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Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181

12 March 1918, Berlin

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Erdensterben und Weltenleben V

Earth-Death and Universal-Life V

[ 1 ] Wir haben versucht, gerade mit Beziehung auf die Menschenseelen, die schon durch des Todes Pforte gegangen sind, die Verhältnisse aufzusuchen, die da bestehen zwischen der Welt, in welcher der Mensch lebt zwischen Geburt und Tod, und derjenigen Welt, in der er lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wir wollen diese Verhältnisse von den verschiedensten Gesichtspunkten aus zu betrachten versuchen.

[ 1 ] We have attempted, particularly with regard to human souls that have already passed through the gate of death, to explore the relationships that exist between the world in which a person lives between birth and death, and the world in which they live between death and a new birth. We will attempt to examine these relationships from a wide variety of perspectives.

[ 2 ] Es wird die Menschheit im Laufe der Zeit, wenn sie — wie sie es notgedrungen wird müssen, um die Menschenaufgabe in den nächsten Zeiten zu erfüllen — sich erkennend an die geistige Welt heranmacht, sich davon überzeugen, daß ein richtiges, erschöpfendes Erkennen der Welt und ihrer Beziehung zu den Menschen weit, weit über dasjenige hinausgeht, was durch die physisch-sinnliche Wissenschaft und den Verstand, an den diese Wissenschaft gebunden ist, sich erforschen läßt. Der Mensch kennt gewissermaßen nur einen sehr kleinen Teil der wirklichen Welt — ich meine: der wirksamen Welt, in der er auch selber wirksam drinnensteht —, wenn er sich nur auf dasjenige bezieht, was durch die Sinne wahrnehmbar ist und durch den an die Sinne gefesselten Verstand festgestellt werden kann. Ich habe im Verlaufe der Vorträge darauf hingedeutet, wie der Mensch gewissermaßen seine Beobachtung verfeinern kann, wie er sie ausdehnen kann auf Verschiedenes, was im Leben vorhanden ist, aber eigentlich aus dem Grunde im Leben nicht beachtet wird, weil man nur das ins Auge faßt, was während des Wachlebens des Menschen vom Morgen bis zum Abend geschieht, und nicht berücksichtigt, was geschehen könnte, wovon wir in gewissem Sinne abgehalten werden, daß es geschehe. Ich habe, um Ihnen von diesen Dingen, die man zunächst mehr erfühlen muß als denken, wenigstens vorläufige Begriffe darüber zu geben, darauf hingewiesen, daß man sich ja nur zu überlegen braucht, wie man zum Beispiel von einem Ausgang abgehalten sein könnte, zu dem man sich für irgendeine Tagesstunde angeschickt hat, indem jemand zu Besuch kommt. Man hat sich vielleicht vorgenommen, um elf Uhr vormittags auszugehen, aber man kann es erst eine halbe Stunde später. Man stelle sich nun vor, wie unter Umständen selbstverständlich unter Umständen — der Tag doch ganz anders verlaufen wäre, wenn man zu der vorgenommenen Zeit ausgegangen wäre, wie einem irgend etwas anderes in dieser halben Stunde, die man versäumt hat, hätte zustoßen können, das einem nun überhaupt entgangen ist und einem gar nicht zugestoßen ist. Man überlege sich, wieviel solcher und ähnlicher Ereignisse im Laufe des Tages den Menschen treffen, und man wird eine Vorstellung davon bekommen, was alles hätte geschehen können. Man wird vergleichen können gefühlsmäßig — diese Vorstellung von dem, was alles hätte geschehen können, mit dem, was dann wirklich vom Morgen bis zum Abend nach dem Zusammenhang von Ursache und Wirkung sich tatsächlich ereignet hat.

[ 2 ] Over time, as humanity—in order to fulfill its human mission in the coming ages, as it will inevitably have to do—approaches the spiritual world with self-awareness, it will become convinced that a true, comprehensive understanding of the world and its relationship to humankind extends far, far beyond what can be explored through physical-sensory science and the intellect to which this science is bound. In a sense, human beings know only a very small part of the real world—I mean the active world in which they themselves are actively engaged—when they refer only to what is perceptible through the senses and can be ascertained by the intellect bound to the senses. In the course of these lectures, I have pointed out how human beings can, in a sense, refine their observation, how they can extend it to various aspects of life that but which are actually overlooked in life because we focus only on what happens during a person’s waking life from morning to evening, and do not take into account what might happen—things that, in a certain sense, we are prevented from allowing to happen. In order to give you at least a preliminary understanding of these things—which one must initially sense rather than think about—I have pointed out that one need only consider, for example, how one might be prevented from leaving the house at a certain time of day—a departure one had planned—because someone comes to visit. You may have planned to go out at eleven o’clock in the morning, but you can’t leave until half an hour later. Now imagine—under certain circumstances, of course—how the day might have unfolded quite differently if one had gone out at the intended time; how something else might have happened during that half-hour one missed, something that one has now completely missed out on and that did not happen at all. Consider how many such and similar events befall people in the course of a day, and you’ll get an idea of everything that could have happened. You’ll be able to compare, on an emotional level, this idea of everything that could have happened with what actually occurred from morning to evening according to the chain of cause and effect.

[ 3 ] Man wird gut tun, um sich von diesen Dingen eine wirklich deutliche Vorstellung zu machen, sie zu vergleichen mit ähnlichen Dingen in der Natur draußen; denn in der Natur gehen in gewisser Weise Dinge vor, die in ähnlicher Weise beurteilt werden müssen. Ich habe öfter darauf hingewiesen, doch einmal ein Augenmerk darauf zu haben, wie zum Beispiel in der Natur fortwährend Samenkräfte in großer Zahl verlorengehen. Denken Sie nur einmal daran, wie viele von den großen Mengen von Heringseiern im Laufe eines Jahres zu wirklichen Heringen werden, und was davon verloren geht. Dehnen Sie diese Vorstellung aus über das gesamte Leben. Versuchen Sie sich vorzustellen, wieviele für das Leben veranlagte Keime im Weltenlaufe nicht zu ihrer Ausbildung kommen, wieviel im Weltenlaufe stecken bleibt, was nicht zur Ausbildung kommen kann, was nicht im voll entwickelten sprießenden und sprossenden Leben da ist. Aber man glaube gar nicht, daß dies nicht auch zur Wirklichkeit gehöre. Es gehört ebenso zur Wirklichkeit wie das, was zu seiner vollen Ausbildung kommt, es kommt nur nicht bis zu einem gewissen Punkt, es nimmt einen andern Verlauf, gerade wie unsere eigenen Vorgänge des Lebens einen andern Verlauf nehmen, wenn wir, wie ich angedeutet habe, durch irgend etwas aufgehalten werden; das eine sind Lebensvorgänge, das andere sind Naturvorgänge, die gehemmt werden und die sich, indem sie gehemmt werden, in einer andern Weise dann fortsetzen. Solche Dinge kann man noch viel weiter ausdehnen.

[ 3 ] It would be wise to form a truly clear picture of these things and to compare them with similar phenomena in the natural world; for in nature, in a certain sense, things occur that must be assessed in a similar way. I have often pointed out that one should pay attention, for example, to how seed forces are constantly being lost in large numbers in nature. Just think for a moment about how many of the vast quantities of herring eggs develop into actual herring over the course of a year, and how many are lost in the process. Extend this idea to encompass all of life. Try to imagine how many germs predisposed to life fail to reach their full development in the course of the world’s history, how much remains stuck in the course of the world’s history—that which cannot reach full development, that which is not present in fully developed, sprouting, and budding life. But do not think for a moment that this does not also belong to reality. It is just as much a part of reality as that which reaches its full development; it simply does not reach a certain point, but takes a different course—just as our own life processes take a different course when, as I have indicated, we are held back by something; the former are life processes, the latter are natural processes that are inhibited and which, by being inhibited, then continue in a different way. Such things can be extended much further.

[ 4 ] Man frage sich nun, ob nicht sehr ähnlich ist mit diesen beiderlei Beispielen ein anderes, das fragend und rätselhaft sehr in das Menschenleben hereinragt. Wir wissen, daß die normale Lebensdauer eines Menschen siebzig bis neunzig Jahre ist. Wir wissen aber auch, daß die weitaus größte Zahl der Menschen viel früher stirbt, und wir sehen daraus, daß die Vollendung des Lebens nicht erreicht wird. Wie in der Natur die Samenkeime auf einer gewissen Stufe zurückbehalten werden und nicht zur vollen Reife kommen, ebenso kommen die Lebensvorgänge des Menschen nicht zur vollen Reife. Und wiederum sehen wir auch, wie unsere täglichen Handlungen nicht zur vollen Reife kommen, aus den eben angeführten Gründen. Das alles kann " uns darauf aufmerksam machen, daß gewissermaßen zwischen den Zeilen des Lebens eine Menge steckt, das man nicht beachtet, das gewissermaßen statt überzugehen in die Reiche, wo es sinnlich wahrnehmbar werden kann, stecken bleibt in geistigen Bereichen.

[ 4 ] One might now ask whether there is not another example, very similar to these two, that intrudes into human life in a questioning and enigmatic way. We know that the normal lifespan of a human being is seventy to ninety years. But we also know that the vast majority of people die much earlier, and we see from this that the fulfillment of life is not attained. Just as in nature the seeds are held back at a certain stage and do not reach full maturity, so too do the life processes of human beings fail to reach full maturity. And again, we also see how our daily actions do not reach full maturity, for the reasons just mentioned. All of this can “draw our attention to the fact that, in a sense, there is a great deal hidden between the lines of life that goes unnoticed—that, rather than passing over into the realms where it can be sensually perceived, remains stuck in spiritual realms.”

[ 5 ] Wenn Sie so etwas nicht bloß als eine Phantasie ansehen, sondern wirklich fruchtbar überlegen, so werden Sie schon den Übergang finden, wenn auch nicht zu einem vollgültigen Beweise, so doch zu einer Vorstellung von etwas sehr Bedeutungsvollem. Wenn wir im gewöhnlichen Leben als Menschen handeln, so gehen wir ja in der Weise vor, daß wir unsere Handlungen, unsere Taten, unsere Willensimpulse überlegen. Wir überlegen, was wir tun sollen, und führen dann aus, was wir überlegt haben. Aber das Leben verläuft nicht nur in dieser Weise, daß wir Handlungen uns vornehmen und sie dann ausführen, sodern es verläuft so, daß sich in das Leben etwas hineinstellt, was uns sehr oft nur wie eine Summe von Zufällen vorkommt, was uns vorkommt wie regellos, eben wie zufällig zusammenhängend, und was wir mit dem Worte «unser Schicksal» bezeichnen. Das Schicksal ist für den materialistisch denkenden Menschen eben das, was sich zusammensetzt aus den Ereignissen, die ihm von Tag zu Tag, wie er sagt, zustoßen. Gewiß, viele Menschen ahnen, daß in diesem Schicksal ein gewisser Plan vorliegt. Aber von dem Fassen des Gedankens an einen solchen Schicksalsplan bis zu dem wirklichen Durchschauen dessen, was da eigentlich vorgeht, kommt es in der Regel nicht, weil man das, was ich jetzt meine, obwohl es etwas sehr Bedeutungsvolles ist, im Leben nicht beachtet. Gegenwärtig kommt ja die sogenannte analytische Psychologie, die Psychoanalyse auf manches, was heute an die Pforten der Menschheit pocht. Die Vertreter dieser analytischen Psychologie gehen nur mit unzulänglichen Erkenntnismitteln an die Dinge heran. — Ich habe öfter im Kreise unserer Freunde auf ein paradoxes Beispiel aufmerksam gemacht, das die Psychoanalytiker jetzt fortwährend anwenden, weil es am Ausgangspunkte der Psychoanalyse die Menschen darauf gestoßen hat, daß es allerlei Geistiges im Leben gibt, von dem sich die gewöhnlichen Menschen keinen Begriff machen. Dieses paradoxe Beispiel wollen wir uns noch einmal vor die Seele führen, wenn es auch einige von Ihnen schon kennen.

[ 5 ] If you do not regard something like this merely as a fantasy, but give it serious thought, you will find the path—if not to a fully valid proof, then at least to a conception of something very significant. When we act as human beings in everyday life, we proceed by considering our actions, our deeds, and the impulses of our will. We consider what we should do, and then carry out what we have considered. But life does not unfold merely in this way—that we resolve to act and then carry out those actions—but rather in such a way that something enters into life that very often appears to us merely as a series of coincidences, that seems to us to be irregular, connected precisely by chance, and which we describe with the term “our fate.” For the materialistically minded person, fate is precisely that which is composed of the events that, as he puts it, “befall” him from day to day. Certainly, many people sense that there is a certain plan underlying this fate. But as a rule, people do not progress from merely grasping the idea of such a plan of fate to truly understanding what is actually taking place, because what I am referring to now—even though it is something very significant—is not taken into account in daily life. At present, so-called analytical psychology—psychoanalysis—is addressing many of the issues that are now knocking at the gates of humanity. The proponents of this analytical psychology approach these matters with only inadequate means of understanding. — I have often drawn attention, among our circle of friends, to a paradoxical example that psychoanalysts now use constantly, because at the very outset of psychoanalysis it led people to realize that there are all sorts of spiritual aspects to life of which ordinary people have no concept. Let us bring this paradoxical example to mind once more, even if some of you are already familiar with it.

[ 6 ] Eine Dame wird eingeladen in eine Abendunterhaltung und nimmt an dieser Abendunterhaltung teil, die aus dem Grunde veranstaltet wird, weil die Frau des Hauses, wo die Gesellschaft stattfindet, an diesem Abend abreisen wird. Sie soll ins Bad fahren, weil sie krank ist. Die Abendgesellschaft geht in tadelloser Weise vor sich. Die Dame des Hauses ist bereits nach ihrem Badeort abgefahren, die Gäste brechen sozusagen mit ihr zu gleicher Zeit auf, gehen fort. Eine Gruppe dieser Gäste befindet sich auf der Straße. Und während sie so weitergehen, kommt um die Ecke herum eine Droschke gefahren. Ich. sage ausdrücklich: eine Droschke, nicht ein Auto. Diese Droschke saust die Straße daher. Eine der Damen sondert sich aus der übrigen Gesellschaft ab. Während die andern Leute der Gesellschaft, die mit ihr zusammen gehen, der Droschke ausweichen, hat sie die besondere Idee, vor den Pferden der Droschke einherzulaufen; sie läuft auf der Straße vor den Pferden weiter fort, hinten die Pferde und sie vorne weg, bis sie den Gedanken bekommt, sie müsse doch irgend etwas tun, um sich aus dieser Situation zu retten. Da kommt sie laufend vor den Pferden der Droschke auf eine Brücke, die über einen Fluß geht, und denkt sich: Wenn sie sich jetzt ins Wasser stürzt, ist sie vor den Pferden sicher. Aber die andern Personen der Gesellschaft, die mit ihr zusammen gingen, sind, wie Sie sich denken können, ihr nachgelaufen und fangen sie noch zuletzt ab. Und die Verhältnisse ergeben es: Sie wird in das Haus zurückgebracht, das sie soeben verlassen hat, und wird dort aufgenommen. Schön, die Dame des Hauses ist fort; sie wird dort aufgenommen und ist nun in der Lage, eine Beziehung zu dem Hausherrn fortzusetzen, die sich einmal bei einem gemeinsamen Aufenthalt mit dem Hausherrn angesponnen hat.

[ 6 ] A lady is invited to an evening gathering and attends it; the gathering is being held because the lady of the house where the party is taking place is leaving that evening. She is going to a spa because she is ill. The evening gathering proceeds in an impeccable manner. The lady of the house has already left for her spa resort; the guests, so to speak, set off at the same time as she did and leave. A group of these guests is on the street. And as they continue walking, a horse-drawn cab comes around the corner. I explicitly say: a horse-drawn cab, not a car. This horse-drawn cab races down the street. One of the ladies breaks away from the rest of the group. While the others walking with her step aside to avoid the horse-drawn carriage, she has the peculiar idea of running right in front of the carriage’s horses; she keeps running down the street ahead of the horses—the horses behind her and she ahead—until it occurs to her that she must do something to save herself from this situation. As she runs ahead of the carriage’s horses, she comes to a bridge spanning a river and thinks to herself: If she jumps into the water now, she’ll be safe from the horses. But the other members of the group who were walking with her—as you can imagine—have run after her and catch up with her just in the nick of time. And as circumstances would have it: she is brought back to the house she had just left and is taken in there. Well, the lady of the house is away; she is taken in there and is now in a position to continue a relationship with the master of the house that had once begun during a previous stay with him.

[ 7 ] Der Psychoanalytiker sucht nun nach verborgenen Seelenprovinzen. Er findet, daß diese Dame einmal, als sie ein Kind war, irgendwelche Erfahrungen mit Pferden gemacht hat, daß diese Erlebnisse nun aus dem Unbewußten heraufkommen und so weiter. Wer aber das Seelenleben des Menschen kennt, wird auf alle diese Firlefanzereien der Psychoanalyse nicht eingehen können; denn wenn solche verborgene Seelenprovinzen und dergleichen auch vorhanden sind — was gar nicht geleugnet werden soll —, so sind sie doch nur die Vorbereiter dessen, worauf es ankommt, und nicht das, worum es sich in Wirklichkeit handelt. Worauf es in Wirklichkeit ankommt, das ist, daß der Mensch — also auch diese Dame, von der jetzt die Rede ist — ein unterbewußtes Bewußtsein hat, das unter Umständen viel schlauer und raffinierter ist als das Oberbewußtsein. Im Oberbewußtsein hat sich jene Dame, wie die meisten von Ihnen denken werden, ziemlich tapsig benommen, aber im Unterbewußtsein dachte Etwas viel schlauer als das, was im Oberbewußtsein gedacht hat. Im Unterbewußtsein dachte Etwas: Heute abend ist die Frau des Hauses abgefahren, ich muß auf irgendeine Weise sehen, wie ich mit dem Manne zusammenkommen kann, ich muß irgend etwas anstellen, muß die nächste Gelegenheit dazu benutzen. Das Unterbewußtsein ist sogar etwas prophetisch, es ahnt voraus, was geschehen wird, wenn man vor Pferden herläuft. Das alles kann in raffiniertester Weise vom Unterbewußtsein veranstaltet werden. Das Oberbewußtsein ist nicht so schlau; das Unterbewußtsein hat aber diese Schlauheit, die sich noch dadurch besonders erhöht, daß eine gewisse prophetische Gabe hinzutritt. Ich erwähne dieses Beispiel aus dem Grunde, weil es nur ein besonderer Fall ist von etwas, was ganz allgemein vorhanden ist. Jeder Mensch trägt in sich etwas, was viel umfassender, auch viel intensiver ist nach den verschiedensten Richtungen hin, als sein gewöhnliches Bewußtsein. Ja, wenn der Mensch alles das wüßte, was er in seinem Unterbewußtsein wirklich weiß: er wäre furchtbar gescheit und raffiniert dazu und würde ungeheuer viel auszudenken verstehen.

[ 7 ] The psychoanalyst now searches for hidden regions of the psyche. He discovers that this woman, when she was a child, had some kind of experience with horses, that these experiences are now surfacing from the unconscious, and so on. But anyone familiar with the inner life of human beings will not be able to go along with all this psychoanalytic nonsense; for even if such hidden realms of the soul and the like do exist—which is by no means to be denied—they are merely precursors to what really matters, and not the issue at hand. What really matters is that a person—including this lady we are now discussing—possesses a subconscious consciousness that, under certain circumstances, is far more astute and sophisticated than the conscious mind. In her conscious mind, as most of you will surmise, that lady behaved rather clumsily, but in her subconscious mind, Something was thinking much more shrewdly than what was going on in her conscious mind. In her subconscious, something thought: “The lady of the house has gone out tonight; I must find a way to get together with the man; I must do something, I must seize the next opportunity.” The subconscious is even somewhat prophetic; it foresees what will happen when one runs before horses. All of this can be orchestrated in the most sophisticated way by the subconscious mind. The conscious mind is not that clever; the subconscious mind, however, possesses this cleverness, which is further enhanced by the addition of a certain prophetic gift. I mention this example because it is merely a specific instance of something that exists quite generally. Every person carries within themselves something that is much more comprehensive—and also much more intense in a wide variety of directions—than their ordinary consciousness. Indeed, if a person knew everything that they actually know in their subconscious, they would be incredibly clever and astute, and would be capable of conceiving an immense amount.

[ 8 ] Man kann nun die Frage aufwerfen: Ist das, was da im Unterbewußtsein des Menschen lebt, nun eigentlich ganz untätig? Für den, der die Welt geistig zu beobachten versteht, ist es nicht ganz untätig. Im Gegenteil, es ist fortwährend tätig, ist wirklich fortwährend tätig. Was bei dieser Dame — und in ähnlichen Fällen kommt die Sache nur in einer abnormen Weise unter dem Einfluß von ganz besonderen Ereignissen, Begierden und Neigungen zum Vorschein —, aber was bei dieser Dame einmal in besonderer Weise zum Vorschein gekommen ist, das ist beim Menschen auf einem bestimmten Gebiete immer vorhanden, das begleitet ihn das ganze wache Leben. Wieso ist das? Daß es bei dieser Dame — es könnte ja unter Umständen auch ein Herr sein — einmal in einer solchen Weise zum Vorschein gekommen ist, das rührt nur davon her, daß diese unterbewußte Wissenschaft, die der Mensch vom Leben hat, zuweilen etwas über die Schnur haut. Das kommt beim gewöhnlichen Bewußtsein auch vor, daß man einmal etwas Besonderes tut, was eigentlich aus den gewöhnlichen Lebensgewohnheiten herausfällt, was einmal ein Ausnahmefall im Leben ist. So ist es auch bei diesem Unterbewußtsein. Aber hier, in diesem Falle, ist nur etwas Besonderes herausgekommen, was immer im Menschen tätig ist — wie tätig ist?

[ 8 ] One might now ask: Is what dwells in the human subconscious actually completely inactive? For those who know how to observe the world spiritually, it is not entirely inactive. On the contrary, it is constantly active—truly constantly active. What has come to light in a particular way in this lady—and in similar cases, the matter only comes to light in an abnormal way under the influence of very specific events, desires, and inclinations—but what has come to light in this lady in a particular way is always present in a person in a certain area; it accompanies them throughout their entire waking life. Why is that? The fact that it once came to light in such a way in this lady—it could, of course, also be a gentleman—stems solely from the fact that this subconscious knowledge that a person has of life sometimes goes a bit overboard. This also happens in ordinary consciousness: one does something unusual that actually falls outside one’s usual habits, something that is an exception in life. The same is true of this subconscious. But here, in this case, something special has simply come to the fore—something that is always at work within a person—how is it at work?

[ 9 ] Was wir Schicksal nennen, ist wirklich eine recht komplizierte Sache. Unser Schicksal scheint so an uns heranzutreten, daß seine Ereignisse uns zustoßen. Nehmen wir gleich einen eklatanten Fall des Schicksals, einen Fall, den ja manche Menschen kennen. Nehmen wir an, irgend jemand lerne einen andern Menschen kennen, der dann im Leben sein Freund, seine Frau oder der Mann oder dergleichen wird. Das wird von dem gewöhnlichen Oberbewußtsein so ausgelegt, daß es uns zugestoßen ist, daß wir selbst gar nichts dazu getan haben, daß der betreffende Mensch in unsere Lebenssphäre hereingetreten ist. Das ist aber nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist vielmehr eine andere.

[ 9 ] What we call fate is really quite a complicated matter. Our fate seems to approach us in such a way that its events simply happen to us. Let’s take a striking example of fate—one that many people are familiar with. Let’s suppose someone meets another person who then becomes their friend, wife, husband, or the like. The ordinary conscious mind interprets this as something that simply happened to us—that we ourselves did nothing to bring it about, that the person in question simply entered our sphere of life. But that is not the truth. The truth is quite different.

[ 10 ] Mit derjenigen Kraft, die im Unterbewußtsein ruht und die ich eben angedeutet habe, legen wir von dem Momente ab, wo wir durch die Geburt ins Dasein treten, und noch mehr, wo wir anfangen, zu uns Ich zu sagen, unseren Lebensweg so an, daß er in einem bestimmten Augenblick die Wege des andern kreuzt. Die Menschen achten nur nicht darauf, was für merkwürdige Sachen herauskommen würden, wenn man einen bestimmten Lebensweg verfolgen: würde, etwa den eines Menschen, der sich in einem bestimmten Augenblicke zum Beispiel verlobt. Wenn man sein Leben verfolgen würde, wie es sich entwickelt hat durch Kindheit und Jugend, von Ort zu Ort, bis der Mensch dazu gekommen ist, sich mit dem andern zu verloben, dann würde man viel Sinnvolles in seinem Ablauf finden. Man würde dann finden, daß der Betreffende gar nicht so ohne weiteres dahin gekommen ist, daß ihm etwas bloß zugestoßen ist, sondern daß er sich sehr sinnvoll hinbewegt hat bis dahin, wo er den andern gefunden hat. Das ganze Leben ist durchzogen von einem solchen Suchen, das ganze Schicksal ist ein solches Suchen. Allerdings müssen wir uns vorstellen, daß dieses Suchen nicht so abläuft, wie das Handeln unter gewöhnlicher Überlegung. Das letztere geht in gerader Linie vor sich; das Handeln im Unterbewußtsein geht stark und persönlich vor sich. Aber dann ist es etwas, was im Unterbewußtsein des Menschen sinnvoll vor sich geht. Es ist gar nicht einmal richtig, wenn man vom Unbewußten redet, man sollte Überbewußtes oder Unterbewußtes sagen, denn unbewußt ist es nur für das gewöhnliche Bewußtsein. Bei jener Dame, welche die Sache so raffiniert angelegt hat, um in das Haus des betreffenden Mannes wieder zurückzukommen, ist das Unterbewußte für sich viel bewußter, als die Dame selbst in ihrem Überbewußtsein ist. Und so ist es auch für das, was uns im Leben führt, so daß unser Schicksal ein bestimmtes Gewebe ist, das uns führt, und das ist sehr, sehr bewußt. Dagegen spricht gar nicht, daß der Mensch oft mit seinem Schicksal so wenig einverstanden ist. Würde er alle Faktoren überschauen, so würde er finden, daß er schon einverstanden sein könnte. Eben weil das Oberbewußtsein nicht so schlau ist wie das Unterbewußtsein, beurteilt es die Tatsachen des letzteren falsch und sagt sich: Es ist mir etwas Unsympathisches zugestoßen —, während der Mensch aus einer tiefen Überlegung heraus das, was man im Oberbewußtsein unsympathisch findet, in Wirklichkeit gesucht hat. Eine Erkenntnis der tieferen Zusammenhänge würde es dahin bringen, einzusehen, daß ein Klügerer die Dinge sucht, die dann Schicksal werden. Worauf beruht das alles? |

[ 10 ] With the power that lies dormant in the subconscious—the one I have just alluded to—we set our life’s course from the moment we enter existence through birth, and even more so when we begin to refer to ourselves as “I,” in such a way that it crosses the path of another at a specific moment. People simply do not pay attention to what remarkable things would come to light if one were to trace a specific life path—for example, that of a person who becomes engaged at a certain moment. If one were to trace that person’s life as it unfolded through childhood and youth, from place to place, until the moment they became engaged to another, one would find much meaning in the course of their life. One would then discover that the person in question did not simply arrive at that point by chance—that something merely happened to them—but rather that they moved toward it in a very purposeful way until they found the other person. The whole of life is permeated by such a search; the whole of destiny is such a search. Of course, we must imagine that this search does not proceed in the same way as actions carried out under ordinary deliberation. The latter proceeds in a straight line; action in the subconscious proceeds powerfully and personally. But then it is something that takes place meaningfully within a person’s subconscious. It is not even correct to speak of the “unconscious”; one should say “superconscious” or “subconscious,” for it is unconscious only to ordinary consciousness. In the case of that lady who so cleverly arranged things to return to the house of the man in question, the subconscious is far more conscious of itself than the lady herself is in her superconsciousness. And so it is also with what guides us in life, such that our destiny is a certain fabric that guides us, and that is very, very conscious. The fact that people often disagree so strongly with their fate does not contradict this at all. If they could survey all the factors, they would find that they could already be in agreement. Precisely because the superconscious is not as astute as the subconscious, it misjudges the facts of the latter and tells itself: “Something unpleasant has happened to me”—whereas, upon deeper reflection, the person has in fact sought out precisely what the conscious mind finds unpleasant. An understanding of the deeper connections would lead them to realize that a wiser person seeks out the very things that then become fate. What is the basis for all this? |

[ 11 ] Das beruht darauf — wenn man über solche Dinge redet, für die ja die gewöhnliche Sprache keine rechten Worte hat, kann man natürlich immer nur vergleichsweise sprechen, aber die Vergleiche meinen Wirklichkeiten —, es beruht darauf, daß unser gewöhnliches Kopfbewußtsein, auf das sich mancher Mensch viel einbildet, sozusagen ein Sieb ist. Es ist ein Vergleich, aber ein gültiger Vergleich, der auf eine Wirklichkeit hinweist. Unser Kopfbewußtsein ist ein Sieb. Wenn man in ein Sieb Wasser gießt, so rinnt es durch, es füllt das Sieb nicht. Diese Dinge, die da gedacht und überlegt werden und dann im Schicksalsgewebe zum Ausdruck kommen, gehen durch unser Kopfbewußtsein wie durch ein Sieb. Das ist der Grund, warum wir von ihnen im Oberbewußtsein nichts wissen. Das Kopfbewußtsein läßt sie durchgehen wie durch ein Sieb, aber der Mensch im Unterbewußtsein läßt sie nicht durchgehen. Nur weil sie im Oberbewußtsein durchgehen wie durch ein Sieb, weiß er von ihnen nichts; aber sie werden doch im Menschen aufgehalten.

[ 11 ] This is based on the fact—when one speaks of such things, for which ordinary language has no proper words, one can of course only ever speak in terms of comparisons, but these comparisons refer to realities—it is based on the fact that our ordinary mental consciousness, of which many people are so proud, is, so to speak, a sieve. It is a comparison, but a valid one that points to a reality. Our conscious mind is a sieve. When you pour water into a sieve, it runs through; it does not fill the sieve. These things that are thought and considered and then find expression in the fabric of destiny pass through our conscious mind as if through a sieve. That is why we know nothing about them in the conscious mind. The conscious mind lets them pass through as if through a sieve, but the person in the subconscious mind does not let them pass. Just because they pass through the conscious mind as if through a sieve, he knows nothing about them; yet they are still held back within the person.

[ 12 ] Wenn einmal wirklich in vernünftiger Weise Naturwissenschaft getrieben werden wird, dann werden sich die Menschen fragen: Wie stellen sich solche Dinge beim Tier dar, und wie beim Menschen? Beim Tier sind diese Erlebnisse so, daß sie ganz durch das Tier durchgehen, da ist das ganze Tier ein Sieb. Beim Menschen werden sie zwar nicht im Haupte, nicht im Kopfe, aber doch durch den ganzen Menschen aufgehalten. Nur weil im gewöhnlichen Leben bloß der Kopf denkt und nicht der ganze Mensch, so denkt der Mensch sie unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht mit. Nur wenn zum Beispiel Hysterie eintritt, die darin besteht, daß auch der andere Teil des Menschen zu denken anfängt — was ja dutch krankhafte Verhältnisse eintreten kann, im allgemeinen aber nicht eintreten sollte —, dann kommen solche Ausnahmefälle vor, wo einmal mitgedacht wird, was sonst schicksalsmäßig verläuft, und wo der Mensch, wie man sagen könnte, «Schicksal macht» — wie jene Dame, die ja Schicksal «gemacht» hat. Also der Mensch hält die Sache doch auf, und da stellt sich etwas höchst Merkwürdiges heraus. Warum geht durch das ganze Tier die Sache durch, und warum wird sie beim Menschen aufgehalten?

[ 12 ] Once natural science is truly pursued in a reasonable manner, people will ask themselves: How do such things manifest in animals, and how in humans? In animals, these experiences pass right through the animal; the entire animal acts as a sieve. In humans, they are not retained in the head or the mind, but are nonetheless held back by the whole person. It is only because, in ordinary life, it is merely the head that thinks and not the whole person that humans do not think these things through under normal circumstances. Only when, for example, hysteria sets in—which consists of the other part of the human being also beginning to think—which can indeed occur under pathological conditions, though generally should not—do such exceptional cases arise, in which what otherwise unfolds as fate is consciously processed, and in which the human being, as one might say, “makes fate” — like that lady who indeed “made” her own fate. So humans do hold the process back after all, and this reveals something most peculiar. Why does the process run its course throughout the entire animal kingdom, and why is it held back in humans?

[ 13 ] Das ist aus dem Grunde, weil das Tier keine Hände hat, das heißt, die Gliedmaßen sind mit der Erde immer verbunden, sind Beine oder sie sind Flügel, was den Vorgang etwas anders macht. Aber daß der Mensch diejenigen Gliedmaßen, die beim Tier Beine sind, umgeformt hat, das macht es, daß seine Arme und Hände so eingeschaltet sind in seinen Organismus, daß er seine Gedanken in seinem Schicksal in sich aufhält. Man kann nur nicht mit den Händen denken, man kann nur das Schicksal mit ihnen aufhalten; daher übersieht der Mensch sein Schicksal. Die Hände sind geradeso Gedankenorgane, wie der ätherische Teil des Kopfes es ist. Der ätherische Kopfteil tut beim Denken etwas ganz ähnliches, wie der Mensch im Leben mit seinen Händen tut: Mit den Händen macht der Mensch in sich stocken den Strom des Handelns, der sein Schicksal durchzieht. Es ist für den Menschen so eingerichtet, daß nur die gröberen Verstandestätigkeiten der Hände und Arme zum Ausdruck kommen. Jeder Mensch weiß, daß er in den Händen, vor allem in den Fingerspitzen, einen besonderen Spürsinn hat; aber dieser Spürsinn stellt das Allergröbste in dieser Beziehung dar. Denn es handelt sich hier um etwas schr Feines: das ist ein sehr schwaches, kaum glimmendes Denken, was die Menschen da entwickeln und bei künstlerischer Tätigkeit zum Ausdruck bringen können; aber die Hände sind eigentlich so eingeschaltet in den Gesamtorganismus des Menschen, daß sie das Denkorgan sind für das Schicksal. Der Mensch lernt im gegenwärtigen Entwickelungszyklus noch nicht mit den Händen denken. Würde er es lernen, würde er die Geheimnisse der Hände kennenlernen, so würde dies zu gleicher Zeit eine Einführung in die Erkenntnis der Grundgesetze des schicksalsmäßigen Zusammenhanges sein.

[ 13 ] This is because animals do not have hands; that is, their limbs are always connected to the ground—they are either legs or wings—which makes the process somewhat different. But the fact that humans have transformed the limbs that are legs in animals means that their arms and hands are so integrated into their organism that they hold their thoughts about their destiny within themselves. One cannot think with one’s hands; one can only hold back one’s destiny with them; therefore, humans overlook their destiny. The hands are organs of thought just as much as the etheric part of the head is. When thinking, the etheric part of the head does something very similar to what a human being does with his hands in life: with his hands, a human being halts within himself the stream of action that runs through his destiny. Human beings are constituted in such a way that only the coarser intellectual activities of the hands and arms are expressed. Everyone knows that they possess a special sense of perception in their hands, especially in their fingertips; but this sense of perception represents the coarsest aspect in this regard. For what is at stake here is something much more subtle: it is a very faint, barely glimmering thought that people develop and are able to express through artistic activity; but the hands are actually so integrated into the human organism as a whole that they serve as the organ of thought for destiny. In the present cycle of development, human beings have not yet learned to think with their hands. If they were to learn this—if they were to come to know the mysteries of the hands—it would simultaneously serve as an introduction to the understanding of the fundamental laws governing the interplay of fate.

[ 14 ] Das sieht sehr sonderbar aus, aber es ist so. Wir haben hier einen der Punkte, wo Geisteswissenschaft auf der einen Seite sagt: In den Händen, die ein unterbewußtes Denken entwickeln, wird das Schicksal gedacht. — Die Naturwissenschaft achtet heute noch nicht darauf. Sie muß, wenn sie nur ganz grob die menschliche Organisation betrachtet, selbstverständlich darauf kommen zu sagen: Der Mensch ist ein vollkommeneres Tier. — Das ist er ja auch. Aber in dem, was man dabei nicht beachtet, liegt gerade der wesentliche Unterschied des Menschen vom Tier. Bedenken Sie einmal: Wie ist beim Tier das Haupt? Beim Tier ruht das Haupt unmittelbar über der Erde. Beim Menschen ruht das Haupt so, daß das, was beim Tier die Erde trägt, vom Menschen selbst getragen wird; die Schwerpunktslinie des Hauptes fällt, bevor sie die Erde trifft, in den menschlichen Organismus hinein, wenn ich mich grob ausdrücken will: Sie geht durch das Zwerchfell. Der Mensch steht zu sich selber so, wie das Tier zur Erde. Wenn wir die Schwerpunktslinie des Kopfes beim Tier nehmen, so fällt sie direkt auf die Erde, ohne durch das Zwerchfell und durch den Organismus durchzugehen. In der Orientierung des Organismus zum ganzen Kosmos liegt beim Menschen das Wesentliche, und mit dieser Orientierung hängt zusammen, daß seine Arme und Hände anders organisiert sind, als die entsprechenden Gliedmaßen beim Tier. Da wird die Naturwissenschaft von der einen Seite her in Zukunft arbeiten; sie wird einmal fragen: Wie hängt es denn eigentlich beim Menschen mit dem Dynamischen, mit den Kräfteverhältnissen zum Weltenall zusammen, daß der Mensch aus dem Kosmos heraus nicht ein Vierbeiner, sondern ein Zweihänder ist? Das wird ihm aus dem Kosmos heraus organisiert! Und da arbeitet er sich entgegen, indem er aus dem Kosmos heraus so organisiert wird, daß die Schwerpunktslinie seines Kopfes in ihn selbst hereinfällt, und er seine eigene Erde wird. Indem er sich da seine Hände und Arme in einer besonderen Weise ausorganisiert, lebt er sich dadurch demjenigen entgegen, daß die Hände wieder ihrerseits das Schicksal ergreifen können, geradeso wie die Organisation des menschlichen Kopfes auch mit seiner aufrechten Stellung zusammenhängt. Der Mensch hat sein vollkommeneres Gehirn dadurch, daß die Schwerpunktslinie des Kopfes durch ihn durchgeht, nicht direkt auf die Erde fällt. Im Weltenall sind überall Kräfte, und wenn etwas anders orientiert ist, dann ist die Masse anders verteilt. Das wird man für die unorganische Natur zugeben, aber beim Menschen kann man es heute noch nicht beachten. Dadurch kommt man nicht darauf, wie das Materielle dem Geistigen im Menschen entgegenarbeitet, wie in ihm überall das Materielle das Geistige durchwirkt.

[ 14 ] This looks very strange, but it is true. Here we have one of the points where spiritual science, on the one hand, says: Destiny is conceived in the hands that develop subconscious thinking. — Natural science does not yet take this into account. If it considers the human organism only in very broad terms, it must naturally conclude: “Man is a more perfect animal.” — And indeed he is. But the very thing that is overlooked here is precisely the essential difference between man and animal. Consider this: What is the head like in an animal? In an animal, the head rests directly on the ground. In humans, the head rests in such a way that what supports the earth in animals is supported by the human being himself; the line of the head’s center of gravity falls into the human organism before it touches the earth—to put it roughly: it passes through the diaphragm. The human being stands in relation to himself just as the animal stands in relation to the earth. If we take the line of the head’s center of gravity in an animal, it falls directly onto the earth without passing through the diaphragm or the organism. The essential aspect of the human being lies in the organism’s orientation toward the entire cosmos, and connected to this orientation is the fact that the human arms and hands are organized differently than the corresponding limbs in animals. This is one direction in which natural science will work in the future; it will one day ask: How is it actually related, in the case of human beings, to the dynamic forces and the balance of forces within the universe that humans, emerging from the cosmos, are not quadrupeds but bipeds? This is organized for them from the cosmos! And they work toward this by being organized from the cosmos in such a way that the line of the center of gravity of their head falls into themselves, and they become their own earth. By organizing his hands and arms in a particular way, he works toward the point where his hands, in turn, can take fate into their own hands—just as the organization of the human head is also connected to his upright posture. Human beings have a more perfect brain because the line of the head’s center of gravity passes through them and does not fall directly onto the Earth. There are forces everywhere in the universe, and when something is oriented differently, mass is distributed differently. This is acknowledged in inorganic nature, but in the case of human beings, it cannot yet be taken into account today. Consequently, one fails to realize how the material works against the spiritual in human beings, how the material permeates the spiritual throughout their being.

[ 15 ] Das ist die eine Seite. Da können wir sagen: Wir lassen den Menschen ins Auge fassen, wie er auf seinem eigenen Zwerchfell ruht, und wir stehen darinnen, wenn wir bis zum Zwerchfell herab mit dem Unterbewußten denken, in dem Verstande des Schicksals, wie wir sonst nur in dem Verstande der überlegten Handlungen stehen. Aber nun steht der Mensch noch in anderer Weise im Leben darinnen; denn wir haben gesehen, daß er, wenn wir nicht nur einseitig sein Haupt betrachten, sondern seinen ganzen übrigen Organismus, daß er erwägend, aber unterbewußt erwägend, sein Schicksal bestimmt, sein Schicksal kennt.

[ 15 ] That is one side of the story. Here we can say: We allow the human being to contemplate how he rests upon his own diaphragm, and we stand within it when we think down to the diaphragm with the subconscious, in the sense of fate, just as we otherwise stand only in the sense of deliberate actions. But now the human being stands within life in yet another way; for we have seen that, when we consider not only his head in isolation but his entire remaining organism, he determines his destiny—and knows his destiny—through deliberation, though a subconscious deliberation.

[ 16 ] Es ist aber noch etwas anderes im Leben des Menschen der Fall. Wir verrichten Handlungen. Diese Handlungen verursachen uns im Leben eine gewisse Befriedigung oder auch Nichtbefriedigung. Denken Sie nur daran: Sie haben jemand irgendeine Wohltat erwiesen, das hat Ihnen. eine Befriedigung gewährt; oder Sie mußten irgend etwas unternehmen, was eine Abwehr von irgend etwas ist, und das ist mit .Unbefriedigung verknüpft und so weiter. Also Sie haben Verschiedenes, das der Mensch handelnd im Leben ausführt. Ja, wir führen nicht nur unsere Handlungen aus und empfinden darüber die bewußten Befriedigungen oder Nichtbefriedigungen. Das können wir am allerbesten sehen, wenn wir minder ins Leben eingreifende Handlungen geisteswissenschaftlich untersuchen. Eine Handlung ist es ja schon, wenn sie auch keine moralische Bedeutung zu haben braucht, wenn wir zum Beispiel Holz hacken. Es ist eine Handlung, was wir vollbringen, während wir Holz hacken; sie verursacht uns Ermüdung. Über die Ermüdung haben die Menschen allerlei Gedanken. Sie wissen aus dem letzten öffentlichen Vortrage, daß sich die Menschen vorstellen, daß sie von der Ermüdung einschlafen müßten, daß die Ursache des Einschlafens die Ermüdung sei. Von der Ermüdung weiß zwar jeder, daß sie wie als Begleiterscheinung von solchen Handlungen auftritt, wie es zum Beispiel Holzhacken ist. Aber diese Ermüdung ist von einer sehr tiefen Bedeutung, wenn man sie geisteswissenschaftlich untersucht. Die Ermüdung ist eigentlich gar nicht das, als was sie uns erscheint. Wir erleben sie als das, was wir Ermüdung nennen, aber sie ist etwas ganz anderes. Sie können sich auch leicht vorstellen, daß Ermüdung, die bei solchen Handlungen zutage tritt — mehr ins moralische oder intellektuelle Leben hineingehende Handlungen sind in dieser Beziehung nur verfeinert, es tritt bei ihnen nicht immer klar zutage, als wenn wir elementarere Handlungen betrachten wie zum Beispiel Holzhacken —, daß diese Ermüdung ein zwiespältiger Vor“gang ist. Zunächst müssen wir sprießende, sprossende Lebenskräfte anwenden, die mit unserem Wachstum zusammenhängen, dann aber haben wir diese Kräfte verbraucht, und es findet ein Abbauprozeß in unserem Organismus statt. Dieser Abbauprozeß wird als Ermüdung erlebt. Aber diese Ermüdung ist in Wahrheit eine Betäubung, deren tiefere Bedeutung wir in Wirklichkeit als etwas ganz anderes als eine Folge — in diesem Falle des Holzhackens — erleben. Die Ermüdung ist für das gewöhnliche Leben nur eine Betäubung. Was wird in Wahrheit erlebt?

[ 16 ] But there is something else that is true of human life. We perform actions. These actions bring us a certain degree of satisfaction—or dissatisfaction—in life. Just think about it: You have done someone a favor, which has given you satisfaction; or you had to do something to defend yourself against something, and that is associated with dissatisfaction, and so on. So there are various things that a person does in life through their actions. Yes, we do not merely carry out our actions and experience the resulting conscious satisfaction or dissatisfaction. We can see this most clearly when we examine actions that have less of an impact on life from a spiritual-scientific perspective. An action is an action even if it has no moral significance—for example, when we chop wood. What we accomplish while chopping wood is an action; it causes us fatigue. People have all sorts of ideas about fatigue. You know from the last public lecture that people imagine they must fall asleep because of fatigue, that fatigue is the cause of falling asleep. Everyone knows, of course, that fatigue occurs as a side effect of such actions as chopping wood, for example. But this fatigue has a very profound significance when examined from a spiritual scientific perspective. Fatigue is actually not at all what it appears to be to us. We experience it as what we call fatigue, but it is something entirely different. You can also easily imagine that fatigue, which manifests itself in such activities—activities that pertain more to moral or intellectual life are merely more refined in this regard; it does not always manifest itself as clearly in them as when we consider more elementary activities such as chopping wood—that this fatigue is an ambivalent process. At first, we must draw upon burgeoning, sprouting life forces connected to our growth; but then we have exhausted these forces, and a process of depletion takes place within our organism. This process of depletion is experienced as fatigue. But this fatigue is in truth a numbing, the deeper meaning of which we actually experience as something entirely different from a consequence—in this case, of chopping wood. For ordinary life, fatigue is merely a numbing. What is truly experienced?

[ 17 ] Natürlich kann man das nur aus der wirklichen geisteswissenschaftlichen Forschung heraus sagen. Wenn wir ermüdet sind nach dem Holzhacken, so zeigt sich an jenen Stellen, die wir als Stellen des Geistorganismus des Menschen kennen, und die man auch die Lotusblumen nennt — Näheres darüber finden Sie in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, eine richtige Ausstrahlung an einer der Lotusblumen. Es ist ein Erfolg da; der kommt dem Menschen nicht zum Bewußtsein. Dieser geistige Erfolg wird ihm nicht bewußt. Was ihm zum Bewußtsein kommt, ist das, was ihn betäubt, damit er das nicht an sich wahrnimmt, was als geistiger Erfolg da ist. Denn was da eigentlich ausstrahlt, ist wirklich ein Geistiges. "Und man begreift es noch besser, wenn man, um die Geistigkeit dieser Ausstrahlungen ins Auge zu fassen, sagen wir, eine in moralischer Beurteilung exponierte Handlung betrachtet. Nehmen wir an, wir haben nicht bloß Holz gehackt, sondern etwas getan, was einer moralischen Beurteilung unterliegt. Eine solche moralische Beurteilung wird zwar gewöhnlich nur für das engumgrenzte Leben ins Auge gefaßt. Sie hat aber noch eine andere Bedeutung. Alles was der Mensch tut, hat einen Wert im ganzen Entwickelungsgang der Menschheit. Auch die einzelne Handlung hat einen Wert im gesamten Entwickelungsgang der Menschheit. Diese Beurteilung, wieviel eine Handlung wert ist in diesem Entwickelungsgang, faßt der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein ebensowenig auf, wie er die Handlungen des Schicksals durch seinen Kopf auffaßt. Aber er läßt diese Bewertung nicht wie durch ein Sieb durch sein Wesen durchgehen, sondern wie eine Strahlung und strahlt sie durch die Lotusblumen nach außen. Der Mensch übt fortwährend unterbewußt eine Beurteilung, eine Bewertung jeder einzelnen seiner Handlungen aus. Sie können ein engelgleiches Wesen sein und allen Menschen Gutes tun: Sie urteilen im Unterbewußtsein über den Wert solcher Handlungsweise für die Gesamtentwickelung der Menschheit, und zwar sehr objektiv, was manchmal recht anders ausfällt, als man im Oberbewußtsein glauben würde. Oder Sie können ein Dieb sein — womit ich natürlich jetzt nichts weiter meine —, aber Sie beurteilen, indem Sie die Diebeshandlung ausführen, diese ganz objektiv nach dem Wert im Gesamtentwickelungsprozeß der Menschheit. Und das strahlen Sie durch die Lotusblumen unweigerlich vor sich hin. So wie unsere Schicksalsurteile, die durch den Kopf wie durch ein Sieb durchgehen, von unseren Armen und Händen aufgehalten werden, so werden von uns mit Hilfe unserer astralen Lotusblumenorganisation unsere Urteile geleitet, die wir über unsere Handlungen fällen, und zwar auch über die Gedankenhandlungen; die werden wie ein Schein ausgestrahlt durch unsere Lotusblumenorganisation, kommen aus uns heraus. Und dieser Schein geht sehr weit. Er geht über in die Zeit, bleibt nicht im Raume. Deshalb sind ja die Lotusblumen so schwer vorzustellen, weil sie sich fortwährend bewegen und fortwährend den Übergang in die Zeit nehmen. Da wird Raum wirklich zur Zeit. Der Mensch wirft einen Schein vor sich selbst her, aber so, daß dieser Schein in die Zeit übergeht, ein fortwährender Schein wird, der weit über den Tod hinausgeht. Das ganze Leben hindurch urteilt im Unterbewußtsein einer in uns. Wie einer in uns unser Schicksal denkt, so urteilt einer über alle unsere Handlungen, und dieses Urteil strahlen wir als einen Schein aus.

[ 17 ] Of course, this can only be said on the basis of genuine spiritual scientific research. When we are tired after chopping wood, a distinct radiance appears at one of the lotus flowers in those areas we know as parts of the human spiritual organism—you can find more details about this in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*— A spiritual achievement is taking place; it does not come to the person’s consciousness. This spiritual achievement remains unconscious to them. What does come to their consciousness is that which numbs them, so that they do not perceive within themselves what is actually present as a spiritual achievement. For what is actually radiating there is truly spiritual. “And one understands this even better when, in order to grasp the spiritual nature of these emanations, one considers, say, an action subject to moral judgment. Let us suppose we have not merely chopped wood, but have done something that is subject to moral judgment. Such moral judgment is, admittedly, usually considered only in relation to the narrowly defined sphere of life. But it has another significance as well. Everything a person does has value in the entire course of human development. Even an individual action has value in the entire course of human development. In ordinary consciousness, a person does not grasp this assessment of how much an action is worth in this process of development any more than he comprehends the workings of fate through his mind. But he does not allow this evaluation to pass through his being as if through a sieve; rather, it flows like a ray of light and radiates outward through the lotus flowers. Human beings constantly and subconsciously exercise an assessment, an evaluation of each and every one of their actions. You may be an angelic being and do good to all people: in your subconscious, you judge the value of such conduct for the overall development of humanity—and you do so very objectively, which sometimes turns out quite differently from what one would believe in the conscious mind. Or you might be a thief—by which, of course, I mean nothing more than that—but as you commit the act of theft, you are judging it quite objectively in terms of its value within the overall process of human development. And you inevitably radiate this outwards through the lotus flowers. Just as our judgments of fate, which pass through the head like through a sieve, are held back by our arms and hands, so too are the judgments we pass on our actions—including our mental actions—channeled by us with the help of our astral lotus flower organization; these are radiated like a glow through our lotus flower organization and emerge from within us. And this glow extends very far. It passes into time; it does not remain in space. That is why the lotus flowers are so difficult to imagine—because they are constantly moving and constantly making the transition into time. There, space truly becomes time. Human beings cast a radiance before themselves, but in such a way that this radiance passes into time, becoming a continuous radiance that extends far beyond death. Throughout our entire lives, a voice within us judges in the subconscious. Just as a voice within us conceives of our destiny, so does a voice judge all our actions, and we radiate this judgment as a radiance.

[ 18 ] Das ist natürlich wieder, weil es eine imaginative Handlung ist, bildhaft ausgedrückt, aber dieser bildhafte Ausdruck entspricht einer Wirklichkeit. Das Leben ist so, wie wenn von einem Scheinwerferapparat ein Schein weithin ausgestrahlt wird. Sie müssen ihn sich nur nicht räumlich, sondern in der Zeit vorstellen. Sie haben heute zum Beispiel als vierzigjähriger Mensch etwas getan; ihr Leben läuft weiter, geht durch Ihr fünfzigstes, ihr sechzigstes Jahr durch, dann durch den Tod und weiter hinein in das Dasein, das Sie zwischen Tod und neuer Geburt zubringen. Und indem Sie dieses Dasein durch‘machen, leben Sie sich Schritt für Schritt ein in das, was Sie in jenes Dasein durch Ihre Lotusblumen während Ihres Erdenlebens fortwährend hineinstrahlen. Sie treffen das alles an, was Sie in die Zukunft hineingestrahlt haben. Das ist etwa so, um es wieder bildlich auszudrücken, wie wenn Sie durch einen Scheinwerferapparat einen Schein erregen würden, der weithin strahlte, und Sie zögen dann längs dieses Scheines und sagten sich: Das ist da ausgestrahlt, das treffe ich alles wieder. Nur sind das die Urteile über Ihre Taten, welche Sie so treffen im Leben zwischen Tod und neuer Geburt. In dieser Beziehung ist der Mensch kein Sieb oder auch, wenn Sie wollen, ein Sieb: er läßt das durch, was er selber unterbewußt erzeugt.

[ 18 ] This is, of course, once again because it is an imaginative act, expressed in figurative terms, but this figurative expression corresponds to reality. Life is like a beam of light radiating far and wide from a spotlight. You just have to imagine it not in space, but in time. For example, today, as a forty-year-old, you have done something; your life continues, passing through your fiftieth and sixtieth years, then through death and onward into the existence you spend between death and a new birth. And as you go through this existence, you gradually immerse yourself in what you have continuously radiated into that existence through your lotus flowers during your earthly life. You encounter everything you have radiated into the future. To put it figuratively, it is roughly as if you were to project a beam of light with a spotlight that shone far and wide, and you were then to follow that beam, saying to yourself: “This is what was projected; I am encountering it all again.” Only these are the judgments regarding your deeds that you encounter in this way in the life between death and rebirth. In this regard, a human being is not a sieve—or, if you will, a sieve: he allows through what he himself has subconsciously created.

[ 19 ] Wiederum ist also im Menschen etwas vorhanden, was ein fortdauernder Kritiker — wenn wir das Wort nicht im pedantisch-philiströsen Sinne gebrauchen wollen — seines eigenen 'Tuns ist, und was von ihm hineingeworfen wird in seine eigene Zukunft. Man kann auch hier, wenn man will, das Naturwissenschaftliche heranziehen. Dadurch daß der Mensch aufrecht gebaut ist und wiederum also in seinem gewöhnlichen Bewußtseinsapparat auf sich ruht wie auf der eigenen Erde, dadurch wird an den Stellen der Lotusblumen das aufgehalten, was ausgeht von seinem Wandel über die Erde im weitesten Sinne des Wortes. Da wird es aufgehalten, im rechten Winkel umgebrochen und in das Leben hinausgeschickt.

[ 19 ] Once again, then, there is something within human beings that acts as a constant critic—if we do not wish to use the word in a pedantic, philistine sense—of their own “actions,” and which they project into their own future. Here, too, one can, if one wishes, draw on the natural sciences. Because human beings are built upright and thus, in their ordinary consciousness, rest upon themselves as upon their own earth, what emanates from their movement across the earth—in the broadest sense of the word—is held back at the points of the lotus flowers. There it is held back, redirected at a right angle, and sent out into life.

[ 20 ] Wir sehen also: In einer komplizierten, aber durchaus überschaubaren Weise stellt sich das, was sonst nur mit dem allgemeinen Ausdruck «das Unbewußte» umfaßt wird, in das menschliche Leben herein. Gerade dadurch, daß der Mensch auf der einen Seite mit seinem Zwerchfell sich abschließt nach unten, ist er mit seinem Unterbewußtsein angegliedert an seinen Schicksalszusammenhang.

[ 20 ] We can see, then, that what is otherwise encompassed only by the general term “the unconscious” enters human life in a complex yet entirely comprehensible way. Precisely because, on the one hand, a person is separated from what lies below by his diaphragm, he is connected to the fabric of his destiny through his subconscious.

[ 21 ] Beim Tier kommt dieses Ausstrahlen durch die Lotusblumen nicht in Betracht. Warum? Es hängt das wiederum mit der Orientierung des Tieres im Weltenall zusammen. Dadurch daß der Mensch sein Rückgrat vertikal gestellt hat, im rechten Winkel zu demjenigen des Tieres, dadurch entwickelt er vor allem das, was sich beim Tier gar nicht entwickeln kann, weil dessen Rückgrat horizontal und nicht senkrecht steht. Daher kann das Tier sich keinen «Kritiker» an die Seite stellen und auch nicht die Urteile über Handlungen im tierischen Leben in die Zukunft hineinsenden. Es wird viel herauskommen, wenn sich die Naturwissenschaft aufraffen wird, nicht nur bei dem trivialen Urteil stehenzubleiben, daß man die Gliedmaßen des Tieres in ihren Strukturen und Formen vergleicht mit den Gliedmaßen des Menschen, oder den Kopf der Tiere vergleicht mit dem des Menschen. Der Mensch hat zwar sein vollkommenetes Gehirn, aber sonst ist schließlich der Menschenkopf nicht gar so verschieden von dem Tierkopf, und deshalb konnte auch die materialistische Theorie den Menschen leicht an die Tierreihe angliedern. Aber was den Menschen vom Tiere unterscheidet, ist seine Orientierung im Weltenall. Wird man einmal diese studieren, dann wird man auch naturwissenschaftlich auf etwas ganz anderes kommen. Da wird auch die Geisteswissenschaft richtunggebend sein, wie sie richtunggebend für anderes ist, indem sie hinweist auf bestimmte Vorgänge des Lebens, die dann erst durchschaut werden können, wenn man durch die Geisteswissenschaft die betreffende Richtung erhält.

[ 21 ] In animals, this radiation through the lotus flowers does not occur. Why? This, in turn, is related to the animal’s orientation in the universe. Because humans have positioned their spine vertically, at a right angle to that of animals, they develop above all that which cannot develop at all in animals, since the animal’s spine is horizontal and not vertical. Consequently, animals cannot have a “critic” at their side, nor can they project judgments about actions in animal life into the future. Much will come to light when the natural sciences bring themselves to move beyond the trivial comparison of the structures and forms of animal limbs with those of humans, or of animal heads with human heads. Although humans have a more highly developed brain, in other respects the human head is not all that different from the animal head, and this is why materialist theory was able to easily place humans within the animal kingdom. But what distinguishes humans from animals is their orientation within the universe. Once this is studied, scientific inquiry will arrive at an entirely different conclusion. Here, too, spiritual science will provide guidance, just as it does in other areas, by pointing to certain processes of life that can only be understood once one has received the relevant direction through spiritual science.

[ 22 ] Wir sehen also, der Mensch ist so organisiert, daß mancherlei in ihm steckt, von dem man sagen kann, daß es auf der einen Seite gescheiter ist als er — manchmal auch raffinierter — in bezug auf die Schicksalsbeurteilung, und daß andererseits auch etwas in ihm steckt, was ein objektiverer Kritiker ist, als er selbst in seinem bewußten Leben ist. Im Menschen also steckt gewissermaßen schon das in komplizierter Weise, was man einen andern Menschen nennen kann, und im Leben kommt das auch zum Ausdruck. Der Mensch schaut seinen Handlungen in der Regel nicht zu. Der Kritiker in ihm bleibt unterbewußt, der wird erst bewußt zwischen Tod und neuer Geburt, wenn jener Schein überall Schritt für Schritt getroffen wird, von dem ich gesprochen habe. Bei einer vernünftigen, eingehenden Lebensbetrachtung jedoch kann man schon darauf kommen, wie dieser Kritiker in den einzelnen Menschen sich doch verschieden verhält.

[ 22 ] We see, then, that human beings are organized in such a way that there is something within them that, on the one hand, can be said to be wiser than they are—and sometimes even more astute—when it comes to judging their fate, and that, on the other hand, there is also something within them that serves as a more objective critic than they are in their conscious lives. In a sense, therefore, what one might call “another human being” is already present within a person in a complex way, and this is also expressed in life. As a rule, a person does not observe his own actions. The critic within him remains subconscious; he only becomes conscious of it between death and rebirth, when that appearance I have spoken of is encountered everywhere, step by step. However, upon a reasonable, thorough reflection on life, one can already come to realize how this critic behaves differently in each individual.

[ 23 ] Vergleichen Sie miteinander zwei Menschentypen, die man im Leben finden kann. Der eine Typus wird häufig bezeichnet als Hansdampf in allen Gassen. Es gibt Menschen, die sind überall anzutreffen, haben niemals Zeit, müssen fortwährend unterwegs sein, müssen ihre Hände — man sagt wohl auch, ihre Nase — überall hineinstecken, müssen überall mittun und so fort. Die Menschen denken nicht weiter darüber nach, sie halten es für eine bloße Lebensgewohnbheit, die auf allerlei unterbewußten Dingen beruhen soll. Aber was doch damit zusammenhängt, das ist, daß der Kritiker in dieser Inkarnation, wo der Mensch ein Hansdampf in allen Gassen ist, eine besondere Stellung einnimmt. Diese Kritiker haben auch ihre besondere Individualität. Die Menschen finden es dann schon nach dem Tode. Bei einem solchen Hansdampf — es ist sehr gut, wenn man über solche Dinge auch mit Humor reden kann, denn dadurch, daß man den Humor nicht vollständig verdorren läßt, wenn man in die Geisteswissenschaft eintritt, kommt man über jene, die Geisteswissenschaft so beeinträchtigende Stimmung hinweg; denn diese Stimmung ist etwas, was die Geisteswissenschaft sehr beeinträchtigt —, bei solch einem Hansdampf ist dieser Kritiker etwas wie eine Art Schauspieler, der sehr gern gesehen werden will — nicht nur von Menschen, das bildet er sich nur ein, wohl aber von allerlei geistigen Wesen —, der seine Freude daran hat, daß alles, was da in der geistigen Welt herumwimmelt, immer sehen kann, wenn er herumläuft. Dieser Typus des Hansdampf ist in der geistigen Welt einer, der immer herumläuft und gesehen werden will, und von diesem Gesehen-werden-Wollen, das sich in einen unbewußten Trieb umsetzt, rührt der Charakter «Hansdampf in allen Gassen» her. — Nehmen wit den entgegengesetzten Charakter. Das ist der Mensch, der das vollbringt, was das Leben ihm auferlegt, wozu das Leben ihn drängt, was es von ihm fordert. Er ist nicht überall zu sehen, sondern handelt auch da, wo er nicht gesehen wird, wo es vom Leben gefordert wird und so weiter. Bei diesem nimmt auch der Kritiker eine besondere Stellung ein. Diese Dinge lassen sich schon durchschauen, wenn sie geisteswissenschaftlich betrachtet werden. Da nimmt der Kritiker die besondere Stellung ein, die von dem unbewußten Glauben herrührt, daß alles, was man tut, selbst wenn es nicht von den herumwimmelnden Geistern gesehen wird — wie es der Hansdampf gern möchte —, nicht vergeblich ist, daß keine Kraft in der Welt vergeblich ist, sondern ihre Bedeutung in der Welt hat. Dieser schöne Glaube: Alles was du tust, wenn es auch erst in Jahrtausenden herauskommen sollte, wird irgendwie seine Bedeutung im Gesamtleben der Welt haben —, dieses Bewußtsein liegt dem Gegentypus des Hansdampf zugrunde, ein gewisses Ruhen in der Welt, eine Sicherheit, die von dem eben charakterisierten Glauben herrührt. Wir sehen daraus, wie das Leben sich aufhellt, wenn man ins Auge faßt, daß der Mensch wirklich nicht nur die Beziehungen hat imLeben, die äußerlich in der Sinneswelt sichtbar sind, sondern daß er wirklich Beziehungen im Leben hat, die sich auf sein Verhältnis zur geistigen Welt gründen. Ich habe diese Ausführungen heute vorzugsweise aus dem Grunde gemacht, weil ich Ihnen dadurch zwei Elemente in der menschlichen Wesenheit vorgeführt habe: das eine Element, das mit der physischen Organisation des Menschen zwischen Geburt und Tod so zusammenhängt, daß die physische Organisation auf ein Unterbewußtes hinweist, indem gezeigt wird, daß Arme und Hände Denkorgane sind, wenn auch in dieser merkwürdigen Weise Denkorgane, daß sie dem, wofür der Kopf ein Sieb ist, einen besonderen Boden geben. Der Mensch ist in dieser Beziehung ein merkwürdiges Gefäß: Sein Kopf ist Sieb für das Schicksal; aber wenn die Gedanken, die das Schicksal macht, geronnen sind, dann werden sie durch die Arme und Hände aufgehalten. Das andere Element im Menschen ist das, was durch die Lotusblumen strahlt und hineingeht in das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. — Von dem Verhältnisse, das sich einrichtet zwischen diesen zwei Strömungen des Menschen, hängt Bedeutungsvolles ab. Denn betrachten Sie den ganzen Menschen in der Weise, daß Sie sich wirklich die Zwerchfellebene denken, so haben Sie ihn auch da als ein zwiespältiges Wesen: Etwas kommt in ihn hinein, stockt da, stockt durch die Kraft der Arme und Hände, aber geht doch bis in die Zwerchfellebene hinunter. Das ist etwas, was dadurch stockt, daß der Mensch ein vertikales Wesen ist, nicht ein horizontales wie das Tier. Es zeigt sich in der Tat so — so sonderbar es klingt, aber die Welt ist voller Rätsel —, daß die Beine des Tieres in einer anderen Art zu ihm stehen als die Arme zum Menschen. Das hat mit der Erde etwas zu tun. Denn die Strahlungen sieht man eigentlich durch die Erde kommend und durch den Menschen eindringend, aber gelenkt durch die Lotusblumen und hinstrahlend in die Zukunft. Es sind zwei Strömungen, die den Menschen als ein zwiespältiges Wesen zeigen. Im gewöhnlichen Leben sind diese beiden Strömungen ganz voneinander getrennt, und darauf beruht das Leben. Würden sich die zwei Strömungen im Leben verbinden, so wäre das Leben nicht so, wie es tatsächlich ist. Wenn sie zusammenströmten, könnte der Mensch nicht das Ich-Bewußtsein entwickeln, denn das Ich-Bewußtsein beruht darauf, daß die beiden Strömungen im Leben auseinandergehalten werden. Aber dennoch: Nur teilweise werden sie auseinandergehalten; in gewissem anderem Sinne strömen sie zusammen. Es ist tatsächlich so: Was da vom Menschen ausstrahlt, um hineinzustrahlen in das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, das kann wenn es der Mensch dazu bringt — mit jenen andern Einstrahlungen, die dann durch die Arme aufgehalten werden, bevor sie durch das Sieb gehen, sich außerhalb des Menschen vereinigen. Die beiden Strömungen, die sonst durch seinen Leib gehen, aber nicht zusammenkommen, können, wenn der Mensch sie aufhält, sich vereinigen. Diese Vereinigung gibt die Möglichkeit der Begegnung des Menschen mit den Verstorbenen, mit denen, die dutch die Pforte des Todes gegangen sind.

[ 23 ] Compare two types of people that one might encounter in life. One type is often described as a jack-of-all-trades. There are people who can be found everywhere, who never have time, who must constantly be on the go, who must stick their hands—and, one might say, their noses—into everything, who must get involved in everything, and so on. People don’t give it much thought; they consider it merely a way of life based on all sorts of subconscious factors. But what is actually connected to this is that the critic occupies a special position in this incarnation, where the person is a jack-of-all-trades. These critics also have their own unique individuality. People only realize this after death. With such a jack-of-all-trades—it’s very good if one can also speak about such things with humor, because by not letting one’s sense of humor wither away completely when entering spiritual science, one can overcome that mood which so impairs spiritual science; for this mood is something that greatly impairs spiritual science—in the case of such a jack-of-all-trades, this critic is something like an actor who very much wants to be seen—not just by people, though he imagines that to be the case, but by all manner of spiritual beings—who takes pleasure in the fact that everything swarming about in the spiritual world can always see him as he goes about his business. In the spiritual world, this type of “jack-of-all-trades” is someone who is always running around and wants to be seen, and it is from this desire to be seen—which manifests as an unconscious impulse—that the character of the “jack-of-all-trades” originates. — Let’s take the opposite character. This is the person who accomplishes what life imposes on him, what life urges him to do, what it demands of him. He is not to be seen everywhere, but acts even where he is not seen, where life demands it, and so on. The critic also occupies a special position in relation to this type. These things become clear when viewed from a spiritual-scientific perspective. Here, the critic occupies a special position that stems from the unconscious belief that everything one does—even if it is not seen by the swarming spirits around us, as the jack-of-all-trades would like—is not in vain; that no force in the world is in vain, but has its significance in the world. This beautiful belief—that everything you do, even if it should only come to light in millennia, will somehow have its significance in the overall life of the world—this awareness underlies the opposite type of the jack-of-all-trades: a certain peace within the world, a certainty that stems from the belief just described. From this we see how life brightens when one considers that human beings truly have not only the relationships in life that are outwardly visible in the sensory world, but that they truly have relationships in life that are grounded in their connection to the spiritual world. I have presented these remarks today primarily because I have thereby shown you two elements in the human being: one element that is connected to the human physical organization between birth and death in such a way that the physical organization points to a subconscious realm, by showing that the arms and hands are organs of thought—albeit in this peculiar way—providing a special foundation for that which the head acts as a sieve for. In this respect, the human being is a remarkable vessel: His head is a sieve for destiny; but when the thoughts that shape destiny have congealed, they are held back by the arms and hands. The other element in the human being is that which radiates through the lotus flowers and enters into the life between death and new birth. — Much of significance depends on the relationship that develops between these two currents within the human being. For if you consider the whole human being in such a way that you truly imagine the diaphragmatic level, you will see that even there he is a dual being: something enters him, stalls there—stalled by the power of the arms and hands—yet still descends all the way to the diaphragmatic level. This is something that is held back by the fact that the human being is a vertical being, not a horizontal one like the animal. It is indeed evident—as strange as it may sound, but the world is full of mysteries—that the animal’s legs stand in a different relationship to it than the arms do to the human being. This has something to do with the Earth. For one can actually see the rays coming through the Earth and penetrating the human being, yet directed by the lotus flowers and radiating into the future. These are two currents that reveal the human being as an ambivalent being. In ordinary life, these two currents are completely separate from one another, and life is based on this. If the two currents were to merge in life, life would not be as it actually is. If they were to converge, human beings could not develop ego-consciousness, for ego-consciousness depends on the two currents being kept apart in life. And yet: they are kept apart only partially; in a certain other sense, they flow together. It is indeed the case that what radiates from a human being—intended to shine into the life between death and new birth—can, if the person brings it to pass, unite outside the human being with those other influxes that are then held back by the arms before they pass through the sieve. The two currents that otherwise pass through the human body but do not converge can, if the human being holds them back, unite. This union makes it possible for the human being to encounter the deceased, those who have passed through the gate of death.

[ 24 ] Damit habe ich heute durch die Charakterisierung dieser beiden Strömungen eine Einleitung geschaffen zu dem, was wir dann im nächsten Vortrage besprechen wollen über die Beziehungen des Menschen, die er von hier aus zu diesen Verstorbenen haben kann, um diese Beziehungen wieder von einem andern Gesichtspunkte aus zu betrachten.

[ 24 ] By characterizing these two currents today, I have thus provided an introduction to what we will discuss in the next lecture: the relationships that a person can have with these deceased individuals from this perspective, in order to examine these relationships from a different point of view.