Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180
5 January 1918, Dornach
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Mysterienwahrheiten und Weihnachtsimpulse
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] Es kam mir gestern darauf an, aufmerksam darauf zu machen, daß die besondere Gestaltung solcher Mythologien, wie die Osirismythe, die griechische Mythologie — und in gewissem Sinne, wir werden noch darauf zurückkommen, auch die alttestamentliche Lehre — zusammenhängen mit Änderungen des Bewußtseinszustandes der Menschheit. Wir wissen ja, wie es mit diesem Bewußtseinszustand der Menschheit in seiner Entwickelung sich verhält; wir wissen, daß wir zurückzublicken haben auf frühere Zeiten der Menschheitsentwickelung, in denen altes Hellsehen vorhanden war, das heißt, Wahrnehmbarkeit für übersinnliche Dinge. Zurückblicken mögen wir auf solche Dinge aus dem Grunde, weil diese Rückblicke orientierend sind. Es soll ja wiederum ein auf das Übersinnliche gerichtetes Anschauen der Menschheit errungen werden; es soll errungen werden auf dem Wege durch die Geisteswissenschaft, durch das geisteswissenschaftliche Denken. Was da der einzelne tun kann, gleichgültig an welchem Platz in der Welt er steht, das einzusehen, dazu kann helfen der Wille, sich für das, was werden soll, zu orientieren an dem, was gewesen ist.
[ 1 ] Es kam mir gestern darauf an, aufmerksam darauf zu machen, daß die besondere Gestaltung solcher Mythologien, wie die Osirismythe, die griechische Mythologie — und in gewissem Sinne, wir werden noch darauf zurückkommen, auch die alttestamentliche Lehre — zusammenhängen mit Änderungen des Bewußtseinszustandes der Menschheit. Wir wissen ja, wie es mit diesem Bewußtseinszustand der Menschheit in seiner Entwickelung sich verhält; wir wissen, daß wir zurückzublicken haben auf frühere Zeiten der Menschheitsentwickelung, in denen altes Hellsehen vorhanden war, das heißt, Wahrnehmbarkeit für übersinnliche Dinge. Zurückblicken mögen wir auf solche Dinge aus dem Grunde, weil diese Rückblicke orientierend sind. Es soll ja wiederum ein auf das Übersinnliche gerichtetes Anschauen der Menschheit errungen werden; es soll errungen werden auf dem Wege durch die Geisteswissenschaft, durch das geisteswissenschaftliche Denken. Was da der einzelne tun kann, gleichgültig an welchem Platz in der Welt er steht, das einzusehen, dazu kann helfen der Wille, sich für das, was werden soll, zu orientieren an dem, was gewesen ist.
[ 2 ] In gewissem Sinne spielen sich ja die Dinge in den folgenden Zeiten ab in Anknüpfung an Vorgänge früherer Zeiten. Wir blicken zurück von unserem fünften nachatlantischen Zeitraum, in dessen Entwickelung wir drinnenstehen, auf den vierten nachatlantischen Zeitraum, den griechisch-lateinischen, und auf den dritten, den ägyptischen; kommen dabei schon hinein in die Zeit, in der es den Menschen natürlich war, dasjenige, was sie über Weltengeheimnisse sinnen und denken wollten, in gewissen mythischen Bildern, in mythischen Imaginationen zum Ausdruck zu bringen. Wir haben es in anderem Zusammenhange schon erwähnt, daß wir in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum in gewissem Sinne zu wiederholen haben in einer Art umgekehrten Weise dasjenige, was sich im dritten nachatlantischen Zeitraum, in dem ägyptisch-chaldäischen Zeitraum zugetragen hat, so daß das wiederum auf eine andere Weise herauskommt. Die Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» weist ja auch auf solche Dinge hin.
[ 2 ] In gewissem Sinne spielen sich ja die Dinge in den folgenden Zeiten ab in Anknüpfung an Vorgänge früherer Zeiten. Wir blicken zurück von unserem fünften nachatlantischen Zeitraum, in dessen Entwickelung wir drinnenstehen, auf den vierten nachatlantischen Zeitraum, den griechisch-lateinischen, und auf den dritten, den ägyptischen; kommen dabei schon hinein in die Zeit, in der es den Menschen natürlich war, dasjenige, was sie über Weltengeheimnisse sinnen und denken wollten, in gewissen mythischen Bildern, in mythischen Imaginationen zum Ausdruck zu bringen. Wir haben es in anderem Zusammenhange schon erwähnt, daß wir in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum in gewissem Sinne zu wiederholen haben in einer Art umgekehrten Weise dasjenige, was sich im dritten nachatlantischen Zeitraum, in dem ägyptisch-chaldäischen Zeitraum zugetragen hat, so daß das wiederum auf eine andere Weise herauskommt. Die Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» weist ja auch auf solche Dinge hin.
[ 3 ] Nun haben wir gestern gesehen, daß in der Zeit der griechisch-lateinischen Entwickelung, in der Zeit, die mit dem 7. oder 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung beginnt, eine Art Zurückschauen der Menschheit vorhanden war. Und eben dieses Zurückschauen auf andere Bewußtseinszustände drückte sich aus in den imaginativen Mythen von den regierenden geistigen Wesenheiten, so wie wir gestern davon gesprochen haben. Die Menschen wußten im vierten nachatlantischen Zeitraum: Wir sehen, wenn wir um uns herum schauen, nur noch das Sinnliche; wir können über das andere denken. Sie wissen allerdings, wenn Sie aufmerksam verfolgt haben dasjenige, was in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» steht, daß in der Griechenzeit und noch viel später die Menschen gewissermaßen, wie noch Goethe es getan hat, die Ideen gesehen haben, daß sie wirklich sagen konnten: Wir sehen sie. — Das ganz abstrakte Denken ist erst in der neueren Zeit gekommen. Aber das war eben ein Sehen der Ideen. Ein Sehen geistiger Wirklichkeiten, ein Leben in geistigen Wirklichkeiten, das war im vierten nachatlantischen Zeitraum in seinem vollen Sinne nicht mehr vorhanden; aber die Leute erinnerten sich, daß es früher vorhanden war. Sie sagten, und zwar sagten sie der Wirklichkeit entsprechend: Es sind Wesen vorhanden, die nicht Menschen sind, die in übersinnlichen Welten wohnen, die haben sich das Leben in den Imaginationen noch erhalten. — Solche Wesen sahen die Griechen in den Wesenheiten des Zeuskreises.
[ 3 ] Nun haben wir gestern gesehen, daß in der Zeit der griechisch-lateinischen Entwickelung, in der Zeit, die mit dem 7. oder 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung beginnt, eine Art Zurückschauen der Menschheit vorhanden war. Und eben dieses Zurückschauen auf andere Bewußtseinszustände drückte sich aus in den imaginativen Mythen von den regierenden geistigen Wesenheiten, so wie wir gestern davon gesprochen haben. Die Menschen wußten im vierten nachatlantischen Zeitraum: Wir sehen, wenn wir um uns herum schauen, nur noch das Sinnliche; wir können über das andere denken. Sie wissen allerdings, wenn Sie aufmerksam verfolgt haben dasjenige, was in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» steht, daß in der Griechenzeit und noch viel später die Menschen gewissermaßen, wie noch Goethe es getan hat, die Ideen gesehen haben, daß sie wirklich sagen konnten: Wir sehen sie. — Das ganz abstrakte Denken ist erst in der neueren Zeit gekommen. Aber das war eben ein Sehen der Ideen. Ein Sehen geistiger Wirklichkeiten, ein Leben in geistigen Wirklichkeiten, das war im vierten nachatlantischen Zeitraum in seinem vollen Sinne nicht mehr vorhanden; aber die Leute erinnerten sich, daß es früher vorhanden war. Sie sagten, und zwar sagten sie der Wirklichkeit entsprechend: Es sind Wesen vorhanden, die nicht Menschen sind, die in übersinnlichen Welten wohnen, die haben sich das Leben in den Imaginationen noch erhalten. — Solche Wesen sahen die Griechen in den Wesenheiten des Zeuskreises.
[ 4 ] Die Ägypter hinwiederum haben sich gesagt: Jene Zeit, in der die Menschen noch unmittelbar mit den Imaginationen lebten, das war die Zeit, in der Osiris auf Erden gewandelt hat. — Sie meinten natürlich nicht einen Osiris, sondern man meinte, daß es überhaupt eine Zeit gab, in der die Menschen auf der Erde in Imaginationen lebten, und diese Artung der Menschenseelen, in Imaginationen leben zu können, die bezeichnete man eben dadurch, daß man sagte: Osiris herrschte auf Erden. Verlorengegangen, getötet worden war dieses Leben in Imaginationen. Osiris ist von seinem Bruder — das heißt von derjenigen Kraft der Menschenseele, die zwar auch noch auf das Übersinnliche geht, aber nicht mehr die imaginativen Fähigkeiten entwickeln will —, von Typhon getötet worden. Es ist nicht mehr das alte Hellsehen vorhanden. Die Kräfte, die im alten Hellsehen tätig waren, sind jetzt bei den Toten. Deshalb ist Osiris der Totenrichter. Der Mensch trifft ihn, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Mit dem Todesgeheimnis zusammen brachten die Menschen, welche die Osirismythe in den Mittelpunkt ihres Denkens stellten, die Gestalt des Osiris und der Isis. Aber es liegt in den Einzelheiten, durch die die Osirismythe ausgestaltet worden ist, all das, was ich so sage, eigentlich drinnen. Es ist auch der Zeitpunkt angegeben, in dem der Sage nach Osiris getötet worden ist von Typhon.
[ 4 ] Die Ägypter hinwiederum haben sich gesagt: Jene Zeit, in der die Menschen noch unmittelbar mit den Imaginationen lebten, das war die Zeit, in der Osiris auf Erden gewandelt hat. — Sie meinten natürlich nicht einen Osiris, sondern man meinte, daß es überhaupt eine Zeit gab, in der die Menschen auf der Erde in Imaginationen lebten, und diese Artung der Menschenseelen, in Imaginationen leben zu können, die bezeichnete man eben dadurch, daß man sagte: Osiris herrschte auf Erden. Verlorengegangen, getötet worden war dieses Leben in Imaginationen. Osiris ist von seinem Bruder — das heißt von derjenigen Kraft der Menschenseele, die zwar auch noch auf das Übersinnliche geht, aber nicht mehr die imaginativen Fähigkeiten entwickeln will —, von Typhon getötet worden. Es ist nicht mehr das alte Hellsehen vorhanden. Die Kräfte, die im alten Hellsehen tätig waren, sind jetzt bei den Toten. Deshalb ist Osiris der Totenrichter. Der Mensch trifft ihn, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Mit dem Todesgeheimnis zusammen brachten die Menschen, welche die Osirismythe in den Mittelpunkt ihres Denkens stellten, die Gestalt des Osiris und der Isis. Aber es liegt in den Einzelheiten, durch die die Osirismythe ausgestaltet worden ist, all das, was ich so sage, eigentlich drinnen. Es ist auch der Zeitpunkt angegeben, in dem der Sage nach Osiris getötet worden ist von Typhon.
[ 5 ] Und geradeso, wie wir hinweisen konnten auf eine ganz bestimmte Himmelskonstellation, welche die Magier des Morgenlandes kannten als diejenige Konstellation, in der die neue Weltenzeit herankommen solle — wir haben in den Weihnachtsvorträgen darauf hingewiesen, daß an einer gewissen Konstellation der «Jungfrau» die Magier des Morgenlandes erkannt haben, daß sie ihre Opfer dem neuen Weltenheiland darzubringen haben —, so haben auch diejenigen, die an die Osirismythe ihre Gedanken anschlossen, zurückverwiesen auf ganz bestimmte Sternenkonstellationen. Sie haben gesagt: Osiris wurde getötet — sie wollten sagen: Hingeschwunden ist das alte Leben in den Imaginationen —, als die im Herbste untergehende Sonne im siebzehnten Grad des Skorpion stand, und an dem entgegengesetzten Punkte der Vollmond im Stier oder in den Plejaden aufging. Diese Konstellation des im Stier in einem bestimmten Jahrpunkte aufgehenden Vollmondes im Zusammenhange mit der Skorpionstellung der Sonne, diesen Zeitpunkt der Entwickelung haben die Osirisbekenner als denjenigen angegeben, in dem Osiris von der Erde verschwunden ist, das heißt, in dem er nicht mehr da war.
[ 5 ] Und geradeso, wie wir hinweisen konnten auf eine ganz bestimmte Himmelskonstellation, welche die Magier des Morgenlandes kannten als diejenige Konstellation, in der die neue Weltenzeit herankommen solle — wir haben in den Weihnachtsvorträgen darauf hingewiesen, daß an einer gewissen Konstellation der «Jungfrau» die Magier des Morgenlandes erkannt haben, daß sie ihre Opfer dem neuen Weltenheiland darzubringen haben —, so haben auch diejenigen, die an die Osirismythe ihre Gedanken anschlossen, zurückverwiesen auf ganz bestimmte Sternenkonstellationen. Sie haben gesagt: Osiris wurde getötet — sie wollten sagen: Hingeschwunden ist das alte Leben in den Imaginationen —, als die im Herbste untergehende Sonne im siebzehnten Grad des Skorpion stand, und an dem entgegengesetzten Punkte der Vollmond im Stier oder in den Plejaden aufging. Diese Konstellation des im Stier in einem bestimmten Jahrpunkte aufgehenden Vollmondes im Zusammenhange mit der Skorpionstellung der Sonne, diesen Zeitpunkt der Entwickelung haben die Osirisbekenner als denjenigen angegeben, in dem Osiris von der Erde verschwunden ist, das heißt, in dem er nicht mehr da war.
[ 6 ] Die Dinge geschehen natürlich so, daß sie Erbschaften hinterlassen. Es gab immer Leute, Nachzügler bis in die letzten Jahrhunderte herein mit imaginativem Hellsehen; aber es handelt sich jetzt darum, darauf hinzuweisen, wann von der Erde verschwunden ist das imaginative Hellsehen als eine normale Eigenschaft der Menschenseele. Und ein Bewußtsein haben die Menschen gehabt davon, daß in jenen Zeiten, in denen auf der Erde imaginatives Hellsehen geherrscht hat, ganz andere Zustände waren, als sie später gewesen sind. Auch darauf wird sehr deutlich in der Osiris-Isismythe hingewiesen. Aber man versteht gerade dieses unter den Erklärern der Osiris-Isismythe heute sehr, sehr wenig.
[ 6 ] Die Dinge geschehen natürlich so, daß sie Erbschaften hinterlassen. Es gab immer Leute, Nachzügler bis in die letzten Jahrhunderte herein mit imaginativem Hellsehen; aber es handelt sich jetzt darum, darauf hinzuweisen, wann von der Erde verschwunden ist das imaginative Hellsehen als eine normale Eigenschaft der Menschenseele. Und ein Bewußtsein haben die Menschen gehabt davon, daß in jenen Zeiten, in denen auf der Erde imaginatives Hellsehen geherrscht hat, ganz andere Zustände waren, als sie später gewesen sind. Auch darauf wird sehr deutlich in der Osiris-Isismythe hingewiesen. Aber man versteht gerade dieses unter den Erklärern der Osiris-Isismythe heute sehr, sehr wenig.
[ 7 ] Nicht wahr, es wird ja erzählt: Als Isis erfuhr, daß ihr Gemahl, der Osiris, getötet worden sei, ging sie auf die Suche nach dem Leichnam. Sie fand diesen zuletzt in Byblos in Phönizien und brachte den Leichnam des Osiris nun von Phönizien zurück nach Ägypten. — In solch einer Mythe ist eine tiefe Weisheit, eine Weisheit der MenschheitsPhysiologie ausgedrückt. Was waren denn da für Zustände während der Osiriszeit? Während der Osiriszeit war noch nicht eine solche Schrift, wie es die spätere Schrift geworden ist. Was während der Osiriszeit in Ägypten herrschte, war Bilderschrift, und die Bilderschrift war etwas Heiliggehaltenes. Diese Bilderschrift, wie war sie denn eigentlich zustande gebracht? Sie war zustande gebracht dadurch, daß man die wichtigsten Zeichen — die wichtigsten Zeichen waren nicht diejenigen, die irdischen Tieren oder irdischen Formen nachgebildet waren — wiederum nach den Sternenkonstellationen bildete, und zwar nach dem, was das hellseherische Auge in den Sternenkonstellationen sah.
[ 7 ] Nicht wahr, es wird ja erzählt: Als Isis erfuhr, daß ihr Gemahl, der Osiris, getötet worden sei, ging sie auf die Suche nach dem Leichnam. Sie fand diesen zuletzt in Byblos in Phönizien und brachte den Leichnam des Osiris nun von Phönizien zurück nach Ägypten. — In solch einer Mythe ist eine tiefe Weisheit, eine Weisheit der MenschheitsPhysiologie ausgedrückt. Was waren denn da für Zustände während der Osiriszeit? Während der Osiriszeit war noch nicht eine solche Schrift, wie es die spätere Schrift geworden ist. Was während der Osiriszeit in Ägypten herrschte, war Bilderschrift, und die Bilderschrift war etwas Heiliggehaltenes. Diese Bilderschrift, wie war sie denn eigentlich zustande gebracht? Sie war zustande gebracht dadurch, daß man die wichtigsten Zeichen — die wichtigsten Zeichen waren nicht diejenigen, die irdischen Tieren oder irdischen Formen nachgebildet waren — wiederum nach den Sternenkonstellationen bildete, und zwar nach dem, was das hellseherische Auge in den Sternenkonstellationen sah.
[ 8 ] Wenn ich aus jetzt Naheliegendem einen Vergleich machen soll, so möchte ich sagen, Sie haben in dem «Traumlied vom Olaf Åsteson» gehört, wie er die Geisterschlange, den Geisterhund, den Geisterstier empfindet. Er schildert, was er an ihnen empfindet. Denken Sie sich solche Bilder, aber noch in viel vollkommenerer Gestalt als Zeichen, so sind solche Zeichen eben abgebildete Imaginationen. Solche Zeichen als die Zeichen der ältesten Schrift wurden heiliggehalten. In solchen Zeichen war die Weltenweisheit für die alten Zeiten enthalten, diese Weltenweisheit, die eben zugleich eine Himmelsweisheit war, indem man in der Sternenschrift die Weltengeheimnisse las so, wie es jetzt die Toten nur noch tun. Die Gabe, eine Schrift zu haben, die eigentlich eine Wiedergabe der Imaginationen ist, war der Menschheit eben nur in einem gewissen Zeitpunkte, in einem gewissen Zeitraume eigen, und schwand. Und die Alten wußten: In der Osiriszeit war diese imaginative Art, zu schreiben, vorhanden. Zugleich mit dem Abtöten des alten Lebens der Welt in Imaginationen ging die alte Bilderschrift dahin, und dasjenige, was die abstrakte Schrift geworden ist, welche nicht mehr Geheimnisse ausdrückt, sondern nach und nach, weil sie eben abstrakt geworden ist, nur dazu dient, Sinnliches auszudrücken, die gewöhnliche, die Buchstabenschrift ist entstanden. So, wie der Osiris angesehen wurde in jenen alten Zeiten als der Heros, als der göttliche Heros der imaginativen Schrift, so ist Typhon, sein Bruder, aber Gegner, der Heros der sich daraus entwickelnden abstrakten Buchstabenschrift.
[ 8 ] Wenn ich aus jetzt Naheliegendem einen Vergleich machen soll, so möchte ich sagen, Sie haben in dem «Traumlied vom Olaf Åsteson» gehört, wie er die Geisterschlange, den Geisterhund, den Geisterstier empfindet. Er schildert, was er an ihnen empfindet. Denken Sie sich solche Bilder, aber noch in viel vollkommenerer Gestalt als Zeichen, so sind solche Zeichen eben abgebildete Imaginationen. Solche Zeichen als die Zeichen der ältesten Schrift wurden heiliggehalten. In solchen Zeichen war die Weltenweisheit für die alten Zeiten enthalten, diese Weltenweisheit, die eben zugleich eine Himmelsweisheit war, indem man in der Sternenschrift die Weltengeheimnisse las so, wie es jetzt die Toten nur noch tun. Die Gabe, eine Schrift zu haben, die eigentlich eine Wiedergabe der Imaginationen ist, war der Menschheit eben nur in einem gewissen Zeitpunkte, in einem gewissen Zeitraume eigen, und schwand. Und die Alten wußten: In der Osiriszeit war diese imaginative Art, zu schreiben, vorhanden. Zugleich mit dem Abtöten des alten Lebens der Welt in Imaginationen ging die alte Bilderschrift dahin, und dasjenige, was die abstrakte Schrift geworden ist, welche nicht mehr Geheimnisse ausdrückt, sondern nach und nach, weil sie eben abstrakt geworden ist, nur dazu dient, Sinnliches auszudrücken, die gewöhnliche, die Buchstabenschrift ist entstanden. So, wie der Osiris angesehen wurde in jenen alten Zeiten als der Heros, als der göttliche Heros der imaginativen Schrift, so ist Typhon, sein Bruder, aber Gegner, der Heros der sich daraus entwickelnden abstrakten Buchstabenschrift.
[ 9 ] Das ist in tiefsinniger Weise auch in der Osiris-Isismythe angedeutet. Nach Phönizien hinüber muß Isis gehen, um den Leichnam, das heißt, die in die Buchstabenschrift verwandelte Bilderschrift zu finden, den Leichnam des Osiris zu finden. In Phönizien ist die Buchstabenschrift, wie man sagt, «erfunden » worden. Von Phönizien zurück nach Ägypten ist wiederum das gekommen, was abstrakte Schrift ist, während die Ägypter in ihren alten Mysterien in der Osiriszeit eine die Imaginationen nachahmende Bilderschrift hatten. Der Übergang also von der alten konkreten Auffassung in der imaginativen Schrift zu der neueren Auffassung in der abstrakten Schrift ist auch in der OsirisIsismythe zum Ausdrucke gekommen.
[ 9 ] Das ist in tiefsinniger Weise auch in der Osiris-Isismythe angedeutet. Nach Phönizien hinüber muß Isis gehen, um den Leichnam, das heißt, die in die Buchstabenschrift verwandelte Bilderschrift zu finden, den Leichnam des Osiris zu finden. In Phönizien ist die Buchstabenschrift, wie man sagt, «erfunden » worden. Von Phönizien zurück nach Ägypten ist wiederum das gekommen, was abstrakte Schrift ist, während die Ägypter in ihren alten Mysterien in der Osiriszeit eine die Imaginationen nachahmende Bilderschrift hatten. Der Übergang also von der alten konkreten Auffassung in der imaginativen Schrift zu der neueren Auffassung in der abstrakten Schrift ist auch in der OsirisIsismythe zum Ausdrucke gekommen.
[ 10 ] Alle diese Dinge leben im Entwickelungsgange der Menschheit. Wir blicken da zurück auf ein altes Erleben in Imaginationen. In den Mythen drückt sich eben wirklich physiologische Weisheit aus. Das Denken ist ja dann zu den Abstraktionen erst allmählich übergegangen, nicht gleich zu den ganz windigen Abstraktionen von heute, sondern noch zu etwas volleren Abstraktionen, etwa im 6., 5. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung, mit Thales, womit man gewöhnlich die Geschichte der Philosophie beginnt. Sie können darüber nachlesen in meinen «Rätseln der Philosophie». Aber Sie sehen daraus, daß die Menschheit zurückzublicken hat auf frühere Entwickelungsepochen mit ganz andern Seelenzuständen.
[ 10 ] Alle diese Dinge leben im Entwickelungsgange der Menschheit. Wir blicken da zurück auf ein altes Erleben in Imaginationen. In den Mythen drückt sich eben wirklich physiologische Weisheit aus. Das Denken ist ja dann zu den Abstraktionen erst allmählich übergegangen, nicht gleich zu den ganz windigen Abstraktionen von heute, sondern noch zu etwas volleren Abstraktionen, etwa im 6., 5. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung, mit Thales, womit man gewöhnlich die Geschichte der Philosophie beginnt. Sie können darüber nachlesen in meinen «Rätseln der Philosophie». Aber Sie sehen daraus, daß die Menschheit zurückzublicken hat auf frühere Entwickelungsepochen mit ganz andern Seelenzuständen.
[ 11 ] Von diesen ganz andern Seelenzuständen wissen allerdings gewisse Brüderschaften der neueren Zeit, allein sie halten — was in der Gegenwart nicht mehr geschehen sollte — diese Dinge noch, ich möchte sagen, unter Schloß und Riegel. Es ist auch von einem gewissen Grade an etwas Gefährliches, von diesen Dingen zu reden. Aber bis zu einem gewissen Grade soll nicht nur, sondern muß heute über diese Dinge gesprochen werden, weil die Kenntnis alter Bewußtseinszustände der Menschheit eben orientierend ist für dasjenige, was sich als Neues entwickeln soll. Haben wir in uns die Gedanken von dem, was einmal da war, so kann uns das dienen, um die notwendigen, allerdings ganz andersartigen neueren Entwickelungszustände zu fördern.
[ 11 ] Von diesen ganz andern Seelenzuständen wissen allerdings gewisse Brüderschaften der neueren Zeit, allein sie halten — was in der Gegenwart nicht mehr geschehen sollte — diese Dinge noch, ich möchte sagen, unter Schloß und Riegel. Es ist auch von einem gewissen Grade an etwas Gefährliches, von diesen Dingen zu reden. Aber bis zu einem gewissen Grade soll nicht nur, sondern muß heute über diese Dinge gesprochen werden, weil die Kenntnis alter Bewußtseinszustände der Menschheit eben orientierend ist für dasjenige, was sich als Neues entwickeln soll. Haben wir in uns die Gedanken von dem, was einmal da war, so kann uns das dienen, um die notwendigen, allerdings ganz andersartigen neueren Entwickelungszustände zu fördern.
[ 12 ] Sie erleben heute an Knaben, die sich entwickeln, im Reifezeitalter die Stimmänderung. Es ist ja das Lei den Knaben der Ausdruck eines Vorganges im Organismus, der in anderer Weise beim weiblichen Geschlechte vor sich geht, und der scheinbar, weil er sich beim weiblichen Geschlechte mehr auf das unmittelbar Physische erstreckt, scheinbar beim weiblichen Geschlechte mehr in das Menschenwesen eingreift. Es ist aber nicht wahr. Der Eingriff ist bei den Knaben, wenn er auch auf einem gewissermaßen andern Boden liegt, geradeso stark, wenn er auch äußerlich physisch nur zum Ausdrucke kommt in der Stimmänderung.
[ 12 ] Sie erleben heute an Knaben, die sich entwickeln, im Reifezeitalter die Stimmänderung. Es ist ja das Lei den Knaben der Ausdruck eines Vorganges im Organismus, der in anderer Weise beim weiblichen Geschlechte vor sich geht, und der scheinbar, weil er sich beim weiblichen Geschlechte mehr auf das unmittelbar Physische erstreckt, scheinbar beim weiblichen Geschlechte mehr in das Menschenwesen eingreift. Es ist aber nicht wahr. Der Eingriff ist bei den Knaben, wenn er auch auf einem gewissermaßen andern Boden liegt, geradeso stark, wenn er auch äußerlich physisch nur zum Ausdrucke kommt in der Stimmänderung.
[ 13 ] Dieses Reifwerden des Menschen, das ist heute — man kann sagen, seit den Zeiten, da Osiris tot ist für die äußere Welt — fast ein physischer Vorgang. Es war nicht bloß ein physischer Vorgang damals, als Osiris lebte. Nein, es war ein seelischer Vorgang. Der Knabe erlebte im vierzehnten, fünfzehnten Jahre — Sie wissen, wir haben ja schon von andern Erlebnissen gesprochen in dieser Reifezeit —, er erlebte nicht nur, daß seine Stimme sich änderte, sondern dasjenige, was heute nur in die Stimmlage hineingeht, wenn wir so sagen dürfen, was sich in die Stimmlage hineindehnt aus den sexuellen Essenzen des Organismus. Nicht wahr, wir müssen ja auf solche Dinge der Wahrheit gemäß hindeuten: es wird einfach der Stimmapparat durchzogen von den Sexualessenzen des Organismus; was sich da heute nurmehr in die Stimmlage hineinpreßt, das preßte sich in jenen alten Zeiten auch in die Gedanken, in die Vorstellungswelt des Jünglings hinein. Heute mutiert die Stimme; dazumal mutierten auch die Gedanken, weil ja noch die alte imaginative Zeit da war. In dieser Zeit hatte der kindliche Knabe vor dem Reifwerden gewisse Imaginationen. Heute sind nur spärliche Reste, aber spärliche Reste fast bei allen Kindern in zartem Alter vorhanden. Man gibt nur nicht acht darauf oder redet sie den Kindern aus als törichtes Zeug, aber in alten Zeiten war das ganz lebendig, und jeder Mensch wußte, daß das Kind so bis zum neunten, zehnten Jahre hin Imaginationen hat, Imaginationen von geistigen Vorgängen der Luft.
[ 13 ] Dieses Reifwerden des Menschen, das ist heute — man kann sagen, seit den Zeiten, da Osiris tot ist für die äußere Welt — fast ein physischer Vorgang. Es war nicht bloß ein physischer Vorgang damals, als Osiris lebte. Nein, es war ein seelischer Vorgang. Der Knabe erlebte im vierzehnten, fünfzehnten Jahre — Sie wissen, wir haben ja schon von andern Erlebnissen gesprochen in dieser Reifezeit —, er erlebte nicht nur, daß seine Stimme sich änderte, sondern dasjenige, was heute nur in die Stimmlage hineingeht, wenn wir so sagen dürfen, was sich in die Stimmlage hineindehnt aus den sexuellen Essenzen des Organismus. Nicht wahr, wir müssen ja auf solche Dinge der Wahrheit gemäß hindeuten: es wird einfach der Stimmapparat durchzogen von den Sexualessenzen des Organismus; was sich da heute nurmehr in die Stimmlage hineinpreßt, das preßte sich in jenen alten Zeiten auch in die Gedanken, in die Vorstellungswelt des Jünglings hinein. Heute mutiert die Stimme; dazumal mutierten auch die Gedanken, weil ja noch die alte imaginative Zeit da war. In dieser Zeit hatte der kindliche Knabe vor dem Reifwerden gewisse Imaginationen. Heute sind nur spärliche Reste, aber spärliche Reste fast bei allen Kindern in zartem Alter vorhanden. Man gibt nur nicht acht darauf oder redet sie den Kindern aus als törichtes Zeug, aber in alten Zeiten war das ganz lebendig, und jeder Mensch wußte, daß das Kind so bis zum neunten, zehnten Jahre hin Imaginationen hat, Imaginationen von geistigen Vorgängen der Luft.
[ 14 ] In der Luft gehen fortwährend geistige Vorgänge um uns herum vor sich. Die Luft ist nicht nur dasjenige, was die physische Wissenschaft beschreibt, sondern es gehen geistige Vorgänge vor sich. Diese geistigen Vorgänge, wesentlich also Vorgänge der ätherischen Welt, nahmen die Kinder in vollen Imaginationen wahr bis zum Reifealter. Und wenn das Reifealter eintrat, nicht nur für die Stimme, sondern für das Vorstellungsleben, so fühlte der Mensch etwas in sich — es war allerdings dasjenige, was aufschoß aus den Kräften, die man gewöhnlich physiologisch die Sexualkräfte nennt, — es fühlte der Mensch in sich etwas, von dem er sagte: Was ich als Kind gesehen habe durch die Imaginationen im Luftraume, das lebt jetzt in mir auf, das ist Anschauung, das lebt in mir. — Das ging vor. Der Mensch wurde sich bewußt, daß er aus dem Luftraume etwas in sich aufgenommen hat. Vorher hat er es draußen gesehen, jetzt spürt er es in sich selber.
[ 14 ] In der Luft gehen fortwährend geistige Vorgänge um uns herum vor sich. Die Luft ist nicht nur dasjenige, was die physische Wissenschaft beschreibt, sondern es gehen geistige Vorgänge vor sich. Diese geistigen Vorgänge, wesentlich also Vorgänge der ätherischen Welt, nahmen die Kinder in vollen Imaginationen wahr bis zum Reifealter. Und wenn das Reifealter eintrat, nicht nur für die Stimme, sondern für das Vorstellungsleben, so fühlte der Mensch etwas in sich — es war allerdings dasjenige, was aufschoß aus den Kräften, die man gewöhnlich physiologisch die Sexualkräfte nennt, — es fühlte der Mensch in sich etwas, von dem er sagte: Was ich als Kind gesehen habe durch die Imaginationen im Luftraume, das lebt jetzt in mir auf, das ist Anschauung, das lebt in mir. — Das ging vor. Der Mensch wurde sich bewußt, daß er aus dem Luftraume etwas in sich aufgenommen hat. Vorher hat er es draußen gesehen, jetzt spürt er es in sich selber.
[ 15 ] Bei weiblichen Wesen war es so in diesen alten Zeiten, daß sie vor der Reifezeit auch in Imaginationen wahrnahmen dasjenige, was im Luftraume draußen war. Aber nach der Reifezeit war dasjenige, was bei den Knaben bloß in dem Spüren einer Änderung des Vorstellungslebens auftauchte, nun wie ein Aufsteigen sogar noch innerer Imaginationen: Menschenbild war es, was das weibliche Wesen in sich immer wieder und wiederum imaginativ wahrnahm. Und da sagte es sich wiederum: Was ich jetzt imaginativ wahrnehme, ist dasselbe, was ich als Kind vor der Reife draußen im Weltenraume als imaginative Bilder erlebt habe. — Beide Geschlechter, nur in verschiedener Weise, erlebten es, daß sie eigentlich wußten, seelisch wußten: In mir wird etwas geboren, was der Weltenraum in mir befruchtet hat.
[ 15 ] Bei weiblichen Wesen war es so in diesen alten Zeiten, daß sie vor der Reifezeit auch in Imaginationen wahrnahmen dasjenige, was im Luftraume draußen war. Aber nach der Reifezeit war dasjenige, was bei den Knaben bloß in dem Spüren einer Änderung des Vorstellungslebens auftauchte, nun wie ein Aufsteigen sogar noch innerer Imaginationen: Menschenbild war es, was das weibliche Wesen in sich immer wieder und wiederum imaginativ wahrnahm. Und da sagte es sich wiederum: Was ich jetzt imaginativ wahrnehme, ist dasselbe, was ich als Kind vor der Reife draußen im Weltenraume als imaginative Bilder erlebt habe. — Beide Geschlechter, nur in verschiedener Weise, erlebten es, daß sie eigentlich wußten, seelisch wußten: In mir wird etwas geboren, was der Weltenraum in mir befruchtet hat.
[ 16 ] Da haben Sie eine noch konkretere Gestalt der Osiris-Isismythe: Es ist die Weltenweisheit, insofern sie aus dem Luftraume gewonnen wird, aber in organischem Zusammenhang ist mit dem Menschen, den tieferen Schichten des Menschengeistes. Sie können eine Vorstellung davon bekommen, wenn Sie es in der folgenden Weise versuchen. Heute denkt der Mensch in abstrakter Weise, indem er durch seinen Kopf dasjenige wissen will, was es in der Welt an Gesetzmäßigkeiten und so weiter gibt. In diesen alten Zeiten war man sich klar: Auf diese Weise, bloß durch den Kopf allein, kann man nicht wissen, sondern man weiß durch den ganzen Menschen. — Man weiß dasjenige, was im Luftraume draußen vorgeht, ätherisch vorgeht, dadurch, daß man es vorher gewissermaßen wahrgenommen hat draußen und nach der Reifezeit innerlich vorstellt oder erfühlt.
[ 16 ] Da haben Sie eine noch konkretere Gestalt der Osiris-Isismythe: Es ist die Weltenweisheit, insofern sie aus dem Luftraume gewonnen wird, aber in organischem Zusammenhang ist mit dem Menschen, den tieferen Schichten des Menschengeistes. Sie können eine Vorstellung davon bekommen, wenn Sie es in der folgenden Weise versuchen. Heute denkt der Mensch in abstrakter Weise, indem er durch seinen Kopf dasjenige wissen will, was es in der Welt an Gesetzmäßigkeiten und so weiter gibt. In diesen alten Zeiten war man sich klar: Auf diese Weise, bloß durch den Kopf allein, kann man nicht wissen, sondern man weiß durch den ganzen Menschen. — Man weiß dasjenige, was im Luftraume draußen vorgeht, ätherisch vorgeht, dadurch, daß man es vorher gewissermaßen wahrgenommen hat draußen und nach der Reifezeit innerlich vorstellt oder erfühlt.
[ 17 ] Wie nehmen Sie denn heute wahr mit dem abstrakten Wahrnehmen, das Sie haben? Sie gehen an etwas heran, was Sie mit den Sinnen sehen; dann denken Sie nach darüber. Das geschieht rasch hintereinander. Mit denjenigen Geheimnissen, durch die der Mensch in alten Zeiten eindrang in die Luftgesetzmäßigkeit, die in Imaginationen vorhanden war, da ging es anders. Als Kind, bis zum Reifezeitalter, nahm er wahr. Da nahm er nur wahr, nachher verarbeitete er das innerlich. Es ist nur, ich möchte sagen, ein in der Zeit verbreiteter Wahrnehmungs- und Denkprozeß. Während es heute in die Willkür des Menschen gestellt ist, abstrakt anzuschauen und abstrakt nachzudenken, vorzustellen, war über das menschliche Leben verbreitet das, was wir jetzt zusammendrängen in ein paar Augenblicke mit Bezug auf die äußere physische Welt. Wahrnehmen, Vorstellen, das war etwas, was der Mensch in seinem Verhältnisse zur Welt ausgebreitet dachte über das ganze Menschenleben zwischen Geburt und Tod. Bis zum Reifezeitalter nahm er gewisse Dinge wahr, nachher verarbeitete er sie. Solch eine Zeit gab es.
[ 17 ] Wie nehmen Sie denn heute wahr mit dem abstrakten Wahrnehmen, das Sie haben? Sie gehen an etwas heran, was Sie mit den Sinnen sehen; dann denken Sie nach darüber. Das geschieht rasch hintereinander. Mit denjenigen Geheimnissen, durch die der Mensch in alten Zeiten eindrang in die Luftgesetzmäßigkeit, die in Imaginationen vorhanden war, da ging es anders. Als Kind, bis zum Reifezeitalter, nahm er wahr. Da nahm er nur wahr, nachher verarbeitete er das innerlich. Es ist nur, ich möchte sagen, ein in der Zeit verbreiteter Wahrnehmungs- und Denkprozeß. Während es heute in die Willkür des Menschen gestellt ist, abstrakt anzuschauen und abstrakt nachzudenken, vorzustellen, war über das menschliche Leben verbreitet das, was wir jetzt zusammendrängen in ein paar Augenblicke mit Bezug auf die äußere physische Welt. Wahrnehmen, Vorstellen, das war etwas, was der Mensch in seinem Verhältnisse zur Welt ausgebreitet dachte über das ganze Menschenleben zwischen Geburt und Tod. Bis zum Reifezeitalter nahm er gewisse Dinge wahr, nachher verarbeitete er sie. Solch eine Zeit gab es.
[ 18 ] Nun denken Sie doch, die Leute haben sich gesagt: Dieses Wahrnehmen und Denken darüber, das hängt in einer gewissen Weise zusammen mit dem Tag, mit der auf- und untergehenden Sonne. — Mit der aufgehenden Sonne, da erwacht man, steht auf, beginnt wahrzunehmen und zu denken; mit der untergehenden Sonne hört es auf, weil man sich schlafen legt. Mit einem Tag brachten also die Leute das Wahrnehmen und Denken in Zusammenhang; mit weiter ausgedehnten Weltenvorgängen am Himmel brachten sie das in Zusammenhang, was über das ganze Leben zwischen Geburt und Tod ausgebreitet war. Wie es von der Sonne abhängt, von dem ganz gewöhnlichen Auf- und Niedergang der Sonne, daß ich wahrnehmen’ und denken kann, so hängt es von größeren, ausgedehnteren Sternenkonstellationen ab, die nach Jahrhunderten, nach Jahrtausenden eintreten, was der Mensch an Wahrnehmen und Denken entwickelt auf die Art, wie ich das geschildert habe. Und wie man in jenen alten Zeiten in Zusammenhang brachte das gewöhnliche sinnliche Wahrnehmen und Vorstellen mit dem Tag, mit dem Sonnenauf- und -untergang — was ja der heutige Mensch auch tut, wenn er auch nicht mehr daran denkt, wenn er auch glaubt, er richte sich nur nach der Uhr —, so brachte man dasjenige, was mit den weiterumfassenden Weltengeheimnissen zusammenhängt, in Zusammenhang mit den andern Sternenkonstellationen, mit den andern Vorgängen am Himmel.
[ 18 ] Nun denken Sie doch, die Leute haben sich gesagt: Dieses Wahrnehmen und Denken darüber, das hängt in einer gewissen Weise zusammen mit dem Tag, mit der auf- und untergehenden Sonne. — Mit der aufgehenden Sonne, da erwacht man, steht auf, beginnt wahrzunehmen und zu denken; mit der untergehenden Sonne hört es auf, weil man sich schlafen legt. Mit einem Tag brachten also die Leute das Wahrnehmen und Denken in Zusammenhang; mit weiter ausgedehnten Weltenvorgängen am Himmel brachten sie das in Zusammenhang, was über das ganze Leben zwischen Geburt und Tod ausgebreitet war. Wie es von der Sonne abhängt, von dem ganz gewöhnlichen Auf- und Niedergang der Sonne, daß ich wahrnehmen’ und denken kann, so hängt es von größeren, ausgedehnteren Sternenkonstellationen ab, die nach Jahrhunderten, nach Jahrtausenden eintreten, was der Mensch an Wahrnehmen und Denken entwickelt auf die Art, wie ich das geschildert habe. Und wie man in jenen alten Zeiten in Zusammenhang brachte das gewöhnliche sinnliche Wahrnehmen und Vorstellen mit dem Tag, mit dem Sonnenauf- und -untergang — was ja der heutige Mensch auch tut, wenn er auch nicht mehr daran denkt, wenn er auch glaubt, er richte sich nur nach der Uhr —, so brachte man dasjenige, was mit den weiterumfassenden Weltengeheimnissen zusammenhängt, in Zusammenhang mit den andern Sternenkonstellationen, mit den andern Vorgängen am Himmel.
[ 19 ] Sie sehen, eine tiefe Logik, eine tiefe Weisheit liegt in diesen Dingen. Mit Oberflächlichkeiten, wie die von Dupuis sind, kommt man den Dingen nicht bei. Aber noch etwas anderes ist damit verbunden. Sie sehen, alle diese alten Völker — und wir könnten außer den Ägyptern und Griechen noch andere aufzählen —, alle diese alten Völker wußten, daß mit mehr nach innen gelegenen Kräften der menschlichen Natur zusammenhängt dasjenige, was die Vorgänge am Himmel, die Sternenkonstellationen ausdrücken. Jene Verdorbenheit des Menschen, die sich ausdrückt in der modernen Stellung zum Sexualproblem, und jene größte Verdorbenheit, die sich in der allermodernsten Stellung zum Sexualproblem ausdrückt, von der kannten die Alten in den Zeiten, von denen man sprechen muß, wenn man diese Dinge bespricht, noch nichts. Für sie war es noch etwas ganz anderes, wenn sie die Empfindung hatten: die sexuellen Essenzen sind es, die sich in den Menschen ergießen, wenn er die Stimme und damit auch die Gedanken mutiert, oder wenn das andere eintritt, wovon ich gesprochen habe. Daß das Göttliche da zu gleicher Zeit sich im Menschen ausbreitet, das war die Überzeugung der Alten. Daher dasjenige, was man heute in einem verdorbenen Sinne nur ansieht, das bei allen alten religiösen Riten sich findet: die sexuellen Symbole, die sogenannten sexuellen Symbole, die also hindeuteten auf diesen Zusammenhang; wir können ihn nennen den Zusammenhang zwischen Luft und Luftvorgängen und demjenigen, was im Menschen an Erkenntnisprozessen während des ganzen Menschenlebens zwischen Geburt und Tod sich abspielt.
[ 19 ] Sie sehen, eine tiefe Logik, eine tiefe Weisheit liegt in diesen Dingen. Mit Oberflächlichkeiten, wie die von Dupuis sind, kommt man den Dingen nicht bei. Aber noch etwas anderes ist damit verbunden. Sie sehen, alle diese alten Völker — und wir könnten außer den Ägyptern und Griechen noch andere aufzählen —, alle diese alten Völker wußten, daß mit mehr nach innen gelegenen Kräften der menschlichen Natur zusammenhängt dasjenige, was die Vorgänge am Himmel, die Sternenkonstellationen ausdrücken. Jene Verdorbenheit des Menschen, die sich ausdrückt in der modernen Stellung zum Sexualproblem, und jene größte Verdorbenheit, die sich in der allermodernsten Stellung zum Sexualproblem ausdrückt, von der kannten die Alten in den Zeiten, von denen man sprechen muß, wenn man diese Dinge bespricht, noch nichts. Für sie war es noch etwas ganz anderes, wenn sie die Empfindung hatten: die sexuellen Essenzen sind es, die sich in den Menschen ergießen, wenn er die Stimme und damit auch die Gedanken mutiert, oder wenn das andere eintritt, wovon ich gesprochen habe. Daß das Göttliche da zu gleicher Zeit sich im Menschen ausbreitet, das war die Überzeugung der Alten. Daher dasjenige, was man heute in einem verdorbenen Sinne nur ansieht, das bei allen alten religiösen Riten sich findet: die sexuellen Symbole, die sogenannten sexuellen Symbole, die also hindeuteten auf diesen Zusammenhang; wir können ihn nennen den Zusammenhang zwischen Luft und Luftvorgängen und demjenigen, was im Menschen an Erkenntnisprozessen während des ganzen Menschenlebens zwischen Geburt und Tod sich abspielt.
[ 20 ] Durch mein Auge, durch mein Ohr — so sagten sich diese Leute — hänge ich zusammen mit dem, was der Tag bringt. Durch tiefere, nach innen gelegene Kräfte des Menschen hänge ich zusammen mit ganz anderem, was die Geheimnisse der Luft sind, die aber nur wahrgenommen werden im imaginativen Erleben. Und dieses imaginative Erleben in seiner konkreten Gestalt, das habe ich Ihnen für diese alten Zeiten geschildert.
[ 20 ] Durch mein Auge, durch mein Ohr — so sagten sich diese Leute — hänge ich zusammen mit dem, was der Tag bringt. Durch tiefere, nach innen gelegene Kräfte des Menschen hänge ich zusammen mit ganz anderem, was die Geheimnisse der Luft sind, die aber nur wahrgenommen werden im imaginativen Erleben. Und dieses imaginative Erleben in seiner konkreten Gestalt, das habe ich Ihnen für diese alten Zeiten geschildert.
[ 21 ] Die alttestamentliche Anschauung änderte dann an der Sache insofern, als sie an die Stelle der Erfahrung die Lehre setzte, die religiöse Lehre. Der Ägypter der alten Osiriszeit, namentlich der älteren Osiriszeit, sagte: Es ist erst der wahre Mensch, der mit der Reife in mich herein kommt, indem ich aufnehme dasjenige, was ich vorher in Imaginationen gesehen habe. Die Luft übergibt mir den wahren Menschen. — In der alttestamentlichen Lehre wurde dann das zu der Anschauung umgewandelt: Die Elohim oder Jahve haben den lebendigen Odem, die Luft eingeblasen den Menschen. — Da wurde herausgehoben die Essenz aus der unmittelbar lebendigen Erfahrung und wurde zur Lehre, zur Theorie. Das war notwendig, weil nur dadurch die Menschheit geführt werden konnte, und das ist ja der Sinn des Alten Testaments, von jenem Zusammenleben mit der Außenwelt, das noch ein inniges Band hatte zwischen dem Mikrokosmos, dem Menschen, und dem Makrokosmos, der äußeren Welt, zu ihrer weiteren Entwickelung — doch darüber werde ich noch sprechen —, weil es notwendig war, als dieses Band allmählich hinschwand, gerade zu einer solchen Lehre zu greifen, wie es die alttestamentliche war.
[ 21 ] Die alttestamentliche Anschauung änderte dann an der Sache insofern, als sie an die Stelle der Erfahrung die Lehre setzte, die religiöse Lehre. Der Ägypter der alten Osiriszeit, namentlich der älteren Osiriszeit, sagte: Es ist erst der wahre Mensch, der mit der Reife in mich herein kommt, indem ich aufnehme dasjenige, was ich vorher in Imaginationen gesehen habe. Die Luft übergibt mir den wahren Menschen. — In der alttestamentlichen Lehre wurde dann das zu der Anschauung umgewandelt: Die Elohim oder Jahve haben den lebendigen Odem, die Luft eingeblasen den Menschen. — Da wurde herausgehoben die Essenz aus der unmittelbar lebendigen Erfahrung und wurde zur Lehre, zur Theorie. Das war notwendig, weil nur dadurch die Menschheit geführt werden konnte, und das ist ja der Sinn des Alten Testaments, von jenem Zusammenleben mit der Außenwelt, das noch ein inniges Band hatte zwischen dem Mikrokosmos, dem Menschen, und dem Makrokosmos, der äußeren Welt, zu ihrer weiteren Entwickelung — doch darüber werde ich noch sprechen —, weil es notwendig war, als dieses Band allmählich hinschwand, gerade zu einer solchen Lehre zu greifen, wie es die alttestamentliche war.


[ 22 ] Nun kam aber die Zeit des Todes des Osiris, damit aber auch die Zeit, in der gewissermaßen, während das eine feiner wurde, das andere gröber wurde. Wie ist das zu verstehen? Nun, Sie können sich es so vorstellen: Wenn wir in die alte Osiriszeit zurückgehen, so sah oder erkannte vor der Reifezeit der Mensch in der äußeren Luft drinnen die Lichtimaginationen (siehe Zeichnung), wenn ich für die eine Art sprechen soll. Er sah also in seiner Umgebung in der Luft die Lichtimaginationen bis zu seinem Reifealter. Nachher hatte er das Gefühl, das wäre in ihn hineingegangen; und die Veränderungen waren vor sich gegangen, von denen wir gesprochen haben. Die Luft war überall von Lichterscheinungen erfüllt für das Kind. Für den erwachsenen Menschen, für den reif gewordenen Menschen war zwar nur noch die Luft da, aber er wußte: Als Kind habe ich gesehen, daß da noch etwas anderes drinnen ist. — Er wußte: Die Luft ist zu gleicher Zeit Lichtgebärerin. Er wußte: Es ist nicht wahr, wenn ich da in die Luft hinausschaue, daß da nichts drinnen ist als dasjenige, was das Physische zeigt, sondern da leben Wesen drinnen, die in der Imagination wahrzunehmen sind.
[ 22 ] Nun kam aber die Zeit des Todes des Osiris, damit aber auch die Zeit, in der gewissermaßen, während das eine feiner wurde, das andere gröber wurde. Wie ist das zu verstehen? Nun, Sie können sich es so vorstellen: Wenn wir in die alte Osiriszeit zurückgehen, so sah oder erkannte vor der Reifezeit der Mensch in der äußeren Luft drinnen die Lichtimaginationen (siehe Zeichnung), wenn ich für die eine Art sprechen soll. Er sah also in seiner Umgebung in der Luft die Lichtimaginationen bis zu seinem Reifealter. Nachher hatte er das Gefühl, das wäre in ihn hineingegangen; und die Veränderungen waren vor sich gegangen, von denen wir gesprochen haben. Die Luft war überall von Lichterscheinungen erfüllt für das Kind. Für den erwachsenen Menschen, für den reif gewordenen Menschen war zwar nur noch die Luft da, aber er wußte: Als Kind habe ich gesehen, daß da noch etwas anderes drinnen ist. — Er wußte: Die Luft ist zu gleicher Zeit Lichtgebärerin. Er wußte: Es ist nicht wahr, wenn ich da in die Luft hinausschaue, daß da nichts drinnen ist als dasjenige, was das Physische zeigt, sondern da leben Wesen drinnen, die in der Imagination wahrzunehmen sind.
[ 23 ] Diese Wesen sind für die Griechen die Wesen des Zeuskreises. Das wußte also der Mensch, daß da Wesen drinnen sind in der Luft. Aber all das, daß die menschlichen Bewußtseinszustände geändert wurden, all das hängt ja damit zusammen, daß im Feineren auch die objektiven Dinge anders wurden. Natürlich ist es für den heutigen gescheiten Menschen ein Greuel, wenn man so etwas sagt. Ich weiß, daß es ein Greuel ist, aber wahr ist es deshalb doch: Es ist die Luft anders geworden; natürlich nicht anders geworden so, daß man dieses Anderssein mit den chemischen Reagenzien prüfen kann; aber es ist die Luft doch anders geworden. Die Luft hat jene Stärke verloren, auszudrücken die Lichtimaginationen. Die Luft ist, man könnte sagen, gröber geworden.
[ 23 ] Diese Wesen sind für die Griechen die Wesen des Zeuskreises. Das wußte also der Mensch, daß da Wesen drinnen sind in der Luft. Aber all das, daß die menschlichen Bewußtseinszustände geändert wurden, all das hängt ja damit zusammen, daß im Feineren auch die objektiven Dinge anders wurden. Natürlich ist es für den heutigen gescheiten Menschen ein Greuel, wenn man so etwas sagt. Ich weiß, daß es ein Greuel ist, aber wahr ist es deshalb doch: Es ist die Luft anders geworden; natürlich nicht anders geworden so, daß man dieses Anderssein mit den chemischen Reagenzien prüfen kann; aber es ist die Luft doch anders geworden. Die Luft hat jene Stärke verloren, auszudrücken die Lichtimaginationen. Die Luft ist, man könnte sagen, gröber geworden.
[ 24 ] Es ist in der Tat auf der Erde anders geworden seit jener alten Zeit. Es ist die Luft gröber geworden. Aber nicht nur die Luft ist gröber geworden, sondern der Mensch ist selber gröber geworden. Dasjenige, was früher spirituell lebte in den Essenzen, von denen ich gesprochen habe, daß sie seinen Kehlkopf und seinen sonstigen Organismus durchdrangen, das ist auch gröber geworden. So daß in der Tat, wenn man heute spricht von den Sexualessenzen, man von etwas anderem spricht, als wovon man zu sprechen hatte in jenen alten Zeiten. Jener alte Mensch wußte: Die Tagesanschauung, die hängt mit meinem persönlichen Menschen zusammen; das andere, das ich aus dem Luftkreise erfahre, mit meinem ganzen Leben erfahre, das hängt aber mit der Menschheit als solcher zusammen, das geht über den einzelnen Menschen hinaus. — Daher suchte der Mensch auch die sozialen Geheimnisse, unter denen die Menschen zusammenleben, durch das Band zu ergründen, das ihn mit dem Makrokosmos verband, suchte die soziale Weisheit durch die Sternenweisheit. Aber was da in ihm lebte als soziale Weisheit, das verband ihn eben mit dem Himmlischen. Es drückte sich das ja in den gewöhnlichsten Anschauungen aus. Ein Menschenpaar wird in alten Zeiten nie anders empfunden haben, bevor Osiris tot war, als daß sie ein Kind vom Himmel her bekommen haben. Das war ein lebendiges Bewußtsein, entspricht auch der Wahrheit. Und dieses lebendige Bewußtsein konnte sich ja entwickeln, weil der Mensch wußte, er nimmt aus dem Luftraume dasjenige auf, was er ja selbst erfuhr.
[ 24 ] Es ist in der Tat auf der Erde anders geworden seit jener alten Zeit. Es ist die Luft gröber geworden. Aber nicht nur die Luft ist gröber geworden, sondern der Mensch ist selber gröber geworden. Dasjenige, was früher spirituell lebte in den Essenzen, von denen ich gesprochen habe, daß sie seinen Kehlkopf und seinen sonstigen Organismus durchdrangen, das ist auch gröber geworden. So daß in der Tat, wenn man heute spricht von den Sexualessenzen, man von etwas anderem spricht, als wovon man zu sprechen hatte in jenen alten Zeiten. Jener alte Mensch wußte: Die Tagesanschauung, die hängt mit meinem persönlichen Menschen zusammen; das andere, das ich aus dem Luftkreise erfahre, mit meinem ganzen Leben erfahre, das hängt aber mit der Menschheit als solcher zusammen, das geht über den einzelnen Menschen hinaus. — Daher suchte der Mensch auch die sozialen Geheimnisse, unter denen die Menschen zusammenleben, durch das Band zu ergründen, das ihn mit dem Makrokosmos verband, suchte die soziale Weisheit durch die Sternenweisheit. Aber was da in ihm lebte als soziale Weisheit, das verband ihn eben mit dem Himmlischen. Es drückte sich das ja in den gewöhnlichsten Anschauungen aus. Ein Menschenpaar wird in alten Zeiten nie anders empfunden haben, bevor Osiris tot war, als daß sie ein Kind vom Himmel her bekommen haben. Das war ein lebendiges Bewußtsein, entspricht auch der Wahrheit. Und dieses lebendige Bewußtsein konnte sich ja entwickeln, weil der Mensch wußte, er nimmt aus dem Luftraume dasjenige auf, was er ja selbst erfuhr.
[ 25 ] Von alldem ist, man möchte sagen, der grobe Bodensatz zurückgeblieben. So wie in der Luft der grobe Bodensatz zurückgeblieben ist von jener Luftkräftigkeit, die sich in früheren Zeiten in Imaginationen dem Menschen geoffenbart hat, so ist im Menschen selber der Bodensatz zurückgeblieben. Das mußte so kommen, weil sonst die Menschen nicht zur Freiheit und zum vollen Bewußtsein ihres Ichs hätten kommen können. Aber es ist der Bodensatz zurückgeblieben. Dadurch ist aber auch alles, was die Alten gemeint haben mit dem Göttlichen, das sie auf jenem Umwege, wie Sie sich jetzt leicht vorstellen können, mit den sexuellen Essenzen in Zusammenhang brachten, dadurch ist das vergröbert worden, vergröbert nicht nur im Anschauen, sondern auch im Erleben. Aber da ist es ja trotzdem; selbstverständlich ist es nicht nur auf die eine Weise da, sondern auch auf die andere Weise. Die Fortpflanzung der Menschheit war in den alten Zeiten so, daß sie unmittelbar im Zusammenhang gedacht worden ist mit dem mikro-makrokosmischen Band der Menschheit, wie Sie gesehen haben. Aber das ganze Zusammenleben der Menschen auf Erden wurde ja auch im Zusammenhange gedacht mit diesem makro-mikrokosmischen Bande. Numa Pompilius ist zur Nymphe Egeria gegangen, um von ihr Aufschlüsse zu erhalten, wie er die Verhältnisse, die sozialen Verhältnisse im Römerreiche einrichten solle. Das heißt aber nichts anderes als: er hat sich die Sternenweisheit mitteilen lassen, hat sich mitteilen lassen, was die Sterne sagen darüber, wie man die sozialen Verhältnisse einrichten soll. Das, was Menschen auf Erden fortpflanzen, was mit der Generationenfolge zusammenhängt, das sollte in den Dienst gestellt werden desjenigen, was die Sterne sagen. Wie der einzelne Mensch sich nach Auf- und Untergang der Sonne mit seinem gewöhnlichen Wahrnehmen und Denken richtet, so sollte dasjenige, was später «Staaten» geworden sind, also Menschheitszusammenhänge, unter die Sternenkonstellationen als Ausdruck für die Weltenverhältnisse gestellt werden.
[ 25 ] Von alldem ist, man möchte sagen, der grobe Bodensatz zurückgeblieben. So wie in der Luft der grobe Bodensatz zurückgeblieben ist von jener Luftkräftigkeit, die sich in früheren Zeiten in Imaginationen dem Menschen geoffenbart hat, so ist im Menschen selber der Bodensatz zurückgeblieben. Das mußte so kommen, weil sonst die Menschen nicht zur Freiheit und zum vollen Bewußtsein ihres Ichs hätten kommen können. Aber es ist der Bodensatz zurückgeblieben. Dadurch ist aber auch alles, was die Alten gemeint haben mit dem Göttlichen, das sie auf jenem Umwege, wie Sie sich jetzt leicht vorstellen können, mit den sexuellen Essenzen in Zusammenhang brachten, dadurch ist das vergröbert worden, vergröbert nicht nur im Anschauen, sondern auch im Erleben. Aber da ist es ja trotzdem; selbstverständlich ist es nicht nur auf die eine Weise da, sondern auch auf die andere Weise. Die Fortpflanzung der Menschheit war in den alten Zeiten so, daß sie unmittelbar im Zusammenhang gedacht worden ist mit dem mikro-makrokosmischen Band der Menschheit, wie Sie gesehen haben. Aber das ganze Zusammenleben der Menschen auf Erden wurde ja auch im Zusammenhange gedacht mit diesem makro-mikrokosmischen Bande. Numa Pompilius ist zur Nymphe Egeria gegangen, um von ihr Aufschlüsse zu erhalten, wie er die Verhältnisse, die sozialen Verhältnisse im Römerreiche einrichten solle. Das heißt aber nichts anderes als: er hat sich die Sternenweisheit mitteilen lassen, hat sich mitteilen lassen, was die Sterne sagen darüber, wie man die sozialen Verhältnisse einrichten soll. Das, was Menschen auf Erden fortpflanzen, was mit der Generationenfolge zusammenhängt, das sollte in den Dienst gestellt werden desjenigen, was die Sterne sagen. Wie der einzelne Mensch sich nach Auf- und Untergang der Sonne mit seinem gewöhnlichen Wahrnehmen und Denken richtet, so sollte dasjenige, was später «Staaten» geworden sind, also Menschheitszusammenhänge, unter die Sternenkonstellationen als Ausdruck für die Weltenverhältnisse gestellt werden.
[ 26 ] Wir haben in unserer Sprache — es erinnern die Sprachen oftmals an alte Zusammenhänge — richtig erinnernd noch an diesen Zusammenhang die Tatsache, daß bezeichnet wird das Verhältnis des Männlichen und Weiblichen als «Geschlecht», aber auch aufeinanderfolgende Generationen als «Geschlechter». Es ist ein und dasselbe Wort: das «Geschlecht», die zusammengehörige Familie, das Blutsverwandte, und dasjenige, was Verhältnis des Männlichen und Weiblichen ist. Und so ist es auch in andern Sprachen, daß alles darauf hinweist, wie der Mensch suchte für dasjenige, was in seiner Natur, ich möchte sagen, in den tieferen Schichten seines Wesens liegt, einen Erkenntniszusammenhang mit dem Makrokosmos.
[ 26 ] Wir haben in unserer Sprache — es erinnern die Sprachen oftmals an alte Zusammenhänge — richtig erinnernd noch an diesen Zusammenhang die Tatsache, daß bezeichnet wird das Verhältnis des Männlichen und Weiblichen als «Geschlecht», aber auch aufeinanderfolgende Generationen als «Geschlechter». Es ist ein und dasselbe Wort: das «Geschlecht», die zusammengehörige Familie, das Blutsverwandte, und dasjenige, was Verhältnis des Männlichen und Weiblichen ist. Und so ist es auch in andern Sprachen, daß alles darauf hinweist, wie der Mensch suchte für dasjenige, was in seiner Natur, ich möchte sagen, in den tieferen Schichten seines Wesens liegt, einen Erkenntniszusammenhang mit dem Makrokosmos.
[ 27 ] Diese Dinge haben sich vergröbert nach der Seite hin, die wir besprochen haben. Zurückgeblieben ist unter anderem auch das begierden- und gefühlsmäßige Hängen am Nationalen. Das Hängen am Nationalen, das chauvinistische Drängen zum Nationalen, das ist der zurückgebliebene Rest desjenigen, was in alten Zeiten eben in ganz andern Verhältnissen gedacht werden konnte. Aber nur, wenn man diese Dinge durchschaut, dann weiß man auch die Wahrheit in solchen Dingen. Was drückt sich aus in dem nationalen Pathos? Wenn der Mensch nationales Pathos besonders entwickelt, was lebt in diesem nationalen Pathos, diesem nationalen Erfühlen, was lebt darinnen? Genau dasselbe, was im Sexuellen lebt, nur im Sexuellen auf andere Weise, im nationalen Pathos wiederum auf andere Weise. Es ist der sexuelle Mensch, der sich auslebt durch diese zwei verschiedenen Pole. Chauvinistisch sein, könnte man sagen, ist nichts anderes als gruppenmäßig Sexualität entwickeln. Man könnte sagen, wo die sexuellen Essenzen, in dem, was sie zurückgelassen haben, die Menschen mehr ergreifen, da ist mehr nationaler Chauvinismus vorhanden; denn es ist dieselbe Kraft, die in der Fortpflanzung liegt, die auch im nationalen Pathos sich äußert. Daher ist der Schlachtruf von der sogenannten «Freiheit der Völker oder der Nationen » etwas, was durchaus richtig erst betrachtet wird in seinen intimeren Zusammenhängen, wenn man — aber mit vornehmem Sinn selbstverständlich — sagen würde: Der Ruf nach Wiederherstellung des Nationalen im Lichte eines sexuellen Problems. — Daß das sexuelle Problem in einer ganz besonderen Form heute über die Erde hin verkündet wird, ohne daß die Leute eine Ahnung haben, wie aus ihrem Unterbewußtsein das Sexuelle in die Worte sich kleidet «Freiheit der Völker », das ist dasjenige, was mit als ein Geheimnis der Zeitimpulse angesehen werden muß. Und viel mehr als die Menschen glauben, ist in den heutigen katastrophalen Ereignissen von sexuellen Impulsen vorhanden, viel mehr, als die Menschen glauben! Denn die Impulse zu dem, was heute vorgeht, liegen zum Teil recht, recht tief.
[ 27 ] Diese Dinge haben sich vergröbert nach der Seite hin, die wir besprochen haben. Zurückgeblieben ist unter anderem auch das begierden- und gefühlsmäßige Hängen am Nationalen. Das Hängen am Nationalen, das chauvinistische Drängen zum Nationalen, das ist der zurückgebliebene Rest desjenigen, was in alten Zeiten eben in ganz andern Verhältnissen gedacht werden konnte. Aber nur, wenn man diese Dinge durchschaut, dann weiß man auch die Wahrheit in solchen Dingen. Was drückt sich aus in dem nationalen Pathos? Wenn der Mensch nationales Pathos besonders entwickelt, was lebt in diesem nationalen Pathos, diesem nationalen Erfühlen, was lebt darinnen? Genau dasselbe, was im Sexuellen lebt, nur im Sexuellen auf andere Weise, im nationalen Pathos wiederum auf andere Weise. Es ist der sexuelle Mensch, der sich auslebt durch diese zwei verschiedenen Pole. Chauvinistisch sein, könnte man sagen, ist nichts anderes als gruppenmäßig Sexualität entwickeln. Man könnte sagen, wo die sexuellen Essenzen, in dem, was sie zurückgelassen haben, die Menschen mehr ergreifen, da ist mehr nationaler Chauvinismus vorhanden; denn es ist dieselbe Kraft, die in der Fortpflanzung liegt, die auch im nationalen Pathos sich äußert. Daher ist der Schlachtruf von der sogenannten «Freiheit der Völker oder der Nationen » etwas, was durchaus richtig erst betrachtet wird in seinen intimeren Zusammenhängen, wenn man — aber mit vornehmem Sinn selbstverständlich — sagen würde: Der Ruf nach Wiederherstellung des Nationalen im Lichte eines sexuellen Problems. — Daß das sexuelle Problem in einer ganz besonderen Form heute über die Erde hin verkündet wird, ohne daß die Leute eine Ahnung haben, wie aus ihrem Unterbewußtsein das Sexuelle in die Worte sich kleidet «Freiheit der Völker », das ist dasjenige, was mit als ein Geheimnis der Zeitimpulse angesehen werden muß. Und viel mehr als die Menschen glauben, ist in den heutigen katastrophalen Ereignissen von sexuellen Impulsen vorhanden, viel mehr, als die Menschen glauben! Denn die Impulse zu dem, was heute vorgeht, liegen zum Teil recht, recht tief.
[ 28 ] Solche Wahrheiten dürfen in unserer Gegenwart nicht mehr hinter Schloß und Riegel gehalten werden. Gewisse Bruderschaften haben sie unter Schloß und Riegel halten können dadurch, daß sie im strengsten Sinne des Wortes Frauen ausgeschlossen haben. Wenn auch heute das Zusammenarbeiten mit Frauen, wie es sich ja vielfach zeigt, noch zu allerlei schlimmen Dingen führen kann, so ist doch die Zeit gekommen, in der über diese Dinge richtige Anschauungen, allgemeine Anschauungen in der Menschheit sich verbreiten müssen. Verbreiten sich ja doch unlautere, törichte, blöde Ansichten, indem ohne Kenntnis der intimeren Zusammenhänge von gewissen Seiten her alle möglichen Dinge heute als sexuelle Probleme behandelt werden. Aber Sie sehen, wie sich hier das, was lautere, echte, ehrliche Wahrheit ist, auf der einen Seite berührt mit dem, was allerunlauterste, schmutzigste Denkungsweise sein kann, wie sie zuweilen in den Auswüchsen der Psychoanalyse oder ähnlicher Dinge sich zeigt. Das werden Sie aber immer finden, daß dasjenige, was auf der einen Seite, richtig erfaßt, tiefe Wahrheit ist, gar nicht den Worten nach viel verändert zu werden braucht, sondern nur von schmutziger Gesinnung durchdrungen zu werden braucht, und es ist eben schmutzige, törichte, verwerfliche Anschauung.
[ 28 ] Solche Wahrheiten dürfen in unserer Gegenwart nicht mehr hinter Schloß und Riegel gehalten werden. Gewisse Bruderschaften haben sie unter Schloß und Riegel halten können dadurch, daß sie im strengsten Sinne des Wortes Frauen ausgeschlossen haben. Wenn auch heute das Zusammenarbeiten mit Frauen, wie es sich ja vielfach zeigt, noch zu allerlei schlimmen Dingen führen kann, so ist doch die Zeit gekommen, in der über diese Dinge richtige Anschauungen, allgemeine Anschauungen in der Menschheit sich verbreiten müssen. Verbreiten sich ja doch unlautere, törichte, blöde Ansichten, indem ohne Kenntnis der intimeren Zusammenhänge von gewissen Seiten her alle möglichen Dinge heute als sexuelle Probleme behandelt werden. Aber Sie sehen, wie sich hier das, was lautere, echte, ehrliche Wahrheit ist, auf der einen Seite berührt mit dem, was allerunlauterste, schmutzigste Denkungsweise sein kann, wie sie zuweilen in den Auswüchsen der Psychoanalyse oder ähnlicher Dinge sich zeigt. Das werden Sie aber immer finden, daß dasjenige, was auf der einen Seite, richtig erfaßt, tiefe Wahrheit ist, gar nicht den Worten nach viel verändert zu werden braucht, sondern nur von schmutziger Gesinnung durchdrungen zu werden braucht, und es ist eben schmutzige, törichte, verwerfliche Anschauung.
[ 29 ] Es konnte eine alte Zeit von «Nationen» sprechen, als man die Nationen so vorstellte, daß die eine Nation ihren Schutzgeist im Orion, die andere in einem andern Stern hatte, und man wußte, man werde sich nach den Sternenkonstellationen regeln. Da appellierte man gewissermaßen an die Himmelsordnung. Heute, wo solche Himmelsordnung nicht vorhanden ist, da ist das Appellieren an das bloß Nationale, das chauvinistische Appellieren an das bloß Nationale, also das Geltendmachen eines im eminentesten Sinne Psychisch-Sexuellen, ein zurückgebliebener luziferischer Impuls.
[ 29 ] Es konnte eine alte Zeit von «Nationen» sprechen, als man die Nationen so vorstellte, daß die eine Nation ihren Schutzgeist im Orion, die andere in einem andern Stern hatte, und man wußte, man werde sich nach den Sternenkonstellationen regeln. Da appellierte man gewissermaßen an die Himmelsordnung. Heute, wo solche Himmelsordnung nicht vorhanden ist, da ist das Appellieren an das bloß Nationale, das chauvinistische Appellieren an das bloß Nationale, also das Geltendmachen eines im eminentesten Sinne Psychisch-Sexuellen, ein zurückgebliebener luziferischer Impuls.
[ 30 ] Will man klar und deutlich dasjenige sehen, was heute ist, so darf man eben nicht zurückschrecken vor den wirklichen Untergründen der Wahrheit. Aber man kann aus solchen Dingen auch sehen, warum sich die Menschen so fürchten vor der Wahrheit. Man stelle sich nur vor, daß die Menschen heute bei dem Geschrei, das sich über Freiheit der Nationen und dergleichen erhebt, hören sollten, das geschieht aus sexuellen Impulsen heraus. Man stelle sich das vor. Man stelle sich einmal den krähenden Hahn vor — ich meine jetzt keinen einzelnen, ich meine nicht gerade bloß Clemenceau. Man stelle sich vor all die Deklamatoren über die entsprechenden Themata, und man stelle sich vor, sie müßten begreifen, daß dasjenige, was sie krähen, im Grunde genommen doch die Balzstimme des Hahnes ist, wenn es auch noch so fein national eingekleidet ist!
[ 30 ] Will man klar und deutlich dasjenige sehen, was heute ist, so darf man eben nicht zurückschrecken vor den wirklichen Untergründen der Wahrheit. Aber man kann aus solchen Dingen auch sehen, warum sich die Menschen so fürchten vor der Wahrheit. Man stelle sich nur vor, daß die Menschen heute bei dem Geschrei, das sich über Freiheit der Nationen und dergleichen erhebt, hören sollten, das geschieht aus sexuellen Impulsen heraus. Man stelle sich das vor. Man stelle sich einmal den krähenden Hahn vor — ich meine jetzt keinen einzelnen, ich meine nicht gerade bloß Clemenceau. Man stelle sich vor all die Deklamatoren über die entsprechenden Themata, und man stelle sich vor, sie müßten begreifen, daß dasjenige, was sie krähen, im Grunde genommen doch die Balzstimme des Hahnes ist, wenn es auch noch so fein national eingekleidet ist!
[ 31 ] Das sind die Dinge, welche die Menschheit heute eigentlich erfahren müßte und die sie nichthören will, weil, wie Sie wissen, von den Dingen, die schwarz sind, behauptet wird, sie sind weiß, und von denen, die weiß sind, sie sind schwarz. Es handelt sich darum, daß jene alte Zeit, von der ich gesprochen habe, eingelaufen ist in den fünften nachatlantischen Zeitraum, in dem sich die Abstraktion allmählich herausgebildet hat. Da, wo die Grenze ist zwischen dem vierten und dem fünften nachatlantischen Zeitraum — Sie können darüber nachlesen in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» —, da nagt man und würgt man, gerade die ehrlichsten Leute nagen und würgen an dem Erkenntniswert, könnte man sagen, des Abstrakten. Lesen Sie nach in meinen «Rätseln der Philosophie», da, wo ich von dem nominalistisch und realistisch gewordenen Mittelalter spreche. Es war die Abstraktheit schon so weit gediehen, daß man sich fragte: Wenn ich einen Begriff habe, bedeutet der noch etwas für die Dinge draußen, oder ist er nur ein Name in meinem Kopfe? — Heute denkt man über diese Dinge nicht mehr nach. Was interessiert das die Leute, daß sich die Menschen gequält haben im Mittelalter, als man die abstraktive Kraft des Denkens gespürt hat, welche Rolle die sogenannten Universalien, die allgemeinen Begriffe in der Welt spielen, daß man würgte daran, welche Rolle die Abstraktionen spielen. Heute denkt man nicht mehr daran, weil man sich an die Abstraktionen schon gewöhnt hat und weil man nicht danach strebt, über das abstrakte Moment hinauszukommen; sondern im Gegenteil, man strebt danach, erst recht in das abstrakte Moment hineinzukommen.
[ 31 ] Das sind die Dinge, welche die Menschheit heute eigentlich erfahren müßte und die sie nichthören will, weil, wie Sie wissen, von den Dingen, die schwarz sind, behauptet wird, sie sind weiß, und von denen, die weiß sind, sie sind schwarz. Es handelt sich darum, daß jene alte Zeit, von der ich gesprochen habe, eingelaufen ist in den fünften nachatlantischen Zeitraum, in dem sich die Abstraktion allmählich herausgebildet hat. Da, wo die Grenze ist zwischen dem vierten und dem fünften nachatlantischen Zeitraum — Sie können darüber nachlesen in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» —, da nagt man und würgt man, gerade die ehrlichsten Leute nagen und würgen an dem Erkenntniswert, könnte man sagen, des Abstrakten. Lesen Sie nach in meinen «Rätseln der Philosophie», da, wo ich von dem nominalistisch und realistisch gewordenen Mittelalter spreche. Es war die Abstraktheit schon so weit gediehen, daß man sich fragte: Wenn ich einen Begriff habe, bedeutet der noch etwas für die Dinge draußen, oder ist er nur ein Name in meinem Kopfe? — Heute denkt man über diese Dinge nicht mehr nach. Was interessiert das die Leute, daß sich die Menschen gequält haben im Mittelalter, als man die abstraktive Kraft des Denkens gespürt hat, welche Rolle die sogenannten Universalien, die allgemeinen Begriffe in der Welt spielen, daß man würgte daran, welche Rolle die Abstraktionen spielen. Heute denkt man nicht mehr daran, weil man sich an die Abstraktionen schon gewöhnt hat und weil man nicht danach strebt, über das abstrakte Moment hinauszukommen; sondern im Gegenteil, man strebt danach, erst recht in das abstrakte Moment hineinzukommen.
[ 32 ] Der Universalienstreit, der zuletzt die Form angenommen hat, daß man sagte: Die Universalien, die allgemeinen Begriffe, sind zuerst als gewisse Begriffe in Gott: das sind Universalien ante rem; dann sind die Begriffe in den Dingen: Universalien in re; und dann sind die Begriffe in unserem Geiste, in unserer Seele: post rem, Universalien post rem. — Das war ein Auskunftsmittel, um eine Stellung zu gewinnen darüber: Hängt der Mensch denn, indem er denkt, indem er nur noch Begriffe denkt, mit der Wirklichkeit zusammen? Man fühltenoch etwas davon, wie in alten Zeiten der Mensch mit der Wirklichkeit zusammengehangen hat. Wenn er reif geworden ist, da hat er das gewissermaßen überdacht, was er vorher wahrgenommen hat als Kind. Da wußte er: Es ist der wahre Mensch erst in ihn hereingegangen. — An den Universalien, da mußte man würgen, ob man, wenn man denkt, in seinem Denken noch etwas von dem hat, was mit der Wirklichkeit zusammenhängt, oder ob das ganz abgerissen ist von aller Wirklichkeit, ob das gar nichts mehr zu tun hat mit der Wirklichkeit. Seit jener Zeit hat sich dann die Menschheit gewöhnen müssen, die Universalien, die Abstraktionen zu nehmen als Abstraktionen, und ist wirklich mehr oder weniger in ihrem Bewußtsein völlig abgerissen worden von der Wirklichkeit.
[ 32 ] Der Universalienstreit, der zuletzt die Form angenommen hat, daß man sagte: Die Universalien, die allgemeinen Begriffe, sind zuerst als gewisse Begriffe in Gott: das sind Universalien ante rem; dann sind die Begriffe in den Dingen: Universalien in re; und dann sind die Begriffe in unserem Geiste, in unserer Seele: post rem, Universalien post rem. — Das war ein Auskunftsmittel, um eine Stellung zu gewinnen darüber: Hängt der Mensch denn, indem er denkt, indem er nur noch Begriffe denkt, mit der Wirklichkeit zusammen? Man fühltenoch etwas davon, wie in alten Zeiten der Mensch mit der Wirklichkeit zusammengehangen hat. Wenn er reif geworden ist, da hat er das gewissermaßen überdacht, was er vorher wahrgenommen hat als Kind. Da wußte er: Es ist der wahre Mensch erst in ihn hereingegangen. — An den Universalien, da mußte man würgen, ob man, wenn man denkt, in seinem Denken noch etwas von dem hat, was mit der Wirklichkeit zusammenhängt, oder ob das ganz abgerissen ist von aller Wirklichkeit, ob das gar nichts mehr zu tun hat mit der Wirklichkeit. Seit jener Zeit hat sich dann die Menschheit gewöhnen müssen, die Universalien, die Abstraktionen zu nehmen als Abstraktionen, und ist wirklich mehr oder weniger in ihrem Bewußtsein völlig abgerissen worden von der Wirklichkeit.
[ 33 ] Ein solcher Prozeß spielt sich ja im kleinen fortwährend ab. Denken Sie doch nur einmal, ursprünglich sind Worte, die die Repräsentanten sind von Vorstellungen, in unmittelbarer Anlehnung an die Anschauung da: eine kleine Gruppe von kämpfenden Menschen hat Einen an der Spitze; diesen Einen hat sie vor sich, sie nennt ihn den vörsten, den ersten, den försten — Fürsten. Da hat man unmittelbar das mit der Anschauung verknüpft. Später wird das losgerissen von der Anschauung, es wird ein Wort, welches etwas bezeichnet, ohne daß irgendwie noch ein Zusammenhang da ist mit der unmittelbaren Anschauung. Denken Sie, für wie viele Worte das so ist!
[ 33 ] Ein solcher Prozeß spielt sich ja im kleinen fortwährend ab. Denken Sie doch nur einmal, ursprünglich sind Worte, die die Repräsentanten sind von Vorstellungen, in unmittelbarer Anlehnung an die Anschauung da: eine kleine Gruppe von kämpfenden Menschen hat Einen an der Spitze; diesen Einen hat sie vor sich, sie nennt ihn den vörsten, den ersten, den försten — Fürsten. Da hat man unmittelbar das mit der Anschauung verknüpft. Später wird das losgerissen von der Anschauung, es wird ein Wort, welches etwas bezeichnet, ohne daß irgendwie noch ein Zusammenhang da ist mit der unmittelbaren Anschauung. Denken Sie, für wie viele Worte das so ist!
[ 34 ] Und der weitere Weg ist, daß dann gewisse Worte privilegiert werden, daß die Sprache monopolisiert wird, daß die Sprache verstaatlicht wird. Selbst in der Sprache bewegen sich ja gewisse Dinge in dieser Entwickelung. Nicht wahr, nehmen Sie den naiven Tatsachenzusammenhang: Einer hat viel gelernt, ist weise geworden — sagen wir, ohne daß damit etwas Albernes gemeint ist —, er ist ein Gelehrter. Mit dem Tatsachenzusammenhang wird man in einer gewissen naiven Weise sagen, er ist «Doktor»; da hat man den Tatsachenzusammenhang, wenn man den, an dem man die Gelehrsamkeit sieht, Doktor nennt. Dann hat es noch eine gewisse Bedeutung, wenn das dokumentiert wird durch eine anerkennende, durch eine gerade dieses anerkennende Korporation. Aber es verliert die Bedeutung, wenn es monopolisiert wird; jedoch die Menschheit ist heute enthusiasmiert für solche Monopolisierung. Alle möglichen Worte sollen monopolisiert werden. Es soll einer nicht durch sein Genie bloß «Ingenieur» sein, sondern das soll ein weiß Gott woher auch anerkannter Titel werden. Und immer mehr und mehr sollen losgerissen werden die Dinge von ihren Zusammenhängen. Da können Sie im Kleinen den Abstraktionsprozeß sehen, der sich aber im Großen mit unendlicher Bedeutung vollzieht. Eine Familie hat einen Vater; welcher Zusammenhang ist zwischen dem Pater, der der Vater der Familie ist, und dem Pater, der ein Geistlicher ist? Diese Losreißung desjenigen, was im Worte enthalten ist — ich wollte es nur zur Illustration für den Abstrahierungsprozeß in der Menschheit anführen.
[ 34 ] Und der weitere Weg ist, daß dann gewisse Worte privilegiert werden, daß die Sprache monopolisiert wird, daß die Sprache verstaatlicht wird. Selbst in der Sprache bewegen sich ja gewisse Dinge in dieser Entwickelung. Nicht wahr, nehmen Sie den naiven Tatsachenzusammenhang: Einer hat viel gelernt, ist weise geworden — sagen wir, ohne daß damit etwas Albernes gemeint ist —, er ist ein Gelehrter. Mit dem Tatsachenzusammenhang wird man in einer gewissen naiven Weise sagen, er ist «Doktor»; da hat man den Tatsachenzusammenhang, wenn man den, an dem man die Gelehrsamkeit sieht, Doktor nennt. Dann hat es noch eine gewisse Bedeutung, wenn das dokumentiert wird durch eine anerkennende, durch eine gerade dieses anerkennende Korporation. Aber es verliert die Bedeutung, wenn es monopolisiert wird; jedoch die Menschheit ist heute enthusiasmiert für solche Monopolisierung. Alle möglichen Worte sollen monopolisiert werden. Es soll einer nicht durch sein Genie bloß «Ingenieur» sein, sondern das soll ein weiß Gott woher auch anerkannter Titel werden. Und immer mehr und mehr sollen losgerissen werden die Dinge von ihren Zusammenhängen. Da können Sie im Kleinen den Abstraktionsprozeß sehen, der sich aber im Großen mit unendlicher Bedeutung vollzieht. Eine Familie hat einen Vater; welcher Zusammenhang ist zwischen dem Pater, der der Vater der Familie ist, und dem Pater, der ein Geistlicher ist? Diese Losreißung desjenigen, was im Worte enthalten ist — ich wollte es nur zur Illustration für den Abstrahierungsprozeß in der Menschheit anführen.
[ 35 ] Und bei den Begriffen liegt die Sache noch viel ärger als in der Sprache. Bei den Begriffen ist oftmals für den, der die Begriffe braucht, nicht der geringste Zusammenhang noch vorhanden mit der Anschauung. Manchmal suchen die Leute dann die Anschauung, werden komisch in diesem Suchen, furchtbar komisch werden sie in diesem Suchen. Denken Sie doch nur, daß es eine ganze Literatur heute gibt über das Kreuzeszeichen, das ja wirklich ein universales Zeichen ist, in der Welt viel verbreitet ist. Drollig ist dasjenige, was da an Gelehrsamkeit alles aufgewendet wird.
[ 35 ] Und bei den Begriffen liegt die Sache noch viel ärger als in der Sprache. Bei den Begriffen ist oftmals für den, der die Begriffe braucht, nicht der geringste Zusammenhang noch vorhanden mit der Anschauung. Manchmal suchen die Leute dann die Anschauung, werden komisch in diesem Suchen, furchtbar komisch werden sie in diesem Suchen. Denken Sie doch nur, daß es eine ganze Literatur heute gibt über das Kreuzeszeichen, das ja wirklich ein universales Zeichen ist, in der Welt viel verbreitet ist. Drollig ist dasjenige, was da an Gelehrsamkeit alles aufgewendet wird.
[ 36 ] Dieses Zeichen wird zurückgeführt auf dieses
[ 36 ] Dieses Zeichen wird zurückgeführt auf dieses


[ 37 ] Das ehemalige Kreuz soll eigentlich dieses sein.
[ 37 ] Das ehemalige Kreuz soll eigentlich dieses sein.
[ 38 ] Manchmal führt man dann das so zurück, daß man sagt: Es sind nur die Teile zurückgeblieben, als Hakenkreuz und so weiter. — Nun, es ist furchtbar gescheit, was darüber geschrieben worden ist, ganz grenzenlos gescheit, wie überhaupt auf solche Dinge «Gescheitheit» schon verwendet wird. Ich will durchaus nicht diese Dinge in Grund und Boden kritisieren, aber um zu wissen, was wahr ist, reicht die Gescheitheit nicht aus. Man muß selbstverständlich wissen, daß es sich beim Kreuzeszeichen zunächst um nichts anderes handelt, als daß der Mensch sich hinstellt und seine Arme hinstreckt, ausbreitet, und dann ist er das Kreuz. Von oben nach unten geht ein Strom des Daseins, der den Menschen mit dem Makrokosmos verbindet, und durch die ausgestreckten Hände auch. Das Kreuz ist das Zeichen für den Menschen.
[ 38 ] Manchmal führt man dann das so zurück, daß man sagt: Es sind nur die Teile zurückgeblieben, als Hakenkreuz und so weiter. — Nun, es ist furchtbar gescheit, was darüber geschrieben worden ist, ganz grenzenlos gescheit, wie überhaupt auf solche Dinge «Gescheitheit» schon verwendet wird. Ich will durchaus nicht diese Dinge in Grund und Boden kritisieren, aber um zu wissen, was wahr ist, reicht die Gescheitheit nicht aus. Man muß selbstverständlich wissen, daß es sich beim Kreuzeszeichen zunächst um nichts anderes handelt, als daß der Mensch sich hinstellt und seine Arme hinstreckt, ausbreitet, und dann ist er das Kreuz. Von oben nach unten geht ein Strom des Daseins, der den Menschen mit dem Makrokosmos verbindet, und durch die ausgestreckten Hände auch. Das Kreuz ist das Zeichen für den Menschen.


[ 39 ] Wenn Sie von assyrischen Königen Auszeichnungen finden, oder von ägyptischen Königen Auszeichnungen finden, Medaillen zum Beispiel, so sind es Medaillen mit dem Kreuzeszeichen:
[ 39 ] Wenn Sie von assyrischen Königen Auszeichnungen finden, oder von ägyptischen Königen Auszeichnungen finden, Medaillen zum Beispiel, so sind es Medaillen mit dem Kreuzeszeichen:


[ 40 ] Und zwei andere Zeichen — irgendwie das Kreuz an der Medaille, es ist ja eine Auszeichnung, die die alten Könige hatten — wären zum Beispiel diese: Bei dem dritten Zeichen ist nur der Stern gewöhnlich so, daß man das Pentagramm nicht immer gleich darinnen erkennt. Oder es ist auch ein Hexagramm, nun, darauf kommt es jetzt nicht an.
[ 40 ] Und zwei andere Zeichen — irgendwie das Kreuz an der Medaille, es ist ja eine Auszeichnung, die die alten Könige hatten — wären zum Beispiel diese: Bei dem dritten Zeichen ist nur der Stern gewöhnlich so, daß man das Pentagramm nicht immer gleich darinnen erkennt. Oder es ist auch ein Hexagramm, nun, darauf kommt es jetzt nicht an.


[ 41 ] Besonders gescheite Leute haben gesagt: Das ist die Sonne, das ist das Kreuz, das ist der Mond, das ist der Stern. Aber das Tiefere liegt gerade darinnen, daß es der Mensch ist, der Mikrokosmos, der mit Sonne und Mond zusammengestellt wird. Sie sehen an diesem gewöhnlichen Kreuzeszeichen, wie sich der Begriff getrennt hat von der Sache. Die unmittelbare Anschauung ist diese, das Zeichen ist dieses: der Mensch in Kreuzesform. Die Menschen wissen heute die Sache mit dem Zeichen so wenig zu verbinden, daß, wie gesagt, eine unbändig gescheite Literatur existiert, die da sucht, wie denn dieses Zeichen zusammenhänge mit dem, was es ausdrücken will. Und so könnte man über alleralltäglichste Worte ganz gescheite Abhandlungen schreiben, ohne daß man darauf käme, wie diese Dinge, diese Worte, mit den Wirklichkeiten zusammenhängen.
[ 41 ] Besonders gescheite Leute haben gesagt: Das ist die Sonne, das ist das Kreuz, das ist der Mond, das ist der Stern. Aber das Tiefere liegt gerade darinnen, daß es der Mensch ist, der Mikrokosmos, der mit Sonne und Mond zusammengestellt wird. Sie sehen an diesem gewöhnlichen Kreuzeszeichen, wie sich der Begriff getrennt hat von der Sache. Die unmittelbare Anschauung ist diese, das Zeichen ist dieses: der Mensch in Kreuzesform. Die Menschen wissen heute die Sache mit dem Zeichen so wenig zu verbinden, daß, wie gesagt, eine unbändig gescheite Literatur existiert, die da sucht, wie denn dieses Zeichen zusammenhänge mit dem, was es ausdrücken will. Und so könnte man über alleralltäglichste Worte ganz gescheite Abhandlungen schreiben, ohne daß man darauf käme, wie diese Dinge, diese Worte, mit den Wirklichkeiten zusammenhängen.
[ 42 ] Die Menschheit hat müssen die Periode der Abstraktionen durchmachen. Wir wissen ja, wir stehen heute nicht mehr im Zeichen des Widders, in dem die Sonne stand beim Frühlingsaufgang, als der Übergang stattfand von der alten imaginativen Zeit, da Nachwirkungen der imaginativen Zeit noch vorhanden waren im Übergang zum abstrakten Zeitalter. Wir sind eingetreten in das Zeitalter der Fische. Es prägt sich im wesentlichen darinnen aus, daß aus dem Makrokosmos der Mensch die Kraft empfängt zu abstrakten Begriffen. Diese Kraft empfängt der Mensch heute vom Makrokosmos. Aber vorläufig sind die abstrakten Begriffe dasjenige, von dem der Mensch noch nicht weiß, wie er es wiederum zusammenknüpfen soll mit der Wirklichkeit. Es muß wiederum zusammengeknüpft werden mit der Wirklichkeit.
[ 42 ] Die Menschheit hat müssen die Periode der Abstraktionen durchmachen. Wir wissen ja, wir stehen heute nicht mehr im Zeichen des Widders, in dem die Sonne stand beim Frühlingsaufgang, als der Übergang stattfand von der alten imaginativen Zeit, da Nachwirkungen der imaginativen Zeit noch vorhanden waren im Übergang zum abstrakten Zeitalter. Wir sind eingetreten in das Zeitalter der Fische. Es prägt sich im wesentlichen darinnen aus, daß aus dem Makrokosmos der Mensch die Kraft empfängt zu abstrakten Begriffen. Diese Kraft empfängt der Mensch heute vom Makrokosmos. Aber vorläufig sind die abstrakten Begriffe dasjenige, von dem der Mensch noch nicht weiß, wie er es wiederum zusammenknüpfen soll mit der Wirklichkeit. Es muß wiederum zusammengeknüpft werden mit der Wirklichkeit.
[ 43 ] Ich bin davon ausgegangen, daß ich sagte, gewissermaßen muß in diesem fünften nachatlantischen Zeitalter sich wiederholen dasjenige, was im dritten, im ägyptisch-chaldäischen war, wo man zurückschaute auf die alte Osiriszeit, wo die Imaginationen vorhanden waren. Gewissermaßen das Umgekehrte muß stattfinden: der Mensch muß wiederum den Weg finden zu den Imaginationen zurück. Man könnte sagen, wenn auch in anderer Form: Der Osiris muß wieder lebendig werden. — Wir müssen Mittel und Wege finden, den Osiris wiederum zu beleben. In sehr konkreter Form habe ich das in diesen Betrachtungen ausgesprochen, indem ich sagte, wir müssen Formen des Erlebens finden, die den Toten und den Lebenden gemeinschaftlich sind. Der Osiris ist, seit er getötet ist, bei den Toten. Er wird bei den Toten verbleiben, aber er muß wiederum unter die Lebendigen kommen, wenn es Angelegenheiten gibt, die für das soziale Leben der Menschen den Toten und den Lebendigen gemeinschaftlich sind. Das aber führt Sie darauf, daß man für unsere Zeit etwas verstehen muß, das vor allen Dingen zu verstehen notwendig ist: Wie wird Osiris wiederum belebt? Wie kommt Osiris zu neuem Leben? Wie nähert sich der Mensch wiederum dem Erleben im Imaginativen?
[ 43 ] Ich bin davon ausgegangen, daß ich sagte, gewissermaßen muß in diesem fünften nachatlantischen Zeitalter sich wiederholen dasjenige, was im dritten, im ägyptisch-chaldäischen war, wo man zurückschaute auf die alte Osiriszeit, wo die Imaginationen vorhanden waren. Gewissermaßen das Umgekehrte muß stattfinden: der Mensch muß wiederum den Weg finden zu den Imaginationen zurück. Man könnte sagen, wenn auch in anderer Form: Der Osiris muß wieder lebendig werden. — Wir müssen Mittel und Wege finden, den Osiris wiederum zu beleben. In sehr konkreter Form habe ich das in diesen Betrachtungen ausgesprochen, indem ich sagte, wir müssen Formen des Erlebens finden, die den Toten und den Lebenden gemeinschaftlich sind. Der Osiris ist, seit er getötet ist, bei den Toten. Er wird bei den Toten verbleiben, aber er muß wiederum unter die Lebendigen kommen, wenn es Angelegenheiten gibt, die für das soziale Leben der Menschen den Toten und den Lebendigen gemeinschaftlich sind. Das aber führt Sie darauf, daß man für unsere Zeit etwas verstehen muß, das vor allen Dingen zu verstehen notwendig ist: Wie wird Osiris wiederum belebt? Wie kommt Osiris zu neuem Leben? Wie nähert sich der Mensch wiederum dem Erleben im Imaginativen?
[ 44 ] Davon wollen wir dann morgen sprechen: Wie wiederum auferstehen soll das imaginative Bewußtsein, und wie die Auferstehung herbeigeführt werden soll.
[ 44 ] Davon wollen wir dann morgen sprechen: Wie wiederum auferstehen soll das imaginative Bewußtsein, und wie die Auferstehung herbeigeführt werden soll.
