Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180
5 January 1918, Dornach
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Mystery Truths and Christmas Impulses, tr. SOL
Neunter Vortrag
Ninth Lecture
[ 1 ] Es kam mir gestern darauf an, aufmerksam darauf zu machen, daß die besondere Gestaltung solcher Mythologien, wie die Osirismythe, die griechische Mythologie — und in gewissem Sinne, wir werden noch darauf zurückkommen, auch die alttestamentliche Lehre — zusammenhängen mit Änderungen des Bewußtseinszustandes der Menschheit. Wir wissen ja, wie es mit diesem Bewußtseinszustand der Menschheit in seiner Entwickelung sich verhält; wir wissen, daß wir zurückzublicken haben auf frühere Zeiten der Menschheitsentwickelung, in denen altes Hellsehen vorhanden war, das heißt, Wahrnehmbarkeit für übersinnliche Dinge. Zurückblicken mögen wir auf solche Dinge aus dem Grunde, weil diese Rückblicke orientierend sind. Es soll ja wiederum ein auf das Übersinnliche gerichtetes Anschauen der Menschheit errungen werden; es soll errungen werden auf dem Wege durch die Geisteswissenschaft, durch das geisteswissenschaftliche Denken. Was da der einzelne tun kann, gleichgültig an welchem Platz in der Welt er steht, das einzusehen, dazu kann helfen der Wille, sich für das, was werden soll, zu orientieren an dem, was gewesen ist.
[ 1 ] Yesterday, I wanted to draw attention to the fact that the specific form of such mythologies—such as the Osiris myth, Greek mythology, and, in a certain sense (we will return to this later), the teachings of the Old Testament—is connected to changes in the state of consciousness of humanity. We know, of course, how this state of human consciousness has evolved; we know that we must look back to earlier periods of human development in which ancient clairvoyance existed—that is, the ability to perceive supersensible things. We may look back on such things because these retrospectives provide orientation. After all, humanity is to regain a perspective directed toward the supersensible; this is to be achieved through spiritual science, through spiritual-scientific thinking. The will to orient oneself toward what has been in order to understand what the individual can do—regardless of where in the world he or she may be—can help in this regard.
[ 2 ] In gewissem Sinne spielen sich ja die Dinge in den folgenden Zeiten ab in Anknüpfung an Vorgänge früherer Zeiten. Wir blicken zurück von unserem fünften nachatlantischen Zeitraum, in dessen Entwickelung wir drinnenstehen, auf den vierten nachatlantischen Zeitraum, den griechisch-lateinischen, und auf den dritten, den ägyptischen; kommen dabei schon hinein in die Zeit, in der es den Menschen natürlich war, dasjenige, was sie über Weltengeheimnisse sinnen und denken wollten, in gewissen mythischen Bildern, in mythischen Imaginationen zum Ausdruck zu bringen. Wir haben es in anderem Zusammenhange schon erwähnt, daß wir in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum in gewissem Sinne zu wiederholen haben in einer Art umgekehrten Weise dasjenige, was sich im dritten nachatlantischen Zeitraum, in dem ägyptisch-chaldäischen Zeitraum zugetragen hat, so daß das wiederum auf eine andere Weise herauskommt. Die Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» weist ja auch auf solche Dinge hin.
[ 2 ] In a certain sense, the events of subsequent eras unfold as a continuation of processes from earlier times. From our fifth post-Atlantean epoch—the development of which we are currently experiencing—we look back to the fourth post-Atlantean epoch, the Greco-Latin one, and to the third, the Egyptian one; and in doing so we enter the era when it was natural for people to express their reflections and thoughts on the mysteries of the world through certain mythical images and mythical imaginings. We have already mentioned in another context that in our fifth post-Atlantean epoch we must, in a certain sense, repeat—in a sort of reversed manner—what took place in the third post-Atlantean epoch, the Egyptian-Chaldean epoch, so that it emerges once again in a different way. The book *The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity* also points to such things.
[ 3 ] Nun haben wir gestern gesehen, daß in der Zeit der griechisch-lateinischen Entwickelung, in der Zeit, die mit dem 7. oder 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung beginnt, eine Art Zurückschauen der Menschheit vorhanden war. Und eben dieses Zurückschauen auf andere Bewußtseinszustände drückte sich aus in den imaginativen Mythen von den regierenden geistigen Wesenheiten, so wie wir gestern davon gesprochen haben. Die Menschen wußten im vierten nachatlantischen Zeitraum: Wir sehen, wenn wir um uns herum schauen, nur noch das Sinnliche; wir können über das andere denken. Sie wissen allerdings, wenn Sie aufmerksam verfolgt haben dasjenige, was in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» steht, daß in der Griechenzeit und noch viel später die Menschen gewissermaßen, wie noch Goethe es getan hat, die Ideen gesehen haben, daß sie wirklich sagen konnten: Wir sehen sie. — Das ganz abstrakte Denken ist erst in der neueren Zeit gekommen. Aber das war eben ein Sehen der Ideen. Ein Sehen geistiger Wirklichkeiten, ein Leben in geistigen Wirklichkeiten, das war im vierten nachatlantischen Zeitraum in seinem vollen Sinne nicht mehr vorhanden; aber die Leute erinnerten sich, daß es früher vorhanden war. Sie sagten, und zwar sagten sie der Wirklichkeit entsprechend: Es sind Wesen vorhanden, die nicht Menschen sind, die in übersinnlichen Welten wohnen, die haben sich das Leben in den Imaginationen noch erhalten. — Solche Wesen sahen die Griechen in den Wesenheiten des Zeuskreises.
[ 3 ] Now, we saw yesterday that during the period of Greco-Roman development—the period beginning in the 7th or 8th century B.C.—there was a kind of looking back on the part of humanity. And it was precisely this looking back at other states of consciousness that found expression in the imaginative myths of the ruling spiritual beings, as we discussed yesterday. People in the fourth post-Atlantean epoch knew: When we look around us, we see only the sensible world; we can think about the other. However, if you have followed closely what is written in my book *The Riddles of Philosophy*, you know that in Greek times and even much later, people—in a sense, just as Goethe did—saw ideas; they could truly say: “We see them.” — Entirely abstract thinking has only emerged in more recent times. But that was precisely a seeing of ideas. A seeing of spiritual realities, a life within spiritual realities—this was no longer present in its full sense during the fourth post-Atlantean epoch; but people remembered that it had existed in the past. They said—and indeed they spoke in accordance with reality—that there are beings who are not human, who dwell in supersensible worlds, and who have preserved life within their imaginations. — The Greeks saw such beings in the entities of the circle of Zeus.
[ 4 ] Die Ägypter hinwiederum haben sich gesagt: Jene Zeit, in der die Menschen noch unmittelbar mit den Imaginationen lebten, das war die Zeit, in der Osiris auf Erden gewandelt hat. — Sie meinten natürlich nicht einen Osiris, sondern man meinte, daß es überhaupt eine Zeit gab, in der die Menschen auf der Erde in Imaginationen lebten, und diese Artung der Menschenseelen, in Imaginationen leben zu können, die bezeichnete man eben dadurch, daß man sagte: Osiris herrschte auf Erden. Verlorengegangen, getötet worden war dieses Leben in Imaginationen. Osiris ist von seinem Bruder — das heißt von derjenigen Kraft der Menschenseele, die zwar auch noch auf das Übersinnliche geht, aber nicht mehr die imaginativen Fähigkeiten entwickeln will —, von Typhon getötet worden. Es ist nicht mehr das alte Hellsehen vorhanden. Die Kräfte, die im alten Hellsehen tätig waren, sind jetzt bei den Toten. Deshalb ist Osiris der Totenrichter. Der Mensch trifft ihn, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Mit dem Todesgeheimnis zusammen brachten die Menschen, welche die Osirismythe in den Mittelpunkt ihres Denkens stellten, die Gestalt des Osiris und der Isis. Aber es liegt in den Einzelheiten, durch die die Osirismythe ausgestaltet worden ist, all das, was ich so sage, eigentlich drinnen. Es ist auch der Zeitpunkt angegeben, in dem der Sage nach Osiris getötet worden ist von Typhon.
[ 4 ] The Egyptians, for their part, said to themselves: That time when people still lived directly through their imaginations—that was the time when Osiris walked the earth. — Of course, they did not mean a single Osiris, but rather they believed that there had been a time when people on Earth lived in imaginations, and this capacity of human souls to live in imaginations was described precisely by saying: Osiris reigned on Earth. This life in imaginations had been lost, had been destroyed. Osiris was killed by his brother—that is, by that force within the human soul which, although it still reaches toward the supersensible, no longer wishes to develop imaginative faculties—by Typhon. The old clairvoyance no longer exists. The forces that were active in the old clairvoyance are now with the dead. That is why Osiris is the judge of the dead. A person encounters him once they have passed through the gate of death. Along with the mystery of death, the people who placed the Osiris myth at the center of their thinking brought forth the figures of Osiris and Isis. But everything I am saying here is actually contained within the details through which the Osiris myth was elaborated. The legend also specifies the moment when, according to the tale, Osiris was killed by Typhon.
[ 5 ] Und geradeso, wie wir hinweisen konnten auf eine ganz bestimmte Himmelskonstellation, welche die Magier des Morgenlandes kannten als diejenige Konstellation, in der die neue Weltenzeit herankommen solle — wir haben in den Weihnachtsvorträgen darauf hingewiesen, daß an einer gewissen Konstellation der «Jungfrau» die Magier des Morgenlandes erkannt haben, daß sie ihre Opfer dem neuen Weltenheiland darzubringen haben —, so haben auch diejenigen, die an die Osirismythe ihre Gedanken anschlossen, zurückverwiesen auf ganz bestimmte Sternenkonstellationen. Sie haben gesagt: Osiris wurde getötet — sie wollten sagen: Hingeschwunden ist das alte Leben in den Imaginationen —, als die im Herbste untergehende Sonne im siebzehnten Grad des Skorpion stand, und an dem entgegengesetzten Punkte der Vollmond im Stier oder in den Plejaden aufging. Diese Konstellation des im Stier in einem bestimmten Jahrpunkte aufgehenden Vollmondes im Zusammenhange mit der Skorpionstellung der Sonne, diesen Zeitpunkt der Entwickelung haben die Osirisbekenner als denjenigen angegeben, in dem Osiris von der Erde verschwunden ist, das heißt, in dem er nicht mehr da war.
[ 5 ] And just as we were able to point to a very specific celestial constellation, which the magicians of the Orient recognized as the constellation in which the new world era was to dawn —in the Christmas lectures we pointed out that the magicians of the East recognized, based on a certain constellation of “Virgo,” that they were to offer their sacrifices to the new world savior—so too did those who drew inspiration from the Osiris myth refer back to very specific constellations. They said: Osiris was killed—they meant to say: The old life has vanished from the imagination—when the sun, setting in the fall, stood at the seventeenth degree of Scorpio, and at the opposite point the full moon rose in Taurus or in the Pleiades. This constellation—the full moon rising in Taurus at a specific point in a given year in conjunction with the Sun’s position in Scorpio—this moment in the cycle was identified by the followers of Osiris as the time when Osiris disappeared from the earth, that is, when he was no longer there.
[ 6 ] Die Dinge geschehen natürlich so, daß sie Erbschaften hinterlassen. Es gab immer Leute, Nachzügler bis in die letzten Jahrhunderte herein mit imaginativem Hellsehen; aber es handelt sich jetzt darum, darauf hinzuweisen, wann von der Erde verschwunden ist das imaginative Hellsehen als eine normale Eigenschaft der Menschenseele. Und ein Bewußtsein haben die Menschen gehabt davon, daß in jenen Zeiten, in denen auf der Erde imaginatives Hellsehen geherrscht hat, ganz andere Zustände waren, als sie später gewesen sind. Auch darauf wird sehr deutlich in der Osiris-Isismythe hingewiesen. Aber man versteht gerade dieses unter den Erklärern der Osiris-Isismythe heute sehr, sehr wenig.
[ 6 ] Of course, things unfold in such a way that they leave a legacy. There have always been people—even as late as the past few centuries—who possessed imaginative clairvoyance; but the point now is to point out when imaginative clairvoyance ceased to be a normal characteristic of the human soul on Earth. And people have been aware that in those times when imaginative clairvoyance prevailed on Earth, conditions were quite different from what they were later on. This, too, is very clearly indicated in the Osiris-Isis myth. But among those who interpret the Osiris-Isis myth today, very, very little is understood about this very point.
[ 7 ] Nicht wahr, es wird ja erzählt: Als Isis erfuhr, daß ihr Gemahl, der Osiris, getötet worden sei, ging sie auf die Suche nach dem Leichnam. Sie fand diesen zuletzt in Byblos in Phönizien und brachte den Leichnam des Osiris nun von Phönizien zurück nach Ägypten. — In solch einer Mythe ist eine tiefe Weisheit, eine Weisheit der MenschheitsPhysiologie ausgedrückt. Was waren denn da für Zustände während der Osiriszeit? Während der Osiriszeit war noch nicht eine solche Schrift, wie es die spätere Schrift geworden ist. Was während der Osiriszeit in Ägypten herrschte, war Bilderschrift, und die Bilderschrift war etwas Heiliggehaltenes. Diese Bilderschrift, wie war sie denn eigentlich zustande gebracht? Sie war zustande gebracht dadurch, daß man die wichtigsten Zeichen — die wichtigsten Zeichen waren nicht diejenigen, die irdischen Tieren oder irdischen Formen nachgebildet waren — wiederum nach den Sternenkonstellationen bildete, und zwar nach dem, was das hellseherische Auge in den Sternenkonstellationen sah.
[ 7 ] Isn’t that right? The story goes: When Isis learned that her husband, Osiris, had been killed, she set out in search of his body. She finally found it in Byblos in Phoenicia and brought Osiris’s body back from Phoenicia to Egypt. — Such a myth expresses a profound wisdom, a wisdom of human physiology. What were the conditions like during the Age of Osiris? During the Age of Osiris, writing had not yet developed into the form it later took. What prevailed in Egypt during the Age of Osiris was pictographic writing, and pictographic writing was held sacred. How, then, did this pictorial writing actually come about? It came about by modeling the most important signs—the most important signs were not those modeled after earthly animals or earthly forms—on the constellations, specifically on what the clairvoyant eye saw in the constellations.
[ 8 ] Wenn ich aus jetzt Naheliegendem einen Vergleich machen soll, so möchte ich sagen, Sie haben in dem «Traumlied vom Olaf Åsteson» gehört, wie er die Geisterschlange, den Geisterhund, den Geisterstier empfindet. Er schildert, was er an ihnen empfindet. Denken Sie sich solche Bilder, aber noch in viel vollkommenerer Gestalt als Zeichen, so sind solche Zeichen eben abgebildete Imaginationen. Solche Zeichen als die Zeichen der ältesten Schrift wurden heiliggehalten. In solchen Zeichen war die Weltenweisheit für die alten Zeiten enthalten, diese Weltenweisheit, die eben zugleich eine Himmelsweisheit war, indem man in der Sternenschrift die Weltengeheimnisse las so, wie es jetzt die Toten nur noch tun. Die Gabe, eine Schrift zu haben, die eigentlich eine Wiedergabe der Imaginationen ist, war der Menschheit eben nur in einem gewissen Zeitpunkte, in einem gewissen Zeitraume eigen, und schwand. Und die Alten wußten: In der Osiriszeit war diese imaginative Art, zu schreiben, vorhanden. Zugleich mit dem Abtöten des alten Lebens der Welt in Imaginationen ging die alte Bilderschrift dahin, und dasjenige, was die abstrakte Schrift geworden ist, welche nicht mehr Geheimnisse ausdrückt, sondern nach und nach, weil sie eben abstrakt geworden ist, nur dazu dient, Sinnliches auszudrücken, die gewöhnliche, die Buchstabenschrift ist entstanden. So, wie der Osiris angesehen wurde in jenen alten Zeiten als der Heros, als der göttliche Heros der imaginativen Schrift, so ist Typhon, sein Bruder, aber Gegner, der Heros der sich daraus entwickelnden abstrakten Buchstabenschrift.
[ 8 ] If I were to draw a comparison from something that comes to mind right now, I would say that you have heard in the “Dream Song of Olaf Åsteson” how he perceives the spirit serpent, the spirit dog, and the spirit bull. He describes what he feels when he encounters them. Imagine such images, but in a much more perfect form as symbols; such symbols are precisely these depicted imaginations. Such signs, as the signs of the oldest writing, were held sacred. These signs contained the wisdom of the worlds for ancient times—this wisdom of the worlds, which was at the same time a heavenly wisdom, in that the secrets of the worlds were read in the writing of the stars, just as only the dead do now. The gift of having a script that is essentially a reproduction of imaginations was possessed by humanity only at a certain point in time, during a certain period, and then faded away. And the ancients knew: In the Age of Osiris, this imaginative way of writing existed. Along with the demise of the world’s ancient life in imaginations, the old pictographic writing vanished, and what emerged was ordinary alphabetic writing—the abstract form of writing that no longer expresses mysteries but, precisely because it has become abstract, gradually serves only to express the sensory. Just as Osiris was regarded in those ancient times as the hero, the divine hero of imaginative writing, so is Typhon, his brother but adversary, the hero of the abstract alphabetic writing that developed from it.
[ 9 ] Das ist in tiefsinniger Weise auch in der Osiris-Isismythe angedeutet. Nach Phönizien hinüber muß Isis gehen, um den Leichnam, das heißt, die in die Buchstabenschrift verwandelte Bilderschrift zu finden, den Leichnam des Osiris zu finden. In Phönizien ist die Buchstabenschrift, wie man sagt, «erfunden » worden. Von Phönizien zurück nach Ägypten ist wiederum das gekommen, was abstrakte Schrift ist, während die Ägypter in ihren alten Mysterien in der Osiriszeit eine die Imaginationen nachahmende Bilderschrift hatten. Der Übergang also von der alten konkreten Auffassung in der imaginativen Schrift zu der neueren Auffassung in der abstrakten Schrift ist auch in der OsirisIsismythe zum Ausdrucke gekommen.
[ 9 ] This is also hinted at in a profound way in the Osiris-Isis myth. Isis must journey to Phoenicia to find the corpse—that is, the pictographic script transformed into alphabetic writing—to find the corpse of Osiris. Alphabetic writing, as they say, was “invented” in Phoenicia. What returned from Phoenicia to Egypt was abstract writing, whereas the Egyptians, in their ancient mysteries during the Osiris era, had a pictographic script that imitated the imagination. Thus, the transition from the ancient concrete conception in imaginative writing to the newer conception in abstract writing has also found expression in the Osiris-Isis myth.
[ 10 ] Alle diese Dinge leben im Entwickelungsgange der Menschheit. Wir blicken da zurück auf ein altes Erleben in Imaginationen. In den Mythen drückt sich eben wirklich physiologische Weisheit aus. Das Denken ist ja dann zu den Abstraktionen erst allmählich übergegangen, nicht gleich zu den ganz windigen Abstraktionen von heute, sondern noch zu etwas volleren Abstraktionen, etwa im 6., 5. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung, mit Thales, womit man gewöhnlich die Geschichte der Philosophie beginnt. Sie können darüber nachlesen in meinen «Rätseln der Philosophie». Aber Sie sehen daraus, daß die Menschheit zurückzublicken hat auf frühere Entwickelungsepochen mit ganz andern Seelenzuständen.
[ 10 ] All these things are part of the course of human development. We look back there to an ancient experience in the realm of the imagination. Myths truly express physiological wisdom. Thinking only gradually moved on to abstractions—not immediately to the completely vague abstractions of today, but to somewhat more substantial abstractions, for example in the 6th and 5th centuries B.C., with Thales, with whom the history of philosophy is usually said to begin. You can read more about this in my *Riddles of Philosophy*. But you can see from this that humanity must look back on earlier epochs of development characterized by entirely different states of mind.
[ 11 ] Von diesen ganz andern Seelenzuständen wissen allerdings gewisse Brüderschaften der neueren Zeit, allein sie halten — was in der Gegenwart nicht mehr geschehen sollte — diese Dinge noch, ich möchte sagen, unter Schloß und Riegel. Es ist auch von einem gewissen Grade an etwas Gefährliches, von diesen Dingen zu reden. Aber bis zu einem gewissen Grade soll nicht nur, sondern muß heute über diese Dinge gesprochen werden, weil die Kenntnis alter Bewußtseinszustände der Menschheit eben orientierend ist für dasjenige, was sich als Neues entwickeln soll. Haben wir in uns die Gedanken von dem, was einmal da war, so kann uns das dienen, um die notwendigen, allerdings ganz andersartigen neueren Entwickelungszustände zu fördern.
[ 11 ] Certain modern brotherhoods are indeed aware of these entirely different states of consciousness, but they still keep these things—which should no longer be the case today—I might say, under lock and key. To a certain extent, it is also somewhat dangerous to speak of these things. But to a certain extent, these things not only should but must be discussed today, because knowledge of humanity’s ancient states of consciousness serves as a guide for what is to develop as something new. If we carry within us the ideas of what once was, this can help us foster the necessary—albeit entirely different—new stages of development.
[ 12 ] Sie erleben heute an Knaben, die sich entwickeln, im Reifezeitalter die Stimmänderung. Es ist ja das Lei den Knaben der Ausdruck eines Vorganges im Organismus, der in anderer Weise beim weiblichen Geschlechte vor sich geht, und der scheinbar, weil er sich beim weiblichen Geschlechte mehr auf das unmittelbar Physische erstreckt, scheinbar beim weiblichen Geschlechte mehr in das Menschenwesen eingreift. Es ist aber nicht wahr. Der Eingriff ist bei den Knaben, wenn er auch auf einem gewissermaßen andern Boden liegt, geradeso stark, wenn er auch äußerlich physisch nur zum Ausdrucke kommt in der Stimmänderung.
[ 12 ] Today, we observe boys undergoing puberty experience a change in their voices. This is, after all, for boys the expression of a process in the organism that takes place differently in females, and which—because it extends more to the immediate physical realm in females—seems to interfere more deeply with the human being in females. But this is not true. The impact on boys—even if it is based on a somewhat different foundation—is just as strong, even if it is expressed outwardly and physically only through the change in voice.
[ 13 ] Dieses Reifwerden des Menschen, das ist heute — man kann sagen, seit den Zeiten, da Osiris tot ist für die äußere Welt — fast ein physischer Vorgang. Es war nicht bloß ein physischer Vorgang damals, als Osiris lebte. Nein, es war ein seelischer Vorgang. Der Knabe erlebte im vierzehnten, fünfzehnten Jahre — Sie wissen, wir haben ja schon von andern Erlebnissen gesprochen in dieser Reifezeit —, er erlebte nicht nur, daß seine Stimme sich änderte, sondern dasjenige, was heute nur in die Stimmlage hineingeht, wenn wir so sagen dürfen, was sich in die Stimmlage hineindehnt aus den sexuellen Essenzen des Organismus. Nicht wahr, wir müssen ja auf solche Dinge der Wahrheit gemäß hindeuten: es wird einfach der Stimmapparat durchzogen von den Sexualessenzen des Organismus; was sich da heute nurmehr in die Stimmlage hineinpreßt, das preßte sich in jenen alten Zeiten auch in die Gedanken, in die Vorstellungswelt des Jünglings hinein. Heute mutiert die Stimme; dazumal mutierten auch die Gedanken, weil ja noch die alte imaginative Zeit da war. In dieser Zeit hatte der kindliche Knabe vor dem Reifwerden gewisse Imaginationen. Heute sind nur spärliche Reste, aber spärliche Reste fast bei allen Kindern in zartem Alter vorhanden. Man gibt nur nicht acht darauf oder redet sie den Kindern aus als törichtes Zeug, aber in alten Zeiten war das ganz lebendig, und jeder Mensch wußte, daß das Kind so bis zum neunten, zehnten Jahre hin Imaginationen hat, Imaginationen von geistigen Vorgängen der Luft.
[ 13 ] This process of human maturation is today—one might say, ever since the time when Osiris died to the outer world—almost a physical process. It was not merely a physical process back when Osiris was alive. No, it was a spiritual process. In his fourteenth or fifteenth year—as you know, we have already spoken of other experiences during this period of maturation—the boy experienced not only a change in his voice, but also that which today, so to speak, enters into the pitch of the voice—that which expands into the pitch of the voice from the sexual essences of the organism. Isn’t it true that we must point out such things in accordance with the truth: the vocal apparatus is simply permeated by the sexual essences of the organism; what today is pressed only into the pitch of the voice was, in those bygone days, also pressed into the thoughts, into the imaginative world of the young man. Today the voice is changing; back then, thoughts were changing as well, because the old age of imagination was still with us. In those days, the young boy had certain imaginative visions before reaching maturity. Today, only sparse remnants remain—but these sparse remnants are present in almost all children at a tender age. People simply do not pay attention to them or dismiss them as childish nonsense, but in ancient times this was very much alive, and everyone knew that children have such imaginations until the age of nine or ten—imaginations of spiritual processes in the air.
[ 14 ] In der Luft gehen fortwährend geistige Vorgänge um uns herum vor sich. Die Luft ist nicht nur dasjenige, was die physische Wissenschaft beschreibt, sondern es gehen geistige Vorgänge vor sich. Diese geistigen Vorgänge, wesentlich also Vorgänge der ätherischen Welt, nahmen die Kinder in vollen Imaginationen wahr bis zum Reifealter. Und wenn das Reifealter eintrat, nicht nur für die Stimme, sondern für das Vorstellungsleben, so fühlte der Mensch etwas in sich — es war allerdings dasjenige, was aufschoß aus den Kräften, die man gewöhnlich physiologisch die Sexualkräfte nennt, — es fühlte der Mensch in sich etwas, von dem er sagte: Was ich als Kind gesehen habe durch die Imaginationen im Luftraume, das lebt jetzt in mir auf, das ist Anschauung, das lebt in mir. — Das ging vor. Der Mensch wurde sich bewußt, daß er aus dem Luftraume etwas in sich aufgenommen hat. Vorher hat er es draußen gesehen, jetzt spürt er es in sich selber.
[ 14 ] Spiritual processes are constantly taking place around us in the air. The air is not merely what physical science describes; spiritual processes are also taking place there. These spiritual processes—which are essentially processes of the etheric world—were perceived by children through vivid imaginations until they reached maturity. And when the age of maturity set in—not only for the voice, but also for the life of the imagination—the person felt something within themselves—it was, of course, that which sprang from the forces commonly referred to physiologically as the sexual forces—the person felt something within themselves about which they said: “What I saw as a child through my imaginations in the air—that is now coming to life within me; that is intuition; that lives within me.”—That is what happened. The person became aware that they had taken something from the air into themselves. Before, they had seen it outside; now they feel it within themselves.
[ 15 ] Bei weiblichen Wesen war es so in diesen alten Zeiten, daß sie vor der Reifezeit auch in Imaginationen wahrnahmen dasjenige, was im Luftraume draußen war. Aber nach der Reifezeit war dasjenige, was bei den Knaben bloß in dem Spüren einer Änderung des Vorstellungslebens auftauchte, nun wie ein Aufsteigen sogar noch innerer Imaginationen: Menschenbild war es, was das weibliche Wesen in sich immer wieder und wiederum imaginativ wahrnahm. Und da sagte es sich wiederum: Was ich jetzt imaginativ wahrnehme, ist dasselbe, was ich als Kind vor der Reife draußen im Weltenraume als imaginative Bilder erlebt habe. — Beide Geschlechter, nur in verschiedener Weise, erlebten es, daß sie eigentlich wußten, seelisch wußten: In mir wird etwas geboren, was der Weltenraum in mir befruchtet hat.
[ 15 ] In those ancient times, it was the case with female beings that, even before reaching maturity, they perceived—even in their imaginations—what was present in the air outside. But after puberty, what appeared in boys merely as a sense of a change in their imaginative life now took the form of an ascent of even more inner imaginings: it was the image of a human being that the female being perceived imaginatively within herself again and again. And then she said to herself once more: What I now perceive imaginatively is the same thing that I experienced as a child before puberty, out in the world, as imaginative images. — Both sexes, though in different ways, experienced that they actually knew—knew in their souls—that something was being born within them that the world had fertilized within them.
[ 16 ] Da haben Sie eine noch konkretere Gestalt der Osiris-Isismythe: Es ist die Weltenweisheit, insofern sie aus dem Luftraume gewonnen wird, aber in organischem Zusammenhang ist mit dem Menschen, den tieferen Schichten des Menschengeistes. Sie können eine Vorstellung davon bekommen, wenn Sie es in der folgenden Weise versuchen. Heute denkt der Mensch in abstrakter Weise, indem er durch seinen Kopf dasjenige wissen will, was es in der Welt an Gesetzmäßigkeiten und so weiter gibt. In diesen alten Zeiten war man sich klar: Auf diese Weise, bloß durch den Kopf allein, kann man nicht wissen, sondern man weiß durch den ganzen Menschen. — Man weiß dasjenige, was im Luftraume draußen vorgeht, ätherisch vorgeht, dadurch, daß man es vorher gewissermaßen wahrgenommen hat draußen und nach der Reifezeit innerlich vorstellt oder erfühlt.
[ 16 ] Here you have an even more concrete manifestation of the Osiris-Isis myth: it is the wisdom of the world, insofar as it is derived from the airspace, yet is organically connected to the human being, to the deeper layers of the human spirit. You can get an idea of this if you try to think of it in the following way. Today, people think in an abstract way, seeking through their minds to know the laws and such that exist in the world. In those ancient times, people were clear on this: one cannot know in this way—merely through the mind alone—but rather one knows through the whole human being. — One knows what is happening out there in the air, what is taking place on the etheric plane, by having, as it were, first perceived it out there and then, after a period of maturation, imagining or sensing it inwardly.
[ 17 ] Wie nehmen Sie denn heute wahr mit dem abstrakten Wahrnehmen, das Sie haben? Sie gehen an etwas heran, was Sie mit den Sinnen sehen; dann denken Sie nach darüber. Das geschieht rasch hintereinander. Mit denjenigen Geheimnissen, durch die der Mensch in alten Zeiten eindrang in die Luftgesetzmäßigkeit, die in Imaginationen vorhanden war, da ging es anders. Als Kind, bis zum Reifezeitalter, nahm er wahr. Da nahm er nur wahr, nachher verarbeitete er das innerlich. Es ist nur, ich möchte sagen, ein in der Zeit verbreiteter Wahrnehmungs- und Denkprozeß. Während es heute in die Willkür des Menschen gestellt ist, abstrakt anzuschauen und abstrakt nachzudenken, vorzustellen, war über das menschliche Leben verbreitet das, was wir jetzt zusammendrängen in ein paar Augenblicke mit Bezug auf die äußere physische Welt. Wahrnehmen, Vorstellen, das war etwas, was der Mensch in seinem Verhältnisse zur Welt ausgebreitet dachte über das ganze Menschenleben zwischen Geburt und Tod. Bis zum Reifezeitalter nahm er gewisse Dinge wahr, nachher verarbeitete er sie. Solch eine Zeit gab es.
[ 17 ] How, then, do you perceive things today with the abstract perception you possess? You approach something you see with your senses; then you reflect on it. This happens in rapid succession. It was different with those mysteries through which people in ancient times penetrated the laws of the air, which were present in imaginations. As a child, up to the age of maturity, they perceived. At that time, they simply perceived; afterward, they processed it inwardly. It is, I would say, simply a process of perception and thought spread out over time. Whereas today it is left to human discretion to view things abstractly, to think abstractly, and to imagine, what we now condense into a few moments in relation to the external physical world was once spread out over the course of human life. Perception and imagination were something that human beings, in their relationship to the world, thought of as extending over the entire span of human life between birth and death. Until reaching maturity, they perceived certain things; afterward, they processed them. Such a time did exist.
[ 18 ] Nun denken Sie doch, die Leute haben sich gesagt: Dieses Wahrnehmen und Denken darüber, das hängt in einer gewissen Weise zusammen mit dem Tag, mit der auf- und untergehenden Sonne. — Mit der aufgehenden Sonne, da erwacht man, steht auf, beginnt wahrzunehmen und zu denken; mit der untergehenden Sonne hört es auf, weil man sich schlafen legt. Mit einem Tag brachten also die Leute das Wahrnehmen und Denken in Zusammenhang; mit weiter ausgedehnten Weltenvorgängen am Himmel brachten sie das in Zusammenhang, was über das ganze Leben zwischen Geburt und Tod ausgebreitet war. Wie es von der Sonne abhängt, von dem ganz gewöhnlichen Auf- und Niedergang der Sonne, daß ich wahrnehmen’ und denken kann, so hängt es von größeren, ausgedehnteren Sternenkonstellationen ab, die nach Jahrhunderten, nach Jahrtausenden eintreten, was der Mensch an Wahrnehmen und Denken entwickelt auf die Art, wie ich das geschildert habe. Und wie man in jenen alten Zeiten in Zusammenhang brachte das gewöhnliche sinnliche Wahrnehmen und Vorstellen mit dem Tag, mit dem Sonnenauf- und -untergang — was ja der heutige Mensch auch tut, wenn er auch nicht mehr daran denkt, wenn er auch glaubt, er richte sich nur nach der Uhr —, so brachte man dasjenige, was mit den weiterumfassenden Weltengeheimnissen zusammenhängt, in Zusammenhang mit den andern Sternenkonstellationen, mit den andern Vorgängen am Himmel.
[ 18 ] Just think about it: people must have said to themselves, “This perception and thinking are, in a certain way, connected to the day, to the rising and setting of the sun.” — With the rising sun, one awakens, gets up, and begins to perceive and think; with the setting sun, it stops because one goes to sleep. So people associated perception and thinking with a single day; they associated what spanned the entire life between birth and death with broader, more extensive cosmic processes in the heavens. Just as my ability to perceive and think depends on the sun—on the very ordinary rising and setting of the sun—so too does the development of human perception and thought, in the manner I have described, depend on larger, more extensive constellations of stars that occur over the course of centuries and millennia. And just as people in those ancient times linked ordinary sensory perception and imagination to the day, to sunrise and sunset—which is, after all, what people today do as well, even if they no longer think about it, even if they believe they are guided solely by the clock—so too did people associate what pertains to the broader mysteries of the world with the other constellations, with the other phenomena in the sky.
[ 19 ] Sie sehen, eine tiefe Logik, eine tiefe Weisheit liegt in diesen Dingen. Mit Oberflächlichkeiten, wie die von Dupuis sind, kommt man den Dingen nicht bei. Aber noch etwas anderes ist damit verbunden. Sie sehen, alle diese alten Völker — und wir könnten außer den Ägyptern und Griechen noch andere aufzählen —, alle diese alten Völker wußten, daß mit mehr nach innen gelegenen Kräften der menschlichen Natur zusammenhängt dasjenige, was die Vorgänge am Himmel, die Sternenkonstellationen ausdrücken. Jene Verdorbenheit des Menschen, die sich ausdrückt in der modernen Stellung zum Sexualproblem, und jene größte Verdorbenheit, die sich in der allermodernsten Stellung zum Sexualproblem ausdrückt, von der kannten die Alten in den Zeiten, von denen man sprechen muß, wenn man diese Dinge bespricht, noch nichts. Für sie war es noch etwas ganz anderes, wenn sie die Empfindung hatten: die sexuellen Essenzen sind es, die sich in den Menschen ergießen, wenn er die Stimme und damit auch die Gedanken mutiert, oder wenn das andere eintritt, wovon ich gesprochen habe. Daß das Göttliche da zu gleicher Zeit sich im Menschen ausbreitet, das war die Überzeugung der Alten. Daher dasjenige, was man heute in einem verdorbenen Sinne nur ansieht, das bei allen alten religiösen Riten sich findet: die sexuellen Symbole, die sogenannten sexuellen Symbole, die also hindeuteten auf diesen Zusammenhang; wir können ihn nennen den Zusammenhang zwischen Luft und Luftvorgängen und demjenigen, was im Menschen an Erkenntnisprozessen während des ganzen Menschenlebens zwischen Geburt und Tod sich abspielt.
[ 19 ] You see, there is a profound logic, a profound wisdom in these things. Superficial approaches, such as those of Dupuis, do not get to the heart of the matter. But there is something else connected with this as well. You see, all these ancient peoples—and we could name others besides the Egyptians and Greeks—all these ancient peoples knew that what the celestial phenomena and the constellations express is connected with the more inward forces of human nature. That depravity in human beings, which is expressed in the modern attitude toward the sexual problem, and that greatest depravity, which is expressed in the most modern attitude toward the sexual problem—the ancients, in the times we must speak of when discussing these matters, knew nothing of these things. For them, it was still something entirely different when they had the sense that it is the sexual essences that pour into a person when he transforms his voice—and with it his thoughts—or when that other thing occurs of which I have spoken. The ancients were convinced that the divine spreads within the human being at the very same time. Hence what is today viewed only in a perverted sense—and which is found in all ancient religious rites—the sexual symbols, the so-called sexual symbols, which thus pointed to this connection; we can call it the connection between air and air processes and that which takes place within the human being in terms of cognitive processes throughout the entire human life between birth and death.
[ 20 ] Durch mein Auge, durch mein Ohr — so sagten sich diese Leute — hänge ich zusammen mit dem, was der Tag bringt. Durch tiefere, nach innen gelegene Kräfte des Menschen hänge ich zusammen mit ganz anderem, was die Geheimnisse der Luft sind, die aber nur wahrgenommen werden im imaginativen Erleben. Und dieses imaginative Erleben in seiner konkreten Gestalt, das habe ich Ihnen für diese alten Zeiten geschildert.
[ 20 ] Through my eye, through my ear—so these people told themselves—I am connected to what the day brings. Through deeper, inner forces of the human being, I am connected to something entirely different—the mysteries of the air—which, however, can only be perceived through imaginative experience. And this imaginative experience in its concrete form is what I have described to you regarding those ancient times.
[ 21 ] Die alttestamentliche Anschauung änderte dann an der Sache insofern, als sie an die Stelle der Erfahrung die Lehre setzte, die religiöse Lehre. Der Ägypter der alten Osiriszeit, namentlich der älteren Osiriszeit, sagte: Es ist erst der wahre Mensch, der mit der Reife in mich herein kommt, indem ich aufnehme dasjenige, was ich vorher in Imaginationen gesehen habe. Die Luft übergibt mir den wahren Menschen. — In der alttestamentlichen Lehre wurde dann das zu der Anschauung umgewandelt: Die Elohim oder Jahve haben den lebendigen Odem, die Luft eingeblasen den Menschen. — Da wurde herausgehoben die Essenz aus der unmittelbar lebendigen Erfahrung und wurde zur Lehre, zur Theorie. Das war notwendig, weil nur dadurch die Menschheit geführt werden konnte, und das ist ja der Sinn des Alten Testaments, von jenem Zusammenleben mit der Außenwelt, das noch ein inniges Band hatte zwischen dem Mikrokosmos, dem Menschen, und dem Makrokosmos, der äußeren Welt, zu ihrer weiteren Entwickelung — doch darüber werde ich noch sprechen —, weil es notwendig war, als dieses Band allmählich hinschwand, gerade zu einer solchen Lehre zu greifen, wie es die alttestamentliche war.
[ 21 ] The Old Testament perspective then changed the matter insofar as it replaced experience with doctrine—religious doctrine. The Egyptians of the ancient Osiris era, particularly the earlier Osiris era, said: Only the true human being enters into me with maturity, as I take in that which I had previously seen in imaginations. The air delivers the true human being to me. — In Old Testament teaching, this was then transformed into the following view: The Elohim or Yahweh breathed the living breath, the air, into human beings. — Thus, the essence was extracted from immediate living experience and became doctrine, became theory. This was necessary because only in this way could humanity be guided, and that is, after all, the meaning of the Old Testament—that coexistence with the external world, which still maintained an intimate bond between the microcosm, the human being, and the macrocosm, the external world, for its further development—but I will speak more about that later—because, as this bond gradually faded, it became necessary to resort precisely to a doctrine such as that of the Old Testament.


[ 22 ] Nun kam aber die Zeit des Todes des Osiris, damit aber auch die Zeit, in der gewissermaßen, während das eine feiner wurde, das andere gröber wurde. Wie ist das zu verstehen? Nun, Sie können sich es so vorstellen: Wenn wir in die alte Osiriszeit zurückgehen, so sah oder erkannte vor der Reifezeit der Mensch in der äußeren Luft drinnen die Lichtimaginationen (siehe Zeichnung), wenn ich für die eine Art sprechen soll. Er sah also in seiner Umgebung in der Luft die Lichtimaginationen bis zu seinem Reifealter. Nachher hatte er das Gefühl, das wäre in ihn hineingegangen; und die Veränderungen waren vor sich gegangen, von denen wir gesprochen haben. Die Luft war überall von Lichterscheinungen erfüllt für das Kind. Für den erwachsenen Menschen, für den reif gewordenen Menschen war zwar nur noch die Luft da, aber er wußte: Als Kind habe ich gesehen, daß da noch etwas anderes drinnen ist. — Er wußte: Die Luft ist zu gleicher Zeit Lichtgebärerin. Er wußte: Es ist nicht wahr, wenn ich da in die Luft hinausschaue, daß da nichts drinnen ist als dasjenige, was das Physische zeigt, sondern da leben Wesen drinnen, die in der Imagination wahrzunehmen sind.
[ 22 ] But then came the time of Osiris’s death, and with it the time when, so to speak, as one aspect became more subtle, the other became coarser. How is this to be understood? Well, you can imagine it this way: If we go back to the ancient time of Osiris, before reaching maturity, human beings saw or perceived the light imaginations within the outer air (see drawing)—to speak of one kind. So they saw the light imaginations in the air around them until they reached maturity. Afterward, they had the feeling that this had entered into them; and the changes we have spoken of had taken place. For the child, the air was filled everywhere with light phenomena. For the adult, for the person who had reached maturity, only the air remained, but they knew: As a child, I saw that there was something else in there. — He knew: The air is at the same time a bearer of light. He knew: It is not true that when I look out into the air, there is nothing there but what the physical world reveals; rather, there are beings living within it that can be perceived in the imagination.
[ 23 ] Diese Wesen sind für die Griechen die Wesen des Zeuskreises. Das wußte also der Mensch, daß da Wesen drinnen sind in der Luft. Aber all das, daß die menschlichen Bewußtseinszustände geändert wurden, all das hängt ja damit zusammen, daß im Feineren auch die objektiven Dinge anders wurden. Natürlich ist es für den heutigen gescheiten Menschen ein Greuel, wenn man so etwas sagt. Ich weiß, daß es ein Greuel ist, aber wahr ist es deshalb doch: Es ist die Luft anders geworden; natürlich nicht anders geworden so, daß man dieses Anderssein mit den chemischen Reagenzien prüfen kann; aber es ist die Luft doch anders geworden. Die Luft hat jene Stärke verloren, auszudrücken die Lichtimaginationen. Die Luft ist, man könnte sagen, gröber geworden.
[ 23 ] For the Greeks, these beings are the beings of the circle of Zeus. So people knew that there were beings in the air. But all of this—the fact that states of human consciousness were altered—is connected to the fact that, on a subtler level, objective things also changed. Of course, for today’s intelligent person, it is an abomination to say such a thing. I know it is an abomination, but that does not make it any less true: the air has changed; of course, not in a way that can be tested with chemical reagents; but the air has indeed changed. The air has lost that power to express the light imaginations. The air has, one might say, become coarser.
[ 24 ] Es ist in der Tat auf der Erde anders geworden seit jener alten Zeit. Es ist die Luft gröber geworden. Aber nicht nur die Luft ist gröber geworden, sondern der Mensch ist selber gröber geworden. Dasjenige, was früher spirituell lebte in den Essenzen, von denen ich gesprochen habe, daß sie seinen Kehlkopf und seinen sonstigen Organismus durchdrangen, das ist auch gröber geworden. So daß in der Tat, wenn man heute spricht von den Sexualessenzen, man von etwas anderem spricht, als wovon man zu sprechen hatte in jenen alten Zeiten. Jener alte Mensch wußte: Die Tagesanschauung, die hängt mit meinem persönlichen Menschen zusammen; das andere, das ich aus dem Luftkreise erfahre, mit meinem ganzen Leben erfahre, das hängt aber mit der Menschheit als solcher zusammen, das geht über den einzelnen Menschen hinaus. — Daher suchte der Mensch auch die sozialen Geheimnisse, unter denen die Menschen zusammenleben, durch das Band zu ergründen, das ihn mit dem Makrokosmos verband, suchte die soziale Weisheit durch die Sternenweisheit. Aber was da in ihm lebte als soziale Weisheit, das verband ihn eben mit dem Himmlischen. Es drückte sich das ja in den gewöhnlichsten Anschauungen aus. Ein Menschenpaar wird in alten Zeiten nie anders empfunden haben, bevor Osiris tot war, als daß sie ein Kind vom Himmel her bekommen haben. Das war ein lebendiges Bewußtsein, entspricht auch der Wahrheit. Und dieses lebendige Bewußtsein konnte sich ja entwickeln, weil der Mensch wußte, er nimmt aus dem Luftraume dasjenige auf, was er ja selbst erfuhr.
[ 24 ] Things have indeed changed on Earth since those ancient times. The air has become coarser. But it is not only the air that has become coarser; human beings themselves have become coarser. That which formerly lived spiritually in the essences—which, as I have said, permeated the larynx and the rest of the organism—has also become coarser. So that, in fact, when we speak today of the sexual essences, we are speaking of something different from what was meant in those ancient times. That ancient human being knew: My perception of the day is connected to my personal being; but the other aspect—which I experience from the sphere of the air, which I experience through my entire life—is connected to humanity as such; it transcends the individual human being. — That is why people also sought to fathom the social mysteries governing human coexistence through the bond that connected them to the macrocosm; they sought social wisdom through stellar wisdom. But what lived within them as social wisdom was precisely what connected them to the heavenly realm. This was expressed even in the most ordinary views. In ancient times, before Osiris died, a couple would never have perceived their conception of a child any differently than as having received a child from heaven. This was a living consciousness, and it also corresponds to the truth. And this living consciousness was able to develop because human beings knew that they were receiving from the airspace that which they themselves had experienced.
[ 25 ] Von alldem ist, man möchte sagen, der grobe Bodensatz zurückgeblieben. So wie in der Luft der grobe Bodensatz zurückgeblieben ist von jener Luftkräftigkeit, die sich in früheren Zeiten in Imaginationen dem Menschen geoffenbart hat, so ist im Menschen selber der Bodensatz zurückgeblieben. Das mußte so kommen, weil sonst die Menschen nicht zur Freiheit und zum vollen Bewußtsein ihres Ichs hätten kommen können. Aber es ist der Bodensatz zurückgeblieben. Dadurch ist aber auch alles, was die Alten gemeint haben mit dem Göttlichen, das sie auf jenem Umwege, wie Sie sich jetzt leicht vorstellen können, mit den sexuellen Essenzen in Zusammenhang brachten, dadurch ist das vergröbert worden, vergröbert nicht nur im Anschauen, sondern auch im Erleben. Aber da ist es ja trotzdem; selbstverständlich ist es nicht nur auf die eine Weise da, sondern auch auf die andere Weise. Die Fortpflanzung der Menschheit war in den alten Zeiten so, daß sie unmittelbar im Zusammenhang gedacht worden ist mit dem mikro-makrokosmischen Band der Menschheit, wie Sie gesehen haben. Aber das ganze Zusammenleben der Menschen auf Erden wurde ja auch im Zusammenhange gedacht mit diesem makro-mikrokosmischen Bande. Numa Pompilius ist zur Nymphe Egeria gegangen, um von ihr Aufschlüsse zu erhalten, wie er die Verhältnisse, die sozialen Verhältnisse im Römerreiche einrichten solle. Das heißt aber nichts anderes als: er hat sich die Sternenweisheit mitteilen lassen, hat sich mitteilen lassen, was die Sterne sagen darüber, wie man die sozialen Verhältnisse einrichten soll. Das, was Menschen auf Erden fortpflanzen, was mit der Generationenfolge zusammenhängt, das sollte in den Dienst gestellt werden desjenigen, was die Sterne sagen. Wie der einzelne Mensch sich nach Auf- und Untergang der Sonne mit seinem gewöhnlichen Wahrnehmen und Denken richtet, so sollte dasjenige, was später «Staaten» geworden sind, also Menschheitszusammenhänge, unter die Sternenkonstellationen als Ausdruck für die Weltenverhältnisse gestellt werden.
[ 25 ] One might say that the coarse dregs of all this have remained. Just as the coarse dregs of that vital force—which in earlier times revealed itself to human beings through imaginations—have remained in the air, so too have the dregs remained within human beings themselves. This was inevitable, for otherwise human beings could not have attained freedom and full consciousness of their “I.” But the dregs have remained. As a result, everything the ancients meant by the divine—which, as you can now easily imagine, they associated in a roundabout way with sexual essences—has been coarsened; coarsened not only in perception but also in experience. But it is still there, of course; it exists not only in one way but also in the other. In ancient times, human procreation was conceived as being directly connected to the micro-macrocosmic bond of humanity, as you have seen. But the entire coexistence of human beings on Earth was also conceived in connection with this macro-microcosmic bond. Numa Pompilius went to the nymph Egeria to seek her guidance on how he should organize social conditions in the Roman Empire. But this means nothing other than that he had the wisdom of the stars revealed to him—he was told what the stars say about how social conditions should be organized. What human beings on Earth perpetuate—that which is connected to the succession of generations—should be placed at the service of what the stars say. Just as the individual human being aligns his or her ordinary perception and thinking with the rising and setting of the sun, so too should what later became “states”—that is, human communities—be placed under the constellations as an expression of world conditions.
[ 26 ] Wir haben in unserer Sprache — es erinnern die Sprachen oftmals an alte Zusammenhänge — richtig erinnernd noch an diesen Zusammenhang die Tatsache, daß bezeichnet wird das Verhältnis des Männlichen und Weiblichen als «Geschlecht», aber auch aufeinanderfolgende Generationen als «Geschlechter». Es ist ein und dasselbe Wort: das «Geschlecht», die zusammengehörige Familie, das Blutsverwandte, und dasjenige, was Verhältnis des Männlichen und Weiblichen ist. Und so ist es auch in andern Sprachen, daß alles darauf hinweist, wie der Mensch suchte für dasjenige, was in seiner Natur, ich möchte sagen, in den tieferen Schichten seines Wesens liegt, einen Erkenntniszusammenhang mit dem Makrokosmos.
[ 26 ] In our language—languages often remind us of ancient connections—we still correctly recall this connection in the fact that the relationship between the masculine and the feminine is referred to as “Geschlecht,” but successive generations are also referred to as “Geschlechter.” It is one and the same word: “Geschlecht”—the family that belongs together, those related by blood, and that which is the relationship between the masculine and the feminine. And so it is in other languages as well, where everything points to how human beings sought, for that which lies in their nature—I would say, in the deeper layers of their being—a cognitive connection with the macrocosm.
[ 27 ] Diese Dinge haben sich vergröbert nach der Seite hin, die wir besprochen haben. Zurückgeblieben ist unter anderem auch das begierden- und gefühlsmäßige Hängen am Nationalen. Das Hängen am Nationalen, das chauvinistische Drängen zum Nationalen, das ist der zurückgebliebene Rest desjenigen, was in alten Zeiten eben in ganz andern Verhältnissen gedacht werden konnte. Aber nur, wenn man diese Dinge durchschaut, dann weiß man auch die Wahrheit in solchen Dingen. Was drückt sich aus in dem nationalen Pathos? Wenn der Mensch nationales Pathos besonders entwickelt, was lebt in diesem nationalen Pathos, diesem nationalen Erfühlen, was lebt darinnen? Genau dasselbe, was im Sexuellen lebt, nur im Sexuellen auf andere Weise, im nationalen Pathos wiederum auf andere Weise. Es ist der sexuelle Mensch, der sich auslebt durch diese zwei verschiedenen Pole. Chauvinistisch sein, könnte man sagen, ist nichts anderes als gruppenmäßig Sexualität entwickeln. Man könnte sagen, wo die sexuellen Essenzen, in dem, was sie zurückgelassen haben, die Menschen mehr ergreifen, da ist mehr nationaler Chauvinismus vorhanden; denn es ist dieselbe Kraft, die in der Fortpflanzung liegt, die auch im nationalen Pathos sich äußert. Daher ist der Schlachtruf von der sogenannten «Freiheit der Völker oder der Nationen » etwas, was durchaus richtig erst betrachtet wird in seinen intimeren Zusammenhängen, wenn man — aber mit vornehmem Sinn selbstverständlich — sagen würde: Der Ruf nach Wiederherstellung des Nationalen im Lichte eines sexuellen Problems. — Daß das sexuelle Problem in einer ganz besonderen Form heute über die Erde hin verkündet wird, ohne daß die Leute eine Ahnung haben, wie aus ihrem Unterbewußtsein das Sexuelle in die Worte sich kleidet «Freiheit der Völker », das ist dasjenige, was mit als ein Geheimnis der Zeitimpulse angesehen werden muß. Und viel mehr als die Menschen glauben, ist in den heutigen katastrophalen Ereignissen von sexuellen Impulsen vorhanden, viel mehr, als die Menschen glauben! Denn die Impulse zu dem, was heute vorgeht, liegen zum Teil recht, recht tief.
[ 27 ] These things have become coarser in the direction we have discussed. Among other things, what remains is a passionate and emotional attachment to the national. This attachment to the national, this chauvinistic drive toward the national—that is the remnant of what, in bygone times, could be conceived under entirely different circumstances. But only when one sees through these things does one also know the truth in such matters. What is expressed in national pathos? When a person develops national pathos to a particular degree, what lives within this national pathos, this national sentiment—what lives within it? Exactly the same thing that lives in the sexual realm, only in the sexual realm in one way, and in national pathos in yet another way. It is the sexual human being who expresses himself through these two different poles. Being chauvinistic, one might say, is nothing other than developing sexuality on a group level. One could say that where the sexual essences—in what they have left behind—grip people more strongly, there is more national chauvinism present; for it is the same force that lies in procreation that also expresses itself in national pathos. Therefore, the battle cry for the so-called “freedom of peoples or nations” is something that can only be properly understood in its deeper context if one were to say—with a refined sensibility, of course—that it is a call for the restoration of the national in the light of a sexual problem. — The fact that the sexual problem is being proclaimed across the earth today in a very special form, without people having the slightest inkling of how the sexual, emerging from their subconscious, takes on the form of the words “freedom of peoples”—that is what must be regarded as one of the mysteries of the impulses of our time. And there is far more of sexual impulse present in today’s catastrophic events than people realize—far more than people realize! For the impulses behind what is happening today lie, in part, very, very deep.
[ 28 ] Solche Wahrheiten dürfen in unserer Gegenwart nicht mehr hinter Schloß und Riegel gehalten werden. Gewisse Bruderschaften haben sie unter Schloß und Riegel halten können dadurch, daß sie im strengsten Sinne des Wortes Frauen ausgeschlossen haben. Wenn auch heute das Zusammenarbeiten mit Frauen, wie es sich ja vielfach zeigt, noch zu allerlei schlimmen Dingen führen kann, so ist doch die Zeit gekommen, in der über diese Dinge richtige Anschauungen, allgemeine Anschauungen in der Menschheit sich verbreiten müssen. Verbreiten sich ja doch unlautere, törichte, blöde Ansichten, indem ohne Kenntnis der intimeren Zusammenhänge von gewissen Seiten her alle möglichen Dinge heute als sexuelle Probleme behandelt werden. Aber Sie sehen, wie sich hier das, was lautere, echte, ehrliche Wahrheit ist, auf der einen Seite berührt mit dem, was allerunlauterste, schmutzigste Denkungsweise sein kann, wie sie zuweilen in den Auswüchsen der Psychoanalyse oder ähnlicher Dinge sich zeigt. Das werden Sie aber immer finden, daß dasjenige, was auf der einen Seite, richtig erfaßt, tiefe Wahrheit ist, gar nicht den Worten nach viel verändert zu werden braucht, sondern nur von schmutziger Gesinnung durchdrungen zu werden braucht, und es ist eben schmutzige, törichte, verwerfliche Anschauung.
[ 28 ] Such truths must no longer be kept under lock and key in our time. Certain brotherhoods have been able to keep them under lock and key by excluding women in the strictest sense of the word. Even if, as is often evident today, working together with women can still lead to all sorts of terrible things, the time has nevertheless come when correct views on these matters—views shared by all of humanity—must spread. After all, dishonest, foolish, and stupid views are spreading because, without any knowledge of the deeper connections, certain quarters are treating all manner of things today as sexual problems. But you can see how, on the one hand, what is pure, genuine, and honest truth comes into contact here with what can be the most dishonest and filthy way of thinking, as it is sometimes evident in the excesses of psychoanalysis or similar fields. But you will always find that what, on the one hand, is deep truth when correctly grasped, does not need to be altered much in terms of words, but only needs to be permeated by a filthy mindset—and it then becomes a filthy, foolish, reprehensible view.
[ 29 ] Es konnte eine alte Zeit von «Nationen» sprechen, als man die Nationen so vorstellte, daß die eine Nation ihren Schutzgeist im Orion, die andere in einem andern Stern hatte, und man wußte, man werde sich nach den Sternenkonstellationen regeln. Da appellierte man gewissermaßen an die Himmelsordnung. Heute, wo solche Himmelsordnung nicht vorhanden ist, da ist das Appellieren an das bloß Nationale, das chauvinistische Appellieren an das bloß Nationale, also das Geltendmachen eines im eminentesten Sinne Psychisch-Sexuellen, ein zurückgebliebener luziferischer Impuls.
[ 29 ] One could speak of an ancient age of “nations” when nations were conceived in such a way that one nation had its guardian spirit in Orion, another in a different star, and people knew they would govern themselves according to the constellations. In a sense, they appealed to the celestial order. Today, when such a celestial order no longer exists, appealing to the purely national—that is, the chauvinistic appeal to the purely national, and thus the assertion of something that is, in the most eminent sense, psychosexual—is a backward-looking Luciferic impulse.
[ 30 ] Will man klar und deutlich dasjenige sehen, was heute ist, so darf man eben nicht zurückschrecken vor den wirklichen Untergründen der Wahrheit. Aber man kann aus solchen Dingen auch sehen, warum sich die Menschen so fürchten vor der Wahrheit. Man stelle sich nur vor, daß die Menschen heute bei dem Geschrei, das sich über Freiheit der Nationen und dergleichen erhebt, hören sollten, das geschieht aus sexuellen Impulsen heraus. Man stelle sich das vor. Man stelle sich einmal den krähenden Hahn vor — ich meine jetzt keinen einzelnen, ich meine nicht gerade bloß Clemenceau. Man stelle sich vor all die Deklamatoren über die entsprechenden Themata, und man stelle sich vor, sie müßten begreifen, daß dasjenige, was sie krähen, im Grunde genommen doch die Balzstimme des Hahnes ist, wenn es auch noch so fein national eingekleidet ist!
[ 30 ] If one wants to see clearly and distinctly what exists today, one must not shy away from the true depths of the truth. But one can also see from such things why people are so afraid of the truth. Just imagine if people today, amid all the clamor about the freedom of nations and the like, were to hear that this is driven by sexual impulses. Just imagine that. Just imagine the crowing rooster—I don’t mean just one individual, and I don’t mean just Clemenceau. Imagine all the orators on these topics, and imagine if they had to realize that what they are crowing is, at its core, the mating call of the rooster, no matter how elegantly it is dressed up in nationalist garb!
[ 31 ] Das sind die Dinge, welche die Menschheit heute eigentlich erfahren müßte und die sie nichthören will, weil, wie Sie wissen, von den Dingen, die schwarz sind, behauptet wird, sie sind weiß, und von denen, die weiß sind, sie sind schwarz. Es handelt sich darum, daß jene alte Zeit, von der ich gesprochen habe, eingelaufen ist in den fünften nachatlantischen Zeitraum, in dem sich die Abstraktion allmählich herausgebildet hat. Da, wo die Grenze ist zwischen dem vierten und dem fünften nachatlantischen Zeitraum — Sie können darüber nachlesen in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» —, da nagt man und würgt man, gerade die ehrlichsten Leute nagen und würgen an dem Erkenntniswert, könnte man sagen, des Abstrakten. Lesen Sie nach in meinen «Rätseln der Philosophie», da, wo ich von dem nominalistisch und realistisch gewordenen Mittelalter spreche. Es war die Abstraktheit schon so weit gediehen, daß man sich fragte: Wenn ich einen Begriff habe, bedeutet der noch etwas für die Dinge draußen, oder ist er nur ein Name in meinem Kopfe? — Heute denkt man über diese Dinge nicht mehr nach. Was interessiert das die Leute, daß sich die Menschen gequält haben im Mittelalter, als man die abstraktive Kraft des Denkens gespürt hat, welche Rolle die sogenannten Universalien, die allgemeinen Begriffe in der Welt spielen, daß man würgte daran, welche Rolle die Abstraktionen spielen. Heute denkt man nicht mehr daran, weil man sich an die Abstraktionen schon gewöhnt hat und weil man nicht danach strebt, über das abstrakte Moment hinauszukommen; sondern im Gegenteil, man strebt danach, erst recht in das abstrakte Moment hineinzukommen.
[ 31 ] These are the things that humanity really ought to learn today but does not want to hear, because, as you know, it is claimed that things that are black are white, and things that are white are black. The point is that the ancient era I have spoken of has entered the fifth post-Atlantean epoch, during which abstraction has gradually taken shape. At the boundary between the fourth and fifth post-Atlantean epochs—you can read about this in my book *The Riddles of Philosophy*—people are gnawing away at and choking on the cognitive value, so to speak, of the abstract; it is precisely the most honest people who are doing this. Look it up in my *The Riddles of Philosophy*, where I discuss the Middle Ages, which had become both nominalist and realist. Abstraction had already advanced so far that people asked themselves: If I have a concept, does it still mean anything for the things out there, or is it just a name in my head? — Today, people no longer think about these things. Why should people care that people in the Middle Ages agonized—when they sensed the abstractive power of thought—over what role the so-called universals, the general concepts, play in the world, to the point of being tormented by the question of what role abstractions play? Today, people no longer think about this, because they have already grown accustomed to abstractions and because they do not strive to move beyond the abstract moment; on the contrary, they strive all the more to delve into the abstract moment.
[ 32 ] Der Universalienstreit, der zuletzt die Form angenommen hat, daß man sagte: Die Universalien, die allgemeinen Begriffe, sind zuerst als gewisse Begriffe in Gott: das sind Universalien ante rem; dann sind die Begriffe in den Dingen: Universalien in re; und dann sind die Begriffe in unserem Geiste, in unserer Seele: post rem, Universalien post rem. — Das war ein Auskunftsmittel, um eine Stellung zu gewinnen darüber: Hängt der Mensch denn, indem er denkt, indem er nur noch Begriffe denkt, mit der Wirklichkeit zusammen? Man fühltenoch etwas davon, wie in alten Zeiten der Mensch mit der Wirklichkeit zusammengehangen hat. Wenn er reif geworden ist, da hat er das gewissermaßen überdacht, was er vorher wahrgenommen hat als Kind. Da wußte er: Es ist der wahre Mensch erst in ihn hereingegangen. — An den Universalien, da mußte man würgen, ob man, wenn man denkt, in seinem Denken noch etwas von dem hat, was mit der Wirklichkeit zusammenhängt, oder ob das ganz abgerissen ist von aller Wirklichkeit, ob das gar nichts mehr zu tun hat mit der Wirklichkeit. Seit jener Zeit hat sich dann die Menschheit gewöhnen müssen, die Universalien, die Abstraktionen zu nehmen als Abstraktionen, und ist wirklich mehr oder weniger in ihrem Bewußtsein völlig abgerissen worden von der Wirklichkeit.
[ 32 ] The dispute over universals, which most recently took the form of the following argument: Universals, or general concepts, first exist as certain concepts in God—these are universals ante rem; then these concepts exist in things—universals in re; and finally, these concepts exist in our mind, in our soul—post rem, universals post rem. — This was a means of gaining insight into the following question: Is human beings, in thinking—in thinking only of concepts—still connected to reality? One could still sense something of how, in ancient times, human beings were connected to reality. Once they had matured, they had, so to speak, reflected upon what they had previously perceived as children. Then they knew: it was only then that the true human being had entered into them. — With regard to universals, one had to grapple with the question of whether, when thinking, one still retained in one’s thinking something connected to reality, or whether it was completely severed from all reality, whether it no longer had anything to do with reality at all. Since that time, humanity has had to accustom itself to taking universals—abstractions—as mere abstractions, and has indeed been more or less completely severed from reality in its consciousness.
[ 33 ] Ein solcher Prozeß spielt sich ja im kleinen fortwährend ab. Denken Sie doch nur einmal, ursprünglich sind Worte, die die Repräsentanten sind von Vorstellungen, in unmittelbarer Anlehnung an die Anschauung da: eine kleine Gruppe von kämpfenden Menschen hat Einen an der Spitze; diesen Einen hat sie vor sich, sie nennt ihn den vörsten, den ersten, den försten — Fürsten. Da hat man unmittelbar das mit der Anschauung verknüpft. Später wird das losgerissen von der Anschauung, es wird ein Wort, welches etwas bezeichnet, ohne daß irgendwie noch ein Zusammenhang da ist mit der unmittelbaren Anschauung. Denken Sie, für wie viele Worte das so ist!
[ 33 ] Such a process is, in fact, constantly taking place on a small scale. Just think about it: originally, words—which are the representatives of ideas—exist in direct connection with perception: a small group of people fighting has one person at its head; they have this one person before them; they call him the “vörsten,” the “first,” the “försten”—prince. Here, the word is directly linked to perception. Later, it is torn away from perception; it becomes a word that designates something without any connection remaining to direct perception. Just think how many words are like this!
[ 34 ] Und der weitere Weg ist, daß dann gewisse Worte privilegiert werden, daß die Sprache monopolisiert wird, daß die Sprache verstaatlicht wird. Selbst in der Sprache bewegen sich ja gewisse Dinge in dieser Entwickelung. Nicht wahr, nehmen Sie den naiven Tatsachenzusammenhang: Einer hat viel gelernt, ist weise geworden — sagen wir, ohne daß damit etwas Albernes gemeint ist —, er ist ein Gelehrter. Mit dem Tatsachenzusammenhang wird man in einer gewissen naiven Weise sagen, er ist «Doktor»; da hat man den Tatsachenzusammenhang, wenn man den, an dem man die Gelehrsamkeit sieht, Doktor nennt. Dann hat es noch eine gewisse Bedeutung, wenn das dokumentiert wird durch eine anerkennende, durch eine gerade dieses anerkennende Korporation. Aber es verliert die Bedeutung, wenn es monopolisiert wird; jedoch die Menschheit ist heute enthusiasmiert für solche Monopolisierung. Alle möglichen Worte sollen monopolisiert werden. Es soll einer nicht durch sein Genie bloß «Ingenieur» sein, sondern das soll ein weiß Gott woher auch anerkannter Titel werden. Und immer mehr und mehr sollen losgerissen werden die Dinge von ihren Zusammenhängen. Da können Sie im Kleinen den Abstraktionsprozeß sehen, der sich aber im Großen mit unendlicher Bedeutung vollzieht. Eine Familie hat einen Vater; welcher Zusammenhang ist zwischen dem Pater, der der Vater der Familie ist, und dem Pater, der ein Geistlicher ist? Diese Losreißung desjenigen, was im Worte enthalten ist — ich wollte es nur zur Illustration für den Abstrahierungsprozeß in der Menschheit anführen.
[ 34 ] And the next step is that certain words are given privileged status, that language is monopolized, that language is nationalized. Even within language itself, certain things are moving in this direction. Isn’t that right? Take this simple example: Someone has learned a great deal, has become wise—let’s say, without implying anything silly—he is a scholar. Based on this factual context, one might say in a certain naive way that he is a “doctor”; there you have the factual context when you call the person in whom you see this scholarship a “doctor.” Then it takes on a certain significance when this is documented by a recognized professional body—one that specifically acknowledges this very quality. But it loses its significance when it is monopolized; yet humanity today is enthusiastic about such monopolization. All manner of words are to be monopolized. A person is not to be merely an “engineer” by virtue of his genius, but this is to become a title recognized—God knows by whom. And more and more, things are to be torn away from their contexts. Here you can see the process of abstraction on a small scale, but it unfolds on a grand scale with infinite significance. A family has a father; what connection is there between the “Pater” who is the father of the family and the “Pater” who is a clergyman? This severing of what is contained within the word—I wanted to cite it merely as an illustration of the process of abstraction in humanity.
[ 35 ] Und bei den Begriffen liegt die Sache noch viel ärger als in der Sprache. Bei den Begriffen ist oftmals für den, der die Begriffe braucht, nicht der geringste Zusammenhang noch vorhanden mit der Anschauung. Manchmal suchen die Leute dann die Anschauung, werden komisch in diesem Suchen, furchtbar komisch werden sie in diesem Suchen. Denken Sie doch nur, daß es eine ganze Literatur heute gibt über das Kreuzeszeichen, das ja wirklich ein universales Zeichen ist, in der Welt viel verbreitet ist. Drollig ist dasjenige, was da an Gelehrsamkeit alles aufgewendet wird.
[ 35 ] And when it comes to concepts, the situation is even worse than with language. With concepts, there is often not the slightest connection left to the intuitive image for those who need them. Sometimes people then search for the intuitive image; they become strange in this search—terribly strange, in fact. Just think: there is a whole body of literature today on the sign of the cross, which is indeed a universal symbol, widely used throughout the world. It is amusing to see all the scholarly effort that has been expended on this subject.
[ 36 ] Dieses Zeichen wird zurückgeführt auf dieses
[ 36 ] This symbol is traced back to this


[ 37 ] Das ehemalige Kreuz soll eigentlich dieses sein.
[ 37 ] This is supposedly the former cross.
[ 38 ] Manchmal führt man dann das so zurück, daß man sagt: Es sind nur die Teile zurückgeblieben, als Hakenkreuz und so weiter. — Nun, es ist furchtbar gescheit, was darüber geschrieben worden ist, ganz grenzenlos gescheit, wie überhaupt auf solche Dinge «Gescheitheit» schon verwendet wird. Ich will durchaus nicht diese Dinge in Grund und Boden kritisieren, aber um zu wissen, was wahr ist, reicht die Gescheitheit nicht aus. Man muß selbstverständlich wissen, daß es sich beim Kreuzeszeichen zunächst um nichts anderes handelt, als daß der Mensch sich hinstellt und seine Arme hinstreckt, ausbreitet, und dann ist er das Kreuz. Von oben nach unten geht ein Strom des Daseins, der den Menschen mit dem Makrokosmos verbindet, und durch die ausgestreckten Hände auch. Das Kreuz ist das Zeichen für den Menschen.
[ 38 ] Sometimes people explain it by saying: Only certain elements have remained, like the swastika and so on. — Well, what has been written about this is incredibly clever—boundlessly clever, in fact—though the term “cleverness” is generally applied to such things anyway. I certainly don’t want to criticize these things to the ground, but cleverness alone isn’t enough to know what is true. Of course, one must understand that the sign of the cross is, first and foremost, nothing other than a person standing up and stretching out their arms, spreading them wide—and then they are the cross. A stream of existence flows from top to bottom, connecting the human being to the macrocosm, and also through the outstretched hands. The cross is the symbol of the human being.


[ 39 ] Wenn Sie von assyrischen Königen Auszeichnungen finden, oder von ägyptischen Königen Auszeichnungen finden, Medaillen zum Beispiel, so sind es Medaillen mit dem Kreuzeszeichen:
[ 39 ] If you find awards from Assyrian kings, or awards from Egyptian kings—medals, for example—they are medals bearing the sign of the cross:


[ 40 ] Und zwei andere Zeichen — irgendwie das Kreuz an der Medaille, es ist ja eine Auszeichnung, die die alten Könige hatten — wären zum Beispiel diese: Bei dem dritten Zeichen ist nur der Stern gewöhnlich so, daß man das Pentagramm nicht immer gleich darinnen erkennt. Oder es ist auch ein Hexagramm, nun, darauf kommt es jetzt nicht an.
[ 40 ] And two other symbols—somehow the cross on the medal, since it is, after all, a decoration that the ancient kings used to have—would be, for example, these: In the case of the third symbol, the star is usually such that one does not always immediately recognize the pentagram within it. Or it might also be a hexagram; well, that doesn’t matter right now.


[ 41 ] Besonders gescheite Leute haben gesagt: Das ist die Sonne, das ist das Kreuz, das ist der Mond, das ist der Stern. Aber das Tiefere liegt gerade darinnen, daß es der Mensch ist, der Mikrokosmos, der mit Sonne und Mond zusammengestellt wird. Sie sehen an diesem gewöhnlichen Kreuzeszeichen, wie sich der Begriff getrennt hat von der Sache. Die unmittelbare Anschauung ist diese, das Zeichen ist dieses: der Mensch in Kreuzesform. Die Menschen wissen heute die Sache mit dem Zeichen so wenig zu verbinden, daß, wie gesagt, eine unbändig gescheite Literatur existiert, die da sucht, wie denn dieses Zeichen zusammenhänge mit dem, was es ausdrücken will. Und so könnte man über alleralltäglichste Worte ganz gescheite Abhandlungen schreiben, ohne daß man darauf käme, wie diese Dinge, diese Worte, mit den Wirklichkeiten zusammenhängen.
[ 41 ] Particularly clever people have said: That is the sun, that is the cross, that is the moon, that is the star. But the deeper meaning lies precisely in the fact that it is the human being—the microcosm—who is depicted together with the sun and the moon. You can see from this ordinary sign of the cross how the concept has become separated from the thing itself. The immediate perception is this, and the sign is this: the human being in the form of a cross. People today are so unable to connect the thing with the sign that, as I said, there exists an abundance of highly intelligent literature that seeks to determine how this sign relates to what it is meant to express. And so one could write quite intelligent treatises on the most everyday words without ever realizing how these things—these words—are connected to reality.
[ 42 ] Die Menschheit hat müssen die Periode der Abstraktionen durchmachen. Wir wissen ja, wir stehen heute nicht mehr im Zeichen des Widders, in dem die Sonne stand beim Frühlingsaufgang, als der Übergang stattfand von der alten imaginativen Zeit, da Nachwirkungen der imaginativen Zeit noch vorhanden waren im Übergang zum abstrakten Zeitalter. Wir sind eingetreten in das Zeitalter der Fische. Es prägt sich im wesentlichen darinnen aus, daß aus dem Makrokosmos der Mensch die Kraft empfängt zu abstrakten Begriffen. Diese Kraft empfängt der Mensch heute vom Makrokosmos. Aber vorläufig sind die abstrakten Begriffe dasjenige, von dem der Mensch noch nicht weiß, wie er es wiederum zusammenknüpfen soll mit der Wirklichkeit. Es muß wiederum zusammengeknüpft werden mit der Wirklichkeit.
[ 42 ] Humanity has had to go through the period of abstractions. We know, after all, that we are no longer in the sign of Aries, where the Sun was at the spring equinox when the transition took place from the old imaginative age—when the aftereffects of that age were still present—to the abstract age. We have entered the Age of Pisces. It is characterized essentially by the fact that human beings receive from the macrocosm the power to form abstract concepts. Human beings receive this power from the macrocosm today. But for the time being, abstract concepts are something that human beings do not yet know how to reconnect with reality. They must be reconnected with reality.
[ 43 ] Ich bin davon ausgegangen, daß ich sagte, gewissermaßen muß in diesem fünften nachatlantischen Zeitalter sich wiederholen dasjenige, was im dritten, im ägyptisch-chaldäischen war, wo man zurückschaute auf die alte Osiriszeit, wo die Imaginationen vorhanden waren. Gewissermaßen das Umgekehrte muß stattfinden: der Mensch muß wiederum den Weg finden zu den Imaginationen zurück. Man könnte sagen, wenn auch in anderer Form: Der Osiris muß wieder lebendig werden. — Wir müssen Mittel und Wege finden, den Osiris wiederum zu beleben. In sehr konkreter Form habe ich das in diesen Betrachtungen ausgesprochen, indem ich sagte, wir müssen Formen des Erlebens finden, die den Toten und den Lebenden gemeinschaftlich sind. Der Osiris ist, seit er getötet ist, bei den Toten. Er wird bei den Toten verbleiben, aber er muß wiederum unter die Lebendigen kommen, wenn es Angelegenheiten gibt, die für das soziale Leben der Menschen den Toten und den Lebendigen gemeinschaftlich sind. Das aber führt Sie darauf, daß man für unsere Zeit etwas verstehen muß, das vor allen Dingen zu verstehen notwendig ist: Wie wird Osiris wiederum belebt? Wie kommt Osiris zu neuem Leben? Wie nähert sich der Mensch wiederum dem Erleben im Imaginativen?
[ 43 ] I assumed that I had said that, in a sense, what occurred in the third, the Egyptian-Chaldean era—when people looked back to the ancient age of Osiris, when imaginations were present—must be repeated in this fifth post-Atlantean era. In a sense, the reverse must take place: humanity must once again find its way back to the imaginations. One could say—albeit in a different form—that Osiris must come back to life. — We must find ways and means to revive Osiris once more. I expressed this in very concrete terms in these reflections when I said that we must find forms of experience that are shared by both the dead and the living. Since he was killed, Osiris has been among the dead. He will remain among the dead, but he must return to the living when there are matters that are common to both the dead and the living in the social life of humanity. This, however, leads you to the realization that we must understand something for our time that is necessary to understand above all else: How is Osiris brought back to life? How does Osiris come to new life? How does the human being once again approach experience through the imaginative?
[ 44 ] Davon wollen wir dann morgen sprechen: Wie wiederum auferstehen soll das imaginative Bewußtsein, und wie die Auferstehung herbeigeführt werden soll.
[ 44 ] We will discuss this tomorrow: How imaginative consciousness is to be resurrected, and how this resurrection is to be brought about.
