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Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180

11 January 1918, Dornach

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Zwölfter Vortrag

Twelfth Lecture

[ 1 ] In diesen Betrachtungen wollen wir ja über wichtige Fragen der Menschheitsentwickelung sprechen, und Sie haben bereits gesehen, daß dazu mancherlei weither geholte Vorbereitungen notwendig sind. Heute will ich, damit wir eine möglichst breite Grundlage haben können, Sie an einzelnes erinnern, das im Laufe der Auseinandersetzungen während meines diesmaligen hiesigen Aufenthaltes von diesem oder jenem Gesichtspunkte aus gesagt worden ist, das uns aber notwendig ist, wenn wir morgen und übermorgen die Betrachtung in dem richtigen Lichte sehen wollen.

[ 1 ] In these reflections, we intend to discuss important questions concerning human development, and you have already seen that this requires a great deal of preparatory work drawn from a wide range of sources. Today, so that we may have as broad a foundation as possible, I would like to remind you of certain points that were raised from various perspectives during the discussions held during my current stay here—points that are essential if we are to view these reflections in the proper light tomorrow and the day after.

[ 2 ] Ich habe Sie darauf hingewiesen, wie in jenem Entwickelungsgange der Menschheit, den man als den uns zunächst seit der großen atlantischen Katastrophe interessierenden betrachten kann, bedeutungsvolle Veränderungen mit der Menschheit vor sich gegangen sind. Ich habe vor Monaten schon darauf aufmerksam gemacht, wie anders sich die Menschheit im allgemeinen verändert als der einzelne Mensch. Der einzelne Mensch wird, indem die Jahre vorrücken, älter. In einer gewissen Beziehung kann man sagen, bei der Menschheit als solcher ist das Entgegengesetzte der Fall. Der Mensch ist zuerst Kind, wächst dann heran und erreicht eben das Alter, das uns als das durchschnittliche Lebensalter bekannt ist. Dabei ist die Sache so, daß die physischen Kräfte des Menschen einer mannigfaltigen Veränderung und Verwandlung unterliegen. Nun haben wir schon charakterisiert, in welchem Sinne bei der Menschheit ein umgekehrter Gang stattfindet. Man kann sagen, daß die Menschheit in jener alten Zeit, die auf die große atlantische Katastrophe folgte — in der Geologie nennt man es die Eiszeit, in den religiösen Traditionen die Sintflut —, in jener Zeit also, die unmittelbar auf diese große Überflutung der Erde folgte, aus der wirklich eine Art Vereisung hervorging, in den nächsten 2160 Jahren in einer ganz andern Art entwickelungsfähig war als später.

[ 2 ] I have pointed out to you how, in that phase of human development—which we may regard as the one of primary interest to us since the great Atlantean catastrophe—significant changes have taken place within humanity. Months ago, I already drew attention to how differently humanity as a whole changes compared to the individual human being. As the years pass, the individual human being grows older. In a certain sense, one can say that the opposite is true of humanity as a whole. A human being is first a child, then grows up, and eventually reaches the age we know as the average lifespan. In this process, the physical forces of the human being undergo manifold changes and transformations. We have already described the sense in which a reverse process takes place in humanity. One can say that in that ancient time following the great Atlantean catastrophe—known in geology as the Ice Age and in religious traditions as the Flood— that is, in the period immediately following this great flooding of the Earth, which truly gave rise to a kind of glaciation, humanity was capable of developing in a completely different way over the next 2,160 years than it was later.

[ 3 ] Wir wissen, daß wir in unserer Gegenwart entwickelungsfähig sind bis zu einem gewissen Alter, frei ohne unser Zutun, durch unsere Natur, durch unsere physischen Kräfte entwickelungsfähig sind. In der ersten Zeit nach der großen atlantischen Katastrophe, haben wir gesagt, war der Mensch viel länger entwickelungsfähig. Er blieb entwickelungsfähig bis in die Fünfzigerjahre seines Lebens, so daß er immer wußte: in dieser Zeit, mit dem vorschreitenden Älterwerden ist verbunden auch eine Umwandlung des Seelisch-Geistigen. Wenn wir heute nach unseren Zwanzigerjahren eine Entwickelung des Seelisch-Geistigen haben wollen, dann müssen wir diese Entwickelung durch unsere Willenskraft suchen. Bis in die Zwanzigerjahre hinein werden wir physisch anders; und im Physisch-Anderswerden lebt zugleich etwas, das unser geistig-seelisches Weiterschreiten bestimmt. Dann hört das Physische auf, uns abhängig sein zu lassen von sich; dann gibt sozusagen unser Physisches nichts mehr her, und wir müssen uns eben durch unsere Willenskraft weiterbringen. So erscheint es zunächst äußerlich angesehen. Wir werden gleich nachher sehen, wie die Sache innerlich liegt.

[ 3 ] We know that in our present time, we are capable of development up to a certain age—capable of development freely, without any effort on our part, by virtue of our nature and our physical powers. In the early period following the great Atlantean catastrophe, as we have said, human beings were capable of development for much longer. They remained capable of development well into their fifties, so that they always knew: during this time, advancing age is also accompanied by a transformation of the soul and spirit. If we wish to experience further development of our soul and spirit today, after our twenties, then we must seek this development through our willpower. Up until our twenties, we undergo physical changes; and within these physical changes lies something that determines our further spiritual and soul development. Then the physical ceases to make us dependent on it; then, so to speak, our physical nature no longer provides anything, and we must carry ourselves forward through our willpower. This is how it appears at first glance from the outside. We will see shortly how the matter lies from within.

[ 4 ] Das war anders in den ersten 2160 Jahren ungefähr nach der großen atlantischen Katastrophe. Da blieb der Mensch von seinem Physischen zwar abhängig bis in sein hohes Alter hinein, aber er hatte auch die Freude dieser Abhängigkeit. Er hatte die Freude, nicht nur während des Wachsens und im Wachstumzunehmen weiterzuschreiten, sondern er hatte die Freude, auch bei abnehmenden Lebenskräften die Früchte dieser abnehmenden Lebenskräfte im Seelischen als eine Art Aufblühen des Seelischen zu erleben, was man jetzt nicht mehr kann. Ja, es ändern sich eben die äußeren, physisch-kosmischen Bedingungen des menschlichen Daseins in verhältnismäßig gar nicht so langer Zeit.

[ 4 ] Things were different during the first approximately 2,160 years following the great Atlantean catastrophe. Although human beings remained dependent on their physical bodies well into old age, they also found joy in that dependence. They had the joy not only of progressing as they grew and developed, but also, even as their life forces waned, of experiencing the fruits of those waning life forces in the soul as a kind of blossoming of the soul—something that is no longer possible today. Yes, the external, physical-cosmic conditions of human existence are changing in a relatively short period of time.

[ 5 ] Dann wiederum kam die Zeit, in der der Mensch nicht mehr in ein so hohes Alter, bis in die Fünfzigerjahre hinauf entwickelungsfähig blieb. In dem zweiten Zeitraume nach der großen atlantischen Katastrophe, der wiederum ungefähr 2160 Jahre dauerte, den wir den urpersischen nennen, blieb der Mensch aber immer noch entwickelungsfähig bis in die Höhe der Vierzigerjahre hinauf. Dann, in dem nächsten Zeitraume, in dem ägyptisch-chaldäischen, blieb er entwickelungsfähig bis in die Zeit vom 35. bis 42. Jahre. In der griechisch-lateinischen Zeit blieb der Mensch entwickelungsfähig bis in die Zeit des 35. Jahres hinein. Jetzt leben wir in der Zeit seit dem 15. Jahrhundert, wo der Mensch seine Entwickelung nur bis in die Zwanzigerjahre hineinträgt.

[ 5 ] Then came a time when humans were no longer capable of developing to such an advanced age—up into their fifties. In the second period following the great Atlantean catastrophe—which lasted approximately 2,160 years and which we call the Proto-Persian period—human beings, however, remained capable of development up to their forties. Then, in the next period—the Egyptian-Chaldean period—they remained capable of development from the age of 35 to 42. During the Greek-Latin period, human beings remained capable of development until the age of 35. We are now living in the era that began in the 15th century, in which human beings continue their development only into their twenties.

[ 6 ] Das alles ist etwas, wovon uns die äußere Geschichte nichts erzählt und was auch von der äußeren Geschichtswissenschaft nicht geglaubt wird, womit aber unendlich viele Geheimnisse der menschheitlichen Entwickelung zusammenhängen. So daß man sagen kann, die gesamte Menschheit rückte herein, wurde immer jünger und jünger — wenn wir dieses Verändern in der Entwickelung ein Jüngerwerden nennen. Und wir haben gesehen, welche Folgerung daraus gezogen werden muß. Diese Folgerung war noch nicht so brennend in der griechisch-lateinischen Zeit; da blieb der Mensch bis zu seinem fünfunddreißigsten Jahre naturgemäß entwickelungsfähig. Diese Folgerung wird immer brennender und brennender und von unserer Zeit ab ganz besonders bedeutungsvoll. Denn mit Bezug auf die ganze Menschheit leben wir sozusagen jetzt im siebenundzwanzigsten Jahre, gehen in das sechsundzwanzigste, und so weiter; so daß die Menschen darauf angewiesen sind, durch das ganze Leben hindurchzutragen dasjenige, was ihnen in ihrer frühen Jugend durch die naturgemäße Entwickelung wird, wenn sie nichts dazutun, aus freiem Willen heraus die Weiterentwickelung von sich selbst in die Hand zu nehmen. Und die Zukunft der Menschheit wird darinnen bestehen, daß sie immer mehr zurückgeht, immer weiter zurückgeht, so daß, wenn nicht ein spiritueller Impuls die Menschheit ergreift, Zeiten kommen könnten, in denen nur Jugendansichten herrschen.

[ 6 ] All of this is something that external history tells us nothing about and that is not believed by conventional historical scholarship, yet it is connected to an infinite number of mysteries of human development. So one can say that all of humanity moved inward, becoming younger and younger—if we call this change in development “becoming younger.” And we have seen what conclusion must be drawn from this. This conclusion was not yet so pressing in the Greco-Roman era; at that time, human beings naturally remained capable of development until the age of thirty-five. This conclusion is becoming ever more pressing and, from our time onward, particularly significant. For, with regard to humanity as a whole, we are now, so to speak, in the twenty-seventh year, moving into the twenty-sixth, and so on; so that people are dependent on carrying through their entire lives what becomes of them in their early youth through natural development—unless they take it upon themselves, of their own free will, to take charge of their own further development. And the future of humanity will consist in its retreating further and further, so that, unless a spiritual impulse takes hold of humanity, there could come times when only the views of youth prevail.

[ 7 ] In äußeren Symptomen prägt sich ja dieses Jüngerwerden der Menschheit dadurch aus — und derjenige, der mit einigem klügeren Sinnen die geschichtliche Entwickelung betrachtet, kann das auch äußerlich sehen —, es prägt sich dadurch aus, daß, sagen wir, noch in Griechenland man ein bestimmtes Alter haben mußte, wenn man an den öffentlichen Angelegenheiten irgendwie teilnehmen sollte. Heute sehen wir die Forderung gestellt von großen Kreisen der Menschheit, dieses Alter so weit wie möglich hereinzurücken, weil die Menschen denken, daß sie schon alles, was der Mensch erreichen kann, in den Zwanzigerjahren wissen. Und es werden Forderungen kommen, immer weiter und weitergehend nach dieser Richtung, wenn nicht die Einsicht diese Forderungen paralysiert: nicht nur etwa den Menschen vom Beginn der Zwanzigerjahre ab so gescheit sein zu lassen, daß er an allein Parlamentarischen, irgendwie gearteten Parlamentarischen der Welt teilnehmen kann, sondern die Neunzehn-, Achtzehnjährigen werden glauben, daß sie alles dasjenige, was der Mensch umfassen kann, eben in sich tragen.

[ 7 ] In terms of outward symptoms, this maturing of humanity is characterized by the fact—and anyone who observes historical development with a somewhat discerning mind can see this outwardly as well—that, let us say, even in ancient Greece, one had to be of a certain age in order to participate in public affairs in any way. Today we see large segments of humanity demanding that this age be lowered as much as possible, because people believe that by their twenties they already know everything a human being can achieve. And demands will continue to grow ever further in this direction unless insight puts a stop to them: not only to assume that people in their early twenties are wise enough to participate in parliamentary affairs—of whatever kind—around the world, but also that nineteen- and eighteen-year-olds will believe they already possess within themselves everything a human being can comprehend.

[ 8 ] Diese Art des Jüngerwerdens der Menschen ist zugleich eine Aufforderung an die Menschheit, dasjenige, was die Natur dem Menschen nicht mehr gibt, aus dem Geistigen sich herzuholen. Ich habe Sie das letzte Mal darauf aufmerksam gemacht, welch ungeheurer Einschnitt in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit im 15. Jahrhundert liegt, wiederum etwas, wovon die äußere Geschichte keine Kunde gibt, denn diese äußere Geschichte ist, wie ich schon oft gesagt habe, eine fable convenue. Kommen muß eine ganz neue Erkenntnis der menschlichen Wesenheit, denn nur, wenn eine ganz neue Erkenntnis der menschlichen Wesenheit kommt, läßt sich der Impuls, den die Menschheit braucht, um das aus freiem Willen in die Hand zu nehmen, was die Natur nicht mehr hergibt, dann wirklich finden. Wir dürfen nicht glauben, daß die Zukunft der Menschheit auskommen werde mit denjenigen Gedanken und Ideen, welche die neuere Zeit gebracht hat, und auf welche diese neuere Zeit so stolz ist. Man kann nicht genug tun, um sich klarzumachen, wie notwendig es ist, neue, neuartige Impulse für die Entwickelung der Menschheit zu suchen. Gewiß ist es eine Trivialität, wie ich oftmals gesagt habe, zu sagen, unsere Zeit sei ein Übergangszeitalter, denn das ist wirklich jede Zeit. Aber etwas anderes ist es, zu wissen, was übergeht in einer bestimmten Zeit. Gewiß ist. jede Zeit eine Übergangszeit; aber in jeder Zeit sollte man auch sich umsehen nach dem, was im Übergange begriffen ist.

[ 8 ] This way of becoming disciples is at the same time a call to humanity to draw from the spiritual realm that which nature no longer provides. Last time, I drew your attention to what an immense turning point the 15th century represents in the history of human development—again, something of which external history gives no account, for this external history is, as I have often said, a fable convenue. A completely new understanding of the human being must emerge, for only when such an understanding arises can the impulse that humanity needs—to take into its own hands, of its own free will, what nature no longer provides—truly be found. We must not believe that the future of humanity will be sufficient with the thoughts and ideas that modern times have brought forth, and of which these modern times are so proud. One cannot do enough to realize how necessary it is to seek new, novel impulses for the development of humanity. Certainly, as I have often said, it is a truism to say that our time is an age of transition, for every age truly is. But it is quite another matter to know what is in transition during a specific time. Certainly, every age is a time of transition; but in every age, one should also look around for what is in the process of transition.

[ 9 ] Ich will anknüpfen an eine Tatsache. Ich könnte an hundert andere anknüpfen, aber ich will an eine bestimmte Tatsache anknüpfen, die nur als Beispiel dienen soll für vieles. Wie gesagt, aus allen Orten Europas, in hundertfacher Weise könnte man an ähnliche Dinge anknüpfen. Es war noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da hielt Friedrich Schlegel, der eine der beiden um die mitteleuropäische Kultur so hochverdienten Gebrüder Schlegel, eine Anzahl von Vorlesungen in Wien, 1828. In diesen Vorlesungen versuchte Friedrich Schlegel von einem hohen geschichtlichen Standpunkte aus den Menschen zu sagen, welche Bedürfnisse in der Zeitentwickelung liegen, wohin man die Augen richten solle, um das Rechte zu treffen für die Entwickelung des 19. Jahrhunderts und der kommenden Zeit.

[ 9 ] I want to take up one particular fact. I could take up a hundred others, but I want to focus on this specific fact, which is meant only as an example of many things. As I said, from all corners of Europe, one could draw on similar examples in countless ways. It was still in the first half of the 19th century when Friedrich Schlegel—one of the two Schlegel brothers who rendered such great service to Central European culture—delivered a series of lectures in Vienna in 1828. In these lectures, Friedrich Schlegel sought, from a lofty historical perspective, to explain to people what needs lie at the heart of historical development, and where one should direct one’s gaze in order to determine the right course for the development of the 19th century and the times to come.

[ 10 ] Friedrich Schlegel stand dazumal unter zwei hauptsächlichsten geschichtlichen Eindrücken. Auf der einen Seite blickte er hin auf das 18. Jahrhundert, wie es sich entwickelt hat allmählich zum Atheismus, zum Materialismus, zur Irreligiosität. Und Friedrich Schlegel — wir wollen keine Kritik üben, sondern nur eine Tatsache vorführen, eine menschliche Anschauung in Betracht ziehen —, Friedrich Schlegel sah, wie dasjenige, was in den Köpfen sich im Laufe des 18. Jahrhunderts abgespielt hat, dann explodiert ist in der Französischen Revolution. Er sah in dieser Französischen Revolution eine große Einseitigkeit. Gewiß, man kann es heute reaktionär finden, wenn solch ein Mensch wie Friedrich Schlegel in der Französischen Revolution eine große Einseitigkeit sieht, aber solch ein Urteil müßte man doch auch noch unter andern Gesichtspunkten anschauen. Es ist im allgemeinen ziemlich einfach, sich zu sagen, das und jenes sei für die Menschheit errungen worden durch die Französische Revolution. Gewiß ist das recht einfach; aber es fragt sich, ob jeder, der mit Enthusiasmus in dieser Weise von der Französischen Revolution spricht, wirklich in seinem allerinnersten Herzen auch ganz aufrichtig ist. Es gibt, ich möchte sagen, eine Kreuzprobe auf diese Aufrichtigkeit, und diese Kreuzprobe besteht lediglich darinnen, daß man sich überlegen sollte: Wie würde man solch eine Bewegung, wenn sie um einen herum ausbräche in der Gegenwart, selber ansehen? Was würde man dann dazu sagen? Diese Frage sollte man sich eigentlich immer vorlegen, wenn man sich diese Sachen ansieht. Dann erst bekommt man eine Art von Kreuzprobe für seine eigene Aufrichtigkeit. Denn es ist im allgemeinen nicht gerade schwierig, begeistert zu sein über dasjenige, was vor so und so viel Jahrzehnten sich zugetragen hat. Es fragt sich, ob man auch begeistert sein könnte, wenn man unmittelbar in der Gegenwart daran beteiligt wäre.

[ 10 ] At that time, Friedrich Schlegel was under the influence of two major historical trends. On the one hand, he looked back at the 18th century and how it had gradually developed toward atheism, materialism, and irreligiousness. And Friedrich Schlegel—we do not wish to pass judgment, but merely to present a fact, to consider a human perspective—Friedrich Schlegel saw how what had been taking place in people’s minds throughout the 18th century then exploded in the French Revolution. He saw in this French Revolution a great one-sidedness. Certainly, one might find it reactionary today for someone like Friedrich Schlegel to see a great one-sidedness in the French Revolution, but such a judgment should also be examined from other perspectives. It is generally quite easy to tell oneself that this or that was achieved for humanity through the French Revolution. Certainly, that is quite simple; but the question is whether everyone who speaks with such enthusiasm about the French Revolution is truly sincere in the very depths of their heart. There is, I would say, a litmus test for this sincerity, and this test consists simply of asking oneself: How would one view such a movement if it were to break out around one today? What would one say then? One should actually always ask oneself this question when considering such matters. Only then does one obtain a kind of litmus test for one’s own sincerity. For it is generally not particularly difficult to be enthusiastic about what took place so many decades ago. The question is whether one could also be enthusiastic if one were directly involved in it right now.

[ 11 ] Friedrich Schlegel, wie gesagt, betrachtete die Revolution als eine Explosion der sogenannten Aufklärung, der atheistischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Und neben dieses Ereignis, auf das er seine Blicke richtet, stellte er hin ein anderes: das Auftreten desjenigen Menschen, der die Revolution abgelöst hat, der so ungeheuer viel beigetragen hat zu der späteren Gestaltung von Europa: Napoleon. Und Friedrich Schlegel — wie gesagt, er betrachtete die Weltgeschichte von einem hohen Gesichtspunkte aus —, Friedrich Schlegel macht aufmerksam bei dieser Gelegenheit, daß eine solche Persönlichkeit, wenn sie eintritt mit einer solchen Kraft in die Weltentwickelung, wirklich auch von einem andern Gesichtspunkte aus noch betrachtet werden muß als von dem, den man gewöhnlich anlegt. Friedrich Schlegel macht eine sehr schöne Bemerkung da, wo er über Napoleon spricht. Er sagt, man solle nicht vergessen: Sieben Jahre habe Napoleon Zeit gehabt, sich hineinzuleben in dasjenige, was er dann später als seine Aufgabe betrachtete; zweimal sieben Jahre dauerte der Tumult, den er durch Europa trug, und einmal sieben Jahre dauerte dann noch die Lebenszeit, die ihm nach seinem Sturze gegönnt war. Viermal sieben Jahre ist die Laufbahn dieses Menschen. Darauf macht Friedrich Schlegel in sehr schöner Weise aufmerksam.

[ 11 ] Friedrich Schlegel, as mentioned, viewed the Revolution as an explosion of the so-called Enlightenment, the atheistic Enlightenment of the 18th century. And alongside this event, on which he focused his attention, he placed another: the emergence of the man who succeeded the Revolution, who contributed so immensely to the subsequent shaping of Europe: Napoleon. And Friedrich Schlegel—as I said, he viewed world history from a lofty perspective—Friedrich Schlegel points out on this occasion that such a personality, when he enters the course of world history with such force, must indeed be viewed from a different perspective than the one usually adopted. Friedrich Schlegel makes a very beautiful observation when he speaks of Napoleon. He says that one should not forget: Napoleon had seven years to immerse himself in what he later regarded as his mission; the turmoil he brought across Europe lasted twice seven years, and the time he was granted to live after his downfall lasted another seven years. Four times seven years—that is the course of this man’s life. Friedrich Schlegel draws attention to this in a very beautiful way.

[ 12 ] Ich habe Sie bei den verschiedensten Gelegenheiten darauf hingewiesen, welche Rolle solche innere Gesetzmäßigkeit bei Menschen spielt, die wirklich repräsentativ sind in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit. Ich habe Sie darauf hingewiesen, wie merkwürdig es ist, daß Raffael immer nach einer bestimmten Anzahl von Jahren eine bedeutende malerische Leistung macht; ich habe Sie darauf hingewiesen, wie bei Goethe in siebenjährigen Perioden immer ein Aufflackern der Dichterkraft stattfindet, während in der Zwischenzeit, zwischen den siebenjährigen Terminen, ein Abflauen stattfindet. Und so könnte man viele, viele Beispiele anführen für diese Dinge. Friedrich Schlegel betrachtete Napoleon auch nicht gerade als einen Segensimpuls für die europäische Menschheit.

[ 12 ] I have pointed out to you on various occasions the role that such inner regularity plays in people who are truly representative of the history of human development. I have pointed out to you how remarkable it is that Raphael always produces a significant work of art after a certain number of years; I have pointed out to you how, in Goethe’s case, there is always a flare-up of poetic power in seven-year cycles, while in the intervening periods, between these seven-year intervals, there is a lull. And one could cite many, many examples of these phenomena. Friedrich Schlegel, too, did not exactly regard Napoleon as a blessing for European humanity.

[ 13 ] Nun macht Friedrich Schlegel in diesen Vorträgen darauf aufmerksam, worinnen nach seiner Ansicht das Heil Europas bestehen müsse, nachdem die Verwirrung durch die Revolution, die Verwirrung durch das napoleonische Zeitalter gekommen ist. Und Friedrich Schlegel findet, daß der tiefere Grund zu der Verwirrung darinnen besteht, daß die Menschen nicht in der Lage sind, sich zu erheben mit ihrer Weltanschauung zu einem umfassenderen Standpunkte, der ja nur aus einem Einleben in die geistige Welt kommen kann. Dadurch, meint Friedrich Schlegel, ist das gekommen, was an die Stelle einer allgemein menschlichen Weltanschauung überall Parteigesichtspunkte stellt, Parteigesichtspunkte, die darinnen bestehen, daß jemand dasjenige, was sich ihm auf seinem Standpunkte des Lebens ergibt, als etwas Absolutes betrachtet, als dasjenige, was allen Heil bringen muß; während nach Anschauung Friedrich Schlegels das einzige Heil der Menschheit darinnen besteht, daß man sich dessen bewußt ist: man steht auf einem gewissen Standpunkt, und andere stehen auf einem andern Standpunkte, und es muß sich ein Ausgleich der Standpunkte durch das Leben finden. Nicht die Verabsolutierung eines Standpunktes darf Platz greifen.

[ 13 ] In these lectures, Friedrich Schlegel draws attention to what, in his view, must be the salvation of Europe following the turmoil caused by the Revolution and the turmoil of the Napoleonic era. And Friedrich Schlegel believes that the deeper cause of this confusion lies in the fact that people are unable to elevate their worldview to a more comprehensive perspective—one that can only arise from immersing oneself in the spiritual world. According to Friedrich Schlegel, this has led to a situation where partisan viewpoints have replaced a universal human worldview everywhere—partisan viewpoints that consist in someone regarding whatever arises for them from their own standpoint in life as something absolute, as that which must bring salvation to all; whereas, according to Friedrich Schlegel’s view, the only salvation for humanity lies in the awareness that one stands at a certain standpoint, and others stand at a different standpoint, and that a balance between these standpoints must be found through life. The absolutization of a single standpoint must not take hold.

[ 14 ] Nun findet Friedrich Schlegel, daß das einzige, welches den Menschen anweisen kann, wirklich diese nicht zum Indifferentismus hinneigende, sondern zum kraftvollen Lebenswirken hinneigende Toleranz, die er meint, zu verwirklichen, einzig und allein das wahre Christentum ist. Deshalb zieht Friedrich Schlegel — 1828, ich muß das immer betonen — aus den Betrachtungen, die er vor seine Zuhörer hingestellt hat, den Schluß, daß alles Leben Europas, vor allem aber das Leben der Wissenschaft und das Leben der Staaten, durchchristet werden müsse. Und darinnen sieht er das große Unheil, daß die Wissenschaft unchristlich geworden ist, daß die Staaten unchristlich geworden sind, daß nirgends dasjenige, was den eigentlichen ChristusImpuls bedeutet, eingedrungen ist in der neueren Zeit in die wissenschaftlichen Betrachtungen und eingedrungen ist in das Leben der Staaten. Nun fordert er, daß wiederum der christliche Impuls in das Wissenschafts- und in das Staatsleben eindringe.

[ 14 ] Now, Friedrich Schlegel believes that the only thing capable of guiding people to truly realize the kind of tolerance he has in mind—one that does not lead to indifference but rather to a vigorous engagement with life—is, and can only be, true Christianity. Therefore, Friedrich Schlegel—in 1828, I must always emphasize this—draws the conclusion from the reflections he presented to his audience that all of European life, but above all the life of scholarship and the life of the states, must be permeated by Christianity. And in this he sees the great calamity: that scholarship has become unchristian, that the states have become unchristian, that nowhere has that which constitutes the true Christian impulse penetrated scholarly discourse or the life of the states in modern times. He now calls for the Christian impulse to penetrate scientific and political life once again.

[ 15 ] Friedrich Schlegel sprach natürlich über die Wissenschaftlichkeit und über das Staatsleben seiner Zeit, also des Jahres 1828. Aber man kann schon aus gewissen Gründen, die uns gleich nachher besser einleuchten werden als eben jetzt, auch die heutige Wissenschaft und das heutige Staatsleben so betrachten, wie Friedrich Schlegel sie 1828 betrachtet hat. Versuchen Sie heute einmal Anfragen zu stellen bei den Wissenschaften, die ja vorzugsweise heute im öffentlichen Leben Geltung haben, bei der Physik, der Chemie, der Biologie, der Nationalökonomie, auch bei der Staatswissenschaft, versuchen Sie bei ihnen anzufragen, ob irgendwo im Ernste der christliche Impuls drinnen ist. Man gesteht es nicht, aber in Wahrheit sind die Wissenschaften alle atheistisch; und die verschiedenen Kirchen versuchen, mit diesen atheistischen Wissenschaften ein gutes Auskommen zu haben, weil sie ja doch sich nicht stark genug fühlen, die Wissenschaft wirklich mit dem Prinzip des Christentums zu durchdringen. Daher die bequeme, billige Theorie, daß das religiöse Leben eben anderes erfordere als die äußere Wissenschaft, daß die äußere Wissenschaft sich halten müsse an das, was man beobachten kann, das religiöse Leben an das Gefühl. Beide sollen hübsch getrennt sein; die eine Richtung soll nicht in die andere hineinsprechen. Auf diese Weise kann man ja miteinander leben, das kann man schon, aber man führt solche Zustände herbei, wie es die gegenwärtigen sind.

[ 15 ] Friedrich Schlegel, of course, spoke about scholarship and political life in his own time—that is, in the year 1828. But for certain reasons—which will become clearer to us shortly than they do now—we can also view today’s scholarship and political life in the same way that Friedrich Schlegel viewed them in 1828. Try today to ask questions of the sciences—which, after all, hold such prominence in public life today—such as physics, chemistry, biology, economics, and even political science; try asking them whether the Christian impulse is seriously present anywhere within them. They do not admit it, but in truth all the sciences are atheistic; and the various churches try to come to terms with these atheistic sciences, because they do not feel strong enough to truly permeate science with the principles of Christianity. Hence the convenient, facile theory that religious life simply requires something different from secular science—that secular science must adhere to what can be observed, while religious life must adhere to feeling. The two are to remain neatly separate; one sphere is not to interfere with the other. In this way, one can certainly coexist—that much is true—but one brings about conditions such as those we see today.

[ 16 ] Nun war, was Friedrich Schlegel dazumal vorgebracht hat, von tiefer, innerer Wärme durchdrungen, durchdrungen wirklich von dem großen Persönlichkeitsimpuls bei ihm, seiner Zeit zu dienen, aufzufordern, die Religion nicht bloß zu einer Sonntagsschule zu machen, sondern sie hineinzutragen in alles Leben, vor allem in das Wissenschafts- und in das Staatsleben. Und man kann sehen aus der Art und Weise, wie Friedrich Schlegel dazumal in Wien gesprochen hat, daß er Hoffnung hatte, große Hoffnung hatte darauf, daß aus dem Wirrwarr, den die Revolution und Napoleon angerichtet haben, ein Europa hervorgehen werde, welches durchchristet sein werde in seinem Wissenschafts- und in seinem Staatsleben. Die letzte von diesen Vorlesungen handelt insbesondere von dem herrschenden Zeitgeiste und von der allgemeinen Wiederherstellung. Als Motto setzte Friedrich Schlegel über diese Vorlesung, die wirklich getragen ist von großem Geiste, die Bibelworte: «Ich komme bald und mache alles neu», und er setzte dieses Motto darüber aus dem Grunde, weil er glaubte, es liege wirklich in den Menschen des 19. Jahrhunderts, es liege in den Menschen, die er dazumal als die jungen Menschen ansprechen konnte, die Kraft, zu empfangen dasjenige, was alles neu machen kann.

[ 16 ] Now, what Friedrich Schlegel put forward at that time was imbued with a deep, inner warmth—truly imbued with his great personal impulse to serve his time, to call for religion not merely to be confined to Sunday school, but to be carried into all of life, above all into academic and political life. And one can see from the way Friedrich Schlegel spoke in Vienna at that time that he had hope—great hope—that out of the turmoil caused by the Revolution and Napoleon, a Europe would emerge that would be permeated by Christianity in both its academic and political life. The last of these lectures deals in particular with the prevailing spirit of the age and with general restoration. As a motto for this lecture—which is truly imbued with a great spirit—Friedrich Schlegel chose the words from the Bible: “I am coming soon, and I will make all things new,” and he chose this motto because he believed that the people of the 19th century—the young people he was able to address at that time—truly possessed the power to receive that which can make all things new.

[ 17 ] Wer diese Vorträge Friedrich Schlegels durchliest, der verläßt das Lesen mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite sagt man sich: Von welch hohen Gesichtspunkten, von welch lichtvollen Anschauungen aus haben einmal Menschen über Wissenschaftlichkeit und Staatsleben gesprochen! Wie hätte man wünschen müssen, daß solche Worte gezündet hätten in zahlreichen Seelen. Und hätten sie gezündet, was wäre aus Europa im Laufe des 19. Jahrhunderts geworden. — Ich sage, mit gemischten Gefühlen verläßt man das Lesen. Denn erstens: Es ist ja nicht so geworden, es ist zu jenen katastrophalen Ereignissen gekommen, die jetzt in so furchtbarer Weise vor uns stehen, und es ist diesen katastrophalen Ereignissen vorangegangen jene Vorbereitung, in der man genau hat sehen können, daß diese katastrophalen Ereignisse kommen müssen; es ist ihnen vorangegangen das Zeitalter der materialistischen Wissenschaftlichkeit die noch stärker wurde, als sie zu Friedrich Schlegels Zeiten war —, vorangegangen das Zeitalter der materialistischen Staatskunst über ganz Europa. Und nur mit wehmütigen Gefühlen kann man auf ein solches Motto jetzt sehen: «Denn siehe, ich komme bald und mache alles neu.»

[ 17 ] Anyone who reads through these lectures by Friedrich Schlegel comes away with mixed feelings. On the one hand, one says to oneself: From what lofty perspectives, from what enlightened viewpoints did people once speak about scholarship and public life! How one must have wished that such words had ignited the souls of many. And had they ignited them, what would have become of Europe in the course of the 19th century? — I say, one comes away from reading them with mixed feelings. For, first of all: Things did not turn out that way; instead, those catastrophic events have come to pass that now stand before us in such a terrible manner, and these catastrophic events were preceded by a period of development in which one could clearly see that these catastrophic events were bound to come; they were preceded by the age of materialistic scientism, which had grown even stronger than it was in Friedrich Schlegel’s time—preceded by the age of materialistic statecraft across all of Europe. And one can now look upon such a motto only with wistful feelings: “For behold, I am coming soon, and I will make all things new.”

[ 18 ] Es muß irgendwo ein Irrtum vorliegen. Friedrich Schlegel hat ganz gewiß aus ehrlichster Überzeugung heraus gesprochen, und er war in gar nicht geringem Maße ein scharfer Beobachter seiner Zeit. Er konnte schon die Verhältnisse beurteilen, aber etwas mußte doch nicht ganz stimmen. Ja, was versteht denn Friedrich Schlegel unter der Verchristung von Europa? Man kann sagen, ein Gefühl ist in ihm für die Größe, für die Bedeutung des Christus-Impulses. Und auch dafür ist ein Gefühl in ihm, daß der Christus-Impuls in einer neuen Zeit in einer neuen Weise ergriffen werden muß, daß man nicht stehenbleiben kann bei der Art und Weise, wie frühere Jahrhunderte den Christus-Impuls ergriffen haben. Das weiß er, davon ist ein Gefühl in ihm vorhanden. Aber er lehnt sich mit diesem Gefühl doch wieder an das schon bestehende Christentum an, das Christentum, wie es sich geschichtlich bis zu seiner Zeit entwickelt hat. Er glaubte, daß von Rom ausgehen kann eine Bewegung, von der man sagen kann: «Ich komme bald und mache alles neu. » Er ist ja auch unter denjenigen Menschen des 19. Jahrhunderts gewesen, die sich vom Protestantismus zum Katholizismus gewendet haben, weil sie glaubten, in dem katholischen Leben mehr Kraft zu verspüren als in dem protestantischen Leben. Aber er war freier Geist genug, um nicht katholischer Zelote zu werden.

[ 18 ] There must be a mistake somewhere. Friedrich Schlegel certainly spoke out of the most sincere conviction, and he was, to no small degree, a keen observer of his time. He was certainly capable of assessing the circumstances, but something must not have been quite right. Indeed, what does Friedrich Schlegel mean by the “Christianization of Europe”? One could say that he has a sense of the greatness and significance of the Christ impulse. And he also has a sense that the Christ impulse must be grasped in a new way in a new era—that one cannot remain stuck in the way previous centuries grasped the Christ impulse. He knows this; he has a sense of it within him. But with this sense, he nevertheless leans back on the Christianity that already exists—the Christianity that has developed historically up to his time. He believed that a movement could arise from Rome of which one could say: “I am coming soon and will make all things new.” ” After all, he was among those people of the nineteenth century who turned from Protestantism to Catholicism because they believed they felt more strength in the Catholic way of life than in the Protestant one. But he was free-spirited enough not to become a Catholic zealot.

[ 19 ] Aber etwas hat sich Friedrich Schlegel nicht gesagt. Was er sich nicht gesagt hat, das ist dies, daß eine der tiefsten und bedeutungsvollsten Wahrheiten des Christentums jene ist, die in den Worten liegt: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeit.» Die Offenbarung hat nicht aufgehört, sondern sie kommt periodenweise wieder. Und während Friedrich Schlegel auf dasjenige baute, was schon da war, hätte er sehen müssen, fühlen müssen, daß eine wirkliche Durchchristung von Wissenschaft und Staatsleben nur eintreten kann dann, wenn neuerdings aus der geistigen Welt Erkenntnisse herausgeholt werden. Das hat er nicht gesehen; davon weiß er nichts. Und das zeigt uns an einem der bedeutsamsten Beispiele des 19. Jahrhunderts, daß immer wieder und wiederum selbst bei erleuchtetsten Geistern die Illusion auftaucht, man könne an etwas Bestehendes jetzt noch anknüpfen, man brauche nicht aus dem Jungbrunnen eines Neuen heraus zu schöpfen, und daß sie unter diesen Illusionen zwar Großes, Geniales sprechen und leisten können, daß aber doch dieses Geniale zu nichts führt. Denn Friedrich Schlegels Hoffnung war ein nach Wissenschaft und Staatsleben durchchristetes Europa im 19. Jahrhundert. Bald müsse es kommen, meinte er, eine allgemeine Erneuerung der Welt, eine allgemeine Wiederherstellung des Christus-Impulses. Und was kam? Eine materialistische Richtung in der Wissenschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gegen welche dasjenige, was Friedrich Schlegel 1828 erlebt hatte, wahrhaftig an Materialismus ein Kinderspiel war. Und eine Vermaterialisierung des Staatslebens man muß nur die Geschichte kennen, die wirkliche Geschichte, nicht jene fable convenue, welche in den Schulen und Universitäten gelehrt wird —, eine Vermaterialisierung des Staatslebens, von der ebenfalls Friedrich Schlegel 1828 um sich herum noch nichts sehen konnte. Er hat also vorausgesagt eine Durchchristung Europas und war ein so schlechter Prophet, da eine Vermaterialisierung Europas gekommen ist.

[ 19 ] But there is something Friedrich Schlegel did not tell himself. What he did not tell himself is this: that one of the deepest and most significant truths of Christianity is the one expressed in the words, “I am with you always, even to the end of the age.” Revelation has not ceased; rather, it returns periodically. And while Friedrich Schlegel built upon what was already there, he should have seen and felt that a true permeation of scholarship and public life with the spirit of Christ can only occur when new insights are drawn anew from the spiritual world. He did not see this; he knows nothing of it. And this shows us, through one of the most significant examples of the 19th century, that time and again—even among the most enlightened minds—the illusion arises that one can still build upon something that already exists, that there is no need to draw from the fountain of youth that is the new, and that, while under these illusions they may speak and accomplish great and brilliant things, this brilliance ultimately leads nowhere. For Friedrich Schlegel’s hope was a Europe permeated by the Christ spirit in science and public life in the 19th century. Soon, he believed, there would come a general renewal of the world, a general restoration of the Christ impulse. And what came? A materialistic trend in science during the second half of the 19th century, compared to which what Friedrich Schlegel had experienced in 1828 was truly child’s play in terms of materialism. And a materialization of public life—one need only know history, real history, not that fable convenue taught in schools and universities—a materialization of public life of which Friedrich Schlegel, too, could see no sign around him in 1828. He thus predicted a Christianization of Europe and was such a poor prophet, since a materialization of Europe has come to pass.

[ 20 ] Die Menschen leben eben gern in Illusionen. Und das hängt zusammen mit dem großen Problem, das uns jetzt beschäftigt, und das ich schon wiederholt genannt habe, das uns in diesen Tagen ganz klar werden wird, es hängt zusammen mit dem großen Problem: die Menschen haben verlernt, wirklich alt zu werden, und lernen müssen wir wiederum, alt zu werden. In einer neuen Weise müssen wir lernen, alt zu werden, und das können wir nur durch spirituelle Vertiefung. Aber wie gesagt, das kann uns nur im Laufe der Betrachtung ganz klar werden. Die Zeit ist im allgemeinen dem abgeneigt, noch abgeneigt, und sie muß zugeneigt werden, sie muß aus der Abneigung herauskommen.

[ 20 ] People simply like to live in illusions. And this is connected to the major problem that concerns us now—one I have mentioned repeatedly—and which will become very clear to us in the coming days; it is connected to this major problem: people have forgotten how to truly grow old, and we must learn once again how to grow old. We must learn to grow old in a new way, and we can do so only through spiritual deepening. But as I said, this can only become fully clear to us in the course of contemplation. The times are generally averse to this—still averse—and they must be brought around; they must move beyond this aversion.

[ 21 ] Allerdings sind die Denk- und Empfindungsgewohnheiten der Zeit nicht darauf aus, sich mit einer gewissen Leichtigkeit, mit einer gewissen Fazilität in dasjenige hineinzuleben, was zum Beispiel die spirituelle Forderung der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft ist. Man kann das an Beispielen sehr gut sehen. Ein naheliegendes Beispiel will ich anführen.

[ 21 ] However, the habits of thought and feeling of our time are not inclined to embrace with a certain ease, with a certain facility, what is, for example, the spiritual demand of anthroposophically oriented spiritual science. This can be seen very clearly in examples. I would like to cite an obvious example.

[ 22 ] Vorgestern erst bekam ich einen Brief eines Mannes, der der Gelehrsamkeit angehört. Er schreibt mir, er habe jetzt einen Vortrag über die Aufgabe der Geisteswissenschaft gelesen, den ich vor zwei Jahren gehalten habe, und habe gesehen, nachdem er diesen Vortrag gelesen habe, daß diese Geisteswissenschaft doch etwas für ihn sehr Fruchtbares enthalte. Es ist ein recht warmer Ton in diesem Brief, ein recht liebenswürdiger, netter, lieber Ton. Man sieht, der Mann ist ergriffen von dem, was er in diesem Vortrage über die Aufgabe der Geisteswissenschaft gelesen hat. Er ist ein naturwissenschaftlich durchgebildeter Mensch, der im Leben, auch im schweren Leben der Gegenwart steht, der also einmal gesehen hat an diesem Vortrage, daß Geisteswissenschaft nichts Dummes und nichts Unpraktisches ist, sondern Impulse für die Zeit geben kann. Aber nun betrachten wir die Kehrseite der Sache: Derselbe Mann hat vor fünf Jahren den Anschluß gesucht an diese Geisteswissenschaft, suchte den Anschluß an einen Zweig, worin diese Geisteswissenschaft getrieben wurde, hatte dazumal auch gebeten, verschiedene Unterredungen mit mir zu haben, hatte sie auch, hatte teilgenommen an Zweigversammlungen vor fünf Jahren, und hat vor fünf Jahren so reagiert auf die Sache, daß sie ihm widerlich war, daß er sie abgelehnt hat, so stark abgelehnt, daß er in der Zwischenzeit ein enthusiastischer Lobredner des Herrn Freimark geworden ist, den Sie ja kennen aus seinen verschiedenen Schriften. Jetzt entschuldigt sich derselbe Mann damit, daß er sagt, es wäre vielleicht besser gewesen, statt dem, was er getan hat, dazumal schon etwas von mir zu lesen, irgendwelche Bücher zu lesen und sich mit der Sache bekanntzumachen; aber er habe das nicht getan, sondern er habe geurteilt nach dem, was ihm andere mitgeteilt haben, und da habe er ein so abschreckendes Bild bekommen von der Geisteswissenschaft, daß er sie recht wenig geeignet für seinen eigenen Entwickelungsweg gefunden hat. Jetzt, nach fünf Jahren, hat er einen Vortrag gelesen und hat gefunden, daß die Sache nicht so ist.

[ 22 ] Just the day before yesterday, I received a letter from a man who is a scholar. He writes to me that he has now read a lecture on the task of the humanities that I gave two years ago, and that, after reading this lecture, he realized that the humanities do, after all, contain something very fruitful for him. The tone of this letter is quite warm—a truly amiable, kind, and affectionate tone. It is clear that the man is moved by what he has read in this lecture on the task of spiritual science. He is a person thoroughly educated in the natural sciences, who lives in the present—even in the difficult realities of today’s world—and who has thus come to see through this lecture that spiritual science is neither foolish nor impractical, but can provide inspiration for our times. But now let us consider the other side of the matter: Five years ago, this same man sought to join this spiritual science, sought to join a branch in which this spiritual science was practiced; at that time, he had also asked to have various conversations with me, and he did have them; he had participated in branch meetings five years ago, and five years ago reacted to the matter in such a way that he found it repulsive, that he rejected it—rejected it so strongly that in the meantime he has become an enthusiastic eulogist of Mr. Freimark, whom you know, of course, from his various writings. Now this same man excuses himself by saying that it might have been better, instead of what he did, to have read something of mine back then—to have read some books and familiarized himself with the subject; but he did not do that; instead, he judged based on what others had told him, and as a result he formed such a daunting impression of spiritual science that he found it quite unsuitable for his own path of development. Now, five years later, he has attended a lecture and has found that this is not the case.

[ 23 ] Ich führe dieses Beispiel nur an, man könnte wiederum dieses Beispiel vermannigfachen, für die Art und Weise, wie man sich zu der Sache stellt, die da will — nun nicht in der Friedrich Schlegelschen Weise, sondern in der einzig möglichen Weise — eine Durchchristung aller Wissenschaftlichkeit, eine Durchchristung alles öffentlichen Lebens. Ich führe das als ein Beispiel an für die Denkgewohnheiten der heutigen Zeit, insbesondere der Wissenschaften in unserer Zeit. Es ist also gar kein Beweis dafür, daß jemand, wenn er herankommt an die anthroposophische Bewegung — mehrere Unterredungen hat, an Zweigversammlungen teilnimmt, über die Mitglieder dieser Versammlungen und das, was sie ihm sagen, weidlich schimpft, daraus seine Schlüsse zieht, nun auch über die ganze Anthroposophie schimpfen zu müssen, nachher ein begeisterter Lobredner des Freimark wird, der die schmutzigsten Schriften geschrieben hat über die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft —, daß dieser etwas ihm Antipathisches darin gefunden habe. Nach fünf Jahren entschließt sich nun dieselbe Persönlichkeit noch, einmal wirklich etwas zu lesen.

[ 23 ] I cite this example merely to illustrate—and one could multiply such examples—the way one should approach the matter at hand—not in the manner of Friedrich Schlegel, but in the only possible way—namely, the permeation of all scholarship with the spirit of Christ, the permeation of all public life with the spirit of Christ. I cite this as an example of the habits of thought prevalent today, particularly in the sciences of our time. It is therefore by no means proof that someone, upon encountering the anthroposophical movement—having several conversations, participating in branch meetings, and ranting at length about the members of these meetings and what they tell him— draws the conclusion that they must now also rail against anthroposophy as a whole, and subsequently becomes an enthusiastic eulogist of Freimark, who has written the most vile writings about anthroposophically oriented spiritual science—that this person has found something in it that they dislike. After five years, this same individual finally decides to actually read something.

[ 24 ] Es ist also gar kein Beweis, wenn so und so viele Leute heute das Schmählichste sagen oder dem Schmählichsten zustimmen, daß sie nicht die allertiefsten Anlagen haben könnten, der anthroposophischen Geisteswissenschaft sich anzuschließen. Sie brauchen, wenn sie so gutwillig sind wie der Betreffende, fünf Jahre; mancher braucht zehn, mancher fünfzehn, mancher fünfzig Jahre, mancher so lange, daß er es in dieser Inkarnation gar nicht mehr erleben kann. Sie sehen, wie wenig das Verhalten der Menschen irgendein Beweis dafür ist, daß die Menschen nicht suchen dasjenige, was in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft zu finden ist.

[ 24 ] So the fact that so many people today say the most shameful things or agree with the most shameful ideas is by no means proof that they might not possess the deepest inclinations to embrace anthroposophical spiritual science. If they are as willing as the person in question, it will take them five years; for some it takes ten, for others fifteen, for others fifty years, and for some so long that they will not live to see it in this incarnation. You can see how little people’s behavior is any proof that they are not seeking what can be found in anthroposophically oriented spiritual science.

[ 25 ] Ich führe dieses Beispiel an aus dem Grunde, weil es gerade auf das Wesentliche und Wichtige hinweist, das ich öfter erwähnt habe: auf den Mangel an Fazilität im Eingehen auf die Sache, in dem Stecken in althergebrachten Vorurteilen, deren man nicht sich entschlagen will. Und das wiederum hängt mit andern Dingen zusammen. Man braucht nur sich gefühlsmäßig in jene alten Zeiten zurückzuversetzen, von denen ich Ihnen früher und heute gesprochen habe. Denken Sie sich einen jungen Menschen nach der atlantischen Katastrophe in seinem sozialen Zusammenhange drinnen. Er war, sagen wir, zwanzig, fünfundzwanzig Jahre alt, er sah neben sich Vierzig-, Fünfzigjährige, Sechzigjährige. Er sagte sich: Welches Glück, einmal auch so alt sein zu können, denn es lebt sich einem so und so viel zu! — Es war eine ganz selbstverständliche, ungeheure Verehrung für das Altgewordene, ein Hinaufschauen zu dem Altgewordenen, verbunden mit dem Bewußtsein, daß das Altgewordene über das Leben etwas anderes zu sagen hat als das Jungdachsige. Das bloß theoretisch zu wissen, das macht es nicht aus, sondern das in seinem ganzen Gefühl zu haben und unter diesem Eindrucke heranzuwachsen, das macht es aus. Unendliches macht es aus, heranzuwachsen nicht nur so, daß man sich zurückerinnert an seine Jugend und sich sagt: Ach, wie schön war es, als ich Kind war! — Gewiß, diese Schönheit des Lebens wird niemals irgendeine geistige Betrachtung dem Menschen nehmen. Aber es ist eine einseitige Betrachtung, die ergänzt wurde in alten Zeiten durch die andere: Wie herrlich ist es, alt zu werden! — Denn man wächst hinein in demselben Maße, in dem man körperlich schwächer wird, in seelische Stärke; man wächst mit der Weisheit der Welt zusammen. Das war eine Formel, die der Mensch durch seine Erziehung einmal aufgenommen hat.

[ 25 ] I cite this example because it highlights precisely the essential and important point I have mentioned frequently: the lack of openness in addressing the issue, the clinging to time-honored prejudices that one is unwilling to let go of. And that, in turn, is connected to other things. One need only emotionally transport oneself back to those old times of which I have spoken to you before and today. Imagine a young person after the Atlantic catastrophe, living within his social context. He was, let’s say, twenty or twenty-five years old; he saw people around him who were forty, fifty, or sixty years old. He would say to himself: What a blessing it would be to one day be that old, for life is so much richer that way! — There was a completely natural, immense reverence for old age, a looking up to those who had grown old, combined with the awareness that those who had grown old had something different to say about life than the young and impetuous. Merely knowing this in theory isn’t what matters; rather, it’s about feeling it deeply and growing up under this influence—that’s what matters. It makes an infinite difference to grow up not just in a way where one looks back on one’s youth and says to oneself: “Oh, how wonderful it was when I was a child!”—Certainly, no intellectual reflection will ever take this beauty of life away from a person. But it is a one-sided view, which in ancient times was complemented by the other: “How wonderful it is to grow old!” — For as one becomes physically weaker, one grows in spiritual strength; one grows together with the wisdom of the world. That was a principle that people once absorbed through their upbringing.

[ 26 ] Nun betrachten wir zu diesem hinzu eine andere Wahrheit, die ich zwar im Laufe dieser Wochen nicht ausgesprochen habe, aber die ich im Laufe der Jahre da und dort auch schon unseren Freunden wiederholt mitgeteilt habe: Wir werden älter, aber nur unser physischer Leib wird älter. Denn vom geistigen Gesichtspunkte aus ist es nicht wahr, daß wir älter werden. Es ist eine Maja, es ist eine äußere Täuschung. Es ist zwar eine Wirklichkeit in bezug auf das physische Leben, aber es ist nicht wahr in bezug auf den ganzen Lebenszusammenhang des Menschen. Man hat freilich erst ein Recht zu sagen: Es ist nicht wahr —, wenn man weiß: Dieser Mensch, der da in der physischen Welt zwischen Geburt und Tod lebt, der ist noch etwas ganz anderes als sein physischer Leib; der besteht aus den höheren Gliedern; zunächst aus dem, was wir den Ätherleib oder Bildekräfteleib genannt haben, und dann dem astralischen Leib, dem Ich, wenn wir nur diese vier Teile bezeichnen.

[ 26 ] Now let us consider, in addition to this, another truth that I have not mentioned over the course of these weeks, but which I have repeatedly shared with our friends here and there over the years: We are growing older, but only our physical body is growing older. For from a spiritual point of view, it is not true that we are growing older. It is a maya; it is an external illusion. It is indeed a reality with regard to physical life, but it is not true with regard to the whole context of human life. Of course, one is only justified in saying: “It is not true”—if one knows that this human being, who lives in the physical world between birth and death, is something entirely different from his physical body; he consists of higher members—first of all, what we have called the etheric body or body of formative forces, and then the astral body and the “I,” if we are to designate only these four parts.

[ 27 ] Aber schon, wenn wir stehenbleiben beim Ätherleib, beim unsichtbaren, übersinnlichen Ätherleib oder Bildekräfteleib, sehen wir: wir tragen ihn in uns zwischen Geburt und Tod gerade so, wie wir unsern physischen Leib aus Fleisch und Blut und Knochen an uns tragen; so tragen wir diesen Bildekräfteleib, diesen Ätherleib in uns, aber es ist ein Unterschied zwischen beiden. Der physische Leib wird immer älter. Der ätherische oder Bildekräfteleib, der ist alt, wenn wir geboren werden, er ist nämlich, wenn wir seiner wahren Natur nachforschen, da alt und er wird immer jünger und jünger. So daß wir sagen können, das erste Geistige in uns wird — im Gegensatze zu dem Physisch-Leiblichen, das schwach und unkräftig wird — immer kräftiger, immer jünger. Und wahr, wörtlich wahr ist es: Wenn wir anfangen, Runzeln im Gesicht zu kriegen, dann blüht unser Ätherleib auf und wird pausbackig.

[ 27 ] But even if we focus solely on the etheric body—the invisible, supersensible etheric body or body of formative forces—we see that we carry it within us between birth and death just as we carry our physical body of flesh, blood, and bone; so we carry this body of formative forces, this etheric body, within us, but there is a difference between the two. The physical body grows older and older. The etheric body, or body of formative forces, is already old when we are born; for when we investigate its true nature, it is already old, and it grows younger and younger. So we can say that the first spiritual aspect within us—in contrast to the physical body, which grows weak and feeble—becomes ever stronger, ever younger. And it is true, literally true: When we begin to get wrinkles on our faces, our etheric body blossoms and becomes chubby-cheeked.

[ 28 ] Ja, aber dem widerspricht ja — könnte der materialistisch denkende Mensch sagen —, dem widerspricht es ganz und gar, daß man das nicht spürt! — In alten Zeiten wurde es gespürt. Die neueren Zeiten nur sind so, daß der Mensch die Sache nicht berücksichtigt, ihr keinen Wert beilegt. In alten Zeiten brachte es die Natur selber mit sich, in neueren Zeiten ist es fast eine Ausnahme. Aber solche Ausnahmen gibt es ja auch. Ich weiß, daß ich einmal ein ähnliches Thema mit Eduard von Hartmann, dem Philosophen des «Unbewußten », Ende der achtziger Jahre besprochen habe. Wir kamen auf zwei Menschen, die beide Professoren an der Berliner Universität waren, zu sprechen. Der eine war der damals zweiundsiebzig Jahre alte Zeller, ein Schwabe, der eben um seine Pensionierung nachgesucht hatte, und der also meinte: Ich bin so alt geworden, daß ich nicht mehr meine Vorlesungen halten kann —, der alt und gebrechlich war mit seinen zweiundsiebzig Jahren. Und der andere war Michelet; der war fast neunzig Jahre alt. Und Michelet, der war eben bei Eduard von Hartmann gewesen und sagte: Ja, ich verstehe den Zeller nicht! Wie ich so alt war wie der Zeller, da war ich überhaupt ein junger Dachs, und jetzt, jetzt fühle ich mich erst so recht befähigt, den Leuten was zu sagen. Ich, ich werde noch jahrelang, viele Jahre noch vortragen! Aber der Michelet hatte etwas von dem, was man nennen kann: ein Jung-kräftig-Gewordenes. Es ist ja selbstverständlich keine innere Notwendigkeit gewesen, daß er just so alt geworden ist; es hätte ihn ja ein Ziegelstein erschlagen können mit fünfzig Jahren oder noch früher, nicht wahr; von solchen Dingen rede ich nicht. Aber nachdem er so alt geworden ist, war er eben seiner Seele nach nicht alt geworden, sondern gerade jung geworden. Doch dieser Michelet war seinem ganzen Wesen nach eben gar kein Materialist. Auch die Hegelianer sind ja vielfach Materialisten geworden, wenn sie es auch nicht zugeben wollen, aber Michelet war, wenn er auch in schweren Sätzen sprach, vom Geiste innerlich ergriffen. Allerdings, so vom Geiste innerlich ergriffen werden können nur wenige. Aber das ist es ja gerade, was gesucht wird durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft: etwas zu geben, was allen Menschen etwas sein kann, so wahr wie Religion allen Menschen etwas sein muß, was zu allen Menschen sprechen kann. Das hängt aber zusammen mit unserem ganzen Erziehungswesen.

[ 28 ] Yes, but—as a materialist might say—this is completely contradicted by the fact that one does not feel it! — In ancient times, it was felt. It is only in more recent times that people fail to take this into account and attach no value to it. In the old days, nature itself brought it about; in more recent times, it is almost an exception. But such exceptions do exist. I know that I once discussed a similar topic with Eduard von Hartmann, the philosopher of the “unconscious,” in the late 1880s. We came to talk about two men who were both professors at the University of Berlin. One was Zeller, who was seventy-two at the time—a Swabian who had just applied for retirement and who said, “I’ve grown so old that I can no longer give my lectures”—he was old and frail at seventy-two. And the other was Michelet; he was nearly ninety years old. And Michelet, who had just been visiting Eduard von Hartmann, said: “Yes, I don’t understand Zeller! When I was as old as Zeller, I was still a young whippersnapper, and now—now I finally feel truly capable of having something to say to people.” ‘I, I will continue to lecture for years to come—many years yet!’ But Michelet possessed something one might call a ‘renewed vigor in old age.’ Of course, it was by no means an inner necessity that he should have lived to be exactly that old; a brick could have killed him at fifty or even earlier, couldn’t it? I’m not talking about such things. But having lived to such an advanced age, he had not grown old in his soul—on the contrary, he had actually become young. Yet this Michelet, in his very being, was by no means a materialist. Even the Hegelianists have in many cases become materialists, though they may not want to admit it, but Michelet—even when he spoke in weighty sentences—was inwardly moved by the Spirit. Admittedly, only a few can be inwardly moved by the Spirit in this way. But that is precisely what anthroposophically oriented spiritual science seeks: to offer something that can mean something to all people, just as religion must be something that can speak to all people. This, however, is connected to our entire educational system.

[ 29 ] Unser ganzes Erziehungswesen ist aufgebaut — in viel tieferen Zusammenhängen muß man das sehen, als das irgendwie sonst angedeutet wird — auf ganz materialistischen Impulsen. Man rechnet nur mit dem physischen Leib des Menschen, niemals mit seinem Jüngerwerden. Mit dem Jüngerwerden beim Älterwerden rechnet man nicht. Es ist nicht auf den ersten Blick hin immer gleich durchschaubar, aber es ist doch so, daß alles das, was im Laufe der Zeit zum Gegenstand der Erziehungswissenschaft, zum Gegenstand des Unterrichts geworden ist, etwas ist, was eigentlich den Menschen, wenn er nicht just Professor wird oder ein wissenschaftlicher Schriftsteller, nur packen kann in seiner Jugend. Man macht nicht sehr oft die Erfahrung, daß jemand den Stoff, den man heute aufnimmt während seiner Schulzeit, in derselben Weise im späteren Alter, wenn er es nicht mehr nötig hat, noch aufnehmen möchte. Ich habe Mediziner kennengelernt, die Koryphäen in ihrem Fache waren, die also so ihre Studienzeit und ihre übrige Jugendzeit zugebracht hatten, daß sie Koryphäen haben werden können. Aber daß sie fortsetzten dieselbe Art und Weise des Sich-Aneignens des Wissensstoffes in späteren Jahren, davon war gar keine Rede. Einen ganz berühmten Mann ich will seinen Namen gar nicht aussprechen, so berühmt war er kannte ich, der also einen ersten Namen hat in der medizinischen Wissenschaft. Die spätere Auflage seiner Bücher hat er von seinem Assistenten besorgen lassen, weil er selber mit der Wissenschaft nicht mehr mitging; das paßte nicht mehr für sein späteres Alter.

[ 29 ] Our entire educational system is built—and this must be viewed in a much deeper context than is usually implied—on entirely materialistic impulses. It takes into account only the physical body of the human being, never their development as a disciple. It does not take into account the process of becoming a disciple as one grows older. It is not always immediately apparent at first glance, but it is nevertheless true that everything which, over time, has become the subject of educational science and the subject of instruction is something that, unless a person becomes a professor or an academic writer, can truly only engage them during their youth. It is not very often that one encounters someone who, having absorbed the material covered in school, would still wish to absorb it in the same way later in life, when they no longer need it. I have met physicians who were luminaries in their field—people who had spent their student years and the rest of their youth in such a way that they were able to become luminaries. But there was absolutely no question of them continuing to acquire knowledge in the same way in later years. I knew a very famous man—I won’t even mention his name, so famous was he—who is a leading figure in medical science. He had his assistant handle the later editions of his books because he himself was no longer keeping up with scientific developments; that was no longer appropriate for his later years.

[ 30 ] Das hängt aber damit zusammen: Wir bilden allmählich immer mehr und mehr ein Bewußtsein aus, daß dasjenige, was man lehrmäßig aufnehmen kann, eigentlich nur für die Jugendjahre etwas taugt, worüber man später hinaus ist. Und das ist es auch. Man kann sich ja später noch zwingen, zu manchem zurückzukehren, aber man muß sich dann schon zwingen; naturgemäß ist es gewöhnlich nicht. Und dennoch, ohne daß der Mensch immer Neues aufnimmt — und zwar nicht so aufnimmt, daß man sich herbeiläßt, aufzunehmen etwa durch den Konzertsaal, oder durch das Theater, oder, mit Respekt zu vermelden, durch die Zeitung oder sonstiges von der Art —, altert er in seiner Seele. Man muß aufnehmen in anderer Weise, so aufnehmen, daß man wirklich in der Seele das Gefühl hat: man erfährt Neues, man wandelt sich um, man verhält sich zu dem, was man aufnimmt, im Grunde genommen, wie sich das Kind verhalten hat. Das kann man nicht auf künstliche Weise, sondern das kann nur geschehen, wenn etwas da ist, zu dem man hinkommen kann in späterem Alter gerade so, wie man als Kind zu der gebräuchlichen Unterrichtswissenschaft kommt.

[ 30 ] But this is related to the following: We are gradually becoming more and more aware that what can be absorbed through formal instruction is really only useful during one’s youth—something one outgrows later on. And that is indeed the case. Of course, one can still force oneself to return to certain things later in life, but one must make a conscious effort to do so; it is not usually a natural process. And yet, unless a person continually takes in new things—and not in the way one passively absorbs them, say, in a concert hall, or at the theater, or, with all due respect, through the newspaper or other such sources—their soul grows old. One must take things in differently, in such a way that one truly feels in one’s soul: one is experiencing something new, one is transforming oneself, and one relates to what one takes in, fundamentally, just as a child relates to it. This cannot be achieved artificially; rather, it can only happen when there is something one can approach in later life in exactly the same way that, as a child, one approaches conventional academic learning.

[ 31 ] Aber nun nehmen Sie unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Wie es in späteren Jahrhunderten mit ihr sein wird, darüber brauchen wir uns ja jetzt nicht die Köpfe zu zerbrechen. Sie wird schon für diese späteren Jahrhunderte auch die entsprechenden Formen finden, aber jetzt ist sie doch jedenfalls — allerdings noch zur Antipathie von manchem — so, daß man vorerst nicht aufzuhören braucht, sie aufzunehmen, wenn man noch so uralt geworden ist in der Gegenwart. Man kann immer in ihr Neues erfahren, das die Seele ergreift, das die Seele wieder jung macht. Und mancherlei Neues könnte schon auf geisteswissenschaftlichem Boden gefunden werden, auch solches Neue, welches Blicke hineintun ließe in wichtigste Probleme der Gegenwart. Vor allen Dingen aber braucht die Gegenwart einen Impuls, der den Menschen als solchen unmittelbar ergreift. Nur dadurch kann diese Gegenwart herauskommen aus den Kalamitäten, in die sie hineingekommen ist und die so katastrophal wirken.

[ 31 ] But now consider our anthroposophically oriented spiritual science. We need not worry right now about what will become of it in later centuries. It will surely find the appropriate forms for those later centuries as well, but for now—albeit still to the displeasure of some—it is such that one need not stop engaging with it for the time being, no matter how advanced in years one may be in the present. One can always discover something new in it that stirs the soul, that makes the soul young again. And all manner of new insights could already be found on the ground of spiritual science, including such new insights that would shed light on the most important problems of the present. Above all, however, the present needs an impulse that directly grips human beings as such. Only in this way can the present emerge from the calamities into which it has fallen and which have such catastrophic effects.

[ 32 ] Die Impulse, um die es sich handelt, müssen unmittelbar an den Menschen herankommen. Und wenn man nun nicht Friedrich Schlegel ist, sondern ein Einsichtiger ist in das, was wirklich der Menschheit not tut, dann kann man sich trotzdem an einzelne schöne Gedanken, die Friedrich Schlegel gehabt hat, halten und sich wenigstens an ihnen freuen. Er hat davon gesprochen, daß nicht von einem gewissen Standpunkte aus die Dinge verabsolutiert werden dürfen. Er hat zunächst nur die Parteien gesehen, die immer ihr eigenes Prinzip als das Alleinseligmachende für alle Menschen betrachten. Aber noch viel mehr wird in unserer Zeit verabsolutiert. Es wird vor allen Dingen nicht berücksichtigt, daß im Leben ein Impuls unheilvoll für sich sein kann, im Zusammenwirken aber mit andern Impulsen heilsam sein kann, weil er dann etwas anderes wird. Denken Sie sich einmal, wenn ich schematisch das aufzeichnen soll, drei Richtungen, die zusammenlaufen.

[ 32 ] The impulses in question must reach people directly. And even if one is not Friedrich Schlegel, but rather someone who understands what humanity truly needs, one can still hold fast to certain beautiful thoughts that Friedrich Schlegel had and at least take joy in them. He spoke of how things must not be absolutized from a certain standpoint. At first, he saw only the parties that always regard their own principle as the sole source of happiness for all people. But in our time, far more is treated as absolute. Above all, it is not taken into account that an impulse in life can be harmful in and of itself, yet can be beneficial when interacting with other impulses, because it then becomes something else. Just imagine—if I were to sketch this out schematically—three directions converging.

AltNameThe Three Streams

[ 33 ] Die eine Richtung soll uns symbolisieren nicht gerade den landläufigen trivialen oder Leninschen, sondern den Sozialismus, welchem die moderne Menschheit zusteuert. Die zweite Linie soll uns symbolisieren dasjenige, was ich Ihnen oftmals charakterisiert habe als Gedankenfreiheit, und die dritte Richtung Geisteswissenschaft. Diese drei Dinge gehören zusammen. Im Leben müssen sie zusammenwirken.

[ 33 ] The first direction is meant to symbolize not the common, trivial understanding of socialism—or the Leninist one—but rather the socialism toward which modern humanity is heading. The second line is meant to symbolize what I have often described to you as freedom of thought, and the third direction, spiritual science. These three things belong together. In life, they must work together.

[ 34 ] Versuchte der Sozialismus, so wie er als grober materialistischer Sozialismus heute auftritt, in die Menschheit einzudringen, so würde er das größte Unglück über die Menschheit bringen. Er wird bei uns symbolisiert durch den Ahriman unten in unserer Gruppe, in allen seinen Formen. Versucht die falsche Gedankenfreiheit, die bei jedem Gedanken stehenbleiben will und ihn geltend machen will, einzudringen, wird wiederum Unheil über die Menschheit gebracht. Dieses wird symbolisiert durch Luzifer in unserer Gruppe. Aber ausschließen können Sie weder Ahriman noch Luzifer aus der Gegenwart; nur müssen sie ausgeglichen werden durch Pneumatologie, durch Geisteswissenschaft, die durch den Menschheitsrepräsentanten, der in der Mitte unserer Gruppe steht, repräsentiert wird.

[ 34 ] If socialism, as it appears today in the form of crude materialistic socialism, were to take hold of humanity, it would bring the greatest misfortune upon humanity. It is symbolized in our group by Ahriman at the bottom, in all his forms. If false freedom of thought—which seeks to dwell on every thought and assert it—attempts to take hold, calamity will again be brought upon humanity. This is symbolized by Lucifer in our group. But you cannot exclude either Ahriman or Lucifer from the present; they must simply be balanced by pneumatology, by spiritual science, which is represented by the Representative of Humanity standing at the center of our group.

[ 35 ] Immer wieder und wiederum muß man darauf hinweisen, daß Geisteswissenschaft nicht bloß etwas sein soll für Menschen, die sich aus dem Lebenszusammenhange herausgerissen haben durch den einen oder den andern Umstand, und die sich ein bißchen anregen lassen wollen durch allerlei Dinge, die zusammenhängen mit höheren Angelegenheiten, sondern daß Geisteswissenschaft, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft etwas sein soll, was mit den tiefsten Bedürfnissen unseres Zeitalters zusammenhängt. Denn dieses unser Zeitalter ist so, daß seine Kräfte nur überschaut werden können, wenn man ins Geistige hineinsieht. Das ist ja etwas, was mit den schlimmsten Übeln in unserer Zeit zusammenhängt, daß zahllose Menschen heute keine Ahnung davon haben, daß im sozialen, im sittlichen, im geschichtlichen Leben übersinnliche Kräfte walten, daß allerdings, ebenso wie die Luft, so übersinnliche Kräfte um uns herum walten. Die Kräfte sind da und sie fordern, daß wir sie wissend aufnehmen, um sie wissend zu dirigieren; sonst können sie von Unwissenden oder Unverständigen in falsche Bahnen gelenkt werden. Es darf allerdings die Sache nicht trivialisiert werden. Es darf nicht geglaubt werden, daß man auf diese Kräfte so hinweisen kann, wie man oftmals aus dem Kaffeesatz oder aus anderem die Zukunft vorhersagt. Aber mit der Zukunft, mit der Gestaltung der Zukunft hängt doch dasjenige zusammen in einer gewissen Weise, und manchmal in einer recht naheliegenden Weise, was nur dann erkannt werden kann, wenn man von geisteswissenschaftlichen Prinzipien ausgeht.

[ 35 ] Time and again, it must be emphasized that spiritual science is not merely intended for people who, for one reason or another, have torn themselves away from the context of life, and who simply want to be somewhat inspired by all sorts of things connected with higher matters, but that spiritual science—anthroposophically oriented spiritual science—should be something connected with the deepest needs of our age. For our age is such that its forces can only be grasped by looking into the spiritual realm. This is, after all, something connected to the worst evils of our time: that countless people today have no idea that supersensible forces are at work in social, moral, and historical life—that, just like the air, these supersensible forces are all around us. These forces are there, and they demand that we consciously take them in so that we may consciously direct them; otherwise, they can be steered in the wrong direction by the ignorant or the unwise. However, the matter must not be trivialized. One must not believe that these forces can be pointed out in the same way that one often predicts the future from coffee grounds or other such means. Yet what pertains to the future—to the shaping of the future—is connected in a certain way, and sometimes in a quite obvious way, to these forces; and this can only be recognized if one proceeds from the principles of spiritual science.

[ 36 ] Um das einzusehen, werden vielleicht manche Leute noch länger als fünf Jahre brauchen. Aber es ist doch schon so — Sie wissen, solche Dinge sage ich nicht aus einer gewissen Albernheit heraus —, aber man wird einstmals den Beweis liefern können, daß in einem gewissen Sinn früher von mir klar vorausbestimmt worden ist zu einem gewissen Ziele, zu einem gewissen Zweck dasjenige, was jetzt als eine neue Kriegsfanfare von Wilsonscher Seite aus in die Welt geht. Und auch hier in diesem Saale sitzen einige Menschen, welche ganz genau wissen, daß der Inhalt dieser neuen Kriegsfanfare vorausgewußt worden ist und daß in einer richtigen Weise über den Inhalt dieser Kriegsfanfare gedacht worden ist. Es ist im allgemeinen schwierig, über diese Dinge so ganz unbefangen zu sprechen. Aber gerade diesen aktuellen Ereignissen gegenüber — die Zeichen der Zeit fordern es heute —, muß immer wieder und wiederum betont werden, wie es die große Forderung unserer Zeit ist, daß die Menschen aufmerksam darauf werden, daß eben gewisse Dinge, die heute geschehen, nur durchschaut werden können und vor allen Dingen richtig beurteilt werden können, wenn man von jenen Gesichtspunkten ausgeht, die doch nur durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gewonnen werden können.

[ 36 ] It may take some people even longer than five years to realize this. But it is already the case—you know I don’t say such things out of mere frivolity—that one day it will be possible to prove that, in a certain sense, what is now being sent out into the world as a new war cry from the Wilson camp was clearly predetermined by me earlier for a specific goal, for a specific purpose. And here in this hall, too, there are some people who know very well that the content of this new war cry was foreseen and that its content has been properly considered. It is generally difficult to speak about these things with complete impartiality. But precisely in light of these current events—the signs of the times demand it today— it must be emphasized again and again that the great demand of our time is for people to become aware that certain things happening today can only be understood—and above all, correctly assessed—if one proceeds from those perspectives that can only be gained through anthroposophically oriented spiritual science.