Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181

12 March 1918, Berlin

Translate the original German text into any language:

Erdensterben und Weltenleben V

Erdensterben und Weltenleben V

[ 1 ] Wir haben versucht, gerade mit Beziehung auf die Menschenseelen, die schon durch des Todes Pforte gegangen sind, die Verhältnisse aufzusuchen, die da bestehen zwischen der Welt, in welcher der Mensch lebt zwischen Geburt und Tod, und derjenigen Welt, in der er lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wir wollen diese Verhältnisse von den verschiedensten Gesichtspunkten aus zu betrachten versuchen.

[ 1 ] Wir haben versucht, gerade mit Beziehung auf die Menschenseelen, die schon durch des Todes Pforte gegangen sind, die Verhältnisse aufzusuchen, die da bestehen zwischen der Welt, in welcher der Mensch lebt zwischen Geburt und Tod, und derjenigen Welt, in der er lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wir wollen diese Verhältnisse von den verschiedensten Gesichtspunkten aus zu betrachten versuchen.

[ 2 ] Es wird die Menschheit im Laufe der Zeit, wenn sie — wie sie es notgedrungen wird müssen, um die Menschenaufgabe in den nächsten Zeiten zu erfüllen — sich erkennend an die geistige Welt heranmacht, sich davon überzeugen, daß ein richtiges, erschöpfendes Erkennen der Welt und ihrer Beziehung zu den Menschen weit, weit über dasjenige hinausgeht, was durch die physisch-sinnliche Wissenschaft und den Verstand, an den diese Wissenschaft gebunden ist, sich erforschen läßt. Der Mensch kennt gewissermaßen nur einen sehr kleinen Teil der wirklichen Welt — ich meine: der wirksamen Welt, in der er auch selber wirksam drinnensteht —, wenn er sich nur auf dasjenige bezieht, was durch die Sinne wahrnehmbar ist und durch den an die Sinne gefesselten Verstand festgestellt werden kann. Ich habe im Verlaufe der Vorträge darauf hingedeutet, wie der Mensch gewissermaßen seine Beobachtung verfeinern kann, wie er sie ausdehnen kann auf Verschiedenes, was im Leben vorhanden ist, aber eigentlich aus dem Grunde im Leben nicht beachtet wird, weil man nur das ins Auge faßt, was während des Wachlebens des Menschen vom Morgen bis zum Abend geschieht, und nicht berücksichtigt, was geschehen könnte, wovon wir in gewissem Sinne abgehalten werden, daß es geschehe. Ich habe, um Ihnen von diesen Dingen, die man zunächst mehr erfühlen muß als denken, wenigstens vorläufige Begriffe darüber zu geben, darauf hingewiesen, daß man sich ja nur zu überlegen braucht, wie man zum Beispiel von einem Ausgang abgehalten sein könnte, zu dem man sich für irgendeine Tagesstunde angeschickt hat, indem jemand zu Besuch kommt. Man hat sich vielleicht vorgenommen, um elf Uhr vormittags auszugehen, aber man kann es erst eine halbe Stunde später. Man stelle sich nun vor, wie unter Umständen selbstverständlich unter Umständen — der Tag doch ganz anders verlaufen wäre, wenn man zu der vorgenommenen Zeit ausgegangen wäre, wie einem irgend etwas anderes in dieser halben Stunde, die man versäumt hat, hätte zustoßen können, das einem nun überhaupt entgangen ist und einem gar nicht zugestoßen ist. Man überlege sich, wieviel solcher und ähnlicher Ereignisse im Laufe des Tages den Menschen treffen, und man wird eine Vorstellung davon bekommen, was alles hätte geschehen können. Man wird vergleichen können gefühlsmäßig — diese Vorstellung von dem, was alles hätte geschehen können, mit dem, was dann wirklich vom Morgen bis zum Abend nach dem Zusammenhang von Ursache und Wirkung sich tatsächlich ereignet hat.

[ 2 ] Es wird die Menschheit im Laufe der Zeit, wenn sie — wie sie es notgedrungen wird müssen, um die Menschenaufgabe in den nächsten Zeiten zu erfüllen — sich erkennend an die geistige Welt heranmacht, sich davon überzeugen, daß ein richtiges, erschöpfendes Erkennen der Welt und ihrer Beziehung zu den Menschen weit, weit über dasjenige hinausgeht, was durch die physisch-sinnliche Wissenschaft und den Verstand, an den diese Wissenschaft gebunden ist, sich erforschen läßt. Der Mensch kennt gewissermaßen nur einen sehr kleinen Teil der wirklichen Welt — ich meine: der wirksamen Welt, in der er auch selber wirksam drinnensteht —, wenn er sich nur auf dasjenige bezieht, was durch die Sinne wahrnehmbar ist und durch den an die Sinne gefesselten Verstand festgestellt werden kann. Ich habe im Verlaufe der Vorträge darauf hingedeutet, wie der Mensch gewissermaßen seine Beobachtung verfeinern kann, wie er sie ausdehnen kann auf Verschiedenes, was im Leben vorhanden ist, aber eigentlich aus dem Grunde im Leben nicht beachtet wird, weil man nur das ins Auge faßt, was während des Wachlebens des Menschen vom Morgen bis zum Abend geschieht, und nicht berücksichtigt, was geschehen könnte, wovon wir in gewissem Sinne abgehalten werden, daß es geschehe. Ich habe, um Ihnen von diesen Dingen, die man zunächst mehr erfühlen muß als denken, wenigstens vorläufige Begriffe darüber zu geben, darauf hingewiesen, daß man sich ja nur zu überlegen braucht, wie man zum Beispiel von einem Ausgang abgehalten sein könnte, zu dem man sich für irgendeine Tagesstunde angeschickt hat, indem jemand zu Besuch kommt. Man hat sich vielleicht vorgenommen, um elf Uhr vormittags auszugehen, aber man kann es erst eine halbe Stunde später. Man stelle sich nun vor, wie unter Umständen selbstverständlich unter Umständen — der Tag doch ganz anders verlaufen wäre, wenn man zu der vorgenommenen Zeit ausgegangen wäre, wie einem irgend etwas anderes in dieser halben Stunde, die man versäumt hat, hätte zustoßen können, das einem nun überhaupt entgangen ist und einem gar nicht zugestoßen ist. Man überlege sich, wieviel solcher und ähnlicher Ereignisse im Laufe des Tages den Menschen treffen, und man wird eine Vorstellung davon bekommen, was alles hätte geschehen können. Man wird vergleichen können gefühlsmäßig — diese Vorstellung von dem, was alles hätte geschehen können, mit dem, was dann wirklich vom Morgen bis zum Abend nach dem Zusammenhang von Ursache und Wirkung sich tatsächlich ereignet hat.

[ 3 ] Man wird gut tun, um sich von diesen Dingen eine wirklich deutliche Vorstellung zu machen, sie zu vergleichen mit ähnlichen Dingen in der Natur draußen; denn in der Natur gehen in gewisser Weise Dinge vor, die in ähnlicher Weise beurteilt werden müssen. Ich habe öfter darauf hingewiesen, doch einmal ein Augenmerk darauf zu haben, wie zum Beispiel in der Natur fortwährend Samenkräfte in großer Zahl verlorengehen. Denken Sie nur einmal daran, wie viele von den großen Mengen von Heringseiern im Laufe eines Jahres zu wirklichen Heringen werden, und was davon verloren geht. Dehnen Sie diese Vorstellung aus über das gesamte Leben. Versuchen Sie sich vorzustellen, wieviele für das Leben veranlagte Keime im Weltenlaufe nicht zu ihrer Ausbildung kommen, wieviel im Weltenlaufe stecken bleibt, was nicht zur Ausbildung kommen kann, was nicht im voll entwickelten sprießenden und sprossenden Leben da ist. Aber man glaube gar nicht, daß dies nicht auch zur Wirklichkeit gehöre. Es gehört ebenso zur Wirklichkeit wie das, was zu seiner vollen Ausbildung kommt, es kommt nur nicht bis zu einem gewissen Punkt, es nimmt einen andern Verlauf, gerade wie unsere eigenen Vorgänge des Lebens einen andern Verlauf nehmen, wenn wir, wie ich angedeutet habe, durch irgend etwas aufgehalten werden; das eine sind Lebensvorgänge, das andere sind Naturvorgänge, die gehemmt werden und die sich, indem sie gehemmt werden, in einer andern Weise dann fortsetzen. Solche Dinge kann man noch viel weiter ausdehnen.

[ 3 ] Man wird gut tun, um sich von diesen Dingen eine wirklich deutliche Vorstellung zu machen, sie zu vergleichen mit ähnlichen Dingen in der Natur draußen; denn in der Natur gehen in gewisser Weise Dinge vor, die in ähnlicher Weise beurteilt werden müssen. Ich habe öfter darauf hingewiesen, doch einmal ein Augenmerk darauf zu haben, wie zum Beispiel in der Natur fortwährend Samenkräfte in großer Zahl verlorengehen. Denken Sie nur einmal daran, wie viele von den großen Mengen von Heringseiern im Laufe eines Jahres zu wirklichen Heringen werden, und was davon verloren geht. Dehnen Sie diese Vorstellung aus über das gesamte Leben. Versuchen Sie sich vorzustellen, wieviele für das Leben veranlagte Keime im Weltenlaufe nicht zu ihrer Ausbildung kommen, wieviel im Weltenlaufe stecken bleibt, was nicht zur Ausbildung kommen kann, was nicht im voll entwickelten sprießenden und sprossenden Leben da ist. Aber man glaube gar nicht, daß dies nicht auch zur Wirklichkeit gehöre. Es gehört ebenso zur Wirklichkeit wie das, was zu seiner vollen Ausbildung kommt, es kommt nur nicht bis zu einem gewissen Punkt, es nimmt einen andern Verlauf, gerade wie unsere eigenen Vorgänge des Lebens einen andern Verlauf nehmen, wenn wir, wie ich angedeutet habe, durch irgend etwas aufgehalten werden; das eine sind Lebensvorgänge, das andere sind Naturvorgänge, die gehemmt werden und die sich, indem sie gehemmt werden, in einer andern Weise dann fortsetzen. Solche Dinge kann man noch viel weiter ausdehnen.

[ 4 ] Man frage sich nun, ob nicht sehr ähnlich ist mit diesen beiderlei Beispielen ein anderes, das fragend und rätselhaft sehr in das Menschenleben hereinragt. Wir wissen, daß die normale Lebensdauer eines Menschen siebzig bis neunzig Jahre ist. Wir wissen aber auch, daß die weitaus größte Zahl der Menschen viel früher stirbt, und wir sehen daraus, daß die Vollendung des Lebens nicht erreicht wird. Wie in der Natur die Samenkeime auf einer gewissen Stufe zurückbehalten werden und nicht zur vollen Reife kommen, ebenso kommen die Lebensvorgänge des Menschen nicht zur vollen Reife. Und wiederum sehen wir auch, wie unsere täglichen Handlungen nicht zur vollen Reife kommen, aus den eben angeführten Gründen. Das alles kann " uns darauf aufmerksam machen, daß gewissermaßen zwischen den Zeilen des Lebens eine Menge steckt, das man nicht beachtet, das gewissermaßen statt überzugehen in die Reiche, wo es sinnlich wahrnehmbar werden kann, stecken bleibt in geistigen Bereichen.

[ 4 ] Man frage sich nun, ob nicht sehr ähnlich ist mit diesen beiderlei Beispielen ein anderes, das fragend und rätselhaft sehr in das Menschenleben hereinragt. Wir wissen, daß die normale Lebensdauer eines Menschen siebzig bis neunzig Jahre ist. Wir wissen aber auch, daß die weitaus größte Zahl der Menschen viel früher stirbt, und wir sehen daraus, daß die Vollendung des Lebens nicht erreicht wird. Wie in der Natur die Samenkeime auf einer gewissen Stufe zurückbehalten werden und nicht zur vollen Reife kommen, ebenso kommen die Lebensvorgänge des Menschen nicht zur vollen Reife. Und wiederum sehen wir auch, wie unsere täglichen Handlungen nicht zur vollen Reife kommen, aus den eben angeführten Gründen. Das alles kann " uns darauf aufmerksam machen, daß gewissermaßen zwischen den Zeilen des Lebens eine Menge steckt, das man nicht beachtet, das gewissermaßen statt überzugehen in die Reiche, wo es sinnlich wahrnehmbar werden kann, stecken bleibt in geistigen Bereichen.

[ 5 ] Wenn Sie so etwas nicht bloß als eine Phantasie ansehen, sondern wirklich fruchtbar überlegen, so werden Sie schon den Übergang finden, wenn auch nicht zu einem vollgültigen Beweise, so doch zu einer Vorstellung von etwas sehr Bedeutungsvollem. Wenn wir im gewöhnlichen Leben als Menschen handeln, so gehen wir ja in der Weise vor, daß wir unsere Handlungen, unsere Taten, unsere Willensimpulse überlegen. Wir überlegen, was wir tun sollen, und führen dann aus, was wir überlegt haben. Aber das Leben verläuft nicht nur in dieser Weise, daß wir Handlungen uns vornehmen und sie dann ausführen, sodern es verläuft so, daß sich in das Leben etwas hineinstellt, was uns sehr oft nur wie eine Summe von Zufällen vorkommt, was uns vorkommt wie regellos, eben wie zufällig zusammenhängend, und was wir mit dem Worte «unser Schicksal» bezeichnen. Das Schicksal ist für den materialistisch denkenden Menschen eben das, was sich zusammensetzt aus den Ereignissen, die ihm von Tag zu Tag, wie er sagt, zustoßen. Gewiß, viele Menschen ahnen, daß in diesem Schicksal ein gewisser Plan vorliegt. Aber von dem Fassen des Gedankens an einen solchen Schicksalsplan bis zu dem wirklichen Durchschauen dessen, was da eigentlich vorgeht, kommt es in der Regel nicht, weil man das, was ich jetzt meine, obwohl es etwas sehr Bedeutungsvolles ist, im Leben nicht beachtet. Gegenwärtig kommt ja die sogenannte analytische Psychologie, die Psychoanalyse auf manches, was heute an die Pforten der Menschheit pocht. Die Vertreter dieser analytischen Psychologie gehen nur mit unzulänglichen Erkenntnismitteln an die Dinge heran. — Ich habe öfter im Kreise unserer Freunde auf ein paradoxes Beispiel aufmerksam gemacht, das die Psychoanalytiker jetzt fortwährend anwenden, weil es am Ausgangspunkte der Psychoanalyse die Menschen darauf gestoßen hat, daß es allerlei Geistiges im Leben gibt, von dem sich die gewöhnlichen Menschen keinen Begriff machen. Dieses paradoxe Beispiel wollen wir uns noch einmal vor die Seele führen, wenn es auch einige von Ihnen schon kennen.

[ 5 ] Wenn Sie so etwas nicht bloß als eine Phantasie ansehen, sondern wirklich fruchtbar überlegen, so werden Sie schon den Übergang finden, wenn auch nicht zu einem vollgültigen Beweise, so doch zu einer Vorstellung von etwas sehr Bedeutungsvollem. Wenn wir im gewöhnlichen Leben als Menschen handeln, so gehen wir ja in der Weise vor, daß wir unsere Handlungen, unsere Taten, unsere Willensimpulse überlegen. Wir überlegen, was wir tun sollen, und führen dann aus, was wir überlegt haben. Aber das Leben verläuft nicht nur in dieser Weise, daß wir Handlungen uns vornehmen und sie dann ausführen, sodern es verläuft so, daß sich in das Leben etwas hineinstellt, was uns sehr oft nur wie eine Summe von Zufällen vorkommt, was uns vorkommt wie regellos, eben wie zufällig zusammenhängend, und was wir mit dem Worte «unser Schicksal» bezeichnen. Das Schicksal ist für den materialistisch denkenden Menschen eben das, was sich zusammensetzt aus den Ereignissen, die ihm von Tag zu Tag, wie er sagt, zustoßen. Gewiß, viele Menschen ahnen, daß in diesem Schicksal ein gewisser Plan vorliegt. Aber von dem Fassen des Gedankens an einen solchen Schicksalsplan bis zu dem wirklichen Durchschauen dessen, was da eigentlich vorgeht, kommt es in der Regel nicht, weil man das, was ich jetzt meine, obwohl es etwas sehr Bedeutungsvolles ist, im Leben nicht beachtet. Gegenwärtig kommt ja die sogenannte analytische Psychologie, die Psychoanalyse auf manches, was heute an die Pforten der Menschheit pocht. Die Vertreter dieser analytischen Psychologie gehen nur mit unzulänglichen Erkenntnismitteln an die Dinge heran. — Ich habe öfter im Kreise unserer Freunde auf ein paradoxes Beispiel aufmerksam gemacht, das die Psychoanalytiker jetzt fortwährend anwenden, weil es am Ausgangspunkte der Psychoanalyse die Menschen darauf gestoßen hat, daß es allerlei Geistiges im Leben gibt, von dem sich die gewöhnlichen Menschen keinen Begriff machen. Dieses paradoxe Beispiel wollen wir uns noch einmal vor die Seele führen, wenn es auch einige von Ihnen schon kennen.

[ 6 ] Eine Dame wird eingeladen in eine Abendunterhaltung und nimmt an dieser Abendunterhaltung teil, die aus dem Grunde veranstaltet wird, weil die Frau des Hauses, wo die Gesellschaft stattfindet, an diesem Abend abreisen wird. Sie soll ins Bad fahren, weil sie krank ist. Die Abendgesellschaft geht in tadelloser Weise vor sich. Die Dame des Hauses ist bereits nach ihrem Badeort abgefahren, die Gäste brechen sozusagen mit ihr zu gleicher Zeit auf, gehen fort. Eine Gruppe dieser Gäste befindet sich auf der Straße. Und während sie so weitergehen, kommt um die Ecke herum eine Droschke gefahren. Ich. sage ausdrücklich: eine Droschke, nicht ein Auto. Diese Droschke saust die Straße daher. Eine der Damen sondert sich aus der übrigen Gesellschaft ab. Während die andern Leute der Gesellschaft, die mit ihr zusammen gehen, der Droschke ausweichen, hat sie die besondere Idee, vor den Pferden der Droschke einherzulaufen; sie läuft auf der Straße vor den Pferden weiter fort, hinten die Pferde und sie vorne weg, bis sie den Gedanken bekommt, sie müsse doch irgend etwas tun, um sich aus dieser Situation zu retten. Da kommt sie laufend vor den Pferden der Droschke auf eine Brücke, die über einen Fluß geht, und denkt sich: Wenn sie sich jetzt ins Wasser stürzt, ist sie vor den Pferden sicher. Aber die andern Personen der Gesellschaft, die mit ihr zusammen gingen, sind, wie Sie sich denken können, ihr nachgelaufen und fangen sie noch zuletzt ab. Und die Verhältnisse ergeben es: Sie wird in das Haus zurückgebracht, das sie soeben verlassen hat, und wird dort aufgenommen. Schön, die Dame des Hauses ist fort; sie wird dort aufgenommen und ist nun in der Lage, eine Beziehung zu dem Hausherrn fortzusetzen, die sich einmal bei einem gemeinsamen Aufenthalt mit dem Hausherrn angesponnen hat.

[ 6 ] Eine Dame wird eingeladen in eine Abendunterhaltung und nimmt an dieser Abendunterhaltung teil, die aus dem Grunde veranstaltet wird, weil die Frau des Hauses, wo die Gesellschaft stattfindet, an diesem Abend abreisen wird. Sie soll ins Bad fahren, weil sie krank ist. Die Abendgesellschaft geht in tadelloser Weise vor sich. Die Dame des Hauses ist bereits nach ihrem Badeort abgefahren, die Gäste brechen sozusagen mit ihr zu gleicher Zeit auf, gehen fort. Eine Gruppe dieser Gäste befindet sich auf der Straße. Und während sie so weitergehen, kommt um die Ecke herum eine Droschke gefahren. Ich. sage ausdrücklich: eine Droschke, nicht ein Auto. Diese Droschke saust die Straße daher. Eine der Damen sondert sich aus der übrigen Gesellschaft ab. Während die andern Leute der Gesellschaft, die mit ihr zusammen gehen, der Droschke ausweichen, hat sie die besondere Idee, vor den Pferden der Droschke einherzulaufen; sie läuft auf der Straße vor den Pferden weiter fort, hinten die Pferde und sie vorne weg, bis sie den Gedanken bekommt, sie müsse doch irgend etwas tun, um sich aus dieser Situation zu retten. Da kommt sie laufend vor den Pferden der Droschke auf eine Brücke, die über einen Fluß geht, und denkt sich: Wenn sie sich jetzt ins Wasser stürzt, ist sie vor den Pferden sicher. Aber die andern Personen der Gesellschaft, die mit ihr zusammen gingen, sind, wie Sie sich denken können, ihr nachgelaufen und fangen sie noch zuletzt ab. Und die Verhältnisse ergeben es: Sie wird in das Haus zurückgebracht, das sie soeben verlassen hat, und wird dort aufgenommen. Schön, die Dame des Hauses ist fort; sie wird dort aufgenommen und ist nun in der Lage, eine Beziehung zu dem Hausherrn fortzusetzen, die sich einmal bei einem gemeinsamen Aufenthalt mit dem Hausherrn angesponnen hat.

[ 7 ] Der Psychoanalytiker sucht nun nach verborgenen Seelenprovinzen. Er findet, daß diese Dame einmal, als sie ein Kind war, irgendwelche Erfahrungen mit Pferden gemacht hat, daß diese Erlebnisse nun aus dem Unbewußten heraufkommen und so weiter. Wer aber das Seelenleben des Menschen kennt, wird auf alle diese Firlefanzereien der Psychoanalyse nicht eingehen können; denn wenn solche verborgene Seelenprovinzen und dergleichen auch vorhanden sind — was gar nicht geleugnet werden soll —, so sind sie doch nur die Vorbereiter dessen, worauf es ankommt, und nicht das, worum es sich in Wirklichkeit handelt. Worauf es in Wirklichkeit ankommt, das ist, daß der Mensch — also auch diese Dame, von der jetzt die Rede ist — ein unterbewußtes Bewußtsein hat, das unter Umständen viel schlauer und raffinierter ist als das Oberbewußtsein. Im Oberbewußtsein hat sich jene Dame, wie die meisten von Ihnen denken werden, ziemlich tapsig benommen, aber im Unterbewußtsein dachte Etwas viel schlauer als das, was im Oberbewußtsein gedacht hat. Im Unterbewußtsein dachte Etwas: Heute abend ist die Frau des Hauses abgefahren, ich muß auf irgendeine Weise sehen, wie ich mit dem Manne zusammenkommen kann, ich muß irgend etwas anstellen, muß die nächste Gelegenheit dazu benutzen. Das Unterbewußtsein ist sogar etwas prophetisch, es ahnt voraus, was geschehen wird, wenn man vor Pferden herläuft. Das alles kann in raffiniertester Weise vom Unterbewußtsein veranstaltet werden. Das Oberbewußtsein ist nicht so schlau; das Unterbewußtsein hat aber diese Schlauheit, die sich noch dadurch besonders erhöht, daß eine gewisse prophetische Gabe hinzutritt. Ich erwähne dieses Beispiel aus dem Grunde, weil es nur ein besonderer Fall ist von etwas, was ganz allgemein vorhanden ist. Jeder Mensch trägt in sich etwas, was viel umfassender, auch viel intensiver ist nach den verschiedensten Richtungen hin, als sein gewöhnliches Bewußtsein. Ja, wenn der Mensch alles das wüßte, was er in seinem Unterbewußtsein wirklich weiß: er wäre furchtbar gescheit und raffiniert dazu und würde ungeheuer viel auszudenken verstehen.

[ 7 ] Der Psychoanalytiker sucht nun nach verborgenen Seelenprovinzen. Er findet, daß diese Dame einmal, als sie ein Kind war, irgendwelche Erfahrungen mit Pferden gemacht hat, daß diese Erlebnisse nun aus dem Unbewußten heraufkommen und so weiter. Wer aber das Seelenleben des Menschen kennt, wird auf alle diese Firlefanzereien der Psychoanalyse nicht eingehen können; denn wenn solche verborgene Seelenprovinzen und dergleichen auch vorhanden sind — was gar nicht geleugnet werden soll —, so sind sie doch nur die Vorbereiter dessen, worauf es ankommt, und nicht das, worum es sich in Wirklichkeit handelt. Worauf es in Wirklichkeit ankommt, das ist, daß der Mensch — also auch diese Dame, von der jetzt die Rede ist — ein unterbewußtes Bewußtsein hat, das unter Umständen viel schlauer und raffinierter ist als das Oberbewußtsein. Im Oberbewußtsein hat sich jene Dame, wie die meisten von Ihnen denken werden, ziemlich tapsig benommen, aber im Unterbewußtsein dachte Etwas viel schlauer als das, was im Oberbewußtsein gedacht hat. Im Unterbewußtsein dachte Etwas: Heute abend ist die Frau des Hauses abgefahren, ich muß auf irgendeine Weise sehen, wie ich mit dem Manne zusammenkommen kann, ich muß irgend etwas anstellen, muß die nächste Gelegenheit dazu benutzen. Das Unterbewußtsein ist sogar etwas prophetisch, es ahnt voraus, was geschehen wird, wenn man vor Pferden herläuft. Das alles kann in raffiniertester Weise vom Unterbewußtsein veranstaltet werden. Das Oberbewußtsein ist nicht so schlau; das Unterbewußtsein hat aber diese Schlauheit, die sich noch dadurch besonders erhöht, daß eine gewisse prophetische Gabe hinzutritt. Ich erwähne dieses Beispiel aus dem Grunde, weil es nur ein besonderer Fall ist von etwas, was ganz allgemein vorhanden ist. Jeder Mensch trägt in sich etwas, was viel umfassender, auch viel intensiver ist nach den verschiedensten Richtungen hin, als sein gewöhnliches Bewußtsein. Ja, wenn der Mensch alles das wüßte, was er in seinem Unterbewußtsein wirklich weiß: er wäre furchtbar gescheit und raffiniert dazu und würde ungeheuer viel auszudenken verstehen.

[ 8 ] Man kann nun die Frage aufwerfen: Ist das, was da im Unterbewußtsein des Menschen lebt, nun eigentlich ganz untätig? Für den, der die Welt geistig zu beobachten versteht, ist es nicht ganz untätig. Im Gegenteil, es ist fortwährend tätig, ist wirklich fortwährend tätig. Was bei dieser Dame — und in ähnlichen Fällen kommt die Sache nur in einer abnormen Weise unter dem Einfluß von ganz besonderen Ereignissen, Begierden und Neigungen zum Vorschein —, aber was bei dieser Dame einmal in besonderer Weise zum Vorschein gekommen ist, das ist beim Menschen auf einem bestimmten Gebiete immer vorhanden, das begleitet ihn das ganze wache Leben. Wieso ist das? Daß es bei dieser Dame — es könnte ja unter Umständen auch ein Herr sein — einmal in einer solchen Weise zum Vorschein gekommen ist, das rührt nur davon her, daß diese unterbewußte Wissenschaft, die der Mensch vom Leben hat, zuweilen etwas über die Schnur haut. Das kommt beim gewöhnlichen Bewußtsein auch vor, daß man einmal etwas Besonderes tut, was eigentlich aus den gewöhnlichen Lebensgewohnheiten herausfällt, was einmal ein Ausnahmefall im Leben ist. So ist es auch bei diesem Unterbewußtsein. Aber hier, in diesem Falle, ist nur etwas Besonderes herausgekommen, was immer im Menschen tätig ist — wie tätig ist?

[ 8 ] Man kann nun die Frage aufwerfen: Ist das, was da im Unterbewußtsein des Menschen lebt, nun eigentlich ganz untätig? Für den, der die Welt geistig zu beobachten versteht, ist es nicht ganz untätig. Im Gegenteil, es ist fortwährend tätig, ist wirklich fortwährend tätig. Was bei dieser Dame — und in ähnlichen Fällen kommt die Sache nur in einer abnormen Weise unter dem Einfluß von ganz besonderen Ereignissen, Begierden und Neigungen zum Vorschein —, aber was bei dieser Dame einmal in besonderer Weise zum Vorschein gekommen ist, das ist beim Menschen auf einem bestimmten Gebiete immer vorhanden, das begleitet ihn das ganze wache Leben. Wieso ist das? Daß es bei dieser Dame — es könnte ja unter Umständen auch ein Herr sein — einmal in einer solchen Weise zum Vorschein gekommen ist, das rührt nur davon her, daß diese unterbewußte Wissenschaft, die der Mensch vom Leben hat, zuweilen etwas über die Schnur haut. Das kommt beim gewöhnlichen Bewußtsein auch vor, daß man einmal etwas Besonderes tut, was eigentlich aus den gewöhnlichen Lebensgewohnheiten herausfällt, was einmal ein Ausnahmefall im Leben ist. So ist es auch bei diesem Unterbewußtsein. Aber hier, in diesem Falle, ist nur etwas Besonderes herausgekommen, was immer im Menschen tätig ist — wie tätig ist?

[ 9 ] Was wir Schicksal nennen, ist wirklich eine recht komplizierte Sache. Unser Schicksal scheint so an uns heranzutreten, daß seine Ereignisse uns zustoßen. Nehmen wir gleich einen eklatanten Fall des Schicksals, einen Fall, den ja manche Menschen kennen. Nehmen wir an, irgend jemand lerne einen andern Menschen kennen, der dann im Leben sein Freund, seine Frau oder der Mann oder dergleichen wird. Das wird von dem gewöhnlichen Oberbewußtsein so ausgelegt, daß es uns zugestoßen ist, daß wir selbst gar nichts dazu getan haben, daß der betreffende Mensch in unsere Lebenssphäre hereingetreten ist. Das ist aber nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist vielmehr eine andere.

[ 9 ] Was wir Schicksal nennen, ist wirklich eine recht komplizierte Sache. Unser Schicksal scheint so an uns heranzutreten, daß seine Ereignisse uns zustoßen. Nehmen wir gleich einen eklatanten Fall des Schicksals, einen Fall, den ja manche Menschen kennen. Nehmen wir an, irgend jemand lerne einen andern Menschen kennen, der dann im Leben sein Freund, seine Frau oder der Mann oder dergleichen wird. Das wird von dem gewöhnlichen Oberbewußtsein so ausgelegt, daß es uns zugestoßen ist, daß wir selbst gar nichts dazu getan haben, daß der betreffende Mensch in unsere Lebenssphäre hereingetreten ist. Das ist aber nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist vielmehr eine andere.

[ 10 ] Mit derjenigen Kraft, die im Unterbewußtsein ruht und die ich eben angedeutet habe, legen wir von dem Momente ab, wo wir durch die Geburt ins Dasein treten, und noch mehr, wo wir anfangen, zu uns Ich zu sagen, unseren Lebensweg so an, daß er in einem bestimmten Augenblick die Wege des andern kreuzt. Die Menschen achten nur nicht darauf, was für merkwürdige Sachen herauskommen würden, wenn man einen bestimmten Lebensweg verfolgen: würde, etwa den eines Menschen, der sich in einem bestimmten Augenblicke zum Beispiel verlobt. Wenn man sein Leben verfolgen würde, wie es sich entwickelt hat durch Kindheit und Jugend, von Ort zu Ort, bis der Mensch dazu gekommen ist, sich mit dem andern zu verloben, dann würde man viel Sinnvolles in seinem Ablauf finden. Man würde dann finden, daß der Betreffende gar nicht so ohne weiteres dahin gekommen ist, daß ihm etwas bloß zugestoßen ist, sondern daß er sich sehr sinnvoll hinbewegt hat bis dahin, wo er den andern gefunden hat. Das ganze Leben ist durchzogen von einem solchen Suchen, das ganze Schicksal ist ein solches Suchen. Allerdings müssen wir uns vorstellen, daß dieses Suchen nicht so abläuft, wie das Handeln unter gewöhnlicher Überlegung. Das letztere geht in gerader Linie vor sich; das Handeln im Unterbewußtsein geht stark und persönlich vor sich. Aber dann ist es etwas, was im Unterbewußtsein des Menschen sinnvoll vor sich geht. Es ist gar nicht einmal richtig, wenn man vom Unbewußten redet, man sollte Überbewußtes oder Unterbewußtes sagen, denn unbewußt ist es nur für das gewöhnliche Bewußtsein. Bei jener Dame, welche die Sache so raffiniert angelegt hat, um in das Haus des betreffenden Mannes wieder zurückzukommen, ist das Unterbewußte für sich viel bewußter, als die Dame selbst in ihrem Überbewußtsein ist. Und so ist es auch für das, was uns im Leben führt, so daß unser Schicksal ein bestimmtes Gewebe ist, das uns führt, und das ist sehr, sehr bewußt. Dagegen spricht gar nicht, daß der Mensch oft mit seinem Schicksal so wenig einverstanden ist. Würde er alle Faktoren überschauen, so würde er finden, daß er schon einverstanden sein könnte. Eben weil das Oberbewußtsein nicht so schlau ist wie das Unterbewußtsein, beurteilt es die Tatsachen des letzteren falsch und sagt sich: Es ist mir etwas Unsympathisches zugestoßen —, während der Mensch aus einer tiefen Überlegung heraus das, was man im Oberbewußtsein unsympathisch findet, in Wirklichkeit gesucht hat. Eine Erkenntnis der tieferen Zusammenhänge würde es dahin bringen, einzusehen, daß ein Klügerer die Dinge sucht, die dann Schicksal werden. Worauf beruht das alles? |

[ 10 ] Mit derjenigen Kraft, die im Unterbewußtsein ruht und die ich eben angedeutet habe, legen wir von dem Momente ab, wo wir durch die Geburt ins Dasein treten, und noch mehr, wo wir anfangen, zu uns Ich zu sagen, unseren Lebensweg so an, daß er in einem bestimmten Augenblick die Wege des andern kreuzt. Die Menschen achten nur nicht darauf, was für merkwürdige Sachen herauskommen würden, wenn man einen bestimmten Lebensweg verfolgen: würde, etwa den eines Menschen, der sich in einem bestimmten Augenblicke zum Beispiel verlobt. Wenn man sein Leben verfolgen würde, wie es sich entwickelt hat durch Kindheit und Jugend, von Ort zu Ort, bis der Mensch dazu gekommen ist, sich mit dem andern zu verloben, dann würde man viel Sinnvolles in seinem Ablauf finden. Man würde dann finden, daß der Betreffende gar nicht so ohne weiteres dahin gekommen ist, daß ihm etwas bloß zugestoßen ist, sondern daß er sich sehr sinnvoll hinbewegt hat bis dahin, wo er den andern gefunden hat. Das ganze Leben ist durchzogen von einem solchen Suchen, das ganze Schicksal ist ein solches Suchen. Allerdings müssen wir uns vorstellen, daß dieses Suchen nicht so abläuft, wie das Handeln unter gewöhnlicher Überlegung. Das letztere geht in gerader Linie vor sich; das Handeln im Unterbewußtsein geht stark und persönlich vor sich. Aber dann ist es etwas, was im Unterbewußtsein des Menschen sinnvoll vor sich geht. Es ist gar nicht einmal richtig, wenn man vom Unbewußten redet, man sollte Überbewußtes oder Unterbewußtes sagen, denn unbewußt ist es nur für das gewöhnliche Bewußtsein. Bei jener Dame, welche die Sache so raffiniert angelegt hat, um in das Haus des betreffenden Mannes wieder zurückzukommen, ist das Unterbewußte für sich viel bewußter, als die Dame selbst in ihrem Überbewußtsein ist. Und so ist es auch für das, was uns im Leben führt, so daß unser Schicksal ein bestimmtes Gewebe ist, das uns führt, und das ist sehr, sehr bewußt. Dagegen spricht gar nicht, daß der Mensch oft mit seinem Schicksal so wenig einverstanden ist. Würde er alle Faktoren überschauen, so würde er finden, daß er schon einverstanden sein könnte. Eben weil das Oberbewußtsein nicht so schlau ist wie das Unterbewußtsein, beurteilt es die Tatsachen des letzteren falsch und sagt sich: Es ist mir etwas Unsympathisches zugestoßen —, während der Mensch aus einer tiefen Überlegung heraus das, was man im Oberbewußtsein unsympathisch findet, in Wirklichkeit gesucht hat. Eine Erkenntnis der tieferen Zusammenhänge würde es dahin bringen, einzusehen, daß ein Klügerer die Dinge sucht, die dann Schicksal werden. Worauf beruht das alles? |

[ 11 ] Das beruht darauf — wenn man über solche Dinge redet, für die ja die gewöhnliche Sprache keine rechten Worte hat, kann man natürlich immer nur vergleichsweise sprechen, aber die Vergleiche meinen Wirklichkeiten —, es beruht darauf, daß unser gewöhnliches Kopfbewußtsein, auf das sich mancher Mensch viel einbildet, sozusagen ein Sieb ist. Es ist ein Vergleich, aber ein gültiger Vergleich, der auf eine Wirklichkeit hinweist. Unser Kopfbewußtsein ist ein Sieb. Wenn man in ein Sieb Wasser gießt, so rinnt es durch, es füllt das Sieb nicht. Diese Dinge, die da gedacht und überlegt werden und dann im Schicksalsgewebe zum Ausdruck kommen, gehen durch unser Kopfbewußtsein wie durch ein Sieb. Das ist der Grund, warum wir von ihnen im Oberbewußtsein nichts wissen. Das Kopfbewußtsein läßt sie durchgehen wie durch ein Sieb, aber der Mensch im Unterbewußtsein läßt sie nicht durchgehen. Nur weil sie im Oberbewußtsein durchgehen wie durch ein Sieb, weiß er von ihnen nichts; aber sie werden doch im Menschen aufgehalten.

[ 11 ] Das beruht darauf — wenn man über solche Dinge redet, für die ja die gewöhnliche Sprache keine rechten Worte hat, kann man natürlich immer nur vergleichsweise sprechen, aber die Vergleiche meinen Wirklichkeiten —, es beruht darauf, daß unser gewöhnliches Kopfbewußtsein, auf das sich mancher Mensch viel einbildet, sozusagen ein Sieb ist. Es ist ein Vergleich, aber ein gültiger Vergleich, der auf eine Wirklichkeit hinweist. Unser Kopfbewußtsein ist ein Sieb. Wenn man in ein Sieb Wasser gießt, so rinnt es durch, es füllt das Sieb nicht. Diese Dinge, die da gedacht und überlegt werden und dann im Schicksalsgewebe zum Ausdruck kommen, gehen durch unser Kopfbewußtsein wie durch ein Sieb. Das ist der Grund, warum wir von ihnen im Oberbewußtsein nichts wissen. Das Kopfbewußtsein läßt sie durchgehen wie durch ein Sieb, aber der Mensch im Unterbewußtsein läßt sie nicht durchgehen. Nur weil sie im Oberbewußtsein durchgehen wie durch ein Sieb, weiß er von ihnen nichts; aber sie werden doch im Menschen aufgehalten.

[ 12 ] Wenn einmal wirklich in vernünftiger Weise Naturwissenschaft getrieben werden wird, dann werden sich die Menschen fragen: Wie stellen sich solche Dinge beim Tier dar, und wie beim Menschen? Beim Tier sind diese Erlebnisse so, daß sie ganz durch das Tier durchgehen, da ist das ganze Tier ein Sieb. Beim Menschen werden sie zwar nicht im Haupte, nicht im Kopfe, aber doch durch den ganzen Menschen aufgehalten. Nur weil im gewöhnlichen Leben bloß der Kopf denkt und nicht der ganze Mensch, so denkt der Mensch sie unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht mit. Nur wenn zum Beispiel Hysterie eintritt, die darin besteht, daß auch der andere Teil des Menschen zu denken anfängt — was ja dutch krankhafte Verhältnisse eintreten kann, im allgemeinen aber nicht eintreten sollte —, dann kommen solche Ausnahmefälle vor, wo einmal mitgedacht wird, was sonst schicksalsmäßig verläuft, und wo der Mensch, wie man sagen könnte, «Schicksal macht» — wie jene Dame, die ja Schicksal «gemacht» hat. Also der Mensch hält die Sache doch auf, und da stellt sich etwas höchst Merkwürdiges heraus. Warum geht durch das ganze Tier die Sache durch, und warum wird sie beim Menschen aufgehalten?

[ 12 ] Wenn einmal wirklich in vernünftiger Weise Naturwissenschaft getrieben werden wird, dann werden sich die Menschen fragen: Wie stellen sich solche Dinge beim Tier dar, und wie beim Menschen? Beim Tier sind diese Erlebnisse so, daß sie ganz durch das Tier durchgehen, da ist das ganze Tier ein Sieb. Beim Menschen werden sie zwar nicht im Haupte, nicht im Kopfe, aber doch durch den ganzen Menschen aufgehalten. Nur weil im gewöhnlichen Leben bloß der Kopf denkt und nicht der ganze Mensch, so denkt der Mensch sie unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht mit. Nur wenn zum Beispiel Hysterie eintritt, die darin besteht, daß auch der andere Teil des Menschen zu denken anfängt — was ja dutch krankhafte Verhältnisse eintreten kann, im allgemeinen aber nicht eintreten sollte —, dann kommen solche Ausnahmefälle vor, wo einmal mitgedacht wird, was sonst schicksalsmäßig verläuft, und wo der Mensch, wie man sagen könnte, «Schicksal macht» — wie jene Dame, die ja Schicksal «gemacht» hat. Also der Mensch hält die Sache doch auf, und da stellt sich etwas höchst Merkwürdiges heraus. Warum geht durch das ganze Tier die Sache durch, und warum wird sie beim Menschen aufgehalten?

[ 13 ] Das ist aus dem Grunde, weil das Tier keine Hände hat, das heißt, die Gliedmaßen sind mit der Erde immer verbunden, sind Beine oder sie sind Flügel, was den Vorgang etwas anders macht. Aber daß der Mensch diejenigen Gliedmaßen, die beim Tier Beine sind, umgeformt hat, das macht es, daß seine Arme und Hände so eingeschaltet sind in seinen Organismus, daß er seine Gedanken in seinem Schicksal in sich aufhält. Man kann nur nicht mit den Händen denken, man kann nur das Schicksal mit ihnen aufhalten; daher übersieht der Mensch sein Schicksal. Die Hände sind geradeso Gedankenorgane, wie der ätherische Teil des Kopfes es ist. Der ätherische Kopfteil tut beim Denken etwas ganz ähnliches, wie der Mensch im Leben mit seinen Händen tut: Mit den Händen macht der Mensch in sich stocken den Strom des Handelns, der sein Schicksal durchzieht. Es ist für den Menschen so eingerichtet, daß nur die gröberen Verstandestätigkeiten der Hände und Arme zum Ausdruck kommen. Jeder Mensch weiß, daß er in den Händen, vor allem in den Fingerspitzen, einen besonderen Spürsinn hat; aber dieser Spürsinn stellt das Allergröbste in dieser Beziehung dar. Denn es handelt sich hier um etwas schr Feines: das ist ein sehr schwaches, kaum glimmendes Denken, was die Menschen da entwickeln und bei künstlerischer Tätigkeit zum Ausdruck bringen können; aber die Hände sind eigentlich so eingeschaltet in den Gesamtorganismus des Menschen, daß sie das Denkorgan sind für das Schicksal. Der Mensch lernt im gegenwärtigen Entwickelungszyklus noch nicht mit den Händen denken. Würde er es lernen, würde er die Geheimnisse der Hände kennenlernen, so würde dies zu gleicher Zeit eine Einführung in die Erkenntnis der Grundgesetze des schicksalsmäßigen Zusammenhanges sein.

[ 13 ] Das ist aus dem Grunde, weil das Tier keine Hände hat, das heißt, die Gliedmaßen sind mit der Erde immer verbunden, sind Beine oder sie sind Flügel, was den Vorgang etwas anders macht. Aber daß der Mensch diejenigen Gliedmaßen, die beim Tier Beine sind, umgeformt hat, das macht es, daß seine Arme und Hände so eingeschaltet sind in seinen Organismus, daß er seine Gedanken in seinem Schicksal in sich aufhält. Man kann nur nicht mit den Händen denken, man kann nur das Schicksal mit ihnen aufhalten; daher übersieht der Mensch sein Schicksal. Die Hände sind geradeso Gedankenorgane, wie der ätherische Teil des Kopfes es ist. Der ätherische Kopfteil tut beim Denken etwas ganz ähnliches, wie der Mensch im Leben mit seinen Händen tut: Mit den Händen macht der Mensch in sich stocken den Strom des Handelns, der sein Schicksal durchzieht. Es ist für den Menschen so eingerichtet, daß nur die gröberen Verstandestätigkeiten der Hände und Arme zum Ausdruck kommen. Jeder Mensch weiß, daß er in den Händen, vor allem in den Fingerspitzen, einen besonderen Spürsinn hat; aber dieser Spürsinn stellt das Allergröbste in dieser Beziehung dar. Denn es handelt sich hier um etwas schr Feines: das ist ein sehr schwaches, kaum glimmendes Denken, was die Menschen da entwickeln und bei künstlerischer Tätigkeit zum Ausdruck bringen können; aber die Hände sind eigentlich so eingeschaltet in den Gesamtorganismus des Menschen, daß sie das Denkorgan sind für das Schicksal. Der Mensch lernt im gegenwärtigen Entwickelungszyklus noch nicht mit den Händen denken. Würde er es lernen, würde er die Geheimnisse der Hände kennenlernen, so würde dies zu gleicher Zeit eine Einführung in die Erkenntnis der Grundgesetze des schicksalsmäßigen Zusammenhanges sein.

[ 14 ] Das sieht sehr sonderbar aus, aber es ist so. Wir haben hier einen der Punkte, wo Geisteswissenschaft auf der einen Seite sagt: In den Händen, die ein unterbewußtes Denken entwickeln, wird das Schicksal gedacht. — Die Naturwissenschaft achtet heute noch nicht darauf. Sie muß, wenn sie nur ganz grob die menschliche Organisation betrachtet, selbstverständlich darauf kommen zu sagen: Der Mensch ist ein vollkommeneres Tier. — Das ist er ja auch. Aber in dem, was man dabei nicht beachtet, liegt gerade der wesentliche Unterschied des Menschen vom Tier. Bedenken Sie einmal: Wie ist beim Tier das Haupt? Beim Tier ruht das Haupt unmittelbar über der Erde. Beim Menschen ruht das Haupt so, daß das, was beim Tier die Erde trägt, vom Menschen selbst getragen wird; die Schwerpunktslinie des Hauptes fällt, bevor sie die Erde trifft, in den menschlichen Organismus hinein, wenn ich mich grob ausdrücken will: Sie geht durch das Zwerchfell. Der Mensch steht zu sich selber so, wie das Tier zur Erde. Wenn wir die Schwerpunktslinie des Kopfes beim Tier nehmen, so fällt sie direkt auf die Erde, ohne durch das Zwerchfell und durch den Organismus durchzugehen. In der Orientierung des Organismus zum ganzen Kosmos liegt beim Menschen das Wesentliche, und mit dieser Orientierung hängt zusammen, daß seine Arme und Hände anders organisiert sind, als die entsprechenden Gliedmaßen beim Tier. Da wird die Naturwissenschaft von der einen Seite her in Zukunft arbeiten; sie wird einmal fragen: Wie hängt es denn eigentlich beim Menschen mit dem Dynamischen, mit den Kräfteverhältnissen zum Weltenall zusammen, daß der Mensch aus dem Kosmos heraus nicht ein Vierbeiner, sondern ein Zweihänder ist? Das wird ihm aus dem Kosmos heraus organisiert! Und da arbeitet er sich entgegen, indem er aus dem Kosmos heraus so organisiert wird, daß die Schwerpunktslinie seines Kopfes in ihn selbst hereinfällt, und er seine eigene Erde wird. Indem er sich da seine Hände und Arme in einer besonderen Weise ausorganisiert, lebt er sich dadurch demjenigen entgegen, daß die Hände wieder ihrerseits das Schicksal ergreifen können, geradeso wie die Organisation des menschlichen Kopfes auch mit seiner aufrechten Stellung zusammenhängt. Der Mensch hat sein vollkommeneres Gehirn dadurch, daß die Schwerpunktslinie des Kopfes durch ihn durchgeht, nicht direkt auf die Erde fällt. Im Weltenall sind überall Kräfte, und wenn etwas anders orientiert ist, dann ist die Masse anders verteilt. Das wird man für die unorganische Natur zugeben, aber beim Menschen kann man es heute noch nicht beachten. Dadurch kommt man nicht darauf, wie das Materielle dem Geistigen im Menschen entgegenarbeitet, wie in ihm überall das Materielle das Geistige durchwirkt.

[ 14 ] Das sieht sehr sonderbar aus, aber es ist so. Wir haben hier einen der Punkte, wo Geisteswissenschaft auf der einen Seite sagt: In den Händen, die ein unterbewußtes Denken entwickeln, wird das Schicksal gedacht. — Die Naturwissenschaft achtet heute noch nicht darauf. Sie muß, wenn sie nur ganz grob die menschliche Organisation betrachtet, selbstverständlich darauf kommen zu sagen: Der Mensch ist ein vollkommeneres Tier. — Das ist er ja auch. Aber in dem, was man dabei nicht beachtet, liegt gerade der wesentliche Unterschied des Menschen vom Tier. Bedenken Sie einmal: Wie ist beim Tier das Haupt? Beim Tier ruht das Haupt unmittelbar über der Erde. Beim Menschen ruht das Haupt so, daß das, was beim Tier die Erde trägt, vom Menschen selbst getragen wird; die Schwerpunktslinie des Hauptes fällt, bevor sie die Erde trifft, in den menschlichen Organismus hinein, wenn ich mich grob ausdrücken will: Sie geht durch das Zwerchfell. Der Mensch steht zu sich selber so, wie das Tier zur Erde. Wenn wir die Schwerpunktslinie des Kopfes beim Tier nehmen, so fällt sie direkt auf die Erde, ohne durch das Zwerchfell und durch den Organismus durchzugehen. In der Orientierung des Organismus zum ganzen Kosmos liegt beim Menschen das Wesentliche, und mit dieser Orientierung hängt zusammen, daß seine Arme und Hände anders organisiert sind, als die entsprechenden Gliedmaßen beim Tier. Da wird die Naturwissenschaft von der einen Seite her in Zukunft arbeiten; sie wird einmal fragen: Wie hängt es denn eigentlich beim Menschen mit dem Dynamischen, mit den Kräfteverhältnissen zum Weltenall zusammen, daß der Mensch aus dem Kosmos heraus nicht ein Vierbeiner, sondern ein Zweihänder ist? Das wird ihm aus dem Kosmos heraus organisiert! Und da arbeitet er sich entgegen, indem er aus dem Kosmos heraus so organisiert wird, daß die Schwerpunktslinie seines Kopfes in ihn selbst hereinfällt, und er seine eigene Erde wird. Indem er sich da seine Hände und Arme in einer besonderen Weise ausorganisiert, lebt er sich dadurch demjenigen entgegen, daß die Hände wieder ihrerseits das Schicksal ergreifen können, geradeso wie die Organisation des menschlichen Kopfes auch mit seiner aufrechten Stellung zusammenhängt. Der Mensch hat sein vollkommeneres Gehirn dadurch, daß die Schwerpunktslinie des Kopfes durch ihn durchgeht, nicht direkt auf die Erde fällt. Im Weltenall sind überall Kräfte, und wenn etwas anders orientiert ist, dann ist die Masse anders verteilt. Das wird man für die unorganische Natur zugeben, aber beim Menschen kann man es heute noch nicht beachten. Dadurch kommt man nicht darauf, wie das Materielle dem Geistigen im Menschen entgegenarbeitet, wie in ihm überall das Materielle das Geistige durchwirkt.

[ 15 ] Das ist die eine Seite. Da können wir sagen: Wir lassen den Menschen ins Auge fassen, wie er auf seinem eigenen Zwerchfell ruht, und wir stehen darinnen, wenn wir bis zum Zwerchfell herab mit dem Unterbewußten denken, in dem Verstande des Schicksals, wie wir sonst nur in dem Verstande der überlegten Handlungen stehen. Aber nun steht der Mensch noch in anderer Weise im Leben darinnen; denn wir haben gesehen, daß er, wenn wir nicht nur einseitig sein Haupt betrachten, sondern seinen ganzen übrigen Organismus, daß er erwägend, aber unterbewußt erwägend, sein Schicksal bestimmt, sein Schicksal kennt.

[ 15 ] Das ist die eine Seite. Da können wir sagen: Wir lassen den Menschen ins Auge fassen, wie er auf seinem eigenen Zwerchfell ruht, und wir stehen darinnen, wenn wir bis zum Zwerchfell herab mit dem Unterbewußten denken, in dem Verstande des Schicksals, wie wir sonst nur in dem Verstande der überlegten Handlungen stehen. Aber nun steht der Mensch noch in anderer Weise im Leben darinnen; denn wir haben gesehen, daß er, wenn wir nicht nur einseitig sein Haupt betrachten, sondern seinen ganzen übrigen Organismus, daß er erwägend, aber unterbewußt erwägend, sein Schicksal bestimmt, sein Schicksal kennt.

[ 16 ] Es ist aber noch etwas anderes im Leben des Menschen der Fall. Wir verrichten Handlungen. Diese Handlungen verursachen uns im Leben eine gewisse Befriedigung oder auch Nichtbefriedigung. Denken Sie nur daran: Sie haben jemand irgendeine Wohltat erwiesen, das hat Ihnen. eine Befriedigung gewährt; oder Sie mußten irgend etwas unternehmen, was eine Abwehr von irgend etwas ist, und das ist mit .Unbefriedigung verknüpft und so weiter. Also Sie haben Verschiedenes, das der Mensch handelnd im Leben ausführt. Ja, wir führen nicht nur unsere Handlungen aus und empfinden darüber die bewußten Befriedigungen oder Nichtbefriedigungen. Das können wir am allerbesten sehen, wenn wir minder ins Leben eingreifende Handlungen geisteswissenschaftlich untersuchen. Eine Handlung ist es ja schon, wenn sie auch keine moralische Bedeutung zu haben braucht, wenn wir zum Beispiel Holz hacken. Es ist eine Handlung, was wir vollbringen, während wir Holz hacken; sie verursacht uns Ermüdung. Über die Ermüdung haben die Menschen allerlei Gedanken. Sie wissen aus dem letzten öffentlichen Vortrage, daß sich die Menschen vorstellen, daß sie von der Ermüdung einschlafen müßten, daß die Ursache des Einschlafens die Ermüdung sei. Von der Ermüdung weiß zwar jeder, daß sie wie als Begleiterscheinung von solchen Handlungen auftritt, wie es zum Beispiel Holzhacken ist. Aber diese Ermüdung ist von einer sehr tiefen Bedeutung, wenn man sie geisteswissenschaftlich untersucht. Die Ermüdung ist eigentlich gar nicht das, als was sie uns erscheint. Wir erleben sie als das, was wir Ermüdung nennen, aber sie ist etwas ganz anderes. Sie können sich auch leicht vorstellen, daß Ermüdung, die bei solchen Handlungen zutage tritt — mehr ins moralische oder intellektuelle Leben hineingehende Handlungen sind in dieser Beziehung nur verfeinert, es tritt bei ihnen nicht immer klar zutage, als wenn wir elementarere Handlungen betrachten wie zum Beispiel Holzhacken —, daß diese Ermüdung ein zwiespältiger Vor“gang ist. Zunächst müssen wir sprießende, sprossende Lebenskräfte anwenden, die mit unserem Wachstum zusammenhängen, dann aber haben wir diese Kräfte verbraucht, und es findet ein Abbauprozeß in unserem Organismus statt. Dieser Abbauprozeß wird als Ermüdung erlebt. Aber diese Ermüdung ist in Wahrheit eine Betäubung, deren tiefere Bedeutung wir in Wirklichkeit als etwas ganz anderes als eine Folge — in diesem Falle des Holzhackens — erleben. Die Ermüdung ist für das gewöhnliche Leben nur eine Betäubung. Was wird in Wahrheit erlebt?

[ 16 ] Es ist aber noch etwas anderes im Leben des Menschen der Fall. Wir verrichten Handlungen. Diese Handlungen verursachen uns im Leben eine gewisse Befriedigung oder auch Nichtbefriedigung. Denken Sie nur daran: Sie haben jemand irgendeine Wohltat erwiesen, das hat Ihnen. eine Befriedigung gewährt; oder Sie mußten irgend etwas unternehmen, was eine Abwehr von irgend etwas ist, und das ist mit .Unbefriedigung verknüpft und so weiter. Also Sie haben Verschiedenes, das der Mensch handelnd im Leben ausführt. Ja, wir führen nicht nur unsere Handlungen aus und empfinden darüber die bewußten Befriedigungen oder Nichtbefriedigungen. Das können wir am allerbesten sehen, wenn wir minder ins Leben eingreifende Handlungen geisteswissenschaftlich untersuchen. Eine Handlung ist es ja schon, wenn sie auch keine moralische Bedeutung zu haben braucht, wenn wir zum Beispiel Holz hacken. Es ist eine Handlung, was wir vollbringen, während wir Holz hacken; sie verursacht uns Ermüdung. Über die Ermüdung haben die Menschen allerlei Gedanken. Sie wissen aus dem letzten öffentlichen Vortrage, daß sich die Menschen vorstellen, daß sie von der Ermüdung einschlafen müßten, daß die Ursache des Einschlafens die Ermüdung sei. Von der Ermüdung weiß zwar jeder, daß sie wie als Begleiterscheinung von solchen Handlungen auftritt, wie es zum Beispiel Holzhacken ist. Aber diese Ermüdung ist von einer sehr tiefen Bedeutung, wenn man sie geisteswissenschaftlich untersucht. Die Ermüdung ist eigentlich gar nicht das, als was sie uns erscheint. Wir erleben sie als das, was wir Ermüdung nennen, aber sie ist etwas ganz anderes. Sie können sich auch leicht vorstellen, daß Ermüdung, die bei solchen Handlungen zutage tritt — mehr ins moralische oder intellektuelle Leben hineingehende Handlungen sind in dieser Beziehung nur verfeinert, es tritt bei ihnen nicht immer klar zutage, als wenn wir elementarere Handlungen betrachten wie zum Beispiel Holzhacken —, daß diese Ermüdung ein zwiespältiger Vor“gang ist. Zunächst müssen wir sprießende, sprossende Lebenskräfte anwenden, die mit unserem Wachstum zusammenhängen, dann aber haben wir diese Kräfte verbraucht, und es findet ein Abbauprozeß in unserem Organismus statt. Dieser Abbauprozeß wird als Ermüdung erlebt. Aber diese Ermüdung ist in Wahrheit eine Betäubung, deren tiefere Bedeutung wir in Wirklichkeit als etwas ganz anderes als eine Folge — in diesem Falle des Holzhackens — erleben. Die Ermüdung ist für das gewöhnliche Leben nur eine Betäubung. Was wird in Wahrheit erlebt?

[ 17 ] Natürlich kann man das nur aus der wirklichen geisteswissenschaftlichen Forschung heraus sagen. Wenn wir ermüdet sind nach dem Holzhacken, so zeigt sich an jenen Stellen, die wir als Stellen des Geistorganismus des Menschen kennen, und die man auch die Lotusblumen nennt — Näheres darüber finden Sie in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, eine richtige Ausstrahlung an einer der Lotusblumen. Es ist ein Erfolg da; der kommt dem Menschen nicht zum Bewußtsein. Dieser geistige Erfolg wird ihm nicht bewußt. Was ihm zum Bewußtsein kommt, ist das, was ihn betäubt, damit er das nicht an sich wahrnimmt, was als geistiger Erfolg da ist. Denn was da eigentlich ausstrahlt, ist wirklich ein Geistiges. "Und man begreift es noch besser, wenn man, um die Geistigkeit dieser Ausstrahlungen ins Auge zu fassen, sagen wir, eine in moralischer Beurteilung exponierte Handlung betrachtet. Nehmen wir an, wir haben nicht bloß Holz gehackt, sondern etwas getan, was einer moralischen Beurteilung unterliegt. Eine solche moralische Beurteilung wird zwar gewöhnlich nur für das engumgrenzte Leben ins Auge gefaßt. Sie hat aber noch eine andere Bedeutung. Alles was der Mensch tut, hat einen Wert im ganzen Entwickelungsgang der Menschheit. Auch die einzelne Handlung hat einen Wert im gesamten Entwickelungsgang der Menschheit. Diese Beurteilung, wieviel eine Handlung wert ist in diesem Entwickelungsgang, faßt der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein ebensowenig auf, wie er die Handlungen des Schicksals durch seinen Kopf auffaßt. Aber er läßt diese Bewertung nicht wie durch ein Sieb durch sein Wesen durchgehen, sondern wie eine Strahlung und strahlt sie durch die Lotusblumen nach außen. Der Mensch übt fortwährend unterbewußt eine Beurteilung, eine Bewertung jeder einzelnen seiner Handlungen aus. Sie können ein engelgleiches Wesen sein und allen Menschen Gutes tun: Sie urteilen im Unterbewußtsein über den Wert solcher Handlungsweise für die Gesamtentwickelung der Menschheit, und zwar sehr objektiv, was manchmal recht anders ausfällt, als man im Oberbewußtsein glauben würde. Oder Sie können ein Dieb sein — womit ich natürlich jetzt nichts weiter meine —, aber Sie beurteilen, indem Sie die Diebeshandlung ausführen, diese ganz objektiv nach dem Wert im Gesamtentwickelungsprozeß der Menschheit. Und das strahlen Sie durch die Lotusblumen unweigerlich vor sich hin. So wie unsere Schicksalsurteile, die durch den Kopf wie durch ein Sieb durchgehen, von unseren Armen und Händen aufgehalten werden, so werden von uns mit Hilfe unserer astralen Lotusblumenorganisation unsere Urteile geleitet, die wir über unsere Handlungen fällen, und zwar auch über die Gedankenhandlungen; die werden wie ein Schein ausgestrahlt durch unsere Lotusblumenorganisation, kommen aus uns heraus. Und dieser Schein geht sehr weit. Er geht über in die Zeit, bleibt nicht im Raume. Deshalb sind ja die Lotusblumen so schwer vorzustellen, weil sie sich fortwährend bewegen und fortwährend den Übergang in die Zeit nehmen. Da wird Raum wirklich zur Zeit. Der Mensch wirft einen Schein vor sich selbst her, aber so, daß dieser Schein in die Zeit übergeht, ein fortwährender Schein wird, der weit über den Tod hinausgeht. Das ganze Leben hindurch urteilt im Unterbewußtsein einer in uns. Wie einer in uns unser Schicksal denkt, so urteilt einer über alle unsere Handlungen, und dieses Urteil strahlen wir als einen Schein aus.

[ 17 ] Natürlich kann man das nur aus der wirklichen geisteswissenschaftlichen Forschung heraus sagen. Wenn wir ermüdet sind nach dem Holzhacken, so zeigt sich an jenen Stellen, die wir als Stellen des Geistorganismus des Menschen kennen, und die man auch die Lotusblumen nennt — Näheres darüber finden Sie in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, eine richtige Ausstrahlung an einer der Lotusblumen. Es ist ein Erfolg da; der kommt dem Menschen nicht zum Bewußtsein. Dieser geistige Erfolg wird ihm nicht bewußt. Was ihm zum Bewußtsein kommt, ist das, was ihn betäubt, damit er das nicht an sich wahrnimmt, was als geistiger Erfolg da ist. Denn was da eigentlich ausstrahlt, ist wirklich ein Geistiges. "Und man begreift es noch besser, wenn man, um die Geistigkeit dieser Ausstrahlungen ins Auge zu fassen, sagen wir, eine in moralischer Beurteilung exponierte Handlung betrachtet. Nehmen wir an, wir haben nicht bloß Holz gehackt, sondern etwas getan, was einer moralischen Beurteilung unterliegt. Eine solche moralische Beurteilung wird zwar gewöhnlich nur für das engumgrenzte Leben ins Auge gefaßt. Sie hat aber noch eine andere Bedeutung. Alles was der Mensch tut, hat einen Wert im ganzen Entwickelungsgang der Menschheit. Auch die einzelne Handlung hat einen Wert im gesamten Entwickelungsgang der Menschheit. Diese Beurteilung, wieviel eine Handlung wert ist in diesem Entwickelungsgang, faßt der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein ebensowenig auf, wie er die Handlungen des Schicksals durch seinen Kopf auffaßt. Aber er läßt diese Bewertung nicht wie durch ein Sieb durch sein Wesen durchgehen, sondern wie eine Strahlung und strahlt sie durch die Lotusblumen nach außen. Der Mensch übt fortwährend unterbewußt eine Beurteilung, eine Bewertung jeder einzelnen seiner Handlungen aus. Sie können ein engelgleiches Wesen sein und allen Menschen Gutes tun: Sie urteilen im Unterbewußtsein über den Wert solcher Handlungsweise für die Gesamtentwickelung der Menschheit, und zwar sehr objektiv, was manchmal recht anders ausfällt, als man im Oberbewußtsein glauben würde. Oder Sie können ein Dieb sein — womit ich natürlich jetzt nichts weiter meine —, aber Sie beurteilen, indem Sie die Diebeshandlung ausführen, diese ganz objektiv nach dem Wert im Gesamtentwickelungsprozeß der Menschheit. Und das strahlen Sie durch die Lotusblumen unweigerlich vor sich hin. So wie unsere Schicksalsurteile, die durch den Kopf wie durch ein Sieb durchgehen, von unseren Armen und Händen aufgehalten werden, so werden von uns mit Hilfe unserer astralen Lotusblumenorganisation unsere Urteile geleitet, die wir über unsere Handlungen fällen, und zwar auch über die Gedankenhandlungen; die werden wie ein Schein ausgestrahlt durch unsere Lotusblumenorganisation, kommen aus uns heraus. Und dieser Schein geht sehr weit. Er geht über in die Zeit, bleibt nicht im Raume. Deshalb sind ja die Lotusblumen so schwer vorzustellen, weil sie sich fortwährend bewegen und fortwährend den Übergang in die Zeit nehmen. Da wird Raum wirklich zur Zeit. Der Mensch wirft einen Schein vor sich selbst her, aber so, daß dieser Schein in die Zeit übergeht, ein fortwährender Schein wird, der weit über den Tod hinausgeht. Das ganze Leben hindurch urteilt im Unterbewußtsein einer in uns. Wie einer in uns unser Schicksal denkt, so urteilt einer über alle unsere Handlungen, und dieses Urteil strahlen wir als einen Schein aus.

[ 18 ] Das ist natürlich wieder, weil es eine imaginative Handlung ist, bildhaft ausgedrückt, aber dieser bildhafte Ausdruck entspricht einer Wirklichkeit. Das Leben ist so, wie wenn von einem Scheinwerferapparat ein Schein weithin ausgestrahlt wird. Sie müssen ihn sich nur nicht räumlich, sondern in der Zeit vorstellen. Sie haben heute zum Beispiel als vierzigjähriger Mensch etwas getan; ihr Leben läuft weiter, geht durch Ihr fünfzigstes, ihr sechzigstes Jahr durch, dann durch den Tod und weiter hinein in das Dasein, das Sie zwischen Tod und neuer Geburt zubringen. Und indem Sie dieses Dasein durch‘machen, leben Sie sich Schritt für Schritt ein in das, was Sie in jenes Dasein durch Ihre Lotusblumen während Ihres Erdenlebens fortwährend hineinstrahlen. Sie treffen das alles an, was Sie in die Zukunft hineingestrahlt haben. Das ist etwa so, um es wieder bildlich auszudrücken, wie wenn Sie durch einen Scheinwerferapparat einen Schein erregen würden, der weithin strahlte, und Sie zögen dann längs dieses Scheines und sagten sich: Das ist da ausgestrahlt, das treffe ich alles wieder. Nur sind das die Urteile über Ihre Taten, welche Sie so treffen im Leben zwischen Tod und neuer Geburt. In dieser Beziehung ist der Mensch kein Sieb oder auch, wenn Sie wollen, ein Sieb: er läßt das durch, was er selber unterbewußt erzeugt.

[ 18 ] Das ist natürlich wieder, weil es eine imaginative Handlung ist, bildhaft ausgedrückt, aber dieser bildhafte Ausdruck entspricht einer Wirklichkeit. Das Leben ist so, wie wenn von einem Scheinwerferapparat ein Schein weithin ausgestrahlt wird. Sie müssen ihn sich nur nicht räumlich, sondern in der Zeit vorstellen. Sie haben heute zum Beispiel als vierzigjähriger Mensch etwas getan; ihr Leben läuft weiter, geht durch Ihr fünfzigstes, ihr sechzigstes Jahr durch, dann durch den Tod und weiter hinein in das Dasein, das Sie zwischen Tod und neuer Geburt zubringen. Und indem Sie dieses Dasein durch‘machen, leben Sie sich Schritt für Schritt ein in das, was Sie in jenes Dasein durch Ihre Lotusblumen während Ihres Erdenlebens fortwährend hineinstrahlen. Sie treffen das alles an, was Sie in die Zukunft hineingestrahlt haben. Das ist etwa so, um es wieder bildlich auszudrücken, wie wenn Sie durch einen Scheinwerferapparat einen Schein erregen würden, der weithin strahlte, und Sie zögen dann längs dieses Scheines und sagten sich: Das ist da ausgestrahlt, das treffe ich alles wieder. Nur sind das die Urteile über Ihre Taten, welche Sie so treffen im Leben zwischen Tod und neuer Geburt. In dieser Beziehung ist der Mensch kein Sieb oder auch, wenn Sie wollen, ein Sieb: er läßt das durch, was er selber unterbewußt erzeugt.

[ 19 ] Wiederum ist also im Menschen etwas vorhanden, was ein fortdauernder Kritiker — wenn wir das Wort nicht im pedantisch-philiströsen Sinne gebrauchen wollen — seines eigenen 'Tuns ist, und was von ihm hineingeworfen wird in seine eigene Zukunft. Man kann auch hier, wenn man will, das Naturwissenschaftliche heranziehen. Dadurch daß der Mensch aufrecht gebaut ist und wiederum also in seinem gewöhnlichen Bewußtseinsapparat auf sich ruht wie auf der eigenen Erde, dadurch wird an den Stellen der Lotusblumen das aufgehalten, was ausgeht von seinem Wandel über die Erde im weitesten Sinne des Wortes. Da wird es aufgehalten, im rechten Winkel umgebrochen und in das Leben hinausgeschickt.

[ 19 ] Wiederum ist also im Menschen etwas vorhanden, was ein fortdauernder Kritiker — wenn wir das Wort nicht im pedantisch-philiströsen Sinne gebrauchen wollen — seines eigenen 'Tuns ist, und was von ihm hineingeworfen wird in seine eigene Zukunft. Man kann auch hier, wenn man will, das Naturwissenschaftliche heranziehen. Dadurch daß der Mensch aufrecht gebaut ist und wiederum also in seinem gewöhnlichen Bewußtseinsapparat auf sich ruht wie auf der eigenen Erde, dadurch wird an den Stellen der Lotusblumen das aufgehalten, was ausgeht von seinem Wandel über die Erde im weitesten Sinne des Wortes. Da wird es aufgehalten, im rechten Winkel umgebrochen und in das Leben hinausgeschickt.

[ 20 ] Wir sehen also: In einer komplizierten, aber durchaus überschaubaren Weise stellt sich das, was sonst nur mit dem allgemeinen Ausdruck «das Unbewußte» umfaßt wird, in das menschliche Leben herein. Gerade dadurch, daß der Mensch auf der einen Seite mit seinem Zwerchfell sich abschließt nach unten, ist er mit seinem Unterbewußtsein angegliedert an seinen Schicksalszusammenhang.

[ 20 ] Wir sehen also: In einer komplizierten, aber durchaus überschaubaren Weise stellt sich das, was sonst nur mit dem allgemeinen Ausdruck «das Unbewußte» umfaßt wird, in das menschliche Leben herein. Gerade dadurch, daß der Mensch auf der einen Seite mit seinem Zwerchfell sich abschließt nach unten, ist er mit seinem Unterbewußtsein angegliedert an seinen Schicksalszusammenhang.

[ 21 ] Beim Tier kommt dieses Ausstrahlen durch die Lotusblumen nicht in Betracht. Warum? Es hängt das wiederum mit der Orientierung des Tieres im Weltenall zusammen. Dadurch daß der Mensch sein Rückgrat vertikal gestellt hat, im rechten Winkel zu demjenigen des Tieres, dadurch entwickelt er vor allem das, was sich beim Tier gar nicht entwickeln kann, weil dessen Rückgrat horizontal und nicht senkrecht steht. Daher kann das Tier sich keinen «Kritiker» an die Seite stellen und auch nicht die Urteile über Handlungen im tierischen Leben in die Zukunft hineinsenden. Es wird viel herauskommen, wenn sich die Naturwissenschaft aufraffen wird, nicht nur bei dem trivialen Urteil stehenzubleiben, daß man die Gliedmaßen des Tieres in ihren Strukturen und Formen vergleicht mit den Gliedmaßen des Menschen, oder den Kopf der Tiere vergleicht mit dem des Menschen. Der Mensch hat zwar sein vollkommenetes Gehirn, aber sonst ist schließlich der Menschenkopf nicht gar so verschieden von dem Tierkopf, und deshalb konnte auch die materialistische Theorie den Menschen leicht an die Tierreihe angliedern. Aber was den Menschen vom Tiere unterscheidet, ist seine Orientierung im Weltenall. Wird man einmal diese studieren, dann wird man auch naturwissenschaftlich auf etwas ganz anderes kommen. Da wird auch die Geisteswissenschaft richtunggebend sein, wie sie richtunggebend für anderes ist, indem sie hinweist auf bestimmte Vorgänge des Lebens, die dann erst durchschaut werden können, wenn man durch die Geisteswissenschaft die betreffende Richtung erhält.

[ 21 ] Beim Tier kommt dieses Ausstrahlen durch die Lotusblumen nicht in Betracht. Warum? Es hängt das wiederum mit der Orientierung des Tieres im Weltenall zusammen. Dadurch daß der Mensch sein Rückgrat vertikal gestellt hat, im rechten Winkel zu demjenigen des Tieres, dadurch entwickelt er vor allem das, was sich beim Tier gar nicht entwickeln kann, weil dessen Rückgrat horizontal und nicht senkrecht steht. Daher kann das Tier sich keinen «Kritiker» an die Seite stellen und auch nicht die Urteile über Handlungen im tierischen Leben in die Zukunft hineinsenden. Es wird viel herauskommen, wenn sich die Naturwissenschaft aufraffen wird, nicht nur bei dem trivialen Urteil stehenzubleiben, daß man die Gliedmaßen des Tieres in ihren Strukturen und Formen vergleicht mit den Gliedmaßen des Menschen, oder den Kopf der Tiere vergleicht mit dem des Menschen. Der Mensch hat zwar sein vollkommenetes Gehirn, aber sonst ist schließlich der Menschenkopf nicht gar so verschieden von dem Tierkopf, und deshalb konnte auch die materialistische Theorie den Menschen leicht an die Tierreihe angliedern. Aber was den Menschen vom Tiere unterscheidet, ist seine Orientierung im Weltenall. Wird man einmal diese studieren, dann wird man auch naturwissenschaftlich auf etwas ganz anderes kommen. Da wird auch die Geisteswissenschaft richtunggebend sein, wie sie richtunggebend für anderes ist, indem sie hinweist auf bestimmte Vorgänge des Lebens, die dann erst durchschaut werden können, wenn man durch die Geisteswissenschaft die betreffende Richtung erhält.

[ 22 ] Wir sehen also, der Mensch ist so organisiert, daß mancherlei in ihm steckt, von dem man sagen kann, daß es auf der einen Seite gescheiter ist als er — manchmal auch raffinierter — in bezug auf die Schicksalsbeurteilung, und daß andererseits auch etwas in ihm steckt, was ein objektiverer Kritiker ist, als er selbst in seinem bewußten Leben ist. Im Menschen also steckt gewissermaßen schon das in komplizierter Weise, was man einen andern Menschen nennen kann, und im Leben kommt das auch zum Ausdruck. Der Mensch schaut seinen Handlungen in der Regel nicht zu. Der Kritiker in ihm bleibt unterbewußt, der wird erst bewußt zwischen Tod und neuer Geburt, wenn jener Schein überall Schritt für Schritt getroffen wird, von dem ich gesprochen habe. Bei einer vernünftigen, eingehenden Lebensbetrachtung jedoch kann man schon darauf kommen, wie dieser Kritiker in den einzelnen Menschen sich doch verschieden verhält.

[ 22 ] Wir sehen also, der Mensch ist so organisiert, daß mancherlei in ihm steckt, von dem man sagen kann, daß es auf der einen Seite gescheiter ist als er — manchmal auch raffinierter — in bezug auf die Schicksalsbeurteilung, und daß andererseits auch etwas in ihm steckt, was ein objektiverer Kritiker ist, als er selbst in seinem bewußten Leben ist. Im Menschen also steckt gewissermaßen schon das in komplizierter Weise, was man einen andern Menschen nennen kann, und im Leben kommt das auch zum Ausdruck. Der Mensch schaut seinen Handlungen in der Regel nicht zu. Der Kritiker in ihm bleibt unterbewußt, der wird erst bewußt zwischen Tod und neuer Geburt, wenn jener Schein überall Schritt für Schritt getroffen wird, von dem ich gesprochen habe. Bei einer vernünftigen, eingehenden Lebensbetrachtung jedoch kann man schon darauf kommen, wie dieser Kritiker in den einzelnen Menschen sich doch verschieden verhält.

[ 23 ] Vergleichen Sie miteinander zwei Menschentypen, die man im Leben finden kann. Der eine Typus wird häufig bezeichnet als Hansdampf in allen Gassen. Es gibt Menschen, die sind überall anzutreffen, haben niemals Zeit, müssen fortwährend unterwegs sein, müssen ihre Hände — man sagt wohl auch, ihre Nase — überall hineinstecken, müssen überall mittun und so fort. Die Menschen denken nicht weiter darüber nach, sie halten es für eine bloße Lebensgewohnbheit, die auf allerlei unterbewußten Dingen beruhen soll. Aber was doch damit zusammenhängt, das ist, daß der Kritiker in dieser Inkarnation, wo der Mensch ein Hansdampf in allen Gassen ist, eine besondere Stellung einnimmt. Diese Kritiker haben auch ihre besondere Individualität. Die Menschen finden es dann schon nach dem Tode. Bei einem solchen Hansdampf — es ist sehr gut, wenn man über solche Dinge auch mit Humor reden kann, denn dadurch, daß man den Humor nicht vollständig verdorren läßt, wenn man in die Geisteswissenschaft eintritt, kommt man über jene, die Geisteswissenschaft so beeinträchtigende Stimmung hinweg; denn diese Stimmung ist etwas, was die Geisteswissenschaft sehr beeinträchtigt —, bei solch einem Hansdampf ist dieser Kritiker etwas wie eine Art Schauspieler, der sehr gern gesehen werden will — nicht nur von Menschen, das bildet er sich nur ein, wohl aber von allerlei geistigen Wesen —, der seine Freude daran hat, daß alles, was da in der geistigen Welt herumwimmelt, immer sehen kann, wenn er herumläuft. Dieser Typus des Hansdampf ist in der geistigen Welt einer, der immer herumläuft und gesehen werden will, und von diesem Gesehen-werden-Wollen, das sich in einen unbewußten Trieb umsetzt, rührt der Charakter «Hansdampf in allen Gassen» her. — Nehmen wit den entgegengesetzten Charakter. Das ist der Mensch, der das vollbringt, was das Leben ihm auferlegt, wozu das Leben ihn drängt, was es von ihm fordert. Er ist nicht überall zu sehen, sondern handelt auch da, wo er nicht gesehen wird, wo es vom Leben gefordert wird und so weiter. Bei diesem nimmt auch der Kritiker eine besondere Stellung ein. Diese Dinge lassen sich schon durchschauen, wenn sie geisteswissenschaftlich betrachtet werden. Da nimmt der Kritiker die besondere Stellung ein, die von dem unbewußten Glauben herrührt, daß alles, was man tut, selbst wenn es nicht von den herumwimmelnden Geistern gesehen wird — wie es der Hansdampf gern möchte —, nicht vergeblich ist, daß keine Kraft in der Welt vergeblich ist, sondern ihre Bedeutung in der Welt hat. Dieser schöne Glaube: Alles was du tust, wenn es auch erst in Jahrtausenden herauskommen sollte, wird irgendwie seine Bedeutung im Gesamtleben der Welt haben —, dieses Bewußtsein liegt dem Gegentypus des Hansdampf zugrunde, ein gewisses Ruhen in der Welt, eine Sicherheit, die von dem eben charakterisierten Glauben herrührt. Wir sehen daraus, wie das Leben sich aufhellt, wenn man ins Auge faßt, daß der Mensch wirklich nicht nur die Beziehungen hat imLeben, die äußerlich in der Sinneswelt sichtbar sind, sondern daß er wirklich Beziehungen im Leben hat, die sich auf sein Verhältnis zur geistigen Welt gründen. Ich habe diese Ausführungen heute vorzugsweise aus dem Grunde gemacht, weil ich Ihnen dadurch zwei Elemente in der menschlichen Wesenheit vorgeführt habe: das eine Element, das mit der physischen Organisation des Menschen zwischen Geburt und Tod so zusammenhängt, daß die physische Organisation auf ein Unterbewußtes hinweist, indem gezeigt wird, daß Arme und Hände Denkorgane sind, wenn auch in dieser merkwürdigen Weise Denkorgane, daß sie dem, wofür der Kopf ein Sieb ist, einen besonderen Boden geben. Der Mensch ist in dieser Beziehung ein merkwürdiges Gefäß: Sein Kopf ist Sieb für das Schicksal; aber wenn die Gedanken, die das Schicksal macht, geronnen sind, dann werden sie durch die Arme und Hände aufgehalten. Das andere Element im Menschen ist das, was durch die Lotusblumen strahlt und hineingeht in das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. — Von dem Verhältnisse, das sich einrichtet zwischen diesen zwei Strömungen des Menschen, hängt Bedeutungsvolles ab. Denn betrachten Sie den ganzen Menschen in der Weise, daß Sie sich wirklich die Zwerchfellebene denken, so haben Sie ihn auch da als ein zwiespältiges Wesen: Etwas kommt in ihn hinein, stockt da, stockt durch die Kraft der Arme und Hände, aber geht doch bis in die Zwerchfellebene hinunter. Das ist etwas, was dadurch stockt, daß der Mensch ein vertikales Wesen ist, nicht ein horizontales wie das Tier. Es zeigt sich in der Tat so — so sonderbar es klingt, aber die Welt ist voller Rätsel —, daß die Beine des Tieres in einer anderen Art zu ihm stehen als die Arme zum Menschen. Das hat mit der Erde etwas zu tun. Denn die Strahlungen sieht man eigentlich durch die Erde kommend und durch den Menschen eindringend, aber gelenkt durch die Lotusblumen und hinstrahlend in die Zukunft. Es sind zwei Strömungen, die den Menschen als ein zwiespältiges Wesen zeigen. Im gewöhnlichen Leben sind diese beiden Strömungen ganz voneinander getrennt, und darauf beruht das Leben. Würden sich die zwei Strömungen im Leben verbinden, so wäre das Leben nicht so, wie es tatsächlich ist. Wenn sie zusammenströmten, könnte der Mensch nicht das Ich-Bewußtsein entwickeln, denn das Ich-Bewußtsein beruht darauf, daß die beiden Strömungen im Leben auseinandergehalten werden. Aber dennoch: Nur teilweise werden sie auseinandergehalten; in gewissem anderem Sinne strömen sie zusammen. Es ist tatsächlich so: Was da vom Menschen ausstrahlt, um hineinzustrahlen in das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, das kann wenn es der Mensch dazu bringt — mit jenen andern Einstrahlungen, die dann durch die Arme aufgehalten werden, bevor sie durch das Sieb gehen, sich außerhalb des Menschen vereinigen. Die beiden Strömungen, die sonst durch seinen Leib gehen, aber nicht zusammenkommen, können, wenn der Mensch sie aufhält, sich vereinigen. Diese Vereinigung gibt die Möglichkeit der Begegnung des Menschen mit den Verstorbenen, mit denen, die dutch die Pforte des Todes gegangen sind.

[ 23 ] Vergleichen Sie miteinander zwei Menschentypen, die man im Leben finden kann. Der eine Typus wird häufig bezeichnet als Hansdampf in allen Gassen. Es gibt Menschen, die sind überall anzutreffen, haben niemals Zeit, müssen fortwährend unterwegs sein, müssen ihre Hände — man sagt wohl auch, ihre Nase — überall hineinstecken, müssen überall mittun und so fort. Die Menschen denken nicht weiter darüber nach, sie halten es für eine bloße Lebensgewohnbheit, die auf allerlei unterbewußten Dingen beruhen soll. Aber was doch damit zusammenhängt, das ist, daß der Kritiker in dieser Inkarnation, wo der Mensch ein Hansdampf in allen Gassen ist, eine besondere Stellung einnimmt. Diese Kritiker haben auch ihre besondere Individualität. Die Menschen finden es dann schon nach dem Tode. Bei einem solchen Hansdampf — es ist sehr gut, wenn man über solche Dinge auch mit Humor reden kann, denn dadurch, daß man den Humor nicht vollständig verdorren läßt, wenn man in die Geisteswissenschaft eintritt, kommt man über jene, die Geisteswissenschaft so beeinträchtigende Stimmung hinweg; denn diese Stimmung ist etwas, was die Geisteswissenschaft sehr beeinträchtigt —, bei solch einem Hansdampf ist dieser Kritiker etwas wie eine Art Schauspieler, der sehr gern gesehen werden will — nicht nur von Menschen, das bildet er sich nur ein, wohl aber von allerlei geistigen Wesen —, der seine Freude daran hat, daß alles, was da in der geistigen Welt herumwimmelt, immer sehen kann, wenn er herumläuft. Dieser Typus des Hansdampf ist in der geistigen Welt einer, der immer herumläuft und gesehen werden will, und von diesem Gesehen-werden-Wollen, das sich in einen unbewußten Trieb umsetzt, rührt der Charakter «Hansdampf in allen Gassen» her. — Nehmen wit den entgegengesetzten Charakter. Das ist der Mensch, der das vollbringt, was das Leben ihm auferlegt, wozu das Leben ihn drängt, was es von ihm fordert. Er ist nicht überall zu sehen, sondern handelt auch da, wo er nicht gesehen wird, wo es vom Leben gefordert wird und so weiter. Bei diesem nimmt auch der Kritiker eine besondere Stellung ein. Diese Dinge lassen sich schon durchschauen, wenn sie geisteswissenschaftlich betrachtet werden. Da nimmt der Kritiker die besondere Stellung ein, die von dem unbewußten Glauben herrührt, daß alles, was man tut, selbst wenn es nicht von den herumwimmelnden Geistern gesehen wird — wie es der Hansdampf gern möchte —, nicht vergeblich ist, daß keine Kraft in der Welt vergeblich ist, sondern ihre Bedeutung in der Welt hat. Dieser schöne Glaube: Alles was du tust, wenn es auch erst in Jahrtausenden herauskommen sollte, wird irgendwie seine Bedeutung im Gesamtleben der Welt haben —, dieses Bewußtsein liegt dem Gegentypus des Hansdampf zugrunde, ein gewisses Ruhen in der Welt, eine Sicherheit, die von dem eben charakterisierten Glauben herrührt. Wir sehen daraus, wie das Leben sich aufhellt, wenn man ins Auge faßt, daß der Mensch wirklich nicht nur die Beziehungen hat imLeben, die äußerlich in der Sinneswelt sichtbar sind, sondern daß er wirklich Beziehungen im Leben hat, die sich auf sein Verhältnis zur geistigen Welt gründen. Ich habe diese Ausführungen heute vorzugsweise aus dem Grunde gemacht, weil ich Ihnen dadurch zwei Elemente in der menschlichen Wesenheit vorgeführt habe: das eine Element, das mit der physischen Organisation des Menschen zwischen Geburt und Tod so zusammenhängt, daß die physische Organisation auf ein Unterbewußtes hinweist, indem gezeigt wird, daß Arme und Hände Denkorgane sind, wenn auch in dieser merkwürdigen Weise Denkorgane, daß sie dem, wofür der Kopf ein Sieb ist, einen besonderen Boden geben. Der Mensch ist in dieser Beziehung ein merkwürdiges Gefäß: Sein Kopf ist Sieb für das Schicksal; aber wenn die Gedanken, die das Schicksal macht, geronnen sind, dann werden sie durch die Arme und Hände aufgehalten. Das andere Element im Menschen ist das, was durch die Lotusblumen strahlt und hineingeht in das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. — Von dem Verhältnisse, das sich einrichtet zwischen diesen zwei Strömungen des Menschen, hängt Bedeutungsvolles ab. Denn betrachten Sie den ganzen Menschen in der Weise, daß Sie sich wirklich die Zwerchfellebene denken, so haben Sie ihn auch da als ein zwiespältiges Wesen: Etwas kommt in ihn hinein, stockt da, stockt durch die Kraft der Arme und Hände, aber geht doch bis in die Zwerchfellebene hinunter. Das ist etwas, was dadurch stockt, daß der Mensch ein vertikales Wesen ist, nicht ein horizontales wie das Tier. Es zeigt sich in der Tat so — so sonderbar es klingt, aber die Welt ist voller Rätsel —, daß die Beine des Tieres in einer anderen Art zu ihm stehen als die Arme zum Menschen. Das hat mit der Erde etwas zu tun. Denn die Strahlungen sieht man eigentlich durch die Erde kommend und durch den Menschen eindringend, aber gelenkt durch die Lotusblumen und hinstrahlend in die Zukunft. Es sind zwei Strömungen, die den Menschen als ein zwiespältiges Wesen zeigen. Im gewöhnlichen Leben sind diese beiden Strömungen ganz voneinander getrennt, und darauf beruht das Leben. Würden sich die zwei Strömungen im Leben verbinden, so wäre das Leben nicht so, wie es tatsächlich ist. Wenn sie zusammenströmten, könnte der Mensch nicht das Ich-Bewußtsein entwickeln, denn das Ich-Bewußtsein beruht darauf, daß die beiden Strömungen im Leben auseinandergehalten werden. Aber dennoch: Nur teilweise werden sie auseinandergehalten; in gewissem anderem Sinne strömen sie zusammen. Es ist tatsächlich so: Was da vom Menschen ausstrahlt, um hineinzustrahlen in das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, das kann wenn es der Mensch dazu bringt — mit jenen andern Einstrahlungen, die dann durch die Arme aufgehalten werden, bevor sie durch das Sieb gehen, sich außerhalb des Menschen vereinigen. Die beiden Strömungen, die sonst durch seinen Leib gehen, aber nicht zusammenkommen, können, wenn der Mensch sie aufhält, sich vereinigen. Diese Vereinigung gibt die Möglichkeit der Begegnung des Menschen mit den Verstorbenen, mit denen, die dutch die Pforte des Todes gegangen sind.

[ 24 ] Damit habe ich heute durch die Charakterisierung dieser beiden Strömungen eine Einleitung geschaffen zu dem, was wir dann im nächsten Vortrage besprechen wollen über die Beziehungen des Menschen, die er von hier aus zu diesen Verstorbenen haben kann, um diese Beziehungen wieder von einem andern Gesichtspunkte aus zu betrachten.

[ 24 ] Damit habe ich heute durch die Charakterisierung dieser beiden Strömungen eine Einleitung geschaffen zu dem, was wir dann im nächsten Vortrage besprechen wollen über die Beziehungen des Menschen, die er von hier aus zu diesen Verstorbenen haben kann, um diese Beziehungen wieder von einem andern Gesichtspunkte aus zu betrachten.