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Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180

11 January 1918, Dornach

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Zwölfter Vortrag

Zwölfter Vortrag

[ 1 ] In diesen Betrachtungen wollen wir ja über wichtige Fragen der Menschheitsentwickelung sprechen, und Sie haben bereits gesehen, daß dazu mancherlei weither geholte Vorbereitungen notwendig sind. Heute will ich, damit wir eine möglichst breite Grundlage haben können, Sie an einzelnes erinnern, das im Laufe der Auseinandersetzungen während meines diesmaligen hiesigen Aufenthaltes von diesem oder jenem Gesichtspunkte aus gesagt worden ist, das uns aber notwendig ist, wenn wir morgen und übermorgen die Betrachtung in dem richtigen Lichte sehen wollen.

[ 1 ] In diesen Betrachtungen wollen wir ja über wichtige Fragen der Menschheitsentwickelung sprechen, und Sie haben bereits gesehen, daß dazu mancherlei weither geholte Vorbereitungen notwendig sind. Heute will ich, damit wir eine möglichst breite Grundlage haben können, Sie an einzelnes erinnern, das im Laufe der Auseinandersetzungen während meines diesmaligen hiesigen Aufenthaltes von diesem oder jenem Gesichtspunkte aus gesagt worden ist, das uns aber notwendig ist, wenn wir morgen und übermorgen die Betrachtung in dem richtigen Lichte sehen wollen.

[ 2 ] Ich habe Sie darauf hingewiesen, wie in jenem Entwickelungsgange der Menschheit, den man als den uns zunächst seit der großen atlantischen Katastrophe interessierenden betrachten kann, bedeutungsvolle Veränderungen mit der Menschheit vor sich gegangen sind. Ich habe vor Monaten schon darauf aufmerksam gemacht, wie anders sich die Menschheit im allgemeinen verändert als der einzelne Mensch. Der einzelne Mensch wird, indem die Jahre vorrücken, älter. In einer gewissen Beziehung kann man sagen, bei der Menschheit als solcher ist das Entgegengesetzte der Fall. Der Mensch ist zuerst Kind, wächst dann heran und erreicht eben das Alter, das uns als das durchschnittliche Lebensalter bekannt ist. Dabei ist die Sache so, daß die physischen Kräfte des Menschen einer mannigfaltigen Veränderung und Verwandlung unterliegen. Nun haben wir schon charakterisiert, in welchem Sinne bei der Menschheit ein umgekehrter Gang stattfindet. Man kann sagen, daß die Menschheit in jener alten Zeit, die auf die große atlantische Katastrophe folgte — in der Geologie nennt man es die Eiszeit, in den religiösen Traditionen die Sintflut —, in jener Zeit also, die unmittelbar auf diese große Überflutung der Erde folgte, aus der wirklich eine Art Vereisung hervorging, in den nächsten 2160 Jahren in einer ganz andern Art entwickelungsfähig war als später.

[ 2 ] Ich habe Sie darauf hingewiesen, wie in jenem Entwickelungsgange der Menschheit, den man als den uns zunächst seit der großen atlantischen Katastrophe interessierenden betrachten kann, bedeutungsvolle Veränderungen mit der Menschheit vor sich gegangen sind. Ich habe vor Monaten schon darauf aufmerksam gemacht, wie anders sich die Menschheit im allgemeinen verändert als der einzelne Mensch. Der einzelne Mensch wird, indem die Jahre vorrücken, älter. In einer gewissen Beziehung kann man sagen, bei der Menschheit als solcher ist das Entgegengesetzte der Fall. Der Mensch ist zuerst Kind, wächst dann heran und erreicht eben das Alter, das uns als das durchschnittliche Lebensalter bekannt ist. Dabei ist die Sache so, daß die physischen Kräfte des Menschen einer mannigfaltigen Veränderung und Verwandlung unterliegen. Nun haben wir schon charakterisiert, in welchem Sinne bei der Menschheit ein umgekehrter Gang stattfindet. Man kann sagen, daß die Menschheit in jener alten Zeit, die auf die große atlantische Katastrophe folgte — in der Geologie nennt man es die Eiszeit, in den religiösen Traditionen die Sintflut —, in jener Zeit also, die unmittelbar auf diese große Überflutung der Erde folgte, aus der wirklich eine Art Vereisung hervorging, in den nächsten 2160 Jahren in einer ganz andern Art entwickelungsfähig war als später.

[ 3 ] Wir wissen, daß wir in unserer Gegenwart entwickelungsfähig sind bis zu einem gewissen Alter, frei ohne unser Zutun, durch unsere Natur, durch unsere physischen Kräfte entwickelungsfähig sind. In der ersten Zeit nach der großen atlantischen Katastrophe, haben wir gesagt, war der Mensch viel länger entwickelungsfähig. Er blieb entwickelungsfähig bis in die Fünfzigerjahre seines Lebens, so daß er immer wußte: in dieser Zeit, mit dem vorschreitenden Älterwerden ist verbunden auch eine Umwandlung des Seelisch-Geistigen. Wenn wir heute nach unseren Zwanzigerjahren eine Entwickelung des Seelisch-Geistigen haben wollen, dann müssen wir diese Entwickelung durch unsere Willenskraft suchen. Bis in die Zwanzigerjahre hinein werden wir physisch anders; und im Physisch-Anderswerden lebt zugleich etwas, das unser geistig-seelisches Weiterschreiten bestimmt. Dann hört das Physische auf, uns abhängig sein zu lassen von sich; dann gibt sozusagen unser Physisches nichts mehr her, und wir müssen uns eben durch unsere Willenskraft weiterbringen. So erscheint es zunächst äußerlich angesehen. Wir werden gleich nachher sehen, wie die Sache innerlich liegt.

[ 3 ] Wir wissen, daß wir in unserer Gegenwart entwickelungsfähig sind bis zu einem gewissen Alter, frei ohne unser Zutun, durch unsere Natur, durch unsere physischen Kräfte entwickelungsfähig sind. In der ersten Zeit nach der großen atlantischen Katastrophe, haben wir gesagt, war der Mensch viel länger entwickelungsfähig. Er blieb entwickelungsfähig bis in die Fünfzigerjahre seines Lebens, so daß er immer wußte: in dieser Zeit, mit dem vorschreitenden Älterwerden ist verbunden auch eine Umwandlung des Seelisch-Geistigen. Wenn wir heute nach unseren Zwanzigerjahren eine Entwickelung des Seelisch-Geistigen haben wollen, dann müssen wir diese Entwickelung durch unsere Willenskraft suchen. Bis in die Zwanzigerjahre hinein werden wir physisch anders; und im Physisch-Anderswerden lebt zugleich etwas, das unser geistig-seelisches Weiterschreiten bestimmt. Dann hört das Physische auf, uns abhängig sein zu lassen von sich; dann gibt sozusagen unser Physisches nichts mehr her, und wir müssen uns eben durch unsere Willenskraft weiterbringen. So erscheint es zunächst äußerlich angesehen. Wir werden gleich nachher sehen, wie die Sache innerlich liegt.

[ 4 ] Das war anders in den ersten 2160 Jahren ungefähr nach der großen atlantischen Katastrophe. Da blieb der Mensch von seinem Physischen zwar abhängig bis in sein hohes Alter hinein, aber er hatte auch die Freude dieser Abhängigkeit. Er hatte die Freude, nicht nur während des Wachsens und im Wachstumzunehmen weiterzuschreiten, sondern er hatte die Freude, auch bei abnehmenden Lebenskräften die Früchte dieser abnehmenden Lebenskräfte im Seelischen als eine Art Aufblühen des Seelischen zu erleben, was man jetzt nicht mehr kann. Ja, es ändern sich eben die äußeren, physisch-kosmischen Bedingungen des menschlichen Daseins in verhältnismäßig gar nicht so langer Zeit.

[ 4 ] Das war anders in den ersten 2160 Jahren ungefähr nach der großen atlantischen Katastrophe. Da blieb der Mensch von seinem Physischen zwar abhängig bis in sein hohes Alter hinein, aber er hatte auch die Freude dieser Abhängigkeit. Er hatte die Freude, nicht nur während des Wachsens und im Wachstumzunehmen weiterzuschreiten, sondern er hatte die Freude, auch bei abnehmenden Lebenskräften die Früchte dieser abnehmenden Lebenskräfte im Seelischen als eine Art Aufblühen des Seelischen zu erleben, was man jetzt nicht mehr kann. Ja, es ändern sich eben die äußeren, physisch-kosmischen Bedingungen des menschlichen Daseins in verhältnismäßig gar nicht so langer Zeit.

[ 5 ] Dann wiederum kam die Zeit, in der der Mensch nicht mehr in ein so hohes Alter, bis in die Fünfzigerjahre hinauf entwickelungsfähig blieb. In dem zweiten Zeitraume nach der großen atlantischen Katastrophe, der wiederum ungefähr 2160 Jahre dauerte, den wir den urpersischen nennen, blieb der Mensch aber immer noch entwickelungsfähig bis in die Höhe der Vierzigerjahre hinauf. Dann, in dem nächsten Zeitraume, in dem ägyptisch-chaldäischen, blieb er entwickelungsfähig bis in die Zeit vom 35. bis 42. Jahre. In der griechisch-lateinischen Zeit blieb der Mensch entwickelungsfähig bis in die Zeit des 35. Jahres hinein. Jetzt leben wir in der Zeit seit dem 15. Jahrhundert, wo der Mensch seine Entwickelung nur bis in die Zwanzigerjahre hineinträgt.

[ 5 ] Dann wiederum kam die Zeit, in der der Mensch nicht mehr in ein so hohes Alter, bis in die Fünfzigerjahre hinauf entwickelungsfähig blieb. In dem zweiten Zeitraume nach der großen atlantischen Katastrophe, der wiederum ungefähr 2160 Jahre dauerte, den wir den urpersischen nennen, blieb der Mensch aber immer noch entwickelungsfähig bis in die Höhe der Vierzigerjahre hinauf. Dann, in dem nächsten Zeitraume, in dem ägyptisch-chaldäischen, blieb er entwickelungsfähig bis in die Zeit vom 35. bis 42. Jahre. In der griechisch-lateinischen Zeit blieb der Mensch entwickelungsfähig bis in die Zeit des 35. Jahres hinein. Jetzt leben wir in der Zeit seit dem 15. Jahrhundert, wo der Mensch seine Entwickelung nur bis in die Zwanzigerjahre hineinträgt.

[ 6 ] Das alles ist etwas, wovon uns die äußere Geschichte nichts erzählt und was auch von der äußeren Geschichtswissenschaft nicht geglaubt wird, womit aber unendlich viele Geheimnisse der menschheitlichen Entwickelung zusammenhängen. So daß man sagen kann, die gesamte Menschheit rückte herein, wurde immer jünger und jünger — wenn wir dieses Verändern in der Entwickelung ein Jüngerwerden nennen. Und wir haben gesehen, welche Folgerung daraus gezogen werden muß. Diese Folgerung war noch nicht so brennend in der griechisch-lateinischen Zeit; da blieb der Mensch bis zu seinem fünfunddreißigsten Jahre naturgemäß entwickelungsfähig. Diese Folgerung wird immer brennender und brennender und von unserer Zeit ab ganz besonders bedeutungsvoll. Denn mit Bezug auf die ganze Menschheit leben wir sozusagen jetzt im siebenundzwanzigsten Jahre, gehen in das sechsundzwanzigste, und so weiter; so daß die Menschen darauf angewiesen sind, durch das ganze Leben hindurchzutragen dasjenige, was ihnen in ihrer frühen Jugend durch die naturgemäße Entwickelung wird, wenn sie nichts dazutun, aus freiem Willen heraus die Weiterentwickelung von sich selbst in die Hand zu nehmen. Und die Zukunft der Menschheit wird darinnen bestehen, daß sie immer mehr zurückgeht, immer weiter zurückgeht, so daß, wenn nicht ein spiritueller Impuls die Menschheit ergreift, Zeiten kommen könnten, in denen nur Jugendansichten herrschen.

[ 6 ] Das alles ist etwas, wovon uns die äußere Geschichte nichts erzählt und was auch von der äußeren Geschichtswissenschaft nicht geglaubt wird, womit aber unendlich viele Geheimnisse der menschheitlichen Entwickelung zusammenhängen. So daß man sagen kann, die gesamte Menschheit rückte herein, wurde immer jünger und jünger — wenn wir dieses Verändern in der Entwickelung ein Jüngerwerden nennen. Und wir haben gesehen, welche Folgerung daraus gezogen werden muß. Diese Folgerung war noch nicht so brennend in der griechisch-lateinischen Zeit; da blieb der Mensch bis zu seinem fünfunddreißigsten Jahre naturgemäß entwickelungsfähig. Diese Folgerung wird immer brennender und brennender und von unserer Zeit ab ganz besonders bedeutungsvoll. Denn mit Bezug auf die ganze Menschheit leben wir sozusagen jetzt im siebenundzwanzigsten Jahre, gehen in das sechsundzwanzigste, und so weiter; so daß die Menschen darauf angewiesen sind, durch das ganze Leben hindurchzutragen dasjenige, was ihnen in ihrer frühen Jugend durch die naturgemäße Entwickelung wird, wenn sie nichts dazutun, aus freiem Willen heraus die Weiterentwickelung von sich selbst in die Hand zu nehmen. Und die Zukunft der Menschheit wird darinnen bestehen, daß sie immer mehr zurückgeht, immer weiter zurückgeht, so daß, wenn nicht ein spiritueller Impuls die Menschheit ergreift, Zeiten kommen könnten, in denen nur Jugendansichten herrschen.

[ 7 ] In äußeren Symptomen prägt sich ja dieses Jüngerwerden der Menschheit dadurch aus — und derjenige, der mit einigem klügeren Sinnen die geschichtliche Entwickelung betrachtet, kann das auch äußerlich sehen —, es prägt sich dadurch aus, daß, sagen wir, noch in Griechenland man ein bestimmtes Alter haben mußte, wenn man an den öffentlichen Angelegenheiten irgendwie teilnehmen sollte. Heute sehen wir die Forderung gestellt von großen Kreisen der Menschheit, dieses Alter so weit wie möglich hereinzurücken, weil die Menschen denken, daß sie schon alles, was der Mensch erreichen kann, in den Zwanzigerjahren wissen. Und es werden Forderungen kommen, immer weiter und weitergehend nach dieser Richtung, wenn nicht die Einsicht diese Forderungen paralysiert: nicht nur etwa den Menschen vom Beginn der Zwanzigerjahre ab so gescheit sein zu lassen, daß er an allein Parlamentarischen, irgendwie gearteten Parlamentarischen der Welt teilnehmen kann, sondern die Neunzehn-, Achtzehnjährigen werden glauben, daß sie alles dasjenige, was der Mensch umfassen kann, eben in sich tragen.

[ 7 ] In äußeren Symptomen prägt sich ja dieses Jüngerwerden der Menschheit dadurch aus — und derjenige, der mit einigem klügeren Sinnen die geschichtliche Entwickelung betrachtet, kann das auch äußerlich sehen —, es prägt sich dadurch aus, daß, sagen wir, noch in Griechenland man ein bestimmtes Alter haben mußte, wenn man an den öffentlichen Angelegenheiten irgendwie teilnehmen sollte. Heute sehen wir die Forderung gestellt von großen Kreisen der Menschheit, dieses Alter so weit wie möglich hereinzurücken, weil die Menschen denken, daß sie schon alles, was der Mensch erreichen kann, in den Zwanzigerjahren wissen. Und es werden Forderungen kommen, immer weiter und weitergehend nach dieser Richtung, wenn nicht die Einsicht diese Forderungen paralysiert: nicht nur etwa den Menschen vom Beginn der Zwanzigerjahre ab so gescheit sein zu lassen, daß er an allein Parlamentarischen, irgendwie gearteten Parlamentarischen der Welt teilnehmen kann, sondern die Neunzehn-, Achtzehnjährigen werden glauben, daß sie alles dasjenige, was der Mensch umfassen kann, eben in sich tragen.

[ 8 ] Diese Art des Jüngerwerdens der Menschen ist zugleich eine Aufforderung an die Menschheit, dasjenige, was die Natur dem Menschen nicht mehr gibt, aus dem Geistigen sich herzuholen. Ich habe Sie das letzte Mal darauf aufmerksam gemacht, welch ungeheurer Einschnitt in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit im 15. Jahrhundert liegt, wiederum etwas, wovon die äußere Geschichte keine Kunde gibt, denn diese äußere Geschichte ist, wie ich schon oft gesagt habe, eine fable convenue. Kommen muß eine ganz neue Erkenntnis der menschlichen Wesenheit, denn nur, wenn eine ganz neue Erkenntnis der menschlichen Wesenheit kommt, läßt sich der Impuls, den die Menschheit braucht, um das aus freiem Willen in die Hand zu nehmen, was die Natur nicht mehr hergibt, dann wirklich finden. Wir dürfen nicht glauben, daß die Zukunft der Menschheit auskommen werde mit denjenigen Gedanken und Ideen, welche die neuere Zeit gebracht hat, und auf welche diese neuere Zeit so stolz ist. Man kann nicht genug tun, um sich klarzumachen, wie notwendig es ist, neue, neuartige Impulse für die Entwickelung der Menschheit zu suchen. Gewiß ist es eine Trivialität, wie ich oftmals gesagt habe, zu sagen, unsere Zeit sei ein Übergangszeitalter, denn das ist wirklich jede Zeit. Aber etwas anderes ist es, zu wissen, was übergeht in einer bestimmten Zeit. Gewiß ist. jede Zeit eine Übergangszeit; aber in jeder Zeit sollte man auch sich umsehen nach dem, was im Übergange begriffen ist.

[ 8 ] Diese Art des Jüngerwerdens der Menschen ist zugleich eine Aufforderung an die Menschheit, dasjenige, was die Natur dem Menschen nicht mehr gibt, aus dem Geistigen sich herzuholen. Ich habe Sie das letzte Mal darauf aufmerksam gemacht, welch ungeheurer Einschnitt in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit im 15. Jahrhundert liegt, wiederum etwas, wovon die äußere Geschichte keine Kunde gibt, denn diese äußere Geschichte ist, wie ich schon oft gesagt habe, eine fable convenue. Kommen muß eine ganz neue Erkenntnis der menschlichen Wesenheit, denn nur, wenn eine ganz neue Erkenntnis der menschlichen Wesenheit kommt, läßt sich der Impuls, den die Menschheit braucht, um das aus freiem Willen in die Hand zu nehmen, was die Natur nicht mehr hergibt, dann wirklich finden. Wir dürfen nicht glauben, daß die Zukunft der Menschheit auskommen werde mit denjenigen Gedanken und Ideen, welche die neuere Zeit gebracht hat, und auf welche diese neuere Zeit so stolz ist. Man kann nicht genug tun, um sich klarzumachen, wie notwendig es ist, neue, neuartige Impulse für die Entwickelung der Menschheit zu suchen. Gewiß ist es eine Trivialität, wie ich oftmals gesagt habe, zu sagen, unsere Zeit sei ein Übergangszeitalter, denn das ist wirklich jede Zeit. Aber etwas anderes ist es, zu wissen, was übergeht in einer bestimmten Zeit. Gewiß ist. jede Zeit eine Übergangszeit; aber in jeder Zeit sollte man auch sich umsehen nach dem, was im Übergange begriffen ist.

[ 9 ] Ich will anknüpfen an eine Tatsache. Ich könnte an hundert andere anknüpfen, aber ich will an eine bestimmte Tatsache anknüpfen, die nur als Beispiel dienen soll für vieles. Wie gesagt, aus allen Orten Europas, in hundertfacher Weise könnte man an ähnliche Dinge anknüpfen. Es war noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da hielt Friedrich Schlegel, der eine der beiden um die mitteleuropäische Kultur so hochverdienten Gebrüder Schlegel, eine Anzahl von Vorlesungen in Wien, 1828. In diesen Vorlesungen versuchte Friedrich Schlegel von einem hohen geschichtlichen Standpunkte aus den Menschen zu sagen, welche Bedürfnisse in der Zeitentwickelung liegen, wohin man die Augen richten solle, um das Rechte zu treffen für die Entwickelung des 19. Jahrhunderts und der kommenden Zeit.

[ 9 ] Ich will anknüpfen an eine Tatsache. Ich könnte an hundert andere anknüpfen, aber ich will an eine bestimmte Tatsache anknüpfen, die nur als Beispiel dienen soll für vieles. Wie gesagt, aus allen Orten Europas, in hundertfacher Weise könnte man an ähnliche Dinge anknüpfen. Es war noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da hielt Friedrich Schlegel, der eine der beiden um die mitteleuropäische Kultur so hochverdienten Gebrüder Schlegel, eine Anzahl von Vorlesungen in Wien, 1828. In diesen Vorlesungen versuchte Friedrich Schlegel von einem hohen geschichtlichen Standpunkte aus den Menschen zu sagen, welche Bedürfnisse in der Zeitentwickelung liegen, wohin man die Augen richten solle, um das Rechte zu treffen für die Entwickelung des 19. Jahrhunderts und der kommenden Zeit.

[ 10 ] Friedrich Schlegel stand dazumal unter zwei hauptsächlichsten geschichtlichen Eindrücken. Auf der einen Seite blickte er hin auf das 18. Jahrhundert, wie es sich entwickelt hat allmählich zum Atheismus, zum Materialismus, zur Irreligiosität. Und Friedrich Schlegel — wir wollen keine Kritik üben, sondern nur eine Tatsache vorführen, eine menschliche Anschauung in Betracht ziehen —, Friedrich Schlegel sah, wie dasjenige, was in den Köpfen sich im Laufe des 18. Jahrhunderts abgespielt hat, dann explodiert ist in der Französischen Revolution. Er sah in dieser Französischen Revolution eine große Einseitigkeit. Gewiß, man kann es heute reaktionär finden, wenn solch ein Mensch wie Friedrich Schlegel in der Französischen Revolution eine große Einseitigkeit sieht, aber solch ein Urteil müßte man doch auch noch unter andern Gesichtspunkten anschauen. Es ist im allgemeinen ziemlich einfach, sich zu sagen, das und jenes sei für die Menschheit errungen worden durch die Französische Revolution. Gewiß ist das recht einfach; aber es fragt sich, ob jeder, der mit Enthusiasmus in dieser Weise von der Französischen Revolution spricht, wirklich in seinem allerinnersten Herzen auch ganz aufrichtig ist. Es gibt, ich möchte sagen, eine Kreuzprobe auf diese Aufrichtigkeit, und diese Kreuzprobe besteht lediglich darinnen, daß man sich überlegen sollte: Wie würde man solch eine Bewegung, wenn sie um einen herum ausbräche in der Gegenwart, selber ansehen? Was würde man dann dazu sagen? Diese Frage sollte man sich eigentlich immer vorlegen, wenn man sich diese Sachen ansieht. Dann erst bekommt man eine Art von Kreuzprobe für seine eigene Aufrichtigkeit. Denn es ist im allgemeinen nicht gerade schwierig, begeistert zu sein über dasjenige, was vor so und so viel Jahrzehnten sich zugetragen hat. Es fragt sich, ob man auch begeistert sein könnte, wenn man unmittelbar in der Gegenwart daran beteiligt wäre.

[ 10 ] Friedrich Schlegel stand dazumal unter zwei hauptsächlichsten geschichtlichen Eindrücken. Auf der einen Seite blickte er hin auf das 18. Jahrhundert, wie es sich entwickelt hat allmählich zum Atheismus, zum Materialismus, zur Irreligiosität. Und Friedrich Schlegel — wir wollen keine Kritik üben, sondern nur eine Tatsache vorführen, eine menschliche Anschauung in Betracht ziehen —, Friedrich Schlegel sah, wie dasjenige, was in den Köpfen sich im Laufe des 18. Jahrhunderts abgespielt hat, dann explodiert ist in der Französischen Revolution. Er sah in dieser Französischen Revolution eine große Einseitigkeit. Gewiß, man kann es heute reaktionär finden, wenn solch ein Mensch wie Friedrich Schlegel in der Französischen Revolution eine große Einseitigkeit sieht, aber solch ein Urteil müßte man doch auch noch unter andern Gesichtspunkten anschauen. Es ist im allgemeinen ziemlich einfach, sich zu sagen, das und jenes sei für die Menschheit errungen worden durch die Französische Revolution. Gewiß ist das recht einfach; aber es fragt sich, ob jeder, der mit Enthusiasmus in dieser Weise von der Französischen Revolution spricht, wirklich in seinem allerinnersten Herzen auch ganz aufrichtig ist. Es gibt, ich möchte sagen, eine Kreuzprobe auf diese Aufrichtigkeit, und diese Kreuzprobe besteht lediglich darinnen, daß man sich überlegen sollte: Wie würde man solch eine Bewegung, wenn sie um einen herum ausbräche in der Gegenwart, selber ansehen? Was würde man dann dazu sagen? Diese Frage sollte man sich eigentlich immer vorlegen, wenn man sich diese Sachen ansieht. Dann erst bekommt man eine Art von Kreuzprobe für seine eigene Aufrichtigkeit. Denn es ist im allgemeinen nicht gerade schwierig, begeistert zu sein über dasjenige, was vor so und so viel Jahrzehnten sich zugetragen hat. Es fragt sich, ob man auch begeistert sein könnte, wenn man unmittelbar in der Gegenwart daran beteiligt wäre.

[ 11 ] Friedrich Schlegel, wie gesagt, betrachtete die Revolution als eine Explosion der sogenannten Aufklärung, der atheistischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Und neben dieses Ereignis, auf das er seine Blicke richtet, stellte er hin ein anderes: das Auftreten desjenigen Menschen, der die Revolution abgelöst hat, der so ungeheuer viel beigetragen hat zu der späteren Gestaltung von Europa: Napoleon. Und Friedrich Schlegel — wie gesagt, er betrachtete die Weltgeschichte von einem hohen Gesichtspunkte aus —, Friedrich Schlegel macht aufmerksam bei dieser Gelegenheit, daß eine solche Persönlichkeit, wenn sie eintritt mit einer solchen Kraft in die Weltentwickelung, wirklich auch von einem andern Gesichtspunkte aus noch betrachtet werden muß als von dem, den man gewöhnlich anlegt. Friedrich Schlegel macht eine sehr schöne Bemerkung da, wo er über Napoleon spricht. Er sagt, man solle nicht vergessen: Sieben Jahre habe Napoleon Zeit gehabt, sich hineinzuleben in dasjenige, was er dann später als seine Aufgabe betrachtete; zweimal sieben Jahre dauerte der Tumult, den er durch Europa trug, und einmal sieben Jahre dauerte dann noch die Lebenszeit, die ihm nach seinem Sturze gegönnt war. Viermal sieben Jahre ist die Laufbahn dieses Menschen. Darauf macht Friedrich Schlegel in sehr schöner Weise aufmerksam.

[ 11 ] Friedrich Schlegel, wie gesagt, betrachtete die Revolution als eine Explosion der sogenannten Aufklärung, der atheistischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Und neben dieses Ereignis, auf das er seine Blicke richtet, stellte er hin ein anderes: das Auftreten desjenigen Menschen, der die Revolution abgelöst hat, der so ungeheuer viel beigetragen hat zu der späteren Gestaltung von Europa: Napoleon. Und Friedrich Schlegel — wie gesagt, er betrachtete die Weltgeschichte von einem hohen Gesichtspunkte aus —, Friedrich Schlegel macht aufmerksam bei dieser Gelegenheit, daß eine solche Persönlichkeit, wenn sie eintritt mit einer solchen Kraft in die Weltentwickelung, wirklich auch von einem andern Gesichtspunkte aus noch betrachtet werden muß als von dem, den man gewöhnlich anlegt. Friedrich Schlegel macht eine sehr schöne Bemerkung da, wo er über Napoleon spricht. Er sagt, man solle nicht vergessen: Sieben Jahre habe Napoleon Zeit gehabt, sich hineinzuleben in dasjenige, was er dann später als seine Aufgabe betrachtete; zweimal sieben Jahre dauerte der Tumult, den er durch Europa trug, und einmal sieben Jahre dauerte dann noch die Lebenszeit, die ihm nach seinem Sturze gegönnt war. Viermal sieben Jahre ist die Laufbahn dieses Menschen. Darauf macht Friedrich Schlegel in sehr schöner Weise aufmerksam.

[ 12 ] Ich habe Sie bei den verschiedensten Gelegenheiten darauf hingewiesen, welche Rolle solche innere Gesetzmäßigkeit bei Menschen spielt, die wirklich repräsentativ sind in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit. Ich habe Sie darauf hingewiesen, wie merkwürdig es ist, daß Raffael immer nach einer bestimmten Anzahl von Jahren eine bedeutende malerische Leistung macht; ich habe Sie darauf hingewiesen, wie bei Goethe in siebenjährigen Perioden immer ein Aufflackern der Dichterkraft stattfindet, während in der Zwischenzeit, zwischen den siebenjährigen Terminen, ein Abflauen stattfindet. Und so könnte man viele, viele Beispiele anführen für diese Dinge. Friedrich Schlegel betrachtete Napoleon auch nicht gerade als einen Segensimpuls für die europäische Menschheit.

[ 12 ] Ich habe Sie bei den verschiedensten Gelegenheiten darauf hingewiesen, welche Rolle solche innere Gesetzmäßigkeit bei Menschen spielt, die wirklich repräsentativ sind in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit. Ich habe Sie darauf hingewiesen, wie merkwürdig es ist, daß Raffael immer nach einer bestimmten Anzahl von Jahren eine bedeutende malerische Leistung macht; ich habe Sie darauf hingewiesen, wie bei Goethe in siebenjährigen Perioden immer ein Aufflackern der Dichterkraft stattfindet, während in der Zwischenzeit, zwischen den siebenjährigen Terminen, ein Abflauen stattfindet. Und so könnte man viele, viele Beispiele anführen für diese Dinge. Friedrich Schlegel betrachtete Napoleon auch nicht gerade als einen Segensimpuls für die europäische Menschheit.

[ 13 ] Nun macht Friedrich Schlegel in diesen Vorträgen darauf aufmerksam, worinnen nach seiner Ansicht das Heil Europas bestehen müsse, nachdem die Verwirrung durch die Revolution, die Verwirrung durch das napoleonische Zeitalter gekommen ist. Und Friedrich Schlegel findet, daß der tiefere Grund zu der Verwirrung darinnen besteht, daß die Menschen nicht in der Lage sind, sich zu erheben mit ihrer Weltanschauung zu einem umfassenderen Standpunkte, der ja nur aus einem Einleben in die geistige Welt kommen kann. Dadurch, meint Friedrich Schlegel, ist das gekommen, was an die Stelle einer allgemein menschlichen Weltanschauung überall Parteigesichtspunkte stellt, Parteigesichtspunkte, die darinnen bestehen, daß jemand dasjenige, was sich ihm auf seinem Standpunkte des Lebens ergibt, als etwas Absolutes betrachtet, als dasjenige, was allen Heil bringen muß; während nach Anschauung Friedrich Schlegels das einzige Heil der Menschheit darinnen besteht, daß man sich dessen bewußt ist: man steht auf einem gewissen Standpunkt, und andere stehen auf einem andern Standpunkte, und es muß sich ein Ausgleich der Standpunkte durch das Leben finden. Nicht die Verabsolutierung eines Standpunktes darf Platz greifen.

[ 13 ] Nun macht Friedrich Schlegel in diesen Vorträgen darauf aufmerksam, worinnen nach seiner Ansicht das Heil Europas bestehen müsse, nachdem die Verwirrung durch die Revolution, die Verwirrung durch das napoleonische Zeitalter gekommen ist. Und Friedrich Schlegel findet, daß der tiefere Grund zu der Verwirrung darinnen besteht, daß die Menschen nicht in der Lage sind, sich zu erheben mit ihrer Weltanschauung zu einem umfassenderen Standpunkte, der ja nur aus einem Einleben in die geistige Welt kommen kann. Dadurch, meint Friedrich Schlegel, ist das gekommen, was an die Stelle einer allgemein menschlichen Weltanschauung überall Parteigesichtspunkte stellt, Parteigesichtspunkte, die darinnen bestehen, daß jemand dasjenige, was sich ihm auf seinem Standpunkte des Lebens ergibt, als etwas Absolutes betrachtet, als dasjenige, was allen Heil bringen muß; während nach Anschauung Friedrich Schlegels das einzige Heil der Menschheit darinnen besteht, daß man sich dessen bewußt ist: man steht auf einem gewissen Standpunkt, und andere stehen auf einem andern Standpunkte, und es muß sich ein Ausgleich der Standpunkte durch das Leben finden. Nicht die Verabsolutierung eines Standpunktes darf Platz greifen.

[ 14 ] Nun findet Friedrich Schlegel, daß das einzige, welches den Menschen anweisen kann, wirklich diese nicht zum Indifferentismus hinneigende, sondern zum kraftvollen Lebenswirken hinneigende Toleranz, die er meint, zu verwirklichen, einzig und allein das wahre Christentum ist. Deshalb zieht Friedrich Schlegel — 1828, ich muß das immer betonen — aus den Betrachtungen, die er vor seine Zuhörer hingestellt hat, den Schluß, daß alles Leben Europas, vor allem aber das Leben der Wissenschaft und das Leben der Staaten, durchchristet werden müsse. Und darinnen sieht er das große Unheil, daß die Wissenschaft unchristlich geworden ist, daß die Staaten unchristlich geworden sind, daß nirgends dasjenige, was den eigentlichen ChristusImpuls bedeutet, eingedrungen ist in der neueren Zeit in die wissenschaftlichen Betrachtungen und eingedrungen ist in das Leben der Staaten. Nun fordert er, daß wiederum der christliche Impuls in das Wissenschafts- und in das Staatsleben eindringe.

[ 14 ] Nun findet Friedrich Schlegel, daß das einzige, welches den Menschen anweisen kann, wirklich diese nicht zum Indifferentismus hinneigende, sondern zum kraftvollen Lebenswirken hinneigende Toleranz, die er meint, zu verwirklichen, einzig und allein das wahre Christentum ist. Deshalb zieht Friedrich Schlegel — 1828, ich muß das immer betonen — aus den Betrachtungen, die er vor seine Zuhörer hingestellt hat, den Schluß, daß alles Leben Europas, vor allem aber das Leben der Wissenschaft und das Leben der Staaten, durchchristet werden müsse. Und darinnen sieht er das große Unheil, daß die Wissenschaft unchristlich geworden ist, daß die Staaten unchristlich geworden sind, daß nirgends dasjenige, was den eigentlichen ChristusImpuls bedeutet, eingedrungen ist in der neueren Zeit in die wissenschaftlichen Betrachtungen und eingedrungen ist in das Leben der Staaten. Nun fordert er, daß wiederum der christliche Impuls in das Wissenschafts- und in das Staatsleben eindringe.

[ 15 ] Friedrich Schlegel sprach natürlich über die Wissenschaftlichkeit und über das Staatsleben seiner Zeit, also des Jahres 1828. Aber man kann schon aus gewissen Gründen, die uns gleich nachher besser einleuchten werden als eben jetzt, auch die heutige Wissenschaft und das heutige Staatsleben so betrachten, wie Friedrich Schlegel sie 1828 betrachtet hat. Versuchen Sie heute einmal Anfragen zu stellen bei den Wissenschaften, die ja vorzugsweise heute im öffentlichen Leben Geltung haben, bei der Physik, der Chemie, der Biologie, der Nationalökonomie, auch bei der Staatswissenschaft, versuchen Sie bei ihnen anzufragen, ob irgendwo im Ernste der christliche Impuls drinnen ist. Man gesteht es nicht, aber in Wahrheit sind die Wissenschaften alle atheistisch; und die verschiedenen Kirchen versuchen, mit diesen atheistischen Wissenschaften ein gutes Auskommen zu haben, weil sie ja doch sich nicht stark genug fühlen, die Wissenschaft wirklich mit dem Prinzip des Christentums zu durchdringen. Daher die bequeme, billige Theorie, daß das religiöse Leben eben anderes erfordere als die äußere Wissenschaft, daß die äußere Wissenschaft sich halten müsse an das, was man beobachten kann, das religiöse Leben an das Gefühl. Beide sollen hübsch getrennt sein; die eine Richtung soll nicht in die andere hineinsprechen. Auf diese Weise kann man ja miteinander leben, das kann man schon, aber man führt solche Zustände herbei, wie es die gegenwärtigen sind.

[ 15 ] Friedrich Schlegel sprach natürlich über die Wissenschaftlichkeit und über das Staatsleben seiner Zeit, also des Jahres 1828. Aber man kann schon aus gewissen Gründen, die uns gleich nachher besser einleuchten werden als eben jetzt, auch die heutige Wissenschaft und das heutige Staatsleben so betrachten, wie Friedrich Schlegel sie 1828 betrachtet hat. Versuchen Sie heute einmal Anfragen zu stellen bei den Wissenschaften, die ja vorzugsweise heute im öffentlichen Leben Geltung haben, bei der Physik, der Chemie, der Biologie, der Nationalökonomie, auch bei der Staatswissenschaft, versuchen Sie bei ihnen anzufragen, ob irgendwo im Ernste der christliche Impuls drinnen ist. Man gesteht es nicht, aber in Wahrheit sind die Wissenschaften alle atheistisch; und die verschiedenen Kirchen versuchen, mit diesen atheistischen Wissenschaften ein gutes Auskommen zu haben, weil sie ja doch sich nicht stark genug fühlen, die Wissenschaft wirklich mit dem Prinzip des Christentums zu durchdringen. Daher die bequeme, billige Theorie, daß das religiöse Leben eben anderes erfordere als die äußere Wissenschaft, daß die äußere Wissenschaft sich halten müsse an das, was man beobachten kann, das religiöse Leben an das Gefühl. Beide sollen hübsch getrennt sein; die eine Richtung soll nicht in die andere hineinsprechen. Auf diese Weise kann man ja miteinander leben, das kann man schon, aber man führt solche Zustände herbei, wie es die gegenwärtigen sind.

[ 16 ] Nun war, was Friedrich Schlegel dazumal vorgebracht hat, von tiefer, innerer Wärme durchdrungen, durchdrungen wirklich von dem großen Persönlichkeitsimpuls bei ihm, seiner Zeit zu dienen, aufzufordern, die Religion nicht bloß zu einer Sonntagsschule zu machen, sondern sie hineinzutragen in alles Leben, vor allem in das Wissenschafts- und in das Staatsleben. Und man kann sehen aus der Art und Weise, wie Friedrich Schlegel dazumal in Wien gesprochen hat, daß er Hoffnung hatte, große Hoffnung hatte darauf, daß aus dem Wirrwarr, den die Revolution und Napoleon angerichtet haben, ein Europa hervorgehen werde, welches durchchristet sein werde in seinem Wissenschafts- und in seinem Staatsleben. Die letzte von diesen Vorlesungen handelt insbesondere von dem herrschenden Zeitgeiste und von der allgemeinen Wiederherstellung. Als Motto setzte Friedrich Schlegel über diese Vorlesung, die wirklich getragen ist von großem Geiste, die Bibelworte: «Ich komme bald und mache alles neu», und er setzte dieses Motto darüber aus dem Grunde, weil er glaubte, es liege wirklich in den Menschen des 19. Jahrhunderts, es liege in den Menschen, die er dazumal als die jungen Menschen ansprechen konnte, die Kraft, zu empfangen dasjenige, was alles neu machen kann.

[ 16 ] Nun war, was Friedrich Schlegel dazumal vorgebracht hat, von tiefer, innerer Wärme durchdrungen, durchdrungen wirklich von dem großen Persönlichkeitsimpuls bei ihm, seiner Zeit zu dienen, aufzufordern, die Religion nicht bloß zu einer Sonntagsschule zu machen, sondern sie hineinzutragen in alles Leben, vor allem in das Wissenschafts- und in das Staatsleben. Und man kann sehen aus der Art und Weise, wie Friedrich Schlegel dazumal in Wien gesprochen hat, daß er Hoffnung hatte, große Hoffnung hatte darauf, daß aus dem Wirrwarr, den die Revolution und Napoleon angerichtet haben, ein Europa hervorgehen werde, welches durchchristet sein werde in seinem Wissenschafts- und in seinem Staatsleben. Die letzte von diesen Vorlesungen handelt insbesondere von dem herrschenden Zeitgeiste und von der allgemeinen Wiederherstellung. Als Motto setzte Friedrich Schlegel über diese Vorlesung, die wirklich getragen ist von großem Geiste, die Bibelworte: «Ich komme bald und mache alles neu», und er setzte dieses Motto darüber aus dem Grunde, weil er glaubte, es liege wirklich in den Menschen des 19. Jahrhunderts, es liege in den Menschen, die er dazumal als die jungen Menschen ansprechen konnte, die Kraft, zu empfangen dasjenige, was alles neu machen kann.

[ 17 ] Wer diese Vorträge Friedrich Schlegels durchliest, der verläßt das Lesen mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite sagt man sich: Von welch hohen Gesichtspunkten, von welch lichtvollen Anschauungen aus haben einmal Menschen über Wissenschaftlichkeit und Staatsleben gesprochen! Wie hätte man wünschen müssen, daß solche Worte gezündet hätten in zahlreichen Seelen. Und hätten sie gezündet, was wäre aus Europa im Laufe des 19. Jahrhunderts geworden. — Ich sage, mit gemischten Gefühlen verläßt man das Lesen. Denn erstens: Es ist ja nicht so geworden, es ist zu jenen katastrophalen Ereignissen gekommen, die jetzt in so furchtbarer Weise vor uns stehen, und es ist diesen katastrophalen Ereignissen vorangegangen jene Vorbereitung, in der man genau hat sehen können, daß diese katastrophalen Ereignisse kommen müssen; es ist ihnen vorangegangen das Zeitalter der materialistischen Wissenschaftlichkeit die noch stärker wurde, als sie zu Friedrich Schlegels Zeiten war —, vorangegangen das Zeitalter der materialistischen Staatskunst über ganz Europa. Und nur mit wehmütigen Gefühlen kann man auf ein solches Motto jetzt sehen: «Denn siehe, ich komme bald und mache alles neu.»

[ 17 ] Wer diese Vorträge Friedrich Schlegels durchliest, der verläßt das Lesen mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite sagt man sich: Von welch hohen Gesichtspunkten, von welch lichtvollen Anschauungen aus haben einmal Menschen über Wissenschaftlichkeit und Staatsleben gesprochen! Wie hätte man wünschen müssen, daß solche Worte gezündet hätten in zahlreichen Seelen. Und hätten sie gezündet, was wäre aus Europa im Laufe des 19. Jahrhunderts geworden. — Ich sage, mit gemischten Gefühlen verläßt man das Lesen. Denn erstens: Es ist ja nicht so geworden, es ist zu jenen katastrophalen Ereignissen gekommen, die jetzt in so furchtbarer Weise vor uns stehen, und es ist diesen katastrophalen Ereignissen vorangegangen jene Vorbereitung, in der man genau hat sehen können, daß diese katastrophalen Ereignisse kommen müssen; es ist ihnen vorangegangen das Zeitalter der materialistischen Wissenschaftlichkeit die noch stärker wurde, als sie zu Friedrich Schlegels Zeiten war —, vorangegangen das Zeitalter der materialistischen Staatskunst über ganz Europa. Und nur mit wehmütigen Gefühlen kann man auf ein solches Motto jetzt sehen: «Denn siehe, ich komme bald und mache alles neu.»

[ 18 ] Es muß irgendwo ein Irrtum vorliegen. Friedrich Schlegel hat ganz gewiß aus ehrlichster Überzeugung heraus gesprochen, und er war in gar nicht geringem Maße ein scharfer Beobachter seiner Zeit. Er konnte schon die Verhältnisse beurteilen, aber etwas mußte doch nicht ganz stimmen. Ja, was versteht denn Friedrich Schlegel unter der Verchristung von Europa? Man kann sagen, ein Gefühl ist in ihm für die Größe, für die Bedeutung des Christus-Impulses. Und auch dafür ist ein Gefühl in ihm, daß der Christus-Impuls in einer neuen Zeit in einer neuen Weise ergriffen werden muß, daß man nicht stehenbleiben kann bei der Art und Weise, wie frühere Jahrhunderte den Christus-Impuls ergriffen haben. Das weiß er, davon ist ein Gefühl in ihm vorhanden. Aber er lehnt sich mit diesem Gefühl doch wieder an das schon bestehende Christentum an, das Christentum, wie es sich geschichtlich bis zu seiner Zeit entwickelt hat. Er glaubte, daß von Rom ausgehen kann eine Bewegung, von der man sagen kann: «Ich komme bald und mache alles neu. » Er ist ja auch unter denjenigen Menschen des 19. Jahrhunderts gewesen, die sich vom Protestantismus zum Katholizismus gewendet haben, weil sie glaubten, in dem katholischen Leben mehr Kraft zu verspüren als in dem protestantischen Leben. Aber er war freier Geist genug, um nicht katholischer Zelote zu werden.

[ 18 ] Es muß irgendwo ein Irrtum vorliegen. Friedrich Schlegel hat ganz gewiß aus ehrlichster Überzeugung heraus gesprochen, und er war in gar nicht geringem Maße ein scharfer Beobachter seiner Zeit. Er konnte schon die Verhältnisse beurteilen, aber etwas mußte doch nicht ganz stimmen. Ja, was versteht denn Friedrich Schlegel unter der Verchristung von Europa? Man kann sagen, ein Gefühl ist in ihm für die Größe, für die Bedeutung des Christus-Impulses. Und auch dafür ist ein Gefühl in ihm, daß der Christus-Impuls in einer neuen Zeit in einer neuen Weise ergriffen werden muß, daß man nicht stehenbleiben kann bei der Art und Weise, wie frühere Jahrhunderte den Christus-Impuls ergriffen haben. Das weiß er, davon ist ein Gefühl in ihm vorhanden. Aber er lehnt sich mit diesem Gefühl doch wieder an das schon bestehende Christentum an, das Christentum, wie es sich geschichtlich bis zu seiner Zeit entwickelt hat. Er glaubte, daß von Rom ausgehen kann eine Bewegung, von der man sagen kann: «Ich komme bald und mache alles neu. » Er ist ja auch unter denjenigen Menschen des 19. Jahrhunderts gewesen, die sich vom Protestantismus zum Katholizismus gewendet haben, weil sie glaubten, in dem katholischen Leben mehr Kraft zu verspüren als in dem protestantischen Leben. Aber er war freier Geist genug, um nicht katholischer Zelote zu werden.

[ 19 ] Aber etwas hat sich Friedrich Schlegel nicht gesagt. Was er sich nicht gesagt hat, das ist dies, daß eine der tiefsten und bedeutungsvollsten Wahrheiten des Christentums jene ist, die in den Worten liegt: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeit.» Die Offenbarung hat nicht aufgehört, sondern sie kommt periodenweise wieder. Und während Friedrich Schlegel auf dasjenige baute, was schon da war, hätte er sehen müssen, fühlen müssen, daß eine wirkliche Durchchristung von Wissenschaft und Staatsleben nur eintreten kann dann, wenn neuerdings aus der geistigen Welt Erkenntnisse herausgeholt werden. Das hat er nicht gesehen; davon weiß er nichts. Und das zeigt uns an einem der bedeutsamsten Beispiele des 19. Jahrhunderts, daß immer wieder und wiederum selbst bei erleuchtetsten Geistern die Illusion auftaucht, man könne an etwas Bestehendes jetzt noch anknüpfen, man brauche nicht aus dem Jungbrunnen eines Neuen heraus zu schöpfen, und daß sie unter diesen Illusionen zwar Großes, Geniales sprechen und leisten können, daß aber doch dieses Geniale zu nichts führt. Denn Friedrich Schlegels Hoffnung war ein nach Wissenschaft und Staatsleben durchchristetes Europa im 19. Jahrhundert. Bald müsse es kommen, meinte er, eine allgemeine Erneuerung der Welt, eine allgemeine Wiederherstellung des Christus-Impulses. Und was kam? Eine materialistische Richtung in der Wissenschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gegen welche dasjenige, was Friedrich Schlegel 1828 erlebt hatte, wahrhaftig an Materialismus ein Kinderspiel war. Und eine Vermaterialisierung des Staatslebens man muß nur die Geschichte kennen, die wirkliche Geschichte, nicht jene fable convenue, welche in den Schulen und Universitäten gelehrt wird —, eine Vermaterialisierung des Staatslebens, von der ebenfalls Friedrich Schlegel 1828 um sich herum noch nichts sehen konnte. Er hat also vorausgesagt eine Durchchristung Europas und war ein so schlechter Prophet, da eine Vermaterialisierung Europas gekommen ist.

[ 19 ] Aber etwas hat sich Friedrich Schlegel nicht gesagt. Was er sich nicht gesagt hat, das ist dies, daß eine der tiefsten und bedeutungsvollsten Wahrheiten des Christentums jene ist, die in den Worten liegt: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeit.» Die Offenbarung hat nicht aufgehört, sondern sie kommt periodenweise wieder. Und während Friedrich Schlegel auf dasjenige baute, was schon da war, hätte er sehen müssen, fühlen müssen, daß eine wirkliche Durchchristung von Wissenschaft und Staatsleben nur eintreten kann dann, wenn neuerdings aus der geistigen Welt Erkenntnisse herausgeholt werden. Das hat er nicht gesehen; davon weiß er nichts. Und das zeigt uns an einem der bedeutsamsten Beispiele des 19. Jahrhunderts, daß immer wieder und wiederum selbst bei erleuchtetsten Geistern die Illusion auftaucht, man könne an etwas Bestehendes jetzt noch anknüpfen, man brauche nicht aus dem Jungbrunnen eines Neuen heraus zu schöpfen, und daß sie unter diesen Illusionen zwar Großes, Geniales sprechen und leisten können, daß aber doch dieses Geniale zu nichts führt. Denn Friedrich Schlegels Hoffnung war ein nach Wissenschaft und Staatsleben durchchristetes Europa im 19. Jahrhundert. Bald müsse es kommen, meinte er, eine allgemeine Erneuerung der Welt, eine allgemeine Wiederherstellung des Christus-Impulses. Und was kam? Eine materialistische Richtung in der Wissenschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gegen welche dasjenige, was Friedrich Schlegel 1828 erlebt hatte, wahrhaftig an Materialismus ein Kinderspiel war. Und eine Vermaterialisierung des Staatslebens man muß nur die Geschichte kennen, die wirkliche Geschichte, nicht jene fable convenue, welche in den Schulen und Universitäten gelehrt wird —, eine Vermaterialisierung des Staatslebens, von der ebenfalls Friedrich Schlegel 1828 um sich herum noch nichts sehen konnte. Er hat also vorausgesagt eine Durchchristung Europas und war ein so schlechter Prophet, da eine Vermaterialisierung Europas gekommen ist.

[ 20 ] Die Menschen leben eben gern in Illusionen. Und das hängt zusammen mit dem großen Problem, das uns jetzt beschäftigt, und das ich schon wiederholt genannt habe, das uns in diesen Tagen ganz klar werden wird, es hängt zusammen mit dem großen Problem: die Menschen haben verlernt, wirklich alt zu werden, und lernen müssen wir wiederum, alt zu werden. In einer neuen Weise müssen wir lernen, alt zu werden, und das können wir nur durch spirituelle Vertiefung. Aber wie gesagt, das kann uns nur im Laufe der Betrachtung ganz klar werden. Die Zeit ist im allgemeinen dem abgeneigt, noch abgeneigt, und sie muß zugeneigt werden, sie muß aus der Abneigung herauskommen.

[ 20 ] Die Menschen leben eben gern in Illusionen. Und das hängt zusammen mit dem großen Problem, das uns jetzt beschäftigt, und das ich schon wiederholt genannt habe, das uns in diesen Tagen ganz klar werden wird, es hängt zusammen mit dem großen Problem: die Menschen haben verlernt, wirklich alt zu werden, und lernen müssen wir wiederum, alt zu werden. In einer neuen Weise müssen wir lernen, alt zu werden, und das können wir nur durch spirituelle Vertiefung. Aber wie gesagt, das kann uns nur im Laufe der Betrachtung ganz klar werden. Die Zeit ist im allgemeinen dem abgeneigt, noch abgeneigt, und sie muß zugeneigt werden, sie muß aus der Abneigung herauskommen.

[ 21 ] Allerdings sind die Denk- und Empfindungsgewohnheiten der Zeit nicht darauf aus, sich mit einer gewissen Leichtigkeit, mit einer gewissen Fazilität in dasjenige hineinzuleben, was zum Beispiel die spirituelle Forderung der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft ist. Man kann das an Beispielen sehr gut sehen. Ein naheliegendes Beispiel will ich anführen.

[ 21 ] Allerdings sind die Denk- und Empfindungsgewohnheiten der Zeit nicht darauf aus, sich mit einer gewissen Leichtigkeit, mit einer gewissen Fazilität in dasjenige hineinzuleben, was zum Beispiel die spirituelle Forderung der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft ist. Man kann das an Beispielen sehr gut sehen. Ein naheliegendes Beispiel will ich anführen.

[ 22 ] Vorgestern erst bekam ich einen Brief eines Mannes, der der Gelehrsamkeit angehört. Er schreibt mir, er habe jetzt einen Vortrag über die Aufgabe der Geisteswissenschaft gelesen, den ich vor zwei Jahren gehalten habe, und habe gesehen, nachdem er diesen Vortrag gelesen habe, daß diese Geisteswissenschaft doch etwas für ihn sehr Fruchtbares enthalte. Es ist ein recht warmer Ton in diesem Brief, ein recht liebenswürdiger, netter, lieber Ton. Man sieht, der Mann ist ergriffen von dem, was er in diesem Vortrage über die Aufgabe der Geisteswissenschaft gelesen hat. Er ist ein naturwissenschaftlich durchgebildeter Mensch, der im Leben, auch im schweren Leben der Gegenwart steht, der also einmal gesehen hat an diesem Vortrage, daß Geisteswissenschaft nichts Dummes und nichts Unpraktisches ist, sondern Impulse für die Zeit geben kann. Aber nun betrachten wir die Kehrseite der Sache: Derselbe Mann hat vor fünf Jahren den Anschluß gesucht an diese Geisteswissenschaft, suchte den Anschluß an einen Zweig, worin diese Geisteswissenschaft getrieben wurde, hatte dazumal auch gebeten, verschiedene Unterredungen mit mir zu haben, hatte sie auch, hatte teilgenommen an Zweigversammlungen vor fünf Jahren, und hat vor fünf Jahren so reagiert auf die Sache, daß sie ihm widerlich war, daß er sie abgelehnt hat, so stark abgelehnt, daß er in der Zwischenzeit ein enthusiastischer Lobredner des Herrn Freimark geworden ist, den Sie ja kennen aus seinen verschiedenen Schriften. Jetzt entschuldigt sich derselbe Mann damit, daß er sagt, es wäre vielleicht besser gewesen, statt dem, was er getan hat, dazumal schon etwas von mir zu lesen, irgendwelche Bücher zu lesen und sich mit der Sache bekanntzumachen; aber er habe das nicht getan, sondern er habe geurteilt nach dem, was ihm andere mitgeteilt haben, und da habe er ein so abschreckendes Bild bekommen von der Geisteswissenschaft, daß er sie recht wenig geeignet für seinen eigenen Entwickelungsweg gefunden hat. Jetzt, nach fünf Jahren, hat er einen Vortrag gelesen und hat gefunden, daß die Sache nicht so ist.

[ 22 ] Vorgestern erst bekam ich einen Brief eines Mannes, der der Gelehrsamkeit angehört. Er schreibt mir, er habe jetzt einen Vortrag über die Aufgabe der Geisteswissenschaft gelesen, den ich vor zwei Jahren gehalten habe, und habe gesehen, nachdem er diesen Vortrag gelesen habe, daß diese Geisteswissenschaft doch etwas für ihn sehr Fruchtbares enthalte. Es ist ein recht warmer Ton in diesem Brief, ein recht liebenswürdiger, netter, lieber Ton. Man sieht, der Mann ist ergriffen von dem, was er in diesem Vortrage über die Aufgabe der Geisteswissenschaft gelesen hat. Er ist ein naturwissenschaftlich durchgebildeter Mensch, der im Leben, auch im schweren Leben der Gegenwart steht, der also einmal gesehen hat an diesem Vortrage, daß Geisteswissenschaft nichts Dummes und nichts Unpraktisches ist, sondern Impulse für die Zeit geben kann. Aber nun betrachten wir die Kehrseite der Sache: Derselbe Mann hat vor fünf Jahren den Anschluß gesucht an diese Geisteswissenschaft, suchte den Anschluß an einen Zweig, worin diese Geisteswissenschaft getrieben wurde, hatte dazumal auch gebeten, verschiedene Unterredungen mit mir zu haben, hatte sie auch, hatte teilgenommen an Zweigversammlungen vor fünf Jahren, und hat vor fünf Jahren so reagiert auf die Sache, daß sie ihm widerlich war, daß er sie abgelehnt hat, so stark abgelehnt, daß er in der Zwischenzeit ein enthusiastischer Lobredner des Herrn Freimark geworden ist, den Sie ja kennen aus seinen verschiedenen Schriften. Jetzt entschuldigt sich derselbe Mann damit, daß er sagt, es wäre vielleicht besser gewesen, statt dem, was er getan hat, dazumal schon etwas von mir zu lesen, irgendwelche Bücher zu lesen und sich mit der Sache bekanntzumachen; aber er habe das nicht getan, sondern er habe geurteilt nach dem, was ihm andere mitgeteilt haben, und da habe er ein so abschreckendes Bild bekommen von der Geisteswissenschaft, daß er sie recht wenig geeignet für seinen eigenen Entwickelungsweg gefunden hat. Jetzt, nach fünf Jahren, hat er einen Vortrag gelesen und hat gefunden, daß die Sache nicht so ist.

[ 23 ] Ich führe dieses Beispiel nur an, man könnte wiederum dieses Beispiel vermannigfachen, für die Art und Weise, wie man sich zu der Sache stellt, die da will — nun nicht in der Friedrich Schlegelschen Weise, sondern in der einzig möglichen Weise — eine Durchchristung aller Wissenschaftlichkeit, eine Durchchristung alles öffentlichen Lebens. Ich führe das als ein Beispiel an für die Denkgewohnheiten der heutigen Zeit, insbesondere der Wissenschaften in unserer Zeit. Es ist also gar kein Beweis dafür, daß jemand, wenn er herankommt an die anthroposophische Bewegung — mehrere Unterredungen hat, an Zweigversammlungen teilnimmt, über die Mitglieder dieser Versammlungen und das, was sie ihm sagen, weidlich schimpft, daraus seine Schlüsse zieht, nun auch über die ganze Anthroposophie schimpfen zu müssen, nachher ein begeisterter Lobredner des Freimark wird, der die schmutzigsten Schriften geschrieben hat über die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft —, daß dieser etwas ihm Antipathisches darin gefunden habe. Nach fünf Jahren entschließt sich nun dieselbe Persönlichkeit noch, einmal wirklich etwas zu lesen.

[ 23 ] Ich führe dieses Beispiel nur an, man könnte wiederum dieses Beispiel vermannigfachen, für die Art und Weise, wie man sich zu der Sache stellt, die da will — nun nicht in der Friedrich Schlegelschen Weise, sondern in der einzig möglichen Weise — eine Durchchristung aller Wissenschaftlichkeit, eine Durchchristung alles öffentlichen Lebens. Ich führe das als ein Beispiel an für die Denkgewohnheiten der heutigen Zeit, insbesondere der Wissenschaften in unserer Zeit. Es ist also gar kein Beweis dafür, daß jemand, wenn er herankommt an die anthroposophische Bewegung — mehrere Unterredungen hat, an Zweigversammlungen teilnimmt, über die Mitglieder dieser Versammlungen und das, was sie ihm sagen, weidlich schimpft, daraus seine Schlüsse zieht, nun auch über die ganze Anthroposophie schimpfen zu müssen, nachher ein begeisterter Lobredner des Freimark wird, der die schmutzigsten Schriften geschrieben hat über die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft —, daß dieser etwas ihm Antipathisches darin gefunden habe. Nach fünf Jahren entschließt sich nun dieselbe Persönlichkeit noch, einmal wirklich etwas zu lesen.

[ 24 ] Es ist also gar kein Beweis, wenn so und so viele Leute heute das Schmählichste sagen oder dem Schmählichsten zustimmen, daß sie nicht die allertiefsten Anlagen haben könnten, der anthroposophischen Geisteswissenschaft sich anzuschließen. Sie brauchen, wenn sie so gutwillig sind wie der Betreffende, fünf Jahre; mancher braucht zehn, mancher fünfzehn, mancher fünfzig Jahre, mancher so lange, daß er es in dieser Inkarnation gar nicht mehr erleben kann. Sie sehen, wie wenig das Verhalten der Menschen irgendein Beweis dafür ist, daß die Menschen nicht suchen dasjenige, was in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft zu finden ist.

[ 24 ] Es ist also gar kein Beweis, wenn so und so viele Leute heute das Schmählichste sagen oder dem Schmählichsten zustimmen, daß sie nicht die allertiefsten Anlagen haben könnten, der anthroposophischen Geisteswissenschaft sich anzuschließen. Sie brauchen, wenn sie so gutwillig sind wie der Betreffende, fünf Jahre; mancher braucht zehn, mancher fünfzehn, mancher fünfzig Jahre, mancher so lange, daß er es in dieser Inkarnation gar nicht mehr erleben kann. Sie sehen, wie wenig das Verhalten der Menschen irgendein Beweis dafür ist, daß die Menschen nicht suchen dasjenige, was in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft zu finden ist.

[ 25 ] Ich führe dieses Beispiel an aus dem Grunde, weil es gerade auf das Wesentliche und Wichtige hinweist, das ich öfter erwähnt habe: auf den Mangel an Fazilität im Eingehen auf die Sache, in dem Stecken in althergebrachten Vorurteilen, deren man nicht sich entschlagen will. Und das wiederum hängt mit andern Dingen zusammen. Man braucht nur sich gefühlsmäßig in jene alten Zeiten zurückzuversetzen, von denen ich Ihnen früher und heute gesprochen habe. Denken Sie sich einen jungen Menschen nach der atlantischen Katastrophe in seinem sozialen Zusammenhange drinnen. Er war, sagen wir, zwanzig, fünfundzwanzig Jahre alt, er sah neben sich Vierzig-, Fünfzigjährige, Sechzigjährige. Er sagte sich: Welches Glück, einmal auch so alt sein zu können, denn es lebt sich einem so und so viel zu! — Es war eine ganz selbstverständliche, ungeheure Verehrung für das Altgewordene, ein Hinaufschauen zu dem Altgewordenen, verbunden mit dem Bewußtsein, daß das Altgewordene über das Leben etwas anderes zu sagen hat als das Jungdachsige. Das bloß theoretisch zu wissen, das macht es nicht aus, sondern das in seinem ganzen Gefühl zu haben und unter diesem Eindrucke heranzuwachsen, das macht es aus. Unendliches macht es aus, heranzuwachsen nicht nur so, daß man sich zurückerinnert an seine Jugend und sich sagt: Ach, wie schön war es, als ich Kind war! — Gewiß, diese Schönheit des Lebens wird niemals irgendeine geistige Betrachtung dem Menschen nehmen. Aber es ist eine einseitige Betrachtung, die ergänzt wurde in alten Zeiten durch die andere: Wie herrlich ist es, alt zu werden! — Denn man wächst hinein in demselben Maße, in dem man körperlich schwächer wird, in seelische Stärke; man wächst mit der Weisheit der Welt zusammen. Das war eine Formel, die der Mensch durch seine Erziehung einmal aufgenommen hat.

[ 25 ] Ich führe dieses Beispiel an aus dem Grunde, weil es gerade auf das Wesentliche und Wichtige hinweist, das ich öfter erwähnt habe: auf den Mangel an Fazilität im Eingehen auf die Sache, in dem Stecken in althergebrachten Vorurteilen, deren man nicht sich entschlagen will. Und das wiederum hängt mit andern Dingen zusammen. Man braucht nur sich gefühlsmäßig in jene alten Zeiten zurückzuversetzen, von denen ich Ihnen früher und heute gesprochen habe. Denken Sie sich einen jungen Menschen nach der atlantischen Katastrophe in seinem sozialen Zusammenhange drinnen. Er war, sagen wir, zwanzig, fünfundzwanzig Jahre alt, er sah neben sich Vierzig-, Fünfzigjährige, Sechzigjährige. Er sagte sich: Welches Glück, einmal auch so alt sein zu können, denn es lebt sich einem so und so viel zu! — Es war eine ganz selbstverständliche, ungeheure Verehrung für das Altgewordene, ein Hinaufschauen zu dem Altgewordenen, verbunden mit dem Bewußtsein, daß das Altgewordene über das Leben etwas anderes zu sagen hat als das Jungdachsige. Das bloß theoretisch zu wissen, das macht es nicht aus, sondern das in seinem ganzen Gefühl zu haben und unter diesem Eindrucke heranzuwachsen, das macht es aus. Unendliches macht es aus, heranzuwachsen nicht nur so, daß man sich zurückerinnert an seine Jugend und sich sagt: Ach, wie schön war es, als ich Kind war! — Gewiß, diese Schönheit des Lebens wird niemals irgendeine geistige Betrachtung dem Menschen nehmen. Aber es ist eine einseitige Betrachtung, die ergänzt wurde in alten Zeiten durch die andere: Wie herrlich ist es, alt zu werden! — Denn man wächst hinein in demselben Maße, in dem man körperlich schwächer wird, in seelische Stärke; man wächst mit der Weisheit der Welt zusammen. Das war eine Formel, die der Mensch durch seine Erziehung einmal aufgenommen hat.

[ 26 ] Nun betrachten wir zu diesem hinzu eine andere Wahrheit, die ich zwar im Laufe dieser Wochen nicht ausgesprochen habe, aber die ich im Laufe der Jahre da und dort auch schon unseren Freunden wiederholt mitgeteilt habe: Wir werden älter, aber nur unser physischer Leib wird älter. Denn vom geistigen Gesichtspunkte aus ist es nicht wahr, daß wir älter werden. Es ist eine Maja, es ist eine äußere Täuschung. Es ist zwar eine Wirklichkeit in bezug auf das physische Leben, aber es ist nicht wahr in bezug auf den ganzen Lebenszusammenhang des Menschen. Man hat freilich erst ein Recht zu sagen: Es ist nicht wahr —, wenn man weiß: Dieser Mensch, der da in der physischen Welt zwischen Geburt und Tod lebt, der ist noch etwas ganz anderes als sein physischer Leib; der besteht aus den höheren Gliedern; zunächst aus dem, was wir den Ätherleib oder Bildekräfteleib genannt haben, und dann dem astralischen Leib, dem Ich, wenn wir nur diese vier Teile bezeichnen.

[ 26 ] Nun betrachten wir zu diesem hinzu eine andere Wahrheit, die ich zwar im Laufe dieser Wochen nicht ausgesprochen habe, aber die ich im Laufe der Jahre da und dort auch schon unseren Freunden wiederholt mitgeteilt habe: Wir werden älter, aber nur unser physischer Leib wird älter. Denn vom geistigen Gesichtspunkte aus ist es nicht wahr, daß wir älter werden. Es ist eine Maja, es ist eine äußere Täuschung. Es ist zwar eine Wirklichkeit in bezug auf das physische Leben, aber es ist nicht wahr in bezug auf den ganzen Lebenszusammenhang des Menschen. Man hat freilich erst ein Recht zu sagen: Es ist nicht wahr —, wenn man weiß: Dieser Mensch, der da in der physischen Welt zwischen Geburt und Tod lebt, der ist noch etwas ganz anderes als sein physischer Leib; der besteht aus den höheren Gliedern; zunächst aus dem, was wir den Ätherleib oder Bildekräfteleib genannt haben, und dann dem astralischen Leib, dem Ich, wenn wir nur diese vier Teile bezeichnen.

[ 27 ] Aber schon, wenn wir stehenbleiben beim Ätherleib, beim unsichtbaren, übersinnlichen Ätherleib oder Bildekräfteleib, sehen wir: wir tragen ihn in uns zwischen Geburt und Tod gerade so, wie wir unsern physischen Leib aus Fleisch und Blut und Knochen an uns tragen; so tragen wir diesen Bildekräfteleib, diesen Ätherleib in uns, aber es ist ein Unterschied zwischen beiden. Der physische Leib wird immer älter. Der ätherische oder Bildekräfteleib, der ist alt, wenn wir geboren werden, er ist nämlich, wenn wir seiner wahren Natur nachforschen, da alt und er wird immer jünger und jünger. So daß wir sagen können, das erste Geistige in uns wird — im Gegensatze zu dem Physisch-Leiblichen, das schwach und unkräftig wird — immer kräftiger, immer jünger. Und wahr, wörtlich wahr ist es: Wenn wir anfangen, Runzeln im Gesicht zu kriegen, dann blüht unser Ätherleib auf und wird pausbackig.

[ 27 ] Aber schon, wenn wir stehenbleiben beim Ätherleib, beim unsichtbaren, übersinnlichen Ätherleib oder Bildekräfteleib, sehen wir: wir tragen ihn in uns zwischen Geburt und Tod gerade so, wie wir unsern physischen Leib aus Fleisch und Blut und Knochen an uns tragen; so tragen wir diesen Bildekräfteleib, diesen Ätherleib in uns, aber es ist ein Unterschied zwischen beiden. Der physische Leib wird immer älter. Der ätherische oder Bildekräfteleib, der ist alt, wenn wir geboren werden, er ist nämlich, wenn wir seiner wahren Natur nachforschen, da alt und er wird immer jünger und jünger. So daß wir sagen können, das erste Geistige in uns wird — im Gegensatze zu dem Physisch-Leiblichen, das schwach und unkräftig wird — immer kräftiger, immer jünger. Und wahr, wörtlich wahr ist es: Wenn wir anfangen, Runzeln im Gesicht zu kriegen, dann blüht unser Ätherleib auf und wird pausbackig.

[ 28 ] Ja, aber dem widerspricht ja — könnte der materialistisch denkende Mensch sagen —, dem widerspricht es ganz und gar, daß man das nicht spürt! — In alten Zeiten wurde es gespürt. Die neueren Zeiten nur sind so, daß der Mensch die Sache nicht berücksichtigt, ihr keinen Wert beilegt. In alten Zeiten brachte es die Natur selber mit sich, in neueren Zeiten ist es fast eine Ausnahme. Aber solche Ausnahmen gibt es ja auch. Ich weiß, daß ich einmal ein ähnliches Thema mit Eduard von Hartmann, dem Philosophen des «Unbewußten », Ende der achtziger Jahre besprochen habe. Wir kamen auf zwei Menschen, die beide Professoren an der Berliner Universität waren, zu sprechen. Der eine war der damals zweiundsiebzig Jahre alte Zeller, ein Schwabe, der eben um seine Pensionierung nachgesucht hatte, und der also meinte: Ich bin so alt geworden, daß ich nicht mehr meine Vorlesungen halten kann —, der alt und gebrechlich war mit seinen zweiundsiebzig Jahren. Und der andere war Michelet; der war fast neunzig Jahre alt. Und Michelet, der war eben bei Eduard von Hartmann gewesen und sagte: Ja, ich verstehe den Zeller nicht! Wie ich so alt war wie der Zeller, da war ich überhaupt ein junger Dachs, und jetzt, jetzt fühle ich mich erst so recht befähigt, den Leuten was zu sagen. Ich, ich werde noch jahrelang, viele Jahre noch vortragen! Aber der Michelet hatte etwas von dem, was man nennen kann: ein Jung-kräftig-Gewordenes. Es ist ja selbstverständlich keine innere Notwendigkeit gewesen, daß er just so alt geworden ist; es hätte ihn ja ein Ziegelstein erschlagen können mit fünfzig Jahren oder noch früher, nicht wahr; von solchen Dingen rede ich nicht. Aber nachdem er so alt geworden ist, war er eben seiner Seele nach nicht alt geworden, sondern gerade jung geworden. Doch dieser Michelet war seinem ganzen Wesen nach eben gar kein Materialist. Auch die Hegelianer sind ja vielfach Materialisten geworden, wenn sie es auch nicht zugeben wollen, aber Michelet war, wenn er auch in schweren Sätzen sprach, vom Geiste innerlich ergriffen. Allerdings, so vom Geiste innerlich ergriffen werden können nur wenige. Aber das ist es ja gerade, was gesucht wird durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft: etwas zu geben, was allen Menschen etwas sein kann, so wahr wie Religion allen Menschen etwas sein muß, was zu allen Menschen sprechen kann. Das hängt aber zusammen mit unserem ganzen Erziehungswesen.

[ 28 ] Ja, aber dem widerspricht ja — könnte der materialistisch denkende Mensch sagen —, dem widerspricht es ganz und gar, daß man das nicht spürt! — In alten Zeiten wurde es gespürt. Die neueren Zeiten nur sind so, daß der Mensch die Sache nicht berücksichtigt, ihr keinen Wert beilegt. In alten Zeiten brachte es die Natur selber mit sich, in neueren Zeiten ist es fast eine Ausnahme. Aber solche Ausnahmen gibt es ja auch. Ich weiß, daß ich einmal ein ähnliches Thema mit Eduard von Hartmann, dem Philosophen des «Unbewußten », Ende der achtziger Jahre besprochen habe. Wir kamen auf zwei Menschen, die beide Professoren an der Berliner Universität waren, zu sprechen. Der eine war der damals zweiundsiebzig Jahre alte Zeller, ein Schwabe, der eben um seine Pensionierung nachgesucht hatte, und der also meinte: Ich bin so alt geworden, daß ich nicht mehr meine Vorlesungen halten kann —, der alt und gebrechlich war mit seinen zweiundsiebzig Jahren. Und der andere war Michelet; der war fast neunzig Jahre alt. Und Michelet, der war eben bei Eduard von Hartmann gewesen und sagte: Ja, ich verstehe den Zeller nicht! Wie ich so alt war wie der Zeller, da war ich überhaupt ein junger Dachs, und jetzt, jetzt fühle ich mich erst so recht befähigt, den Leuten was zu sagen. Ich, ich werde noch jahrelang, viele Jahre noch vortragen! Aber der Michelet hatte etwas von dem, was man nennen kann: ein Jung-kräftig-Gewordenes. Es ist ja selbstverständlich keine innere Notwendigkeit gewesen, daß er just so alt geworden ist; es hätte ihn ja ein Ziegelstein erschlagen können mit fünfzig Jahren oder noch früher, nicht wahr; von solchen Dingen rede ich nicht. Aber nachdem er so alt geworden ist, war er eben seiner Seele nach nicht alt geworden, sondern gerade jung geworden. Doch dieser Michelet war seinem ganzen Wesen nach eben gar kein Materialist. Auch die Hegelianer sind ja vielfach Materialisten geworden, wenn sie es auch nicht zugeben wollen, aber Michelet war, wenn er auch in schweren Sätzen sprach, vom Geiste innerlich ergriffen. Allerdings, so vom Geiste innerlich ergriffen werden können nur wenige. Aber das ist es ja gerade, was gesucht wird durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft: etwas zu geben, was allen Menschen etwas sein kann, so wahr wie Religion allen Menschen etwas sein muß, was zu allen Menschen sprechen kann. Das hängt aber zusammen mit unserem ganzen Erziehungswesen.

[ 29 ] Unser ganzes Erziehungswesen ist aufgebaut — in viel tieferen Zusammenhängen muß man das sehen, als das irgendwie sonst angedeutet wird — auf ganz materialistischen Impulsen. Man rechnet nur mit dem physischen Leib des Menschen, niemals mit seinem Jüngerwerden. Mit dem Jüngerwerden beim Älterwerden rechnet man nicht. Es ist nicht auf den ersten Blick hin immer gleich durchschaubar, aber es ist doch so, daß alles das, was im Laufe der Zeit zum Gegenstand der Erziehungswissenschaft, zum Gegenstand des Unterrichts geworden ist, etwas ist, was eigentlich den Menschen, wenn er nicht just Professor wird oder ein wissenschaftlicher Schriftsteller, nur packen kann in seiner Jugend. Man macht nicht sehr oft die Erfahrung, daß jemand den Stoff, den man heute aufnimmt während seiner Schulzeit, in derselben Weise im späteren Alter, wenn er es nicht mehr nötig hat, noch aufnehmen möchte. Ich habe Mediziner kennengelernt, die Koryphäen in ihrem Fache waren, die also so ihre Studienzeit und ihre übrige Jugendzeit zugebracht hatten, daß sie Koryphäen haben werden können. Aber daß sie fortsetzten dieselbe Art und Weise des Sich-Aneignens des Wissensstoffes in späteren Jahren, davon war gar keine Rede. Einen ganz berühmten Mann ich will seinen Namen gar nicht aussprechen, so berühmt war er kannte ich, der also einen ersten Namen hat in der medizinischen Wissenschaft. Die spätere Auflage seiner Bücher hat er von seinem Assistenten besorgen lassen, weil er selber mit der Wissenschaft nicht mehr mitging; das paßte nicht mehr für sein späteres Alter.

[ 29 ] Unser ganzes Erziehungswesen ist aufgebaut — in viel tieferen Zusammenhängen muß man das sehen, als das irgendwie sonst angedeutet wird — auf ganz materialistischen Impulsen. Man rechnet nur mit dem physischen Leib des Menschen, niemals mit seinem Jüngerwerden. Mit dem Jüngerwerden beim Älterwerden rechnet man nicht. Es ist nicht auf den ersten Blick hin immer gleich durchschaubar, aber es ist doch so, daß alles das, was im Laufe der Zeit zum Gegenstand der Erziehungswissenschaft, zum Gegenstand des Unterrichts geworden ist, etwas ist, was eigentlich den Menschen, wenn er nicht just Professor wird oder ein wissenschaftlicher Schriftsteller, nur packen kann in seiner Jugend. Man macht nicht sehr oft die Erfahrung, daß jemand den Stoff, den man heute aufnimmt während seiner Schulzeit, in derselben Weise im späteren Alter, wenn er es nicht mehr nötig hat, noch aufnehmen möchte. Ich habe Mediziner kennengelernt, die Koryphäen in ihrem Fache waren, die also so ihre Studienzeit und ihre übrige Jugendzeit zugebracht hatten, daß sie Koryphäen haben werden können. Aber daß sie fortsetzten dieselbe Art und Weise des Sich-Aneignens des Wissensstoffes in späteren Jahren, davon war gar keine Rede. Einen ganz berühmten Mann ich will seinen Namen gar nicht aussprechen, so berühmt war er kannte ich, der also einen ersten Namen hat in der medizinischen Wissenschaft. Die spätere Auflage seiner Bücher hat er von seinem Assistenten besorgen lassen, weil er selber mit der Wissenschaft nicht mehr mitging; das paßte nicht mehr für sein späteres Alter.

[ 30 ] Das hängt aber damit zusammen: Wir bilden allmählich immer mehr und mehr ein Bewußtsein aus, daß dasjenige, was man lehrmäßig aufnehmen kann, eigentlich nur für die Jugendjahre etwas taugt, worüber man später hinaus ist. Und das ist es auch. Man kann sich ja später noch zwingen, zu manchem zurückzukehren, aber man muß sich dann schon zwingen; naturgemäß ist es gewöhnlich nicht. Und dennoch, ohne daß der Mensch immer Neues aufnimmt — und zwar nicht so aufnimmt, daß man sich herbeiläßt, aufzunehmen etwa durch den Konzertsaal, oder durch das Theater, oder, mit Respekt zu vermelden, durch die Zeitung oder sonstiges von der Art —, altert er in seiner Seele. Man muß aufnehmen in anderer Weise, so aufnehmen, daß man wirklich in der Seele das Gefühl hat: man erfährt Neues, man wandelt sich um, man verhält sich zu dem, was man aufnimmt, im Grunde genommen, wie sich das Kind verhalten hat. Das kann man nicht auf künstliche Weise, sondern das kann nur geschehen, wenn etwas da ist, zu dem man hinkommen kann in späterem Alter gerade so, wie man als Kind zu der gebräuchlichen Unterrichtswissenschaft kommt.

[ 30 ] Das hängt aber damit zusammen: Wir bilden allmählich immer mehr und mehr ein Bewußtsein aus, daß dasjenige, was man lehrmäßig aufnehmen kann, eigentlich nur für die Jugendjahre etwas taugt, worüber man später hinaus ist. Und das ist es auch. Man kann sich ja später noch zwingen, zu manchem zurückzukehren, aber man muß sich dann schon zwingen; naturgemäß ist es gewöhnlich nicht. Und dennoch, ohne daß der Mensch immer Neues aufnimmt — und zwar nicht so aufnimmt, daß man sich herbeiläßt, aufzunehmen etwa durch den Konzertsaal, oder durch das Theater, oder, mit Respekt zu vermelden, durch die Zeitung oder sonstiges von der Art —, altert er in seiner Seele. Man muß aufnehmen in anderer Weise, so aufnehmen, daß man wirklich in der Seele das Gefühl hat: man erfährt Neues, man wandelt sich um, man verhält sich zu dem, was man aufnimmt, im Grunde genommen, wie sich das Kind verhalten hat. Das kann man nicht auf künstliche Weise, sondern das kann nur geschehen, wenn etwas da ist, zu dem man hinkommen kann in späterem Alter gerade so, wie man als Kind zu der gebräuchlichen Unterrichtswissenschaft kommt.

[ 31 ] Aber nun nehmen Sie unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Wie es in späteren Jahrhunderten mit ihr sein wird, darüber brauchen wir uns ja jetzt nicht die Köpfe zu zerbrechen. Sie wird schon für diese späteren Jahrhunderte auch die entsprechenden Formen finden, aber jetzt ist sie doch jedenfalls — allerdings noch zur Antipathie von manchem — so, daß man vorerst nicht aufzuhören braucht, sie aufzunehmen, wenn man noch so uralt geworden ist in der Gegenwart. Man kann immer in ihr Neues erfahren, das die Seele ergreift, das die Seele wieder jung macht. Und mancherlei Neues könnte schon auf geisteswissenschaftlichem Boden gefunden werden, auch solches Neue, welches Blicke hineintun ließe in wichtigste Probleme der Gegenwart. Vor allen Dingen aber braucht die Gegenwart einen Impuls, der den Menschen als solchen unmittelbar ergreift. Nur dadurch kann diese Gegenwart herauskommen aus den Kalamitäten, in die sie hineingekommen ist und die so katastrophal wirken.

[ 31 ] Aber nun nehmen Sie unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Wie es in späteren Jahrhunderten mit ihr sein wird, darüber brauchen wir uns ja jetzt nicht die Köpfe zu zerbrechen. Sie wird schon für diese späteren Jahrhunderte auch die entsprechenden Formen finden, aber jetzt ist sie doch jedenfalls — allerdings noch zur Antipathie von manchem — so, daß man vorerst nicht aufzuhören braucht, sie aufzunehmen, wenn man noch so uralt geworden ist in der Gegenwart. Man kann immer in ihr Neues erfahren, das die Seele ergreift, das die Seele wieder jung macht. Und mancherlei Neues könnte schon auf geisteswissenschaftlichem Boden gefunden werden, auch solches Neue, welches Blicke hineintun ließe in wichtigste Probleme der Gegenwart. Vor allen Dingen aber braucht die Gegenwart einen Impuls, der den Menschen als solchen unmittelbar ergreift. Nur dadurch kann diese Gegenwart herauskommen aus den Kalamitäten, in die sie hineingekommen ist und die so katastrophal wirken.

[ 32 ] Die Impulse, um die es sich handelt, müssen unmittelbar an den Menschen herankommen. Und wenn man nun nicht Friedrich Schlegel ist, sondern ein Einsichtiger ist in das, was wirklich der Menschheit not tut, dann kann man sich trotzdem an einzelne schöne Gedanken, die Friedrich Schlegel gehabt hat, halten und sich wenigstens an ihnen freuen. Er hat davon gesprochen, daß nicht von einem gewissen Standpunkte aus die Dinge verabsolutiert werden dürfen. Er hat zunächst nur die Parteien gesehen, die immer ihr eigenes Prinzip als das Alleinseligmachende für alle Menschen betrachten. Aber noch viel mehr wird in unserer Zeit verabsolutiert. Es wird vor allen Dingen nicht berücksichtigt, daß im Leben ein Impuls unheilvoll für sich sein kann, im Zusammenwirken aber mit andern Impulsen heilsam sein kann, weil er dann etwas anderes wird. Denken Sie sich einmal, wenn ich schematisch das aufzeichnen soll, drei Richtungen, die zusammenlaufen.

[ 32 ] Die Impulse, um die es sich handelt, müssen unmittelbar an den Menschen herankommen. Und wenn man nun nicht Friedrich Schlegel ist, sondern ein Einsichtiger ist in das, was wirklich der Menschheit not tut, dann kann man sich trotzdem an einzelne schöne Gedanken, die Friedrich Schlegel gehabt hat, halten und sich wenigstens an ihnen freuen. Er hat davon gesprochen, daß nicht von einem gewissen Standpunkte aus die Dinge verabsolutiert werden dürfen. Er hat zunächst nur die Parteien gesehen, die immer ihr eigenes Prinzip als das Alleinseligmachende für alle Menschen betrachten. Aber noch viel mehr wird in unserer Zeit verabsolutiert. Es wird vor allen Dingen nicht berücksichtigt, daß im Leben ein Impuls unheilvoll für sich sein kann, im Zusammenwirken aber mit andern Impulsen heilsam sein kann, weil er dann etwas anderes wird. Denken Sie sich einmal, wenn ich schematisch das aufzeichnen soll, drei Richtungen, die zusammenlaufen.

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[ 33 ] Die eine Richtung soll uns symbolisieren nicht gerade den landläufigen trivialen oder Leninschen, sondern den Sozialismus, welchem die moderne Menschheit zusteuert. Die zweite Linie soll uns symbolisieren dasjenige, was ich Ihnen oftmals charakterisiert habe als Gedankenfreiheit, und die dritte Richtung Geisteswissenschaft. Diese drei Dinge gehören zusammen. Im Leben müssen sie zusammenwirken.

[ 33 ] Die eine Richtung soll uns symbolisieren nicht gerade den landläufigen trivialen oder Leninschen, sondern den Sozialismus, welchem die moderne Menschheit zusteuert. Die zweite Linie soll uns symbolisieren dasjenige, was ich Ihnen oftmals charakterisiert habe als Gedankenfreiheit, und die dritte Richtung Geisteswissenschaft. Diese drei Dinge gehören zusammen. Im Leben müssen sie zusammenwirken.

[ 34 ] Versuchte der Sozialismus, so wie er als grober materialistischer Sozialismus heute auftritt, in die Menschheit einzudringen, so würde er das größte Unglück über die Menschheit bringen. Er wird bei uns symbolisiert durch den Ahriman unten in unserer Gruppe, in allen seinen Formen. Versucht die falsche Gedankenfreiheit, die bei jedem Gedanken stehenbleiben will und ihn geltend machen will, einzudringen, wird wiederum Unheil über die Menschheit gebracht. Dieses wird symbolisiert durch Luzifer in unserer Gruppe. Aber ausschließen können Sie weder Ahriman noch Luzifer aus der Gegenwart; nur müssen sie ausgeglichen werden durch Pneumatologie, durch Geisteswissenschaft, die durch den Menschheitsrepräsentanten, der in der Mitte unserer Gruppe steht, repräsentiert wird.

[ 34 ] Versuchte der Sozialismus, so wie er als grober materialistischer Sozialismus heute auftritt, in die Menschheit einzudringen, so würde er das größte Unglück über die Menschheit bringen. Er wird bei uns symbolisiert durch den Ahriman unten in unserer Gruppe, in allen seinen Formen. Versucht die falsche Gedankenfreiheit, die bei jedem Gedanken stehenbleiben will und ihn geltend machen will, einzudringen, wird wiederum Unheil über die Menschheit gebracht. Dieses wird symbolisiert durch Luzifer in unserer Gruppe. Aber ausschließen können Sie weder Ahriman noch Luzifer aus der Gegenwart; nur müssen sie ausgeglichen werden durch Pneumatologie, durch Geisteswissenschaft, die durch den Menschheitsrepräsentanten, der in der Mitte unserer Gruppe steht, repräsentiert wird.

[ 35 ] Immer wieder und wiederum muß man darauf hinweisen, daß Geisteswissenschaft nicht bloß etwas sein soll für Menschen, die sich aus dem Lebenszusammenhange herausgerissen haben durch den einen oder den andern Umstand, und die sich ein bißchen anregen lassen wollen durch allerlei Dinge, die zusammenhängen mit höheren Angelegenheiten, sondern daß Geisteswissenschaft, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft etwas sein soll, was mit den tiefsten Bedürfnissen unseres Zeitalters zusammenhängt. Denn dieses unser Zeitalter ist so, daß seine Kräfte nur überschaut werden können, wenn man ins Geistige hineinsieht. Das ist ja etwas, was mit den schlimmsten Übeln in unserer Zeit zusammenhängt, daß zahllose Menschen heute keine Ahnung davon haben, daß im sozialen, im sittlichen, im geschichtlichen Leben übersinnliche Kräfte walten, daß allerdings, ebenso wie die Luft, so übersinnliche Kräfte um uns herum walten. Die Kräfte sind da und sie fordern, daß wir sie wissend aufnehmen, um sie wissend zu dirigieren; sonst können sie von Unwissenden oder Unverständigen in falsche Bahnen gelenkt werden. Es darf allerdings die Sache nicht trivialisiert werden. Es darf nicht geglaubt werden, daß man auf diese Kräfte so hinweisen kann, wie man oftmals aus dem Kaffeesatz oder aus anderem die Zukunft vorhersagt. Aber mit der Zukunft, mit der Gestaltung der Zukunft hängt doch dasjenige zusammen in einer gewissen Weise, und manchmal in einer recht naheliegenden Weise, was nur dann erkannt werden kann, wenn man von geisteswissenschaftlichen Prinzipien ausgeht.

[ 35 ] Immer wieder und wiederum muß man darauf hinweisen, daß Geisteswissenschaft nicht bloß etwas sein soll für Menschen, die sich aus dem Lebenszusammenhange herausgerissen haben durch den einen oder den andern Umstand, und die sich ein bißchen anregen lassen wollen durch allerlei Dinge, die zusammenhängen mit höheren Angelegenheiten, sondern daß Geisteswissenschaft, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft etwas sein soll, was mit den tiefsten Bedürfnissen unseres Zeitalters zusammenhängt. Denn dieses unser Zeitalter ist so, daß seine Kräfte nur überschaut werden können, wenn man ins Geistige hineinsieht. Das ist ja etwas, was mit den schlimmsten Übeln in unserer Zeit zusammenhängt, daß zahllose Menschen heute keine Ahnung davon haben, daß im sozialen, im sittlichen, im geschichtlichen Leben übersinnliche Kräfte walten, daß allerdings, ebenso wie die Luft, so übersinnliche Kräfte um uns herum walten. Die Kräfte sind da und sie fordern, daß wir sie wissend aufnehmen, um sie wissend zu dirigieren; sonst können sie von Unwissenden oder Unverständigen in falsche Bahnen gelenkt werden. Es darf allerdings die Sache nicht trivialisiert werden. Es darf nicht geglaubt werden, daß man auf diese Kräfte so hinweisen kann, wie man oftmals aus dem Kaffeesatz oder aus anderem die Zukunft vorhersagt. Aber mit der Zukunft, mit der Gestaltung der Zukunft hängt doch dasjenige zusammen in einer gewissen Weise, und manchmal in einer recht naheliegenden Weise, was nur dann erkannt werden kann, wenn man von geisteswissenschaftlichen Prinzipien ausgeht.

[ 36 ] Um das einzusehen, werden vielleicht manche Leute noch länger als fünf Jahre brauchen. Aber es ist doch schon so — Sie wissen, solche Dinge sage ich nicht aus einer gewissen Albernheit heraus —, aber man wird einstmals den Beweis liefern können, daß in einem gewissen Sinn früher von mir klar vorausbestimmt worden ist zu einem gewissen Ziele, zu einem gewissen Zweck dasjenige, was jetzt als eine neue Kriegsfanfare von Wilsonscher Seite aus in die Welt geht. Und auch hier in diesem Saale sitzen einige Menschen, welche ganz genau wissen, daß der Inhalt dieser neuen Kriegsfanfare vorausgewußt worden ist und daß in einer richtigen Weise über den Inhalt dieser Kriegsfanfare gedacht worden ist. Es ist im allgemeinen schwierig, über diese Dinge so ganz unbefangen zu sprechen. Aber gerade diesen aktuellen Ereignissen gegenüber — die Zeichen der Zeit fordern es heute —, muß immer wieder und wiederum betont werden, wie es die große Forderung unserer Zeit ist, daß die Menschen aufmerksam darauf werden, daß eben gewisse Dinge, die heute geschehen, nur durchschaut werden können und vor allen Dingen richtig beurteilt werden können, wenn man von jenen Gesichtspunkten ausgeht, die doch nur durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gewonnen werden können.

[ 36 ] Um das einzusehen, werden vielleicht manche Leute noch länger als fünf Jahre brauchen. Aber es ist doch schon so — Sie wissen, solche Dinge sage ich nicht aus einer gewissen Albernheit heraus —, aber man wird einstmals den Beweis liefern können, daß in einem gewissen Sinn früher von mir klar vorausbestimmt worden ist zu einem gewissen Ziele, zu einem gewissen Zweck dasjenige, was jetzt als eine neue Kriegsfanfare von Wilsonscher Seite aus in die Welt geht. Und auch hier in diesem Saale sitzen einige Menschen, welche ganz genau wissen, daß der Inhalt dieser neuen Kriegsfanfare vorausgewußt worden ist und daß in einer richtigen Weise über den Inhalt dieser Kriegsfanfare gedacht worden ist. Es ist im allgemeinen schwierig, über diese Dinge so ganz unbefangen zu sprechen. Aber gerade diesen aktuellen Ereignissen gegenüber — die Zeichen der Zeit fordern es heute —, muß immer wieder und wiederum betont werden, wie es die große Forderung unserer Zeit ist, daß die Menschen aufmerksam darauf werden, daß eben gewisse Dinge, die heute geschehen, nur durchschaut werden können und vor allen Dingen richtig beurteilt werden können, wenn man von jenen Gesichtspunkten ausgeht, die doch nur durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gewonnen werden können.