Death as a Transformation of Life
GA 182
10 February 1918, Nuremberg
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Death as a Transformation of Life, tr. SOL
2. Der Tod als Lebenswandlung
2. Death as a Transformation of Life
[ 1 ] In den Betrachtungen, die wir anstellen auf dem Gebiete unserer Geisteswissenschaft, liegt manches, das wir im alltäglichen Leben vielleicht nicht ganz unmittelbar anwenden können, von dem wir uns vielleicht sagen, daß es dem alltäglichen Leben ferne liegt. Aber das ist nur scheinbar. Dasjenige, was wir über die Geheimnisse der geistigen Welt in unser Wissen aufnehmen, das hat immer, zu jeder Stunde, in jedem Augenblicke, eine starke und tiefe Bedeutung für unsere Seele. Und was uns persönlich ferner zu liegen scheint, das ist manchmal gerade sehr nahe dem, was unsere Seele in ihrem Innersten braucht. Bei der physisch-sinnlichen Welt, da kommt es darauf an, daß wir uns mit ihr bekannt machen, um ihren Inhalt kennenzulernen. Bei der geistigen Welt kommt es im wesentlichen darauf an, dafS wir dasjenige, was sie uns an Gedanken, an Vorstellungen gibt, selber durchdenken, selber vorstellen; dann arbeiten in unserer Seele manchmal ganz unbewußt diese Gedanken. Und dasjenige, woran die Seele dann arbeitet, kann uns scheinbar recht ferne liegen; es wird gerade dem Höheren in unserer Seele in Wirklichkeit recht naheliegen können.
[ 1 ] In the reflections we engage in within the realm of our spiritual science, there are many things that we may not be able to apply directly to everyday life—things we might even say are far removed from everyday life. But this is only apparent. What we take into our knowledge about the mysteries of the spiritual world always has—at every hour, in every moment—a powerful and profound significance for our soul. And what seems to lie further away from us personally is sometimes precisely what our soul needs in its innermost being. In the case of the physical-sensory world, what matters is that we familiarize ourselves with it in order to understand its content. In the spiritual world, what essentially matters is that we think through for ourselves and visualize for ourselves the thoughts and ideas it offers us; then these thoughts sometimes work within our soul quite unconsciously. And what the soul is then working on may seem quite distant to us; in reality, it may be quite close to the higher aspects of our soul.
[ 2 ] Und so wollen wir denn heute uns beschäftigen mit einer Betrachtung, die wir von gewissen Gesichtspunkten aus öfter schon angestellt haben, die wir aber heute wiederum von einem anderen Gesichtspunkte aus anstellen werden. Wir wollen uns beschäftigen mit dem, was uns, was dem Menschen überhaupt im physischen Leben scheinbar so ferne steht, mit dem Leben, das da verfließt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und ich möchte gerade heute einiges, das wir ja, nachdem wir durch mancherlei gut vorbereitet sind, in richtiger Weise verstehen können, in schlichter Weise einfach erzählen, so wie es sich der Geistesforschung ergibt. Einsehen, verstehen kann man die Dinge, wenn man sie immer wieder und wiederum von neuem durchdenkt; durch ihre eigene Kraft machen sie sich in der Seele verständlich. Und derjenige, der sie nicht versteht, der sollte eigentlich zunächst überzeugt sein davon, daß er sie noch nicht oft genug in seiner Seele durchdacht hat. Erforscht werden müssen sie durch Geisteswissenschaft, verstanden werden sie, wenn man sie oft und oft wiederum in der Seele durchnimmt. Sie werden sich dann namentlich bekräftigen an den Tatsachen, die uns im Leben entgegentreten, wenn wir dieses Leben nur genau betrachten, sie werden sich an den Tatsachen des Lebens erhärten.
[ 2 ] And so today we will turn our attention to a reflection that we have already undertaken on several occasions from certain perspectives, but which we will now approach again from a different angle. We will focus on what seems so distant to us—and indeed to human beings in general—in physical life: the life that flows between death and a new birth. And today, in particular, I would like to simply and plainly describe a few things that we, having been well prepared in various ways, can understand correctly, just as they emerge from spiritual research. One can grasp and understand these things by thinking them through again and again, anew; through their own power, they make themselves understandable in the soul. And anyone who does not understand them should, in fact, first be convinced that they have not yet thought them through often enough in their soul. They must be explored through spiritual science; they are understood when one goes over them again and again in one’s soul. They will then be confirmed, in particular, by the facts we encounter in life—if we only observe this life closely—and they will be substantiated by the facts of life.
[ 3 ] Zunächst möchte ich sagen — was ja aus verschiedenen unserer Zyklen und aus sonstigen Betrachtungen hervorgeht —, daß eine Schwierigkeit vorliegt, wenn wir das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt betrachten, eine Schwierigkeit, die darin besteht, daß dieses Leben ganz, ganz anders ist als dasjenige, was man sich hier innerhalb der physischen Welt durch die Organe des physischen Leibes vorstellen kann. Man muß sich bekanntmachen mit ganz, ganz anderen Vorstellungen.
[ 3 ] First of all, I would like to say—as is evident from various cycles of our lectures and from other considerations—that there is a difficulty when we consider life between death and a new birth, a difficulty that consists in the fact that this life is very, very different from what one can imagine here within the physical world through the organs of the physical body. One must become acquainted with very, very different concepts.
[ 4 ] Wenn wir hier auf dem physischen Plan in ein Verhältnis kommen zu den Dingen, die in unserer Umgebung sind, so wissen wir, daß nur ein kleiner Teil dieser Wesen, die uns in der physischen Welt umgeben, zu unserem eigenen Handeln, zu unseren eigenen Willensäußerungen sich so verhält, daß wir sagen können: Unsere eigenen Willensäußerungen machen dem, was in unserer Umgebung ist, Lust oder Leid. — Wir können das bezüglich desjenigen Teiles unserer physischen Umgebung sagen, den wir zum Reiche der Tiere, zum Reiche der Menschen zählen. Dagegen sind wir zunächst wir wissen, daß das etwas anderes ist, wenn wir die Sache geistig betrachten, aber darauf kommt es jetzt nicht an — mit vollem Rechte davon überzeugt, daß die ganze mineralische Natur einschließlich alles dessen, was in Luft und Wasser ist, und auch im wesentlichen die pflanzliche Natur, unempfänglich sind für dasjenige, was wir Lust und Leid nennen, wenn Handlungen von uns selber ausgehen.
[ 4 ] When we enter into a relationship here on the physical plane with the things in our surroundings, we know that only a small portion of these beings that surround us in the physical world relates to our own actions and expressions of will in such a way that we can say: Our own expressions of will cause pleasure or suffering to what is in our surroundings. — We can say this with regard to that part of our physical surroundings which we count as belonging to the animal kingdom and the human kingdom. On the other hand—and we know that this is somewhat different when we consider the matter spiritually, but that is not the point here—we are fully justified in being convinced that the entire mineral kingdom, including everything in the air and water, and essentially the plant kingdom as well, is impervious to what we call pleasure and suffering when actions originate from ourselves.
[ 5 ] In der Umgebung, in welcher der sogenannte Tote ist, ist das nicht so. In dieser Umgebung, in der der sogenannte Tote ist, da ist alles, was zu dieser Umgebung gehört, so, daß, was auch der Tote tut, es in der Umgebung entweder Lust oder Leid erweckt. Der Tote kann überhaupt gar nichts tun, er kann gar nicht, wenn ich mich bildlich ausdrücken will, seine Glieder rühren, ohne daß in dieser Umgebung Lust oder Leid durch das, was er tut, erweckt wird.
[ 5 ] In the environment in which the so-called dead person is, this is not the case. In this environment, in which the so-called dead person is, everything that belongs to this environment is such that, whatever the dead person does, it arouses either pleasure or suffering in the environment. The dead person cannot do anything at all; to put it figuratively, he cannot even move a limb without arousing pleasure or suffering in this environment through what he does.
[ 6 ] Da muß man sich nur richtig hineinversetzen. Man muß aufnehmen diesen Gedanken, daß das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt eben so beschaffen ist, daß alles in der Umgebung dieses Echo hervorruft, alles, was wir tun; daß wir in der ganzen Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt immer davor stehen, daß wir nichts tun können, daß wir, wie gesagt, bildlich gesprochen, nicht einmal uns rühren können, ohne Lust oder Leid in unserer Umgebung hervorzurufen. Denn dasjenige, was wir hier auf dem physischen Plane als Mineralreich in unserer Umgebung haben, das gibt es nicht für den Toten. Ebenso gibt es nicht unser gewöhnliches Pflanzenreich. Diese Reiche sind, wie Sie aus meiner «Theosophie» entnehmen können, in ganz anderer Form da vorhanden. So, wie sie hier sind, gewissermaßen als fühllose Reiche, sind sie nicht in der geistigen Welt vorhanden. Das erste Reich von denjenigen, die hier auf dem physischen Plane sind, das für den Toten eine gewisse Bedeutung hat dadurch, daß man es vergleichen kann mit dem, was der Tote in seiner Umgebung hat, ist das Tierreich. Nur natürlich nicht die einzelnen Tiere, die hier auf dem physischen Plane sind, sondern die ganze Umgebung ist so, daß sie wirkt, wie die Tiere wirken. Die ganze Umgebung reagiert so, daß Lust oder Leid von dem ausgeht, was man tut. Nun, wir hier auf dem physischen Plane, wir stehen auf mineralischem Boden; der Tote steht auf einem Boden, lebt in einer Umgebung, die wir in diesem Sinne tierisch nennen können. Er lebt also von vorneherein um zwei Reiche höher. Das ganze Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt besteht in bezug auf seine alleräußerste Betätigung in dem Kennenlernen [des Tierreichs]; nicht so, wie wir hier das Tierreich kennenlernen — wir lernen es ja nur außen, von der Außenseite kennen —; das ganze Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt besteht darin, daß man die tierische Welt als solche genauer und immer genauer kennenlernt. Denn in diesem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt muß man vorbereiten alle diejenigen Kräfte, die aus dem Kosmos herein unseren eigenen Leib durchorganisieren, wovon wir hier in der physischen Welt gar nichts wissen. Wie unser Leib bis in seine kleinsten Teile aus dem Kosmos heraus gebildet wird, das weiß man zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Denn man bereitet gewissermaßen als die Summe alles Tierischen diesen physischen Leib vor. Man baut ihn selber auf.
[ 6 ] You just have to really put yourself in that situation. One must take to heart the idea that life between death and a new birth is such that everything in our surroundings evokes an echo—everything we do; that throughout the entire period between death and a new birth, we are constantly faced with the fact that we cannot do anything—that, as I said, figuratively speaking, we cannot even move without evoking pleasure or suffering in our surroundings. For what we have here on the physical plane as the mineral kingdom in our surroundings does not exist for the dead. Likewise, our ordinary plant kingdom does not exist. These kingdoms, as you can see from my Theosophy, exist there in a completely different form. Just as they are here—in a sense, as kingdoms devoid of feeling—they do not exist in the spiritual world. The first of the kingdoms present here on the physical plane that has a certain significance for the dead—in that it can be compared to what the dead have in their surroundings—is the animal kingdom. Not, of course, the individual animals that are here on the physical plane, but the entire environment is such that it acts in the same way as animals do. The entire environment reacts in such a way that pleasure or suffering arises from what one does. Now, we here on the physical plane stand on mineral ground; the deceased stands on a ground, lives in an environment, that we can call animal in this sense. Thus, from the very beginning, the deceased lives two realms higher. The entire life between death and a new birth consists, in terms of its most fundamental activity, in getting to know [the animal kingdom]; not in the way we come to know the animal kingdom here—after all, we only get to know it from the outside—; the entire life between death and a new birth consists in getting to know the animal world as such more and more closely. For in this life between death and a new birth, one must prepare all those forces that flow in from the cosmos and organize our own body, of which we know nothing here in the physical world. How our body is formed down to its smallest parts from the cosmos—this is known between death and a new birth. For, in a sense, one prepares this physical body as the sum of all that is animal. One builds it up oneself.
[ 7 ] Um diese Vorstellung genauer zu haben, muß man sich allerdings bekanntmachen mit einem Begriff, mit einer Idee, die der heutigen Menschheit ziemlich ferne liegt. Die heutige Menschheit ist zwar davon überzeugt, daß, wenn eine Magnetnadel die Nord-Südrichtung zeigt, also mit dem einen Ende nach Norden, mit dem anderen nach Süden zeigt, dies nicht aus der Magnetnadel selber heraus kommt, sondern daß die Erde als Ganzes ein kosmischer Magnet ist, dessen eine Spitze nach dem Süden, die andere nach dem Norden zielt, und man würde es als Torheit betrachten, wenn jemand behaupten wollte, nur durch Kräfte, die in der Magnetnadel selber liegen, würde diese Richtung hervorgebracht. Bei dem aber, was sich als Keim im tierischen oder menschlichen Wesen entwickelt, lehnt heute die ganze Wissenschaft und alles Denken die kosmische Einwirkung ab. Was man bei der Magnetnadel als Torheit bezeichnen würde, nimmt man dann an, wenn sich, sagen wir, im Huhn das Ei bildet. Aber wenn sich im Huhn das Ei bildet, ist tatsächlich der ganze Kosmos daran beteiligt; hier auf der Erde geschehen nur die Anregungen dazu. Alles das, was sich im Ei bildet, ist ein Abdruck der kosmischen Kräfte, und das Huhn selber — so ist es auch beim Menschen — ist nur eine Stätte, in der der Kosmos, das ganze Weltensystem das ausbildet. Damit muß man sich bekanntmachen. Und an diesem ganzen Kräftesystem, das da den Kosmos durchzieht, arbeitet der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in Gemeinschaft mit höheren Wesenheiten, mit Wesenheiten höherer Hierarchien, eben mit. Man arbeitet immer zwischen dem Tode und einer neuen Geburt; man ist nicht unbeschäftigt, da arbeitet man im Geistigen.
[ 7 ] To understand this concept more clearly, however, one must become familiar with a concept—an idea—that is quite foreign to humanity today. Although people today are convinced that when a magnetic needle points in the north-south direction—that is, with one end pointing north and the other south— this does not originate from the magnetic needle itself, but rather that the Earth as a whole is a cosmic magnet, with one pole pointing south and the other north; and one would consider it sheer folly if anyone were to claim that this orientation is produced solely by forces inherent in the magnetic needle itself. Yet when it comes to what develops as an embryo in an animal or human being, all of science and all thinking today reject the influence of the cosmos. What would be called folly in the case of the magnetic needle is then accepted when, say, an egg forms inside a hen. But when an egg forms inside a hen, the entire cosmos is in fact involved; here on Earth, only the impulses for this take place. Everything that forms within the egg is an imprint of the cosmic forces, and the hen itself—as is also the case with human beings—is merely a site in which the cosmos, the entire world system, brings this into being. One must become acquainted with this. And within this entire system of forces that pervades the cosmos, the human being works between death and a new birth in communion with higher beings, with beings of higher hierarchies. One is always working between death and a new birth; one is not idle—one is working in the spiritual realm.
[ 8 ] Das erste Reich, mit dem man sich bekanntmacht, ist das tierische. Und daß man es richtig macht, das hängt im wesentlichen mit folgendem zusammen: Versucht man etwas falsch zu machen, so muß man gleich wahrnehmen den Schmerz, das Leid der Umgebung; macht man etwas richtig, nimmt man wahr Lust der Umgebung, Freude der Umgebung. Auf diese Weise arbeitet man sich durch, indem man Lust und Freude erzeugt; arbeitet sich so durch, daß man zuletzt das Seelische in solcher Art hat, daß es herabsteigen kann und zusammenstimmt mit dem, was auf der Erde als physischer Leib leben wird. Nie könnte das Seelische heruntersteigen, wenn es nicht selber gearbeitet hätte an der physischen Form. Das tierische Reich also ist dasjenige, mit dem man zuerst Bekanntschaft macht. Das nächste Reich ist das, was man hier als Menschenreich hat. Mineralisches und pflanzliches Reich bleiben zunächst weg. Beim Menschenreich ist es allerdings so, daß der Tote in einer gewissen Weise — man könnte sagen: mit Bezug auf die gewohnten Begriffe, die man hier hat — beschränkt ist in seiner Menschenbekanntschaft. Er kann nämlich zwischen dem Tode und einer neuen Geburt — gleich nach dem Tode beginnt das oder bald nachher — eigentlich nur Beziehungen, Verhältnisse anknüpfen mit denjenigen Menschenseelen, gleichgültig, ob sie hier auf der Erde, oder ob sie auch schon drüben sind, mit denen er schon irgendwie auf der Erde in der letzten oder in früheren Inkarnationen karmisch verbunden war. Die anderen Seelen gehen an ihm vorüber, die nimmt er nicht wahr.
[ 8 ] The first realm one becomes acquainted with is the animal realm. And doing so correctly depends essentially on the following: If one tries to do something wrong, one immediately perceives the pain and suffering of one’s surroundings; if one does something right, one perceives the pleasure and joy of one’s surroundings. In this way, one works one’s way through by generating pleasure and joy; one works one’s way through in such a way that, in the end, one’s soul is in a state that allows it to descend and harmonize with what will live on Earth as the physical body. The soul could never descend if it had not itself worked on the physical form. The animal kingdom, then, is the one with which one first becomes acquainted. The next realm is what we have here as the human realm. The mineral and plant realms are initially left out. In the human realm, however, it is the case that the deceased is, in a certain sense—one might say, in relation to the familiar concepts we have here—limited in their human acquaintances. For between death and a new birth—this begins immediately after death or shortly thereafter—he can actually only establish relationships with those human souls, whether they are here on Earth or have already passed on, with whom he was already karmically connected in some way on Earth during his last or earlier incarnations. The other souls pass him by; he does not perceive them.
[ 9 ] Das Tierische nimmt er als ein Ganzes wahr; von den Menschenseelen nur diejenigen — immer genauer und genauer wird man mit ihnen bekannt —, mit denen er in karmische Beziehung getreten ist hier auf der Erde. Das ist nicht eine sehr kleine Anzahl von Menschen, das dürfen Sie nicht glauben, denn es sind viele Erdenleben für die einzelnen Menschen schon verflossen. Man hat in jedem Erdenleben eine ganze Menge karmischer Beziehungen angeknüpft; aus denen ist das Netz gesponnen, das dann drüben sich ausbreitet über unsere Bekanntschaft. Außer dem Kreise bleiben nur die Menschen, mit denen man nie Bekanntschaft gemacht hat. Daraus sehen Sie ein, was wichtig ist ins Auge zu fassen: Daß das Erdenleben im ganzen Weltenall für den Menschen seine allerintensivste Bedeutung hat. Würde das Erdenleben nicht durchlebt werden, so würden wir zu den Menschenseelen auch in der geistigen Welt keine Beziehungen anknüpfen können. Die Beziehungen werden hier auf der Erde karmisch angeknüpft, setzen sich dann fort zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Man kann sehen, wenn man in der Lage ist, in diese Welt hineinzuschauen, wie nach und nach der sogenannte Tote immer mehr und mehr Verbindungen anknüpft, die alle Verbindungen sind, die sich ergeben aus dem, was er karmisch hier auf der Erde angeknüpft hat.
[ 9 ] He perceives the animal realm as a whole; of human souls, he perceives only those—with whom he becomes increasingly familiar—with whom he has entered into a karmic relationship here on Earth. This is not a very small number of people; do not be misled, for many earthly lives have already passed for each individual. In every earthly life, one has established a great many karmic relationships; from these, the web is woven that then spreads out over our circle of acquaintances on the other side. The only people who remain outside this circle are those with whom one has never made acquaintance. From this you can see what is important to grasp: that, in the entire universe, earthly life holds the most profound significance for human beings. If earthly life were not lived through, we would not be able to form relationships with human souls even in the spiritual world. These relationships are established here on Earth through karma and then continue between death and a new birth. If one is able to look into this world, one can see how, little by little, the so-called dead person establishes more and more connections—all of which arise from the karmic ties they formed here on Earth.
[ 10 ] Wenn man sagen kann, daß mit dem ersten Reiche, mit dem der sogenannte Tote in Berührung kommt, mit dem tierischen Reiche, es so ist, daß er alles, was er tut, wenn er sich nur rührt, in Lust oder Leid umsetzt in seiner Umgebung, so kann man in bezug auf alles das, was im menschlichen Reiche erlebt wird, sagen, daß der Tote noch viel inniger in Zusammenhang steht mit den Menschen im Seelenhaften. Da ist er selber drinnen. Eine Seele, mit der der Tote bekannt wird, lernt der Tote eben so kennen, als ob er selber in dieser Seele drinnen wäre. Nach dem Tode wird man mit einer Seele so bekannt, wie hier mit dem eigenen Finger oder mit dem Kopfe oder mit dem Ohr: man fühlt sich darinnen. Es ist ein viel intimerer Zusammenhang, als er hier auf der Erde sein kann. Und dieses sind die beiden Grunderlebnisse für das Zusammensein mit Menschenseelen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt: daß man entweder drinnen ist in den Seelen oder draußen. Man ist auch bei denen, die man kennt, abwechselnd drinnen oder draußen. Das IhnenBegegnen, diesen Seelen, das besteht immer darinnen, daß man sich mit ihnen eins fühlt, daß man in ihnen drinnen ist. Das Draußensein bedeutet, daß man sie nicht beachtet. So wie man hier etwas anschaut: da nimmt man es wahr; wenn man wegschaut, da nimmt man es nicht mehr wahr. Dort ist man mit Bezug auf die Menschenseelen drinnen, wenn man imstande ist, die Aufmerksamkeit darauf zu wenden; man ist draußen, wenn man das nicht kann.
[ 10 ] If one can say that the first realm with which the so-called dead come into contact—the animal realm— it is the case that everything he does—even the slightest movement—is transformed into pleasure or suffering in his surroundings, then one can say, with regard to everything experienced in the human realm, that the deceased is connected even more intimately with human beings in the soul realm. He is right there within it. A soul with whom the deceased becomes acquainted, the deceased comes to know just as if he were inside that soul himself. After death, one becomes acquainted with a soul just as one does here with one’s own finger, or with one’s head, or with one’s ear: one feels oneself inside it. It is a much more intimate connection than can exist here on earth. And these are the two fundamental experiences of being together with human souls between death and a new birth: that one is either inside the souls or outside them. Even with those one knows, one is alternately inside or outside them. Encountering these souls always consists in feeling at one with them, in being inside them. Being outside means that one does not pay attention to them. Just as when one looks at something here: one perceives it; when one looks away, one no longer perceives it. In relation to human souls, one is “inside” when one is able to direct one’s attention to them; one is “outside” when one cannot do so.
[ 11 ] In dem, was ich Ihnen jetzt auseinandersetzte, haben Sie, ich möchte sagen, die Grundstruktur für das Zusammensein der Seele mit anderen Seelen für die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. In einerähnlichen Weise drinnen oder draußen ist dann der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt mit Bezug auf die Wesen der anderen Hierarchien, Angeloi, Archangeloi und so weiter. Nur, je höher ein Reich ist, desto mehr fühlt sich nach dem Tode der Mensch mit diesem Reiche verbunden, fühlt sich davon getragen; er fühlt es mächtig ihn tragend. Also die Archangeloi tragen den Menschen mächtiger als die Angeloi, die Archai wieder mächtiger als die Archangeloi und so weiter.
[ 11 ] In what I have just explained to you, you have, I would say, the basic structure for the soul’s coexistence with other souls during the time between death and a new birth. In a similar way, whether inwardly or outwardly, the human being is related to the beings of the other hierarchies—Angels, Archangels, and so on—between death and a new birth. However, the higher a realm is, the more the human being feels connected to that realm after death, feels sustained by it; they feel it powerfully supporting them. Thus, the Archangels support a person more powerfully than the Angels, the Archai in turn more powerfully than the Archangels, and so on.
[ 12 ] Nun, im Erkennen der geistigen Welt als solcher sehen ja heute noch die Menschen gewisse Schwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten, die werden sich verhältnismäßig lösen, wenn die Menschen sich nur ein bißchen mehr bekanntmachen werden mit den Geheimnissen der geistigen Welt. Aber es ist ja ein Zweifaches, das man nennen kann das Sich-Bekanntmachen mit der geistigen Welt. Das eine ist ein solches Bekanntmachen, daß man die völlig hinreichende Sicherheit gewinnt von dem Ewigen in der eigenen Menschennatur. Dieses Wissen, daß in der menschlichen Natur ein Wesenskern liegt, der ewig ist, der durch Tode und Geburten geht, dieses Wissen, so fremd es der heutigen Menschheit ist, das ist verhältnismäßig leicht zu erlangen, und es wird wirklich, wenn jemand nur Geduld genug hat, erlangt auf dem Wege, der da in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in anderen beschrieben ist. Es wird auf diesem Wege erlangt. Das ist das eine Erkennen.
[ 12 ] Well, even today people still encounter certain difficulties in perceiving the spiritual world as such. These difficulties will resolve themselves relatively easily if people will only familiarize themselves a little more with the mysteries of the spiritual world. But there are, in fact, two aspects to what we might call becoming acquainted with the spiritual world. The first is a process of becoming acquainted that leads one to gain complete and sufficient certainty regarding the eternal aspect of one’s own human nature. This knowledge—that within human nature lies an essential core that is eternal, that passes through deaths and births—this knowledge, however foreign it may be to humanity today, is relatively easy to attain; and it is truly attained, if one has only enough patience, through the path described in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? and in others. It is attained in this way. That is one form of knowledge.
[ 13 ] Das andere ist das, was man nennen kann unmittelbarer Verkehr mit den Wesen der geistigen Welt, konkreter unmittelbarer Verkehr, aus dem wir heute herausgreifen wollen den Verkehr, den man haben kann von hier aus zu den sogenannten Toten hinüber. Das ist etwas, was durchaus möglich ist, was aber eben größere Schwierigkeiten bietet als das zuerst Charakterisierte. Das Erstcharakterisierte ist etwas, was leicht zu erringen ist; das andere, wirklich mit einzelnen Toten zu verkehren, das ist zwar durchaus möglich, es ist aber schwierig zu erringen, weil es Achtsamkeit erfordert von dem, der diesen Verkehr sucht. Es ist notwendig zu diesem besonderen Verkehr, daß der Mensch sich wirklich in eine gewisse Zucht nehmen kann. Denn es gibt ein sehr bedeutsames Gesetz für den Verkehr mit der geistigen Welt. Das kann man so aussprechen, daß man sagt: Dasjenige, was gerade für den Menschen hier mehr niedrige Triebe sind, das ist von der anderen Seite, von der geistigen Seite angesehen, höheres Leben, und es kann daher sehr leicht sein, wenn der Mensch sich nicht ordentlich in der Zucht hat, daß er durch den unmittelbaren Verkehr mit den sogenannten Toten niedere Triebe erregt fühlt. Wenn wir nur mit der geistigen Welt im allgemeinen zusammenkommen, wenn wir uns Erkenntnisse verschaffen über unsere eigene Unsterblichkeit und es da zu tun haben mit dem Seelisch-Geistigen, da kann nicht die Rede davon sein, daß da irgendwie etwas Unlauteres hineinkommen kann. Wenn wir es aber zu tun haben mit einzelnen konkreten Toten, dann ist immer eine Beziehung des einzelnen Toten — so sonderbar es klingt — zu unserem Blut- und Nervensystem. In die Triebe, die im Blut- und Nervensystem sich ausleben, lebt sich der Tote hinein; das kann niedere Triebe anregen. Gefahrvoll kann es natürlich nur für den sein, der nicht seine Natur durch Zucht geläutert hat. Das muß einmal betont werden, denn das ist der Grund, warum das Alte Testament geradezu den Menschen verbietet, mit den Toten zu verkehren; nicht weil es sündhaft wäre, wenn es in der richtigen Weise geschieht. Man muß von den Methoden des modernen Spiritismus natürlich absehen. Wenn es geistig geschieht, ist es nicht sündhaft, aber wenn der Mensch nicht diesen Verkehr mit reinen, durchseelten Gedanken pflegt, führt es sehr leicht dazu, daß der Mensch, wie gesagt, niedere Leidenschaften aufstacheln kann. Nicht die Toten stacheln sie auf, aber das Element, in dem die Toten leben. Bedenken Sie: Was wir hier als tierisch empfinden, ist das Grundelement, in dem die Toten leben. Das Reich, in dem die Toten leben, das kann sehr leicht, indem es in uns hereinschlägt, umschlagen; es kann in uns niedrig werden, was dort eigentlich ein Höheres ist. Das ist sehr wichtig, daß wir das ins Auge fassen. Das kann man durchaus sagen, wenn über den Verkehr der sogenannten Lebenden mit den sogenannten Toten gesprochen wird, weil es eine okkulte Tatsache ist.
[ 13 ] The other is what one might call direct communication with the beings of the spiritual world—more specifically, direct communication—from which we wish to focus today on the communication one can have from here with the so-called dead. This is something that is certainly possible, but which presents greater difficulties than what was described first. The first type is something that is easy to achieve; the other—truly communicating with individual deceased persons—is certainly possible, but it is difficult to achieve because it requires mindfulness on the part of the person seeking this communication. For this particular form of communication, it is necessary for the person to be able to exercise a certain degree of self-discipline. For there is a very significant law governing communication with the spiritual world. This can be expressed as follows: What for human beings here are merely lower instincts is, when viewed from the other side—the spiritual side—a higher form of life; and it can therefore very easily happen that, if a person does not exercise proper self-discipline, direct communion with the so-called dead will arouse these lower instincts. When we simply come into contact with the spiritual world in general—when we gain insights into our own immortality and are dealing with the soul-spiritual realm—there can be no question of anything impure entering into it. But when we are dealing with specific, individual deceased persons, there is always a connection—as strange as it may sound—between the individual deceased and our blood and nervous systems. The deceased person becomes involved in the impulses that play out in the blood and nervous systems; this can stimulate base impulses. Of course, this can only be dangerous for those who have not purified their nature through discipline. This must be emphasized, for it is the reason why the Old Testament expressly forbids people from communicating with the dead—not because it would be sinful if done in the proper manner. One must, of course, disregard the methods of modern spiritualism. If it takes place on a spiritual level, it is not sinful; but if a person does not cultivate this communion with pure, soul-imbued thoughts, it very easily leads to the person, as I said, stirring up base passions. It is not the dead who stir them up, but the element in which the dead live. Consider this: what we perceive here as animalistic is the fundamental element in which the dead live. The realm in which the dead live can very easily, by penetrating into us, turn things upside down; what is actually higher there can become base within us. It is very important that we take this into account. This can certainly be said when speaking of the interaction of the so-called living with the so-called dead, because it is an occult fact.
[ 14 ] Aber gerade wenn man über diesen Verkehr spricht, da kann man die geistige Welt so recht charakterisieren, wie sie ist. Denn gerade bei dem, was da erlebt wird, zeigt sich, wie ganz anders die geistige Welt ist als hier die physische Welt.
[ 14 ] But it is precisely when we speak of this kind of communication that we can truly characterize the spiritual world as it is. For it is precisely in what is experienced there that we see how completely different the spiritual world is from the physical world here.
[ 15 ] Nun will ich Ihnen zuerst etwas sagen, was vielleicht für den Menschen, solange er nicht vollständig seine Hellsichtigkeit ausgebildet hat, scheinbar bedeutungslos ist, aber es liegt uns nahe, wenn wir es durchdenken, da es übergeht zu Dingen, die dem Leben näherstehen. Wenn der, dessen Hellsichtigkeit durchgebildet ist, mit Toten verkehrt, dann muß er in einer solchen Weise mit ihnen verkehren, daß man aus diesem Verkehr sieht, warum es den Menschen so ferne liegt, von den Toten etwas zu wissen, ich meine, durch unmittelbare Wahrnehmung etwas zu wissen. So sonderbar, so grotesk es klingt: die ganze Art des Verkehrs, an die wir gewöhnt sind hier in der physischen Welt, die muß sich geradezu umkehren, wenn ein Verkehr angeknüpft wird zwischen hier und dem Toten. Hier, wenn wir mit einem Menschen sprechen, wenn wir von physischem Leibe zu physischem Leibe sprechen, da reden wir; wenn wir reden, wissen wir: Wir reden, die Worte kommen aus uns. Wenn er uns antwortet, oder Menschen zu uns reden, so wissen wir: Von ihnen kommen die Worte. Dieses ganze Verhältnis dreht sich vollständig um, wenn wir mit einem Toten verkehren, reden — man kann schon sagen: reden, denn es kann ein Reden sein —. Die Sache dreht sich um, so daß, wenn wir einen Toten fragen oder zu ihm etwas sagen, wir dann das, was wir sagen, aus ihm heraus vernehmen; so nimmt man es wahr. Also er inspiriert zu unserer Seele herüber das, was wir ihn fragen, was wir ihm sagen. Und wenn er uns antwortet oder zu uns etwas sagt, dann kommt das aus unserer eigenen Seele heraus. Das ist etwas, was für den Menschen ganz ungewohnt ist hier in der physischen Welt. Er ist gewohnt, daß, was er sagt, aus seinem Wesen heraus kommt. Für den Verkehr mit den Toten muß man sich angewöhnen, von ihnen das zu hören, was man selber sagt, und aus der eigenen Seele heraus zu vernehmen, was sie antworten.
[ 15 ] Now I would like to begin by telling you something that may seem meaningless to a person who has not yet fully developed their clairvoyance, but which becomes clear to us when we think it through, since it relates to things that are closer to life. When someone whose clairvoyance is fully developed communicates with the dead, they must do so in such a way that this communication reveals why it is so difficult for people to know anything about the dead—I mean, to know anything through direct perception. As strange, as grotesque as it sounds: the entire nature of communication to which we are accustomed here in the physical world must be completely reversed when a connection is established between here and the dead. Here, when we speak to a person—when we speak from physical body to physical body—we speak; when we speak, we know: we are speaking, the words come from us. When they answer us, or when people speak to us, we know: the words come from them. This entire relationship is completely reversed when we communicate with a deceased person, speak—one might even say: speak, for it can be a form of speech—. The situation is reversed, so that when we ask a deceased person a question or say something to them, we then hear what we say coming from within them; that is how we perceive it. Thus, they inspire into our soul what we ask of them, what we say to them. And when they answer us or say something to us, it comes from within our own soul. This is something entirely unfamiliar to human beings here in the physical world. We are accustomed to what we say coming from within our own being. In order to communicate with the dead, one must accustom oneself to hearing from them what one says oneself, and to perceiving from one’s own soul what they reply.
[ 16 ] Wenn man die Sache erzählt, so ist sie in dieser Abstraktheit, in der man sie erzählt, natürlich leicht zu fassen; aber wirklich sich daran gewöhnen, ganz umgekehrt den Verkehr eingerichtet zu haben, als man es hier auf dem physischen Plane gewohnt ist, das ist trotzdem ungeheuer schwierig. Und wirklich, so sonderbar es klingt: darauf, daß der Mensch ganz ungewohnt ist, diese Umkehrung zu machen, beruht es vielfach, daß man die Toten, die immer da sind, die immer in unserer Umgebung sind, nicht wahrnimmt. Man denkt: Wenn etwas aus unserer Seele dringt, so kommt es von uns. Und irgendwie intim darauf zu achten, ob uns aus der Geistumgebung etwas inspiriert, wovon wir sagen könnten, das kommt von uns selber, das liegt uns ganz ferne. Man will es gerne anknüpfen an das, was man eben gewohnt ist vom physischen Plane. Kommt einem etwas aus der Umgebung, so schreibt man es einem Fremden zu. Das ist der größte Irrtum, dem man sich hingeben kann.
[ 16 ] When you tell the story, it is, of course, easy to grasp in the abstract way it is presented; but actually getting used to having interactions structured in a way that is completely opposite to what we are accustomed to here on the physical plane—that is, nevertheless, incredibly difficult. And truly, as strange as it sounds: the fact that human beings are completely unaccustomed to making this reversal is often the reason why we do not perceive the dead, who are always there, who are always in our midst. We think: When something emanates from our soul, it comes from us. And to pay close attention to whether something in the spiritual environment inspires us—something we might say comes from within ourselves—is something that is quite foreign to us. We tend to want to link it to what we are accustomed to on the physical plane. If something comes to us from our surroundings, we attribute it to a stranger. That is the greatest error one can fall into.
[ 17 ] Nun, damit habe ich Ihnen über den Verkehr der sogenannten Lebenden mit den sogenannten Toten eine der Eigentümlichkeiten hervorgehoben. Wenn Sie sich aus diesem Beispiel nur das eine klarmachen wollten, daß die Dinge geradezu umgekehrt sind in der geistigen Welt, daß man sich vollständig wenden muß, so haben Sie einen wichtigen Begriff, den man fortwährend braucht, wenn man eindringen will in die geistige Welt, einen Begriff, den einzeln, im Konkreten anzuwenden, außerordentlich schwierig ist. Es ist zum Beispiel notwendig, auch um hier die physische Welt gut zu verstehen, welche im Grunde genommen überall durchdrungen ist von dem Geistigen, daß man diesen Begriff von einer vollständigen Umkehrung hat. Und weil ihn die heutige Wissenschaft gar nicht hat, und weil ihn das populäre Bewußtsein gar nicht hat, deshalb versteht man auch die physische Welt nicht geistig. Man erfährt dieses gerade dann, wenn sich Menschen recht viele Mühe geben, die Welt zu verstehen. Man muß manchmal von solchen Dingen geradezu absehen. Ich habe vor Jahren, anknüpfend an gewisse Goethesche Vorstellungen, über den äußeren menschlichen physischen Organismus gesprochen vor einer großen Anzahl von unseren Freunden bei einer Generalversammlung in Berlin, wo ich versuchte, einmal klarzumachen, wie der Kopf in seiner physischen Form nur verstanden werden kann, wenn man ihn als völlige Umdrehung des übrigen Organismus versteht. Davon hat niemand etwas verstanden: daß ein Knochen, den wir im Arm haben, wie ein Handschuh gewendet werden müßte, um einen Kopfknochen daraus zu bekommen. Das ist schwierig, aber man kann nicht Anatomie kennen, ohne sich diese Vorstellungen zu bilden. Das habe ich nur nebenbei erwähnt. Man versteht leichter das andere, was ich Ihnen heute gesagt habe über den Verkehr mit den Toten.
[ 17 ] Well, with that I have highlighted one of the peculiarities of the interaction between the so-called living and the so-called dead. If you were to take away just one thing from this example—namely, that things are virtually reversed in the spiritual world, that one must completely turn one’s perspective around—then you have grasped an important concept that is constantly needed if one wishes to penetrate the spiritual world, a concept that is extraordinarily difficult to apply individually and in concrete terms. For example, it is necessary—also in order to understand the physical world well, which is, after all, permeated everywhere by the spiritual—to have this concept of a complete reversal. And because modern science lacks this concept entirely, and because popular consciousness lacks it entirely, this is why the physical world is not understood spiritually. One experiences this precisely when people go to great lengths to understand the world. Sometimes one must simply look beyond such things. Years ago, building on certain ideas of Goethe’s, I spoke about the outer human physical organism to a large number of our friends at a general assembly in Berlin, where I attempted to make clear how the head, in its physical form, can only be understood if one conceives of it as a complete reversal of the rest of the organism. No one understood this at all: that a bone in our arm would have to be turned inside out, like a glove, to become a skull bone. This is difficult, but one cannot know anatomy without forming these concepts. I only mentioned this in passing. It is easier to understand the other thing I told you today about communication with the dead.
[ 18 ] Sehen Sie, was ich jetzt auseinandergesetzt habe, das findet fortwährend statt. Sie alle, wie Sie hier sitzen, Sie verkehren fortwährend mit Toten, nur wissen es die Menschen im gewöhnlichen Leben nicht, weil es sich im Unterbewußten vollzieht. Das hellsichtige Bewußtsein, das zaubert nichts Neues hervor; es hebt nur dasjenige, was vorhanden ist in der geistigen Welt, eben zum Bewußtsein herauf. Sie alle verkehren fortwährend mit Toten.
[ 18 ] You see, what I have just explained is happening all the time. All of you sitting here are constantly in contact with the dead; it’s just that people in everyday life aren’t aware of it because it takes place in the subconscious. Clairvoyant consciousness does not conjure up anything new; it merely brings to consciousness what already exists in the spiritual world. All of you are constantly in contact with the dead.
[ 19 ] Nun wollen wir ein wenig kennenlernen, wie sich im einzelnen der gewöhnliche Verkehr mit den Toten abspielt. Sie können fragen, wenn irgendein Toter hingegangen ist, wenn man selber zurückgeblieben ist: Wie komme ich dem Toten nahe, so daß er mich in sich erlebt? — Das ist ja das, was ich vorhin erörtert habe. Wie kommt mir der Tote wieder nahe, daß ich in ihm leben kann? Diese Frage können Sie aufwerfen. Richtig beantworten kann man diese Frage nicht, wenn man die bloßen, hier auf dem physischen Plan gewohnten Begriffe ins Auge faßt. Hier auf dem physischen Plan entwickeln wir unser gewöhnliches Bewußtsein nur vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Aber für den gesamten Menschen ist der andere Teil des Bewußtseins, der dumpf bleibt, abgelähmt bleibt im gewöhnlichen Leben zwischen Einschlafen und Aufwachen, ebenso wichtig wie der zwischen Aufwachen und Einschlafen. Der Mensch ist eigentlich nicht im wirklichen Sinne unbewußt, wenn er schläft, sondern das Bewußtsein ist nur so dumpf, daß er gewöhnlich nichts davon wahrnimmt. Es ist dumpf, aber man muß diesen ganzen Menschen nehmen, den wachenden und den schlafenden, wenn man die Beziehungen des Menschen zur geistigen Welt ins Auge faßt.
[ 19 ] Now let’s take a closer look at how our usual interaction with the dead actually unfolds. You might ask, when someone has passed away and you are left behind: How can I draw close to the deceased so that they can experience me within themselves? — That is precisely what I discussed earlier. How does the deceased come close to me again so that I can live within them? You may raise this question. One cannot answer this question correctly by considering only the concepts we are accustomed to here on the physical plane. Here on the physical plane, we develop our ordinary consciousness only from waking up until falling asleep. But for the whole human being, the other part of consciousness—which remains dulled and dormant in ordinary life between falling asleep and waking up—is just as important as the part active between waking up and falling asleep. A person is not actually unconscious in the true sense when sleeping; rather, consciousness is merely so dulled that one usually perceives nothing of it. It is dulled, but one must consider the whole person—both the waking and the sleeping self—when examining the human being’s relationship to the spiritual world.
[ 20 ] Denken Sie an Ihre eigene Biographie. Sie betrachten ja den Lebenslauf immer mit den entsprechenden Unterbrechungen. Sie beschreiben nur das, was vom Aufwachen bis zum Einschlafen vorgeht; dann ist das Leben unterbrochen: Wachen — schlafen; wachen schlafen. Aber während Sie schlafen, sind Sie auch da, und wenn man den ganzen Menschen betrachtet, so muß man den Wachzustand und den Schlafzustand ins Auge fassen. Und man muß nun, wenn man den Verkehr des Menschen mit der geistigen Welt ins Auge faßt, wirklich noch ein Drittes ins Auge fassen. Denn außer Wachen und Schlafen gibt es ein Drittes, das für den Verkehr mit der geistigen Welt wichtiger ist als das bloße Wachen und Schlafen, nämlich das Aufwachen und das Einschlafen. Dieses Aufwachen und Einschlafen, es dauert immer nur einen Augenblick und gleich kommt man in einen anderen Zustand. Aber wenn ein Mensch sich Empfindsamkeit entwickelt für diesen Moment des Aufwachens und Einschlafens, dann geben gerade diese Augenblicke des Aufwachens und Einschlafens die größten Aufschlüsse über die geistige Welt.
[ 20 ] Think about your own life story. After all, you always view your life as a series of interruptions. You describe only what happens from the moment you wake up until you fall asleep; then life is interrupted: waking—sleeping; waking—sleeping. But while you sleep, you are also present, and when considering the whole person, one must take into account both the waking state and the sleeping state. And when considering a person’s interaction with the spiritual world, one must truly take a third state into account as well. For besides waking and sleeping, there is a third state that is more important for interaction with the spiritual world than mere waking and sleeping—namely, waking up and falling asleep. This waking up and falling asleep always lasts only a moment, and immediately one enters a different state. But when a person develops sensitivity to these moments of waking up and falling asleep, it is precisely these moments that provide the greatest insights into the spiritual world.
[ 21 ] Beim Aufwachen ist es ja so: Sie wissen, auf dem Lande draußen jetzt verschwinden diese Dinge auch auf dem Lande allmählich —, aber als wir älteren Leute jung waren, da haben die Leute auf dem Lande gesagt: Wenn man aufwacht, dann soll man nicht gleich zum beleuchteten Fenster schauen, sondern noch ein wenig im Dunkeln zubringen. — Die Leute auf dem Lande wußten vom Verkehre mit der geistigen Welt. Sie wußten noch davon, und sie wollten nicht diesen Moment des Aufwachens so haben, daß sie nun gleich ins volle Tageslicht kommen, sondern sie wollten gesammelt bleiben, um etwas zu behalten von dem, was so kolossal durch die menschliche Seele zieht im Augenblicke des Aufwachens. Das stört uns, daß wir gleich ins volle Tagesleben hineinkommen. In der Stadt ist es ja überhaupt kaum zu machen; da stört uns nicht nur das volle Tagesleben, wenn wir aufwachen, sondern schon der Lärm der Straße, das Schellen der Trambahn und so weiter. Das ganze Kulturleben geht darauf hinaus, dem Menschen womöglich den Verkehr mit der geistigen Welt zu verleiden. Damit ist nichts gesagt gegen das äußere materielle Kulturleben, aber die Tatsache muß man sich vor Augen halten.
[ 21 ] When you wake up, it’s like this: You know, out in the countryside these things are gradually disappearing there as well—but when we older folks were young, people in the countryside used to say: When you wake up, you shouldn’t look right away at the lit window, but spend a little more time in the dark. — People in the countryside knew about communication with the spiritual world. They still knew about it, and they didn’t want that moment of waking up to be such that they were immediately plunged into full daylight; rather, they wanted to remain composed in order to retain something of what passes so powerfully through the human soul at the moment of waking. It disturbs us that we are immediately thrust into the full flow of daily life. In the city, it’s hardly possible at all; there, we’re disturbed not only by the full swing of daily life when we wake up, but also by the noise of the street, the ringing of the streetcar bells, and so on. The whole of cultural life seems designed to make communication with the spiritual world as unappealing as possible to human beings. This is not meant as a criticism of external, material cultural life, but one must keep this fact in mind.
[ 22 ] Bei dem Einschlafen ist es so, daß wieder im Moment des Einschlafens in kolossaler Weise die geistige Welt an uns herantritt, aber wir schlafen gleich ein, wir verlieren das Bewußtsein von dem, was uns durch die Seele gezogen ist. In gewissen Fällen können aber Ausnahmen eintreten. Nun sind eben die Momente des Aufwachens und des Einschlafens die bedeutsamsten für den Verkehr mit den sogenannten Toten, auch sonst mit den geistigen Wesen der höheren Welt. — Um das zu verstehen, was ich in bezug darauf zu sagen habe, ist es allerdings notwendig, daß Sie eine Vorstellung sich aneignen, die man hier auf den physischen Plan nicht recht anwenden kann und daher eigentlich nicht hat. Es ist die Vorstellung: Was zeitlich vorübergegangen ist, ist eigentlich geistig nicht vorübergegangen, sondern ist noch da. Das ist eine Vorstellung, die man im physischen Leben nur in bezug auf den Raum hat. Wenn Sie vor einem Baume stehen und dann weggehen, später zurückschauen, so verschwindet er nicht; er ist noch da. So ist es mit der Zeit in der geistigen Welt. Wenn Sie jetzt etwas erleben, so ist es weg für das physische Bewußtsein; geistig angesehen ist es nicht weg. Sie können darauf zurückschauen wie zum Baume. Es ist sehr merkwürdig, daß Richard Wagner, wie seine Worte zeigen: Zum Raum wird hier die Zeit — von dieser Sache gewußt hat. Das ist ein Geheimnis, daß eigentlich im Geistigen es Entfernungen gibt, die hier auf dem physischen Plan nicht zum Ausdruck kommen. Vorübersein eines Ereignisses bedeutet nur: Es ist weiter von uns. Das bitte ich Sie für den Fall, den wir jetzt betrachten, besonders ins Auge zu fassen. Denn für den Erdenbewohner im physischen Leibe ist es so, daß im Moment des Aufwachens der Moment des Einschlafens vorbei ist; wenn wir in der geistigen Welt sind, stehen wir, wenn wir aufwachen, nur ein bißchen weiter weg vom Moment des Einschlafens. Nun, das muß man ins Auge fassen. Wir stehen einem Toten gegenüber — wie gesagt, wir tun es fortwährend, es bleibt nur gewöhnlich im Unterbewußten —, wenn wir einschlafen; wenn wir aufwachen, stehen wir einem Toten gegenüber. Das sind für das physische Bewußtsein zwei verschiedene Momente. Für das geistige Bewußtsein ist nur das eine etwas weiter weg von dem anderen als das unmittelbar Daranstoßende. Das bitte ich Sie bei dem, was ich jetzt erörtern werde, ins Auge zu fassen, sonst werden Sie es vielleicht nicht so ohne weiteres durchdringen können.
[ 22 ] When we fall asleep, the spiritual world approaches us in a tremendous way at the very moment we drift off, but we fall asleep immediately and lose awareness of what has passed through our soul. In certain cases, however, exceptions can occur. It is precisely these moments of waking and falling asleep that are the most significant for communication with the so-called dead, as well as with spiritual beings of the higher world in general. — To understand what I have to say in this regard, it is, however, necessary for you to grasp a concept that cannot really be applied here on the physical plane and therefore does not actually exist here. It is the concept that what has passed in terms of time has not actually passed in the spiritual realm, but is still there. This is a concept that we have in physical life only in relation to space. If you stand in front of a tree and then walk away, and later look back, it does not disappear; it is still there. So it is with time in the spiritual world. When you experience something now, it is gone from physical consciousness; from a spiritual perspective, it is not gone. You can look back on it just as you would on the tree. It is very remarkable that Richard Wagner—as his words show: “Here, time becomes space”—was aware of this fact. It is a mystery that, in the spiritual realm, there are distances that are not expressed here on the physical plane. The fact that an event lies in the past simply means: It is farther away from us. I ask you to bear this in mind especially in the case we are now considering. For the earthly being in a physical body, the moment of falling asleep is over the moment they wake up; when we are in the spiritual world, upon waking we are merely a little farther away from the moment of falling asleep. Now, this is something we must bear in mind. We are facing a dead person—as I said, we do this constantly, though it usually remains in the subconscious—when we fall asleep; when we wake up, we are facing a dead person. For physical consciousness, these are two different moments. For spiritual consciousness, however, only one of them is slightly further away from the other than the one immediately adjacent to it. I ask you to bear this in mind as I discuss what follows, otherwise you may not be able to grasp it so readily.
[ 23 ] Aufwachen und Einschlafen, sagte ich, sind für den Verkehr mit den Toten ganz besonders wichtig. Es gibt gar nicht im Menschenleben Augenblicke des Einschlafens und Aufwachens, ohne daß man mit den Toten in Beziehung tritt. Nun ist der Moment des Einschlafens in bezug auf den Verkehr mit den Toten besonders günstig dafür, daß wir uns an den Toten wenden. Wenn wir den Toten etwas fragen wollen, und wir können die Frage in unserer Seele hegen und sie erhalten bis zum Moment des Einschlafens, so daß wir unsere Fragen, unsere Anrede, oder das, was wir mitteilen wollen, bis zum Moment des Einschlafens halten: da ist das der günstigste Moment, da bringen wir unsere Fragen am besten an den Toten heran, da ist dieses am leichtesten. Es ist sonst auch vorhanden, aber hier ist es am leichtesten. Wenn wir also den Toten vorlesen, so kommen wir schon an die Toten heran, aber ich meine: Unmittelbarer Verkehr ist am günstigsten mit Bezug auf das, was wir an den Toten richten, wenn wir das, was wir zu sagen haben, im Momente des Einschlafens sagen. Dagegen für das, was der Tote uns mitzuteilen hat, ist der Moment des Aufwachens das Günstigste. Und wiederum ist es so, daß es für niemanden so ist, daß er nicht vom Moment des Aufwachens, wenn er es wissen könnte, zahlreiche Botschaften von Toten hereinbringt. Wir reden eigentlich fortwährend mit den Toten in dem Unbewußten unserer Seele. Beim Einschlafen stellen wir Fragen an die Toten. Wir sagen ihnen das, was wir ihnen zu sagen haben in den Tiefen unserer Seele. Beim Aufwachen reden die Toten mit uns. Da geben sie uns die Antworten. Nur müssen wir eben diese Vorstellung haben, daß das nur zwei verschiedene Punkte sind, und daß im höheren Sinne, was nacheinander ist, eigentlich gleichzeitig ist, wie zwei Orte im physischen Plan gleichzeitig sind. Nun ist für den Verkehr mit den Toten das eine günstiger, das andere ungünstiger.
[ 23 ] Waking up and falling asleep, I said, are particularly important for communicating with the dead. There are no moments in human life when we fall asleep or wake up without entering into a relationship with the dead. Now, the moment of falling asleep is particularly favorable for communicating with the dead, allowing us to turn to them. If we want to ask the dead something, and we can cherish the question in our soul and hold onto it until the moment we fall asleep—so that we keep our questions, our address, or what we wish to communicate until that moment—then that is the most favorable moment; that is when we can best bring our questions to the dead; that is when it is easiest. It is possible at other times as well, but here it is easiest. So when we read aloud to the dead, we are already reaching out to them, but I mean this: Direct communication is most favorable with regard to what we address to the dead when we say what we have to say at the moment of falling asleep. On the other hand, for what the dead have to communicate to us, the moment of waking up is the most favorable. And again, it is true that there is no one who, if they were aware of it, would not bring back numerous messages from the dead at the moment of waking. We are actually in constant conversation with the dead in the unconscious depths of our soul. As we fall asleep, we ask questions of the dead. We tell them what we have to say to them in the depths of our soul. Upon waking, the dead speak to us. That is when they give us the answers. We simply need to hold the understanding that these are merely two different points in time, and that in a higher sense, what occurs sequentially is actually simultaneous—just as two places on the physical plane exist simultaneously. Now, for communication with the dead, one is more favorable, the other less so.
[ 24 ] Man kann sich schon die Frage vorhalten: Was begünstigt unseren Verkehr mit den Toten? Nun, meine lieben Freunde, aus denselben Motiven heraus, aus denen man zumeist mit den Lebenden redet, kann man mit den Toten nicht gut verkehren. Das hören sie nicht, das vernehmen sie nicht. Also, wenn man aus derselben Stimmung heraus, wie man bei Five o’clock-Teas oder bei Kaffeegesellschaften miteinander redet, auch mit den Toten plaudern wollte, so würde man das nicht können. Das, was möglich macht, daß wir Fragen an die Toten stellen, daß wir den Toten etwas mitteilen, das ist das Verbinden des Gefühlslebens mit den Vorstellungen. Nehmen Sie an, irgend jemand ist durch die Pforte des Todes gegangen. Sie wollen, daß Ihr Unterbewußtes am Abend dem Toten etwas mitteilt. Sie brauchen es nicht im Bewußtsein mitzuteilen. Sie können das am ganzen Tage vorbereiten. Wenn Sie um die zwölfte Stunde mittags es vorbereiten und am Abend um zehn Uhr schlafen gehen, es geht zum Toten hinüber beim Einschlafen. Aber die Frage muß in einer bestimmten Weise gestellt sein; nicht bloß gedankenmäßig, vorstellungsgemäß, sondern im Gefühl und im Willen müssen Sie die Fragen richten an den Toten. So müssen Sie sie richten, daß Sie ein herzliches, ein seelisches Interesseverhältnis zum Toten entwickeln. Sie müssen sich erinnern, wo Sie sich besonders zu dem Toten hier in Liebe gewendet haben, und in einer solch lieben Stimmung an den Toten sich wenden. Nicht also abstrakt, sondern mit Anteil, mit Wärme müssen Sie sich an den Toten wenden. Dann kann sich das so in der Seele fortsetzen, daß es am Abend bis zum Einschlafen, ohne daß Sie es wissen, zur Frage an den Toten wird. Oder Sie versuchen, rege zu machen in Ihrer Seele, was das besondere Interesse für den Toten war. Oder namentlich gut ist das Folgende: Sie denken darüber nach, wie Sie mit dem Toten hier gelebt haben. Sie vergegenwärtigen sich konkrete Momente, wo Sie mit ihm zusammen gelebt haben, und fragen sich dann: Was hat mich von dem Toten besonders interessiert? Was hat mich gefangengenommen? Wo habe ich wirklich einen Eindruck gehabt, wo habe ich damals gesagt: Es ist mir lieb, daß er es sagt, er hat mich gefördert, es war mir wert; ich habe tiefes Interesse genommen an dem, was er gesagt hat. — Wenn Sie sich solche Momente vergegenwärtigen, wo Sie stark verbunden waren mit dem Toten, wo Sie namentlich starkes Interesse genommen haben, und wenn Sie das so wenden, als ob Sie mit dem Toten reden wollten, als ob Sie ihm etwas sagen wollten wenn Sie das Gefühl rein entwickeln, und aus dem Interesse, das Sie genommen haben, diese Frage entwickeln, so bleibt diese Frage in der Seele, und abends beim Einschlafen wandert die Frage oder die Mitteilung hinüber an den Toten. Da kann dann das gewöhnliche Bewußtsein in der Regel nicht viel davon wissen, weil man hinterher einschläft, aber es bleibt doch sehr häufig in den Träumen das vorhanden, was da hinübergegangen ist. Und weitaus die meisten Träume, wenn sie auch inhaltlich nicht zutreffend sind, die meisten Träume, die wir gerade von Toten haben, die deuten wir nur falsch. Wir deuten sie wie Botschaften von Toten, aber sie sind nichts anderes als das Nachklingen der Fragen oder Mitteilungen, die wir zu den Toten hin gerichtet haben. Wir sollen nicht glauben, die Toten sagen uns etwas, wenn wir träumen, sondern wir sollen in den Träumen etwas sehen, was von unserer eigenen Seele weggeht, und was also hin zu den Toten geht. Der Traum ist der Nachklang dessen. Würden wir soweit entwickelt sein, daß wir unsere Frage oder Mitteilung an den Toten im Moment des Einschlafens wahrnehmen könnten, dann würde es uns so erscheinen, als ob der Tote sprechen würde. Daher erscheint uns auch der Nachklang im Traum, als ob es eine Botschaft von ihm wäre; es ist aber aus uns heraus. Man versteht das nur, wenn man das hellseherische Verhältnis zum Toten versteht. Gerade wenn der Tote scheinbar zu uns spricht, ist es das, was wir zu ihm sagen; das kann man nicht wissen, wenn man nicht lernt zu vergleichen.
[ 24 ] One might well ask: What makes our communication with the dead possible? Well, my dear friends, one cannot truly communicate with the dead for the same reasons that one usually speaks with the living. They cannot hear it; they do not perceive it. So, if one were to try to chat with the dead in the same spirit as one talks with one another at five o’clock teas or coffee parties, one would not be able to do so. What makes it possible for us to ask questions of the dead, to communicate something to them, is the connection between our emotional life and our thoughts. Suppose someone has passed through the gate of death. You want your subconscious to convey something to the deceased that evening. You do not need to do this consciously. You can prepare for it throughout the day. If you prepare it around noon and go to sleep at ten o’clock that evening, it will reach the deceased as you fall asleep. But the question must be posed in a specific way; you must direct the questions to the deceased not merely through thought or imagination, but with feeling and will. You must direct them in such a way that you develop a heartfelt, spiritual connection with the deceased. You must recall the times when you turned to the deceased here with particular love, and address the deceased in such a loving spirit. So you must turn to the deceased not abstractly, but with compassion and warmth. Then this can continue in your soul so that, in the evening as you drift off to sleep—without your even realizing it—it becomes a question directed at the deceased. Or you can try to stir up within your soul that special interest you had in the deceased. Or, the following is particularly helpful: Reflect on how you lived here with the deceased. Recall specific moments when you lived together with them, and then ask yourself: What particularly interested me about the deceased? What captivated me? When did I truly feel moved, when did I say at the time: “I’m glad they said that,” “they inspired me,” “it was worthwhile to me”; I took a deep interest in what he said.” — When you recall such moments when you felt a strong connection with the deceased, when you took a particular interest in him, and when you approach this as if you wanted to speak with the deceased, as if you wanted to say something to him—when you develop that feeling purely and, from the interest you took, formulate this question—then this question remains in your soul, and in the evening, as you fall asleep, the question or the message passes over to the deceased. As a rule, ordinary consciousness is generally unaware of much of this, because you fall asleep afterward, but very often what has passed over remains present in your dreams. And by far the majority of dreams—even if their content isn’t accurate—the dreams we have about the dead, we simply misinterpret them. We interpret them as messages from the dead, but they are nothing more than the lingering echoes of the questions or messages we have directed toward the dead. We should not believe that the dead are telling us something when we dream; rather, we should see in our dreams something that emanates from our own soul and thus goes out toward the dead. The dream is the echo of that. If we were developed enough to perceive our question or message to the dead at the moment of falling asleep, it would seem to us as if the dead person were speaking. That is why the echo in the dream also appears to us as if it were a message from them; but it comes from within us. One can only understand this if one understands the clairvoyant relationship to the deceased. Precisely when the deceased seems to be speaking to us, it is actually what we are saying to them; one cannot know this unless one learns to make the comparison.
[ 25 ] Also der Moment des Aufwachens ist so, daß der Tote besonders gut an uns herankommt. Es kommt sehr viel an jeden Menschen von Toten heran im Moment des Aufwachens. Nicht wahr, es ist überhaupt vieles von dem, was wir im Leben unternehmen, eigentlich von den Toten oder auch von Wesenheiten der höheren Hierarchien inspiriert; wir schreiben es nur uns zu als aus unserer eigenen Seele herauskommend. Was die Toten sagen, kommt aus unserer Seele heraus. Das Tagesleben kommt heran, der Moment des Aufwachens geht vorüber, und wir sind selten geneigt, die intimen Dinge, die aus unserer Seele aufsteigen, zu beobachten. Und wenn wir sie beobachten, sind wir eitel genug dazu, alles, was aus unserer Seele herauskommt, uns selbst zuzuschreiben. Aber in alledem lebt — viel mehr, als was aus unserer Seele kommt — dasjenige, was unsere hingegangenen Toten zu sagen haben. Denn das, was die Toten zu uns sagen, steigt scheinbar aus unserer eigenen Seele herauf. Würden die Menschen überhaupt wissen, wie das Leben wirklich ist, dann würde sich aus diesem Wissen ein ganz besonderes pietätvolles Empfinden entwickeln gegenüber der geistigen Welt, in der wir fortwährend sind und in der unsere Toten sind. Und wir würden wissen bei vielem, was wir tun, daß eigentlich die Toten in uns wirken. Das muß sich in der Geisteswissenschaft nicht als äußerlich theoretisches Wissen entwickeln, sondern als etwas, was als innerliches Leben die Seele immer mehr durchziehen wird. Das muß sich entwickeln, dieses Wissen, daß rings um uns herum wie die Luft, die wir atmen, eine geistige Welt ist, und daß die Toten um uns sind, daß wir nur nicht geeignet sind, sie wahrzunehmen. Diese Toten sprechen zu unserem Inneren, aber unser Inneres, das deuten wir unrichtig aus. Würden wir es richtig deuten, so würden wir gerade durch die Wahrnehmung unseres Inneren uns verbunden wissen mit den Seelen, die die sogenannten Toten sind.
[ 25 ] So, at the moment of waking, the deceased can reach us particularly easily. A great deal comes to each person from the dead at the moment of waking. Isn’t it true that much of what we undertake in life is actually inspired by the dead or by beings of the higher hierarchies; we simply attribute it to ourselves as coming from our own soul. What the dead say comes from our soul. Daily life takes over, the moment of waking passes, and we are rarely inclined to observe the intimate things that rise up from our soul. And when we do observe them, we are vain enough to attribute everything that comes from our soul to ourselves. But in all of this—far more than what comes from our soul—lives what our departed dead have to say. For what the dead say to us seems to rise up from our own soul. If people knew at all what life really is, then from this knowledge a very special, reverent feeling would develop toward the spiritual world in which we constantly dwell and in which our dead reside. And we would know, in much of what we do, that it is actually the dead who are at work within us. In spiritual science, this must not develop as external, theoretical knowledge, but as something that will increasingly permeate the soul as an inner life. This knowledge must develop—the knowledge that all around us, like the air we breathe, there is a spiritual world, and that the dead are around us, though we are simply not capable of perceiving them. These dead speak to our inner being, but we misinterpret our inner being. If we were to interpret it correctly, we would know—precisely through the perception of our inner being—that we are connected to the souls who are the so-called dead.
[ 26 ] Nun ist ein großer Unterschied zwischen den Toten, je nachdem eine Seele durch die Pforte des Todes verhältnismäßig früh geht oder in späteren Jahren. Ob junge Kinder dahinsterben, die uns gerne gehabt haben, oder ob uns als jüngeren Leuten ältere dahinsterben, ist ein großer Unterschied. Wenn man nach den Erfahrungen mit der geistigen Welt diesen Unterschied charakterisieren will, so könnte man es etwa in der folgenden Weise tun. Wenn junge Kinder dahinsterben, so ist das Geheimnis des Zusammenseins mit den Kindern, die gestorben sind, dadurch auszusprechen, daß? man sagt: Geistig betrachtet verliert man eigentlich diese Kinder nicht. Sie bleiben geistig da. Kinder, die früh im Leben sterben, sind eigentlich wirklich in hohem Grade immer geistig unmittelbar da. — Wir werden gleich näher auf die Sache noch eingehen. Ich möchte als Meditationssatz vor Ihre Seelen hinstellen, den man weiter durchdenken kann, daß Kinder, wenn sie uns hinsterben, für uns nicht verloren sind; wir verlieren sie nicht, sie bleiben geistig immer da. Und bei älteren Leuten, die hinsterben, kann man das Umgekehrte sagen. Da kann man sagen: Sie verlieren uns nicht. Kinder verlieren wir nicht und ältere Leute verlieren uns nicht. Ältere Leute, wenn sie hinsterben, haben nämlich eine große Anziehungskraft zu der geistigen Welt, aber sie haben dadurch auch die Macht, so hineinzuwirken in die physische Welt, daß sie an uns leichter herankommen. Sie entfernen sich zwar viel mehr als die Kinder, die bei uns bleiben, von der physischen Welt, aber sie sind mit höheren Wahrnehmungsfähigkeiten ausgestattet als die Leute, die jünger sterben. Sie behalten uns. Wenn man mit verschiedenen Seelen in der geistigen Welt bekannt wird, ob sie jung oder alt gestorben sind: die älter Gestorbenen, die leben dadurch, daß sie die Kraft haben, in Erdenseelen leichter einzudringen, die verlieren die Erdenseelen nicht; und die Kinder, die verlieren wir nicht, die bleiben mehr oder weniger in der Sphäre des Erdenmenschen.
[ 26 ] There is a great difference among the dead, depending on whether a soul passes through the gate of death relatively early or in later years. Whether young children who loved us pass away, or whether older people pass away while we are still young, makes a great difference. If one wishes to characterize this difference based on experiences with the spiritual world, one could do so in the following way. When young children pass away, the mystery of being together with the children who have died can be expressed by saying: Spiritually speaking, we do not actually lose these children. They remain here spiritually. Children who die early in life are, in fact, always spiritually present to a very high degree. — We will go into this matter in more detail shortly. I would like to present this as a meditation for your souls—something you can reflect on further—that when children pass away, they are not lost to us; we do not lose them; they always remain with us spiritually. And in the case of older people who pass away, the opposite can be said. There one can say: They do not lose us. We do not lose children, and older people do not lose us. When older people pass away, they exert a powerful attraction toward the spiritual world, but this also gives them the power to influence the physical world in such a way that they can reach us more easily. Although they distance themselves much further from the physical world than children, who remain with us, they are endowed with higher powers of perception than those who die at a younger age. They remain with us. When one becomes acquainted with various souls in the spiritual world, whether they died young or old: those who died at an older age live on because they have the power to penetrate earthly souls more easily; they do not lose contact with earthly souls; and as for the children, we do not lose them—they remain, to a greater or lesser extent, within the sphere of earthly human beings.
[ 27 ] Das kann man auch noch an etwas anderem charakterisieren. Sehen Sie, auch für das, was der Mensch so mit seiner Seele auf dem gewöhnlichen physischen Plane erlebt, hat er ja nicht eigentlich immer die ganz tiefen Empfindungen. Wenn uns Menschen hinsterben, so haben wir Trauer; Schmerz empfinden wir darüber. Ich habe oftmals gesagt, gerade wenn uns selber gute Freunde aus der Gesellschaft gestorben sind: Anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hat nicht die Aufgabe, in schaler Weise die Leute über den Schmerz zu trösten, ihnen den Schmerz auszureden. Schmerz ist berechtigt, man soll stark werden, ihn zu tragen, aber man soll ihn sich nicht ausreden lassen. Aber man unterscheidet mit Bezug auf den Schmerz nicht danach, ob man diesen Schmerz über den Hingang Jung Verstorbener oder den Hingang älterer Menschen hat. Und dennoch, geistig angesehen ist da ein großer, großer Unterschied. Man kann sagen: Derjenige, der hier als Hinterbliebener ist, hat mit Bezug auf Kinder, die ihm hinweggestorben sind, seien es seine eigenen oder solche, die er sonst geliebt hat, er hat, wenn ich es technisch sozusagen ausdrücken darf, einen gewissen Mitgefühlsschmerz. — Kinder bleiben eigentlich bei uns, und dadurch, daß wir mit ihnen verbunden waren, bleiben sie uns so nahe, übertragen sie ihren Schmerz auf unsere Seelen, und wir fühlen ihren Schmerz, daß sie noch gerne da wären. Dadurch wird ihnen der Schmerz leichter, daß wir ihn mittragen. Eigentlich fühlt das Kind in uns. Es ist gut, wenn es mit uns fühlen kann, dadurch wird ihm sein Schmerz erleichtert. Dagegen kann man den Schmerz, den wir empfinden, wenn ältere Menschen dahinsterben, seien es die Eltern oder auch Freunde, einen egoistischen Schmerz nennen. Der älter Gestorbene, der verliert uns nicht, er hat daher auch nicht das Gefühl, das der jung Verstorbene hat. Er behält uns, er verliert uns nicht. Wir hier im Leibe, wir haben das Gefühl, daß wir ihn verloren haben; daher geht der Schmerz nur uns an. Es ist ein egoistischer Schmerz. Wir fühlen nicht sein Gefühl wie bei den Kindern, sondern fühlen den Schmerz für uns.
[ 27 ] This can also be characterized in another way. You see, even when it comes to what a person experiences with their soul on the ordinary physical plane, they do not actually always have very deep feelings. When people die, we feel grief; we feel pain because of it. I have often said—especially when good friends from our own circle have died—that anthroposophically oriented spiritual science does not have the task of offering people insincere consolation for their pain or of talking them out of it. Pain is justified; one should become strong enough to bear it, but one should not allow others to talk one out of it. Yet when it comes to pain, we do not distinguish between whether this pain stems from the passing of the young or that of older people. And yet, from a spiritual perspective, there is a very, very great difference. One might say: The person who is left behind, with regard to children who have passed away—whether they are his own or those he loved in some other way—experiences, if I may put it technically so to speak, a certain pain of compassion. — Children actually remain with us, and because we were connected to them, they remain so close to us that they transfer their pain to our souls, and we feel their pain—that they would still like to be here. This eases their pain, because we share it with them. In a sense, the child within us feels this. It is good if it can feel with us; this eases its pain. In contrast, the pain we feel when older people pass away—whether they are parents or friends—can be called a selfish pain. The elderly person who has passed away does not lose us; therefore, they do not experience the same feeling as someone who dies young. They retain us; they do not lose us. We, here in this body, feel that we have lost them; therefore, the pain concerns only us. It is a selfish pain. We do not feel their feelings as we do with children, but rather feel the pain for ourselves.
[ 28 ] Man kann wirklich diese zwei Arten des Schmerzes sehr genau unterscheiden: Egoistischer Schmerz älteren Leuten gegenüber, Mitgefühlsschmerz für jüngere Leute. Das Kind lebt in uns weiter, und wir fühlen eigentlich, was das Kind fühlt. So richtig mit unserer eigenen Seele traurig sind wir nur den älteren Dahingestorbenen gegenüber. Dies ist nicht bedeutungslos.
[ 28 ] One can really distinguish very clearly between these two kinds of pain: selfish pain toward older people, and compassionate pain for younger people. The child lives on within us, and we actually feel what the child feels. We are truly saddened in our very souls only by the passing of the elderly. This is not without meaning.
[ 29 ] Nun, gerade an solch einer Sache kann man so recht sehen, daß das Wissen von der geistigen Welt doch eine große Bedeutung hat. Denn sehen Sie: Nach diesem kann sich in gewissem Sinne der Totenkultus schon einrichten. Dem Kinde gegenüber, das uns hingestorben ist, wird das ganz Individuelle im Totenkultus nicht ganz angebracht sein, sondern dem Kinde gegenüber, weil das ja ohnedies in uns weiterlebt und bei uns bleibt, ist es gut, wenn man das Andenken so belebt, daß es mehr ins Allgemeine geht, daß man dem mit uns lebenden Kinde etwas Allgemeines gibt. Daher ist zum Beispiel bei dem Totenkultus für Kinder das Zeremoniell bei der Leichenfeier vorzuziehen gegenüber einer besonderen Leichenrede. Ich möchte sagen, auf die beiden Konfessionen, katholische und protestantische, verteilt sich da je nachdem das Bessere. Der Katholizismus hat nicht die eigentliche Leichenrede, sondern ein Trauerzeremoniell, einen Ritus. Das ist etwas Allgemeines, das ist für alle gleich. Dasjenige nun, was für alle gleich sein kann, ist besonders für Kinder gut; wenn wir das Andenken überhaupt so einrichten können, daß es für alle gleich sein kann. Für den älter Gestorbenen ist das Individuelle bedeutsamer. Bei den älter Gestorbenen wird das beste Trauerzeremoniell das sein, wenn wir geradezu sein Leben betrachten. Das Protestantische, die besondere Leichenrede, die sich auf das Leben des Toten bezieht, wird große Bedeutung haben für den Hingestorbenen; da würde der katholische Ritus weniger Bedeutung haben. Aber auch sonst im Andenken an den Toten: Für das Kind ist es am besten, man versetzt sich in eine Stimmung, wo man verbunden ist mit dem Kinde; dann versucht man Gedanken an das Kind zu richten, die dann zu ihm hinziehen werden beim Einschlafen. Diese Gedanken können mehr allgemein gehalten sein, also zum Beispiel Dinge, die mehr oder weniger an alle Toten gerichtet werden können. Bei Älteren, da ist es schon notwendig, daß man im Andenken an diesen speziellen Menschen sich richtet, daß man also individuell an diesen speziellen Menschen sich richtet und nachdenkt über dasjenige, was ihm nahegelegen hat, was man mit ihm gemeinschaftlich durchlebt hat. Namentlich ist es von großer Bedeutung bei einem älteren Menschen, um mit ihm in den richtigen Verkehr zu kommen, sich sein Wesen zu vergegenwärtigen, sein Wesen in einem selbst lebendig zu machen. Also nicht bloß, daß man sich erinnert an das, was er einem gesagt hat und wofür man besonderes Gefühl hatte, sondern was er als Individualität war, was er wert war für die Welt: das in sich rege zu machen, das wird einen befähigen, zu einem älteren Verstorbenen in Beziehung zu kommen und das richtige Andenken zu haben. Sie sehen also: Für die Pietät, die wir entwickeln, hat es Bedeutung, zu wissen, wie man sich verhalten muß zu jüngeren und älteren Verstorbenen.
[ 29 ] Well, it is precisely in a case like this that one can truly see that knowledge of the spiritual world is, after all, of great importance. For you see: based on this, the cult of the dead can, in a certain sense, already take shape. When it comes to a child who has passed away, the highly individualized aspects of the rite of the dead may not be entirely appropriate; rather, since the child lives on within us and remains with us anyway, it is good to keep the memory alive in a way that is more universal—to offer the child living among us something universal. Therefore, for example, in the rite of remembrance for children, the ceremonial aspects of the funeral service are preferable to a specific eulogy. I would say that, depending on the circumstances, the Catholic and Protestant denominations each have their own strengths in this regard. Catholicism does not have a funeral eulogy in the strict sense, but rather a funeral ceremony, a rite. This is something universal; it is the same for everyone. That which can be the same for everyone is particularly good for children—if we can organize the commemoration in such a way that it can be the same for everyone. For those who have died at an older age, the individual aspect is more significant. For the elderly who have passed away, the best funeral ceremony will be one in which we focus directly on their life. The Protestant tradition—the specific eulogy that refers to the life of the deceased—will be of great significance for the deceased; in that case, the Catholic rite would be of lesser importance. But also in other aspects of commemorating the deceased: For a child, it is best to put oneself in a state of mind where one feels connected to the child; then one tries to direct thoughts toward the child, which will then draw the child toward those thoughts as they fall asleep. These thoughts can be kept more general—for example, things that can be directed more or less toward all the deceased. In the case of older people, it is necessary to focus on the memory of that specific person—that is, to address that specific person individually and reflect on what was close to their heart, on what you experienced together with them. In particular, it is of great importance when dealing with an older person to establish the right connection with them by bringing their essence to mind and making that essence come alive within oneself. So it is not merely a matter of remembering what they said to you or what evoked a particular feeling in you, but rather what they were as an individual, what they meant to the world: bringing that to life within oneself is what will enable one to connect with an elderly deceased person and to honor their memory appropriately. So you see: for the reverence we cultivate, it is important to know how to behave toward both younger and older deceased persons.
[ 30 ] Bedenken Sie, wie sehr es für die Gegenwart immerhin in Betracht kommt, wo so viele Leute in jüngeren Jahren sterben, sich sagen zu können: Sie sind eigentlich in einem hohen Grade immer da, sie sind nicht verloren für die Welt. — Ich habe das zu Ihnen auch hier schon von anderen Gesichtspunkten aus gesagt, aber man muß im Geistigen die Dinge von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten. Und bringt man es zuwege, Bewußtsein zu haben von der geistigen Welt, dann wird aus dieser unendlichen Traurigkeit der Gegenwart wohl das eine in geistiger Beziehung sich entwickeln können, daß, weil die Toten dageblieben sind, sofern es junge Leute sind, durch diese Gemeinschaft mit den Toten ein reges geistiges Leben entstehen kann. Das wird entstehen, wenn der Materialismus nicht so stark seine Kraft entfalten kann, daß Ahriman die Fänge ausstrecken und über alle Menschenkraft siegen kann.
[ 30 ] Consider how relevant this is to the present day, when so many people die at a young age—to be able to say to oneself: They are, in a very real sense, always here; they are not lost to the world. — I have already said this to you here from other perspectives, but in spiritual matters, one must view things from various perspectives. And if one succeeds in becoming conscious of the spiritual world, then out of this infinite sadness of the present, something may well develop in a spiritual sense: namely, because the dead have remained—insofar as they are young people—a vibrant spiritual life can arise through this communion with the dead. This will come about if materialism cannot exert its power so strongly that Ahriman can extend his clutches and triumph over all human strength.
[ 31 ] Das, was ich Ihnen heute gesagt habe, ist eben von der Art, daß gewiß mancher hier sich sagen kann auf dem physischen Plan: Ja, es liegt mir fern; ich möchte lieber etwas haben, was man morgens und abends machen kann, um in das richtige Verhältnis zur geistigen Welt zu kommen. — Man denkt dann aber nicht ganz richtig. Der geistigen Welt gegenüber kommt es wirklich darauf an, daß man überhaupt über sie Gedanken entwickelt. Und wenn einem auch scheinbar die Toten fern stehen und einem das eigene Leben nahe liegt: daß wir gerade solche Gedanken, wie sie heute entwickelt worden sind, durch unsere Seelen ziehen lassen, daß wir etwas, was dem unmittelbaren äußeren Leben scheinbar fremd gegenübersteht, durchdenken, das ist etwas, was unsere Seelen höher bringt, was unseren Seelen geistige Kraft und geistige Nahrung gibt. Denn nicht das, was einem scheinbar naheliegt, bringt einen in die geistige Welt hinein, sondern das, was aus der geistigen Welt zuerst herauskommt. Daher scheuen Sie es nicht, solche Gedanken gerade immer durchzudenken, diese Gedanken in der Seele öfter leben zu lassen. Denn es gibt nichts Wichtigeres für das Leben, auch sogar für das materielle Leben, als durchgreifende Überzeugungen von dem Zusammensein mit dem Geistigen haben zu können. Hätten die Menschen der neueren Zeit den Zusammenhang mit dem Geistigen nicht so sehr verloren, so wären diese schwierigen Zeiten in der Gegenwart nicht gekommen. Diesen tieferen Zusammenhang sehen nur die wenigsten Menschen heute ein; in der Zukunft wird er schon eingesehen werden. Heute glaubt man: Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, hört seine Tätigkeit in bezug auf die physische Welt auf. Nein, sie hört nicht auf. Ein fortwährender reger Verkehr findet statt zwischen den sogenannten Toten und den sogenannten Lebenden. Und wir können sagen: Diejenigen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, sie haben nicht aufgehört, da zu sein, nur unsere Augen haben aufgehört, sie zu sehen; sie aber sind da. Unsere Gedanken, unsere Gefühle, unsere Willensimpulse, sie stehen mit ihnen in Verbindung. Denn gerade auch für die Toten gilt das Evangelienwort: «Suchet sie nicht in äußeren Gebärden, das Reich des Geistes ist mitten unter euch.»
[ 31 ] What I have told you today is precisely the kind of thing that may lead some here to say to themselves on the physical plane: “Yes, that’s not for me; I’d rather have something I can do in the morning and evening to establish the right relationship with the spiritual world.” — But that is not quite the right way to think. When it comes to the spiritual world, what really matters is that one develops thoughts about it at all. And even if the dead seem distant to us and our own lives seem close at hand: allowing thoughts such as those developed today to flow through our souls, thinking through something that seems foreign to our immediate outer life—that is what elevates our souls, what gives our souls spiritual strength and spiritual nourishment. For it is not what seems close at hand that leads one into the spiritual world, but rather what first emerges from the spiritual world. Therefore, do not shy away from thinking through such thoughts consistently, from allowing these thoughts to live more often in your soul. For there is nothing more important in life—even in material life—than being able to hold deep convictions about our connection with the spiritual realm. Had people in more recent times not lost their connection with the spiritual to such a great extent, these difficult times we face today would not have come to pass. Very few people today recognize this deeper connection; in the future, however, it will be understood. Today people believe that once a person has passed through the gate of death, their activity in relation to the physical world ceases. No, it does not cease. A constant, lively exchange takes place between the so-called dead and the so-called living. And we can say: Those who have passed through the gate of death have not ceased to be there; it is only our eyes that have ceased to see them; but they are there. Our thoughts, our feelings, our impulses of will—they are in connection with them. For the words of the Gospel apply especially to the dead: “Do not seek them in outward gestures; the kingdom of the Spirit is in your midst.”
[ 32 ] So soll man auch nicht die Toten suchen durch irgendwelche Äußerlichkeiten, sondern man soll nur sich recht bewußt werden, daß sie fortwährend da sind. Alles geschichtliche, alles soziale, alles ethische Leben geht durch das Zusammenwirken der sogenannten Lebenden mit den sogenannten Toten vor sich, und der Mensch kann eine besondere Stärkung seines ganzen Wesens dadurch erleben, daß er sich immer mehr und mehr durchdringt nicht nur mit dem Bewußtsein, das ihm kommt, wenn er einen sicheren Stand hier in der physischen Welt hat, sondern auch sich durchdringt mit dem Bewußtsein, das ihm kommt, wenn er sich aus rechtem innerem Sinne heraus gegenüber den lieben Dahingegangenen zu sagen vermag: Die Toten, sie sind mitten unter uns. — Denn dieses gehört auch zu einem rechten Wissen, zu einer rechten Erkenntnis von der geistigen Welt, die sich aus verschiedenen Stücken zusammensetzt. Man kann sagen: von der geistigen Welt wissen wir im rechten Sinne, wenn die Art, wie wir denken, wie wir sprechen über diese geistige Welt, aus dieser geistigen Welt selbst heraus ist.
[ 32 ] Thus, one should not seek the dead through any external means, but should simply become fully aware that they are constantly present. All historical, social, and ethical life unfolds through the interaction of the so-called living with the so-called dead, and a person can experience a special strengthening of their entire being by allowing themselves to be increasingly permeated not only by the awareness that comes to them when they have a secure footing here in the physical world, but also by the awareness that comes to them when, out of a true inner sense, they are able to say to their beloved departed ones: The dead are right here among us. — For this, too, is part of true knowledge, of a true understanding of the spiritual world, which is composed of various elements. One might say: we know the spiritual world in the true sense when the way we think and speak about this spiritual world springs from the spiritual world itself.
[ 33 ] Der Satz: Die Toten sind mitten unter uns — er ist selbst eine Bekräftigung der geistigen Welt, und nur die geistige Welt kann uns ein wahres Bewußtsein davon hervorrufen, daß die Toten mitten unter uns sind.
[ 33 ] The statement: “The dead are among us”—it is itself an affirmation of the spiritual world, and only the spiritual world can awaken in us a true awareness that the dead are among us.
