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Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181

5 March 1918, Berlin

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Erdensterben und Weltenleben IV

Erdensterben und Weltenleben IV

[ 1 ] In einer der letzten Betrachtungen, die wir hier gepflogen haben, habe ich von dem Verhältnis gesprochen, in welchem die hier im Leibe verkörperten Menschenseelen zu den entkörperten Menschenseelen, zu den sogenannten Toten stehen können, oder eigentlich immer stehen. An diese Betrachtungen möchte ich heute mit einigen andern Bemerkungen anknüpfen.

[ 1 ] In einer der letzten Betrachtungen, die wir hier gepflogen haben, habe ich von dem Verhältnis gesprochen, in welchem die hier im Leibe verkörperten Menschenseelen zu den entkörperten Menschenseelen, zu den sogenannten Toten stehen können, oder eigentlich immer stehen. An diese Betrachtungen möchte ich heute mit einigen andern Bemerkungen anknüpfen.

[ 2 ] Wir wissen aus Verschiedenem, was durch die Geisteswissenschaft an unsere Seelen herangetreten ist, daß der Menschengeist im Laufe der Erdenentwickelung auch seine Entwickelung durchmacht. Wir wissen ferner, daß der Mensch sich nur dadurch selbst erkennen kann, daß er sich in fruchtbarer Weise die Frage vorlegt: Wie verhält sich der Mensch in einer bestimmten Inkarnation, in dieser Inkarnation, in der er eben ist, zu den geistigen Welten, zu den geistigen Reichen? Welche Stufe der Entwickelung der allgemeinen Menschheit ist erreicht, wenn wir selbst in einer bestimmten Inkarnation leben?

[ 2 ] Wir wissen aus Verschiedenem, was durch die Geisteswissenschaft an unsere Seelen herangetreten ist, daß der Menschengeist im Laufe der Erdenentwickelung auch seine Entwickelung durchmacht. Wir wissen ferner, daß der Mensch sich nur dadurch selbst erkennen kann, daß er sich in fruchtbarer Weise die Frage vorlegt: Wie verhält sich der Mensch in einer bestimmten Inkarnation, in dieser Inkarnation, in der er eben ist, zu den geistigen Welten, zu den geistigen Reichen? Welche Stufe der Entwickelung der allgemeinen Menschheit ist erreicht, wenn wir selbst in einer bestimmten Inkarnation leben?

[ 3 ] Wir wissen, wie die mehr ausführliche Betrachtung dieser Gesamtentwickelung der Menschheit uns darüber zur Einsicht kommen läßt, daß in früheren Zeiten, in früheren Epochen der Menschheitsentwickelung ein gewisses, wir haben es atavistisches Hellsehen genannt, über die Menschheit ausgegossen war, daß in früheren Epochen der Menschheitsentwickelung gewissermaßen die Menschenseele näher war den geistigen Welten. Während sie damals den geistigen Welten näher war, war sie ferner ihrer eigenen Freiheit, ihrem eigenen freien Willen, dem sie wiederum näher ist in unserer Zeit, in der sie im allgemeinen mehr abgeschlossen ist von den geistigen Welten. Erkennt man das Wesen des Menschen innerhalb der Gegenwart wirklich, so muß man sagen, im Unbewußten, im eigentlich Geistigen des Menschen besteht natürlich dasselbe Verhältnis zur gesamten geistigen Welt. Aber im Wissen, im Bewußtsein kann heute der Mensch selber dieses Verhältnis sich im allgemeinen nicht in derselben Weise vergegenwärtigen; gewisse Einzelne können es, aber im allgemeinen kann es sich der Mensch nicht so vergegenwärtigen, wie ihm das in früheren Zeitepochen möglich war. Wenn wir nach den Gründen fragen, warum der Mensch heute das Verhältnis seiner Seele zur geistigen Welt, das selbstverständlich in derselben Stärke vorhanden ist wie nur je, wenn auch in anderer Art, sich nicht zum Bewußtsein bringen kann, so rührt das davon her, daß wir bereits die Mitte der Erdenentwickelung überschritten haben, uns gewissermaßen in der absteigenden Entwickelungsströmung des Erdendaseins befinden, daß wir mit unserer physischen Organisation — wenn das auch natürlich für die äußere Anatomie und Physiologie nicht bemerkbar ist — physischer geworden sind, als es früher der Fall war, und daß wir so während der Zeit zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod nicht mehr die Organisation haben, um unseren Zusammenhang mit der geistigen Welt uns voll zum Bewußtsein bringen zu können. Wir erleben heute tatsächlich — dessen müssen wir uns nur ganz klar sein — in den unterbewußten Seelenregionen, und wenn wir noch so materialistisch sind, viel mehr als das ist, wessen wir uns im allgemeinen bewußt werden können.

[ 3 ] Wir wissen, wie die mehr ausführliche Betrachtung dieser Gesamtentwickelung der Menschheit uns darüber zur Einsicht kommen läßt, daß in früheren Zeiten, in früheren Epochen der Menschheitsentwickelung ein gewisses, wir haben es atavistisches Hellsehen genannt, über die Menschheit ausgegossen war, daß in früheren Epochen der Menschheitsentwickelung gewissermaßen die Menschenseele näher war den geistigen Welten. Während sie damals den geistigen Welten näher war, war sie ferner ihrer eigenen Freiheit, ihrem eigenen freien Willen, dem sie wiederum näher ist in unserer Zeit, in der sie im allgemeinen mehr abgeschlossen ist von den geistigen Welten. Erkennt man das Wesen des Menschen innerhalb der Gegenwart wirklich, so muß man sagen, im Unbewußten, im eigentlich Geistigen des Menschen besteht natürlich dasselbe Verhältnis zur gesamten geistigen Welt. Aber im Wissen, im Bewußtsein kann heute der Mensch selber dieses Verhältnis sich im allgemeinen nicht in derselben Weise vergegenwärtigen; gewisse Einzelne können es, aber im allgemeinen kann es sich der Mensch nicht so vergegenwärtigen, wie ihm das in früheren Zeitepochen möglich war. Wenn wir nach den Gründen fragen, warum der Mensch heute das Verhältnis seiner Seele zur geistigen Welt, das selbstverständlich in derselben Stärke vorhanden ist wie nur je, wenn auch in anderer Art, sich nicht zum Bewußtsein bringen kann, so rührt das davon her, daß wir bereits die Mitte der Erdenentwickelung überschritten haben, uns gewissermaßen in der absteigenden Entwickelungsströmung des Erdendaseins befinden, daß wir mit unserer physischen Organisation — wenn das auch natürlich für die äußere Anatomie und Physiologie nicht bemerkbar ist — physischer geworden sind, als es früher der Fall war, und daß wir so während der Zeit zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod nicht mehr die Organisation haben, um unseren Zusammenhang mit der geistigen Welt uns voll zum Bewußtsein bringen zu können. Wir erleben heute tatsächlich — dessen müssen wir uns nur ganz klar sein — in den unterbewußten Seelenregionen, und wenn wir noch so materialistisch sind, viel mehr als das ist, wessen wir uns im allgemeinen bewußt werden können.

[ 4 ] Das geht aber noch weiter. Und da komme ich auf einen sehr wichtigen Punkt in der gegenwärtigen Menschheitsentwickelung. Es geht so weit, daß der Mensch in der Gegenwart im allgemeinen nicht in der Lage ist, alles das wirklich durchzudenken, durchzuempfinden, durchzufühlen, was in ihm eigentlich gedacht, empfunden, gefühlt werden könnte. Der Mensch ist heute zu viel intensiveren Gedanken, zu viel intensiveren Gefühlen und Empfindungen veranlagt, als er sie haben kann durch die, ich möchte sagen, grobe Stofflichkeit seines Organismus. Das hat eine gewisse Folge, die Folge nämlich, daß wir in der gegenwärtigen Zeit der Menschheitsentwickelung nicht in der Lage sind, mit der völligen Ausbildung unserer Anlagen in unserem Erdenleben fertig zu werden. Darauf hat im Grunde genommen wenig Einfluß, ob wir in jungen Jahren sterben oder als alte Leute. Für jung und alt Sterbende gilt es, daß der Mensch heute, vermöge der Grobstofflichkeit seines Organismus, nicht voll ausleben kann, was er ausleben würde, wenn er eben feiner, intimer in bezug auf seinen Leib organisiert wäre. Und so bleibt — ob wit, wie gesagt, jung oder alt durch des Todes Pforte gehen — während unserer Erdenorganisation ein gewisser Rest unverarbeiteter Gedanken, unverarbeiteter Empfindungen und Gefühle, die wir aus dem angegebenen Grunde eben wirklich nicht verarbeiten können. Wir sterben heute alle gewissermaßen so, daß wir Gedanken, Gefühle und Empfindungen unverarbeitet lassen. Diese Gedanken, Gefühle und Empfindungen und immer wieder muß ich betonen, ob wir jung oder alt sterben, es kommt auf dasselbe hinaus — sind unverarbeitet da, und wir haben, wenn wir durch‘die Pforte des Todes gegangen sind, eigentlich alle noch den Drang, weiter im Irdischen zu denken, weiter im Irdischen zu fühlen, weiter im Irdischen zu empfinden.

[ 4 ] Das geht aber noch weiter. Und da komme ich auf einen sehr wichtigen Punkt in der gegenwärtigen Menschheitsentwickelung. Es geht so weit, daß der Mensch in der Gegenwart im allgemeinen nicht in der Lage ist, alles das wirklich durchzudenken, durchzuempfinden, durchzufühlen, was in ihm eigentlich gedacht, empfunden, gefühlt werden könnte. Der Mensch ist heute zu viel intensiveren Gedanken, zu viel intensiveren Gefühlen und Empfindungen veranlagt, als er sie haben kann durch die, ich möchte sagen, grobe Stofflichkeit seines Organismus. Das hat eine gewisse Folge, die Folge nämlich, daß wir in der gegenwärtigen Zeit der Menschheitsentwickelung nicht in der Lage sind, mit der völligen Ausbildung unserer Anlagen in unserem Erdenleben fertig zu werden. Darauf hat im Grunde genommen wenig Einfluß, ob wir in jungen Jahren sterben oder als alte Leute. Für jung und alt Sterbende gilt es, daß der Mensch heute, vermöge der Grobstofflichkeit seines Organismus, nicht voll ausleben kann, was er ausleben würde, wenn er eben feiner, intimer in bezug auf seinen Leib organisiert wäre. Und so bleibt — ob wit, wie gesagt, jung oder alt durch des Todes Pforte gehen — während unserer Erdenorganisation ein gewisser Rest unverarbeiteter Gedanken, unverarbeiteter Empfindungen und Gefühle, die wir aus dem angegebenen Grunde eben wirklich nicht verarbeiten können. Wir sterben heute alle gewissermaßen so, daß wir Gedanken, Gefühle und Empfindungen unverarbeitet lassen. Diese Gedanken, Gefühle und Empfindungen und immer wieder muß ich betonen, ob wir jung oder alt sterben, es kommt auf dasselbe hinaus — sind unverarbeitet da, und wir haben, wenn wir durch‘die Pforte des Todes gegangen sind, eigentlich alle noch den Drang, weiter im Irdischen zu denken, weiter im Irdischen zu fühlen, weiter im Irdischen zu empfinden.

[ 5 ] Bedenken wir einmal, was das für eine Tragweite hat. Wir werden nach dem Tode frei, gewisse Gedanken, Gefühle und Empfindungen dann erst auszubilden. Wir würden viel mehr auf der Erde leisten, wenn wir diese Gedanken, Gefühle und Empfindungen während unseres physischen Lebens ganz ausleben könnten. Wir können es nicht. Tatsächlich ist es so, daß jeder Mensch heute nach dem Maße der Anlagen, die in ihm sind, auf der Erde viel mehr leisten könnte, als er tatsächlich leistet. Das war in früheren Epochen der Menschheitsentwickelung nicht so, als die Organismen feiner waren und ein gewisses bewußtes Hineinschauen in die geistige Welt vorhanden war und die Menschen aus dem Geiste heraus wirken konnten. Da leisteten die Menschen in der Regel alles, was sie ihren Anlagen gemäß leisten konnten. Wenn auch der Mensch heute so stolz ist auf seine Anlagen, die Sache verhält sich doch so, wie geschildert.

[ 5 ] Bedenken wir einmal, was das für eine Tragweite hat. Wir werden nach dem Tode frei, gewisse Gedanken, Gefühle und Empfindungen dann erst auszubilden. Wir würden viel mehr auf der Erde leisten, wenn wir diese Gedanken, Gefühle und Empfindungen während unseres physischen Lebens ganz ausleben könnten. Wir können es nicht. Tatsächlich ist es so, daß jeder Mensch heute nach dem Maße der Anlagen, die in ihm sind, auf der Erde viel mehr leisten könnte, als er tatsächlich leistet. Das war in früheren Epochen der Menschheitsentwickelung nicht so, als die Organismen feiner waren und ein gewisses bewußtes Hineinschauen in die geistige Welt vorhanden war und die Menschen aus dem Geiste heraus wirken konnten. Da leisteten die Menschen in der Regel alles, was sie ihren Anlagen gemäß leisten konnten. Wenn auch der Mensch heute so stolz ist auf seine Anlagen, die Sache verhält sich doch so, wie geschildert.

[ 6 ] Indem die Sache so ist, wird man aber auch für die heutige Zeit die Notwendigkeit anerkennen können, daß dasjenige, was die Toten unverarbeitet durch die Pforte des Todes tragen, für das Erdenleben nicht verlorengehe. Das kann nur dann sein, wenn wir in dem öfter erwähnten Sinne die Verbindung mit den Toten nach Anleitung der Geisteswissenschaft wirklich pflegen, wirklich aufrechterhalten, wenn wir uns bemühen, die Verbindung mit den Toten, mit denen wir karmisch verbunden sind, zu einer bewußten, einer voll bewußten zu machen. Dann leiten sich die nicht ausgelebten Gedanken der Toten durch unsere Seele herein in die Welt, und durch dieses Hereinleiten können diese stärkeren Gedanken dann — diese Gedanken, die der Tote haben kann, weil er vom Leibe befreit ist — in unseren Seelen wirken. Unsere eigenen Gedanken können wir auch nicht bis zur vollen Ausbildung bringen, aber diese Gedanken können wirken,

[ 6 ] Indem die Sache so ist, wird man aber auch für die heutige Zeit die Notwendigkeit anerkennen können, daß dasjenige, was die Toten unverarbeitet durch die Pforte des Todes tragen, für das Erdenleben nicht verlorengehe. Das kann nur dann sein, wenn wir in dem öfter erwähnten Sinne die Verbindung mit den Toten nach Anleitung der Geisteswissenschaft wirklich pflegen, wirklich aufrechterhalten, wenn wir uns bemühen, die Verbindung mit den Toten, mit denen wir karmisch verbunden sind, zu einer bewußten, einer voll bewußten zu machen. Dann leiten sich die nicht ausgelebten Gedanken der Toten durch unsere Seele herein in die Welt, und durch dieses Hereinleiten können diese stärkeren Gedanken dann — diese Gedanken, die der Tote haben kann, weil er vom Leibe befreit ist — in unseren Seelen wirken. Unsere eigenen Gedanken können wir auch nicht bis zur vollen Ausbildung bringen, aber diese Gedanken können wirken,

[ 7 ] Wir sehen daraus: Was uns den Materialismus gebracht hat, das sollte uns zu gleicher Zeit darauf aufmerksam machen, wie nötig, wie unbedingt nötig ein Suchen nach einem konkreten, einem wirklichen Verhältnis zu den Geistern der Toten eigentlich für die Gegenwart und die nächste Zukunft ist. Es fragt sich nur: Wie können wir die Gedanken, die Empfindungen und Gefühle, die herein wollen aus dem Reiche, in dem die Toten sind, in unsere Seelen entsprechend hereinbekommen? Auch dazu haben wir schon Gesichtspunkte angegeben, und ich habe bei einer letzten Betrachtung hier gesprochen von den wichtigen Momenten, die der’ Mensch wohl beachten sollte: von dem Moment des Einschlafens und dem Moment des Aufwachens. Ich will heute einiges noch genauer charakterisieren, das damit im Zusammenhang steht.

[ 7 ] Wir sehen daraus: Was uns den Materialismus gebracht hat, das sollte uns zu gleicher Zeit darauf aufmerksam machen, wie nötig, wie unbedingt nötig ein Suchen nach einem konkreten, einem wirklichen Verhältnis zu den Geistern der Toten eigentlich für die Gegenwart und die nächste Zukunft ist. Es fragt sich nur: Wie können wir die Gedanken, die Empfindungen und Gefühle, die herein wollen aus dem Reiche, in dem die Toten sind, in unsere Seelen entsprechend hereinbekommen? Auch dazu haben wir schon Gesichtspunkte angegeben, und ich habe bei einer letzten Betrachtung hier gesprochen von den wichtigen Momenten, die der’ Mensch wohl beachten sollte: von dem Moment des Einschlafens und dem Moment des Aufwachens. Ich will heute einiges noch genauer charakterisieren, das damit im Zusammenhang steht.

[ 8 ] In diese Welt, in der wir mit unserem gewöhnlichen Wachleben sind, die wir von außen wahrnehmen und in der wir handeln durch unseren Willen, der auf unseren Trieben beruht, in diese Welt kann der Tote nicht unmittelbar herein. Aus dieser Welt ist er, indem er durch die Pforte des Todes gegangen ist, entrückt. Aber wir können dennoch eine Welt gemeinsam mit den Toten haben, wenn wir, angespornt durch die Geisteswissenschaft, den Versuch machen — der ja in unserer heutigen materialistischen Zeit allerdings ein schwieriger Versuch ist —, sowohl die innere Welt unseres Denkens, wie auch die Welt unseres Lebens etwas in Zucht zu nehmen und sie nicht, wie wir es gewohnt sind, frei laufen zu lassen. Wir können gewisse Fähigkeiten ausbilden, die uns einen gemeinsamen Boden mit den Geistern, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, zuweisen. Es sind natürlich gerade in der Gegenwart außerordentlich viele Hindernisse im allgemeinen Leben vorhanden, um diesen gemeinsamen Boden zu finden. Das erste Hindernis ist das, was ich vielleicht noch weniger berührt habe. Aber was darüber zu sagen ist, geht aus andern Betrachtungen, die ebenfalls ‚hier gepflogen worden sind, auch schon hervor, Das erste Hindernis ist, daß wir im allgemeinen in unserem Leben mit unseren Gedanken zu verschwenderisch sind. Wir sind alle heute, in unserer Gegenwart, verschwenderisch in bezug auf unser Gedankenleben, ich könnte auch sagen: Wir sind ausschweifend in bezug auf das Gedankenleben. — Was ist damit eigentlich gemeint?

[ 8 ] In diese Welt, in der wir mit unserem gewöhnlichen Wachleben sind, die wir von außen wahrnehmen und in der wir handeln durch unseren Willen, der auf unseren Trieben beruht, in diese Welt kann der Tote nicht unmittelbar herein. Aus dieser Welt ist er, indem er durch die Pforte des Todes gegangen ist, entrückt. Aber wir können dennoch eine Welt gemeinsam mit den Toten haben, wenn wir, angespornt durch die Geisteswissenschaft, den Versuch machen — der ja in unserer heutigen materialistischen Zeit allerdings ein schwieriger Versuch ist —, sowohl die innere Welt unseres Denkens, wie auch die Welt unseres Lebens etwas in Zucht zu nehmen und sie nicht, wie wir es gewohnt sind, frei laufen zu lassen. Wir können gewisse Fähigkeiten ausbilden, die uns einen gemeinsamen Boden mit den Geistern, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, zuweisen. Es sind natürlich gerade in der Gegenwart außerordentlich viele Hindernisse im allgemeinen Leben vorhanden, um diesen gemeinsamen Boden zu finden. Das erste Hindernis ist das, was ich vielleicht noch weniger berührt habe. Aber was darüber zu sagen ist, geht aus andern Betrachtungen, die ebenfalls ‚hier gepflogen worden sind, auch schon hervor, Das erste Hindernis ist, daß wir im allgemeinen in unserem Leben mit unseren Gedanken zu verschwenderisch sind. Wir sind alle heute, in unserer Gegenwart, verschwenderisch in bezug auf unser Gedankenleben, ich könnte auch sagen: Wir sind ausschweifend in bezug auf das Gedankenleben. — Was ist damit eigentlich gemeint?

[ 9 ] Der heutige Mensch lebt fast ganz unter dem Eindrucke des Sprichwortes: Gedanken sind zollfrei. Das heißt, man soll eigentlich fast alles durch die Gedanken schießen lassen, was durch die Gedanken schießen will. Bedenken Sie nur einmal, daß doch das Sprechen ein Abbild unseres Gedankenlebens ist, und bedenken Sie, auf welches Gedankenleben das Sprechen der meisten Menschen heute schließen läßt, wenn sie so schnattern, von Thema zu Thema wandern, die Gedanken nur so schießen lassen, wie sie gerade kommen, das heißt: Verschwendung treiben mit der Kraft, die uns zum Denken verliehen ist! Und wir treiben fortwährend Verschwendung, wir sind ganz ausschweifend in unserem Gedankenleben. Wir gestatten uns ganz beliebige Gedanken. Wir wollen etwas, was uns gerade einfällt, oder unterlassen es auch, indem wir einen andern Gedanken einschieben. Kurz, wir sind abgeneigt, unsere Gedanken in gewisser Beziehung unter Kontrolle zu nehmen. Wie unangenehm ist es zum Beispiel manchmal: Jemand fängt etwas zu reden an; man hört ihm eine, zwei Minuten zu; da ist er aber bei einem ganz andern Thema. Nun hat man aber das Bedürfnis, über das, womit man angefangen hat zu reden, sich weiter zu unterhalten. Das kann wichtig sein. Man muß dann aufmerksam machen: Wovon haben wir eigentlich angefangen zu reden? — Dergleichen passiert heute alle Augenblicke, so daß man, wenn wirklich Ernst in das Leben gebracht werden soll, an das begonnene Gespräch erinnern muß. Dieses Verschwenden der Gedankenkraft, dieses Ausschweifen der Gedankenkraft verhindert, daß aus der Tiefe unseres Seelenlebens diejenigen Gedanken zu uns heraufkommen, die nicht die unsrigen sind, sondern die wir mit dem Geistigen, mit dem allgemein waltenden Geist gemein haben. Dieses Drängen in beliebiger Weise von Gedanke zu Gedanke läßt uns nicht dazu kommen, im Wachzustande zu warten, bis aus den Tiefen unseres Seelenlebens die Gedanken heraufkommen, läßt uns nicht auf Eingebungen warten, wenn ich mich so ausdrücken darf. Das aber ist etwas, was — und zwar besonders in unserem Zeitalter, aus den angedeuteten Gründen — geradezu gepflegt werden sollte, so gepflegt werden sollte, daß man wirklich in der Seele die Stimmung ausbildet, welche darin besteht: wachend warten zu können, bis sich Gedanken gewissermaßen aus dem tiefen Untergrunde der Seele heraufheben, die sich deutlich ankündigen als das, was uns gegeben ist, was wir nicht gemacht haben.

[ 9 ] Der heutige Mensch lebt fast ganz unter dem Eindrucke des Sprichwortes: Gedanken sind zollfrei. Das heißt, man soll eigentlich fast alles durch die Gedanken schießen lassen, was durch die Gedanken schießen will. Bedenken Sie nur einmal, daß doch das Sprechen ein Abbild unseres Gedankenlebens ist, und bedenken Sie, auf welches Gedankenleben das Sprechen der meisten Menschen heute schließen läßt, wenn sie so schnattern, von Thema zu Thema wandern, die Gedanken nur so schießen lassen, wie sie gerade kommen, das heißt: Verschwendung treiben mit der Kraft, die uns zum Denken verliehen ist! Und wir treiben fortwährend Verschwendung, wir sind ganz ausschweifend in unserem Gedankenleben. Wir gestatten uns ganz beliebige Gedanken. Wir wollen etwas, was uns gerade einfällt, oder unterlassen es auch, indem wir einen andern Gedanken einschieben. Kurz, wir sind abgeneigt, unsere Gedanken in gewisser Beziehung unter Kontrolle zu nehmen. Wie unangenehm ist es zum Beispiel manchmal: Jemand fängt etwas zu reden an; man hört ihm eine, zwei Minuten zu; da ist er aber bei einem ganz andern Thema. Nun hat man aber das Bedürfnis, über das, womit man angefangen hat zu reden, sich weiter zu unterhalten. Das kann wichtig sein. Man muß dann aufmerksam machen: Wovon haben wir eigentlich angefangen zu reden? — Dergleichen passiert heute alle Augenblicke, so daß man, wenn wirklich Ernst in das Leben gebracht werden soll, an das begonnene Gespräch erinnern muß. Dieses Verschwenden der Gedankenkraft, dieses Ausschweifen der Gedankenkraft verhindert, daß aus der Tiefe unseres Seelenlebens diejenigen Gedanken zu uns heraufkommen, die nicht die unsrigen sind, sondern die wir mit dem Geistigen, mit dem allgemein waltenden Geist gemein haben. Dieses Drängen in beliebiger Weise von Gedanke zu Gedanke läßt uns nicht dazu kommen, im Wachzustande zu warten, bis aus den Tiefen unseres Seelenlebens die Gedanken heraufkommen, läßt uns nicht auf Eingebungen warten, wenn ich mich so ausdrücken darf. Das aber ist etwas, was — und zwar besonders in unserem Zeitalter, aus den angedeuteten Gründen — geradezu gepflegt werden sollte, so gepflegt werden sollte, daß man wirklich in der Seele die Stimmung ausbildet, welche darin besteht: wachend warten zu können, bis sich Gedanken gewissermaßen aus dem tiefen Untergrunde der Seele heraufheben, die sich deutlich ankündigen als das, was uns gegeben ist, was wir nicht gemacht haben.

[ 10 ] Man soll nicht glauben, daß das Ausbilden einer solchen Stimmung in raschem Fluge vor sich gehen könnte. Das kann es nicht. So etwas muß gepflegt werden. Aber wenn es gepflegt wird, wenn wir uns wirklich bemühen, einfach wach zu sein, und nicht, wenn wir die unwillkürlichen Gedanken ausschließen, gleich einzuschlafen, sondern einfach wach zu sein und auf das zu warten, was man eingegeben bekommt, dann bildet sich nach und nach diese Stimmung aus. Dann bildet sich in uns die Möglichkeit aus, Gedanken in unsere Seele hereinzubekommen, die aus der Tiefe der Seele kommen und dadurch aus der Welt kommen, die weiter ist als unsere Egoität. Wenn wir so etwas wirklich ausbilden, werden wir schon wahrnehmen, daß in der Welt nicht bloß das vorhanden ist, was wir mit Augen sehen, mit Ohren hören, mit den äußeren Sinnen wahrnehmen, und wie unser Verstand diese Wahrnehmungen kombiniert, sondern daß ein objektives Gedankenweben in der Welt vorhanden ist. Dies haben heute noch die wenigsten Menschen als ihre ureigene Erfahrung. Dieses Erlebnis von dem allgemeinen Gedankenweben, in dem die Seele eigentlich drinnen ist, ist noch nicht irgendein bedeutsameres, okkulteres Erlebnis; es ist etwas, was jeder Mensch haben kann, wenn er die angedeutete Stimmung in sich ausbildet. Er kann dann das Erlebnis haben, daß er sich sagt: Im alltäglichen Leben stehe ich in der Welt, die ich durch meine Sinne wahrnehme und mit dem Verstande mir zusammenkombiniert habe. Dann aber komme ich in die Lage, wie wenn ich, am Ufer stehend, eintauche in das Meer und da webe in dem wellenden Wasser. So kann ich, am Ufer des sinnlichen Daseins stehend, eintauchen in das webende Meer der Gedanken; da bin ich dann wirklich wie in einem webenden Meer drinnen. — Man kann dann das Gefühl haben, daß man ein Leben ahnt wenigstens, das stärker, intensiver ist als das bloße Traumleben, das aber doch zwischen sich und der äußeren sinnlichen Wirklichkeit eine solche Grenze hat, wie es das Traumleben für die sinnliche Wirklichkeit hat.

[ 10 ] Man soll nicht glauben, daß das Ausbilden einer solchen Stimmung in raschem Fluge vor sich gehen könnte. Das kann es nicht. So etwas muß gepflegt werden. Aber wenn es gepflegt wird, wenn wir uns wirklich bemühen, einfach wach zu sein, und nicht, wenn wir die unwillkürlichen Gedanken ausschließen, gleich einzuschlafen, sondern einfach wach zu sein und auf das zu warten, was man eingegeben bekommt, dann bildet sich nach und nach diese Stimmung aus. Dann bildet sich in uns die Möglichkeit aus, Gedanken in unsere Seele hereinzubekommen, die aus der Tiefe der Seele kommen und dadurch aus der Welt kommen, die weiter ist als unsere Egoität. Wenn wir so etwas wirklich ausbilden, werden wir schon wahrnehmen, daß in der Welt nicht bloß das vorhanden ist, was wir mit Augen sehen, mit Ohren hören, mit den äußeren Sinnen wahrnehmen, und wie unser Verstand diese Wahrnehmungen kombiniert, sondern daß ein objektives Gedankenweben in der Welt vorhanden ist. Dies haben heute noch die wenigsten Menschen als ihre ureigene Erfahrung. Dieses Erlebnis von dem allgemeinen Gedankenweben, in dem die Seele eigentlich drinnen ist, ist noch nicht irgendein bedeutsameres, okkulteres Erlebnis; es ist etwas, was jeder Mensch haben kann, wenn er die angedeutete Stimmung in sich ausbildet. Er kann dann das Erlebnis haben, daß er sich sagt: Im alltäglichen Leben stehe ich in der Welt, die ich durch meine Sinne wahrnehme und mit dem Verstande mir zusammenkombiniert habe. Dann aber komme ich in die Lage, wie wenn ich, am Ufer stehend, eintauche in das Meer und da webe in dem wellenden Wasser. So kann ich, am Ufer des sinnlichen Daseins stehend, eintauchen in das webende Meer der Gedanken; da bin ich dann wirklich wie in einem webenden Meer drinnen. — Man kann dann das Gefühl haben, daß man ein Leben ahnt wenigstens, das stärker, intensiver ist als das bloße Traumleben, das aber doch zwischen sich und der äußeren sinnlichen Wirklichkeit eine solche Grenze hat, wie es das Traumleben für die sinnliche Wirklichkeit hat.

[ 11 ] Man kann, wenn man will, von solchen Erlebnissen als von Träumen sprechen. Es ist kein Träumen! Denn die Welt, in die man da eintaucht, diese Welt der wogenden Gedanken, die nicht unsere Gedanken sind, sondern die Gedanken, in die man untergetaucht ist, das ist die Welt, aus der unsere physisch-sinnliche Welt aufsteigt, gewissermaßen verdichtet aufsteigt. Unsere physisch-sinnliche Welt ist so wie die Eisblöcke, die Eisklöße im Wasser: das Wasser ist da, die Eisklöße verhärten sich, schwimmen darin. Wie das Eis aus dem Stoffe des Wassers besteht, nur zu anderem Aggregatzustande gefügt ist, so erhebt sich unsere physisch-sinnliche Welt aus diesem wogenden, wellenden Gedankenmeer. Das ist der wirkliche Ursprung. Die Physik spricht nur von ihrem « Äther», von den wirbelnden Atomen, weil sie nicht weiß, welches die wirkliche Urstofflichkeit ist. Shakespeare war dieser wirklichen Utstofflichkeit näher, da er eine seiner Personen sagen ließ: Die Welt der Wirklichkeit ist aus Träumen gewoben. — Die Menschen geben sich in bezug auf solche Dinge nur allzu gern Täuschungen hin. Sie möchten eine grobklotzige atomistische Welt hinter der physischen Wirklichkeit finden. Aber wenn man überhaupt von einem solchen «hinter der physischen Wirklichkeit» sprechen will, so muß man von dem objektiven Gedankenweben, von der objektiven Gedankenwelt sprechen. Dazu kommt man aber nur, wenn man die Ausschweifung, die Verschwendung in bezug auf die Gedanken einstellt und jene Stimmung entwickelt, die dann kommt, wenn man warten kann auf das, was man populär als Eingebung bezeichnet.

[ 11 ] Man kann, wenn man will, von solchen Erlebnissen als von Träumen sprechen. Es ist kein Träumen! Denn die Welt, in die man da eintaucht, diese Welt der wogenden Gedanken, die nicht unsere Gedanken sind, sondern die Gedanken, in die man untergetaucht ist, das ist die Welt, aus der unsere physisch-sinnliche Welt aufsteigt, gewissermaßen verdichtet aufsteigt. Unsere physisch-sinnliche Welt ist so wie die Eisblöcke, die Eisklöße im Wasser: das Wasser ist da, die Eisklöße verhärten sich, schwimmen darin. Wie das Eis aus dem Stoffe des Wassers besteht, nur zu anderem Aggregatzustande gefügt ist, so erhebt sich unsere physisch-sinnliche Welt aus diesem wogenden, wellenden Gedankenmeer. Das ist der wirkliche Ursprung. Die Physik spricht nur von ihrem « Äther», von den wirbelnden Atomen, weil sie nicht weiß, welches die wirkliche Urstofflichkeit ist. Shakespeare war dieser wirklichen Utstofflichkeit näher, da er eine seiner Personen sagen ließ: Die Welt der Wirklichkeit ist aus Träumen gewoben. — Die Menschen geben sich in bezug auf solche Dinge nur allzu gern Täuschungen hin. Sie möchten eine grobklotzige atomistische Welt hinter der physischen Wirklichkeit finden. Aber wenn man überhaupt von einem solchen «hinter der physischen Wirklichkeit» sprechen will, so muß man von dem objektiven Gedankenweben, von der objektiven Gedankenwelt sprechen. Dazu kommt man aber nur, wenn man die Ausschweifung, die Verschwendung in bezug auf die Gedanken einstellt und jene Stimmung entwickelt, die dann kommt, wenn man warten kann auf das, was man populär als Eingebung bezeichnet.

[ 12 ] Für die, welche sich etwas mit Geisteswissenschaft beschäftigen, ist es nicht so schwierig, diese hier gekennzeichnete Stimmung zu entwickeln. Denn die Art des Denkens, die man entfalten muß, wenn man anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft treibt, leitet die Seele an, eine solche Stimmung zu entwickeln. Und wenn man ernst diese Geisteswissenschaft treibt, dann kommt man zu dem Bedürfnis, solch intimes Gedankenweben in sich zu entwickeln. Dieses Gedankenweben aber bietet uns die gemeinsame Sphäre, in der wir auf der einen Seite, die sogenannten Toten-auf der andern Seite sind. Das ist der gemeinsame Boden, wo man sich mit den Toten treffen kann. In die Welt, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen und mit unserem Verstande kombinieren, kommen die 'Toten nicht herein; aber sie kommen herein in die Welt, die ich eben charakterisiert habe.

[ 12 ] Für die, welche sich etwas mit Geisteswissenschaft beschäftigen, ist es nicht so schwierig, diese hier gekennzeichnete Stimmung zu entwickeln. Denn die Art des Denkens, die man entfalten muß, wenn man anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft treibt, leitet die Seele an, eine solche Stimmung zu entwickeln. Und wenn man ernst diese Geisteswissenschaft treibt, dann kommt man zu dem Bedürfnis, solch intimes Gedankenweben in sich zu entwickeln. Dieses Gedankenweben aber bietet uns die gemeinsame Sphäre, in der wir auf der einen Seite, die sogenannten Toten-auf der andern Seite sind. Das ist der gemeinsame Boden, wo man sich mit den Toten treffen kann. In die Welt, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen und mit unserem Verstande kombinieren, kommen die 'Toten nicht herein; aber sie kommen herein in die Welt, die ich eben charakterisiert habe.

[ 13 ] Ein zweites ist gegeben in dem, was ich im vorigen Jahre einmal besprochen habe: in dem Beobachten feiner, intimer Lebenszusammenhänge. Sie erinnern sich, um anzudeuten, was ich eigentlich damit meine, habe ich auf ein Beispiel hingewiesen, das man in der psychologischen Literatur finden kann. Schubert macht auch darauf aufmerksam; es ist noch aus der älteren Literatur, aber man kann solche Beispiele immer wieder und wieder im Leben finden. — Ein Mensch ist gewohnt, täglich einen bestimmten Spaziergang zu machen. Als er ihn eines Tages auch wieder macht, hat er, indem er an einem bestimmten Punkt seines Weges ankommt, die Empfindung, er müsse stehenbleiben, zur Seite treten, und es kommt ihm der Gedanke, ob es eigentlich recht ist, die Zeit mit diesem Spaziergange zu verbringen. In diesem Augenblick fällt auf den Weg ein Stein, der sich vom Felsen abgespalten hat und der ihn ganz sicher getroffen hätte, wenn er nicht durch seine Gedanken veranlaßt worden wäre, einen Schritt zur Seite zu treten.

[ 13 ] Ein zweites ist gegeben in dem, was ich im vorigen Jahre einmal besprochen habe: in dem Beobachten feiner, intimer Lebenszusammenhänge. Sie erinnern sich, um anzudeuten, was ich eigentlich damit meine, habe ich auf ein Beispiel hingewiesen, das man in der psychologischen Literatur finden kann. Schubert macht auch darauf aufmerksam; es ist noch aus der älteren Literatur, aber man kann solche Beispiele immer wieder und wieder im Leben finden. — Ein Mensch ist gewohnt, täglich einen bestimmten Spaziergang zu machen. Als er ihn eines Tages auch wieder macht, hat er, indem er an einem bestimmten Punkt seines Weges ankommt, die Empfindung, er müsse stehenbleiben, zur Seite treten, und es kommt ihm der Gedanke, ob es eigentlich recht ist, die Zeit mit diesem Spaziergange zu verbringen. In diesem Augenblick fällt auf den Weg ein Stein, der sich vom Felsen abgespalten hat und der ihn ganz sicher getroffen hätte, wenn er nicht durch seine Gedanken veranlaßt worden wäre, einen Schritt zur Seite zu treten.

[ 14 ] Es ist dies ein grobes Erlebnis, auf das jeder aufmerksam wird, dem dergleichen im Leben passiert. Aber solche Erlebnisse, wenn sie auch feiner geschürzt sind, drängen sich täglich in unser ganz gewöhnliches Leben herein. Wir beachten sie in der Regel nicht. Wir rechnen nur mit dem im Leben, was geschieht, nicht aber mit dem, was hätte geschehen können und dadurch nicht geschehen ist, daß irgend etwas eingetreten ist, was uns von diesem oder jenem abgehalten hat. Wir rechnen mit dem, was passiert ist, wenn wir zu Hause eine Viertelstunde aufgehalten worden sind und einen Gang nun eine Viertelstunde später machen, als beabsichtigt. Oft und oft würde sehr Merkwürdiges herauskommen, wenn wir darüber nachdenken wollten, was denn eigentlich alles anders geworden wäre, wenn wir nun nicht aufgehalten worden wären und eine Viertelstunde früher von Hause weggegangen wären.

[ 14 ] Es ist dies ein grobes Erlebnis, auf das jeder aufmerksam wird, dem dergleichen im Leben passiert. Aber solche Erlebnisse, wenn sie auch feiner geschürzt sind, drängen sich täglich in unser ganz gewöhnliches Leben herein. Wir beachten sie in der Regel nicht. Wir rechnen nur mit dem im Leben, was geschieht, nicht aber mit dem, was hätte geschehen können und dadurch nicht geschehen ist, daß irgend etwas eingetreten ist, was uns von diesem oder jenem abgehalten hat. Wir rechnen mit dem, was passiert ist, wenn wir zu Hause eine Viertelstunde aufgehalten worden sind und einen Gang nun eine Viertelstunde später machen, als beabsichtigt. Oft und oft würde sehr Merkwürdiges herauskommen, wenn wir darüber nachdenken wollten, was denn eigentlich alles anders geworden wäre, wenn wir nun nicht aufgehalten worden wären und eine Viertelstunde früher von Hause weggegangen wären.

[ 15 ] Versuchen Sie einmal, systematisch so etwas wirklich in Ihrem Leben zu beobachten, was alles anders geworden wäre, wenn nicht im letzten Augenblicke, als Sie haben weggehen wollen, jemand gekommen wäre, auf den Sie vielleicht sehr böse waren, der Sie einige Minuten aufgehalten hat. Fortwährend drängt sich alles, was hätte anders sein können, nach seiner Veranlagung, in das menschliche Leben herein. Wir suchen einen kausalen Zusammenhang zwischen dem, was im Leben wirklich passiert. Wir denken nicht daran, mit derjenigen Subtilität durch das Leben zu gehen, die in der Annahme eines Abbrechens von veranlagten Geschehensketten liegen würde, so daß, ich möchte sagen, fortwährend über unser Leben eine Atmosphäre von Möglichkeiten ausgegossen ist.

[ 15 ] Versuchen Sie einmal, systematisch so etwas wirklich in Ihrem Leben zu beobachten, was alles anders geworden wäre, wenn nicht im letzten Augenblicke, als Sie haben weggehen wollen, jemand gekommen wäre, auf den Sie vielleicht sehr böse waren, der Sie einige Minuten aufgehalten hat. Fortwährend drängt sich alles, was hätte anders sein können, nach seiner Veranlagung, in das menschliche Leben herein. Wir suchen einen kausalen Zusammenhang zwischen dem, was im Leben wirklich passiert. Wir denken nicht daran, mit derjenigen Subtilität durch das Leben zu gehen, die in der Annahme eines Abbrechens von veranlagten Geschehensketten liegen würde, so daß, ich möchte sagen, fortwährend über unser Leben eine Atmosphäre von Möglichkeiten ausgegossen ist.

[ 16 ] Wenn wir dies mitbeachten, dann haben wir eigentlich immer das Gefühl, wenn wir um zwölf Uhr Mittags etwas tun, nachdem wir Morgens einmal zehn Minuten aufgehalten worden sind: Es steht das, was wir um zwölf Uhr Mittags tun, oftmals — es kann ja auch anders sein — nicht nur unter dem Einfluß der vorhergehenden Ereignisse, sondern auch unter dem Einfluß des Unzähligen, was nicht geschehen ist, wovon wir abgehalten worden sind. Dadurch daß wir das Mögliche, nicht nur das äußerlich-sinnlich Wirkliche, mit unserem Leben in Zusammenhang denken, werden wir zu der Ahnung getrieben, wie wir eigentlich im Leben so drinnenstehen, daß das Aufsuchen von Zusammenhängen des Folgenden mit dem Vorhergehenden eine recht einseitige Art ist, das Leben anzusehen. Wenn wir uns wirklich solche Frage stellen, dann wird wiederum etwas in unserem Geist angeregt, was sonst unangeregt bliebe. Wir kommen dazu, gleichsam zwischen den Zeilen des Lebens zu beobachten; wir kommen dazu, das Leben in seiner Vieldeutigkeit kennenzulernen. Wir kommen schon dann dazu, gewissermaßen uns in der Umgebung drinnen zu sehen, wie sie uns formt, wie sie uns Stück für Stück im Leben vorwärtsbringt. Das beachten wir ja für gewöhnlich viel zu wenig. Wir beachten meistens nur, welche inneren Triebkräfte uns von Stufe zu Stufe leiten. Nehmen Sie irgendein einfaches, gewöhnliches Beispiel, an dem Sie ersehen können, wie Sie das Äußere nur in sehr fragmentarischer Weise mit Ihrem Inneren in Zusammenhang, in ein Verhältnis bringen.

[ 16 ] Wenn wir dies mitbeachten, dann haben wir eigentlich immer das Gefühl, wenn wir um zwölf Uhr Mittags etwas tun, nachdem wir Morgens einmal zehn Minuten aufgehalten worden sind: Es steht das, was wir um zwölf Uhr Mittags tun, oftmals — es kann ja auch anders sein — nicht nur unter dem Einfluß der vorhergehenden Ereignisse, sondern auch unter dem Einfluß des Unzähligen, was nicht geschehen ist, wovon wir abgehalten worden sind. Dadurch daß wir das Mögliche, nicht nur das äußerlich-sinnlich Wirkliche, mit unserem Leben in Zusammenhang denken, werden wir zu der Ahnung getrieben, wie wir eigentlich im Leben so drinnenstehen, daß das Aufsuchen von Zusammenhängen des Folgenden mit dem Vorhergehenden eine recht einseitige Art ist, das Leben anzusehen. Wenn wir uns wirklich solche Frage stellen, dann wird wiederum etwas in unserem Geist angeregt, was sonst unangeregt bliebe. Wir kommen dazu, gleichsam zwischen den Zeilen des Lebens zu beobachten; wir kommen dazu, das Leben in seiner Vieldeutigkeit kennenzulernen. Wir kommen schon dann dazu, gewissermaßen uns in der Umgebung drinnen zu sehen, wie sie uns formt, wie sie uns Stück für Stück im Leben vorwärtsbringt. Das beachten wir ja für gewöhnlich viel zu wenig. Wir beachten meistens nur, welche inneren Triebkräfte uns von Stufe zu Stufe leiten. Nehmen Sie irgendein einfaches, gewöhnliches Beispiel, an dem Sie ersehen können, wie Sie das Äußere nur in sehr fragmentarischer Weise mit Ihrem Inneren in Zusammenhang, in ein Verhältnis bringen.

[ 17 ] Versuchen Sie einmal den Blick zu werfen auf die Art, wie Sie Ihr Aufstehen am Morgen vorzustellen gewohnt sind. Sie werden zumeist, wenn Sie sich das klarzumachen versuchen, eine sehr eindeutige Idee davon bekommen: die Idee, wie Sie getrieben werden, aufzustehen, aber vielleicht auch noch dies sich recht nebulos vorstellen. Aber versuchen Sie nur einmal, ein paar Tage lang über den Gedanken nachzudenken, der Sie eigentlich jeweils aus dem Bette treibt; versuchen Sie sich völlig klarzumachen, welcher einzelne Gedanke Sie konkret aus dem Bette treibt, also sich klarzumachen: Gestern bist du deshalb aufgestanden, weil du gehört hast, daß im Nebenzimmer der Kaffee bereitet worden ist; das hat dich aufmerksam gemacht, das hat bewirkt, daß du dich gedrängt fühltest, aufzustehen; heute passierte dir etwas anderes. Ich meine, machen Sie sich konkret klar, nicht was Sie aus dem Bette getrieben hat, sondern was das treibende Außen war. Der Mensch vergißt gewöhnlich, sich in der Außenwelt zu suchen, daher findet er so wenig sich in der Außenwelt. Wer nur ein wenig auf so etwas achtet, der wird wieder leicht jene Stimmung entwickeln, vor der die Menschen heute geradezu eine heilige, nein, eine «unheilige» Scheu haben, jene Stimmung, die darin besteht, daß man wenigstens einen Untergedanken bei dem ganzen Leben hat, den man eigentlich im gewöhnlichen Leben nicht hat. Es bringt sich zum Beispiel der Mensch in ein Zimmer hinein, er bringt sich an irgendeinen Ort, aber er denkt wenig daran: Wie verändert sich der Ort, wenn er hineintritt? — Andere Menschen haben zuweilen davon eine Anschauung, aber selbst diese Anschauung von außen ist heute nicht sehr verbreitet. Ich weiß nicht, wie viele Menschen eine Empfindung dafür haben: Wenn eine Gesellschaft in einem Raume ist, dann ist der eine Mensch oftmals doppelt so stark da wie der andere; der eine ist stark da, der andere schwach. — Das ist etwas, was von den Imponderabilien abhängt. Sie können leicht die Erfahrung machen: Ein Mensch ist in einer Gesellschaft, er huscht hinein, er huscht wieder hinaus, und man hat das Gefühl, als ob es ein Engel gewesen ist, der herein- und heraushuschte. Mancher dagegen ist so stark da, daß er nicht nur mit seinen beiden sichtbaren Beinen da ist, sondern mit allerlei unsichtbaren Beinen — wenn man so sagen darf — auch da ist. Die andern beachten es in der Regel sehr wenig, obwohl es für sie sehr wahrnehmbar sein kann, aber der Mensch selber beachtet es von sich aus schon gar nicht. Der Mensch hat gewöhnlich nicht jenen — Unterton, den man haben kann von der Veränderung, die man durch seine Anwesenheit in der Umgebung hervorruft; man bleibt bei sich, man fragt nicht bei der Umgebung an, was man da für eine Veränderung hervorbringt. Aber die Ahnung, das Echo seines Daseins in der Umgebung wahrzunehmen, kann man sich anerziehen. Und denken Sie nur, wie das äußere Leben an Intimität gewinnen würde, wenn so etwas systematischer anerzogen würde, wenn die Menschen nicht bloß die Orte mit ihrer Anwesenheit bevölkern würden, sondern ein Gefühl dafür haben würden, was das ausmacht, daß sie an einem Orte sind, sich dort geltend machen, daß sie eine Veränderung dadurch hervorrufen, daß sie an diesem Orte sind.

[ 17 ] Versuchen Sie einmal den Blick zu werfen auf die Art, wie Sie Ihr Aufstehen am Morgen vorzustellen gewohnt sind. Sie werden zumeist, wenn Sie sich das klarzumachen versuchen, eine sehr eindeutige Idee davon bekommen: die Idee, wie Sie getrieben werden, aufzustehen, aber vielleicht auch noch dies sich recht nebulos vorstellen. Aber versuchen Sie nur einmal, ein paar Tage lang über den Gedanken nachzudenken, der Sie eigentlich jeweils aus dem Bette treibt; versuchen Sie sich völlig klarzumachen, welcher einzelne Gedanke Sie konkret aus dem Bette treibt, also sich klarzumachen: Gestern bist du deshalb aufgestanden, weil du gehört hast, daß im Nebenzimmer der Kaffee bereitet worden ist; das hat dich aufmerksam gemacht, das hat bewirkt, daß du dich gedrängt fühltest, aufzustehen; heute passierte dir etwas anderes. Ich meine, machen Sie sich konkret klar, nicht was Sie aus dem Bette getrieben hat, sondern was das treibende Außen war. Der Mensch vergißt gewöhnlich, sich in der Außenwelt zu suchen, daher findet er so wenig sich in der Außenwelt. Wer nur ein wenig auf so etwas achtet, der wird wieder leicht jene Stimmung entwickeln, vor der die Menschen heute geradezu eine heilige, nein, eine «unheilige» Scheu haben, jene Stimmung, die darin besteht, daß man wenigstens einen Untergedanken bei dem ganzen Leben hat, den man eigentlich im gewöhnlichen Leben nicht hat. Es bringt sich zum Beispiel der Mensch in ein Zimmer hinein, er bringt sich an irgendeinen Ort, aber er denkt wenig daran: Wie verändert sich der Ort, wenn er hineintritt? — Andere Menschen haben zuweilen davon eine Anschauung, aber selbst diese Anschauung von außen ist heute nicht sehr verbreitet. Ich weiß nicht, wie viele Menschen eine Empfindung dafür haben: Wenn eine Gesellschaft in einem Raume ist, dann ist der eine Mensch oftmals doppelt so stark da wie der andere; der eine ist stark da, der andere schwach. — Das ist etwas, was von den Imponderabilien abhängt. Sie können leicht die Erfahrung machen: Ein Mensch ist in einer Gesellschaft, er huscht hinein, er huscht wieder hinaus, und man hat das Gefühl, als ob es ein Engel gewesen ist, der herein- und heraushuschte. Mancher dagegen ist so stark da, daß er nicht nur mit seinen beiden sichtbaren Beinen da ist, sondern mit allerlei unsichtbaren Beinen — wenn man so sagen darf — auch da ist. Die andern beachten es in der Regel sehr wenig, obwohl es für sie sehr wahrnehmbar sein kann, aber der Mensch selber beachtet es von sich aus schon gar nicht. Der Mensch hat gewöhnlich nicht jenen — Unterton, den man haben kann von der Veränderung, die man durch seine Anwesenheit in der Umgebung hervorruft; man bleibt bei sich, man fragt nicht bei der Umgebung an, was man da für eine Veränderung hervorbringt. Aber die Ahnung, das Echo seines Daseins in der Umgebung wahrzunehmen, kann man sich anerziehen. Und denken Sie nur, wie das äußere Leben an Intimität gewinnen würde, wenn so etwas systematischer anerzogen würde, wenn die Menschen nicht bloß die Orte mit ihrer Anwesenheit bevölkern würden, sondern ein Gefühl dafür haben würden, was das ausmacht, daß sie an einem Orte sind, sich dort geltend machen, daß sie eine Veränderung dadurch hervorrufen, daß sie an diesem Orte sind.

[ 18 ] Das ist nur ein Beispiel. Solche Beispiele könnte man für alle möglichen Lagen des Lebens anführen. Mit andern Worten, man kann auf ganz gesunde Weise — nicht dadurch, daß man sich fortwährend selber auf die Füße tritt, sondern auf ganz gesunde Weise — das Medium des Lebens verdichten, so daß man fühlt, was man selber für einen Einschnitt im Leben macht. Dadurch lernt man den Anfang desjenigen kennen, was Karmaempfindung, was Schicksalsempfindung ist. Denn wenn man vollständig empfinden würde, was dadurch geschieht, daß man dies oder jenes tut, daß man da oder dort ist, wenn man gewissermaßen immer das Bild vor sich hätte, das man in der Umgebung mit seinem 'Tun, mit seinem Sein hervorbringt, dann hätte man ein deutliches Gefühl seines Karma vor sich, denn Karma ist aus diesem Miterlebten gewoben. |

[ 18 ] Das ist nur ein Beispiel. Solche Beispiele könnte man für alle möglichen Lagen des Lebens anführen. Mit andern Worten, man kann auf ganz gesunde Weise — nicht dadurch, daß man sich fortwährend selber auf die Füße tritt, sondern auf ganz gesunde Weise — das Medium des Lebens verdichten, so daß man fühlt, was man selber für einen Einschnitt im Leben macht. Dadurch lernt man den Anfang desjenigen kennen, was Karmaempfindung, was Schicksalsempfindung ist. Denn wenn man vollständig empfinden würde, was dadurch geschieht, daß man dies oder jenes tut, daß man da oder dort ist, wenn man gewissermaßen immer das Bild vor sich hätte, das man in der Umgebung mit seinem 'Tun, mit seinem Sein hervorbringt, dann hätte man ein deutliches Gefühl seines Karma vor sich, denn Karma ist aus diesem Miterlebten gewoben. |

[ 19 ] Jetzt aber will ich nur darauf hinweisen, wie das Leben durch die Einfügung solcher Intimitäten reicher wird, wenn wir so zwischen den Zeilen des Lebens beobachten, wenn wir so auf das Leben hinzuschauen lernen, daß wir gewissermaßen darauf aufmerksam werden, daß wir da sind, wenn wir mit «Gewissen» da sind. Dann entwickeln wir durch solches Bewußtsein wiederum etwas von der gemeinsamen Sphäre mit den Toten. Und wenn wir in einem solchen Bewußtsein, das zu diesen zwei Säulen hinblicken darf, die ich jetzt charakterisiert habe: gewissenhaftes Verfolgen des Lebens, und Sparsamkeit, nicht Verschwendüngssucht in den Gedanken —, wenn wir eine solche innere Stimmung entwickeln, dann wird es von Erfolg, von dem für die Gegenwart und Zukunft notwendigen Erfolg begleitet sein, wenn wir uns in der geschilderten Weise den Toten nähern. Wenn wir dann Gedanken ausbilden, die wir anknüpfen an, jetzt nicht bloß gedankenmäßiges Zusammensein mit einem Verstorbenen, sondern an gefühlsmäßiges, interessevolles Zusammensein, wenn wir solche Gedanken an Lebenssituationen mit dem Toten weiterspinnen, Gedanken an das, wie wir mit ihm gelebt haben, so daß sich ein Gefühlston zwischen uns abgespielt hat, wenn wir so anknüpfen nicht an gleichgültiges Zusammensein, sondern an Momente, wo uns das interessiert hat, wie er dachte, lebte, handelte, und wo ihn interessiert hat, was wir in ihm anregten, so können wir solche Momente nützen, um gewissermaßen das Gespräch der Gedanken fortzusetzen. Und wenn man dann diesen Gedanken ruhen lassen kann, so daß man übergeht in eine Art Meditation, daß dieser Gedanke gewissermaßen dargebracht wird am Altar des inneren geistigen Lebens, dann kommt der Augenblick, wo wir gewissermaßen von dem Toten Antwort bekommen, wo er sich wieder mit uns verständigen kann. Wir brauchen nur die Brücke herzustellen von dem, was wir an dem Toten entwickeln, zu dem, wodurch er seinerseits wieder herüberkommen kann zu uns. Diesem Herüberkommen wird es aber besonders nützen, wenn wir imstande sind, wirklich in tiefster Seele ein Bild zu entwickeln von der Wesenheit des Toten. Das ist ja etwas, was der heutigen Zeit auch wirklich sehr ferne steht, weil — wie ich schon in früheren Betrachtungen gesagt habe — die Menschen sehr aneinander vorübergehen, oft im vertrautesten Lebenskreise zusammen sind und dann auseinandergehen, ohne daß sie sich kennen. Das Kennenlernen braucht ja nicht darauf zu beruhen, daß man sich analysiert. Wer sich von dem mit ihm Lebenden analysiert weiß, der fühlt sich, wenn er eine feiner veranlagte Seele ist, auch geprügelt. Also darauf kommt es nicht an, daß man sich analysiert. Die beste Kenntnis vom andern erlangt man, wenn das Herz zusammenstimmt; man braucht sich gar nicht irgendwie zu analysieren.

[ 19 ] Jetzt aber will ich nur darauf hinweisen, wie das Leben durch die Einfügung solcher Intimitäten reicher wird, wenn wir so zwischen den Zeilen des Lebens beobachten, wenn wir so auf das Leben hinzuschauen lernen, daß wir gewissermaßen darauf aufmerksam werden, daß wir da sind, wenn wir mit «Gewissen» da sind. Dann entwickeln wir durch solches Bewußtsein wiederum etwas von der gemeinsamen Sphäre mit den Toten. Und wenn wir in einem solchen Bewußtsein, das zu diesen zwei Säulen hinblicken darf, die ich jetzt charakterisiert habe: gewissenhaftes Verfolgen des Lebens, und Sparsamkeit, nicht Verschwendüngssucht in den Gedanken —, wenn wir eine solche innere Stimmung entwickeln, dann wird es von Erfolg, von dem für die Gegenwart und Zukunft notwendigen Erfolg begleitet sein, wenn wir uns in der geschilderten Weise den Toten nähern. Wenn wir dann Gedanken ausbilden, die wir anknüpfen an, jetzt nicht bloß gedankenmäßiges Zusammensein mit einem Verstorbenen, sondern an gefühlsmäßiges, interessevolles Zusammensein, wenn wir solche Gedanken an Lebenssituationen mit dem Toten weiterspinnen, Gedanken an das, wie wir mit ihm gelebt haben, so daß sich ein Gefühlston zwischen uns abgespielt hat, wenn wir so anknüpfen nicht an gleichgültiges Zusammensein, sondern an Momente, wo uns das interessiert hat, wie er dachte, lebte, handelte, und wo ihn interessiert hat, was wir in ihm anregten, so können wir solche Momente nützen, um gewissermaßen das Gespräch der Gedanken fortzusetzen. Und wenn man dann diesen Gedanken ruhen lassen kann, so daß man übergeht in eine Art Meditation, daß dieser Gedanke gewissermaßen dargebracht wird am Altar des inneren geistigen Lebens, dann kommt der Augenblick, wo wir gewissermaßen von dem Toten Antwort bekommen, wo er sich wieder mit uns verständigen kann. Wir brauchen nur die Brücke herzustellen von dem, was wir an dem Toten entwickeln, zu dem, wodurch er seinerseits wieder herüberkommen kann zu uns. Diesem Herüberkommen wird es aber besonders nützen, wenn wir imstande sind, wirklich in tiefster Seele ein Bild zu entwickeln von der Wesenheit des Toten. Das ist ja etwas, was der heutigen Zeit auch wirklich sehr ferne steht, weil — wie ich schon in früheren Betrachtungen gesagt habe — die Menschen sehr aneinander vorübergehen, oft im vertrautesten Lebenskreise zusammen sind und dann auseinandergehen, ohne daß sie sich kennen. Das Kennenlernen braucht ja nicht darauf zu beruhen, daß man sich analysiert. Wer sich von dem mit ihm Lebenden analysiert weiß, der fühlt sich, wenn er eine feiner veranlagte Seele ist, auch geprügelt. Also darauf kommt es nicht an, daß man sich analysiert. Die beste Kenntnis vom andern erlangt man, wenn das Herz zusammenstimmt; man braucht sich gar nicht irgendwie zu analysieren.

[ 20 ] Ich bin davon ausgegangen, daß solche Pflege des Verhältnisses zu den sogenannten Toten in unserer Zeit ganz besonders notwendig ist, gerade weil wir nicht durch Willkür, sondern einfach durch die Evolution der Menschheit im Zeitalter des Materialismus leben, weil wir nicht imstande sind, bevor wir durch die Pforte des Todes gehen, alle unsere Anlagen an Gedanken, Gefühlen und Empfindungen auszubilden, auszugestalten. Weil noch etwas bleibt, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, deshalb ist es notwendig, daß die Lebenden den Verkehr mit den Toten aufrechterhalten, damit das gewöhnliche Leben der Menschen bereichert werde durch diesen Verkehr mit den Toten. Wenn man doch nur den Menschen der Gegenwart dies ans Herz legen könnte, daß das Leben verarmen muß, wenn der Toten vergessen wird! Und richtiges Gedenken der Toten können doch nur diejenigen entwickeln, die irgendwie karmisch mit ihnen verbunden waren.

[ 20 ] Ich bin davon ausgegangen, daß solche Pflege des Verhältnisses zu den sogenannten Toten in unserer Zeit ganz besonders notwendig ist, gerade weil wir nicht durch Willkür, sondern einfach durch die Evolution der Menschheit im Zeitalter des Materialismus leben, weil wir nicht imstande sind, bevor wir durch die Pforte des Todes gehen, alle unsere Anlagen an Gedanken, Gefühlen und Empfindungen auszubilden, auszugestalten. Weil noch etwas bleibt, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, deshalb ist es notwendig, daß die Lebenden den Verkehr mit den Toten aufrechterhalten, damit das gewöhnliche Leben der Menschen bereichert werde durch diesen Verkehr mit den Toten. Wenn man doch nur den Menschen der Gegenwart dies ans Herz legen könnte, daß das Leben verarmen muß, wenn der Toten vergessen wird! Und richtiges Gedenken der Toten können doch nur diejenigen entwickeln, die irgendwie karmisch mit ihnen verbunden waren.

[ 21 ] Wenn wir zu einem unmittelbaren Verkehr mit den Toten hinstreben, der sich so gestaltet wie der Verkehr zu den Lebenden — ich habe auch darüber gesprochen, daß die Dinge gewöhnlich deshalb als besonders schwierig empfunden werden, weil sie nicht bewußt sind; aber nicht alles, was wirklich ist, ist auch bewußt, und nicht alles, was [nicht bJewußt wird, ist deshalb unwirklich —, wenn wir den Verkehr mit den Toten in dieser Weise pflegen, dann ist er vorhanden, dann wirken die im Leben unausgebildeten Gedanken der Toten in dieses Leben herein. Es ist ja allerdings eine Zumutung an unsere Zeit, was damit gesagt wird. Jedoch sagt man so etwas, wenn man davon überzeugt ist durch die geistigen Tatsachen: daß unser soziales Leben, unser ethisches, unser religiöses Leben unendliche Bereicherung erfahren würden, wenn die Lebenden sich von den Toten beraten ließen. Heute ist man ja schon abgeneigt, zum Beraten den Menschen bis in ein gewisses Alter kommen zu lassen. Denken Sie nur einmal, daß man es heute für das einzig Richtige betrachtet, daß der Mensch so jung wie möglich in Stadt- und Staatsverrichtungen komme, weil er so jung wie möglich reif zu allem möglichen ist — auch nach seiner Ansicht heute. In Zeitaltern, in denen man bessere Kenntnis hatte von dem Wesen des Menschen, wartete man, bis die Menschen ein gewisses Alter hatten, um in diesem oder jenem Rate zu sein. Nun sollen gar die Menschen warten, bis die andern gestorben sind, um sich dann von ihnen beraten zu lassen! Dennoch müßte gerade unsere Zeit auf den Rat der Toten hinhorchen wollen. Heil wird erst entstehen können, wenn man in der angedeuteten Weise wird auf den Rat der Toten hinhorchen wollen. |

[ 21 ] Wenn wir zu einem unmittelbaren Verkehr mit den Toten hinstreben, der sich so gestaltet wie der Verkehr zu den Lebenden — ich habe auch darüber gesprochen, daß die Dinge gewöhnlich deshalb als besonders schwierig empfunden werden, weil sie nicht bewußt sind; aber nicht alles, was wirklich ist, ist auch bewußt, und nicht alles, was [nicht bJewußt wird, ist deshalb unwirklich —, wenn wir den Verkehr mit den Toten in dieser Weise pflegen, dann ist er vorhanden, dann wirken die im Leben unausgebildeten Gedanken der Toten in dieses Leben herein. Es ist ja allerdings eine Zumutung an unsere Zeit, was damit gesagt wird. Jedoch sagt man so etwas, wenn man davon überzeugt ist durch die geistigen Tatsachen: daß unser soziales Leben, unser ethisches, unser religiöses Leben unendliche Bereicherung erfahren würden, wenn die Lebenden sich von den Toten beraten ließen. Heute ist man ja schon abgeneigt, zum Beraten den Menschen bis in ein gewisses Alter kommen zu lassen. Denken Sie nur einmal, daß man es heute für das einzig Richtige betrachtet, daß der Mensch so jung wie möglich in Stadt- und Staatsverrichtungen komme, weil er so jung wie möglich reif zu allem möglichen ist — auch nach seiner Ansicht heute. In Zeitaltern, in denen man bessere Kenntnis hatte von dem Wesen des Menschen, wartete man, bis die Menschen ein gewisses Alter hatten, um in diesem oder jenem Rate zu sein. Nun sollen gar die Menschen warten, bis die andern gestorben sind, um sich dann von ihnen beraten zu lassen! Dennoch müßte gerade unsere Zeit auf den Rat der Toten hinhorchen wollen. Heil wird erst entstehen können, wenn man in der angedeuteten Weise wird auf den Rat der Toten hinhorchen wollen. |

[ 22 ] Geisteswissenschaft mutet schon einmal dem Menschen Energisches zu. Das muß verstanden werden, muß begriffen werden. Geisteswissenschaft verlangt nach einer gewissen Richtung hin, daß der Mensch wirklich nach Konsequenz und Klarheit trachtet. Und wir stehen heute vor der Notwendigkeit, nach Klarheit zu suchen innerhalb unserer katastrophalen Ereignisse, da dieses Suchen nach Klarheit das Allerwichtigste ist. Mehr als man glaubt, hängen solcheDinge, wie sie heute wieder besprochen worden sind, mit den großen Anforderungen unserer Zeit zusammen. Ich habe schon auch in diesem Winter hier darauf hingewiesen, wie ich versuchte, viele Jahre bevor diese Weltkatastrophe hereinbrach, in meinen Vortragszyklen über die europäischen Völkerseelen auf manches hinzudeuten, was im allgemeinen Menschheitszusammenhange heute zu finden ist. Wenn Sie jenen Zyklus über «Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhange mit der germanisch-nordischen Mythologie», den ich einmal in Kristiania gehalten habe, zur Hand nehmen, werden Sie ein gewisses Verständnis gewinnen können für das, was sich in den heutigen Ereignissen abspielt. Es ist nicht zu spät, und es wird sich manches abspielen, wofür Sie auch noch Verständnis aus diesem Zyklus, selbst noch für die nächsten Jahre, werden gewinnen können.

[ 22 ] Geisteswissenschaft mutet schon einmal dem Menschen Energisches zu. Das muß verstanden werden, muß begriffen werden. Geisteswissenschaft verlangt nach einer gewissen Richtung hin, daß der Mensch wirklich nach Konsequenz und Klarheit trachtet. Und wir stehen heute vor der Notwendigkeit, nach Klarheit zu suchen innerhalb unserer katastrophalen Ereignisse, da dieses Suchen nach Klarheit das Allerwichtigste ist. Mehr als man glaubt, hängen solcheDinge, wie sie heute wieder besprochen worden sind, mit den großen Anforderungen unserer Zeit zusammen. Ich habe schon auch in diesem Winter hier darauf hingewiesen, wie ich versuchte, viele Jahre bevor diese Weltkatastrophe hereinbrach, in meinen Vortragszyklen über die europäischen Völkerseelen auf manches hinzudeuten, was im allgemeinen Menschheitszusammenhange heute zu finden ist. Wenn Sie jenen Zyklus über «Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhange mit der germanisch-nordischen Mythologie», den ich einmal in Kristiania gehalten habe, zur Hand nehmen, werden Sie ein gewisses Verständnis gewinnen können für das, was sich in den heutigen Ereignissen abspielt. Es ist nicht zu spät, und es wird sich manches abspielen, wofür Sie auch noch Verständnis aus diesem Zyklus, selbst noch für die nächsten Jahre, werden gewinnen können.

[ 23 ] So wie die Menschen auf der Erde heute zueinander stehen, sind ihre Verhältnisse nur für den wirklich durchdringbar, der die geistigen Impulse zu schauen vermag. Und die Zeit rückt immer mehr und mehr heran, wo es ein wenig nötig werden wird, daß die Menschen sich die Frage vorlegen: Wie verhält sich zum Beispiel das Empfinden ° und das Denken des Ostens zum Denken und Empfinden Europas, namentlich Mitteleuropas? Und wie verhält sich dieses wieder zum Denken des Westens, zum Denken Amerikas? Diese Frage sollte in allen möglichen Varianten vor die Menschenseele treten. Man sollte sich schon jetzt ein wenig fragen: Wie sieht der Orientale heute Europa an? Der Orientale, der auf Europa viel schaut, hat von ihm heute die Empfindung, daß das europäische Kulturleben sich in eine Sackgasse hineinführt, sich zu einem Abgrund geführt hat. Der Orientale hat heute das Gefühl, daß er nicht verlieren darf, was er aus seinen alten Zeiten sich an Spiritualität heraufgebracht hat, wenn er das übernimmt, was Europa ihm geben kann. Der Orientale verachtet nicht die europäischen Maschinen zum Beispiel, aber er sagt sich heute es sind dies eigene Worte eines berühmten Orientalen, was ich hiermit ausspreche: Wir wollen schon annehmen, was die Europäer an Maschinen und Werkzeugen geformt haben, aber wir wollen es in den Schuppen stellen, nicht in die Tempel und nicht in die heimatlichen Wohnungen, wie es die Europäer tun! — Der Orientale sagt, der Europäer hätte die Möglichkeit verloren, den Geist in der Natur zu schauen, die Schönheit in der Natur zu schauen. Indem der Orientale auf das schaut, was er allein sehen kann, wie der Europäer nur bei äußerlich Mechanischem, bei dem äußerlich Sinnlichen im Handeln und in der Betrachtung stehenbleiben will — denn das kann er ja nur sehen —, da glaubt der Orientale, daß er berufen sei, die alte Geistigkeit wieder aufzuwecken, die alte Geistigkeit der Erdenmenschheit zu retten. Der Orientale, der in konkreter Art von geistigen Wesenheiten spricht — Rabindranath Tagore hat es zum Beispiel vor kurzem getan —, sagt: Die Europäer haben in ihre Kultur diejenigen Impulse einbezogen, die nur dadurch einbezogen werden können, daß sie vor ihren Kulturwagen den Satan gespannt haben; sie benutzen die Kraft des Satans, um vorwärtszukommen. Der Orientale ist dazu berufen — meint Rabindranath Tagore —, diesen Satan wieder auszuschalten und "Spiritualität über Europa zu bringen.

[ 23 ] So wie die Menschen auf der Erde heute zueinander stehen, sind ihre Verhältnisse nur für den wirklich durchdringbar, der die geistigen Impulse zu schauen vermag. Und die Zeit rückt immer mehr und mehr heran, wo es ein wenig nötig werden wird, daß die Menschen sich die Frage vorlegen: Wie verhält sich zum Beispiel das Empfinden ° und das Denken des Ostens zum Denken und Empfinden Europas, namentlich Mitteleuropas? Und wie verhält sich dieses wieder zum Denken des Westens, zum Denken Amerikas? Diese Frage sollte in allen möglichen Varianten vor die Menschenseele treten. Man sollte sich schon jetzt ein wenig fragen: Wie sieht der Orientale heute Europa an? Der Orientale, der auf Europa viel schaut, hat von ihm heute die Empfindung, daß das europäische Kulturleben sich in eine Sackgasse hineinführt, sich zu einem Abgrund geführt hat. Der Orientale hat heute das Gefühl, daß er nicht verlieren darf, was er aus seinen alten Zeiten sich an Spiritualität heraufgebracht hat, wenn er das übernimmt, was Europa ihm geben kann. Der Orientale verachtet nicht die europäischen Maschinen zum Beispiel, aber er sagt sich heute es sind dies eigene Worte eines berühmten Orientalen, was ich hiermit ausspreche: Wir wollen schon annehmen, was die Europäer an Maschinen und Werkzeugen geformt haben, aber wir wollen es in den Schuppen stellen, nicht in die Tempel und nicht in die heimatlichen Wohnungen, wie es die Europäer tun! — Der Orientale sagt, der Europäer hätte die Möglichkeit verloren, den Geist in der Natur zu schauen, die Schönheit in der Natur zu schauen. Indem der Orientale auf das schaut, was er allein sehen kann, wie der Europäer nur bei äußerlich Mechanischem, bei dem äußerlich Sinnlichen im Handeln und in der Betrachtung stehenbleiben will — denn das kann er ja nur sehen —, da glaubt der Orientale, daß er berufen sei, die alte Geistigkeit wieder aufzuwecken, die alte Geistigkeit der Erdenmenschheit zu retten. Der Orientale, der in konkreter Art von geistigen Wesenheiten spricht — Rabindranath Tagore hat es zum Beispiel vor kurzem getan —, sagt: Die Europäer haben in ihre Kultur diejenigen Impulse einbezogen, die nur dadurch einbezogen werden können, daß sie vor ihren Kulturwagen den Satan gespannt haben; sie benutzen die Kraft des Satans, um vorwärtszukommen. Der Orientale ist dazu berufen — meint Rabindranath Tagore —, diesen Satan wieder auszuschalten und "Spiritualität über Europa zu bringen.

[ 24 ] Da liegt schon ein Phänomen vor, an dem leider heute zu stark vorübergegangen wird. Wir haben mancherlei erlebt — darüber will ich nächstens reden —, aber wir haben zum Beispiel innerhalb unserer Entwickelung vieles außer acht gelassen, was wir in diese Entwickelung hereingebracht hätten, wenn wir zum Beispiel spirituelle Substanz, wie sie von Goethe kommt — ich will nur diesen einen Namen nennen —, wirklich lebendig in unserer Kulturentwickelung hätten. Nun kann jemand sagen: Der Orientale kann heute nach Europa schauen und kann dann wissen: in diesem europäischen Leben lebt Goethe. — Er kann es wissen. Sieht er es? Man kann sagen, die Deutschen haben ja zum Beispiel eine Gesellschaft gegründet, die «GoetheGesellschaft», ich meine nicht den «Goethe-Verein». Und nehmen wir an, der Orientale wollte sie kennenlernen — die große Frage des Orients und des Okzidents ist schon ins Rollen gekommen, sie hängt doch zuletzt von geistigen Impulsen ab —, er wollte sich über die Goethe-Gesellschaft unterrichten und die Realität ins Auge fassen. Dann würde er sich sagen: Goethe hat so stark gewirkt, daß sich sogar in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts die Möglichkeit geboten hat, in einer seltenen Weise Goethe für die deutsche Kultur fruchtbar zu machen, sozusagen ein günstiger Umstand, wie er sich dadurch geboten hat, daß eine Fürstin mit ihrer ganzen Umgebung sich gefunden hat, wie es die Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar war, die den Nachlaß Goethes in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts hergenommen hat, um diesen Nachlaß zu pflegen, wie noch nie einer gepflegt worden ist. Das ist da. Aber betrachten wir als äußeres Instrument die Goethe-Gesellschaft. Sie ist auch da. Nun war vor einigen Jahren wieder einmal der Posten des Präsidenten dieser Goethe-Gesellschaft vakant. Innerhalb der ganzen Weiten des Geisteslebens fand sich nur ein ehemaliger Finanzminister, den man zum Präsidenten der Goethe-Gesellschaft gemacht hat! Das ist das, was äußerlich gesehen wird. Solche Dinge sind schon wichtiger, als man eigentlich denkt. Was notwendiger wäre, das ist, daß zum Beispiel der für Spiritualität entflammte und für Spiritualität verständige Orientale in die Möglichkeit käme, zu wissen, daß innerhalb der europäischen Kultur so etwas doch auch da ist wie eine anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Doch das kann er ja nicht wissen. Das kann nicht an ihn heran, weil es nicht durch kann durch das, was sonst da ist — natürlich nicht nur in der einen Erscheinung. Es ist nur symptomatisch, was dadurch da ist, daß der Präsident der Goethe-Gesellschaft ein ehemaliger Finanzminister ist und so weiter. Ich brauchte nicht aufzuhören mit solchen Beispielen.

[ 24 ] Da liegt schon ein Phänomen vor, an dem leider heute zu stark vorübergegangen wird. Wir haben mancherlei erlebt — darüber will ich nächstens reden —, aber wir haben zum Beispiel innerhalb unserer Entwickelung vieles außer acht gelassen, was wir in diese Entwickelung hereingebracht hätten, wenn wir zum Beispiel spirituelle Substanz, wie sie von Goethe kommt — ich will nur diesen einen Namen nennen —, wirklich lebendig in unserer Kulturentwickelung hätten. Nun kann jemand sagen: Der Orientale kann heute nach Europa schauen und kann dann wissen: in diesem europäischen Leben lebt Goethe. — Er kann es wissen. Sieht er es? Man kann sagen, die Deutschen haben ja zum Beispiel eine Gesellschaft gegründet, die «GoetheGesellschaft», ich meine nicht den «Goethe-Verein». Und nehmen wir an, der Orientale wollte sie kennenlernen — die große Frage des Orients und des Okzidents ist schon ins Rollen gekommen, sie hängt doch zuletzt von geistigen Impulsen ab —, er wollte sich über die Goethe-Gesellschaft unterrichten und die Realität ins Auge fassen. Dann würde er sich sagen: Goethe hat so stark gewirkt, daß sich sogar in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts die Möglichkeit geboten hat, in einer seltenen Weise Goethe für die deutsche Kultur fruchtbar zu machen, sozusagen ein günstiger Umstand, wie er sich dadurch geboten hat, daß eine Fürstin mit ihrer ganzen Umgebung sich gefunden hat, wie es die Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar war, die den Nachlaß Goethes in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts hergenommen hat, um diesen Nachlaß zu pflegen, wie noch nie einer gepflegt worden ist. Das ist da. Aber betrachten wir als äußeres Instrument die Goethe-Gesellschaft. Sie ist auch da. Nun war vor einigen Jahren wieder einmal der Posten des Präsidenten dieser Goethe-Gesellschaft vakant. Innerhalb der ganzen Weiten des Geisteslebens fand sich nur ein ehemaliger Finanzminister, den man zum Präsidenten der Goethe-Gesellschaft gemacht hat! Das ist das, was äußerlich gesehen wird. Solche Dinge sind schon wichtiger, als man eigentlich denkt. Was notwendiger wäre, das ist, daß zum Beispiel der für Spiritualität entflammte und für Spiritualität verständige Orientale in die Möglichkeit käme, zu wissen, daß innerhalb der europäischen Kultur so etwas doch auch da ist wie eine anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Doch das kann er ja nicht wissen. Das kann nicht an ihn heran, weil es nicht durch kann durch das, was sonst da ist — natürlich nicht nur in der einen Erscheinung. Es ist nur symptomatisch, was dadurch da ist, daß der Präsident der Goethe-Gesellschaft ein ehemaliger Finanzminister ist und so weiter. Ich brauchte nicht aufzuhören mit solchen Beispielen.

[ 25 ] Das ist nun, ich möchte sagen, eine dritte Forderung: durchgreifendes, mit der Wirklichkeit verbundenes Denken, ein Denken, mit dem man nicht stehenbleibt bei Unklarheiten, bei unklaren Lebenskompromissen. Bei meiner letzten Reise hat mir jemand über ein Faktum, das mir bereits schon gut bekannt war, etwas in die Hand gedrückt. Ich will Ihnen von der Sache nur den einen kurzen Auszug hier geben: «Wer jemals die Bänke eines Gymnasiums gedrückt hat, dem werden die Stunden unvergeßlich sein, da er im Plato die Gespräche zwischen Sokrates und seinen Freunden «genoß» — unvergeßlich wegen der fabelhaften Langenweile, die diesen Gesprächen entströmt. Und man erinnert sich vielleicht, daß man die Gespräche des Sokrates eigentlich herzhaft dumm fand; aber man wagte natürlich nicht, diese Ansicht zu äußern, denn schließlich war der Mann, um den es sich handelte, ja Sokrates, der «griechische Philosoph». Mit dieser ganz ungerechtfertigten Überschätzung des braven Atheners räumt das Buch «Sokrates — der Idiot» von Alexander Moszkowski (Verlag Dr. Eysler & Co., Berlin) gehörig auf. Der Polyhistoriker Moszkowski unternimmt in dem kleinen, unterhaltend geschriebenen Werk nichts Geringeres, als Sokrates seiner Philosophenwürde so ziemlich vollständig zu entkleiden. Der Titel «Sokrates — der Idiot» ist wörtlich gemeint. Man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß sich an das Buch noch wissenschaftliche Auseinandersetzungen knüpfen werden.»

[ 25 ] Das ist nun, ich möchte sagen, eine dritte Forderung: durchgreifendes, mit der Wirklichkeit verbundenes Denken, ein Denken, mit dem man nicht stehenbleibt bei Unklarheiten, bei unklaren Lebenskompromissen. Bei meiner letzten Reise hat mir jemand über ein Faktum, das mir bereits schon gut bekannt war, etwas in die Hand gedrückt. Ich will Ihnen von der Sache nur den einen kurzen Auszug hier geben: «Wer jemals die Bänke eines Gymnasiums gedrückt hat, dem werden die Stunden unvergeßlich sein, da er im Plato die Gespräche zwischen Sokrates und seinen Freunden «genoß» — unvergeßlich wegen der fabelhaften Langenweile, die diesen Gesprächen entströmt. Und man erinnert sich vielleicht, daß man die Gespräche des Sokrates eigentlich herzhaft dumm fand; aber man wagte natürlich nicht, diese Ansicht zu äußern, denn schließlich war der Mann, um den es sich handelte, ja Sokrates, der «griechische Philosoph». Mit dieser ganz ungerechtfertigten Überschätzung des braven Atheners räumt das Buch «Sokrates — der Idiot» von Alexander Moszkowski (Verlag Dr. Eysler & Co., Berlin) gehörig auf. Der Polyhistoriker Moszkowski unternimmt in dem kleinen, unterhaltend geschriebenen Werk nichts Geringeres, als Sokrates seiner Philosophenwürde so ziemlich vollständig zu entkleiden. Der Titel «Sokrates — der Idiot» ist wörtlich gemeint. Man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß sich an das Buch noch wissenschaftliche Auseinandersetzungen knüpfen werden.»

[ 26 ] Das nächste, wozu der Mensch mit seinem Empfinden kommt, wenn er von so etwas Kenntnis nimmt, das ist, daß er sich sagt: Was ist das für etwas Merkwürdiges, daß jemand kommt wie der Alexander Moszkowski und den Beweis liefern will, daß Sokrates ein Idiot war? Das ist das Nächstliegende, was die Leute empfinden. Aber das ist eine Kompromißempfindung, die nicht herrührt von einem klaren, durchgreifenden Denken, die nicht herrührt von einem Sich-Gegenüberstellen der wahren Wirklichkeit.

[ 26 ] Das nächste, wozu der Mensch mit seinem Empfinden kommt, wenn er von so etwas Kenntnis nimmt, das ist, daß er sich sagt: Was ist das für etwas Merkwürdiges, daß jemand kommt wie der Alexander Moszkowski und den Beweis liefern will, daß Sokrates ein Idiot war? Das ist das Nächstliegende, was die Leute empfinden. Aber das ist eine Kompromißempfindung, die nicht herrührt von einem klaren, durchgreifenden Denken, die nicht herrührt von einem Sich-Gegenüberstellen der wahren Wirklichkeit.

[ 27 ] Damit möchte ich noch ein anderes vergleichen. Es gibt heute schon Bücher, die vom psychiatrischen Standpunkte aus geschrieben sind über das Leben Jesu. Darin wird das, was Jesus alles getan hat, vom Standpunkte der heutigen Psychiatrie aus untersucht und mit allerlei krankhaften Handlungen verglichen, und es wird dann vom modernen Psychiater bewiesen aus den Evangelien, daß Jesus ein krankhafter Mensch, ein Epileptiker gewesen sein muß, daß ja die ganzen Evangelien überhaupt nur vom Paulinischen Standpunkte aus zu verstehen sind und so weiter. Ausführliche Berichte gibt es über diese Sache.

[ 27 ] Damit möchte ich noch ein anderes vergleichen. Es gibt heute schon Bücher, die vom psychiatrischen Standpunkte aus geschrieben sind über das Leben Jesu. Darin wird das, was Jesus alles getan hat, vom Standpunkte der heutigen Psychiatrie aus untersucht und mit allerlei krankhaften Handlungen verglichen, und es wird dann vom modernen Psychiater bewiesen aus den Evangelien, daß Jesus ein krankhafter Mensch, ein Epileptiker gewesen sein muß, daß ja die ganzen Evangelien überhaupt nur vom Paulinischen Standpunkte aus zu verstehen sind und so weiter. Ausführliche Berichte gibt es über diese Sache.

[ 28 ] Es ist wieder sehr einfach, nun leichten Herzens über diese Dinge hinwegzugehen. Aber die Sache liegt etwas tiefer. Stehen Sie vollständig auf dem Standpunkte der heutigen Psychiatrie, geben Sie diesen Standpunkt der heutigen Psychiatrie so, wie er offiziell anerkannt ist, zu, dann müssen Sie, wenn Sie über das Leben Jesu nachdenken, zu demselben Resultat kommen wie die Verfasser dieser Bücher. Sie können nicht anders denken, denn sonst wären Sie unwahr, sonst wären Sie nicht im wahren Sinn des Wortes moderner Psychiater. Und Sie sind nicht im wahren Sinne des Wortes moderner Psychiater im Sinne der Anschauung Alexander Moszkowskis, wenn Sie nicht denken, daß Sokrates ein Idiot war. Und Moszkowski unterscheidet sich von denen, die auch Anhänger dieser Theorien sind und Sokrates für keinen Idioten halten, nur dadurch, daß die letzteren unwahr sind — und er ist wahr; er geht keinen Kompromiß ein. Denn es gibt keine Möglichkeit, wahr zu sein, auf dem Standpunkte der Weltanschauung Alexander Moszkowskis zu stehen und Sokrates nicht als einen Idioten anzuschauen. Will man beides, will man zugleich Anhänger der modernen naturwissenschaftlichen Weltanschauung sein und dennoch Sokrates gelten lassen, ohne ihn als einen Idioten anzuschauen, so ist man unwahr. Ebenso ist man unwahr, wenn man moderner Psychiater ist und das Leben Jesu gelten läßt. Aber der moderne Mensch will nicht bis zu diesem klaren Standpunkt kommen; denn sonst müßte er sich die Frage ganz anders stellen. Sagen müßte er sich dann: Nun wohl, ich betrachte Sokrates nicht als einen Idioten, ich lerne ihn besser kennen, aber das fordert von mir auch die Ablehnung einer Weltanschauung, wie es diejenige des Moszkowski ist; und ich sehe in Jesu den größten Träger von Ideen, der jemals mit dem Erdenleben in Berührung gekommen ist; das aber erfordert, daß ich die moderne Psychiatrie ablehne, sie nicht gelten lassen darf!

[ 28 ] Es ist wieder sehr einfach, nun leichten Herzens über diese Dinge hinwegzugehen. Aber die Sache liegt etwas tiefer. Stehen Sie vollständig auf dem Standpunkte der heutigen Psychiatrie, geben Sie diesen Standpunkt der heutigen Psychiatrie so, wie er offiziell anerkannt ist, zu, dann müssen Sie, wenn Sie über das Leben Jesu nachdenken, zu demselben Resultat kommen wie die Verfasser dieser Bücher. Sie können nicht anders denken, denn sonst wären Sie unwahr, sonst wären Sie nicht im wahren Sinn des Wortes moderner Psychiater. Und Sie sind nicht im wahren Sinne des Wortes moderner Psychiater im Sinne der Anschauung Alexander Moszkowskis, wenn Sie nicht denken, daß Sokrates ein Idiot war. Und Moszkowski unterscheidet sich von denen, die auch Anhänger dieser Theorien sind und Sokrates für keinen Idioten halten, nur dadurch, daß die letzteren unwahr sind — und er ist wahr; er geht keinen Kompromiß ein. Denn es gibt keine Möglichkeit, wahr zu sein, auf dem Standpunkte der Weltanschauung Alexander Moszkowskis zu stehen und Sokrates nicht als einen Idioten anzuschauen. Will man beides, will man zugleich Anhänger der modernen naturwissenschaftlichen Weltanschauung sein und dennoch Sokrates gelten lassen, ohne ihn als einen Idioten anzuschauen, so ist man unwahr. Ebenso ist man unwahr, wenn man moderner Psychiater ist und das Leben Jesu gelten läßt. Aber der moderne Mensch will nicht bis zu diesem klaren Standpunkt kommen; denn sonst müßte er sich die Frage ganz anders stellen. Sagen müßte er sich dann: Nun wohl, ich betrachte Sokrates nicht als einen Idioten, ich lerne ihn besser kennen, aber das fordert von mir auch die Ablehnung einer Weltanschauung, wie es diejenige des Moszkowski ist; und ich sehe in Jesu den größten Träger von Ideen, der jemals mit dem Erdenleben in Berührung gekommen ist; das aber erfordert, daß ich die moderne Psychiatrie ablehne, sie nicht gelten lassen darf!

[ 29 ] Das ist es, worum es sich handelt: wirklichkeitsgemäßes, klares Denken, das nicht die gewöhnlichen faulen Kompromisse schließt, die ja im Leben da sind, die aber aus dem Leben nur entfernt werden können, wenn man sie in Wahrheit erfassen kann. Es ist leicht, zu denken oder entrüstet zu sein, wenn man den Beweis anerkennen soll, daß nach Moszkowski Sokrates ein Idiot ist. Aber richtig ist es, wenn man die Konsequenzen der modernen Weltanschauung zieht, daß sie von ihrem Standpunkte aus in Sokrates einen Idioten sieht. Aber solche Konsequenzen wollen die Leute nicht ziehen: so etwas wie die moderne Weltanschauung ablehnen. Denn sie könnten sonst in eine noch unangenehmere Lage kommen: Man müßte dann Kompromisse machen und sich vielleicht darüber klar sein, daß Sokrates kein Idiot ist; aber wenn man dann vielleicht darauf käme, daß — Moszkowski ein Idiot ist? Er ist ja nun kein mächtiger Mann, aber wenn es nun mächtigere Leute sind, so könnte allerlei und viel Schlimmeres passieren!

[ 29 ] Das ist es, worum es sich handelt: wirklichkeitsgemäßes, klares Denken, das nicht die gewöhnlichen faulen Kompromisse schließt, die ja im Leben da sind, die aber aus dem Leben nur entfernt werden können, wenn man sie in Wahrheit erfassen kann. Es ist leicht, zu denken oder entrüstet zu sein, wenn man den Beweis anerkennen soll, daß nach Moszkowski Sokrates ein Idiot ist. Aber richtig ist es, wenn man die Konsequenzen der modernen Weltanschauung zieht, daß sie von ihrem Standpunkte aus in Sokrates einen Idioten sieht. Aber solche Konsequenzen wollen die Leute nicht ziehen: so etwas wie die moderne Weltanschauung ablehnen. Denn sie könnten sonst in eine noch unangenehmere Lage kommen: Man müßte dann Kompromisse machen und sich vielleicht darüber klar sein, daß Sokrates kein Idiot ist; aber wenn man dann vielleicht darauf käme, daß — Moszkowski ein Idiot ist? Er ist ja nun kein mächtiger Mann, aber wenn es nun mächtigere Leute sind, so könnte allerlei und viel Schlimmeres passieren!

[ 30 ] Ja, um in die geistige Welt einzudringen, ist wirklichkeitsgemäßes ‚Denken nötig. Das erfordert auf der andern Seite, sich klar vor Augen zu stellen, wie die Dinge sind. Gedanken sind Wirklichkeiten, und unwahre Gedanken sind böse, hemmende, zerstörende Wirklichkeiten. Es hilft nichts, wenn man sich einen Nebel darüber breitet, daß man selber unwahr ist, indem man neben der Weltanschauung des Moszkowski auch die Weltanschauung des Sokrates gelten lassen will. Denn das ist ein unwahrer Gedanke, wenn man beides nebeneinander in seiner Seele postiert, wie es der moderne Mensch tut. Wahr wird man nur, wenn man sich vor Augen führt, daß man entweder auf dem Standpunkt des reinen naturwissenschaftlichen Mechanismus steht wie Moszkowski, daß man dann Sokrates als einen Idioten anzuschauen hat; dann ist man wahr. Oder aber man weiß aus anderem, daß Sokrates kein Idiot war; dann hat man nötig, sich darüber Klarheit zu verschaffen, wie stark das andere abgelehnt werden muß. Wahrsein ist ein Ideal, das die Seele des heutigen Menschen vor sich hinstellen sollte. Denn Gedanken sind Wirklichkeiten. Und wahre Gedanken sind heilsame Wirklichkeiten. Und unwahre Gedanken, auch wenn sie noch so sehr mit dem Mantel der Nachsicht gegen das eigene Wesen zugedeckt werden, unwahre Gedanken, im Inneren des Menschen gefaßt, sind Wirklichkeiten, welche die Welt und die Menschheit zurückbringen.

[ 30 ] Ja, um in die geistige Welt einzudringen, ist wirklichkeitsgemäßes ‚Denken nötig. Das erfordert auf der andern Seite, sich klar vor Augen zu stellen, wie die Dinge sind. Gedanken sind Wirklichkeiten, und unwahre Gedanken sind böse, hemmende, zerstörende Wirklichkeiten. Es hilft nichts, wenn man sich einen Nebel darüber breitet, daß man selber unwahr ist, indem man neben der Weltanschauung des Moszkowski auch die Weltanschauung des Sokrates gelten lassen will. Denn das ist ein unwahrer Gedanke, wenn man beides nebeneinander in seiner Seele postiert, wie es der moderne Mensch tut. Wahr wird man nur, wenn man sich vor Augen führt, daß man entweder auf dem Standpunkt des reinen naturwissenschaftlichen Mechanismus steht wie Moszkowski, daß man dann Sokrates als einen Idioten anzuschauen hat; dann ist man wahr. Oder aber man weiß aus anderem, daß Sokrates kein Idiot war; dann hat man nötig, sich darüber Klarheit zu verschaffen, wie stark das andere abgelehnt werden muß. Wahrsein ist ein Ideal, das die Seele des heutigen Menschen vor sich hinstellen sollte. Denn Gedanken sind Wirklichkeiten. Und wahre Gedanken sind heilsame Wirklichkeiten. Und unwahre Gedanken, auch wenn sie noch so sehr mit dem Mantel der Nachsicht gegen das eigene Wesen zugedeckt werden, unwahre Gedanken, im Inneren des Menschen gefaßt, sind Wirklichkeiten, welche die Welt und die Menschheit zurückbringen.