How Individual Spirit Beings Work in the Human Soul
GA 178
15 November 1917, St. Gallen
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How Individual Spirit Beings Work in the Human Soul, tr. SOL
1. Die Erkenntnis Des Übersinnlichen Und Die Menschlichen Seelenrätsel
1. The Knowledge of the Supernatural and the Mysteries of the Human Soul
[ 1 ] Wer die Entwickelung des Menschengeistes im Laufe der Jahrhunderte oder Jahrtausende verfolgt, der wird ein Gefühl davon sich erwerben, wie dieser Menschengeist zu immer neuen und neuen Errungenschaften auf dem Gebiete des Erkennens, auf dem Gebiete des Handelns weiterschreitet. Man braucht ja nicht gerade das Wort Fortschritt zu sehr dabei zu betonen, denn das könnte in der gegenwärtigen traurigen, über die Menschheit hereingebrochenen Zeit in manchem recht herbe Zweifel aufrufen. Aber das andere wird man klar vor Augen haben, wenn man diese Entwickelung des Menschengeistes betrachtet: daß sich die Formen und Gestalten; in denen dieser Menschengeist strebt, von Jahrhundert zu Jahrhundert wesentlich ändern. Und da wir es heute in dieser Betrachtung vorzugsweise zu tun haben mit einer anzustrebenden Erkenntnis, die sich gewissermaßen in der neueren Art in die Menschheitsentwickelung hineinstellen will, so brauchen wir auch nur vergleichsweise zu gedenken, wie solche Anschauungen, welche mit dem Alten in einer gewissen Beziehung in Widerspruch kommen, es schwierig haben, Fuß zu fassen in der sich fortentwickelnden Menschheit. Immer wieder und wieder muß dabei aufmerksam gemacht werden, wie schwierig es zum Beispiel war, den Denkgewohnheiten, den Empfindungsgewohnheiten der Menschen gegenüber die Kopernikanische Weltanschauung zur Geltung zu bringen — auf gewissen Gebieten hat es ja jahrhundertelang gedauert —, jene Weltanschauung, die gebrochen hat mit dem, was die Menschen durch lange Zeit aus ihrer Sinnesanschauung heraus geglaubt haben für die Wahrheit über das Weltengebäude halten zu müssen. Dann kam die Zeit, in der man nicht mehr sich verlassen durfte, sich verlassen konnte auf dasjenige, was Augen sehen über den Aufgang und Untergang der Sonne, über die Bewegung der Sonne; in der man wider den Augenschein annehmen mußte, daß die Sonne in einer gewissen Beziehung, wenigstens in ihrem Verhältnis zur Erde, stillsteht. Solchen Umschwüngen in der Erkenntnis schmiegen sich die Denk- und Empfindungsgewohnheiten der Menschen nicht leicht an.
[ 1 ] Anyone who traces the development of the human spirit over the course of centuries or millennia will gain a sense of how this human spirit continues to advance toward ever-new achievements in the realm of knowledge and in the realm of action. There is no need to place too much emphasis on the word “progress” here, for that could give rise to some rather bitter doubts in these present sad times that have befallen humanity. But one will clearly see something else when considering this development of the human spirit: that the forms and shapes through which this human spirit strives change significantly from century to century. And since we are primarily concerned in this reflection today with a form of knowledge to be sought—one that, in a sense, seeks to insert itself into human development in a new way—we need only consider, by way of comparison, how difficult it is for such views, which in a certain respect contradict the old, to gain a foothold in the ever-evolving human race. Time and again, attention must be drawn to how difficult it was, for example, to establish the Copernican worldview in the face of people’s habitual ways of thinking and feeling—in certain areas, after all, it took centuries— that worldview which broke with what people had long believed, based on their sensory perception, to be the truth about the structure of the universe. Then came the time when one could no longer rely on—could not trust—what the eyes saw regarding the rising and setting of the sun, regarding the sun’s movement; a time when, contrary to appearances, one had to accept that the sun, in a certain sense—at least in relation to the Earth—stands still. People’s habits of thought and feeling do not easily adapt to such shifts in understanding.
[ 2 ] In der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, welcher die Betrachtungen des heutigen Abends hier gewidmet sein sollen, hat man es nun noch viel mehr zu tun mit einem solchen Umschwung, von dem derjenige, der aus guten wissenschaftlichen Untergründen heraus glaubt überzeugt sein zu dürfen von dem Inhalte dieser Geisteswissenschaft, auch glaubt, daß sie notwendigerweise eingreifen muß in die Gegenwart und in die weitere Entwickelung des menschlichen Denkens, Empfindens und Fühlens. Man darf schon sagen — gestatten Sie mir diese Worte einleitungsweise: Bei so etwas wie der Kopernikanischen Weltanschauung hatte man es zu tun mit unzähligen Vorurteilen, mit althergebrachten Meinungen, von denen die Leute glaubten, wenn etwas anderes an ihre Stelle träte, so sei es geschehen um allerlei religiöse Vorstellungen und dergleichen. Bei dem, wovon heute abend gesprochen werden soll, türmt sich noch manches andere auf. Hier hat man es nicht bloß zu tun mit den Vorurteilen, die sich zum Beispiel dem Kopernikanismus gegenüberstellen, sondern hier hat man es zu tun damit, daß in unserer Zeit gar viele Menschen, ja die Mehrzahl derjenigen, die sich für aufgeklärt und gebildet halten, nicht nur ihre Vorurteile, ihre Vorempfindungen entgegenbringen, sondern daß gewissermaßen der Aufgeklärte, der Gebildete überhaupt sich heute schämt, einzugehen im Ernste auf das Gebiet, von dem Anthroposophie sprechen muß. Man glaubt sich etwas zu vergeben, nicht bloß gegenüber der Umwelt, sondern vor sich selbst, wenn man zugibt, daß man über die Dinge, von denen heute gesprochen werden soll, ebenso gründlich wissenschaftlich etwas wissen könne wie über die Dinge des äußeren Naturgebäudes; man glaubt gewissermaßen vor sich selbst sich töricht oder kindisch halten zu müssen.
[ 2 ] In the anthroposophically oriented spiritual science, to which this evening’s reflections are dedicated, we are now even more concerned with such a radical shift that those who, based on sound scientific grounds, believe they can be convinced of the content of this spiritual science, also believe that it must necessarily intervene in the present and in the further development of human thought, perception, and feeling. One may well say—allow me to begin with these words: With something like the Copernican worldview, one was confronted with countless prejudices, with time-honored opinions that people believed, if something else were to take their place, would be due to all manner of religious notions and the like. In the case of what we are to discuss this evening, many other factors come into play. Here we are not merely dealing with the prejudices that oppose, for example, Copernicanism, but rather with the fact that in our time, quite a few people— indeed the majority of those who consider themselves enlightened and educated, not only bring their prejudices and preconceptions to bear, but that, in a sense, the enlightened and educated person today is actually ashamed to engage seriously with the field that anthroposophy must address. People believe they are excusing themselves—not merely in the eyes of the world around them, but in their own eyes—if they admit that they could know something about the things to be discussed today just as thoroughly and scientifically as they know about the things of the external natural world; they believe, in a sense, that they must regard themselves as foolish or childish.
[ 3 ] Das sind die Dinge, welche in Betracht gezogen werden müssen, wenn heute von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft die Rede ist. Derjenige, der von ihr spricht aus den Erkenntnissen dieser Wissenschaft heraus, der kennt die Einwände, die sich selbstverständlich heute noch zu Hunderten und zu Tausenden ergeben müssen; er kennt die Einwände schon aus dem Grunde, weil heute nicht nur die einzelnen Wahrheiten und Ergebnisse dieser Geisteswissenschaft bezweifelt werden, sondern weil überhaupt bezweifelt wird, daß man ein Wissen, eine Erkenntnis aufbringen kann für jenes Gebiet, über das sich anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft erstreckt. Daß man über das Gebiet des Ewigen in der Seele Glaubensvorstellungen, allgemeine Glaubensvorstellungen entwickeln kann, das wird gewiß heute noch von sehr vielen Leuten als etwas sehr Berechtigtes anerkannt; daß man über die Tatsachen, die sich der Sinneswelt mit Bezug auf das Unsterblich-Ewige in der Menschennatur entziehen, ein wirkliches Tatsachenwissen entwickeln kann, das gilt in weitesten Kreisen, gerade in jenen, die da glauben, aus der berechtigten wissenschaftlichen Vorstellungsart der Gegenwart heraus zu urteilen, in vielfacher Beziehung als etwas Phantastisches, Schwärmerisches.
[ 3 ] These are the things that must be taken into account when speaking today of anthroposophically oriented spiritual science. Anyone who speaks of it based on the insights of this science is aware of the objections that, naturally, must still arise by the hundreds and thousands today; they are aware of these objections simply because today it is not only the individual truths and findings of this spiritual science that are doubted, but because it is doubted altogether that one can arrive at any knowledge or insight regarding the realm over which anthroposophically oriented spiritual science extends. The fact that one can develop beliefs—general beliefs—regarding the realm of the eternal in the soul is certainly still recognized by very many people today as something entirely legitimate; but the idea that one can develop genuine factual knowledge about the facts that elude the sensory world in relation to the immortal and eternal in human nature is regarded in the widest circles—precisely among those who believe they are judging from the legitimate scientific mindset of the present—as something fanciful and fanciful in many respects.
[ 4 ] Mit Phantastischem und Schwärmerischem werden wir es heute abend nicht zu tun haben; aber mit einem Gebiete, wo schon, ich möchte sagen, den ersten Voraussetzungen nach der menschliche Betrachter und insbesondere der wissenschaftliche Betrachter zurückschreckt. Ich möchte nur noch ganz kurz berühren, daß diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht irgend etwas Sektiererisches sein will. Derjenige verkennt sie vollständig, der da glaubt, daß sie wie die Begründung irgendeines neuen Religionsbekenntnisses auftreten wolle. Das will sie nicht. Sie ist so, wie sie heute auftreten will, ein notwendiges Ergebnis gerade dessen, was als Weltanschauungsvorstellung, als allgemeine, selbst populäre Vorstellung der weitesten Menschenkreise gerade die naturwissenschaftliche Entwickelung gebracht hat. Diese naturwissenschaftliche Entwickelung, die heute so viele Begriffe, welche wiederum Ursachen sind von Gefühlen und Empfindungen, für die Weltanschauung der weitesten Kreise abgibt, diese naturwissenschaftliche Betrachtungsweise stellt sich zur Aufgabe, dasjenige, was den äußeren Sinnen gegeben ist, was an Naturgesetzen über die Tatsachen der äußeren Sinne dem menschlichen Verstande zugänglich ist, zu ergründen, zu erklären.
[ 4 ] Tonight we will not be dealing with the fantastic or the fanciful; rather, with a field in which, I would say, the human observer—and the scientific observer in particular—is already repelled by the very first premises. I would just like to briefly mention that this anthroposophically oriented spiritual science does not intend to be anything sectarian. Anyone who believes that it seeks to present itself as the foundation of some new religious creed completely misunderstands it. That is not its intention. As it presents itself today, it is a necessary result precisely of what scientific development has brought about as a worldview—as a general, even popular conception held by the broadest circles of people. This development of the natural sciences, which today provides so many concepts—which in turn give rise to feelings and sensations—for the worldview of the broadest circles, sets itself the task of fathoming and explaining that which is given to the external senses, that which, in terms of natural laws, is accessible to the human intellect through the facts of the external senses.
[ 5 ] Schon wenn man nur auf das Lebendige Rücksicht nimmt, so kann man sehen — für andere Gebiete ist es etwas weiterliegend, aber am Lebendigen tritt es einem so ganz klar zutage —, wie diese Naturwissenschaft heute darauf bedacht sein muß, überall auf dieUrsprünge, auf dasjenige zurückzugehen, was gewissermaßen die Keimesanlage abgibt für das Wachsende, für das Werdende, für das Gedeihende. Will der Naturforscher das tierische, das menschliche Leben erklären in seinem Sinne, geht er auf die Geburt zurück; er studiert die Embryologie, er studiert dasjenige, aus dem sich das Wachsende, Werdende entwickelt. Auf die Geburt, die der Anfang ist von dem, was sich vor den Sinnen ausbreitet, geht Naturwissenschaft zurück. Und wenn Naturwissenschaft eine Welterklärung sein will, so geht sie auch zurück mit verschiedenen Hypothesen, mit Zugrundelegung dessen, was Geologie, Paläontologie, was die einzelnen Zweige der Naturwissenschaft eben geben können, zu dem, was sie sich an Vorstellungen bilden kann, man möchte sagen, über die Geburt des Weltgebäudes. Wenn auch der eine oder andere bezweifelt, daß solch eine Denkweise berechtigt ist —, sie ist immer angestrebt worden. Und bekannt sind ja die Gedanken, welche die Menschen aufgebracht haben, um, wenn vielleicht nicht den Anfang des irdischen Werdens zu ergründen, so doch wenigstens weit zurückliegende Epochen, solche Epochen, in denen zum Beispiel der Mensch noch nicht auf der Erde. gewandelt ist, um aus dem. Vorhergehenden, aus. demjenigen, was keimhaft zugrunde liegt, das Nachfolgende, was der Mensch in seinem Umkreise für seine Sinne hat, irgendwie zu erklären. Die ganze Darwinische Theorie, oder, wenn man von ihr absehen will, die Entwickelungstheorie, sie fußen darauf, Entstehung aufzusuchen, Hervorgehen aus irgend etwas. Ich möchte sagen, überall ist der Gedanke, zurückzugehen in Jugend und Geburt.
[ 5 ] Even if one considers only the living world—in other fields this is somewhat more remote, but in the living world it becomes so very clear—one can see how natural science today must be concerned with go back everywhere to the origins, to that which, so to speak, provides the germ for what is growing, for what is becoming, for what is flourishing. If the natural scientist wishes to explain animal and human life in his own terms, he goes back to birth; he studies embryology; he studies that from which what is growing and becoming develops. Natural science traces its origins back to birth, which is the beginning of what unfolds before the senses. And if natural science aims to explain the world, it also traces back—using various hypotheses and drawing on what geology, paleontology, and the individual branches of natural science can provide—to what it can conceive of, one might say, regarding the birth of the world order. Even if some may doubt that such a way of thinking is justified—it has always been pursued. And we are, of course, familiar with the ideas that people have put forward—if not to fathom the very beginning of earthly existence, then at least to explain, in some way, the distant epochs—those in which, for example, humans had not yet walked the earth—by drawing on what preceded them, on that which lies at the root in embryonic form—to somehow explain what follows, what humanity perceives with its senses in its surroundings. The entire Darwinian theory—or, if one wishes to set that aside, the theory of evolution—is based on seeking origins, on emergence from something. I would say that everywhere there is the idea of going back to youth and birth.
[ 6 ] Geisteswissenschaft im anthroposophischen Sinne ist in eine andere Lage versetzt. Und durch diesen Ausgangspunkt schon ruft sie zunächst, ohne daß der Mensch sich dessen klar bewußt ist, Widerspruch hervor: unklaren Widerspruch, man möchte sagen, unterbewußten Widerspruch, instinktiven Widerspruch! Und solcher Widerspruch ist viel wirksamer oftmals als der klar erkannte, klar durchdachte. Diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft muß ausgehen, um überhaupt zu Vorstellungen, jetzt nicht über allgemein verschwormmene Geistesbegriffe, sondern über geistige Tatsachen zu kommen, sie muß ausgehen von dem Tode. Dadurch steht sie von vornherein in einem, man möchte sagen, fundamentalen Gegensatz zu dem, was heute beliebt ist: zum Ausgehen von Geburt und Jugend, Wachstum, Vorwätrtsschreiten der Entwickelung. Der Tod greift ein in das Leben. Und Sie können, wenn Sie Umschau halten in der wissenschaftlichen Literatur der Gegenwart, überall finden, daß der gewissenhafte Forscher geradezu der Anschauung ist: Der Tod als solcher kann nicht in demselben Sinne in die naturwissenschaftliche Begriffsreihe hineingestellt werden wie andere Begriffe. Nun muß der Geisteswissenschafter diesen Tod, also das Aufhören, das Gegenteil der Geburt eigentlich, zu seinem Ausgangspunkt machen. Wie der Tod und das Todverwandte eingreift in das Leben im weiteren Sinne, das ist die Grundfrage. Der Tod aber schließt ab dasjenige, was Sinne schauen können; der Tod löst auf dasjenige, was wird, was vor den Sinnen sich entwickelt. Der Tod greift ein als irgend etwas, wovon man sozusagen die Vorstellung haben kann, es sei unbeteiligt an dem, was hier in der Sinneswelt wirkt und gedeiht, quillt und west. Da ergibt sich die Meinung, die in gewissen Grenzen ganz begreiflich, wenn auch eben durchaus unberechtigt ist, daß man über dasjenige, was der Tod gewissermaßen zudeckt, was der Tod verhüllt, nichts wissen könne. Und aus dieser Ecke menschlichen Fühlens heraus erheben sich eigentlich alle die Widersprüche, die sehr selbstverständlich gegen die Dinge vorgebracht werden können, die heute als Ergebnisse einer noch jungen Wissenschaft entwickelt werden. Denn jung ist diese Geisteswissenschaft, und der Geisteswissenschafter ist gerade aus den Gründen, die jetzt angeführt worden sind, in einer ganz andern Lage, auch wenn er über die Dinge seines Forschungsgebietes spricht, als der Naturwissenschafter. Der Geisteswissenschafter kann nicht in genau derselben Weise vorgehen wie der Naturwissenschafter, der irgendeine Tatsache hinstellt und dann auf Grund dessen, wovon gewissermaßen jeder Mensch überzeugt ist, daß man es sehen kann, diese Tatsachen beweist; denn der Geisteswissenschafter spricht ja gerade über dasjenige, was man nicht mit Sinnen wahrnehmen kann. Daher ist der Geisteswissenschafter zunächst, wenn er über Ergebnisse seiner Wissenschaft spricht, immer genötigt, darauf hinzuweisen, wie man zu diesen Ergebnissen kommt.
[ 6 ] Spiritual science in the anthroposophical sense is placed in a different position. And simply by virtue of this starting point, it immediately provokes opposition—without people being clearly aware of it: an unclear opposition, one might say, a subconscious opposition, an instinctive opposition! And such opposition is often far more effective than that which is clearly recognized and clearly thought through. This anthroposophically oriented spiritual science must begin—in order to arrive at concepts at all, not of generally vague spiritual ideas, but of spiritual facts—it must begin with death. As a result, it stands from the outset in what one might call a fundamental contrast to what is popular today: the starting point of birth and youth, growth, and the forward march of development. Death intervenes in life. And if you look around at contemporary scientific literature, you will find everywhere that the conscientious researcher is firmly of the view that death as such cannot be placed within the series of scientific concepts in the same sense as other concepts. Now, the scholar of the humanities must actually make this death—that is, cessation, which is in fact the opposite of birth—his starting point. How death and what is related to death intervene in life in the broader sense—that is the fundamental question. But death brings to a close that which the senses can perceive; death dissolves that which is becoming, that which develops before the senses. Death intervenes as something of which one can, so to speak, form the idea that it is uninvolved in what acts, flourishes, wells up, and comes into being here in the sensory world. This gives rise to the opinion—which, within certain limits, is quite understandable, even if it is entirely unjustified—that one can know nothing about that which death, so to speak, covers up, that which death veils. And it is from this corner of human feeling that all the contradictions actually arise—contradictions that can quite naturally be raised against the findings that are being developed today as the results of a still-young science. For this spiritual science is young, and the spiritual scientist—precisely for the reasons just cited—is in a completely different position than the natural scientist, even when speaking about the subjects of his field of research. The scholar of the humanities cannot proceed in exactly the same way as the natural scientist, who presents a certain fact and then proves it on the basis of what, in a sense, every human being is convinced can be seen; for the scholar of the humanities speaks precisely about that which cannot be perceived by the senses. Therefore, when speaking about the findings of his discipline, the humanities scholar is always compelled, first and foremost, to explain how these findings were arrived at.
[ 7 ] Es gibt heute eine reiche Literatur über dasjenige Gebiet, das ich heute abend vor Ihnen zu vertreten habe. Kritiker, die sich berufen glauben, wenden gegen dasjenige, was zum Beispiel in meinen Schriften steht, immer wieder und wiederum ein, obwohl dies eigentlich nur beweist, wie ungenau, wie oberflächlich die Dinge gelesen werden: der Geisteswissenschafter behaupte, die Sachen seien so und so, aber er beweise nicht. — Ja, sehr verehrte Anwesende, er beweist schon, aber er beweist eben auf andere Art. Er sagt zunächst, wie er zu seinen Resultaten gekommen ist; er muß zuerst angeben, wie der Weg in das Tatsachengebiet hinein ist. Dieser Weg ist schon vielfach befremdlich, weil er ja für die heutigen Denk- und Empfindungsgewohnheiten ein ungewohnter ist. Zunächst muß gesagt werden: Gerade der Geistesforscher kommt durch seine Forschung zu dem zwingenden Ergebnisse, daß man mit den Methoden, mit den Verfahrungsarten, die der Geistesforscher nicht ablehnt, sondern gerade bewundert, mit denen die Naturwissenschaft zu ihren glänzenden Resultaten gekommen ist, in das Übersinnliche nicht hineinkommt. Ja, gerade von diesem Erlebnis, wie begrenzt die Verfahrungsarten des naturwissenschaftlichen Denkens sind, geht Geisteswissenschaft aus; aber nicht so, wie das heute vielfach gemacht wird, daß man einfach in bezug auf gewisse Dinge, bei denen die Naturwissenschaften an ihren Grenzen sind, sagt: Hier sind Grenzen des menschlichen Erkennens, — nein, sondern in der Weise, daß man an diesen Grenzen gerade versucht, zu ganz bestimmten Erlebnissen zu kommen, die nur erreicht werden können an diesen Grenzen. Ich habe von diesen Grenzorten des menschlichen Erkennens insbesondere in meiner neuesten, in diesen Wochen erscheinenden Schrift «Von Seelenrätseln» einiges gesprochen.
[ 7 ] There is now a wealth of literature on the subject I am presenting to you this evening. Critics who believe themselves to be qualified repeatedly object to what is written, for example, in my works, even though this actually only proves how inaccurately and superficially these works are read: the humanities scholar claims that things are this way or that way, but he does not prove it. — Yes, ladies and gentlemen, he does provide proof, but he does so in a different way. He first explains how he arrived at his results; he must first describe the path into the realm of facts. This path is often disconcerting, because it is unfamiliar to today’s habits of thought and feeling. First of all, it must be said: It is precisely the researcher of the spiritual realm who, through his research, arrives at the compelling conclusion that one cannot enter the supersensible realm using the methods and procedures that the researcher of the spiritual realm does not reject—but rather admires—and with which the natural sciences have achieved their brilliant results. Indeed, spiritual science arises precisely from this realization of how limited the methods of scientific thinking are; but not in the way it is often done today, where one simply says, with regard to certain things at which the natural sciences reach their limits: “Here lie the limits of human knowledge”—no, but rather in such a way that one attempts, precisely at these limits, to arrive at very specific experiences that can only be attained at these very limits. I have spoken at some length about these limits of human knowledge, in particular in my latest work, *On the Mysteries of the Soul*, which is being published in the coming weeks.
[ 8 ] Nun, diejenigen Menschen, welche Erkenntnis nicht als irgend etwas, was ihnen äußerlich angeflogen ist, genommen haben, welche mit den Erkenntnissen gerungen haben, welche mit der Wahrheit gerungen haben, sie haben immer wenigstens an diesen Grenzen gewisse Erlebnisse gehabt. Da muß man eben sagen: Die Zeiten ändern sich, die Entwickelung der Menschheit wandelt sich. — Noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit standen die hervorragendsten Denker und Ringer mit der Erkenntnis an solchen Grenzorten so, daß sie eben die Meinung hatten, man kann an diesen Grenzorten nicht weiter, ‚man muß bei ihnen stehenbleiben. Diejenigen der verehrten Zuhörer, welche mich öfter hier gehört haben, wissen, wie wenig es in meinen Gewohnheiten liegt, Persönliches zu berühren. Allein wenn das Persönliche mit dem Sachlichen in irgendeinem Zusammenhange steht, so darf das wohl in Kürze gestattet sein. Ich darf sagen: Gerade dasjenige, was ich über solche Erlebnisse an den Grenzorten des Erkennens zu sagen habe, es ist bei mir das Ergebnis einer mehr als dreißig Jahre andauernden geistigen Forschung. Und es war vor mehr als dreißig Jahren, als gerade diese Probleme, diese Aufgaben, diese Rätsel, die entstehen an den Grenzorten des Erkennens, auf mich einen bedeutsamen Eindruck machten. Aus den vielen Beispielen, die man über solche Grenzorte anführen kann, möchte ich eines herausheben, auf das hingewiesen hat ein wirklicher Ringer mit der Erkenntnis: Friedrich Theodor Vischer, der berühmte Ästhetiker, der aber auch als Philosoph eine sehr bedeutende Persönlichkeit war, wenn er auch vielleicht zu seinen Lebzeiten schon zu wenig anerkannt und schnell vergessen worden ist. Friedrich 'Theodor Vischer, der sogenannte V-Vischer, hat ja vor Jahrzehnten eine sehr interessante Abhandlung geschrieben über ein auch sehr interessantes Buch, das Volkelt über die «Traumphantasie» geschrieben hat. Friedrich 'Theodor Vischer hat dabei manche Dinge berührt, die uns hier nicht weiter interessieren. Aber einen Satz möchte ich herausheben, einen Satz, über den man vielleicht weglesen kann, einen Satz aber auch, der wie ein Blitz einschlagen kann in das menschliche Gemüt, wenn dieses vom Erkenntnisstreben durchdrungen ist, von wahrem, innerem Erkenntnisstreben. Es ist der Satz, der sich Vischer aufdrängt, als er über das Wesen der Menschenseele nachsinnt, nachdenkt. Aus dem, was sich ihm ergeben hatte über das, was Naturwissenschaft in der neueren Zeit vom Menschen zu sagen hat, deduziert er einmal: Daß diese menschliche Seele nicht bloß im Leibe sein kann, das ist ganz klar; daß sie aber auch nicht außerhalb des Leibes sein kann, das ist ebenso klar.
[ 8 ] Well, those people who have not regarded knowledge as something that simply came to them from outside, who have wrestled with knowledge, who have wrestled with the truth—they have always had certain experiences, at least at these boundaries. One simply has to say: Times change; the development of humanity changes. — Even relatively recently, the most outstanding thinkers and those who wrestled with knowledge found themselves at such boundaries in such a way that they held the view that one cannot go any further at these boundaries—‘one must stop there.’ Those among the esteemed audience who have heard me speak here often know how little it is in my nature to touch on personal matters. However, if the personal is connected in any way to the factual, then a brief mention may well be permitted. I may say: Precisely what I have to say about such experiences at the frontiers of knowledge is, for me, the result of more than thirty years of intellectual research. And it was more than thirty years ago that precisely these problems, these challenges, these riddles—which arise at the frontiers of knowledge—made a profound impression on me. Of the many examples one can cite regarding such frontiers, I would like to highlight one pointed out by a true wrestler with knowledge: Friedrich Theodor Vischer, the famous aesthetician, who was also a very significant figure as a philosopher, even though he may have been underappreciated during his lifetime and quickly forgotten. Friedrich Theodor Vischer—known as “V-Vischer”—wrote a very interesting treatise decades ago on a very interesting book that Volkelt wrote about “dream fantasy.” In doing so, Friedrich Theodor Vischer touched on many things that are of no further interest to us here. But I would like to highlight one sentence—a sentence one might skim over, yet one that can also strike the human mind like a bolt of lightning when it is imbued with a quest for knowledge, a true, inner quest for knowledge. It is the sentence that comes to Vischer’s mind as he ponders and reflects on the nature of the human soul. From what had become clear to him regarding what modern science has to say about human beings, he deduces: “That this human soul cannot exist solely within the body is quite clear; but that it cannot exist outside the body either is equally clear.”
[ 9 ] Nun, wir stehen also vor einem vollkommenen Widerspruch, vor einem Widerspruch, der nicht ein solcher ist, daß man ihn ohne weiteres auflösen kann. Wir stehen vor einem solchen Widerspruch, der sich mit unabänderlicher Notwendigkeit hinstellt, wenn man ernst nach Erkenntnissen ringt. V-Vischer konnte noch nicht — denn die Zeit war noch nicht dazu reif — vordringen von dem, was ich nennen möchte: stehen an solchen Erkenntnisorten, an solchen Grenzorten, vordringen vom Erkennen im gewöhnlichen Sinne des Wortes zum innerlichen Erleben eines solchen Widerspruches. Hören wir doch heute noch von weitaus den meisten Erkenntnismenschen der Gegenwart, wenn sie auf einen solchen Widerspruch stoßen, das Folgende es gibt ja davon Hunderte und Hunderte, Da Bois-Reymond, der geistvolle Physiologe, hat seinerzeit von den sieben Welträtseln gesprochen, aber man kann diese sieben Welträtsel in Hunderte vermehren — der heutige, zeitgenössische Erkenntnismensch sagt: Bis hierher geht eben das menschliche Erkennen, weiter kann es nicht kommen. — Einfach aus dem Grunde sagt er dieses, weil er sich an den Grenzorten des menschlichen Erkennens nicht entschließen kann, überzugehen vom bloßen Denken, vom bloßen Vorstellen zum Erleben. Man muß beginnen an einer solchen Stelle, wo sich ein Widerspruch, den man nicht ausgeklügelt hat, sondern der durch die Welträtsel sich einem geoffenbart hat, in den Weg stellt, muß versuchen, mit einem solchen Widerspruch immer wieder und wiederum zu leben, immer wieder und wieder, so wie man mit den Gewohnheiten des Alltags ringt, mit ihm ringen, gewissermaßen seine Seele ganz in ihn untertauchen. Man muß — es gehört ein gewisser innerer Denkermut dazu — in den Widerspruch untertauchen, keine Furcht davor haben, daß dieser Widerspruch etwa das Vorstellen der Seele zersplittern könne, daß die Seele nicht durchkönne oder ähnliches. In den Einzelheiten habe ich dieses Ringen an solchen Grenzorten gerade geschildert in meinem Buch «Von Seelenrätseln».
[ 9 ] Well, we are thus faced with a complete contradiction—a contradiction that cannot be easily resolved. We are faced with the kind of contradiction that arises with inescapable necessity when one seriously strives for knowledge. V-Vischer was not yet able—for the time was not yet ripe—to advance beyond what I would like to call: standing at such places of knowledge, at such borderlands; to advance from cognition in the ordinary sense of the word to the inner experience of such a contradiction. Even today, when the vast majority of contemporary seekers of knowledge encounter such a contradiction—and there are indeed hundreds upon hundreds of them— Da Bois-Reymond, the brilliant physiologist, once spoke of the seven mysteries of the world, but one can multiply these seven mysteries into hundreds—today’s contemporary scholar says: “This is as far as human knowledge goes; it cannot go any further.” — He says this simply because, at the boundaries of human cognition, he cannot bring himself to move beyond mere thinking and mere imagination to actual experience. One must begin at a point where a contradiction—one that has not been contrived but has revealed itself through the world’s mysteries—stands in the way; one must try to live with such a contradiction again and again, over and over, just as one wrestles with the habits of everyday life, grappling with it, immersing one’s soul completely in it, so to speak. One must—and this requires a certain inner courage of thought—immerse oneself in the contradiction, without fear that this contradiction might shatter the soul’s imagination, that the soul might not be able to get through it, or anything of the sort. I have described this struggle in such borderline situations in detail in my book *On the Riddles of the Soul*.
[ 10 ] Dann, wenn der Mensch statt mit dem bloßen Vorstellen, bloßen Ausklügeln, Fixieren, mit seiner vollen Seele an einem solchen Grenzort ankommt, dann kommt er weiter. Aber er kommt nicht auf bloß logischem Wege weiter; er kommt auf einem Erkenntnislebenswege weiter. Und was er da erlebt, ich möchte es durch einen Vergleich ausdrücken; denn das, was geistesforscherische Wege sind, sind wirkliche Erkenntniserlebnisse, sind Erkenntnistatsachen. Die Sprache hat heute noch nicht viele Worte für diese Dinge, weil die Worte geprägt sind für die äußere sinnliche Wahrnehmung. Man kann sich daher oftmals über dasjenige, was klar vor dem Geistesauge steht, nur vergleichsweise ausdrücken. Wenn man in solche Widersprüche sich einlebt, fühlt man sich wie an der Grenze, wo die geistige Welt heranschlägt, die in der sinnlichen Wirklichkeit nicht zu finden ist, wo sie zwar heranschlägt, aber gewissermaßen von außen heranschlägt. Es ist so, wie — ob nun die Vorstellung naturwissenschaftlich gut begründet ist oder nicht, darauf kommt es nicht an, vergleichsweise kann sie herangezogen werden —, es ist so, wie wenn ein niederes Lebewesen es noch nicht bis zum Tastsinn gebracht hat, sondern nur innerlich erlebt, in dem sich regenden, steten Bewegen innerlich erlebt und die Grenze der physischen Welt, die Oberfläche der einzelnen Dinge erlebt. Ein Wesen, das noch nicht den Tastsinn ausgebildet hat und so die Oberfläche der sinnlichen Dinge erlebt, das ist noch ganz in sich beschlossen, das kann gewissermaßen noch nicht erfühlen, ertasten dasjenige, was da draußen an sinnlichen Eindrücken ist. Geradeso fühlt sich rein geistig-seelisch — wir dürfen da an gar nichts Materielles denken — der Ringer mit der Erkenntnis, wenn er an einer solchen Stelle ist, wie ich sie eben geschildert habe. Wie aber dann beim niederen Lebewesen gewissermaßen der Organismus durchbricht durch das Anstoßen an die äußere sinnliche Welt, sich differenziert zum Tastsinn, wodurch man die Oberfläche ertastet, wodurch man weiß, ob etwas rauh oder glatt, warm oder kalt ist an der Oberfläche, wie sich eröffnet nach außen dasjenige, was nur im Innern lebt, so erringt man sich die Möglichkeit, gewissermaßen durchzubrechen gerade an solchen Stellen, sich einen geistigen Tastsinn zu erwerben. Dann erst, wenn man vielleicht oftmals jahrelang an solchen Grenzorten des Erkennens gerungen hat durchzubrechen in die geistige Welt hinein, dann gelangt man zum Realen von geistigen Organen. Ich spreche nur elementar von dem, wie sich dieser Tastsinn entwickelt. Aber man kann, um diese oder jene Ausdrücke in einem vollkommeneren Sinne zu gebrauchen, davon sprechen, daß sich durch immer weiteres und weiteres inneres Arbeiten, Herausarbeiten aus dem In-sich-Beschlossensein Geistesaugen, Geistesohren entwickeln. Heute erscheint es vielen Menschen noch absurd, davon zu sprechen, daß die Seele ein ebenso undifferenziertes Organ zunächst ist, wie der Organismus eines niederen Wesens, das seine Sinne aus seiner Substanz heraus bildet, und daß sich aus dieser Substanz seelische Begriffe, seelisch differenzierte Geistesorgane herausbilden können, die ihn dann der geistigen Welt gegenüberstellen.
[ 10 ] Then, when a person arrives at such a threshold—not through mere imagination, mere intellectual speculation, or fixation, but with their whole soul—then they move forward. But they do not move forward by mere logical means; they move forward along the path of a life of knowledge. And what they experience there, I would like to express through a comparison; for what spiritual research entails are genuine experiences of knowledge, are facts of knowledge. Language today does not yet have many words for these things, because words are shaped for external sensory perception. One can therefore often express what stands clearly before the inner eye only in comparative terms. When one immerses oneself in such contradictions, one feels as if at the boundary where the spiritual world makes its presence felt—a world that cannot be found in sensory reality, where it does make its presence felt, but in a sense from the outside. It is as if—whether or not the idea is well-founded from a scientific standpoint is irrelevant; it can be used by way of comparison—it is as if a lower living being has not yet developed the sense of touch, but experiences things only inwardly, through the constant, stirring movement within, and experiences the boundary of the physical world, the surface of individual things. A being that has not yet developed the sense of touch and thus experiences the surface of sensory objects is still entirely self-contained; in a sense, it cannot yet feel or touch the sensory impressions that exist out there. In exactly the same way—and here we must not think of anything material at all—the wrestler with knowledge feels purely in a spiritual-soul-like way when he is at a stage such as the one I have just described. But just as, in the case of lower living beings, the organism, so to speak, breaks through by coming into contact with the external sensory world and differentiates itself into the sense of touch—through which one feels the surface, through which one knows whether something is rough or smooth, warm or cold on the surface—so too does that which lives only within open up to the outside world; so one gains the ability, as it were, to break through precisely at such points and acquire a spiritual sense of touch. Only then—after perhaps struggling for years at such thresholds of cognition to break through into the spiritual world—does one arrive at the reality of spiritual organs. I am speaking only in very basic terms about how this sense of touch develops. But to use these or other expressions in a more complete sense, one can say that through ever-increasing inner work—working one’s way out of self-containedness—spiritual eyes and spiritual ears develop. Today it still seems absurd to many people to speak of the soul as initially being just as undifferentiated an organ as the organism of a lower being, which forms its senses out of its own substance, and that from this substance, soul concepts and spiritually differentiated spiritual organs can emerge, which then bring it into contact with the spiritual world.
[ 11 ] Man darf sagen: Geisteswissenschaft, wissenschaftlich in aller Berechtigtheit systematisch dargestellt, stellt sich heute neu in den Erkenntnisfortschritt der Menschheitsentwickelung hinein. Aber sie ist nicht in jeder Beziehung etwas Neues. Das Ringen nach ihr, das Streben nach ihr, wir schen es gerade bei den hervorragendsten Erkenntnismenschen der Vergangenheit. Und auf einen von ihnen, auf Friedrich Theodor Vischer habe ich ja hingewiesen. Ich möchte gerade noch einmal zeigen an seinen eigenen Aussprüchen, wie er an einer solchen Erkenntnisgrenze gestanden hat, wie er allerdings davor stehengeblieben ist, wie er nicht den Übergang gemacht hat von dem inneren Regen zum Durchbrechen der Grenze, zum geistigen Tastsinn. Und da möchte ich gerade diejenige Stelle aus Friedrich Theodor Vischers Abhandlungen Ihnen vorlesen, wo er schildert, wie er an eine solche Grenze, wo der Geist heranschlägt an die menschliche Seele, gekommen ist gelegentlich seines Ringens mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Es war in der Zeit, in der die materialistisch gesinnte Naturwissenschaft den ernsten Erkenntnisringern viele Rätsel vorgelegt hat, wo zahlreiche Menschen gesagt haben, man könne gar nicht von Seele anders sprechen, als daß sie nur ein Produkt sei des materiellen Wirkens.
[ 11 ] It is fair to say that the humanities, when presented systematically and with full scientific legitimacy, are today taking their place anew within the progress of knowledge in human development. But they are not something new in every respect. The struggle for them, the striving toward them—we see this precisely in the most outstanding thinkers of the past. And I have already pointed to one of them, Friedrich Theodor Vischer. I would like to demonstrate once more, using his own words, how he stood at such a boundary of knowledge, how he nevertheless came to a halt before it, and how he did not make the transition from the inner rain to breaking through the boundary, to spiritual intuition. And here I would like to read to you the very passage from Friedrich Theodor Vischer’s essays where he describes how he came to such a boundary—where the spirit comes into contact with the human soul—in the course of his struggle with the findings of the natural sciences. It was during a time when materialistically oriented natural science presented many puzzles to those earnestly seeking knowledge, a time when numerous people said that one could not speak of the soul in any other way than as merely a product of material processes.
[ 12 ] Hier seine Worte: «Kein Geist, wo kein Nervenzentrum, wo kein Gehirn, sagen die Gegner. Kein Nervenzentrum, kein Gehirn, sagen wir, wenn es nicht von unten auf unzähligen Stufen vorbereitet wäre; es ist leicht, spöttlich von einem Umrumoren des Geistes in Granit und Kalk zu reden, — nicht schwerer als es uns wäre, spottweise zu fragen, wie sich das Eiweiß im Gehirn zu Ideen aufschwinge. Der menschlichen Erkenntnis schwindet die Messung der Stufenunterschiede. Es wird Geheimnis bleiben, wie es kommt und zugeht, daß die Natur, unter welcher doch der Geist schlummern muß, als so vollkommener Gegenschlag des Geistes dasteht, daß wir uns Beulen daran stoßen;» — ich bitte Sie zu beachten, wie der Erkenntnisringer schildert, daß wir uns Beulen daran stoßen; hier haben Sie ein inneres Erlebnis eines Erkenntnisringers: dieses Anschlagen eines Erkenntnisringers! — «es ist eine Diremtion von solchem Scheine der Absolutheit, daß mit Hegels Anderssein und Außersichsein, so geistreich die Formel, doch so gut wie nichts gesagt, die Schroffheit der scheinbaren Scheidewand einfach verdeckt ist. Die richtige Anerkennung der Schneide und des Stoßes in diesem Gegenschlag findet man bei Fichte, aber keine Erklärung dafür.»
[ 12 ] Here are his words: “No mind where there is no nerve center, where there is no brain, say the opponents. No nerve center, no brain, we say, if it were not prepared from below through countless stages; it is easy to speak mockingly of a rumbling of the spirit within granite and limestone—no harder than it would be for us to ask mockingly how the protein in the brain soars to become ideas. Human understanding cannot fathom the measurement of these gradual differences. It will remain a mystery how it comes to be and how it works that nature—under which the spirit must surely slumber—stands as such a perfect counterforce to the spirit that we bump our heads against it;”—I ask you to note how the wrestler of knowledge describes that we bump our heads against it; here you have an inner experience of a wrestler of knowledge: this collision of a wrestler of knowledge! — “It is a distortion of such an appearance of absoluteness that, with Hegel’s ‘otherness’ and ‘being outside oneself’—however ingenious the formula—virtually nothing is said; the harshness of the apparent dividing wall is simply concealed. The proper recognition of the edge and the impact in this counter-blow is found in Fichte, but no explanation for it.”
[ 13 ] Hier haben wir die Schilderung, die ein Mensch von seinem Erkenntnisringen gibt in der Zeit, bevor der Entschluß entstehen konnte, der geisteswissenschaftliche Entschluß: nicht bloß bis zu diesem Schlag und Gegenschlag zu kommen, sondern zu durchbrechen die Scheidewand gegenüber der geistigen Welt. — Ich kann nur ganz im Prinzipiellen über solche Dinge sprechen; Sie finden sie im einzelnen ausgeführt in meinen Büchern. Namentlich in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» finden Sie in allen Details dasjenige ausgeführt, was die Seele in innerer Regsamkeit, in innerer Übung — wenn der Ausdruck erlaubt ist — mit sich vornehmen muß, um dasjenige, was in ihr undifferenziert ist, zu geistigen Organen, die dann die geistige Welt schauen können, wirklich umzugestalten.
[ 13 ] Here we have a description of a person’s struggle for knowledge during the time before the decision—the spiritual-scientific decision—could take shape: not merely to reach this point of back-and-forth, but to break through the barrier separating us from the spiritual world. — I can only speak about such matters in very general terms; you will find them explained in detail in my books. Specifically in *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and in the second part of my *Outline of Esoteric Science*, you will find a detailed exposition of what the soul must undertake through inner activity, through inner practice—if I may use that expression—in order to truly transform that which is undifferentiated within it into spiritual organs capable of perceiving the spiritual world.
[ 14 ] Aber gar vieles ist notwendig, wenn man auf diesem Wege wirklich zu Forschungen kommen will. Es ist deshalb gar vieles notwendig, weil in unserer Zeit durch die Gewohnheiten, die sich gerade auf naturwissenschaftlichem Gebiete, auf dem Gebiete naturwissenschaftlicher Weltanschauung herausgebildet haben, das auf seinem Felde seine volle Berechtigung hat, eine besondere Art zu denken in das Menschenleben eingegriffen hat, die entgegengesetzt ist den Wegen, die in die geistige Welt führen; so daß es ganz selbstverständlich ist, daß man von naturwissenschaftlicher Seite nur Dinge hört, die eigentlich von der geistigen Welt, wie sie wirklich ist, in ihren Tatsachen nichts wissen wollen. Ich will nur eines anführen — wie gesagt, das Genauere finden Sie in den genannten Büchern —, ich will anführen, daß der Mensch sozusagen sich eine ganz andere Art des Vorstellens erringen muß. Im gewöhnlichen Leben ist man zufrieden mit den Begriffen, den Vorstellungen, wenn man sich sagen kann: Diese Begriffe, diese Vorstellungen sind so geartet, daß sie ein Abbild irgendeiner äußeren Tatsache oder eines äußeren Dinges sind. — Damit kann sich der Geistesforscher nicht befriedigen. Schon die Vorstellungen, die Begriffe werden etwas ganz anderes in seiner Seele, als sie nach den Denkgewohnheiten der Gegenwart sind. Wenn ich wiederum einen Vergleich gebrauchen darf, so möchte ich daran zeigen, wie heute der Geistesforscher der Welt gegenübersteht. Materialistische, spiritualistische, pantheistische, individualistische, monadistische und so weiter, alle solche Leute glauben, in die Weltenrätsel irgendwie eindringen zu können; man versucht mit bestimmten Vorstellungen, Begriffen, ein Bild zu bekommen von den Vorgängen der Welt. So kann der Geistesforscher schon Begriffe gar nicht auffassen, sondern er muß sich zu einem Begriff in der Weise stellen, daß er immer sich klar bewußt ist: In einem Begriff, in einer Vorstellung hat er nichts anderes, als was man in der äußeren Sinneswelt hat, wenn man zum Beispiel einen Baum oder einen andern Gegenstand von einer gewissen Seite her photographiert, man bekommt ein Bild von einer gewissen Seite, von einer andern Seite ein anderes Bild, von einer dritten Seite wieder ein anderes, von einer vierten Seite wiederum ein anderes Bild. Die Bilder sind voneinander verschieden; sie alle geben erst zusammen, wenn man sie im Geiste kombiniert, den Baum als gestaltete Vorstellung. Aber man kann sehr gut sagen, das eine Ding widerspricht dem andern! Sehen Sie nur, wie ganz verschieden oftmals ein Gegenstand aussieht, wenn Sie ihn von der einen und von der andern Seite her photographieren! Allen diesen Vorstellungen von Pantheismus, Monadismus und so weiter steht der Geistesforscher so gegenüber, daß sie nichts anderes sind als verschiedene Aufnahmen der Wirklichkeit. Denn die geistige Wirklichkeit ergibt sich in Wahrheit dem Vorstellungsleben, dem Begriffsleben gar nicht so, daß man sagen kann, irgendein Begriff ist ein Abbild, sondern man muß immer um die Sache herumgehen, man muß immer von verschiedenen Seiten her sich die mannigfaltigsten Begriffe bilden. Dadurch ist man in die Lage versetzt, ein viel größeres inneres, seelisch regsames Leben zu entwickeln, als man für die äußere Sinneswelt gewohnt ist; dadurch ist man aber auch genötigt, die Begriffe zu etwas viel Lebendigerem zu machen. Sie sind nicht mehr Abbilder, aber indem man sie erlebt, sind sie etwas viel Lebendigeres, als sie im gewöhnlichen Leben und seinen Dingen sind.
[ 14 ] But a great deal is necessary if one truly wishes to conduct research in this way. So much is necessary because, in our time, due to the habits that have developed specifically in the field of the natural sciences—and in the realm of the scientific worldview, which is fully justified in its own field—a particular way of thinking has taken hold in human life that is opposed to the paths leading into the spiritual world; so that it is only natural that from the scientific side one hears only things that, in fact, have no interest in the spiritual world as it truly is, in its realities. I will mention just one thing—as I said, you will find more details in the books cited—I will mention that human beings must, so to speak, attain a completely different way of conceiving things. In everyday life, people are satisfied with concepts and ideas if they can say to themselves: These concepts, these ideas are such that they are a reflection of some external fact or external thing. — The spiritual researcher cannot be satisfied with this. Even these ideas and concepts become something entirely different in his soul than they are according to the current habits of thought. If I may once again use a comparison, I would like to illustrate how the spiritual researcher faces the world today. Materialists, spiritualists, pantheists, individualists, monadists, and so on—all such people believe they can somehow penetrate the mysteries of the world; they attempt, using specific ideas and concepts, to form a picture of the processes of the world. Thus, the spiritual researcher cannot simply grasp concepts as they are, but must approach a concept in such a way that he is always clearly aware: In a concept, in a mental image, he has nothing other than what one has in the external sensory world; for example, when one photographs a tree or another object from a certain angle, one obtains an image from that angle, a different image from another angle, yet another from a third angle, and yet another from a fourth angle. The images differ from one another; only when combined in the mind do they together yield the tree as a formed mental image. But one can very well say that one image contradicts the other! Just look at how different an object often appears when you photograph it from one side and then from another! The researcher of the spirit regards all these concepts of pantheism, monadism, and so on in such a way that they are nothing other than different perspectives on reality. For spiritual reality does not, in truth, present itself to the life of imagination or the life of concepts in such a way that one can say any single concept is a representation; rather, one must always approach the matter from all sides, forming the most diverse concepts from various perspectives. This enables one to develop a much greater inner, spiritually active life than one is accustomed to in the outer sensory world; but it also compels one to make these concepts something much more alive. They are no longer mere images, but by experiencing them, they become something much more alive than they are in ordinary life and its objects.
[ 15 ] Ich kann mich da in der folgenden Weise verständigen. Nehmen Sie an, Sie haben eine Rose, abgeschnitten vom Rosenstock, vor sich; Sie bilden sich die Vorstellung davon. Nun ja, diese Vorstellung können Sie sich bilden; Sie werden auch oftmals bei dieser Vorstellung das Gefühl haben: sie drückt Ihnen etwas Wirkliches aus, die Rose ist etwas Wirkliches. Der Geistesforscher kann niemals auf seinem Wege vorwärtskommen, wenn er bei solchen Vorstellungen sich befriedigt, die Rose sei etwas Wirkliches. Die Rose, vorgestellt für sich als Blüte mit einem kurzen Stengel, ist gar nichts in sich Wirkliches; sie kann so, wie sie ist, nur da sein am Rosenstock drauf. Der Rosenstock ist etwas Wirkliches! Und der Geistesforscher muß sich nun angewöhnen, für alle einzelnen Dinge, für welche die Menschen sich Vorstellungen bilden, indem sie glauben, das sei auch etwas Wirkliches, immer sich bewußt zu sein, in welch eingeschränktem Sinne solch eine Sache etwas Wirkliches ist. Er muß fühlen, indem er die Rose mit dem Stiel vor sich hat: das ist nichts Wirkliches; er muß den Grad von Unwirklichkeit mitempfinden, mitfühlen, miterleben, der in dieser Rose als bloßer Blüte enthalten ist.
[ 15 ] I can explain this in the following way. Suppose you have a rose in front of you, cut from the rosebush; you form a mental image of it. Well, you can form this image; and you will often have the feeling, when you think of it, that it expresses something real—that the rose is something real. The spiritual researcher can never make progress on his path if he is satisfied with such ideas that the rose is something real. The rose, imagined on its own as a flower with a short stem, is in and of itself not real at all; as it is, it can only exist on the rosebush. The rosebush is something real! And the spiritual researcher must now accustom himself, with regard to all individual things about which people form ideas—believing them to be real as well—to always be aware of the limited sense in which such a thing is real. When he has the rose with its stem before him, he must feel: this is not something real; he must sense, feel, and experience the degree of unreality contained in this rose as a mere flower.
[ 16 ] Dadurch aber, daß man das für die ganze Weltbetrachtung ausdehnt, belebt sich das Vorstellungsleben selbst; dadurch bekommt man nicht die schon abgelähmten, die getöteten Vorstellungen, mit denen sich die heutige naturwissenschaftliche Weltanschauung zufrieden gibt, sondern man bekommt Vorstellungen, die mit den Dingen mitleben. Allerdings, man erlebt, wenn man von den Denkgewohnheiten der Gegenwart ausgeht, mancherlei Enttäuschungen zunächst, Enttäuschungen, die sich ergeben, weil dasjenige, was man so erlebt, sich wirklich recht sehr unterscheidet von den Denkgewohnheiten der Gegenwart. Man muß schon manchmal recht paradox sprechen, wenn man aus den Erkenntnissen der geistigen Welt heraus spricht, gegenüber den Dingen, die heute allgemein gesprochen und geglaubt werden.
[ 16 ] But by extending this to one’s entire view of the world, the life of the imagination itself is enlivened; as a result, one does not end up with the already enfeebled, the dead concepts with which today’s scientific worldview is content, but rather with concepts that live and breathe with the things themselves. Admittedly, when one starts from the current habits of thought, one initially experiences all sorts of disappointments—disappointments that arise because what one experiences in this way is, in fact, quite different from the current habits of thought. One must sometimes speak in quite paradoxical terms when speaking from the insights of the spiritual world in relation to the things that are generally spoken of and believed today.
[ 17 ] Man kann heute ein sehr gelehrter Mann sein, sagen wir auf physikalischem Gebiete, ein außerordentlich gelehrter Mann, und man kann mit Recht Bewunderung erregen durch seine Gelehrsamkeit, aber man kann mit lauter Begriffen arbeiten, die nicht herangeholt, nicht herangearbeitet sind an solchen, wie ich es geschildert habe: dem Lebendigmachen der Vorstellungswelt. Ich habe ja nur etwas ganz Elementares gesagt; dieses Elementare aber muß sich beim Geistesforscher ausdehnen über die ganze Weltbetrachtung. Ich will ein Beispiel anführen: Professor Dewar hat im Anfange des Jahrhunderts einen sehr bedeutsamen Vortrag in London gehalten. Dieser Vortrag, möchte ich sagen, zeigt in jedem Satze den großen Gelehrten der Gegenwart, der in physikalischen Vorstellungen bewandert ist, wie man nur bewandert sein kann. Der Gelehrte versucht aus den physikalischen Vorstellungen heraus, wie sie der Physiker der Gegenwart gewinnen kann, über den Endzustand der Erde zu sprechen beziehungsweise über irgendeinen Zukunftszustand, in dem eben vieles von dem abgestorben sein muß, was heute noch gegenwärtig sein kann. Er schildert sehr richtig, weil er auf lauter gut fundierten Voraussetzungen fußt; er schildert, wie einmal nach Jahrmillionen eintreten müsse ein Erdzustand, in dem die Temperatur um so und so viel hundert Grade heruntergegangen ist, und wie sich dann — man kann das sehr gut berechnen — verändert haben müssen gewisse Substanzen. Man kann das berechnen, und er schildert, wie Milch zum Beispiel dann nicht mehr wie heute flüssig sein könne, sondern fest sein muß, wie Eiweiß, wenn man damit Wände bestreicht, so leuchtend wird, daß man Zeitungen dabei lesen kann, ohne daß man ein anderes Licht braucht, da man von dem bloßen Eiweiß Licht erhält, und viele solche Einzelheiten. Dinge, die heute nicht einmal ein paar Gramm Druck aushalten würden, werden in ihrer Konsistenz, in ihrem Materiellen so stark sein, daß man Hunderte von Kilogramm daranhängen kann, kurz, eine großartige Schilderung eines künftigen Zustandes der Erde gibt Professor Dewar. Man kann vom Standpunkte des Physikalischen aus nicht das geringste einwenden; aber für den, der lebendiges Denken in seine Seele aufgenommen hat, stellt sich die Sache anders. Für den, der lebendiges Denken in seine Seele aufgenommen hat, tritt notwendigerweise sogleich, indem er solche Vorstellungsformen aufnimmt, wie sie dieser Professor gibt, das vor seine Seele, daß er sich nun etwas sagen muß, was in der Methode, in der Anschauungsweise ganz ähnlich wäre der Folgerung und Denkweise dieses Gelehrten.
[ 17 ] One can be a very learned man today—let’s say in the field of physics—an extraordinarily learned man, and one can rightly inspire admiration through one’s scholarship; yet one can work with nothing but concepts that have not been drawn upon or developed in the way I have described: the bringing to life of the world of the imagination. I have, after all, said only something quite elementary; but for the researcher of the spirit, this elementary principle must extend to one’s entire worldview. Let me give an example: Professor Dewar delivered a very significant lecture in London at the beginning of the century. This lecture, I would say, reveals in every sentence the great scholar of our time, who is as well-versed in physical concepts as one can possibly be. The scholar attempts, based on the physical concepts that a contemporary physicist can arrive at, to speak about the Earth’s final state—or rather, about some future state in which much of what may still exist today must have perished. He describes this very accurately, because he bases his arguments on thoroughly well-founded premises; he describes how, after millions of years, a state of the Earth must eventually arise in which the temperature has dropped by so many hundred degrees, and how—as can be calculated very precisely—certain substances must have changed. This can be calculated, and he describes how milk, for example, could no longer be liquid as it is today but would have to be solid; how egg white, when used to coat walls, would become so luminous that one could read newspapers by its light without needing any other source, since light would be emitted by the egg white itself; and many other such details. Things that today would not even withstand a few grams of pressure will be so strong in their consistency and material composition that one could hang hundreds of kilograms from them; in short, Professor Dewar provides a magnificent description of a future state of the Earth. From a purely physical standpoint, one cannot raise the slightest objection; but for those who have absorbed living thought into their souls, the matter presents itself differently. For those who have embraced living thought in their souls, the moment they take in such conceptual frameworks as those presented by this professor, it necessarily occurs to them that they must now articulate something that, in its method and perspective, would be very similar to the reasoning and way of thinking of this scholar.
[ 18 ] Nehmen Sie an, man nähme zum Beispiel einen fünfundzwanzigjährigen Menschen und beobachtete genau — heute kann man solche Beobachtungen schon anstellen, ich brauche ja nur zu erinnern an das Röntgenwesen —, man beobachtete genau, wie sich gewisse Organe, sagen wir der Magen, von Jahr zu Jahr ändern, im Verlauf von zwei, drei, vier, fünf Jahren ändern; sie nehmen andere Konfigurationen an. Man kann das beschreiben, wie es der Physiker macht, indem er die aufeinanderfolgenden Zustände der Erde vergleicht und dann berechnet, wie nach Jahrmillionen diese Erde ausschauen muß. Nun kann man auch beim Menschen das anstellen: man beobachtet, wie sich, sagen wir, Magen oder Herz von Jahr zu Jahr ändern; dann berechnet man, wie, sagen wir, nach zweihundert Jahren der Mensch ausschauen muß nach diesen Veränderungen. Man bekommt ein ebensogut fundiertes Resultat heraus, wenn man ausrechnet, wie der Mensch nach zweihundert Jahren ausschauen muß, wenn man die einzelnen Anschauungen richtig zusammenrechnet, nur ist der Mensch dann längst gestorben, er ist nicht mehr da!
[ 18 ] Suppose, for example, that one were to take a twenty-five-year-old person and observe them closely—such observations are already possible today; I need only mention X-rays— one were to closely observe how certain organs—let’s say the stomach—change from year to year, over the course of two, three, four, or five years; they take on different configurations. One can describe this, just as a physicist does, by comparing the Earth’s successive states and then calculating what the Earth must look like after millions of years. Now one can do the same with human beings: one observes how, say, the stomach or heart changes from year to year; then one calculates what, say, the person must look like after two hundred years based on these changes. One arrives at an equally well-founded result when calculating what a person must look like after two hundred years, provided one correctly combines the individual observations—only by then the person will have long since died and will no longer be here!
[ 19 ] Sie sehen, was ich meine. Es handelt sich darum, daß man in dem einen Fall aus der unmittelbaren Erfahrung heraus weiß: solche Rechnerei entspricht nicht der Wirklichkeit, weil nach zweihundert Jahren der menschliche Leib mit diesen Veränderungen nicht mehr da wäre, bei der Erde stellt man aber diese Berechnung an. Man beachtet aber nicht, daß die Erde nach zwei Jahrmillionen eben als physisches Wesen auch längst gestorben ist, nicht mehr da ist; daß also die ganze gelehrte Berechnerei über diesen Zustand gar keinen Wirklichkeitswert hat, weil die Wirklichkeit, auf die sie angewendet ist, nicht mehr da ist.
[ 19 ] You see what I mean. The point is that in one case, we know from direct experience that such calculations do not correspond to reality—because after two hundred years, the human body, with all these changes, would no longer exist—yet we apply this calculation to the Earth. But people fail to consider that, as a physical entity, the Earth itself will have long since perished after two million years—it will no longer exist; thus, all this scholarly calculation regarding this state has absolutely no value in reality, because the reality to which it is applied no longer exists.
[ 20 ] Die Sachen gehen sehr weit. Sie können ja ebensogut beim Menschen wie nach vorwärts auch nach rückwärts rechnen, könnten rechnen, wie der Mensch nach den kleinen Veränderungen von zwei Jahren vor zweihundert Jahren ausgeschaut hat, aber er war noch nicht da! Aber nach derselben Methode ist die Kant-Laplacesche Theorie gebildet, jene Theorie, welche annimmt, daß einstmals ein Nebelzustand da war, der aus dem gegenwärtigen Zustand berechnet ist. Die Rechnung stimmt ganz gut, die Wahrnehmungen sind ganz richtig, nur — für den Geistesforscher stellt sich das hin, daß damals, als dieser ganze Urnebel dagewesen sein soll, die ganze Erde noch nicht geboren war, das ganze Sonnensystem noch nicht vorhanden war.
[ 20 ] Things go very far. You might as well calculate backward in human history as forward; you could calculate what a person would have looked like based on the small changes that occurred two years ago—two hundred years ago—but that person wasn’t even there yet! Yet the Kant-Laplace theory is based on the same method—the theory that assumes there was once a nebular state, calculated from the present state. The calculation works out quite well, the observations are entirely correct, only—for the researcher of the spiritual realm, it becomes apparent that back when this entire primordial nebula is supposed to have existed, the entire Earth had not yet been born, and the entire solar system did not yet exist.
[ 21 ] Ich wollte diese Berechnungen nur heranziehen, um Ihnen zu zeigen, wie das ganze innere Seelenleben aus der Abstraktion herauskommen muß, wie es untertauchen muß in die lebendige Wirklichkeit, wie die Vorstellungen selber lebendig werden müssen. Ich habe in meinem Buch «Vom Menschenrätsel», das vor zwei Jahren erschienen ist, unterschieden zwischen wirklichkeitsgemäßen und unwirklichkeitsgemäßen Vorstellungen. Kurz, worauf es ankommt, das ist, daß der Geistesforscher hinweisen muß darauf, daß sein Weg ein solcher ist, daß die Erkenntnismittel, die er gebraucht, erst erweckt werden müssen, daß er erst seine Seele umgestalten muß, um in die geistige Welt hineinschauen zu können. Dann kommen die Ergebnisse in einer solchen Form, daß man sehen kann: der Geistesforscher spekuliert nun nicht, ob die Seele unsterblich sei, ob die Seele durch Geburt und Tod durchgehe, sondern sein Forschungsweg führt ihn zu dem Ewigen in der Menschenseele, zu dem, was durch Geburten und Tode geht; sein Forschungsweg zeigt ihm, was im Menschen als Ewiges lebt. Also er sucht das Objekt, das Ding, das Wesen selber auf. Hat man das Wesen, so kann man an diesem Wesen seine Eigenschaften erkennen, so wie man an der Rose die Farbe erkennt. Daher entsteht oftmals der Schein, als ob der Geisteswissenschafter nur behaupte, es sei so, denn er muß, indem er Belege angibt, immer darauf hinweisen, auf welchem Wege man zu diesen Dingen kommt; er muß gewissermaßen da anfangen, wo die andere Wissenschaft aufhört. Dann aber ist ein wirkliches Eindringen möglich in diejenigen Gebiete, die, ich möchte sagen, den Tod ebenso zu ihrem Ausgangspunkt haben, wie das auf naturwissenschaftlichem Feld Befindliche die Geburt und die Jugend zum Ausgangspunkte hat. Nur muß man sich klar sein darüber, daß dieser Tod keineswegs bloß dieses, die äußeren sinnlichen Anschauungsformen abschließende Ereignis ist, als das er gewöhnlich angeschaut wird, sondern daß er etwas ist, das teil hat am Dasein, so wie die Kräfte, welche mit der Geburt ins Leben gerufen werden, teil haben am Dasein. Wir begegnen dem Tode nicht nur, indem er uns als einmaliges Ereignis ergreift, sondern wir tragen die Kräfte des Todes in uns — abbauende Kräfte, immerfort abbauende Kräfte —, so wie wir die Kräfte der Geburt, oder die uns bei der Geburt gegebenen, als aufbauende Kräfte in uns tragen.
[ 21 ] I wanted to use these calculations only to show you how the entire inner life of the soul must emerge from abstraction, how it must immerse itself in living reality, and how the ideas themselves must come to life. In my book *The Mystery of Man*, which was published two years ago, I distinguished between concepts that correspond to reality and those that do not. In short, what matters is that the spiritual researcher must point out that his path is such that the means of knowledge he uses must first be awakened, that he must first transform his soul in order to be able to look into the spiritual world. Then the results come in such a form that one can see: the spiritual researcher does not speculate about whether the soul is immortal or whether the soul passes through birth and death; rather, his path of research leads him to the eternal in the human soul, to that which passes through births and deaths; his path of research shows him what lives in the human being as the eternal. So he seeks out the object, the thing, the being itself. Once one has the being, one can recognize its qualities in it, just as one recognizes the color of a rose. This is why it often appears as though the spiritual scientist is merely asserting that this is so, for in presenting evidence, he must always point out the path by which one arrives at these things; he must, so to speak, begin where other sciences end. But then a true penetration becomes possible into those realms which, I would say, have death as their starting point just as much as what lies within the realm of the natural sciences has birth and youth as its starting point. One must simply be clear that this death is by no means merely the event that brings the external, sensory forms of perception to a close—as it is usually viewed—but that it is something that participates in existence, just as the forces brought into being at birth participate in existence. We do not merely encounter death when it seizes us as a singular event; rather, we carry within us the forces of death—destroying forces, ever-destroying forces—just as we carry within us the forces of birth, or those given to us at birth, as constructive forces.
[ 22 ] Um dies einzusehen, muß man allerdings an einem Grenzorte zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft wirklich Forschungen anstellen können. Ich kann ja heute von manchern natürlich nur Ergebnisse anführen, will ja auch nur anregen; sollte ich dasjenige in allen Einzelheiten ausführen, womit ich anregen will, so müßte ich viele Vorträge halten. Man muß sich also, wenn man das Angedeutete verfolgen will, an einen Grenzort begeben zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft. Man glaubt so vielfach und hat es geglaubt — heute ist die Wissenschaft meistens über diese Dinge schon hinaus, nur die populären Weltanschauungsbewegungen stehen noch auf einem Standpunkte, den die Wissenschaft schon vor Jahrzehnten verlassen hat —, man glaubt so vielfach, dieses menschliche Nervensystem, dieser menschliche Nervenapparat sei einfach ein Werkzeug für das Denken, Fühlen, Wollen, kurz, für das seelische Erleben. Derjenige, der mit solchen Seelenorganen, mit Geistaugen, Geistohren, wie ich sie wenigstens prinzipiell beschrieben habe, erkennen lernt das seelische Leben, der es erst wirklich entdeckt, dieses seelische Leben, der weiß, daß sprechen: das Gehirn sei ein Werkzeug für das Denken — ebenso ist, wie wenn man sagt: Ich gehe über einen Weg, der vielleicht aufgeweicht ist, ich trete meine Fußspuren hinein. Diese Fußspuren findet nachher einer, er will sie erklären. Wie erklärt er sie? Er erklärt sie dadurch, daß er sagt: Unten in der Erde sind allerlei Kräfte, die auf und ab schwingen und die dadurch, daß sie auf und ab schwingen, diese Fußspuren erzeugen, — was gar nicht auf Kräfte in der Erde zurückgeht, die diese Fußspuren erzeugen, denn ich habe sie hineingetragen, aber man kann meine Spuren genau darinnen nachweisen! — So erklären die Physiologen heute, daß dasjenige, was in dem Gehirn vorgeht, aus dem Gehirn kommt, weil jedem Denken, Vorstellen, Fühlen etwas in dem Nervensystem entspricht. Geradeso wie meine Spuren meinen Fußtritten entsprechen, so entspricht wirklich im Gehirn etwas demjenigen, was die Seele als Eindrücke hat. Aber die Seele hat es erst eingedrückt. Ebensowenig wie die Erde das Organ ist für mein Gehen oder die Fußspuren, ebensowenig wie sie diese herausbildet, ebensowenig ist das Gehirn das Organ für allerlei Vorgänge von Denken oder Vorstellen. Und so wie ich nicht gehen kann ohne Boden — ich kann nicht in der Luft gehen, ich brauche den Grund, wenn ich gehen will —, so ist das Gehirn notwendig; aber nicht weil es das Seelische hervorbringt, sondern weil das Seelische den Grund und Boden braucht, auf dem es sich, solange der Mensch zwischen Geburt und Tod im Leibe lebt, ausdrückt. Es hat also gar nichts zu tun mit dem allem.
[ 22 ] To understand this, however, one must truly be able to conduct research at the intersection of the natural sciences and the humanities. Of course, today I can only cite the findings of a few; my intention is merely to inspire. If I were to explain in full detail what I am trying to convey, I would have to give many lectures. So, if one wishes to pursue what has been hinted at, one must venture into the borderland between the natural sciences and the humanities. It is so widely believed—and has long been believed—that the human nervous system, this human nervous apparatus, is simply a tool for thinking, feeling, and willing; in short, for psychological experience. Today, science has for the most part moved beyond these notions; only popular worldview movements still hold a position that science abandoned decades ago. The one who, through such organs of the soul—through spiritual eyes and spiritual ears, as I have described them at least in principle—learns to perceive the life of the soul, who truly discovers this life of the soul for the first time, knows that to say “the brain is a tool for thinking” is just like saying: “I walk along a path that may be soft, and I leave my footprints in it.” Someone finds these footprints later and wants to explain them. How does he explain them? He explains them by saying: “Deep within the earth there are all kinds of forces that oscillate up and down, and by oscillating up and down, they produce these footprints”—which does not at all stem from forces in the earth producing these footprints, for I have made them there, but one can clearly detect my footprints right there! — This is how physiologists today explain that what takes place in the brain comes from the brain, because every thought, image, and feeling corresponds to something in the nervous system. Just as my footprints correspond to my steps, so too does something in the brain truly correspond to what the soul experiences as impressions. But the soul is the one that imprinted them there in the first place. Just as the earth is not the organ for my walking or for the footprints—just as it does not form them—so too is the brain not the organ for all manner of processes of thinking or imagining. And just as I cannot walk without the ground—I cannot walk in the air; I need the ground if I want to walk—so the brain is necessary; but not because it produces the soul, but because the soul needs the ground on which it expresses itself as long as the human being lives in the body between birth and death. It therefore has nothing at all to do with all of that.
[ 23 ] Gerade die heute so glänzend verstandene Naturwissenschaft erfährt ihre vollständige Aufklärung, wenn dieser Umschwung im Denken eintreten wird, den ich hiermit angedeutet habe, der allerdings ein radikaleret ist als der der Kopernikanischen Weltanschauung gegenüber der Weltanschauung, die man früher gehabt hat, aber der vor der wirklichen Weltanschauung so berechtigt ist, wie die Kopernikanische Weltanschauung gegenüber der früheren berechtigt war. Dann, wenn man auf seelenforscherischem Wege vorwärtsdtingt, dann findet man auch, daß die Vorgänge im Gehirn, im Nervensystem, welche dem Seelenleben entsprechen, nicht aufbauende sind, nicht etwas sind, was dadurch da ist, daß die produktive, die wachsende, die gedeihende Tätigkeit im Nervensystem so vorhanden ist wie im übrigen Organismus. Nein! Sondern dasjenige, was die Seele vollführt im Nervensystem, das ist abbauende Tätigkeit, das ist in der Tat während unseres wachen Bewußtseins außerhalb des Schlafes abbauende Tätigkeit. Und nur dadurch, daß das Nervensystem so in uns eingelagert ist, daß es von dem übrigen Organismus immer wieder aufgefrischt wird, kann die abbauende, die auflösende, die zerstörende Tätigkeit, die vom Denken aus eingreift in unser Nervensystem, immer wieder ausgeglichen werden. Abbauende Tätigkeit ist da, Tätigkeit, welche ganz genau qualitativ dieselbe ist wie diejenige, die der Mensch auf einmal durchmacht, wenn er stirbt, wenn der Organismus ganz aufgelöst wird. Der Tod lebt fortwährend in uns, indem wir vorstellen. Ich möchte sagen, atomistisch geteilt lebt der Tod fortwährend in uns; und der einmalige Tod, der uns ergreift, er ist nur summiert dasjenige, was fortwährend abbauend in uns arbeitet, allerdings wiederum ausgeglichen wird, nur sind die Ausgleiche so, daß eben zuletzt auch der spontane Tod hervorgerufen wird.
[ 23 ] It is precisely the natural sciences—which are so brilliantly understood today—that will achieve their full enlightenment when this shift in thinking, which I have indicated here, takes place; a shift that is, admittedly, more radical than that of the Copernican worldview compared to the worldview held in the past, but which is just as justified in relation to the true worldview as the Copernican worldview was in relation to the earlier one. Then, as one advances along the path of soul research, one will also find that the processes in the brain and nervous system that correspond to the life of the soul are not constructive; they are not something that exists simply because the productive, growing, and flourishing activity is present in the nervous system just as it is in the rest of the organism. No! Rather, what the soul accomplishes in the nervous system is a destructive activity; it is, in fact, a destructive activity during our waking consciousness outside of sleep. And it is only because the nervous system is embedded within us in such a way that it is continually replenished by the rest of the organism that the catabolic, dissolving, and destructive activity—which, originating in thought, intervenes in our nervous system—can be continually balanced. Degrading activity is present—an activity that is qualitatively exactly the same as that which a person undergoes all at once when they die, when the organism is completely dissolved. Death lives continuously within us through our imagination. I would say that, divided into its atomic components, death lives continuously within us; and the singular death that overtakes us is merely the sum total of what is constantly working to break us down within us—though it is, in turn, balanced out—only the balancing acts are such that, ultimately, spontaneous death is also brought about.
[ 24 ] Man muß den Tod begreifen als eine Kraft, die im Organismus wirkt, so wie man die Lebenskräfte begreift. Sehen Sie sich aber heute die auf ihrem Gebiete durchaus berechtigte Naturwissenschaft an, so werden Sie finden: sie sucht nur die aufbauenden Kräfte. Dasjenige, was abbaut, das entzieht sich ihr. Daher kann auch das aus dem Abbauenden wieder Neuerstehende, nun immerfort jetzt nicht leiblich — denn das Leibliche wird eben abgebaut —, sondern geistig-seelisch sich wieder Aufbauende von der äußeren Naturwissenschaft nicht beobachtet werden, denn es fällt fortwährend aus der Beobachtung heraus und wird nur derjenigen Beobachtung zugänglich, die so vorgeht, wie ich es vorhin beschrieben habe. Dann zeigt sich allerdings, daß, während dem wir unser Leben dahinbringen, unsere gesamte Seelentätigkeit nicht nur zugeordnet ist dem Grund und Boden, auf dem sie sich entwickeln muß und den sie sogar abbaut, insofern sie vorstellt, insofern sie tätig ist, sondern daß diese gesamte Seelentätigkeit auch zugeeignet ist einer geistigen Welt, die uns immer umgibt, in der wir mit unserem Seelisch-Geistigen so drinnenstehen, wie wir drinnenstehen mit unserem physischen Leibe in der sinnlich-physischen Welt. Eine wirkliche Beziehung des Menschen zu der geistigen Welt, die alles durchdringt, was physisch ist, zu der wirklichen, konkreten, realen geistigen Welt, wird also durch die Geisteswissenschaft angestrebt.
[ 24 ] One must understand death as a force at work within the organism, just as one understands the forces of life. But if you look at modern science—which is entirely legitimate in its own field—you will find that it seeks only the constructive forces. That which breaks down eludes it. Consequently, that which arises anew from the process of decay—not physically, of course, for the physical is being broken down—but rather that which rebuilds itself spiritually and psychologically—cannot be observed by external natural science, for it continually falls outside the scope of observation and is accessible only to the kind of observation I described earlier. Then it becomes clear, however, that as we go about our lives, our entire soul activity is not merely assigned to the earth on which it must develop—and which it even breaks down, insofar as it is active— insofar as it is active, but that this entire soul activity is also attuned to a spiritual world that always surrounds us, in which we stand with our soul-spiritual being just as we stand with our physical body in the sensory-physical world. Spiritual science thus strives for a genuine relationship between human beings and the spiritual world that permeates all that is physical—the real, concrete, actual spiritual world.
[ 25 ] Dann ergibt sich allerdings die Möglichkeit, weiter zu beobachten, wie dasjenige, was da in uns wirkt und webt als Seelisches, das in den Grenzen, die ich geschildert hatte, abbaut, ein zusammengehöriges Ganzes ist. Dasjenige, was ich Seelenentwickelung genannt habe, dringt vor vom gewöhnlichen Bewußtsein zum schauenden Bewußtsein. Ich habe davon gesprochen in meinem Buche «Vom Menschenrätsel». Dieses schauende Bewußtsein entwickelt die Möglichkeit, imaginative Erkenntnisse zu haben. Diese imaginativen Erkenntnisse geben nicht das, was äußerlich sinnlich ist, sondern sie geben am Menschen selber — ich will von der andern Welt jetzt absehen —, sie geben am Menschen selber dasjenige, was an ihm nicht sinnlich wahrnehmbar ist. Ich habe in der letzten Zeit, damit kein Mißverständnis entstehe, dieses, was zunächst von einer solchen geweckten Erkenntnis wahrgenommen werden kann, Bildekräfteleib genannt. Das ist jener übersinnliche Leib des Menschen, welcher tätig ist während unseres ganzen Lebens, von der Geburt, oder sagen wir Empfängnis, bis zu unserem physischen Tode, welcher auch der Träger unserer Erinnerungen ist, welcher aber als übersinnliche Wesenheit mit einer übersinnlichen Außenwelt in Verbindung steht. So daß unser sinnliches Leben mit seinem übrigen Bewußtsein nur wie eine Insel dasteht, aber rings um diese Insel herum und sogar diese Insel durchdringend, liegt die Beziehung des menschlichen Bildekräfteleibes mit der übersinnlichen Außenwelt. Da kommen wir allerdings dazu, alle Vorstellungswelt — jetzt nicht anders als wie ich es geschildert habe in Zusammenhang zu bringen mit dem physischen Gehirn, das den Grund und Boden dafür abgibt; aber wir kommen dazu, einzusehen, daß der Bildekräfteleib der Träger der menschlichen Gedanken ist, daß sich die Gedanken entwickeln in diesem Bildekräfteleib, daß der Mensch, indem er denkt, in diesem Bildekräfteleib lebt.
[ 25 ] This, however, opens up the possibility of further observing how that which acts and weaves within us as a spiritual force—and which breaks down within the boundaries I have described—forms a coherent whole. What I have called soul development advances from ordinary consciousness to contemplative consciousness. I have spoken of this in my book *The Mystery of Man*. This contemplative consciousness develops the capacity for imaginative insights. These imaginative insights do not reveal what is externally perceptible to the senses, but rather—leaving aside the other world for now—they reveal in the human being themselves that which is not perceptible to the senses. To avoid any misunderstanding, I have recently referred to that which can initially be perceived through such awakened insight as the “body of formative forces.” This is the human being’s supersensible body, which is active throughout our entire life, from birth—or, let us say, conception—until our physical death; it is also the bearer of our memories, yet as a supersensible entity it stands in connection with a supersensible external world. Thus, our sensory life, with the rest of our consciousness, stands there like an island; but surrounding this island—and even permeating it—is the relationship between the human body of formative forces and the supersensible external world. Here, of course, we are led to regard the entire world of imagination—as I have described it—as connected to the physical brain, which provides the foundation for it; but we come to realize that the form-body is the bearer of human thoughts, that thoughts develop within this form-body, and that when a person thinks, they live within this form-body.
[ 26 ] Anders ist es schon, wenn wir vorschreiten zu einem andern Seelenerlebnis, zu dem Fühlen. Unser Fühlen, auch unsere Affekte, unsere Leidenschaften stehen in einem andern Verhältnis zu unserem Seelenleben als unser Denken. Der Geistesforscher findet, daß die Gedanken, die wir uns gewöhnlich machen, an den Bildekräfteleib gebunden sind, nicht aber unsere Gefühle, nicht aber unsere Affekte. Diese Gefühle und Affekte leben in uns in einer viel unterbewußteren Art; dafür stehen sie aber auch mit etwas weit Umfassenderem im Zusammenhang als mit unserem Leben zwischen Geburt und Tod. Nicht als ob der Mensch in diesem Teile seines Lebens, von dem ich jetzt spreche, gedankenlos wäre; alle Gefühle sind von Gedanken durchdrungen; aber die Gedanken, von denen die Gefühle durchdrungen sind, kommen dem Menschen in der Regel nicht in das gewöhnliche Bewußtsein hinein, sie sind unter der Schwelle dieses Bewußtseins. Dasjenige, was als Gefühl heraufwogt, das ist gedankendurchsetzt, aber diese Gedanken sind weiterausgreifend, denn man findet sie nur, wenn man zu einem noch höheren Bewußtsein vorschreitet in der schauenden Erkenntnis: zu dem, was — ich denke nicht an abergläubische Vorstellungen —, was ich das inspirierte Bewußtsein nenne. Das Genauere darüber können Sie in meinen Büchern nachlesen.
[ 26 ] The situation is quite different, however, when we move on to another aspect of the soul’s experience: feeling. Our feelings—as well as our emotions and passions—stand in a different relationship to our inner life than our thinking does. The spiritual researcher finds that the thoughts we usually form are bound to the body of formative forces, but not our feelings, not our emotions. These feelings and emotions live within us in a much more subconscious way; but they are also connected to something far more comprehensive than our life between birth and death. It is not that human beings are thoughtless in this part of their life of which I am now speaking; all feelings are permeated by thoughts; but the thoughts that permeate these feelings do not, as a rule, enter a person’s ordinary consciousness—they lie below the threshold of that consciousness. What wells up as feeling is interwoven with thought, but these thoughts are of a broader scope, for one finds them only by advancing to an even higher level of consciousness in intuitive insight: to what—and I am not referring to superstitious notions—I call inspired consciousness. You can read more details about this in my books.
[ 27 ] Vertieft man sich nun in das, was eigentlich dem gewöhnlichen Bewußtsein gegenüber so schläft, wie der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen schläft mit Bezug auf die gewöhnlichen sinnlichen Vorstellungen, so sieht man es heraufwogen, wie in den Schlaf hinein die Träume wogen. So wogen in der Tat die Gefühle herauf, es klingt paradox, aber es ist so: aus dem Tieferen der Seele. Aber dieses Tiefere der Seele, das der inspirierten Erkenntnis zugänglich ist, das ist dasjenige, was da lebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt; das ist dasjenige, was eingetreten ist in den physischen Zusammenhang durch unsere Empfängnis, oder sagen wir Geburt, was durch die Pforte des Todes tritt und unter andern Bedingungen ein geistiges Dasein hat, bis der Mensch wieder geboren wird. Wer mit inspirierter Erkenntnis wirklich hineinschaut in dasjenige, was in der Gefühlswelt lebt, der sieht nicht nur den Menschen zwischen Geburt und Tod, der sieht den Menschen auch in den Zeiten, die die Seele durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 27 ] If one now delves into that which actually lies dormant in relation to ordinary consciousness—just as a person sleeps from the moment of falling asleep until waking with regard to ordinary sensory perceptions—one sees it welling up, just as dreams well up into sleep. Indeed, the feelings welled up—it sounds paradoxical, but it is so—from the depths of the soul. But this deeper realm of the soul, which is accessible to inspired insight, is that which lives between death and a new birth; it is that which has entered into the physical realm through our conception—or, let us say, birth—and which passes through the gate of death and exists as a spiritual being under different conditions until the human being is born again. Whoever, with inspired insight, truly looks into that which lives in the world of feeling sees not only the human being between birth and death, but also sees the human being in the periods the soul experiences between death and a new birth.
[ 28 ] Das ist nicht nur so einfach hingestellt: so ist es eben, — sondern es ist darauf hingewiesen, wie die Kräfte in der Seele entstehen, welche die Gefühle, Affekte, Leidenschaften so anzusehen vermögen, daß man in ihnen drinnen lebt. So wie man in der Pflanze dasjenige sieht, was durch die Keimeskräfte entstanden ist, so sieht man etwas, was nicht mit unserer Geburt oder Empfängnis entsteht, sondern was aus einer geistigen Welt herausgekommen ist.
[ 28 ] This is not simply stated as a matter of fact—that is just the way it is—but rather, it points out how the forces within the soul arise that enable us to view feelings, emotions, and passions in such a way that we live right within them. Just as one sees in a plant that which has arisen through the forces of germination, so one sees something that does not arise with our birth or conception, but rather has come forth from a spiritual world.
[ 29 ] Ich weiß sehr wohl, wieviel sich von der heutigen naturwissenschaftlichen Weltanschauung gegen eine solche Vorstellung einwenden läßt. Es werden diejenigen, die bekannt sind mit solchen naturwissenschaftlichen Weltanschauungen, leicht sagen: Ja, da kommt er und schildert in dilettantischer Weise, daß diese Glieder seiner Seele, die er umfassen will, aus einer geistigen Welt herauskommen; schildert die besonderen Konfigurationen, Farben der Gefühle so, als ob in diesen Gefühlen auf der einen Seite der Hinweis wäre auf unser vorgeburtliches Leben, und auf der andern Seite wieder etwas, was so wäre, wie der Keim der Pflanze dasjenige ist, was in der Pflanze des nächsten Jahres sein wird. Kennt denn dieser Mensch nicht — werden die Leute sagen — die wunderbaren Vererbungsgesetze, die durch die Naturwissenschaft heraufgebracht sind? Weiß er denn nicht alles, was diejenigen wissen, welche die Wissenschaft der Vererbungsmerkmale erst schufen, welche erst zusammenprägten alles das, was die Kenntnis der Vererbungsmerkmale hervorgerufen hat?
[ 29 ] I am well aware of how much can be raised against such a conception from today’s scientific worldview. Those familiar with such scientific worldviews will readily say: Yes, here he comes, describing in an amateurish way how these aspects of his soul—which he seeks to encompass—originate from a spiritual world; he describes the particular configurations and colors of feelings as if, on the one hand, these feelings contained a reference to our prenatal life, and on the other hand, something akin to how a plant’s seed is what will become the plant of the following year. “Doesn’t this man,” people will say, “know the marvelous laws of heredity that have been established by the natural sciences? Doesn’t he know everything that those who first established the science of hereditary traits know—those who first synthesized all that the study of hereditary traits has brought to light?”
[ 30 ] Ist auf der einen Seite die Tatsache, auf welche Naturwissenschaft hinweist, ganz richtig, so stecken doch in der Entstehung der Vererbung unsere Kräfte, durch die wir uns durch Jahrhunderte vorbereiten und die wir herunterschicken, so daß sich aus Voreltern und Eltern jene Konstellationen herausbilden, welche zuletzt zu dem materiellen Ergebnis führen, mit dem wir uns dann umhüllen, indem wir aus der geistigen Welt in die physische heruntersteigen. Wer wirklich gerade die wunderbaren Ergebnisse der neueren Vererbungsforschung ins Auge faßt, der wird finden, daß das, was Geisteswissenschaft nur auf eine ganz andere Weise, ich möchte sagen, auf dem entgegengesetzten Wege, von der Seele aus findet, vollständig bestätigt wird gerade durch die Naturwissenschaft; während das, was die Naturwissenschaft selber sagt, gar nicht durch die Naturwissenschaft bestätigt wird. Das kann ich nur andeuten.
[ 30 ] If, on the one hand, the fact pointed out by natural science is entirely correct, yet the process of heredity involves our own forces—forces through which we prepare ourselves over the course of centuries and which we send down—so that from our ancestors and parents those constellations take shape which ultimately lead to the material result with which we then envelop ourselves as we descend from the spiritual world into the physical. Anyone who truly considers the marvelous findings of recent research on heredity will find that what spiritual science discovers—albeit in a completely different way, I would say, by the opposite path, starting from the soul—is fully confirmed precisely by natural science; whereas what natural science itself asserts is not confirmed by natural science at all. I can only hint at this.
[ 31 ] Und wenn wir dann eintreten in jenes Gebiet, das man als den Willen bezeichnet, so entzieht sich das ja sehr dem, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein hat. Was weiß der Mensch selbst über das, was in ihm vorgeht, wenn der Gedanke: Ich will etwas haben — sich zu einer Handbewegung gestaltet? Der eigentliche Willensvorgang schläft im Menschen. Mit Bezug auf die Gefühle und Affekte konnte man wenigstens sagen, der Mensch träumt im Menschen. Deshalb ist die Frage über die Freiheit eine so schwierige, weil der Wille schlafend ist dem gewöhnlichen Bewußtsein gegenüber. Über das, was in dem Willen vorgeht, kommt man nur zu einer Erkenntnis, indem man im schauenden Bewußtsein bis zum wirklichen intuitiven Bewußtsein gelangt, nicht dem verschwommenen alltäglichen, intuitiv genannten Bewußtsein, zu dem, was ich in meinen Schriften die drei Stufen: imaginatives, inspiriertes und intuitives Erkennen genannt habe. Da kommt man hinein in das Willensgebiet, in dasjenige, was in uns wirken, leben soll. Das muß erst aus den unterseelischen Tiefen heraufgeholt werden. Dann aber findet man, daß allerdings dieses Willenselement daneben noch — der gewöhnliche Gedanke steht für sich — von Gedanken, von Geistigem durchsetzt ist. Aber so wie wir den Willen in uns tragen, wirkt in diesen Willen hinein jetzt nicht nur das, was wir in der geistigen Welt erlebt haben, was in unsere Gefühle, in unsere Affekte hinein wirkt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, sondern es wirkt dasjenige, was wir in vorigen Erdenleben erlebt haben. In die Willensnatur des Menschen wirken hinein die Impulse früherer Erdenleben. Und in dem, was wir im gegenwärtigen Wollen entwickeln, heranzüchten, möchte ich sagen, leben die Impulse für folgende Erdenleben. So daß das gesamte Menschenleben für die wirkliche Geistesforschung zerfällt in solche Leben, die zwischen der Geburt und dem Tod liegen, und in solche, welche — weil das ganze physische Dasein aus der Welt heraus gebaut werden muß — in weit längeren Zeiträumen in der geistigen Welt erlebt werden. Aus solchen Leben, wiederholten Erdenleben, wiederholten geistigen Leben, setzt sich das gesamte menschliche Leben zusammen. Dies ist nicht eine Phantastik, nicht ein Einfall, sondern etwas, das man findet, wenn man wirklich auf das Ewige, Unvergängliche in der Menschenseele lernt das Geistesauge hinzuwenden.
[ 31 ] And when we then enter that realm known as the will, it is, of course, very far removed from what a person experiences in their ordinary consciousness. What does a person actually know about what is going on within them when the thought “I want something” takes the form of a hand movement? The actual process of the will lies dormant within a person. With regard to feelings and emotions, one could at least say that a person is dreaming within themselves. That is why the question of freedom is so difficult—because the will is dormant in relation to ordinary consciousness. One can only gain insight into what is happening within the will by advancing, through contemplative consciousness, to true intuitive consciousness—not the vague, everyday consciousness that is merely called “intuitive,” but rather what I have referred to in my writings as the three stages of cognition: imaginative, inspired, and intuitive. There one enters the realm of the will, that which is meant to work and live within us. This must first be brought up from the depths beneath the soul. But then one finds that, in addition to this element of the will—ordinary thought stands on its own—it is permeated by thoughts and by the spiritual. But just as we carry the will within us, it is not only what we have experienced in the spiritual world—what works into our feelings and emotions between death and a new birth—that now acts upon this will, but also what we have experienced in previous earthly lives. The impulses of earlier earthly lives work into the human will. And in what we develop—or, I would say, nurture—in our present volition, the impulses for subsequent earthly lives are alive. Thus, for genuine spiritual research, the entire human life breaks down into those lives that lie between birth and death, and into those which—because the entire physical existence must be built up from outside the world—are experienced in the spiritual world over far longer periods of time. Human life as a whole is composed of such lives—repeated earthly lives and repeated spiritual lives. This is not a fantasy, not a mere idea, but something one discovers when one truly learns to turn the spiritual eye toward the eternal, the imperishable, within the human soul.
[ 32 ] Diese Dinge schließen nicht die menschliche Freiheit aus. Ebensowenig wie es meine Freiheit ausschließt, wenn ich mir dieses Jahr ein Haus baue, in dem ich nach zwei Jahren wohnen werde — ich werde darinnen ein freier Mensch sein, trotzdem ich dieses Haus für mich gebaut habe —, so bestimmen die einen Erdenleben die andern, die folgenden vor. Aber nur mißverstandene Auffassung könnte das als eine Beeinträchtigung des menschlichen Freiheitsgedankens hinstellen.
[ 32 ] These things do not preclude human freedom. Just as it does not preclude my freedom when I build a house this year in which I will live in two years’ time—I will be a free person within it, even though I built this house for myself—so one earthly life predetermines the others that follow. But only a misunderstood view could portray this as an infringement on the concept of human freedom.
[ 33 ] So kommt man allmählich in geistiger Forschung an die geistigen Tatsachen heran, indem man ausgeht von dem Tode. Auch im einzelnen ergibt diese Beobachtung das Mannigfaltigste, wenn man den Tod der Geistesforschung so zugrunde legt, wie man die Geburt und das Keimesleben der physischen Forschung zugrunde legt. Ich will nur einiges anführen, weil ich nicht im Unbestimmten herumreden. möchte, sondern konkrete Ergebnisse der anthroposophischen Geistesforschung anführe. Wir können unterscheiden im gewöhnlichen Geistesleben zwischen dem gewaltsam eintretenden Tode durch äußere Veranlassung und dem Tod, der von innen heraus, sei es durch Krankheit von innen heraus, sei es durch Altern, eintritt. Wir können also verschiedene Arten des Todes unterscheiden. Geistesforschung, die konkret auf die Natur des Todes eingeht, findet folgendes:
[ 33 ] In this way, one gradually approaches spiritual facts in spiritual research by taking death as the starting point. Even in specific cases, this observation yields a wide variety of results when one takes death as the foundation of spiritual research, just as one takes birth and embryonic life as the foundation of physical research. I will mention just a few examples, because I do not wish to speak in vague terms, but rather to cite concrete results of anthroposophical spiritual research. In ordinary spiritual life, we can distinguish between death that occurs violently due to external causes and death that occurs from within—whether through internal illness or through aging. We can thus distinguish between different kinds of death. Spiritual research that specifically addresses the nature of death finds the following:
[ 34 ] Nehmen wir zum Beispiel den gewaltsamen Tod, der in ein Leben hereintritt, sei es dadurch, daß man verunglückt, oder auf irgendeine andere Weise, kurz, gewaltsam. Das ist der Hereintritt eines Ereignisses, das das Leben in diesem Erdendasein auflöst. Von diesem einmaligen Eintritt des Todes hängt ebenso die Entwickelung des Geistbewußtseins für die geistige Welt nach dem Tode ab, wie von den Kräften, die uns bei der Geburt gegeben werden, die Grundlage abhängt — in der Weise aber wie ich es geschildert habe — dafür, daß wir im Leben ein Bewußtsein entwickeln können. Andersartig ist das Bewußtsein, das wir nach dem Tode entwickeln: Das Bewußtsein, das wir hier auf Erden entwickeln, steht auf dem Boden des Nervensystems, so wie ich auf dem Boden stehe, wenn ich auf dem Boden gehe; in der geistigen Welt begründet ist das Bewußtsein nach dem Tode ein andersartiges, aber durchaus ein Bewußtsein. Wenn der Mensch eines gewaltsamen Todes stirbt, so ist das nicht nur etwas, was hereingreift in seine Vorstellungen. Das gewöhnliche Bewußtseinsvorstellen schließt ja mit dem Tode ab, ein anderes Bewußtsein beginnt, aber es greift herein in seinen Willen, von dem wir gesehen haben, daß er herübergeht in folgende Erdenleben. Der Geistesforscher hat die Mittel, in einem Erdenleben zu untersuchen, was da auftreten kann, wenn in einem vorigen Erdenleben ein gewaltsamer Tod eingetreten ist.
[ 34 ] Let us take, for example, a violent death that occurs during one’s life—whether through an accident or in some other way; in short, a violent death. This is the occurrence of an event that brings an end to life in this earthly existence. The development of spiritual consciousness for the spiritual world after death depends just as much on this single occurrence of death as the foundation depends—in the way I have described it—on the forces given to us at birth, which enable us to develop consciousness during our lives. The consciousness we develop after death is of a different nature: The consciousness we develop here on Earth is grounded in the nervous system, just as I stand on the ground when I walk; in the spiritual world, the consciousness after death is of a different nature, but it is certainly a form of consciousness. When a person dies a violent death, this is not merely something that intrudes upon their perceptions. Ordinary concepts of consciousness do indeed come to an end with death, and a different consciousness begins; but it also affects their will, which, as we have seen, carries over into subsequent earthly lives. The spiritual researcher has the means to investigate, within an earthly life, what may occur if a violent death took place in a previous earthly life.
[ 35 ] Wenn man über solche Dinge heute spricht, so weiß man selbstverständlich, daß allerlei Menschen sagen: Das ist töricht, kindisch, phantastisch. — Aber die Ergebnisse sind ebenso gesicherte wissenschaftliche — nur solche bringe ich vor — wie die der Naturwissenschaft. Wenn ein gewaltsamer Tod in ein Leben eingreift, so zeigt sich dieses im nächstfolgenden Erdenleben so, daß dieser Tod nachwirkt, indem er in ganz bestimmten Lebensjahren des nächstfolgenden Lebens irgendwie eine Richtungsänderung des Lebens hervorbringt. Es werden jetzt schon Forschungen angestellt über Seelenleben; nur werden sie in der Regel so angestellt, daß man nur das Alleräußerlichste dabei berücksichtigt. In manchen Menschenleben tritt in einem bestimmten Augenblicke dieses Lebens etwas ein, was das ganze Schicksal des Menschen ändert, was ihn auf andere Lebenswege bringt, wie innerlich herausgefordert. In Amerika nennt man solche Dinge «Bekehrungen», weil man Namen haben will für sie; aber wir brauchen nicht immer an Religiöses zu denken; der Mensch kann in andere Lebenswege, in eine bleibende Änderung seiner Willensrichtung hineingedrängt werden. Solch eine radikale Änderung einer Willensrichtung hat ihren Ursprung in einem gewaltsamen Tode seines vorhergehenden Lebens. Denn wie sehr häufig dasjenige, was im Tode auftritt, gerade für die Mitte des nächsten Lebens wichtig ist, das zeigt sich der konkreten Forschung. Tritt der Tod spontan aus dem Innern durch Krankheit oder durch Altern auf, so hat der Tod viel mehr als für das nächste Erdenleben eine Bedeutung für das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 35 ] When one speaks of such things today, one knows, of course, that all sorts of people will say: That is foolish, childish, fanciful. — But the findings are just as scientifically sound—and I present only such findings—as those of the natural sciences. When a violent death intervenes in a life, this manifests itself in the subsequent earthly life in such a way that this death continues to have an effect by somehow bringing about a change in the direction of life during very specific years of that subsequent life. Research is already being conducted on the life of the soul; however, it is generally conducted in such a way that only the most external aspects are taken into account. In some people’s lives, something occurs at a specific moment that changes the entire course of their destiny, leading them down different paths in life, as if challenged from within. In America, such events are called “conversions,” because people want to give them names; but we need not always think in religious terms; a person can be driven onto different life paths, into a lasting change in the direction of their will. Such a radical change in the direction of the will has its origin in a violent death in their previous life. For concrete research shows just how often what occurs at the moment of death is particularly significant for the middle of the next life. If death occurs spontaneously from within—through illness or aging—then it has far greater significance for the life between death and a new birth than for the next earthly life.
[ 36 ] Ich wollte diese Beispiele anführen, damit Sie sehen, daß man nicht im Unbestimmten herumredet, sondern in der Tat über Einzelheiten, die im Zusammenhange des Lebens auftreten, ganz bestimmte Anschauungen gewinnen kann. Und so ist es, daß in der Tat die Geistesforschung neu, selbst auch für diejenigen, die überzeugt sind von der Unsterblichkeit der Menschenseele, in das Bewußtsein hereinbringt, daß man nicht nur im allgemeinen von Unsterblichkeit zu reden hat, sondern daß durch das Begreifen des Ewigen in der Menschenseele das Menschenleben als solches begreiflich wird. All die sonderbaren Vorgänge, die man beobachtet, wenn man Sinn hat für seelischen Lebensverlauf, für den Verlauf des seelischen Lebens im Menschen, all die wunderbaren Ereignisse, sie stellen sich hinein, wenn man weiß, man hat es zu tun mit wiederholten Erdenleben und wiederholten geistigen Leben. In der geistigen Welt — ich sage das nur wie in Parenthese — steht der Mensch mit geistigen Wesenheiten, nicht nur mit den Mitmenschen, die ihm schicksalsmäßig nahegetreten sind und die auch durch die Pforte des Todes gegangen sind, sondern auch mit andern geistigen Wesen so in Beziehung, wie er hier mit den drei Reichen, dem Pflanzenreich, dem Mineralteich, dem Tierreich in Beziehung steht. Der geistige Forscher redet von einzelnen bestimmten Geistern, einzelnen bestimmten geistigen Wesenheiten, von einer konkreten, individualisierten geistigen Welt, wie wir hier von individualisierten Pflanzenwesen und Tierwesen und Menschenwesen reden, insofern sie zwischen Geburt und Tod physische Wesen sind. Was vor allen Dingen den Menschen erschüttern kann — es ist schwierig über die Dinge so zu sprechen, daß sie in einer neuen Weise wie aus grauer Geistestiefe heraustreten —, das ist, was dann eintritt, wenn die Erkenntnis selber in einer ganz bestimmten Weise an die menschliche Seele herantritt. Sie haben aus dem, was ich gesagt habe, gesehen, daß man Erkenntnis über die geistige Welt gewinnen kann. Diese Erkenntnisse haben tiefe Bedeutung für die menschliche Seele; sie machen gewissermaßen aus dieser menschlichen Seele etwas anderes. Es greift ein in das Leben der Seele, gleichgültig ob man Geistesforscher ist oder ob man nur das, was vom Geistesforscher erforscht ist, gehört hat, verstanden hat, es aufgenommen hat; es ist gleichgültig, es kommt nicht darauf an, es selbst erforscht zu haben: man kann es auch begreiflich finden. Alles kann man begreiflich finden, wenn man es nur genügend durchdringt. Man braucht es nur aufgenommen zu haben. Dann tritt es aber, wenn man es in seiner vollen Wesenheit erfaßt, so in dieses menschliche Seelenleben herein, daß man sich eines Tages eines sagt, daß es bedeutungsvoller ist als alle andern Ereignisse des Lebens.
[ 36 ] I wanted to cite these examples so that you can see that we are not just talking in vague generalities, but can in fact gain very specific insights into details that arise in the context of life. And so it is that spiritual research—even for those who are convinced of the immortality of the human soul—brings into consciousness the realization that we must not merely speak of immortality in general terms, but that through an understanding of the eternal in the human soul, human life as such becomes comprehensible. All the strange occurrences one observes when one has a sense of the soul’s life course—the course of the soul’s life within the human being—all these wondrous events come into focus when one knows that one is dealing with repeated earthly lives and repeated spiritual lives. In the spiritual world—I mention this only as an aside—human beings relate to spiritual beings, not only to fellow human beings who have been brought close to them by fate and who have also passed through the gate of death, but also to other spiritual beings in the same way that they relate here to the three kingdoms: the plant kingdom, the mineral kingdom, and the animal kingdom. The spiritual researcher speaks of specific individual spirits, specific individual spiritual beings, of a concrete, individualized spiritual world, just as we speak here of individualized plant beings, animal beings, and human beings, insofar as they are physical beings between birth and death. What can shake a person above all else—it is difficult to speak of these things in such a way that they emerge in a new light, as if from the depths of the spirit—is what occurs when knowledge itself approaches the human soul in a very specific way. You have seen from what I have said that one can gain knowledge of the spiritual world. These insights have profound significance for the human soul; they transform the human soul, so to speak, into something else. It penetrates the life of the soul, regardless of whether one is a spiritual researcher or has merely heard, understood, and taken in what has been researched by spiritual researchers; it does not matter whether one has researched it oneself: one can also find it comprehensible. One can find everything comprehensible, provided one penetrates it sufficiently. One need only have taken it in. But then, when one grasps it in its full essence, it enters into this human soul life in such a way that one day one says to oneself that it is more significant than all other events in life.
[ 37 ] Man kann Schweres, Trauriges erlebt haben, das einen erschüttert hat, Freudiges, was einen erhoben hat, Erhabenes — man braucht nicht stumpf zu sein dagegen, wenn man etwa Geistesforscher oder Geist-Erkenner ist, man kann alles so voll empfindend miterleben wie die andern Menschen, die noch nicht Geistesforscher sind —, aber wenn man in seiner vollen Wesenheit durchdringt, was die GeistErkenntnis der Seele gibt und sich die Frage zu beantworten vermag: Was hat die Seele von diesen geistigen Ergebnissen? — wenn man sich voll sagt, was die Seele geworden ist durch die geistige Erkenntnis, dann wird dieses Ereignis wichtiger als alle andern Schicksale, als alle andern Schicksalserlebnisse, die an den Menschen herantreten. Nicht daß die andern kleiner werden, aber dieses wird größer als die andern. Die Erkenntnis selbst tritt dann schicksalsmäßig durch das menschliche Seelenleben herein. Tritt so die Erkenntnis durch das menschliche Seelenleben herein, dann fängt man an, das menschliche Schicksal als solches zu verstehen: von da aus leuchtet das Licht, das das menschliche Schicksal aufklärt. Man sagt sich von diesem Momente ab: Hat man so rein im Geistigen dieses Schicksalserlebnis, dann wird einem erklärlich, wie man schicksalsmäßig in das Leben hereingestellt ist, wie unser Schicksal an den Fäden hängt, die sich herausspinnen aus vorhergehenden Leben, vorhergehenden Erdenleben und Leben zwischen Tod und neuer Geburt, die sich wieder hineinspinnen aus diesem Leben in ein folgendes Leben. — Und man sagt sich: Das gewöhnliche Bewußtsein durchträumt sein Schicksal nur; das gewöhnliche Bewußtsein nimmt sein Schicksal hin, ohne es zu verstehen, wie man den Traum hinnimmt. Das schauende Bewußtsein, zu dem man erwacht, wie man aus dem Traum zum gewöhnlichen Bewußtsein erwacht, das gewinnt auch ein neues Verhältnis zum Schicksal. Das Schicksal wird erkannt als dasjenige, was mitarbeitet an unserem umfassenden Leben, an dem Leben, das durch Geburten und Tode geht.
[ 37 ] One may have experienced difficult or sad events that have shaken one, joyful events that have uplifted one, or sublime experiences—one need not be insensitive to them, especially if one is a spiritual researcher or a knower of the spirit, one can experience everything just as deeply as other people who are not yet spiritual researchers—but when one penetrates, in one’s full being, what spiritual knowledge gives to the soul and is able to answer the question: What does the soul gain from these spiritual insights? — if one fully realizes what the soul has become through spiritual knowledge, then this event becomes more important than all other fates, than all other experiences of fate that approach a person. Not that the others become less significant, but this one becomes greater than the others. The insight itself then enters, as a matter of destiny, through the life of the human soul. When the insight enters in this way through the life of the human soul, one begins to understand human destiny as such: from there shines the light that illuminates human destiny. From this moment on, one says to oneself: If one has this experience of destiny so purely in the spiritual realm, then it becomes clear how one is placed in life by destiny, how our destiny hangs on the threads that spin out from previous lives, previous earthly lives, and lives between death and rebirth—threads that spin back from this life into a subsequent one. — And one says to oneself: Ordinary consciousness merely dreams through its destiny; ordinary consciousness accepts its destiny without understanding it, just as one accepts a dream. The contemplative consciousness to which one awakens—just as one awakens from a dream to ordinary consciousness—also gains a new relationship to destiny. Fate is recognized as that which contributes to our all-encompassing life—the life that passes through births and deaths.
[ 38 ] Es ist die Sache nicht in der trivialen Weise aufzufassen, als wenn der Geistesforscher nun sagen würde: Dein Unglück hast du selbst verschuldet — nein, das wäre nicht nur ein Verkennen, es wäre sogar eine Verleumdung der Geistesforschung. Ein Unglück braucht sogar gar nicht aus dem vorhergehenden Leben irgendwie verursacht zu sein. Es kann spontan eintreten; es wird nur seine Folgen für das folgende und auch alles Leben zwischen den Erdenleben haben, weil wir sehr häufig sehen, daß aus Unglück, aus Leid und Schmerz dasjenige herauswächst, was andersgestaltetes Bewußtsein in der geistigen Welt ist. Aber Sinn kommt in unser ganzes Leben hinein, Verständnis auch für unser Schicksal, das wir sonst nur durchträumen, das wir nun verstehen lernen.
[ 38 ] This matter should not be understood in a trivial way, as if the spiritual researcher were to say: “You brought this misfortune upon yourself”—no, that would not only be a misunderstanding; it would even be a slander against spiritual research. Misfortune does not even have to be caused in any way by a previous life. It can occur spontaneously; it will simply have consequences for the next life and for all lives between earthly existences, because we very often see that misfortune, suffering, and pain give rise to what is a transformed consciousness in the spiritual world. But meaning enters our entire life, as does an understanding of our destiny—which we would otherwise merely dream through, but which we now learn to comprehend.
[ 39 ] Eines tritt vor allem hervor, wenn diese Geisteserkenntnis ins Auge gefaßt wird. Man kann nicht etwa dann noch sagen: Nun ja, nach dem Tode mag die Seele in ein anderes Leben eintreten, aber das kann man ja abwarten. Hier nehme man das Leben, wie es sich im physischen Leib darbietet; was nach dem Tode ist, das kann man ja abwarten. — Die Sache ist eine Bewußtseinsfrage. Allerdings steht das, was nach dem Tode eintritt, in einem Zusammenhange mit dem Leben, das wir durchleben im Leibe. So wie wir hier durch unseren Leib in gewissem Sinne das Bewußtsein haben, das wit eben im gewöhnlichen Wachzustande haben, so haben wir nach dem Tode ein Bewußtsein, das sich jetzt nicht räumlich aus dem Nervensystem aufbaut, sondern das sich zeitlich aufbaut, im Zurückschauen aufbaut. So wie unser Nervensystem gewissermaßen die Widerlage und der Gegenschlag ist für unser gewöhnliches Bewußtsein zwischen Geburt und 'Tod, so bildet eine Grundlage für unser Bewußtsein in der geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt dasjenige, was schon hier in unserem Bewußtsein sitzt. Und so wie wir hier die Welt um uns haben, so haben wir, wenn wir gestorben sind, gerade unser Leben als wichtiges Organ vor uns. Daher hängt viel ab von dem Bewußtsein im physischen Leib, das sich hineinerstrecken kann in das Bewußtsein, das nach dem Tode an uns herantritt. Wer zum Beispiel, wie es oftmals den Denkgewohnheiten der Gegenwart entspricht, sich nur beschäftigt mit physischen Vorstellungen, die durch die Sinne aufgefaßt sind, der bekommt in sein Bewußtsein, auch in sein Erinnerungsvermögen, in all dasjenige, was sich in seiner Seele abspielt, nur Vorstellungen aus dem gewöhnlichen Leben: auch er baut sich eine Welt auf nach dem Tode. Die Umgebung baut man sich auf durch das, was man innerlich ist. So wie einer, der physisch in Europa geboren ist, nicht Amerika um sich herum sehen kann, so wie man durch das, worin man hineingeboren ist leiblich, seine Umgebung erhält, so bestimmt man gewissermaßen die Umgebung, den Ort seines Daseins durch das, was man im Leibe sich gebildet hat.
[ 39 ] One thing stands out above all else when this spiritual insight is taken into account. One can no longer say, for example: “Well, after death the soul may enter into another life, but we can just wait and see.” Here, one should take life as it presents itself in the physical body; as for what comes after death, one can simply wait and see. — The matter is a question of consciousness. Admittedly, what occurs after death is connected to the life we live in the body. Just as we here, through our body, have—in a certain sense—the consciousness that we experience in the ordinary waking state, so after death we have a consciousness that is not built up spatially from the nervous system, but is built up temporally, through looking back. Just as our nervous system is, so to speak, the counterforce and counteraction to our ordinary consciousness between birth and “death,” so what already resides here in our consciousness forms the foundation for our consciousness in the spiritual world between death and new birth. And just as we have the world around us here, so, when we have died, we have our very life before us as an important organ. Therefore, much depends on the consciousness within the physical body, which can extend into the consciousness that approaches us after death. For example, anyone who—as is often the case with contemporary ways of thinking—concerns themselves only with physical images perceived through the senses will have, in their consciousness, in their memory, and in everything that takes place within their soul, only images from ordinary life: they, too, construct a world for themselves after death. One constructs one’s surroundings through what one is inwardly. Just as someone who is physically born in Europe cannot see America around them, just as one’s physical surroundings are determined by the environment into which one is born, so too does one, in a sense, determine one’s surroundings—the place of one’s existence—through what one has formed within the body.
[ 40 ] Nehmen wir den extremen Fall, der aber nicht leicht bei einem Menschen eintreten kann, daß jemand sich gewehrt hat gegen alle übersinnlichen Vorstellungen, Atheist geworden ist, auch von seiten der Religion her nicht einmal ein Gefühl aufgenommen hat, daß er sich damit auch nur beschäftigen wolle — ich weiß, daß ich etwas sehr Paradoxes sage, aber es hat auch gute geisteswissenschaftliche Unterlagen: er verurteilt sich dazu, in der Erdensphäre zu bleiben, mit seinem Bewußtsein dazubleiben, während der andere, der geistige Vorstellungen aufgenommen hat, in eine geistige Umgebung versetzt wird. Derjenige aber, der nur sinnliche Vorstellungen aufgenommen hat, verurteilt sich, in der sinnlichen Umwelt zu bleiben.
[ 40 ] Let us take the extreme case—which, however, is unlikely to occur in a human being—where someone has resisted all supersensible ideas, has become an atheist, and has not even, from the perspective of religion, developed a sense that he might even want to engage with it—I know I am saying something very paradoxical, but it also has a solid foundation in spiritual science: he condemns himself to remain in the earthly sphere, to remain there with his consciousness, while the other person, who has absorbed spiritual ideas, is transported into a spiritual environment. But the one who has absorbed only sensory impressions condemns himself to remain in the sensory environment.
[ 41 ] Wie man gedeihlich wirken kann im physischen Leib, weil man gewissermaßen in dem physischen Leib die Schutzhülle hat gegen die Umwelt, wie man gedeihlich wirken kann, wenn man im physischen Leib in der physischen Welt anwesend ist, so wirkt man ungedeihlich, wenn man nach dem Tode in der physischen Welt anwesend bleibt. Mit physischen Vorstellungen in dem Bewußtsein nach dem Tode wird man zum Zerstörer. — Ich habe schon bei dem Vererbungsproblem angedeutet, wie die Kräfte des Menschen, wenn er in der geistigen Welt ist, eingreifen in die physische Welt. Wer sich selber durch sein bloßes physisches Bewußtsein verurteilt, in der physischen Welt zu bleiben, der wird zum Zentrum von zerstörenden Kräften, die in dasjenige eingreifen, was im Menschenleben und im übrigen Weltenleben geschieht. Solange wir im Leibe sind, mögen wir bloß sinnliche Gedanken, materialistische Gedanken haben: der Leib ist ein Schutz. Oh, er ist in einem viel höheren Maße, als wir es denken, ein Schutz! Es ist sehr sonderbar, aber dem, der hineinschaut in den ganzen Zusammenhang der geistigen Welt, ist eines klar: Wenn der Mensch nicht durch seine Sinne abgeschlossen wäre von der Umwelt, wenn die Sinne nicht zurückhalten würden, da er im gewöhnlichen Bewußtsein nicht fähig ist, lebendige Begriffe aufzunehmen, sondern die abgetöteten, die ihn zurückhalten sollen von dem Eindringen in die geistige Umgebung, wenn der Mensch unmittelbar wirksam machen könnte seine Vorstellungen, wenn er sie nicht bloß als innerliche in sich hätte, nachdem schon die Dinge durch die Sinne gegangen sind, so würde der Mensch auch hier in der physischen Welt, wenn er sein Vorstellungsleben entwickelt, durch seine Vorstellungen tötend, lähmend wirken. Denn diese Vorstellungen sind in einer gewissen Weise zerstörerisch, abbauend für alles das, was sie ergreifen. Nur weil diese Vorstellungen in uns zurückgehalten werden, sind sie nicht abbauend, bauen sie nur ab, wenn sie in Maschinen zum Ausdruck kommen, in Werkzeugen, die ja auch ein Totes aus der lebendigen Natur heraus sein müssen. Das ist zwar nur ein Bild, das aber einer Wirklichkeit entspricht. Aber wenn der Mensch eintritt in die geistige Welt mit bloß physischen Vorstellungen, wird er ein Zentrum der Zerstörung.
[ 41 ] Just as one can act in a way that promotes growth while in the physical body—because, in a sense, the physical body serves as a protective shell against the external environment—and just as one can act in a way that promotes growth while present in the physical world within the physical body, so too does one act in a way that hinders growth if one remains present in the physical world after death. With physical images in one’s consciousness after death, one becomes a destroyer. — I have already indicated, in connection with the problem of heredity, how the forces of the human being, when in the spiritual world, intervene in the physical world. Whoever condemns themselves, through their mere physical consciousness, to remain in the physical world becomes a center of destructive forces that intervene in what happens in human life and in the life of the rest of the world. As long as we are in the body, we may have merely sensory, materialistic thoughts: the body is a protection. Oh, it is a protection to a far greater degree than we realize! It is very strange, but to those who look into the entire context of the spiritual world, one thing is clear: If human beings were not cut off from their surroundings by their senses, if the senses did not hold them back—since in ordinary consciousness they are incapable of taking in living concepts but only dead ones, which are meant to prevent them from penetrating the spiritual environment—if human beings could make their ideas immediately effective, if they did not merely hold them within themselves as inner thoughts, after things have already passed through the senses—then human beings, even here in the physical world, would—if they developed their life of imagination—have a killing, paralyzing effect through their ideas. For these ideas are, in a certain sense, destructive and degrading to everything they grasp. It is only because these ideas are held back within us that they are not destructive; they are destructive only when they find expression in machines, in tools, which must, after all, be something dead taken from living nature. This is, admittedly, only a metaphor, but one that corresponds to reality. Yet if a person enters the spiritual world with merely physical ideas, he becomes a center of destruction.
[ 42 ] So habe ich diese eine Vorstellung als ein Beispiel nur für viele anzuführen, daß wir nicht sagen dürfen: Wir können warten —, sondern daß es in des Menschen Wesenheit liegt, ob er sinnliche oder übersinnliche Vorstellungen entwickelt, so oder so sich vorbereitet das folgende Leben. Dieses ist freilich ein ganz anderes, aber es wird herausentwickelt aus dem Leben hier; das ist das Wesentliche, was man überschauen muß. Mancherlei tritt einem anders entgegen aus der Geisteswissenschaft, als man vermutet. Deshalb muß ich am Schlusse noch einige Bemerkungen machen.
[ 42 ] So I cite this one example—just one among many—to show that we must not say, “We can wait”—but rather that it lies in the nature of the human being whether he develops sensory or supersensory perceptions; in either case, he is preparing for the next life. This is, of course, a completely different life, but it is developed out of the life here; that is the essential point one must grasp. Many things are presented differently in spiritual science than one might expect. Therefore, I must make a few concluding remarks.
[ 43 ] Es könnte sehr leicht der Glaube entstehen, daß derjenige, der nun in die geistige Welt eintritt, unbedingt selber .ein Geistesforscher werden müsse. Das ist nicht nötig, obwohl ich beschrieben habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» so viel von dem, was die Seele aus sich machen muß, damit sie wirklich eintreten kann. Und es kann es heute bis zu einem gewissen Grade jeder, aber es braucht es nicht jeder. Das, was man als Seelisches entwickelt hat, ist eine rein innerliche Angelegenheit; das aber, was daraus entsteht, ist, daß die erforschten Wahrheiten in Begriffe geformt werden, daß man in solche Vorstellungen, wie ich sie heute entwickelt habe, einkleidet, was der Geistesforscher geben kann. Dann kann es mitgeteilt werden. Für das, was der Mensch braucht, ist es ganz gleichgültig — ich spreche damit ein Gesetz der Geistesforschung aus —, ob man die Dinge selber erforscht hat, oder ob man sie von anderer glaubwürdiger Seite erhalten hat. Es kommt nicht. darauf an, die Dinge selbst zu erforschen, sondern es kommt darauf an, daß man sie in sich hat, daß man sie in sich entwickelt hat. Es ist daher eine irrtümliche Vorstellung, wenn man glaubt, ein jeder müsse ein Geistesforscher werden. Der Geistesforscher wird nur heute das Bedürfnis haben, wie ich selber das Bedürfnis gehabt habe, über seinen Forschungsweg gewissermaßen Rechenschaft zu geben. Und nicht nur aus dem Grunde, weil heute bis zu einem gewissen Grade jeder ohne allen Schaden den Weg gehen kann, den ich beschrieben habe, sondern auch, weil jeder berechtigt ist zu fragen: Wie hast du es gemacht, daß du zu solchen Resultaten gekommen bist? — daher habe ich diese Dinge beschrieben. Und ich glaube, daß auch jeder, der nicht ein Geistesforscher werden will, wenigstens sich überzeugen wird wollen, wie der Geistesforscher zu den Resultaten kommt, die ja heute jeder braucht, der im Sinne der heutigen menschlichen Entwickelung die Grundlage legen will für das Leben, das sich in den Menschenseelen entwickeln muß.
[ 43 ] One might very easily come to believe that anyone who is now entering the spiritual world must necessarily become a spiritual researcher themselves. That is not necessary, although in my book *How Does One Gain Insight into the Higher Worlds?* I have described so much of what the soul must do within itself in order to truly enter that world. And today, to a certain extent, anyone can do it—but not everyone needs to. What one has developed as a spiritual quality is a purely inner matter; but what arises from this is that the truths explored are formed into concepts, that what the spiritual researcher can offer is clothed in such ideas as I have developed today. Then it can be communicated. As far as what a person needs is concerned—and I am stating a law of spiritual research here—it makes no difference whatsoever whether one has researched the things oneself or has received them from another credible source. It does not matter whether one has researched the things oneself; what matters is that one has them within oneself, that one has developed them within oneself. It is therefore a mistaken notion to believe that everyone must become a spiritual researcher. The spiritual researcher today will simply feel the need—just as I myself have felt—to give an account, so to speak, of his path of research. And not only because today, to a certain extent, anyone can follow the path I have described without any harm, but also because everyone is entitled to ask: How did you manage to arrive at such results? — that is why I have described these things. And I believe that even those who do not wish to become spiritual researchers will at least want to see for themselves how the spiritual researcher arrives at the results that are, after all, needed today by everyone who, in keeping with the current state of human development, wishes to lay the foundation for the life that must unfold within human souls.
[ 44 ] Es ist heute die Zeit vorüber, die in alten Zeiten bezüglich der Geistesforschung da war, wo man so sehr zurückgehalten hat dasjenige, was Seelenentwickelung bewirkt hat. Es war in alter Zeit streng verboten, das Verborgene mitzuteilen. Auch heute noch halten diejenigen, die von diesen Geheimnissen des Lebens wissen — es sind ja ihrer nicht wenige —, mit diesen Dingen zurück. Wer bloß als Schüler diese Dinge bekommen hat von einem andern Lehrer, der wird unter allen Umständen nicht gut tun, die Dinge weiterzugeben! Es ist heute nur ratsam, dasjenige weiterzugeben, worauf man selber gekommen ist, was man selber erforscht hat. Das aber kann und muß der übrigen Menschheit dienen. |
[ 44 ] The time has now passed when, in ancient times, spiritual research was so strictly restricted that it hindered the development of the soul. In ancient times, it was strictly forbidden to reveal what was hidden. Even today, those who know these mysteries of life—and there are quite a few of them—still hold back on these matters. Anyone who has merely received this knowledge as a student from another teacher would be doing wrong under any circumstances to pass it on! Today, it is advisable to pass on only what one has discovered for oneself, what one has researched oneself. But this can and must serve the rest of humanity. |
[ 45 ] Es kann schon aus den wenigen kurzen Andeutungen, die ich heute geben konnte, hervorgehen, was für den einzelnen Menschen Geistesforschung sein kann; aber sie ist nicht bloß für den einzelnen Menschen von Bedeutung. Und um dieses andere zum Schlusse mit ein paar Worten wenigstens anzudeuten, möchte ich auf etwas hinweisen, was recht wenig heute berücksichtigt wird.
[ 45 ] Even from the few brief hints I have been able to offer today, it may be clear what spiritual research can mean for the individual; but it is not significant merely for the individual. And to at least touch upon this other aspect in a few words at the end, I would like to point out something that is given very little consideration today.
[ 46 ] Es ist eine eigentümliche Erscheinung, auf die ich aufmerksam machen möchte in der folgenden Art: Wir haben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine gewisse naturwissenschaftliche Richtung groß heraufkommen sehen, es ist die an den Namen Darwin sich knüpfende Erklärung der Lebewesen. Begeisterte, gelehrte Forscher, begeisterte Schüler haben diese Dinge durch die Jahrzehnte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts getragen. Ich habe vielleicht auch bier schon darauf aufmerksam gemacht, was da für ein eigentümliches Faktum eingetreten ist. In den sechziger Jahren schon war die Sache so, daß unter der Führung FZaeckels eine mächtige Weltanschauungsbewegung entstanden war, welche alles Alte über den Haufen werfen und die ganze Weltanschauung umgestalten wollte nach darwinistischen Begriffen. Heute gibt es noch immer zahlreiche Leute, welche hervorheben, wie groß und bedeutend es gewesen wäre, wenn man nicht mehr eine weisheitsvolle Weltenlenkung hätte, sondern daß aus mechanistischen Kräften heraus im Sinne des Darwinismus das Werden alles hätte erklärt werden können.
[ 46 ] There is a peculiar phenomenon to which I would like to draw attention in the following way: In the second half of the 19th century, we saw the rise of a certain school of thought in the natural sciences—namely, the explanation of living organisms associated with the name Darwin. Enthusiastic, learned researchers and enthusiastic students carried these ideas through the decades of the second half of the 19th century. I may have already drawn attention here to the peculiar development that took place. As early as the 1860s, a powerful ideological movement had emerged under the leadership of F. Zäckel, which sought to overturn everything old and reshape the entire worldview according to Darwinian principles. Even today, there are still numerous people who emphasize how great and significant it would have been if the world were no longer governed by a wise divine providence, but rather if everything could have been explained in terms of mechanistic forces, in the spirit of Darwinism.
[ 47 ] 1869 trat Eduard von FHlartmann auf mit seiner «Philosophie des Unbewußten» und wendete sich gegen den rein äußerlich die Welt auffassenden Darwinismus, indem er auf die Notwendigkeit innerer Kräfte, wenn auch in unzulänglicher Weise — Geistesforschung hatte er nicht —, in bloß philosophischer Weise hinwies. Selbstverständlich waren diejenigen, welche begeistert waren vom Heraufkommen des Darwinismus, bereit, zu sagen: Nun, der Philosoph ist ein Dilettant, man braucht nicht auf ihn zu hören. — Gegenschriften erschienen, in denen man spöttisch über den Dilettanten Eduard von Hartmann redete: der wahre, gelehrte Naturforscher braucht auf solche Dinge nichts zu geben.
[ 47 ] In 1869, Eduard von Hlartmann published his *Philosophy of the Unconscious* and took a stand against Darwinism, which viewed the world purely from an external perspective, by pointing out—albeit inadequately, since he had not engaged in spiritual research—the necessity of inner forces in a purely philosophical manner. Naturally, those who were enthusiastic about the rise of Darwinism were quick to say: “Well, the philosopher is an amateur; there’s no need to listen to him.” — Counter-essays appeared in which the amateur Eduard von Hartmann was mocked: the true, learned naturalist need not pay any attention to such things.
[ 48 ] Da erschien auch eine Schrift von einem Anonymus, die diese Schrift von Eduard von Hartmann glänzend widerlegte. Mit dieser Schrift waren die Naturforscher und diejenigen, die in ihrem Sinne dachten, recht einverstanden, denn Eduard von Hartmann wurde vollständig widerlegt. Alles, was man da vorbringen konnte, recht gelehrt aus dem Fond der Naturwissenschaft heraus, wurde in dieser Schrift von einem Ungenannten gegen Eduard von Hartmann vorgebracht geradeso wie heute vieles vorgebracht wird gegen Geistesforschung. Und siehe da, die Schrift wurde sehr beifällig aufgenommen. Haeckel sagte: Das hat einmal ein wirklicher Naturforscher geschrieben gegen diesen Dilettanten Eduard von Hartmann; da sieht man, was ein Naturforscher kann; ich selber könnte nichts Besseres schreiben. Er nenne sich uns, und wir betrachten ihn als einen der Unsrigen. Kurz, die Naturforscher haben für diese Schrift, die ihnen sehr zugute kam, recht Propaganda gemacht, so daß sie bald vergriffen war. Eine zweite Auflage war nötig. Da nannte sich der Verfasser: es war Eduard von Hartmann!
[ 48 ] At that time, a treatise by an anonymous author was also published, which brilliantly refuted this work by Eduard von Hartmann. Natural scientists and those who shared their views were in full agreement with this treatise, for Eduard von Hartmann had been completely refuted. Everything that could be argued there—drawn quite eruditely from the depths of natural science—was put forward in this treatise by an anonymous author against Eduard von Hartmann, just as much is argued today against spiritual research. And lo and behold, the treatise was received with great acclaim. Haeckel said: “For once, a real natural scientist has written against this dilettante, Eduard von Hartmann; there you see what a natural scientist is capable of; I myself could not have written anything better.” “Let him reveal himself to us, and we will regard him as one of our own.” In short, the natural scientists actively promoted this treatise, which served their interests well, so that it was soon out of print. A second edition was necessary. Then the author revealed himself: it was Eduard von Hartmann!
[ 49 ] Da hat einmal jemand der Welt eine Lektion erteilt, die wichtig war. Derjenige nämlich, der heute erleben muß als Geistesforscher, was gegen Geistesforschung geschrieben ist, könnte nämlich alles das aus dem kleinen Finger sich saugen ohne viel Mühe, was gegen die Geisteswissenschaft vorgebracht wird. Eduard von Hartmann konnte auch alles das, was die Naturforscher gegen ihn vorbrachten, sich schon selber sagen — und er tat es.
[ 49 ] Someone once taught the world an important lesson. For the person who, as a spiritual researcher today, must endure what is written against spiritual research could, in fact, pull all the arguments raised against spiritual science out of thin air without much effort. Eduard von Hartmann, too, could have come up with everything that the natural scientists argued against him—and he did.
[ 50 ] Aber dies nur als Einleitung. Worauf es mir ankommt ist das: Oscar Hertwig ist einer der bedeutendsten Schüler Haeckels, der den emsigen und ehrlichen und großen Forscherweg der Naturwissenschaft beschritten hat. Hertwig hat im vorigen Jahre ein sehr schönes Buch geschrieben. Das Buch heißt «Das Werden der Organismen. Eine Widerlegung von Darwin’s Zufallstheorie», und darin weist er hin auf solche Dinge, wie sie schon Eduard von Hartmann vorgebracht hat. Solch eine Sache ist eigentlich ziemlich ohne Beispiel da: daß schon die nächste Generation, diejenige, die noch unter dem Meister aufgewachsen ist, abkommen muß von etwas, wovon man glaubte, daß es eine ganze Weltanschauung aufbauen, daß es auch über die geistige Welt Aufschluß geben könne. Ein guter Darwinist widerlegt den Darwinismus! Aber er tut noch mehr; und das ist es, worauf es mir zum Schlusse ankommt.
[ 50 ] But this is merely by way of introduction. What matters to me is this: Oscar Hertwig is one of Haeckel’s most significant students, who has followed the diligent, honest, and noble path of scientific research. Last year, Hertwig wrote a very fine book. The book is titled *The Development of Organisms: A Refutation of Darwin’s Theory of Chance*, and in it he points to ideas similar to those already put forward by Eduard von Hartmann. Such a thing is actually quite unprecedented: that the very next generation—the one that grew up under the master’s guidance—must turn away from something that was believed to form the basis of an entire worldview and to offer insight even into the spiritual world. A good Darwinist refutes Darwinism! But he does even more than that; and that is what matters to me in the end.
[ 51 ] Oscar Hertwig schreibt am Schlusse seines so ausgezeichneten, schönen Buches «Das Werden der Organismen. Eine Widerlegung von Darwin’s Zufallstheorie», so etwas wie eine Weltanschauung, wie der Darwinismus es war, stehe nicht bloß als ein theoretisches Gebäude da, sondern greife ein in das ganze Menschenleben, umfasse gewissermaßen das auch, was die Menschen tun, wollen, fühlen und denken. Er sagt: «Die Auslegung der Lehre Darwins, die mit ihren Unbestimmtheiten so vieldeutig ist, gestattete auch eine sehr vielseitige Verwendung auf anderen Gebieten des wirtschaftlichen, des sozialen und des politischen Lebens. Aus ihr konnte jeder, wie aus einem delphischen Orakelspruch, je nachdem es ihm erwünscht war, seine Nutzanwendungen auf soziale, politische, hygienische, medizinische und andere F ragen ziehen und sich zur Bekräftigung seiner Behauptungen auf die Wissenschaft der darwinistisch umgeprägten Biologie mit ihren unabänderlichen Naturgesetzen berufen. Wenn nun aber diese vermeintlichen Gesetze keine solchen sind, sollten da bei ihrer vielseitigen Nutzanwendung auf andere Gebiete nicht auch soziale Gefahren bestehen können? Man glaube doch nicht, daß die menschliche Gesellschaft ein halbes Jahrhundert lang Redewendungen, wie unerbittlicher Kampf ums Dasein, Auslese des Passenden, des Nützlichen, des Zweckmäßigen, Vervollkommnung durch Zuchtwahl etc. in ihrer Übertragung auf die verschiedensten Gebiete, wie tägliches Brot, gebrauchen kann, ohne in der ganzen Richtung ihrer Ideenbildung tiefer und nachhaltiger beeinflußt zu werden! Der Nachweis für diese Behauptung würde sich nicht schwer aus vielen Erscheinungen der Neuzeit gewinnen lassen. Eben darum greift die Entscheidung über Wahrheit und Irrtum des Darwinismus auch weit über den Rahmen der biologischen Wissenschaften hinaus. »
[ 51 ] Oscar Hertwig writes at the end of his excellent, beautiful book *The Development of Organisms. A Refutation of Darwin’s Theory of Chance,” that something like a worldview—as Darwinism was—does not merely stand as a theoretical construct, but rather permeates the whole of human life, encompassing, so to speak, what people do, want, feel, and think. He says: “The interpretation of Darwin’s doctrine, which is so ambiguous due to its vagueness, also allowed for a very versatile application in other areas of economic, social, and political life. From it, anyone could—as from a Delphic oracle—draw practical applications to social, political, hygienic, medical, and other issues as they saw fit, and invoke the science of Darwinian biology, with its immutable laws of nature, to support their claims. But if these supposed laws are not actually laws, might there not also be social dangers associated with their versatile application to other fields? Surely one cannot believe that human society can use phrases such as “relentless struggle for existence,” “selection of the fit, the useful, and the expedient,” “perfection through selective breeding,” etc.—applied to the most diverse areas, such as daily bread—for half a century without being deeply and lastingly influenced in the very direction of its thought processes! Evidence for this assertion could easily be drawn from many phenomena of modern times. Precisely for this reason, the question of whether Darwinism is true or false extends far beyond the realm of the biological sciences. »
[ 52 ] Im Leben überall zeigt sich dasjenige, was in einer solchen Theorie zutage tritt. Dann entsteht die Frage, die auch ins Leben eingreift, von dem Gebiete der Geisteswissenschaft her. Wir leben heute in einer traurigen, in einer für die Menschheit tragischen Zeit. Es ist die Zeit, die herausentwickelt ist doch aus den menschlichen Vorstellungen, aus den menschlichen Ideen. Derjenige, der die Zusammenhänge geisteswissenschaftlich studiert, weiß es, der kennt den Zusammenhang desjenigen, was uns jetzt äußerlich gegenübertritt mit dem, was die Menschheit jetzt an Tragischem erlebt. Man erlebt gar vieles; die Menschen glauben zu wissen, sie glauben mit ihren Begriffen die Wirklichkeit zu umspannen — sie umspannen sie nicht. Und dadurch, daß sie sie nicht umspannen, weil mit naturwissenschaftlich gearteten Begriffen nie die Wirklichkeit umspannt werden kann, dadurch wächst ihnen die Wirklichkeit über den Kopf und zeigt ihnen, indem die Ereignisse den Menschen über den Kopf wachsen, daß die Menschen wohl eintreten können in solche Ereignisse, aber dann dasjenige Chaos entsteht, von dem wir in der Gegenwart umgeben sind. Geisteswissenschaft entsteht nicht nur — wie es ja wahr ist — durch eine innere Notwendigkeit; sie würde entstanden sein durch eben diese innere Notwendigkeit, wenn die äußeren Ereignisse auch nicht als ein großartiges, gewaltiges Zeichen jetzt dastehen würden. Daß die alten Weltanschauungen zwar auf naturwissenschaftlichem Gebiete groß sind, daß sie aber niemals auf sozialem, auf rechtlichem, auf politischem Gebiete in die Welt gestaltend eingreifen können, daß die Wirklichkeit die Menschen überwächst, wenn sie das wollen, das ist es, was von der andern Seite her in gewaltigen Zeichen auf die Geisteswissenschaft hinweist, die wirklichkeitsgemäße Begriffe sucht, Begriffe, die der Wirklichkeit entlehnt sind und daher auch fähig sein werden, auf sozialem, auf politischem Gebiete die Welt zu tragen. Man mag noch so sehr mit den Begriffen, die außerhalb der Geisteswissenschaft heute üblich sind, glauben aus dem Chaos herauszukommen, man wird es nicht; denn in der Wirklichkeit waltet der Geist. Und weil der Mensch mit seinen Handlungen selbst in diese Wirklichkeit eingreift im sozialen, im politischen Leben, so braucht er, um zu fruchtbaren Begriffen auf diesem Gebiete zu kommen, solche Vorstellungen, solche Empfindungen, solche Willensimpulse, welche aus dem Geiste herausgeholt sind. Politik und Sozialwissenschaft, sie werden in der Zukunft dasjenige brauchen, wozu allein Geisteswissenschaft die Grundlage legen kann. Das ist dasjenige, was auch für die heutige Zeitgeschichte von ganz besonderer Wichtigkeit ist.
[ 52 ] What comes to light in such a theory is evident everywhere in life. This raises a question that also impacts life, from the perspective of spiritual science. We are living today in a sad time, a time that is tragic for humanity. It is a time that has, after all, developed out of human conceptions, out of human ideas. Those who study these connections from the perspective of spiritual science know this; they understand the connection between what we now face externally and the tragedy humanity is currently experiencing. We experience so much; people believe they know, they believe they can encompass reality with their concepts—but they do not. And because they do not encompass it—since reality can never be encompassed by concepts of a natural-scientific nature—reality grows beyond their grasp and shows them, as events overwhelm them, that while people may indeed become embroiled in such events, the result is the very chaos that surrounds us today. Spiritual science does not arise solely—as is indeed true—out of an inner necessity; it would have arisen out of this very inner necessity even if external events were not now standing before us as a magnificent, powerful sign. The fact that the old worldviews, while great in the realm of the natural sciences, can never intervene in a world-shaping way in the social, legal, or political spheres—and that reality overwhelms people when they seek to do so—is what, from the other side, points in powerful signs toward spiritual science, which seeks concepts in keeping with reality, concepts that are drawn from reality and will therefore also be capable of sustaining the world in the social and political spheres. No matter how much one may believe, using the concepts commonly employed outside of spiritual science today, that one can emerge from chaos, one will not succeed; for in reality, the spirit reigns supreme. And because human beings, through their actions, intervene in this reality themselves—in social and political life—they need, in order to arrive at fruitful concepts in these fields, such ideas, such feelings, and such impulses of the will that are drawn from the spirit. Politics and the social sciences will, in the future, require what only the science of the spirit can lay the foundation for. This is what is also of particular importance for contemporary history.
[ 53 ] Ich selbst kann heute in diesem Vortrage, der schon lang genug geworden ist, nur einzelne Anregungen geben wollen. Hinweisen darauf will ich nur, daß dasjenige, was als Geisteswissenschaft heute in systematischer Ordnung auftritt, von den Besten gewollt ist. Käme es allein auf mich an, so würde ich diese Geisteswissenschaft mit einem besonderen Namen belegen. Denn seit mehr als reichlich dreißig Jahren arbeite ich zu immer größerer und größerer Ausgestaltung diejenigen Vorstellungen aus, die Goe/he an der Wirklichkeit gewonnen hat in seiner großartigen Metamorphosenlehre, wo er schon den Begriff lebendig zu machen versuchte gegenüber den toten Begriffen. Das war dazumal nur elementar möglich. Wenn man aber Goethe nicht nur bloß historisch nimmt, wenn man ihn als einen noch Gegenwärtigen betrachtet, so gestaltet sich heute gerade die Goethesche Metamorphosenlehre um zu demjenigen, was ich lebendige Begriffe nenne, die dann den Weg in die Geisteswissenschaft finden. Goetheanismus möchte ich am liebsten dasjenige nennen, was ich mit der Geistesforschung meine, weil es auf den gesunden Grundlagen einer Wirklichkeitsauffassung beruht, wie sie Goethe gewollt hat. Und den Bau in Dornach, der dieser Geistesforschung gewidmet sein soll, und durch den diese Geistesforschung mehr bekanntgeworden ist, als sie vielleicht ohne ihn bekanntgeworden wäre, ich möchte ihn am liebsten Goetheanum nennen, damit man sehen würde, daß dasjenige, was als Geistesforschung heute auftritt, in vollem, gesundem Entwickelungsprozeß der Menschheit drinnensteht. Freilich sagen heute noch viele, die da glauben, auch sich zur Goetheschen Weltanschauung zu bekennen: Goethe war derjenige, der die Natur vor allen Dingen als das Höchste anerkannte und auch den Geist aus der Natur hervorgehen ließ. — Nun, Goethe hat schon als ganz junger Mann gesagt: «Gedacht hat sie und sinnt beständig»; sinnt beständig, wenn auch nicht als Mensch, sondern als Natur. Mit demjenigen Naturalismus, der die Natur durchgeistigt denkt wie Goethe — man kann mit ihm einverstanden sein, wenn man auch Geistesforscher ist. Und denjenigen, die da immer glauben, man müsse an den Grenzen der Erkenntnis stehenbleiben, könne da nicht weiter, denen kann mit Goethes Worten wohl erwidert werden — und lassen Sie mich daher diese Worte noch am Schlusse anfügen, die Goethe gebrauchte gegenüber einem andern verdienten Forscher, der die spätere Kantsche Anschauung vertrat:
[ 53 ] For my part, in this lecture—which has already gone on long enough—I can only offer a few suggestions today. I wish merely to point out that what appears today as spiritual science in a systematic form is the result of the best intentions. If it were up to me alone, I would give this spiritual science a specific name. For more than thirty years now, I have been developing—to ever greater and greater extent—those ideas that Goethe derived from reality in his magnificent theory of metamorphosis, in which he already sought to bring the concept to life in contrast to dead concepts. At that time, this was only possible in a rudimentary way. But if one does not view Goethe merely from a historical perspective, if one regards him as still present today, then Goethe’s theory of metamorphosis is now taking shape precisely as what I call “living concepts,” which then find their way into spiritual science. I would most like to call “Goetheanism” what I mean by spiritual research, because it is based on the sound foundations of a conception of reality as Goethe intended it. And the building in Dornach, which is to be dedicated to this spiritual research—and through which this spiritual research has become better known than it might have been without it—I would most like to call the Goetheanum, so that people might see that what appears today as spiritual research is fully embedded in the healthy process of human development. Of course, many people today who believe they also subscribe to Goethe’s worldview still say: Goethe was the one who recognized nature above all else as the highest reality and also allowed the spirit to emerge from nature. — Well, even as a very young man, Goethe said: “She has thought and is constantly thinking”; constantly thinking, though not as a human being, but as Nature. One can agree with that form of naturalism which, like Goethe, conceives of Nature as imbued with spirit—even if one is a researcher of the spirit. And to those who always believe that one must stop at the limits of knowledge, that one cannot go any further—to them, one can well reply with Goethe’s words—and let me therefore add these words at the end, which Goethe used in response to another distinguished scholar who held the later Kantian view:
Ins Innere der Natur
Dringt kein erschaffner Geist.
Glückselig, wem sie nur
Die äußere Schale weist!
Into the heart of nature
No creative spirit can penetrate.
Blessed is he to whom she shows
Only her outer shell!
[ 54 ] Dem gegenüber hat Goethe die Worte gestellt, die da bedeuteten, daß Goethe wohl wußte, daß wenn der Mensch den Geist in sich selber erweckt, er auch den Geist in der Welt findet, und sich als Geist:
[ 54 ] In contrast, Goethe offered words that meant he knew full well that when a person awakens the spirit within themselves, they also find the spirit in the world, and realize themselves as spirit:
Ins Innere der Natur
Dringt kein erschaffner Geist.
Glückselig, wem sie nur
Die äußere Schale weist!
So hör ich schon an die sechzig Jahre wiederholen
Und fluche darauf — aber verstohlen —,
Natur hat weder Kern noch Schale,
Alles ist sie mit einemmale.
Dich prüfe du nur zu allermeist,
Ob du selbst Kern oder Schale seist!
Into the heart of nature
No creative spirit penetrates.
Blessed is he to whom she shows
Only her outer shell!
So I have heard myself repeat for sixty years now
And curse it—but secretly—
Nature has neither core nor shell,
It is all at once.
Examine yourself above all else,
Whether you yourself are core or shell!
[ 55 ] Geisteswissenschaft will dahin wirken, daß der Mensch sich ernsthaftig prüfen lernt, ob er selbst Kern oder Schale sei. Und er ist Kern, wenn er sich in seiner vollen Wirklichkeit erfaßt. Erfaßt er sich als Kern, dann dringt er auch vor bis zum Geist der Natur; dann wird in der Entwickelung der Menschheit mit Bezug auf die Geistesforschung etwas Ähnliches eintreten, wie es eintreten mußte, als Kopernikus vom Sichtbaren auf das Nichtsichtbare sogar für dieses Sichtbare selbst hingewiesen hat.
[ 55 ] Spiritual science aims to help people learn to seriously examine whether they themselves are the core or the shell. And they are the core when they grasp themselves in their full reality. If they perceive themselves as the core, then they will also penetrate to the spirit of nature; then, in the development of humanity with regard to spiritual research, something similar will occur to what had to occur when Copernicus pointed from the visible to the invisible—even for the visible itself.
[ 56 ] Für das Übersinnliche aber wird sich die Menschheit dazu bequemen müssen, in sich selber dieses Übersinnliche zu erfassen. Man braucht dazu kein Geistesforscher zu werden; man muß aber alle Vorurteile hinwegräumen, welche sich vor die Seele lagern, wenn dasjenige verstanden werden soll, was die Geistesforschung gerade aus einer solchen Goetheschen Gesinnung heraus meint.
[ 56 ] As for the supersensible, however, humanity will have to bring itself to grasp this supersensible within itself. One does not need to become a spiritual researcher to do this; however, one must set aside all prejudices that stand in the way of the soul if one is to understand what spiritual research means precisely from such a Goethean perspective.
[ 57 ] Dies wollte ich nur als ein paar Anregungen heute geben. Man kann von diesem Gesichtspunkte aus wenigstens immer nur anregen; denn wollte man ausführen dasjenige in allen Einzelheiten, müßte man viele Vorträge halten. Aber ich glaube, diese wenigen Ausführungen werden genügt haben, um zu zeigen, daß etwas herausgeholt werden soll aus dem Entwickelungsprozesse der Menschheit, das diese Seele des Menschen erst zum vollen Leben erweckt. Niemand braucht zu glauben, daß er die Seele verkümmert, daß er irgend etwas ersterben läßt in sich, auch das religiöse Leben nicht. Denn geradeso wie Goethe gesagt hat:
[ 57 ] I just wanted to offer a few thoughts today. From this perspective, one can at best only offer suggestions; for if one were to explain this in full detail, one would have to give many lectures. But I believe these few remarks will have sufficed to show that something must be drawn from the process of human development that first awakens the human soul to full life. No one need believe that they are allowing their soul to wither away, that they are letting anything within themselves die—not even their religious life. For, just as Goethe said:
Wer Wissenschaft und Kunst besitzt
Hat auch Religion,
Wer jene beiden nicht besitzt,
Der habe Religion!
Whoever possesses science and art
Also possesses religion,
Whoever does not possess those two,
Let him have religion!
[ 58 ] so darf man sagen, so wie sich die Denkweise der neueren Zeit entwickelt: Wer geisteswissenschaftliche Wege finden wird, wird den Weg zum wahren religiösen Leben auch finden; wer aber den geisteswissenschaftlichen Weg nicht findet, von dem kann befürchtet werden, daß er auch für die Zukunft den für die Menschheit so nötigen religiösen Weg verliert!
[ 58 ] One might say, given the way modern thinking has developed: Whoever finds the path of spiritual science will also find the path to true religious life; but as for those who do not find the path of spiritual science, there is reason to fear that they will also lose, in the future, the religious path that is so necessary for humanity!
