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The Rudolf Steiner Archive

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Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180

13 January 1918, Dornach

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Vierzehnter Vortrag

Fourteenth Lecture

[ 1 ] Wir haben gesehen, daß man gewissen Weltenrätseln, Menschheitsrätseln nahekommt, wenn man sich darauf einläßt, den Menschen selbst zu betrachten, aber so zu betrachten, daß man in seiner Form, die wir zunächst als eine zwiespältige Form ins Auge gefaßt haben, etwas sieht von der Auflösung des Weltenrätsels. Man kann sich gut helfen, meditativ gut helfen in bezug auf alle diese Dinge, wenn man über die Formel näher nachdenkt: Die Welt als Ganzes ist ein Rätsel, und der Mensch selbst, wiederum als Ganzes, ist seine Auflösung. Aber natürlich muß man dann verzichten darauf, in einem Augenblicke das Weltenrätsel lösen zu wollen; denn das menschliche Leben selber, und zwar das umfängliche menschliche Leben, dasjenige, das wir erleben zwischen der Geburt und dem Tod und dann wiederum zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das ist eigentlich die Lösung des Weltenrätsels. Also die Formel ist sehr nützlich: Die Welt ist ein Rätsel, und der Mensch ist seine Auflösung.

[ 1 ] We have seen that one can come closer to certain mysteries of the world and of humanity by engaging in the contemplation of human beings themselves—but by contemplating them in such a way that, in their form—which we initially viewed as an ambivalent one—one perceives something of the resolution of the world’s mystery. One can help oneself greatly—meditatively so—with regard to all these things by reflecting more deeply on the following statement: The world as a whole is a mystery, and the human being, again as a whole, is its solution. But of course, one must then refrain from wanting to solve the mystery of the world in a single moment; for human life itself—specifically, the entirety of human life, the life we experience between birth and death and then again between death and a new birth—is actually the solution to the mystery of the world. So the formula is very useful: The world is a mystery, and humanity is its solution.

[ 2 ] Wir haben gesehen, daß, wenn man die äußere physische Gestalt des Menschen ins Auge faßt, man an ihm unterscheiden kann den Kopfteil und den übrigen Teil. Den Kopfteil in seiner kugeligen Form können wir nicht nur vergleichsweise, sondern geradezu sachlich als ein Abbild des ganzen Kosmos betrachten. Wir können geradezu sagen, der ganze Sternenhimmel arbeitet daran, die Form, die Gestaltung, die inneren Kräfteverhältnisse des menschlichen Hauptes herauszubringen. Damit hängt es natürlich auch zusammen, daß, trivial gesprochen, jeder seinen eigenen Kopf hat. Das hat ja der Mensch. Denn Sie wissen: je nachdem man an einem bestimmten Orte der Erde steht, oder aber je nachdem man in einer bestimmten Zeit den Sternenhimmel betrachtet, ist die Konfiguration des Sternenhimmels immer anders. Wenn man nun den Sternenhimmel nicht im allgemeinen nimmt, sondern die besondere Gestaltung des Sternenhimmels an dem Orte und in der Zeit, in der der Mensch geboren wird, so kommt das ja heraus, daß nach dieser besonderen Gestaltung des Sternenhimmels ein jeder seinen eigenen, besonderen Kopf haben muß. Denn es ist nicht im allgemeinen der Sternenhimmel, der unsere Köpfe aufbaut, sondern die besondere Gestaltung des Sternenhimmels.

[ 2 ] We have seen that when we consider the outer physical form of the human being, we can distinguish between the head and the rest of the body. We can regard the head, with its spherical shape, not only comparatively but objectively as a reflection of the entire cosmos. We can even say that the entire starry sky works to bring forth the form, the structure, and the inner balance of forces within the human head. This is, of course, also connected to the fact that—to put it simply—everyone has their own mind. That is indeed what a human being has. For as you know: depending on where one stands on Earth, or depending on when one observes the starry sky, the configuration of the starry sky is always different. If we now consider not the starry sky in general, but the specific configuration of the starry sky at the place and time when a person is born, it follows that, according to this specific configuration of the starry sky, each person must have their own unique head. For it is not the starry sky in general that shapes our heads, but the specific configuration of the starry sky.

[ 3 ] Also das fassen wir ins Auge, und aus den verschiedenen Betrachtungen, die wir schon angestellt haben, kann uns ja hervorgehen, daß ein wesentlicher Teil der Aufgabe, die der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hat, der ist, sich bekanntzumachen mit den Geheimnissen, mit den geistigen Geheimnissen des Sternenhimmels. Denn man kann in einem gewissen Sinne sogar sagen: der Kopf des Menschen, er wird uns nicht ganz passiv nur gegeben, sondern wir machen ihn selbst. Zwischen dem Tod und einer neuen Geburt werden wir bekannt mit all den Gesetzen, die herrschen im weiten Weltenraum. Das weite Weltenall ist ja, wenn wir es geistig denken, unser Aufenthalt nach dem Tode bis zu einer neuen Geburt. So wie wir hier auf der Erde kennenlernen die Gesetze, nach denen man Häuser baut, die Gesetze, nach denen man anderes macht, so lebt man sich ein in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in die Gesetze des Kosmos, des Weltenalls. Und man arbeitet selbst mit an dem Kosmos, und aus dem Kosmos heraus arbeitet man im Zusammenhange mit den reinen geistigen Wesen, die den Kosmos bewohnen, zunächst an seinem Haupte, so daß das Haupt des Menschen, wenn es hier in der physischen Welt erscheint, nur scheinbar durch die bloße Vererbung von den Vorfahren bestimmt ist.

[ 3 ] So let us bear this in mind, and from the various considerations we have already made, it becomes clear that a significant part of the task a human being has between death and a new birth is to familiarize themselves with the mysteries—the spiritual mysteries—of the starry sky. For in a certain sense, one can even say: the human mind is not simply given to us in a completely passive state, but rather we shape it ourselves. Between death and a new birth, we become acquainted with all the laws that govern the vast expanse of the universe. The vast cosmos is, after all—when we conceive of it spiritually—our abode after death until a new birth. Just as we here on Earth learn the laws according to which houses are built, and the laws according to which other things are done, so do we familiarize ourselves, in the time between death and a new birth, with the laws of the cosmos, of the universe. And we ourselves contribute to the cosmos, and from within the cosmos we work in collaboration with the pure spiritual beings who inhabit it—beginning with our head—so that when the human head appears here in the physical world, it is only seemingly determined by mere heredity from our ancestors.

[ 4 ] Ich habe in den öffentlichen Vorträgen gesagt und hier es wiederholt, daß jeder ja überzeugt ist davon, die Magnetnadel richtet sich nicht selbst nach Norden, am andern Pol nach Süden, sondern da wirken kosmische Kräfte, da wirkt namentlich die Erde. Bei der Magnetnadel gesteht man also dem Weltenall zu, daß es mit seinen Kräften beteiligt ist; nur bei der Entstehung eines Lebewesens will man es heute noch nicht einsehen, daß das ganze Weltenall beteiligt ist. Beim Menschen ist das ganze Weltenall vorzugsweise an der Gestaltung seines Kopfes beteiligt. Dieser Kopf ist nicht bloß durch Vererbung entstanden von Vater, Mutter, Großvater, Großmutter und so weiter, sondern herein wirken die Kräfte des Weltenalls. Und von den Gliedern, von den Teilen des Menschen, wirkt die Kräftekonfiguration des Weltenalls vorzüglich auf dasjenige, was im Haupte, im Kopfe ist. Dagegen haben wir unsern übrigen Organismus, soweit er physisch ist, in der Tat durch eine Art Vererbung von der Vorfahrenreihe.

[ 4 ] I have said in public lectures—and I repeat it here—that everyone is convinced that the magnetic needle does not point north on its own, nor south at the other pole, but that cosmic forces are at work here, and in particular, the Earth. In the case of the magnetic needle, we therefore acknowledge that the universe as a whole is involved through its forces; yet when it comes to the origin of a living being, people today are still unwilling to acknowledge that the entire universe is involved. In the case of human beings, the entire universe is primarily involved in the formation of the head. This head did not come into being merely through heredity from father, mother, grandfather, grandmother, and so on; rather, the forces of the universe are at work here. And of the limbs, of the parts of the human being, the configuration of forces in the universe acts preeminently upon that which is in the head. In contrast, we have indeed acquired the rest of our organism, insofar as it is physical, through a kind of inheritance from our ancestral line.

[ 5 ] Dies ihrerseits auch zu entdecken, ist die Naturwissenschaft der Gegenwart sehr nahe daran. Die Naturwissenschaft der Gegenwart sträubt sich ja nur gegen diejenigen Teile der Wahrheit, welche an die Geisteswissenschaft anklingen. An manchen Punkten ist die Naturwissenschaft der Gegenwart schon ganz nahe daran, mit der Geisteswissenschaft sich zu begegnen. Ich habe es in Vorträgen in Berlin und andeutungsweise auch hier schon gesagt, daß zum Beispiel in bezug auf etwas, was man gerade an der Geisteswissenschaft immer bekämpfte, die Naturwissenschaft ganz nahe daran ist, die Sache auch zuentdecken. Die Leute, welche meine « Theosophie » lesen, finden sich oftmals geradezu besonders abgestoßen von dem Kapitel, wo ich von der Aura des Menschen spreche, davon spreche, daß der seelisch-geistige Kräfteteil des Menschen für das hellseherische Bewußtsein sich auslebt in einer Farbenaura, die den Menschen umspielt. Nun hat in der neueren Zeit Professor Moritz Benedikt in Wien, den ich in anderem Zusammenhange öfter erwähnt habe, Versuche gemacht mit Menschen, welche vorzüglich geeignet sind, die Wünschelrute zu gebrauchen. Professor Benedikt hat nun nicht hellseherische Versuche gemacht, denn er ist sehr, sehr abgeneigt, irgendwie etwas von Hellsichtigkeit zuzugeben, aber er hat in der Dunkelkammer Versuche gemacht mit solchen Menschen, welche vorzugsweise geeignet sind, mit der Wünschelrute, die ja in diesem Kriege eine so große Rolle gespielt hat, Versuche zu machen. Sie wissen vielleicht, daß die Wünschelrute gerade in diesem Kriege eine ganz besondere Rolle gespielt hat. Weil man ja für die Soldaten Wasser braucht, hat man in verschiedenen Heeresmassiven Leute angestellt, welche die Wünschelrute handhaben, um Quellen zu finden, die man bloßlegen kann, um dann die Soldaten mit Wasser zu verpflegen. Das wurde in südlichen Kriegsschauplätzen, auch auf dem galizischen Kriegsschauplatze, in größerem Maßstabe während dieses Krieges getrieben. Man hatte eben, natürlich durch die Not getrieben, solche Dinge machen müssen. Nun hat der Professor Benedikt ganz nach Naturforscherart solche Leute, die besonders geeignet sind, Quellen oder Metalle unter der Erde durch die Wünschelrute zu finden, dann in der Dunkelkammer untersucht, und hat zum Beispiel bei einer Dame, die ganz klein war, gefunden, als er sie in der Dunkelkammer in der richtigen Weise behandelte: wie sie eine mächtige Aura zeigte, so daß sie wie ein Riese erschien. Er konnte sogar beschreiben, daß die rechte Seite bläulich, die linke Seite gelblich-rötlich ist.

[ 5 ] Modern science is very close to discovering this for itself. After all, modern science resists only those aspects of the truth that resonate with spiritual science. In some respects, modern science is already very close to converging with spiritual science. I have already mentioned this in lectures in Berlin and, to some extent, here as well—for example, with regard to something that has always been contested in spiritual science, modern science is very close to discovering it as well. People who read my *Theosophy* often find themselves particularly repelled by the chapter in which I speak of the human aura—of how the soul-spiritual aspect of the human being manifests itself to clairvoyant consciousness as a colorful aura that surrounds the person. Now, in recent times, Professor Moritz Benedikt in Vienna—whom I have mentioned frequently in other contexts—has conducted experiments with people who are particularly skilled at using a divining rod. Professor Benedikt did not, however, conduct clairvoyant experiments, for he is very, very reluctant to admit anything at all regarding clairvoyance; but he did conduct experiments in a darkroom with people who are particularly suited to using the divining rod—which, after all, played such a major role in this war. You may know that the divining rod played a very special role in this war in particular. Since water is needed for the soldiers, people skilled in using the divining rod were employed in various military units to locate springs that could be tapped to supply the soldiers with water. This was carried out on a large scale during this war in southern theaters of war, including the Galician theater. Driven by necessity, of course, they had no choice but to resort to such measures. Now, in true naturalist fashion, Professor Benedikt examined such people—who are particularly suited to finding underground springs or metals using a divining rod—in a darkroom. For example, when he properly treated a very petite woman in the darkroom, he discovered that she exhibited such a powerful aura that she appeared like a giant. He was even able to describe that the right side was bluish, while the left side was yellowish-reddish.

[ 6 ] Das alles können Sie heute bei Professor Benedikt, der die Sache veröffentlicht hat, in seinem Buche über die Wünschelrute lesen als ein Ergebnis der äußeren Wissenschaft. Es ist die Aura, die der Professor Benedikt auf diese Weise beobachtete — ich habe das bereits bei früheren Gelegenheiten erwähnt —, nicht jene Aura, von der wir sprechen. Wir meinen viel geistigere Elemente im Menschen, wenn wir von der Aura sprechen, als diese unterste, fast physische Aura, die Professor Benedikt natürlich in der Dunkelkammer finden kann. Aber eine Berührung ist doch da, so daß gerade derjenige Teil meiner «Theosophie», der am meisten Anfechtung erfahren hat, über den man am meisten geschimpft hat, jetzt schon seine Berührungspunkte mit der äußeren Wissenschaft erwiesen hat. Die Dinge werden sehr schnell gehen.

[ 6 ] You can read all of this today in Professor Benedikt’s book on dowsing—he is the one who published this research—as a finding of conventional science. It is the aura that Professor Benedikt observed in this way—as I have already mentioned on previous occasions—not the aura we are speaking of. When we speak of the aura, we mean far more spiritual elements within the human being than this lowest, almost physical aura that Professor Benedikt can, of course, detect in the darkroom. But there is a connection after all, so that precisely that part of my “Theosophy” which has been most contested—the part that has been most vilified—has now already demonstrated its points of contact with external science. Things will move very quickly.

[ 7 ] Und ebenso wird es mit dem gehen, was ich eben jetzt berührt habe. Man wird in gar nicht zu langer Zeit aus rein naturforscherischen Gründen feststellen können, daß dasjenige, was der Mensch an sich trägt, nur abstammt von den Vorfahren, insoweit es nicht die Form und die inneren Kräfteverhältnisse des Hauptes ist; daß das Haupt in der Tat im Menschen veranlagt wird aus dem Kosmos heraus, daß im Haupte des Menschen die Kräfte des Kosmos spielen. Wenn wir unserem Kopfe allein folgen würden, wären wir auch niemals national. Der Kopf ist gar nicht dazu veranlagt, national zu sein, denn der Himmel ist nicht national, und der Kopf stammt aus dem Himmel. Alles dasjenige, was in unsere Gedanken hineinspielt von Teilungen der Menschen in Gruppen, das kommt nicht aus dem Kopfe, das kommt aus demjenigen, wodurch wir zusammenhängen mit der menschheitlichen Vererbungsströmung. Die spielt natürlich in den Kopf hinein, wenn der Mensch hier zwischen Geburt und Tod lebt, denn der übrige Organismus tauscht seine Nervenkräfte und seine Blutkräfte mit dem Kopfe fortwährend aus.

[ 7 ] And the same will be true of what I have just touched upon. Before long, for purely scientific reasons, it will be possible to establish that what a human being carries within themselves derives solely from their ancestors—insofar as it does not concern the form and the inner balance of forces within the head; that the head is in fact imbued in the human being from the cosmos, and that the forces of the cosmos are at work within the human head. If we were to follow our heads alone, we would never be national in character. The head is not at all predisposed to be national, for the heavens are not national, and the head originates from the heavens. Everything that enters our thoughts regarding the division of human beings into groups does not come from the head; it comes from that through which we are connected to the stream of human heredity. This naturally influences the head while the human being lives here between birth and death, for the rest of the organism is constantly exchanging its nervous and blood forces with the head.

[ 8 ] Wenn wir aber von der Vererbung sprechen, daß also der Teil des Menschen, der außer dem Haupt liegt, seine Kräfte von den Vorfahren erhält, so müssen wir eigentlich nur von dem Physischen sprechen, denn mit dem geistigen Teil des übrigen Menschen ist es etwas anders. Und da ist es sehr wichtig, daß man allerdings jetzt eine Tatsache ins Auge faßt, die nur die Geisteswissenschaft wird entdecken können: Also, daß der Kopf nur beeinflußt wird dadurch, daß er von der Vererbung dem übrigen Organismus aufgesetzt ist, das wird die Naturwissenschaft entdecken, wie sie die Aura entdeckt hat. Daß der Mensch nur in bezug auf seinen übrigen Organismus verwandt ist mit seinen Vorfahren, das wird auch die Naturwissenschaft entdecken. Aber das andere berührt ein Gebiet, in das die Naturwissenschaft ohne weiteres natürlich nicht hinein kann. Das ist das Folgende: Wir tragen in unserem Kopfe, indem wir geboren werden, die Kräfte des Weltenalls; die gestalten unseren Kopf. Ein wenig läßt es sich äußerlich allerdings konstatieren. Wer Kinder beobachtet in ihrer Entwickelung, der wird vielleicht wissen, daß in der allerersten Zeit oftmals gefragt werden kann: Wem ist denn das Kind eigentlich ähnlich? — Und die Ähnlichkeit tritt oftmals erst im späteren Kindesalter stark hervor. Wenigstens einige von Ihnen werden das schon beobachtet haben. Das rührt eben davon her, daß der Kopf überhaupt — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf — mit Bezug auf die irdischen Verhältnisse neutral ist; der übrige Organismus muß erst seine Wirkung auf den Kopf äußern, kann sie natürlich auch schon äußern während der Embryonalzeit, aber er muß erst seine Wirkung auf den Kopf äußern, dann wird der Mensch seinem Vorfahren ähnlich auch in bezug auf Gesichtszüge und dergleichen.

[ 8 ] But when we speak of heredity—that is, that the part of the human being outside the head derives its powers from the ancestors—we must actually speak only of the physical aspect, for the situation is somewhat different with the spiritual part of the rest of the human being. And here it is very important to take into account a fact that only spiritual science will be able to discover: namely, that the head is influenced only by the fact that it is superimposed on the rest of the organism through heredity—this is something natural science will discover, just as it has discovered the aura. That human beings are related to their ancestors only in relation to the rest of their organism—this, too, natural science will discover. But the other aspect touches on a realm into which natural science, of course, cannot readily enter. This is the following: When we are born, we carry within our heads the forces of the universe; these forces shape our head. To some extent, this can indeed be observed externally. Anyone who observes children as they develop may know that in the very earliest stages, people often ask: “Who does the child actually resemble?”—and the resemblance often only becomes strongly apparent later in childhood. At least some of you will have observed this already. This stems precisely from the fact that the head—if I may use the expression—is, in relation to earthly conditions, neutral; the rest of the organism must first exert its influence on the head; of course, it can already do so during the embryonic period, but it must first exert its influence on the head—only then does the human being come to resemble their ancestors in terms of facial features and the like.

[ 9 ] Also durch solche Dinge kann man die Wahrheit, die auf diesem Gebiete liegt, selbst äußerlich beobachten, wenn man einen einigermaßen empfänglichen Sinn für so etwas hat. Aber die Sache liegt tiefer. Dasjenige, was den Vermittler abgibt zwischen dem geistigen Weltenall — denn das Weltenall ist mit Geist und Geistwesen erfüllt — und der Erde, wo wir wohnen, das ist nicht in Ruhe; da strömt fortwährend eine feine Substanz, die man nicht im chemischen Laboratorium erzeugen kann, weil sie nicht zu den chemischen Elementen gehört. Diese feine Substanz strömt fortwährend aus dem weiten Weltenall auf die Erde ein. So daß, wenn man das schematisch zeichnen will, man so sagen kann: Wenn hier die Erde ist im Weltenraume (siehe Zeichnung), so strömt fortwährend von allen Seiten auf die Erde Weltenmaterie ein, eine feine Weltensubstanz (Pfeile einwärts); diese feine Substanz dringt sogar etwas unter die Erde hinein. So daß fortwährend dies da ist: Aus dem ganzen Weltenraume senkt sich Substanz gegen die Erde hinein. Es ist eigentlich nicht physische Substanz, es ist nicht ein chemisches Element, es ist etwas Geistiges, aber es ist wirkliche aurische Substanz, die sich bis unter den Boden der Erde hineinzieht. In dieser Substanz liegen die Kräfte, die wir benützen, wenn wir aus der geistigen Welt heruntergehen auf die Erde, um in einem physischen Menschenleib Platz zu finden.

[ 9 ] So through such things, one can observe the truth that lies in this realm even from the outside, provided one has a reasonably receptive sensibility for such matters. But the matter runs deeper. That which serves as the mediator between the spiritual universe—for the universe is filled with spirit and spiritual beings—and the Earth, where we live, is not at rest; a subtle substance flows from it continuously, one that cannot be produced in a chemical laboratory because it does not belong to the chemical elements. This subtle substance flows continuously from the vast universe onto Earth. So that, if one were to draw this schematically, one could say: If Earth is here in space (see diagram), then cosmic matter—a subtle cosmic substance—flows continuously onto Earth from all sides (arrows pointing inward); this subtle substance even penetrates somewhat beneath the Earth’s surface. So that this is constantly happening: substance from the entire cosmos descends toward the Earth. It is not actually physical substance; it is not a chemical element; it is something spiritual, but it is real auric substance that extends all the way beneath the Earth’s surface. Within this substance lie the forces we use when we descend from the spiritual world to Earth in order to take up residence in a physical human body.

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[ 10 ] Nun ist es bedeutsam, daß diese Substanz, welche zur Erde strömt und von der Erde wieder fortströmt, daß diese Substanz, wenn sie fortströmt von den Menschen, wenn sie sterben, benützt wird, um wiederum die Kräfte zu finden, in die geistige Welt hineinzukommen. Diese Materie, die ich hier im Zuzuge zur Erde einwärts angedeutet habe, die geht bis zu einer gewissen Tiefe in den Erdboden hinein, strömt dann wiederum fort (siehe Pfeile nach auswärts); so daß man fortwährend wahrnehmen kann eine Art Einatmen von Äther oder aurischer Substanz in die Erde, und wieder ein Ausatmen.

[ 10 ] Now it is significant that this substance, which flows toward the Earth and flows away from it again, is used—when it flows away from human beings as they die—to regain the powers needed to enter the spiritual world. This matter, which I have indicated here as flowing inward toward the Earth, penetrates to a certain depth into the ground and then flows out again (see arrows pointing outward); so that one can continually perceive a kind of inhalation of ether or auric substance into the Earth, and then an exhalation.

[ 11 ] Es ist dieses eine Beobachtung, die man nicht so leicht machen kann. Aber wenn man sie einmal gemacht hat, wenn man einmal darauf gekommen ist, daß die Erde eigentlich fortwährend geistige Substanz einatmet und ausatmet, dann weiß man sie auf alle Verhältnisse und vor allen Dingen so auf das menschliche Leben anzuwenden, wie ich es jetzt gesagt habe. Also mit dem, was ich hier in der Zeichnung mit Pfeilen einwärts angedeutet habe, kommen wir herein in unsere Leiblichkeit; mit dem, was ich mit Pfeilen auswärts angedeutet habe, kommen wir wiederum heraus im Tode.

[ 11 ] This is one observation that is not so easy to make. But once you have made it—once you have realized that the Earth is in fact constantly inhaling and exhaling spiritual substance—then you know how to apply it to all circumstances and, above all, to human life, just as I have now explained. So, through what I have indicated here in the drawing with arrows pointing inward, we enter into our physical existence; through what I have indicated with arrows pointing outward, we emerge again at death.

[ 12 ] Wir sind unter uns und ich brauche nicht zurückzuhalten mit manchen Dingen. Deshalb will ich in diesem Falle erzählen, wie ich vor Jahren zuerst auf diese Tatsache gekommen bin. Diese Kräfte, die da spielen, die hereinziehenden und herausziehenden Kräfte, haben nämlich nicht nur mit dem menschlichen Leben zu tun, sondern mit allen möglichen irdischen Verhältnissen. Nun war es für mich ein besonderes Rätsel, wie die Sache sich vollzieht mit den Maikäfern, verzeihen Sie, mit den Maikäfern. Die Maikäfer sind nämlich außerordentlich interessant, weil, Sie wissen ja vielleicht äußerlich, wenn in einem Jahre recht viele Maikäfer da sind, so sind in drei bis fünf Jahren recht viele Engerlinge da — das sind die Larven von den Maikäfern —, und diese Engerlinge beeinträchtigen die Kartoflelernte außerordentlich stark. Man bekommt sehr schlechte Kartoffelernten, wenn viele Engerlinge da sind. Und der Mensch, der mit Kartoffelbau etwas zu tun hat, der weiß, daß in drei bis fünf Jahren eine schlechte Kartoffelernte sein wird, wenn in einem Jahre recht viele Maikäfer da sind. Nun hatte ich das als eine interessante Tatsache betrachtet und habe dann gefunden, daß mit den einströmenden Substanzen das Leben der Maikäfer zusammenhängt, mit den ausströmenden Substanzen das Leben der Engerlinge. Ich will das nur betonen als eine Sache, aus der Sie sehen können, wie man von ganz andern Seiten her auf solche Dinge kommt. Man kommt am sichersten auf solche Dinge, wenn man sie nicht am unmittelbaren Objekte betrachtet, sondern wenn man sie an einem verhältnismäßig gleichgültigen Objekte betrachtet, zu dem man sich am leichtesten neutral verhalten kann. Daraus aber ersehen Sie, daß diese Substanzen, von denen ich gesprochen habe, eindringen, sogar eine Weile unter der Erde bleiben. Die Substanz, die dies Jahr einströmt, die strömt erst nach einiger Zeit wiederum zurück. Das hängt nun auch damit zusammen, daß im allgemeinen die ausströmende Substanz träger ist als die einströmende Substanz. Die einströmende Substanz ist lebhafter, strömt rascher ein; die ausströmende Substanz ist träger, strömt langsamer aus.

[ 12 ] We’re among ourselves here, so I don’t need to hold back on certain things. That’s why, in this case, I’d like to tell you how I first came across this fact years ago. These forces at work—the forces that draw in and push out—are not only related to human life, but to all kinds of earthly circumstances. Now, it was a particular mystery to me how things work with the cockchafers—forgive me—with the cockchafers. May beetles are, in fact, extraordinarily interesting because—as you may know from observation—if there are quite a lot of May beetles in a given year, then in three to five years there will be quite a lot of grubs—that is, the larvae of the May beetles—and these grubs cause extraordinary damage to the potato crop. You get very poor potato harvests when there are many grubs. And anyone involved in potato farming knows that there will be a poor potato harvest in three to five years if there are quite a lot of cockchafers in a given year. I had regarded this as an interesting fact and then discovered that the life of the cockchafers is connected to the substances flowing in, while the life of the grubs is connected to the substances flowing out. I just want to emphasize this as an example that shows how one can arrive at such insights from entirely different angles. The surest way to arrive at such insights is not by examining them in relation to the immediate object itself, but by examining them in relation to a relatively neutral object toward which one can most easily maintain a neutral stance. From this, however, you can see that these substances I have spoken of penetrate the soil and even remain underground for a while. The substance that flows in this year does not flow back out again until some time has passed. This is also related to the fact that, in general, the outflowing substance is more sluggish than the inflowing substance. The inflowing substance is more lively and flows in more quickly; the outflowing substance is more sluggish and flows out more slowly.

[ 13 ] Man kann, wenn man intim das Menschenleben beobachtet, sehen, wie in der Tat der Mensch, wenn er aus dem Weltenall zur Geburt geht, die Kräfte benützt, die in der einströmenden Substanz sind. Dann verliert er im späteren Lebensalter den Zusammenhang mit dieser einströmenden Substanz. Es ist ja vorzugsweise, wie Sie aus den Betrachtungen ersehen, der Kopf, der mit dieser einströmenden Substanz zu tun hat. Aber der menschliche Kopf ist eine harte Kugel. Er ist ja eine harte Kugel, und er ist dasjenige, das im Umkreis von allen unseren Organen am meisten verknöchert ist. Daher verliert er verhältnismäßig früh — nicht im Kindesalter, aber verhältnismäßig früh — den Zusammenhang mit diesen einströmenden Kräften. Deshalb auch ist seine Bildung, seine Entwickelung früh abgeschlossen.

[ 13 ] If one observes human life closely, one can see how, in fact, when a human being emerges from the cosmos at birth, they make use of the forces contained in the inflowing substance. Later in life, they lose their connection to this inflowing substance. As you can see from these observations, it is primarily the head that is connected to this inflowing substance. But the human head is a hard sphere. It is, after all, a hard sphere, and it is the part of the body that is most ossified among all our organs. Consequently, it loses its connection with these inflowing forces relatively early—not in childhood, but relatively early. That is also why its formation and development are completed early.

[ 14 ] Der Mensch steht in seinem Kindheitsalter mit diesen einströmenden Kräften auch noch weiter fort in Verbindung, aber dann hören sie auf, auf ihn einen Einfluß zu haben; wenigstens ist es in unserem Zeitenzyklus so. Es war nicht immer so auf der Erde — davon werde ich gleich nachher reden —, in unserem Zeitenzyklus ist es so. Während aber der Mensch hier auf der Erde lebt, bemächtigt sich sein übriger Organismus, außerhalb des Kopfes, der ausströmenden Substanzen, der Kräfte der ausströmenden Substanzen. Mit denen durchdringt sich der übrige Organismus; und das sind die Kräfte, die den übrigen Organismus, wenn sie beachtet werden, von außen her verjüngen können, wie ich das gestern angedeutet habe. Das sind die verjüngenden Kräfte, die auf den Ätherleib wirken, der nun wirklich, indem wir äußerlich physisch alt werden, wie ich gestern gesagt habe, immer pausbackiger und pausbackiger wird. Für diejenigen ausländischen Freunde, die das Wort «pausbackig » nicht verstehen, will ich bemerken, daß das die Backen der Kinder sind, die so gerundet sind, wie Sie das bei blasenden Engeln auf Bildern sehen. Also der Mensch wird pausbackig als Äthermensch. In diesem Prozesse, den der Ätherleib, der mit dem übrigen Leib zusammenhängt, durchmacht, da wirken die von der Erde ausströmenden Kräfte, und die sind es auch, die wir benützen, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, um wiederum zurückzukehren in den Kosmos, in die geistige Welt hinein.

[ 14 ] During childhood, human beings remain in even closer contact with these inflowing forces, but then they cease to influence them; at least that is the case in our present cycle of time. It was not always this way on Earth—I will speak of that shortly—but in our present cycle of time, this is the case. However, while a human being lives here on Earth, the rest of their organism—outside the head—takes hold of the outflowing substances and the forces of these outflowing substances. The rest of the organism is permeated by these; and these are the forces that, if heeded, can rejuvenate the rest of the organism from the outside, as I indicated yesterday. These are the rejuvenating forces that act upon the etheric body, which—as I said yesterday—becomes increasingly chubby-cheeked as we grow physically old on the outside. For those foreign friends who do not understand the word “chubby,” I would like to note that this refers to the cheeks of children, which are as rounded as you see in pictures of angels blowing trumpets. So the human being becomes chubby-cheeked as an etheric human. In this process that the etheric body—which is connected to the rest of the body—undergoes, the forces streaming out from the Earth are at work, and it is these very forces that we use when we pass through the gate of death to return once more to the cosmos, into the spiritual world.

[ 15 ] Sie sehen, die Erde ist an unserem Leben beteiligt, innig beteiligt. Und mit alldem, was ich jetzt gesagt habe, hängt etwas zusammen, das man sehr leicht auf eine Formel bringen kann, auf eine wichtige, wesentliche Formel: Wir sind ja lange Zeit als Seele lebend zwischen Tod und neuer Geburt, bevor wir durch diese Geburt ins physische Leben eintreten; wir sind wiederum als Seele lebend, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, bis zu unserer nächsten Welteninkarnation. Der Tote lebt ein geistiges Leben. Dieses geistige Leben hat nun seinen Zusammenhang mit den Sternen, wie wir hier mit der physischen Materie unseren Zusammenhang haben. Indem unser Haupt die Ausgestaltung der Kräfte ist, die wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, indem wir gewissermaßen unseren Kopf aus den Weltenkräften aufbauen, findet unser Wesen, unser eigenes Wesen, unser seelisch-geistiges Wesen in unserem Haupte verhältnismäßig früh sein Geistgrab. Dadurch haben wir die Kräfte unseres Kopfes, die wir hier auf der Erde haben, daß unser Kopf eigentlich das Grab unseres Seelenlebens ist, wie wir es geführt haben vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis. Unser Kopf ist das Grab unseres geistigen Daseins. Aber indem wir heruntergestiegen sind auf die Erde, ist unser übriger Organismus geeignet, uns wieder auferstehen zu machen, indem er die Kräfte, die von der Erde in den Weltenraum hinaus zurückströmen, aufnimmt, um sein Geistiges zu bilden. Und während unser physischer Organismus von uns abfällt, geht unser Geistiges mit unseren Kräften, die von der Erde hinausströmen, durch den Weltenraum ins geistige Dasein.

[ 15 ] You see, the Earth is intimately involved in our lives. And everything I have just said is connected to something that can very easily be expressed in a formula—an important, essential formula: For a long time, we live as souls between death and a new birth before we enter physical life through that birth; and once again, we live as souls after we have passed through the gate of death, until our next incarnation in the worlds. The dead live a spiritual life. This spiritual life is connected to the stars, just as we here are connected to physical matter. Since our head is the embodiment of the forces we experience between death and a new birth—since, in a sense, we build our head out of the forces of the worlds—our being, our own being, our soul-spiritual being finds its spiritual grave in our head relatively early on. Consequently, the forces of our head that we possess here on Earth stem from the fact that our head is, in fact, the grave of our soul life, as we lived it before birth or, more precisely, before conception. Our head is the grave of our spiritual existence. But because we have descended to Earth, the rest of our organism is capable of bringing us back to life by absorbing the forces that flow back from the Earth out into the cosmos in order to form its spiritual aspect. And while our physical organism falls away from us, our spiritual being, together with our forces flowing out from the Earth, travels through outer space into spiritual existence.

[ 16 ] Dies ist die wunderbare Polarität, die mit Bezug auf den Menschen im Weltenall herrscht. Wir werden aus dem Geiste physisch, indem wir unser Geistiges in den Kopf hinein begraben; im Haupte ist das Ende unseres geistigen Daseins vor der Geburt. Hier auf der Erde ist es umgekehrt: das Physische lassen wir zurück; das Physische geht allmählich zugrunde während des Lebens, und das Geistige steht auf. So daß wir sagen können: Geburt bedeutet die Auferstehung des Physischen mit der Verwandlung des Geistigen in das Physische; Tod bedeutet die Geburt des Geistigen, indem das Physische ebenso der Erde übergeben wird, wie das Geistige dem Weltenall übergeben wird. Dadurch, daß wir geboren werden, übergeben wir unser Geistiges der Erde; dadurch, daß wir sterben, übergeben wir unser Physisches der Erde. Dadurch, daß wir durch die Geburt unser Geistiges der Erde geben, sind wir physische Menschen. Dadurch, daß wir durch den Tod unser Physisches der Erde übergeben, sind wir geistige Menschen in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das ist die Polarität, der Gegensatz. Und unser Leben hier besteht darinnen, daß wir unseren Geistorganismus ausbilden. Aber wir können ihn für unseren gegenwärtigen Erdenzyklus nur in der richtigen Weise ausbilden, wenn das berücksichtigt wird, was ich gestern auseinandergesetzt habe: wenn man es erreicht, daß die beiden zwiespältigen Glieder der Menschennatur miteinander wirklich in Korrespondenz treten, daß Kopfleben und Herzleben miteinander in Beziehung treten, daß wirklich das kürzere Kopfleben sich einlebt in den ganzen Menschen, so daß der ganze Mensch sich dann verjüngen kann während des Lebens, das er zu durchleben hat, wenn im Grunde genommen sein Kopf längst schon die Beweglichkeit, die innere Entwickelungsfähigkeit verloren hat.

[ 16 ] This is the wondrous polarity that prevails in the universe with regard to human beings. We become physical from the spirit by burying our spiritual nature within our heads; the head marks the end of our spiritual existence before birth. Here on Earth, it is the reverse: we leave the physical behind; the physical gradually decays during life, and the spiritual arises. So that we can say: birth signifies the resurrection of the physical through the transformation of the spiritual into the physical; death signifies the birth of the spiritual, in that the physical is surrendered to the Earth just as the spiritual is surrendered to the universe. By being born, we surrender our spiritual nature to the Earth; by dying, we surrender our physical nature to the Earth. Because we give our spiritual nature to the Earth through birth, we are physical human beings. Because we surrender our physical nature to the Earth through death, we are spiritual human beings in the time between death and a new birth. This is the polarity, the contrast. And our life here consists in developing our spiritual organism. But we can develop it in the right way for our present earthly cycle only if we take into account what I explained yesterday: if we succeed in bringing the two conflicting aspects of human nature into genuine correspondence with one another—if the life of the head and the life of the heart enter into a relationship with one another—and if the shorter life of the head truly becomes integrated into the whole human being, so that the whole human being can then rejuvenate itself during the life it has to live, even though, fundamentally speaking, its head has long since lost its flexibility and its capacity for inner development.

[ 17 ] Das wird die Aufgabe insbesondere der Erziehungswissenschaft in der Zukunft sein, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft so fruchtbar zu machen, daß der Mensch durch allerlei Erzählungen, durch allerlei Dinge, die für die Jugend auch geeignet sind — aber so geeignet sind, daß man das ganze Alter hindurch Interesse für sie behalten kann —, daß der Mensch eine Empfindung erhält, wie er aus dem Weltenall heraus gebaut ist, wie er wirklich sich auch aus dem Weltenall herausschält und wie er wiederum dasjenige, was er sich hier auf der Erde erwirbt, an das Weltenall zurückgibt. Ich bitte Sie, nur eines so recht — ich sage nicht, zu durchdenken, denn das nützt nicht viel, sondern ich sage: durchzuempfinden, durchzufühlen —, eines so recht durchzufühlen. Auch da ist wiederum ein Punkt, wo die Naturwissenschaft sich heute schon berührt mit dem, was geisteswissenschaftlich erforscht werden kann. Ich habe schon erwähnt, wie einsichtige Geologen ja bereits es ausgesprochen haben, daß die Erde auf ihrem Aussterbeetat bereits ist. Die Erde hat den Punkt überschritten, wo sie als Erdenwesen eigentlich in der Mitte ihres Lebensalters war. In dem ausgezeichneten Buch «Das Antlitz der Erde» von Eduard Sueß können Sie es lesen, wie der Geologe, der rein materialistische Geologe Sueß ausführt, daß, wenn man heute über Äcker geht, Ackerschollen ins Auge faßt, man es zu tun hat mit etwas Absterbendem, das früher anders war. Es ist absterbend. Die Erde stirbt ab. Wir wissen das aus der Geisteswissenschaft, weil wir wissen, daß sich die Erde verwandeln wird in ein anderes planetarisches Dasein, das wir das Jupiterdasein nennen. Die Erde als solche also stirbt ab. Aber der Mensch, beziehungsweise das Menschengeschlecht als Summe von seelischen Wesen, stirbt nicht mit der Erde, sondern das lebt über die Erde hinaus, wie es in der Weise, wie ich es beschrieben habe in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», gelebt hat, bevor die Erde Erde war. Und so kann man sich — wie gesagt, nicht gedankenmäßig, sondern empfindungsgemäß, gefühlsmäßig — durchdringen mit der Vorstellung: Ich stehe hier auf diesem Erdboden; aber dieser Boden, auf dem ich stehe, in dem ich mein Grab finden werde, dieser Boden, der ist ein Vergängliches im Kosmos.

[ 17 ] This will be the task, in particular, of educational science in the future: to make anthroposophically oriented spiritual science so fruitful that people, through all kinds of stories and all kinds of things that are suitable for young people—but suitable in such a way that one can maintain an interest in them throughout one’s entire life— that a person gains a sense of how they are formed out of the universe, how they truly emerge from the universe, and how, in turn, they give back to the universe what they acquire here on Earth. I ask you to truly—I do not say “think through,” for that is of little use, but rather I say: “feel through,” “sense through”—truly feel through just one thing. Here, too, there is a point where natural science today already intersects with what can be explored through spiritual science. I have already mentioned how discerning geologists have indeed stated that the Earth is already on the path to extinction. The Earth has passed the point where, as an earthly being, it was actually in the middle of its lifespan. In the excellent book *The Face of the Earth* by Eduard Sueß, you can read how Sueß—a geologist, a purely materialistic geologist—explains that when one walks across fields today and looks at clods of earth, one is dealing with something that is dying, something that used to be different. It is dying. The Earth is dying. We know this from spiritual science, because we know that the Earth will transform into another planetary existence, which we call the Jupiter existence. The Earth as such, then, is dying. But humanity—or rather, the human race as the sum of spiritual beings—does not die with the Earth; rather, it lives on beyond the Earth, just as it lived, in the manner I described in my *Outline of Esoteric Science*, before the Earth was the Earth. And so one can—as I said, not intellectually, but intuitively, emotionally—imbued with the idea: I stand here on this earth; but this ground on which I stand, in which I will find my grave, this ground—it is a transitory thing in the cosmos.

[ 18 ] Wodurch entsteht denn aus dieser Erde eine nächste Erde, ein neuer Planet, den die Menschheit in der Zukunft bewohnen wird? Wodurch entsteht das? Das entsteht dadurch, daß wir selbst Stück um Stück zu diesem neuen planetarischen Dasein herantragen. Wir als Menschen — das Tierreich ist etwas mit daran beteiligt — bereiten hier während unseres physischen Lebens, indem wir immer schon an uns tragen, was eigentlich für das nächste Leben erst bestimmt ist, wir bereiten schon während des physischen Lebens den nächsten Planeten, der sich an das Dasein der Erde anschließen wird, vor. In den Kräften, die wieder zurückgehen, liegt dasjenige, was Zukunft der Erde ist. Wir leben nicht bloß in der Gegenwart der Erde, wir leben in der Zukunft der Erde, müssen nur wiederum zurückkehren in unsere Inkarnation, weil wir eben noch verschiedenes auf der Erde, soweit sie noch bestehen wird, zu absolvieren haben. Aber wir leben mit in der Zukunft der Erde. Die Erde atmet, haben wir gesagt, Geistessubstanz ein und aus. In der eingeatmeten Substanz tragen wir die Vergangenheit und die Gesetze der Vergangenheit, die Kräfte der Vergangenheit. In dem Ausgeatmeten, das die Erde wieder zurückgibt, tragen wir an der Zukunft in uns. In dem Menschengeschlecht selbst ruht die Zukunft des Erdendaseins.

[ 18 ] How, then, does this Earth give rise to a new Earth, a new planet that humanity will inhabit in the future? How does this come about? It comes about because we ourselves, bit by bit, contribute to this new planetary existence. We as human beings—the animal kingdom also plays a part in this—prepare here during our physical lives, by always carrying within us what is actually intended for the next life; we are already preparing, even during our physical lives, the next planet that will follow on from the Earth’s existence. In the forces that return lies what constitutes the Earth’s future. We do not merely live in the Earth’s present; we live in the Earth’s future. We must simply return to our incarnation because we still have various tasks to complete on Earth, insofar as it will continue to exist. But we are already living in the Earth’s future. As we have said, the Earth breathes in and out spiritual substance. In the substance it inhales, we carry the past and the laws of the past, the forces of the past. In what it exhales—which the Earth gives back—we carry the future within us. The future of earthly existence rests within the human race itself.

[ 19 ] Denken Sie sich dieses recht gefühlsmäßig, liebevoll fruchtbar gemacht, anstatt all der törichten Dinge, die heute der Jugend übermittelt werden; denken Sie sich in Hunderten und aber Hunderten von lebendigen Erzählungen, Parabeln, dieses belebt und der Jugend beigebracht. Dann denken Sie sich, was der Mensch für ein Gefühl gegenüber dem Weltenall erhält, was zu tun ist. Was zu tun ist, wenn unsere Kultur vorwärtskommen soll, im Konkreten zu tun ist. Das ist sehr wichtig, in Betracht zu ziehen. Und es kann um so mehr in Betracht gezogen werden, als ja dasjenige damit zusammenhängt, was ich die Verjüngung des Menschen genannt habe. Daß die heutige Menschheit zu solchen Kalamitäten gekommen ist, das hängt ja damit zusammen, daß sie verloren hat das Geheimnis, das Kopfleben in das Herzensleben umzuwandeln. Wir haben fast gar kein wirkliches Herzensleben. Das, wovon man gewöhnlich redet, ist das Triebleben, Begierdeleben, rein dieses, nicht das Geistige, von dem wir gesprochen haben. Der Mensch läßt heute dasjenige, was ins Weltenall hinausströmt, ruhig hinausströmen, bekümmert sich nicht darum. Er beachtet es nicht.

[ 19 ] Imagine this conveyed in a deeply emotional, loving, and inspiring way, instead of all the foolish things that are taught to young people today; imagine it brought to life and taught to young people through hundreds upon hundreds of vivid stories and parables. Then imagine what kind of feeling a person develops toward the universe, and what needs to be done. What needs to be done—in concrete terms—if our culture is to move forward. It is very important to take this into consideration. And it can be taken into account all the more because it is connected to what I have called the rejuvenation of the human being. The fact that humanity today has come to such calamities is connected to the fact that it has lost the secret of transforming the life of the head into the life of the heart. We have almost no real life of the heart at all. What people usually talk about is the life of instincts, the life of desires—purely that, not the spiritual life of which we have spoken. Today, human beings simply let what flows out into the universe flow out, without giving it a second thought. They pay no attention to it.

[ 20 ] Einzelne beachten es instinktiv. Ich habe das als Beispiel angeführt in diesen Tagen, wie einzelne instinktiv das beachten, dadurch aber sich von andern vielfach unterscheiden. Sie erinnern sich — ich habe den Vergleich angeführt zwischen Zeller und Michelet, den zwei Berliner Professoren —, ich habe gesagt, daß ich mit Eduard von Hartmann über die beiden Herren gesprochen habe in dem Momente, als eben Zeller sich hat pensionieren lassen, weil er mit zweiundsiebzig Jahren sich nicht mehr fähig fühlte, seine Universitätsvorlesungen zu halten. Aber Michelet war fast neunzig Jahre alt. Und Hartmann erzählte: Jetzt war der Michelet da, und er hat mir eben gesagt: Ich begreife den Zeller nicht, der ist jetzt erst zweiundsiebzig Jahre alt, der sagt, er kann nicht mehr vortragen. Ich bin bereit, noch zehn Jahre vorzutragen! — Und dabei sprang er im Zimmer herum und freute sich, was er alles im nächsten Jahr vortragen werde und konnte nicht begreifen, wie der Knabe Zeller, der zweiundsiebzig Jahre alte Zeller darauf Anspruch machte, pensioniert zu werden und nichts mehr zu den Studenten zu reden.

[ 20 ] Some people notice this instinctively. I have cited this as an example in recent days—how some people instinctively notice this, yet in doing so often differ from others. You may recall—I mentioned the comparison between Zeller and Michelet, the two Berlin professors—that I said I had spoken with Eduard von Hartmann about these two gentlemen at the very moment when Zeller had just retired because, at seventy-two, he no longer felt capable of giving his university lectures. But Michelet was nearly ninety years old. And Hartmann recounted: “Michelet was here just now, and he told me, ‘I don’t understand Zeller—he’s only seventy-two years old, and he says he can no longer lecture.’” “I’m ready to lecture for another ten years!”—And as he said this, he jumped around the room, delighted at all the things he would lecture on next year, and couldn’t understand how that young man Zeller—the seventy-two-year-old Zeller—could claim the right to retire and no longer speak to the students.

[ 21 ] Dieses Jungbleiben, das ist eben etwas, was zusammenhängt damit, daß eine richtige Wechselwirkung stattfindet zwischen Kopf und Herz. Das kann natürlich beim einzelnen Menschen sich mal vollziehen; aber im ganzen kann es sich auch beim einzelnen Menschen nur richtig vollziehen, wenn es übergeht in unsere Kultur, wenn unsere ganze Kultur durchdrungen wird von dem Prinzip, nicht bloß Kopfleben zu haben, sondern auch Herzensleben zu haben. Aber das Herzensleben zu bekommen, dazu gehört mehr Geduld, trotzdem es fruchtbarer ist, verjüngender ist für das Leben, es gehört mehr Geduld dazu, als das Kopfleben zu haben. Kopfleben — sehen Sie, man setzt sich hin und ochst. Wir werden ja in der Jugend trotz aller Rederei der Pädagogen vorzugsweise zum «Ochsen» angehalten. Denn aus früheren Zeiten, wo die Dinge noch atavistisch gewußt waren, haben sich ja einzelne Gewohnheiten erhalten, aber die Leute verbinden keinen rechten Sinn mehr mit solchen Gewohnheiten. Ich will Sie an eine solche Gewohnheit erinnern.

[ 21 ] This ability to stay young is precisely something that is connected to a genuine interaction taking place between the head and the heart. Of course, this can happen in an individual person from time to time; but on the whole, it can only truly take place in the individual if it permeates our culture—if our entire culture is imbued with the principle of having not merely a life of the head, but also a life of the heart. Yet cultivating a life of the heart requires more patience—even though it is more fruitful and rejuvenating for life—it demands more patience than simply having a life of the head. Intellectual life—you see, one sits down and plows. After all, in our youth, despite all the talk from educators, we are primarily encouraged to be “oxen.” For certain habits have been preserved from earlier times, when things were still known in an atavistic way, but people no longer associate any real meaning with such habits. I would like to remind you of one such habit.

[ 22 ] Alles, was aus verhältnismäßig noch gar nicht so alten Zeiten sich herauf erhalten hat, bevor der Materialismus vollständig geworden ist, das hat einen tieferen Sinn. Nur hat sich in den letzten Jahrzehnten sogar schon die Sache verloren, aber als ich noch jung war — es ist lange her — da hatte man zum Beispiel im Gymnasium die Einrichtung, im Untergymnasium in der zweiten Klasse Geschichte des Altertums zu haben; dann in der fünften Klasse hatte man wieder Geschichte des Altertums. Diejenigen, die damals solche Gesetze gehandhabt haben, wußten schon nicht mehr, worum es sich eigentlich handelte, und die lehrer, die diese Sache handhabten, die handhabten sie schon wirklich nicht so, daß sie ein Bewußtsein mit der Vernunft der Sache entwickelt hätten. Denn, wer ein Bewußtsein davon gehabt hätte, der hätte sich gesagt: Wenn ich dem Jungen, der in der zweiten Klasse ist, Geschichte beibringe, so ochst er sie; aber dasjenige, was er da aufnimmt, das braucht nun ein paar Jahre, bis es sich in seinen Organismus einlebt. Daher ist es gut, in der fünften Klasse dasselbe wiederum vorzunehmen, denn da erst trägt auch dasjenige, was vor drei, vier Jahren in diesen armen Kopf hineingegangen ist, seine guten Früchte.

[ 22 ] Everything that has survived from relatively recent times—before materialism became all-encompassing—has a deeper meaning. It’s just that in recent decades even this has been lost, but when I was still young—it was a long time ago—there was, for example, a curriculum in high school where students took ancient history in the second grade of the lower division; then in the fifth grade, they took ancient history again. Those who administered such policies back then no longer knew what it was actually all about, and the teachers who taught these subjects certainly did not do so in a way that would have fostered an understanding of the rational basis of the subject. For anyone who had been aware of this would have said to themselves: When I teach history to a boy in the second grade, he learns it; but what he absorbs at that stage takes a few years to become ingrained in his being. That is why it is good to revisit the same material in fifth grade, for only then will what went into that poor child’s head three or four years ago bear its good fruit.

[ 23 ] Die ganze Struktur des alten Gymnasiums war eigentlich auf diese Dinge aufgebaut. Die mittelalterlichen Klosterschulen hatten vielfach noch Traditionen, die aus alter Weisheit hervorgegangen waren, die nicht die unsrige ist, aber die atavistisch aus alter Zeit aufbewahrt worden ist und die dann solche Einrichtungen getroffen hat, die vernünftig waren. Es braucht eben das Prinzip der Geduld, wenn Kopfleben in Herzensleben übergehen soll. Denn das Kopfleben vereinigt sich schnell mit dem Menschen, das Herzleben geht langsamer, das geht träger vor sich, da muß man abwarten. Und man will doch heute alles gleich verstehen. Denken Sie einmal, ein Mensch soll heute sich hingeben müssen der Empfindung: er lernt etwas, und dann, um es vollständig zu verstehen, soll er ein paar Jahre warten. Na, es ist in unserem Zeitalter mit den Empfindungen der Menschen kaum zu vereinen, solch ein Prinzip.

[ 23 ] The entire structure of the old gymnasium was actually built around these things. The medieval monastic schools often still had traditions that had emerged from ancient wisdom—not our own, but wisdom that had been preserved atavistically from ancient times and had then found its way into institutions that were reasonable. It simply takes the principle of patience if intellectual life is to merge with emotional life. For intellectual life quickly becomes part of a person, whereas emotional life proceeds more slowly, more sluggishly—one must wait for it. And yet today, people want to understand everything right away. Just think: a person today is supposed to have to surrender to the feeling that they are learning something, and then, in order to fully understand it, they are supposed to wait a few years. Well, in our age, such a principle is hardly compatible with people’s sensibilities.

[ 24 ] Mit den Empfindungen der Menschen ist gegenwärtig manches andere zu vereinen. Dafür kann man ja Beispiele erleben, und es ist gut, auf solche Beispiele hinzuweisen. Von zwei unserer Gesellschaft nahestehenden Persönlichkeiten sind jetzt Stücke aufgeführt worden in Zürich, und es ist vielfach hingedeutet worden, daß die betreffenden Persönlichkeiten in Beziehungen stehen zu dem Dornacher Bau, zur Geisteswissenschaft und so weiter, und man muß in diesem Falle sagen, um ganz gerecht zu sein: diese Zürcher Aufführungen von Pulver und Reinhart sind eigentlich innerhalb der Schweiz sehr gut behandelt worden. Aber Merkwürdiges kann man erleben an den Korrespondenzen, die aus der Schweiz hinausgegangen sind. Die auswärtigen Korrespondenten haben sich weniger, na, sagen wir, weniger interessant benommen als in diesem Falle die schweizerischen Beobachter selber. So ist mir eine Zeitung gegeben worden, in der diese zwei Schweizer Uraufführungen von Pulver und Reinhart besprochen werden, in der sich der betreffende Korrespondent auch nicht verkneifen kann, darauf aufmerksam zu machen, daß die betreffenden Persönlichkeiten mit unserer Bewegung in Beziehung stehen und manches aus unserer Bewegung entnommen haben. Aber heute hat man ja nicht nur die Furcht, nicht wahr, vor dem «falschen Einreden der Gnosis», wie ich das gestern erwähnt habe, sondern man hat die Furcht überhaupt vor dem Geistesleben. Wenn irgend etwas von Weltanschauung in etwas hineinspielt, oh, das ist schrecklich! Und das hängt namentlich damit zusammen, daß man gar keine Empfindung hat für diese Beziehung von Kopfleben und Herzensleben. Es ist alles außer dem Kopfe heute in der Menschheit vorhandene Leben reines Trieb- und Begierdeleben; es ist nicht geistig. Daher reibt sich das Begierde- und Instinktleben mit dem bloßen Kopfleben. Das Kopfleben ist ja sehr geistig heute, ist ja sehr spirituell; aber es wird immerfort und fort — ich weiß nicht, ob man das sagen kann, aber wahr ist es doch —, es wird immerfort verunreinigt von dem Trieb- und Instinktleben. Daher kommen die Gedanken in einer kuriosen Weise heraus. Und dieser Korrespondent, den ich da anführe, dessen von seinen Instinkten konfus gewordenen Kopf können Sie vielleicht am besten beurteilen, wenn ich Ihnen seine Furcht, daß in diesen Stücken der zwei Herren «Weltanschauungsfragen » spielen, aus einem charakteristischen Satze lese. Denken Sie, der Mann bringt es fertig, folgendes zu schreiben:

[ 24 ] At present, there are many other things that can be combined with human feelings. We can indeed see examples of this, and it is good to point out such examples. Plays by two figures closely associated with our Society have now been staged in Zurich, and it has been widely suggested that these figures are connected to the Dornach building, to spiritual science, and so on; and in this case, to be entirely fair, one must say that these Zurich productions by Pulver and Reinhart have actually been very well received within Switzerland. But one can observe some curious things in the correspondence that has come out of Switzerland. The foreign correspondents have behaved, well, let’s say, less interestingly than the Swiss observers themselves in this case. For example, I was given a newspaper in which these two Swiss premieres by Pulver and Reinhart are reviewed, and in which the correspondent in question cannot resist pointing out that the individuals in question are connected to our movement and have drawn much from it. But today people aren’t just afraid—are they?—of the “false influence of Gnosticism,” as I mentioned yesterday, but they’re afraid of spiritual life in general. If anything resembling a worldview plays a role in something, oh, that’s terrible! And this is specifically connected to the fact that people have absolutely no sense of this relationship between intellectual life and emotional life. All life existing in humanity today outside of the head is pure life of drives and desires; it is not spiritual. That is why the life of desire and instinct clashes with mere intellectual life. Intellectual life is, of course, very spiritual today; but it is constantly—I don’t know if one can say this, but it is true nonetheless—it is constantly being tainted by the life of drives and instincts. That is why thoughts emerge in such a curious way. And this correspondent I am referring to—whose mind has been confused by his instincts—you can perhaps best judge for yourselves when I read to you, from a characteristic sentence, his fear that “questions of worldview” play a role in these plays by the two gentlemen. Just think, the man manages to write the following:

[ 25 ] «Aber Pulvers Christus-Glaube müßte, wollte er von der Bühne herab Jünger werben, aus Tiefen des Leids und Zweifels erwachsen. Die Sternblume, die Reinharts Paradiesessucher gleich im ersten Bilde sich am Fenster seines Studiergemaches gepflückt, sollte erst am Ende und aus blutendem Herzen erblühen. » Und nun kommt der Satz, den ich meine: «Beide Dichter hatten ihre Weltanschauung schon fertig im Kopfe, als sie zu dichten begannen; es wäre für ihre Dramen besser gewesen, sie hätten sich erst im Schreiben ihre Religion zu erringen gehabt.»

[ 25 ] “But if Pulver were to recruit disciples from the stage, his faith in Christ would have to spring from the depths of suffering and doubt. The starflower, which Reinhart’s seeker of paradise plucked from the window of his study in the very first scene, was not to bloom until the end—and from a bleeding heart. ” And now comes the sentence I’m referring to: “Both poets already had their worldview fully formed in their minds when they began to write; it would have been better for their plays if they had had to earn their religion only through the act of writing.”

[ 26 ] Also nun denken Sie sich das einmal: Man bringt es heute fertig, das als einen Hauptfehler anzugreifen, daß jemand mit einer Weltanschauung anfängt zu schreiben! Man soll sich also hinsetzen als ein Waisenknabe gegenüber der ganzen Welt, soll darauf losschmieren, und im Losschmieren soll am Ende dann eine Weltanschauung herausspringen. Dann bringt man die Sache aufs Theater, und dann soll es den Leuten gefallen! Denken Sie, solch närrisches Zeug wird heute in der Welt tatsächlich verbreitet; und viele Menschen merken das nicht, daß solch närrisches Zeug in der Welt verbreitet wird.

[ 26 ] Just think about it: People today actually manage to criticize it as a major flaw that someone begins to write based on a worldview! So you’re supposed to sit down like an orphan in the face of the whole world, just start scribbling away, and in the process of scribbling, a worldview is supposed to emerge in the end. Then you take the whole thing to the theater, and people are supposed to like it! Can you believe that such nonsense is actually being spread in the world today? And many people don’t even realize that such nonsense is being spread.

[ 27 ] Solche Dinge hängen eben damit zusammen, daß das Leben des Kopfes nicht verarbeitet wird von dem ganzen Menschen. Denn selbstverständlich ist auch der Artikelschreiber, der dieses geschrieben hat, ein sehr «gescheiter Mensch». Das soll gar nicht bezweifelt werden, ein sehr gescheiter Mensch ist er schon; aber es nützt eben nichts, gescheit zu sein, wenn die Gescheitheit bloß Kopfleben ist. Das ist das Wichtige, was man ins Auge fassen muß; das ist außerordentlich wichtig.

[ 27 ] Such things are simply related to the fact that intellectual life is not integrated into the whole person. For, of course, the author of this article is also a very “intelligent person.” There is no doubt about that—he certainly is a very intelligent person; but it is of no use to be intelligent if that intelligence is merely a life of the mind. That is the crucial point one must keep in mind; it is extraordinarily important.

[ 28 ] Hier rühren wir an ein Fundament, das für unsere gegenwärtige Kultur notwendig ist. Man kann ja auf Schritt und Tritt, möchte ich sagen, solche Beobachtungen machen. Logische Entgleisungen werden heute nicht deshalb gemacht, weil die Leute keine Logik haben, sondern weil es nicht genügt, Logik zu haben. Man kann ein wunderbar logischer Kerl sein, seine Examina großartig machen, ein glänzender Universitätsprofessor meinetwillen der Nationalökonomie oder irgendeiner andern Sache sein, und man kann, trotzdem man ein sehr gescheiter Kerl ist, alle mögliche Logik im Kopfe hat, dennoch Entgleisung über Entgleisung leisten, indem man nichts zustande bringt, was mit dem wirklichen Leben zusammenhängt, wenn man nicht die Geduld hat, das, was vom Kopfe erfaßt wird, überzuleiten in den ganzen Menschen, wenn man nicht Geduld hat, an die verjüngenden Kräfte in der Menschennatur zu appellieren. Das ist, um was es sich handelt. Wer wirklich mit wahrer Wissenschaft, wie Geisteswissenschaft es ist, zu tun hat, sich zu tun macht, der weiß, daß er sich schämen würde, etwas, das er heute gefunden oder heute gelernt hat, gleich morgen vorzutragen, weil er weiß, daß das gar keinen Wert hat. Es hat erst einen Wert nach Jahren. Der gewissenhafte Geistesforscher kann nicht so vortragen, daß er das bringt, was er erst in der allerletzten Zeit etwa gelernt hat, sondern er muß die Dinge immer wieder und wiederum in seiner Seele gegenwärtig halten, damit sie reif werden. Mindestens muß er, wenn er vor kurzem Gewonnenes vorbringt, dieses im Besonderen anführen, damit derjenige, der es hört, aufmerksam darauf wird. Aber man wird auch nur, wenn man diese Anforderungen an die Menschennatur ins Auge faßt, wirklich sehen können, was der Gegenwart notwendig ist. Denn was der Gegenwart notwendig ist, liegt nicht in dem, wo es heute vorzugsweise gesucht wird, sondern es liegt in feineren Strukturen, die aber überall in der Welt verbreitet sind. Man braucht ja wirklich nicht Politisches zu berühren, wenn man zum Beispiel auf folgendes aufmerksam macht:

[ 28 ] Here we are touching on a foundation that is essential to our present-day culture. One can, I would say, make such observations at every turn. Logical lapses today are not committed because people lack logic, but because it is not enough to have logic. You can be a wonderfully logical person, ace your exams, be a brilliant university professor—say, of economics or some other subject—and yet, even though you’re a very smart person with all the logic in the world, still commit one logical blunder after another by failing to achieve anything connected to real life—if one lacks the patience to translate what is grasped by the mind into the whole person, if one lacks the patience to appeal to the rejuvenating forces within human nature. That is what this is all about. Anyone who is truly engaged in genuine science—such as spiritual science—knows that they would be ashamed to present something they discovered or learned today as early as tomorrow, because they know it has no value at all. It only acquires value after years have passed. The conscientious spiritual researcher cannot present material that he has only recently learned; rather, he must keep these things present in his soul again and again so that they may mature. At the very least, when he presents something he has recently discovered, he must specifically point it out so that the listener may take notice of it. But only by taking these demands on human nature into account will one truly be able to see what is necessary for the present. For what is necessary for the present does not lie in what is primarily sought today, but in finer structures that are, however, widespread throughout the world. One really need not touch on political matters when, for example, drawing attention to the following:

[ 29 ] Es gibt heute zahlreiche Menschen — mehr als es der Welt jedenfalls heilsam ist —, welche der Meinung sind: Man muß diesen Krieg möglichst lange fortsetzen, damit aus diesem Krieg ein allgemeiner Friede werde; wenn man ihn zu schnell beende, dann leiste man dem Frieden keinen Dienst! Ich will damit gar kein Urteil abgeben über den Wert oder Unwert der zwischen den Mittelmächten und Rußland gepflogenen sogenannten Friedensverhandlungen, aber interessant ist es doch, was auch dabei für eine kuriose Logik entwickelt werden kann. So ist mir ein Artikel gegeben worden, der wirklich nach dieser Richtung außerordentlich interessant ist; denn der betreffende Herr — der Name tut in diesem Falle nichts zur Sache — wendet sich eigentlich aus dem Grunde gegen einen sogenannten Sonderfrieden, weil er findet, daß durch einen solchen Sonderfrieden der Weltfriede nicht herbeigeführt werde. Ein gerades Denken, aber ein solches Denken, das schon ein bißchen durch die Vertiefung durchgegangen ist, das würde sich vielleicht sagen: Na, vielleicht kommen wir doch ein Stückchen vorwärts, wenn wenigstens an einer Stelle aufgehört wird, sich die Köpfe einzuhauen. — Das würde vielleicht ein gerades Denken sein. Aber ein nicht gerades Denken sagt sich: Nein, man darf an keiner Stelle eigentlich aufhören, denn dadurch wird nicht der «allgemeine Weltenfriede » herbeigeführt. — Und nun macht der betreffende Herr interessante Auseinandersetzungen, das heißt, ihn interessierende Auseinandersetzungen darüber, wie die Leute um Worte streiten. Er meint, daß jene Leute, welche sagen, man müsse sich begeistern für einen Frieden, auch wenn es nur ein Sonderfriede wäre, nur von Worten hypnotisiert seien. Denn man müsse nicht an Worten hängen, sondern müsse der Sache zu Leibe gehen, und die Sache sei eben diese, daß ein Sonderfriede dem allgemeinen Weltenfrieden schädlich sei.

[ 29 ] There are many people today—more than is good for the world, in any case—who believe that this war must be continued for as long as possible so that it may lead to a general peace; if it is ended too quickly, they argue, it will not serve the cause of peace! I do not intend to pass any judgment on the merits or demerits of the so-called peace negotiations being conducted between the Central Powers and Russia, but it is nonetheless interesting to see what curious logic can be developed in this context. For example, I was given an article that is truly extraordinarily interesting in this regard; for the gentleman in question—the name is irrelevant in this case—actually opposes a so-called separate peace on the grounds that he believes such a separate peace would not bring about world peace. Straightforward thinking—but the kind of thinking that has already been pushed a bit too far—might say: Well, perhaps we’ll make a little progress if, at least in one place, people stop bashing each other’s heads in. — That might be sound reasoning. But flawed reasoning says: No, we mustn’t stop fighting anywhere, because that won’t bring about “universal world peace.” — And now this gentleman engages in interesting debates—that is, debates that interest him—about how people argue over words. He believes that those people who say one must be enthusiastic about peace—even if it were only a partial peace—are merely hypnotized by words. For one must not cling to words, but must tackle the issue head-on, and the issue is precisely this: that a partial peace is detrimental to universal world peace.

[ 30 ] Unter den verschiedenen Begründungen, die der betreffende Herr anführt, ist auch diese in folgenden Sätzen enthaltene. Ein interessanter Satz, so ein recht charakteristischer Satz für die Gegenwart! Ja, wo soll man anfangen, daß man die Sache nicht so sehr ins Persönliche zieht? Nun: «Wer ehrlich ist, wird gestehen müssen, daß dies der Beweggrund vieler — nicht aller! — ist, die unter uns eine solche Freude an einem «Sonder-Frieden» und an Lenin und Trotzkij haben» — er meint nämlich, die Begeisterung für das Wort «Friede», das sei der Grund —, «während sie gleichzeitig bei uns unermüdlich gegen die ‚Antimilitaristen schreien und an unsern Lenins und Trotzkijs wenig Wohlgefallen zeigen. » Der betreffende Herr spricht von der Schweiz.

[ 30 ] Among the various reasons cited by the gentleman in question is the one contained in the following sentences. An interesting sentence—such a characteristic one for the present day! Yes, where should one begin so as not to make the matter too personal? Well: “Anyone who is honest will have to admit that this is the motive of many—not all!—among us who take such pleasure in a ‘special peace’ and in Lenin and Trotsky”—he means, in fact, that enthusiasm for the word ‘peace’ is the reason—“while at the same time they tirelessly rail against the ‘anti-militarists’ and show little favor toward our Lenins and Trotsky’s.” The gentleman in question is speaking of Switzerland.

[ 31 ] «Wir aber, die wir nicht Narren eines Wortes sind, sondern die Sache selbst wollen, die wir auch nicht den deutschen Frieden wünschen, sondern den Frieden, wir wollen den allgemeinen Frieden. Für uns steht das Wort «Sonder» mit dem Wort «Frieden» in Widerspruch. » Wenn man auf die Sache sieht, so muß man sorgfältig unterscheiden zwischen Friede und Friede! Der Artikel ist auch überschrieben «Friede und Friede».

[ 31 ] “But we, who are not fools for mere words but seek the matter itself—and who do not wish for a German peace, but for peace—we want universal peace. For us, the word ‘special’ is contradictory to the word ‘peace.’” If one looks at the matter objectively, one must carefully distinguish between peace and peace! The article is also titled “Peace and Peace.”

[ 32 ] Also der Herr, der durch den ganzen Artikel hindurch gegen den Götzendienst der Worte loszieht, schreibt dann den folgenden Satz nieder: «Für uns steht das Wort «Sonder» mit dem Wort «Frieden» in Widerspruch. Sonderung ist das Prinzip des Streites, nicht das Prinzip des Friedens. Wir bedürfen nach diesem Welt-Krieg eines Welt-Friedens, bei dem alle Völker gleichzeitig zusammenkommen zu der groBen Verständigung. Was wir in Brest-Litowsk sehen, dieses Spielen einer Kaste von in allen Wassern des Raffinements gewaschenen Diplomaten mit der Naivität, dem Idealismus, auch dem Dogmatismus der Vertreter einer neuen Ordnung, ist ein Schauspiel, das niemand freuen kann, der will, daß die Ideale rein bleiben. Es ist zu fürchten, daß wir einen Teufelsfrieden bekommen, der nur furchtbareren Krieg gebiert statt des Gottesfriedens, der endlich allem Krieg ein Ende setzt.»

[ 32 ] So the author, who throughout the entire article rails against the idolatry of words, then writes the following sentence: “For us, the word ‘separation’ is at odds with the word ‘peace.’ Separation is the principle of strife, not the principle of peace. After this world war, we need a world peace in which all peoples come together at the same time to achieve a great understanding. What we see in Brest-Litovsk—this game played by a caste of diplomats, steeped in every subtlety of sophistication, with the naivety, idealism, and even dogmatism of the representatives of a new order—is a spectacle that cannot please anyone who wants ideals to remain pure. It is to be feared that we will end up with a “devil’s peace” that will only give birth to an even more terrible war, instead of the “peace of God” that will finally put an end to all war.”

[ 33 ] Dies ist gewiß Logik, denn der Artikel ist sehr scharfsinnig geschrieben; blendend scharfsinnig ist er. Er ist sogar kühn und mutig geschrieben gegenüber dem Vorurteile zahlreicher Menschen, dieser Artikel «Friede und Friede »; aber diese Logik ist bar allen Zusammenhanges mit der Wirklichkeit. Denn der Zusammenhang mit der Wirklichkeit wird erst durch jene Korrespondenz gefunden, von der wir gesprochen haben: durch das Reifwerden des Wissens, durch das Reifwerden der Überlegung, dessen, was der Kopf erleben kann, im übrigen Menschen. Und dieses Reifwerden, das ist etwas, was in der Gegenwart gerade, man kann sagen, den gescheitesten Menschen am allermeisten fehlt. Das ist etwas, was mit den tiefsten Bedürfnissen, tiefsten Impulsen der Gegenwart zusammenhängt. Die Gegenwart hat gar keine Neigung, auf das Studium dieser Dinge sich einzulassen. Selbstverständlich meine ich nicht, daß jeder einzelne sich auf solches Studium dieser Dinge einlassen kann; aber diejenigen Menschen, deren Metier das Studium ist, die müßten sich mit solchen Dingen befassen; dann würde das schon in das allgemeine Menschheitsbewußtsein übergehen. Denn die Journalisten — mit Respekt zu vermelden —, die schreiben dasjenige, was sich ihnen als im allgemeinen geltende Meinung eben ergibt, nicht wahr. Würde heute statt Wilsonianismus oder solch ähnlichen Dingen der Mohammedanismus als so allgemein geltende Meinung vertreten werden, so würden eben die europäischen Journalisten mohammedanisch etwas hinschreiben. Und würde Geisteswissenschaft gewohnheitsmäßig in die menschlichen Seelen sich schon eingelebt haben, so würden dieselben Journalisten, die heute über die Geisteswissenschaft schimpfen, sehr brav im Sinne der Geisteswissenschaft selbstverständlich schreiben. Aber man ist abgeneigt heute, gerade bei denjenigen, deren Aufgabe es wäre, auf solche Dinge einzugehen.

[ 33 ] This is certainly logic, for the article is written with great acumen; it is dazzlingly astute. This article, “Peace and Peace,” is even written with boldness and courage in the face of the prejudices of many people; but this logic is devoid of any connection to reality. For the connection to reality is found only through that correspondence we have spoken of: through the maturing of knowledge, through the maturing of reflection—that which the mind can experience—in other people. And this maturing is something that, in the present, one might say, is most lacking even in the wisest of people. This is something connected to the deepest needs and deepest impulses of the present. The present has no inclination whatsoever to engage in the study of these things. Of course, I do not mean that every individual is capable of engaging in such a study of these things; but those people whose profession is study should concern themselves with such matters; then it would gradually find its way into the general consciousness of humanity. For journalists—with all due respect—write whatever presents itself to them as the generally accepted opinion, don’t they? If today, instead of Wilsonianism or similar ideas, Islam were held as the generally accepted opinion, then European journalists would simply write about Islam. And if spiritual science had already become a habitual part of people’s souls, those very same journalists who today rail against spiritual science would, of course, write quite dutifully in the spirit of spiritual science. But people today are averse to this, especially those whose very task it would be to address such matters.

[ 34 ] Der Mensch hängt wirklich, so wie er auf dieser Erde hier steht, zusammen mit dem ganzen Weltenall. Und ich habe vorhin gesagt, was heute gilt, galt natürlich nicht immer auf der Erde. Wir sprechen ja, ichst wenigstens uns über die wichtigsten Dinge zu informieren, jetzt vorzugsweise über den Zeitraum seit der großen atlantischen Flut, der Sintflut, könnte man sagen; die Geologie nennt es Eiszeit. Wir wissen, daß in dieser Zeit Veränderungen mit der Menschheit vor sich gegangen sind, aber vor dieser Zeit hat es auf der Erde auch schon eine Menschheit gegeben, wenn auch in anderer Form. Sie können das in der «Geheimwissenschaft im Umtiß» nachlesen, wie die Menschheit da gelebt hat. Die atlantische Entwickelung ist der gegenwärtigen Entwickelung vorangegangen. An derjenigen Stelle der Erde zum Beispiel, wo heute der Atlantische Ozean ist, war Land. Ein großer Teil des heutigen Europa war dazumal Meer. Während dieser atlantischen Menschheit waren die Verhältnisse auf der Erde ganz anders. Die alte atlantische Kultur ist untergegangen; die nachatlantische ist an ihre Stelle getreten. Aber die atlantische folgte wiederum auf die sogenannte lemurische Kultur, und da gab es auch mehrere Abschnitte. So daß wir sagen können, wir haben jetzt die nachatlantische Kultur, nicht wahr, den ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften Zeitraum, in dem wir jetzt sind. Dem geht voran die atlantische Kultur mit ihren sieben Zeiträumen (siehe Zeichnung); dem geht voran die lemurische Kultur wiederum mit ihren sieben Zeiträumen. Fassen wir einmal den siebenten Zeitraum der lemurischen Kultur ins Auge. Er liegt ungefähr 25900 Jahre vor unserem Zeitraum. Es ist gegen 25000 bis 26000 Jahre her, daß dieser siebente Zeitraum der lemurischen Zeit abgelaufen ist über die Erde hin.

[ 34 ] Human beings, just as they stand here on Earth, are truly interconnected with the entire universe. And as I said earlier, what is true today was, of course, not always true on Earth. We are speaking—or at least I am—about the most important matters, focusing now primarily on the period since the great Atlantean flood, the Deluge, as one might say; geology calls it the Ice Age. We know that changes took place within humanity during this time, but even before this period, humanity already existed on Earth, albeit in a different form. You can read about how humanity lived back then in *Esoteric Science in Outline*. The Atlantean era preceded our present one. For example, the area of the Earth where the Atlantic Ocean is today was once land. A large part of present-day Europe was sea at that time. During the era of Atlantean humanity, conditions on Earth were quite different. The ancient Atlantean culture perished; the post-Atlantean culture took its place. But the Atlantean culture, in turn, followed the so-called Lemurian culture, and that, too, consisted of several phases. So we can say that we now have the post-Atlantean culture—the first, second, third, fourth, and fifth periods, in which we now find ourselves. This is preceded by the Atlantean culture with its seven periods (see diagram); and that, in turn, is preceded by the Lemurian culture, also with its seven periods. Let us consider the seventh period of the Lemurian culture. It occurred approximately 25,900 years before our own period. It was about 25,000 to 26,000 years ago that this seventh period of the Lemurian era came to an end on Earth.

[ 35 ] So merkwürdig das klingen mag, es ist eine gewisse Ähnlichkeit zwischen diesem siebenten lemurischen Zeitraum und zwischen unserem eigenen Zeitraum. Ähnlichkeiten finden sich ja immer wiederum zwischen den aufeinanderfolgenden Zeiträumen, Ähnlichkeiten der verschiedensten Art. Eine naheliegende Ähnlichkeit haben wir zwischen unserer und der ägyptisch-chaldäischen Zeit gefunden. Jetzt um zu! wollen wir von einer solchen sprechen, die weitergehend ist. Auch äußerlich kosmisch ist eine Ähnlichkeit. Sie wissen, unser jetziger Zeitraum, der ungefähr im 15. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung beginnt, hängt mit dem Kosmos dadurch zusammen, daß seit jener Zeit die Sonne ihren Frühlingspunkt in den Fischen hat, in dem Sternbilde der Fische. Früher hatte die Sonne ihren Frühlingsaufgangspunkt durch 2160 Jahre hindurch im Sternbilde des Widders. Hier in diesem siebenten lemurischen Zeitraum (links) waren ähnliche Verhältnisse; vor zwölf Zeiträumen war die Sonne in denselben Verhältnissen. Da waren also gegen das Ende der lemurischen Zeit ähnliche Verhältnisse wie jetzt.

[ 35 ] As strange as it may sound, there is a certain similarity between this seventh Lemurian period and our own period. After all, similarities can always be found between successive epochs—similarities of the most varied kinds. We have found an obvious similarity between our own time and the Egyptian-Chaldean era. Now, however, let us speak of a similarity that goes further. There is also a similarity in the outer cosmos. As you know, our present epoch, which began approximately in the 15th century of the Christian era, is connected to the cosmos in that, since that time, the sun has had its vernal equinox in Pisces, in the constellation of Pisces. Previously, for 2,160 years, the sun’s vernal equinox was in the constellation of Aries. Here, in this seventh Lemurian epoch (left), conditions were similar; twelve epochs ago, the sun was in the same position. Thus, toward the end of the Lemurian era, conditions were similar to those of today.

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[ 36 ] Dieses Ähnlichkeit enthält aber wiederum eine bedeutsame Verschiedenheit. Was wir heute erwerben an innerer Geisteskraft, an Kopferlebnissen, wie wir es jetzt beschrieben haben in diesen Betrachtungen, das erlebte der damalige lemurische Mensch auch, aber er erlebte es auf andere Art. Der lemurische Mensch war ja, wie Sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» nachlesen können, ganz anders beschaffen als der heutige Mensch. Dasjenige, was aus dem Weltenall in ihn eindringen konnte, das drang wirklich ein, so daß der lemurische Mensch ungefähr dieselbe Weisheit, die der heutige Mensch durch seinen Kopf erwirbt, auch erhalten hat, aber vom Weltenall strömte sie in ihn ein; insofern war sie wieder anders. Sein Kopf war noch offen, sein Kopf war noch empfänglich für die Verhältnisse des Weltenalls. Daher war in alten Zeiten hellseherische Kraft vorhanden. Der Mensch erklärte sich die Dinge nicht logisch. Er lernte sie nicht, sondern er schaute sie, weil sie aus dem Kosmos in seinen Kopf hereinkamen, während sie heute nicht mehr herein können. Denn das, was hereinkommt, das hört verhältnismäßig in früher Jugend auf; wie ich gesagt habe: der Kopf steht nicht in so inniger Beziehung mehr zum Weltenall. Das ist im heutigen Zeitalter so. Damals war es nicht so; damals stand der Kopf des Menschen noch in viel innigerer Beziehung zum Weltenall, damals empfing der Kopf noch Weltenweisheit; ihr ging nicht jene Logik ab, die heute doch dem, was der Mensch selber erwirbt, abgeht. Jene Urweisheit war eine wirklich inspirierte, eine von außen an den Menschen herankommende, aus den göttlichen Welten stammende. Das zu betrachten, ist der heutige Mensch abgeneigt, denn der heutige Mensch glaubt — verzeihen Sie, wenn ich mich wiederum etwas drastisch ausdrücke —, er habe, seit dem er auf der Erde ist, immer einen so harten Schädel gehabt wie heute. Das ist aber nicht wahr. Das menschliche Haupt hat sich erst in verhältnismäßig später Zeit geschlossen, das menschliche Haupt war empfänglich für kosmische Einströmungen in alten Zeiten. Jetzt ist nur noch ein atavistischer Rest zurückgeblieben. Jeder Mensch weiß, wenn er einen Kindskopf — einen richtigen Kindskopf, nicht einen solchen also, wie ihn die Erwachsenen haben — betrachtet, so ist noch eine Stelle weich. Das ist der letzte Rest jenes dem Kosmos Geöffnetseins, wo aus dem Kosmos herein im Kopfe in einer bestimmten Weise die kosmischen Kräfte in alten Zeiten wirkten und dem Menschen kosmische Weisheit gaben. Da brauchte der Mensch noch nicht jene Korrespondenz mit dem Herzen, denn da hatte er ein kleines Herz im Kopfe, das heute verkümmert, das heute rudimentär geworden ist.

[ 36 ] This similarity, however, also contains a significant difference. What we acquire today in terms of inner spiritual power and mental experiences—as we have just described in these reflections—was also experienced by the Lemurian human of that time, but he experienced it in a different way. As you can read in my *Outline of Esoteric Science*, the Lemurian human was, after all, of a completely different nature than modern humans. Whatever could penetrate into him from the cosmos truly did penetrate, so that the Lemurian human being received roughly the same wisdom that modern humans acquire through their minds, but it flowed into him from the cosmos; in that respect, it was different. His mind was still open; his mind was still receptive to the conditions of the cosmos. That is why clairvoyant powers existed in ancient times. Human beings did not explain things to themselves logically. They did not learn them, but rather saw them, because they entered their heads from the cosmos, whereas today they can no longer enter. For what enters ceases relatively early in youth; as I have said: the head no longer stands in such an intimate relationship to the cosmos. That is how it is in the present age. Back then it was not so; back then, the human mind was still in a much more intimate relationship with the universe; back then, the mind still received cosmic wisdom; it did not lack that logic which is, after all, lacking in what human beings acquire for themselves today. That primordial wisdom was truly inspired, coming to human beings from outside, originating in the divine worlds. Modern people are averse to considering this, for they believe—forgive me if I again express myself somewhat drastically—that ever since they have been on Earth, they have always had a skull as hard as it is today. But that is not true. The human head only closed off at a relatively late stage; in ancient times, the human head was receptive to cosmic inflows. Now only an atavistic remnant remains. Everyone knows that when they look at a child’s head—a real child’s head, not the kind that adults have—there is still one spot that is soft. This is the last remnant of that openness to the cosmos, where in ancient times cosmic forces acted within the head in a specific way, flowing in from the cosmos and bestowing cosmic wisdom upon human beings. Back then, human beings did not yet need that connection with the heart, for they had a small heart within their head—one that has now atrophied and become rudimentary.

[ 37 ] So ändert sich der Mensch. Aber indem sich die Verhältnisse über die Erde hin ändern, muß der Mensch das begreifen und sich selbst auch ändern, selbst auch anderen Verhältnissen anpassen. Wir wären immer am Gängelbande des Kosmos geblieben, wenn unser Kopf nicht verknöchert wäre. Dadurch sind wir abgeschlossen gegen das Weltenall und können ein selbständiges Ich in uns entwickeln. Das ist wichtig, daß wir dieses ins Auge fassen. Wir können ein selbständiges Ich in uns entwickeln dadurch, daß wir physisch diesen harten Schädel bekommen haben. Und der letzte Rest der Erinnerungen, der lebendigen Erinnerungen an die alte Urweisheit — wann ist er denn eigentlich geschwunden bei der Menschheit? Er ist eigentlich erst geschwunden in dem Zeitraume, der dem unseren vorangegangen ist, im vierten nachatlantischen Zeitraum, während der griechisch-römischen Kultur. Allerdings haben die Menschen da auch schon längst einen zugemachten Schädel gehabt, aber es gab noch immer in den Mysterien bewahrte Urweisheit, die aus ganz alten Zeiten stammte, aus dem Zeitraume, der wiederum dem damaligen lemurischen Fischezeitalter vorangegangen ist, aus dem lemurischen Widderzeitalter.

[ 37 ] This is how human beings change. But as conditions across the Earth change, human beings must understand this and change themselves as well, adapting to new circumstances. We would have remained perpetually under the cosmos’s thumb if our skulls had not ossified. As a result, we are sealed off from the universe and can develop an independent self within us. It is important that we take this into account. We can develop an independent “I” within ourselves precisely because we have been given this hard skull. And the last remnant of memories—the living memories of the ancient primordial wisdom—when, exactly, did it actually fade from humanity? It actually only faded during the period that preceded our own, in the fourth post-Atlantean epoch, during Greco-Roman culture. Admittedly, people had already long since developed a closed skull by then, but there was still primordial wisdom preserved in the Mysteries, which originated from very ancient times—from the period that in turn preceded the Lemurian Age of Pisces, from the Lemurian Age of Aries.

[ 38 ] Im lemurischen Zeitalter wurde dem Menschen auch das, was er dazumal von seinem Ich haben konnte, vom Kosmos herein geoffenbart, seine innerste Seelenkraft wurde ihm vom Kosmos herein geoffenbart. Das hörte auf gerade im vierten nachatlantischen Zeitraum, in der griechisch-lateinischen Zeit. Der Himmel machte seine letzte Türe zu vor dem Menschen. Dafür aber auch sandte er seinen größten Boten herunter gerade in jener Zeit, damit der Mensch auf der Erde finden könne, was er früher vom Himmel erhalten hat: den Christus. Insofern ist das Mysterium von Golgatha auch eine kosmische Tatsache, als für den Menschen das verlorengegangen wäre, was ihm früher schon von der lemurischen Zeit her vom Himmel geoffenbart war, kosmisch geoffenbart war. Da erscheint derjenige Impuls, der es ihm von der Erde her offenbaren kann. Nur muß der Mensch dasjenige, was von der Erde her im Christus-Impuls geoffenbart worden ist, nach und nach ausbilden, und gerade dadurch ausbilden, daß er auf jene Verjüngung eingeht, von der wir jetzt gesprochen haben.

[ 38 ] During the Lemurian Age, what human beings could then receive from their “I” was also revealed to them from the cosmos; their innermost soul power was revealed to them from the cosmos. This came to an end precisely during the fourth post-Atlantean epoch, the Greco-Latin period. Heaven closed its final door to humankind. But in return, it sent down its greatest messenger precisely at that time, so that humankind might find on Earth what it had previously received from Heaven: the Christ. In this respect, the Mystery of Golgotha is also a cosmic fact, for humanity would have lost what had previously been revealed to them from heaven—cosmically revealed—as far back as the Lemurian era. It is here that the impulse appears which can reveal this to them from the earth. But human beings must gradually develop what has been revealed from the Earth in the Christ impulse, and they must do so precisely by responding to that rejuvenation of which we have just spoken.

[ 39 ] Mit dieser Entwickelung des Menschen hängt es zusammen, daß wir heute eigentlich in uns tragen etwas, man kann sagen, ganz Wunderbares. Ich habe schon in den gestrigen Betrachtungen erwähnt: das Wissen unserer Zeit ist das spirituellste, das es nur geben kann; nur merkt es der Mensch nicht, weil er es nicht reif werden läßt. Das, was man heute über die Natur wissen kann, das ist viel geistiger als dasjenige, was man vorher gewußt hat. Was man vorher gewußt hat, das brachte gewisse Wirklichkeiten aus dem Kosmos herunter. In den Sternen, ich habe es erwähnt, sah noch die mittelalterliche Scholastik englische Intelligenzen. Die neuere Astronomie sieht natürlich keine englischen Intelligenzen, sondern etwas, was man mit Mathematik oder Mechanik berechnet; aber es ist, ich möchte sagen, dasjenige, was man früher gesehen hat, darin ganz durchgesiebt, bis auf das letzte Geistige durchgesiebt. Es gehörte allerdings die ganze liebenswürdige Genialität des Novalis dazu, um in diesem Punkte richtig zu sehen. In den Aphorismen von Novalis finden Sie den schönen Ausspruch — ich habe ihn schon öfter erwähnt —: «Die Mathematik ist im Grunde ein großes Gedicht.» — Aber dazu, um das einzusehen, wie die Mathematik, durch die man auch die Sternenwelten und ihren Verlauf berechnet, eine große Dichtung ist, dazu muß man ein Poet sein, nicht wie es die heutigen Naturalisten etwa sind, sondern ein solcher Poet, wie es Novalis ist. Dann steht man bewundernd auch vor dem Gedichte der Mathematik da. Denn die Mathematik ist Phantasie. Mathematik ist nichts mit den Sinnen Beobachtetes, sie ist Phantasie. Sie ist aber das letzte Phantasieprodukt, das noch einen Zusammenhang mit der unmittelbaren äußeren Wirklichkeit hat. Die Mathematik ist nämlich ganz durchgesiebte Maja. Und lernt man sie kennen, nicht bloß mit dem schulmeisterlichen Sinn, der heute die Welt meistert, sondern lernt man die Mathematik kennen ihrer Substanz nach, lernt man die Mathematik kennen in dem, was sie offenbaren kann, dann lernt man in ihr allerdings etwas kennen, was so wenig eine Realität hat wie das Spiegelbild, das wir von uns selber im Spiegel sehen, das uns aber doch etwas sagt, das uns sehr viel sagt unter Umständen. Aber allerdings, wenn man das Spiegelbild als eine letzte Realität betrachtet, ist man ein Tor. Und wenn man gar anfängt, etwa mit dem Spiegelbild sich unterhalten zu wollen, weil man es mit der Wirklichkeit verwechselt, so sucht man eben nicht die Wirklichkeit an der rechten Stelle. Ebensowenig kann man in dem, was die Mathematik in der Astronomie errechnet, eine Wirklichkeit finden. Aber die Wirklichkeit ist schon da. Wie ein Spiegelbild nicht da ist ohne die Wirklichkeit, so ist das ganze geistige Dasein da, das rein mathematisch errechnet wird. Es ist nur ganz durchgesiebt und muß wiederum zu der Wirklichkeit zurückdringen.

[ 39 ] This development of the human being is connected to the fact that today we actually carry within us something that one might call truly wondrous. As I already mentioned in yesterday’s reflections: the knowledge of our time is the most spiritual that could possibly exist; yet people do not realize this because they do not allow it to mature. What we can know about nature today is far more spiritual than what was known before. What was known before brought down certain realities from the cosmos. In the stars—as I have mentioned—medieval scholasticism still saw angelic intelligences. Modern astronomy, of course, sees no English intelligences, but rather something that can be calculated using mathematics or mechanics; yet it is, I would say, what was seen in the past, sifted through to the very last spiritual element. It certainly took all of Novalis’s charming genius to see this point clearly. In Novalis’s Aphorisms you will find the beautiful saying—I have mentioned it often before—: “Mathematics is, at its core, a great poem.” — But in order to realize how mathematics—through which one also calculates the worlds of the stars and their courses—is a great poem, one must be a poet, not like today’s naturalists, for example, but a poet like Novalis. Then one stands in awe before the poetry of mathematics. For mathematics is imagination. Mathematics is not something observed by the senses; it is imagination. Yet it is the ultimate product of imagination that still has a connection to immediate external reality. For mathematics is, in fact, thoroughly refined maya. And if one comes to know it—not merely with the pedantic mindset that dominates the world today, but if one comes to know mathematics in terms of its substance, if one comes to know mathematics in what it can reveal—then one does indeed come to know something in it that has as little reality as the reflection we see of ourselves in a mirror, yet which nevertheless tells us something, and under certain circumstances tells us a great deal. But of course, if one regards the reflection as the ultimate reality, one is a fool. And if one even begins, for example, to try to converse with the reflection because one confuses it with reality, then one is simply not looking for reality in the right place. Nor can one find reality in what mathematics calculates in astronomy. But reality is already there. Just as a reflection cannot exist without reality, so too is the entire spiritual existence—which is calculated purely mathematically—already present. It has merely been thoroughly sifted through and must, in turn, find its way back to reality.

[ 40 ] Gerade indem unsere Zeit so abstrakt geworden ist, so rein kopfmäßig gebildet worden ist, hat sie einen ungeheuer geistigen Inhalt. Und es gibt eigentlich nichts, was so fein geistig ist, wie unsere gegenwärtige Wissenschaft; nur wissen das die Menschen nicht und würdigen es nicht. Allerdings ist es fast drollig, wenn man mit der gegenwärtigen Wissenschaft materialistisch ist, denn man ist eigentlich ein sonderbarer Lebensgenosse, wenn man mit der gegenwärtigen Wissenschaft materialistisch ist, nur sind fast alle Gelehrten solche Lebensgenossen. Wenn man mit dem, was die gegenwärtige Wissenschaft an Begriffen entwickeln kann, behauptet, es gäbe nur ein materielles Dasein, so ist es eigentlich komisch; denn wenn es nur ein materielles Dasein gäbe, könnte man niemals behaupten, daß es ein materielles Dasein gäbe. Daß man die Behauptung aufstellte: Es gibt ein materielles Dasein —, dieser Akt der Seele ist nämlich das feinste Geistige, was es nur geben kann; der ist allein ein Beweis, daß es nicht ein bloßes materielles Dasein gibt! Denn kein Mensch könnte behaupten, daß es ein materielles Dasein gäbe, wenn es nur ein materielles Dasein gäbe. Man kann allerlei anderes behaupten, aber man kann niemals behaupten, daß es ein materielles Dasein gibt, wenn man nur ein materielles Dasein annimmt. Indem man behauptet, daß es nur ein materielles Dasein gibt, beweist man eigentlich, daß man einen Unsinn redet. Denn, wenn das wahr wäre, was man behauptet, wenn es nur ein materielles Dasein geben würde, so könnte niemals aus diesem materiellen Dasein heraus etwas entstehen, das irgendwo in einem Menschen jene Behauptung würde, die ein rein geistiger Vorgang ist: Es gibt ein materielles Dasein.

[ 40 ] Precisely because our age has become so abstract, so purely intellectual in nature, it possesses an immense spiritual content. And there is actually nothing as subtly spiritual as our contemporary science; it’s just that people don’t realize this and don’t appreciate it. Admittedly, it is almost comical to be a materialist based on contemporary science, for one is actually a rather peculiar sort of person if one is a materialist based on contemporary science—yet almost all scholars are such people. If, based on the concepts that modern science can develop, one claims that there is only a material existence, it is actually comical; for if there were only a material existence, one could never claim that there is a material existence. The very act of the soul in making the assertion, “There is a material existence”—this act is, in fact, the most subtle spiritual phenomenon that can possibly exist; it alone is proof that there is not merely a material existence! For no human being could claim that there is a material existence if there were only a material existence. One can assert all sorts of other things, but one can never assert that there is a material existence if one assumes only a material existence. By asserting that there is only a material existence, one actually proves that one is talking nonsense. For if what one claims were true—if there were only a material existence—then nothing could ever arise from this material existence that would give rise, anywhere within a human being, to that very claim, which is a purely mental process: “There is a material existence.”

[ 41 ] Daraus sehen Sie schon: es ist eigentlich niemals ein so logischer Beweis geführt worden, daß die Welt aus dem Geiste ist, als in unserer Zeit durch die Wissenschaft, die nicht daran glaubt — das heißt, die nicht an sich selber glaubt in Wirklichkeit —, und durch das ganze Zeitalter, das nicht an sich selber glaubt. Nur dadurch, daß sich von Epoche zu Epoche die Menschheit immer mehr und mehr spiritualisiert hat, daß wir es endlich dahin gebracht haben, solch feine Begriffe zu haben, wie wir sie in der Gegenwart haben, nur dadurch ist die Menschheit dazu gekommen, daß sie nun rein sieht die ganz durchgesiebten Begriffe und aus dem eigenen Willen sie nun an die Herzenskräfte anschließen kann. Das zeigt sich aber auch richtig im äußeren Leben, das zeigt sich auch in den großen katastrophalen Ereignissen.

[ 41 ] From this you can already see: there has actually never been a more logical proof that the world is of the spirit than that provided in our time by science—which does not believe in it, that is, which does not really believe in itself—and by the entire age, which does not believe in itself. It is only because humanity has become more and more spiritualized from epoch to epoch, because we have finally reached the point of having such refined concepts as we do today, that humanity has come to the point where it can now perceive these thoroughly refined concepts clearly and, through its own will, connect them to the powers of the heart. But this is also clearly evident in external life; it is also evident in the great catastrophic events.

[ 42 ] Denn es ist ein großer Unterschied, wenn man wirklich Geschichte studiert, zwischen dem, was man jetzt den gegenwärtigen Weltkrieg nennt, der eigentlich kein Krieg, sondern etwas anderes ist — ich habe davon öfter gesprochen —, ein großer Unterschied gegenüber früheren Kriegen. Man ist heute noch nicht aufmerksam auf diese Dinge; aber in all den Dingen, die sich abspielen, zeigt sich schon dieser Unterschied. Man könnte viele Dinge anführen zum Beweise dafür, daß sich dieses zeigt. Aber Menschen, die in so unklarer Weise sprechen vom Standpunkte eines ganz besonderen Scharfsinnes aus, wie der Mann in dem Artikel, aus dem ich Ihnen einen Satz vorgelesen habe, solche gibt es jetzt viele. Denn dieser gegenwärtige Scharfsinn bringt es dazu, den eigentümlichen Satz immer wieder und wiederum zu verfechten: Man muß diesen Krieg möglichst verlängern, damit ein möglichst guter Friede hergestellt wird. — So würde niemand gesagt haben gegenüber früheren Kriegen; so würde man niemals gesprochen haben. Man würde auch in mancher andern Beziehung nicht so gesprochen haben wie heute. Denn, wie gesagt, die Leute beachten das noch nicht, aber es ist doch so: wenn Sie alle früheren Kriege nehmen, so werden Sie immer — ich könnte Hunderte von Dingen anführen, die das erweisen würden, ich will nur zwei Dinge anführen —, Sie werden bei früheren Kriegen immer finden, daß im Grunde genommen die Menschen in irgendeiner Weise aussprechen konnten, warum sie Krieg führten. Sie wollten etwas Bestimmtes, scharf zu Umreißendes, scharf zu Umschreibendes. Können dies die gegenwärtigen Menschen? Tun sie es vor allen Dingen? Ein großer Teil derjenigen, die sehr am Kriege beteiligt sind, tun es nicht. Kein Mensch weiß, was eigentlich hinter den Dingen steckt. Und wenn jemand sagt, er will das oder jenes, so ist es gewöhnlich so formuliert, daß der andere erst recht nicht weiß, was er will.

[ 42 ] For there is a great difference, when one truly studies history, between what is now called the current world war—which is actually not a war at all, but something else—as I have often spoken of—and earlier wars. People are not yet paying attention to these things; but this difference is already evident in everything that is happening. One could cite many examples to prove that this is the case. But there are now many people who speak in such an unclear manner from the standpoint of a very particular kind of acumen, like the man in the article from which I read you a sentence—there are many such people now. For this current acumen leads one to defend, time and again, the peculiar assertion: “This war must be prolonged as much as possible so that the best possible peace can be established.” — No one would have said such a thing in reference to earlier wars; no one would ever have spoken that way. Nor would people have spoken in the same way today in many other respects. For, as I said, people do not yet take this into account, but it is nevertheless true: if you consider all past wars—I could cite hundreds of examples to prove this, but I will mention just two—you will always find that, in past wars, people were essentially able to articulate, in one way or another, why they were waging war. They wanted something specific, something clearly defined and precisely described. Can people today do this? Do they do it above all else? A large proportion of those who are deeply involved in the war do not. No one knows what is actually behind it all. And when someone says they want this or that, it is usually phrased in such a way that the other person has even less idea of what they actually want.

[ 43 ] Das war bei früheren Kriegen durchaus nicht so. Man kann die ganze Weltgeschichte durchgehen, und man wird dieses nicht finden. Sie können in früheren Zeiten noch so betrübliche Ereignisse nehmen — ich will die tartarischen, die mongolischen Einfälle in Europa nennen —, Sie könnten immer finden: das sind ganz bestimmte Dinge, die scharf zu formulieren sind, die zu verstehen waren, aus denen heraus man definieren konnte, was eigentlich geschieht. Wo ist heute eine wirklich klare Definition desjenigen, was eigentlich geschieht, eine wirklich klare Umschreibung?

[ 43 ] That was by no means the case in earlier wars. You can go through the entire history of the world, and you will not find this. No matter how tragic the events of the past may be—I’ll mention the Tartar and Mongol invasions of Europe—you could always find that these were very specific occurrences that could be clearly defined, that were understandable, and from which one could determine what was actually happening. Where today is there a truly clear definition of what is actually happening, a truly clear description?

[ 44 ] Das ist das eine. Aber nun, um etwas anderes noch zu sagen: Was war denn eigentlich in früheren Zeiten gewöhnlich die Folge von Kriegen? Man könnte Hunderte von Dingen anführen, aber ich will diese zwei anführen: Was war denn die Folge von Kriegen in früheren Zeiten? Sehen Sie hin, wo Sie wollen: gewisse territoriale Veränderungen, die die Menschen dann hingenommen haben. — Wie stellen sich die Menschen heute zu diesen Dingen? Sie erklären eigentlich alle: Ja, territoriale Veränderungen darf es nicht geben. — Dann frägt man sich aber wiederum: Wozu das Ganze? Im Grunde genommen, verglichen mit früheren Dingen, ist die Sache so, daß die Leute jedenfalls um das nicht Krieg führen können, um was man früher immer Krieg geführt hat; denn das kann es gar nicht geben. In dem Augenblicke, wo es irgendwie das geben soll, erklärt man sofort: Das kann es gar nicht geben. — Also kann es eigentlich niemals, nach den Impulsen, die herrschen, niemals einen Frieden geben; denn würde man alles beim alten lassen, so hätte man gar nicht anzufangen gebraucht. Da man aber angefangen hat und doch alles beim alten lassen will, so kann man selbstverständlich nicht aufhören, denn sonst hätte man nicht anzufangen gebraucht!

[ 44 ] That is one thing. But now, to mention something else: What was actually the usual consequence of wars in earlier times? One could cite hundreds of things, but I’ll mention these two: What was the consequence of wars in earlier times? Look wherever you like: certain territorial changes that people then accepted. — How do people view these things today? They all basically say: Yes, there must be no territorial changes. — But then one asks oneself again: What’s the point of it all? Basically, compared to the past, the situation is such that people certainly cannot wage war over what wars were always waged over in the past; for that simply cannot happen. The moment it is supposed to happen in any way, people immediately declare: “That simply cannot happen.” — So, given the prevailing attitudes, there can never actually be peace; for if everything were left as it was, there would have been no need to start in the first place. But since they have started and yet want to leave everything as it was, they obviously cannot stop—otherwise, there would have been no need to start in the first place!

[ 45 ] Diese Dinge sind abstrakt, paradox, aber sie entsprechen tiefgehenden Wirklichkeiten; sie entsprechen wirklich Bedingungen, die vorläufig ins Auge gefaßt werden sollten. So daß man schon sagen muß: Dasjenige, was hier erörtert wird als mangelnde Korrespondenz zwischen Kopfmenschen und Herzensmenschen, das ist heute weltgeschichtliches Ereignis. — Und auf der andern Seite kann man sagen: Die Menschen stehen heute in einem ganz besonderen Abschnitte der Entwickelung, sie können nicht menschlich ihre Gedanken bewältigen. — Das ist das bedeutsamste Charakteristikon unserer Zeit. Die Menschen können nicht menschlich ihre Gedanken bewältigen. Alles ist anders geworden, und die Menschen wollen noch nicht aufmerksam darauf sein, daß alles anders geworden ist.

[ 45 ] These things are abstract and paradoxical, but they correspond to profound realities; they truly correspond to conditions that should be taken into account for the time being. So one must say: What is being discussed here as a lack of correspondence between people of the head and people of the heart is, today, an event of world-historical significance. — And on the other hand, one can say: People today are at a very special stage of development; they are unable to master their thoughts in a truly human way. — That is the most significant characteristic of our time. People are unable to master their thoughts in a truly human way. Everything has changed, and people are not yet willing to acknowledge that everything has changed.

[ 46 ] Also man hat es nicht bloß zu tun mit irgend etwas, das innerhalb Weltanschauungsfragen eine Bedeutung hat, sondern was wirklich für das breiteste, die Menschheit bedrückendste Ereignis unserer Tage tief, tief geht. Die Menschen finden nicht mehr den Anschluß von ihrer Seele aus an ihre eigenen Gedanken. Und das ist dasjenige, was uns darauf hinweisen kann, wie nicht nur der einzelne Mensch, sondern die Menschheit in einer gewissen Weise verlernt hat, an die Verjüngungskräfte zu appellieren. Die Menschheit wird sich nicht leicht aus diesem Zustand wiederum herausbringen können. Sie wird das erst können, wenn sie an verjüngende Kräfte glaubt, wenn vieles von dem ganz ausgemerzt ist, was nicht mehr verjüngt werden kann. Ob wir den einzelnen Menschen ansehen, oder ob wir ansehen dasjenige, was um uns herum vorgeht, wir finden überall dasselbe. Wir finden eine durchgesiebte Kopfweisheit, ein durchgesiebtes Kopferleben, ohne den Willen, die Dinge reif werden zu lassen durch das Herzenserleben. Das aber ist etwas so tief Zusammenhängendes mit dem Bedürfnisse der allgemeinen Menschheitsentwickelung, daß der Mensch gar wohl gerade darauf seine stärkste Aufmerksamkeit in der Gegenwart und für die nächste Zukunft lenken sollte.

[ 46 ] So we are not merely dealing with something that is significant in terms of worldview issues, but with something that truly touches deeply—very deeply—on the broadest and most oppressive event of our time. People can no longer connect their own thoughts to their souls. And this is what can point out to us how not only the individual but also humanity as a whole has, in a certain sense, forgotten how to draw upon the forces of renewal. Humanity will not easily be able to extricate itself from this state. It will only be able to do so when it believes in rejuvenating forces, when much of what can no longer be rejuvenated has been completely eradicated. Whether we look at the individual human being or at what is happening around us, we find the same thing everywhere. We find a superficial intellectual wisdom, a superficial intellectual experience, lacking the will to allow things to mature through the experience of the heart. Yet this is something so deeply connected to the needs of humanity’s overall development that people would do well to direct their greatest attention to it, both in the present and for the near future.

[ 47 ] Das haben wir ja schon öfter erwähnt von den verschiedensten Gesichtspunkten aus. Gerade das kann uns darauf hinweisen, daß Geisteswissenschaft allerdings heute in die Welt treten muß, selber, ich möchte sagen, wie etwas Abstraktes; aber sie ist fruchtbar, sie kann umgestalten die Welt, indem sie vor allen Dingen in die wirklichen, konkreten Lebensbedingungen ihre Impulse hineinschicken kann. Der Mensch würde traurigen Zeiten entgegengehen, wenn es fortdauern sollte, daß man keinen Glauben mehr hat an das Älterwerden, daß man stehenbleiben will bei dem, was der, ich möchte sagen, kurzlebige Kopf erleben kann. Denn ich habe schon gesagt: Das äußerste Extrem dessen, was der kurzlebige Kopf erwerben kann, das ist der abstrakte Sozialismus, der nicht aus konkreten Verhältnissen hervorgeht. Aber an ihn glaubt man ja im Grunde genommen einzig und allein. Der Philosoph behauptet heute vielfach, es gäbe nur Materie, wegen seiner feinen Spiritualität. Nur müßte er sogleich dieses Urteil aufgeben, denn es ist ein Unsinn. In den allgemeinen Weltverhältnissen ist man zu Triebfedern des gegenwärtigen sogenannten Krieges gekommen, aus denen es keinen Ausweg gibt, ebensowenig wie aus dem Satze: Es gibt nur Materie. — Denn die Gegenwart ist eben spirituell, und dieses Spirituelle braucht Verdichtung, braucht Erkraftung, damit es in die Wirklichkeit eingreifen kann. Sonst bleibt es bloßes Spiegelbild. Die Menschheit arbeitet, so wie sie heute arbeitet, wie wenn man nicht mit wirklichen Menschen irgendwo in einer Werkstätte arbeiten wollte, sondern wie wenn man glaubte, man könnte mit Spiegelbildern in einer Werkstätte arbeiten.

[ 47 ] We have, in fact, mentioned this many times before from a wide variety of perspectives. This, in particular, can point out to us that spiritual science must indeed step out into the world today—on its own, I would say, as something abstract; but it is fruitful; it can transform the world by, above all, sending its impulses into real, concrete living conditions. Humanity would be heading toward sad times if people were to continue having no faith in growing older, if they were to want to remain stuck at what, I would say, the short-sighted mind can experience. For as I have already said: The ultimate extreme of what the short-lived mind can attain is abstract socialism, which does not arise from concrete circumstances. Yet, in the end, this is the only thing people truly believe in. Today, philosophers often claim—because of their refined spirituality—that only matter exists. Yet they would have to abandon this judgment immediately, for it is nonsense. In the general state of world affairs, we have arrived at the driving forces behind the current so-called war, from which there is no way out, any more than there is from the proposition: “There is only matter.” — For the present is precisely spiritual, and this spiritual aspect requires condensation, requires strengthening, so that it can intervene in reality. Otherwise, it remains a mere reflection. Humanity works, as it does today, not as if one wanted to work with real people somewhere in a workshop, but as if one believed one could work with reflections in a workshop.

[ 48 ] So ist es bei der extremsten Ausgestaltung der Kopfanschauung, bei dem Sozialismus, der deshalb für große Massen so einleuchtend ist, weil er logisches Kopferlebnis ist, reines logisches Kopferlebnis ist. Wenn aber dieses logische Kopferlebnis nicht mit dem Geistigen des andern Menschen zusammenkommt — mit was kommt es dann zusammen? Das haben wir ja öfter erwähnt, heute sogar auch: dann kommt es mit den blinden Trieben und Instinkten zusammen, dann kommt eine unreinliche Mischung heraus zwischen dem Kopferlebnis, das eigentlich ganz spirituell ist, und den blindesten Instinkten und Trieben. Das will man jetzt im Osten miteinander auch weltgeschichtlich vereinen. Eine sozialistische Theorie, bloßes Kopferlebnis, das gar nichts zu tun hat mit den wirklichen konkreten Verhältnissen des Ostens, dasjenige, was ausgedacht wird von Menschen, wie Lenin und Trotzkij, das hat mit dem, was sich konkret als Bedürfnisse im Osten entwickelt, nichts zu tun. Denn würden Lenin und Trotzkij, statt nach Rußland, durch irgendeine sonderbare Verkettung von Umständen nach Australien verschlagen sein, so würden sie dort ebenso glauben, dieselben Verhältnisse einzuführen, wie sie sie in Rußland einführen wollten; sie passen nach Australien, nach Südamerika ebenso gut und ebenso schlecht wie nach Rußland; sie passen ebenso gut auf den Mond, weil sie zu gar keinen konkreten, wirklichen Verhältnissen passen. Denn warum? Weil sie aus dem Kopfe sind und der Kopf ist nicht von der Erde. Vielleicht würden sie gerade deshalb auf den Mond besser passen, weil sie aus dem bloßen Kopfe sind. Der Kopf ist nicht von der Erde. Daß sie einleuchten, das rührt eben davon her, daß sie dem Kopf sehr verwandt sind. Aber hier auf der Erde muß dasjenige begründet werden, was erdenverwandt ist, muß Geistigkeit auch gefunden werden, die mit der Erdenzukunft so zusammenhängt, wie wir das heute dargestellt haben.

[ 48 ] This is the case with the most extreme form of intellectual thinking—socialism—which is so compelling to the masses precisely because it is a logical intellectual experience, a purely logical intellectual experience. But if this logical intellectual experience does not come together with the spiritual essence of another human being—with what, then, does it come together? We have mentioned this often, even today: it then converges with blind drives and instincts, resulting in an impure mixture between the intellectual experience—which is actually quite spiritual—and the blindest instincts and drives. This is what they now seek to unite in the East, even on a world-historical scale. A socialist theory—a mere intellectual experience that has absolutely nothing to do with the real, concrete conditions in the East—the kind devised by people like Lenin and Trotsky—has nothing to do with what is actually developing as needs in the East. For if Lenin and Trotsky, instead of going to Russia, had been swept off to Australia by some strange turn of events, they would just as readily believe they were introducing the same conditions there as they wanted to introduce in Russia; they fit just as well—and just as poorly—in Australia and South America as they do in Russia; they would fit just as well on the moon, because they do not fit any concrete, real conditions at all. Why? Because they are products of the mind, and the mind is not of this earth. Perhaps they would fit better on the moon precisely because they are products of the mind alone. The mind is not of this earth. The fact that these ideas seem plausible stems precisely from the fact that they are very closely related to the mind. But here on earth, what is related to the earth must be grounded, and spirituality must also be found that is connected to the earth’s future in the way we have described today.

[ 49 ] Das führt in ganz bedeutsame, tiefe Dinge hinein. Und wenn man sie bedenkt, so wird man sehen, wie wenig geneigt der Mensch der Gegenwart eigentlich ist, auf diese Dinge einzugehen. Und sie sind so notwendig wie das tägliche Brot, denn die Menschheitsentwickelung kommt sonst entweder in eine Fallgrube oder in eine Sackgasse, wenn nicht gefunden wird dasjenige, was zur Verjüngung führt.

[ 49 ] This leads into very significant, profound matters. And when one considers them, one will see how little inclined people today actually are to engage with these matters. And they are as necessary as daily bread, for otherwise the development of humanity will either fall into a pitfall or reach a dead end if what leads to renewal is not found.

[ 50 ] Es ist ein breites Thema. Man kann alle diese Dinge nur andeuten. Ich fürchte, daß ich heute schon zu lange gesprochen habe, aber ich wollte wenigstens verschiedenes sagen.

[ 50 ] It's a broad topic. One can only touch on all these things. I'm afraid I've already spoken for too long today, but I wanted to at least mention a few different points.

[ 51 ] Ich habe nun noch für diese paar Tage, die wir beisammen sein können, allerlei, möchte ich sagen, Bedürfnisse: Einmal möchte ich noch über illustrative Kunst sprechen. Dann möchte ich, weil ich glaube, daß tatsächlich manches für die Gegenwart sehr verständlich auch werden kann, viel verständlicher noch werden kann, wenn man manches in der Vergangenheit betrachtet, zweimal zu Ihnen historisch sprechen, und zwar möchte ich einmal über die Verhältnisse des 9. Jahrhunderts in Europa sprechen, weil ich da manches werde berühren können, das Ihnen wichtig sein könnte zu wissen; und dann möchte ich in einem zweiten Vortrage sprechen über das Zeitalter des Christian Rosenkreutz.

[ 51 ] I still have all sorts of—I would say—needs for these few days that we can spend together: First, I would like to talk about illustrative art. Then, because I believe that many things can indeed become very understandable for the present—and even much more understandable—when viewed in the context of the past, I would like to give you two historical lectures: first, I would like to speak about conditions in 9th-century Europe, because there I will be able to touch on many things that might be important for you to know; and then, in a second lecture, I would like to speak about the age of Christian Rosenkreutz.