Death as a Transformation of Life
GA 182
29 April 1918, Heidenheim
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Death as a Transformation of Life, tr. SOL
3. Mensch und Welt
3. Humanity and the World
[ 1 ] Heute wollen wir einiges von dem betrachten, was ich nennen möchte das Verhältnis, das sich herausbilden kann zwischen der einzelnen menschlichen Seele und dem, was wir unter anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft meinen. Man betrachtet heute da, wo man von dieser Geisteswissenschaft hört, vielfach noch nicht genügend durchgreifend, wie anders dieses Verhältnis der Menschenseele zur Geisteswissenschaft sein soll als das Verhältnis irgendeines anderen Wissens, irgendeiner anderen Erkenntnis zu dieser Menschenseele. Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, ist allerdings so geartet, daß sie zu ganz anderem in der Menschenseele spricht als irgendein anderes Wissen. Durch irgendein anderes Wissen lernt man dieses oder jenes kennen; man erfährt etwas über das eine oder über das andere in der Welt; man weiß dann mehr, als man vorher gewußt hat. In einer solchen Art steht Geisteswissenschaft nicht zur menschlichen Seele, daß sie nur übermitteln würde etwas, was man nachher weiß. Geisteswissenschaft appelliert an viel tiefere Impulse der menschlichen Seele, als an das bloße Wissen, als an das bloße Denken. Geisteswissenschaft ergreift, oder will wenigstens das tiefste Wesen in uns ergreifen, das, aus geistigen Welten kommend, in unser menschliches Erdenwesen mit der Geburt einzieht und das dieses menschliche Erdenwesen dann im Tode verläßt, um in die geistigen Welten zu anderen Aufgaben hinüberzuwandern. Geisteswissenschaft wird man nur dann in ihrer vollen Bedeutung für die Menschenseele erfassen können, wenn man dieses ihr wirkliches Verhältnis zur äußeren Welt und zum menschlichen Leben auch ganz gefühlsmäßig ins Auge faßt.
[ 1 ] Today we want to consider some aspects of what I would like to call the relationship that can develop between the individual human soul and what we mean by anthroposophically oriented spiritual science. Today, wherever one hears about this spiritual science, people often do not yet grasp sufficiently how different this relationship between the human soul and spiritual science is supposed to be from the relationship of any other kind of knowledge or insight to the human soul. Spiritual science, as it is understood here, is indeed of such a nature that it speaks to a completely different aspect of the human soul than any other kind of knowledge. Through any other form of knowledge, one learns about this or that; one gains insight into one thing or another in the world; one then knows more than one knew before. Spiritual science does not relate to the human soul in such a way that it merely conveys something that one subsequently knows. Spiritual science appeals to much deeper impulses of the human soul than mere knowledge or mere thinking. Spiritual science touches—or at least seeks to touch—the deepest essence within us, that which, coming from the spiritual worlds, enters our human earthly being at birth and which then leaves this human earthly being at death to pass over into the spiritual worlds for other tasks. One will only be able to grasp spiritual science in its full significance for the human soul when one also fully appreciates, on an emotional level, its true relationship to the external world and to human life.
[ 2 ] Man betrachtet den Menschen durchaus nicht vollständig, wenn man sich nicht klarmacht: Das, was in mir als Mensch lebt, was in mir als Mensch sich dadurch ausbildet, daß ich einen physischen Leib angenommen habe durch die Geburt, was mich im Laufe meines Lebens begleitet, indem ich zuerst als Kind unerfahren, ungeschickt bin, dann immer erfahrener, immer geschickter werde, das, was sich als Schicksal in mir abspielt, alles das, was in meinem Leibe und in meinem Leben vorhanden ist, es ist eigentlich die Umwandlung eines geistig-seelischen Wesens, welches im Geistig-Seelischen gelebt hat, bevor der Mensch empfangen oder geboren worden ist. Und an dieses Geistig-Seelische, welches im Leibe wohnt, wendet sich eigentlich das, was als Geisteswissenschaft gemeint ist.
[ 2 ] One does not view the human being in its entirety unless one realizes: that which lives within me as a human being—that which takes shape within me as a human being through my having taken on a physical body at birth, that which accompanies me throughout my life as I am at first, as a child, inexperienced and clumsy, then become increasingly experienced and skilled—that which unfolds within me as destiny, everything that is present in my body and in my life— is actually the transformation of a spiritual-soul being that lived in the spiritual-soul realm before the human being was conceived or born. And it is to this spiritual-soul being, which dwells within the body, that what is meant by spiritual science actually turns.
[ 3 ] Nun könnte man vielleicht glauben, es sei nicht nötig, daß der Mensch sich beschäftigt mit diesem seinem geistig-seelischen Wesen, weil ja dieses geistig-seelische Wesen schon in der Welt seinen Weg finden werde. Aber das ist nicht der Fall. Das, was in uns geistig-seelisch ist, das ergreift uns und steckt in uns, das hüllt sich gewissermaßen zum Teil in unseren Leib, zum Teil in unsere Fähigkeiten, zum Teil in unser Schicksal ein. Und man könnte sagen: Gerade in dem gegenwärtigen Entwickelungszyklus der Menschheit, in dem die Menschheit jetzt angekommen ist und in deren Sinn sie sich immer weiter gegen die Zukunft hin entwickeln wird, gerade im Sinne dieser Gegenwart und der Zukunft liegt es, daß der Mensch das, was sich so in ihn einlebt als geistiges Prinzip seines Leibes, als geistiges Prinzip seines Lebenslaufes und seiner Fähigkeiten, als geistiges Prinzip seines Schicksals, gewissermaßen erlöst. Dem Geiste entkommen wir nicht. Der Geist lebt einmal in uns. Wir können ihn unberücksichtigt lassen, dann lebt er trotzdem in uns. Wir können den faulsten, den bequemsten, den lässigsten Menschen ansehen, der niemals in seinem Leben sich Mühe gegeben hat, irgend etwas, was als religiöse oder geistige Anlagen in seinem Gemüte liegt, zur selbständigen Ausbildung zu bringen, der gewissermaßen ganz stumpf geblieben ist, wir können ihn ansehen: geistlos ist er nicht. Als geistlos von den Menschen zu sprechen, ist nur ein unrichtiges Wort. Es gibt keine geistlosen Menschen; es gibt auch nicht die Möglichkeit, im Leben geistlos zu sein. Denn das Geistige und das Seelische ist unsere Mitgabe, indem wir aus den geistigen Welten in die physische Welt eintreten; es ist uns zugeteilt nach Maßgabe desjenigen, was wir durchgemacht haben, bevor wir zu diesem jetzigen Erdenleben heruntergestiegen sind. Wir können nicht geistlos sein, aber wir können den Geist in uns unberücksichtigt lassen. Wir können uns gewissermaßen gegen ihn versündigen, wir können ihn nicht erlösen wollen. Wir können wollen, daß er nur in uns hineinschlüpft, in uns sich verhüllt: dann ist er in uns vorhanden, aber wir haben ihn nicht in uns befreit, wir haben ihn nicht erlöst.
[ 3 ] One might perhaps believe that it is not necessary for a person to concern themselves with this spiritual-soul nature of theirs, since this spiritual-soul nature will, after all, find its own way in the world. But that is not the case. That which is spiritual and soul-like within us takes hold of us and is embedded in us; it envelops itself, as it were, partly in our body, partly in our abilities, and partly in our destiny. And one could say: Precisely in the present cycle of human development—the one humanity has now entered and in the spirit of which it will continue to develop toward the future—it is precisely in the spirit of this present and this future that human beings, in a sense, redeem that which takes root within them as the spiritual principle of their body, as the spiritual principle of their life course and their abilities, and as the spiritual principle of their destiny. We cannot escape the spirit. Once the spirit lives within us, it remains there. We may choose to ignore it, but it lives within us nonetheless. We can look at the laziest, the most complacent, the most carefree person—who has never in his life made an effort to develop anything that lies within his soul as religious or spiritual inclinations, who has, so to speak, remained completely dull—we can look at him: he is not spiritless. To speak of people as spiritless is simply an incorrect term. There are no spiritless people; nor is it possible to be spiritless in life. For the spiritual and the soul are our endowment as we enter the physical world from the spiritual worlds; they are bestowed upon us in accordance with what we have experienced before descending to this present earthly life. We cannot be spiritless, but we can disregard the spirit within us. We can, so to speak, sin against it; we can refuse to redeem it. We can choose to let it merely slip into us, to remain veiled within us: then it is present within us, but we have not liberated it, we have not redeemed it.
[ 4 ] Auch so müssen wir lernen, allmählich auf das Leben der Menschen hinzuschauen. Und unsere Lebensauffassung wird eine ganz andere werden, und sie muß) im Laufe der Zeit eine ganz andere werden. Wir können im Leben Menschen finden, die stumpf, gemütlos geworden sind. Wir werden nicht sagen, sie seien geistlos, aber wir werden sagen: Sie haben die Sünde begangen, den Geist zu begraben während ihres Lebens, den Geist in seiner Verzauberung zu lassen, den Geist ins Fleisch, in den bloß äußeren Lebensgang hineinschlüpfen zu lassen, den Geist im Schicksal verkommen zu lassen. Wenn wir geboren werden, können wir nur dadurch Menschen werden, daß die geistig-seelische Individualität heruntersteigt aus geistig-seelischen Welten. Und indem das Kind in seiner ersten Organisation auftritt, ist es ein noch unvollkommenes Bild der geistigen Individualität. Die liegt in ihm. Die kann man unberücksichtigt lassen, oder man kann sie entzaubern, oder nach und nach aus dem Fleisch herausholen, aus dem Lebensgang herausholen, aus dem Schicksal herausholen. Das aber ist des Menschen Aufgabe und wird in der Zukunft immer mehr und mehr des Menschen Aufgabe werden, daß er den Geist nicht verkommen läßt. Ertöten können wir den Geist nicht, aber verkommen lassen können wir den Geist, indem wir ihn zwingen, einen anderen Weg zu gehen als den, den er geht, wenn wir ihn herausholen.
[ 4 ] Even so, we must learn to gradually turn our gaze toward people’s lives. And our view of life will become entirely different—and it must, over time, become entirely different. We may encounter people in life who have become dull and listless. We will not say that they are spiritless, but we will say: They have committed the sin of burying the spirit during their lifetime, of leaving the spirit in its enchantment, of allowing the spirit to slip into the flesh, into the merely external course of life, of letting the spirit degenerate into fate. When we are born, we can become human beings only through the descent of the spiritual-soul individuality from the spiritual-soul worlds. And as the child appears in its initial physical form, it is still an imperfect image of the spiritual individuality. That individuality lies within it. One can ignore it, or one can dispel its enchantment, or gradually draw it out of the flesh, out of the course of life, out of fate. But this is humanity’s task—and will increasingly become humanity’s task in the future—to ensure that the spirit does not degenerate. We cannot kill the spirit, but we can allow it to degenerate by forcing it to take a different path than the one it would take if we were to bring it forth.
[ 5 ] Wenn wir von einem Tage an uns bemühen, etwas über die geistigen Welten zu erfahren, etwas über die geistigen Welten zu empfinden: wir holen es eigentlich aus uns selbst. Das andere ist nur eine Anregung. Wir holen es aus uns selbst. Was Sie sich jemals über Geisteswissenschaft gesagt haben, Sie haben es aus sich selbst geholt, denn es steckt in Ihrem tiefsten Inneren drinnen, und es will heraus. Und es ist dazu bestimmt, herauszukommen, und es ist eine Versündigung gegen die Weltenordnung, den Geist im bloßen Fleische drinnen zu lassen, denn da geht er Irrwege; da überlassen wir ihn einem Schicksal, das er nicht einschlagen soll. Wir befreien den Geist, indem wir ihn herausholen aus dem Fleische. Und indem wir uns bewußt durchdringen mit dem Geiste, erlösen wir dasjenige, was erlöst sein will, aus dem Untergrund des Daseins heraus. Das wird man immer mehr und mehr einsehen. Man wird immer mehr einsehen, wie der Materialismus nicht darin besteht, daß er einfach eine [andere] Theorie nicht heraufkommen läßt, oder daß er eine falsche Theorie heraufkommen läßt, sondern wie der Materialismus darin besteht, daß er dasjenige, was ins Wissen, in die Empfindung der Menschenseele einziehen will, herunterströmen läßt in die grobe Materie und in der groben Materie wuchern läßt. Das ist dasjenige, worüber sich die Menschheit in der nächsten Zukunft zu entscheiden hat: ob sie den Geist in der Materie wird wuchern lassen wollen dadurch wird der Geist zur Mißbildung, dadurch kommt er in diabolischen, in teuflischen, in ahrimanischen Wahn hinein —, oder ob die Menschheit den Geist wird verwandeln wollen in Gedanken, in Gefühle, in Willensimpulse: dann wird der Geist unter den Menschen leben und das erreichen, was er erreichen will, indem er durch die Menschen in das Leben der Erde einziehen will. Denn der Geist will das ja: durch die Menschen in das Leben der Erde einziehen. Wir sollen ihn nicht zurückhalten. Und jedesmal, wenn wir uns wehren gegen das Kennenlernen des Geistes, halten wir ihn zurück: er muß gewissermaßen hinuntertauchen in die Materie, muß die Materie schlechter machen als sie ist. Denn der Geist hat seine zugeteilte Aufgabe: er soll durch die menschheitliche seelische Entwickelung ins Erdenleben eintreten; da wirkt er dann segensreich. Wird er in die Materie zurückgestoßen, dann wirkt er in der Materie verheerend, dann wirkt er schlimm.
[ 5 ] If, from a certain day onward, we strive to learn something about the spiritual worlds, to sense something about the spiritual worlds: we actually draw it from within ourselves. The outside influence is merely a stimulus. We draw it from within ourselves. Whatever you have ever said to yourself about spiritual science, you have drawn it from within yourself, for it lies deep within you, and it wants to come out. And it is destined to come out; it is a transgression against the order of the worlds to keep the spirit confined within mere flesh, for there it strays; there we abandon it to a fate it is not meant to follow. We liberate the spirit by drawing it out of the flesh. And by consciously permeating ourselves with the spirit, we redeem that which seeks redemption from the depths of existence. People will come to realize this more and more. They will increasingly understand that materialism does not consist in simply [other] theory, or that it allows a false theory to emerge, but rather that materialism consists in allowing that which seeks to enter into the knowledge and perception of the human soul to flow down into gross matter and to proliferate there. This is what humanity must decide in the near future: whether it will allow the spirit to proliferate within matter—thereby causing the spirit to become a deformity, thereby leading it into diabolical, devilish, Ahrimanic delusion—or whether humanity will seek to transform the spirit into thoughts, feelings, and impulses of will: then the spirit will live among human beings and achieve what it seeks to achieve by entering into the life of the Earth through human beings. For this is indeed what the spirit desires: to enter into the life of the Earth through human beings. We must not hold it back. And every time we resist getting to know the Spirit, we hold it back: it must, so to speak, plunge down into matter, must make matter worse than it is. For the Spirit has its assigned task: it is to enter into earthly life through the development of the human soul; there it then works for the good. If it is pushed back into matter, then it has a devastating effect on matter; then it has a harmful effect.
[ 6 ] Nehmen Sie das als das Wesen geisteswissenschaftlicher Erkenntnis, dann werden Sie sehen, daß dies mit unserem Menschenleben viel zu tun hat. Geisteswissenschaft will nicht eine Theorie sein wie andere Theorien, sondern sie will gerade dem Menschen die Möglichkeit geben, den Geist, der in der Menschennatur verzaubert ist, zu erlösen, zu befreien, das in der Welt zu wirken, was gewirkt werden will von den geistigen Welten aus. Das ist allerdings auch der Grund, warum viele Menschen Geisteswissenschaft heute noch sehr energisch zurückweisen. Andere Wissenschaft nehmen die Leute gerne an, denn diese andere Wissenschaft schmeichelt dem Stolz, der Eitelkeit der Menschen, aber sie macht nicht den Anspruch an die Menschen, etwas Reales zu sein, sondern sie macht bloß den Anspruch, Gedanken zu geben, den Verstand auszubilden, vielleicht auch einige nützliche Moralbegriffe den Menschen beizubringen; sie macht nicht den Anspruch, an des Menschen Kern heranzukommen, selbst geholt zu sein aus Welten, in denen dem Geiste eine Aufgabe zuerteilt ist. Ich möchte sagen: Durch die Geisteswissenschaft wird es erst ernst mit dem menschlichen Wissen, und davor scheuen die Menschen zurück. Sie möchten auch die Geisteswissenschaft nur als etwas haben, was so oben plätschert an der Oberfläche des Daseins. Daß es an des Menschen Kern und Wesenheit herangeht, davor fürchten sich die Menschen. Deshalb wollen sie die Geisteswissenschaft nicht annehmen. Würden sie die Geisteswissenschaft annehmen, dann würde es mit manchem im sozialen Leben, im geschichtlichen Leben in der allernächsten Zukunft anders werden müssen, dann würden die Menschen im alleralltäglichsten Leben anders denken müssen. Und darauf kommt es an. Daher ist es auch so, daß man die andere Wissenschaft aufnehmen kann, aber man bleibt derselbe das ganze Leben hindurch, man wird nur reicher an Wissen. Geisteswissenschaft soll man nicht aufnehmen, ohne daß sie einen umwandelt, und man kann sie nicht aufnehmen, ohne daß sie einen umwandelt. Sie macht einen langsam und allmählich zu einem anderen Menschen. Man muß Geduld haben, aber sie macht einen zu einem anderen Menschen, denn sie appelliert an ganz andere Menschheitsaufgaben, und sie appelliert an ganz anderes in der menschlichen Natur.
[ 6 ] If you take this as the essence of spiritual scientific knowledge, you will see that it has a great deal to do with our human life. Spiritual science does not seek to be a theory like other theories; rather, it seeks precisely to give human beings the opportunity to redeem and liberate the spirit that is enchanted within human nature, so that what the spiritual worlds intend to bring about in the world may come to pass. This, however, is also the reason why many people still very vigorously reject spiritual science today. People readily accept other sciences, for these other sciences flatter human pride and vanity; but they do not claim to be anything real, but merely claim to provide thoughts, to train the intellect, and perhaps also to teach people some useful moral concepts; it does not claim to reach the core of the human being, to have been drawn itself from worlds in which the spirit is assigned a task. I would like to say: It is only through spiritual science that human knowledge becomes truly serious, and people shy away from this. They would also like spiritual science to be merely something that splashes about on the surface of existence. People fear that it touches upon the core and essence of the human being. That is why they do not want to accept spiritual science. If they were to accept spiritual science, then many things in social life and in historical life would have to change in the very near future; people would have to think differently even in their most everyday lives. And that is what matters. That is also why it is the case that one can take up other sciences, yet remain the same person throughout one’s entire life—one merely becomes richer in knowledge. One should not take up spiritual science without it transforming one, and one cannot take it up without it transforming one. It slowly and gradually turns one into a different person. One must have patience, but it transforms one into a different person, for it appeals to entirely different human tasks, and it appeals to something entirely different within human nature.
[ 7 ] Sehen wir uns doch einmal diese Menschennatur an, sehen wir, wie mannigfaltig dieses menschliche Leben ist. In drei Strömungen lebt sich der Mensch dar: als vorstellender Mensch, als fühlender Mensch und als wollender Mensch. Im Vorstellen, Fühlen und Wollen erschöpft sich eigentlich dasjenige, was wir darleben können. Nun, alle drei Impulse der menschlichen Seele, Vorstellen, Fühlen und Wollen, stehen in einem ganz bestimmten Verhältnis zu dem, was eigentlich Geisteswissenschaft in der menschlichen Seele, in dem Kern der menschlichen Seele angreifen will.
[ 7 ] Let us take a look at human nature; let us see how multifaceted human life is. Human beings express themselves through three streams: as thinking beings, as feeling beings, and as willing beings. Thinking, feeling, and willing actually encompass everything we are capable of experiencing. Now, all three impulses of the human soul—imagination, feeling, and will—stand in a very specific relationship to what spiritual science actually seeks to address in the human soul, in the core of the human soul.
[ 8 ] Nehmen wir zuerst das Vorstellen. Das Vorstellen wird ja gewiß durch die gewöhnliche Wissenschaft und durch dasjenige, was heute von dieser gewöhnlichen Wissenschaft immer mehr in die Kindererziehung hineingeht und daher für die ganze Entwickelung des Menschheitsgeschickes, auch für das praktische Leben so bedeutungsvoll ist, weil es das Kind durchdringen soll, das Vorstellen wird durch die gewöhnliche Wissenschaft [nicht] bildsam. Es ist noch nicht lange her, ein paar Jahrhunderte, daß das in eminentester Art so ist, daher bemerken es heute die Menschen nicht. Aber es wird nicht lange dauern, dann wird das, was ich jetzt sage, in geradezu umfassender Weise bemerkt werden können. Man kann naturwissenschaftliche Begriffe, wie sie heute gerade den jüngsten Menschen, den Kindern beigebracht werden, sein ganzes Leben lang aufnehmen, ohne daß man durch dieses Aufnehmen so vieler Begriffe im Sinne der heutigen Wissenschaft anders zu werden braucht in bezug auf sein Vorstellen. Man bleibt derselbe. Ja man bleibt nicht nur derselbe, sondern es ist gar nicht zu leugnen, daß man durch die gewöhnlichen wissenschaftlichen Begriffe, die immer mehr und mehr in die allgemeine Bildung übergehen, sogar in intellektueller Beziehung immer beschränkter wird. Der Geist, insofern er ein denkender ist, verliert die Beweglichkeit, sich hineinzufinden in die Lebensverhältnisse, die viel komplizierter sind als das, was der Mensch durch das gewöhnliche Wissen aufnehmen kann.
[ 8 ] Let us first consider imagination. Imagination is certainly shaped by conventional science and by what is increasingly being incorporated from this conventional science into children’s education today—and is therefore so significant for the entire development of human destiny, as well as for practical life, because it is meant to permeate the child; imagination is [not] shaped by conventional science. It has not been long—just a few centuries—since this has been the case in the most pronounced way, which is why people do not notice it today. But it will not be long before what I am saying now can be observed in a truly comprehensive way. One can absorb scientific concepts—such as those currently taught to the youngest among us, the children—throughout one’s entire life without, through the absorption of so many concepts in the sense of modern science, having to change in terms of one’s imagination. One remains the same. Indeed, not only do you remain the same, but it cannot be denied that, through the ordinary scientific concepts that are increasingly becoming part of general education, you actually become more and more limited, even intellectually. The mind, insofar as it is a thinking mind, loses the flexibility to find its way into the circumstances of life, which are far more complicated than what a person can grasp through ordinary knowledge.
[ 9 ] Sehen Sie, es geht einem tief ins Herz, wenn man einige Möglichkeiten hat, heute in das Leben hineinzusehen. Wer ganz an die Begriffe gewöhnt worden ist, welche die Naturwissenschaften heute geben können, der wird immer unfähiger und unfähiger, die lebensvollen sozialen Zusammenhänge und sozialen Anforderungen zu begreifen. Er wird geradezu abgedrängt von dem wirklichen Leben. Und ich habe daher in diesen Tagen auch hier und sonst an verschiedenen Orten gesagt: Machen Sie Parlamente und Staatsvertretungen aus lauter Leuten, die gelehrt sind im Sinne der heutigen Weltanschauung. Sie werden sehen, was diese Gelehrten beschließen, die naturwissenschaftlich denken! Das ist ganz sicher geeignet, die Menschen in Grund und Boden hinein zu verderben in bezug auf soziale Einrichtungen, denn auf diesem Gebiete des sozialen Lebens kann von naturwissenschaftlichen Begriffen aus nur unfruchtbar gedacht werden. — So ist es in vieler, vieler Beziehung. Man verliert eine gewisse Beweglichkeit des Geistes durch dieses bloß intellektuelle Wissen. Das wird anders, sobald man sich auf die Begriffe der Geisteswissenschaft einläßt. Versuchen Sie sich dies einmal klarzumachen, wie anders Sie Ihren Geist stimmen müssen, wenn Sie das begreifen wollen, was in der Geisteswissenschaft geboten wird, und wenn Sie begreifen wollen das, was in der äußeren Welt heute an Bildung geboten wird. Gewiß, Geisteswissenschaft findet soviel Widerstände, weil es mehr Beweglichkeit, mehr Flüssigkeit des Geistes erfordert, sich in sie hineinzufinden. In dem, was heute die populär gebildete Literatur gibt — oder gar ihre Ableger, die durch die Kanäle in die Journalistik einfließen, wo dann die Leute so in ihren Sonntagsblättchen die Bildung aufnehmen —, in dem können sich die Menschen außerordentlich leicht bewegen. Und wenn sie gar in die heutigen Vorträge gehen, wo den Leuten in Augen und Mund hineingeschmiert wird dasjenige, was man ihnen noch — damit sie gar nicht zu denken brauchen — in allen möglichen Lichtbildern vorführt, so daß sie selber nicht zu denken brauchen, nicht den Geist in Bewegung zu setzen brauchen, so finden Sie in alledem nichts, was den Geist als denkenden, als vorstellenden frei macht. Die Unbefangenheit geht ihm verloren. Engherzig wird der Geist und beschränkt. Unsere intellektuelle Bildung ist der Weg zur geistigen Beschränktheit. Gewiß, unsere intellektuelle Bildung hat großartige Fortschritte gemacht auf naturwissenschaftlich-technischen Gebieten, aber sie ist der Weg zur Beschränktheit, sie engt das Denken, das Vorstellen ein. Und man muß an etwas ganz anderes im Vorstellen appellieren, wenn man Geisteswissenschaft verstehen will. Wenn die Leute daher heute an Geisteswissenschaft herankommen, so fürchten sie schon den ersten Schritt! Wenn sie nur ein paar Seiten gelesen haben, sagen manche: Da verliere ich mich ja, da komme ich nicht weiter, das geht in die Phantastik hinein! — Das geht gar nicht in die Phantastik hinein, sondern der Betreffende hat nur die Möglichkeit verloren, seine Gedanken wirklich frei zu bekommen, mit seinen Gedanken in die Wirklichkeit einzutauchen, wenn sie nicht die äußere Sinnenwelt am Gängelbande führt.
[ 9 ] You see, it touches one deeply when one has the opportunity to gain some insight into life today. Anyone who has become completely accustomed to the concepts that the natural sciences can offer today will become increasingly incapable of understanding the vibrant social interconnections and social demands. They are virtually pushed aside by real life. And that is why I have said these past few days, both here and in various other places: Fill parliaments and state assemblies with people who are educated in the spirit of today’s worldview. You will see what these scholars, who think in terms of the natural sciences, decide! This is certainly bound to ruin people completely when it comes to social institutions, for in this realm of social life, thinking based on scientific concepts can only lead to barren results. — This is true in many, many respects. One loses a certain agility of mind through this purely intellectual knowledge. That changes as soon as one engages with the concepts of spiritual science. Try to make this clear to yourself: how differently you must attune your mind if you wish to grasp what is offered in the humanities, and if you wish to grasp what is offered in the outer world today in the name of education. Certainly, the humanities encounter so much resistance because they require greater mental agility and fluidity to engage with them. People can navigate with extraordinary ease through what is offered today in popular educational literature—or even its offshoots, which flow through the channels into journalism, where people then absorb their education from their Sunday papers. And when they even attend today’s lectures, where what is presented to them—so that they do not have to think at all—is shoved right into their eyes and mouths through all manner of slides, so that they themselves do not have to think, do not have to set the mind in motion, they find in all of this nothing that frees the mind to think and imagine. They lose their open-mindedness. The mind becomes narrow-minded and limited. Our intellectual education is the path to spiritual narrowness. Certainly, our intellectual education has made tremendous progress in the fields of natural science and technology, but it is the path to narrowness; it constricts thinking and imagination. And one must appeal to something entirely different in the imagination if one wishes to understand spiritual science. Consequently, when people approach spiritual science today, they already fear the very first step! After reading just a few pages, some say: “I’m getting lost here; I can’t get any further; this is veering into fantasy!” — It doesn’t go into the realm of fantasy at all; rather, the person in question has simply lost the ability to set their thoughts truly free, to immerse themselves in reality with their thoughts, when those thoughts are not led by the nose by the external sensory world.
[ 10 ] Das ist das eine, daß Geisteswissenschaft an diejenige Kraft in der Menschennatur appelliert, die uns die Beschränktheit nimmt, die unser Denken, unser Vorstellungsleben in die Fähigkeit versetzt, nicht nur wenig, sondern vieles zu begreifen. Es ist wirklich sehr ernst gemeint gewesen, wenn ich in diesen Tagen im öffentlichen Vortrag in Stuttgart gesagt habe: Dem Geistesforscher ist es einerlei, ob einer Materialist oder Spiritualist ist; darauf kommt es nicht an, das ist nebensächlich. Worauf es ankommt, das ist, genügend Geisteskraft zu entwickeln, um richtig vorwärtszuschreiten. Wer diese Kraft hat, diese Geisteskraft, der mag Materialist sein, er findet in der Materie und ihren Vorgängen den Geist, wenn er nur konsequent ist. Und derjenige, der Spiritualist ist, bleibt auch nicht dabei stehen, zu sagen: Geist und Geist und Geist ...! sondern er taucht unter in das materielle Leben, in das praktische Leben auch, er läßt sein Denken bis in die Handgriffe fruchtbar werden. Vielseitigkeit, wie es das heutige Leben verlangt — und das Leben der Zukunft wird es noch mehr tun —, Vielseitigkeit ist dasjenige, was zunächst aus der Geisteswissenschaft den Menschen wird. Und das braucht die Menschheit, die der Zukunft entgegenwirkt. Wer das Leben heute kennt und sich die katastrophalen Ereignisse, die um uns herum sind, anschaut, der weiß, daß zu den tieferen Ursachen der heutigen Katastrophe das gehört, daß die Menschen einseitig geworden sind, trotz aller hohen wissenschaftlichen Bildung, daß ihnen die Möglichkeit fehlt, vielseitig in die Dinge einzudringen. Es fehlt ihnen die Beweglichkeit des Geistes, um unterzutauchen in die Wirklichkeit. Vielseitigkeit, das ist dasjenige, was durch Geisteswissenschaft gewonnen wird für das Vorstellen.
[ 10 ] This is one thing: that spiritual science appeals to that power within human nature which frees us from our limitations, enabling our thinking and our imagination to comprehend not just a little, but a great deal. I was truly very serious when I said in a public lecture in Stuttgart a few days ago: It makes no difference to the spiritual researcher whether someone is a materialist or a spiritualist; that is not what matters—it is irrelevant. What matters is developing sufficient spiritual power to move forward correctly. Whoever possesses this power—this spiritual power—may well be a materialist; he will find the spirit in matter and its processes, provided he is consistent. And the spiritualist, too, does not stop at saying, “Spirit, spirit, spirit…!” but rather delves into material life, into practical life as well, allowing his thinking to bear fruit even in the most practical of actions. Versatility—as today’s life demands it, and the life of the future will demand it even more—is what first and foremost comes to people through spiritual science. And this is what humanity, as it works toward the future, needs. Anyone who understands life today and looks at the catastrophic events surrounding us knows that one of the deeper causes of today’s catastrophe is that people have become one-sided, despite all their advanced scientific education; they lack the ability to approach things from multiple perspectives. They lack the mental agility to immerse themselves in reality. Versatility—that is what spiritual science brings to the imagination.
[ 11 ] Auch für das Fühlen wird etwas gewonnen durch die Geisteswissenschaft. Denn derjenige, der so denken will, wie Geisteswissenschaft es notwendig macht, der sich an diese viel beweglichere Welt gewöhnen muß, der macht etwas, was sonst nur [verborgen] im Menschen lebt, frei, so daß es aus dem Menschen heraus sich entfaltet. In unserem Fühlen, wie wir es mitgebracht haben in unsere Geburt, lebt der Weltenrhythmus. Mehr als man glaubt, lebt der ganze Weltenrhythmus in uns. Das läßt sich sogar zahlenmäßig nachweisen, nur wissen die wenigsten Menschen etwas von diesen Geheimnissen des Daseins. Scheuen Sie es nicht, mit mir diese Betrachtungen anzustellen, wie der ganze Weltenrhythmus lebt in unserem eigenen Organismus, in dem, was in uns vorgeht. Sie wissen: Der Sonnenaufgang rückt jedes Jahr ein Stückchen weiter. Wenn wir zurückgehen in alte Zeiten, war der sogenannte Frühlingspunkt der Sonne im Stier; dann kam er in den Widder, aber in dem Widder jedes Jahr weiterrückend; jetzt ist er in den Fischen. Die Sonne geht nicht jedes Jahr am 21. März an demselben Punkte auf; dadurch kommt sie ja die ganze Kreisbahn herum. Und nach 25920 Jahren ungefähr geht die Sonne ganz herum, scheinbar natürlich, beschreibt die ganze Ellipse. Wenn sie heute in einem bestimmten Punkt der Fische aufgeht, kommt sie in 25920 Jahren wieder dahin zurück. Das Kuriose ist: Wenn Sie diese ungefähr 25920 Jahre betrachten als das große Weltenjahr, wie es die alten Griechen betrachtet haben, und Sie suchen nun einen Tag dieses Weltenjahres, so müssen Sie durch 365 dividieren. Was ist dann ein Tag dieses großen Weltenjahres? Das sind ungefähr 70 bis 71 Jahre. Das ist nämlich im Durchschnitt ein Menschenleben, wenn der Mensch alt wird. Wenn Sie sich das Menschenleben, wie es hier auf der Erde zugebracht wird, als einen Tag denken, und das ganze platonische Jahr nehmen, so ist das 365 mal so viel. Das braucht die Sonne, um einmal in der Welt ihren Umgang zu machen: 365 Tage, von denen der Mensch einen in einem Erdenleben durchlebt. Es ist ein schöner Rhythmus, aber dieser Rhythmus geht viel weiter. Bedenken Sie, daß wir in einer Minute ungefähr 18 Atemzüge machen. Diese 18 Atemzüge, multipliziert mit 60, geben die Atemzüge einer Stunde; dieses multipliziert mit 24 gibt die Atemzüge in einem Tag und einer Nacht. Wenn Sie 18 mal 60 mal 24 rechnen, so bekommen Sie heraus: 25920. Das heißt, Sie machen soviel Atemzüge in einem Tage, als die Sonne [Erdenjahre] braucht, um durch ihr eigenes Jahr durchzugehen. Derselbe Rhythmus ist in Ihrem Atmen innerlich, der äußerlich im Gang der Sonne ist. Und wiederum ist das Merkwürdige: Da bringen Sie einen Tag zu, indem Sie in einem Tag 25920 mal atmen. Nehmen Sie einen Tag so, daf3 Sie ihn behandeln wie einen Atemzug: er ist in gewissem Sinne ein Atemzug, so ein Tag, denn morgens atmet unser Leib und unser Ätherleib unser Ich und den Astralleib ein, und am Abend beim Einschlafen atmen wir unser Ich und den Astralleib aus; ein Einatmen und Ausatmen ist das. Wie oft machen wir das in einem Sonnentage, in ungefähr 70 bis 71 Jahren? Wir machen dieses Atmen, das heißt das Leben in einem Tage rechnen Sie es aus — fast genau 25920 mal. Soviel Tage leben wir nämlich in 71 Jahren. Der einzelne Atemzug verhält sich also zu den Atemzügen des ganzen vierundzwanzigstündigen Tages wie das Vorrücken des Frühlingspunktes in einem Jahr zu dem Vorrücken der Sonne durch 25920 Jahre. Das einzelne menschliche Erdenleben ist im Verhältnis zum großen Sonnenjahr von 25920 wie ein Tag, ein Tag unseres Lebens, ein vierundzwanzigstündiger Tag ist ebenso viele Male in unserem 71 Jahre währenden Leben drinnen wie ein Jahr im Sonnenumlauf. Denken Sie sich, was das eigentlich bedeutet, daß wir so in dem wunderbaren Rhythmus des sonnendurchglänzten Kosmos drinnenstehen, daß unser Leben, insofern es inneres Menschenleben ist, rein rechnerisch ausdrückt die große Sphärenmusik des Kosmos!
[ 11 ] Spiritual science also brings something to our sense of feeling. For whoever wishes to think in the way that spiritual science requires—who must accustom themselves to this far more dynamic world—unleashes something that otherwise lives only [hidden] within the human being, so that it unfolds from within the person. The rhythm of the world lives within our feelings, just as we brought them with us at birth. More than one might think, the entire rhythm of the world lives within us. This can even be demonstrated numerically, yet very few people know anything about these mysteries of existence. Do not hesitate to join me in these reflections on how the entire rhythm of the world lives within our own organism, in what takes place within us. You know: the sunrise shifts a little further each year. If we go back to ancient times, the so-called vernal equinox was in Taurus; then it moved into Aries, but shifted further within Aries each year; now it is in Pisces. The sun does not rise at the same point every year on March 21; in doing so, it completes its entire orbital path. And after approximately 25,920 years, the sun completes a full cycle, seemingly naturally, tracing the entire ellipse. If it rises today at a specific point in Pisces, it will return to that same point in 25,920 years. The curious thing is this: If you consider these approximately 25,920 years to be the great cosmic year, as the ancient Greeks did, and you now seek to determine a single day within this cosmic year, you must divide by 365. What, then, is a day of this great cosmic year? It is approximately 70 to 71 years. That is, on average, a human lifetime, assuming a person lives to old age. If you think of human life, as it is lived here on Earth, as one day, and take the entire Platonic year, that is 365 times as long. That is how long it takes the sun to complete one orbit around the world: 365 days, of which a person experiences one in a single earthly lifetime. It is a beautiful rhythm, but this rhythm extends much further. Consider that we take about 18 breaths in a minute. These 18 breaths, multiplied by 60, give the number of breaths in an hour; this, multiplied by 24, gives the number of breaths in a day and a night. If you calculate 18 times 60 times 24, you get: 25,920. That means you take as many breaths in a day as it takes the sun [in Earth years] to complete its own year. The same rhythm that exists externally in the sun’s course is present internally in your breathing. And again, the remarkable thing is this: you get through a day by breathing 25,920 times in a single day. Consider a day in such a way that you treat it as a single breath: in a certain sense, a day is a breath, for in the morning our physical body and our etheric body inhale our I and the astral body, and in the evening, as we fall asleep, we exhale our I and the astral body; this is an inhalation and an exhalation. How often do we do this in a solar day—in about 70 to 71 years? We perform this breathing—that is, life—in a single day; calculate it—almost exactly 25,920 times. That is, in fact, how many days we live in 71 years. The single breath thus stands in the same relationship to the breaths of the entire twenty-four-hour day as the advance of the vernal equinox in one year does to the Sun’s advance over 25,920 years. A single human life on Earth, in relation to the great solar year of 25,920, is like a day; one day of our life—a twenty-four-hour day—occurs just as many times in our 71-year lifespan as one year does in the sun’s orbit. Just imagine what this actually means—that we are so deeply embedded in the wondrous rhythm of the sun-drenched cosmos that our life, insofar as it is inner human life, expresses—purely mathematically—the great music of the spheres of the cosmos!
[ 12 ] Fängt der Mensch an, sich in diese Dinge gefühlsmäßig zu vertiefen, dann empfindet er sich erst als Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos. Dann empfindet er erst, wie diese ganze große unendliche Gotteswelt ihr Abbild geschaffen hat in seiner Menschennatur. Das ist aber eben etwas zum Empfinden, zum Fühlen. Dieses Empfinden, dieses Fühlen, dieses Sich-Fühlen im Universum, dieses Sich-Fühlen in der ganzen Geistigkeit der Welt, das ist etwas, was uns zuletzt aus der Geisteswissenschaft kommt! Wir schließen uns auf gegenüber der Welt, während wir uns sonst in unserem engbegrenzten Ich abschließen. Wir sind ein Gottesbild, aber wir wissen es sonst nicht; wir fangen an, uns zu fühlen als das Gottesweltenbild, als der Mikrokosmos im Makrokosmos. Wir lernen uns fühlend erkennen. Das geht stückweise, langsam. Ich möchte sagen: So wie wir diese langsame Folge der Tage durchlaufen durch unser Leben, so bringt uns das Fühlen mit der Geisteswissenschaft dieses Weltengefühl hervor. Aber es muß sich der Mensch erwerben dieses Weltengefühl. Denn dieses Weltengefühl wird ihn wiederum inspirieren zu den großen Aufgaben, die die Menschheit in der Zukunft hat. So sonderbar es heute noch klingt: Nicht fünfzig Jahre werden vergehen, und die Menschen werden keine Fabriken mehr bauen, keinen Acker mehr bebauen können nach den Anforderungen, die kommen werden über die Menschheit, wenn sie nicht dieses Gefühl haben! Diese Katastrophe, in der wir gegenwärtig stehen, ist nur der Ausdruck der Sackgasse, in welche die Menschheit hineingekommen ist. Die Welt ist schon weiter, und die Menschen sind mit ihren Gedanken und Gefühlen noch nicht weit genug gekommen; daher reichen die Gedanken und Empfindungen nicht aus, um diese Welt wirklich zu durchdringen und die Menschheitsarbeit harmonisch zusammenstimmend zu machen. Die Menschheit wird verurteilt sein, immer mehr und mehr die Disharmonie im sozialen Zusammenleben zu entwickeln, und immer mehr und mehr Kriegsstoff über die Welt auszusäen, wenn sie sich nicht hineinfinden wird in den Zusammenklang mit dem Kosmos in dem Fühlen, um dieses hineinzutragen in alles, was man tut, auch in das Alleralltäglichste. Es hängt deshalb Geisteswissenschaft schon zusammen mit dem, was unmittelbar eingreifen muß in den Gang der alleräußersten Kultur, oder es wird die Menschheit aus der Sackgasse nicht herauskommen. Man wird keine Fabriken, keine Schulen halten können in der Zukunft, wenn man nicht entwickeln wird Begriffe aus den großen Aufgaben des Universums heraus. Aufgaben waren es schon heute, aber die Menschen haben sie nicht berücksichtigt; daher ist diese Katastrophe gekommen. Die tieferen Ursachen liegen schon in dem eben Ausgesprochenen. Diese Gotteszeichen, die sich äußern in diesen katastrophalen Ereignissen, die müssen von der Menschheit berücksichtigt werden. Die Menschen müssen lernen, in ein bewußtes Verhältnis zum Kosmos sich zu setzen, weil es anders nicht mehr gehen wird.
[ 12 ] When a person begins to immerse themselves emotionally in these things, they first perceive themselves as a microcosm in relation to the macrocosm. Only then do they sense how this entire vast, infinite world of God has created its image within their human nature. But this is precisely something to be sensed, to be felt. This sensing, this feeling, this sense of being part of the universe, this sense of being part of the entire spiritual realm of the world—this is something that ultimately comes to us through spiritual science! We open ourselves up to the world, whereas otherwise we shut ourselves off within our narrowly defined “I.” We are an image of God, but we are otherwise unaware of it; we begin to feel ourselves as the image of God’s world, as the microcosm within the macrocosm. We learn to recognize ourselves through feeling. This happens bit by bit, slowly. I would like to say: Just as we pass through this slow succession of days throughout our lives, so does the feeling cultivated through spiritual science bring forth this sense of the world within us. But human beings must acquire this sense of the world. For this sense of the world will in turn inspire them to undertake the great tasks that humanity faces in the future. As strange as it may sound today: Not fifty years will pass before people will no longer be able to build factories or cultivate fields according to the demands that will be placed upon humanity if they do not possess this sense! This catastrophe in which we currently find ourselves is merely an expression of the dead end into which humanity has strayed. The world has already moved on, but people have not yet progressed far enough with their thoughts and feelings; therefore, their thoughts and feelings are insufficient to truly penetrate this world and bring humanity’s work into harmonious alignment. Humanity will be doomed to develop ever-increasing disharmony in social life and to sow ever more seeds of war across the world if it does not find its way into harmony with the cosmos in its feelings, so as to carry this harmony into everything it does, even the most mundane of daily activities. Spiritual science is therefore intrinsically linked to what must directly intervene in the course of the most advanced civilization; otherwise, humanity will not be able to escape this dead end. It will not be possible to maintain factories or schools in the future unless concepts are developed based on the great tasks of the universe. These were already tasks today, but people have not taken them into account; that is why this catastrophe has come about. The deeper causes already lie in what has just been said. These signs from God, which manifest themselves in these catastrophic events, must be taken into account by humanity. People must learn to enter into a conscious relationship with the cosmos, because there is no other way forward.
[ 13 ] Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel angeben, das heute noch viele als töricht ansehen werden, manche als wahnsinnig verketzern werden: Man hat gewiß große Fortschritte gemacht, sagen wir auf dem Gebiete der Chemie, aber man hat sie gemacht ohne ein solches Weltgefühl, wie ich es eben zum Ausdruck gebracht habe. Man wird in der Zukunft dieses Weltgefühl hinzuentwickeln müssen: der Laboratoriumstisch wird zum Altar werden müssen. Der Naturdienst, den man entwickelt, selbst im chemischen Experiment, wird sich bewußt sein müssen, daß das große Weltengesetz über den Laboratoriumstisch läuft, wenn man irgendeinen Stoff mit einem anderen löst, um den Niederschlag zu bekommen oder dergleichen. In dem ganzen Universum wird man sich drinnen fühlen müssen, dann wird man anders zu Werke gehen, und dann wird noch ganz anderes gefunden werden, als was die Leute heute gefunden haben, was groß ist, aber nicht die rechte Frucht wird tragen können, weil es ohne Ehrfurcht gefunden wird, ohne das Gefühl, das sich durchdringt mit der Harmonie des Universums. Wieviel Leute haben abstrahiert das, was man Sphärenmusik bei Pythagoras genannt hat! Hier haben Sie ein Gefühl von der Sphärenmusik im Erleben des Rhythmus, der durch das Weltenall geht. Nichts Abstraktes hat man sich darunter vorzustellen, sondern etwas, was in das lebendige Gefühl hineingeht (siehe Hinweis).
[ 13 ] Let me give you an example that many today will still consider foolish, and that some will denounce as madness: Great progress has certainly been made—let’s say in the field of chemistry—but it has been made without the kind of sense of the world that I have just described. In the future, we will have to develop this sense of the universe: the laboratory bench will have to become an altar. The service to nature that we cultivate—even in a chemical experiment—will have to be conscious of the fact that the great law of the universe operates through the laboratory bench whenever we dissolve one substance in another to obtain a precipitate or the like. We will have to feel ourselves to be within the entire universe; then we will set to work differently, and then we will discover things quite different from what people have discovered today—things that are great but will not be able to bear the right fruit, because they are discovered without reverence, without the feeling that is permeated by the harmony of the universe. How many people have abstracted what Pythagoras called “sphere music”! Here you have a sense of sphere music in the experience of the rhythm that flows through the cosmos. One should not imagine anything abstract by this, but rather something that enters into the living feeling (see note).
[ 14 ] Wissen Sie, was kommen würde, wenn diese Weitherzigkeit der Seele im Fühlen nicht eintreten würde? Wir haben gerade gesagt: Beweglichkeit des Denkens, Vielseitigkeit des Denkens und Vorstellens, das ist das eine, was für das Denken, für das Vorstellen eintritt. Für das Fühlen soll eintreten Weitherzigkeit, Sinn für Aufgeschlossensein gegenüber der Welt. Das Gegenteil — Sie können es schon herankommen sehen, wenn Sie nur mit ein wenig Mut die Welt betrachten — ist das Banausentum, die Philistrosität. Was hat denn die große, für viele materialistisch Denkende «gesegnete» Kultur der neueren Zeit heraufgebracht dem Menschen? Auf dem Grund der Seele ruht das Banausentum, die Philistrosität. Philistrosität und Banausentum, sie werden nur besiegt werden durch jene Aufgeschlossenheit, jene Weitherzigkeit der Seele, die sich fühlt als Mikrokosmos im Makrokosmos drinnen, die Ehrfurcht haben kann vor allem dem, was als Göttlich-Geistiges die Welt durchschwebt und durchpulst. So wie die Beschränktheit, die intellektuelle Beschränktheit im Vorstellungsleben durch die Geisteswissenschaft besiegt werden muß, so muß das Banausentum und die Philistrosität durch die Geisteswissenschaft auf dem Gebiete des Fühlens besiegt werden.
[ 14 ] Do you know what would happen if this open-heartedness of the soul did not take hold in our feelings? We have just said: flexibility of thought, versatility of thought and imagination—that is what takes hold in thinking and in imagination. For feeling, what must arise is open-heartedness, a sense of openness toward the world. The opposite—you can already see it approaching if you look at the world with just a little courage—is philistinism. What, then, has the great culture of modern times—which many materialistic thinkers consider “blessed”—brought to humanity? At the very core of the soul lies philistinism. Philistinism can only be overcome by that openness, that generosity of spirit, which feels itself to be a microcosm within the macrocosm, and which is capable of reverence for all that, as the divine-spiritual, hovers through and pulses through the world. Just as intellectual narrowness in the life of the imagination must be overcome by spiritual science, so too must vulgarity and philistinism be overcome by spiritual science in the realm of feeling.
[ 15 ] Und ein drittes bietet sich uns dar, wenn wir auf das Wollen sehen. Die Sachen sind ja vielfach mit Bezug auf das Wollen im Anfang. Nur der Psychologe, der Seelenkenner sieht, was sich vorbereitet, aber es wird schon kommen! Freilich, die Menschen glauben heute vielfach ein anderes, aber wer den tieferen Gang der Menschheitsentwickelung zu durchschauen vermag, der merkt schon, daß nichts so verbreitet ist im allgemeinen Menschenleben auf dem Gebiete des Wollens — in der neueren Zeit viel mehr als in älteren Zeiten — als die Ungeschicklichkeit. Die Ungeschicklichkeit ist etwas, was gegen die Zukunft hin zu einem furchtbaren Übel der Menschheitsentwickelung auszuarten droht. Ich meine, heute schon merkt man es ganz klar: Die Menschen werden heute angeleitet, in einseitiger Weise das oder jenes zu tun. Sollen sie sich anschicken, etwas zu tun, was sie nicht den Handgriffen nach gelernt haben, sie finden sich nicht hinein. Wie wenige Menschen sind heute imstande — gestatten Sie schon, daß ich solche Dinge erwähne —, wenn es nötig ist in besonderen Lagen, sich einmal einen Hosenknopf anzunähen. Wenig Menschen sind imstande, irgend etwas anderes, was nicht gerade mit dem, was sie im engsten Sinne gelernt haben, zusammenhängt, auszuführen. Das ist etwas, was nicht über die Menschheit kommen darf. Die Menschen würden verkümmern lassen dasjenige, was als geistiges Erbgut in ihnen war, als sie heruntergestiegen sind aus der geistigen Welt durch die Geburt zum Dasein, wenn sie so einseitig würden, wie es die «gesegnete» Kultur vielfach verlangt. Wer nur die Sache theoretisch ansieht, der sieht die Zusammenhänge nicht. Wer aber Geisteswissenschaft wirklich lebensvoll sich aneignet, der ist ein innerer Feind der Einseitigkeit; denn Geisteswissenschaft bringt in der Menschenseele eine Stimmung hervor, die auch da zur Vielseitigkeit geht. Sie werden — wenn Sie nicht bloß mit dem Kopfe Geisteswissenschaft aufnehmen, sondern wenn Sie sich so in Geisteswissenschaft hineinversetzen, daß diese Geisteswissenschaft in Ihrer Seele pulsiert wie das Blut im Leibe —, Sie werden sicherlich auch eine gewisse Versatilität im Anpassen an die Umgebung gewinnen. Sie werden die Möglichkeit gewinnen, Dinge zu tun, die Sie sonst zu tun einfach nicht geschickt sind. Die Geschicklichkeit im Wollen bildet sich aus, der Mensch wird anpassungsfähig an die Umgebung. Freilich können Sie sagen, wenn Sie dies sagen wollen: An den Anthroposophen, die da in der Gesellschaft vereinigt sind, da merken wir allerdings nicht gerade, daß sie furchtbar geschickter geworden sind, daß sie lebenstüchtiger geworden sind. Das sagen viele. Nicht ich sage es, aber es wird gesagt. Ja, das rührt von etwas anderem her. So weit ist die Sache noch nicht gekommen, daß den Menschen das anthroposophische Leben in den Seelen so pulsiert, wie das Blut im Leibe pulsiert, sondern die Unart, alles nur in den Verstand, in den Intellekt hereinzunehmen, das ist von außen hereingetragen worden. Auch Geisteswissenschaft wird für viele nur eine Theorie; es wird nur etwas, was sie denken, aber das ist nicht ihr Wesen. Wenn Sie Geisteswissenschaft nur denken, so ist es gleichgültig, ob Sie ein geisteswissenschaftliches Buch oder ein Kochbuch lesen. Da wird vielleicht ein Kochbuch noch nützlicher sein. Geisteswissenschaft muß so ernst werden, daß sie wirklich den ganzen Menschen in seiner ganzen Seele ergreift. Dann geht sie über in die Glieder, dann werden die Glieder beweglich, der Mensch wird tauglicher zum Leben. Da handelt es sich allerdings darum, daß man eine innere Überzeugungskraft an den Sachen gewinnt, daß man sich mit der äußeren Überzeugung nicht begnügt, sondern eine innere Überzeugung gewinnt.
[ 15 ] And a third aspect presents itself to us when we look at the will. After all, many things have their origin in the will. Only the psychologist, the expert on the soul, sees what is in the making—but it will surely come! Admittedly, people today often believe otherwise, but anyone who is able to discern the deeper course of human development can already see that nothing is as widespread in ordinary human life in the realm of volition—much more so in recent times than in earlier times—as clumsiness. Clumsiness is something that threatens to degenerate into a terrible evil for human development as we look toward the future. I mean, you can already see it quite clearly today: People today are being guided to do this or that in a one-sided way. If they are to set about doing something they haven’t learned the practical steps for, they can’t get the hang of it. How few people today are capable—if I may be permitted to mention such things—of sewing on a pants button when necessary in certain situations. Few people are capable of carrying out anything else that is not directly related to what they have learned in the strictest sense. This is something that must not be allowed to befall humanity. People would allow that which was their spiritual heritage when they descended from the spiritual world into existence through birth to wither away if they became as one-sided as the “blessed” culture often demands. Anyone who views the matter only theoretically fails to see the connections. But whoever truly makes spiritual science a living part of their being is an inner enemy of one-sidedness; for spiritual science evokes a mood in the human soul that also tends toward versatility. You will—if you do not merely take in spiritual science with your head, but if you immerse yourself in it to such an extent that this spiritual science pulsates in your soul like blood in the body—you will certainly also gain a certain versatility in adapting to your surroundings. You will gain the ability to do things that you would otherwise simply not be skilled at doing. Skill in willing develops; the human being becomes adaptable to their surroundings. Of course, you might say—if you wish to say so—that when it comes to the anthroposophists united in this Society, we do not exactly notice that they have become terribly more skilled or that they have become more capable of coping with life. Many say this. I am not the one saying it, but it is said. Yes, this stems from something else. Things have not yet reached the point where the anthroposophical life pulsates in people’s souls the way blood pulsates in the body; rather, the bad habit of taking everything in only through the mind, through the intellect, has been brought in from the outside. For many, spiritual science, too, becomes merely a theory; it becomes just something they think about, but that is not their very being. If you merely think about spiritual science, it makes no difference whether you read a book on spiritual science or a cookbook. In that case, a cookbook might even be more useful. Spiritual science must become so serious that it truly grips the whole human being in the entirety of their soul. Then it flows into the limbs; then the limbs become supple, and the person becomes better equipped for life. What is at stake here, however, is gaining an inner conviction in these matters—not being content with outward conviction, but gaining an inner conviction.
[ 16 ] Wer Geisteswissenschaft in ihrem inneren Lebenswerte kennt, der weiß, daß sie allerdings geeignet ist, wenn sie lebensfrisch und lebensvoll aufgenommen wird, auch das physische Leben des Menschen zu verlängern. Es können natürlich Leute kommen und können sagen: Nun, da ist einer, der ist doch nur fünfundvierzig Jahre alt geworden, oder gar siebenundzwanzig Jahre alt geworden! — Ja, stellen Sie doch die Gegenfrage: Wie alt wäre der Mensch geworden, der mit der Geisteswissenschaft fünfundvierzig Jahre alt wurde, wenn er diese nicht aufgenommen hätte in den Zwanzigerjahren? Stellen Sie doch die Gegenfrage! Die äußeren Beweisarten, die gelten nicht für diese inneren Dinge. Statistik und dergleichen, das hat keinen Wert, wenn man das Innere berücksichtigen will. Statistik hat im äußeren Leben ihren großen Wert, aber auch da beschränkt sie sich auf das Äußere und ergreift gar nicht dasjenige, was Lebensprinzip ist. Das können Sie ganz einfach sehen: es ist vollständig gerechtfertigt, daß man die Versicherungsgesellschaften nach Statistik und Arithmetik einrichtet; die richten sich ein danach, wie groß die voraussichtliche Lebensdauer eines Menschen ist, und danach versichern sie die Menschen. Aber es wird Ihnen doch nicht einfallen, daß Sie dann zu sterben haben, wenn nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung Ihr Todesjahr für die Versicherungsgesellschaft eintritt! Also für die Wirklichkeit betrachten Sie das doch nicht als maßgebend, was für das äußere Leben tatsächlich das Maßgebende ist. Alles das, was Statistik, Wahrscheinlichkeitsrechnungen für das äußere Leben an gutem Wert besitzen, das hört auf, eine Bedeutung zu haben, wenn der Überzeugungswert für das Geistige beginnt. Den werden Sie aber nur gewinnen, wenn Sie Geisteswissenschaft selber als lebendiges Lebenselixier aufnehmen. Dann wird es aber zum Lebenselixier so, daß der Mensch sich hineinpaßt in die Verhältnisse.
[ 16 ] Anyone who understands the intrinsic value of the spiritual sciences knows that, when embraced with a fresh and vibrant spirit, they are indeed capable of prolonging a person’s physical life as well. Of course, people may come along and say: “Well, here’s someone who only lived to be forty-five, or even twenty-seven!” — Yes, but ask yourself this: How old would the person who lived to be forty-five through spiritual science have become if he hadn’t embraced it in his twenties? Ask yourself that question! External forms of proof do not apply to these inner matters. Statistics and the like have no value when one wishes to take the inner aspect into account. Statistics has great value in external life, but even there it is limited to the external and does not grasp at all what the principle of life is. You can see this quite easily: it is entirely justified that insurance companies are organized according to statistics and arithmetic; they are based on the expected lifespan of a person, and that is how they insure people. But it would never occur to you that you have to die when, according to probability calculations, the year of your death as predicted by the insurance company arrives! So in reality, you do not regard as decisive what is in fact decisive for external life. All the value that statistics and probability calculations hold for external life ceases to have any significance when the value of conviction for the spiritual realm begins. But you will only gain that conviction if you take up spiritual science itself as a living elixir of life. Then it becomes an elixir of life in such a way that the human being fits into the circumstances.
[ 17 ] Dann wird ein Umgekehrtes stattfinden. Ich war einmal ungemein betrübt — man kann ja sagen: das ist ein sonderbarer Mensch, darüber betrübt zu sein! —, als ich einmal in einem Hause mitaß und der Hausherr auf einer Waage sich immer genau abwiegen mußte, wieviel Fleisch, wieviel Gemüse er zu essen hatte. Er mußte sich alle einzelnen Speisen abwiegen! Bedenken Sie, wie für die Menschheit eine Instinktunsicherheit kommen würde, wenn jeder bei jeder Mahlzeit seinen Reis und seinen Kohl abwiegen wollte. Diese Instinktunsicherheit würde durch rein intellektuelle Wissenschaft kommen, denn die kann nur das Äußere statistisch aufzeigen. Aber es handelt sich nicht darum, daß wir den Instinkt verlieren — und durch intellektuelle Bildung verlieren wir ihn —, sondern daß wir ihn spiritualisieren; daß wir so sicher werden, wie der Instinkt sonst ist, aber der geistige.
[ 17 ] Then the opposite will happen. I was once extremely saddened—one might say: what a strange person to be saddened by that! —when I was once dining at someone’s home and the host had to use a scale to weigh out exactly how much meat and how much vegetables he was to eat. He had to weigh out every single dish! Just imagine the loss of instinctive certainty that would befall humanity if everyone wanted to weigh out their rice and cabbage at every meal. This loss of instinct would stem from purely intellectual science, for it can only statistically demonstrate the external aspects. But the point is not that we lose our instinct—and through intellectual education we do lose it—but that we spiritualize it; that we become as certain as instinct otherwise is, but in a spiritual sense.
[ 18 ] Das ist das, was ich als besonders bedeutsam zu charakterisieren habe, indem ich auf das Wollen Rücksicht nehme. In das Wollen hinein schleicht sich die Geisteswissenschaft, bereitet es zu, so daß der Mensch geschickt wird für die Umgebung, indem er gar nicht bemerkt, wie er eigentlich hineinwächst in das, was in seiner Umgebung ist. Indem er mit dem Geiste zusammenwächst, wächst er in die Umwelt hinein.
[ 18 ] This is what I must characterize as particularly significant, taking the will into account. Spiritual science creeps into the will, preparing it so that the human being becomes attuned to the environment without even noticing how he is actually growing into what is in his surroundings. As he grows together with the spirit, he grows into the environment.
[ 19 ] Sehen Sie, man muß den Geist erleben lernen. Das tut man aber durch Geisteswissenschaft. Und die Menschheit wird es immer mehr und mehr nötig haben gegen die Zukunft hin, den Geist zu erleben.
[ 19 ] You see, one must learn to experience the spirit. But this is achieved through spiritual science. And as we look to the future, humanity will find it increasingly necessary to experience the spirit.
[ 20 ] Denn, wie erlebt der Mensch das, was ihm mitgegeben ist durch die Empfängnis oder Geburt? Stellen Sie sich vor: In einiger Entfernung von Ihnen wird eine Kanone losgeschossen. Sie hören den Knall. Das Licht sehen Sie etwas früher. Aber denken Sie sich nun einmal, die Sache wäre so: Sie stünden neben der Kanone, und Sie würden durch irgendein Ereignis gerade so schnell losgeschossen wie der Schall. Sie flögen mit dem Schall durch die Luft, ebenso schnell wie der Schall geht: dann würden Sie den Schall nicht hören; in dem Augenblick hören Sie auf, den Schall zu hören, wo Sie sich mit Schallgeschwindigkeit weiterbewegen. Das ist der Grund, warum der Mensch den Geist nicht bemerkt, weil er mit derselben Schnelligkeit, wie der Geist wirkt, sich bewegt von der Geburt bis zum Tode. In dem Augenblick, wo Sie geisteswissenschaftliche Wahrheiten aufnehmen, versetzen Sie sich in eine andere Geschwindigkeit als der Körper. Daher fangen Sie an, die Welt in einem anderen Lichte wahrzunehmen. So wie Sie den Schall wahrnehmen, weil Sie nicht die gleiche Geschwindigkeit haben, so nehmen Sie den Geist im Lebenslaufe dadurch wahr, daß Sie sich in ein anderes Tempo bringen, innere Ruhe herstellen, wie Sie es lesen können in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?». Nicht mitleben mit dem Körper, sondern ein anderes Tempo herstellen! Aber das ist etwas, was die Menschheit sich überhaupt aneignen muß, was von ungeheurer Bedeutung ist.
[ 20 ] For how does a person experience what is given to them through conception or birth? Imagine this: A cannon is fired some distance away from you. You hear the bang. You see the flash a little earlier. But now imagine that the situation were this: You were standing next to the cannon, and due to some event, you were suddenly propelled forward at the same speed as sound. You would be flying through the air with the sound, just as fast as sound travels: then you would not hear the sound; at the very moment you cease to hear the sound is the moment you continue moving at the speed of sound. That is why human beings do not perceive the spirit—because from birth to death they move at the same speed as the spirit operates. The moment you take in spiritual scientific truths, you shift into a different speed than that of the body. That is why you begin to perceive the world in a different light. Just as you perceive sound because you are not moving at the same speed, so you perceive the spirit in the course of life by shifting to a different pace and establishing inner peace, as you can read in my book How Does One Gain Insights into the Higher Worlds?. Do not live in step with the body, but establish a different pace! But this is something that humanity must learn to do—something of immense importance.
[ 21 ] Die Menschen berücksichtigen heute gar nicht, wie es eigentlich in früheren Zeiten war. Geschichte ist ja wirklich eine Art Fable convenue, aber das soll uns heute nicht beschäftigen. Man war in früheren Zeiten anders erzogen. Man nahm bei der früheren Erziehung doch viel mehr Rücksicht auf das Leben des Gemütes. Dieses rein intellektuelle Leben, das ist eigentlich erst in den letzten vier bis fünf Jahrhunderten heraufgekommen. Dabei wird nicht berücksichtigt, daß der Mensch ein mehrteiliges Wesen ist. Der Intellekt ist sehr bildungsfähig beim Menschen; er kann sich entwickeln, aber er ist leider nicht das ganze Menschenleben hindurch entwickelungsfähig, und insbesondere in unserem heutigen Zeitenzyklus nicht. Er ist an das Haupt des Menschen gebunden, und das Haupt bleibt nur entwickelungsfähig höchstens bis zum achtundzwanzigsten Lebensjahr. Der Mensch hat nötig, dreimal so lange sein Leben auf der Erde zu fristen, als sein Haupt entwickelungsfähig ist. Gewiß, wir sind in unserer Jugend intellektuell entwickelungsfähig, aber wir bleiben es nur bis ungefähr zum achtundzwanzigsten Jahr. Unser übriger Organismus bleibt das ganze übrige Leben hindurch entwickelungsfähig; er verlangt auch das ganze Leben hindurch von uns etwas. Das, was man heute den Menschen gibt, ist nur Kopfwissen, ist kein Herzenswissen. Ich nenne Herzenswissen dasjenige, was zum ganzen Organismus spricht, Kopfwissen dasjenige, was nur intellektuell ist und nur zum Kopfe spricht. Nun muß der Kopf mit dem Herzen in einer fortwährenden Wechselbeziehung auch moralisch, auch seelisch stehen. Das kann heute nicht stattfinden, weil wir unseren Kindern so wenig für das Herz, sozusagen für den ganzen übrigen Organismus geben, und nur etwas für den Kopf geben. Der Mensch wird fünfunddreißig Jahre alt. Jetzt hat er höchstens ein Kopfwissen; wenn es hoch kommt, hat er die Erinnerung an das Kopfwissen, das er aufnimmt. Er erinnert sich rein intellektuell an das, was er sich angeeignet hat. Aber fragen Sie, ob der heutige Unterricht in der Lage ist, das zu erreichen, daß man sich später im Leben nicht nur gedächtnismäßig an das erinnert, was man gelernt hat, sondern daß man sich mit dem Gefühl liebevoll zurückversetzt in dasjenige, was man in der Jugend aufgenommen hat; daß man wirklich noch etwas hat von dem, was einem da beigebracht worden ist, so daß man es neu auffrischen kann. Das muß aber das Ideal werden der Geisteswissenschaft in der Erziehung, daf3 man sich nicht nur zurückerinnert. Nun, heute tut man nicht einmal das. Man hat sein Examen gemacht und vergißt dann, was man geochst hat. Aber nehmen wir den Fall, die Leute erinnern sich zurück: Ist denn das, was die Menschen durch die Schule gehabt haben, ein Paradies, in das man sich gern zurück versetzt? Versetzen Sie sich so zurück, daß Sie sagen: Indem ich zurückdenke, strahlt mir der Lebensmorgen herein, und indem ich jetzt älter geworden bin, verwandelt sich das durch das Altwerden in mir in ein Neues; es ist mir eben so angeeignet worden, daß ich es umwandeln kann, ich erinnere mich nicht nur daran, ich wandele es um, es wird mir neu.
[ 21 ] People today don’t give any thought to what life was actually like in earlier times. History is, after all, really a kind of “fable convenue,” but that’s not what we’re concerned with today. People were educated differently in earlier times. In the education of the past, much more consideration was given to the life of the soul. This purely intellectual life has actually only emerged in the last four to five centuries. Yet this fails to take into account that human beings are multifaceted beings. The human intellect is highly capable of development; it can evolve, but unfortunately it is not capable of development throughout the entire human lifespan, and especially not in our current epoch. It is bound to the human head, and the head remains capable of development only up to the age of twenty-eight at most. Human beings need to spend three times as long on Earth as the period during which their head is capable of development. Certainly, we are intellectually capable of development in our youth, but we remain so only until about the age of twenty-eight. The rest of our organism remains capable of development throughout the rest of our lives; it also demands something from us throughout our entire lives. What people are given today is merely intellectual knowledge; it is not knowledge of the heart. I call “knowledge of the heart” that which speaks to the whole organism, and “intellectual knowledge” that which is purely intellectual and speaks only to the head. Now, the head must be in a constant interplay with the heart—morally and spiritually as well. This cannot happen today because we give our children so little for the heart—for the rest of the organism, so to speak—and focus only on the head. A person reaches the age of thirty-five. By then, they have at most intellectual knowledge; at best, they retain a memory of the intellectual knowledge they have absorbed. They recall, purely intellectually, what they have acquired. But ask yourself whether today’s education is capable of achieving this: that later in life, one does not merely recall by memory what one has learned, but that one is lovingly transported back, through feeling, to what one absorbed in one’s youth; that one truly still possesses something of what was taught to one then, so that one can refresh it anew. But this must become the ideal of spiritual science in education—so that one does not merely recall the past. Well, today people don’t even do that. They take their exams and then forget what they’ve learned. But let’s suppose people do remember: Is what they experienced in school really a paradise to which they would gladly return? Transport yourself back in such a way that you say: As I think back, the dawn of life shines upon me, and now that I have grown older, this is transformed within me into something new through the process of aging; it has become so much a part of me that I can transform it—I do not merely remember it, I transform it, and it becomes new to me.
[ 22 ] Lebensvoll wird der Seeleninhalt der Menschen werden, wenn die geisteswissenschaftlichen Grundsätze unsere ganze Erziehung, unsere ganze Geisteskultur erneuern. Und immer seltener und seltener werden dann die Wirkungen des frühen Alterns in der Menschheit werden. Wer die Menschheitsentwickelung verfolgt, der weiß: So alt sind vor dem 15. Jahrhundert die ältesten Leute nicht gewesen, wie heute die jüngsten Leute schon alt sind. Die Greisenhaftigkeit nimmt in verheerendem Maße zu. Dieser Greisenhaftigkeit ist nur dadurch zu steuern, daß eben diese Stimmung eintritt, daß wir in der Jugend das bekommen, was man im Alter umwandeln kann, was uns neu werden kann; woran wir uns nicht nur erinnern, sondern was wir umwandeln, weil wir wie an ein Paradies zurückdenken. Das wird Geisteswissenschaft als ein wirkliches Lebenselixier auch hineinbringen in das unmittelbare Leben. Die Schule wird zu etwas ganz anderem werden. Die Schule wird zu etwas werden, wo man sich bewußt ist: Man hat da für das ganze Leben des Menschen zu sorgen. Denn dasjenige, was dem Kinde geboten wird, es kommt in einer ganz anderen Weise im Alter heraus. Dem Kinde werden gewisse Dinge geboten in der Form, sagen wir, daß es lernt, mit Bewunderung, mit Ehrfurcht zu etwas aufzusehen. Das tritt im Alter wieder auf. Das bleibt in der mittleren Zeit mehr zurückgezogen, im Alter tritt es auf, indem es uns die Macht gibt, auf Kinder gut zu wirken. Oder wie ich einmal in einem öffentlichen Vortrag gesagt habe: Wer nicht in der Kindheit gelernt hat, die Hände zu falten, kann im Alter nicht segnen. Das innere Gefühl, das mit dem Falten der Hände zusammenhängt, es tritt in uns wie verwandelt im späteren Alter wieder auf in der Fähigkeit, zu segnen. Wir wissen heute gar nicht, wenn wir nur der heutigen Bildung folgen, was wir dem Kinde gerade für das spätere Alter, in dem Alter vom siebenten bis vierzehnten Jahre und noch früher, und gar erst über das vierzehnte Jahr hinaus geben mit dem, was der heutigen Jugend geboten wird. Das ist das furchtbar Ernste, denn da wird der Grund gelegt zu all der Großmannssucht, die heute in die Jugend verpflanzt wird, zu all dem Dünkel und Vorurteil, als ob man schon irgendwie einen «Standpunkt» haben könnte! Man hört es heute von den jüngsten Leuten: Das ist aber nicht mein Standpunkt. — Jeder hat einen Standpunkt. Es geht natürlich nicht, daß man mit zwanzig Jahren einen Standpunkt haben kann. Dieses Bewußtsein wird heute gerade nicht gefördert.
[ 22 ] The inner life of human beings will become vibrant when the principles of spiritual science renew our entire educational system and our entire spiritual culture. And the effects of premature aging among humanity will then become increasingly rare. Anyone who follows the development of humanity knows this: Before the 15th century, the oldest people were not as old as the youngest people are today. Senility is increasing at an alarming rate. This senility can only be countered by fostering precisely this attitude: that in our youth we receive what can be transformed in old age, what can become new to us—not merely something we remember, but something we transform, because we look back on it as if it were a paradise. Spiritual science will also bring this into everyday life as a true elixir of life. School will become something entirely different. School will become a place where one is conscious of the fact that one must care for the whole of a person’s life. For what is offered to the child emerges in a completely different way in old age. Certain things are offered to the child in such a way that, let us say, the child learns to look up to something with admiration and reverence. This reappears in old age. It remains more in the background during middle age, but in old age it emerges, giving us the power to have a positive influence on children. Or as I once said in a public lecture: “Whoever has not learned to fold their hands in childhood cannot bless others in old age.” The inner feeling associated with folding one’s hands reappears within us, as it were transformed, in later life in the ability to bless. Today, if we follow only the current educational system, we have no idea what we are actually giving children—specifically for their later years, from the ages of seven to fourteen and even earlier, and especially beyond the age of fourteen—through what is offered to today’s youth. This is a matter of the utmost gravity, for it lays the foundation for all the megalomania that is instilled in today’s youth, for all the conceit and prejudice, as if one could somehow already have a “point of view”! You hear it today from the youngest people: “But that’s not my point of view.” — Everyone has a point of view. Of course, it’s not possible to have a point of view at the age of twenty. This awareness is precisely what is not being fostered today.
[ 23 ] Das alles sind Dinge, die man damit umfassen kann, daß man sagt: Was im Menschen lebt, wird wiederum an die Wirklichkeit herangebracht werden. Die Wirklichkeit wird in ein gesundes Verhältnis zur menschlichen Seele gesetzt. Das ist dasjenige, was das Ideal der Geisteswissenschaft mit Bezug auf das Verhältnis der menschlichen Seele zur Wirklichkeit werden muß. Gerade auf dem großen Plan des Lebens reden heute die Leute ohne alle Beziehung zur Wirklichkeit. Wer versteht, was in der menschlichen Seele an Beziehung zur Wirklichkeit leben muß, der kann rein durch die Form, die das heutige Denken hat, manchmal Qualen ausstehen. Das Kind steht dann, wenn der Lehrer so denkt, diese Qualen unbewußt aus. Ein Beispiel: Ein sehr berühmter Literaturprofessor hielt eine Antrittsvorlesung, bei der ich anwesend war. Er fing an: Wir können dieses fragen, wir können jenes fragen. — Er stellte eine Reihe von Fragen, die alle im Laufe des Semesters beantwortet werden sollten, auf; dann sagte er: Meine Herren! Ich habe Sie in einen Wald von Fragezeichen geführt. — Ich mußte den Wald von lauter Fragezeichen mir vorstellen! Denken Sie, was das Bildhafte, das reale Vorstellen eines Menschen ist, der, ohne das Bild sich vor die Seele zu malen, vor einem Wald von Fragezeichen steht! Das ist etwas, was man unterschätzt. Das, was eben angestrebt werden muß, ist ein lebensvolles Verhältnis zur Wirklichkeit.
[ 23 ] All of these are things that can be summed up by saying: What lives within the human being will in turn be brought back into contact with reality. Reality is placed in a healthy relationship with the human soul. This is what the ideal of spiritual science must become with regard to the relationship of the human soul to reality. It is precisely on the grand scale of life that people today speak without any connection to reality. Anyone who understands what kind of relationship to reality must live within the human soul can sometimes endure torment simply because of the form that contemporary thinking takes. When a teacher thinks this way, the child unconsciously endures this torment. An example: A very famous professor of literature gave an inaugural lecture that I attended. He began: “We can ask this, we can ask that.”—He posed a series of questions, all of which were to be answered over the course of the semester; then he said: “Gentlemen! I have led you into a forest of question marks.”—I had to imagine this forest made up entirely of question marks! Just think what it means to visualize—to truly imagine—a person standing before a forest of question marks without first painting that image in one’s mind! This is something that is often underestimated. What we must strive for is a vibrant relationship with reality.
[ 24 ] Jüngst hat ein Staatsmann die Worte gesagt: Unser Verhältnis zur benachbarten Monarchie ist der Punkt, der in unserem ganzen zukünftigen Leben zur politischen Richtung werden muß. — Also stellen Sie sich vor: Das Verhältnis des einen Landes zum anderen Lande ist ein Punkt, und der Punkt wird zur Richtung. Man kann nicht unwirklicher denken! Stellen Sie sich aber vor, was für eine Konfiguration das ganze Seelenleben hat, das so ferne der Wirklichkeit steht, um solche Begriffshülsen auszudrechseln! Aber ein solches Seelenleben steht auch dem äußeren sozialen Leben ebenso fern, es taucht nicht unter in das soziale Leben. Was es ausdenkt, das wird nicht wirklich. Das ist in der Geisteswissenschaft unmöglich, daß man so unwirklich denkt wie die Begriffshülsen, zu denen man es allmählich in der neueren Zeit gebracht hat. Die Gegenwart ist so dünkelhaft, daß sie sich denkt, ganz besonders praktisch geworden zu sein. Sie ist aber nur schulmeisterlich geworden, lebensfremd geworden. Und ein künftiges Zeitalter wird unser Zeitalter dadurch charakterisieren, daß doch merkwürdigerweise auf so viele Menschen höchst imponierend der Weltenschulmeister wirkte: Woodrow Wilson, der auch nicht mit einem dünnen Faden in seinem Denken mit der Wirklichkeit zusammenhängt, sondern bei dem alle Worte der Unwirklichkeit entsprechen. Sie werden aber bewundert von denen, die nur ein wenig gehindert werden dadurch, daß sie mit ihm im Kriege sind. Aber gerade unter den Angehörigen der Mittelmächte gibt es heute viele, de Woodrow Wilson bewundern! Das wird in der Zukunft ganz besonders schwer zu begreifen sein, wie politische Programme, ohne Beziehung zur Wirklichkeit, gefunden werden, in denen die tollen Ideen von Weltenverträgen und Friedensverträgen unter Völkern und so weiter festgelegt werden. Wenn man das hätte so leicht machen können! Die Abstraktlinge seit den Stoikern denken ja an diese Dinge! Was als Wilsonsche Ideen heute auftaucht: für den, der die Sachen weiß, war dieses da, seitdem überhaupt Menschen da sind. Ein gesundes Denken sagt sich natürlich: Weil das immer da war und nicht realisiert werden konnte, ist es ungesund! Das heutige Denken ist der Wirklichkeit fremd geworden, deshalb hat es auch seine Freude an solch unwirklichen Gedanken.
[ 24 ] Recently, a statesman said: “Our relationship with the neighboring monarchy is the point that must become the political direction for our entire future life.” — So imagine this: the relationship between one country and another is a point, and that point becomes the direction. One cannot think in a more unreal way! But imagine what kind of configuration the entire inner life must have, one so far removed from reality, to concoct such empty conceptual shells! Yet such an inner life is just as far removed from external social life; it does not immerse itself in social life. What it conceives does not become reality. In spiritual science, it is impossible to think as unrealistically as the empty conceptual shells to which we have gradually arrived in recent times. The present age is so conceited that it imagines itself to have become particularly practical. But it has merely become pedantic, alienated from life. And a future age will characterize our age by the fact that, strangely enough, the “schoolmaster of the world” made a profound impression on so many people: Woodrow Wilson, whose thinking is not even tenuously connected to reality, but whose every word corresponds to unreality. Yet they are admired by those who are only slightly hindered by the fact that they are at war with him. But even among the members of the Central Powers, there are many today who admire Woodrow Wilson! In the future, it will be particularly difficult to comprehend how political programs, divorced from reality, could be devised in which the wild ideas of world treaties and peace treaties among nations and so on are laid down. If only it had been that easy to achieve! The abstract thinkers since the Stoics have, after all, been pondering these very things! What emerges today as “Wilsonian ideas”: for those who understand these matters, this has existed ever since humans first appeared. Sound reasoning naturally concludes: Since this has always existed and could never be realized, it is unsound! Contemporary thinking has become alienated from reality; that is why it takes such pleasure in such unrealistic notions.
[ 25 ] Die Dinge hängen schon zusammen mit den tiefsten Lebensprinzipien und Lebensimpulsen. Und daß heute soviel Verwirrung herrscht, daß soviel Chaos herrscht, das rührt davon her, daß die Menschheit zu einem Denken gekommen ist, von dem sie zwar glaubt, es meistere die Lebenspraxis, das aber im Grunde genommen ganz ferne der wahren Wirklichkeit ist. Ein Zusammenschluß mit der wahren Wirklichkeit in einem energischen Denken, was so starke Kräfte entwickelt, daß es in die Wirklichkeit eindringen kann, das ist dasjenige, was der Menschheit von der Geisteswissenschaft kommen muß als Ideal. Dazu müssen wir aber beim Kleinen anfangen. Wir müssen beim Kinde schon den Sinn entwickeln nicht für den abstrakten Begriff, aber für das Reale, das Vorstellbare; wir müssen nur selber erst damit den Zusammenhang haben. Derjenige, der dem Kinde beibringen will die Idee der Unsterblichkeit im Bilde von dem Schmetterling, der aus der Puppe kommt, der aber selber nicht an diese Unsterblichkeit glaubt, der bringt auch dem Kinde nichts bei. Wer aber auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft steht, der weiß, daß der Schmetterling das wirkliche, von dem Weltengeist geschaffene Bild der Unsterblichkeit ist. Wir glauben selber an dieses Bild, und wir wählen nichts anderes als das, woran wir selber glauben, weil wir es wissen, oder uns bestreben, es zu wissen. Dadurch suchen wir unterzutauchen in die Wirklichkeit, suchen den Egoismus zu überwinden, der im Denken noch etwas Abstraktes haben will. Wir suchen einzudringen in den Geist der Wirklichkeit, und dadurch werden wir die Wege finden, die der neueren Menschheit notwendig sind, und um so mehr notwendig sind, weil sie am meisten verlassen worden sind von denjenigen, die sich gerade die praktischen Menschen nennen. Sie sind nicht die Praktiker, sondern diejenigen, die verarmt sind, und durch Brutalität ihre Verarmung der Menschheit aufdrängen. Hilfe wird in dieser schwierigen Lage nur kommen, wenn die Menschheit den Geist sucht und durch den Geist die Wirklichkeit.
[ 25 ] These things are indeed connected to the deepest principles and impulses of life. And the fact that there is so much confusion today, so much chaos, stems from the fact that humanity has arrived at a way of thinking which, although it believes it masters the practical aspects of life, is in fact quite far removed from true reality. A union with true reality through energetic thinking—which develops such powerful forces that it can penetrate reality—is the ideal that must come to humanity from spiritual science. To achieve this, however, we must begin with the small things. We must develop in the child a sense not for the abstract concept, but for the real, the imaginable; we ourselves must first have a connection to it. Anyone who wants to teach the child the idea of immortality through the image of the butterfly emerging from the chrysalis, but who does not believe in this immortality themselves, teaches the child nothing. But anyone who stands on the ground of spiritual science knows that the butterfly is the true image of immortality, created by the world spirit. We ourselves believe in this image, and we choose nothing other than what we ourselves believe in, because we know it—or strive to know it. In this way, we seek to immerse ourselves in reality and to overcome the egoism that still seeks something abstract in thought. We seek to penetrate the spirit of reality, and through this we will find the paths that are necessary for modern humanity—paths that are all the more necessary because they have been most neglected by those who call themselves practical people. They are not the practical ones, but rather those who have become impoverished, and who, through brutality, impose their impoverishment on humanity. Help in this difficult situation will come only if humanity seeks the spirit and, through the spirit, reality.
[ 26 ] Das wollte ich heute zu Ihnen sprechen als etwas, was wir uns als Empfindung aneignen müssen über das Verhältnis der menschlichen Seele zur Welt, wie es sich ergibt als Grundstimmung der Seele aus der Geisteswissenschaft heraus. Und wichtiger als die einzelnen geisteswissenschaftlichen Wahrheiten ist diese Grundstimmung, mit der wir dann durchs Leben gehen, wenn sie in uns entzündet worden ist durch die Geisteswissenschaft.
[ 26 ] This is what I wanted to speak to you about today—something we must internalize as a feeling regarding the relationship of the human soul to the world, as it emerges as the soul’s fundamental mood through spiritual science. And more important than the individual truths of spiritual science is this fundamental attitude with which we then go through life once it has been kindled within us by spiritual science.
