with it or not, that is beside the point—discovered grand social perspectives extending far into the future if they had not possessed a certain science of the future. Do you believe that today, in what people accomplish in the realm of social life and politics, they are still drawing upon what emerged from that ancient science of the future? This science of the future, however, can never be gained through observation of what is outwardly present to the senses. It can never be gained according to the model of natural science, for what can be observed outwardly through the senses is the science of the past. And now I will reveal to you a very important, very essential law of the universe: If you merely observe the world through the senses, just as modern natural science observes the world, then you are observing only past laws that continue to propagate; you are actually observing nothing more than the corpse of the past. Natural science contemplates life that has died.
[ 18 ] Denken Sie sich einmal, dieses wäre, schematisch dargestellt, unser Beobachtungsfeld (siehe Zeichnung, weiß), dasjenige, was vor unseren Augen, unseren Ohren, vor den andern Sinnen sich ausbreitet. Denken Sie sich, das hier (siehe Zeichnung, gelb) wären die sämtlichen naturwissenschaftlichen Gesetze, die man finden kann. Dann geben diese sämtlichen naturwissenschaftlichen Gesetze gar nicht mehr das, was da drinnen ist, sondern das, was schon drinnen war, was darinnen vergangen ist und nur als ein Erstarrtes zurückgeblieben ist. Sie müssen außer diesen Gesetzen vielmehr dasjenige finden, was nicht Augen beobachten können, was nicht physische Ohren hören können: eine zweite Welt von Gesetzen (siehe Zeichnung, lila). In der Wirklichkeit ist sie drinnen, aber sie weist nach der Zukunft hin.
[ 18 ] Imagine, for a moment, that this—shown schematically—is our field of observation (see drawing, white), that which unfolds before our eyes, our ears, and our other senses. Imagine that this here (see diagram, yellow) represents all the laws of nature that can be discovered. Then these laws of nature no longer describe what is actually there, but rather what was already there, what has passed within it, and what remains only as something frozen in time. Rather than these laws, you must find what the eyes cannot observe, what physical ears cannot hear: a second world of laws (see diagram, purple). In reality, it is within, but it points toward the future.


[ 19 ] Es ist ja mit der Welt gerade so, wie wenn Sie eine Pflanze nehmen (es wird gezeichnet). So, wie heute eine Pflanze aussieht, ist sie ja nicht in Wahrheit; denn geheimnisvoll in ihr ist etwas, was Sie noch nicht sehen, was erst im nächsten Jahr so sein wird, daß es Augen sehen: die Keimanlage. Die ist aber schon drinnen, die ist unsichtbar drinnen. So ist in der Welt, die uns vorliegt, unsichtbar die Zukunft darinnen, die ganze Zukunft. Aber das Vergangene ist so darinnen, daß es schon verdorrt ist, vertrocknet, tot, Leichnam ist. Die ganze Naturbetrachtung gibt nur das Bild des Leichnams, nur Vergangenes. Gewiß, es fehlt einem dieses Vergangene, wenn man bloß auf das Geistige schaut; das ist wahr, aber zur totalen Wirklichkeit muß man das Unsichtbare dazu haben.
[ 19 ] The world is just like this: imagine you take a plant (a drawing is made). The way a plant looks today is not its true nature; for there is something mysterious within it that you cannot yet see, something that will only become visible to the eye next year: the seed. But it is already there inside, invisible within. So in the world that lies before us, the future is invisibly contained within it—the entire future. But the past is contained within it in such a way that it has already withered, dried up, died—it is a corpse. The entire observation of nature presents only the image of the corpse, only the past. Certainly, one misses this past when one looks solely at the spiritual; that is true, but to grasp total reality, one must include the invisible as well.


[ 20 ] Wie kommt es, daß Leute auf der einen Seite eine Kant-Laplacesche Theorie aufstellen, auf der andern Seite über das Weltenende so reden wie der Professor Dewar — wie ich gestern im öffentlichen Vortrage erzählt habe —, der ein Erdenende konstruiert, wo die Leute Zeitungen lesen werden bei mehreren hundert Grad Kälte, mit Wänden, die mit leuchtendem Eiweiß angestrichen sind; Milch wird fest sein. Ich möchte bloß wissen, wie man sie melken wird, wenn sie fest wird! Das sind lauter unmögliche Vorstellungen, wie auch die ganze Kant-Laplacesche Theorie eine unmögliche Vorstellung ist. Sobald man mit diesen Theorien hinauskommt über das unmittelbare Beobachtungsfeld, versagen sie. Warum? Weil sie Theorien von Leichnamen, Theorien vom Toten sind.
[ 20 ] How is it that, on the one hand, people put forward a Kant-Laplacean theory, while on the other hand they talk about the end of the world like Professor Dewar—as I recounted yesterday in my public lecture—who envisions an end of the world where people will read newspapers in temperatures of several hundred degrees below zero, with walls painted with glowing egg white; milk will be solid. I’d just like to know how they’ll milk it once it’s solid! These are all impossible notions, just as the entire Kant-Laplace theory is an impossible notion. As soon as these theories venture beyond the immediate field of observation, they fail. Why? Because they are theories of corpses, theories of the dead.
[ 21 ] Heute sagen die gescheiten Leute: Die griechischen, die römischen Opferpriester waren entweder Schurken und Schwindler oder Abergläubische, denn man kann ja natürlich als vernünftiger Mensch nicht glauben, daß man aus dem Flug der Vögel, aus den Opfertieren irgend etwas über die Zukunft herausfinden kann. — Die Menschen in der Zukunft, die werden aber auf die Vorstellungen der Gegenwart, auf die die Menschen heute so stolz sind, geradeso herabsehen können, wenn sie sich ebenso gescheit fühlen wie die heutige Generation gegenüber den römischen Opferpriestern. Und die werden sagen: Kant-Laplacesche Theorie! Dewar! Die haben merkwürdig abergläubische Vorstellungen gehabt! Die haben ein paar Jahrtausende der Erdenentwickelung beobachtet und dann Schlüsse gezogen auf Anfangs- und Endzustand der Erde. Welch törichter Aberglaube war das dazumal! Da hat es solche sonderbare, abergläubische Menschen gegeben, die geschildert haben, daß aus einem Urnebel sich Sonne und Planeten abgespalten haben, die dann ins Rotieren gekommen sind. Man wird noch viel schlimmere Dinge reden können über diese Vorstellungen der Kant-Laplacesche Theorie und über diese Vorstellungen vom Erdenende, als die heutigen Menschen reden über die Erforschung der Zukunft aus den Opfertieren oder aus dem Flug der Vögel und dergleichen.
[ 21 ] Today, intelligent people say: The Greek and Roman sacrificial priests were either scoundrels and charlatans or superstitious fools, for, of course, no reasonable person can believe that one can learn anything about the future from the flight of birds or from sacrificial animals. — But people in the future will be just as capable of looking down on the ideas of the present—the ones people today are so proud of—if they feel just as clever as today’s generation does when it comes to the Roman sacrificial priests. And they will say: The Kant-Laplace theory! Dewar! They had some strangely superstitious ideas! They observed a few millennia of Earth’s development and then drew conclusions about the Earth’s initial and final states. What foolish superstition that was back then! There were such strange, superstitious people who described how the Sun and planets broke away from a primordial nebula and then began to rotate. One could say far worse things about these ideas of the Kant-Laplace theory and about these notions of the end of the Earth than what people today say about predicting the future based on sacrificial animals or the flight of birds and the like.
[ 22 ] Wie erhaben sind diese Menschen heute, die so recht den Geist und die Gesinnung des naturwissenschaftlichen Denkens aufgenommen haben, wie schauen sie herab auf die alten Mythen, auf die Märchen: kindliches Zeitalter der Menschheit, wo sich die Menschen Träume hingestellt haben! Wie weit sind wir dagegen gediehen: wir wissen heute, wie alles von einem gewissen Kausalgesetz beherrscht wird, wir haben es eben herrlich weit gebracht. — Aber alle, die so urteilen, wissen eines nicht: daß diese ganze Wissenschaft von heute nicht da wäre, gerade da, wo sie berechtigt ist, wenn das mythische Denken nicht vorangegangen wäre. Ja, die heutige Wissenschaft, ohne daß die Mythe vorangegangen ist, ohne daß sie aus der Mythe herausgewachsen ist, können Sie geradeso haben, wie Sie eine Pflanze haben können, die nur Stengel, Blätter und Blüten hat und da drunten keine Wurzel, die braucht man nicht.
[ 22 ] How exalted are those people today who have so fully embraced the spirit and mindset of scientific thought; how they look down upon the ancient myths and fairy tales—that childish age of humanity when people clung to dreams! How far we have progressed in contrast: today we know how everything is governed by a certain law of causality; we have indeed come a long way. — But all those who judge in this way fail to realize one thing: that all of today’s science would not exist—precisely where it is justified—if mythical thinking had not preceded it. Yes, you can have today’s science just as you can have a plant that has only stems, leaves, and flowers, but no roots down below—you don’t need them.


[ 23 ] Wer von der heutigen Wissenschaft als einem in sich selbst absolut Ruhenden spricht, der redet eben so, als wenn er die Pflanze bloß ihrem oberen Teile nach gedeihen lassen wollte. Alles, was heutige Wissenschaft ist, ist aus der Mythe herausgewachsen, die Mythe ist die Wurzel. Und es verursacht eben bei gewissen Elementargeistern, die solche Dinge von den andern Welten aus beobachten, ein wahres Hohngelächter der Hölle, wenn die ganz gescheiten Professorengemüter von heute heruntersehen auf die alten Mythologien, auf die alten Mythen, auf alle die Mittel des alten Aberglaubens, und keine Ahnung haben, daß sie mit all ihrer Gescheitheit herausgewachsen sind aus diesen Mythen, daß sie keinen einzigen berechtigten Gedanken der Gegenwart haben könnten, ohne daß diese Mythen dagewesen wären. Und ein anderes verursacht bei denselben Elementargeistern ein wahres Hohngelächter der Hölle — hier kann man sogar im eigentlichen Sinne sagen ein Hohngelächter der Hölle, denn den ahrimanischen Mächten ist das gerade recht, daß ihnen Gelegenheit zu einem solchen Hohngelächter gegeben wird —, nämlich wenn diese Leute glauben, nun haben sie die kopernikanische Theorie, nun haben sie den Galileismus, nun haben sie dieses gloriose Gesetz von der Erhaltung der Kraft. Das wird sich nie ändern, das wird nun in alle Zeiten hinein bleiben. — Ein kurzsichtiges Urteil! Geradeso, wie sich der Mythus zu unseren Vorstellungen verhält, so verhalten sich die Vorstellungen der Wissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts zu dem, was wiederum ein paar Jahrhunderte später kommen wird. Das wird geradeso überwunden werden, wie der Mythus überwunden wurde. Glauben Sie, daß die Menschen im Jahre 2900 über das Sonnensystem ebenso denken werden, wie die heutigen Menschen denken? Das wäre Professorenaberglaube, das dürfte niemals Anthroposophenglaube sein.
[ 23 ] Anyone who speaks of modern science as something that rests absolutely within itself is speaking just as if he wanted to let a plant flourish based solely on its upper parts. Everything that modern science is has grown out of myth; myth is the root. And it provokes a veritable hellish cackle of derision among certain elemental spirits who observe such things from other worlds when today’s very clever professors look down upon the ancient mythologies, the ancient myths, and all the tenets of ancient superstition, and have no idea that, with all their cleverness, they have grown out of these myths, that they could not have a single valid thought of the present without these myths having existed. And another thing causes a veritable hellish cackle of derision among these same elemental spirits—here one can even say, in the literal sense, a hellish cackle of derision, for the Ahrimanic forces are only too pleased that they are given the opportunity for such a cackle of derision—namely, when these people believe that now they have the Copernican theory, now they have Galileanism, now they have this glorious law of the conservation of energy. That will never change; it will remain so for all time. — A short-sighted judgment! Just as the myth relates to our conceptions, so do the conceptions of nineteenth- and twentieth-century science relate to what will come a few centuries later. This will be overcome just as myth was overcome. Do you believe that people in the year 2900 will think about the solar system in the same way that people do today? That would be academic superstition; it must never be the belief of an anthroposophist.
[ 24 ] Das, was die Menschen heute berechtigt denken können, was sie wirklich mit einer gewissen Größe hineinstellen in die gegenwärtige Zeit, das verdanken sie gerade dem Umstande, daß sich während der Griechenzeit so etwas ausgebildet hat wie die griechische Mythologie. Es würde ja natürlich nichts Entzückenderes geben für einen aufgeklärten Menschen der Gegenwart, als wenn er denken könnte: Ach, wären doch diese Griechen auch schon so glücklich gewesen, daß sie unsere heutige Wissenschaft gehabt hätten! — Aber hätten die Griechen unsere heutige Wissenschaft gehabt, wäre das nicht dagewesen, was gerade die Griechen gehabt haben, die Kunde von den griechischen Göttern, die Welt des Homer, Sophokles, Aischylos, Plato, Aristoteles, wäre das nicht dagewesen: Wagner wäre ein Faust gegen die Wagners, die dann heute herumgehen würden! Vertrocknet, verkommen wäre das menschliche Denken, öde wäre all unser Denken, denn was an Lebenskraft in unserem Denken ist, das kommt davon her, daß es wurzelt im griechischen Mythus, im Mythus der vierten nachatlantischen Zeit überhaupt. Und wer da glaubt, daß der Mythus eben falsch war und das heutige Denken richtig ist, der gleicht einem Menschen, der es unnötig findet, daß man Rosen erst vom Rosenstock abschneiden muß, wenn man ein Rosenbouquet haben will. Warum sollen denn die Rosen nicht direkt entstehen können?
[ 24 ] What people today are justified in thinking—what they truly regard as a source of a certain grandeur in the present age—they owe precisely to the fact that something like Greek mythology developed during the Greek era. Of course, there would be nothing more delightful for an enlightened person of today than to be able to think: Oh, if only those Greeks had been fortunate enough to have possessed our modern science! — But if the Greeks had possessed our modern science, what the Greeks themselves possessed—the lore of the Greek gods, the world of Homer, Sophocles, Aeschylus, Plato, and Aristotle—would not have existed; Wagner would be a mere Faust compared to the Wagners who would then be walking around today! Human thought would have withered and degenerated; all our thinking would be barren, for whatever vitality there is in our thinking stems from the fact that it is rooted in Greek myth—in the myth of the fourth post-Atlantean epoch in general. And anyone who believes that the myth was simply false and that today’s thinking is correct is like a person who finds it unnecessary to first cut roses from the rosebush if one wants a bouquet of roses. Why shouldn’t the roses be able to spring up directly?
[ 25 ] Es sind eben alles unwirkliche Vorstellungen, in denen die Menschen leben, die gerade heute zu den Aufgeklärtesten zu gehören glauben. Dieser vierte nachatlantische Zeitraum mit seiner Ausbildung des Mythus, mit seiner Ausbildung von Vorstellungen, die für den heutigen Menschen eher Träumen ähnlich sind als den scharf umrissenen naturwissenschaftlichen Vorstellungen, diese ganze Denkweise des vierten nachatlantischen Zeitraums, die ist die Grundlage für das, was wir heute sind. Das aber, was wir heute denken, was wir heute ausbilden können, das wiederum muß die Grundlage sein für den nächsten Zeitraum. Das kann es aber nur sein, wenn es nicht bloß nach der Seite des Verdorrens sich entwikkelt, sondern wenn es sich nach der Seite des Lebens entwickeln will. Leben aber wird eingehaucht demjenigen, was heute ist, wenn man versucht, das, was einmal war, ins Bewußtsein heraufzuheben und das zu erkennen, was einem ein waches Bewußtsein gibt, was einen zu einer wachen Persönlichkeit macht.
[ 25 ] These are all simply unreal notions in which people live—people who believe themselves to be among the most enlightened of all, especially today. This fourth post-Atlantean epoch, with its development of myth, with its formation of ideas that for modern people resemble dreams more than sharply defined scientific concepts—this entire way of thinking characteristic of the fourth post-Atlantean epoch—is the foundation for what we are today. But what we think today, what we are capable of developing today, must in turn be the foundation for the next epoch. But it can only be so if it does not merely develop in the direction of withering away, but rather if it seeks to develop in the direction of life. Life, however, is breathed into what exists today when one attempts to bring what once was into consciousness and to recognize what gives one an alert consciousness, what makes one an alert personality.
[ 26 ] Seit dem Jahre 1879 ist es so: Wenn einer in die Schule geht, dort naturwissenschaftliche Gesinnung und Denkart aufnimmt, sich dann eine Weltanschauung aneignet im Sinne dieser naturwissenschaftlichen Denkart und nun den Glauben hat, nur das, was sich in der Sinnenwelt ausbreitet, das kann man wirklich nennen, alles andere ist ja doch nur Phantasieprodukt —, wenn einer so denkt — und wie viele Leute denken heute so —, dann hat Ahriman sein gutes Spiel, dann geht es den ahrimanischen Mächten gut. Denn diese ahrimanischen Mächte, die sich seit dem Jahre 1879 in den menschlichen Gemütern sozusagen ihre Festungen begründet haben, was sind sie denn eigentlich? Menschen sind sie nicht; Engel sind sie, aber zurückgebliebene Engel — Engel, die aus ihrer Entwickelungsbahn herausgekommen sind, die es verlernt haben, in der nächstangrenzenden geistigen Welt ihre Aufgabe zu verrichten. Würden sie das können, dann wären sie nicht im Jahre 1879 gestürzt worden. Sie sind heruntergestürzt, weil sie oben ihre Aufgabe nicht erfüllen können. Jetzt wollen sie ihre Aufgabe mit Hilfe der Köpfe, der Gehirne der Menschen erfüllen. In den Gehirnen der Menschen sind sie um einen Plan tiefer, als wo sie eigentlich hingehören. Was man heute monistisch denken nennt, das tun ja gar nicht in Wirklichkeit die Menschen. Was man heute nationalökonomische Wissenschaft nennt, das ist vielfach von der Art, wie ich es gestern wiederum hingestellt habe. Wenn man das ausspricht, was da am Anfang des Krieges geschrieben wurde, der Krieg müsse in vier Monaten aus sein — ich meine als Wissenschafter ausspricht; wenn man es bloß nachspricht, kommt es nicht so darauf an —: Was geht denn da in den Köpfen der Menschen vor? All das sind ja Engelsgedanken, die in den Köpfen der Menschen nisten, Gedanken von zurückgebliebenen Engeln. Ja, der menschliche Verstand soll eben immer mehr und mehr in Anspruch genommen werden von solchen Mächten, die sich seiner bemächtigen wollen, damit sie ihr Leben ausleben können. Gegen das kommt man nicht auf, wenn man den Kopf in den Sand steckt und Vogel-Strauß-Politik spielt, sondern nur, wenn man bewußt mitlebt. Nicht, wenn man nicht weiß, was zum Beispiel die Monisten denken, kommt man dagegen auf, sondern wenn man es weiß, aber wenn man auch weiß, daß es Ahrimanwissenschaft ist, daß es die Wissenschaft von zurückgebliebenen Engeln ist, die in den Köpfen der Menschen nistet, wenn man Bescheid weiß von der Wahrheit, von der Wirklichkeit.
[ 26 ] Since 1879, it has been the case that when someone goes to school, absorbs a scientific mindset and way of thinking there, then adopts a worldview in line with this scientific way of thinking, and now believes that only what unfolds in the sensory world can truly be called while everything else is, after all, merely a figment of the imagination—if someone thinks this way—and how many people think this way today—then Ahriman has the upper hand, and the Ahrimanic forces thrive. For these Ahrimanic forces, which have, so to speak, established their strongholds in human minds since 1879—what are they, really? They are not human beings; they are angels, but angels who have fallen behind—angels who have strayed from their path of development, who have forgotten how to fulfill their task in the adjacent spiritual world. If they were able to do so, they would not have been cast down in 1879. They have fallen because they cannot fulfill their task up above. Now they want to fulfill their task with the help of people’s minds, their brains. In people’s brains, they are one level deeper than where they actually belong. What is called “monistic thinking” today is not actually done by human beings. What is called “economic science” today is often of the kind I described again yesterday. If one articulates what was written at the beginning of the war—that the war must be over in four months—I mean, if a scientist articulates it; if one merely parrots it, it doesn’t matter so much—what is going on in people’s minds? All of these are, after all, angelic thoughts nesting in people’s minds—thoughts of angels who have fallen behind. Yes, the human intellect is indeed to be increasingly claimed by such forces that seek to take possession of it so that they can live out their lives. You cannot stand up against this by burying your head in the sand and playing ostrich politics, but only by consciously engaging with what is happening. It is not by being unaware of what, for example, the monists think that one can stand up against this, but rather by knowing it—and also by knowing that it is Ahrimanic science, that it is the science of backward angels that nests in people’s minds—by being aware of the truth and of reality.
[ 27 ] Natürlich, wir sprechen das hier so aus, daß wir uns der entsprechenden Ausdrücke bedienen — ahrimanische Mächte —, weil wir diese Dinge ernstnehmen. Sie wissen, so können Sie nicht sprechen, wenn Sie draußen zu den Menschen sprechen, die heute ganz unvorbereitet sind. Denn da ist eben eine der Scheidewände. Da kommt man nicht heran an die Menschen; aber man kann natürlich Mittel und Wege finden, um zu den andern Menschen so zu sprechen, daß dasjenige, was einmal Wahrheit ist, einfließt. Dahingegen, wenn es gar keine Stätte gäbe, wo die Wahrheit gesagt werden könnte, dann würde man ja auch keine Möglichkeit haben, sie einfließen zu lassen in die äußere, profane Wissenschaft. Es muß ja mindestens einzelne Stätten geben, wo die Wahrheit in einer ursprünglichen, echten Form ausgesprochen werden kann. Nur müssen wir niemals vergessen, daß es den heutigen Menschen oftmals unüberwindliche Schwierigkeiten macht, wenn sie selbst auch schon wirklich den Anschluß finden an die spirituelle Wissenschaft, die Brücke zu schlagen hinüber ins Reich der ahrimanischen Wissenschaft. Ich habe manche Menschen gefunden, die sehr gut Bescheid wußten auf diesem oder jenem Gebiet der ahrimanischen Wissenschaft, die entweder gute Naturwissenschafter oder gute Orientalisten waren und so weiter, die dann auch den Anschluß gefunden haben an unsere spirituelle Forschung. Oh, ich habe mir viele Mühe gegeben, um solche Menschen zu veranlassen, nun die Brücke zu schlagen. Was wäre geschehen, wenn ein Physiologe, ein Biologe mit all dem Spezialwissen, das man auf diesen Gebieten heute gewinnen kann, die Physiologie, die Biologie spirituell durchgearbeitet hätte, so daß man nicht gerade unsere Ausdrücke gebraucht hätte, aber in unserem Geist diese einzelnen Wissenschaften bearbeitet hätte! Ich habe es bei Orientalisten versucht. Gewiß, die Menschen können auf der einen Seite gute Anhänger der Anthroposophie sein, auf der andern Seite sind sie Orientalisten und machen die Sache so, wie es Orientalisten machen. Aber die Brücke von dem einen zu dem andern wollen sie nicht schlagen. Das ist es aber gerade, was die Gegenwart so notwendig braucht, was so intensiv notwendig ist, denn, wie gesagt, da befinden sich die ahrimanischen Mächte sehr wohl, wenn man Naturwissenschaft so betreibt, als ob das ein Abbild der äußeren Welt wäre. Aber wenn man mit spiritueller Wissenschaft und mit der Gesinnung kommt, die aus der spirituellen Wissenschaft fließt, da befinden sich die ahrimanischen Mächte weniger gut. Diese spirituelle Wissenschaft ergreift ja den ganzen Menschen. Man wird ein anderer Mensch dadurch, man lernt anders fühlen und anders wollen, man lernt, sich anders in die Welt hineinzustellen.
[ 27 ] Of course, we express this here using the appropriate terms—Ahrimanic forces—because we take these things seriously. You know, you cannot speak this way when addressing people out there who are completely unprepared today. For that is precisely one of the barriers. You cannot reach people that way; but of course you can find ways and means to speak to other people in such a way that what is truth can seep in. On the other hand, if there were no place at all where the truth could be spoken, then one would have no possibility of allowing it to seep into outer, profane science. There must, after all, be at least a few places where the truth can be spoken in its original, authentic form. But we must never forget that even when people today have truly found a connection to spiritual science, they often face insurmountable difficulties in building a bridge over to the realm of Ahrimanic science. I have met many people who were very knowledgeable in this or that field of Ahrimanic science—who were either good natural scientists or good Orientalists, and so on—and who then also found a connection to our spiritual research. Oh, I have gone to great lengths to encourage such people to now build that bridge. What would have happened if a physiologist or a biologist—with all the specialized knowledge that can be acquired in these fields today—had worked through physiology and biology from a spiritual perspective, so that one wouldn’t necessarily have to use our specific terminology, but would have approached these individual sciences in our spirit! I’ve tried this with Orientalists. Certainly, on the one hand, these people can be devoted followers of anthroposophy; on the other hand, they are Orientalists and approach the subject in the way Orientalists do. But they do not want to build a bridge between the two. Yet that is precisely what the present age so desperately needs, what is so intensely necessary; for, as I said, the Ahrimanic forces are quite at home when natural science is practiced as if it were a mere reflection of the external world. But when one approaches things with spiritual science and with the attitude that flows from spiritual science, the Ahrimanic forces are less at ease. This spiritual science, after all, encompasses the whole human being. One becomes a different person through it; one learns to feel and will differently; one learns to relate to the world in a different way.
[ 28 ] Es ist wahr, was immer von Eingeweihten gesagt wurde: Wenn das den Menschen durchströmt, was von spiritueller Weisheit kommt, dann ist es für die ahrimanischen Mächte ein großer Schrekken der Finsternis und ein verzehrend Feuer. Wohl ist es den ahrimanischen Engeln, in den Köpfen zu wohnen, die heute mit ahrimanischer Wissenschaft erfüllt sind; aber wie verzehrend Feuer, wie ein großer Schrecken der Finsternis werden diejenigen Köpfe von den ahrimanischen Engeln empfunden, die mit spiritueller Weisheit durchsetzt sind. Nehmen wir solch eine Sache in ihrem vollen Ernste, fühlen wir das: Wenn wir uns mit spiritueller Weisheit durchsetzen, dann gehen wir so durch die Welt, daß wir ein rechtes Verhältnis begründen zu den ahrimanischen Mächten, daß wir selber durch das, was wir tun, das aufrichten, was da sein muß, daß wir zum Heile der Welt aufrichten die Stätte des verzehrenden Opferfeuers, die Stätte, wo der Schrecken der Finsternis strahlt über das schädliche Ahrimanische.
[ 28 ] It is true what the initiates have always said: When that which comes from spiritual wisdom flows through human beings, it is a great terror of darkness and a consuming fire for the Ahrimanic forces. It is indeed a comfort to the Ahrimanic angels to dwell in the minds that are today filled with Ahrimanic science; but those minds that are permeated with spiritual wisdom are perceived by the Ahrimanic angels as a consuming fire, as a great terror of darkness. If we take such a matter in all its seriousness, we feel this: When we assert ourselves with spiritual wisdom, then we go through the world in such a way that we establish a proper relationship with the Ahrimanic forces, that through what we do we ourselves build up what must be there, that for the healing of the world we establish the site of the consuming sacrificial fire, the site where the terror of darkness shines upon the harmful Ahrimanic forces.
[ 29 ] Durchdringen Sie sich mit solchen Ideen, durchdringen Sie sich mit solchen Empfindungen! Dann werden Sie wach und schauen die Dinge an, die draußen in der Welt vorgehen, schauen an, was draußen in der Welt geschieht. Im 18. Jahrhundert sind eigentlich die letzten Reste der alten atavistischen Wissenschaft erstorben. Die Anhänger des «unbekannten Philosophen» Saint-Martin, des Schülers von Jakob Böhme, hatten manches von der alten atavistischen Weisheit, sie hatten dafür aber auch vieles von einem Vorauswissen dessen, was kommen werde, was in unserer Zeit aber schon gekommen ist. Und oftmals wurde in diesen Kreisen davon gesprochen, daß von dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Wissen ausstrahlen werde, das da wurzelt in denselben Quellen, in demselben Boden, wo bestimmte menschliche Krankheiten wurzeln — ich habe letzten Sonntag davon gesprochen —, wo Anschauungen herrschen werden, die da wurzeln in der Lüge, wo Empfindungen herrschen werden, die da wurzeln in der Selbstsucht.
[ 29 ] Immerse yourself in such ideas, immerse yourself in such feelings! Then you will awaken and look at the things taking place out there in the world, look at what is happening out there in the world. In the 18th century, the last remnants of the old atavistic science actually died out. The followers of the “unknown philosopher” Saint-Martin, the student of Jakob Böhme, possessed some elements of the old atavistic wisdom, but they also possessed much of a foreknowledge of what was to come—which has already come to pass in our time. And it was often said in these circles that from the last third of the 19th century and the first half of the 20th century, a body of knowledge would radiate that is rooted in the same sources, in the same soil, where certain human maladies are rooted — I spoke of this last Sunday — where views will prevail that are rooted in falsehood, where feelings will prevail that are rooted in selfishness.
[ 30 ] Verfolgen Sie mit sehendem Auge, mit dem Auge, das sehend wird durch die Empfindungen, von denen wir heute gesprochen haben, was durch die Gegenwart wallt und west! Vielleicht wird von manchem, was Sie erfahren, Ihr Herz wund werden. Das aber schadet nichts, denn klare Erkenntnis, auch wenn sie schmerzt, wird heute gute Früchte tragen von der Art, wie sie gebraucht werden, um herauszukommen aus dem Chaos, in das sich die Menschheit hineinbegeben hat.
[ 30 ] Observe with a seeing eye—the eye that becomes seeing through the sensations we have spoken of today—what surges and flows through the present moment! Perhaps some of what you experience will wound your heart. But that does no harm, for clear insight—even if it hurts—will bear good fruit today, the kind needed to emerge from the chaos into which humanity has plunged.
[ 31 ] Das erste oder eines von den ersten Dingen wird sein müssen die Erziehungswissenschaft. Und auf dem Gebiete der Erziehungswissenschaft wird wiederum einer der ersten Grundsätze ein solcher sein müssen, gegen den heute am allermeisten gesündigt wird. Wichtiger als alles, was Sie einem Knaben oder Mädchen oder einem jungen Mann oder einer Jungfrau lehren und bewußt anerziehen können, wichtiger ist dasjenige, was unbewußt während der Erziehungszeit in die Seelen der Menschen hineinfließt. Ich habe erst im vorigen öffentlichen Vortrage davon gesprochen, daß das Gedächtnis etwas ist, was sich wie im Unterbewußtsein als Parallelerscheinung des bewußten Seelenlebens ausbildet. Darauf muß gerade bei der Erziehung Rücksicht genommen werden. Nicht nur, was das Kind versteht, muß der Erzieher der Seele beibringen, sondern auch dasjenige, was das Kind noch nicht versteht, was sich in geheimnisvoller Weise hineinerstreckt in des Kindes Seele und was — das ist wichtig — dann im späteren Leben herausgeholt wird.
[ 31 ] The first—or one of the first—things must be the science of education. And in the field of the science of education, one of the foremost principles must be precisely the one that is most frequently violated today. More important than anything you can teach a boy or girl, a young man or a young woman, and consciously instill in them, is that which flows unconsciously into people’s souls during their formative years. I spoke of this just in my previous public lecture: that memory is something that develops in the subconscious as a parallel phenomenon to conscious soul life. This must be taken into account, especially in education. The educator must impart to the soul not only what the child understands, but also what the child does not yet understand—that which extends in a mysterious way into the child’s soul and which—and this is important—will then be drawn out in later life.
[ 32 ] Wir nähern uns immer mehr der Zeit, in der die Menschen während ihres ganzen Lebens immer mehr und mehr Erinnerungen an ihre Jugendzeit brauchen werden, Erinnerungen, die sie gerne haben, Erinnerungen, die sie glücklich machen. Das muß die Erziehung lernen, systematisch zu leisten. Gift wird es sein für die Erziehung der Zukunft, wenn die Menschen im späteren Leben zurückdenken müssen, wie sie sich geplagt haben während der Schulzeit, während der Erziehungszeit, wenn sie sich ungern erinnern an ihre Schul- und Erziehungszeit, wenn ihnen die Schul- und Erziehungszeit nicht ein Quell ist, aus dem sie immer von neuem lernen, lernen, lernen können. Wenn man aber schon alles gelernt hat als Kind, was man vom Lehrstoff lernen kann, bleibt ja nichts mehr für später.
[ 32 ] We are moving ever closer to a time when people will need more and more memories of their youth throughout their lives—memories they cherish, memories that make them happy. Education must learn to provide these systematically. It will be detrimental to the education of the future if, later in life, people have to look back on how much they struggled during their school years and their formative years; if they recall those times with reluctance; if their school and formative years are not a wellspring from which they can continually learn, learn, and learn anew. But if one has already learned everything there is to learn from the curriculum as a child, there is nothing left for later.
[ 33 ] Wenn Sie dies wiederum bedenken, dann werden Sie sehen, wie anders ganz gewichtige Grundsätze in der Zukunft Lebensdirektiven werden müssen gegenüber dem, was man heute für das Richtige ansieht. Gut wäre es für die Menschheit, wenn die traurigen Erfahrungen der Gegenwart nicht von so vielen verschlafen würden, sondern wenn die Menschen diese traurigen Erfahrungen der Gegenwart benützen würden, um sich möglichst vertraut zu machen mit dem Gedanken: Vieles, vieles muß anders werden! Zu selbstgefällig ist die Menschheit der letzten Zeiten geworden, um diesen Gedanken in seiner vollen Tiefe und vor allen Dingen in seiner vollen Intensität zu ermessen.
[ 33 ] If you consider this, you will see how fundamentally different the guiding principles of life must become in the future compared to what is considered right today. It would be good for humanity if the sad experiences of the present were not ignored by so many, but if people would use these sad experiences to familiarize themselves as much as possible with the idea: Much, much must change! Humanity has become too complacent in recent times to grasp this idea in its full depth and, above all, in its full intensity.
