How Individual Spirit Beings Work in the Human Soul
GA 178
11 November 1917, Dornach
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How Individual Spirit Beings Work in the Human Soul, tr. SOL
6. Über die Psychoanalyse II
6. On Psychoanalysis II
[ 1 ] Einen Versuch, Erkenntnisse zu gewinnen auf seelischem Gebiete mit unzulänglichen Erkenntnismitteln — so habe ich gestern dasjenige bezeichnet, was auftritt als analytische Psychologie oder Psychoanalyse. Es ist vielleicht nichts so sehr als diese Psychoanalyse geeignet, darauf hinzuweisen, wie in unserer Gegenwart alles dazu drängt, die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zu bekommen, und wie auf der andern Seite aus unterbewußten Vorurteilen heraus die Menschen sich sträuben, in eine geisteswissenschaftliche Betrachtung der Sachlage einzutreten. Ich habe Ihnen ja gestern wiederum eine solche Sache vorgeführt, aus der Sie sehen können, wie man die grotesken Sprünge, in welche das Denken der modernen Gelehrsamkeit hineinkommt, wenn es sich an seelische Probleme wagt, aufzeigen und wie man solche Sprünge in den Gedankengängen der modernen Gelehrten, ich möchte sagen, abfangen kann. Wir haben darauf hingewiesen, daß einer der besseren Psychoanalytiker, Jung, zu der Einteilung gekommen ist des mehr denkenden und des mehr fühlenden Menschen, daß er von da ausgehend dann beim denkenden Menschen im Unterbewußtsein Gefühlsimpulse vermutet, welche heraufstürmen gegen das im Bewußtsein anwesende Denken und dadurch seelische Konflikte herbeiführen, oder umgekehrt, daß Gedanken, die im Unterbewußten sind, gegen das Gefühlsleben stürmen und seelische Konflikte hervorrufen.
[ 1 ] An attempt to gain insights into the realm of the soul using inadequate means of knowledge—that is how I described yesterday what is known as analytical psychology or psychoanalysis. Perhaps nothing is as well-suited as psychoanalysis to highlight how, in our present age, everything is pushing toward the emergence of an anthroposophically oriented spiritual science, and how, on the other hand, people—driven by subconscious prejudices—are reluctant to engage with a spiritual-scientific perspective on the matter. Yesterday I again presented you with an example from which you can see how one can point out the grotesque leaps into which the thinking of modern scholarship falls when it ventures into psychological problems, and how one can, so to speak, intercept such leaps in the thought processes of modern scholars. We have pointed out that one of the better psychoanalysts, Jung, arrived at a distinction between the more thinking and the more feeling human being; that, proceeding from this, he then posits emotional impulses in the subconscious of the thinking person, which surge upward against the thinking present in consciousness and thereby bring about psychological conflicts, or, conversely, that thoughts residing in the subconscious surge against the emotional life and provoke psychological conflicts.
[ 2 ] Nun könnte man sagen: Ja, diese Dinge werden ausgefochten innerhalb der wissenschaftlichen Diskussionen, und man könne abwarten, bis sich die Leute bequemen, die unterbewußten Vorurteile gegen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zu überwinden. Allein, so ganz passiv abzuwarten geht dann schwer, wenn sich solche Dinge nicht bloß auf das theoretische Gebiet begeben, sondern wenn solche Dinge in das Praktische des Lebens, in die Kulturentwickelung eingreifen wollen. Und es will sich ja die Psychoanalyse betätigen auf dem Gebiete der Therapie nicht nur, was vielleicht weniger noch bedenklich wäre, weil sie ja da wohl sich kaum allzuviel zunächst zu unterscheiden scheint — aber ich sage scheint — von manchen andern therapeutischen Methoden; aber sie will sich auch betätigen auf dem Gebiete des pädagogischen Wirkens; sie will gewissermaßen die Grundlage werden eines pädagogischen Wirkens. Und da kommt man denn schon in die Notwendigkeit, auf die Gefahren, die in Viertelswahrheiten liegen, stärker hinzuweisen, als das der Fall ist innerhalb einer bloßen theoretischen Diskussion.
[ 2 ] Now one might say: Yes, these issues are being debated within academic circles, and we could wait until people get around to overcoming their subconscious prejudices against anthroposophically oriented spiritual science. However, it is difficult to remain entirely passive when such matters do not merely remain in the theoretical realm, but seek to intervene in the practical aspects of life and in cultural development. And psychoanalysis seeks to be active not only in the field of therapy—which might be less of a cause for concern, since there it hardly seems, at first glance, to differ all that much—but I say “seems”—from certain other therapeutic methods; but it also seeks to be active in the field of education; it seeks, in a sense, to become the foundation of educational practice. And this is where it becomes necessary to draw attention to the dangers inherent in half-truths more strongly than is the case within a purely theoretical discussion.
[ 3 ] Nun werden wir aber heute unser Betrachtungstableau weiter ausdehnen müssen, wenn wir wenigstens zunächst — alles mögliche, was auf die Sache bezüglich ist, kann ja nur im Laufe der Zeit besprochen werden —, wenn wir wenigstens zunächst einiges Licht auf den einen oder andern Gesichtspunkt werfen wollen. Zunächst möchte ich darauf aufmerksam machen, daß die Tatsachen, welche der Psychoanalyse vorliegen, in der Tat geeignet wären, auf ein wichtiges spirituelles Gebiet hinzuweisen, das der gegenwärtige Mensch, wenigstens nicht genau, nicht exakt betreten möchte, das er sehr gern in allerlei unterbewußten, nebulosen Regionen lassen will; denn nichts liebt die noch immer selbst auf solchem Gebiete vom Materialismus angekränkelte Betrachtungsweise der Gegenwart mehr, als — gestatten Sie das Paradoxon — ein unklares, mystisches Herumschwimmen in allerlei nicht ausgeführten Begriffen. Man findet ja die groteskeste Mystik, die abstoßendste Mystik gerade innerhalb des Materialismus, wenn Mystik in dem Sinne gebraucht wird, daß man gern in allerlei nebulosen Begriffen herumschwimmt und seine Weltanschauung nicht ausarbeiten will bis zu klaren, scharf konturierten Begriffen. Dasjenige Gebiet, auf welches die Seelentatsachen die Psychoanalytiker drängen, das ist das Gebiet des außerbewußten Verstandeswirkens, Vernunftwirkens. Wie oft habe ich, ich möchte sagen, nur die Dinge heranziehend, nicht ausführlich behandelt — weil das eigentlich für den Geisteswissenschafter selbstverständlich. ist, was dabei zu sagen ist —, wie oft habe ich aber dabei darauf aufmerksam gemacht, daß vernünftige Wirkung, Verstandeswirkung, Klugheit, nicht bloß im menschlichen Bewußtsein vorhanden ist, sondern überall; daß wir umgeben sind von wirksamer Verstandestätigkeit, wie wir umgeben sind von der Luft; also ganz eingesponnen ist der Mensch in wirksame Verstandestätigkeit, und die andern Wesen auch.
[ 3 ] Today, however, we will have to broaden the scope of our discussion if we wish—at least for now, since everything relevant to the matter can only be addressed over time—to shed some light on one aspect or another. First of all, I would like to point out that the facts available to psychoanalysis would in fact be capable of pointing to an important spiritual realm that modern man, at least, does not wish to enter—not precisely, not exactly—and which he would very much like to leave in all sorts of subconscious, nebulous regions; for nothing is more dear to the contemporary mindset—which remains afflicted by materialism even in such realms—than—if you’ll allow the paradox—an obscure, mystical drifting among all manner of undefined concepts. Indeed, one finds the most grotesque mysticism, the most repulsive mysticism, precisely within materialism, when mysticism is used in the sense of drifting about in all sorts of nebulous concepts and refusing to develop one’s worldview into clear, sharply defined concepts. The very realm to which the facts of the psyche compel psychoanalysts is the realm of unconscious mental activity, of rational activity. How often have I—I would say, merely touching on these things without going into detail—because this is actually self-evident to the scholar of the human sciences. —as to what needs to be said in this regard—but how often have I pointed out in this context that rational activity, intellectual activity, and wisdom are not merely present in human consciousness, but everywhere; that we are surrounded by active intellectual activity just as we are surrounded by air; thus, human beings are completely enveloped in active intellectual activity, and so are other beings.
[ 4 ] Nun könnten die Tatsachen, die vorliegen, den Psychoanalytiker sehr leicht auf diese Sache verweisen. Ich habe Ihnen gestern den Fall angeführt, den Jung erzählt in seinem Buche «Die Psychologie der unbewußten Prozesse», der sich auf die Dame bezieht, welche aus einer Abendgesellschaft mit andern Genossen weggeht, vor den Pferden auf der Straße herläuft bis zu einer Brücke, dann von Passanten gerettet wird und wiederum zurückgebracht wird in das Haus, von dem sie gekommen ist, wo ihr dann der Hausherr eine Liebeserklärung macht. — Wenn man sich auf den Standpunkt von Freud oder Adler stellt, braucht man, um solch eine Sache zu erklären, nur zu Hilfe zu nehmen entweder den Liebestrieb oder den Machttrieb. Aber man trifft damit nicht das eigentlich Durchgreifende, das Fundamentale der Sache. Das Fundamentale der Sache trifft man nur, wenn man sich zu der Einsicht entschließt, daß das Bewußtsein nicht die Klugheit, die Gescheitheit, aber auch das Raffinement desjenigen erschöpft, was im Menschen als Verstand wirkt, wenn man die Lebensgesetze nicht beengt durch die Bewußtseinsgrenze. Denken Sie einmal, es kann ja die Frage aufgeworfen werden: Was wollte denn die Dame eigentlich, nachdem sie die Abendgesellschaft mitgemacht hatte, die Freundin glücklicherweise ins Bad abgeschickt worden ist? — Die Dame wollte eine Gelegenheit herbeiführen zu dem, was dann ja auch gekommen ist, mit dem Hausherrn allein zu sein. Ja, nicht wahr, mit alledem, was im Bewußtsein lebt, was man sich gesteht, was man zugibt, ging das ja doch wohl an jenem Abend nicht recht. Es ging nicht. Es wäre nicht anständig gewesen, wie man sagt, nicht wahr. Es handelt sich darum, irgend etwas zustande zu bringen, was man nicht einzugestehen braucht. Und auf die richtige Erklärung gerade dieser Tatsache wird man daher viel mehr kommen, wenn man den in diesem Falle unterbewußt bleibenden raffinierten Verstand der Dame, dessen sie sich nicht bewußt ist, zu Hilfe nimmt. Sie wollte — durch die ganze Abendgesellschaft hindurch — mit dem Hausherrn zusammenkommen; sie wollte das herbeiführen. Wie man, wenn man etwas weniger gescheit ist, in den Mitteln sich vergreift, um es herbeizuführen, wenn man gescheiter ist, es gescheiter einrichtet, um es herbeizuführen, so kann in diesem Falle gesagt werden, in dem gewöhnlichen Bewußtsein der Dame, wo Begriffe von dem, was anständig oder nicht anständig, erlaubt oder nicht erlaubt ist, zum Geständnisse kommen, da ging es nicht, die gehörigen Mittel zu wählen, welche das Zusammensein herbeiführen konnten. Aber in dem, was unter der gewöhnlichen Bewußtseinsschicht lagert, da wirkt der Gedanke: Ich muß mit dem Mann zusammenkommen; die nächste Gelegenheit, die sich mir bietet auf der Straße, muß ich verwenden dazu, um in das Haus zurückzukommen.
[ 3 ] Today, however, we will have to broaden the scope of our discussion if we wish—at least for now, since everything relevant to the matter can only be addressed over time—to shed some light on one aspect or another. First of all, I would like to point out that the facts available to psychoanalysis would in fact be capable of pointing to an important spiritual realm that modern man, at least, does not wish to enter—not precisely, not exactly—and which he would very much like to leave in all sorts of subconscious, nebulous regions; for nothing is more dear to the contemporary mindset—which remains afflicted by materialism even in such realms—than—if you’ll allow the paradox—an obscure, mystical drifting among all manner of undefined concepts. Indeed, one finds the most grotesque mysticism, the most repulsive mysticism, precisely within materialism, when mysticism is used in the sense of drifting about in all sorts of nebulous concepts and refusing to develop one’s worldview into clear, sharply defined concepts. The very realm to which the facts of the psyche compel psychoanalysts is the realm of unconscious mental activity, of rational activity. How often have I—I would say, merely touching on these things without going into detail—because this is actually self-evident to the scholar of the human sciences. —as to what needs to be said in this regard—but how often have I pointed out in this context that rational activity, intellectual activity, and wisdom are not merely present in human consciousness, but everywhere; that we are surrounded by active intellectual activity just as we are surrounded by air; thus, human beings are completely enveloped in active intellectual activity, and so are other beings.
[ 5 ] Man kann sagen: Hätte sich nicht die Gelegenheit mit den Pferden geboten, die außerdem noch unterstützt war durch die frühere Assoziation mit dem Pferdeunglück, so hätte sich halt eine andere Gelegenheit gefunden; die Dame hätte nur ohnmächtig zu werden gebraucht. Und man kann mit einer gewissen hypothetischen Sicherheit sagen: sie wäre ganz gewiß ohnmächtig geworden, wenn sich nicht die Gelegenheit mit der heranrückenden Droschke gefunden hätte. Sie wäre auf der Straße ohnmächtig hingefallen, und man hätte sie dann auch in das Haus zurückgebracht. Oder wenn sie nicht ohnmächtig geworden wäre, so hätte sich ein anderes Mittel gefunden. Man kann sagen: Das Unterbewußtsein, das sah hinweg über alle Bedenken, über welche das Oberbewußtsein nicht hinwegsieht. Das Unterbewußtsein stellte sich auf den Standpunkt: Wer den Zweck haben will, muß auch die Mittel wählen, ganz gleichgültig, wie es sich nun gerade mit den Begriffen vom Anstand oder Nichtanstand verhält. Also man wird in einem solchen Falle verwiesen auf das, was Nietzsche, der von solchen Dingen manches geahnt hat, die große Vernunft gegenüber der kleinen Vernunft nennt, die umfassende, die nicht zum Bewußtsein kommt, die unter der Schwelle des Bewußtseins wirkt und durch die die Menschen das Mannigfaltigste tun, das sie sich nicht gestehen in ihrem Bewußtsein. Durch das gewöhnliche Bewußtsein, das äußere Bewußtsein, ist der Mensch im Zusammenhange mit der sinnlichen Welt, aber überhaupt mit der ganzen physischen Welt, also auch mit dem, was in der ganzen physischen Welt lebt. Das sind vor allen Dingen die Begriffe von Anstand, von bürgerlicher Moral und so weiter. Das gehört ja alles zum physischen Plane, mit diesem Bewußtsein ist der Mensch da.
[ 5 ] One could say: If the opportunity with the horses—which was, moreover, reinforced by her earlier association with the horse accident—had not presented itself, another opportunity would simply have arisen; the lady would only have needed to faint. And one can say with a certain degree of hypothetical certainty: she would most certainly have fainted if the opportunity presented by the approaching cab had not arisen. She would have collapsed unconscious on the street, and she would then have been carried back into the house. Or if she had not fainted, another means would have been found. One might say: The subconscious overlooked all the reservations that the conscious mind does not overlook. The subconscious took the position that whoever wants to achieve an end must also choose the means, regardless of what the concepts of propriety or impropriety may happen to entail. Thus, in such a case, one is referred to what Nietzsche—who had some inkling of such things—calls “great reason” as opposed to “small reason”: the all-encompassing reason that does not come to consciousness, that operates below the threshold of consciousness, and through which people do the most diverse things that they do not admit to themselves in their consciousness. Through ordinary consciousness—external consciousness—human beings are connected to the sensory world, but also to the entire physical world, and thus to everything that lives within the physical world. These are, above all, the concepts of propriety, bourgeois morality, and so on. All of this belongs to the physical plane; it is through this consciousness that human beings exist.
[ 6 ] Im Unterbewußtsein aber hängt der Mensch mit einer ganz andern Welt zusammen, mit derjenigen, von der Jung sagt, die Seele bedürfe ihrer, weil sie einfach im Zusammenhang mit dieser Welt stehe, aber wovon er auch sagt, es sei töricht, nach der Existenz zu fragen. Ja, so ist es eben; sobald die Schwelle des Bewußtseins überschritten wird, ist der Mensch mit seiner Seele nicht in einem bloßen materiellen Zusammenhange drinnen, sondern in einem Zusammenhange, wo Gedanken walten, Gedanken, die sehr raffiniert sein können.
[ 6 ] In the subconscious, however, human beings are connected to an entirely different world—the one of which Jung says the soul needs because it is simply connected to this world, but about which he also says it is foolish to ask whether it exists. Yes, that is precisely the case; as soon as the threshold of consciousness is crossed, a person is not merely in a material connection with his soul, but in a connection where thoughts reign—thoughts that can be very sophisticated.
[ 7 ] Nun, Jung sieht ganz recht, wenn er sagt, daß der Mensch der Gegenwart, der sogenannte Kulturmensch der Gegenwart ganz besonders nötig hat, auf solche Dinge aufmerksam zu sein. Denn diese sogenannte Gegenwartskultur hat die Eigentümlichkeit, daß sie zahlreiche Impulse ins Unterbewußtsein hinunterdrängt, die dann aber sich geltend machen in einer solchen Art, daß irrationale Handlungen, wie man sie nennt, daß ein ganz irrationales Verhalten des Menschen zustande kommt. Wenn vom Machttrieb und vom Liebestrieb gesprochen wird, so rührt das nur davon her, weil in dem Augenblick, wo der Mensch mit seiner Seele eintritt in die unterbewußten Regionen, er den Regionen näher kommt, in denen diese Triebe walten. Nicht diese Triebe sind die Ursachen, sondern daß der Mensch mit seiner unterbewußten Vernunft untertaucht in die Regionen, in denen diese Triebe wirksam sind.
[ 7 ] Well, Jung is quite right when he says that modern man—the so-called “cultured man” of today—has a particular need to be attentive to such things. For this so-called contemporary culture has the peculiarity of pushing numerous impulses down into the subconscious, which then assert themselves in such a way that so-called irrational actions—that is, entirely irrational human behavior—come about. When people speak of the power drive and the love drive, this stems solely from the fact that the moment a person enters the subconscious regions with his soul, he draws closer to the regions where these drives reign. It is not these drives that are the causes, but rather the fact that the person, with his subconscious reason, plunges into the regions where these drives are at work.
[ 8 ] Für irgendeine Angelegenheit, welche sie weniger interessierte als ihr Liebesverhältnis zu dem Manne, würde die Dame sich nicht der Strapaze unterzogen haben, erst ihre unterbewußte Schlauheit walten zu lassen; es bedurfte dazu eben dieses besonderen Interesses. Und daß oftmals das Liebesinteresse da eine Rolle spielt, rührt eben nur davon her, weil das Liebesinteresse ein sehr verbreitetes ist. Aber wenn die Psychoanalytiker mehr ihr Augenmerk verwenden würden auf andere Gebiete, wenn, ich möchte sagen, nicht die psychoanalytischen Sanatorien ins Auge gefaßt würden, wo, wie mir scheint, die Mehrzahl doch noch weibliche Insassen sind — man wirft das ja auch den anthroposophischen Veranstaltungen vor, aber ich glaube, mit mehr Recht könnte man das solchen Anstalten vorwerfen —, wenn man mehr bewandert wäre auf seiten der psychoanalytischen Forscher, mit einem andern Gebiete, was ja auch zum Teil der Fall ist, und es würden mehr Insassen in den Sanatorien sein aus einem andern Gebiete her, so würde man auch vielleicht ein weitergehendes Erkennen erzielen können. Nehmen wir zum Beispiel an, es würde ein Sanatorium eingerichtet werden, in dem man speziell unterbringen würde zur psychiatrischen Behandlung Leute, die nervös oder hysterisch geworden sind beim Börsenspiel. Da würde man mit demselben Rechte, wie von Freud die Liebe eingeführt worden ist in die unterbewußten Regionen, ganz andere Dinge einführen können. Da würde man sehen, mit welcher ausgebreiteten, unterbewußten, raffinierten Vorstellung derjenige arbeitet, der also zum Beispiel Börsenspieler ist. Da würde dann, ich möchte sagen, durch die Ausschließungsmethode die geschlechtliche Liebe keine besondere Rolle spielen können, und man würde doch das Walten des unterbewußten Raffinements, der unterbewußten Schlauheit und so weiter in höchstem Maße studieren können. Auch der Machttrieb würde dann nicht immer dasjenige sein, was man würde aussprechen können, sondern da würden ganz andere 'Triebe noch, die in den unterbewußten Regionen walten, in die man sich einsenkt mit der Seele, wenn man überhaupt in das Unterbewußte kommt, in Frage kommen. Und wenn man ein Sanatorium einrichten würde für hysterisch gewordene Gelehrte, dann würde auch unter dem, was unterbewußt wirkt, wenig gerade auf den Liebestrieb zurückführen können; denn für denjenigen, dem die Tatsachen auf diesem Gebiete hinlänglich bekannt sind, steht fest, daß unter den heutigen Verhältnissen Gelehrte sehr wenig durch die Liebe zu ihrer Wissenschaft getrieben werden, sondern durch ganz andere Triebe, die dann sich zeigen würden, wenn sie psychoanalytisch an die Oberfläche geführt würden. Dasjenige aber, was das Umfassende ist, das ist eben, daß die Seele aus den bewußten Regionen heruntergeführt wird in die unterbewußten Regionen — die nur durch Geistesforschung bewußt werden können — und in denen waltet, was an Trieben im Menschen lebt, ohne daß der Mensch sie dann meistern kann, weil er nur dasjenige meistern kann, was in seinem Bewußtsein ist.
[ 8 ] For any matter that interested her less than her romantic relationship with the man, the lady would not have gone to the trouble of first letting her subconscious cunning take the lead; it was precisely this particular interest that made it necessary. And the fact that romantic interest often plays a role here stems precisely from the fact that romantic interest is a very common one. But if psychoanalysts were to focus more of their attention on other areas—if, I might say, they were not to focus on psychoanalytic sanatoriums, where, as it seems to me, the majority of the residents are still women—this is, after all, a criticism leveled at anthroposophical institutions as well, but I believe one could accuse such institutions of this with even greater justification—if psychoanalytic researchers were more well-versed in other fields—which is indeed partly the case—and if there were more patients in the sanatoriums from other fields, then perhaps a more profound understanding could be achieved. Let us assume, for example, that a sanatorium were established specifically to provide psychiatric treatment for people who have become nervous or hysterical as a result of stock market speculation. There, just as Freud introduced the concept of love into the subconscious, one could introduce entirely different concepts. There, one would see the extensive, subconscious, and sophisticated mental framework with which, for example, a stock market speculator operates. There, I would say, through the process of elimination, sexual love would not be able to play a special role, and yet one would be able to study the workings of subconscious sophistication, subconscious cunning, and so on to the highest degree. Nor would the power drive always be what one could articulate; rather, entirely different “drives”—those that reign in the subconscious regions, into which one sinks with one’s soul when one enters the subconscious at all—would come into play. And if one were to establish a sanatorium for scholars who have become hysterical, then even among the forces at work in the subconscious, little could be directly attributed to the libido; for anyone sufficiently familiar with the facts in this area knows for certain that, under present-day conditions, scholars are driven very little by love for their science, but rather by entirely different drives that would then reveal themselves if they were brought to the surface through psychoanalysis. But what is the overarching factor is precisely that the soul is led down from the conscious regions into the subconscious regions—which can only be brought to consciousness through spiritual research—and in which the drives that live within the human being reign, without the human being being able to master them, because he can master only that which is within his consciousness.
[ 9 ] Wiederum eine recht unbequeme Wahrheit. Denn selbstverständlich muß man ja dann zugeben in noch weit größerem Maße, als das von den Psychoanalytikern zugegeben wird, daß der Mensch in seinen unterbewußten Regionen ein recht schlaues Wesen sein kann, viel schlauer als er in seinem gewöhnlichen Bewußtsein ist. Nun, auch auf diesem Gebiete kann man ja gerade mit der gewöhnlichen Wissenschaft sonderbare Erfahrungen machen. Und ein Kapitel über diese Erfahrungen können Sie lesen in dem zweiten Kapitel, das in meinem neuen Buche «Von Seelenrätseln», das demnächst erscheint, verzeichnet ist, wo ich mich mit dem Kapitel beschäftige, das das akademische Individuum Dessoir in seinem Buche «Vom Jenseits der Seele» über Anthroposophie sich geleistet hat. Dieses zweite Kapitel meines Buches «Von Seelenrätseln» wird auch ein hübscher Beitrag sein können, wenn sich heute denkende Menschen ein Urteil bilden wollen über die Gelehrtenmoral der Gegenwart. Sie werden sehen, wenn Sie dieses Kapitel lesen werden, mit was für Gegnerschaften man es eigentlich zu tun hat. Ich will von den Gesichtspunkten, die dort angegeben sind, nur ein paar erwähnen, die nicht ganz unzusammenhängend mit dem Thema des heutigen Tages sind.
[ 9 ] Yet another rather uncomfortable truth. For, of course, one must then admit—to an even greater extent than psychoanalysts do—that human beings can be quite cunning creatures in their subconscious realms, much more cunning than they are in their ordinary state of consciousness. Well, even in this field, one can have strange experiences precisely through conventional science. And you can read a chapter about these experiences in the second chapter of my new book *On the Mysteries of the Soul*, which will be published shortly, where I address the chapter that the academic Dessoir devoted to anthroposophy in his book *Beyond the Soul*. This second chapter of my book *On the Mysteries of the Soul* may also serve as a useful contribution for thinking people today who wish to form a judgment about the ethical standards of contemporary scholars. As you read this chapter, you will see what kinds of opposition one is actually up against. Of the points of view presented there, I would like to mention just a few that are not entirely unrelated to today’s topic.
[ 10 ] Dieser Mann findet zum Beispiel allerlei einzuwenden gegen das und jenes und beruft sich immer auf Stellen, die er aus meinen Büchern vorbringt. In einem netten Zusammenhange erzählt er auch, wie ich aufeinanderfolgende Kulturperioden unterscheide: die indische, die urpersische, die chaldäisch-ägyptische, die griechisch-lateinische, und wir leben jetzt in der sechsten, sagt er, nach Steiner.
[ 10 ] For example, this man finds all sorts of objections to this and that and always cites passages he takes from my books. In a charming aside, he also explains how I distinguish between successive cultural periods: the Indian, the Proto-Persian, the Chaldean-Egyptian, the Greek-Latin, and—according to Steiner—we are now living in the sixth, he says.
[ 11 ] Nun, diese Sache weist einen in die Notwendigkeit, schulmeisterlich widerlegen zu müssen; denn es zeigt einem den Weg, auf den man zunächst solch einem Individuum zu Leibe rücken muß. Wie kommt in all seinem sonstigen Unsinnsgestrüppe dieser Max Dessoir dazu, zu sagen, ich hätte behauptet, wir leben jetzt in der sechsten nachatlantischen Kulturperiode? Man kann es leicht nachweisen, wenn man einige Übung in der Handhabung der philologischen Methoden hat. Ich war sechseinhalb Jahre am Weimarischen GoetheArchiv und kenne ein wenig die Handhabung der philologischen Methoden und könnte leicht nachweisen, nach philologischen Methoden, wie Dessoir darauf kommt, diese sechste Kulturperiode jetzt mir zu unterschieben. Nämlich, er hat mein Buch gelesen «Die Geheimwissenschaft im Umriß». In diesem Buche «Die Geheimwissenschaft» steht ein Satz, der bereitet vor die Besprechung der fünften nachatlantischen Kulturperiode, der Gegenwart. Da sage ich, daß sich die Dinge langsam vorbereiten, und in einem Abschnitt sage ich, es haben sich vorbereitet die Dinge, die dann im 14. Jahrhundert, 15. Jahrhundert herausgekommen sind, im 4., 5. und 6. Jahrhundert. Also ich sage: «...im 4., 5. und 6. Jahrhundert...» in einer Zeile, und nach vier oder fünf Zeilen steht, daß dann dieses 6. Jahrhundert die Vorbereitung war für die fünfte nachatlantische Zeit. Dessoir liest so, wie das ihm eigen ist, oberflächlich; er sieht dann, wie das bei manchen Gelehrten üblich ist, rasch die Stelle nach, die er sich mit rotem oder auch anderem Bleistift an den Rand notiert hat, und verwechselt, als er mein Buch «Die Geheimwissenschaft» besprach, dasjenige, was fünf Zeilen später steht, die nachatlantische Kulturperiode mit dem, was über das 4., 5. und 6. Jahrhundert steht, und da sagt er: «sechste Kulturperiode», statt fünfte, weil er den Blick vier Zeilen weiter heraufrückte!
[ 11 ] Well, this matter highlights the need to refute it in a schoolmasterly manner; for it shows one the path one must first take to tackle such an individual. Amid all his other nonsense, how does this Max Dessoir come to say that I claimed we are now living in the sixth post-Atlantean cultural period? It is easy to prove if one has some practice in the application of philological methods. I spent six and a half years at the Goethe Archive in Weimar and am somewhat familiar with philological methods; I could easily demonstrate, using philological methods, how Dessoir came to attribute this sixth cultural period to me now. Namely, he has read my book *An Outline of Esoteric Science*. In this book, *Die Geheimwissenschaft*, there is a sentence that introduces the discussion of the fifth post-Atlantean cultural epoch—the present. There I say that things are slowly coming into being, and in one section I state that the events which then emerged in the 14th and 15th centuries were prepared in the 4th, 5th, and 6th centuries. So I say: “...in the 4th, 5th, and 6th centuries...” in one line, and four or five lines later it states that this 6th century was the preparation for the fifth post-Atlantean epoch. Dessoir reads, as is his custom, superficially; then, as is common among some scholars, he quickly looks up the passage he’s noted in the margin with a red or other pencil, and when reviewing my book *The Secret Science*, he confuses what’s written five lines later—the post-Atlantean cultural period—with what’s written about the 4th, 5th, and 6th centuries, and there he says, “sixth cultural period” instead of fifth, because he shifted his gaze up four lines!
[ 12 ] Also Sie sehen, mit welch grandioser Oberflächlichkeit solch ein Individuum eigentlich arbeitet. Hier haben wir ein Beispiel, wo man direkt philologisch solche Gelehrsamkeit abfangen kann. Solcherlei Fehler durchziehen das ganze Kapitel dieses Machwerkes. Und während Dessoir behauptet, daß er eine ganze Reihe von Schriften von mir studiert hat, könnte ich wiederum philologisch nachweisen, worinnen diese ganze Reihe von Schriften besteht. Er hat nämlich gelesen — und ganz wenig verstanden — «Die Philosophie der Freiheit»; darüber formuliert er einen Satz, der einfacher Unsinn ist. Dann aber hat er gelesen «Die Geheimwissenschaft», so aber gelesen, daß solcherlei Zeug herauskommt, wie ich Ihnen eben charakterisiert habe. Dann hat er noch gelesen die Schrift von der «Geistigen Führung des Menschen und der Menschheit», die kleine Schrift über «Reinkarnation und Karma» und «Blut ist ein ganz besonderer Saft». Das ist alles, was er von mir gelesen hat; das kann man nachweisen aus seinem Aufsatze, den er geschrieben hat. Sonst hat er nichts gelesen. Das ist Gelehrtenmoral der Gegenwart! Wichtig ist es, einmal bei einer solchen Sache die Gelehrsamkeit der Gegenwart abzufangen. In diesem Falle liegt diesem Gelehrten aus der Zahl meiner Bücher diese kleine Zahl vor, die ich eben genannt habe, und darauf gründet er nun, außerdem mit einem ganz korrupten Denken, seine ganzen Darstellungen. So aber machen es zahlreiche Gelehrte der Gegenwart überhaupt. Es liegen ihnen, wenn sie zum Beispiel über Tiere sprechen, nicht genügende Unterlagen vor, sondern ungefähr so viel aus dem Leben der Tiere, wie dem Dessoir aus meinen Schriften vorliegt. Man könnte ein hübsches Kapitel formen, wenn man das Unterbewußte bei Max Dessoir ins Auge fassen würde. Allein Dessoir gibt einem selbst Gelegenheit, an einer besonderen Stelle seines Buches auf sein Unterbewußtsein ein wenig Rücksicht zu nehmen. Er erzählt nämlich grosteskerweise, daß es ihm manchmal passiere, wenn er zu einer Versammlung spricht, daß er plötzlich merkt: ohne daß seine Seele dabei ist, wirken die Gedanken fort, dann spricht er noch eine Zeitlang fort, und erst an der Art und Weise, wie sich das Publikum dazu verhält, merkt er, daß seine Gedanken eine andere Richtung genommen haben als seine Aufmerksamkeit. Das erzählt er ganz naiv. Nun denken Sie sich einmal, aus dieser Tatsache redet er dann von allerlei Eigentümlichkeiten des menschlichen Bewußtseins. Ich habe zart darauf hingewiesen, daß Dessoir sich da in einer merkwürdigen Weise enthüllt. Ich habe gesagt, es sei ganz unmöglich, daß er sich selbst meine; es könne nur so sein, daß er in diesem Falle so spricht, wie wenn man sich mit andern ungeschickten Rednern identifiziert und per ich spricht, indem man sich in den andern versetzt; denn es würde eine zu starke Zumutung sein, wenn man ihm selber zumuten wollte, daß er sich da selber charakterisiere. Aber — er charakterisiert sich nämlich selber! Es ist schon so. Nun, wenn man solche Sachen bespricht, muß man manchmal auf sehr merkwürdige Dinge hinweisen. «Die Philosophie der Freiheit» behandelt er nur in einer Anmerkung, indem er einen trivialen Satz daraus formuliert, der zwar Dessoirisch ist, aber nicht von mir stammt. Diese ganze Sache ist toll. Aber er sagt dabei: In Steiners Erstling, «Die Philosophie der Freiheit». Also da ist man wirklich dann genötigt, da «Die Philosophie der Freiheit» nicht mein erstes Buch ist, sondern der Abschluß einer zehnjährigen Schriftstellerarbeit, auf solche Ausgüsse einer akademischen Paranoia, eines akademischen Wahnsinns hinzuweisen bei einer solchen Handhabung der Gelehrtenmoral. Ich weiß selbstverständlich, trotzdem ich in diesem Kapitel gezeigt habe, wie korrupt diese ganze Darstellung ist, daß immer wiederum die Leute kommen werden und sagen werden: Na, der Dessoir hat ja den Steiner widerlegt, und so weiter. Selbstverständlich weiß ich das ganz gut. Ich weiß, daß man heute wie gegen Wände redet, wenn man zu durchbrechen hat dasjenige, was die Menschen ja heute ganz und gar nicht haben, den Autoritätsglauben, denn den haben sie ja abgeschafft!
[ 12 ] So you see just how incredibly superficially such an individual actually works. Here we have an example where one can directly refute such “scholarship” through philological analysis. Errors of this sort permeate the entire chapter of this piece of trash. And while Dessoir claims to have studied a whole series of my writings, I could in turn demonstrate philologically what this entire series of writings actually consists of. He has, in fact, read—and understood very little of—*The Philosophy of Freedom*; regarding it, he formulates a statement that is sheer nonsense. But then he read *The Secret Science*, though he read it in such a way that the kind of nonsense I have just described to you comes out of it. Then he also read the treatise on *The Spiritual Guidance of Man and Humanity*, the short treatise on *Reincarnation and Karma*, and *Blood Is a Very Special Juice*. That is all he has read of my work; this can be verified from the essay he wrote. He has read nothing else. Such is the scholarly ethic of our time! It is important to take a moment to examine the state of scholarship today in a case like this. In this instance, this scholar has at his disposal only the small number of my books I just mentioned, and upon these—along with a thoroughly corrupt way of thinking—he now bases his entire arguments. But this is how numerous scholars of today generally proceed. When they speak, for example, about animals, they do not have sufficient source material at their disposal, but rather about as much knowledge of animal life as Dessoir has gleaned from my writings. One could write a fascinating chapter if one were to examine Max Dessoir’s subconscious. Yet Dessoir himself provides an opportunity, at a particular point in his book, to give his subconscious a little consideration. He recounts, in a rather grotesque manner, that it sometimes happens to him when he is speaking at a gathering that he suddenly realizes: without his soul being present, his thoughts continue to flow; he then keeps speaking for a while longer, and only from the way the audience reacts does he notice that his thoughts have taken a different direction than his attention. He recounts this quite naively. Now just imagine: based on this fact, he then goes on to discuss all sorts of peculiarities of human consciousness. I gently pointed out that Dessoir is revealing himself in a curious way here. I said it was entirely impossible that he meant himself; it could only be that, in this case, he speaks as one does when identifying with other clumsy speakers and speaking in the first person by putting oneself in the other’s place; for it would be too great a demand to expect him to characterize himself in this context. But—he does, in fact, characterize himself! It’s true. Well, when discussing such matters, one sometimes has to point out very peculiar things. He addresses *The Philosophy of Freedom* only in a footnote, in which he formulates a trivial sentence from it that, while Dessoir-esque, does not originate with me. This whole thing is crazy. But in doing so, he says: “In Steiner’s debut work, *The Philosophy of Freedom*.” So one is really compelled—since *The Philosophy of Freedom* is not my first book, but the culmination of ten years of writing—to point out such outpourings of academic paranoia, of academic madness, in the face of such a handling of scholarly ethics. I know, of course—even though I have shown in this chapter how corrupt this entire account is—that people will keep coming back and saying: “Well, Dessoir has refuted Steiner,” and so on. Of course, I know that very well. I know that today it’s like talking to a brick wall when one has to break through what people today lack entirely—belief in authority—because they’ve abolished it!
[ 13 ] Allein gerade dieses Kapitel wird einen Beweis liefern, gegen welche Schwierigkeiten in der gegenwärtigen Kulturströmung Geisteswissenschaft einfach aus dem Grunde anzukämpfen hat, weil sie genötigt ist, auf klare, scharfe Begriffskonturen und konkrete geistige Erlebnisse hinzuweisen. Von Logik zum Beispiel ist bei einem solchen Individuum wie bei Dessoir überhaupt nicht im allerentferntesten die Rede, nicht im allerentferntesten. Und Logik fehlt überhaupt in dem weitesten Umfange in der gegenwärtigen sogenannten wissenschaftlichen Literatur.
[ 13 ] This chapter alone will demonstrate the difficulties that spiritual science must contend with in the current cultural climate, simply because it is compelled to point to clear, sharply defined concepts and concrete spiritual experiences. For example, in the case of an individual such as Dessoir, there is not even the remotest mention of logic—not in the remotest sense. And logic is entirely absent, to the greatest extent, from contemporary so-called scientific literature.
[ 14 ] Das sind die Gründe, warum die offizielle Gelehrsamkeit und die offiziellen Geistesrichtungen, selbst wenn sie sich herausarbeiten aus dem Allerinferiorsten, wie es zum Beispiel die Universitätspsychiatrie oder -psychologie ist, nicht in der Lage sind, auf einen grünen Zweig zu kommen, weil sie ermangeln der allerersten Anforderungen: einer wirklichen Betrachtung des Lebens. Solange nicht in weitesten Kreisen eine Überzeugung davon Platz greift, wie weit entfernt von echter Forschung und echtem Wirklichkeitssinn dasjenige ist, was heute als wissenschaftliche Literatur — ich sage nicht als Wissenschaft, sondern als wissenschaftliche Literatur — figuriert und oftmals den Inhalt auch von Universitäts- und namentlich populären Vorträgen bildet, solange nicht in weitesten Kreisen dieser Autoritätsglaube durchbrochen wird, so lange kann auch nicht Heil kommen. Diese Dinge muß man sagen, auch wenn man den größten Respekt hat vor naturwissenschaftlicher Denkweise, wenn man gerade die großen Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Denkweise immer wieder und wiederum betont. Daß solche Dinge widerspruchsvoll ins Leben eingreifen, damit muß man sich schon bekanntmachen. Nun, nach dieser Abschweifung möchte ich zum 'Thema zurückkehren. Besonders gravierend findet nämlich Dessoir bei einer Gelegenheit, bei der er sich noch eine Kombination von objektiver Unwahrheit und Verleumdung gestattet, daß ich in dem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» auf ein wichtiges, unterbewußtes Wirken geistiger Impulse hingewiesen habe, indem ich gezeigt habe, daß in dem Kinde, das sich sein Gehirn aufbaut, eine gescheitere Weisheit wirkt als diejenige, die später bewußt wird, wenn das Gehirn aufgebaut ist. Sie kennen dieses Kapitel aus der «Geistigen Führung des Menschen und der Menschheit». Bei solchen normalen Wirkungen des Unterbewußten müßte eine gesunde Wissenschaft eigentlich einsetzen. Aber es braucht diese Wissenschaft auch noch etwas anderes. Wenn Sie sich die Schrift vornehmen «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann finden Sie dort das Geheimnis der Schwelle besprochen. Sie finden dieses Geheimnis der Schwelle so besprochen, daß gezeigt wird, daß nach dem Überschreiten der Schwelle in die geistigen Welten hinein in gewissem Sinne eine Trennung, eine Differenzierung der drei Grundkräfte des Seelenlebens stattfindet: Denken, Fühlen, Wollen. Erinnern Sie sich nur, wie bei der Besprechung des Hüters der Schwelle in der Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gezeigt ist, wie dasjenige, was im gewöhnlichen Bewußtsein gewissermaßen zusammenwirkt, so daß man es nicht recht trennen kann — Denken, Fühlen, Wollen —, wie das auseinandertritt, jedes selbständig wird, so daß ich sagen kann, wenn ich diese Sache aufzeichnen würde: Wenn hier (Zeichnung S. 160) die Grenze ist zwischen dem gewöhnlichen Bewußtsein und jener Region, in der die Seele lebt als in der geistigen Welt drinnen, so müßte ich Denken, Fühlen und Wollen schematisch so aufzeichnen, daß dies das Gebiet des Wollens wäre (rot), das aber unmittelbar angrenzt an das Gebiet des Fühlens (grün), und wiederum dieses angrenzt an das Gebiet des Denkens unmittelbar (gelb). Hätte ich den Weg zu skizzieren in die geistige Welt hinein nach dem Überschreiten der Schwelle, so müßte ich folgendes schematisieren, folgende schematische Zeichnung anführen: ich müßte zeigen, wie das Denken auf der einen Seite selbständig wird (gelb, rechts); das Fühlen selbständig wird (grün, rechts) und sich trennt von dem Denken; das Wollen selbständig wird (rot, rechts), was ich hier schematisch zeichne. So daß sich Denken, Fühlen und Wollen fächerartig auseinandertrennen.
[ 14 ] These are the reasons why official scholarship and official schools of thought—even when they emerge from the most inferior sources, such as university psychiatry or psychology—are unable to get off the ground, because they lack the very first requirement: a genuine contemplation of life. As long as the conviction does not take hold in the broadest circles that what is today presented as scientific literature—I say not as science, but as scientific literature—and often forms the content of university lectures and, in particular, popular lectures, is far removed from genuine research and a genuine sense of reality; as long as this blind faith in authority is not broken in the broadest circles, there can be no salvation. These things must be said, even if one has the greatest respect for the scientific way of thinking, even if one repeatedly and consistently emphasizes the great achievements of that very way of thinking. One must come to terms with the fact that such things interfere with life in contradictory ways. Well, after this digression, I would like to return to the topic at hand. Dessoir finds it particularly serious—on an occasion when he allows himself yet another combination of objective untruth and slander—that in the little book *The Spiritual Guidance of Man and Humanity* to an important, subconscious influence of spiritual impulses, by showing that in the child whose brain is still developing, a wiser wisdom is at work than the one that later becomes conscious once the brain is fully developed. You are familiar with this chapter from *The Spiritual Guidance of Man and Humanity*. A sound science should actually take its starting point from such normal effects of the subconscious. But this science also requires something else. If you turn to the text *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, you will find the mystery of the threshold discussed there. You will find this mystery of the threshold discussed in such a way as to show that, after crossing the threshold into the spiritual worlds, a separation—in a certain sense, a differentiation—of the three fundamental forces of soul life takes place: thinking, feeling, and willing. Just recall how, in the discussion of the Keeper of the Threshold in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*, it is shown how that which, in ordinary consciousness, interacts in a certain sense so that it cannot really be separated—thinking, feeling, and willing—how this separates, each becoming independent, so that I can say, if I were to sketch this: If here (drawing on p. 160) is the boundary between ordinary consciousness and that region in which the soul lives—that is, within the spiritual world—then I would have to schematically depict thinking, feeling, and willing in such a way that this would be the realm of willing (red), which, however, immediately adjoins the realm of feeling (green), and this, in turn, is immediately adjacent to the realm of thinking (yellow). If I were to sketch the path into the spiritual world after crossing the threshold, I would have to schematize the following and provide the following schematic drawing: I would have to show how thinking, on the one hand, becomes independent (yellow, right); feeling becomes independent (green, right) and separates from thinking; willing becomes independent (red, right), which I am illustrating schematically here. Thus, thinking, feeling, and willing fan out and separate from one another.


[ 15 ] Das finden Sie mit Worten dargestellt in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Daß nun vor der Schwelle diese drei Tätigkeiten, die da getrennt wirkend aneinandergrenzen, in der richtigen Weise zusammenwirken, nicht in Verwitrrung kommen, das ist bewirkt dadurch, daß gewissermaßen die Schwelle eine gewisse Breite hat, in der unser Ich selber lebt. Und wenn das Ich gesund wirkt, wenn das Ich seine volle seelische Gesundheit hat, dann wird durcheinanderwirkend Denken, Fühlen und Wollen so gehalten, daß sie nicht ineinanderpurzeln, aber sich doch gegenseitig so beeinflussen, indem sie aneinandergrenzen — das ist das wesentliche Geheimnis unseres Ich —, daß Denken, Fühlen, Wollen nebeneinandergehalten werden; so daß sie sich gegenseitig beeinflussen in der richtigen Weise, aber nicht das eine in das andere hineinpurzeln kann. Kommen wir über die Schwelle in die geistige Welt, so können sie nicht ineinander hineinpurzeln, weil sie sich sogar trennen.
[ 15 ] You can find this explained in my book *How Does One Gain Insight into the Higher Worlds?*. The fact that these three activities—which operate separately yet adjoin one another—interact in the proper way at the threshold, without becoming confused, is brought about by the fact that, in a sense, the threshold has a certain breadth within which our ego itself lives. And when the “I” functions healthily, when the “I” possesses its full spiritual health, then thinking, feeling, and willing—interacting with one another—are held in such a way that they do not tumble into one another, yet still influence one another by adjoining one another—this is the essential secret of our “I”—so that thinking, feeling, and willing are held side by side; so that they influence one another in the right way, but one cannot spill over into the other. When we cross the threshold into the spiritual world, they cannot spill over into one another because they actually separate.
[ 16 ] Solch ein Philosoph, wie zum Beispiel Wundt ist, solche Philosophen reden davon, daß man die Seele nicht dreigliedern soll, weil die Seele eine Einheit ist. Da macht Wundt auch alles konfus durcheinander. Aber die Sache ist doch diese, daß in der geistigen Welt Denken, Fühlen und Wollen in dreifacher Weise urständen; in der Seele wirken sie allerdings zu einer Einheit zusammen. Das ist das, worauf man Rücksicht nehmen muß. Und wenn gesagt wird, was vor kürzerer oder längerer Zeit auch einmal gesagt worden sein soll, die Anthroposophie unterscheide eigentlich drei Seelen und es gäbe doch nur eine Seele, daran sehe man schon, daß Anthroposophie keine Begründung habe — so muß man dagegen einwenden: es stört auch nicht die Einheit des Menschen, daß er zwei Hände hat, selbstverständlich.
[ 16 ] Philosophers such as Wundt, for example, argue that the soul should not be divided into three parts because the soul is a unity. In doing so, Wundt also confuses the whole matter. But the fact is that in the spiritual world, thinking, feeling, and willing originate in three distinct ways; in the soul, however, they work together as a unity. That is what one must take into account. And when it is said—as is said to have been said at one time or another, whether recently or long ago—that anthroposophy actually distinguishes between three souls, whereas there is really only one soul, and that this alone shows that anthroposophy has no basis—one must object: it does not, of course, disturb the unity of the human being that he has two hands.
[ 17 ] Nun aber haben wir hier (siehe Zeichnung Mitte und rechte Seite) das Verhältnis der Seelenkräfte, die im Ich wirken, mit dem Ich zusammen und ihre Wirkungsweise jenseits der Schwelle des Bewußtseins hinein in die geistige Welt. Aber es kann der andere Fall eintreten. Der kann dadurch eintreten, daß das Ich durch irgend etwas geschwächt wird. Dann wird gewissermaßen die Schwelle nach der umgekehrten Seite überschritten, dann schwenkt das Denken ab (siehe Zeichnung, gelb, links) und vermischt sich mit dem Fühlen (grün, links) und vermischt sich mit dem Wollen (rot, links) und Sie haben im Seelischen durcheinander Denken, Fühlen und Wollen; die purzeln ineinander. Das aber tritt dann ein, wenn, sagen wir, das Denken irgendwie der Gefahr ausgesetzt wird, nicht vollständig umfaßt zu werden, sondern sich selbständig geltend macht im Bewußtsein. Und weil das Ich nicht ordentlich wirkt, rutscht das Denken in die Gefühls- oder gar in die Willenssphäre hinein. Statt daß die Dinge nun nebeneinandergehen, Denken, Fühlen und Wollen, ergreift das Denken, ohne daß das Ich seine Tätigkeit entfalten kann, das Fühlen oder gar das Wollen.
[ 17 ] Here, however, we have (see the drawing in the center and on the right) the relationship between the soul forces acting within the “I,” together with the “I” itself, and the way they operate beyond the threshold of consciousness into the spiritual world. But the opposite situation can also arise. This can occur when the “I” is weakened by some factor. Then, in a sense, the threshold is crossed in the opposite direction; thinking veers off (see diagram, yellow, left) and mingles with feeling (green, left) and with willing (red, left), and you have a jumble of thinking, feeling, and willing in the soul; they tumble into one another. But this occurs when, let’s say, thinking is somehow exposed to the danger of not being fully encompassed, but instead asserts itself independently in consciousness. And because the “I” is not functioning properly, thinking slips into the sphere of feeling or even into that of the will. Instead of thinking, feeling, and willing proceeding side by side, thinking—without the “I” being able to carry out its activity—takes hold of feeling or even the will.
[ 18 ] Das geschieht in den Fällen, die geschildert werden von den Psychoanalytikern als hysterische oder nervöse Fälle. Da schwenkt gewissermaßen Denken, Fühlen und Wollen nach der entgegengesetzten Seite ab von jener gesunden Richtung, die in das geistige Gebiet hineinführen würde.
[ 18 ] This occurs in cases described by psychoanalysts as hysterical or nervous cases. In a sense, thinking, feeling, and willing veer off in the opposite direction from the healthy path that would lead into the realm of the mind.
[ 19 ] Wenn man wirkliche Anlage, Begabung zur Prüfung hat, kann man dann die Dinge, ich möchte sagen, handgreiflich sehen, wie sie geschehen. Nehmen Sie die Dame, die am Krankenbett ihres Vaters sitzt, in ihrem starken Ich-Bewußtsein durch viele Nachtwachen herabgedämpft ist — das geringste kann geschehen, so wird ein Gedanke nicht ordentlich neben dem Gefühl einherlaufen, sondern hinunterpurzeln in die Region der Gefühle. Dann aber ist der Gedanke sogleich von den Gefühlswogen ergriffen, die stärker sind als die Wogen des Gedankens; und die Folge davon ist, daß dann in einem solchen Falle der Organismus ergriffen wird von den Gefühlswogen. Von den Gefühlswogen wird nämlich der Organismus in dem Augenblicke ergriffen, in dem das Denken nicht stark genug ist, sich außer den Gefühlen zu halten.
[ 19 ] If one has a genuine aptitude or talent for examination, can one then see things—I would say—vividly as they happen? Take, for example, the woman sitting at her father’s bedside, whose strong sense of self has been subdued by many sleepless nights—the slightest thing can happen, and a thought will not run properly alongside the feeling, but will tumble down into the realm of emotions. But then the thought is immediately swept up by the waves of emotion, which are stronger than the waves of thought; and the result is that, in such a case, the organism is overwhelmed by the waves of emotion. For the organism is overwhelmed by the waves of emotion at the very moment when thinking is not strong enough to keep itself apart from the emotions.
[ 20 ] Das ist eine wichtige Anforderung, daß das Denken des modernen Menschen immer mehr in die Lage kommt, sich außer den Gefühlswogen und den Willenswogen zu halten. Ergreift das Denken im Unterbewußten — hier ist das Überbewußte (siehe Zeichnung, rechts), hier ist das Bewußte (Mitte), hier ist das Unterbewußte (links) —, ergreift das Denken die Gefühlswogen im Unterbewußten, so geschieht etwas Unordentliches im Organismus. Das ist außerordentlich wichtig.
[ 20 ] It is essential that modern human thinking become increasingly capable of remaining aloof from the surges of emotion and the surges of the will. If thinking in the subconscious—here is the superconscious (see diagram, right), here is the conscious (center), here is the subconscious (left)—if thinking becomes entangled with the emotional surges in the subconscious, then something disorderly occurs in the organism. This is extremely important.
[ 21 ] Nun können Sie sich denken, wie in diesem modernen Leben, wo so vieles an die Menschen herangebracht wird, was sie nicht ordentlich verstehen, was sie nicht weiter durchdringen, wie da die Gedanken fortwährend in die Gefühle hinunterströmen. Aber: nur das Denken ist orientiert auf den physischen Plan; das Fühlen ist nicht mehr bloß auf dem physischen Plane, sondern das Fühlen steht eo ipso im Zusammenhang mit der geistigen Welt. Das Fühlen steht wirklich im Zusammenhang mit all den geistigen Wesen, von denen man als real sprechen muß. So daß der Mensch, wenn er mit unzulänglichen Begriffen untertaucht in sein Gefühlsleben, in Kollisionen kommt mit den Göttern — wenn man so sagen will —, aber auch mit den bösen Göttern. Da kommt er in Kollisionen. Und da treten alle diese Kollisionen auf, die davon herkommen, daß der Mensch mit unzulänglichen Erkenntnismitteln untertaucht. Er muß mit unzulänglichen Begriffen untertauchen, wenn in der Gefühlssphäre viel mehr ist, als in der gewöhnlichen Verstandessphäre. In der Gefühlssphäre kann sich der Mensch nicht emanzipieren von seinem Zusammenhang mit der geistigen Welt. Wenn er nun in der materialistischen Zeit sich in der Verstandessphäre emanzipiert, so kommt er mit unzulänglichen Begriffen immer in seine Gefühlswelt hinein, und er muß krank werden.
[ 21 ] Now you can imagine how, in this modern life, where so much is presented to people that they do not properly understand—that they cannot fully grasp—thoughts constantly flow down into their feelings. But: only thinking is oriented toward the physical plane; feeling is no longer confined to the physical plane alone, but is, by its very nature, connected to the spiritual world. Feeling is truly connected to all those spiritual beings whom we must speak of as real. So that when a person plunges into their emotional life with inadequate concepts, they come into conflict with the gods—if one may put it that way—but also with the evil gods. That is where these conflicts arise. And that is where all these conflicts occur, stemming from the fact that human beings immerse themselves with inadequate means of knowledge. They must immerse themselves with inadequate concepts, since there is far more in the sphere of feeling than in the ordinary sphere of the intellect. In the realm of feeling, human beings cannot emancipate themselves from their connection to the spiritual world. If, in this materialistic age, they emancipate themselves in the realm of the intellect, they will always enter their world of feeling with inadequate concepts, and they are bound to become ill.
[ 22 ] Was würde daher die einzige Hilfe sein, den Menschen umfänglich gesund zu machen? Ihn wiederum hinzuführen zu solchen Begriffen, die auch die Gefühlssphäre umfassen; das heißt, den modernen Menschen wiederum zu reden von der geistigen Welt, im umfänglichsten Sinne zu reden von der geistigen Welt. Nicht die dem Individuum angepaßten therapeutischen Methoden des Psychoanalytikers kommen dabei in Betracht, sondern die für die Allgemeinheit geltende Geisteswissenschaft. Nimmt man die Begriffe der Geisteswissenschaft wirklich auf — nicht alle nehmen sie ja auf, die sie sich anhören, oder die darüber lesen —, nimmt man sie wirklich auf, dann kommt man nicht in die Möglichkeit, daß sich im Unterbewußten die drei Sphären der Seele — Denken, Fühlen und Wollen — chaotisch durcheinanderwitren, worauf alle Hysterie und alle Nervosität in Wirklichkeit beruht, die innerseelisch ist — und von solchem spricht ja die Psychoanalyse.
[ 22 ] What, then, would be the only way to restore people to comprehensive health? To lead them back to concepts that also encompass the emotional sphere; that is, to speak to modern people once again about the spiritual world—to speak about the spiritual world in the broadest sense. It is not the psychoanalyst’s therapeutic methods, tailored to the individual, that come into consideration here, but rather spiritual science as it applies to the general public. If one truly takes in the concepts of spiritual science—not everyone who hears them or reads about them actually does so—if one truly takes them in, then one cannot allow the three spheres of the soul — thinking, feeling, and willing — become chaotically entangled in the subconscious, which is in fact the basis of all hysteria and nervousness that originates within the soul—and this is precisely what psychoanalysis refers to.
[ 23 ] Dazu ist aber allerdings notwendig, daß man den Mut hat, heranzukommen an das konkrete Wirken der geistigen Welten, daß man den Mut hat, anzuerkennen, daß wir in unserer Zeit in einer Krise leben, die wesentlich zusammenhängt mit einer Krise, die wir ja konstatiert haben für das Jahr 1879 und unter deren Nachwehen wir stehen. Ich sagte schon gestern, gewisse Dinge müssen ganz anders betrachtet werden, als sie von der materialistischen Gesinnung unserer Zeit betrachtet werden; und ich wies auf das Beispiel Nietzsche hin: Nietzsche ist 1844 geboren; 1841 begann der Kampf in der geistigen Welt, von dem ich gesprochen habe; drei Jahre lang war Nietzsche darinnen in diesem Kampfe. Richard Wagner hat ihn zunächst nicht mitgemacht; er ist 1813 geboren. Also drei Jahre lebt Nietzsche in der geistigen Welt, nachdem dieser Kampf stattfindet. Da nimmt er all die Impulse auf, die er unter dem Einfluß dieses Kampfes aufnehmen kann in der geistigen Welt; er kommt damit herunter. Nun lese man Nietzsches erste Schriften, wie die Kampfesstimmung sich hineinmischt in seine Schriftstellerei, wie in jedem Satze, ich möchte sagen, eine Nachwirkung desjenigen vorhanden ist, was er in den drei Jahren seines geistigen Aufenthalts, von 1841 bis 1844, erlebt hat. Dadurch bekommen die Nietzscheschen Schriften der ersten Zeit ihre ganz besondere Färbung. Dann aber ist weiter wichtig, ich habe Ihnen ausgeführt: ein sechzehnjähriger Bub war er, als Schopenhauer stirbt; er liest dann Schopenhauers Schriften. Eine reale Beziehung findet statt von Schopenhauers Seele ausgehend in der geistigen Welt in die Seele Nietzsches hinein. Jeden Satz bei Schopenhauer liest Nietzsche so, daß dieser Impuls aus der geistigen Welt in ihn eindringt. Denn Schopenhauer kommt 1860 hinauf in die geistige Welt, als der Kampf oben noch wütet. Was will Schopenhauer? Schopenhauer will unter dem Einfluß dieses Kampfes nicht so sehr seine Schriften als seine Gedanken fortwirkend machen. Nietzsche setzt wirklich die Gedanken Schopenhauers fort, aber er setzt sie auf eine eigentümliche Weise fort. Schopenhauer sieht, als er durch die Pforte des Todes gegangen ist: er hat hier herunten seine Schriften verfaßt in einer Epoche, in der heranrückten die Geister der Finsternis; noch nicht waren sie da; seine Gedanken will er fortgesetzt haben, die Impulse, die daraus entstehen. Also noch, indem er den Kampf der Geister der Finsternis oben in der geistigen Welt gegen die Geister des Lichtes vor sich hat, will er seine Schriften fortgesetzt haben; die Impulse bildet er in Nietzsches Seele hinein, seine Gedanken fortzusetzen. Das, was da aus der geistigen Welt in Nietzsches Seele hineingeht, kontrastiert mit dem, was auf dem physischen Plane im persönlichen Umgange mit Wagner geschieht. So setzt sich Nietzsches Seelenleben zusammen, so setzt sich Nietzsches Schriftstellerlaufbahn zusammen.
[ 23 ] To do this, however, it is necessary to have the courage to approach the concrete workings of the spiritual worlds, to have the courage to acknowledge that we are living in a crisis in our time that is fundamentally connected to a crisis we have already identified for the year 1879 and whose aftereffects we are still experiencing. As I said yesterday, certain things must be viewed quite differently from the way they are viewed by the materialistic mindset of our time; and I pointed to the example of Nietzsche: Nietzsche was born in 1844; in 1841, the struggle in the spiritual world of which I have spoken began; for three years, Nietzsche was caught up in this struggle. Richard Wagner did not initially take part in it; he was born in 1813. So Nietzsche lived in the spiritual world for three years after this struggle began. There he absorbed all the impulses he could take in under the influence of this struggle in the spiritual world; he brought them down with him. Now, if you read Nietzsche’s early writings, you can see how the spirit of this struggle permeates his writing; how, in every sentence, I would say, there is an aftereffect of what he experienced during those three years of his spiritual sojourn, from 1841 to 1844. This is what gives Nietzsche’s early writings their very special character. But then there is another important point, as I have explained to you: he was a sixteen-year-old boy when Schopenhauer died; he then read Schopenhauer’s writings. A real connection takes place, emanating from Schopenhauer’s soul in the spiritual world and entering into Nietzsche’s soul. Nietzsche reads every sentence of Schopenhauer in such a way that this impulse from the spiritual world penetrates him. For Schopenhauer ascends to the spiritual world in 1860, while the struggle is still raging above. What does Schopenhauer want? Under the influence of this struggle, Schopenhauer wants not so much to ensure the continued influence of his writings as that of his thoughts. Nietzsche truly continues Schopenhauer’s thoughts, but he does so in a peculiar way. Schopenhauer sees, upon passing through the gate of death: down here, he composed his writings during an era in which the spirits of darkness were drawing near; they were not yet here; he wants his thoughts to continue—the impulses that arise from them. Thus, even as he witnesses the struggle of the spirits of darkness against the spirits of light in the spiritual world above, he wishes to see his writings continued; he implants the impulses to continue his thoughts into Nietzsche’s soul. What enters Nietzsche’s soul from the spiritual world contrasts with what happens on the physical plane in his personal interactions with Wagner. This is how Nietzsche’s inner life is composed; this is how Nietzsche’s career as a writer is composed.
[ 24 ] Jetzt rückt das Jahr 1879 heran. Der Kampf, der sich in den geistigen Reichen abgespielt hat, beginnt unten sich abzuspielen, nachdem die Geister der Finsternis gestürzt sind. 1883 geht Wagner hinauf in die geistige Welt. Nietzsche ist durch dieses sein ganzes Karma, in das ich jetzt einbezogen habe sein konkretes Verhältnis zur geistigen Welt, einer gewissen Gefahr ausgesetzt. Er ist der Gefahr ausgesetzt, daß die Geister der Finsternis ihn in ganz besonders schlimme Pfade hineinbringen. Schopenhauer hatte, ich möchte sagen, einen transzendent-egoistischen Grund. Als Seele steht er in der geistigen Welt drinnen, inspiriert Nietzsche, so daß der seine Gedanken fortsetzt. Das ist ein post mortem dauernder transzendent-egoistischer Grund. Das Egoistische muß ja nicht immer böse sein. Aber als Wagner hinaufkommt in die geistige Welt, da sind die Geister der Finsternis schon herunten. Er kommt gewissermaßen in eine ganz andere Atmosphäre hinauf. Er wird — da muß man Dinge aussprechen, die ja paradox sind, aber die doch eben wahr sind —, er wird in einer unegoistischen Weise der Lenker Nietzsches von der geistigen Welt aus. Er läßt nicht seine Gedanken fortsetzen, sondern er läßt Nietzsche in dem Fahrwasser spielen, das für Nietzsche gerade angemessen ist, indem er Nietzsche die Wohltat zukommen läßt, im richtigen Momente geistig umnachtet zu werden; er läßt ihn davor bewahrt sein, in seinem Bewußtsein in gefahrvolle Regionen hineinzukommen. Das schaut natürlich sehr paradox aus, aber das ist zugrunde liegend der unegoistischen Art, wie Richard Wagners Seele auf Nietzsche wirkt aus den reineren Regionen heraus, als zunächst Schopenhauers Seele gewirkt hat, der noch mitten drinnen war in dem Kampf der Geister der Finsternis gegen die Geister des Lichtes drüben in der geistigen Welt. Was Wagner wirklich will für Nietzsche, das ist, so gut es geht, ihn zu bewahren in seinem Karma vor den nun schon auf die Erde herabgekommenen Geistern der Finsternis.
[ 24 ] Now the year 1879 is approaching. The struggle that took place in the spiritual realms is beginning to play out here on earth, now that the spirits of darkness have been overthrown. In 1883, Wagner ascends into the spiritual world. Nietzsche, due to his entire karma—which I have now included his concrete relationship to the spiritual world—is exposed to a certain danger. He is exposed to the danger that the spirits of darkness will lead him down particularly terrible paths. Schopenhauer had, I would say, a transcendental-egoistic foundation. As a soul, he is present within the spiritual world, inspiring Nietzsche so that he continues his thoughts. This is a transcendent-egoistic foundation that endures posthumously. Egoism, after all, need not always be evil. But when Wagner ascends into the spiritual world, the spirits of darkness are already down there. He ascends, so to speak, into a completely different atmosphere. He becomes—and here one must state things that are indeed paradoxical, yet nonetheless true—he becomes, in a non-egoistic way, Nietzsche’s guide from the spiritual world. He does not allow his own thoughts to take over, but rather lets Nietzsche navigate the course that is precisely appropriate for him, by granting Nietzsche the blessing of being spiritually bewildered at the right moment; he protects him from venturing into perilous regions in his consciousness. This, of course, seems very paradoxical, but it is fundamentally the unselfish way in which Richard Wagner’s soul acts upon Nietzsche from the purer regions—unlike the way Schopenhauer’s soul initially acted, for Schopenhauer was still in the midst of the struggle between the spirits of darkness and the spirits of light over there in the spiritual world. What Wagner truly wants for Nietzsche is, as far as possible, to protect him within his karma from the spirits of darkness that have now already descended to Earth.
[ 25 ] Und Nietzsche ist bewahrt worden bis zu einem hohen Grade vor diesen Geistern der Finsternis. Denn wer die letzten Schriften Nietzsches in entsprechender Weise auf sich wirken läßt, der wird finden, daß man große Gedanken daraus finden kann, gerade wenn man loslöst die starken Widerstände oder die Dinge, die von den starken Widerständen hergekommen sind. Ich habe mich ja bemüht, in meinem Buche «Friedrich Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit», die großen Gedankenimpulse hinzustellen, abgesondert von alledem, was aus widerstrebenden Impulsen bei Nietzsche gekommen ist.
[ 25 ] And Nietzsche has been spared, to a large extent, from these spirits of darkness. For whoever allows Nietzsche’s later writings to take effect upon them in the proper way will find that one can discover great ideas in them, precisely by setting aside the strong resistances—or the things that have arisen from those strong resistances. I have indeed endeavored, in my book *Friedrich Nietzsche, a Fighter Against His Time*, to present the great intellectual impulses, separated from everything that arose in Nietzsche from conflicting impulses.
[ 26 ] Ja, die Welt ist tief, und es ist wirklich etwas Wahres an dem, was Nietzsche selbst gesagt hat: «Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht.» Und man muß nicht mit dem gewöhnlichen Bewußtsein die weiten Regionen des geistigen Lebens kritisieren wollen. Die weisheitsvolle Weltenlenkung versteht man nur, wenn man beim Eingehen in das Konkrete der Weltenführung egoistische Gedanken fernzuhalten versteht, wenn man auch tragische Erscheinungen der Weltenentwickelung einzureihen vermag in den weisheitsvollen Gang. Und man kommt auf viele, viele unbequeme Stellen, wenn man die Dinge wirklich durchschauen will.
[ 26 ] Yes, the world is profound, and there is truly some truth to what Nietzsche himself said: “The world is profound, and more profound than the day is thought.” And one must not seek to critique the vast realms of spiritual life with ordinary consciousness. One can understand the wise governance of the world only if, when delving into the concrete details of how the world is guided, one knows how to keep selfish thoughts at bay, and if one is also able to place even the tragic manifestations of the world’s development within the course of this wise governance. And one encounters many, many uncomfortable passages when one truly wants to see things through.
[ 27 ] Wer solch ein Leben für die Zukunft durchschauen will, wie es das Nietzsches war, der wird gar nicht mehr auskommen können, wenn er nur die Dinge beschreibt, die hier auf der Erde in Nietzsches Umgebung sich zugetragen haben. Die Betrachtung des Lebens wird sich ausdehnen müssen auf die geistige Welt. Und wie mit der Nase wird der Mensch hingewiesen auf die Notwendigkeit der Ausdehnung durch diejenigen Ereignisse, die heute dem Psychoanalytiker vorliegen, und die er nur mit unzulänglichen Erkenntnismitteln meistern will, aber nicht meistern wird. Daher würde die menschliche Gesellschaft in schwierige Situationen hineintreiben, wenn der Psychoanalyse Folge geleistet würde, insbesondere auf pädagogischem Gebiete. Warum?
[ 27 ] Anyone who wishes to gain insight into a life like Nietzsche’s—a life oriented toward the future—will no longer be able to make do by merely describing the events that took place here on earth in Nietzsche’s immediate surroundings. The examination of life will have to extend to the spiritual world. And just as if by instinct, people are made aware of the necessity of this expansion by the very events that are now before the psychoanalyst—events he attempts to master with inadequate means of understanding, but will not succeed in doing so. Therefore, human society would be driven into difficult situations if psychoanalysis were to be followed, particularly in the field of education. Why?
[ 28 ] Bedenken Sie die Tatsache, daß das Denken herunterrutscht in die Gefühlssphäre. Ja, sobald man mit der Seele in der Gefühlssphäre lebt, lebt man nicht mehr in dem Leben, das durch Geburt und Tod begrenzt ist (a) oder durch Empfängnis und Tod begrenzt ist, sondern da lebt man schon in der ganzen Welt drinnen, welche sich ausdehnt — wenn das der gewöhnliche Lebenslauf ist (siehe Zeichnung), lebt man mit der Gefühlssphäre auch in der Zeit vom letzten Tode bis zu dieser Geburt (b) und mit dem Willen gar in der vorhergehenden Inkarnation (c).
[ 28 ] Consider the fact that thinking slips down into the realm of emotion. Yes, as soon as one lives with the soul in the emotional sphere, one no longer lives in the life bounded by birth and death (a) or by conception and death, but rather one already lives within the entire world, which expands—if that is the ordinary course of life (see diagram)—one lives, through the emotional sphere, even in the period from the last death to this birth (b), and through the will, even in the previous incarnation (c).


[ 29 ] Denken Sie sich das Verhältnis des Pädagogen, der psychoanalytisch vorgehen will, zu einem Zögling oder zu einem Patienten. Indem er sich heranmacht an seinen Seeleninhalt, der in die Gefühlssphäre hineinrutscht, macht er sich nicht nur an das individuelle Leben des Menschen heran, sondern er macht sich heran an das umfassende Leben, das über das Individuelle weit hinausgeht. Für dieses umfassende Leben liegen aber zwischen den Menschen nicht Zusammenhänge vor, die sich dutch bloße Vorstellungen erschöpfen lassen, sondern die führen hinein in reale Lebenszusammenhänge — das ist sehr wichtig! Denken Sie also, es würde ein solches Verhältnis des psychoanalytischen Erziehers zu dem Zögling stattfinden, so würde das, was sich da abspielt, sich nicht abspielen können bloß auf dem Vorstellungsgebiete, indem man dem Betreffenden etwas beibringt, sondern es würden sich reale karmische Beziehungen anknüpfen müssen, weil man viel mehr in das Leben hineingreift. Man würde gewissermaßen das betreffende Individuum herausteißen aus seinem Karma, würde es in seinem karmischen Verlauf ändern. Das kann nicht gehen, daß man dasjenige, was über das Individuum hinausführt, individuell behandelt, sondern das muß generell, allgemein-menschlich behandelt werden. Wir sind in einer gewissen Zeitepoche zusammengeführt, also muß wirken ein Gemeinsames, sobald man über das Individuelle hinausgeht. Das heißt, es darf nicht gegenübertreten Individuum dem Individuum und das Individuum therapeutisch oder pädagogisch so behandeln, wie es der Psychoanalytiker macht, sondern es muß etwas Allgemeines eintreten. In die Zeitkultur muß etwas hereintreten, was die Seele hinweist auf dasjenige, was sonst unterbewußt bleibt; und das, was heraufzieht, das muß nur Milieu werden, nicht eine Angelegenheit, die sich von Individuum zu Individuum abspielt.
[ 29 ] Consider the relationship between an educator who wishes to adopt a psychoanalytic approach and a student or a patient. By approaching the inner life of the individual—which extends into the emotional sphere—the educator does not merely engage with the individual’s personal life, but with the comprehensive life that extends far beyond the individual. However, with regard to this comprehensive life, the connections between people cannot be exhausted by mere ideas; rather, they lead into real-life contexts—this is very important! So if you imagine that such a relationship were to take place between the psychoanalytic educator and the student, what unfolds there could not take place merely in the realm of the imagination—by teaching the person in question something—but real karmic relationships would have to be established, because one is intervening much more deeply in life. One would, so to speak, tear the individual in question out of their karma, altering the course of their karmic development. It is not possible to treat that which extends beyond the individual on an individual basis; rather, it must be treated generally, in a universally human way. We have been brought together in a particular epoch, so a common force must be at work as soon as one goes beyond the individual. This means that it must not be a matter of one individual facing off against another and treating the individual therapeutically or pedagogically, as a psychoanalyst does; rather, something universal must come into play. Something must enter the culture of the times that directs the soul toward what would otherwise remain subconscious; and what emerges must simply become part of the milieu, not a matter that plays out from individual to individual.
[ 30 ] Hier liegt der große Fehler, der gemacht wird, der von einer ungeheuern Tragweite, von einer riesigen Bedeutung ist. Statt die Bestrebung dahinzuführen, das Geistesleben zu durchdringen mit dem, was Wissen von der geistigen Welt werden kann, wie es in der Gegenwart sein muß, sperrt man diejenigen Seelen, an denen sich zeigt, wie das zurückgestaute Geistesleben krankhaft wirkt, in Sanatorien ein und behandelt einen einzelnen. Das kann niemals zu etwas anderem führen, als daß karmisch verworrene Verhältnisse sich anknüpfen, daß aus dem, was sich vollzieht zwischen den Individuen, nicht herauskommt ein wirkliches Heben des unterbewußten Seeleninhaltes, sondern daß sich karmische Beziehungen zwischen den Behandelnden und dem Behandelten anknüpfen, weil es übergreift in das Individuelle.
[ 30 ] This is the great mistake that is being made—one of immense consequences and enormous significance. Instead of directing our efforts toward permeating spiritual life with what knowledge of the spiritual world can become—as it must be in the present—we confine those souls in whom the pathological effects of repressed spiritual life are evident to sanatoriums and treat them individually. This can never lead to anything other than the formation of karmically entangled relationships; rather than what takes place between individuals resulting in a genuine elevation of the subconscious soul content, karmic relationships are formed between the practitioners and the patient, because the process encroaches upon the individual sphere.
[ 31 ] Sie sehen, man kommt in das reale, in das konkrete Leben hinein, mit dem man nicht spielen darf, das man dann erst meistern kann, wenn nichts anderes angestrebt wird als dasjenige, was allgemeinmenschlich ist auf diesem Gebiete. Man muß an den konkreten Beziehungen von Menschen zur geistigen Welt diese Dinge eben lernen. Daher würde es nützlich sein, wenn sich die Menschen darauf einließen, nicht wiederum abstrakt herumzureden, wie es Jung tut, davon, daß der Mensch alles erlebt, was die Menschheit durchgemacht hat, alle möglichen Dämonen; aber er macht sie zu abstrakten Dämonen, nicht zu Wirklichkeiten, indem er gerade sagt, über ihre Existenz zu diskutieren ist eine Dummheit. Er macht sie zu abstrakten Dämonen, zu bloßen Gedankendämonen. Ja, bloße Gedankendämonen könnten niemals einen Menschen krank machen, die können niemals im Unterbewußten sein, sondern die können nur im Bewußtsein sein. Das ist das Wesentliche, daß die Menschen, die sich solchen Theorien hingeben, selber mit so viel unbewußten Vorstellungen arbeiten, daß sie auf das Richtige nicht kommen können. Die Menschen kommen zu Absolutierungen von gewissen Begriffen. Und ich muß immer wieder sagen, da wo die Begriffe anfangen verabsolutiert zu werden, kommt man immer in eine Sackgasse hinein, oder man kommt vor eine Grube, in die man hineinfällt mit seinem Denken.
[ 31 ] You see, one enters into real, concrete life—a life one must not treat lightly, a life one can master only when one strives for nothing other than what is universally human in this realm. One must learn these things precisely through people’s concrete relationships with the spiritual world. Therefore, it would be helpful if people were willing to stop talking in abstract terms—as Jung does—about how human beings experience everything that humanity has gone through, all manner of demons; but he turns them into abstract demons, not realities, by stating outright that discussing their existence is foolish. He turns them into abstract demons, into mere demons of the mind. Yes, mere demons of the mind could never make a person sick; they can never be in the subconscious, but can only be in the conscious mind. That is the crux of the matter: that people who indulge in such theories are themselves working with so many unconscious notions that they cannot arrive at the truth. People end up absolutizing certain concepts. And I must say again and again: wherever concepts begin to be absolutized, one always ends up at a dead end, or one comes face-to-face with a pit into which one’s thinking falls.
[ 32 ] Ein Mensch wie Dr. Freud ist genötigt, das Sexualgebiet auszudehnen über das gesamte menschliche Wesen, damit er aus dem Sexualgebiet heraus alles erklären kann, was an solchen Seelenerscheinungen auftritt. Ich sagte zu verschiedenen Menschen, die mit psychoanalytischen Tendenzen an mich herankommen, eine Theorie, eine Weltanschauung muß standhalten können, wenn man sie auf sie selbst anwendet, sonst zerbröckelt sie in nichts. Ich sagte, der einfache logische Trugschluß ist das Muster, wenn man ihn nur konkret genug ausdehnt. Alle Kretenser sind Lügner —, sagt ein Kretenser. Wenn es ein Kretenser sagt und wenn es wahr wäre, müßte es erlogen sein, und dann hebt sich diese Behauptung von selber auf, sie vernichtet sich. Also das geht nicht, daß ein Kretenser sagt: Alle Kretenser sind Lügner — mit der Prätention: der Satz gelte unbedingt. Das ist nur das Muster, das logische Muster für die Verabsolutierung. Aber so muß jede Theorie mit sich selbst behandelt werden können, ohne daß sie zerbröckelt. Behandeln Sie Freud mit Freud, wie er seine unterbewußten Dinge heraufbringt, dann müssen Sie sagen: Die Freudsche Theorie kommt aus dem Sexualleben; sie ist nur ein Ergebnis des Sexuallebens. — Geradeso wie die Behauptung: Alle Kretenser sind Lügner aus einer Lüge stammen müßte beim Kretenser und zerbröckelt, so zerbröckelt die Behauptung von der Universalität des Sexualismus, wenn man sie selbst an der Sache prüft. Und so ist es mit andern Dingen. Allerdings, solch ein Prinzip kann man lange einsehen, ohne es durchgreifend lebensvoll, wirklichkeitssinnig anzuwenden. Aber das gerade wird eine besondere Errungenschaft sein der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, daß sie auch auf sich selbst in dieser Weise angewendet werden kann.
[ 32 ] A person like Dr. Freud is compelled to extend the realm of sexuality to encompass the entire human being, so that he can explain, from within the realm of sexuality, everything that occurs in such psychological phenomena. I have told various people who approach me with psychoanalytic leanings that a theory, a worldview, must be able to hold up when applied to itself; otherwise, it crumbles into nothing. I said that the simple logical fallacy is the model, if one only extends it concretely enough. “All Cretans are liars,” says a Cretan. If a Cretan says this, and if it were true, it would have to be a lie, and then this assertion negates itself; it destroys itself. So it is not possible for a Cretan to say, “All Cretans are liars”—with the pretense that the statement is absolutely true. This is merely the pattern—the logical pattern—of absolutization. But every theory must be able to be tested against itself in this way without crumbling. Test Freud against Freud, the way he brings up his subconscious matters, and then you must say: Freudian theory stems from sexual life; it is merely a result of sexual life. — Just as the assertion “All Cretans are liars” must stem from a lie and crumble when applied to a Cretan, so too does the assertion of the universality of sexualism crumble when tested against the facts themselves. And so it is with other things. Admittedly, one can understand such a principle for a long time without applying it in a thoroughly vital, realistic way. But precisely this will be a special achievement of anthroposophically oriented spiritual science: that it can also be applied to itself in this way.
