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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 177

27 October 1917, Dornach

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Dreizehnter Vortrag

Thirteenth Lecture

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Ich möchte noch einmal, damit kein Mißverständnis entsteht, darauf hinweisen, daß die Vorträge, die für Zürich beabsichtigt sind, nunmehr festgesetzt sind: die öffentlichen Vorträge Montag und Mittwoch, den 5. und 7. November, und an den beiden gleichlautenden Wochentagen der nächsten Woche darauf, das ist also am 12. und 14. November; an den dazwischenliegenden Tagen immer ein Zweigvortrag. Die Themen sind diesmal so gewählt, daß noch einmal der Versuch gemacht wird, die Fäden hinüberzuziehen zu den verschiedenen Wissenschaften:

[ 1 ] My dear friends! To avoid any misunderstanding, I would like to point out once again that the dates for the lectures planned for Zurich have now been set: the public lectures will take place on Monday and Wednesday, November 5 and 7, and on the corresponding days of the following week—that is, November 12 and 14; with a supplementary lecture on each of the days in between. The topics have been chosen this time with the aim of once again attempting to draw connections to the various sciences:

Montag, den 5. November 1917

Anthroposophie und Seelenwissenschaft (Psychologie).
Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die menschlichen Seelenfragen.

Mittwoch, den 7. November

Anthroposophie und Geschichtswissenschaft.
Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die Menschheit und ihreKulturformen.

Montag, den 12. November

Anthroposophie und Naturwissenschaft.
Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die Natur und den Menschen als Naturwesen.

Mittwoch, den 14. November

Anthroposophie und Sozialwissenschaft.
Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über Recht, Moral und soziale Lebensform.

Monday, November 5, 1917

Anthroposophy and the Science of the Soul (Psychology).
Findings from the spiritual sciences regarding questions of the human soul.

Wednesday, November 7

Anthroposophy and Historical Science.
Findings from the Spiritual Sciences on Humanity and Its Cultural Forms.

Monday, November 12

Anthroposophy and the Natural Sciences.
Findings from the spiritual sciences regarding nature and human beings as natural beings.

Wednesday, November 14

Anthroposophy and the Social Sciences.
Findings from the Spiritual Sciences on Law, Morality, and Social Life Forms.

[ 2 ] Die Betrachtungen, die wir in dieser Zeit angestellt haben, wollen wir nunmehr in diesen Tagen fortsetzen und dadurch gewissermaßen einen Hintergrund liefern zur Beurteilung der bedeutungsvollen Ereignisse, die jetzt vor dem Menschengemüte vorbeiziehen, in die der Mensch hineingestellt ist und die bedeutungsvoller sind, als heute noch mancher ahnt. Ich habe versucht, begreiflich zu machen, wie der Hintergrund dieser Ereignisse zusammenhängt mit tief einschneidenden Vorgängen der geistigen Welt. Und ich habe darauf hingewiesen, daß vom Beginne der vierziger Jahre bis in den Herbst 1879 ein bedeutungsvoller, tief einschneidender Kampf stattgefunden hat in den geistigen Regionen der Welt, einer jener Kämpfe, die sich in der Evolution der Welt und der Menschheit wiederholt ereignen und die man gewohnt worden ist darzustellen unter dem Bilde des gegen den Drachen kämpfenden Michael oder Sankt Georg. Ein solcher Sieg Michaels über den Drachen für die geistigen Welten ist 1879 ausgefochten gewesen. Die den Impulsen des Michael entgegenstrebenden Geister der Finsternis sind dazumal aus dem geistigen Reiche in die Reiche der Menschen herabgestürzt worden und walten seit jener Zeit, wie ich gesagt habe, in den Empfindungs-, Willens-, Gemütsimpulsen der Menschen, so daß man die Ereignisse der Gegenwart nur versteht, wenn man auf diese gewissermaßen unter uns wandelnden geistigen Mächte den Seelenblick lenken kann.

[ 2 ] We now wish to continue the reflections we have undertaken during this period, thereby providing, in a sense, a backdrop for assessing the significant events that are now unfolding before the human mind—events in which humanity is immersed and which are more significant than many people realize today. I have attempted to explain how the background of these events is connected to profound, far-reaching processes in the spiritual world. And I have pointed out that from the beginning of the 1840s until the fall of 1879, a significant, profoundly decisive struggle took place in the spiritual realms of the world—one of those struggles that recur in the evolution of the world and of humanity, and which people have come to depict through the image of Michael or Saint George fighting the dragon. Such a victory of Michael over the dragon for the spiritual worlds was won in 1879. The spirits of darkness, who opposed Michael’s impulses, were cast down from the spiritual realm into the realms of humanity at that time and have, as I have said, been at work ever since in the impulses of human feeling, will, and emotional impulses of human beings, so that one can only understand the events of the present if one can direct the gaze of the soul toward these spiritual powers that, in a sense, walk among us.

[ 3 ] Für uns muß naturgemäß die Frage entstehen: Worin bestand in erster Linie jener Kampf, der in den geistigen Regionen von den vierziger Jahren bis in die siebziger Jahre stattgefunden hat, und worin besteht dann der andere Kampf beziehungsweise worin besteht die Tätigkeit der herabgestoßenen Geisteswesen der Finsternis unter der Menschheit seit dem November 1879?

[ 3 ] Naturally, the question must arise for us: What was the primary nature of that struggle that took place in the spiritual realms from the 1840s through the 1870s, and what, then, is the nature of the other struggle—or rather, what is the nature of the activity of the cast-down spiritual beings of darkness among humanity since November 1879?

[ 4 ] Nun kann man nur in langsamer und allmählicher Schilderung zusammenfassen, was diesem bedeutungsvollen Kampfe, man könnte sagen, hinter den Kulissen der Weltgeschichte von den vierziger Jahren bis in die siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts zugrundelag. Heute wollen wir zunächst auf einiges aufmerksam machen, was diesen Kampf gewissermaßen aus den geistigen Regionen in die irdischen, in die menschlichen Regionen herunterspiegelt. Ich habe ja oftmals darauf hingewiesen, wie im Beginne der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts ein entscheidender Wendepunkt in der Entwickelung der modernen Kulturgebiete war, wie dazumal gewissermaßen der entscheidende Wendepunkt war, der die volle, impulsive materialistische Entwickelung gebracht hat. Daß diese materialistische Entwickelung hat kommen können, dazu waren zunächst einschneidende Vorgänge in der geistigen Welt notwendig, die sich dann herunter fortsetzten und das allmähliche Einträufeln der materialistischen Impulse in die Menschheit bewirkten. Wir können, wenn wir hier auf dem Erdengebiete verfolgen, was sich aus den geistigen Regionen spiegelte, vor allen Dingen auf zweierlei hinweisen: Zuerst darauf, wie viel mehr, als die gegenwärtige Menschheit es noch ahnt — denn erst zukünftige Betrachter werden einen klaren Blick dafür haben —, in den vierziger, fünfziger, sechziger und siebziger Jahren ein ungeheurer Aufschwung des rein materiellen Verstandes, der rein materiellen Verstandeskultur, Platz griff. Man kann schon sagen: Wer die Entwickelung der Menschheit verfolgt und einen Blick hat für die intimeren Vorgänge im Menschenleben, der kann bemerken, daß in bezug auf Feinheit der Begriffsbildung, in bezug auf Scharfsinn, auf Kritik zum Beispiel, in keiner Zeit ein solcher Aufschwung in der Menschheit vorhanden war wie in diesen Jahrzehnten, wo man ein Anhänger des Materialismus ist. — Denn all dieses Denken, das ich charakterisiert habe, das sich auslebt in den technischen Erfindungen, das sich auslebt in der Kritik, in der Bildung scharfsinniger Begriffe, all das ist materielles Denken, ist an das Gehirn gebundenes Denken. Wenn man als Materialist die Entwikkelung der Menschheit schildern will, so kann man mit gutem Gewissen sagen: Die Menschheit war niemals so gescheit wie in diesen Jahrzehnten. Gescheit war sie wirklich. Wer die Literatur verfolgt ich meine jetzt nicht bloß die sogenannte schönwissenschaftliche Literatur —, der wird schon finden, daß so fein abgezirkelte Begriffe, so kritisches Denken in der ganzen Menschheitsentwickelung nicht zutagegetreten ist wie in jener Zeit, und zwar auf allen möglichen Gebieten. Das aber, was sich entwickelt hat in den Menschenseelen, das ist nur das Spiegelbild desjenigen, was immer mit der Hoffnung auf Sieg gewisse Geister der Finsternis, auf die wir hingedeutet haben, in den geistigen Regionen in den vierziger, fünfziger, sechziger und siebziger Jahren angestrebt haben.

[ 4 ] Only through a slow and gradual account can one summarize what underlay this significant struggle—which one might say took place behind the scenes of world history from the 1840s through the 1870s. Today we would like to begin by drawing attention to certain aspects that, in a sense, reflect this struggle from the spiritual realms down into the earthly, human realms. I have often pointed out how the early 1840s marked a decisive turning point in the development of modern cultural spheres—how, at that time, there was, so to speak, the decisive turning point that brought about the full, impetuous materialistic development. For this materialistic development to come about, drastic events in the spiritual world were first necessary; these then carried over into the physical world and brought about the gradual infiltration of materialistic impulses into humanity. When we trace here on Earth what was reflected from the spiritual realms, we can point out two things above all: First, how much more—than present-day humanity can yet surmise—for only future observers will have a clear view of this—an immense surge in purely material intellect and purely material intellectual culture took hold in the 1940s, 1950s, 1960s, and 1970s. One can certainly say: Anyone who follows the development of humanity and has an eye for the more intimate processes in human life can observe that, in terms of the subtlety of conceptual formation, in terms of acumen and criticism, for example, there has never been such an upsurge in humanity as in these decades, when people are adherents of materialism. — For all this thinking that I have characterized—which finds its expression in technical inventions, in criticism, and in the formation of incisive concepts—all of this is material thinking, thinking bound to the brain. If, as a materialist, one wishes to describe the development of humanity, one can say with a clear conscience: Humanity has never been as clever as it is in these decades. It was indeed intelligent. Anyone who follows literature—and I do not mean merely so-called “beautiful” literature—will find that such finely crafted concepts and such critical thinking have never before emerged in the entire course of human development as they did during that time, and indeed in every possible field. But what has developed in the human soul is merely the reflection of what certain spirits of darkness—to which we have alluded—have always strived for in the spiritual realms during the 1940s, 1950s, 1960s, and 1970s, in the hope of victory.

[ 5 ] Sie haben angestrebt, ein uraltes Erbgut der Menschheit in ihre Hände zu bekommen, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf. Worin bestand nun dieses uralte Erbgut? Wir haben gestern darauf hingewiesen: Durch Jahrtausende hindurch haben die fortschreitenden Geister des Lichtes die Menschheit so geleitet, daß sie zum Mittel ihrer Leitung die Blutsbande benützt haben, daß sie die Menschen zusammengeführt haben in Familien, Stämmen, Nationen, Rassen, so daß sich diejenigen zusammengefunden haben, die aus ururaltem Menschheits- und Weltenkarma zusammengehörten. So daß die Menschen auch, indem sie die Blutsbande fühlten, in diesem Gefühl alte, ururalte Aufgaben der Welt hatten, die zugleich so gefaßt waren, daß dasjenige, was die Erde geben konnte — und von der Erde kommen ja die Blutsbande —, in das allgemeine Menschheitskarma eingefügt war. Richtet man den Blick in den dreißiger, zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts, wo die Seelen, die dann heruntergekommen sind in Menschenleiber, noch in der geistigen Welt waren, richtet man den Blick auf die geistige Welt in dieser Zeit, die dem materialistischen Zeitalter voranging, so findet man, daß diese Seelen, die da herunterkommen wollten, in sich gewisse Impulse hatten, die unter anderem auch davon herrührten, daß sie durch Jahrtausende, so oft sie auf der Erde waren, durch Blutsbande an diese Familien, an diese Stämme, an diese Nationen, an diese Rassen gebunden waren. Nach diesen Bindungen sollten sich diese Seelen dazu entschließen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und von den vierziger Jahren an in diese oder jene Leiber einzuziehen. Denn die entsprechenden Geister des Lichtes lenken natürlich, indem sie ihre Impulse in die Seelen der Menschen hineinsenden, das Fortschreiten der Menschheitsentwickelung so, wie sie es nach den alten Blutsbanden veranlagt haben. Es waren also in den Menschenseelen, die in den geistigen Welten waren, gewisse Impulse, so oder so nach dem alten Menschheitskarma unterzutauchen in die Leiber derjenigen Menschen, die also die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, den Anfang des 20. Jahrhunderts bevölkern sollten. Es hatten also gewissermaßen die Geister des Lichtes in der Hand, diese Seelen nach ihren alten Maßnahmen zu leiten und zu lenken.

[ 5 ] They have sought to get their hands on an ancient genetic heritage of humanity, if I may use that expression. What, then, did this ancient genetic heritage consist of? We pointed this out yesterday: Over the course of millennia, the progressive spirits of light have guided humanity in such a way that they used blood ties as a means of guidance, bringing people together into families, tribes, nations, and races, so that those who belonged together due to ancient human and cosmic karma could find one another. Thus, by feeling these blood ties, human beings also bore within this feeling ancient, primeval tasks for the world, which were at the same time structured in such a way that what the Earth could provide—and blood ties do, after all, originate from the Earth—was woven into the general karma of humanity. If we turn our gaze to the 1820s and 1830s, when the souls who later descended into human bodies were still in the spiritual world—if we turn our gaze to the spiritual world during this time, which preceded the materialistic age— one finds that these souls, who wished to descend, carried within them certain impulses that stemmed, among other things, from the fact that for millennia—whenever they were on Earth—they had been bound by blood ties to these families, these tribes, these nations, and these races. In accordance with these bonds, these souls were to decide to enter this or that body in the second half of the 19th century, beginning in the 1840s. For the corresponding spirits of light naturally guide the progress of human development—by sending their impulses into human souls—in the way they have predestined according to the ancient blood ties. Thus, within the human souls that were in the spiritual worlds, there were certain impulses to incarnate—in one way or another, in accordance with the old karma of humanity—into the bodies of those people who were to populate the second half of the 19th century and the beginning of the 20th century. In a sense, therefore, the spirits of light had the power to guide and direct these souls according to their old plans.

[ 6 ] Das wollten die Geister der Finsternis, von denen ich gesprochen habe, in die Hand bekommen. Sie wollten die Impulse der Geister des Lichtes aus den Seelen vertreiben, sie wollten ihre Impulse in die Menschenseelen hineinbringen. Wäre der Sieg der Geister der Finsternis 1879 geglückt, dann wäre ein ganz anderer Zusammenhang herausgekommen zwischen den Menschenleibern und den Menschenseelen, als er bei den nach 1879 Geborenen nunmehr herausgekommen ist. Die Seelen wären in andern Leibern geboren worden, und der Plan der irdischen Menschheitsordnung wäre nach dem Ideal der Geister der Finsternis ausgeführt worden. Das ist er nicht. Daß er das nicht konnte, das ist verdankt dem Sieg des Michael über den Drachen im Herbste 1879.

[ 6 ] That is what the spirits of darkness, of whom I have spoken, wanted to get their hands on. They wanted to drive the impulses of the spirits of light out of the souls; they wanted to instill their own impulses into human souls. Had the spirits of darkness succeeded in their victory in 1879, a completely different relationship would have emerged between human bodies and human souls than the one that has now come about for those born after 1879. The souls would have been born into different bodies, and the plan for the earthly order of humanity would have been carried out according to the ideal of the spirits of darkness. That did not happen. The fact that it could not happen is due to Michael’s victory over the dragon in the fall of 1879.

[ 7 ] Dieses Kämpfen, das spiegelte sich in den vierziger, fünfziger, sechziger und siebziger Jahren auf der Erde in dem, was ich geschildert habe als besonders ausgeprägter Scharfsinn, Kritik und so weiter. Ich habe öfter darauf hingewiesen: Durch bloße Spekulation kommt man nicht hinter die Dinge, sondern nur durch wirkliche spirituelle Beobachtung. Durch Spekulation könnte niemand darauf kommen, daß just diejenigen Eigenschaften, die ich von dem materiellen Verstande erwähnt habe, hier auf der Erde das Spiegelbild sind eines Kampfes in den geistigen Welten um die Fortpflanzung, um die Generationenfolge. Diese Dinge müssen eben beobachtet werden, denn wenn man glaubt, man könne mit dem materiellen Verstande selber die richtigen Zusammenhänge zwischen physischer Welt und geistiger Welt finden, so irrt man sich sehr. Da trifft man in der Regel ganz Falsches, weil man schematisch vorgeht nach äußeren logischen Regeln, die nach dem Muster der Naturwissenschaft gewonnen sind. Die gelten aber nur für die physische Welt, die gelten nicht für den Zusammenhang der physischen mit der geistigen Welt. Das war also die eine Spiegelung dieses Kampfes um das Blut.

[ 7 ] This struggle was reflected on Earth in the 1940s, 1950s, 1960s, and 1970s in what I have described as particularly pronounced acumen, criticism, and so on. I have pointed this out on several occasions: One cannot get to the bottom of things through mere speculation, but only through genuine spiritual observation. Through speculation, no one could arrive at the realization that precisely those characteristics of the material mind that I have mentioned are, here on Earth, the reflection of a struggle in the spiritual worlds concerning procreation and the succession of generations. These things simply must be observed, for if one believes that one can use the material mind alone to discover the correct connections between the physical world and the spiritual world, one is greatly mistaken. In such cases, one generally arrives at completely false conclusions because one proceeds schematically according to external logical rules derived from the model of natural science. However, these rules apply only to the physical world; they do not apply to the relationship between the physical and spiritual worlds. So that was one reflection of this struggle over the blood.

[ 8 ] Die andere Spiegelung — ich habe auch schon öfter auf sie hingewiesen — bestand in dem Aufkommen des Spiritismus in den vierziger Jahren und dann weiter. Gewisse Kreise, und gar nicht so enge Kreise, versuchten in dieser Zeit die Zusammenhänge mit der geistigen Welt auf medialem Wege zu erforschen, also im Grunde genommen auf materielle Art. Wäre dies geglückt, wäre die Schar der Geister der Finsternis genügend stark gewesen, um 1879 den Sieg über die Anhänger des Michael zu gewinnen, dann hätte der Spiritismus eine ungeheure Ausbreitung gewonnen. Denn der Spiritismus kann nicht bloß von der Erde aus impulsiert werden, sondern er hat seine Einflüsse von der andern Welt; er wird von der andern Welt dirigiert. Man muß sich durchaus klar darüber sein, daß hier auch nicht bloß ein Entweder-Oder Geltung haben darf, das heute den Menschen so bequem ist, die sich immer sagen: Entweder erkennen wir so etwas an, oder weisen wir so etwas ab. So ist die Sache nicht, so liegt sie ganz und gar nicht. Was sich auf spiritistischem Boden abgespielt hat, das war zum Teil ein bedeutungsvolles Hereinragen der geistigen Welt, war durchaus herausfließend aus Impulsen der geistigen Welt, hatte oftmals das Intensivste mit den Schicksalen der Menschen zu tun, aber ein Spiegelbild war es jenes Kampfes, der eben in der geistigen Region verloren worden ist. Daher auch das eigentümliche Zurückgehen und Korrumpiertwerden des Spiritismus nach dem genannten Zeitpunkte. Er wäre das Mittel geworden, die Menschen auf die geistige Welt hinzuweisen, und zwar das einzige Mittel, wenn die Geister der Finsternis 1879 den Sieg erlangt hätten. Wäre dieser Sieg dazumal zustandegekommen, so lebten wir heute in einer Welt eines ganz unsagbaren Scharfsinnes, eines Scharfsinnes, der sich auf die verschiedensten Gebiete des menschlichen Lebens erstreckt hätte. Börsenspekulationen und ähnliche Dinge, die manchmal heute recht dumm gemacht werden, würden mit ungeheurem Scharfsinn gemacht werden. Das auf der einen Seite. Aber auf der andern Seite würde man in den weitesten Kreisen sein spirituelles Bedürfnis auf medialem Wege zu befriedigen suchen. Materieller Verstand also auf der einen Seite, jene auf herabgestimmtem Bewußtsein beruhende Art, sich zur geistigen Welt in ein Verhältnis zu setzen, auf der andern Seite: das war die Absicht der Geister der Finsternis. Diese Geister der Finsternis wollten vor allen Dingen eines verhindern, was bei ihrem Sturz nach dem Jahre 1879 allmählich eintreten mußte: das wirkliche Herabkommen von geistigen Erfahrungen, von geistigen Erlebnissen in die Menschenseelen hinein. Solche geistigen Erlebnisse, wie sie verwertet werden von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft, die wären unmöglich geworden, wenn die genannten Geister der Finsternis ihren Sieg errungen hätten. Dieses Geistesleben und Geistesweben würde oben behalten worden sein von den Geistern der Finsternis in den geistigen Regionen. Nur durch den Sturz der charakterisierten Geister ist es gekommen, daß anstelle des bloß kritischen, materiellen Verstandes und des medialen Weges die unmittelbare geistige Erfahrung hat treten können und immer mehr und mehr treten wird. Nicht umsonst habe ich in den letzten Zeiten hier erwähnt: Viel mehr, als man denkt, ist die heutige Zeit von spirituellen Einflüssen abhängig. So materialistisch unsere Zeit ist und eigentlich mehr noch sein will, als sie es ist: an viel mehr Stellen, als man denkt, offenbaren sich die geistigen Welten den Menschen. Wenn auch heute noch oftmals nicht in gutem Sinne, aber geistige Einflüsse sind überall zu spüren. Und manches, was von Menschen, die heute gegenüber spirituellen Einflüssen ein gewisses Schamgefühl haben — sie schämen sich, spirituelle Einflüsse andern gegenüber zu gestehen —, manches, was von Menschen gemacht wird, diese oder jene Gründung, sie wird deshalb gemacht, weil den Menschen im Traum dies oder jenes erschienen ist, was ein wirklicher spiritueller Einfluß ist. Sie können heute Dichter fragen, warum sie Dichter geworden sind. Das ursprüngliche Erlebnis, das sie Ihnen erzählen werden, wird sein: Dieses oder jenes Spirituelle haben sie wie traumhaft erlebt, und dieses traumhafte Erlebnis hat eigentlich den Impuls zu ihrem Schaffen in sie gelegt. — Leute, die Journale gegründet haben, Sie können sie fragen, warum sie sie gegründet haben — ich erzähle Ihnen Tatsachen —, sie führen Ihnen diese Journalgründungen auf Träume zurück, auf sogenannte Träume, was aber nichts anderes ist als die Übertragung gewisser spiritueller Impulse aus den geistigen Welten in die sinnliche Welt hinein. Und vieles andere auf andern Gebieten ist vorhanden, viel mehr, als man denkt, nur sagen es die Leute heute nicht, weil jeder glaubt, wenn er dem andern sagte: Ich habe dies oder jenes getan, weil mir der oder jener Geist erschienen ist im Traume —, der andere nenne ihn dann einen Trottel. Das ist ja natürlich eine unangenehme Sache. Deshalb weil man so wenig von dem, was eigentlich heute unter Menschen geschieht. Das, was so sporadisch da oder dort geschieht, das ist aber nur, ich möchte sagen, der Vortrab zu dem, was immer mehr und mehr geschehen wird: Das Spirituelle wird die Menschheit ergreifen, weil eben jener Sieg Michaels über den Drachen 1879 sich zugetragen hat. Und daß eine Geisteswissenschaft möglich ist, das ist auch nur auf diesen Umstand zurückzuführen, sonst wären die entsprechenden Wahrheiten in den geistigen Welten verblieben, könnten nicht Wohnung nehmen in menschlichen Gehirnen, wären für die physische Welt nicht vorhanden.

[ 8 ] The other reflection—which I have also pointed out on several occasions—was the emergence of spiritualism in the 1840s and beyond. Certain circles—and by no means just small ones—attempted during this time to explore connections with the spiritual world through mediumship, that is, essentially in a material way. Had this succeeded—had the host of spirits of darkness been strong enough to win victory over the followers of Michael in 1879—then Spiritism would have spread on a massive scale. For Spiritism cannot be driven solely by impulses from the earth; rather, it draws its influences from the other world—it is directed by the other world. One must be absolutely clear that here, too, an “either-or” approach—which is so convenient today for people who always tell themselves, “Either we accept such things, or we reject them”—cannot apply. That is not how it is; that is not the case at all. What took place on the spiritualist scene was, in part, a significant intrusion of the spiritual world; it flowed entirely from impulses of the spiritual world and often had the most profound connection to people’s destinies. Yet it was a reflection of the very struggle that had just been lost in the spiritual realm. Hence, too, the peculiar decline and corruption of spiritualism after the aforementioned point in time. It would have become the means of pointing people toward the spiritual world—indeed, the only means—had the spirits of darkness achieved victory in 1879. Had that victory been achieved back then, we would today be living in a world of utterly indescribable acumen—an acumen that would have extended to the most diverse areas of human life. Stock market speculation and similar activities, which are sometimes carried out quite foolishly today, would be conducted with tremendous acumen. That is one side of the coin. But on the other hand, people in the broadest circles would seek to satisfy their spiritual needs through mediumship. Material intellect on the one hand, and that way of relating to the spiritual world based on a lowered state of consciousness on the other—that was the intention of the spirits of darkness. Above all, these spirits of darkness wanted to prevent one thing that was bound to occur gradually following their downfall after 1879: the actual descent of spiritual experiences and spiritual events into human souls. Such spiritual experiences, as utilized by anthroposophically oriented spiritual science, would have become impossible had the aforementioned spirits of darkness achieved victory. This spiritual life and spiritual activity would have been retained in the spiritual regions by the spirits of darkness. It is only through the downfall of the spirits described that direct spiritual experience has been able to take the place of the merely critical, material intellect and the mediumistic path—and will continue to do so more and more. It is not for nothing that I have mentioned here recently: Today’s world is far more dependent on spiritual influences than one might think. As materialistic as our age is—and indeed, as it strives to be even more so than it already is—the spiritual worlds reveal themselves to people in far more places than one might think. Even if this is often not in a positive sense today, spiritual influences can be felt everywhere. And some things done by people who today feel a certain sense of shame regarding spiritual influences—they are ashamed to admit these influences to others—some things done by people, such as founding this or that enterprise, are done precisely because this or that appeared to them in a dream, which is a genuine spiritual influence. You can ask poets today why they became poets. The original experience they will tell you about will be this: they experienced this or that spiritual phenomenon as if in a dream, and this dreamlike experience actually planted the seed for their creative work within them. — People who have founded journals—you can ask them why they founded them—I’m telling you facts—they will attribute the founding of these journals to dreams, to so-called dreams, which are nothing other than the transmission of certain spiritual impulses from the spiritual worlds into the physical world. And there is much more in other areas as well—far more than one might think—but people simply don’t talk about it today because everyone believes that if they were to tell someone else, “I did this or that because such-and-such a spirit appeared to me in a dream,” the other person would call them a fool. That is, of course, an unpleasant prospect. That is why so little is known about what is actually happening among people today. What happens so sporadically here and there is, however, only—I would say—the vanguard of what will happen more and more: the spiritual will take hold of humanity, precisely because Michael’s victory over the dragon took place in 1879. And the fact that spiritual science is possible is also attributable solely to this circumstance; otherwise, the corresponding truths would have remained in the spiritual worlds, could not have taken up residence in human brains, and would not have been accessible to the physical world.

[ 9 ] Da haben Sie solche Bilder, die Ihnen klarmachen können, welches die Absichten waren der Geister der Finsternis in den vierziger, fünfziger, sechziger und siebziger Jahren in den geistigen Regionen bei ihrem Kampf, den sie gegen die Anhänger des Michael geführt haben. Nun sind sie seit dem Herbste 1879 hier unten, unter den Menschen. Das alles haben sie nicht erreicht, was sie angestrebt haben: Der Spiritismus wird nicht allgemeine Menschheitsüberzeugung werden; die Menschen werden nicht, vom materialistischen Standpunkte aus gesprochen, so gescheit werden, daß sie vor lauter Gescheitheit selber sich überschlagen. Die spirituellen Wahrheiten werden unter den Menschen Wurzel fassen.

[ 9 ] There you have images that can make clear to you what the intentions of the spirits of darkness were in the 1840s, 1850s, 1860s, and 1870s in the spiritual realms during the battle they waged against the followers of Michael. Now they have been down here among humanity since the fall of 1879. They have not achieved all that they set out to do: Spiritism will not become the universal belief of humanity; people will not, from a materialistic point of view, become so clever that they trip over themselves in their own cleverness. Spiritual truths will take root among humanity.

[ 10 ] Aber die Geister der Finsternis sind dafür unter uns, sie sind da. Wir müssen Wache halten, damit wir merken, wo sie uns begegnen, damit wir Anschauungen darüber gewinnen, wo sie vorhanden sind. Denn das Gefährlichste in der nächsten Zukunft wird sein, sich unbewußt den Einflüssen auszuliefern, die ja doch da sind. Denn ob sie der Mensch kennt oder nicht kennt, das macht keinen Unterschied für ihre Realität.

[ 10 ] But the spirits of darkness are among us; they are here. We must remain vigilant so that we can recognize where we encounter them, so that we can gain insight into where they are present. For the greatest danger in the near future will be to unconsciously surrender to the influences that are, after all, already there. For whether a person is aware of them or not makes no difference to their reality.

[ 11 ] Vor allen Dingen aber wird es sich für diese Geister der Finsternis darum handeln, dasjenige, was nun auf der Erde sich verbreitet und in dem die Geister des Lichtes in ihrer richtigen Richtung fortwirken können, das in Verwirrung zu bringen, das in falsche Richtungen zu bringen. Ich habe auf eine solche falsche Richtung, die zu den paradoxesten gehört, schon hingewiesen. Ich habe Sie darauf hingewiesen, daß ja freilich die Menschenleiber sich so entwickeln werden, daß in ihnen eine gewisse Spiritualität Platz finden kann, daß aber der materialistische Sinn, der sich immer mehr ausbreiten wird durch die Anweisungen der Geister der Finsternis, dagegen arbeiten und mit materiellen Mitteln dagegen kämpfen wird. Ich habe Ihnen gesagt, daß die Geister der Finsternis ihre Kostgeber, die Menschen, in denen sie wohnen werden, dazu inspirieren werden, sogar ein Impfmittel zu finden, um den Seelen schon in frühester Jugend auf dem Umwege durch die Leiblichkeit die Hinneigung zur Spiritualität auszutreiben. Wie man heute die Leiber impft gegen dies und jenes, so wird man zukünftig die Kinder mit einem Stoff impfen, der durchaus hergestellt werden kann, so daß durch diese Impfung die Menschen gefeit sein werden, die «Narrheiten» des spirituellen Lebens nicht aus sich heraus zu entwickeln, Narrheiten selbstverständlich im materialistischen Sinne gesprochen.

[ 11 ] Above all, however, these spirits of darkness will seek to throw into confusion and lead astray that which is now spreading across the Earth and within which the spirits of light can continue to work in their proper direction. I have already pointed out one such false direction, which is among the most paradoxical. I have pointed out to you that, while human bodies will indeed develop in such a way that a certain spirituality can find a place within them, the materialistic mindset—which will spread ever more widely through the instructions of the spirits of darkness—will work against this and fight against it with material means. I have told you that the spirits of darkness will inspire their hosts—the people in whom they will dwell—to even find a vaccine to drive out the inclination toward spirituality in souls from their earliest youth, indirectly through the physical body. Just as bodies are vaccinated against this and that today, so in the future children will be vaccinated with a substance that can certainly be produced, so that through this vaccination people will be immune to developing the “follies” of spiritual life—follies, of course, in the materialistic sense.

[ 12 ] Begonnen — mehr auf literarischem Gebiete, wo es aber unschädlicher ist — hat ja die Sache schon. Ich habe Sie darauf hingewiesen, daß Schriften sehr gelehrter Mediziner erschienen sind über die Pathologie verschiedener Genies. Sie wissen: Conrad Ferdinand Meyer, Viktor Scheffel, Nietzsche, Schopenhauer, Goethe, alle hat man dadurch als Genies zu begreifen versucht, daß man dieses oder jenes Pathologische in ihnen nachgewiesen hat. Und was das Aufregendste, möchte ich sagen, auf diesem Gebiete ist, das ist, daß man auch den Christus Jesus vom pathologischen Standpunkte aus, die Evangelien vom pathologischen Standpunkte aus zu begreifen versucht hat. Es gibt zwei Schriften heute schon, welche die Entstehung des Christentums zurückführen darauf, daß einmal im Beginn der neuzeitlichen Zeitrechnung ein seelisch und geistig unnormaler Mensch gelebt hat, der in Palästina als Jesus herumgegangen ist und aus seinen Seelenkrankheitserscheinungen die Menschen mit dem Christentum angesteckt hat. Zwei Schriften gibt es auch über die Pathologie des Christus Jesus.

[ 12 ] This trend has already begun—more so in the literary sphere, where it is, however, less harmful. I have pointed out to you that highly learned physicians have published works on the pathology of various geniuses. As you know: Conrad Ferdinand Meyer, Viktor Scheffel, Nietzsche, Schopenhauer, Goethe—people have attempted to understand them all as geniuses by demonstrating this or that pathological trait in them. And what is most disturbing, I would say, in this field is that people have also attempted to understand Jesus Christ from a pathological standpoint, and the Gospels from a pathological standpoint. There are already two works today that trace the origins of Christianity back to the fact that, once, at the beginning of the modern era, a mentally and spiritually abnormal person lived who walked the earth in Palestine as Jesus and, through the manifestations of his mental illness, infected people with Christianity. There are also two works on the pathology of Jesus Christ.

[ 13 ] Das, wie gesagt, sind die unschuldigen, literarischen Anfänge. Das alles tendiert aber dahin, zuletzt das Mittel zu finden, durch das man die Leiber impfen kann, damit sie nicht Neigungen zu spirituellen Ideen aufkommen lassen, sondern ihr ganzes Leben hindurch nur an die sinnenfällige Materie glauben. So, wie man aus den Impulsen, welche die Medizin aus der Schwindelsucht — pardon, verzeihen Sie —, aus der eigenen Schwindsucht heraus gewonnen hat, gegen die Schwindsucht heute impft, so wird man impfen gegen die Anlage zur Spiritualität. Das soll nur hinweisen auf ein besonders paradox Hervorragendes unter vielem andern, was auf diesem Gebiet im Laufe der nächsten und ferneren Zukunft auftreten wird, damit das, was durch den Sieg der Geister des Lichtes aus den geistigen Welten auf die Erde herniederströmen will, in Verwirrung komme.

[ 13 ] As I said, these are the innocent, literary beginnings. But all of this ultimately tends toward finding a means by which bodies can be “vaccinated” so that they do not develop a penchant for spiritual ideas, but instead believe only in sensory matter throughout their entire lives. Just as we now vaccinate against consumption using the insights medicine has gained from vertigo—pardon me—from consumption itself, so too will we vaccinate against the predisposition toward spirituality. This is merely to point out one particularly paradoxical and remarkable development among many others that will arise in this field in the near and distant future, so that what seeks to stream down to Earth from the spiritual worlds through the victory of the spirits of light may be thrown into confusion.

[ 14 ] Dazu müssen natürlich zuerst die Weltanschauungen, die Auffassungen der Menschen verworren gemacht werden, die Begriffe, die Vorstellungen müssen zunächst verkehrt werden. Und hier ist ein ernstes Gebiet, auf das man sehr wachsam hinschauen soll, denn dieses Gebiet gehört zu den wichtigsten Hintergründen der Ereignisse, die sich gegenwärtig vorbereiten.

[ 14 ] To achieve this, of course, people’s worldviews and perceptions must first be confused; concepts and ideas must first be turned upside down. And this is a serious area that requires close scrutiny, for it is one of the most important underlying factors behind the events currently unfolding.

[ 15 ] Ich wähle meine Ausdrücke vorsätzlich exakt. Ich sage «vorbereiten» und bin mir wohl bewußt, daß, wenn jemand von vorbereiten spricht, nachdem dasjenige stattgefunden hat, was in den letzten drei Jahren stattgefunden hat, er schon Bedeutungsvolles sagt, denn wer tiefer in die Dinge hineinsieht, weiß, daß es sich um Vorbereitungen handelt. Nur der Oberflächliche kann glauben, daß morgen oder übermorgen dasjenige, was nicht im alten Sinne ein Krieg ist, durch einen Frieden im alten Sinne abgeschlossen werden kann. Nur wer die Ereignisse recht oberflächlich beurteilt, kann solches glauben. Wohl werden es viele glauben, wenn äußerlich dies oder jenes eintritt, was solchen Vorstellungen ähnlich sieht, wie mancher sie sich macht; dann wird man aber nicht bedenken, was unter der Oberfläche schlummern wird.

[ 15 ] I choose my words deliberately and precisely. I say “prepare,” and I am well aware that when someone speaks of preparation after what has taken place over the last three years, they are already saying something significant, for anyone who looks more deeply into matters knows that these are indeed preparations. Only the superficial person can believe that tomorrow or the day after, what is not a war in the old sense can be brought to a close by a peace in the old sense. Only those who judge events quite superficially can believe such a thing. Many will indeed believe it if, outwardly, this or that occurs that resembles the ideas some people have formed; but then they will not consider what lies dormant beneath the surface.

[ 16 ] Es ist im großen und es ist auch im einzelnen interessant, hinzublicken auf die Jahrzehnte seit den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Eine Charakteristik im allgemeinen haben wir ja in diesen Wochen hier empfangen, und ich habe sie ja auch heute bis zu einem gewissen Grade wiederum zu geben versucht. Gerade wenn man repräsentative Persönlichkeiten ins Auge faßt — und in Persönlichkeiten repräsentiert sich ja dasjenige, was an geistigen Impulsen in der Entwickelung kraftet —, dann findet man auch im einzelnen, daß sich das bewahrheitet, was als allgemeine Erkenntnisse einem aufleuchtet. Ich möchte ein klein scheinendes Beispiel anführen. Ich habe schon im vorigen Jahre auf diese Sache hingewiesen.

[ 16 ] It is interesting, both in the big picture and in the details, to look back at the decades since the 1840s. We have, after all, received a general characterization of this period here in recent weeks, and I have also tried today, to a certain extent, to convey it once again. Especially when one considers representative figures—and it is in these figures that the spiritual impulses driving development are embodied—one finds, even in the particular details, that what emerges as general insights is indeed borne out. I would like to cite a seemingly minor example. I already referred to this matter last year.

[ 17 ] Goethes «Faust» ist von vielen Leuten kommentiert worden. Viele Leute haben Goethes «Faust» erklärt. Einer derjenigen, die ihn nicht untief, sondern in einem gewissen Sinne tief erklärt haben, ist Oswald Marbach. Man kann schon sagen, am wenigsten tief in der «Faust»-Erklärung waren eigentlich die Literaturhistoriker, weil es deren akademischer Beruf ist, die Sache zu verstehen, was ja vielfach ein Hindernis ist, sie wirklich zu verstehen. Oswald Marbach hat deshalb gute Worte über den «Faust» gesprochen in seinem Buche, «Goethes Faust Teil I und II, erklärt von Oswald Marbach», weil er nicht eigentlich Literaturhistoriker war. Er hat an der Universität Leipzig über Goethes «Faust» vorgetragen, über Mathematik, Mechanik, Technologie. Und in der gegenwärtigen Zeit ist eigentlich die Vertiefung in Marbachs Mechanik und Technologie ein besseres Mittel, an die Weltengeheimnisse heranzukommen als das, was die Historiker oder Literaturhistoriker in ihrem Sinne als heutige Wissenschaft verzeichnen. Aber gerade bei Oswald Marbach tritt uns etwas sehr Merkwürdiges entgegen. In den vierziger Jahren hat er über Goethes «Faust» gesprochen, dann nicht mehr, nicht mehr am Ende der vierziger Jahre, nicht in den fünfziger, sechziger, siebziger Jahren. Erst am Ende der siebziger Jahre und in den achtziger Jahren hat er die Vorträge über Goethes «Faust» wieder aufgenommen. In der Zwischenzeit hat er nur über Mathematik, Mechanik und Technologie gesprochen, das heißt sich denjenigen Wissenschaften gewidmet, bei denen man am meisten Gelegenheit gerade in der damaligen Zeit hatte, den menschlichen Scharfsinn, die menschliche Kritik zu pflegen. Sehr interessant ist es, wie er in der Vorrede sich darüber ausspricht:

[ 17 ] Goethe’s Faust has been commented on by many people. Many people have interpreted Goethe’s Faust. One of those who interpreted it not superficially, but in a certain sense deeply, is Oswald Marbach. One could even say that literary historians were actually the least profound in their interpretation of Faust, because it is their academic profession to understand the work—which is often an obstacle to truly understanding it. Oswald Marbach therefore had good things to say about Faust in his book, Goethe’s Faust, Parts I and II, Explained by Oswald Marbach, because he was not actually a literary historian. He lectured at the University of Leipzig on Goethe’s Faust, as well as on mathematics, mechanics, and technology. And in the present day, delving into Marbach’s mechanics and technology is actually a better means of approaching the mysteries of the world than what historians or literary historians record as modern scholarship in their own terms. But with Oswald Marbach in particular, we encounter something very peculiar. In the 1940s, he spoke about Goethe’s Faust, but then he stopped—not at the end of the 1940s, nor in the 1950s, 1960s, or 1970s. It was not until the end of the 1970s and into the 1980s that he resumed his lectures on Goethe’s Faust. In the meantime, he spoke only about mathematics, mechanics, and technology—that is, he devoted himself to those sciences in which, especially at that time, there were the most opportunities to cultivate human acumen and human critical thinking. It is very interesting to see how he expresses this in the preface:

[ 18 ] «Schon vor 30-40 Jahren habe ich an der Universität Leipzig Vorlesungen über Goethes «Faust gehalten» — das Buch ist 1881 erschienen — «und erst in neuester Zeit (1875) habe ich diese Vorlesungen wieder aufgenommen und fortgesetzt. Woher diese lange Pause? Da wirkte vieles zusammen, Äußeres und Inneres, Objektives und Subjektives. Ich wurde älter und alt und die akademische Jugend auch: jedes neue Semester brachte ein grämlicheres Geschlecht;» — gescheiter wurden die Leute, aber für den, der tiefer beobachtete, grämlicher! — «es schwand das freie Interesse des Geistes an ihm selber immer mehr zusammen, es kam über uns eine Zeit, wo das Nützliche mehr galt als das Schöne. Seit 30 Jahren habe ich mehr der «Not gehorchend als dem eignen Triebe in meiner akademischen Tätigkeit Philosophie und Poesie beiseite geschoben und dafür die exakten Wissenschaften doziert: Mathematik, Physik, Technologie.»

[ 18 ] “As early as 30–40 years ago, I gave lectures on Goethe’s Faust at the University of Leipzig—the book was published in 1881—and it was only very recently (1875) that I resumed and continued these lectures. Why this long hiatus? Many factors came into play—external and internal, objective and subjective. I grew older and old, and so did the academic youth: each new semester brought a more morose generation;”—people became smarter, but to the keen observer, more morose! — “The mind’s free interest in itself dwindled more and more; a time came upon us when the useful was valued more than the beautiful. For 30 years, obeying necessity rather than my own impulse in my academic work, I have set aside philosophy and poetry and instead lectured on the exact sciences: mathematics, physics, and technology.”

[ 19 ] Es war in der Zeit des materialistischen Scharfsinns. Sehr interessant ist ein Satz dieser Vorrede, sehr, sehr interessant! Denn dieser Satz deutet klar auf dasjenige hin, worauf es für diese Zeit ankommt. Dieser Satz besagt, daß Oswald Marbach in seinem Bewußtsein der Meinung war, er habe immer, ob er nun den «Faust» in alten Zeiten interpretierte, ob er Technologie vortrug, das gemacht, was er wollte. Jetzt aber, als er wieder zum «Faust» zurückkehrt und ihn neuerdings interpretiert, gesteht er sich, er sei mit dieser Meinung einer Illusion verfallen, er hätte nur dem Geiste der Zeit gehorcht. Wenn nur recht viele Menschen zu der Erkenntnis kommen würden, wie sehr sie in Illusionen leben. Denn Illusionen über die Menschen hinzuweben und durch die menschlichen Gehirne hindurchzuweben, durch die menschlichen Herzen hindurchfließen zu lassen, das war schon das Ideal der Geister der Finsternis vor 1879 und ist es besonders nach 1879 geworden, wo diese Geister im Reiche der Menschen unter uns wandeln.

[ 19 ] It was during the era of materialistic acumen. One sentence in this preface is very interesting—very, very interesting! For this sentence clearly points to what was essential for that era. This sentence states that Oswald Marbach was convinced that, whether he was interpreting Faust in the past or lecturing on technology, he had always done what he wanted. But now, as he returns to Faust and interprets it anew, he admits to himself that, with this belief, he had fallen prey to an illusion; he had merely obeyed the spirit of the times. If only a great many people would come to realize how deeply they live in illusions. For weaving illusions about human beings and weaving them through human brains, allowing them to flow through human hearts—that was already the ideal of the spirits of darkness before 1879, and it has become so especially since 1879, when these spirits began to walk among us in the realm of humanity.

[ 20 ] Aber noch eins ist interessant, wenn man solch einen Menschen betrachtet, der gewissermaßen repräsentiert dasjenige, was da vom Himmel auf die Erde heruntergewirkt hat. Er sagt — und das entspricht auch der Geschichte —, daß er, als er in den vierziger Jahren den «Faust» an der Universität erklärt hat, vorzugsweise über den ersten Teil gesprochen hat, für den zweiten Teil gab es da kein Interesse. Als er dann begonnen hat, wir können sagen, nach dem Siege Michaels über den Drachen, wiederum über den «Faust» Vorlesungen zu halten, da hat er vorzugsweise den zweiten Teil zu erklären versucht. Es war in der Tat die Zeit des Scharfsinns, die Zeit der Kritik nicht geeignet, den zweiten Teil von Goethes «Faust» zu verstehen. Wird doch dieser zweite Teil von Goethes «Faust», der eines der bedeutendsten Testamente des Goetheanismus ist, heute noch immer in vieler Beziehung recht, recht wenig verstanden. Es ist ja auch höchst unbequem, ihn zu verstehen. Denn die Menschen leben heute in einem Milieu drinnen, das eigentlich nirgends so humoristisch, nirgends mit solcher Ironie behandelt wird wie im zweiten Teil von Goethes «Faust». Die Menschen leben heute in einem Milieu, das sich nach und nach heraufentwickelt hat seit dem 16. Jahrhundert, die Menschen preisen das, was sich seit dem 16. Jahrhundert heraufentwickelt hat, als die großen, hervorragenden Errungenschaften unserer Zeit, sind ganz wollüstig in diesen Ergebnissen seit dem 16. Jahrhundert. Goethe, der mit seiner Seele nicht nur in seiner Zeit gelebt hat, sondern der sich auch mit seiner Seele versetzen konnte in das 20. Jahrhundert, hat den zweiten Teil seines «Faust» für das 20. Jahrhundert, für das 21. Jahrhundert, für die folgenden Jahrhunderte geschrieben. Das wird man erst verstehen. Aber er mußte dazu hineingeheimnissen eine ironisch-humoristische Behandlung großen Stiles der Entwickelung seit dem 16. Jahrhundert. Sehen wir doch, wie jene Entwickelung, die so bewundert wird, die sich seit dem 16. Jahrhundert gebildet hat, von der heute die Kulturvölker leben, von Goethe im «Faust» als eine Machination des Mephisto behandelt wird. Denn noch viel mehr als das Papiergespenst der Gulden, das ja auch eine Schöpfung des Mephisto ist, ist all das, was sich als so Glorioses seit dem 16. Jahrhundert entwickelt hat, als Schöpfung des Mephisto von Goethe hingestellt. Die Menschheit wird einmal die Schöpfungen seit dem 16. Jahrhundert großartig ironisch behandelt finden in denjenigen Teilen des zweiten Teiles des «Faust», wo gegen den spirituell strebenden Faust der die Geister der Finsternis repräsentierende Mephisto alles das im Grunde genommen erfindet, woran die Menschheit der neueren Zeit hängt und immer mehr noch hängen wird, besonders im 20. Jahrhundert.

[ 20 ] But there is one more interesting point when considering such a person, who, in a sense, represents that which has worked its way down from heaven to earth. He says—and this also corresponds to the historical record—that when he lectured on Faust at the university in the 1940s, he spoke primarily about the first part; there was no interest in the second part. When he then began—we might say, after Michael’s victory over the dragon—to give lectures on Faust once again, he focused primarily on explaining the second part. Indeed, it was the age of intellectual acuity, the age of criticism, which was not suited to understanding the second part of Goethe’s Faust. After all, this second part of Goethe’s Faust—which is one of the most significant testaments of Goetheanism—is still, in many respects, very, very little understood today. It is, after all, extremely difficult to understand. For people today live in an environment that is actually treated nowhere with such humor, nowhere with such irony, as in the second part of Goethe’s Faust . People today live in a milieu that has gradually developed since the 16th century; they praise what has developed since the 16th century as the great, outstanding achievements of our time, and they revel in these results dating back to the 16th century. Goethe, whose spirit not only lived in his own time but who was also able to transport his spirit into the 20th century, wrote the second part of his Faust for the 20th century, for the 21st century, and for the centuries to come. This will only be understood in time. But to do so, he had to weave into the mysteries an ironic and humorous treatment, in grand style, of the development since the 16th century. Let us see, after all, how that development—which is so admired, which has taken shape since the 16th century, and upon which civilized peoples depend today—is treated by Goethe in Faust as a machination of Mephisto. For even more so than the paper specter of the guilder—which is, after all, also a creation of Mephisto—everything that has developed as something so glorious since the 16th century is presented by Goethe as a creation of Mephisto. Humanity will one day find the creations since the 16th century treated with magnificent irony in those sections of the second part of Faust where Mephisto—representing the spirits of darkness—invents, in essence, everything to which modern humanity clings and will cling even more, especially in the 20th century.

[ 21 ] Viel von dem, was einem helfen kann, wachsam zu sein, ist schon in diesen zweiten Teil des «Faust» hineingeheimnißt. Und daß ein Mensch, der an der Hand der Physik, der Mechanik, der Mathematik, der Technologie der Zeit ihr Geheimnis abgelauscht hat, sich gerade nach dem Sieg Michaels über den Drachen hingezogen fühlt, nunmehr vom zweiten Teile zu sprechen, nachdem er vor Jahrzehnten nur vom ersten Teile gesprochen hat, der dazumal allein verstanden werden konnte, das ist schon ein tief bedeutsames Symptom.

[ 21 ] Much of what can help one to remain vigilant is already enshrined in this second part of Faust. And the fact that a person who, through physics, mechanics, mathematics, and the technology of the age, has discerned its secret, now feels drawn precisely to the story of Michael’s victory over the dragon—and now speaks of the second part, after having spoken for decades only of the first part, which at that time was the only part that could be understood—is in itself a deeply significant symptom.

[ 22 ] Wir haben ja besonders im Laufe des vorigen Jahres gesehen, wie die Geisteswissenschaft Schritt für Schritt einen führt, um dasjenige, was Goethe erst in Bildern ausdrücken konnte, zu beleben, um dessen tieferen Sinn zu finden im zweiten Teile des «Faust». Selbstverständlich kann nicht aus dem «Faust» die Geisteswissenschaft abgeleitet werden, aber wenn man die Geisteswissenschaft hat, so sind die grandiosen Bilder Goethes im zweiten Teil des «Faust» und auch die großartigen Ausführungen in «Wilhelm Meisters Wanderjahre», erst recht mit Licht zu durchsetzen.

[ 22 ] We have seen, especially over the course of the past year, how spiritual science guides us step by step to bring to life what Goethe could initially express only in images, and to discover its deeper meaning in the second part of Faust. Of course, spiritual science cannot be derived from Faust, but once one possesses spiritual science, Goethe’s magnificent imagery in the second part of Faust—as well as the magnificent passages in Wilhelm Meister’s Journeyman Years—can be illuminated all the more clearly.

[ 23 ] Damit berühren wir die eine Strömung, die unter dem Einfluß der fortschreitenden Geister des Lichtes immer mehr und mehr an Boden gewinnen muß gegenüber den Bestrebungen der Geister der Finsternis und die an Boden gewinnen wird, wenn ihnen die Menschen wachsam gegenübertreten. Diese drei Jahre, sie sind wie eine Aufforderung zum Wachsamwerden, wenn auch noch nicht eine annähernd genügend große Anzahl von Seelen in der Lage ist, den Ruf in der rechten Weise zu vernehmen, denn man hat ja das Walten der entgegengesetzten Strömung allüberall beobachten können. Gerade, ich möchte sagen, am Beginne der Möglichkeit eines spirituellen Lebens sind die Geister der Hindernisse ganz besonders am Platze. Charakteristische Dinge haben wir erlebt, werden wir weiter erleben. Solche Dinge heute auch nur andeutungsweise auszusprechen, ruft immer nur Mißverständnis über Mißverständnis hervor. Heute ist die geistige Atmosphäre, in der die Menschheit lebt, so sehr mit dem Willen zum Mißverständnis imprägniert, daß einem die Worte gleich auf etwas anderes gedeutet werden, als auf das sie gemünzt sind, wenn man sie ausspricht. Man muß sich der Menschenworte bedienen, die nach dem oder jenem anklingen. Heute urteilen so viele aus nationalen Leidenschaften heraus, daß, wenn man einen Angehörigen dieses oder jenes Volkes in der oder jener Weise eben einfach als Mensch charakterisieren muß, der auf der Erde lebt, einem das übelgenommen wird von den Angehörigen des Volkes, dem dieser Mensch angehört, obwohl diese Dinge gar nichts miteinander zu tun haben. Urteile über irgendein Volk und Urteile über die Menschen, die zum Beispiel an den heutigen Ereignissen beteiligt sind, haben nichts miteinander zu tun. Denn der Glaube, daß das Unwetter der gegenwärtigen Zeit auf den Dingen beruht, von denen heute allgemein geredet wird, dieser Glaube ist ein besonders schädlicher, weil er ein besonders unsinniger ist. Die Gründe liegen viel tiefer und haben zunächst eigentlich überhaupt nach gewissen Seiten hin — ich betone das — , nach gewissen Seiten hin mit nationalen Aspirationen nicht viel zu tun. Die nationalen Aspirationen werden nur benützt von gewissen Mächten, von denen aber die Mehrheit der Menschheit nichts wissen will, aus Oberflächlichkeit nichts wissen will. Man wird schon noch eine Zeitlang warten müssen, bis Objektivität auf diesem Gebiete einzieht. Heute ist es der Menschheit zum großen Teil bequem, groß und umfassend diejenigen Ideen zu finden, die geprägt sind in dem Kopfe, der nicht mehr umfaßt als ein Schulmeister, welcher eben das Lehramtsexamen durchgemacht hat und nun losgelassen wird sonst nur auf die Schüler, in diesem Falle aber auf die Menschheit. Ich habe schon öfter darauf hingewiesen, daß es dieser furchtbaren Zeit, dieses Hereingebrochenseins dieser furchtbaren Zeit nicht bedurft hat, um von einem geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus ein objektives Urteil über Woodrow Wilson zu gewinnen. Denn ich habe schon 1913 in meinen Helsingforser Vorträgen — Sie können das nachlesen in jenem Vortragszyklus «Die okkulten Grundlagen der Bhagavad Gita» — auf die Weltschulmeisterei des Woodrow Wilson hinlänglich hingewiesen, habe gezeigt, aus welchen seichten Oberflächengebieten heraus stammt, was von diesem Menschen ausgeht. Es war wirklich nicht notwendig für mich, erst durch die letzten Jahre gezwungen zu werden, ein Urteil über Woodrow Wilson zu gewinnen. Aber dazumal war man eben ein unzeitgemäßer Geist, wenn man so über Woodrow Wilson urteilte, denn dazumal war noch die Zeit, wo die Gymnasiastenabhandlungen des Woodrow Wilson über Freiheit und über Kultur und Literatur in die europäischen Sprachen übersetzt worden sind. Und noch lange wird die Zeit nicht gekommen sein, wo man sich schämen wird, die Gymnasiastenlehrerpolitik des Woodrow Wilson als etwas Ernsthaftes hinzunehmen.

[ 23 ] This brings us to a movement that, under the influence of the advancing spirits of light, must gain more and more ground against the efforts of the spirits of darkness—and will indeed gain ground if people remain vigilant in the face of them. These three years are like a call to become vigilant, even if not nearly enough souls are yet able to hear the call in the right way, for the dominance of the opposing current has been observable everywhere. Precisely, I would say, at the very beginning of the possibility of a spiritual life, the spirits of obstacles are particularly prevalent. We have experienced characteristic phenomena, and we will continue to experience them. Even to allude to such things today invariably gives rise to misunderstanding upon misunderstanding. Today, the spiritual atmosphere in which humanity lives is so deeply imbued with a will to misunderstand that, the moment one utters these words, they are immediately interpreted to mean something other than what they were intended to convey. One must make use of human words that resonate with one thing or another. Today, so many people judge out of national passions that if one simply has to characterize a member of this or that nation in this or that way—simply as a human being living on Earth—one is resented by the members of the nation to which that person belongs, even though these things have absolutely nothing to do with one another. Judgments about any given nation and judgments about the people who are, for example, involved in today’s events have nothing to do with one another. For the belief that the storm of our times is based on the things that are generally discussed today—this belief is particularly harmful because it is particularly nonsensical. The reasons lie much deeper and, at first glance—and I emphasize this—actually have very little to do with national aspirations in certain respects. National aspirations are merely being exploited by certain powers, about which the majority of humanity does not want to know anything—out of superficiality, they do not want to know anything. We will have to wait a while longer before objectivity takes hold in this area. Today, it is largely convenient for humanity to find grand and comprehensive ideas that are shaped in the mind of someone whose understanding extends no further than that of a schoolteacher who has just passed his teaching exam and is now set loose—not merely on his students, as is usually the case, but in this instance on all of humanity. I have pointed out on more than one occasion that this terrible time—the onset of this terrible time—was not necessary in order to arrive at an objective judgment of Woodrow Wilson from a spiritual-scientific perspective. For as early as 1913, in my Helsinki lectures—you can read about this in that lecture series, “The Occult Foundations of the Bhagavad Gita”—I had already sufficiently pointed out Woodrow Wilson’s role as a world schoolmaster and shown from which shallow, superficial realms what emanates from this man originates. It really was not necessary for me to be compelled by the events of recent years to form a judgment about Woodrow Wilson. But back then, one was simply considered an anachronistic spirit if one judged Woodrow Wilson in this way, for that was still the time when Woodrow Wilson’s high school essays on freedom, culture, and literature were being translated into European languages. And the time is still far off when people will be ashamed to take Woodrow Wilson’s high-school-level politics seriously.

[ 24 ] Überall sind diejenigen Mächte am Werke, die als Geister der Finsternis die menschliche Seele umnebeln. Und wenn die Menschheit einmal aufwachen wird aus der Dunstsphäre, in der sie gegenwärtig schläft, wird sie nicht begreifen können, wie es möglich war, daß man es nicht als eine Schande empfand für den Beginn des 20. Jahrhunderts, sich von einem Woodrow Wilson und seiner Weisheit gängeln zu lassen! Erst wenn man beginnen wird, Schamgefühl zu empfinden über das, was heute möglich ist, wird ein Moment des Aufwachens kommen.

[ 24 ] Everywhere, those forces are at work that, as spirits of darkness, cloud the human soul. And when humanity finally awakens from the hazy realm in which it currently slumbers, it will be unable to comprehend how it was possible that, at the dawn of the 20th century, people did not consider it a disgrace to be led by the nose by a Woodrow Wilson and his so-called wisdom! Only when people begin to feel a sense of shame about what is possible today will a moment of awakening come.

[ 25 ] Es ist eben schwer in der heutigen Zeit, das zu sagen, was aus der Wahrheit eingegeben ist, weil es gar zu sehr gegen dasjenige klingt, was sich die Leute heute einimpfen lassen. Und es ist schwer, sich ein freies, unabhängiges Urteil zu bilden in dieser Atmosphäre, die nicht nur durch die drei letzten Jahre, sondern durch alles das gebildet worden ist, was ich in meinen Wiener Vorträgen das soziale Karzinom, die soziale Krebskrankheit genannt habe. Gegenüber diesen Dingen ist es notwendig, mit Ernst sich zu erfüllen und nicht mit denjenigen Begriffen und Ideen sie aufzunehmen, die man bis in das 20. Jahrhundert herein gewohnt war, als Beurteilungskriterien zu gebrauchen. Man wird dahin kommen müssen einzusehen, daß die Gegenwart die Unzulänglichkeit, ja die Unmöglichkeit der Vorstellungen beweist, in die sich die Menschheit eingelebt hat, und daß es eine weltgeschichtliche Ungehörigkeit ist, wenn immer wieder die Menschen aus dem heraus urteilen, was ja die heutige Zeit heraufgeführt hat und was ja widerlegt ist dadurch, daß diese Zeit eben gekommen ist. Glaubt man, daß man diese Zeit korrigieren wird mit denselben Grundsätzen, die sie herbeigeführt haben? Darin wird man wahrhaftig sich täuschen.

[ 25 ] It is indeed difficult in this day and age to speak the truth as it is revealed, because it sounds far too much like a contradiction to what people have come to accept today. And it is difficult to form a free, independent judgment in this atmosphere, which has been shaped not only by the last three years, but by everything I have called the “social carcinoma,” the “social cancer,” in my Vienna lectures. In the face of these things, it is necessary to take them seriously and not to approach them with the concepts and ideas that we were accustomed to using as criteria for judgment well into the 20th century. We will have to come to realize that the present proves the inadequacy—indeed, the impossibility—of the concepts to which humanity has become accustomed, and that it is a historical absurdity for people to repeatedly judge based on what has brought about the present era—an era that has, in fact, been refuted by its very arrival. Do people believe that this era can be corrected using the very same principles that brought it about? In this, they are truly mistaken.

[ 26 ] Die Menschheit hat eine gewisse Summe von Kulturerrungenschaften heraufgebracht aus den vergangenen Zeiten: Die werden jetzt aufgebraucht werden. Man kann täglich sehen, wie sie aufgebraucht werden, ohne daß nachgeschafft wird. Wie wenig ist heute noch der Sinn dafür verbreitet, derlei Dinge in ihrer ganzen Schwere zu verstehen und zu durchschauen. Viele Menschen denken heute noch in ganz derselben Weise, wie sie im Jahre 1913 gedacht haben. Der Verstand, den sie dazumal angewendet haben, von dem denken sie, daß er ausreichen wird auch für das Jahr 1917, ohne so viel Wirklichkeitssinn zu haben, daß dieser Verstand innig zusammenhängt damit, daß er das Jahr 1917 hervorgebracht hat und daß er das nicht zugleich heilen kann.

[ 26 ] Humanity has amassed a certain body of cultural achievements from times past: these are now being depleted. One can see every day how they are being depleted without anything new being created to replace them. How little understanding there is today of the gravity of such matters and the need to see through them. Many people today still think in exactly the same way as they did in 1913. They believe that the intellect they employed back then will suffice for the year 1917 as well, without having enough sense of reality to realize that this intellect is intrinsically linked to the fact that it brought about the year 1917 and that it cannot simultaneously remedy it.

[ 27 ] Sich recht sehr zu vertiefen in das, was seit dem Sturz der Geister der Finsternis geschehen ist, seit der Zeit, da die Geister der Finsternis unter uns wandeln, möglichst viel zu verstehen von dem, was in den achtziger, neunziger Jahren und in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts der Menschheit heraufgezogen ist, das ist gut für die Gegenwart. Denn über diese Dinge haben die Menschen die allerkonfusesten Urteile.

[ 27 ] To delve quite deeply into what has happened since the fall of the spirits of darkness—since the time when the spirits of darkness have been walking among us—and to understand as much as possible about what has befallen humanity in the 1880s, 1890s, and the first two decades of the 20th century—this is beneficial for the present. For people have the most confused opinions about these matters.

[ 28 ] Dann herrscht vor allen Dingen keine rechte Vorstellung über den radikalen Unterschied im ganzen Fühlen und Empfinden der Menschen nach dem Jahre 1879 gegenüber dem vorherigen Fühlen und Empfinden der Menschen. Und auch da kann die Vertiefung in so etwas wie den zweiten Teil von Goethes «Faust» weiterhelfen, der ja zu Goethes Zeit nicht verstanden werden konnte, weil er eine Kritik desjenigen ist, was Goethe eigentlich als Inhalt des 20. Jahrhunderts erlebt hat. Da kann das Verständnis des zweiten Teiles des «Faust» sehr gut weiterhelfen. Es ist ein charakteristisches Symptom, daß ein solcher Mensch, wie Oswald Marbach, zum zweiten Teil des «Faust» erst nach dem Sturze der Geister der Finsternis geführt wird.

[ 28 ] Above all, there is no real understanding of the radical difference in people’s entire way of feeling and perceiving after 1879 compared to their previous way of feeling and perceiving. And here, too, delving into something like the second part of Goethe’s Faust can be helpful; after all, it could not be understood in Goethe’s time because it is a critique of what Goethe actually experienced as the essence of the 20th century. Understanding the second part of Faust can be very helpful in this regard. It is a characteristic symptom that a person such as Oswald Marbach is led to the second part of Faust only after the fall of the spirits of darkness.

[ 29 ] An so gearteten Erkenntnissen und Impulsen muß man sich hinaufranken zu dem, was für die Gegenwart notwendig ist. Denn vieles von dem, was veranlagt war vor dem Jahre 1879, ist nicht erreicht worden. Und dies alles hängt zusammen mit einer bedeutungsvollen Frage, die heute eigentlich auf jede Seele ihre Schatten werfen müßte, die ich heute nur als Frage hinstellen möchte:

[ 29 ] We must use insights and impulses of this kind to work our way up to what is necessary for the present. For much of what was foreshadowed before 1879 has not been achieved. And all of this is connected to a significant question that should actually cast a shadow over every soul today—a question I would like to pose here simply as a question:

[ 30 ] Zu den Ereignissen, unter denen wir gegenwärtig leben, haben es die Menschen zu bringen vermocht. Aber es handelt sich nicht darum, diese Ereignisse bloß zu verstehen, sondern es handelt sich darum, wie aus ihnen herauszukommen ist. Solange aber so wenig Wille ist, die wirklichen tieferen Impulse, die zum heutigen Zeitalter geführt haben, zu durchschauen, so lange wird das praktische Verständnis nicht so weit kommen können, diese Dinge zu verstehen. Man darf nicht glauben, daß es nicht Menschen geben könnte, die die heutige Zeitlage genügend verstehen könnten. Allein man will auf sie nicht hören, wie man nicht hören will auf so etwas wie den Goetheanismus, der schon wie eine Stimme des 20. Jahrhunderts herübertönt. Aber man wird diese Stimme nur recht verstehen, wenn man sich zum Beispiel ein ernstes und würdiges Verständnis erwirbt für das Bedeutsame, das durch den Sturz der Geister der Finsternis im Herbste 1879 geschehen ist. Man wird eben den spirituellen Gang der Menschheit verstehen müssen, wenn man die Gegenwart verstehen will. Deshalb führte ich Oswald Marbach an, dessen Rückschau und vorschauende Gesinnung ich Ihnen schon im vorigen Jahre hier anführte, indem ich Ihnen ein Gedicht mitteilte, das er der Seele Goethes gewidmet hat am Jahrestage, als diese Seele Goethes sich hineinfand in jenen Zusammenhang, der dazumal noch etwas anderes bedeutete, als er heute bedeutet — am Jahrestag, als Goethe sich hineinfand in den Zusammenhang jener Gemeinschaften, die man als freimaurerische oder dergleichen bezeichnete, die dazumal im 18. Jahrhundert noch etwas anderes bedeuteten als heute. Goethe hat von seinem Gesichtspunkte aus so manches durchschauen können von dem, was als solche geheimnisvolle Impulse durch die Welt geht und die die Menschen in ihrer Oberflächlichkeit nur nicht sehen wollen. Oswald Marbach erinnerte, als sich der gekennzeichnete Jahrestag ergab, mit seinen Versen an Goethes Sich-Finden in die geistige Welt:

[ 30 ] Humanity has managed to bring about the events we are currently living through. But the point is not merely to understand these events; rather, it is a matter of how to find a way out of them. However, as long as there is so little willingness to penetrate the real, deeper impulses that have led to the present age, practical understanding will not be able to advance far enough to grasp these things. One must not believe that there could be no people capable of sufficiently understanding the current situation. Yet people do not want to listen to them, just as they do not want to listen to something like Goetheanism, which already resounds like a voice of the 20th century. But one will only truly understand this voice if, for example, one acquires a serious and dignified understanding of the significance of what occurred with the downfall of the spirits of darkness in the fall of 1879. One must simply understand the spiritual course of humanity if one wishes to understand the present. That is why I cited Oswald Marbach, whose retrospective and forward-looking outlook I already mentioned to you here last year when I shared with you a poem he dedicated to Goethe’s soul on the anniversary of the day when that soul of Goethe found its way into that context, which at that time still meant something different from what it means today — on the anniversary of Goethe’s entry into the context of those communities known as Masonic or similar, which in the 18th century still meant something different than they do today. From his own perspective, Goethe was able to see through many of the mysterious impulses that pass through the world and which people, in their superficiality, simply refuse to see. On the occasion of this anniversary, Oswald Marbach commemorated Goethe’s entry into the spiritual world with his verses:

Dir, Bruder, Vater, hoch erhabner Meister!
Dem über ein Jahrhundert heut als Zeichen
Der treusten Lieb’ im Bunde freier Geister
Wir unsre fest verschlungnen Hände reichen;
Der Geister größter und der Freien freister!
Zu dem empor wir streben, ihm zu gleichen;
Dir weih’n wir uns! Dir weih’n wir unsre Söhne,
Daß unsern Bau dereinst Vollendung kröne!

Du hast gestrebt wie wir; doch dein Bestreben
Nach Selbsterkenntnis, die zur Weisheit leitet,
War stets beseelt von urgesundem Leben,
Von Schöpfer-Stärke, die zu Taten schreitet,
Zu Werken, die zum Licht empor sich heben,
Um die der Schönheit Glanz sich ewig breitet:
Du hast wie Israel mit Gott gerungen,
Bis du als Sieger selber dich bezwungen!

Was uns geheimnisvoll mit dir verbündet,
Wird Ungeweihten durch kein Wort verraten;
Doch sei es laut vor allem Volk verkündet
Durch reinster Liebe nimmermüde Taten,
Durch klares Licht, das Geist im Geist entzündet,
Durch ewigen Lebens immergrüne Saaten. —
Voran, o Meister! Wo du hingegangen,
Zieht uns dir nach sehnsüchtigstes Verlangen.

To you, brother, father, most exalted master!
To whom, today, as a symbol spanning over a century,
Of the most faithful love in the fellowship of free spirits,
We extend our firmly clasped hands;
The greatest of spirits and the freest of the free!
Toward whom we strive, to be like him;
To you we dedicate ourselves! To you we dedicate our sons,
So that our edifice may one day be crowned with perfection!

You strove as we do; yet your striving
For self-knowledge, which leads to wisdom,
Was always inspired by a primal, wholesome life,
By the Creator’s strength that strides toward action,
Toward works that rise up toward the light,
Around which the radiance of beauty spreads eternally:
Like Israel, you wrestled with God,
Until, as the victor, you conquered yourself!

What mysteriously unites us with you,
Shall not be revealed to the uninitiated by any word;
Yet let it be proclaimed aloud before all people
Through tireless deeds of the purest love,
Through clear light that kindles spirit within spirit,
Through the evergreen seeds of eternal life. —
Lead on, O Master! Wherever you have gone,
Our most ardent longing draws us after you.

[ 31 ] Solche Gesinnung muß «Erfüllungspforten» entriegeln!

[ 31 ] Such an attitude must unlock the “gates of fulfillment”!