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Death as a Transformation of Life
GA 182

30 April 1918, Ulm

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Death as a Transformation of Life, tr. SOL
  1. Der Tod als Lebenswandlung

4. Zeichen der Zeit Osten, Westen, Mitteleuropa

4. Signs of the Times: East, West, Central Europe

[ 1 ] Die Freunde unserer geistigen Bewegung, die hier in Ulm sind, haben sich vor einiger Zeit zusammengefunden, um die Gedanken, die Bestrebungen, die Impulse dieser unserer geistigen Bewegung auch hier zu pflegen. Wir sind hier, Freunde von auswärts, mit unseren Ulmer Freunden heute vereinigt, um dieses Ereignisses gemeinsam zu gedenken, das eben darin besteht, daß sich auch in dieser Stadt Ulm Freunde unserer Bewegung zusammengetan haben. Zusammengetan haben in ernster Zeit, in schwerer Zeit, in einer Zeit, die durch bedeutsame Zeichen zu den Menschheitsgemütern spricht. Und da darf es bei dieser Gelegenheit heute wohl geschehen, daß wir größerer Zusammenhänge gedenken, geistiger Zusammenhänge der Menschheitsentwickelung, in die sich für unsere Zeit und für die nächste Zukunft unsere geistige Bewegung hineinstellen wird. Ich möchte sagen: Einmal wollen wir den Blick hinwenden von dem, was mit den allernächsten der Menschheitsinteressen auch im Geistigen zusammenhängt, auf das Umfassende, jenes Umfassende, mit dem unsere Bewegung zusammenhängt.

[ 1 ] The friends of our spiritual movement who are here in Ulm came together some time ago to cultivate the ideas, aspirations, and impulses of our spiritual movement here as well. We—friends from out of town—are united here today with our friends from Ulm to commemorate this event together, which consists precisely in the fact that friends of our movement have also come together in this city of Ulm. They have come together in a solemn time, in a difficult time, in a time that speaks to the hearts of humanity through significant signs. And so, on this occasion today, it is fitting that we reflect on broader contexts—spiritual contexts of human development—into which our spiritual movement will place itself for our time and for the near future. I would like to say: Let us turn our gaze, for a moment, away from what is most immediately connected to humanity’s interests—including in the spiritual realm—and toward the all-encompassing, that all-encompassing reality with which our movement is connected.

[ 2 ] Wir wissen ja, diejenigen Persönlichkeiten der Gegenwart, die sich im Zeichen unserer geistigen Impulse zusammenschließen, müssen in ihren Seelen, in ihren Herzen tief fühlen, daß sie etwas suchen wollen, was ihnen eine andere geistige Bewegung, eine andere geistige Bestrebung in der Gegenwart nicht geben kann und was zusammenhängt gerade mit dem, was auf seelischem Gebiete der Mensch in unserer Zeit und in der nächsten Zukunft suchen muß, wenn er in vollem Sinne des Wortes sich seiner Menschheit bewußt werden will. In diesem Suchen, gerade so, wie es sich ausspricht in unserer Bewegung, finden wir viele Gegner. Und gerade diejenigen sind unsere Gegner, welche glauben, von diesem oder jenem Gesichtspunkte aus die wahren Güter der Menschheitsentwickelung schützen zu müssen, schützen zu müssen vor einer, wie sie meinen, solchen Abirrung des menschlichen Geistes, wie sie in unserer Bewegung gegeben ist. So glauben gerade viele religiös gestimmte oder scheinbar religiös gestimmte Menschen der Gegenwart, daß unsere Bewegung geeignet sei, hinwegzuführen von dem, was sie brauchen zur wirklichen religiösen Vertiefung.

[ 2 ] We know, after all, that those contemporary figures who are uniting under the influence of our spiritual impulses must feel deep in their souls and hearts that they are seeking something that no other spiritual movement or spiritual endeavor of the present can give them—something connected precisely to what human beings must seek in the realm of the soul in our time and in the near future if they are to become conscious of their humanity in the fullest sense of the word. In this search, precisely as it is expressed in our movement, we encounter many opponents. And our opponents are precisely those who believe they must, from one perspective or another, protect the true goods of human development—protect them, as they see it, from what they regard as a deviation of the human spirit, such as is present in our movement. Thus, many religious-minded or seemingly religious-minded people of the present day believe that our movement is likely to lead them away from what they need for true religious deepening.

[ 3 ] Nun könnte man allerdings schon in einem etwas oberflächlichen, aber doch nicht minder treffenden Urteil manchem, der so spricht, entgegnen: Hat es zum Beispiel die Vertretung auch der christlichen Idee im Laufe der letzten Jahrhunderte verstanden, die Menschheit auf eine Höhe zu bringen, welche die gegenwärtige furchtbare Katastrophe, ich will nicht einmal sagen: aus der Welt schaffen, sondern auch nur hätte mildern können? — Das hat sie nicht vermocht! Aber diejenigen Menschen, die niemals aus den Ereignissen lernen wollen, die lernen auch daraus nichts, daß sich in ihrem Sinne das religiöse Leben seit Jahrhunderten, ja Jahrtausenden entfaltet hat, und jetzt über die ganze Erde hin trotzdem, trotz dieses religiösen Lebens diese Katastrophe hat ausbrechen können. Aber wenn das auch naheliegt, so zu fragen, so wollen wir unsere Gedanken doch nicht gerade in dieser Richtung bewegen. Wir wollen einmal einleitend heute eine andere Frage aufwerfen, die vielleicht recht wenig berücksichtigt wird, die aber doch mit recht, recht tiefen Dingen der Gegenwart zusammenhängt.

[ 3 ] Now, however, one could counter some who speak this way with a judgment that is perhaps somewhat superficial, yet no less apt: Has the advocacy of Christian ideals, for example, over the course of the last few centuries, managed to elevate humanity to a level that could have—I won’t even say “eliminated” the current terrible catastrophe, but merely “mitigated” it? — It has not been able to do so! But those people who never want to learn from events also learn nothing from the fact that religious life has unfolded in accordance with their views for centuries, indeed millennia, and yet this catastrophe has nevertheless been able to break out across the entire earth, despite this religious life. But even if it seems obvious to ask such a question, let us not direct our thoughts precisely in this direction. Let us begin today by raising another question—one that is perhaps given very little consideration, but which is nonetheless connected to some very, very profound aspects of the present.

[ 4 ] Wissen Sie, welches Wort seinem Ursprung, seiner Entstehung nach den gegenwärtigen Gelehrten, den philologischen Gelehrten am allerunbekanntesten ist? Wissen Sie, bei welchem Wort Sie am allermeisten finden, selbst in den gelehrtesten Werken, wenn Sie sich Rat holen, daf3 man nicht sagen kann, wo es herkommt, was es eigentlich heißt, was es bedeutet? — Das Wort, nach dessen sprachlichem und geistigem Ursprung Sie am meisten vergeblich suchen werden in den gelehrten Hilfsmitteln, das ist das Wort «Gott». Keine Wissenschaft vermag Ihnen heute Auskunft zu geben über den sprachlichen und geistigen Ursprung des Wortes Gott. Das ist doch eine eigentümliche Tatsache. Denn diese Tatsache weist nicht bloß auf Äußerlichkeiten hin, nicht auf etwas, was in dieser oder jener Tatsachenreihe ist, sondern es weist hin auf etwas, was ganz tief, tief mit dem Menschengemüte zusammenhängt. Die Menschen glauben alle, etwas zu sagen, wenn sie von dem Göttlichen, wenn sie von ihrer Hinwendung zu Gott sprechen. Und sie wissen mit allen Mitteln der gegenwärtigen Gelehrsamkeit nicht einmal den Ursprung des Wortes Gott irgendwie anzugeben. Es weist dies darauf hin, daß weitaus die meisten Menschen in der Gegenwart, die heute auf religiösen oder sonstigen geistigen Gebieten sprechen, in Wahrheit gar nicht wissen, wovon sie reden. Wenn man nur tief genug eingehen würde darauf, was damit eigentlich gesagt ist, daß die Menschen nicht wissen, wovon sie reden, wenn sie glauben, von dem zu reden, was am allerinnersten mit dem menschlichen Seelenstreben zusammenhängt! Das fühlen, wenn auch nicht klar bewußt, so doch instinktiv diejenigen, welche sich gedrängt fühlen, aus den verschiedenen geistigen Wirrnissen der Gegenwart heraus zu unseren geistigen Impulsen zu kommen. Daß diese geistigen Impulse, die gerade aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft kommen, zusammenhängen mit den dringendsten Bedürfnissen unserer Zeit, das ist von mir immer wieder und wiederum betont worden in den Zeiten, in denen sich das gegenwärtige schwere Gewitter seit langem eigentlich zusammengezogen hat.

[ 4 ] Do you know which word, according to contemporary scholars—especially philologists—is the most mysterious in terms of its origin and etymology? Do you know which word, even in the most scholarly works, when you seek guidance, you will find that no one can say where it comes from, what it actually means, or what its significance is? — The word whose linguistic and spiritual origin you will search for in vain in scholarly references is the word “God.” No science today can provide you with information about the linguistic and spiritual origin of the word “God.” That is indeed a peculiar fact. For this fact points not merely to externalities, not to something that falls within this or that series of facts, but rather to something that is deeply, deeply connected to the human soul. People all believe they are saying something when they speak of the divine, when they speak of their turning toward God. And yet, even with all the means of contemporary scholarship, they cannot even begin to indicate the origin of the word “God.” This indicates that by far the majority of people today who speak on religious or other spiritual matters do not, in truth, know what they are talking about. If only one would delve deeply enough into what is actually meant by the fact that people do not know what they are talking about when they believe they are speaking of what is most intimately connected with the human soul’s striving! Those who feel compelled to emerge from the various spiritual confusions of the present day and turn to our spiritual impulses sense this—if not clearly and consciously, then at least instinctively. That these spiritual impulses, which come precisely from anthroposophically oriented spiritual science, are connected to the most urgent needs of our time—this is something I have emphasized time and again during the period in which the current severe storm has, in fact, been gathering for a long time.

[ 5 ] Ich darf da erinnern an einen Satz, den ich öfter ausgesprochen habe, wie diejenigen Freunde wissen, die unserer Bewegung nun schon seit Jahren folgen. Ich habe es öfter ausgesprochen, daß im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte die Erde mit ihren verschiedenen Völkern in kommerzieller, in industrieller, in bankmäßiger Beziehung und so weiter eine Einheit geworden ist. Ich habe darauf hingewiesen, wie die modernen Verkehrsmittel und das, was durch die modernen Verkehrsmittel bis vor kurzem über die ganze Erde hingerollt ist, über die ganze Erde hin eben eine Einheit des Wirtschaftlichen, des äußeren wirtschaftlichen Lebens ausgegossen hat, eine Einheit, wenn wir so sagen dürfen, des physischen Erdenlebens. Wir hatten eine Einheit des physischen Erdenlebens. Ein Scheck, der in New York ausgestellt wurde, konnte in Tokio oder in Berlin oder wo immer eingelöst werden. Zu dieser Tatsache habe ich immer die Forderung hinzugefügt in den Jahren, die diesem Kriege vorangegangen sind: Nicht nur der menschliche Leib braucht eine Seele, sondern ein jeglicher Leib braucht eine Seele, kann nicht ohne Seele leben. Was als physischer Leib in kommerzieller, industrieller, in sonstiger Beziehung über die Erde hin wie ein physischer Leib eben sich ausgebreitet hat, das bedarf einer Seele, einer solchen Seele, die die Möglichkeit bietet, daß über die Erde hin die Menschen sich so, wie sie sich kommerziell, so, wie sie sich geldlich verstehen, sich auch geistig verstehen. Dem Erdenleib eine Erdenseele zu geben, das ist etwas, was ich öfter als erstrebenswert ausgesprochen habe.

[ 5 ] I would like to recall a statement I have made on several occasions, as those friends who have been following our movement for years now are aware. I have often said that over the course of the last three to four centuries, the Earth, with its various peoples, has become a single entity in terms of commerce, industry, banking, and so on. I have pointed out how modern means of transportation—and what, until recently, has been carried across the entire globe by these means—have spread a unity of economic life, of external economic activity, across the entire globe—a unity, if we may say so, of physical life on Earth. We had a unity of physical life on Earth. A check issued in New York could be cashed in Tokyo or Berlin or anywhere else. In the years leading up to this war, I always added this demand to that fact: Not only does the human body need a soul, but every body needs a soul; it cannot live without a soul. What has spread across the earth as a physical body—in commercial, industrial, and other respects—requires a soul, a soul that makes it possible for people across the earth to understand one another spiritually, just as they understand one another commercially and financially. To give the earthly body an earthly soul—this is something I have often spoken of as a worthy goal.

[ 6 ] Nun, so etwas bildet sich ja gewiß nicht in einem Tage, so etwas braucht Zeit, und das, was ich hier ausspreche, will nicht eine Kritik der Zeit, sondern nur eine Charakteristik sein; es soll in den Menschenseelen anfachen das, was Impulse des Handelns, des Denkens, des Empfindens, des Wollens sein sollen. Es soll nicht anklagen, sondern es soll aussprechen, was geschehen soll. Daher ist es nicht in Form eines Vorwurfes gemeint, [wenn gesagt wurde] daß die Menschen es versäumt haben in den letzten Jahrzehnten, in denen sich besonders intensiv der gemeinsame Erdenleib herausgebildet hat, diesem Erdenleibe eine gemeinsame Erdenseele zu bilden. Diese Erdenseele kann ja nur gefunden werden, wenn man das dem Menschen zum Verständnis bringt, was in geistiger Beziehung den Menschen so gemeinsam ist wie in physischer Beziehung die Sonne, und was durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in der Menschheit verbreitet werden soll.

[ 6 ] Well, something like this certainly does not come about in a single day; it takes time, and what I am expressing here is not meant to be a critique of the times, but merely a characterization; it is intended to kindle within people’s souls what should serve as impulses for action, thought, feeling, and will. It is not meant to accuse, but to articulate what ought to happen. Therefore, it is not meant as a reproach [when it was said] that human beings have failed, in the past decades—during which the common earthly body has developed with particular intensity—to form a common earthly soul for this earthly body. This Earth soul can, after all, only be found if we help people understand what, in a spiritual sense, is as common to all humanity as the sun is in a physical sense—and what is to be disseminated among humanity through anthroposophically oriented spiritual science.

[ 7 ] Das ist aber bis jetzt versäumt worden. Und in dieser gegenwärtigen katastrophalen Zeit erleben wir es in der furchtbarsten Weise, wie es noch nie geschehen ist innerhalb der Entwicklungsgeschichte der Menschheit, die mit Dokumenten verfolgt werden kann, daß sich die Menschheit in eine Sackgasse versetzt sieht, in eine wirkliche Sackgasse. Und im Ernste wird sie aus dieser Sackgasse nur herauskommen, wenn sie sich entschließt, zu dem, was physische Kultur ist, auf die die Menschheit so stolz ist, wirklich die geistige Kultur der Erdenseele für unsere Zeit und für die nächste Zukunft, die zu dieser physischen Kultur gehört, hinzuzufügen.

[ 7 ] But this has been neglected until now. And in these current catastrophic times, we are experiencing in the most terrible way—as has never before occurred in the documented history of human development—that humanity finds itself in a dead end, a true dead end. And, in all seriousness, it will only find a way out of this dead end if it resolves to truly add to physical culture—of which humanity is so proud—the spiritual culture of the Earth soul for our time and for the near future, which is an integral part of that physical culture.

[ 8 ] Man mag sich gegen diese Bestrebungen, eine neue Geistigkeit der Erde zu geben, stemmen, so viel man will, die Wahrheit wird sich unter allen Umständen geltend machen müssen. Die Menschheit lebt jetzt in einer furchtbaren Katastrophe drinnen. Wird die Menschheit sich nicht dazu entschließen, die hier gemeinte neue Geistigkeit wirklich sich einzufügen, dann werden in immer neuen Perioden, vielleicht in recht kurzen Perioden, diese Katastrophen immer wiederkehren. Mit den Mitteln, die die Menschheit schon gekannt hat, bevor diese Katastrophe ausgebrochen ist, wird diese Katastrophe und alle ihre Folgen niemals geheilt werden. Wer dieses noch glaubt, denkt nicht im Sinne der irdischen Entwickelung der Menschheit. Und so lange wird diese katastrophale Zeit dauern wenn sie auch für einige Jahre zwischenhinein überbrückt werden kann, scheinbar —, bis die Menschheit sie in der einzig richtigen Weise interpretieren, auslegen wird, nämlich dahingehend, daß sie ein Zeichen ist, daß die Menschen nach dem Geiste, der das rein physische Leben durchdringen muß, sich hinwenden. Das mag heute noch für viele eine bittere, weil unbequeme Wahrheit sein, aber es ist eine Wahrheit.

[ 8 ] One may resist these efforts to imbue the Earth with a new spirituality as much as one likes, but the truth will inevitably assert itself under any circumstances. Humanity is now in the midst of a terrible catastrophe. If humanity does not resolve to truly embrace the new spirituality referred to here, then these catastrophes will recur again and again in ever-new periods—perhaps in quite short intervals. With the means that humanity already knew before this catastrophe broke out, this catastrophe and all its consequences will never be remedied. Anyone who still believes this is not thinking in terms of humanity’s earthly evolution. And this catastrophic era will last—even if it can seemingly be bridged for a few years in between—until humanity interprets and understands it in the only correct way, namely, as a sign that people are turning toward the Spirit that must permeate purely physical life. This may still be a bitter—because uncomfortable—truth for many today, but it is a truth.

[ 9 ] Fragen wir uns einmal, was denn eigentlich bis heute trotz der seit drei bis vier Jahrhunderten immer intensiver auftretenden rein materialistischen Erdenkultur den Zusammenhang mit der geistigen Welt noch etwas aufrechterhalten hat? Wer Erfahrung auf diesem Gebiete hat, der weiß, daß mit der geistigen Welt den Zusammenhang eigentlich nur noch eine einzige, für die Menschheit schwerwiegende Tatsache aufrechterhalten hat. Ein Mann, der einer der bedeutendsten Leiter der unfruchtbaren «Gesellschaft für ethische Kultur» in den letzten Jahren war, sagte mir einmal eines Tages, er habe lange nachgedacht, wie es denn komme, daß in unserer aufgeklärten Zeit, in der die Menschheit doch wisse, daß ein Heil nur im Begreifen der materiellen Welt noch liegen könne, wie es möglich sei, daß in dieser aufgeklärten Zeit es noch Kirchen gebe, Kirchen neben den verschiedenen Staaten. Und er sagte, er wäre darauf gekommen, warum es noch Kirchen gibt. Er kleidete diese Lösung, mit der er meinte, ein tiefes Geheimnis zum Ausdruck zu bringen, etwa in folgende Worte: Die Staaten verwalten das Leben, die Kirchen verwalten den Tod; und da die Menschen sich noch nicht abgewöhnt haben, in dem Tod etwas Furchtbares zu denken, besteht die Macht der Kirche darin, daß sie den Tod verwaltet. — Es ist eine echt materialistische Denkweise, denn der Mann wollte damit zum Ausdruck bringen, daß, wenn sich die Menschen endlich abgewöhnt haben würden, den Tod als etwas bedeutungsvoll in das Menschenleben Eingreifendes anzusehen, wenn sie sich angewöhnt haben würden, den Tod über sich so kommen zu lassen wie das Tier, dann würden die Kirchen ihre Gewalt verloren haben.

[ 9 ] Let us ask ourselves: What, in fact, has managed to maintain some connection with the spiritual world to this day, despite the increasingly intense prevalence of a purely materialistic earthly culture over the past three to four centuries? Anyone with experience in this field knows that, in reality, only a single fact—one of grave significance for humanity—has sustained this connection with the spiritual world. A man who was one of the most prominent leaders of the unproductive “Society for Ethical Culture” in recent years once told me one day that he had thought long and hard about how it could be that in our enlightened age—in which humanity surely knows that salvation can lie only in an understanding of the material world—how it is possible that in this enlightened age there are still churches, churches alongside the various states. And he said he had figured out why churches still exist. He expressed this solution—with which he intended to convey a profound mystery—in roughly the following words: States administer life; churches administer death; and since people have not yet outgrown the notion that death is something terrible, the power of the church lies in the fact that it administers death. — It is a genuinely materialistic way of thinking, for the man wanted to express that if people had finally broken the habit of viewing death as something significant that intervenes in human life—if they had grown accustomed to letting death come upon them just as it does to animals—then the churches would have lost their power.

[ 10 ] Nun, selbstverständlich ist dieser Ausspruch ein vollständiger Unsinn, ein geradezu glänzender Unsinn; aber er ist, wenn man auf das Geistesleben der Gegenwart blickt, nicht so ganz unbegründet. Die Gegenwart muß manchmal, um sich selbst zu begreifen, um das auszudrücken, was sie in geistiger Beziehung ist, einen Unsinn sagen. Das wird man in der Zukunft als besonderes Charakteristikum unserer Zeit anführen, daß die geistreichsten Menschen der Gegenwart genötigt waren, wenn sie so recht treffend den Charakter der Gegenwart, das heißt der Zeit um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert, zum Ausdruck zu bringen suchten, daß sie dann einen Unsinn sagen mußten. Nun aber, etwas Wahres ist eben in diesem Unsinn, nämlich das Wahre, daß fast die einzige Verbindungsbrücke mit der geistigen Welt für zahlreiche Menschen der Gegenwart ist, daß sie in gewisser Beziehung entweder Furcht vor dem Tode haben oder den Gedanken nicht ertragen, wenn ihre Lieben hingegangen sind, diese irgendwie in einem Nichts zu denken. Gewiß, es soll nicht verkannt werden, daß diese Gedanken noch immer bedeutungsvoll genug sind, daß sie noch immer mit tiefsten Interessen der Menschenseele zusammenhängen. Allein, zu einem wirklichen Verbundensein mit der geistigen Welt kann weder die Furcht noch eine andere Empfindung gegenüber dem Tode führen. Dazu muß kommen wirkliche, wahre Erkenntnis der geistigen Welt, muß kommen Verständnis für die Wirklichkeit der geistigen Welt. Und dieses Verständnis für die Wirklichkeit der geistigen Welt ist heute nicht anders möglich als dadurch, daß man zu der naturwissenschaftlichen Gesinnung eine geisteswissenschaftliche Gesinnung hinzufügt.

[ 10 ] Well, of course this statement is utter nonsense, downright brilliant nonsense; but when one looks at the intellectual life of the present, it is not entirely without foundation. Sometimes, in order to understand itself—to express what it is in intellectual terms—the present must utter nonsense. In the future, this will be cited as a distinctive characteristic of our time: that the most spirited people of the present were compelled, when they sought to express so aptly the character of the present—that is, the period around the turn of the 19th to the 20th century—to utter nonsense. Yet there is something true in this very nonsense—namely, the truth that for many people today, almost the only bridge connecting them to the spiritual world is that, in a certain sense, they either fear death or cannot bear the thought that, once their loved ones have passed away, they might somehow be reduced to nothingness. Certainly, it should not be overlooked that these thoughts are still significant enough, that they are still connected to the deepest interests of the human soul. However, neither fear nor any other feeling toward death can lead to a genuine connection with the spiritual world. For this, there must be a genuine, true knowledge of the spiritual world; there must be an understanding of the reality of the spiritual world. And this understanding of the reality of the spiritual world is possible today only by supplementing a scientific mindset with a spiritual-scientific mindset.

[ 11 ] Wenn die Menschen nicht wissen, woher eigentlich das Wort Gott kommt, was eigentlich das Göttliche ist, was tun denn eigentlich die Menschen, die heute von Bedürfnissen dieser oder jener religiösen Verehrung, die von dem Göttlichen sprechen? Die Menschen, die da oftmals glauben, tief religiös zu sein, indem sie vorgeben, das höchste Göttliche anzubeten, was tun die eigentlich? Diese Frage sich in einem ernsten Augenblick einmal vor die Seele zu führen, ist gar nicht unwichtig. Was schließt diese Frage ein? Diese Frage schließt ein: Was ist eigentlich der Gott, von dem die meisten Menschen der Gegenwart sprechen, die vorgeben, religiöser Natur zu sein?

[ 11 ] If people do not know where the word “God” actually comes from, or what the divine actually is, what are people actually doing today when they speak of the need for this or that form of religious worship, or of the divine? People who often believe themselves to be deeply religious by pretending to worship the supreme divine—what are they actually doing? It is by no means unimportant to bring this question before one’s soul in a moment of serious reflection. What does this question entail? This question entails: What is actually the God of whom most people today speak, those who pretend to be religious?

[ 12 ] Nun, die Menschen weisen es ab, wenn wir vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus davon sprechen, daß über uns andere Wesenheiten sind, die Angeloi, Archangeloi, Archai und so weiter, so daß wir eine Hierarchie von geistigen Wesenheiten schauen, und daß der Weg weit hinauf ist zu dem, was das höchste Göttliche ist. Diese erkenntnismäßige Bescheidenheit wollen die Menschen der Gegenwart nicht haben. Sie drücken es oftmals so aus, daß sie sagen: Sie wollen keine Vermittlung haben zwischen sich und dem Gotte, sie wollen immer sich direkt, unmittelbar an den allerhöchsten Gott wenden. Es handelt sich aber nicht darum, was man glaubt über ein solches Hinwenden, sondern darum handelt es sich, was man in seiner Seele wirklich tut, was man in seiner Seele wirklich erlebt.

[ 12 ] Well, people reject the idea—when we speak from the standpoint of spiritual science—that there are other beings above us: the angels, archangels, archai, and so on, so that we perceive a hierarchy of spiritual beings, and that the path leads far upward to what is the highest Divine. People today do not want this kind of intellectual humility. They often express it by saying that they do not want any mediation between themselves and God; they always want to turn directly and immediately to the Most High God. But the point is not what one believes about such a turning, but rather what one actually does in one’s soul, what one actually experiences in one’s soul.

[ 13 ] Nehmen Sie alles das, was Ihnen heute ein Prediger irgendeiner anerkannten Religionsgemeinschaft über das Göttliche vorbringt, was er redet über das Göttliche. Worauf bezieht sich das, wenn man nun nicht nach seinen Worten geht, sondern nach der Wirklichkeit? Es bezieht sich auf zweierlei. Entweder bezieht sich das, wovon er redet, auf kein höheres Wesen als auf seinen Engel, der als leitende Wesenheit über jedem einzelnen von uns steht. Er betet diesen Engel an, er nennt ihn den höchsten Gott. Derjenige, der weiß, was Worte wirklich für einen Inhalt haben können, der weiß, daß alles, was in den modernen Predigten gesagt wird von Gott, niemals auf irgendeinen höheren Gott als auf einen Engel sich bezieht oder, wenn nicht auf einen Engel, so noch auf etwas anderes. Geht man nämlich der Frage nach, woher denn das eigentlich stammt, was solche Menschen fühlen, die von ihrem Gotte sprechen, die von ihrem Gotte predigen in ihren Kirchen, die oftmals sogar vorgeben, ein Gotteserlebnis in ihren Seelen zu haben, wie es manche Menschen der Gegenwart tun — sie nennen sich dann mit einem gewissen Hochmut «evangelisierte Menschen» und dergleichen —, von welchen Impulsen in ihren Seelen solche Menschen ausgehen, der kommt zu folgendem: Solche Menschen fühlen in ihren Seelen den Impuls ihres eigenen Wesens, wie sich dieses Wesen entwickelt hat in einer rein geistigen Umgebung zwischen dem letzten Tode und der Geburt. Dieses geistige Wesen, das sich zwischen dem letzten Tode und unserer Geburt in uns entwickelt hat, das ist jetzt in unserem Leibe, das hat unseren Leib bezogen. Vieles von dem, in dem wir jetzt leben, kommt nur aus diesem Wesen, aus diesem vorgeburtlichen Wesen. Dieses vorgeburtliche Wesen fühlt der Mensch als ein Geistiges; dieses vorgeburtliche Wesen ist es, mit dem er sich vereinigt fühlt. Ja sogar sogenannte Theosophen der verschiedensten Richtungen haben den Menschen immer wieder und wiederum vorgesagt, um ihnen so etwas geistig Honigsüßes zu geben, es käme darauf an, daß sich der Mensch mit seinem Gotte in sich vereinigt. Aber das, was da der Mensch fühlt, indem er sich angeblich mit seinem Gotte vereinigt, das ist er selbst, das ist nur sein geistig-seelisches Wesen in der Zeit zwischen dem letzten Tode und der letzten Geburt. Und das, wovon zahlreiche Pastoren und Priester sprechen, wenn sie von dem Gott, den sie in ihrer Seele fühlen, sprechen, ist nichts anderes, als daß sie ihr eigenes Ich ahnen, nicht wie es sich hier im physischen Leibe, in der physischen Umgebung entwickelt, sondern wie es sich in der geistigen Welt entwickelt hat zwischen Tod und Geburt. Das empfinden sie, und dann fangen sie an zu beten. Und was beten sie an? Sich selber.

[ 13 ] Take everything that a preacher from any recognized religious community tells you today about the divine—what he says about the divine. What does this refer to if one does not go by his words but by reality? It refers to two things. Either what he speaks of refers to no higher being than his angel, who stands as a guiding entity over each and every one of us. He worships this angel; he calls him the highest God. Anyone who knows what words can truly signify knows that everything said about God in modern sermons never refers to any higher God than an angel—or, if not to an angel, then to something else entirely. For if one investigates the question of where, in fact, the feelings of such people originate—those who speak of their God, who preach about their God in their churches, who often even claim to have an experience of God in their souls, as some people of the present day do—they then call themselves, with a certain arrogance, “evangelized people” and the like—and if one investigates the impulses emanating from the souls of such people, one arrives at the following conclusion: Such people feel within their souls the impulse of their own being, as this being developed in a purely spiritual environment between their last death and their birth. This spiritual being, which developed within us between our last death and our birth, is now in our body; it has taken up residence in our body. Much of what we now experience comes solely from this being, from this pre-birth being. Human beings perceive this pre-birth being as something spiritual; it is with this pre-birth being that they feel united. Indeed, even so-called theosophists of the most diverse schools of thought have repeatedly told people—in order to offer them something spiritually sweet as honey—that what matters is for a person to unite with the God within themselves. But what a person feels when he supposedly unites with his God is himself; it is merely his spiritual-soul being in the period between his last death and his last birth. And what numerous pastors and priests speak of when they speak of the God they feel in their souls is nothing other than a sense of their own “I”—not as it develops here in the physical body and physical surroundings, but as it has developed in the spiritual world between death and birth. That is what they sense, and then they begin to pray. And what are they worshiping? Themselves.

[ 14 ] Das ist dasjenige, was einem aus vielen geistigen Strömungen der Gegenwart so herzzerreißend entgegenkommt. Wenn man diese Dinge der Wirklichkeit nach anschaut, so muß) man sich gestehen, daß die Menschen nach und nach dazu gekommen sind, unterbewußt, ohne daß sie es wissen, sich selber anzubeten. Und wenn einmal einer dahinterkommt, so drückt er es in merkwürdigen Formen aus, wie es Friedrich Nietzsche getan hat. Dieses muß man sich durchaus klarmachen: Entweder betet derjenige, der die Hierarchien, der die wunderbare Breite und Größe der geistigen Welt nicht anerkennen will, bloß seinen Engel an — was ja auch ein egoistisches Anbeten ist —, oder er betet sich selber an. Dieses ist die geistige Form des Egoismus, zu dem die Menschheit allmählich unter dem Einfluß der materialistischen Entwickelung der neueren Zeit gekommen ist.

[ 14 ] This is what strikes one so heart-wrenchingly in many of today’s intellectual currents. If one looks at these things as they really are, one must admit that people have gradually come to worship themselves—subconsciously, without even realizing it. And once someone realizes this, they express it in strange ways, as Friedrich Nietzsche did. One must make this absolutely clear to oneself: Either the person who refuses to acknowledge the hierarchies—the wondrous breadth and grandeur of the spiritual world—simply worships their own “angel”—which is, after all, a form of selfish worship—or they worship themselves. This is the spiritual form of egoism to which humanity has gradually come under the influence of modern materialistic development.

[ 15 ] Nun werden Sie sagen: Was erzählt er uns denn alles? Das ist doch nicht wahr! Die Leute sagen doch nicht, daß sie sich selber anbeten, daß sie nur ihren Engel anbeten! — Gewiß, sie sagen es nicht, aber sie tun es; und dasjenige, was sie sprechen, das geschieht nur, um sich gegenüber der Tatsache, die deshalb nicht minder real ist, zu betäuben. Dasjenige, was heute gesprochen wird, das ist vielfach ein Betäubungsmittel für die Menschheit, weil natürlich die Menschen sich nicht gestehen wollen das, um was es sich eigentlich handelt. Die Menschen finden es heute vielfach zu unbequem, in innerer Arbeit sich zu erheben zu den geistigen Welten. Das wollen sie nicht. Sie wollen auf eine viel einfachere Weise zu den geistigen Welten vordringen, so einfach als man eben kann. Daher täuschen sie sich, daher betäuben sie sich. Aber man kann sich nicht ungestraft betäuben. Die Welt geht ihren Gang. In der Welt wirkt das GöttlichGeistige, wenn man es auch nicht anerkennen will. Es wirkt und webt darinnen. Und das ist die tiefste Aufgabe unserer Zeit, den Zusammenhang mit dem wirklichen Geistigen wiederzufinden, aus sich wieder herauszubekommen den vergeistigten Egoismus, den wir eben geschildert haben, ihn zu überwinden. Das ist dasjenige, was einem so zu Herzen spricht, wenn man den eigentlichen tieferen Impuls geistiger Wissenschaft für die Gegenwart begriffen hat. Die Welt — ich habe vorhin schon darauf aufmerksam gemacht —, sie wird schon durch ihre gewaltigen Zeichen die Menschen zwingen, den Geist wieder zu suchen. Aber es muß ein gewisser Kern strebender Menschheit da sein, welcher sich in dieses geistige Streben hineinfindet, das einzig und allein das Richtige und Wahrhaftige und Wirkliche für die Gegenwart sein kann.

[ 15 ] Now you’ll say: What on earth is he telling us? That can’t be true! People don’t actually say that they worship themselves, that they only worship their angel! — Certainly, they don’t say it, but they do it; and what they say is merely a means of numbing themselves to the fact, which is no less real for that. What is said today is often a narcotic for humanity, because, of course, people do not want to admit to themselves what is actually at stake. Today, people often find it too inconvenient to elevate themselves to the spiritual worlds through inner work. They do not want that. They want to penetrate the spiritual worlds in a much simpler way—as simple as possible. That is why they deceive themselves; that is why they numb themselves. But one cannot numb oneself with impunity. The world goes on as it must. The divine-spiritual is at work in the world, even if people refuse to acknowledge it. It is at work and weaving within it. And this is the deepest task of our time: to rediscover our connection with the true spiritual, to rid ourselves of the spiritualized egoism we have just described, and to overcome it. This is what speaks so deeply to one’s heart once one has grasped the true, deeper impulse of spiritual science for the present. The world—as I pointed out earlier—will, through its powerful signs, compel people to seek the spirit once more. But there must be a certain core of striving humanity that finds its way into this spiritual striving, which alone can be the right, true, and real path for the present.

[ 16 ] Sehen Sie, die Erde hat verschiedene Aufgaben durchgemacht. Es hat ja nicht nur der einzelne Mensch eine Aufgabe, die ganze Erde hat fortwährend ihre verschiedenen Aufgaben. Eine andere Aufgabe hatten in der Zeit, die unmittelbar auf die große atlantische Katastrophe folgte, die Menschen der indischen Kultur, eine andere Aufgabe wieder etwas später die Menschen der persischen Kultur; eine andere Aufgabe hatten die Menschen, als die Ägypter und Chaldäer tonangebend waren, eine andere Aufgabe, als die griechisch-römischen Völker den Ton angegeben haben. Dieser bestand fort bis in das 15. Jahrhundert hinein. Eine andere Aufgabe ist wiederum vom 15. Jahrhundert bis heute uns zugeteilt. Und diese Aufgabe, die uns jetzt zugeteilt ist, die ist eine ganz andere, als sie jemals war auf der Erde. Man kann diese Aufgabe, die der Menschheit gegenwärtig zugeteilt ist, die mit dem 15. Jahrhundert begonnen hat und die bis in das 4. Jahrtausend hinein dauern wird, dadurch charakterisieren, daß man auf das Wesentlichste hinweist, was gerade in diesem Zeitraum auf der Erde geschieht.

[ 16 ] You see, the Earth has undergone various missions. It is not just the individual human being who has a mission; the entire Earth continually has its various missions. The people of Indian civilization had a different mission in the period immediately following the great Atlantean catastrophe, and the people of Persian civilization had yet another mission somewhat later; people had a different task when the Egyptians and Chaldeans set the tone, and yet another when the Greco-Roman peoples set the tone. This continued well into the 15th century. Another task has been assigned to us from the 15th century to the present day. And this task, which has now been assigned to us, is quite different from any that has ever existed on Earth. One can characterize this task, which is currently assigned to humanity—one that began in the 15th century and will continue well into the 4th millennium—by pointing to the most essential aspect of what is happening on Earth during this very period.

[ 17 ] Sieht man noch zurück in die Zeit bis zum 15. Jahrhundert, sieht man das sich geisteswissenschaftlich an, so sieht man, wie bis zum 15. Jahrhundert alles, was die Menschen getrieben haben, von einer gewissen Geistigkeit durchdrungen ist. Die äußere Geschichte erzählt davon nichts, denn sie ist eine Fable convenue, die wir auf den Schulen, auf den Universitäten lernen. Studieren Sie nur wirklich, was die Menschen geschaffen haben im Alltag, es war von einer gewissen Geistigkeit durchdrungen. Das ist das Charakteristische unserer Epoche, daß diese Geistigkeit zurückgegangen ist, daß sie sich allmählich ganz verlieren muß, wenn der Mensch nicht eine neue Geistigkeit zu der rein äußeren, materiellen Kultur hinzufügt. Durch die rein äußeren Verhältnisse ist die Erdenentwickelung dazu verurteilt, rein materialistisch zu werden. Den Geist, der gewissermaßen von selbst kam in früheren Erdenentwickelungsepochen, muß die Menschheit aus freier innerer Tat hinzufügen zu dem, was sich darbietet.

[ 17 ] If we look back to the period up to the 15th century and examine it from a humanities perspective, we see that, up until the 15th century, everything people did was imbued with a certain spiritual quality. External history tells us nothing of this, for it is a conventional fable that we learn in schools and universities. Just take a close look at what people created in their everyday lives—it was imbued with a certain spirituality. This is the defining characteristic of our era: that this spirituality has declined, and that it will gradually be lost entirely unless humanity adds a new spirituality to its purely external, material culture. Due to purely external circumstances, the Earth’s evolution is doomed to become purely materialistic. Humanity must, through a free inner act, add the spirit—which, in a sense, arose of its own accord in earlier epochs of Earth’s development—to what is presented to us.

[ 18 ] Wenn man absieht von dem, was die Menschen aus ihrer inneren Freiheit, aus ihrem Bewußtsein in die Erdenkultur hereinbringen können, und nur auf das sieht, was in unserem fünften Zeitraum, der seit der Mitte des 15. Jahrhunderts währt, sich von selbst ergibt, dann stellt sich heraus, daß dieses der Zeitraum ist, in dem die Erde allmählich anfängt, für den ganzen Kosmos, für das ganze Universum zu ersterben. Der fünfte Zeitraum ist der Beginn des Erdentodes. Während alle früheren Zeiträume zu dem genannten Geiste des Universums durch dasjenige, was sich aus der Erde selbst ergab, einen Beitrag liefern konnten, hat all die glänzende Kultur, die sich in diesem fünften Zeitraum entwickelte — der Telegraph, das Telephon, die Eisenbahn —, ihre große Bedeutung für die Erde, aber keine Bedeutung außerhalb der Erde. Nichts von dem, was im Ägyptertum, im Griechentum entstanden ist, geht mit der Erde zugrunde; aber das, was in unserer Zeit entsteht auf dem Boden der rein materialistischen Kultur, geht mit der Erde zugrunde, wenn die Erde selbst Weltenleichnam sein wird. Das, was die gegenwärtige materielle Kultur schafft, geht mit der Erde zugrunde. Diese Zeit mußte kommen. Denn die Menschen müssen frei werden. Sie mußten nicht gezwungen sein, den Geist zu finden, sie mußten das Geistige aus freier innerer Bewußtseinstat finden. Daher kam dieser jetzige Zeitraum, in dem alles das, was wir äußerlich finden können, worauf wir so stolz sein können, äußerlich nur für die Erde da ist, doch nicht da ist für die geistige Welt. Daher ist es aber auch die Zeit, die dem Menschen es freistellt, zum Geiste sich zu erheben, die die Menschen auf ihr Inneres, auf ihre Seele, auf ihr Herz, auf ihr Gemüt verweist, wenn sie geistiger werden wollen, die die Menschen nicht zwingt, geistiger zu sein, aber die den Menschen freistellt, ob sie verfallen wollen mit der äußeren verfallenden Kultur, oder ob sie nicht verfallen wollen mit dieser Kultur.

[ 18 ] If one disregards what human beings can contribute to earthly culture through their inner freedom and their consciousness, and focuses solely on what has arisen spontaneously during our fifth epoch—which has lasted since the middle of the 15th century—it becomes clear that this is the epoch in which the Earth gradually begins to die for the entire cosmos, for the entire universe. The fifth epoch marks the beginning of the Earth’s death. While all earlier epochs were able to contribute to the aforementioned spirit of the universe through what arose from the Earth itself, all the brilliant culture that developed during this fifth epoch—the telegraph, the telephone, the railroad—has great significance for the Earth, but no significance beyond it. Nothing that arose in Egyptian or Greek civilization will perish with the Earth; but what arises in our time on the foundation of a purely materialistic culture will perish with the Earth when the Earth itself becomes a world corpse. What the present material culture creates will perish with the Earth. This time had to come. For human beings must become free. They were not to be compelled to find the spirit; they were to find the spiritual through a free act of inner consciousness. Hence this present era has come, in which everything we can find externally—of which we can be so proud—exists externally only for the Earth, yet does not exist for the spiritual world. Therefore, it is also the time that leaves it up to human beings to rise to the spirit—a time that directs people to their inner selves, to their souls, to their hearts, to their minds, if they wish to become more spiritual; a time that does not force people to be more spiritual, but leaves it up to them whether they wish to decline along with the outwardly decaying culture, or whether they do not wish to decline with this culture.

[ 19 ] Man kann eine solche Wahrheit, wie sie eben ausgesprochen worden ist, das heißt dasjenige, was der Menschheit durchaus notwendig ist, entweder aus der Geisteswissenschaft heraus einsehen — und alles dasjenige, was Sie in der geisteswissenschaftlichen Literatur finden, gibt Ihnen Bausteine zum Einsehen dessen, was ich jetzt zusammengefaßt habe —, oder man kann auch, wenn man ein wenig vorbereitet ist durch die Geisteswissenschaft, die Dinge ablesen an den gewaltigen Zeichen, die in unsere Zeit hereinspielen. Aber die Menschen sind noch wenig geneigt, abzulesen von den Zeichen der Zeit.

[ 19 ] One can grasp a truth such as the one just expressed—that is, what is absolutely necessary for humanity—either through spiritual science—and everything you find in spiritual science literature provides you with the building blocks for understanding what I have just summarized— or, if one is somewhat prepared by spiritual science, one can also read these things from the powerful signs that are unfolding in our time. But people are still not very inclined to read the signs of the times.

[ 20 ] Bedenken Sie das Folgende. Wer in den letzten Jahrzehnten sich ein wenig umgesehen hat auf den Feldern der Menschheitsentwickelung, der hat sehr merkwürdige Beobachtungen machen können. Wenn er sich gefragt hat: Wie streben die Menschen nach Zukunftsidealen, nach einer geistigen Erneuerung? —, und wenn er dann hingegangen ist, um diese Dinge wirklich kennenzulernen, dann fand er reges Streben, er fand geistiges Streben, geistige Betätigung, Sinn dafür, daß es auf der Erde anders werden muß auf dem Gebiete, das man gewohnt worden ist, das Sozialistische zu nennen in der Arbeiterwelt, in der Arbeiterbewegung. Rein materielle, aber richtige Zukunftsideale, die immer fragen, wie die Welt umgestaltet werden muß, wie etwas Neues kommen muß, das war das eine.

[ 20 ] Consider the following. Anyone who has looked around a little in recent decades in the fields of human development has been able to make some very remarkable observations. If they have asked themselves: “How do people strive toward ideals for the future, toward spiritual renewal?”—and if they then set out to truly understand these matters, they would have found a lively striving, a spiritual striving, spiritual activity, and a sense that things on Earth must change in the realm that has come to be called “socialism” in the world of labor, in the labor movement. Purely material, yet genuine ideals for the future—ideals that constantly ask how the world must be transformed, how something new must come about—that was one aspect.

[ 21 ] Fragt man auf anderen Gebieten als dem Gebiet des Sozialismus unsere Geistesbewegung ist ja noch ein ganz kleines Häuflein von einigen, wie die Leute sagen, schrullenhaften, halbverrückten Menschen —, fragt man bei den gescheiten Menschen an, bei denen, die die Ideen der Zeit so wirklich verstanden haben, so findet man in den letzten Jahrzehnten überall ungeheuerlichste geistige Öde. Innerhalb der Kirchentheologie entstanden die sonderbarsten Diskussionen: Ob ein Christus Jesus überhaupt gelebt hat oder nicht, jedenfalls daß er nicht irgendein außerirdisches Wesen gewesen sein könne; der «schlichte Mann aus Nazareth», das war schließlich noch dasjenige, um was man sich kümmerte. Und sonst? Ja, was fand man denn? Man fand in dieser Zeit, da die Menschen «frei geworden sind von allem Autoritätsglauben», in der die Menschen nur sich richten nach dem Grundsatz: Prüfet alles, und das beste behaltet —, den blindesten Autoritätsglauben in dasjenige, was, wie man sagt, die Wissenschaft fordert. Blinder Autoritätsglauben auf allen Gebieten! Blinder Autoritätsglauben von dem geschichtlichen Zweige an bis hinein in das Medizinische. Es fand es ja niemand sehr bequem, irgendwie viel zu wissen über das, wovon die Gesundheit abhängt; das läßt man sich von dem, der eine Autorität auf diesem Gebiete ist, besorgen. Einfach furchtbarster Autoritätsglaube! Hängen an den Resten und Fetzen desjenigen, was man sich gerettet hat aus der Vergangenheit, was man aus Bequemlichkeit festhielt. Kein Streben, das von dem Bewußtsein ausgegangen wäre, daß eine Erneuerung der Menschheit in geistiger Beziehung notwendig ist!

[ 21 ] If one looks beyond the realm of socialism—where our intellectual movement is still just a tiny handful of, as people say, eccentric, half-crazy individuals—and asks the intelligent people, those who have truly understood the ideas of our time, one finds, everywhere in recent decades, the most appalling intellectual wasteland. Within church theology, the strangest discussions arose: whether Jesus Christ ever lived at all, or at least that he could not have been some kind of extraterrestrial being; the “simple man from Nazareth”—that, after all, was still the only thing people cared about. And what else? Well, what did people find? In this era, when people had “become free from all belief in authority”—an era in which people guided themselves solely by the principle: “Test everything, and keep what is best”—they found the blindest belief in authority in what, as they say, science demands. Blind belief in authority in all fields! Blind belief in authority, from the field of history right on through to medicine. After all, no one found it particularly convenient to know much about what health depends on; that is left to be taken care of by those who are authorities in that field. Simply the most appalling blind faith in authority! Clinging to the remnants and scraps of what one has salvaged from the past, what one has held onto out of convenience. No striving that would have sprung from the awareness that a spiritual renewal of humanity is necessary!

[ 22 ] Dabei zeigte sich dem, der wiederum geisteswissenschaftlich beobachten konnte, daß im Osten Europas, ich möchte sagen, unter Flammenzeichen sich durch reine Naturvorgänge etwas von einem neuen Geiste ankündigte, daf3 unter dem schmachvollsten äußerlichen Joche im Osten Europas sich eine künftige Zeit in den Gemütern selbst der stumpfen Bewohner dieses Ostens von Europa entwickelte. Merkwürdig, wie seit dem 9. Jahrhundert von dem übrigen Europa doch wie zurückgeschoben worden ist nach dem Osten dasjenige, was bleiben sollte, was nicht angefressen werden sollte von dem Westen, wie es dann in der äußeren Form des sogenannten Russischen Reiches in den verschiedenen Jahrhunderten auftritt, innerlich merkwürdig das Alte bewahrend und in der Hülle des Alten wie in einer Puppenhülle ein Neues vorbereitend für eine spätere Kultur! Mysterienkulte, möchte man sagen, haben sich noch erhalten innerhalb dieses russischen Volkes, mit Mysterienvorstellungen lebt dieses russische Volk, welches wenig verstanden hat von den abstrakten religiösen Begriffen des Westens, welches aber viel erfühlt, im tiefsten, tiefsten Inneren erfühlt von den Kultformen, von dem, was des Menschen Gemüt in bildhafter Form zu dem Göttlichen hinüberbringt. In der eigenen Seele fühlt im Osten der Mensch dasjenige, wovon der westliche Religionsherrscher den Namen trägt: «Pontifex», das heißt Brückenmacher, Brückenmacher zum Geistiigen hinüber. Aber im Osten, da bewahrte man sich von dem Alten noch so viel, als nötig war, um unberührt von dem Neuen, dem neuen Materialistischen, die Brücke wenigstens sich freizuhalten ins Geistige.

[ 22 ] At the same time, it became apparent to those who were once again able to observe from a spiritual-scientific perspective that in Eastern Europe—I would say, under the sign of fire—something of a new spirit was heralded through purely natural processes, for even under the most humiliating external yoke in Eastern Europe, a future era was developing in the minds of even the most apathetic inhabitants of this part of Europe. It is remarkable how, since the 9th century, the rest of Europe has, as it were, pushed toward the East that which was meant to remain—that which was not to be eroded by the West—as it then appeared in the outward form of the so-called Russian Empire over the various centuries, inwardly preserving the old in a remarkable way and, within the shell of the old—as if within a cocoon—preparing something new for a later culture! One might say that mystery cults have been preserved within this Russian people; this Russian people lives by mystery concepts, having understood little of the West’s abstract religious concepts, yet feeling deeply—in the deepest, deepest recesses of their being—the forms of worship, that which carries the human spirit toward the divine in pictorial form. In the East, people feel within their own souls that which the Western religious leader is named after: “Pontifex,” meaning bridge-builder—a bridge-builder leading toward the spiritual. But in the East, they preserved enough of the old to remain untouched by the new—the new materialism—and thus at least keep the bridge to the spiritual open.

[ 23 ] Und jetzt nehmen Sie mit diesem zusammen die heutigen Zeichen der Zeit! Man möchte sagen: Die allerallerbitterste Ironie der menschlichen Entwickelung ist gerade über den Osten von Europa ausgegossen, die bitterste Ironie! Die Karikatur jedes höheren Menschheitsstrebens, die im Leninismus, im Trotzkismus als letzte karikaturenhafte Konsequenz der rein materialistischen sozialistischen Ideen sich geltend gemacht hat, ist wie ein Kleid, das nicht zum Leibe paßt, übergezogen den Menschen des Ostens. Noch nie sind größere Gegensätze zusammengestoßen als die Seele des europäischen Ostens und der widermenschliche Trotzkismus oder Leninismus. Das ist nicht aus irgendeiner Sympathie oder Antipathie heraus gesprochen, das ist aus der Erkenntnis heraus gesprochen, aus der Erkenntnis, die uns zeigen soll, was furchtbar sich braut im europäischen Osten durch die Zusammenfügung der größten Gegensätze, die jemals zusammengekommen sind. Das soll uns auch hinweisen darauf, daß die Zeichen der Zeit bedeutsam sprechen. Das soll uns zeigen, vor allen Dingen noch einmal damit zu beginnen, mit der Geisteswissenschaft soweit Ernst zu machen, daß wir durch sie eintreten wollen in die Wirklichkeit; denn man kann mit ihr eindringen in die Wirklichkeit der Gegenwart.

[ 23 ] And now, take this along with today’s signs of the times! One is tempted to say: The very, very bitterest irony of human development has been poured out precisely upon Eastern Europe—the bitterest irony! The caricature of every higher human aspiration, which has asserted itself in Leninism and Trotskyism as the ultimate caricatured consequence of purely materialistic socialist ideas, has been thrust upon the people of the East like a garment that does not fit. Never before have greater opposites clashed than the soul of Eastern Europe and the inhuman Trotskyism or Leninism. This is not spoken out of any sympathy or antipathy; it is spoken out of insight—an insight that is meant to show us what terrible things are brewing in Eastern Europe through the convergence of the greatest opposites that have ever come together. This should also point out to us that the signs of the times speak volumes. It should show us, above all, that we must once again begin to take spiritual science seriously enough that we may, through it, enter into reality; for through it, one can penetrate the reality of the present.

[ 24 ] Eine merkwürdige Rede hat Tagore den Japanern gehalten, Rabindranath Tagore, über den Geist Japans. Er spricht als Orientale, Tagore; aber der Orientale spricht heute schon so, daß ihn der Europäer, wenn er nur will, ein bißchen verstehen könnte. Aber gerade wenn man sich hineinvertieft in das, was Tagore gesagt hat über den Geist Japans, was er gewissermaßen der ganzen Welt sagen wollte, dann findet man, daß dieser Tagore mit allen einsichtigen Menschen des Ostens weiß: Der Osten bewahrt eine alte spirituelle Kultur, eine spirituelle Kultur, welche die Weisen des Ostens sorgfältig geheimgehalten haben, welche sie nicht haben herauskommen lassen unter das gewöhnliche Volk. Aber es ist eine spirituelle Kultur, die sie den sozialen Einrichtungen einverleibt haben bis in die neueste Zeit. Eine Kultur, die durch und durch spirituell ist, deren Zeit aber abgelaufen ist. Daher das eigentümlich Unnatürliche, das uns entgegentritt, ich möchte sagen, durch den ganzen asiatischen Orient. Die Leute eignen sich an zu ihrer alten spirituellen Empfindungsweise die westlichen Denkformen, die westlichen Kulturformen. Es kommt dadurch im Grunde etwas Furchtbares heraus, weil spirituelles Denken, namentlich wie es der Japaner ausgebildet hat, beweglich ist, eindringend ist in die Wirklichkeit. Verbrüdert es sich mit dem europäisch-amerikanischen Materialismus, dann wird es, wenn der europäische Materialismus sich nicht vergeistigen will, ihm ganz gewiß den Rang ablaufen. Denn der Europäer hat nicht die Beweglichkeit des Geistes, die der Japaner hat. Die hat dieser als ein Erbgut seiner alten Spiritualität.

[ 24 ] Tagore—Rabindranath Tagore—gave a remarkable speech to the Japanese about the spirit of Japan. Tagore speaks as an Oriental; but today, Orientals speak in such a way that Europeans, if they so choose, can understand them to some extent. But precisely when one delves into what Tagore said about the spirit of Japan—what he, in a sense, wanted to say to the whole world—one finds that Tagore, along with all discerning people of the East, knows this: The East preserves an ancient spiritual culture, a spiritual culture that the sages of the East have carefully kept secret, which they have not allowed to reach the common people. But it is a spiritual culture that they have incorporated into their social institutions right up to the present day. A culture that is spiritual through and through, but whose time has passed. Hence the peculiar unnaturalness that confronts us—I would say—throughout the entire Asian East. People are adapting Western forms of thought and Western cultural forms to their old spiritual sensibility. This essentially results in something terrible, because spiritual thinking—particularly as the Japanese have developed it—is flexible and penetrates reality. If it joins forces with European-American materialism, then—unless European materialism is willing to become spiritual—it will most certainly outstrip it. For Europeans lack the mental agility that the Japanese possess. The Japanese have inherited this as part of their ancient spirituality.

[ 25 ] Nun, wie durch eine wunderbare Weisheit, möchte ich sagen, war die russische Volksseele vor allem, was in abgründige Entwickelung, in die Dekadenz führt, bewahrt geblieben. Aber sie soll nun vergiftet werden durch den Leninismus und Trotzkismus. Sie soll infiziert werden von demjenigen, was überhaupt den Geist aus der ganzen Erdenkultur auslöschen würde, wenn es zur Herrschaft kommen würde. Das darf selbstverständlich nicht sein. Aber es hängt, wenn es nicht sein soll, der Erfolg, der geistige Erfolg davon ab, daß man sich entschließt, Geisteswissenschaft nicht bloß als eine abstrakte Theorie zu betrachten, nicht bloß als ein bequemes Mittel, eine gewisse innere Wollust, ein gewisses mystisches Träumen in der Seele zu entwickeln, in dem man sich wohlfühlt, durch das man sich vortäuscht, daß man mit der Welt nichts zu tun hat — diese schnöde Welt verachtet man, man fühlt sich hinein in ein geistiges Jenseits. Das ist doch nur Egoismus, ein höherer Egoismus, aber doch nur Egoismus. Mit solcher Mystik, solcher Theosophie sollte man nichts zu tun haben wollen, sondern allein mit jener geistigen Erfassung des Daseins, die wirklich den Geist begreift, den Geist erlebt, aber durch den Geist die Wirklichkeit erfassen will.

[ 25 ] Well, as if by some wondrous wisdom, I would say, the Russian national soul had been preserved from everything that leads to a downward spiral into decadence. But now it is to be poisoned by Leninism and Trotskyism. It is to be infected by that which would utterly extinguish the spirit from the entire culture of the Earth if it were to come to power. That, of course, must not be allowed to happen. But if it is to be prevented—if spiritual success is to be achieved—it depends on resolving to regard spiritual science not merely as an abstract theory, not merely as a convenient means of developing a certain inner indulgence, or to cultivate a certain mystical reverie in the soul—one in which one feels at ease, through which one deludes oneself into believing that one has nothing to do with the world—one despises this vile world and feels transported into a spiritual hereafter. But that is nothing but egoism—a higher form of egoism, yet still merely egoism. One should have nothing to do with such mysticism, such theosophy, but rather with that spiritual grasp of existence which truly comprehends the spirit, experiences the spirit, yet seeks to grasp reality through the spirit.

[ 26 ] Nun muß man das, um was es sich da handelt, als eine Aufgabe erkennen, als eine ernste Aufgabe für die Gegenwart. Aber die Dinge sind zuweilen unbequem. Und gerade weil sie unbequem sind, haben gewisse Bruderschaften, die sie bisher aufbewahrt haben, sie vor der breiten Masse geheimgehalten, gehütet. Das ist nicht mehr an der Zeit. An der Zeit ist, daß die Menschen aus dem bewußten Inneren heraus in freier Geistigkeit streben. Die Dinge, die durch Jahrtausende geheimgehalten worden sind, müssen jetzt den Menschen mitgeteilt werden. Einsehen muß man, daß im Osten in alten abgelebten Epochen eine spirituelle Weisheit schon vorhanden war, aber die Zeit für diese spirituelle Weisheit ist vorüber. Eine andere spirituelle Weisheit muß kommen. Darüber wollen sich die Menschen vielfach täuschen. Wie viele Menschen sind doch aufgetreten in unserer jetzigen Zeit des Suchens und haben den Europäern bequem sein wollen, weil denen so etwas wie unsere Geisteswissenschaft viel zu schwierig ist, denn da muß man ja denken; das Denken ist etwas so Unbequemes! Da muß man geistig wach sein; geistig wach sein ist etwas so Unbequemes! Da haben sich denn viele Menschen gefunden, die haben es den Europäern ersparen wollen, den eigenen Weg zum Geiste zu suchen, und haben ihnen allerlei orientalische Weisheit beigebracht, zarathustrische Weisheit und alles mögliche andere. Die Europäer fühlten sich so wohl, wenn sie nicht selbst den Geist zu suchen brauchten, sondern wenn man ihnen den Geist fertig vom alten Indien her brachte. Es war das ein Betäubungsmittel, denn man wollte nicht durch den Geist das Weltenall suchen. Man wollte sich betäuben, indem man ein altes Erkenntnismittel ergriff. Das war der Fehler, den man auf vielen Gebieten nach dem Osten hin machte.

[ 26 ] Now, we must recognize what is at stake here as a task—a serious task for the present. But such matters are sometimes inconvenient. And precisely because they are inconvenient, certain brotherhoods that have preserved them until now have kept them secret from the general public, guarding them closely. That time has passed. The time has come for people to strive from within their conscious inner selves in free spirituality. The things that have been kept secret for millennia must now be revealed to humanity. One must realize that in the East, in ancient, bygone eras, a spiritual wisdom already existed, but the time for that spiritual wisdom has passed. A different kind of spiritual wisdom must come. People often delude themselves about this. How many people have emerged in our present age of seeking and have sought to make things easy for Europeans, because something like our spiritual science is far too difficult for them—for it requires thinking; and thinking is such an inconvenience! It requires spiritual alertness; and being spiritually alert is such an inconvenience! So many people have come forward who wanted to spare Europeans the effort of seeking their own path to the spirit, and have taught them all manner of Eastern wisdom—Zoroastrian wisdom and all sorts of other things. Europeans felt so comfortable not having to seek the spirit themselves, but instead having the spirit brought to them ready-made from ancient India. It was a narcotic, for they did not want to explore the universe through the spirit. They wanted to numb themselves by grasping an ancient means of knowledge. That was the mistake made in many areas when turning toward the East.

[ 27 ] Und einen anderen Fehler hat man gemacht. Dieser andere Fehler hängt damit zusammen, daß diese neuere Zeit, welche gewissermaßen die Erde zum Absterben führt in ihrer Kultur, in den Menschen die unbewußte Notwendigkeit hereinbringt, sein eigenes Innere zu suchen. Der Drang, dieses eigene Innere zu suchen und zu finden, dieser Drang ist schon da. Oh, die Menschen werden immer zahlreicher, die darauf ausgehen, dieses eigene Innere zu suchen! Es verkappt sich, maskiert sich sogar das Suchen nach dem eigenen Inneren in der Anbetung des Gottes, die entweder eine Anbetung des Engels oder des eigenen Selbstes ist. Das Suchen nach dem Inneren, das wird immer lebhafter und lebhafter in der modernen Menschheit werden. Je mehr Naturwissenschaft, je mehr Technik die Menschen in der neueren Zeit ergreifen, desto lebendiger wird der Gegendrang des Suchens nach dem Inneren kommen. Die Menschen suchen heute vielfach auf Irrwegen, aber sie suchen danach. Diejenigen, die am wenigsten suchen, das sind die, die als offizielle Organe angestellt sind, nach dem Geiste zu suchen; die suchen nach den «Grenzen der Erkenntnis». Sie suchen das festzustellen, was der Mensch von der geistigen Welt nicht wissen kann. Und so haben wir heute geistige Führer, die vor allen Dingen bemüht sind, den Menschen zu sagen, wie man nicht in die geistige Welt eindringen kann, und eine Menschheit, die zwar sucht, aber kein rechtes Bewußtsein von ihrem Suchen hat.

[ 27 ] And another mistake has been made. This other mistake is connected to the fact that this modern era—which, in a sense, is leading the world toward the decline of its culture—brings about in people an unconscious need to seek their own inner selves. The urge to seek and find this inner self—this urge is already there. Oh, the number of people setting out to seek their own inner self is growing ever larger! The search for one’s own inner self is disguised, even masked, in the worship of a god—which is either the worship of an angel or of one’s own self. The search for the inner self will become ever more vivid and alive in modern humanity. The more science and technology people embrace in modern times, the more vividly the counter-impulse of the search for the inner self will emerge. Today, people often search along the wrong paths, but they are searching nonetheless. Those who search the least are the very ones who are employed as official bodies to search for the spirit; they seek the “limits of knowledge.” They seek to determine what human beings cannot know about the spiritual world. And so today we have spiritual leaders who are primarily concerned with telling people how not to penetrate the spiritual world, and a humanity that, while searching, has no real awareness of its own search.

[ 28 ] Das ist die auffälligste Erscheinung. Verstehen Sie es, die Seelen wirklich zu enträtseln über die Erde hin, da finden Sie in den Menschen, die Laien sind, die in der Not und im Kampfe des Lebens drinnenstehen, überall das Suchen nach der Seele. Fragen Sie nach den Führern, die von den Kanzeln und Kathedern herunter zu den Menschen so sprechen müßten, daß das Suchen befriedigt wird, dann reden diese ihnen vor, die Wissenschaft gestatte das nicht, daß man die Grenzen der Erkenntnis überschreite, der Mensch könne nicht in die geistige Welt eindringen. Kant habe für alle Zeiten die Grenzen der menschlichen Erkenntnis festgestellt, und wer nicht darauf eingehe, der sei ein Tor. — Das ist die auffälligste Erscheinung der Gegenwart. Aber der Drang ist in den weitesten Kreisen da, wenn sich diese auch nicht bewußt sind dieses Dranges, nach dem Inneren zu suchen. Wo ein solcher Drang vorhanden ist, wird man sich auf die Dauer doch nicht mit den bloßen Grenzen befriedigen, sondern man wird noch nach etwas anderem suchen.

[ 28 ] This is the most striking phenomenon. If you truly seek to unravel the mystery of the soul across the earth, you will find that people—the laypersons who are in the thick of life’s hardships and struggles—are everywhere searching for the soul. Ask the leaders who, from their pulpits and lecterns, ought to speak to people in such a way as to satisfy this search, and they will tell you that science does not permit one to cross the boundaries of knowledge, that human beings cannot penetrate the spiritual world. Kant, they say, has established the limits of human knowledge once and for all, and anyone who does not accept this is a fool. — This is the most striking phenomenon of the present day. Yet the urge to seek the inner world exists in the widest circles, even if people are not consciously aware of this urge. Where such an urge exists, people will not, in the long run, be satisfied with mere limits, but will continue to seek something else.

[ 29 ] So wie der Osten herübergeschickt hat das Betäubungsmittel einer alten Kultur, einer abgelebten Kultur, so schickt der ferne Westen den Menschen ein anderes Betäubungsmittel. Das ist es, was man nach und nach einsehen wird: der Anglo-Amerikanismus ist kulturell das Betäubungsmittel in der modernen Zeit für das Suchen des Geistes in dem menschlichen Inneren. Englisch-amerikanische Kultur hat auf der einen Seite die Aufgabe, das Materielle über die Erde hin zu organisieren, zu verbreiten, aber sie verbindet diese Aufgabe vermöge einer inneren Eigenart des anglo-amerikanischen Wesens damit, durch die Amerikanismen den Menschen zu betäuben über das Suchen nach dem Geistigen in der Seele. Je mehr man orientalisch werden würde in Europa, desto mehr würde man sich betäuben in bezug auf spirituelle Welterkenntnis; je mehr man angloamerikanisch werden würde in Europa, desto mehr würde man sich betäuben über das Suchen des wahren Geistes, des wahren Ich in dem menschlichen Inneren.

[ 29 ] Just as the East has sent us the narcotic of an ancient culture, a culture that has outlived its time, so the distant West sends humanity another narcotic. This is what people will gradually come to realize: Anglo-Americanism is, culturally speaking, the narcotic of the modern age that numbs the search for the spirit within the human soul. On the one hand, Anglo-American culture has the task of organizing and disseminating the material world across the globe, but—by virtue of an inherent characteristic of the Anglo-American nature—it combines this task with the aim of using “Americanisms” to numb people in their search for the spiritual within the soul. The more one were to become “Oriental” in Europe, the more one would numb oneself with regard to spiritual knowledge of the world; the more one were to become “Anglo-American” in Europe, the more one would numb oneself in the search for the true spirit, the true self within the human soul.

[ 30 ] Nicht um Chauvinismus zu entwickeln, nicht um allerlei Tiraden zu reden über diese oder jene Weltmission, werden diese Dinge hier gesagt, sondern weil — in bescheidenster Weise — das durchschaut werden muß, um die verantwortungsvolle Lage des mitteleuropäischen Menschen zu begreifen. Denn seit den Zeiten der geistigen Vertiefung durch Lessing, Herder, Goethe, Schiller, durch alles das, was ich versucht habe, im Buche «Vom Menschenrätsel» zu schildern als vergessenen Klang des deutschen Geisteslebens, ist der mitteleuropäische Geist dazu berufen, die Menschheit hinwegzuführen über diese zwei Betäubungsmittel: über das Betäubungsmittel des Orientalismus, über das Betäubungsmittel des Amerikanismus.

[ 30 ] These things are said here not to foster chauvinism, nor to launch into all sorts of tirades about this or that world mission, but because—in the most humble way—this must be understood in order to grasp the responsible position of the Central European. For ever since the era of intellectual deepening brought about by Lessing, Herder, Goethe, Schiller—through everything I have attempted to describe in the book *The Riddle of Man* as the forgotten resonance of German intellectual life—the Central European spirit has been called upon to lead humanity beyond these two intoxicants: the intoxicant of Orientalism and the intoxicant of Americanism.

[ 31 ] Das einzusehen, wie sich das geistige Tableau über die Erde hinstellt, das einzusehen, was auf unsere Seelen gelegt ist, dazu soll Geisteswissenschaft eine Anleitung sein. Können denn die Menschen draußen in der Welt heute wissen, welche spirituellen Impulse von Mitteleuropa in die Welt kommen können? Können sie das wissen ? Stellen wir die Frage in einer anderen Weise: Haben wir uns würdig erwiesen eines solchen geistigen Suchens, wie es durch Herder, durch Goethe angeregt worden ist? — Meine lieben Freunde, Meditation wird uns mit Recht anempfohlen in der Geisteswissenschaft. Wissen Sie, was eine wunderbare Meditation wäre, die man schon anfangen könnte mit den kleinsten Kindern? Lesen Sie bei Herder, wie er jeden Sonnenaufgang am Morgen als eine Neuschöpfung in einem grandiosen Weltenbilde darstellt. Und lesen Sie die unzähligen Bilder, die bei Herder sich finden in seinen «Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit». Vergessen, verklungen! In diesen Tagen sagte mir ein Herr, dem es ernst ist um das mitteleuropäische Geistesleben: Von all dem bei Herder habe ich nie etwas gehört!

[ 31 ] To understand how the spiritual tableau unfolds across the Earth, to understand what is laid upon our souls—this is what spiritual science is meant to guide us toward. Can people out in the world today know what spiritual impulses might flow from Central Europe into the world? Can they know that? Let us put the question another way: Have we proven ourselves worthy of such a spiritual quest as that inspired by Herder and Goethe? — My dear friends, meditation is rightly recommended to us in spiritual science. Do you know what a wonderful meditation it would be, one that could even be started with the youngest children? Read Herder’s descriptions of how he portrays every sunrise as a new creation within a magnificent cosmic picture. And read the countless images found in Herder’s Ideas for a Philosophy of the History of Mankind. Forgotten, faded away! Just the other day, a gentleman who is serious about Central European intellectual life told me: “I’ve never heard a thing about any of that in Herder’s work!”

[ 32 ] Ja, eine Aufgabe obliegt uns; diese Aufgabe müssen wir einsehen. Hören Sie heute solch einen Chinesen wie den Ku Hung-Ming. Hören Sie einen Inder, wie Tagore es ist. Glauben Sie etwa, diese Menschen haben die Möglichkeit, wirklich einzusehen, nach dem, was vorgeht, welche geistigen Impulse im mitteleuropäischen Geistesleben sind? Sie schauen hin und sagen sich: Nun, Goethe hat gelebt; sogar eine Goethe-Gesellschaft ist gegründet worden zur Pflege des Goetheanismus. Aber was ist geschehen? In den letzten Jahren hat man gesucht, wer diese Goethe-Gesellschaft leiten solle, wer an der Spitze dieser Goethe-Gesellschaft stehen soll; man hat die Frage auch nicht einmal aufgeworfen: Soll es ein Mann sein, der im Geiste des Goetheanismus wirkt, der etwas für die Spiritualität in dem Sinne, wie sie jetzt gedacht werden soll, hundert Jahre nach Goethe, wirken könnte? Nein, man hat einen Mann an die Spitze der Goethe-Gesellschaft gestellt, der ein früherer Finanzminister war. Den sieht die Welt draußen als den Verwalter der Goetheschen Spiritualität. Keinen anderen als einen ehemaligen Finanzminister sieht man als Verwalter der Goetheschen Spiritualität!

[ 32 ] Yes, we have a responsibility; we must recognize this responsibility. Listen today to a Chinese man like Ku Hung-Ming. Listen to an Indian like Tagore. Do you really believe these people have the ability to truly understand, given what is happening, what spiritual impulses are at work in Central European intellectual life? They look at it and say to themselves: Well, Goethe lived; a Goethe Society has even been founded to promote Goetheanism. But what has happened? In recent years, people have been searching for someone to lead this Goethe Society, someone to stand at its head; yet they have not even raised the question: Should it be a man who works in the spirit of Goetheanism, who could contribute to spirituality in the sense in which it is now to be conceived, a hundred years after Goethe? No, a man who was formerly a finance minister has been placed at the head of the Goethe Society. The outside world sees him as the steward of Goethean spirituality. No one other than a former finance minister is seen as the steward of Goethean spirituality!

[ 33 ] Es genügt eben nicht, daß man ruft: Geist, Geist, Geist —, sondern daß man die Wirklichkeit durchdringt mit dem, was man aus der geistigen Anschauung gewonnen hat, daß man diese geistige Anschauung aber auch in die Wirklichkeit hineinführt. Eine Aufgabe ist gerade dem Mitteleuropäer zugeteilt, und diese Aufgabe hat begonnen. Denn Geisteswissenschaft, wie sie hier gedacht ist, ist nichts anderes als die Fortsetzung desjenigen, was heraufgekommen ist um die große Wende des neueren Geisteslebens, auf die ich eben jetzt hingedeutet habe. Es hätte einen Widerpart finden müssen das rein materielle sozialistische Streben, das durch Jahrzehnte hindurch die einzige impulsive Bewegung war, in einer geistigen Bewegung! Wohl ist es nie zu spät, aber es muß eben endlich begriffen werden, damit es nicht verfällt, dasjenige, was gerade unsere Aufgabe ist. Es muß endlich begriffen werden, daß man mit all den Schlagworten nicht weiterkommen kann, daß ein neuer Geist die Menschheit ergreifen muß. Aber die Menschen gehen heute am Geiste vorbei. Dafür gibt uns das Leben unzählige Beispiele.

[ 33 ] It is not enough simply to cry out: “Spirit, Spirit, Spirit”—but rather to permeate reality with what one has gained from spiritual insight, and to bring this spiritual insight into reality as well. A task has been assigned specifically to Central Europeans, and this task has begun. For spiritual science, as conceived here, is nothing other than the continuation of what emerged around the great turning point in modern spiritual life to which I have just alluded. The purely materialistic socialist striving—which for decades was the sole driving force—should have found a counterbalance in a spiritual movement! It is true that it is never too late, but what is our specific task must finally be understood so that it does not fall by the wayside. It must finally be understood that one cannot make progress with all these slogans alone, that a new spirit must take hold of humanity. But people today are passing the spirit by. Life provides us with countless examples of this.

[ 34 ] Ein Beispiel nur, das in Tausenden und Tausenden angeführt werden könnte. Vor kurzem erschien ein merkwürdiger Aufsatz eines sehr gescheiten Mannes in einer vielgelesenen deutschen Zeitung. Dieser geistreiche Mann «vermöbelte» ein Buch, das unglückseligerweise erschienen ist in der Sammlung «Aus Natur und Geisteswelt»; er schimpfte grauenhaft über dieses kleine Büchelchen. Und wenn man diesen Aufsatz las, man konnte nicht dahinterkommen: Ja, warum schimpft der Mann denn eigentlich? Denn in diesem Buche wird über die Entwickelung der Astrologie und des Horoskops geredet, wie ein normaler heutiger Universitätsprofessor, der ganz brav ist und den «Aberglauben» der Astrologie selbstverständlich nicht mitmacht, eben redet. Und am Schlusse entwickelt er noch seine Ansicht, in dem er das Horoskop Goethes beschreibt, und er macht sich eigentlich darüber lustig, daß man alles mögliche in diesem Horoskop finden könne. Ein ganz braver Universitätsprofessor hat also vom heutigen Standpunkte aus geschrieben. Man kann gar nicht ein anständigerer Universitätsprofessor sein als derjenige, der das Büchelchen geschrieben hat. Aber Fritz Mauthner schimpft wie ein Rohrspatz über dieses Buch, daß da einer einen Aberglauben verbreite. Er schimpft und schimpft und weiß nicht, warum! Ein paar Tage darauf erschien von dem Verfasser eine Richtigstellung, in der er darauf hinweist: Ich bin ja ganz einig mit Fritz Mauthner, er macht sich lustig über Astrologie und Horoskope, ich auch! Ich habe doch das Horoskop nur angeführt, um zu zeigen, daß man eben alles daraus lesen kann, was man will. Wir sind also ganz einig. — Das «Berliner Tageblatt», dessen früherer Theaterkritiker Fritz Mauthner war, hatte nichts dazu zu erwidern, denn es fand nicht, daß der Mauthner das mißverstanden hat. Mauthner findet auch kein Wort der Aufklärung. Kurz, es stießen zwei Leute, die absolut einig waren, in der wütendsten Weise aufeinander, man wußte gar nicht, warum. Es war nicht der geringste Grund dazu.

[ 34 ] Just one example among thousands and thousands that could be cited. Recently, a strange essay by a very intelligent man appeared in a widely read German newspaper. This witty man “tore apart” a book that had unfortunately been published in the series “Aus Natur und Geisteswelt” (From the Natural and Spiritual World); he railed horribly against this little book. And when one read this essay, one couldn’t figure it out: Why, exactly, is this man ranting? For this book discusses the development of astrology and the horoscope in exactly the way a typical modern university professor—who is quite respectable and, of course, does not subscribe to the “superstition” of astrology—would speak. And at the end, he further elaborates on his view by describing Goethe’s horoscope, and he actually pokes fun at the fact that one can find all sorts of things in that horoscope. So a perfectly respectable university professor has written from today’s perspective. One couldn’t be a more respectable university professor than the one who wrote that little book. But Fritz Mauthner rants and raves about this book, claiming that someone is spreading superstition. He rants and raves and doesn’t even know why! A few days later, the author published a clarification in which he points out: I am in complete agreement with Fritz Mauthner—he makes fun of astrology and horoscopes, and so do I! I only cited the horoscope to show that you can read whatever you want into it. So we are in complete agreement.” — The Berliner Tageblatt, whose former theater critic was Fritz Mauthner, had nothing to say in response, because it did not think that Mauthner had misunderstood the point. Mauthner, too, offers no word of clarification. In short, two people who were in complete agreement clashed in the most furious manner, and no one knew why. There wasn’t the slightest reason for it.

[ 35 ] So geht es ja überhaupt zu in der Gegenwart, das ist das Charakteristische der Gegenwart! Die Leute hören gar nicht mehr, was sie einander zu sagen haben; sie haben auch meist sehr wenig einander zu sagen. Aber dasjenige, was sie entwickeln, was sie widereinander haben, das geht aus etwas ganz anderem hervor als das ist, was sie sich gestehen. Man lebt in einem vollständig Unerklärlichen drinnen, in einem ganz Irrationellen drinnen, weil man von dem, was Wirklichkeit ist, sich entfremdet hat und gar nicht mehr hineinkommen kann.

[ 35 ] That’s just how things are these days—that’s what characterizes the present! People no longer even listen to what they have to say to one another; for the most part, they have very little to say to one another anyway. But what they develop, what they have against one another, stems from something entirely different from what they admit to themselves. We live within something completely inexplicable, within something entirely irrational, because we have become estranged from reality and can no longer access it.

[ 36 ] Wenn Sie solche Dinge durchdenken, durchempfinden, dann werden Sie die Wichtigkeit, die Bedeutsamkeit dessen, was Geisteswissenschaft ist, schon in Ihren Seelen empfinden. Derjenige ist auf sehr, sehr falscher Fährte, der heute glaubt, Geisteswissenschaft sei etwas Unpraktisches. Man wird in fünfzig Jahren keine Fabriken mehr gründen können, keine irgendwie geartete Arbeitsgemeinschaften begründen können, ohne die Dinge zu durchdringen mit Geisteswissenschaft, denn sie wird allein den Weg zur Wirklichkeit finden. Wenn man verstehen wird, richtig verstehen wird, daß alle alten Schlagworte in Sackgassen führen, daß wir zum alleräußersten materiellen Leben Einsicht in den Geist brauchen, der die Welt beherrscht, dann wird man Geisteswissenschaft verstehen, dann wird man nicht in egoistischer Weise durch die «einzige Brücke des Todes» hinüberkommen wollen in die geistige Welt, sondern dann wird man auch aus dem Tode das Leben ziehen.

[ 36 ] If you think through and truly feel such things, you will already sense in your souls the importance and significance of what spiritual science is. Anyone who believes today that spiritual science is something impractical is on a very, very wrong track. In fifty years, it will no longer be possible to establish factories or any kind of working communities without permeating these endeavors with spiritual science, for it alone will find the path to reality. When people come to understand—truly understand—that all the old catchphrases lead to dead ends, that even in the most extreme material life we need insight into the spirit that governs the world, then they will understand spiritual science; then they will not seek to cross over into the spiritual world in a selfish manner via the “only bridge of death,” but rather they will draw life even from death.

[ 37 ] Wer sich ernsthaftig mit Geistesforschung befaßt hat, darf vielleicht in solch intimem Kreise von solchen Dingen sprechen. Ich habe, der ich jetzt seit mehr als dreißig Jahren auch über Goethe schreibe, nicht in äußerlich philologischer oder philosophischer oder sonstiger gelehrter Weise über Goethe schreiben wollen, sondern mir war es von jeher darum zu tun, durch das Verhältnis zu Goethe eine Möglichkeit zu bieten und das in meinen Büchern zum Ausdruck zu bringen, was Goethe jetzt der Menschheit sagen will auf einem bestimmten Gebiet, das mir naheliegt. Nicht zu dem toten Goethe wollte ich hin, um ihn zu studieren, sondern ich wollte durch dasjenige, was Goethe zurückgelassen hat, den Weg finden zu dem lebendigen Goethe. Zu dem Goethe, der in unsere Seelen hineinspricht, wenn wir wissen, daß die Toten Lebendige sind wie wir, daß sie sich hereinleben in die Welt, in der wir selber leben, nur daß wir im Leibe herumwandeln, die Toten aber unter uns im Geiste sind.

[ 37 ] Anyone who has seriously engaged with spiritual research may perhaps speak of such things in such an intimate circle. I, who have now been writing about Goethe for more than thirty years, have not sought to write about him in a purely philological, philosophical, or otherwise scholarly manner; rather, my aim has always been to use my relationship with Goethe to offer a path—and to express this in my books—to what Goethe now wishes to say to humanity in a specific field that is close to my heart. I did not turn to the dead Goethe in order to study him, but rather I wanted to find, through what Goethe left behind, the path to the living Goethe. To the Goethe who speaks into our souls when we realize that the dead are living beings just like us, that they live within the world in which we ourselves live—only that we walk about in the flesh, while the dead are among us in spirit.

[ 38 ] Ist denn ein wahres Zusammenleben mit den Toten vorhanden in den religiösen Gemeinschaften? Egoistischer Unsterblichkeitsglaube ist zwar vorhanden, er soll nicht getadelt werden; aber fruchtbar machen das Leben der Toten, das wird erst wieder die Geisteswissenschaft. Denn die Menschen werden durch Geisteswissenschaft den Weg finden zu denjenigen, mit denen sie karmisch verbunden waren und die hinübergegangen sind in die andere Welt und noch mit tausend und aber tausend Fäden mit der Welt zusammenhängen. Denn in dem, was hier geschieht auf der Erde, wirken nicht nur die Impulse der Lebendigen. Der Mensch hört nicht auf, für die Welt zu wirken, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist.

[ 38 ] Is there truly a communion with the dead in religious communities? A self-centered belief in immortality does exist, and it should not be condemned; but it is spiritual science that makes the lives of the dead fruitful. For through spiritual science, people will find the way to those with whom they were karmically connected—those who have passed into the other world and are still linked to this world by thousands upon thousands of threads. For what happens here on Earth is not shaped solely by the impulses of the living. A person does not cease to influence the world once they have passed through the gate of death.

[ 39 ] Wir sind nur zum Teil wachend. Indem wir wahrnehmen, Vorstellungen uns bilden, sind wir wachend. Indem wir fühlen, sind wir träumend. Unsere Gefühle leben nicht stärker in unserem Bewußtsein als unsere Träume. Und gar unsere Willensimpulse, die verschlafen wir. Wir wissen in Vorstellungen, wie wir uns an Träume erinnern, allein im gewöhnlichen Bewußtsein wissen wir nicht einmal, wie der Wille wirkt, wenn wir den Arm bewegen. Im Fühlen träumen wir, im Wollen schlafen wir. Um uns herum ist, indem wir fühlende und wollende Wesen sind, eine Welt des Geistes, in die wir nicht hineinschauen im gewöhnlichen Bewußtsein. Wir sind aus dieser Welt durch Wahrnehmen und Denken herausgerissen. Dadurch, daß wir Wahrnehmende sind und Denkende und die physische Welt Genießende, wissen wir nicht, daf mitten unter uns die Toten wandeln. Die Toten wandeln mitten unter uns. Der Mensch, wenn er sich sein Leben hindurch entwickelt hat, geht durch die Pforte des Todes. Er bleibt verbunden mit dem Erdendasein, die Fäden gehen von ihm in das Erdendasein hinunter. Fühlen und wollen können wir nicht, ohne daß in unser Fühlen und Wollen diejenigen Toten wirken, die mit uns karmisch verbunden waren. Anerkenntnis desjenigen, was da hineinschaut als ein der Erde unverlorenes Leben, das man sonst im Nichts glaubt, in lebendiger Weise, das gibt die Geisteswissenschaft. Darauf beruhen auch die geistigen Anlagen des Menschen des Ostens. Die Völker der europäischen Mitte haben die Aufgabe, aus der Freiheit der Seele heraus bis in das 4. Jahrtausend alles dasjenige zu ziehen, was der Mensch aus der Freiheit seiner Seele bewußt erschaffen kann. Dazu muß aber allerdings die äußere materielle Wirklichkeit geistig-spirituell durchdrungen werden. Aber nicht darf sie in Wilsonismus eintauchen, der das Gegenteil aller Geistigkeit ist. Im Osten muß aus jenen furchtbaren Gegensätzen, aus jenem nicht Zusammengehörigen, das sich ausgebildet hat aus dem Aufgepfropftsein des Trotzkismus und Leninismus auf die keimende Spiritualität, wieder das erlöst werden, was sich als die nächste Kultur vorbereitet, was dazu berufen sein wird, jedesmal zu fragen, wenn auf der Erde etwas geschieht: Was sagen dazu die Toten?

[ 39 ] We are only partially awake. When we perceive and form mental images, we are awake. When we feel, we are dreaming. Our feelings are no more vivid in our consciousness than our dreams. And as for our impulses of will—we are oblivious to them. We know through mental images how we recall dreams, yet in ordinary consciousness we do not even know how the will operates when we move our arm. In feeling, we dream; in willing, we sleep. Because we are beings who feel and will, there is a world of the spirit all around us that we do not perceive in ordinary consciousness. We are torn away from this world through perception and thought. Because we are perceivers, thinkers, and enjoyers of the physical world, we do not realize that the dead walk among us. The dead walk among us. When a human being has developed throughout their life, they pass through the gate of death. They remain connected to earthly existence; threads extend from them down into earthly existence. We cannot feel or will without the dead who were karmically connected to us influencing our feelings and will. Spiritual science provides the recognition of that which looks in from a life not lost to the earth—a life that is otherwise believed to be in nothingness—in a living way. The spiritual dispositions of the people of the East are also based on this. The peoples of Central Europe have the task, out of the freedom of the soul, of drawing forth into the fourth millennium everything that human beings can consciously create out of the freedom of their souls. To this end, however, external material reality must be permeated by the spiritual. But it must not plunge into Wilsonism, which is the opposite of all spirituality. In the East, from those terrible opposites—from that incongruity that has arisen from the grafting of Trotskyism and Leninism onto burgeoning spirituality—what is preparing to become the next culture must once again be redeemed; a culture that will be called upon to ask, whenever something happens on Earth: “What do the dead say about this?”

[ 40 ] Ja, das ist heute eine viel wichtigere Sache, zu wissen, daß das etwas ist, dem man sich nähert in der Erdenentwickelung. Heute sind die Menschen gescheit, sind schon so gescheit mit zwanzig Jahren! Sie lassen sich mit zwanzig Jahren in die Parlamente wählen, weil heute jeder schon mit zwanzig Jahren seinen Standpunkt hat, ein fertiger Mensch ist. Daß das Leben uns von zwanzig Jahren an bis zum Sterben hin nicht vergeblich gegeben ist, sondern daß wir immerfort zunehmen, daß uns Neues sich offenbart, daß, wenn wir durch die Pforte des Todes getreten sind, die Weisheit weitergeht, das Leben weitergeht, wir gescheiter werden, das ist etwas, womit sich die Menschen durchdringen müssen. Und in Zukunft wird man einsehen, daß die weisesten Menschen, die man zu fragen hat, was auf der Erde zu geschehen hat, die Toten sind.

[ 40 ] Yes, today it is much more important to know that this is something we are approaching in the evolution of the Earth. People today are smart—they’re already so smart by the age of twenty! They get elected to parliament at twenty because today everyone already has their own point of view by the age of twenty; they’re fully formed individuals. That life, from the age of twenty until death, is not given to us in vain, but that we are constantly growing, that new things are revealed to us, that once we have passed through the gate of death, wisdom continues, life continues, and we become wiser—this is something people must truly take to heart. And in the future, people will come to realize that the wisest people to ask about what is to happen on earth are the dead.

[ 41 ] Die Bewußtseinsseele — wenn Sie nachlesen, was das ist, in meinem Buche «Theosophie» — bildet die Gegenwart aus, das Geistselbst die nächste Kultur. Das Geistselbst bildet sich dadurch aus, daß die Toten die Berater sein werden der Lebenden auf der Erde. Heute gilt das noch als phantastische Träumerei, als halber Wahnsinn. Eine Realität wird es werden. Es werden Zeiten kommen, in denen die Menschen, die vereinigt sind auf der Erde, um etwas Vernünftiges zu machen, was für die Erdenentwickelung Bedeutung hat, nicht nur die Lebenden fragen, sondern die Toten. Auf die nähere Form, wie das sogar in der Zukunft politische Gestaltung annehmen wird, wie es vorbereitet werden muß, kann heute noch nicht eingegangen werden; das kann nur Mysterium noch bleiben. Aber durchdringen kann man sich schon damit, daß dieses lebendige Bewußtsein in der Menschheit auftreten muß, daß wir mit den Toten zusammen sind; daß der Mensch nicht nur egoistisches Streben nach Unsterblichkeit entwickeln soll, sondern jenes lebendige Streben, das im Wirken, in der Tat sich auslebt.

[ 41 ] The soul of consciousness—if you look up what that is in my book Theosophy—shapes the present, while the spiritual self shapes the next civilization. The spiritual self will come into being through the dead serving as advisors to the living on Earth. Today this is still regarded as fanciful daydreaming, as half-madness. It will become a reality. There will come a time when people who are united on Earth to accomplish something meaningful for the development of the Earth will consult not only the living but also the dead. We cannot yet go into detail today about the specific form this will take in the future—including its political structure and how it must be prepared; that can only remain a mystery for now. But we can already take to heart the fact that this living awareness must arise within humanity—that we are together with the dead; that human beings should not merely develop a selfish striving for immortality, but rather that living striving which finds its fulfillment in action, in deed.

[ 42 ] Sich bewußt zu werden, daß Geist-Erkenntnis das einzelne menschliche Streben in das Allstreben der Erde hineinstellen möchte, das hielt ich für besonders geeignet, bei dieser Gelegenheit einmal bedacht zu werden, wo sich unsere Freunde hier zusammengetan haben, um die geisteswissenschaftlichen Antworten auf gewisse Lebensfragen zu finden. Daß es sich nicht bloß um engherzige menschliche Seelenbedürfnisse handelt, sondern daß es sich heute, wenn wir ernsthaftig an dem hängen, was geisteswissenschaftliche Pflege ist, um das Schicksal der Erdenkultur handelt, das sich zum Bewußtsein zu bringen, ist nicht eine Überhebung, nicht ein Größenwahn, das kann in aller Demut geschehen, muß aber geschehen, weil es heute Menschen geben muß, die den Ernst des menschlichen Strebens auf der Erde wirklich durchschauen. Vertiefen Sie sich so in die Geisteswissenschaft, dann werden Sie finden: So klein ein solcher Zweig auch noch sein mag, er kann das seinige beitragen zu dem, was werden soll in der Menschheitsentwickelung, was werden muß, wenn die Erde ihrem Ziele entgegengehen soll!

[ 42 ] I considered it particularly fitting to reflect on this occasion—where our friends have gathered here to find spiritual-scientific answers to certain questions of life—on the realization that spiritual knowledge seeks to integrate the individual human striving into the universal striving of the Earth. To realize that this is not merely a matter of narrow-minded human spiritual needs, but that today—if we are seriously committed to spiritual science—it concerns the fate of Earth’s culture; to bring this to consciousness is not arrogance, not megalomania, this can be done in all humility, but it must be done, because there must be people today who truly grasp the gravity of human striving on Earth. If you immerse yourself in spiritual science in this way, you will find that, however small such a branch may still be, it can contribute its share to what is to come in human evolution—what must come to pass if the Earth is to move toward its goal!