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Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180

4 January 1918, Dornach

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Die Zeit, die uns zur Verfügung steht, will ich benützen, um noch einiges geltend zu machen, das sich an unsere bisherigen Betrachtungen anschließen, aber sie doch im wesentlichen erweitern wird. Dazu ist notwendig, daß wir heute einleitungsweise einmal einen kleinen Rückblick auf ältere Weltanschauungen machen.

[ 1 ] I would like to use the time available to us to make a few additional points that build upon our previous considerations but will essentially expand upon them. To do so, it is necessary that we begin today by taking a brief look back at earlier worldviews.

[ 2 ] Ich habe dieses Mal im Laufe der öffentlichen Vorträge in der Schweiz öfter gesagt, daß jenes Wissen, jene Art des Denkens, welche gegenwärtig die Menschen beherrscht, die in den menschlichen Seelen Platz gegriffen hat, nicht geeignet ist, einzugreifen in das sozial-sittliche Leben, und daß eine Gesundung von den gegenwärtigen Verhältnissen erst dadurch eintreten kann, daß die Menschen wiederum die Möglichkeit finden, zu einem solchen Denken, zu einem solchen Begreifen der Welt zu kommen, durch welches das, was in der Seele lebt, wiederum eine unmittelbare Verbindung mit der Wirklichkeit hat.

[ 2 ] During my recent series of public lectures in Switzerland, I have often said that the kind of knowledge and way of thinking that currently dominates people—and has taken root in human souls—is not suited to influencing social and moral life, and that a recovery from the current conditions can only come about when people once again find the possibility of arriving at a way of thinking, an understanding of the world, through which what lives in the soul once again has a direct connection with reality.

[ 3 ] Ich sagte, daß dasjenige, was im geschichtlichen, im sozialen, im ethischen Leben waltet, von den Menschen mehr oder weniger verträumt, verschlafen wird, daß abstrakte Begriffe jedenfalls nicht geeignet sind, die Impulse zu ergreifen, die im sozialen Leben wirksam sein müssen. Ich sagte, in früheren Zeiten haben sich die Menschen aus älteren, wie wir oftmals sagen, aus atavistischen Erkenntnissen heraus durch den Mythus beholfen. Sie haben in mythischer Form zum Ausdruck gebracht dasjenige, was sie von der Welt dachten, was von den Weltengeheimnissen in ihre Anschauung hereinkam. Mythen, den Inhalt der Mythologie, kann man in der mannigfaltigsten Weise betrachten, und ich habe ja auf eine geradezu grandios materialistische Ausdeutung des Mythus durch Dupuis in diesen Betrachtungen hingewiesen.

[ 3 ] I said that what prevails in historical, social, and ethical life is more or less overlooked or ignored by people, and that abstract concepts are in any case unsuitable for seizing the impulses that must be effective in social life. I said that in earlier times, people made do with myth, drawing on older—as we often say—atavistic insights. They expressed in mythical form what they thought of the world, what entered their perception from the mysteries of the world. Myths—the content of mythology—can be viewed in the most diverse ways, and I have indeed pointed out in these reflections a downright grandiose materialistic interpretation of myth by Dupuis.

[ 4 ] Wir haben an andern Orten wiederholt seit Jahren diesen oder jenen Mythus betrachtet. Aber gegenüber den Mythen sind viele Gesichtspunkte möglich, und wenn dies oder jenes über einen Mythus gesagt ist, so ist sein Inhalt noch längst nicht erschöpft. Es kann immer wieder und wiederum von verschiedenen andern Gesichtspunkten anderes in bezug auf den Mythus geltend gemacht werden. Es wäre sehr nützlich für die Menschen heute, wenn sie sich die Natur jenes Denkens klarmachen würden, welche der mythischen, der mythologischen Vorstellungsweise zugrunde lag. Denn die Begriffe, die man sich über die Entstehung der Mythen, über die Schöpfungen der Mythologien macht, die gehören ja eben in den Bereich der heute so häufigen oberflächlichen Urteile.

[ 4 ] We have repeatedly examined this or that myth in other places over the years. But there are many possible perspectives on myths, and even when this or that has been said about a myth, its content is far from exhausted. Time and again, from various other perspectives, different insights regarding the myth can be brought to light. It would be very beneficial for people today if they were to gain a clear understanding of the nature of the thinking that underlay the mythical, mythological mode of thought. For the notions people form about the origin of myths and the creations of mythologies belong precisely to the realm of the superficial judgments so common today.

[ 5 ] In den Mythen stecken tiefe Wahrheiten, die mit der Wirklichkeit mehr zusammenhängen als diejenigen Wahrheiten, welche durch die moderne Naturwissenschaft über diese oder jene Dinge ausgesprochen werden. Physiologische, biologische Wahrheiten über den Menschen stecken in den Mythen, und sie stecken so in den Mythen, daß beim Entstehen desjenigen, was im Mythus zum Ausdruck kommt, das Bewußtsein von der Zusammengehörigkeit des Menschen als Mikrokosmos mit dem Makrokosmos zugrunde liegt. Insbesondere kann man — und darauf möchte ich heute und morgen hinauskommen —, wenn man die Natur des mythischen Denkens ins Auge faßt, sich eine Vorstellung machen, wie tief oder eigentlich wie wenig tief man mit den gewöhnlichen heutigen Begriffen in der Wirklichkeit drinnensteckt. Da ist es nützlich, einmal sich zu erinnern, wie bei einander benachbarten Völkern der vorchristlichen Zeit Mythen ausgebildet worden sind. Einander benachbart und vielfach in ihrer Kultur voneinander abhängig sind ja die alten Ägypter, die Griechen und wiederum die Israeliten. Außerdem kann man sagen, daß ein großer Teil des Denkens, das heute noch immer in den Seelen waltet, zusammenhängt mit demjenigen, was in mythischer Form und in der Art ihres Wissens die Ägypter, die Griechen, die Israeliten zu ihren Erkenntnissen hatten.

[ 5 ] Myths contain profound truths that are more closely connected to reality than the truths articulated by modern science regarding this or that subject. Physiological and biological truths about human beings are embedded in myths, and they are embedded in such a way that the emergence of what is expressed in the myth is grounded in an awareness of the interconnectedness of the human being—as a microcosm—with the macrocosm. In particular—and this is what I would like to get at today and tomorrow—when one considers the nature of mythical thinking, one can gain an idea of how deeply—or, in fact, how superficially—one is immersed in reality using the ordinary concepts of today. It is useful here to recall how myths developed among neighboring peoples of the pre-Christian era. The ancient Egyptians, the Greeks, and, in turn, the Israelites were neighbors and, in many ways, culturally interdependent. Furthermore, it can be said that a large part of the thinking that still prevails in people’s souls today is connected to the insights that the Egyptians, the Greeks, and the Israelites held in mythical form and in the nature of their knowledge.

[ 6 ] Der Mythus, auf den ich zunächst heute — aber wie gesagt wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus — mit Bezug auf die Kultur der Ägypter hindeuten möchte, das ist der Osiris-Isismythus. Ich habe ja schon darauf aufmerksam gemacht, daß auch der Osiris-Isismythus von Dupuis als eine bloße Priesterlüge aufgefaßt wird, da eigentlich die Priester für sich nichts anderes gemeint hätten als gewisse astronomische, astrologisch-astronomische Vorgänge, und für das Volk einen solchen Mythus gezimmert hätten.

[ 6 ] The myth I would like to refer to first today—though, as I said, again from a certain perspective—in connection with Egyptian culture is the Osiris-Isis myth. I have already pointed out that Dupuis also regards the Osiris-Isis myth as a mere priestly lie, since the priests themselves actually meant nothing other than certain astronomical and astrological-astronomical phenomena, and had concocted such a myth for the people.

[ 7 ] Bei den Griechen kann man ja in interessanter Weise betrachten, wie sie mit ihrem eigenen Leben zusammenhängend nicht nur eine Anzahl von Göttern haben, sondern wie sie ganze Göttergenerationen haben: die älteste Göttergeneration zusammenhängend mit Gäa und Uranos; die nächste Göttergeneration mit Kronos und Rhea, die Titanen, alles was mit ihnen verwandt ist; und die dritte Göttergeneration: die Nachkommen der Titanen, Zeus und der ganze ZeusGötterkreis. Wir werden sehen, wie die Ausbildung solcher Göttermythen besonderer Seelenartung entspringt.

[ 7 ] In the case of the Greeks, it is interesting to observe not only how they have a number of gods associated with their own lives, but also how they have entire generations of gods: the oldest generation of gods associated with Gaia and Uranus; the next generation of gods, with Cronus and Rhea, the Titans, and everything related to them; and the third generation of gods: the descendants of the Titans, Zeus, and the entire circle of Zeus’s gods. We will see how the development of such divine myths arises from a particular disposition of the soul.

[ 8 ] Die griechische, die israelitische, die ägyptische Art, sich zum Weltenall zu verhalten, sind verschieden. Dennoch herrscht in alldem, wie wir gleich sehen werden, eine tiefe Verwandtschaft sowohl in bezug auf andere Gesichtspunkte, als auch in bezug auf den, den ich heute zugrunde legen will. Bei den Ägyptern muß man sagen, daß sie vor allen Dingen in der Zeit, in der die Osiris-Isismythe entstand als Repräsentanz für tiefere Wahrheiten, ein Wissen ausbildeten, das die Sehnsucht hatte, tiefere Grundlagen der menschlichen Seele zu erkennen. Die Ägypter wollten den Blick dabei richten auf dasjenige in der menschlichen Seele, welches nicht nur lebt zwischen Geburt und Tod, sondern welches durch Geburt und Tod durchgeht und auch ein Leben führt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Schon äußerlich betrachtet kann man an den Ägyptern sehen, wie sie den Seelenblick hinrichten — in der Bewahrung der Mumien, in ihrem eigentümlichen Totendienste — auf dasjenige in der Seele, was durch die Pforte des Todes durchgeht und in einer neuen Gestalt neue Schicksale erlebt, wenn der Mensch Bahnen wandelt, die jenseits des Todes liegen.

[ 8 ] The Greek, Israelite, and Egyptian ways of relating to the universe are different. Nevertheless, as we shall see shortly, there is a deep kinship among them all—both in terms of other perspectives and in terms of the one I wish to take as my starting point today. With regard to the Egyptians, it must be said that, especially during the period when the Osiris-Isis myth arose as a representation of deeper truths, they developed a body of knowledge that sought to recognize the deeper foundations of the human soul. The Egyptians sought to direct their gaze toward that aspect of the human soul which not only lives between birth and death, but which passes through birth and death and also leads a life between death and a new birth. Even from an external perspective, one can see in the Egyptians how they direct their gaze toward the soul—in the preservation of mummies, in their distinctive funeral rites—toward that aspect of the soul which passes through the gate of death and experiences new destinies in a new form when the human being travels paths that lie beyond death.

[ 9 ] Was ist das im Menschen, welches die Pforte des Todes durchschreitet und welches hereinkommt durch die Geburt in das irdische Dasein? Diese Frage lag mehr oder weniger unausgesprochen, unbewußt dem Sinnen und Trachten der Ägypter zugrunde. Denn dieses Ewig-Unvergängliche — ich habe es in anderer Form ja schon öfter ausgesprochen — ist dasjenige, das doch zusammengeknüpft ist im ägyptischen Bewußtsein mit dem Osirisnamen. Nun betrachten wir einmal, damit wir eine Grundlage haben, die Osirismythe mit Bezug auf ihre wichtigsten Gesichtspunkte; betrachten wir sie einmal so, wie sie aufbewahrt ist.

[ 9 ] What is it within the human being that passes through the gate of death and enters earthly existence through birth? This question lay more or less unspoken, unconsciously underlying the thoughts and aspirations of the Egyptians. For this eternal, imperishable essence—I have, after all, expressed it in other terms on many occasions—is that which is, in the Egyptian consciousness, inextricably linked to the name of Osiris. Now, let us examine the Osiris myth with regard to its most important aspects, so that we may have a foundation; let us consider it as it has been preserved.

[ 10 ] Von Osiris wird erzählt, daß er einstmals in Ägypten geherrscht habe. Es wird erzählt, daß ihm die Ägypter vor allem die Abschaffung der Menschenfresserei verdanken; daß ihm dann die Ägypter verdanken den Pflug, den Ackerbau, die Zubereitung von Speisen aus dem Pflanzenreiche, den Städtebau, gewisse Rechtsbegriffe, Astronomie, Beredsamkeit, sogar die Schrift und dergleichen. Es wird dann erzählt, daß Osiris nicht nur unter den Ägyptern solche wohltätigen Künste und Einrichtungen einführte, sondern daß er auch Reisen unternahm in andere Länder und dort ähnliche wohltätige Künste verbreitete. Und zwar wird ausführlich bemerkt, Osiris verbreite sie nicht durch das Schwert, sondern durch die Überredung.

[ 10 ] It is said that Osiris once ruled Egypt. It is said that the Egyptians owe him, above all, the abolition of cannibalism; that they also owe him the plow, agriculture, the preparation of food from the plant kingdom, urban planning, certain legal concepts, astronomy, eloquence, and even writing and the like. It is further said that Osiris not only introduced such beneficial arts and institutions among the Egyptians, but that he also undertook journeys to other countries and spread similar beneficial arts there. Indeed, it is noted in detail that Osiris spread them not by the sword, but through persuasion.

[ 11 ] Dann wird weiter erzählt, daß des Osiris Bruder Typhon gegenüber dem, was sich durch den Einfluß des Osiris durch Jahrhunderte wohltätig für die Ägypter erwiesen habe, Neuerungen einführen wollte. Typhon wollte allerlei Neuerungen einführen. Wir würden heute sagen: Nachdem die Einrichtungen, die von Osiris herrührten, jahrhundertelang bestanden haben, machte Typhon eine Revolution, während Osiris abwesend war, bei andern Völkern seine Einrichtungen verbreitete. — Es unterscheidet sich ja das ein wenig von dem letzten Beispiel der Revolution: da geschah dasjenige, was Neuerer taten, nicht, während der andere wohltätige Einrichtungen bei andern Nationen verbreitete. Aber eben, zwischen Osiris und Typhon spielte sich das Erwähnte ab.

[ 11 ] The story goes on to say that Osiris’s brother Typhon wanted to introduce innovations in contrast to what had proven beneficial to the Egyptians for centuries under Osiris’s influence. Typhon wanted to introduce all sorts of innovations. We would say today: After the institutions established by Osiris had existed for centuries, Typhon staged a revolution while Osiris was away, spreading his institutions among other peoples. — This does differ somewhat from the previous example of revolution: in that case, the actions of the reformers did not occur while the other was spreading beneficial institutions among other nations. But precisely this is what took place between Osiris and Typhon.

[ 12 ] Dann aber erzählt der Mythus weiter: Isis wachte zu Hause in Ägypten. Isis, die Gemahlin des Osiris, ließ nicht zu, daß die Neuerungen nun besonders durchgreifend sein konnten. Das hatte aber zur Folge, daß Typhon wütend wurde, und als Osiris zurückkam von seinen Wanderungen, da tötete ihn Typhon und brachte den Leichnam irgendwie auf die Seite. Isis mußte viel suchen nach dem Leichnam. Sie fand endlich den Leichnam in Phönizien, brachte ihn nach Hause, nach Ägypten. Typhon wurde noch wütender, riß den Leichnam in Stücke. Isis sammelte die Stücke, machte aus jedem einzelnen Stück des Leichnams durch Spezereien, durch allerlei andere Mittel wiederum ein Wesen, das die ganze Gestalt des Osiris hatte. Dann schenkte sie den Priestern des Landes ein Drittel des gesamten Gebietes von Ägypten, damit das Grabmal des Osiris geheimgehalten werde, sein Dienst aber um so mehr gepflegt würde.

[ 12 ] But then the myth continues: Isis remained at home in Egypt. Isis, the wife of Osiris, would not allow the reforms to be particularly far-reaching. But this caused Typhon to become enraged, and when Osiris returned from his travels, Typhon killed him and somehow disposed of the body. Isis had to search long and hard for the body. She finally found it in Phoenicia and brought it home to Egypt. Typhon became even more enraged and tore the body to pieces. Isis gathered the pieces and, using spices and all manner of other means, fashioned each individual piece of the body back into a being that had the full form of Osiris. Then she gave the priests of the land one-third of the entire territory of Egypt so that the tomb of Osiris might be kept secret, but his cult might be all the more carefully maintained.

[ 13 ] Es wird das Merkwürdige an diesen Mythus geschlossen, daß nun Osiris aus der Unterwelt heraufkam, als schon sein Dienst eingeführt war in Ägypten, und daß er sich damit beschäftigte, den Horus, den Sohn, den Isis nachgeboren hatte, nachdem Osiris schon tot war, zu unterrichten. Dann wird erzählt, daß Isis die Unvorsichtigkeit hatte, den Typhon, den einzusperren ihr gelungen war, wiederum freizulassen. Darüber wurde Horus, ihr Sohn, wütend, riß ihr die Krone vom Haupte herab, setzte ihr Kuhhörner auf statt dessen, und Typhon wurde mit dem Beistande des Hermes — also dessen, was der römische Merkur dann ist, auch der griechische Hermes — in zwei Schlachten besiegt. Eine Art Horuskultur, die Kultur des Sohnes des Osiris und der Isis, griff Platz.

[ 13 ] The peculiar aspect of this myth is that Osiris emerged from the underworld at a time when his cult had already been established in Egypt, and that he devoted himself to instructing Horus, the son whom Isis had given birth to after Osiris’s death. It is then recounted that Isis was careless enough to release Typhon, whom she had previously managed to imprison. This enraged Horus, her son; he tore the crown from her head, placed cow’s horns on her head instead, and Typhon was defeated in two battles with the assistance of Hermes—that is, the figure who is the Roman Mercury and also the Greek Hermes. A kind of Horus cult—the cult of the son of Osiris and Isis—took hold.

[ 14 ] Die Griechen haben durch diesen oder jenen Mittler gehört von dem, was die Ägypter sich erzählten über die Weltengeheimnisse. Es ist merkwürdig, in welcher Weise oft in Griechenland von demselben gesprochen wurde, von dem in Ägypten drüben, oder auch in Phönizien drüben, oder Lydien oder dergleichen gesprochen worden ist. Es flossen gewissermaßen ineinander — das ist sehr bezeichnend und bedeutsam — diese Göttervorstellungen. Wenn der Grieche den Osirisnamen hörte, dann konnte er sich etwas darunter vorstellen; dann identifizierte er dasjenige, was sich der Ägypter unter dem Osiris vorstellte, mit etwas, wovon er auch gewisse Vorstellungen hatte. Es war, trotzdem der Name ein anderer war, den Griechen nicht fremd dasjenige, was der Ägypter unter dem Osiris sich vorstellte. Das bitte ich Sie zu berücksichtigen. Das ist sehr bedeutsam.

[ 14 ] The Greeks heard, through one intermediary or another, what the Egyptians told each other about the mysteries of the universe. It is remarkable how often the same deities were spoken of in Greece as were spoken of in Egypt, or in Phoenicia, or Lydia, or similar regions. These conceptions of the gods flowed into one another, as it were—which is very telling and significant. When a Greek heard the name Osiris, he could picture something; he identified what the Egyptians conceived of as Osiris with something about which he, too, had certain ideas. Although the name was different, what the Egyptians conceived of as Osiris was not foreign to the Greeks. I ask you to bear this in mind. It is very significant.

[ 15 ] Die ganze Sache tritt noch einmal ein. Lesen Sie einmal die «Germania» von Tacitus. Da schildert Tacitus auch die Götter, die er hundert Jahre nach der Begründung des Christentums in nordischen Gegenden findet, und er schildert sie mit den römischen Namen. Er gibt also den Göttern, die er da findet, römische Namen. Trotzdem selbstverständlich die Götter, die Tacitus da antraf, mit ganz andern Namen belegt wurden, so erkannte er ihre Wesenheit und konnte ihnen die römischen Namen geben. Wir finden in der «Germania», daß er wußte: die Menschen nordwärts haben einen Gott, das ist derselbe Gott wie der Herkules und so weiter. Das ist sehr bedeutsam, und das zeigt auf etwas sehr Tiefes und Bedeutsames. Das zeigt, daß in diesen älteren Zeiten ein gewisses gemeinsames Bewußtsein über geistige Dinge vorhanden war. Der Grieche wußte sich bei Osiris etwas zu denken, unabhängig von dem Osirisnamen, weil er etwas Ähnliches hatte. Es war ihm nicht fremd dasjenige, was sich hinter dem Osirisnamen verbarg.

[ 15 ] The whole thing happens all over again. Take a look at Tacitus’s *Germania*. There, Tacitus also describes the gods he encountered in Nordic regions a hundred years after the founding of Christianity, and he refers to them by their Roman names. So he gives the gods he finds there Roman names. Even though, of course, the gods Tacitus encountered there had entirely different names, he recognized their essence and was able to give them Roman names. We find in *Germania* that he knew: the people to the north have a god who is the same as Hercules, and so on. This is very significant, and it points to something very profound and meaningful. It shows that in those earlier times, a certain shared consciousness regarding spiritual matters existed. The Greeks had an idea of what Osiris represented, independent of the name “Osiris,” because they had something similar. What lay behind the name “Osiris” was not foreign to them.

[ 16 ] Das ist etwas, was man wohl ins Auge fassen muß, um zu erkennen, daß trotz der Verschiedenheit der einzelnen Mythen eine gewisse Seelengemeinschaft vorhanden war. Man möchte zuweilen, daß so viel Gemeinschaft als da, sagen wir, zwischen den Griechen und den Ägyptern vorhanden war, so daß die Griechen das verstanden, was die Ägypter ausdrückten, man möchte wünschen, daß unter den modernen Menschen so viel Verständnis vorhanden sein könnte! Ein Grieche würde niemals so viel Unsinn über ägyptische Vorstellungen gesprochen haben, wie der Herr Wilson über europäische Vorstellungen in einer Woche zu denken — wenn man das denken nennen kann — in der Lage ist!

[ 16 ] This is something one must probably take into account in order to recognize that, despite the differences between the individual myths, a certain spiritual kinship existed. One sometimes wishes that there were as much common ground as there was, say, between the Greeks and the Egyptians—so that the Greeks understood what the Egyptians were expressing—one would wish that there could be just as much understanding among modern people! A Greek would never have spouted as much nonsense about Egyptian concepts as Mr. Wilson is capable of thinking—if one can call it thinking—in a single week regarding European concepts!

[ 17 ] Die Griechen erzählten, daß Kronos mit Rhea auf eine nicht richtige Weise einen Sohn gezeugt habe. Also die Griechen sprechen von Kronos und Rhea — wir werden gleich nachher sehen, wie sie in die griechische Mythe hineingehören, Kronos und Rhea —, und dieser unrechtmäßige Sohn, der so erzeugt worden ist, das war der Osiris. Also denken Sie einmal: Die Griechen hören von den Ägyptern, daß die einen Osiris haben; und die Griechen ihrerseits erzählen über diesen Osiris, daß er ein Sohn sei von Kronos und Rhea, aber auf eine nicht richtige Weise gezeugt, so unrichtig gezeugt, daß der Helios, der Sonnengott, über die Sache so wütend wurde, daß er die Rhea deshalb unfruchtbar gemacht hat.

[ 17 ] The Greeks told the story that Cronus had fathered a son with Rhea in an improper manner. So the Greeks speak of Cronus and Rhea—we’ll see in a moment how they fit into Greek mythology, Cronus and Rhea—and this illegitimate son, who was conceived in this way, was Osiris. So just think about it: The Greeks hear from the Egyptians that they have a figure named Osiris; and the Greeks, for their part, tell the story of this Osiris, saying that he was a son of Cronus and Rhea, but conceived in an improper way—so improper, in fact, that Helios, the sun god, became so furious about the matter that he rendered Rhea barren as a result.

[ 18 ] Also eine gewisse Verwandtschaft finden die Griechen zwischen ihren eigenen Göttervorstellungen und den ägyptischen Göttervorstellungen. Aber auf der andern Seite wiederum: was die Ägypter in gewissem Sinne als ihren höchsten Gottesbegriff doch auffassen, den Osirisbegriff, das verbinden die Griechen mit einer ungesetzlichen Entstehung, durch Kronos und Rhea, aus dem Titanengeschlecht also.

[ 18 ] Thus, the Greeks find a certain kinship between their own conceptions of the gods and the Egyptian conceptions of the gods. But on the other hand: what the Egyptians, in a certain sense, regard as their highest concept of God—the concept of Osiris—the Greeks associate with an illegitimate origin, through Cronus and Rhea, and thus from the race of the Titans.

[ 19 ] Äußerlich zunächst begreift man dieses — wir werden es viel tiefer noch zu begreifen haben —, wenn man sich klarmacht: Die Ägypter wollten das Ewige der Menschenseele kennenlernen, dasjenige, das durch Geburten und Tode geht. Aber um dieses Ewige im Leben kennenzulernen, richteten die Ägypter vor allen Dingen ihren Seelenblick nach dem Tode hin. Osiris ist den Menschen in Ägypten, durch welche die Griechen von Osiris erfahren haben, nicht mehr der Gott der Lebendigen, sondern der Gott der Toten, der Gott, der auf dem Weltenthrone sitzt und richtet, wenn der Mensch durch des Todes Pforte gegangen ist, der Gott also, den der Mensch nach dem Tode zu begrüßen hat. Gleichzeitig aber wußte der Ägypter: derselbe Gott, der die Menschen richtet nach dem Tode, er hat einmal über die Lebendigen geherrscht.

[ 19 ] On the surface, one can grasp this—though we will come to understand it much more deeply later—by realizing that the Egyptians sought to understand the eternal aspect of the human soul, that which passes through births and deaths. But in order to come to know this eternal aspect in life, the Egyptians directed their spiritual gaze, above all, toward the afterlife. To the people of Egypt—through whom the Greeks learned of Osiris—Osiris is no longer the god of the living, but the god of the dead, the god who sits upon the throne of the world and judges once a person has passed through the gate of death; in other words, the god whom a person must greet after death. At the same time, however, the Egyptians knew that the very same god who judges people after death had once ruled over the living.

[ 20 ] Schon wenn man diese Vorstellungen zusammennimmt, wird man nicht mehr geneigt sein, dem Dupuisschen Urteile zuzustimmen, daß es sich nur um Sternenvorgänge gehandelt hat. Diese Dupuis-Urteile haben viel Bestrickendes; aber bei einem intimeren Zuschauen erweisen sie sich doch als recht oberflächlich. Ich sagte, die Ägypter richteten sich vor allen Dingen — in der Zeit, als die Griechen von ihnen den Osirisbegriff bekamen — auf die menschliche Seele nach dem Tode hin. Das lag den Griechen fern. Gewiß, diese Griechen sprachen schon auch von der menschlichen Seele nach dem Tode. Aber indem sie von ihren Göttern sprachen, sprachen sie nicht eigentlich von Osirisnaturen, nicht von solchen Göttern, die vorzugsweise richten nach dem Tode. Das Geschlecht, dem Zeus angehört, das ist ein Göttergeschlecht für Lebende. Zu dem blickte der Mensch vorzugsweise hinauf, wenn er diejenige Welt seelisch ins Auge faßte, welcher der Mensch angehört zwischen der Geburt und dem Tode — ein Göttergeschlecht für Lebende: Zeus, Hera, Pallas Athene, Mars, Apollo und so weiter. Aber es waren eben diese Götter, man könnte sagen, das für die Griechen zunächst letzte Göttergeschlecht, denn die Griechen richteten ihren Blick auf drei hintereinanderliegende Göttergenerationen.

[ 20 ] Even if one simply takes these ideas together, one will no longer be inclined to agree with Dupuis’s assertions that these were merely celestial phenomena. There is much that is captivating about these assertions by Dupuis; but upon closer examination, they prove to be quite superficial. I said that the Egyptians focused above all—at the time when the Greeks adopted the concept of Osiris from them—on the human soul after death. This was far from the Greeks’ concerns. Certainly, these Greeks also spoke of the human soul after death. But when they spoke of their gods, they were not actually speaking of Osiris-like beings, nor of gods who primarily judge after death. The lineage to which Zeus belongs is a lineage of gods for the living. It was to this lineage that people primarily looked up when they contemplated, in their hearts, the world to which human beings belong between birth and death—a lineage of gods for the living: Zeus, Hera, Pallas Athena, Mars, Apollo, and so on. But it was precisely these gods—one might say the first and final generation of gods for the Greeks—for the Greeks directed their gaze toward three successive generations of gods.

[ 21 ] Die älteste Göttergeneration schließt sich an Uranos und Gäa an, oder besser gesagt an Gäa und Uranos. Das war das älteste Götterpaar, mit allen Geschwistern und so weiter, die dazugehörten. Von diesem Götterpaar stammten die Titanen ab, zu denen auch Kronos und Rhea gehörten, vor allen Dingen aber auch Okeanos. Sie wissen, daß durch gewisse grausame Maßregeln — so wird erzählt im Mythus der Uranos den Zorn seiner Gattin Gäa hervorgerufen hat, so daß diese den Kronos, ihren Sohn, bewogen hat, den Vater auf dem Weltenthron unmöglich zu machen. Und wir sehen dann abgelöst diese ältere Götterherrschaft von der jüngeren, von Kronos und Rhea, mit alledem, was dazugehört. Sie wissen ja auch, daß der Kronos im griechischen Mythus — ich hebe einzelne Züge hervor, die wir besonders brauchen werden — die in mancher Beziehung etwas unsympathische Eigenschaft hatte, daß er seine Kinder alle verschlang, nachdem sie geboren waren, was der Mutter Rhea unangenehm war. Und Sie wissen auch, daß sie den Zeus dann bewahrt hat, und den Zeus wiederum herangezogen hat, seinerseits den Kronos zu stürzen, wie der Kronos den Uranos gestürzt hat, nur auf eine andere Weise; so daß dann das neue Göttergeschlecht kommt. Es ist besser, wenn ich es umgekehrt schreibe, also: Rhea-Kronos. Und dann haben wir Hera und Zeus mit allem, was dazugehört, mit allen Geschwistern, Kindern und so weiter.

[ 21 ] The oldest generation of gods followed Uranus and Gaia—or rather, Gaia and Uranus. They were the oldest divine couple, along with all their siblings and so on who belonged to that generation. The Titans were descended from this divine couple; among them were Cronus and Rhea, but above all, Oceanus. As you know, through certain cruel acts—as the myth recounts—Uranus provoked the wrath of his wife Gaia, causing her to persuade Cronus, her son, to depose his father from the throne of the world. And we then see this older divine rule replaced by the younger one, that of Cronus and Rhea, with all that goes along with it. You also know that in Greek mythology—I am highlighting specific traits that we will need in particular—Cronus had the somewhat unsympathetic characteristic, in some respects, of devouring all his children after they were born, which displeased his mother Rhea. And you also know that she then spared Zeus, and raised Zeus in turn to overthrow Cronus himself, just as Cronus had overthrown Uranus, only in a different way; so that the new generation of gods then emerges. It’s better if I write it the other way around, that is: Rhea-Cronus. And then we have Hera and Zeus with everything that goes with them, with all their siblings, children, and so on.

[ 22 ] Ein bedeutsamer Zug in der Mythe, den ich erwähnen muß, weil wir ihn brauchen werden, wenn wir die Mythe als Grundlage für allerlei Weltanschauungsvorstellungen betrachten wollen, ist der, daß Zeus, bevor er die Titanen besiegt und in den Tartaros gestürzt hat, ehe er das getan hat, die Göttin Metis, die Göttin der Klugheit bewogen hatte, ihm ein Brechmittel zu fabrizieren, wodurch die von Kronos sämtlich verschlungenen Kinder wiederum an den Tag befördert werden konnten, so daß sie also wieder da waren. Also dadurch konnte Zeus zu seinen Geschwistern wiederum kommen, nicht wahr, denn die waren ja in dem Leib des Kronos drinnen gewesen; nur Zeus selber war durch die Mutter Rhea gerettet worden.

[ 22 ] An important aspect of the myth that I must mention—because we will need it if we are to consider the myth as the basis for all sorts of worldview concepts—is that Zeus, before he defeated the Titans and cast them into Tartarus, before he did that, persuaded the goddess Metis, the goddess of wisdom, to concoct an emetic for him, by which means all the children swallowed by Cronus could be brought back into the world, so that they were there again. Thus, Zeus was able to be reunited with his siblings, wasn’t he, since they had been inside Cronus’s body; only Zeus himself had been saved by his mother, Rhea.

[ 23 ] Und so haben wir drei aufeinanderfolgende Göttergenerationen: Gäa-Uranos; Uranos durch die Gäa gestürzt, weil er grausam war, durch die Kinder Kronos und Rhea verdrängt; dann Kronos wiederum gestürzt durch Zeus, ebenfalls auf Anstiften der Rhea. In dem Zeuskreise haben wir diejenigen Götter, die uns da entgegentreten, wo die eigentliche griechische Geschichte an uns herantritt.

[ 23 ] And so we have three successive generations of gods: Gaia and Uranus; Uranus overthrown by Gaia because he was cruel, and in turn overthrown by his children Cronus and Rhea; then Cronus, in turn, overthrown by Zeus, also at Rhea’s instigation. In the circle of Zeus, we find those gods who confront us at the point where true Greek history comes to meet us.

[ 24 ] Nun möchte ich Sie besonders aufmerksam machen auf einen sehr bedeutsamen Zug dieser griechischen Göttermythologie. Er wird wenig klar hervorgehoben, trotzdem er einer der wichtigsten Züge ist. Drei aufeinanderfolgende Göttergeschlechter: das sind also die Herrscher des Makrokosmos. Aber während Gäa und Uranos, Rhea und Kronos, Hera und Zeus regieren, ist überall nach der griechischen Vorstellung der Mensch schon da. Von dem Menschen ist schon durchaus die Rede. Als also Kronos mit der Rhea noch gar nicht regierte, sondern noch die Gäa mit dem Uranos, namentlich aber als der Kronos mit der Rhea regierte und der Zeus noch gar nicht im Besitze seines Brechmittels und dergleichen war, da waren schon nach Anschauung der Griechen die Menschen auf der Erde. Und sie lebten, wie die Griechen erzählten, sogar ein glücklicheres Leben als später. Die späteren Menschen sind die Nachkommen dieser früheren Menschen. So daß man also sagen muß, der Grieche hatte das Bewußtsein: oben regiert Zeus, aber wir Menschen stammen ab von andern Vorfahren, die noch nicht von Zeus regiert worden sind. Das ist ein wichtiger Zug der griechischen Götterlehre: daß der Grieche seinen Zeus, seine Hera, seine Pallas Athene verehrte, aber sich klar war, daß die nicht ihn geschaffen haben, was man im allgemeinen «schaffen» nennt, sondern daß die Menschen viel früher da waren, als die Herrschaft dieser Götter begonnen hat.

[ 24 ] Now I would like to draw your attention in particular to a very significant aspect of this Greek mythology. It is not clearly emphasized, even though it is one of the most important aspects. Three successive generations of gods: these are the rulers of the macrocosm. But according to Greek conception, humans are already present everywhere while Gaia and Uranus, Rhea and Cronus, and Hera and Zeus reign. There is already definite mention of humans. So even when Cronus and Rhea were not yet ruling—but rather Gaia and Uranus were still in power—and especially when Cronus and Rhea were ruling and Zeus had not yet come into possession of his emetic and the like, humans were already on Earth according to the Greeks’ view. And, as the Greeks recounted, they even lived a happier life than they did later. Later humans are the descendants of these earlier humans. Thus, one must say that the Greeks were aware that Zeus ruled above, but that we humans are descended from other ancestors who had not yet been ruled by Zeus. This is an important feature of Greek mythology: that the Greeks worshipped their Zeus, their Hera, and their Pallas Athena, but were clear that these gods did not “create” them—in the sense generally understood—but that humans existed long before the reign of these gods began.

[ 25 ] Daß dies besonders wichtig ist für die griechischen Götter, kann Ihnen dann auffallen, wenn Sie die Sache vergleichen mit der jüdischen Götterlehre. Es ist natürlich ganz undenkbar, daß Sie denselben Zug auf die jüdische Götterlehre übertragen. Sie können sich unmöglich vorstellen, daß nach dem Alten Testament die Menschen auf Vorfahren hinweisen würden, die noch nicht unter der Herrschaft von Jahve und den Elohim gestanden hätten. Also das ist etwas, was in gewaltiger Weise verschieden ist in der griechischen Götterlehre. Der Grieche sieht hinauf zu seinen Göttern und weiß: die regieren zwar jetzt, aber die haben mit dem, was ich «Schaffen des Menschengeschlechts» nenne, zunächst nichts zu tun.

[ 25 ] You may realize that this is particularly important for the Greek gods when you compare it with Jewish theology. It is, of course, completely unthinkable that you would apply the same concept to Jewish theology. You cannot possibly imagine that, according to the Old Testament, people would refer to ancestors who had not yet been under the rule of Yahweh and the Elohim. So this is something that differs enormously in Greek theology. The Greek looks up to his gods and knows: although they rule now, they initially have nothing to do with what I call “the creation of the human race.”

[ 26 ] Das war durchaus nicht möglich innerhalb der alttestamentlichen Vorstellungen. Da hatten diejenigen, zu denen man als zu Göttern aufsah, in der Hauptsache wohl mehr mit der Schöpfung des Menschen zu tun. Bei den Dingen, die man so im Weltengange betrachtet, da ist es schon wichtig, daß solche Sachen ins Auge gefaßt werden. Und nicht darauf kommt es an, daß man sich bloß Vorstellungen macht, sondern darauf, daß man die Vorstellungen, die einem die Wirklichkeit vermitteln, ins Auge zu fassen vermag; die besonders charakteristischen, die besonders tragenden Vorstellungen, die muß man ins Auge fassen. Und damit haben wir sogleich einen wichtigen Zug der griechischen Götterlehre ins Auge gefaßt. Sie wollen wir zunächst einmal vor unserer Seele hinstellen. Wenn der Grieche also zu seinen Göttern hinaufsah, so waren sie ihm nicht diejenigen, von denen er das Bewußtsein hatte: sie haben mich erschaffen. Denn die Menschen waren eben, wie gesagt, schon früher da, bevor diese Götter ihr Regiment angetreten haben. Also dasjenige, was diese Götter konnten, das war für den Griechen gewiß etwas recht Respektables, aber sie konnten für ihn nicht ein Menschengeschlecht auf einem Planeten hervorbringen. Das lag im griechischen Bewußtsein: diese Götter konnten nicht ein Menschengeschlecht hervorbringen.

[ 26 ] That was by no means possible within the framework of Old Testament concepts. There, those who were regarded as gods were, for the most part, more closely associated with the creation of humankind. When considering the course of the world, it is indeed important to take such matters into account. And what matters is not merely forming ideas, but being able to grasp the ideas that reality conveys to us; one must grasp the particularly characteristic, the particularly fundamental ideas. And with that, we have immediately grasped an important feature of Greek mythology. Let us first place this before our minds. When the Greeks looked up to their gods, these were not the ones of whom they were conscious as having created them. For, as I said, human beings were already there before these gods assumed their rule. So what these gods were capable of was certainly something quite respectable to the Greeks, but they could not, in his view, bring forth a human race on a planet. This was part of the Greek consciousness: these gods could not bring forth a human race.

[ 27 ] Nun, was waren denn für dieses griechische Bewußtsein eigentlich die Götter dieses Zeuskreises, diese olympischen Götter? Wenn man auch nur geschichtlich sich eine Vorstellung davon machen will, was diese Götter waren — ich meine jetzt im griechischen Bewußtsein, wir haben ja natürlich verschiedenes über diese Götter gesagt, aber wir wollen uns jetzt einmal in dieses griechische Bewußtsein versetzen —, was waren denn da diese Götter? Nun, sie waren nicht Wesen, die unter gewöhnlichen Umständen unter den Menschen herumspazierten. Sie wohnten ja auf dem Olymp, sie wohnten auf den Wolken und dergleichen. Sie machten nur manchmal sympathische oder auch unsympathische Besuche. Besonders Zeus, wie Sie wissen, machte manchmal sympathische oder unsympathische Besuche innerhalb der Menschenwelt. Sie waren in gewisser Beziehung nützlich; aber sie verrichteten auch Dinge, über die sich der moderne Mensch, der etwas philiströser ist als die Griechen, wahrscheinlich dadurch Recht verschaffen würde, daß er solch einem Zeus — einen Ehescheidungsprozeß an den Hals hinge oder so etwas. Jedenfalls, nicht wahr, waren diese Götter mit den Menschen in einem halb göttlichen, halb menschlichen Verhältnisse, und solche Wesen, so dachte man, sind nicht im Fleische verwirklicht. Wenn Zeus seine Dinge verrichten wollte, nicht wahr, dann nahm er ja allerlei Gestalten an: Schwan, goldener Regen oder dergleichen; also sie waren im gewöhnlichen Leben nicht im Fleische inkarniert, diese Götter.

[ 27 ] Well, what exactly were the gods of this Zeus circle—these Olympian gods—in the Greek consciousness? Even if we want to form just a historical idea of what these gods were—I mean in the Greek consciousness; of course, we’ve said various things about these gods, but let’s try to put ourselves in that Greek mindset for a moment—what were these gods, then? Well, they were not beings who, under ordinary circumstances, walked among human beings. They dwelt on Mount Olympus, they dwelt among the clouds, and so on. They only occasionally paid visits—some pleasant, others not so pleasant. Zeus in particular, as you know, would sometimes pay pleasant or unpleasant visits to the human world. They were useful in a certain sense; but they also did things for which modern people—who are somewhat more philistine than the Greeks—would probably seek justice by, say, dragging Zeus into a divorce proceeding or something of the sort. In any case, weren’t these gods in a half-divine, half-human relationship with humans, and such beings, it was thought, are not embodied in the flesh. When Zeus wanted to carry out his deeds, didn’t he take on all sorts of forms: a swan, golden rain, or the like? So these gods were not incarnated in the flesh in ordinary life.

[ 28 ] Aber wenn man wiederum tiefer schaut auf der andern Seite, dann ist es doch so, daß die Griechen das Bewußtsein hatten: Diese Götter hängen zusammen mit Menschen, die in der Vorzeit gelebt haben. Viel mehr als auf den Zusammenhang mit den Sternen, den Dupuis meint, schauten die Griechen doch auch hinauf zu Menschen der Vorzeit und brachten — ich bitte, jetzt genau zuzuhören, wie ich den Satz forme, denn darauf kommt es an —, und brachten die Vorstellung von dem Wesen des Zeus in Verbindung mit irgendwelchen alten Herrschern oder dergleichen, einer längst vergangenen Zeit. Also bitte, ich habe nicht gesagt, daß die Griechen die Vorstellung hatten, das, was sie sich unter dem Zeus vorstellten, das wäre ein alter Herrscher gewesen; sondern ich sage: Das, was man sich als den Zeus vorstellte, brachte man in Verbindung mit einem alten Herrscher, der einmal in längst vergangenen Zeiten gelebt hat. Denn die Art der Verbindung für den Zeus und auch für andere Götter, war eine ziemlich komplizierte.

[ 28 ] But if, on the other hand, one looks more deeply at the other side, it is indeed the case that the Greeks were aware that these gods were connected to people who lived in ancient times. Far more than focusing on the connection with the stars, as Dupuis suggests, the Greeks also looked up to people of ancient times and—please listen carefully now to how I phrase this, because this is crucial—they associated the concept of Zeus’s nature with certain ancient rulers or the like from a time long past. So please, I did not say that the Greeks believed what they imagined Zeus to be was an ancient ruler; rather, I am saying: What they imagined as Zeus, they associated with an ancient ruler who once lived in times long past. For the nature of the connection—for Zeus and also for other gods—was quite complicated.

[ 29 ] Wir wollen einmal die Worte etwas pressen, damit wir uns Vorstellungen bilden können über das, was da eigentlich zugrunde liegt. Nehmen wir also an, irgendeinmal habe in Thrazien, in einem der Gebiete des nördlicheren Griechenland, eine Persönlichkeit auf dem physischen Plane gelebt, an welche die Zeusvorstellung anknüpft. Nun, da war der Grieche, schon der ganz gewöhnliche Grieche, sich durchaus klar: Ich verehre nicht etwa diesen Vorfahren, ich verehre auch nicht die einzelne Individualität, die in diesem Vorfahren gewohnt hat, aber ich verehre doch etwas, was mit diesem alten Vorfahren, diesem alten König in Thrazien oder Epirus, irgendwo, etwas zu tun hat. — Der Grieche hatte nämlich die Vorstellung, es gab einmal einen solchen König, in dessen ganzem Wesen nicht nur dessen eigene Individualität gelebt hat, sondern die Individualität eines übersinnlichen Wesens; die hat sich ausgedrückt, hat sich auf der Erde dargelebt dadurch, daß sie einmal in einen Menschen gefahren ist. Also damit war der Zeusbegriff nicht verirdischt, aber er war in Zusammenhang gebracht mit einem alten Herrscher, der einmal das Gewand, oder sagen wir die Behausung, abgegeben hatte für dieses Zeuswesen.

[ 29 ] Let’s examine these words a bit more closely so that we can form an idea of what actually underlies them. So let’s assume that at some point in Thrace, in one of the regions of northern Greece, a person lived on the physical plane who is associated with the concept of Zeus. Now, the Greek—even the most ordinary Greek—was quite clear about this: I do not worship this ancestor, nor do I worship the individual personality that dwelt within this ancestor, but I do worship something that has something to do with this ancient ancestor, this ancient king in Thrace or Epirus, or wherever. — For the Greeks held the belief that there had once been such a king, in whose entire being lived not only his own individuality, but also the individuality of a supersensible being; this being had expressed itself and lived out its existence on earth by once entering into a human being. Thus, the concept of Zeus was not reduced to the earthly realm, but it was associated with an ancient ruler who had once yielded his garment—or, shall we say, his dwelling—to this Zeus-being.

[ 30 ] Es unterschied der Grieche also wesentlich dasjenige, was er sich von Zeus vorstellte, von der Menschenindividualität, die in dem Körper gelebt hat, auf welche die Zeusvorstellung bezogen wurde. Aber gewissermaßen den Ausgangspunkt nahm die Zeusherrschaft, die Zeus-Götterherrschaft dadurch, daß der Zeus zunächst heruntergestiegen ist, in einem Menschen gewohnt hat, von da aus seine Angriffspunkte gefunden hat, um im Menschenwesen weiter zu wirken — jetzt nicht mehr wie ein gewöhnlicher Mensch, sondern eben als «Olympier». Und so ist es auch bei den andern griechischen Göttern.

[ 30 ] The Greeks thus made a fundamental distinction between what they conceived of as Zeus and the human individuality that lived within the body to which the concept of Zeus was related. But in a sense, the reign of Zeus—the divine rule of Zeus—began with Zeus first descending to earth, dwelling within a human being, and from there finding his points of entry to continue working within the human being—no longer as an ordinary human, but precisely as an “Olympian.” And so it is with the other Greek gods as well.

[ 31 ] Warum hat sich denn der Grieche eine solche Vorstellung gemacht, die Vorstellung: Da hat es einmal einen Herrscher gegeben, der war gewissermaßen von Zeus besessen; jetzt gibt es aber keinen Herrscher mehr, der von Zeus besessen sein kann, sondern der Zeus regiert nur noch als übersinnliches Wesen. Warum hat sich der Grieche diese Vorstellung gebildet? Weil der Grieche wußte, daß die Menschenentwickelung fortgeschritten war, daß sie sich geändert hat; mit andern Worten, weil der Grieche wußte, daß es alte Zeiten gegeben hat, wo in besonders hervorragendem Maße die Menschen Imaginationen haben konnten, und als sie diese Imaginationen haben konnten, da konnten sie solche Wesen wie den Zeus aufnehmen, da konnte er im Menschenleibe wohnen. Dann ging die Zeit vorüber, in der die Menschen auf Erden Imaginationen in besonders hervorragendem Maße haben konnten. Es blieb ja natürlich immer ein gewisses Hellsehen für einige. Aber das Maßgebende der Imaginationen, das verging. Die Wesen, die noch reale Imaginationen haben können, die können für das Leben, das der Mensch kennt zwischen Geburt und Tod, nur im Übersinnlichen walten.

[ 31 ] Why, then, did the Greeks form such a conception—the idea that there once was a ruler who was, so to speak, possessed by Zeus; but now there is no longer any ruler who can be possessed by Zeus, and Zeus reigns only as a supernatural being? Why did the Greeks form this conception? Because the Greeks knew that human development had progressed, that it had changed; in other words, because the Greeks knew that there had been ancient times when people were capable of imagination to a particularly remarkable degree, and when they were capable of such imagination, they could receive beings such as Zeus, who could dwell within the human body. Then the time passed when people on Earth could have imaginations to a particularly remarkable degree. Of course, a certain degree of clairvoyance always remained for some. But the defining aspect of the imaginations—that passed away. The beings who can still have real imaginations can only act in the supersensible realm with regard to the life that human beings know between birth and death.

[ 32 ] Das ist das Wesentliche, was die Griechen von ihren Göttern sich vorstellten: es waren Wesen, die imaginieren konnten. Aber die Zeit ist vorbei, wo solche Wesen, die imaginieren können, in Menschenleiber hineingehen können; denn die Menschenleiber sind nicht mehr geeignet zum Imaginieren. So sagten sich die Griechen: Wir werden beherrscht von einem Wesensgeschlechte, welches imaginieren kann, während wir nicht mehr imaginieren können. — Der Grieche hatte eine ganz unsentimentale Vorstellung von seinen Göttern. Es wäre ja auch schwer geworden, dem Zeus gegenüber sentimental zu sein. Der Grieche sagte sich doch im stillen, nun, ich werde die Sache jetzt wieder etwas pressen, man muß aber die Dinge manchmal etwas retuschieren, wenn man ganz deutlich werden will: Wir Menschen machen eine richtige Entwickelung durch; wir haben die Entwickelung durchmachen müssen von atavistischem Hellsehen in Intuition, in Inspiration, in Imagination. Jetzt müssen wir das gewöhnliche gegenständliche Denken haben. Aber die Götter, die haben sich darauf nicht eingelassen, die sind bei ihrem Imaginieren geblieben; sonst müßten sie Menschen werden, müßten im Fleische hier herumwandeln. Das hat denen nicht gepaßt — so etwa dachten doch die Griechen in ihrer unsentimentalen Art, sich zu den Göttern zu verhalten —, zum gegenständlichen Denken überzugehen, daher sind sie nicht heruntergestiegen auf die Erde, sondern sind beim Imaginieren geblieben. Aber dadurch beherrschen sie uns; denn sie haben gewissermaßen mehr Macht, weil das imaginative Vorstellen mächtiger ist, wenn es ausgenützt wird, als das gegenständliche Vorstellen.

[ 32 ] This is the essence of what the Greeks imagined their gods to be: beings capable of imagining. But the time has passed when such beings, capable of imagining, can enter human bodies; for human bodies are no longer suited to imagining. Thus the Greeks said to themselves: We are ruled by a race of beings capable of imagination, whereas we ourselves can no longer imagine. — The Greeks had a completely unsentimental conception of their gods. After all, it would have been difficult to be sentimental toward Zeus. The Greeks said to themselves in private, “Well, I’ll push the point a bit further now, but sometimes one has to embellish things a little if one wants to be perfectly clear”: We humans are undergoing a genuine evolution; we have had to evolve from atavistic clairvoyance to intuition, to inspiration, to imagination. Now we must adopt ordinary concrete thinking. But the gods—they haven’t gone along with that; they’ve stuck to their imagination; otherwise they’d have to become human, would have to walk around here in the flesh. That did not suit them—or so the Greeks thought, in their unsentimental way of relating to the gods—to make the transition to concrete thinking; therefore, they did not descend to earth but remained in the realm of imagination. But in this way they dominate us; for they have, so to speak, more power, because imaginative conception is more powerful, when utilized, than concrete conception.

[ 33 ] Daraus aber ersehen Sie, daß die Griechen zurückblickten auf eine Zeit, wo das Vorstellen, das Anschauen, das Wahrnehmen des Menschen anders war, und daß dieses Zurückblicken zusammenhing mit den griechischen Göttervorstellungen. So blickten sie zurück auf Zeus, Hera, und sagten: Die beherrschen uns jetzt; früher waren wir auch so, aber wir haben uns weitergebildet, sind schwächer geworden. Daher können die über uns herrschen; die sind so geblieben, wie es dazumal war. — Einen gewissen luziferischen Charakter, würden wir heute sagen, gaben die Griechen damit ihren Göttern. Und diejenigen Wesen, welche beim Imaginieren stehengeblieben waren — das bildete sich im griechischen Bewußtsein heraus —, das waren wiederum die Nachkommen derjenigen Wesen, die nun gar beim Inspirieren stehengeblieben sind. Hera und Zeus sind beim Imaginieren, Rhea und Kronos beim Inspirieren stehengeblieben, Gäa und Uranos beim Intuitieren.

[ 33 ] From this, however, you can see that the Greeks looked back on a time when human imagination, perception, and cognition were different, and that this looking back was connected to Greek conceptions of the gods. Thus they looked back to Zeus and Hera and said: “They rule over us now; we used to be like that too, but we have evolved and grown weaker. That is why they can rule over us; they have remained as they were back then.”—We would say today that the Greeks thereby endowed their gods with a certain Luciferic character. And those beings who had remained at the stage of imagination—as this came to be recognized in Greek consciousness—were in turn the descendants of those beings who had now come to a standstill at the stage of inspiration. Hera and Zeus remained at the stage of imagination, Rhea and Cronus at the stage of inspiration, and Gaia and Uranus at the stage of intuition.

[ 34 ] Der Grieche hat auf seine eigene Seele geschaut, und mit der Entwickelung der Menschheit und ihren Bewußtseinszuständen brachte er seine Göttergenerationen in Zusammenhang. Das fühlte er, das empfand er. Die ältesten Götter, Gäa und Uranos waren solche Wesen, deren ganzes inneres Verhältnis zur Welt dadurch geordnet war, daß sie intuitierten. Sie wollten beim Intuitieren bleiben; dagegen haben sich die Inspirierenden gewendet. Und wiederum die Inspirierenden wollten beim Inspirieren bleiben; dagegen haben sich die Imaginierenden gewendet. Es sind also die Intuitierenden untergegangen durch die Inspirierenden, die Inspirierenden durch die Imaginierenden. Wir leben als Menschen, über uns die Imaginierenden. Nun, Sie wissen ja, daß der Grieche im Prometheusmythus schon das Gelüste hatte, auch gegen die Imaginierenden irgendwelche Mittel zu finden.

[ 34 ] The Greeks looked into their own souls, and they linked their generations of gods to the development of humanity and its states of consciousness. They felt this; they sensed it. The oldest gods, Gaia and Uranus, were beings whose entire inner relationship to the world was governed by their intuition. They wished to remain with intuition; the inspired ones, however, turned away from this. And in turn, the inspired ones wished to remain with inspiration; the imaginative ones, however, turned away from this. Thus, the intuitives were supplanted by the inspired, and the inspired by the imaginative. We live as human beings, with the imaginative above us. Well, as you know, the Greeks, in the myth of Prometheus, already harbored the desire to find some means to counter the imaginative as well.

Mensch =

Gäa — Uranos = Intuition
Rhea — Kronos = Inspiration
Hera — Zeus = Imagination

Human =

Gaia — Uranus = Intuition
Rhea — Cronus = Inspiration
Hera — Zeus = Imagination

[ 35 ] So stuften die Griechen ihre Götter ab, daß die Griechen in der Abstufung ihrer Götter zeigten, wie sie zurückblickten auf frühere Bewußtseinszustände derjenigen Wesenheit, die sich als Menschheit zu gleicher Zeit entwickelt hat. Die Griechen zeigten, daß sie das mit diesem Zurückblicken auf die Götter verbanden. Denken Sie, wie tief bedeutsam dieses für das Verständnis des griechischen Bewußtseins ist! So sah der Grieche, indem er auf seine Göttergenerationen zurücksah, zurück auf Vergangenes im geistigen Leben. Er brachte die alten intuitierenden Wesen mit Gäa, der Erde, und Uranos, dem Himmel, in Zusammenhang; er brachte die inspirierenden Götter mit Rhea und Kronos in Zusammenhang. Gäa und Uranos merkt man noch an, was sie sind, Rhea und Kronos, sie werden als Titanen geschildert. Was sind sie eigentlich?

[ 35 ] The Greeks classified their gods in such a way that, through this classification, they revealed how they looked back on earlier states of consciousness of that being which developed as humanity at the same time. The Greeks showed that they associated this with their looking back on the gods. Consider how profoundly significant this is for understanding Greek consciousness! Thus, by looking back on their generations of gods, the Greeks looked back on the past in spiritual life. They associated the ancient, intuitive beings with Gaia, the Earth, and Uranus, the Sky; they associated the inspiring gods with Rhea and Cronus. One can still recognize what Gaia and Uranus are; as for Rhea and Cronus, they are described as Titans. What are they, actually?

[ 36 ] Nun, von dem, was da zugrunde liegt, ist der Menschheit seit ein paar Jahrhunderten fast alles Bewußtsein geschwunden. Aber ich erinnere Sie daran: Sie werden dies ja wissen, daß vor ein paar Jahrhunderten — Sie können das noch bei Jakob Böhme und Paracelsus finden, es geht bis Saint-Martin — das Menschenwesen noch in Zusammenhang gebracht worden ist mit drei grundlegenden Elementen.

[ 36 ] Well, for the past few centuries, humanity has lost almost all awareness of what underlies this. But let me remind you—as you surely know—that a few centuries ago—you can still find this in the works of Jakob Böhme and Paracelsus, and it extends all the way to Saint-Martin—the human being was still regarded as connected to three fundamental elements.

[ 37 ] Bei Jakob Böhme heißt es noch: Sal — das Salz, Mercur — das Quecksilber, Sulfur — der Schwefel. Im Mittelalter sagte man: Sal — Mercur — Sulfur. Man meinte nicht dasselbe, aber was man meinte, hatte etwas zu tun mit dem, worauf der Grieche deutete, wenn er sagte: UranosGäa, beziehungsweise Gäa-Uranos, Rhea-Kronos, Hera-Zeus. Denn sehen Sie, der Kronos hat den Uranos entfernt von der Weltenherrschaft. Die Gäa ist, würden wirsagen, so gut wie Witwe geworden. Was ist sie denn da geworden? Da ist sie erst das geworden, was Erde ist, aber nicht die gewöhnliche Erde, die wir draußen finden, sondern diejenige Erde, die der Mensch in sich trägt: das Salz. Könnte der Mensch — das wußten die mittelalterlichen Naturforscher — sich in bewußter Weise seines in ihm befindlichen Salzes bedienen, dann würde er intuitieren können. Also der Prozeß war noch ein lebendiger in der alten Gäa-Uranoszeit, der in die Tiefe der menschlichen Natur hinuntergegangen ist.

[ 37 ] Jakob Böhme also states: Sal—salt, Mercur—mercury, Sulfur—sulfur. In the Middle Ages, people said: Sal—Mercur—Sulfur. They did not mean the same thing, but what they meant had something to do with what the Greeks were referring to when they said: Uranos-Gaia, or Gaia-Uranos, Rhea-Cronus, Hera-Zeus. For you see, Cronus removed Uranus from rule over the world. Gaia, as we might say, had practically become a widow. What did she become then? She first became what the Earth is—but not the ordinary Earth we find outside, rather the Earth that human beings carry within themselves: salt. If human beings—as the medieval natural philosophers knew—could consciously make use of the salt within them, then they would be able to intuit. So this process was still a living one in the ancient Gaia-Uranus era, a process that descended into the depths of human nature.

[ 38 ] Ein jüngerer Prozeß, der aber auch schon in die Tiefe der menschlichen Natur hinuntergegangen ist, ist der, den man bezeichnen könnte als Rhea-Kronosprozeß. Die Griechen sagten: Die Gewalt der Rhea hat sich einmal ausgebreitet, und «Kronos» waren die Kräfte, die der Rhea gegenüberstanden. Kronos ist gestürzt worden. Was ist geblieben? Nun, so wie von Uranos-Gäa das tote Salz geblieben ist, so ist von Kronos-Rhea das Flüssige, das Merkur geblieben; das im Menschen Flüssige, das Tropfenform annehmen kann, das ist zurückgeblieben. Aber der Mensch kann sich dessen auch nicht bewußterweise bedienen; es ist in die unbewußten Tiefen heruntergegangen.

[ 38 ] A more recent process—one that has, however, also delved deep into human nature—is what might be called the Rhea-Cronus process. The Greeks said: The power of Rhea once spread far and wide, and “Cronus” represented the forces that opposed her. Cronus has been overthrown. What remains? Well, just as the dead salt remained from Uranus and Gaia, so from Cronus and Rhea the fluid—Mercury—has remained; that which is fluid within the human being, which can take the form of a drop, has remained. But the human being cannot consciously make use of it either; it has descended into the depths of the unconscious.

[ 39 ] Heute ist das natürlich längst vorbei, und in der Griechenzeit selber war es schon vorbei; denn die Griechen sagten sich ja: Auf der Erde war die Zeuszeit in grauer Vorzeit, aber dazumal konnte sich der Mensch des in ihm befindlichen Schwefels bedienen. Würde der Mensch bewußt sich seines Salzes bedienen können, würde er intuitieren in atavistischer Weise. Könnte er sich seines Merkur, seines Flüssigen bedienen in bewußter Weise, würde er inspirieren; er würde imaginieren, wenn er sich seines Schwefels bedienen könnte — nicht in jenem übertragenen Sinne, sondern in wirklichem Sinne, wie es noch die mittelalterlichen Alchimisten verstanden, wenn sie von dem «philosophischen Schwefel» sprachen. Heute gibt es auch einen philosophischen Schwefel: Philosophieprofessoren, die fabrizieren ihn im reichlichsten Maße, aber das haben die Alchimisten nicht darunter verstanden, sondern sie haben verstanden ein Imaginieren, ein atavistisches Imaginieren, welches zusammenhing mit dem Gebrauche dieses im Menschen tätigen Schwefels. Die Menschen, so wollten die Griechen sagen — und ihre Mysterienpriester sagten es auch, denn die Mysterien von Sal, Mercur und Schwefel sind alt —, die Menschen, wollten die Griechen sagen, sie haben durch ihre Entwickelung überwunden den Atavismus, sich atavistisch des Schwefels zu bedienen. Aber Zeus und seine Geschwister haben sich ins Übersinnliche zurückgezogen und bedienen sich der Vorgänge des Schwefels. Daher kann Zeus seineBlitze schleudern. Könnte der Mensch ebenso wie ZeusBlitze schleudern, das heißt, könnte er den Schwefel durch Imagination in Realitäten umsetzen, könnte der Mensch innerlich bewußt Blitze schleudern, dann würde er atavistisch imaginieren. Das wollten die Griechen sagen, wenn sie von Zeus sprachen, daß er Blitze schleudern kann.

[ 39 ] Today, of course, that is long past, and it was already over even in the time of the Greeks; for the Greeks themselves said: On Earth, the Age of Zeus was in ancient times, but back then, human beings could make use of the sulfur within them. If human beings could consciously make use of their salt, they would intuit in an atavistic manner. If he could consciously make use of his Mercury, his fluid, he would inspire; he would imagine if he could make use of his sulfur—not in that figurative sense, but in a real sense, as the medieval alchemists still understood it when they spoke of “philosophical sulfur.” Today there is also a philosophical sulfur: philosophy professors produce it in abundance, but that is not what the alchemists meant by it; rather, they meant a process of imagination—an atavistic imagination—that was connected to the use of this sulfur active within the human being. Human beings, the Greeks wanted to say—and their mystery priests said it too, for the mysteries of salt, mercury, and sulfur are ancient—human beings, the Greeks wanted to say, have, through their evolution, overcome the atavism of making atavistic use of sulfur. But Zeus and his siblings have withdrawn into the supersensible realm and make use of the processes of sulfur. That is why Zeus can hurl his lightning bolts. If human beings could hurl lightning bolts just as Zeus does—that is, if they could transform sulfur into reality through imagination—if human beings could consciously hurl lightning bolts within themselves, then they would be imagining atavistically. This is what the Greeks meant when they spoke of Zeus’s ability to hurl lightning bolts.

[ 40 ] Nicht wahr, noch Saint-Martin, könnte man sagen, hat ja gewußt, daß mit dem Schwefel der Alchimisten etwas anderes gemeint ist als der gewöhnliche irdische Schwefel, von dem man höchstens sagen könnte — verzeihen Sie den harten Ausdruck —, er ist das Exkrement desjenigen, was noch Saint-Martin und die älteren unter dem wirklichen Schwefel verstanden, den sie auch den «philosophischen Schwefel» nannten. Und Saint-Martin spricht noch davon, wie das Blitzen und Donnern wirklich zusammenhängt mit den Vorgängen des makrokosmischen, oder man könnte sagen, des kosmischen Schwefels.

[ 40 ] Isn’t it true, one might say, that even Saint-Martin knew that the alchemists’ sulfur refers to something other than ordinary earthly sulfur, of which one could at most say—forgive the harsh expression— it is the excrement of that which Saint-Martin and his predecessors understood as the true sulfur, which they also called the “philosophical sulfur.” And Saint-Martin also speaks of how lightning and thunder are truly connected to the processes of the macrocosmic—or, one might say, the cosmic—sulfur.

[ 41 ] Heute schlängelt sich ja so manche physikalisch-naturwissenschaftliche Erklärung in die Wissenschaft hinein, welche — auch ein Schwefel ist, aber nicht gerade ein «philosophischer Schwefel». Denken Sie doch, heute sind die ganz gescheiten Leute natürlich darüber hinaus, von diesen Schwefelvorgängen im Kosmos zu sprechen, wenn Blitz und Donner entstehen; denn Blitz und Donner entstehen, so wie Sie es in den elementaren Physiklehrbüchern lesen können, durch so etwas wie Reibungsvorgänge in den Wolken, nicht wahr. Was rechtes Vernünftiges kann man sich ja nicht vorstellen bei dem, was über Blitz und Donner da gesagt wird; denn die nassen Wolken in ihrer gegenseitigen Wirkung sollen diese Elektrizität, die ja durch Blitz und Donner zutage tritt, erzeugen. Wenn man nun aber ein elektrisches Experiment macht in der Schulstube, so trocknet man sorgfältig alle Apparate, denn wenn nur ein bißchen Nässe ist, so entsteht nichts Elektrisches. Aber die Wolken sind scheinbar da oben nicht naß! Der Herr Lehrer kann nicht einmal mit einer nassen, ja nicht einmal mit einer nicht ganz trockenen Elektrisiermaschine etwas anfangen; aber gleichzeitig erklärt er, daß die nassen Wolken da mit der Entstehung der Elektrizität zusammenhängen sollen. Ja, solche Dinge mischen sich da schon hinein. Aber ich wollte nur sagen, daß bei Saint-Martin noch ein Bewußtsein davon vorhanden ist, daß dieses Element, von dem die Griechen träumten, wenn sie von Hera und Zeus sprachen, etwas zu tun hat mit Blitz und Donner.

[ 41 ] Today, quite a few explanations rooted in physics and the natural sciences are finding their way into scholarship—explanations that are, in a sense, a form of “sulfur,” but not exactly “philosophical sulfur.” Just think: today, the truly intelligent people have, of course, moved beyond speaking of these sulfur processes in the cosmos when lightning and thunder occur; for lightning and thunder arise—as you can read in elementary physics textbooks—through something like friction processes in the clouds, don’t they? It’s hard to make any sense of what’s said about lightning and thunder; for the wet clouds, through their mutual interaction, are supposed to generate this electricity, which is revealed through lightning and thunder. But when you conduct an electrical experiment in the classroom, you carefully dry all the apparatus, because if there’s even a little moisture, nothing electrical happens. But the clouds up there apparently aren’t wet! The teacher can’t even get anything to work with a wet electrostatic machine—or even one that isn’t quite dry—yet at the same time he explains that the wet clouds are supposed to be connected to the generation of electricity. Yes, such things do get mixed in there. But I just wanted to say that with Saint-Martin, there is still an awareness that this element—which the Greeks dreamed of when they spoke of Hera and Zeus—has something to do with lightning and thunder.

[ 42 ] Die Dinge liegen so, daß selbst schon oberflächliche Vorstellungen uns darauf hinweisen können, daß gewisse Naturprozesse, die Salz-, Merkur-, Schwefelprozesse, aber im alten Sinne aufgefaßt, zusammenhängen mit demjenigen, was die Griechen in ihrer Götterlehre hatten. Halten wir das zunächst fest. Wir müssen solche grundlegenden Begriffe haben, damit wir dann auf unsere Zeit in entsprechender Weise übergehen können.

[ 42 ] The fact is that even a superficial understanding can suggest to us that certain natural processes—the salt, mercury, and sulfur processes, understood in the ancient sense—are connected to what the Greeks had in their mythology. Let us note this for now. We must have such fundamental concepts so that we can then move on to our own time in an appropriate manner.

[ 43 ] Also die Griechen sahen zurück auf Göttergeschlechter, aber auf untergegangene Verhältnisse, die in älteren Zeiten auch dem Menschen wahrnehmbar waren. Dasjenige, was in ihren Göttern lebte, brachten sie in Zusammenhang mit dem, was wir Naturprozesse nennen. Es war also die Mythologie zugleich eine Art Naturwissenschaft. Und je mehr man die Mythologie kennenlernt, desto tiefere Naturwissenschaft wird man darin finden, nur eine andere Naturwissenschaft, die zu gleicher Zeit Seelenwissenschaft ist. So hatten die Griechen gedacht, und ebenso die Ägypter mit ihrem Osiris, der ein mal geherrscht hat und der nun in der Unterwelt ist.

[ 43 ] The Greeks, then, looked back upon generations of gods, but upon vanished conditions that had also been perceptible to human beings in earlier times. They associated what lived in their gods with what we call natural processes. Mythology was thus, at the same time, a kind of natural science. And the more one comes to know mythology, the deeper a natural science one will find within it—only a different kind of natural science, one that is at the same time a science of the soul. This is how the Greeks thought, and so did the Egyptians with their Osiris, who once reigned and is now in the underworld.

[ 44 ] Merken Sie, wie verschieden die Dinge sind, und daß sie doch auf einen gewissermaßen gleichen Typus zurückgehen? Wenn die Griechen auf ältere Zeiten zurückweisen, wo so ein Wesen wie der Zeus, der jetzt nur noch überirdisch — «jetzt» bezieht sich auf die griechische Zeit — leben kann, auch in einem Menschen sich verkörpern konnte, so konnten die Ägypter auch hinweisen auf eine ältere Zeit, wo Osiris oder Osirisse — auf die Zahl kommt es dabei nicht an — geherrscht haben, wo sie in den Menschen hineingestiegen waren, wo sie da waren. Aber die Zeit ist dahin; jetzt kann man nicht mehr auf einen Menschen auf dem physischen Plan schauen — das «jetzt» bezieht sich wiederum auf die ägyptische Osiriskultur —, sondern man muß in die Welt schauen, die der Mensch betritt, wenn er durch die Pforte des Todes geht, wenn man überhaupt an den Osiris denken will. Osirisse sind nicht mehr auf der Welt, wo die Menschen leben, sondern der Mensch begegnet ihnen nach dem Tode. Also auch der Ägypter blickte zurück auf eine alte Zeit im Sinne der Veränderung des menschlichen Bewußtseins, wenn er unterschied zwischen dem Osiris, der einmal auf Erden wandeln konnte, und dem Osiris, der jetzt nicht mehr auf der Erde wandeln kann, der nur dem Totenreiche angehört.

[ 44 ] Do you notice how different things are, and yet how they can all be traced back to a certain common type? When the Greeks refer to earlier times, when a being like Zeus—who can now only live in a supernatural way— “now” refers to the Greek era — can live, and could also incarnate in a human being, the Egyptians, too, could point to an earlier time when Osiris or Osirises—the number is irrelevant here—reigned, when they had descended into human beings, when they were present there. But that time has passed; now one can no longer look at a human being on the physical plane—the “now” again refers to the Egyptian Osiris culture—but one must look into the world that the human being enters when passing through the gate of death, if one wishes to think of Osiris at all. Osirises are no longer in the world where human beings live; rather, human beings encounter them after death. Thus, the Egyptians, too, looked back on an ancient time in the sense of a transformation of human consciousness when they distinguished between the Osiris who once could walk upon the earth and the Osiris who can no longer walk upon the earth, who belongs only to the realm of the dead.

[ 45 ] Wenn wir uns heute beschränken auf die zwei Mythologien und morgen, bevor wir auf die Konklusionen eingehen, kurz streifen werden die alttestamentliche Mythologie, so merken wir es heraus aus der Art und Weise, wie die Griechen, wie die Ägypter zu ihren Göttern standen, daß sich in diesem Bewußtsein zugleich ausdrückte die Erinnerung an die alten atavistischen Hellseherzeiten. Diese sind dahin, sie sind nicht mehr da. Mit den Schicksalen, die der Mensch mit seinen Göttern zusammen erlebt hat, sei es mit Zeus oder Kronos in Griechenland, sei es mit Osiris in Ägypten, schilderte der Mensch für sich zugleich das, was er wußte: Wenn ich weiter zurückblicke, da stand ich als Mensch in einer anderen Weise mit dem Makrokosmos in Beziehung als jetzt. Das hat sich geändert.

[ 45 ] If we limit ourselves today to these two mythologies and tomorrow, before we address the conclusions, briefly touch upon Old Testament mythology, we can see from the way the Greeks and the Egyptians related to their gods that this consciousness simultaneously expressed the memory of the ancient, atavistic times of clairvoyance. Those times are gone; they no longer exist. Through the destinies that humanity experienced together with its gods—be it with Zeus or Cronus in Greece, or with Osiris in Egypt—humanity simultaneously described for itself what it knew: If I look further back, I, as a human being, was related to the macrocosm in a different way than I am now. That has changed.

[ 46 ] In dieser Art und Weise zurückzublicken auf die früheren Zeiten, wo die Götter unter den Menschen wandelten, das hatte etwas Tatsächliches für diese alten Völker, weil sie wußten: der Mensch stand in dieser alten Zeit in einer andern Weise als Mikrokosmos zum Makrokosmos als jetzt. Untergegangen ist das alte atavistische Hellsehen im wesentlichen im vierten nachatlantischen Zeitraum. Das wollte man sagen durch die griechische Mythologie, das wollte man entsprechend auch sagen durch die Osirismythologie der Ägypter.

[ 46 ] Looking back in this way on earlier times, when the gods walked among humans, had a sense of reality for these ancient peoples, because they knew that in those ancient times, humanity functioned as a microcosm in relation to the macrocosm in a different way than it does now. The ancient, atavistic clairvoyance essentially came to an end in the fourth post-Atlantean epoch. This is what Greek mythology sought to express, and the Egyptian mythology of Osiris sought to convey the same idea.