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The Rudolf Steiner Archive

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Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180

8 January 1918, Dornach

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Elfter Vortrag

Eleventh Lecture

[ 1 ] Bevor ich von hier wegzugehen habe, werden wir versuchen, gerade die Dinge gründlicher zu betrachten, die mit der neulich angeregten Frage zusammenhängen: Welche Impulse des menschlichen Lebens müssen insbesondere in der Gegenwart in das Bewußtsein der Menschen eintreten, damit ein Gegengewicht geschaffen sei gegen das fast ausschließlich sowohl in der Wissenschaft wie im Leben herrschende Vererbungsprinzip? — Allein, der damit gemeinten außerordentlich wichtigen Frage können wir uns nur langsam und allmählich nähern. Es ist ja im Grunde diese Frage im Tiefsten zusammenhängend mit dem Gegensatz, den ich Ihnen vor Augen, vor das Geistesauge führen wollte, indem ich darauf aufmerksam machte, wie man hinsehen kann nach dem alten ägyptischen Inschriftspruch der ägyptischen Isis: Ich bin das All, ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet —, und wie man auf der andern Seite in sein Bewußtsein aufnehmen kann dasjenige, was von der Gegenwart an und in die Zukunft hinein gewissermaßen der andere, der ergänzende Spruch sein muß: Ich bin der Mensch. Ich bin die Vergangenheit, ich bin die Gegenwart, ich bin die Zukunft. Meinen Schleier sollte jeder Sterbliche lüften.

[ 1 ] Before I have to leave here, we will try to take a closer look at precisely those issues related to the question raised recently: What impulses of human life must enter people’s consciousness—especially in the present—in order to create a counterbalance to the principle of heredity, which reigns almost exclusively in both science and life? — However, we can only approach this extraordinarily important question slowly and gradually. After all, this question is fundamentally and most deeply connected to the contrast I sought to bring before your eyes—before your inner eye—by drawing your attention to how one might contemplate the ancient Egyptian inscription of the Egyptian goddess Isis: “I am the universe; I am the past, the present, and the future”; no mortal has yet lifted my veil—and how, on the other hand, one can take into one’s consciousness that which, from the present onward and into the future, must, so to speak, be the other, the complementary saying: I am the human being. I am the past, I am the present, I am the future. Every mortal should lift my veil.

[ 2 ] Nun muß man vor allen Dingen sich klar sein, daß in der Zeit, in der jener Spruch entstanden ist innerhalb der ägyptischen Kultur, es noch klar war, deutlich war, daß man ja eigentlich den Menschen selbst anspricht, wenn man vom «Unsterblichen» spricht. Allein innerhalb dieser ägyptischen Kultur war das Mysterium als Mysterienprinzip ein tief eingewurzeltes Prinzip. Der Ägypter, der mit seiner Kultur bekannt war, wußte, daß dasjenige, was in der Seele als Unsterbliches lebt, geweckt werden sollte. Ja, entgegen dem Gebrauche, den wir heute haben müssen, betrachtete der Ägypter eigentlich, so wie ja der Grieche auch, wenigstens der in Platos Sinne denkende Grieche, nur denjenigen als wahrhaft der Unsterblichkeit teilhaftig, welcher mit seinem Bewußtsein die spirituelle Welt ergriffen hat. Sie können den Beweis dafür nachlesen in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache», wo ich Ihnen die oftmals hart klingenden Aussprüche Platos angeführt habe für den Unterschied zwischen denjenigen Menschen, welche versuchen, die Impulse des Unsterblichen, die spirituellen Impulse in der Seele zu ergreifen, und denjenigen Menschen, die das verschmähen, die das nicht tun.

[ 2 ] First and foremost, one must realize that at the time this saying originated within Egyptian culture, it was still clear and evident that when one spoke of the “Immortal,” one was in fact addressing human beings themselves. Within Egyptian culture alone, the mystery as a principle of mystery was a deeply rooted principle. The Egyptian, who was familiar with his culture, knew that what lives in the soul as the immortal must be awakened. Indeed, contrary to the practice we must follow today, the Egyptians—just as the Greeks did, at least those who thought in Plato’s sense—regarded as truly partaking of immortality only those who had grasped the spiritual world with their consciousness. You can read the evidence for this in my book *Christianity as a Mystical Fact*, where I have cited Plato’s often harsh-sounding statements regarding the difference between those people who attempt to grasp the impulses of the immortal—the spiritual impulses in the soul—and those who spurn them, who do not do so.

[ 3 ] Indem Sie das bedenken, werden Sie aber leicht einsehen, daß der Ausspruch am Bildnis zu Sais eigentlich heißen sollte: Derjenige, der niemals versuchen will, das spirituelle Leben in der Seele zu ergreifen, der kann den Schleier der Isis nicht lüften; wohl aber der kann ihn lüften, der dieses spirituelle Leben ergreift, der — man würde im Sinne der alten Ägypter eben sprechen, heute klingt es etwas anders —, der sich also als «Sterblicher» zum «Unsterblichen » macht. Es sollte nicht gesagt werden, daß der Mensch überhaupt nicht den Schleier der Isis heben könne, sondern nur: Derjenige Mensch kann nicht den Schleier der Isis heben, der sich mit dem Sterblichen ausschließlich verbinden will, der nicht an das Unsterbliche heran will. Das bewirkte ja natürlich auch, daß später, als die ägyptische Kultur mehr in Verfall kam, der Spruch, möchte ich sagen, auch in eine unfugartige Ausdeutung hineintrieb. Die Priester, als sie das Mysterienprinzip zum Machtprinzip umgestalteten, haben eigentlich der profanen, nicht der priesterlichen, Menge beizubringen versucht, daß sie, die Priester, die Unsterblichen seien, und daß diejenigen, die nicht die Priester sind, die Sterblichen sind, daß also alle diejenigen, die außerhalb der Priesterschaft stehen, den Schleier der Isis nicht heben können. Man könnte sagen, in der Verfallszeit der ägyptischen Kultur gab es schon diese Deutung: Ich bin das All, ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft; meinen Schleier kann nur ein Priester lüften. — Und die Priester nannten sich in jener Verfallszeit auch «die Unsterblichen ».

[ 3 ] If you consider this, however, you will easily see that the inscription on the portrait at Sais should actually read: He who never wishes to embrace the spiritual life within the soul cannot lift the veil of Isis; but he who embraces this spiritual life—to speak in the terms of the ancient Egyptians, though today it sounds somewhat different—that is, he who as a “mortal” makes himself “immortal”—can lift it. It should not be said that human beings cannot lift the veil of Isis at all, but only this: The person who wishes to connect exclusively with the mortal, who does not wish to approach the immortal, cannot lift the veil of Isis. This, of course, also led to the saying—I might add—being driven into a nonsensical interpretation later on, as Egyptian culture fell further into decline. When the priests transformed the principle of the mysteries into a principle of power, they actually tried to teach the profane—not the priestly—masses that they, the priests, were the immortal ones, and that those who were not priests were the mortal ones; that is, that all those outside the priesthood could not lift the veil of Isis. One could say that during the decline of Egyptian culture, this interpretation already existed: “I am the universe; I am the past, the present, and the future; only a priest can lift my veil.” — And during that period of decline, the priests also called themselves “the Immortals.”

[ 4 ] Dieser Ausdruck in seinem Gebrauche ist ja dann mehr für die auf dem physischen Plane lebenden Menschen zurückgegangen. Nur in der französischen Akademie braucht man ihn noch für die Mitglieder, indem man in Fortsetzung des ägyptischen Priesterprinzips besonders bedeutsame Menschen da zu «Unsterblichen» macht. Man wird in diesen Tagen daran erinnert, weil ja der Schelling- und SchopenhauerPlagiator Bergson gerade jetzt von der Französischen Akademie in die Unsterblichenwürde erhoben werden soll. Solche Dinge bleiben aus Zeiten zurück, in denen man sie verstanden hat, und münden in die Zeiten hinein, wo die Worte und Begriffe und Ideen weitab von ihrer Ursprungsstätte liegen.

[ 4 ] In its current usage, this term has largely fallen out of use among people living on the physical plane. Only the French Academy still uses it to refer to its members, where—in continuation of the Egyptian priestly principle—particularly significant individuals are designated as “Immortals.” We are reminded of this these days because Bergson—the plagiarist of Schelling and Schopenhauer—is about to be elevated to the rank of “Immortal” by the French Academy. Such things are relics of times when they were understood, and they spill over into eras where words, concepts, and ideas lie far removed from their place of origin.

[ 5 ] Man könnte leicht meinen, wenn man genötigt ist, so manches von dem zu sagen, was eben auch im Laufe dieser Betrachtungen gesagt werden muß, daß diese Betrachtungen dazu dienen sollten, unsere Zeit nur anzuklagen. Ich habe oftmals betont, das ist nicht der Fall. Dasjenige, was hier gesagt ist, ist zur Charakteristik der Zeit, nicht zu einer Kritik der Zeit gesagt. Es kann aber nicht verlangt werden, daß da, wo Wahrheit geredet werden soll, nicht auch auf dasjenige hingedeutet werde, was eben durchschaut werden muß, sei es in seiner Haltlosigkeit, sei es in seiner Schädlichkeit. Dabei darf man ja durchaus sagen: Sollte es denn ganz tadelnswert sein, wenn man ein gewisses Beispiel — selbstverständlich in entsprechend großer Entfernung befolgt, ein Beispiel, das aber eben nicht genug befolgt werden kann. Im Evangelium wird ja nicht erzählt, daß der Christus Jesus in den Tempel gegangen ist und die Händler gestreichelt hat, sondern es wird einem etwas anderes erzählt, daß er ihnen die Stühle umgeworfen hat und dergleichen! Um dasjenige, was geltend gemacht werden soll, wirklich geltend zu machen, dazu ist eben notwendig, daß man wirklichkeitsgemäß auf dasjenige hinweist, was getadelt werden muß, wenn die Zeit vorwärtsgehen soll. Da darf nicht das Sentimentale einer ganz falschen allgemeinen Schönfärberei in der menschlichen Seele Platz greifen und etwa gar als allgemeine Menschenliebe ausposaunt werden.

[ 5 ] One might easily think, when compelled to say some of the things that must be said in the course of these reflections, that these reflections are intended merely to condemn our times. I have often emphasized that this is not the case. What is said here is intended to characterize our times, not to criticize them. However, one cannot demand that, where truth is to be spoken, there should be no reference to that which must be seen through—whether in its groundlessness or in its harmfulness. In this regard, one may certainly ask: Is it really so reprehensible to follow a certain example—admittedly from a sufficiently great distance, an example that, however, cannot be followed enough? After all, the Gospel does not recount that Jesus Christ went into the temple and caressed the merchants; rather, it tells us something else—that he overturned their tables and the like! In order to truly assert what needs to be asserted, it is necessary to point out, in a realistic manner, what must be condemned if progress is to be made. The sentimentality of a completely false, general whitewashing must not take root in the human soul and be trumpeted, for example, as universal love for humanity.

[ 6 ] Wenn man dies gebührend berücksichtigt, dann kann auf der einen Seite gesagt werden, daß wir nun eben einmal im materialistischen Zeitalter leben, in diesem materialistischen Zeitalter, das zum Materialismus notwendig hinzufügt die Abstraktion in dem Sinne, wie wir es kennengelernt haben: die Wirklichkeitsfremdheit, und daß alles dasjenige, was katastrophal hereinbrechen mußte über unsere Zeit, zusammenhängt mit dieser Wirklichkeitsfremdheit. Auf der andern Seite darf aber auch gesagt werden, daß, verglichen mit den verschiedenen Perioden, namentlich — wenn wir dabei stehenbleiben — der nachatlantischen Zeit, unsere fünfte nachatlantische Zeit in gewisser Beziehung, von gewissen Gesichtspunkten aus die größte Zeit ist, diejenige, die der Menschheit am allermeisten bringt, diejenige, die ungeheure Entwickelungs- und Daseinsmöglichkeiten für den Menschen in sich beherbergt. Und gerade durch das, was der Mensch in diesem Zeitalter ganz besonders, ich möchte sagen, als Schattenseite des spirituellen Daseins ausbildet, nimmt er den Weg und kann er, wenn er sich richtig verhält, den Weg hineinfinden in die spirituelle Welt. Namentlich kann er den Weg finden zu seinem wahren, höchsten Menschenziel. Die Entwickelungsmöglichkeiten sind in unserer Zeit so groß, wie sie in den abgelaufenen Phasen der nachatlantischen Entwickelung von einem gewissen Gesichtspunkte aus nicht waren.

[ 6 ] If one takes this duly into account, then on the one hand it can be said that we simply happen to be living in the materialistic age—this materialistic age that necessarily adds to materialism the abstraction in the sense we have come to know it: detachment from reality, and that everything that was bound to befall our time catastrophically is connected to this detachment from reality. On the other hand, however, it may also be said that, compared to the various periods—namely, if we focus on — the post-Atlantean era, our fifth post-Atlantean era is, in a certain respect and from certain points of view, the greatest era, the one that brings the most to humanity, the one that holds within itself immense possibilities for human development and existence. And it is precisely through what human beings develop in this age in a very special way—I would say as the shadow side of spiritual existence—that they take the path and, if they behave correctly, can find their way into the spiritual world. In particular, they can find the path to their true, highest human goal. The possibilities for development in our time are greater than they were, from a certain point of view, in the past phases of post-Atlantean evolution.

[ 7 ] Es ist ja eigentlich etwas ungeheuer Bedeutungsvolles geschehen mit dem Eintritt dieses fünften nachatlantischen Zeitalters. Man muß schon sich in neuer Weise wiederum hineinversetzen in den Zusammenhang des Menschen mit dem ganzen Weltenall, wenn man dem, was wir ja von verschiedenen Gesichtspunkten öfter hervorgehoben haben, die rechte Färbung, die rechte Gemütsnuance geben will. Gewiß, die Gescheitlinge im Philisterium, die nennen es Aberglaube, wenn gesprochen wird von einem gewissen Zusammenhang des Menschen mit konkreten Konstellationen des Weltenalls. Man muß nur diesen Zusammenhang richtig verstehen. Aberglaube — was ist Aberglaube? Der Glaube, daß sich der physische Mensch nach dem Weltenall in einer gewissen Beziehung richten muß? Wir richten uns nach der Uhr, die wir nach dem Sonnenstand regeln; wir treiben, so oft wir nach der Uhr schauen, Astrologie. Wir haben unterbewußte Glieder der Menschennatur, die richten sich nach andern Konstellationen als nach denen, nach denen wir im physischen Leben die Uhr richten. Wenn jemand die Dinge im richtigen Sinne versteht, so hat das Reden von Aberglauben nicht den geringsten Sinn. Deshalb darf wohl zur Illustrierung zunächst ein Stück dieser Weltenuhr jetzt vor Ihre Seele hingestellt werden. Wir werden es brauchen, um das vorerst angeschlagene Rätsel weiter betrachten zu können.

[ 7 ] Something truly immensely significant has, in fact, taken place with the dawn of this fifth post-Atlantean epoch. One must once again place oneself in a new way within the context of humanity’s relationship with the entire universe if one wishes to give the proper tone, the proper emotional nuance, to what we have often emphasized from various perspectives. Certainly, the so-called wise guys among the philistines call it superstition when one speaks of a certain connection between human beings and specific constellations in the universe. One simply has to understand this connection correctly. Superstition—what is superstition? The belief that the physical human being must orient themselves in a certain way according to the universe? We orient ourselves by the clock, which we set according to the position of the sun; every time we look at the clock, we are practicing astrology. We have subconscious aspects of human nature that orient themselves according to constellations other than those by which we set our clocks in physical life. If someone understands things in the right sense, then talking about superstition makes not the slightest sense. Therefore, by way of illustration, a piece of this cosmic clock may now be placed before your soul. We will need it to continue examining the riddle we have just posed.

[ 8 ] Als jene Zeit abgelaufen war, welche als die atlantische ÜberAlutung, als Untergang der Atlantis, unsere nachatlantische Kultur von der atlantischen Kultur trennt, da war als erste nachatlantische Zeit, als erste nachatlantische Kulturepoche diejenige, welche ihre makrokosmischen Einflüsse dadurch empfing, daß die Kraft, die das Erdenleben durchflutete, diejenige war, welche entspricht dem Aufgang der Sonne im Frühlingspunkte im Zeichen des Krebses. Wir können also sagen, als die Sonne mit ihrem Frühlingspunkte in das Zeichen des Krebses eintrat, da begann die erste nachatlantische Kultur. Wir können sie geradezu — wenn der Ausdruck selbstverständlich nicht mißverstanden wird — die «Krebskultur» nennen. Wenn wir die Dinge in ihrem wirklichen Lichte begreifen, so können wir sagen, die Sonne stand mit ihrem Frühlingsaufgang im Zeichen des Krebses.

[ 8 ] When that period had come to an end—the period known as the Atlantean Over-Flooding, the downfall of Atlantis, which separates our post-Atlantean culture from the Atlantean culture— the first post-Atlantean period, the first post-Atlantean cultural epoch, was the one that received its macrocosmic influences through the fact that the force permeating earthly life was the one corresponding to the rising of the sun at the vernal equinox in the sign of Cancer. We can therefore say that when the sun, with its vernal equinox, entered the sign of Cancer, the first post-Atlantean culture began. We can even call it—provided, of course, that the expression is not misunderstood—the “Cancer culture.” If we understand things in their true light, we can say that the Sun stood in the sign of Cancer at the vernal equinox.

[ 9 ] Wir haben davon gesprochen in diesen Betrachtungen, daß im Menschen immer etwas entspricht demjenigen, was da draußen im Makrokosmos ist. Der Krebs entspricht beim Menschen dem Brustkorb. So daß man, makrokosmisch gesprochen, diese erste, die urindische Kultur, dadurch charakterisieren kann, daß man sagt, sie verlief, während der Frühlingspunkt der Sonne im Krebs war. Wenn man sie mikrokosmisch charakterisieren will, kann man sagen, sie verlief damals, als der Mensch für seine Weltenerkenntnis, für seine Weltenwahrnehmung, für seine Weltenanschauung unter dem Einfluß jener Kräfte stand, die zusammenhängen mit dem, was sich in der Umhüllung seiner Brust, im Brustpanzer im Krebs zum Ausdrucke bringt.

[ 9 ] We have discussed in these reflections that there is always something within the human being that corresponds to what exists out there in the macrocosm. Cancer corresponds to the human chest. So, speaking in macrocosmic terms, one can characterize this first, primordial Indian culture by saying that it unfolded while the vernal equinox of the Sun was in Cancer. If one wishes to characterize it microcosmically, one can say that it took place at a time when human beings, in their understanding of the world, their perception of the world, and their worldview, were under the influence of those forces connected with what finds expression in the covering of their chest, in the thoracic cavity of Cancer.

[ 10 ] Wir haben heute als physische Menschen keine Möglichkeit, durch diejenigen Kräfte, die in unserem Krebs sind, mit der Welt in erkennende Beziehungen zu treten. Wir haben keine Möglichkeiten dazu heute. Wenn der Mensch diejenigen Kräfte entwickeln kann, die eine intime Verwandtschaft zu seinem Brustkorb haben, wenn er, ich möchte sagen, mit Bezug auf die Kräfte seines Brustkorbes sensitiv ist für alles dasjenige, was in der Natur und im Menschenleben geschieht, dann ist es so, wie wenn der Mensch in einer unmittelbaren Berührung mit der äußeren Welt wäre, mit alledem, was als elementarische Welt an ihn herantritt. Wenn wir nur nehmen — wir treffen damit dasjenige, was der urindischen Kultur zugrunde lag —, wenn wir nur nehmen das Verhältnis von Mensch zu Mensch, so war es so, daß in dieser alten Zeit der Mensch, indem er dem Menschen entgegentrat, gewissermaßen an der Sensitivität seines Brustkorbes fühlte, wie der andere Mensch war. Er fühlte, wie ihm der andere Mensch sympathisch oder mehr oder weniger antipathisch sein konnte. Er trat dem andern Menschen entgegen und lernte ihn erkennen. Indem er in seiner Nähe die Luft atmete, lernte er ihn erkennen. Gewiß, in mancher Beziehung weiß davon zu dem Heil der Menschheit die moderne Menschheit nichts. Aber in jedes Menschen Nähe atmet natürlich der Mensch anders, denn in jedes Menschen Nähe teilt der Mensch die von dem andern ausgeatmete Luft. Für diese Dinge ist der moderne Mensch sehr unempfindlich geworden. Während der ersten nachatlantischen Kultur, während der Krebskultur, war diese Unempfindlichkeit nicht vorhanden. Ein Mensch konnte durch seinen Atem sympathisch, antipathisch sein; der Brustkorb bewegte sich anders, wenn der Mensch sympathisch oder antipathisch war. Und der Brustkorb war sensitiv genug, diese seine eigenen Bewegungen wahrzunehmen.

[ 10 ] As physical human beings today, we have no way of entering into a relationship of insight with the world through the forces that are within our chest. We have no such possibilities today. If a person can develop those forces that are intimately connected to their chest—if, I would say, with regard to the forces of their chest, they are sensitive to everything that happens in nature and in human life—then it is as if the person were in direct contact with the external world, with everything that approaches them as the elemental world. If we take just one example—and this touches upon what lay at the foundation of ancient Indian culture—if we take simply the relationship between one person and another, it was the case that in those ancient times, when a person encountered another, they sensed, as it were, through the sensitivity of their chest, what the other person was like. They felt how the other person might be sympathetic or more or less unsympathetic to them. They approached one another and came to know each other. By breathing the air in the other’s presence, they came to know them. Certainly, in many respects, modern humanity knows nothing of this—to the detriment of humanity. But naturally, a person breathes differently in the presence of another, for in the presence of another, one shares the air exhaled by that other person. Modern humans have become very insensitive to these things. During the first post-Atlantean culture, the Cancer culture, this insensitivity did not exist. A person could be likable or unlikable through their breath; the chest moved differently depending on whether the person was likable or unlikable. And the chest was sensitive enough to perceive these movements of its own.

[ 11 ] Denken Sie, was man da eigentlich dann wahrnimmt! Man nimmt den andern wahr, aber man nimmt den andern wahr durch etwas, was in einem selber vorgeht. Das Innere des andern nimmt man in einem Vorgang wahr, den man als Inneres erlebt, als körperlich Inneres erlebt. Das war während der Krebskultur. Ich habe Ihnen das illustriert an dem Beispiel der Begegnung mit einem andern Menschen. Aber so wurde die ganze Welt betrachtet. So entstand die Weltanschauung, die diese erste nachatlantische Kultur hatte. Der Mensch atmete anders, wenn er die Sonne betrachtete, wenn er die Morgenröte betrachtete, wenn er den Frühling betrachtete, wenn er den Herbst betrachtete; und danach bildete er sich seine Begriffe. Und wie die heutige Menschheit ihre abstrakten, ihre so strohern-abstrakten, nicht einmal mehr strohern-abstrakten, sondern papieren-abstrakten Begriffe bildet über Sonne, Mond und Sterne, über Wachsen und Gedeihen, über alles mögliche, so bildete die Menschheit in der ersten nachatlantischen Zeit, in der Krebskultur, Begriffe, die in dieser unmittelbaren Weise gefühlt wurden wie ein Mitvibrieren des eigenen Krebses, des eigenen Brustkorbes.

[ 11 ] Just think about what one actually perceives in such a situation! One perceives the other person, but one perceives them through something that is happening within oneself. One perceives the other person’s inner world in a process that one experiences as one’s own inner world, as a physical inner world. That was during the Cancer culture. I have illustrated this to you using the example of an encounter with another person. But this was how the entire world was viewed. This is how the worldview of that first post-Atlantean culture came into being. People breathed differently when they gazed at the sun, when they gazed at the dawn, when they gazed at spring, when they gazed at autumn; and on that basis they formed their concepts. And just as today’s humanity forms its abstract—its straw-like abstract, no longer even straw-like abstract, but paper-like abstract—concepts about the sun, the moon and the stars, about growth and flourishing, about all manner of things—so humanity in the first post-Atlantean era, in the Cancer culture, formed concepts that were felt in this immediate way, like a resonance with one’s own Cancer, one’s own ribcage.

AltNameSun in Cancer

[ 12 ] Man kann also sagen: Wenn das etwa den Sonnenweg vorstellt und hier die Sonne im Frühling im Krebs steht, dann ist das die Zeit, in der auch der Mensch in der Krebskultur ist. In besonderer Weise ist ja immer ein solches Tierkreisbild — aus Gründen, die wir vielleicht auch nächstens erwähnen können, aber die ja den meisten von Ihnen bekannt sind — verwandt, als besonders einem Planeten zugehörig anzusehen. Der Krebs ist besonders dem Mond als zugehörig anzusehen. Man sagt, weil die Kräfte des Mondes eben ganz besonders wirken, wenn der Mond im Krebs steht: der Mond habe seine Heimat, sein Haus im Krebs; dort sind seine Kräfte, ganz besonders kommen sie dort zur Entwickelung.

[ 12 ] So one could say: If this represents the sun’s path, for example, and the sun is in Cancer in the spring, then that is the time when human beings are also in the Cancer culture. In a special way, such a zodiac sign is always—for reasons we may mention soon, but which are familiar to most of you—regarded as belonging particularly to a specific planet. Cancer is regarded as belonging particularly to the Moon. It is said that because the Moon’s forces are particularly active when the Moon is in Cancer, the Moon has its home, its house, in Cancer; that is where its forces reside, and they develop there in a very special way.

[ 13 ] So wie nun dem Krebs der Brustkorb am Menschen entspricht, so entspricht dem planetarischen Mond am Menschen die Sexualsphäre. Und in der Tat, man kann sagen, während auf der einen Seite der Mensch so empfänglich und empfindlich, so sensitiv war in der ersten nachatlantischen Zeit, hing gerade in dieser ersten nachatlantischen Zeit alles dasjenige, was an intimen Begriffen der nachatlantischen Weltanschauung zutage gefördert worden ist, mit der Sexualsphäre zusammen — damals mit Recht, denn es war jene Naivität vorhanden, die in späteren, verdorbenen Zeiten nicht mehr vorhanden war.

[ 13 ] Just as the ribcage corresponds to the Moon in the human being, so does the sexual sphere correspond to the planetary Moon. And indeed, one can say that while, on the one hand, human beings were so receptive and sensitive in the early post-Atlantean era, it was precisely during this early post-Atlantean era that everything that had come to light in terms of the intimate concepts of the post-Atlantean worldview was connected to the sexual sphere—and rightly so at that time, for there was a naivety present that was no longer present in later, corrupted times.

[ 14 ] Dann trat ja die Sonne mit ihrem Frühlingspunkte in das Zeichen der Zwillinge. Und wir haben es dann zu tun mit der zweiten nachatlantischen Kultur, mit der urpersischen Kultur, während der Frühlingspunkt in den Zwillingen verläuft. Mit den Zwillingen im Makrokosmischen ist mikrokosmisch verwandt alles dasjenige, was sich beim Menschen auf sein Symmetrischsein bezieht, insbesondere auf das Symmetrischsein, das sich in der Beziehung der rechten Hand zur linken Hand symmetrisch ausdrückt. Wir haben natürlich auch andere Dinge, in denen sich das Symmetrischsein zum Ausdruck bringt: wir sehen mit zwei Augen die Dinge nur einfach und so weiter. Dieses Symmetrischsein, dieses Zusammenwirken des Links und Rechts beim Menschen, das sich also besonders in den beiden Armen und Händen zum Ausdruck bringt, das ist dasjenige, was im Makrokosmos den Zwillingen entspricht.

[ 14 ] Then the sun, with its vernal equinox, entered the sign of Gemini. And we are then dealing with the second post-Atlantean culture, the proto-Persian culture, while the vernal equinox passes through Gemini. On the microcosmic level, everything in the human being that relates to symmetry—particularly the symmetry expressed in the relationship between the right hand and the left hand—is related to Gemini on the macrocosmic level. Of course, there are other ways in which this symmetry is expressed: we see things simply with two eyes, and so on. This symmetry, this interplay of left and right in human beings—which is expressed particularly in the two arms and hands—is what corresponds to Gemini in the macrocosm.

[ 15 ] Dasjenige, was nun durch die Kräfte der Zwillingssphäre, durch die Kräfte des Symmetrischseins vom Menschen so für seine Weltanschauung lebensartig in sich aufgenommen wird — wie durch den Brustkorb in der ersten nachatlantischen Zeit das, was ich vorher charakterisiert habe —, das ist nun schon weniger intim mit der unmittelbarsten Umgebung verbunden, sondern das Symmetrischsein verbindet den Menschen schon mehr mit dem, was von der Erde abliegt, mit dem, was nicht irdisch, sondern himmlisch, kosmisch ist. Daher tritt in dieser zweiten nachatlantischen Zeit zurück das intime Verknüpftsein mit der unmittelbar elementaren Erdenumgebung, und es tritt auf die Zarathustrakultur, das Hinauswenden zu dem Zwillingshaftsein in der Welt — auf der einen Seite der Lichtnatur, auf der andern Seite der Finsternisnatur —, die Zwillingsnatur, die zusammenhängt mit den Kräften, die der Mensch durch seine Symmetrie, durch sein Symmetriewesen ausdrückt, auslebt.

[ 15 ] That which is now so vividly absorbed by human beings into their worldview through the forces of the twin sphere, through the forces of symmetry—just as, in the first post-Atlantean epoch, what I have previously characterized was absorbed through the chest— is now less intimately connected to the immediate surroundings; rather, this sense of symmetry connects human beings more closely to what lies beyond the Earth—to what is not earthly, but heavenly and cosmic. Therefore, in this second post-Atlantean epoch, the intimate connection with the immediate elemental earthly environment recedes, and the Zarathustrian culture emerges—the turning outward toward the twin-like nature of the world—on the one hand, the nature of light; on the other, the nature of darkness— the dual nature associated with the forces that human beings express and live out through their symmetry, through their symmetrical being.

[ 16 ] So wie der Mond sein Haus in dem Krebs hat, so hat Merkur sein Haus in den Zwillingen (siehe Zeichnung Seite 201). Und gerade so, wie gewissermaßen dem Menschen in der ersten nachatlantischen Zeit die Kraft der Sexualsphäre geholfen hat, um diese intime Beziehung zur Umwelt zu bekommen, von der wir gesprochen haben, so hilft nun wiederum die Merkursphäre, die eigentlich mit den Kräften des Unterleibes zusammenhängende Sphäre, in diesem zweiten nachatlantischen Zeitraum. Auf der einen Seite gehen die Kräfte des Menschen aus der Erde weg in das Weltenall hinaus, in das außerirdische Weltenall; aber dabei hilft dem Menschen gewissermaßen dasjenige, was noch sehr an atavistische Kräfte gemahnt, was zusammenhängt mit den Kräften seines Gefäßsystems, seines Verdauungssystems. Der Mensch hat ja wirklich sein Verdauungssystem nicht bloß, um zu verdauen, sondern es ist zu gleicher Zeit ein Erkenntnisapparat. Diese Dinge sind nur vergessen worden. Und die wirkliche Scharfsinnigkeit — nicht der Spürsinn, von dem ich in diesen Tagen gesprochen habe —, die wirkliche Scharfsinnigkeit, die wirkliche tiefere Kombinationsgabe, welche mit den Dingen in Beziehung steht, die kommt ja nicht aus dem Kopfe, die kommt aus dem Unterleib, die diente dieser zweiten nachatlantischen Zeit.

[ 16 ] Just as the Moon has its house in Cancer, so Mercury has its house in Gemini (see illustration on page 201). And just as, in a sense, the power of the sexual sphere helped human beings in the first post-Atlantean epoch to establish that intimate relationship with the environment we have been discussing, so now, in turn, the sphere of Mercury—the sphere actually connected with the forces of the lower abdomen—provides assistance in this second post-Atlantean epoch. On the one hand, the forces of the human being flow out from the Earth into the cosmos, into the extraterrestrial cosmos; but in this process, the human being is aided, so to speak, by that which still strongly resembles atavistic forces—forces connected to the human circulatory and digestive systems. After all, human beings do not have their digestive system merely for digestion; it is at the same time an apparatus of cognition. These things have simply been forgotten. And true acumen—not the intuition I have been speaking of these past few days—true acumen, the true, deeper power of deduction that relates to things, does not come from the head; it comes from the abdomen, and it served this second post-Atlantean epoch.

[ 17 ] Dann kam die dritte Zeit, in der der Frühlingspunkt der Sonne eintrat in den Stier. Dasjenige, was von den Kräften herunterkommt vom Weltenall, wenn die Sonne den Frühlingspunkt im Stier hat, das hängt mikrokosmisch beim Menschen zusammen mit alldem, was die Kehlkopfgegend, die Kehlkopfkräfte betrifft. Daher hat der Mensch in dieser dritten nachatlantischen Zeit, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit, ich möchte sagen, als sein besonderes Erkenntnisorgan entwickelt alles das, was mit seinen Kehlkopfkräften zusammenhängt. Die Verwandtschaftsempfindung zwischen dem Wort und der Sache, namentlich den Dingen draußen im Weltenall, war in dieser dritten nachatlantischen Zeit ganz besonders groß. Von der intimen Verwandtschaft desjenigen, was der Mensch vom Weltenall erkannte durch seinen Kehlkopf, kann man sich heute im Zeitalter der Abstraktionen nicht viel Vorstellungen machen.

[ 17 ] Then came the third era, when the vernal equinox entered the sign of Taurus. That which descends from the forces of the universe when the Sun is at the vernal equinox in Taurus is, in a microcosmic sense, connected in human beings to everything pertaining to the laryngeal region and the laryngeal forces. Therefore, in this third post-Atlantean epoch—the Egyptian-Chaldean epoch, I might say—human beings developed as their special organ of cognition everything connected with their laryngeal forces. The sense of kinship between the word and the thing—namely, the things out there in the universe—was particularly strong during this third post-Atlantean epoch. Today, in the age of abstractions, it is difficult to form a clear picture of the intimate kinship between what human beings perceived of the universe through their larynx.

[ 18 ] Unterstützt wurde wiederum die Kraft, die dem Stier entspricht, durch Venus, die ihr Haus im Stier hat (siehe Zeichnung Seite 201). Im Mikrokosmos, im Menschen, entspricht das Kräften, welche zwischen der Herzgegend und der Magengegend liegen. Dadurch wurde aber dasjenige, was in dieser dritten nachatlantischen Zeit als das Weltenwort erkannt wurde, intim mit dem Menschen verbunden, indem er es verstand durch die Venuskräfte, die in ihm selber waren.

[ 18 ] The force corresponding to Taurus was, in turn, supported by Venus, which has its home in Taurus (see illustration on page 201). In the microcosm—in the human being—this corresponds to forces located between the heart region and the stomach region. As a result, however, what was recognized in this third post-Atlantean epoch as the World Word became intimately connected with the human being, in that he understood it through the forces of Venus that were within him.

[ 19 ] Dann kam die griechisch-lateinische Zeit, das vierte nachatlantische Zeitalter. Die Sonne trat mit ihrem Frühlingspunkte ein in den Widder. Das entspricht der Kopfgegend des Menschen, der Stirngegend, der Oberkopf-, der eigentlichen Kopfgegend des Menschen. Es begann diejenige Zeit, in der der Mensch vorzugsweise sich so in ein erkennendes Verhältnis zur Welt setzte, daß dieses erkennende Verhältnis zur Welt ihm Gedanken brachte. Das Kopferkennen ist ganz verschieden von den früheren Arten des Erkennens. Das Kopferkennen trat ja in diesem Zeitalter besonders ein. Aber der Kopf des Menschen ist, trotzdem er fast eine getreue Nachbildung des Makrokosmos ist, gerade weil er in physischem Sinne eine getreue Nachbildung des Makrokosmos ist, im spirituellen Sinne eigentlich nicht gar viel wert. Verzeihen Sie den Ausdruck: als physischer Kopf ist der Kopf des Menschen nicht gar viel wert. Und wenn der Mensch auf seinen Kopf angewiesen ist, so kann er zu nichts anderem kommen als eigentlich zu einer Gedankenkultur.

[ 19 ] Then came the Greco-Latin period, the fourth post-Atlantean epoch. The Sun entered Aries at the vernal equinox. This corresponds to the head region of the human being—the forehead, the top of the head, the actual head region. This marked the beginning of an era in which human beings primarily placed themselves in a cognitive relationship with the world in such a way that this cognitive relationship gave rise to thoughts. Cognitive activity of the head is entirely different from earlier forms of cognition. Intellectual cognition did indeed emerge particularly in this epoch. But the human head, even though it is almost a faithful replica of the macrocosm—precisely because it is, in a physical sense, a faithful replica of the macrocosm—is, in a spiritual sense, actually not worth very much. Forgive the expression: as a physical head, the human head is not worth very much. And when human beings rely on their heads, they can arrive at nothing other than a culture of thought.

[ 20 ] Nach und nach hat auch die griechisch-lateinische Zeit, die ja, wie wir von andern Gesichtspunkten aus gesehen haben, die Kopfkultur bis zu ihrer Höhe brachte und dadurch gewissermaßen den Menschen in einer besonderen Weise heranbrachte an die Welt, in einer nach und nach sich entwickelnden Weise es zu der eigentlichen Kopfkultur gebracht, zu der Gedankenkultur, die dann abgelaufen ist. So daß man, wie ich gestern aufmerksam gemacht habe, vom 15. Jahrhundert ab nicht mehr wußte, wie man mit dem Denken noch mit der Wirklichkeit zusammenhing. Diese Kopfkultur, diese Widderkultur, sie war aber noch immer so, daß man gewissermaßen in den Menschen hereinnahm die Anschauung des Weltenalls. Und mit Bezug auf die physische Welt war diese Kopfkultur, diese Widderkultur, die allervollkommenste. Materialistisch ist erst dasjenige geworden, was sich dann als Entartung daraus entwickelt hat. Der Mensch trat durch seinen Kopf eben doch gerade in dieser Widderkultur in ein besonderes Verhältnis zur Umwelt. Und man versteht heute insbesondere die griechische Kultur schwer — die römische hat es ja dann ins mehr Philiströse verzerrt —, wenn man das nicht berücksichtigt, daß der Grieche eben zum Beispiel Begriffe und Ideen anders wahrnahm. Ich habe das in meinen «Rätseln der Philosophie» besonders ausgeführt.

[ 20 ] Gradually, the Greco-Latin era—which, as we have seen from other perspectives, brought intellectual culture to its zenith and thereby, in a sense, brought human beings closer to the world in a special way—also led, in a process of gradual development, to the very essence of intellectual culture, to the culture of thought that subsequently came to an end. So that, as I pointed out yesterday, from the 15th century onward, people no longer knew how to connect thinking with reality. This culture of the head, this Aries culture, was, however, still such that it, so to speak, brought the vision of the universe into the human being. And with regard to the physical world, this culture of the head, this Aries culture, was the most perfect of all. It was only what developed from it as a degeneration that became materialistic. It was precisely within this Aries culture that human beings, through their minds, entered into a special relationship with the environment. And it is particularly difficult to understand Greek culture today—Roman culture, after all, distorted it into something more philistine—if one does not take into account that the Greeks, for example, perceived concepts and ideas differently. I have elaborated on this in particular in my *Riddles of Philosophy*.

[ 21 ] Bedeutungsvoll war nun für diese Zeit, daß der Mars sein Haus im Widder hat. Die Kräfte des Mars, das sind diejenigen Kräfte, die nun wiederum, aber in anderer Art, zusammenhängen mit dem menschlichen Kehlkopfwesen, so daß der Mars, der zu gleicher Zeit dem Menschen die aggressiven Kräfte gibt, im wesentlichsten die Unterstützung bot für alles dasjenige, was an Beziehung zur Umwelt von seiten des Menschen entwickelt wurde durch seinen Kopf. Und für die vierte nachatlantische Zeit, die also im 8. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung beginnt, im 15. Jahrhundert schließt, da haben sich auch jene Verhältnisse herausgebildet, die man schon als eine Marskultur bezeichnen kann. Die Konfiguration der einzelnen sozialen Gebilde über die Erde hin ist ja in dieser Zeit im wesentlichen durch eine Marskultur, durch eine kriegerische Kultur entstanden. Jetzt sind Kriege Nachzügler. Wenn sie auch schrecklicher sind als einst, sie sind Nachzügler. Wir werden gleich noch darauf zu sprechen kommen.

[ 21 ] What was significant for this period was that Mars is in the sign of Aries. The forces of Mars are those forces that are, in turn—though in a different way—connected to the human larynx, so that Mars, which at the same time endows humans with aggressive forces, essentially provided the foundation for everything that humans developed in relation to their environment through their heads. And for the fourth post-Atlantean epoch—which thus begins in the 8th century B.C. and ends in the 15th century—conditions emerged that can already be described as a “Mars culture.” The configuration of the various social structures across the Earth during this period essentially arose through a Mars culture, through a warlike culture. Wars are now a thing of the past. Even if they are more terrible than they once were, they are a thing of the past. We will return to this shortly.

[ 22 ] Nun ist der Kopf des Menschen mit allen seinen Kräften gerade als physisches Denkwerkzeug, als Werkzeug für die physischen Gedanken, eine Nachbildung des Sternenhimmels. Daher hat auch diese vierte nachatlantische Zeit in den Gedanken noch etwas Makrokosmisches. Es kommt in die Gedanken noch viel Makrokosmisches herein, die Gedanken sind noch nicht an die Erde gebunden. Aber bedenken Sie den großen Umschwung, der nun kommt mit dem 15. Jahrhundert, indem die Widderkultur übergeht in die Kultur der Fische. Das, was jene Kräfte geworden sind im Makrokosmos, sind im Menschen die Kräfte, die mit den Füßen zusammenhängen. Vom Kopf geht es hinunter zu den Füßen. Der Umschwung ist ein ungeheurer. Daher konnte ich Ihnen erzählen, daß, wenn Sie zurückgehen würden, aber mit Verständnis zurückgehen würden in die Zeit vor dem 14. Jahrhundert und die heute viel verachteten alchimistischen und sonstigen Schriften lesen würden, Sie dann sehen würden, was da für tiefe, für ungeheure Einblicke in Weltengeheimnisse vorhanden sind. Aber es dreht sich ja die ganze menschliche Kultur — auch die Menschenkräfte — vollständig mit um. Was der Mensch vorher vom Himmel empfangen hat, empfängt er nun von der Erde aus. Das ist dasjenige, was uns aus den Himmelszeichen heraus illustriert den großen Umschwung, der sich mit dem Menschen vollzogen hatte. Und das hängt zusammen mit dem Aufgange der materiellen, der materialistischen Zeit. Die Gedanken verlieren ihre Kraft, die Gedanken können leicht zur Phrase werden in diesen Zeiten.

[ 22 ] Now, the human head, with all its powers, is—precisely as a physical instrument of thought, as a tool for physical thoughts—a replica of the starry sky. That is why this fourth post-Atlantean epoch still has something macrocosmic about it in terms of thought. Much that is macrocosmic still enters into thoughts; thoughts are not yet bound to the Earth. But consider the great upheaval that is now coming with the 15th century, as the Age of Aries gives way to the Age of Pisces. What those forces have become in the macrocosm are, in the human being, the forces connected with the feet. The flow moves down from the head to the feet. The shift is an immense one. That is why I was able to tell you that if you were to go back—but go back with understanding—to the time before the 14th century and read the alchemical and other writings that are so despised today, you would then see what profound, what immense insights into the mysteries of the world are contained there. But the entire human culture—including human powers—is undergoing a complete transformation. What humanity previously received from the heavens, it now receives from the earth. This is what the celestial signs illustrate to us: the great transformation that has taken place within humanity. And this is connected to the dawn of the material, materialistic age. Thoughts lose their power; in these times, thoughts can easily become mere platitudes.

[ 23 ] Aber nun denken Sie an ein merkwürdiges anderes. Wie Venus ihr Haus im Stier, Mars sein Haus im Widder hat, so hat in den Fischen Jupiter sein Haus. Und Jupiter hängt zusammen mit der menschlichen Stirnesentwickelung, mit der menschlichen Vorderhirnentwickelung. Groß kann der Mensch mit dieser Erdenkultur werden in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum, weil er gerade in selbständiger menschlicher Weise, durch die Kräfte seines Hauptes veredeln und fassen kann dasjenige, was ihm von der entgegengesetzten Seite zugeführt wird gegenüber der früheren nachatlantischen Periode. Daher hat dieselbe Leistung beim Menschen, die Mars für das vierte nachatlantische Zeitalter zu leisten hatte, Jupiter für das fünfte zu leisten. Und man könnte sagen: Mars war in gewisser Beziehung der rechtmäßige König dieser Welt in der vierten nachatlantischen Zeit. In der fünften nachatlantischen Zeit ist er nicht der rechtmäßige König dieser Welt, weil nichts in der fünften nachatlantischen Zeit durch seine Kräfte wirklich — im Sinne dieser fünften nachatlantischen Zeit — erreicht werden kann; sondern was groß machen kann diese Epoche, das muß durch die Kräfte des geistigen Lebens, der Welterkenntnis, der Weltanschauung geltend gemacht werden. Der Mensch ist abgeschlossen von den himmlischen Kräften; er ist in das materialistische Zeitalter gebannt. Aber er hat in diesem fünften nachatlantischen Zeitalter die größte Möglichkeit, sich zu vergeistigen. Keines war der Geistigkeit so günstig, wie dieses fünfte nachatlantische Zeitalter. Es muß nur den Mut finden, die Händler aus dem Tempel zu jagen. Es muß den Mut finden, gegenüber den Abstraktionen, gegenüber den wirklichkeitsfremden Dingen die Wirklichkeit, die volle Wirklichkeit und damit die geistige Wirklichkeit zu stellen.

[ 23 ] But now consider another curious fact. Just as Venus has its home in Taurus and Mars has its home in Aries, so Jupiter has its home in Pisces. And Jupiter is connected to the development of the human forehead and the development of the human forebrain. Humanity can achieve greatness through this earthly culture in this fifth post-Atlantean epoch, because it is precisely in an independent, human way—through the powers of the head—that humanity can refine and grasp what is conveyed to it from the opposite side compared to the earlier post-Atlantean period. Therefore, Jupiter must accomplish for humanity in the fifth post-Atlantean epoch the very same task that Mars had to accomplish for the fourth post-Atlantean epoch. And one could say: In a certain sense, Mars was the rightful king of this world during the fourth post-Atlantean epoch. In the fifth post-Atlantean epoch, he is not the rightful king of this world, because nothing in the fifth post-Atlantean epoch can truly be achieved through his powers—in the sense of this fifth post-Atlantean epoch; rather, whatever can make this epoch great must be brought to bear through the powers of spiritual life, world knowledge, and worldview. Humanity is cut off from the heavenly forces; it is banished to the materialistic age. But in this fifth post-Atlantean age, humanity has the greatest opportunity to become spiritual. No other age has been as conducive to spirituality as this fifth post-Atlantean age. He need only find the courage to drive the merchants out of the temple. He must find the courage to set reality—full reality, and thus spiritual reality—against abstractions and things divorced from reality.

[ 24 ] Diejenigen, welche die Konstellationen der Sterne durchschaut haben, sie haben auch immer gewußt, daß besondere Hilfen wiederum kommen von den besonderen Planeten für die einzelnen Abschnitte im Gang der Sonne. Man hat mit einem gewissen Recht jeder von diesen Konstellationen: Mond-Krebs, Merkur-Zwillinge, Venus-Stier, Mars-Widder, Jupiter-Fische, man hat ihnen drei, wie man sagte, Dekane zugeteilt, drei Dekane. Diese drei Dekane stellen diejenigen Planeten dar, welche den Beruf haben, während der betreffenden Konstellationen ganz besonders einzugreifen in das Geschick, während die andern unwirksamer sind. So sind die Dekane der ersten nachatlantischen Zeit, der Krebszeit: Venus, Merkur, Mond; die Dekane während der Zwillingszeit: Jupiter, Mars, Sonne; die Dekane während der Stierzeit: Merkur, Mond, Saturn; die Dekane während der Widderzeit: Mars, Sonne, Venus. Und die Dekane während unserer Zeit, während des Zeitalters der Fische, sehr charakteristisch, also diejenigen Kräfte, die uns gewissermaßen nach der Himmelsuhr wiederum besonders dienen können: Saturn, Jupiter, Mars. Mars hier nicht in demselben Dienst, den er hatte, als er in seinem Haus war, wenn er durch den Widder durchgeht, sondern Mars jetzt als repräsentative Kraft für die menschliche Stärke. Aber Sie sehen in den äußeren Planeten: Saturn, Jupiter, Mars dasjenige, was zusammenhängt mit dem menschlichen Haupte, mit dem menschlichen Antlitz, mit dem menschlichen Wortbilden.

[ 24 ] Those who have understood the constellations of the stars have also always known that special assistance comes from specific planets for the individual phases in the Sun’s course. With some justification, each of these constellations—the Moon in Cancer, Mercury in Gemini, Venus in Taurus, Mars in Aries, and Jupiter in Pisces—has been assigned, as was said, three decans, three decans. These three decans represent the planets whose role is to intervene in a particularly significant way in destiny during the respective constellations, while the others are less influential. Thus, the decans of the first post-Atlantean epoch, the Age of Cancer, are: Venus, Mercury, Moon; the decans during the Age of Gemini are: Jupiter, Mars, Sun; the decans during the Age of Taurus are: Mercury, Moon, Saturn; the decans during the Age of Aries: Mars, Sun, Venus. And the decans during our time, during the Age of Pisces—which is very characteristic—that is, those forces that, so to speak, can once again serve us particularly well according to the celestial clock: Saturn, Jupiter, Mars. Mars here is not in the same service it had when it was in its own sign, as it passes through Aries, but rather Mars now serves as a representative force for human strength. But you see in the outer planets—Saturn, Jupiter, Mars—that which is connected with the human head, with the human face, with the formation of human speech.

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[ 25 ] Also alles, was zunächst für dieses irdische Leben zwischen Geburt und Tod — über das andere zwischen Tod und neuer Geburt werden wir das nächste Mal reden — zusammenhängt in bezug auf die Geistigkeit, das ist wiederum besonders dienstbar in diesem Zeitalter. So ist dieses Zeitalter dasjenige, welches die unendlichst größten spirituellen Möglichkeiten in sich enthält. In keinem Zeitalter war es den Menschen vergönnt, so viel Unfug zu treiben wie in diesem, weil man sich in keinem gegen die innere Mission des Zeitalters stärker versündigen konnte als in diesem Zeitalter. Denn, lebt man mit dem Zeitalter, so wandelt man die von der Erde kommende Kraft durch die Jupiterkraft um in spirituellfreies Menschentum, und es stehen einem zur Verfügung die besten, schönsten Kräfte des Menschen, die der Mensch entwickelt zwischen der Geburt und dem Tode: Saturn-, Jupiter- und Marskräfte.

[ 25 ] So everything that initially pertains to this earthly life between birth and death—we’ll talk about the other aspect, between death and rebirth, next time—in terms of spirituality is, in turn, particularly useful in this age. Thus, this age is the one that contains the infinitely greatest spiritual possibilities. In no other age have people been granted the opportunity to engage in as much folly as in this one, because in no other age could one sin more grievously against the inner mission of the age than in this one. For if one lives in harmony with the age, one transforms the force coming from the Earth through the power of Jupiter into spiritually free humanity, and one has at one’s disposal the best and most beautiful human forces that a person develops between birth and death: the forces of Saturn, Jupiter, and Mars.

[ 26 ] Die Weltenuhr steht günstig für dieses Zeitalter. Das darf keinen Fatalismus begründen. Das darf nicht begründen, daß man sagt: Also überlassen wir uns dem Weltengeschick, es wird schon alles gut werden —, sondern das soll begründen, daß, wenn der Mensch will — aber er muß wollen —, er gerade in unserer Zeit unendliche Möglichkeiten findet. Nur wollen die Menschen vorläufig noch nicht.

[ 26 ] The World Clock is favorable for this age. This must not be a basis for fatalism. It must not be a reason to say: “So let’s just leave things to the course of world events; everything will turn out all right”—but rather, it should be a reason to believe that, if people are willing—and they must be willing—they will find infinite possibilities, especially in our time. It’s just that, for the time being, people are not yet willing.

[ 27 ] Aber unbegründet ist es immer, zu sagen: Ja, was vermag ich selber? Die Welt geht ihren Gang! — Gewiß, so wie wir hier sind — die Welt hört heute nicht viel auf uns. Aber auf etwas anderes kommt es an. Es kommt darauf an, daß wir nicht so sagen sollen, wie die Menschen vor dreiunddreißig Jahren gesagt haben, als sie sich zunächst bei sich selbst um nichts gekümmert haben! Dadurch sind die Dinge so geworden, wie sie jetzt sind. Für unsere Zeit kommt es darauf an, daß jeder bei sich selbst damit anfängt, aus der Abstraktion heraustreten zu wollen, die Wirklichkeitsfremdheit abzulegen und so weiter; und daß jeder bei sich selbst versucht, an das Wirkliche heranzukommen, über Abstraktionen hinwegzugelangen.

[ 27 ] But it is always unfounded to say: “Well, what can I do on my own? The world goes on as it will!” — Certainly, as we are here — the world doesn’t pay much attention to us today. But something else is what matters. What matters is that we should not say what people said thirty-three years ago, when they initially paid no attention to anything within themselves! That is how things have come to be as they are now. For our time, what matters is that each of us begins with ourselves, striving to step out of abstraction, to shed our detachment from reality, and so on; and that each of us tries, within ourselves, to get closer to reality, to move beyond abstractions.

[ 28 ] Man muß von so weitliegenden Begriffen herkommen, wenn man das Wichtige entwickeln will, was uns eben jetzt in diesen Tagen dann beschäftigen wird: Auseinandersetzungen über, ich möchte sagen, das Älterwerden des Menschen, das ebenso Dem-Tode-Entgegengehen wie Aus-der-Geburt-Stammen, Aus-der-Geburt-Kommen. Während heute die Pädagogik, die Erziehung, die praktische Kindererziehung ganz darauf ausgeht, nur zu betrachten, daß das Kind geboren ist und sich als Kind entwickelt, muß die Zeit kommen, in der schon das Kind lernt, was es heißt: älter werden. Aber diese Dinge können nicht so einfach entwickelt werden. Da muß man die Begriffe weither holen. Denn man kann schon sagen, um jene Wirklichkeitsfremdheit zu überwinden, die heute die Signatur der Zeit ist, dazu ist notwendig, daß die Menschen vor allen Dingen den Willen zur Aufmerksamkeit entwickeln, den Willen entwickeln, den Jupiter in Bewegung zu setzen. Jupiter ist ja gerade diejenige Kraft, die den Appell, den fortwährenden Appell an unsere Aufmerksamkeit richtet. Die Menschen sind heute so froh, wenn sie nicht aufmerksam zu sein brauchen, wenn sie gleichen können der schlafenden Isis — ich habe wohlüberlegt von der schlafenden Isis gesprochen! Der größte Teil der Menschheit verschläft diese heutige Zeit und fühlt sich dabei sehr, sehr wohl; denn er zimmert sich Begriffe und bleibt bei diesen Begriffen stehen, will nicht Aufmerksamkeit entwickeln. Hinschauen auf die Zusammenhänge des Lebens, das ist es, worauf es ankommt. Und die schweren Jahre, in denen wir leben, die sollen uns vor allen Dingen das beibringen, daß wir wegkommen von dem, was so lange Zeit hindurch die menschliche Kultur so verweichlicht hat: die Aufmerksamlosigkeit, das Nichtvorhandensein des Willens — und auf die Verhältnisse der Welt hinschauen. Es genügt nicht, bloß so hinzuhusehen über die Dinge.

[ 28 ] One must start from such broad concepts if one wishes to develop the important issues that will occupy us right now, in these very days: discussions about—I would say—the aging of human beings, which is just as much a matter of approaching death as it is of originating from birth, of coming into the world. While today pedagogy, education, and the practical upbringing of children focus entirely on simply observing that the child is born and develops as a child, the time must come when the child itself learns what it means to grow older. But these things cannot be developed so easily. We must broaden our conceptual framework. For it can already be said that, in order to overcome that detachment from reality that is the hallmark of our times, it is necessary above all for people to develop the will to be attentive—the will to set Jupiter in motion. Jupiter is, after all, precisely the force that directs the call—the ceaseless call—to our attention. People today are so happy when they don’t have to be attentive, when they can be like the sleeping Isis—I have deliberately spoken of the sleeping Isis! The majority of humanity is sleeping through the present age and feels very, very comfortable doing so; for they construct concepts for themselves and remain stuck in those concepts, unwilling to develop attentiveness. Looking closely at the interconnections of life—that is what matters. And the difficult years in which we live should, above all, teach us to move away from what has for so long softened human culture: inattention, the absence of will—and to look closely at the conditions of the world. It is not enough to merely glance at things.

[ 29 ] Es könnte ja zum Beispiel leicht so ausschauen, als ob ich von der Schädlichkeit des Wilsonianismus, einem subjektiven Drange entsprechend, immer wieder und wiederum von allen möglichen Seiten her gesprochen hätte. Das ist nicht einem subjektiven Drang entsprechend, sondern es ist wirklich notwendig, weil es heute notwendig ist, von zahlreichen täuschenden Begriffen, von zahlreichen Illusionen immer wieder und wiederum hinzuweisen in die Richtung, in der die Aufmerksamkeit entwickelt werden muß. Wir lernen an den Zeitereignissen; wenn wir unsere Aufmerksamkeit schärfen, lernen wir gerade heute an den Zeitereignissen ungeheuer viel von dem, was wir brauchen, um die großen Impulse zu verstehen, welche die Menschheit einzig und allein hinausführen können aus den Kalamitäten, in die sich diese Menschheit gebracht hat. Man muß sich gewisse Fragen vorlegen, um auf die Dinge aufmerksam zu sein. Nicht darauf kommt es an, daß man überhaupt etwas sieht, sondern wie man es sieht, wie man Fragen gegenüber der äußeren Welt zu stellen vermag. Geisteswissenschaft hat auch diese praktische Bedeutung, daß sie uns den Impuls gibt, zu fragen, Fragen zu stellen.

[ 29 ] It might, for example, easily appear as though I had spoken time and again, from every possible angle, about the harmfulness of Wilsonianism, driven by a subjective impulse. This is not driven by a subjective impulse, but is truly necessary because today it is essential to repeatedly point the way—amidst numerous deceptive concepts and illusions—toward the direction in which our attention must be directed. We learn from current events; if we sharpen our attention, we learn an immense amount—especially today—from current events about what we need to understand the great impulses that alone can lead humanity out of the calamities into which it has brought itself. One must ask oneself certain questions in order to be attentive to these matters. What matters is not simply that one sees something at all, but how one sees it—how one is able to pose questions regarding the external world. Spiritual science also has this practical significance: it gives us the impulse to ask questions.

[ 30 ] Man liest jetzt von den sogenannten Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk. Sie wissen, daß verschiedene Leute daran beteiligt sind. Als hauptsächlichste Leute von Rußland sind beteiligt, um das herauszugreifen: Lenin, Trotzkij, ein gewisser Herr Joffe und ein gewisser Herr Kamenew, der eigentlich Rosenfeld heißt. Trotzkij heißt Bronstein; Joffe ist ein reicher Händler aus Cherson. Das sind die hauptsächlichsten Unterhändler. Nicht uninteressant ist es, sondern vielleicht sogar wichtig, doch auch die Aufmerksamkeit darauf hinzuwenden, daß bei Herrn Rosenfeld-Kamenew es eigentlich nur das ist, was die äußere Welt, die exoterische Welt den reinen Zufall nennt, daß sein Kopf noch immer auf seinen Schultern darauf sitzt; denn der Kopf könnte längst von den Schultern hinuntergefallen sein. Denn sehen Sie, im November 1914 wurden in Rußland allerlei Abgeordnete verhaftet. Man las es dazumal, erfuhr auch sonst davon. Diese Abgeordneten wurden namentlich deshalb verhaftet, weil sie angeklagt waren, Freundschaft zu halten mit dem im Auslande, nicht weit von hier, im Auslande befindlichen Lenin. Namentlich war ja die Auffassung im damaligen Rußland, daß Lenin gesagt hat: Von allen Übeln, die Rußland passieren können in diesem Kriege, ist der Sturz des Zarentums das allergeringste Übel. — Da hat man eine Anzahl von Abgeordneten angeklagt, von denen man wußte, sie haben durch Briefe und dergleichen Beziehungen mit Lenin. Aber dazumal konnte man ihnen noch nicht beikommen. Man hat zwar allerlei patriotische, russisch-patriotische Worte gesprochen; Worte sind gefallen wie die: Über die Köpfe und die zerstückten Leiber unserer Krieger hinweg haben sich solche Verräter gefunden, die mit dem schändlichen Lenin in der Schweiz in irgendeinem Zusammenhange stehen — und dergleichen.

[ 30 ] We are now reading about the so-called peace negotiations in Brest-Litovsk. You know that various people are involved in them. To single out the most prominent figures from Russia: Lenin, Trotsky, a certain Mr. Joffe, and a certain Mr. Kamenev, whose real name is Rosenfeld. Trotsky’s real name is Bronstein; Joffe is a wealthy merchant from Kherson. These are the principal negotiators. It is not uninteresting—and perhaps even important—to also draw attention to the fact that, in the case of Mr. Rosenfeld-Kamenev, it is really nothing more than what the outer world, the exoteric world, calls pure coincidence that his head is still sitting on his shoulders; for his head could have fallen off his shoulders long ago. You see, in November 1914, all sorts of members of parliament were arrested in Russia. One read about it at the time and heard about it elsewhere as well. These members of parliament were arrested specifically because they were accused of maintaining friendly relations with Lenin, who was abroad, not far from here. Specifically, the prevailing view in Russia at the time was that Lenin had said: “Of all the evils that can befall Russia in this war, the overthrow of the tsarist regime is the least of them.” — So a number of deputies were charged, people known to have been in contact with Lenin through letters and the like. But at that time, they could not yet be brought to justice. All sorts of patriotic, Russian-patriotic words were spoken; words such as these were uttered: “Over the heads and the mangled bodies of our soldiers, such traitors have emerged who are in some way connected to the shameful Lenin in Switzerland”—and the like.

[ 31 ] Einen weiteren Prozeß gab es dann im Februar 1915. Da war wiederum eine Anzahl von Leuten angeklagt, und zu den Angeklagten gehörte ein gewisser Petrowski, zu den Angeklagten gehörte aber auch ein gewisser Kamenew alias Rosenfeld. Insbesondere Kamenew galt dazumal unter jenen Angeklagten als der eigentliche russische Verrätertypus, als ein ganz besonders abscheulicher Bursche. Und als der Prozeß losging, da glaubte man eigentlich allgemein, daß es nun nicht lange dauern würde, bis der Kopf — eben von den Schultern weg sein würde. Aber Kamenew-Rosenfeld, der konnte dazumal nachweisen, den Beweis liefern, daß er sich stets in allen Kriegsfragen anders verhalten habe als Lenin; ebenso Petrowski, daß sie keine wirklich ernsthaft gemeinte Gemeinschaft mit Lenin haben. Insbesondere konnte dazumal Kamenew-Rosenfeld beweisen, daß er niemals den Sieg Deutschlands gewünscht habe, daß den Sieg Deutschlands nur unrussische, nach dem Ausland verschlagene Genossen wie Lenin wünschen können, die — weil sie selbst zu schwach oder zu faul sich fühlen — den Sieg der Freiheit von dem Schwert deutscher Generale erwarten.

[ 31 ] Another trial took place in February 1915. Once again, a number of people were charged, and among the defendants was a certain Petrovsky, but there was also a certain Kamenev, alias Rosenfeld. Kamenev, in particular, was regarded at the time among those defendants as the quintessential Russian traitor, a particularly despicable fellow. And when the trial began, it was generally believed that it would not be long before his head—well, would be severed from his shoulders. But Kamenev-Rosenfeld was able to prove at the time that he had always taken a different stance from Lenin on all matters of war; likewise, Petrowski was able to prove that they had no truly sincere alliance with Lenin. In particular, Kamenev-Rosenfeld was able to prove at the time that he had never wished for Germany’s victory, that only un-Russian comrades who had fled abroad—such as Lenin—could wish for Germany’s victory, comrades who—because they feel too weak or too lazy themselves—expect the victory of freedom to come from the sword of German generals.

[ 32 ] Das sind die Worte, die dazumal bei jenem Prozesse gesprochen worden sind. Und als Rechtsanwalt, als Advokat, war diesen Herren Petrowski und Kamenew noch beigegeben ein gewisser Kerenskij, der später eine noch andere Rolle gespielt hat; er war der Verteidiger von Kamenew in dem damaligen Prozeß. Und er redete ihn heraus. Die Anklage lautete ja auf Hoch- und Landesverrat dazumal sowohl für Petrowski wie auch für Kamenew-Rosenfeld. Aber Kerenskij konnte sie herausreden, und in seiner Rede befinden sich die schönen Worte: Die Angeklagten wären sehr fern von dem Plan, denen, die zum Tod fürs Vaterland bereit sind, den Dolch in den Rücken zu stoßen; sie sträubten sich gegen keine andere Anzettelung so sehr, wie gegen diejenige, die von dem Leninschen Geheimbunde ausging. Dadurch, daß Kerenskijs Beredsamkeit und die andern Dinge, die vorgebracht werden konnten, den Beweis lieferten, daß Petrowski und Kamenew nichts gemeinschaftlich haben mit den Ideen von Lenin, dadurch kamen sie mit so ziemlich heiler Haut dazumal davon. — Petrowski ist ja jetzt der Minister des Innern in der Regierung des Lenin, und Kamenew ist neben Herrn Joffe der wichtigste Unterhändler von Brest-Litowsk.

[ 32 ] These are the words that were spoken at that trial back then. And as a lawyer, as a defense attorney, a certain Kerensky was also assigned to Messrs. Petrovsky and Kamenev; he later played yet another role—he was Kamenev’s defense attorney in that trial. And he talked him out of it. The charges at the time were high treason and treason against the state for both Petrovsky and Kamenev-Rosenfeld. But Kerensky was able to talk them out of it, and his speech contains these fine words: The defendants were far from planning to stab those who are ready to die for their country in the back; they resisted no other incitement as much as that which emanated from Lenin’s secret society. Because Kerensky’s eloquence and the other arguments that could be put forward provided proof that Petrovsky and Kamenev had nothing in common with Lenin’s ideas, they got off more or less scot-free at the time. — Petrovsky is now, after all, the Minister of the Interior in Lenin’s government, and Kamenev is, alongside Mr. Joffe, the most important negotiator at Brest-Litovsk.

[ 33 ] Ich sage, ich erwähne diese ausgefallene Geschichte; ich könnte ja heute Hunderte und Hunderte ähnliche erzählen. Aber es ist sehr wichtig, auf die Wirklichkeiten hinzuschauen; das ist dasjenige, was ich sagen wollte. Und um die Wirklichkeiten kennenzulernen, muß man die Menschen anschauen, die mit den Wirklichkeiten zu tun haben, wenn es solche Wirklichkeiten sind, in welche die Menschen hineinspielen. Es ist etwas ungeheuer Bequemes, wenn man dabei stehenbleibt, zu sagen: Na, zwischen Rußland und den Mittelmächten wird verhandelt in Brest-Litowsk! — Das sind Abstraktionen, das sind keine Wirklichkeiten. An die Wirklichkeit kommt man nur heran, wenn man den Willen zur Aufmerksamkeit hat, in das Konkrete wirklich hineinzuschauen. Ich wollte die Sache wirklich nur als ein Beispiel anführen, um zu zeigen, daß man schon auch nötig hat, Gegenwartsgeschichte zu studieren. Mitreden tut heute jeder über die Ereignisse der Gegenwart; aber wie wenig eigentlich gekannt wird von den Ereignissen der Gegenwart, wie wenig eigentlich die Leute wissen, was vorgeht, wie wenig die Leute eine Ahnung haben von dem, was sich abspielt, das ist eigentlich geradezu erstaunlich und kann nur begriffen werden dadurch, daß unsere Intelligenz in einer unglaublichen Weise erzogen ist. Unsere Intelligenz ist eben so erzogen, daß sie auf jeder Seite der Wissenschaft dazu verführt wird, so zu urteilen, wie ich es charakterisiert habe: Habe ich einen Taler, so habe ich einen Taler; habe ich zwei Taler, so habe ich keinen, so habe ich nichts! Gibt es nur einen Grabstein von Till Eulenspiegel, kann er gelebt haben; gibt es aber zwei Grabsteine, worauf eine Eule mit einem Spiegel ist, so hat der Till Eulenspiegel nicht gelebt! — Will ich im physikalischen Lehrsaal ein elektrisches Experiment machen, so muß ich sorgfältig alle Maschinen mit gewärmten Tüchern abtrocknen, damit ja nichts feucht ist, denn sonst wird mir weder die gewöhnliche Elektrisiermaschine parieren noch die Influenzmaschine oder irgend etwas. Aber dann erzähle ich flugs hinterdrein: Aus der Wolke — die doch jedenfalls recht naß ist, und die kaum irgendein Professor da draußen mit trockenen Tüchern abgewischt haben wird — da, da geht der Blitz so heraus. — Und so könnte man fortfahren.

[ 33 ] I mention this unusual story; I could tell hundreds and hundreds of similar ones today. But it is very important to look at the realities; that is what I wanted to say. And to get to know the realities, one must look at the people who are involved with those realities—if they are indeed realities in which people play a part. It is incredibly convenient to simply stop there and say: “Well, negotiations are taking place between Russia and the Central Powers in Brest-Litovsk!” — Those are abstractions; they are not realities. One can only approach reality if one has the will to pay attention and to truly look into the concrete details. I really just wanted to cite this as an example to show that it is indeed necessary to study contemporary history. Everyone has an opinion today about current events; but how little is actually known about current events, how little people actually know what is going on, how little people have any idea of what is unfolding—that is truly astonishing and can only be understood by the fact that our intelligentsia has been educated in an unbelievable way. Our intellect has been educated in such a way that, in every branch of science, it is led to judge as I have described: If I have one taler, then I have one taler; if I have two talers, then I have none—then I have nothing! If there is only one gravestone of Till Eulenspiegel, he may have lived; but if there are two gravestones, one of which depicts an owl with a mirror, then Till Eulenspiegel never lived! — If I want to conduct an electrical experiment in the physics lab, I must carefully dry all the apparatus with warm cloths so that nothing is damp, for otherwise neither the ordinary electrostatic machine nor the induction machine—nor anything else—will work for me. But then I quickly add: From the cloud—which is, after all, quite wet, and which hardly any professor out there will have wiped down with dry cloths—that’s where the lightning comes from. — And one could go on like this.

[ 34 ] Nicht wahr, ich habe ja immer wieder und wiederum Beispiele dafür angeführt: Einer sagt es dem andern nach; keiner schaut nach. So kann man zum Beispiel niedlich hören, das Grundprinzip der modernen Physik sei die Erhaltung der Energie, die Erhaltung der Kraft. Das führt auf Julius Robert Mayer zurück. Julius Robert Mayer — obwohl Physiker und Naturforscher und sonstige Gelehrte ihn gegenwärtig zu dem großen Heros erklären —, er wurde ja, während er gelebt hat, ins Irrenhaus gesperrt, weil er «törichtes Zeug» veröffentlicht hat, Anspruch darauf gemacht hat, ein neues Prinzip gefunden zu haben. Er wurde wirklich ins Irrenhaus gesperrt! Dieses große Verdienst, das hat bei diesem Julius Robert Mayer insbesondere ein Universitätsrektor und so weiter. Aber das will ich gar nicht weiter hervorheben, denn das kommt ja öfter vor. Was ich hervorheben will, ist, daß immer wieder und wieder steht, die Erhaltung der Kraft Julius Robert Mayer habe sie gefunden. Keiner liest nach, sondern einer sagt es dem andern nach. Bei Julius Robert Mayer findet sich in den Formen, in der unbestimmten Form, wie heute das Energieprinzip vertreten wird, gar nichts davon, sondern da ist es in ganz anderer Formulierung, und zwar in einer vernünftigen Formulierung!

[ 34 ] Isn’t that right? I’ve cited examples of this time and again: One person repeats it after another; no one checks the facts. For example, it’s amusing to hear people say that the fundamental principle of modern physics is the conservation of energy, the conservation of force. This goes back to Julius Robert Mayer. Julius Robert Mayer—even though physicists, natural scientists, and other scholars currently hail him as a great hero—was, during his lifetime, locked up in a mental asylum because he published “nonsense” and claimed to have discovered a new principle. He was actually locked up in a mental asylum! This great achievement is attributed, in the case of Julius Robert Mayer, in particular to a university rector and so on. But I don’t want to dwell on that, because it happens quite often. What I want to emphasize is that it is stated time and time again that Julius Robert Mayer discovered the conservation of force. No one checks the sources; instead, people simply repeat what others say. In Julius Robert Mayer’s work, there is nothing of the sort to be found in the vague, indefinite form in which the energy principle is presented today; rather, it is expressed in an entirely different formulation—and indeed, in a rational one!

[ 35 ] Das, was uns naheliegt, nicht wahr — Dr. Schmiedel hat mir ein Heft gegeben, worinnen für Goethes «Farbenlehre» eingetreten wird—, ein Beispiel kann hier auch betrachtet werden: Zwei gelehrte Herren behaupten, Goethe habe nichts von den Fraunhoferschen Linien gewußt. Dr. Schmiedel hat vier Spalten zusammengestellt von lauter goetheschen Stellen, worinnen Goethe von den Fraunhoferschen Linien spricht! Aber die gelehrten Herren reden, urteilen über Goethes Umfang seiner optischen Erkenntnisse, lassen in solche Urteile einfließen, er habe nichts gewußt von den Fraunhoferschen Linien. Sie lügen die Leute an; denn selbstverständlich, heute in dieser «autoritätslosen» Zeit ist ja dasjenige, was ein «Gelehrter» sagt, für eine große Anzahl von Menschen ebenso ein Evangelium, wie für viele, nicht wahr, für viele Politiker dasjenige, was Herr Woodrow Wilson sagt, ein Evangelium ist. Also in unserer heutigen Zeit bedeutet das schon etwas, wenn einer so einfach spricht: Goethe habe die Fraunhoferschen Linien nicht gekannt! Viel hilft es auch nicht, wenn man es den Leuten beweist. Nächstens sagt es doch ein Dritter und dann ein Vierter, denn die Unaufmerksamkeit, die Gedankenlosigkeit, mit der heute gelebt wird, ist groß, weil nicht der Wille vorhanden ist, auf die konkreten Wirklichkeiten hinzuschauen. Dazu hat die Menschheit eben viel zu sehr die Neigung, an Abstraktionen sich zu erwärmen, durch Abstraktionen sich zu begeistern.

[ 35 ] This is something close to home, isn’t it—Dr. Schmiedel gave me a booklet advocating for Goethe’s *Theory of Colors*—and we can also consider an example here: Two learned gentlemen claim that Goethe knew nothing about Fraunhofer lines. Dr. Schmiedel has compiled four columns of nothing but passages by Goethe in which he speaks of Fraunhofer lines! But these learned gentlemen speak and pass judgment on the scope of Goethe’s optical insights, incorporating into such judgments the claim that he knew nothing of Fraunhofer lines. They are lying to the people; for, of course, today in this “authority-less” age, what a “scholar” says is just as much gospel to a large number of people as what Mr. Woodrow Wilson says is gospel to many—isn’t that so?—to many politicians. So in our time today, it really means something when someone simply states: Goethe did not know about Fraunhofer lines! It doesn’t help much, either, to prove it to people. Soon enough, a third person will say it, and then a fourth, because the inattention and thoughtlessness with which people live today are so great, since there is no will to look at concrete realities. On top of that, humanity has far too great a tendency to get carried away by abstractions, to be inspired by abstractions.

[ 36 ] Damit habe ich nur eingeleitet dasjenige, was uns noch zu beschäftigen hat: das wichtige Prinzip, das in unsere Zeitkultur und unsere Pädagogik eintreten muß, das Prinzip des Altwerdens des Menschen, des Altwerdens seines physischen Leibes, das verbunden ist mit dem Verjüngen seines Ätherleibes. Das wollen wir dann in aller Ausführlichkeit nächstens besprechen.

[ 36 ] With that, I have merely introduced the topic that still lies before us: the important principle that must find its way into our contemporary culture and our pedagogy—the principle of human aging, the aging of the physical body, which is connected to the rejuvenation of the etheric body. We will discuss this in great detail next time.