Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181
29 January 1918, Berlin
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Earthly Death and Cosmic Life, tr. Davy, et.al.
Erdensterben und Weltenleben II
2. A Contribution to our Knowledge of the Human Being
[ 1 ] Es ist öfter im Zusammenhange unserer Betrachtungen aufmerksam gemacht worden auf den durch die Zeiten leuchtenden, an dem griechischen Apollotempel stehenden Spruch «Erkenne dich selbst!». Vieles, unendlich vieles von Aufforderung, nach Menschenweisheit und damit nach Weltenweisheit zu streben, liegt in diesem Spruch. Der Spruch hat allerdings eine bedeutsame Erneuerung, eine Vertiefung erfahren durch den Impuls, den das Mysterium von Golgatha gegeben hat. Von allen diesen Dingen werden wir vielleicht, wenn die Zeiten es gestatten, im Verlaufe dieses Winters noch zu sprechen haben. Wir werden versuchen, den Weg zu finden gerade zu solchen Zielen, die damit angedeutet sind.
[ 1 ] In our studies we have often called attention to the aphorism written on the Greek Temple of Apollo, ‘Know thyself,’ which comes down to us along the ages. A tremendous challenge to strive after human wisdom as well as cosmic wisdom lies in this sentence. It receives a pregnant renewal, a deepening through the impulse given by the Mystery of Golgotha. If time admits we shall speak further of these matters in the course of this winter. We must seek the path to the goal to which it points.
[ 2 ] Da möchte ich denn heute ausgehen von einer scheinbar äußerlichen Betrachtung des Menschen, also gewissermaßen von einer äußerlichen Form der menschlichen Selbsterkenntnis, die aber nur scheinbar eine äußerliche ist, die trotzdem eine erste, gewichtige Kraft ist, wenn man sich ihrer bemächtigt, um auch in das innere Wesen des Menschen einzudringen. Ich möchte ausgehen, aber eigentlich doch nur scheinbar ausgehen von der äußeren menschlichen Gestalt.
[ 2 ] To-day we shall start from an apparently external consideration of man, from an external form, as it were, of human self-knowledge, yet only apparently external, being a specially powerful force when man makes use of it in order to penetrate the inner nature of the human being. We shall start—apparently only—from the external human form.
[ 3 ] Eine Betrachtung dieser äußeren menschlichen Gestalt findet man heute in dem, was als Wissenschaft anerkannt ist, eigentlich nur mehr in einem Sinne, der für eine höhere Geistbetrachtung ziemlich unbefriedigend ist. Man darf schon sagen: Wer heute den Menschen als Menschen erkennen will, findet wenig Anregung zu solcher Menschenerkenntnis in der Wissenschaft, allerdings in der Wissenschaft, so wie sie eben in der Gegenwart getrieben wird. Denn, was diese Wissenschaft schon hervorgebracht hat, was vorliegt, das können Sie wiederum aus den verschiedenen Andeutungen meines letzten Buches «Von Seelenrätseln» ersehen. Dieses Buch gibt wichtige, bedeutungsvolle Bausteine zu einer weitausblickenden Erkenntnis des menschlichen Wesens. Aber diese Bausteine werden eben gegenwärtig nicht gesucht. Und was heute Anatomie, Physiologie und so weiter bieten, gibt sehr wenig dem Fragenden, der ernsthaft in das Wesen des Menschen aus einer Erkenntnis der äußeren physischen Menschengestalt eindringen will. Da gibt heute im Grunde genommen viel mehr dasjenige, was künstlerische Betrachtungsweise ist. Man darf schon sagen: Vieles läßt heute die Wissenschaft unbefriedigt. Und wenn jemand sich nur entschließen kann, im Goetheschen Sinne auch in der Kunst, namentlich in der künstlerischen Betrachtung der Welt wirkliche, substantielle Wahrheit zu suchen, so findet er vielleicht heute mehr Wahrheit auf diese Weise, als bei dem, was anerkannte Wissenschaft ist. Es wird in der Zukunft eine Weltanschauung geben, welche gerade die aus der Geisteswissenschaft hervorgegangene sein wird, so wenig man das heute noch durchschauen kann. Eine Weltanschaung wird es geben, die aus einem gewissen menschlichen Erkenntnisbedürfnis wissenschaftliches Empfinden der Welt und künstlerisches Empfinden der Welt in einer höheren Synthese und Harmonie vereinigen wird. Darin wird dann viel mehr Hellsehen sein als in jenem Hellsehen, von dem heute mancher Mensch träumt, aber eben nur träumt.
[ 3 ] We find a consideration of that outer human form in what is approved to-day as science, but in a sense somewhat unsatisfactory to the higher spiritual consideration. We might say: Anyone who wishes to know man as man, finds but little incitement to such knowledge in science, especially as practised at the present time. What science brings forward, what calls for discussion, can be seen from indications given in my book Riddles of the Soul. This book gives an essential and important foundation for a far-seeing knowledge of the human being; but such a foundation is not sought at the present time. Anatomy, physiology, etc., to-day contribute very little to enquirers who wish to penetrate seriously into the nature of man from a knowledge of his outer form. At the present time an artistic study really gives far more. It might be said that science leaves much unsatisfied. If a man will only decide to seek actual substantial truth in art, especially in an artistic consideration of the universe, he may find more truth in that way than by recognised science. In future times there will be a philosophy of life which will derive from Spiritual Science much that man cannot fathom to-day, a philosophy which will unite a scientific and an artistic perception of the world into a higher synthesis and harmony, based on a certain need of human knowledge. There will be much more clairvoyance in that than in the clairvoyance of which most people dream to-day but only dream.
[ 4 ] Wenn wir an die menschliche Gestalt herantreten, so können wir zunächst etwas Wichtiges an ihr wahrnehmen, wenn wir unseren Blick richten — was Sie gewiß mehr oder weniger alle schon getan haben auf diesen Grundstock der menschlichen Gestalt, der uns im Skelett entgegentritt. Sie alle haben gewiß schon ein menschliches Skelett gesehen und die Differenzierung bemerkt, welche zwischen dem Kopfteil und der übrigen Menschengestalt besteht. Sie werden dabei bemerkt haben, daß der Kopf, das Haupt, in einer gewissen Weise eine abgeschlossene Ganzheit ist, die eigentlich wie auf einer Säule auf alledem aufsitzt, was das Gliedsystem, was den übrigen menschlichen Organismus ausmacht. Man kann sehr leicht beim Skelett den auf dem übrigen menschlichen Organismus ruhenden Kopf abheben. Wenn Sie in dieser Weise die oberflächlichste Differenzierung ins Auge fas‚sen, kann Ihnen auffallen, daß der Kopf, das Haupt, eigentlich mehr oder weniger annähernd kugelförmig gestaltet ist; es ist keine vollkommene Kugelform, aber es ist die Kugelform veranlagt im menschlichen Haupt. Nun muß man als geisteswissenschaftlicher Forscher sogar davor warnen, äußere oberflächliche Analogien einer Erkenntnisbestrebung zugrunde zu legen. Aber die Anschauung des menschlichen Hauptes als der Kugelform sich annähernd ist keine oberflächliche Betrachtung der Form des menschlichen Hauptes; denn der Mensch ist wirklich eine Art Zweiheit zunächst, und die Kugelgestalt seines Hauptes ist keineswegs etwas Zufälliges. Man muß nur ins Auge fassen, was man eigentlich an dem menschlichen Haupt vor sich hat. Erste Andeutungen zu dem, was ich hier meine, wurden gegeben innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen in der Schrift, die ich benannt habe «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», worin ich schon angedeutet habe, wie in der Tat das menschliche Haupt ein Abbild darstellt des ganzen Universums, des gerade uns äußerlich als Raumkugel, als Hohlkugel entgegentretenden Universums.
[ 4 ] On approaching the human form we at once perceive something of the utmost importance to it when we direct our attention—as we have doubtless all done more or less—to its centre of support, the skeleton. We have all seen a skeleton, and observed the difference between the head and the rest. We have observed that the head, the chief part, is in a sense an enclosed and isolated whole, which is, as it were, mounted on a column above the limb system and the rest of the human organism. We can very easily contrast the head resting on the skeleton, with the rest of the human form. If we thus turn our attention to the most superficial difference, it may strike us that the formation of the head is more or less spherical, it is not a perfect sphere, but spherically constructed. Now the investigator into Spiritual Science must warn students not to expect external superficial analogies to underlie a search for knowledge; but the concept of the human head as approaching a spherical form is no superficial observation, for man is really a kind of duality, and the spherical formation of his head is in no wise accidental. We must bear in mind what we actually have before us in the human head. The first indications of what is intended here is given in The Spiritual Guidance of Man, where I showed how the human head presents an image of the whole universe which surrounds us externally as a spatial globe, a hollow sphere.
[ 5 ] Wenn man diese Dinge bespricht, muß man auf etwas aufmerksam machen, was dem heutigen Menschen für die wichtigste Art der Betrachtung noch fern liegt, was er auf einem Gebiete immer anwendet, was er aber gerade da nicht anwenden will, wo es von ungeheurer Tragweite ist. Niemandem, der einen Kompaß, eine Magnetnadel in die Hand nimmt, und wenn diese Magnetnadel mit einem Ende nach dem magnetischen Nordpol, mit dem andern nach dem magnetischen Südpol gerichtet ist, wird es heute einfallen, die Ursachen dafür, daß diese Magnetnadel sich gerade so richtet, bloß in der Magnetnadel selbst zu suchen; sondern der Physiker wird sich gedrängt fühlen, die Magnetnadel und die von dem magnetischen Nordpol der Erde ausgehende magnetische Kraft als ein Ganzes anzusehen, indem diese magnetische Kraft das eine Ende der Nadel nach dem Nordpol richtet und das andere nach dem Südpol. Da sucht man die Veranlassung zu dem, was in der Magnetnadel im kleinsten Raume geschieht, in dem großen Universum. Dasselbe macht man jedoch nicht, wo man es auch machen sollte, wo es aber sehr darauf ankommen würde, daß man es machte. Wenn jemand heute wahrnimmt — und zwar gerade als Wissenschafter —, daß sich in einem Lebewesen ein anderes Lebewesen bildet, also zum Beispiel, wenn jemand wahrnimmt, daß sich im Huhn das Ei bildet, so geschieht auch etwas im kleinsten Raume; da aber fällt es dem Menschen gewöhnlich nicht ein, das, was er sich bei der Magnetnadel sagen muß, jetzt auch anzuwenden und zu sagen: Es liegt nicht im Huhn, sondern im ganzen Kosmos, daß sich im Huhnkörper der Eikeim bildet. — Gerade so aber, wie an der Magnetnadel das große Universum beteiligt ist, so ist im Huhnkörper, im Mutterhuhn — trotz aller Vorgänge, die daran mitbeteiligt sind — der ganze Kosmos in seiner Sphärengestalt, in seiner Kugelgestalt beteiligt. Diejenigen Vorgänge, die in der Vererbungslinie zurückführen zu den Vorfahren, wirken bloß mit, wenn sich im Mutterorganismus der Eikeim bildet. Das ist heute noch eine Ketzerei gegenüber der offiziellen Wissenschaft, aber doch eine Wahrheit. Und in der verschiedensten Weise wirken die Kräfte des Kosmos mit. Und so wahr es ist, daß sich in der Tat beim Menschen — das, was ich sage, beweist die empirische Embryologie — das Haupt, in seiner Keimanlage zunächst, aus dem ganzen Universum herausbildet, so wahr es ist, daß das menschliche Haupt zuerst im Mutterorganismus entsteht, so wahr ist es auf der andern Seite, daß die ursächlichsten Kräfte zu dieser Entstehung aus dem ganzen Kosmos heraus wirken und daß der Mensch in seinem Haupte ein Abbild ist des ganzen Kosmos. Nur das, was am Haupte hängt, das Skelett, kann man sagen — wenn man es nur besonders beachtet —, das ist eigentlich in seiner Konfiguration, in seiner Formung mehr zusammenhängend mit dem, was in der Vererbungslinie liegt, was mit Vater und Mutter, Großvater und Großmutter zusammenhängt, als mit dem, was im Kosmos draußen ist. So ist auch in bezug auf seine Entstehung, in bezug auf seine Entwickelung der Mensch ein Doppelwesen, zunächst. Er ist seiner Gestalt nach auf der einen Seite aus dem Kosmos herausgebildet, und das kommt in der Kugelgestalt seines Hauptes zum Vorschein; er ist auf der andern Seite herausgebildet aus der ganzen Vererbungsströmung, und das kommt in dem ganzen übrigen Organismus, der ani Kopfe hängt, zum Vorschein. Die ganze äußere Formung des Menschen zeigt ihn uns als ein Zwitterwesen, zeigt uns, daß er einen doppelten Ursprung hat.
[ 5 ] In reviewing these things we must observe something which for the man of to-day lies far from the most essential kind of observation, something which he always employs, but not where it is of the utmost importance. It would not occur to anyone who takes a compass, a magnetic needle in hand, to seek in the needle itself the cause of its pointing with one end to the North and with the other to the South; the physicist feels himself compelled to regard the magnetic force proceeding from the needle, and the directing magnetic force coming from the North Pole of the earth, as a whole. The cause of what takes place in the small space of the needle is sought in the great universe. Yet this is not done in other cases where it should be done, and where it is of importance. If anyone—especially a scientist—observes that one living being is formed within another living being, as, for instance, the egg is formed in the body of the hen, he sees there how something forms in the smallest space; but what does not usually strike him is to apply what he knows of the magnetic needle and say, that the reason why the germ of the egg develops in the body of the hen lies in the entire cosmos, not in the hen. Exactly as the great universe has a part in the magnetic needle, so too the whole cosmos has a share in the hen's body,—no matter what other processes also take part in it—the whole cosmos in its spherical form co-operate. The processes that can be traced back through the line of heredity to the fore-fathers, only co-operate when the germ of the egg is formed in the maternal organism. That of course is heresy in the eyes of official science, but it is a truth. The forces of the cosmos co-operate in the most varied ways. Just as it is true that in the case of man (empirical embryology proves this) the head, in its germinal rudiments is formed from the whole universe,—the human head forms first in the maternal organism—so too is it true that, on the other hand, the original causative forces for this formation work from the whole cosmos, and man's head is an image of it. That to which the head is attached (the skeleton), if carefully observed, is seen in its configuration, its form, to be more connected with the line of heredity, with the father and mother, grandfather and grandmother, than with the cosmos outside. Thus even in relation to his origin, his development, man is primarily a dual being. On the one side his form is fashioned from the cosmos, which comes to light in the spherical form of his head, on the other, he is formed from the whole line of heredity, which can be seen in the rest of the organism attached to the head. The whole of man's outer formation shows him to be of a hybrid nature, it shows that he has a twofold origin.
[ 6 ] Eine solche Betrachtungsweise hat nicht nur die Bedeutung, daß wir durch sie etwas wissen lernen, sondern noch eine ganz andere. Wer heute nach der Anleitung der gewöhnlichen offiziellen Wissenschaft den Menschen betrachtet, wer zum Beispiel ins Mikroskop hineinschaut und den Keim sich entwickeln sieht, und nur das sieht, was dadrinnen ist — so wie man an der Magnetnadel etwa sehen wollte, warum diese die Fähigkeit hat, sich so in der Richtung von Nord nach Süd einzustellen —, der lebt in einem Gedankenmassiv, das ihn unbeweglich macht und unbrauchbar für das äußere Leben, besonders wenn man so vorgeht wie in der äußeren Wissenschaft. Und wendet man solche Gedanken auf die Sozialwissenschaft an, so genügen sie nicht, oder sie führen zur Weltenschulmeisterei, die man mit einem andern Worte auch «Wilsonianismus» nennen kann. Es handelt sich also darum, welches Denken in uns herangezogen wird, welche Formen in unseren Gedanken entstehen, indem wir uns gewissen Gedanken hingeben. Zu wissen über die Dinge, ist das, was noch die geringere Bedeutung hat. Was in uns die bestimmte Art des Wissens macht, welche Brauchbarkeit sie mit sich bringt, das ist es, worauf es ankommt. Und wenn man einen offenen Sinn dafür hat, den Menschen in Zusammenhang mit dem Weltenganzen anzuschauen, dann werden in uns auch diejenigen Gedanken erweckt, welche in die ethische Weltbetrachtung, in die juristische Weltbetrachtung hineinführen, die in Wirklichkeit die höchste sein soll, die aber heute eben etwas ganz Sonderbares ist. Sie sehen also, es gibt gewisse andere Impulse noch, um ein solches Wissen, wie es hier gemeint ist, aufzusuchen, als die Befriedigung, ich will nicht sagen, der Neugier, sondern der bloßen Wißbegierde.
[ 6 ] A consideration of this kind has more than one significance, if by means of it we learn two quite different facts. Anyone studying men under the direction of ordinary official science, studying the development of the germ through the microscope—seeing only what is within its range (as though one wished to see by the magnetic needle itself why it is capable of pointing North and South)—lives in a mass of thought which make him immovable and unserviceable for outer life, especially if he proceeds accordingly in outer science. If man applies such thoughts to social science, they do not suffice; or they lead him to world schoolmastering, which in other words may be called Wilsonism. This is a question of what sort of thinking is called up in us, what thought-forms arise when we devote ourselves to certain thoughts. To ‘know’ about things is of less significance; the important point is the particular kind of knowledge, and of what service it is. If one has an open mind to see man's connection with the whole universe, thoughts will arise which lead to the ethical, juridical consideration of the world, which ought really to be the highest, but which to-day is considered somewhat strange. Thus we see, there are certain impulses required to seek such knowledge as is here meant, other than the satisfaction of—I will not say inquisitiveness—but of mere desire for knowledge.
[ 7 ] So steht der Mensch vor uns als ein Doppelwesen, als ein Zwitterwesen. Das hat eine viel tiefere Bedeutung noch. Und ich möchte heute nur die Grundtöne anschlagen, die uns beschäftigen sollen, um in Ihren Seelen ein Gefühl von der Wichtigkeit dessen, was wir betrachten, hervorzurufen.
[ 7 ] Thus man stands before us as a compound being, a hybrid. This has a much deeper significance still. To-day I only wished to strike the keynote which is to call forth in us a feeling of the reality of what we are studying.
[ 8 ] Bleiben wir dabei stehen, daß das Haupt im weiteren Verlaufe unseres Lebens — das Haupt, das uns jetzt entgegentritt als ein Abbild der ganzen Welt — im wesentlichen der Vermittler ist für unser Erkennen, ich will nicht sagen das Werkzeug, denn ich würde damit etwas nicht ganz Richtiges aussprechen. Aber nicht das Haupt allein ist der Vermittler für unser Erkennen — bleiben wir beim Erkennen, beim Wahrnehmen der Welt —, das Haupt vermittelt es, aber auch der übrige Mensch. Und da der übrige Mensch, sogar seinem Ursprunge nach, von dem Haupte ganz verschieden ist, etwas anderes ist, so besteht der Mensch, auch insofern er Erkennender ist, aus dem Kopfmenschen und — ich nenne ihn so, wie ich ihn schon früher genannt habe — dem Herzensmenschen, weil sich im Herzen das andere alles konzentriert. Wir sind in der Tat zwei Menschen: ein Kopfmensch, der wahrnehmend zu der Welt in Beziehung steht, und ein Herzensmensch. Der Unterschied ist der, daß der Mensch, so sehr er manchmal auf die Welt schimpft, lediglich seinen Kopf benutzt zur Erkenntnis. Was liegt dem eigentlich zugrunde? Wenn man Parallelen ziehen würde zwischen der Kopferkenntnis und der Herzenserkenntnis, so würde nicht viel dabei herauskommen. Es würde der, welcher mit dem Herzen zu erfassen vermag, was der Kopf erkennt, wärmer sein in seiner Erkenntnis als der andere. Es würde eine Differenzierung unter den Menschen geben, aber der Unterschied würde nicht sehr groß sein. Wenn man aber nun mit der geisteswissenschaftlichen Erfahrung an die Dinge herantritt, so stellt sich etwas ganz ‚ anderes heraus. Erkenntnisse, Wahrnehmungen eignet man sich ja an. Nach und nach geschieht es, daß die Wahrnehmungen, die Erkenntnisse an uns herankommen. So ist denn das Folgende der Fall. Wie wir uns mit dem Kopfe zur Welt verhalten, wie wir da wahrnehmen und erkennen, das geschieht in einer gewissen Beziehung schnell; und wie wir uns mit dem übrigen Organismus zur Welt erkennend verhalten, das geschieht langsam. Zu all dem übrigen an Differenzierungen, was ich schon im vorigen Winter in bezug auf die Entwickelung der Welt und der Menschen angeführt habe, kommt noch hinzu, daß unser Kopf mit seinem Erkennen eilt, der übrige Organismus nicht eilt. Das hat eine ungeheuer tiefe Bedeutung. Wenn wir schulmäßig erzogen werden, sieht man eigentlich nur auf die Kopferziehung. Die Menschen werden heute nur für den Kopf erzogen; das können sie schulmäßig machen. Denn der Kopf schließt im äußersten Falle, wenn er sich lange an der Erkenntnisentwickelung beteiligt aber bei den meisten Menschen geht es nicht so weit —, in den Zwanzigerjahren des Lebens ab. Dann ist der Kopf fertig mit seinem Erkennen, mit seinem Aneignen der Welt. Der übrige Organismus braucht dafür die ganze Zeit bis zum Tode. Und man kann schon sagen: Der Kopf geht in dieser Beziehung ungefähr dreimal so schnell wie der übrige Organismus; der übrige Organismus hat Zeit, er geht dreimal langsamer, er macht ein ganz anderes Tempo. Daher ist es für den, der die Gabe hat, solche Dinge durch Erkenntnis zu beobachten, klar, daß er, wenn er irgend etwas ergriffen hat durch den Kopf, warten muß, bis er es mit dem ganzen Menschen vereinigt hat. Um etwas als etwas Lebensvolles aufzunehmen, muß man wirklich, wenn das Aufnehmen durch den Kopf etwa einen Tag gedauert hat, drei bis vier Tage warten, bis man es voll aufgenommen hat. Der gewissenhafte Geistesforscher wird nie das erzählen, was er nur mit dem Kopfe aufgenommen hat, sondern nur das, was er mit seinem ganzen Menschen begriffen hat. Das hat eine außerordentliche, weit- und tiefgehende Bedeutung.
[ 8 ] Let us adhere to the fact that in the further course of our life the head—which we have just encountered as an image of the whole cosmos—is really the intermediary for knowledge (I will not say the instrument, for that would not be quite correct). The head however is not the only intermediary. Let us keep to knowledge or perception of the world. The head acts as intermediary for this, but so does the rest of the man. As regards its origin, the rest of the man differs very much from the head, it is something quite different; thus man, in so far as he is a being of perception, consists of a head-man and a heart-man; because in the heart everything else is concentrated. We are, in fact, two men; a head-man, who stands with discernment in his relation to the world, and a heart man. The difference is, that as surely as he inveighs against that world, he uses his head solely in order to know. What is really at the root of this! To draw a parallel between head-knowledge and heart-knowledge would not lead to much. One able to understand with the heart what the head knows, would be ‘warmer’ in his knowledge than another. There would be a difference between the two men, but the difference would not be very great. If, however, facts were approached with the practical knowledge of Spiritual Science, they would appear in a very different light. We acquire knowledge, perception; it gradually comes to us. Then the following happens. Our relation to the world through our head, our perception and knowledge, takes place in a certain respect quickly; and the way in which we confront the world with the rest of our organism takes place slowly. Our head hurries on with its knowledge, the rest of the organism does not. This has a profoundly deep significance. In scholastic education we see only the training of the head; nowadays people only receive education for the head. This can be done by scholastic training, for, if the head has taken part slowly in the development of knowledge, only in exceptional cases does it close as late as the 20th year of life—in the case of most people it does not keep open so long. The head is then ready with its knowledge, its assimilation of the world. The rest of the organism needs the whole time up to death for this assimilation. We might say that in this respect the rate of the head is approximately three times as quick as that of the rest of the organism; the latter has more time and moves three times as slow; the rate is quite different. Hence one who through knowledge has the gift of clearly observing such things, is aware that having grasped something through the head it must wait until he has united it with the whole man. In order to receive something really full of life, after this absorption through the head has lasted about a day, a man must wait three or four days until he has completely absorbed it. The scientific spiritual investigator will never recount what he has received with the head alone, but what he has grasped with the whole man. That has an uncommonly comprehensive and profound significance.
[ 9 ] Wir können heute eigentlich unseren Kindern nach den bestehenden Einrichtungen nur eine Art von Kopfwissen geben, wir geben ihnen nicht ein Wissen, das der übrige Organismus verträgt. Es bleibt beim Kopfwissen, bei einem Wissen, das schon so präpariert ist, daß es schnell aufgenommen werden muß durch den Kopf, und daß man sich später daran erinnern kann. Zwar bei Gegenständen, wo es sich um den Unterricht handelt, erinnert man sich später nicht mehr daran, da ist man froh, wenn man die Dinge nur bald nach dem letzten Examen wieder weg hat. Ein Wissen, das ganz von dem übrigen Organismus verarbeitet werden kann, es würde unter allen Umständen später, wenn man sich wieder daran erinnerte, Liebe, Freude, Herzlichkeit dafür entwickeln. Mit den tiefsten Geheimnissen der Mysterien der Menschheit hängt es zusammen, wie man den Unterricht gestalten soll, damit der Mensch später zeitlebens, wenn er auf seine Unterrichtszeit zurücksieht, sich mit Herzlichkeit, mit Freude, mit einer gewissen Beseligung danach zurücksehnen kann.
[ 9 ] According to existing arrangements, we can only give our children a kind of head-knowledge; we do not give them a knowledge compatible with the rest of the organism. It stops at head-knowledge; a knowledge so prepared that it must be quickly accepted by the head and remembered later. Where it is a matter of education, however, one does not always remember later. One is thankful if the knowledge holds out even till the final examination. A knowledge in which the whole of the rest of the organism can be used would, under all circumstance, develop love, joy and appreciation for it when one remembered it later. How to mould education so that a man may look back upon his school time with warmth and joy, and may wish himself back, is connected with one of the deepest secrets of the mysteries of humanity.
[ 10 ] Auf diesem Gebiete ist ungeheuer viel zu tun. Denn wer mit den einschlägigen Dingen bekannt ist, der weiß, daß alles, was wir heute insbesondere an Kinder heranbringen, schon von vorneherein so präpariert ist, daß der übrige Organismus es nicht annimmt, daß es später keine Freude macht. Damit hängt aber zusammen, daß die Menschen in unserer Zeit verhältnismäßig früh seelisch altern. Denn das ist ja das Geheimnis des Menschen: Wenn der Kopf zum Beispiel achtundzwanzig Jahre ist, so ist der übrige Organismus, der in seiner Entwickelung nachläuft, erst ein Drittel oder ein Viertel dieser Zeit. Der übrige Organismus hält ein Tempo ein, das dreimal, viermal langsamer ist. Andere Beziehungen werden wir noch kennenlernen. Also der Mensch könnte, wenn man pädagogisch diesen Mysterien entgegenkommen würde, etwas aufnehmen, was so fruchtbar, so gedeihlich ist, daß es ausreichen würde bis zu der Zeit, wo er stirbt. Denn, wenn er bis zum fünfundzwanzigsten Jahre solche Dinge aufgenommen hat und für sie nur dreimal längere Zeit zum Verarbeiten braucht, so würde sie der übrige Organismus bis zum fünfundsiebzigsten Jahre verarbeiten können. Für den Menschen aber in seiner gesamten Wesenheit hat das Wissen, das sich der Kopf aneignet, nicht eine umfassende Bedeutung, sondern nur dasjenige innerlich wissentliche Erleben, das sich der ganze Mensch in seiner ganzen Wesenheit aneignet. Aber demgegenüber ist sogar heute das öffentliche Leben abgeneigt; es will nur das aufnehmen, was Kopfweisheit ist. Denn denken Sie einmal — Sie können sich an den Fingern herzählen die ganze Bedeutung dessen, was ich jetzt meine: Jemand könnte bis zu seinem fünfzehnten Jahre so viel mit dem Kopfe aufnehmen, daß er, wenn er diese Begriffe verarbeitete und wenn diese Begriffe sich zum Beispiel auf die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten beziehen würden, er mit fünfundvierzig Jahren reif sein würde, in eine Stadtverwaltung, in ein Parlament gewählt zu werden; denn da muß er sich als ein ganzer Mensch hineinstellen. Denn man muß sagen: Wenn man dem Menschen bis zum fünfzehnten Jahre solche Begriffskräfte beibringen kann, daß sie mit seinem ganzen Lebenswesen verarbeitet werden könnten, so wird er mit dem fünfundvierzigsten Jahre reif sein, um in eine Stadtverordnetenversammlung oder in ein Parlament gewählt zu werden. Und den Anschauungen der Alten, die noch ein lebendiges Wissen von diesen Dingen aus den Mysterien hatten, lagen solche Dinge noch zugrunde. Heute dagegen gehen die Bestrebungen dahin, die Altersgrenze möglichst herabzusetzen, denn heute ist jeder mit zwanzig Jahren ebenso reif, wie es sonst jemand mit achtzig war. Aber nicht begierdliche Forderungen können darin entscheiden, sondern nur eine richtige Erkenntnis.
[ 10 ] In this domain there is a tremendous amount to be done. Anyone acquainted with such things, knows that everything now presented to children in particular, is previously so prepared that the rest of the organism does not receive it, and thus no future pleasure is prepared. This is connected with the fact that man's soul ages comparatively early in our time. One of the Mysteries of man is that when the head is 28 years old, the rest of his organism which follows in its development is only a third or fourth of this age. It maintains a rate three or four times as slow (other connections we have yet to learn). If we were to approach these mysteries as educators, a child might receive something so fruitful, so flourishing, that it would last until its death. Thus if he had received such things up to 25 years, and the time needed for this elaboration by the remaining organism was three times that period, it might take 75 years. Knowledge acquired by the head alone has not unlimited significance for man's whole being; it requires the inner deliberate experience gained by man in his whole being. Public life, however, is averse to this to-day, it will only accept head-wisdom. One can easily reckon the whole significance of what is intended by saying that up to 15 years of age a man might absorb through his head a certain number of ideas which, if directed to the administration of public affairs, would render him fit at 45 years of age to be chosen for state service of parliament, for he ought not to offer himself until he has become a whole man. Thus we may say that if at 15 years of age he can produce ideas of sufficient force to be elaborated by his whole nature, at 45 he would be mature enough to be chosen for the town council or parliament. The mode of view of the ancients, who possessed a living wisdom from the Mysteries, was based on such things. To-day, on the contrary, the endeavour is to set the age limit as low as possible, for everyone is regarded as being as mature at 20 as man used to be at 80. Insistent demands, however, cannot decide these things, but only true knowledge.
[ 11 ] Diese Dinge haben also schon eine grundbedeutsame Anwendung für das Leben. Unser ganzes öffentliches Leben ist darauf eingestellt, nur das zu berücksichtigen, was die Menschen durch ihre Köpfe sind. Aber trotzdem es so ist, daß eigentlich heute die Menschen, indem sie miteinander sozial verkehren, weisheitsvoll nur mit den Köpfen verkehren, so ist dieser Kopfverkehr — denken Sie nur einmal nach: es ist der ganze soziale Verkehr nur ein Kopfverkehr! — ganz ungeeignet, um ein soziales Leben zu konfigurieren. Denn woher ist denn der Kopf? Der Kopf des Menschen — wir haben das ausgeführt — ist nicht von dieser Erde, er ist gerade aus dem Kosmos heraus geschaffen. Will man mit dem Kopfe die Erdenangelegenheiten besorgen, so kann man es nicht. Mit dem Kopfe ist niemand ein Nationaler, mit dem Kopfe ist niemand ein solcher, der irgendeinem Teil der Erde angehört. Mit dem Kopfe sollen wir nur das entscheiden, was der ganzen Welt angehört. Um jedoch das entscheiden zu können, was der Erde angehört, müssen wir erst während unseres ganzen Lebens mit demjenigen zusammenwachsen, was der Erde angehört und was uns zu einem Bürger der Erde macht, nicht zu einem Bürger des Himmels. Diese Dinge müssen so sein. Was dem öffentlichen Urteile zugrunde liegen kann, das muß man aus den tieferen Erkenntnissen über den Menschen selbst hervorholen. Und wiederum muß man ins Auge fassen — ich will heute nur Fäden zeichnen, die Dinge werden noch weiter ausgeführt werden: Was Goethe als Metamorphosegedanken äußerte, das hat eine tiefe Bedeutung, und das hat eine viel weitere Anwendung noch, als Goethe selbst zu seiner Zeit daraus machen konnte. |
[ 11 ] These things have a pregnant application to life. The whole of our modern public life takes into account only what people are as regards their heads; yet, while they have social relations only with the head (let us reflect that all social relations are only head-relations) such social relations are wholly unsuited to form a social life. For whence comes the head? The human head is not of this earth, but is brought forth from the cosmos. One cannot attend to earthly affairs with the head. One cannot be a nationalist with the head, or belong to any one part of the earth. With the head we can only determine what belongs to the whole universe. To be able to decide what belongs to the earth, we must grow together throughout life with what belongs to the earth, and what makes us citizens of the earth and not of the heavens. These things must be so. What may underlie public decisions must be drawn forth from deeper knowledge, beyond that of man himself. Further, we must bear in mind what Goethe expressed as ‘The thought of metamorphosis;’ this has a deep significance and far wider application than Goethe himself could make in his time.
[ 12 ] Unser Haupt ist also herausgebildet aus dem Kosmos. Betrachten wir die Sache geisteswissenschaftlich, so müssen wir sagen: In der ganzen Zeit, die zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verläuft, arbeiten wir vor — wir arbeiten ja da im Kosmos —, um unser Haupt zu bilden. Wir arbeiten an unserem Organismus, indem wir vorzugsweise zwischen Tod und neuer Geburt an unserem Haupte arbeiten. Dieses Haupt ist in gewisser Beziehung das Grab der Seele, hinsichtlich dessen, wie die Seele war vor der Geburt oder, wenn wir sagen wollen, vor der Empfängnis. Da kommen jene Tätigkeiten zur Ruhe, die wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in einem geistigen Leben ausführen. Und zu demjenigen, was in gewisser Beziehung herausgeformt wird aus der geistigen Welt, wird dann dasjenige hinzugefügt, was als angehängt daranhängt aus der Vererbungsströmung. Aber was ist das, was aus der Vererbungsströmung daranhängt? Das ist trotzdem etwas, was mit dem Haupte zusammenhängt. Ich habe schon früher darauf aufmerksam gemacht: Dasjenige was am Menschen ist außer seinem Haupte, das ist die Anlage für das Haupt in der nächsten Inkarnation. Der ganze übrige Organismus ist etwas, was durch Metamorphose übergehen kann zu dem Haupt der nächsten Inkarnation. Die Kräfte, die wir während des ganzen Lebens ausbilden, entreißen sich, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, dem ganzen übrigen Organismus; aber sie bleiben in jenen Formungen, die der übrige Organismus während des Lebens hatte; das trägt man durch die Zeit zwischen Tod und nächster Geburt und formt es um zum Haupte. In unserem Haupte haben wir also immer auch das, was Erbschaft ist aus der früheren Inkarnation. Und in unserem übrigen Organismus haben wir zu gleicher Zeit etwas, was bestimmend wirkt für die Gestaltung unseres Hauptes in der kommenden Inkarnation. In dieser Beziehung sind wir auch eine Zwienatur.
[ 12 ] Our head is formed from the cosmos. Consider the matter from Spiritual Science: we must say that throughout the time between death and rebirth in the cosmos itself we work in advance on the head. In a sense the head is the grave of the soul, respecting what the soul was before birth or conception. The activity we exercised in the spiritual life between death and rebirth there comes to rest; and to this, which is in a sense formed out of the spiritual world, there is then added that which belongs to the line of heredity. What then is this? It is still something connected with the head. As before remarked, all in man except the head is the germ of the head in the next incarnation. The whole of the remaining organism is something that can pass over to the head at the next incarnation. When we pass through the gate of death, the forces developed throughout life wrest themselves free from the rest of the organism but remain in the same forms borne by the rest of the organism during life; man carries these during the time between death and rebirth, and transforms them into his future head. Thus in our head we have always something which is a heritage from the former incarnation; and in the rest of our organism something which works determinately for the formation of our head in the coming incarnation. In this respect also we are of a twofold nature.
[ 13 ] Denken Sie, wie man, wenn man so anschaut, daß der Mensch wirklich ganz hineingestellt ist in kosmische Zusammenhänge, dann darauf kommt, daß er wirklich nicht bloß in dem Zeitenteil und Raumesteil entsteht und sich bildet, den man im äußeren physischen Anschauen vor sich hat, sondern daß er in einem ungeheuer großen Zusammenhange drinnensteht. Es ist außerordentlich reizvoll, nicht nur so, wie es schon Goethe gemacht hat, hinzuschauen auf einen Knochen der Wirbelsäule und dann auf die Kopfknochen, um sich zu sagen, die Kopfknochen sind nur umgeformte Wirbelknochen, sondern es ist außerordentlich reizvoll zu sehen, wie alles, was am Haupte ist, auch am übrigen Organismus ist. Nur gehört eine außerordentlich vorurteilslose Betrachtung dazu, um nicht nur beispielsweise die Nase und alles, was am Haupte ist, als eine solche Umbildung zu erkennen, sondern auch alles, was am übrigen Organismus, nur in einer jüngeren Metamorphose, ist; das alles wird umgebildet in einer älteren Metamorphose zu dem, was uns dann am Haupte entgegentritt.
[ 13 ] If we consider man as regards his cosmic relations, we find that in reality he does not only arise and develop in the divisions of time and space which we have before us in outer physical view, but stands in a tremendously great relationship. It is especially fascinating not only to look, as Goethe did, at a bone of the vertebral column and then at the bones of the head, saying that the bones of the head are only transformed vertebrae; but to see that all pertaining to the head is also part of the rest of the organism. It needs, however, an exceptionally unbiased observation to recognise not only the nose, for instance, and all belonging to the head as having been thus remodelled, but that also all belonging to the rest of the organism, though at a younger stage of metamorphosis, has in an earlier metamorphosis all been changed to what now meets us in the head.
[ 14 ] Ich sagte: Pädagogisch sind die Konsequenzen einer solchen Anschauung außerordentlich wichtig, und wird sich einmal das Denken der Menschen dieser geisteswissenschaftlichen Erkenntnis zuwenden, dann werden ungeheuer bedeutungsvolle Forderungen für so etwas, wie es zum Beispiel die praktische Pädagogik ist, hervorgehen.
[ 14 ] In matters of educational science the consequences of such a view are extremely important; and some day man's thinking will turn to the knowledge of Spiritual Science, when momentous demands for a practical educational science arise.
[ 15 ] Vor allen Dingen ist eines bedeutsam: Wir werden alt in unserem Leben. Aber eigentlich können wir nur sagen, unser physischer Leib wird alt. Denn so sonderbar es ist — ich habe das auch schon erwähnt —, unser Ätherleib, der nächste geistige Teil unseres Wesens, wird immer jünger. Je älter wir werden, desto jünger wird unser ätherischer Leib. Und während wir Runzeln bekommen und kahlköpfig werden dem physischen Leibe nach, werden wir, oder können wir wenigstens dem ätherischen Leibe nach immer pausbackiger und blühender werden. Aber wir müssen allerdings — so wie schon die äußere Natur dafür sorgt, daß der physische Leib älter wird — dafür sorgen, daß unser Ätherleib Jugendkräfte zugeführt erhält. Das können wir aber nur, wenn wir durch den Kopf solche geistige Vorstellungsnahrung einführen, daß sie ausreicht, um im ganzen Leben verarbeitet zu werden.
[ 15 ] One thing especially is significant. In life we grow old, but in reality we can only say that our physical body grows old; for, strange as it may seem, the etheric body, the nearest spiritual part of our being, grows younger. The older we grow the younger becomes our etheric body; and as we become wrinkled and bald as regards the physical body, we become—at least the etheric body does—chubby and blooming. As external nature provides that our physical body shall grow old, we must certainly take care that our etheric body is provided with youthful forces. We can only do this if through the head we introduce such sustenance of spiritual ideas that they suffice for working into the whole life.
[ 16 ] Es kann einem geisteswissenschaftlichen Betrachter vorschweben, wie man Kinder in frühester Jugend darüber unterrichtet, wie der Mensch ein Abbild ist des gesamten Universums, ein Abbild der göttlichen weisen Weltenordnung, aber einer solchen göttlichen Weltenordnung, daß es unmittelbar, elementar ergriffen wird, und nicht indem man dem Menschen unverstandene Bibelworte vorsagt. Das alles aber muß aus dem Geiste der Geisteswissenschaft geschaffen werden, dann wird es ein vollsaftigeres Kopfwissen geben als heute. Das aber wird für den Menschen zeit seines Lebens ein Quell der Verjüngung sein, während unser gegenwärtiger Unterricht nicht ein solcher Quell der Verjüngung ist, sondern das Gegenteil. Und wenn wir heute in der glücklichen Lage sind, wegen unseres früheren Unterrichtes nicht die fürchterlichsten Sauertöpfe zu sein, so ist das nur deshalb, weil die heutige Art, für den Kopf zu sorgen — die sich seit ungefähr vier Jahrhunderten vorbereitet hat und die heute auf ihren Gipfelpunkt gelangt ist —, noch nicht so viel hat ruinieren können von dem, was doch aus alten Zeiten als Erbkultur vorhanden ist. Aber wenn wir so fortfahren, daß wir bloß für den Kopf unterrichten, dann sind wir auf dem besten Wege, wirklich Sauertöpfe zu erziehen. Ich habe schon neulich gesagt — der Krieg hat ja die Sache unterbrochen —: Groß waren in den Jahren vor dem Kriege die Züge nach den Sanatorien, groß waren die Mittel, [die der Mensch aufwendete], um seine Nervosität wegzubringen.
[ 16 ] The investigator of Spiritual Science can have some idea of how children ought to be taught in earliest childhood that man is an image of the whole universe, an image of the divinely wise cosmic ordering; and this should be grasped directly and simply, not by reciting Bible words imperfectly understood. All this must be drawn from the spirit or sources of Spiritual Science, then there will be a richer head-wisdom than that of to-day. During man's lifetime that will be a source of rejuvenation, whereas our present system of education is quite the contrary. If to-day in spite of early education, we are in the fortunate position not to be terribly bad-tempered, it is because the present method of providing for the head (which was prepared approximately 400 hundred years ago and has now reached its zenith) has not yet been able to ruin so much of what still remain, as hereditary culture from older times. If, however, we continue to instruct the head only, we are going the right way to become really bad-tempered. In the last years before the war there was a great leaning towards ‘sanatoria,’ great measures were taken to do away with ‘nervous conditions.’
[ 17 ] Das alles hängt damit zusammen, daß dem Kopfe nicht das gegeben wird, was der ganze Mensch braucht. Ich habe es auch erwähnt, wie wenig man findet, daß in der richtigen Art einiges für diese Dinge gesorgt wird. Denn ich muß immer wieder daran denken, wie ich vor einigen Jahren einmal ein Sanatorium aufsuchte, um dort jemanden zu besuchen. Wir kamen gerade hin, als Mittagszeit war. Die ganze Menge der Sanatoriumsgäste defilierte an uns vorbei. Es waren ja zum Teil recht merkwürdige Menschenkinder, die wirklich ihre Nervosität zum Teil auf ihrem Gesichte geschrieben hatten und ihr Hände- und Füßegezappel hatten. Aber ich lernte dann den Allernervösesten, den Allerzappeligsten in jenem Sanatorium kennen, nämlich den dirigierenden Arzt. Und es muß schon gesagt werden, daß ein dirigierender Arzt nicht die rechte Hand findet zur Kur für seine Gäste, wenn er selbst derjenige ist, dem die Kur am meisten not täte. Sonst jedoch war er ein außerordentlich liebenswürdiger Mensch, aber er war ein Beispiel für diejenigen Menschen, die in ihrer Jugend jedenfalls nicht das aufgenommen haben, was sie zeitlebens verjüngt halten kann. Solche Dinge lassen sich nicht durch irgendwelche vereinzelten Reformen ändern und aus Verhältnissen, in denen sie sind, in andere Verhältnisse bringen; solche Dinge lassen sich nur verbessern, wenn der ganze soziale Organismus verbessert wird. Daher muß man seine Aufmerksamkeit auf den ganzen sozialen Organismus richten. Es ist schon durch die großen Weltgesetze dafür gesorgt, daß der Mensch als einzelner auf solchem Gebiete seinen Egoismus nicht befriedigen kann, sondern daß er gewissermaßen sein Heil nur finden kann, wenn er es sucht in der Gemeinsamkeit mit den andern.
[ 17 ] This is all connected with the fact that the head is not given what the whole man needs. I have mentioned how seldom one finds the right thing done for these things, for I remember an occasion a few years ago when I went to visit someone at a sanatorium. We arrived at mid-day. All the patients walked past us. Some of these were remarkable persons; their nervous condition was partly written on their faces and partly on their fidgeting hands and feet. I then made the acquaintance of the most fidgety and nervous of them all—the medical superintendent. It must be said that a medical director cannot find a cure for his patients if he is himself the one who needs it most. In other respects he was an extremely loveable man; but he was an example of those who, in their youth at any rate, have not absorbed what can keep them young throughout their lives. Such things cannot be changed by any kind of isolated reform, nor can the relationships be changed that way; they can only be improved when the whole social organism is improved. Therefore attention must be directed to that. The great cosmic laws have provided that man as a solitary individual cannot gratify his egoism in such spheres, but can, as it were, only find his welfare when he seeks it together with others.
[ 18 ] So stelle ich mir vor — und jeder, der nicht bloß das, was im Sinnlichen lebt, wie es heute üblich ist, sich vorstellt, sondern der hinauszublicken vermag von dem Sinnlichen ins Übersinnliche, aus dem die Kräfte hereinkommen müssen zur Reformation der Welt für die nächste Zukunft, kann sich das vorstellen —, so stelle ich mir vor, daß auf solchem Gebiete, aber auch noch auf andern, die Einführung des Geisteswissenschaftlichen in das Leben geschehen kann, dadurch geschehen kann, daß man in ehrlicher, aufrichtiger Weise im Konkreten das ausarbeitet, wozu die Geisteswissenschaft die Impulse geben kann. Sie sehen, man braucht in dem Sinne, von dem wir ja oft gesprochen haben und immer wieder sprechen werden, nicht zu drängen nach visionärem Hellsehen, sondern man braucht nur sinnvoll den Menschen als Ebenbild der Weltengeistigkeit zu erfassen, dann kommt einem schon die Geistigkeit. Man kann unmöglich den Menschen in seiner Ganzheit auffassen und durchschauen, ohne daß man das, was als Geistiges dem Menschen zugrunde liegt, durchschaut und ins Auge faßt. Aber eines ist notwendig, ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht: die Ablegung einer gegenüber allen Weltanschauungsfragen heute so furchtbar vorhandenen Untugend, die Ablegung der Erkenntnisbequemlichkeit des Menschen. Unsere ganze geisteswissenschaftliche Betrachtung zeigt uns ja, daß man Schritt für Schritt vorwärtsgehen muß, daß man Neigung haben muß, auf Einzelheiten einzugehen, um ein Ganzes aus diesen Einzelheiten aufzubauen, daß man gewissermaßen vom sinnlich Nächstliegenden ausgehen muß, um ins Übersinnliche aufzusteigen. Man kann an dem sinnlich Nächstliegenden das Übersinnliche fast mit Händen greifen. Denn wer in richtiger Weise das menschliche Haupt ins Auge fassen kann, der sieht in ihm das, was aus dem ganzen Weltenall herausgebildet ist, und er sieht in dem übrigen Menschenorganismus dasjenige, was sich wieder hineinbildet ins Weltenall, um wieder zurückzukommen aus dem Weltenall in der nächsten Inkarnation. Man kann, wenn man richtig das äußere Sinnenfällige betrachtet, schon in ganz rechter Art zu dem Übersinnlichen kommen. Aber man hat nötig, die Unbequemlichkeit auf sich zu nehmen, den Menschen wenigstens so weit zu seinem Rechte kommen zu lassen, daß man ihm in bezug auf seine Erkenntnis das zugesteht, was man beispielsweise der Uhr oder einem ganz gewöhnlichen Dinge zugesteht. Jeder, wenn er nur ein bißchen gelernt hat, wie die Sachen mechanisch zusammenwirken, wird zugeben, eine Uhr nicht zu verstehen, ohne den Zusammenhang der Räder ins Auge zu fassen. Über den Menschen jedoch redet jeder, ohne eine solche Anforderung zu stellen, und zwar glaubt jeder auch über das höchste Wesen des Menschen reden zu können, und beruft sich dann sehr häufig darauf, daß er sagt: Ja, die Wahrheit muß eben «einfach» sein —, und dann jene Anklage gegen die Geisteswissenschaft zimmert, die immer darin besteht, daß die Geisteswissenschaft ja viel zu kompliziert sei. Die menschliche Begierde mag allerdings dahin gehen, in fünf Minuten oder vielleicht in gar keiner Zeit sich das anzueignen, was zur Erkenntnis des höchsten Wesens des Menschen notwendig ist. Aber der Mensch ist nun einmal ein kompliziertes Wesen. Gerade darin besteht seine Größe im Weltenall, daß er ein kompliziertes Wesen ist, und man muß den Hang nach Bequemlichkeit der Erkenntnis überwinden, wenn man wirklich in das Wesen des Menschen eindringen will. Für unsere Zeit gibt es kein Verständnis desjenigen, was not tut, wenn man sich nicht in die Lage versetzen will, die ganze Kompliziertheit der menschlichen Natur wenigstens ahnungsvoll zu durchdringen. Denn dadurch, daß wir nur Kopfwissen pflegen, daß wir nicht mit dem ganzen Menschen das, was das Haupt lernt, verarbeiten wollen, und schon dem Haupte nicht so etwas geben, was von dem ganzen Menschen verarbeitet werden kann, dadurch stellen wir den Menschen in die soziale Ordnung so hinein, daß wir gewissermaßen das irdische Leben nicht zum Abbilde eines übersinnlichen, geistigen Lebens machen wollen. Wir leiden an einem merkwürdigen Zwiespalt. Das ist aber jetzt nicht ein Zwiespalt wie die andern Zwiespältigkeiten, von denen ich jetzt gesprochen habe, sondern das ist ein schädlicher Zwiespalt, den wir überwinden müssen.
[ 18 ] Thus it appears to me, as it must to everyone who does not live absorbed in material things (as is customary to-day) but is able to look beyond to the super-sensible from which must come the reformation of the world in the near future—it appears to me that in this sphere, as well as in others, Spiritual Science can be introduced into life in such a way that it will come to pass that men can, in an upright, honourable way, work out something in the concrete to which Spiritual Science can give the impulse. As I have often said, there is no need to press towards visionary clairvoyance, but we must learn to understand man as a likeness of the cosmic spiritual nature, then spirituality will come of itself. It is impossible to understand man in his entirety without investigating the spiritual underlying his nature and keeping that in view. One thing is necessary;—I have often emphasised this—the renunciation of intellectual laziness, a fault so terribly persistent in relation to all questions of the philosophy of life. Our whole study of Spiritual Science shows us that man must go forward step by step, that he must be disposed to go into details and thence build up a whole, so that starting, as it were, from the nearest sensible, he can rise to the super-sensible. This he can easily do, for anyone who regards the human head in the right way sees in it something modelled from the whole universe, and in the rest of the organism something also organised into the universe in order to come back in the next incarnation. By rightly observing what is obvious to the senses, one can rightly arrive at the super-sensible. One must, however, be willing to admit that if one wishes to understand the construction of man, the same trouble must be taken as would he necessary—e.g., if one wished to understand the mechanical action of a watch; one would have to bear in mind the connection of the wheels, etc. Yet it is supposed that one can talk of man's highest being without the requisite trouble being taken to gain knowledge of man's nature. It is very frequently pleaded that ‘Truth must be very simple’—and the accusation is made against Spiritual Science that it is very complicated. Man longs to acquire in five minutes—or in less time—what is necessary for the knowledge of his highest being; whereas he is by nature a complicated being, his greatness in the universe is due to that very fact, and we must overcome the tendency to indolence in respect of knowledge if we really wish to penetrate to the human entity. In our time there is no understanding of what is needful for one who wishes to put himself in a position to penetrate even dimly the whole complexity of human nature; for because we only cultivate head-wisdom, because we do not wish the whole man to elaborate what the head learns, nothing is given to the head which can be worked upon by the rest of the man, and we thereby place man in the social order in such a position that his earthly life cannot become a reflection of a super-sensible spiritual life. We are subject to a remarkable cleavage, one not like the others already mentioned, but an injurious cleavage which must be overcome.
[ 19 ] Das menschliche Leben hat sich im Laufe der Entwickelung verändert. Um das zu beobachten, braucht man nur vier Jahrhunderte zurückgehen, ja nicht einmal so weit. Wer nicht aus der landläufigen Literaturgeschichte, sondern wer aus der Geistesgeschichte das Leben aus seiner Wirklichkeit kennt, der weiß, wie unendlich verschieden das Leben und Denken noch des 18. Jahrhunderts von dem des 19. Jahrhunderts ist. Wir brauchen nur etwas zurückzugehen und werden sehen, wie seit vier Jahrhunderten das ganze menschliche Denken sich geändert hat. Das ganze menschliche Denken, das sich so geändert hat, ist allmählich bis zum 20. Jahrhundert dazu gekommen, immer abstraktere Begriffe auszubilden. Es sind immer mehr Kopfbegriffe gekommen. Wenn wir die vollsaftigen Begriffe der Menschen im 13., im 14. Jahrhundert nehmen, wenn wir die Naturwissenschaft dieser Jahrhunderte ansehen: Es ist ein grandioser Unterschied gegenüber dem Abstrakten, gegenüber der trockenen Gesetzmäßigkeit der heutigen Naturwissenschaft! Es gibt ein sehr bekanntes Buch, das dem Basilins Valentinus zugeschrieben wird. Sehr interessante Dinge finden sich darin. Vor kurzem hat nun ein schwedischer Gelehrter ein Buch über die «Materie» geschrieben und auch verschiedenes von Valentinus darin zitiert, und sein Urteil darüber ist: Das verstehe, wer kann; man kann es eben nicht verstehen. — Wir glauben es sehr gern, daß er nichts von diesem Buche des Valentinus verstehen kann. Denn Valentinus gelesen mit den Begriffen, die man aus der Physik und Chemie heute mitbringt, ist ganz unverständlich! Das hängt mit denselben Dingen zusammen, mit denen etwa die Tatsache zusammenhängt, daß sich die gute alte Lebensweisheit «Morgenstunde hat Gott und Gold im Munde» umgewandelt hat im Laufe der Zeit in jene andere Lebensweisheit «Morgenstunde hat Gold im Munde». Dadurch ist der gut europäische Ausspruch «Morgenstunde hat Gott und Gold im Munde» amerikanisch geworden: «Morgenstunde hat Gold im Munde.»
[ 19 ] Human life has changed in course of evolution. To observe this we need only go back four centuries, indeed not so far. Anyone acquainted with the spiritual history of life—not the ordinary historical literature—knows how tremendously the life and thought of the 18th century differed from that of the 19th. We need only go a little way back to see how the whole of human life has changed in four centuries. Human thinking has wholly changed, ideas formed before the 20th century have gradually become more and more abstract, they have become ideas of the head. When we compare the rich ideas of the 13th and 14th centuries with the natural science of this 19th century, we find an impressive difference in the abstract ideas, the dry conformity to law of the present day. There is a very interesting book by Valentine of Bâle, containing very interesting matter. A short while ago a Swedish scholar wrote a book on ‘Matter,’ quoting various things from Valentine, and his judgment is ‘Let him who can, understand it; no one can.’ We very readily believe that he could not, for, read with the ideas derived from modern physics and chemistry, Valentine is quite incomprehensible. This is connected with such facts as the good old practical wisdom of life: ‘The morning has both God and gold in its hand,’ which has been changed in course of time to ‘The early bird catches the worm.’ The good European saying has been Americanised.
[ 20 ] Jene alte Zeit war in bezug auf die Beschreibung und die Auffassung der Natur durchdrungen von dem, was aus dem ganzen Menschen kommt. Heute ist es Kopfwissen. Dadurch ist es auf der einen Seite abstrakt, trocken und füllt den Menschen nicht sein ganzes Leben hindurch aus; und auf der andern Seite ist es doch sehr geistig. Wir stehen vor dieser Zwienatur, daß wir das Geistigste eigentlich heute erzeugen; diese abstrakten Begriffe sind das Geistigste, was es geben kann, aber sie sind unfähig, den Geist zu begreifen. Es ist ungeheuer leicht einzusehen, in welchen Zwiespalt der Mensch hineinkommt durch jene geistigen Begriffe, die er sich ausgebildet hat. Er ist gerade in diesen geistigen Begriffen merkwürdigerweise Materialist geworden. Aber wenn die Begriffe richtig sind, würde nie der Materialismus aus ihnen entstehen. Einfach das Vorhandensein der abstrakten Begriffe ist schon die erste Widerlegung des Materialismus. In diesem Zwiespalte leben wir drinnen. Wir haben uns seit vier Jahrhunderten ungeheuer vergeistigt, und wir müssen in diesem Geistigen, das wir nur abstrakt haben, wieder das lebendige Geistige finden. Wir sind dazu aufgestiegen, nur gegenständliche Begriffe zu haben, aber wir müssen wieder zur Imagination, zur Inspiration, zur Intuition kommen. Wir haben abgelegt, was aus früherer uralter Erbweisheit in Imaginationen, Inspirationen und Intuitionen uns überkommen war. Wir müssen es wiederbekommen, nachdem wir uns der Vollsaftigkeit des Wissens des ganzen Menschen soweit entäußert haben.
[ 20 ] With regard to the description and comprehension of Nature, those older times were permeated with what comes from the whole man. To-day it is head-knowledge. Therefore on the one side it is abstract, dry, and does not fill a man's whole life to the end, yet on the other side it is very spiritual. This dual nature is really present, so that we actually do engender what is most spiritual; for these abstract ideas are the most spiritual that can be, yet they are incapable of grasping the Spirit. It is astonishingly easy to perceive the cleavage in which man is involved through the spiritual ideas he has developed. It is precisely in them that he has become so remarkably materialistic. When these ideas come in the right way, however, materialism never arises from them. The simple existence of abstract ideas is the first refutation of materialism. In this duality we live. We have been tremendously intellectualised for four centuries, and in this spiritual, which we only possess in the abstract, we must find again the living spiritual. We have risen to objective concepts; we must get back to Imagination, Inspiration and Intuition. We have cast aside what has been handed down to us of old primeval wisdom in Imagination, Inspiration and Intuition. We must now recover it, after having so wholly discarded the richness of the knowledge of man's whole being. This is a truth which will fill us with a sense of the seriousness of Spiritual Science.
[ 21 ] Das ist etwas, was einen schon erfüllen kann mit dem Ernst gegenüber dem Geisteswissenschaftlichen. Und wenn ich in diesen zwei Vorträgen, die ich jetzt wieder vor Ihnen halten durfte, mehr einleitend gesprochen habe, so war meine Absicht, zu zeigen, wie aus der äußerlichsten Betrachtung des Menschen der Impuls hervorgehen kann, sich mit demjenigen zu beschäftigen, was der Welt geistig zugrunde liegt. Es wird die Menschheit im Verfolgen dieser Impulse und Ideen auf etwas kommen, was ihr heute so ungeheuer abgeht: innere Wahrhaftigkeit. Man kann nicht wirklich fruchtbar nach dem Geist streben, wenn man nicht in innerer Wahrhaftigkeit strebt, und man wird niemals fehl gehen, wenn man sich durch Lebenserfahrung die Erkenntnis erwirbt, daß eine richtige Harmonie zwischen Kopfwissen und Herzenswissen nur möglich ist, wenn man sich wahrhaftig in das Leben hineinstellt. Denn deshalb wollen gerade die Menschen der Gegenwart das Kopfwissen nicht in Herzenswissen überführen, weil das Herzenswissen nicht nur länger braucht, sondern weil es auch gegen das Kopfwissen reagiert, es zurückstößt, wenn es unwahr ist. Der übrige Mensch macht sich dann als eine Art Gewissen bemerkbar. Davor fürchtet sich die nur für den Kopf geneigte Menschheit der Gegenwart.
[ 21 ] The object of these two somewhat introductory lectures is to show how, from the most external observation of man, an impulse may arise to apply one's intelligence to that which spiritually underlies the world. In the pursuit of these impulses and ideas something will come to humanity which to-day is so terribly lacking: viz., INNER SINCERITY. Man cannot really strive fruitfully after the Spirit if he does not do so in inner sincerity, and he will never go astray if he acquires knowledge through life's experience; true harmony is only possible between head-wisdom and heart-wisdom when man adopts the right relationship towards life. The man of to-day does not wish to lead head-wisdom over to heart-wisdom, because the latter not only takes longer, but even reacts against the former, and thrusts it back when it is untrue. In this way the rest of the man then makes itself felt as a kind of conscience. The humanity of the present, with a bias towards the head-wisdom only, shrinks from this.
[ 22 ] Und jetzt zum Schlusse — weil es sich für uns ja immer darum handeln muß, wenn wir so unter uns zusammen sind, auch die Stellung unseres geisteswissenschaftlichen Strebens, das wir in solcher Art charakterisierten, wie es heute und das letzte Mal geschehen ist, in der ganzen Welt einzusehen —, zum Schlusse einige Bemerkungen, die sich für uns unmittelbar praktisch ergeben.
[ 22 ] In conclusion, a few directly practical remarks—since when we are thus gathered together we must contemplate the efforts of spiritual science in the whole world.
[ 23 ] Geisteswissenschaft kann auch nur gedeihen, wenn man mit ihr Ernst macht in der Wahrhaftigkeit; denn sie muß ja an tiefste Bedürfnisse der Menschheit gerade in der Gegenwart herangehen. Sie muß sich jenen Gewissensqualen aussetzen, die sehr leicht entstehen können, wenn das Herz zum Kopfe Nein sagt. Denn immer sagt das Herz zum Kopfe Nein, wenn nicht Geistiges gesucht wird, oder wenn Wissen nur angestrebt wird aus einem bloßen Egoismus, aus Begierde, Ehrgeiz und so weiter. Aus diesem Grunde war es schon notwendig, in dem Betriebe der Geisteswissenschaft nach keiner Seite hin auch nur leise Kompromisse aufkommen zu lassen. Geisteswissenschaft muß aus sich selbst heraus positiv betrieben werden; man kann nicht Kompromisse schließen mit Halbheiten, Viertelheiten oder Achtelheiten; es ist heute eine zu ernste Angelegenheit. Wir dürfen wohl, nachdem wir einiges einleitend gesagt haben, diese Bemerkungen folgen lassen, die nicht persönlich gemeint sind, wenn sie auch an Persönliches anschließen. Einen großen Teil der Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft kann man nur verstehen, wenn man ihn seiner Genesis nach, seinem Werden nach ins Auge faßt. Da oder dort tritt zum Beispiel jemand auf, der sich in der heftigsten Weise gegen die Geisteswissenschaft wendet. Es gibt auch andere Fälle, als ich jetzt meine, aber in vielen Fällen geht die Gegnerschaft gegen Geisteswissenschaft aus so etwas hervor, wie ich jetzt einen konkreten Fall anführen will.
[ 23 ] Spiritual Science can only flourish if people take it in sincerity, with earnestness; for it is just this which at the present time can satisfy man's deepest needs. It must meet those qualms of conscience which easily arise when the heart says ‘no’ to the head—as it always does when the spiritual is not sought, or when knowledge is only sought from pure egoism, greed, ambition, etc. For this reason it is necessary to allow no compromise in any quarter. Spiritual Science must be followed positively for its own sake; no compromise can be made with half and half incomplete things; it is too serious a matter. I may perhaps here introduce a few personal remarks, though not intended personally. A great proportion of the opposition to Spiritual Science can only be understood when man has in view its origin and development. Here or there someone appears, for instance, who turns furiously against Spiritual Science. There are other cases, but in many instances opposition arises as in the following concrete case.
[ 24 ] Ich war einmal in Frankfurt am Main, um Vorträge zu halten. Da telephonierte mich jemand an, daß ein Herr mich sprechen wollte. Ich hatte nichts dagegen und sagte, er könne mich dann und dann sprechen. Der Betreffende kam und sagte: « Ach, ich bin Ihnen eigentlich seit langer Zeit immer so nachgereist, um zu sehen, ob ich Sie einmal sprechen könnte.» Ich konnte nichts dagegen haben, aber ich hatte auch nichts dafür. Der Betreffende redete dann so um allerlei herum. Aber man kann schon nicht anders, als Geisteswissenschaft ernst zu nehmen, und wenn man das will, dann muß man manches, was sich aufspielt und als gelehrt erweisen will, abweisen. Man kann nicht mit allem Möglichen Kompromisse schließen. Ich war nicht unhöflich gegen den Mann, aber ich ließ ihn ablaufen, ließ ihn merken, daß ich weiter keine Notiz von ihm nehmen würde. Es war meine tiefste Überzeugung, daß der Mann hohles Zeug herumtredete, aber daß er dabei Anlehnung suchte. Das trat ja wirklich in unzähligen Fällen hervor. — Was ich jetzt sage, spreche ich nicht aus Albernheit, sondern um eben gewisse Vorgänge zu charakterisieren. — Also ich mußte diesen Mann ablaufen lassen. Es war vieles außerordentlich schmeichelhaft, was der Mann sagte, aber es kam nur darauf an, oban seinen «auch» geisteswissenschaftlichen Bestrebungen etwas Wahres sei. Bald darnach traten in der Schweiz Ankündigungen dieses Mannes auf, aus denen hervorging, daß über das «Dämonische», über das «Teuflische» der Steinerschen Geisteswissenschaft in Grund und Boden zu reden wäre. — Ich könnte auch noch eine Nachgeschichte dieser Sache erzählen, aber das will ich schon nicht. Es ist dies aber eine von den Arten, wie da oder dort Gegner auftreten. Es sind sehr häufig Menschen, welche eigentlich irgendwie Zusammenhang gesucht haben, und deren Suchen nach Zusammenhang eben aus bestimmten Gründen ignoriert werden mußte. Vieles mußte ignoriert werden, um die Geisteswissenschaft rein zu erhalten. Das mußte man sich schon auferlegen.
[ 24 ] Once, when I was in Frankfort-on-Main, to give lectures, someone telephoned that a gentleman wished to speak to me. I had no objection, and said that I could see him then and there. He came, and said, ‘I have been travelling about after you for a long time, hoping to speak with you.’ I had nothing either for or against that, and he then talked of all sorts of other things. Spiritual Science, however, can only be taken seriously, and much that ‘shows off’ and wishes to appear clever, must be rejected. No compromise can be made. I was not discourteous to this man, but I sent him away letting him see that I would take no further notice of him. I was convinced that he talked much nonsense, for which he hoped to find support in me. (What I am now relating is for the purpose of describing certain occurrences.) I had to send the man away. He said much that was extremely flattering, but the only question was whether his aspirations for Spiritual Science were at all genuine. Soon after advertisements appeared in Switzerland announcing that this man was to speak of the ‘demoniacal,’ ‘devilish’ character of Steiner's Spiritual Science. I might relate the subsequent history of this matter, but I shall not do so. This is one of the ways that opposition shows itself. Often people come forward who really seek some kind of connection with Spiritual Science and whose quest must be disregarded.
[ 25 ] Nun will ich im Zusammenhang damit etwas anderes erwähnen, Unser sehr verehrter Freund Dr. Rittelmeyer hatte vor kurzem in der Zeitschrift «Die christliche Welt» über das Verhältnis unserer Geisteswissenschaft zur religiösen Frage gesprochen und dabei versucht, manches andere Vorurteil gegen unsere Geisteswissenschaft in einer außerordentlich anerkennenswerten und dankenswerten Weise zurück‚zuweisen. Ich hoffe, daß sich alle von Ihnen mit dem Aufsatze, der von Dr. Rittelmeyer in der «Christlichen Welt» erschienen ist, bekanntmachen werden. Nun aber hat sich Dr. Johannes Müller, der ja vielen bekannt ist, bemüßigt gesehen, eine Reihe von Aufsätzen über drei Nummern in derselben «Christlichen Welt» gegen diese Abhandlung Dr. Rittelmeyers zu schreiben. Es ist wirklich nicht meine Absicht, irgendwie auf das einzugehen, was Dr. Johannes Müller geschrieben hat. Denn seit einer langen Reihe von Jahren, die nach vorne keinen Anfang hat, war es im wesentlichen immer mein Bestreben, über Dr. Johannes Müller nicht zu reden; denn ich habe Gründe, die Geisteswissenschaft von dilettantischen Bestrebungen freizuhalten, sie nicht irgendwie in Kompromisse zu verwickeln. Und ich glaube, daß dies am besten zu erreichen ist, wenn man sich um das nicht kümmert, wenigstens nicht sprechend kümmert, was ja angeblich durch seinen eigenen Wert wirken muß, wenn es wirken kann. Niemals habe ich Dr. Johannes Müller in einem besonderen Zusammenhange erwähnt. Nun besteht ja in unserer Zeit nicht viel Gefühl dafür, was auf diesem Gebiete eigentlich in Wirklichkeit Wahrheit und Unwahrheit ist. Wenn Sie die Johannes Müllerschen Aufsätze jetzt durchgehen, so werden Sie finden, daß sie schon ein gut Stück von dem enthalten, was man durch Leichtsinn bewirkte oder durch sonst etwas bewirkte objektive Unwahrheiten nennen muß. Sie strotzen davon. Solche Dinge muß man nahe ins Auge fassen. Ich hatte in einem Falle eine solche Unwahrheit zu charakterisieren: die Dessoitschen Unwahrheiten in meinen «Seelenrätseln». Ich bin nun sehr gespannt, denn auf das, wie dort dem Professor an der Berliner Universität nachgewiesen ist zu schreiben, müßte eigentlich etwas erfolgen. Man lese nur den Aufsatz, den ich als zweiten in meinem Buche «Von Seelenrätseln» geschrieben habe über die Art, wie Professor Dessoir wirkt. Jeder natürlich, der nach diesem Aufsatze, der jetzt vorliegt, über das Dessoirsche Buch schreibt und diesen Aufsatz nicht berücksichtigt, ist ein Mitschuldiger an diesen Dingen. Aber diese Sachen nimmt man heute nicht so, indem mancher sich heute ausredet: Ich habe es nicht gewußt —, als ob nicht der, welcher etwas behauptet, die Dinge erst richtig ins Auge zu fassen hätte. — Nun, über derlei Kinkerlitzchen, daß meine Plakate «marktschreierisch» und so weiter wären, darüber lasse ich lieber diejenigen urteilen, welche die Johannes Müllerschen Vorträge und Plakate kennen; und daß bei meinen Vorträgen auf die besondere Sensationsbedürftigkeit der Menschen spekuliert werden sollte, darüber lasse ich ebenfalls andere urteilen. Es ist noch nicht lange her, da hat mir ein sehr geschätzter alter Herr, der sich wirklich ein sehr gewissenhaftes Urteil über diese Dinge bilden will, gesagt, er wundere sich eigentlich, daß in meine Vorträge so viele Menschen kämen, denn ich legte es gar nicht darauf an, daß sie leicht wären. Nun kann man sehr leicht beweisen, daß die Johannes Müllerschen Beschuldigungen unwahr sind. Denn auf die bloße Ankündigung hin kommen in einer Stadt, wo die Geisteswissenschaft noch nicht Fuß gefaßt hat, gewöhnlich nicht sehr viele Leute in meine Vorträge; wo aber viele kommen, da kommt das daher, weil an solchem Orte wirklich darum geworben und gearbeitet worden ist. Ich will jedoch nicht weiter darauf eingehen, höchstens noch auf den letzten Abschnitt der Johannes Müllerschen Aussprache hinweisen, die sich darin ergeht, daß ich von dem «Drama Gottes» spreche, der durch den Menschen erlöst werden soll und dergleichen, und wo Johannes Müller anderthalb Spalten dadurch zustande bringt, daß er an einer beliebigen Stelle aus meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» einige Sätze bringt, die er aus ihrem Zusammenhange herausreißt, wie es ihm gerade einfällt. Aber durch das, was er vorher ausgelassen hat, wird alles, was er sagt, zum absolutesten Unsinn. In meinem Buche über das Christentum wird über das «Drama Gottes und seine Verzauberung» das Gegenteil gesagt. Johannes Müller redet sich jedoch damit heraus, daß er aus meinen Schriften nicht hat klar werden können. Das glaube ich ihm ganz bestimmt! Aber ohne auch nur das geringste verstanden zu haben, macht sich Johannes Müller über dieses Buch her. Ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht, daß dieses Buch in dem Mysterium von Golgatha — im Unterschiede von allen übrigen Mysterien — den Hauptnerv sieht. Dafür hat Johannes Müller keine Empfindung. Ich würde also niemals verlangen, daß er mein Buch verstehen sollte, glaube auch nicht, daß er dazu in der Lage wäre, aber er kritisiert es. Und das Merkwürdige ist dies: Im Jahre 1902 ist dieses Buch gedruckt worden; es lag also im Jahre 1906 viex Jahre lang vor. Man wußte, ich habe gerade damals in der damaligen ersten Auflage mein Verhältnis zur Naturwissenschaft auf der einen Seite, zur Philosophie auf der andern Seite auseinandergelegt. Das «Christentum als mystische Tatsache» ist bekanntgeworden. Nun, wenn es Johannes Müller noch nicht bekanntgeworden ist, so ist das seine Sache. Aber ich erwähne, daß es 1906 bekannt war, und daß} es ebenso mit meiner Gesamtweltauffassung verbunden war, wie zum Beispiel meine «Philosophie der Freiheit». Wer sich also im Jahre 1906 über mich eine Meinung bildete, der mußte mich vom Standpunkte meiner ganzen Weltanschauung aus nehmen und konnte im Grunde genommen nicht Halbheiten nehmen. Also 1906 war die Tatsache da, daß das «Christentum» vier Jahre bereits erschienen war. 1906 aber wurde mir das Buch «Die Bergpredigt» von Johannes Müller zugeschickt. Darin stand als Widmung: «Herrn Dr. R. Steiner in angenehmer Erinnerung an die «Philosophie der Freiheit». Mainberg, 17. VIII. 06.» Diese Angelegenheit gehört zu denjenigen, wo ich in die Notwendigkeit versetzt war, zu ignorieren; denn es war nicht möglich, Kompromisse zu schließen nach jenen Richtungen, von denen ich gesprochen habe. Und ich betrachte es als mein gutes Recht, statt jemandem zu sagen: Ich sehe Ihre Dinge als dies und das an —, zu schweigen, wenn er in dieser Weise an mich herantritt. Aber daß man schweigt, ärgert unter Umständen die Leute am allermeisten. Ich sagte, man müsse die Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft in den realen Verhältnissen suchen. Das ist den Leuten oft viel unangenehmer, wenn man die realen Verhältnisse aufdeckt. Ich könnte noch unangenehmere Dinge erzählen. Aber wer jetzt die Aufsätze von Dr. Johannes Müller über unseren Freund Dr. Rittelmeyer liest, der wird vielleicht gut tun, nicht bloß in diesen Dingen die Gegnerschaft zu suchen, sondern in solchen Beiträgen, von denen ich einen kleinen anführte. Man muß überall nachgehen, ob man nicht viel wahrere Gründe als die an der Oberfläche liegenden findet. Es wurmt, wenn jemand «in angenehmer Erinnerung an die «Philosophie der Freiheit»» herankommt und der andere nicht darauf eingeht und keine Antwort gibt.
[ 25 ] In connection with this I may mention that our friend Dr. Rittelmeyer wrote a short time ago in a periodical, an article on the attitude of Spiritual Science to religion, endeavouring to reply to many other prejudices against spiritual science, in a way worthy of appreciation and thanks. Now Dr. Johannes Müller, who is well known, has felt it his duty to write a series of three articles in the same paper against Dr. Rittelmeyer. It is really not my task to go into what Dr. Johannes Müller has written, for it has been my endeavour throughout many years not to talk of him, with the motive of keeping Spiritual Science free from superficial pursuits and any entanglement in compromise. This is best attained by not worrying or at least not troubling to speak about what ostensibly must work by its own merit, if it is to work at all. I have never mentioned Dr. Johannes Müller in any particular connection. In our time there is not much feeling for truth or untruth in these domains. Looking over Johannes Müller's articles, it will be seen that they contain much that is called forth either by carelessness or what might be called objective untruth. They are full of it. These things must be kept well in mind. In the book, Riddles of the Soul, I have described one such case: the false statements of Dessoir. I am now very curious, for something must inevitably follow from what a professor of the Berlin University is proved to have written. Let people but read the second article in Riddles of the Soul upon Professor Dessoir's method of working. Of course anyone who now writes on Dessoir without taking into account the article before us is accessory to these things; but to-day people will not take these things seriously; they excuse themselves by saying ‘I have not read it,’ as if someone who made a statement had not properly given his attention to the matter. Now it can easily be proved that Johannes Müller's accusations are untrue: namely, that my lectures pander to man's love of sensation. In any town where Spiritual Science has as yet no footing, very few people as a rule attend my lectures; where many come, it is because in such places Spiritual Science has been made known and worked for. I will not go further into the matter than to allude to the last part of Johannes Müller's article, which launches forth, saying that I speak of a ‘Divine Drama’ through which man is to be saved, and the like, and where he fills a column and a-half by quoting a few sentences from Christianity as Mystical Fact, which he tears out of their context as they strike him, until through his omissions, what he quotes becomes absolute nonsense. In my book on Christianity I said the very opposite of what he quotes of the ‘Divine Drama’ and its magic. Johannes Müller excuses himself by saying that he was not able to understand my writings. Of that I am confident! Without understanding this book in the very least, he has undertaken to criticise it! I have often called attention to the fact that this book places the Mystery of Golgotha in contradistinction to all other Mysteries, as the central point of Evolution. Of this Johannes Müller has no perception. I should never expect him to understand my book, I do not think he could; yet he criticises it. It is remarkable that this book was published in 1902; so that in 1906 it had been under discussion for four years. It was known that in the first edition I had set forth my relation to Natural Science on the one side and to Philosophy on the other. Christianity as Mystical Fact has since become known. Now if it was not known to Johannes Müller, that is his affair; but I mention that it was known in 1906, and was just as much connected with my general philosophy of life as Philosophy of Spiritual Activity, for instance. Anyone who formed an opinion of me in 1906 ought to do so from the whole aspect of my conception of the universe, and should not really select fragments. In the year 1906, it is a fact that Christianity as Mystical Fact was four years old. In that year, however, Johannes Müller's book on The Sermon of the Mount was sent to me. The dedication of that book is: ‘To Dr. Steiner, in grateful remembrance of Philosophy of Spiritual Activity, Mainberg, 17. viii. 1906.’ This is one of those circumstances which I am compelled to ignore, for it was not possible to compromise in the direction of which I have spoken, and I considered it within my duty when approached in this way, to be silent, instead of saying: ‘I see your meaning on this or that point.’ Sometimes, however, silence annoys people more than anything else. I said that one should look for the opposition to Spiritual Science in its real relations. I could tell of even more annoying things, but anyone who now reads Dr. Johannes Müller's articles against our friend Dr. Rittelmeyer, will perhaps do well not to look for the opposition in these things alone, but in other things too, such as the few just cited. One must seek everywhere for much more sincere reasons than those lying on the surface. It is vexing when one man approaches another with ‘in grateful remembrance of the Philosophy of Spiritual Activity,’ and the other turns away and gives no answer.
[ 26 ] Ich wollte Ihnen diesen kleinen Beitrag vielleicht auch zur Psychologie Johannes Müllers nicht vorenthalten, damit Sie auch dort klarer sehen, als Sie vielleicht bloß durch seine Aufsätze sehen würden.
[ 26 ] I did not wish to keep from you this slight contribution to the psychology of Johannes Müller, so that you might see matters more clearly than through his articles alone.
