Death as a Transformation of Life
GA 182
30 June 1918, Hamburg
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Der Tod als Lebenswandlung
5. Das Sich-Aufbäumen der Menschen Gegen den Geist
5. Das Sich-Aufbäumen der Menschen Gegen den Geist
[ 1 ] Wir sind ja öfter an die Frage herangetreten, die uns alle interessieren muß: Woher es denn eigentlich komme, daß in der Gegenwart noch verhältnismäßig wenig Menschen den Zugang finden zur geistigen Erkenntnis der Weltenordnung. Von den allerverschiedensten Gesichtspunkten aus kann diese Frage beantwortet werden. Wir wollen heute eines Gesichtspunktes gedenken, der uns dann gewisse Gedanken nahebringen kann, die vielleicht gerade in der gegenwärtigen Zeit in uns aufzunehmen ganz wichtig sein kann.
[ 1 ] Wir sind ja öfter an die Frage herangetreten, die uns alle interessieren muß: Woher es denn eigentlich komme, daß in der Gegenwart noch verhältnismäßig wenig Menschen den Zugang finden zur geistigen Erkenntnis der Weltenordnung. Von den allerverschiedensten Gesichtspunkten aus kann diese Frage beantwortet werden. Wir wollen heute eines Gesichtspunktes gedenken, der uns dann gewisse Gedanken nahebringen kann, die vielleicht gerade in der gegenwärtigen Zeit in uns aufzunehmen ganz wichtig sein kann.
[ 2 ] Wenn wir des Menschen Verhältnis zur geistigen Welt ins Auge fassen, so interessiert uns natürlich verschiedenes auf diesem Gebiet. Eines, das uns ganz vorzüglich interessiert, ist das Verhältnis, in dem der Mensch stehen kann zu jenen Menschenseelen, die aus seinem Kreise heraus, aus dem Kreise heraus, mit dem er karmisch verbunden ist, durch des Todes Pforten gegangen sind, also sich bereits im geistigen Reiche aufhalten. Das Verhältnis zu den sogenannten Toten wird immer wieder und wiederum ein höchstes Interesse abgeben für das Verhältnis des Menschen zur geistigen Welt. Gerade an diesem Verhältnis zeigt sich ganz besonders, wie prinzipiell anders die Anschauung der geistigen Welt an den Menschen herantritt als die Anschauung der physisch-sinnlichen Welt. Ich habe es ja öfters erwähnt: Wenn sich der Mensch der geistigen Welt gegenüberstellt, so kommt es sehr häufig vor, daß er geradezu radikal brechen muß mit den Vorstellungen, die er sich über das physische Dasein gebildet hat; radikal brechen deshalb, weil die Dinge und die Vorgänge der geistigen Welt oftmals gerade durch entgegengesetzte Begriffe erfaßt werden müssen als die Dinge der physischen Welt. Nur darf man nicht glauben, daß man zu einer Erkenntnis der geistigen Welt kommen kann, wenn man sich etwa vorstellt, daß man die physische Welt nur einfach auf den Kopf zu stellen, alles umzukehren brauche. Das ist nicht der Fall. Es muß jedes einzelne besonders erfahren, besonders untersucht werden. Aber gerade wenn es sich um das Verhältnis des Menschen zu den sogenannten Toten handelt, da liegt — für die Anschauung zunächst wenigstens — die Sache allerdings so, daß wir den gewöhnlichen, den physischen Begriffen entgegengesetzte Begriffe uns aneignen müssen.
[ 2 ] Wenn wir des Menschen Verhältnis zur geistigen Welt ins Auge fassen, so interessiert uns natürlich verschiedenes auf diesem Gebiet. Eines, das uns ganz vorzüglich interessiert, ist das Verhältnis, in dem der Mensch stehen kann zu jenen Menschenseelen, die aus seinem Kreise heraus, aus dem Kreise heraus, mit dem er karmisch verbunden ist, durch des Todes Pforten gegangen sind, also sich bereits im geistigen Reiche aufhalten. Das Verhältnis zu den sogenannten Toten wird immer wieder und wiederum ein höchstes Interesse abgeben für das Verhältnis des Menschen zur geistigen Welt. Gerade an diesem Verhältnis zeigt sich ganz besonders, wie prinzipiell anders die Anschauung der geistigen Welt an den Menschen herantritt als die Anschauung der physisch-sinnlichen Welt. Ich habe es ja öfters erwähnt: Wenn sich der Mensch der geistigen Welt gegenüberstellt, so kommt es sehr häufig vor, daß er geradezu radikal brechen muß mit den Vorstellungen, die er sich über das physische Dasein gebildet hat; radikal brechen deshalb, weil die Dinge und die Vorgänge der geistigen Welt oftmals gerade durch entgegengesetzte Begriffe erfaßt werden müssen als die Dinge der physischen Welt. Nur darf man nicht glauben, daß man zu einer Erkenntnis der geistigen Welt kommen kann, wenn man sich etwa vorstellt, daß man die physische Welt nur einfach auf den Kopf zu stellen, alles umzukehren brauche. Das ist nicht der Fall. Es muß jedes einzelne besonders erfahren, besonders untersucht werden. Aber gerade wenn es sich um das Verhältnis des Menschen zu den sogenannten Toten handelt, da liegt — für die Anschauung zunächst wenigstens — die Sache allerdings so, daß wir den gewöhnlichen, den physischen Begriffen entgegengesetzte Begriffe uns aneignen müssen.
[ 3 ] Der Geistesforscher kann zunächst nur erzählen, wie die Dinge sind. Dasjenige, was er insbesondere aber über das Verhältnis zu den sogenannten Toten zu erzählen hat, das ist in der Wirklichkeit bei jedem Menschen mehr oder weniger vorhanden, nur bleibt es, wenn der Mensch nicht ein Geistesforscher ist, im Unterbewußten. Ich werde also Dinge erzählen, die für Sie alle vorhanden sind. Ich werde von Verhältnissen zu den sogenannten Toten sprechen, in denen Sie alle drinnenstehen. Nur liegt das Drinnenstehen zunächst im Unbewußten. Geisteswissenschaft hat die Dinge ins Bewußtsein heraufzuholen.
[ 3 ] Der Geistesforscher kann zunächst nur erzählen, wie die Dinge sind. Dasjenige, was er insbesondere aber über das Verhältnis zu den sogenannten Toten zu erzählen hat, das ist in der Wirklichkeit bei jedem Menschen mehr oder weniger vorhanden, nur bleibt es, wenn der Mensch nicht ein Geistesforscher ist, im Unterbewußten. Ich werde also Dinge erzählen, die für Sie alle vorhanden sind. Ich werde von Verhältnissen zu den sogenannten Toten sprechen, in denen Sie alle drinnenstehen. Nur liegt das Drinnenstehen zunächst im Unbewußten. Geisteswissenschaft hat die Dinge ins Bewußtsein heraufzuholen.
[ 4 ] Nehmen Sie einmal an: Derjenige, dem sich die geistige Welt geoffenbart hat, steht einem bestimmten Toten gegenüber. Da zeigt sich, daß, wenn wir uns sprechend an den Toten richten, wir dies dann selbstverständlich nicht mit physischen Worten tun, sondern in Gedanken. Wenn wir uns denkend-sprechend an den Toten wenden, dann tritt, wenn das Verhältnis zum Toten ein reales, ein wirkliches ist, das Empfinden ein: Das, was man selbst den Toten frägt, oder was man dem Toten mitteilt, das kommt von ihm. — Nicht wahr, aus dem physischen Leben sind wir gewöhnt, uns die Sache so vorzustellen: Wenn wir irgend jemanden etwas fragen, ihm etwas sagen, so hören wir uns selbst sprechen, wir richten die Worte an ihn. Gerade umgekehrt ist es, wenn wir in das Verhältnis zum Toten treten. Da haben wir, wenn wir ihm etwas mitteilen wollen und das Verhältnis ein wirkliches sein soll, das Gefühl: Wir selbst sind innerlich in aller Ruhe. Denn wenn dasjenige, was wir zu fragen oder mitzuteilen haben, wirklich an ihn herankommt, dann scheint es uns für die Anschauung so, als ob die Worte, also die Gedanken, von ihm zu uns kämen. Da spricht er zu uns. Und was er uns sagt, das steigt aus den Tiefen unserer eigenen Seele als eine Antwort oder als Mitteilung herauf. Das Verhältnis, das ich eben geschildert habe, das ganz umgekehrt ist zum Verhältnis, in dem wir stehen zu einem Menschen auf dem physischen Plan, das ist natürlich etwas, worauf der Mensch deshalb im gewöhnlichen Leben nicht leicht aufmerksam wird, weil es ganz anders ist als das, woran er gewöhnt ist. Würde es der Mensch nicht so außergewöhnlich schwer damit haben, sich an Ungewohntes zu gewöhnen, so würden viel mehr Menschen erzählen können von ihrem Verhältnis zu den Toten.
[ 4 ] Nehmen Sie einmal an: Derjenige, dem sich die geistige Welt geoffenbart hat, steht einem bestimmten Toten gegenüber. Da zeigt sich, daß, wenn wir uns sprechend an den Toten richten, wir dies dann selbstverständlich nicht mit physischen Worten tun, sondern in Gedanken. Wenn wir uns denkend-sprechend an den Toten wenden, dann tritt, wenn das Verhältnis zum Toten ein reales, ein wirkliches ist, das Empfinden ein: Das, was man selbst den Toten frägt, oder was man dem Toten mitteilt, das kommt von ihm. — Nicht wahr, aus dem physischen Leben sind wir gewöhnt, uns die Sache so vorzustellen: Wenn wir irgend jemanden etwas fragen, ihm etwas sagen, so hören wir uns selbst sprechen, wir richten die Worte an ihn. Gerade umgekehrt ist es, wenn wir in das Verhältnis zum Toten treten. Da haben wir, wenn wir ihm etwas mitteilen wollen und das Verhältnis ein wirkliches sein soll, das Gefühl: Wir selbst sind innerlich in aller Ruhe. Denn wenn dasjenige, was wir zu fragen oder mitzuteilen haben, wirklich an ihn herankommt, dann scheint es uns für die Anschauung so, als ob die Worte, also die Gedanken, von ihm zu uns kämen. Da spricht er zu uns. Und was er uns sagt, das steigt aus den Tiefen unserer eigenen Seele als eine Antwort oder als Mitteilung herauf. Das Verhältnis, das ich eben geschildert habe, das ganz umgekehrt ist zum Verhältnis, in dem wir stehen zu einem Menschen auf dem physischen Plan, das ist natürlich etwas, worauf der Mensch deshalb im gewöhnlichen Leben nicht leicht aufmerksam wird, weil es ganz anders ist als das, woran er gewöhnt ist. Würde es der Mensch nicht so außergewöhnlich schwer damit haben, sich an Ungewohntes zu gewöhnen, so würden viel mehr Menschen erzählen können von ihrem Verhältnis zu den Toten.
[ 5 ] Nehmen Sie einen besonderen Fall. Sie stehen ja immer in Verhältnissen zu irgendwelchen karmisch mit Ihnen verbundenen Toten. Wenn Sie dieses Verhältnis zu einem besonders innigen, zu einem besonders realen gestalten wollen, dann tun Sie gut, vorerst eine wichtige Regel ins Auge zu fassen, nämlich, daß abstrakte Gedanken, abstrakte Vorstellungen am wenigsten Bedeutung haben für die geistige Welt. Alles, was im Abstrakten bleibt, das reicht nicht hinüber in die geistige Welt. Also wenn Sie nur in abstracto, sagen wir, an den Toten denken, wenn Sie — man kann das auch so sagen — abstrakt den Toten lieben, so kommt nicht viel hinüber. Dagegen wenn Sie stark dieses Verhältnis an Konkretes anknüpfen, dann kommt es hinüber. Ich meine so: Sie erinnern sich zum Beispiel an eine bestimmte Situation, in der Sie, als der Tote noch lebte, mit ihm waren. Sie stellen sich ganz genau gegenständlich vor: So stand oder saß er Ihnen gegenüber, so gingen Sie mit ihm auf einem Spaziergang. Sie stellen sich ihn in ganz konkreten Situationen vor, malen sich aus, wie es war, was er gesagt hat, was Sie zu ihm gesagt haben, malen sich aus den Ton seiner Stimme und versuchen — was ja das Schwierigste ist —, die Gefühle, die Sie ihm gegenüber gehegt haben, wiederum in Ihrer Seele gegenwärtig werden zu lassen. An Bestimmtes, das Sie mit ihm erlebt haben, knüpfen Sie an. Und dann versuchen Sie, von da ausgehend, sagen wir, etwas zum Toten zu sagen, was Sie, wenn er noch lebte, aus irgendeiner Situation heraus sagen würden, was Sie ihn fragen wollen, was Sie ihm sagen wollen. Und das machen Sie so durch, wie wenn er noch da wäre, wiederum ganz konkret. Das reicht hinüber. In dem Augenblick, in dem Sie das Gefühl haben: Jetzt teile ich dem Toten etwas mit —, oder: Jetzt frage ich den Toten noch etwas —, da wird die Verbindung sich allerdings nicht unmittelbar herstellen. Man muß in dieser Beziehung mit der Zeit rechnen. Die Zeit ist wirklich etwas, was für das geistige Leben eine ganz andere Bedeutung noch hat, als hier im physischen Dasein.
[ 5 ] Nehmen Sie einen besonderen Fall. Sie stehen ja immer in Verhältnissen zu irgendwelchen karmisch mit Ihnen verbundenen Toten. Wenn Sie dieses Verhältnis zu einem besonders innigen, zu einem besonders realen gestalten wollen, dann tun Sie gut, vorerst eine wichtige Regel ins Auge zu fassen, nämlich, daß abstrakte Gedanken, abstrakte Vorstellungen am wenigsten Bedeutung haben für die geistige Welt. Alles, was im Abstrakten bleibt, das reicht nicht hinüber in die geistige Welt. Also wenn Sie nur in abstracto, sagen wir, an den Toten denken, wenn Sie — man kann das auch so sagen — abstrakt den Toten lieben, so kommt nicht viel hinüber. Dagegen wenn Sie stark dieses Verhältnis an Konkretes anknüpfen, dann kommt es hinüber. Ich meine so: Sie erinnern sich zum Beispiel an eine bestimmte Situation, in der Sie, als der Tote noch lebte, mit ihm waren. Sie stellen sich ganz genau gegenständlich vor: So stand oder saß er Ihnen gegenüber, so gingen Sie mit ihm auf einem Spaziergang. Sie stellen sich ihn in ganz konkreten Situationen vor, malen sich aus, wie es war, was er gesagt hat, was Sie zu ihm gesagt haben, malen sich aus den Ton seiner Stimme und versuchen — was ja das Schwierigste ist —, die Gefühle, die Sie ihm gegenüber gehegt haben, wiederum in Ihrer Seele gegenwärtig werden zu lassen. An Bestimmtes, das Sie mit ihm erlebt haben, knüpfen Sie an. Und dann versuchen Sie, von da ausgehend, sagen wir, etwas zum Toten zu sagen, was Sie, wenn er noch lebte, aus irgendeiner Situation heraus sagen würden, was Sie ihn fragen wollen, was Sie ihm sagen wollen. Und das machen Sie so durch, wie wenn er noch da wäre, wiederum ganz konkret. Das reicht hinüber. In dem Augenblick, in dem Sie das Gefühl haben: Jetzt teile ich dem Toten etwas mit —, oder: Jetzt frage ich den Toten noch etwas —, da wird die Verbindung sich allerdings nicht unmittelbar herstellen. Man muß in dieser Beziehung mit der Zeit rechnen. Die Zeit ist wirklich etwas, was für das geistige Leben eine ganz andere Bedeutung noch hat, als hier im physischen Dasein.
[ 6 ] Wenn Sie selbst auch nicht Geistesforscher sind, so können Sie doch durchaus, so daß es eine Wirklichkeit ist, durch das, was ich eben charakterisiert habe, eine Verbindung mit dem Toten herstellen. Aber es wird gewissermaßen sich die Zeit selber abwarten, damit dasjenige, was Sie einem Toten hinübersenden wollen, wirklich zu ihm hinüberkommt. Zumeist wird sich bei dem, der nicht bewußt eingeweiht ist, der nicht bewußt eine Beziehung zur geistigen Welt hat, die Sache so stellen, daß ein Augenblick besonders wichtig sich ausnimmt für die Herstellung dieses Verhältnisses zum Toten: das ist der Augenblick des Einschlafens. Der Augenblick des Überganges vom Wachen zum Schlafen ist zugleich der Augenblick, der zumeist das, was Sie in des Tages Lauf an den Toten gerichtet haben, wie ich es geschildert habe, zum Toten hinüberträgt. Der Weg, der Sie selber hineinführt in die geistige Welt mit dem Einschlafen, der führt das, was Sie zum Toten hinaufgerichtet haben, auch in das Reich des Toten hinein. Daher müssen Sie vorsichtig sein in der Auslegung von Träumen. Träume sind sehr häufig nur Reminiszenzen, Erinnerungen an das Tagesleben, aber sie brauchen es nicht zu sein; sie können durchaus Spiegelungen von Wirklichkeiten sein. Und insbesondere sind — nicht immer, aber sehr häufig — diejenigen Träume, in denen von Toten geträumt wird, tatsächlich herrührend von dem Zusammenhang mit wirklichen Toten. Aber die Menschen glauben gewöhnlich, was ihnen im Traum erscheint, was ihnen der Tote mitteilt, das sei so unmittelbar eine Wirklichkeit, wie es im Traume erscheint. So ist es nicht, sondern was Sie mitteilen wollten an den Toten beim Einschlafen, das nimmt der Tote auf, und was im Traume erscheint, das ist, wie er es aufnimmt. Also gerade wenn der Tote im Traume Ihnen etwas mitteilt, so ist es dasjenige, was Ihnen anzeigen soll, daß Sie ihm etwas mitteilen konnten. Da haben Sie das, was ich charakterisiert habe: Ste können viel eher, als daß Sie glauben, im Traume erscheine Ihnen der Tote und sage Ihnen etwas, sagen: Ich habe geträumt vom Toten, also ist das, was ich dem Toten gesagt habe, wirklich an den Toten herangekommen; er zeigt mir, indem ich von ihm träume, daß das zu ihm gelangt ist, was ich ihm mitteilen wollte.
[ 6 ] Wenn Sie selbst auch nicht Geistesforscher sind, so können Sie doch durchaus, so daß es eine Wirklichkeit ist, durch das, was ich eben charakterisiert habe, eine Verbindung mit dem Toten herstellen. Aber es wird gewissermaßen sich die Zeit selber abwarten, damit dasjenige, was Sie einem Toten hinübersenden wollen, wirklich zu ihm hinüberkommt. Zumeist wird sich bei dem, der nicht bewußt eingeweiht ist, der nicht bewußt eine Beziehung zur geistigen Welt hat, die Sache so stellen, daß ein Augenblick besonders wichtig sich ausnimmt für die Herstellung dieses Verhältnisses zum Toten: das ist der Augenblick des Einschlafens. Der Augenblick des Überganges vom Wachen zum Schlafen ist zugleich der Augenblick, der zumeist das, was Sie in des Tages Lauf an den Toten gerichtet haben, wie ich es geschildert habe, zum Toten hinüberträgt. Der Weg, der Sie selber hineinführt in die geistige Welt mit dem Einschlafen, der führt das, was Sie zum Toten hinaufgerichtet haben, auch in das Reich des Toten hinein. Daher müssen Sie vorsichtig sein in der Auslegung von Träumen. Träume sind sehr häufig nur Reminiszenzen, Erinnerungen an das Tagesleben, aber sie brauchen es nicht zu sein; sie können durchaus Spiegelungen von Wirklichkeiten sein. Und insbesondere sind — nicht immer, aber sehr häufig — diejenigen Träume, in denen von Toten geträumt wird, tatsächlich herrührend von dem Zusammenhang mit wirklichen Toten. Aber die Menschen glauben gewöhnlich, was ihnen im Traum erscheint, was ihnen der Tote mitteilt, das sei so unmittelbar eine Wirklichkeit, wie es im Traume erscheint. So ist es nicht, sondern was Sie mitteilen wollten an den Toten beim Einschlafen, das nimmt der Tote auf, und was im Traume erscheint, das ist, wie er es aufnimmt. Also gerade wenn der Tote im Traume Ihnen etwas mitteilt, so ist es dasjenige, was Ihnen anzeigen soll, daß Sie ihm etwas mitteilen konnten. Da haben Sie das, was ich charakterisiert habe: Ste können viel eher, als daß Sie glauben, im Traume erscheine Ihnen der Tote und sage Ihnen etwas, sagen: Ich habe geträumt vom Toten, also ist das, was ich dem Toten gesagt habe, wirklich an den Toten herangekommen; er zeigt mir, indem ich von ihm träume, daß das zu ihm gelangt ist, was ich ihm mitteilen wollte.
[ 7 ] Für das Zurückkommen einer Mitteilung des Toten — sagen wir einer Antwort oder dergleichen — ist wiederum der Moment des Aufwachens von besonderer Bedeutung. Herübergetragen wird aus den geistigen Reichen das, was der Tote uns Lebenden, wie wir sagen, mitzuteilen hat, im Moment des Aufwachens. Und dann kommt es aus den Tiefen der eigenen Seele herauf. Das ist den Menschen eigentümlich, daß sie nicht gerne achtgeben auf dasjenige, was aus den Tiefen der eigenen Seele heraufkommt. In unserer Zeit haben die Menschen überhaupt nicht viel Sinn für das Achtgeben auf das, was aus den Tiefen der Seele heraufkommt. Die Menschen wollen sich gerne von der Außenwelt nur beeindrucken lassen, wollen nur das aufnehmen, was Außenwelt ist; sie möchten sich am liebsten betäuben gegen das, was aus der Tiefe der Seele heraufsteigt. Aber wenn einer in Wirklichkeit gewahr wird: Aus den Tiefen der Seele steigt etwas herauf, ein Gedanke, eine Idee —, so hält er es für seine Eingebung. Das befriedigt die Eitelkeit mehr. Wir halten ja alle Dinge, die so aus der Tiefe heraufkommen, für unsere Eingebung. Sie können das sein, aber meistens ist es nicht der Fall. Meistens sind die Dinge, die als Eingebung aus unserer Seele heraufkommen, die Antwort, die uns die Toten geben. Denn die Toten leben durchaus mit uns. Was also scheinbar aus Ihnen selber spricht, das ist eigentlich dasjenige, was die Toten sagen. Nur kommt es darauf an, daß wir in der richtigen Weise das Erleben deuten. Was im einzelnen gesagt werden kann für den Verkehr mit den Toten, habe ich öfter erwähnt: das Vorlesen und so weiter. Je lebendiger, je gefühlsinniger, je bildhafter namentlich man in diesen Dingen lebt, desto bedeutungsvoller wird sich der Zusammenhang mit dem Toten herstellen.
[ 7 ] Für das Zurückkommen einer Mitteilung des Toten — sagen wir einer Antwort oder dergleichen — ist wiederum der Moment des Aufwachens von besonderer Bedeutung. Herübergetragen wird aus den geistigen Reichen das, was der Tote uns Lebenden, wie wir sagen, mitzuteilen hat, im Moment des Aufwachens. Und dann kommt es aus den Tiefen der eigenen Seele herauf. Das ist den Menschen eigentümlich, daß sie nicht gerne achtgeben auf dasjenige, was aus den Tiefen der eigenen Seele heraufkommt. In unserer Zeit haben die Menschen überhaupt nicht viel Sinn für das Achtgeben auf das, was aus den Tiefen der Seele heraufkommt. Die Menschen wollen sich gerne von der Außenwelt nur beeindrucken lassen, wollen nur das aufnehmen, was Außenwelt ist; sie möchten sich am liebsten betäuben gegen das, was aus der Tiefe der Seele heraufsteigt. Aber wenn einer in Wirklichkeit gewahr wird: Aus den Tiefen der Seele steigt etwas herauf, ein Gedanke, eine Idee —, so hält er es für seine Eingebung. Das befriedigt die Eitelkeit mehr. Wir halten ja alle Dinge, die so aus der Tiefe heraufkommen, für unsere Eingebung. Sie können das sein, aber meistens ist es nicht der Fall. Meistens sind die Dinge, die als Eingebung aus unserer Seele heraufkommen, die Antwort, die uns die Toten geben. Denn die Toten leben durchaus mit uns. Was also scheinbar aus Ihnen selber spricht, das ist eigentlich dasjenige, was die Toten sagen. Nur kommt es darauf an, daß wir in der richtigen Weise das Erleben deuten. Was im einzelnen gesagt werden kann für den Verkehr mit den Toten, habe ich öfter erwähnt: das Vorlesen und so weiter. Je lebendiger, je gefühlsinniger, je bildhafter namentlich man in diesen Dingen lebt, desto bedeutungsvoller wird sich der Zusammenhang mit dem Toten herstellen.
[ 8 ] Es ist nicht bedeutungslos, daß man gerade diese Verhältnisse sich klar vor die Seele führt. Denn unsere Zeit hat es gar sehr notwendig, die Wahrheiten, die sich gerade auf solche Dinge beziehen, wie ich sie jetzt ausgesprochen habe, sich näherkommen zu lassen. Wir leben in einer Zeit, in der seit langen Zeitaltern schon der menschliche Organismus eigentlich im Niedergang begriffen ist. Wir sind alle viel geistiger, viel weiser schon, als es — wegen des Niederganges unseres Leibes — herauskommt. Die griechischen Leiber konnten noch besser widerspiegeln, was der Mensch aus dem Geiste heraus war. Es ist eigentlich schon seit der Mitte der atlantischen Zeit der Mensch im Niedergang in bezug auf seinen Leib, und in unserem Zeitalter wird es besonders stark, daß der Leib nicht mehr das widerspiegeln kann, was der Mensch eigentlich dem Geiste nach ist. So kommt es geradezu ungemein häufig in unserem Zeitalter vor, daß wir, wenn wir sterben — ich möchte es so nennen —, noch nicht fertig sind mit unserer Entwickelung. Wenn man das nur richtig begreifen würde! Wir entwickeln uns das ganze Leben hindurch, aber bewußt kann uns diese Entwickelung nur werden dem Teile nach, den der Körper widerspiegelt. Wir sind zuweilen als Menschen, wenn wir sterben, schon so weise — nur ist unser im Niedergang begriffener Leib nicht fähig, diese Dinge für uns selber herauszubringen —, daß wir noch sehr wichtige Dienste der Erde leisten könnten, nicht bloß dem geistigen Gebiete, sondern der Erde durch unsere Erkenntnisse große Dienste leisten könnten, wenn man sie anwenden könnte. Diese Dienste könnten dann angewendet werden, wenn die Menschen, so wie ich es angedeutet habe, Verhältnisse zu den Toten herstellen würden. Die Toten wollen noch hereinwirken in das physische Leben, aber sie können es nur auf dem Umwege durch Menschenseelen, wenn Menschenseelen sich in der entsprechenden Weise ihnen hingeben.
[ 8 ] Es ist nicht bedeutungslos, daß man gerade diese Verhältnisse sich klar vor die Seele führt. Denn unsere Zeit hat es gar sehr notwendig, die Wahrheiten, die sich gerade auf solche Dinge beziehen, wie ich sie jetzt ausgesprochen habe, sich näherkommen zu lassen. Wir leben in einer Zeit, in der seit langen Zeitaltern schon der menschliche Organismus eigentlich im Niedergang begriffen ist. Wir sind alle viel geistiger, viel weiser schon, als es — wegen des Niederganges unseres Leibes — herauskommt. Die griechischen Leiber konnten noch besser widerspiegeln, was der Mensch aus dem Geiste heraus war. Es ist eigentlich schon seit der Mitte der atlantischen Zeit der Mensch im Niedergang in bezug auf seinen Leib, und in unserem Zeitalter wird es besonders stark, daß der Leib nicht mehr das widerspiegeln kann, was der Mensch eigentlich dem Geiste nach ist. So kommt es geradezu ungemein häufig in unserem Zeitalter vor, daß wir, wenn wir sterben — ich möchte es so nennen —, noch nicht fertig sind mit unserer Entwickelung. Wenn man das nur richtig begreifen würde! Wir entwickeln uns das ganze Leben hindurch, aber bewußt kann uns diese Entwickelung nur werden dem Teile nach, den der Körper widerspiegelt. Wir sind zuweilen als Menschen, wenn wir sterben, schon so weise — nur ist unser im Niedergang begriffener Leib nicht fähig, diese Dinge für uns selber herauszubringen —, daß wir noch sehr wichtige Dienste der Erde leisten könnten, nicht bloß dem geistigen Gebiete, sondern der Erde durch unsere Erkenntnisse große Dienste leisten könnten, wenn man sie anwenden könnte. Diese Dienste könnten dann angewendet werden, wenn die Menschen, so wie ich es angedeutet habe, Verhältnisse zu den Toten herstellen würden. Die Toten wollen noch hereinwirken in das physische Leben, aber sie können es nur auf dem Umwege durch Menschenseelen, wenn Menschenseelen sich in der entsprechenden Weise ihnen hingeben.
[ 9 ] Ich habe wohl schon einmal hier erwähnt, daß ich gerade über diesen Punkt auch wirklich das persönlich Naheliegende aussprechen kann: Ich habe nie geglaubt, daß ich nur literar-historisch oder historisch dasjenige auf Weltanschauungsgebieten verarbeite, was an Goethe anknüpft, sondern ich war immer der Meinung, daß ich nicht nur mit dem Goethe vom Jahre 1832 es zu tun habe, sondern mit dem Goethe vom Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts: mit dem lebendigen Goethe. Mit dem Goethe, der 1832 vieles hinausgetragen hat aus der physischen Welt, was aber noch hereinwirken kann, wenn man es nur auffassen will. Daher ist das, was ich geschrieben habe, nicht bloß literar-historische Forschung gewesen, sondern Mitteilung dessen, was er mir gesagt hat. Unsere sogenannte Zeitkultur, unsere Zeitbildung wirkt aber radikal dem entgegen, was ich jetzt eben ausgeführt habe.
[ 9 ] Ich habe wohl schon einmal hier erwähnt, daß ich gerade über diesen Punkt auch wirklich das persönlich Naheliegende aussprechen kann: Ich habe nie geglaubt, daß ich nur literar-historisch oder historisch dasjenige auf Weltanschauungsgebieten verarbeite, was an Goethe anknüpft, sondern ich war immer der Meinung, daß ich nicht nur mit dem Goethe vom Jahre 1832 es zu tun habe, sondern mit dem Goethe vom Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts: mit dem lebendigen Goethe. Mit dem Goethe, der 1832 vieles hinausgetragen hat aus der physischen Welt, was aber noch hereinwirken kann, wenn man es nur auffassen will. Daher ist das, was ich geschrieben habe, nicht bloß literar-historische Forschung gewesen, sondern Mitteilung dessen, was er mir gesagt hat. Unsere sogenannte Zeitkultur, unsere Zeitbildung wirkt aber radikal dem entgegen, was ich jetzt eben ausgeführt habe.
[ 10 ] Es ist eigentlich notwendig, daß Geisteswissenschaft immer ans Leben anknüpft, dem Leben fruchtbar gemacht wird. In unserer Zeit herrscht ein Ideal, möchte ich sagen, das ganz und gar dem widerstrebt, was ich eben als eine Eigentümlichkeit unserer Zeit ausgesprochen habe. Dieses Ideal kann man etwa so charakterisieren: Die Menschen streben immer mehr und mehr dahin, an das Leben möglichst wenig zu glauben. Sie glauben eigentlich nur an das Leben bis in die Zwanzigerjahre hinein. Das zeigt sich schon in den praktischen Zielen, welche die Menschen hinstellen. Noch wenn wir nach Griechenland gehen, sieht man: Die Menschen haben daran geglaubt, daß, wenn sie älter werden, sie weiser sind, als wenn sie jung sind. Der ältere Mensch kann bessere Dinge wissen über Staats- und Stadteinrichtungen als ein junger Mensch. Dieser Glaube ist ganz ad acta gelegt, denn das Ideal der meisten Menschen besteht heute darin, das Alter, wo man in Stadt- oder Staatsparlamente gewählt werden kann, so früh wie möglich zu setzen, weil die Menschen nurmehr bis in den Anfang der Zwanzigerjahre hinein an das Leben glauben. Aber das Leben erfordert eigentlich gerade so recht von uns, daß wir an es als ein Ganzes glauben, daß wir an die Entwickelung des ganzen Lebens glauben. Denken Sie nur einmal, wie geändert würde unser soziales Zusammenleben durch moralische Impulse, wenn wir wiederum wüßten: Das ganze Leben läßt den Menschen in Entwickelung sein —, wie sich die Jungen zu den Alten verhalten würden, wenn dies tief eingewurzelt wäre in den Menschenseelen! Denken Sie, was es für ein anderes Bewußtsein gibt, wenn man sich immer wieder und wiederum sagt: Jetzt bin ich eben ein junger Dachs von dreißig, fünfunddreißig Jahren, aber ich werde auch einmal älter werden, und das Älterwerden bedeutet für mich eine Hoffnung, eine Erwartung: es wird etwas herankommen, wenn ich älter werde, was nicht herankommen kann, solange ich jung bin. — Denken Sie, mit wieviel Lebensfreudigkeit und Lebenskraft der Mensch lebt, wenn er dieses Bewußtsein durch sein ganzes Leben bis zum Tode hat und noch vor dem Tode sich sagt: Ja, ich kann gar nicht so weit kommen, alles das, was mir das Leben bietet, hineinzuspiegeln in mein Bewußtsein, ich werde etwas durch den Tod tragen; dann werden die Menschen kommen, die glauben an die Toten und lassen die Toten Mitberater sein. — Denken Sie bloß, für wie blödsinnig man angesehen würde, wenn man dieses, was aber heute ein praktischer Grundsatz werden muß, als solches aussprechen würde. Ich meine es ganz im Ernste, wenn ich sage: Unsere Parlamente über die ganze Erde hin würden wahrhaftig Gescheiteres ausdenken, als sie heute ausdenken, wenn die Toten mitberaten würden, wenn man heute fragen würde: Was sagen nicht nur die jungen Dachse von dreißig, fünfunddreißig Jahren dazu? —, sondern: Was sagt zum Beispiel Goethe, oder was sagen andere Tote dazu, die hundert und so und so viel Jahre alt sind? — Das ist etwas, was unmittelbar praktische Wirklichkeit werden muß gegen die Zukunft hin.
[ 10 ] Es ist eigentlich notwendig, daß Geisteswissenschaft immer ans Leben anknüpft, dem Leben fruchtbar gemacht wird. In unserer Zeit herrscht ein Ideal, möchte ich sagen, das ganz und gar dem widerstrebt, was ich eben als eine Eigentümlichkeit unserer Zeit ausgesprochen habe. Dieses Ideal kann man etwa so charakterisieren: Die Menschen streben immer mehr und mehr dahin, an das Leben möglichst wenig zu glauben. Sie glauben eigentlich nur an das Leben bis in die Zwanzigerjahre hinein. Das zeigt sich schon in den praktischen Zielen, welche die Menschen hinstellen. Noch wenn wir nach Griechenland gehen, sieht man: Die Menschen haben daran geglaubt, daß, wenn sie älter werden, sie weiser sind, als wenn sie jung sind. Der ältere Mensch kann bessere Dinge wissen über Staats- und Stadteinrichtungen als ein junger Mensch. Dieser Glaube ist ganz ad acta gelegt, denn das Ideal der meisten Menschen besteht heute darin, das Alter, wo man in Stadt- oder Staatsparlamente gewählt werden kann, so früh wie möglich zu setzen, weil die Menschen nurmehr bis in den Anfang der Zwanzigerjahre hinein an das Leben glauben. Aber das Leben erfordert eigentlich gerade so recht von uns, daß wir an es als ein Ganzes glauben, daß wir an die Entwickelung des ganzen Lebens glauben. Denken Sie nur einmal, wie geändert würde unser soziales Zusammenleben durch moralische Impulse, wenn wir wiederum wüßten: Das ganze Leben läßt den Menschen in Entwickelung sein —, wie sich die Jungen zu den Alten verhalten würden, wenn dies tief eingewurzelt wäre in den Menschenseelen! Denken Sie, was es für ein anderes Bewußtsein gibt, wenn man sich immer wieder und wiederum sagt: Jetzt bin ich eben ein junger Dachs von dreißig, fünfunddreißig Jahren, aber ich werde auch einmal älter werden, und das Älterwerden bedeutet für mich eine Hoffnung, eine Erwartung: es wird etwas herankommen, wenn ich älter werde, was nicht herankommen kann, solange ich jung bin. — Denken Sie, mit wieviel Lebensfreudigkeit und Lebenskraft der Mensch lebt, wenn er dieses Bewußtsein durch sein ganzes Leben bis zum Tode hat und noch vor dem Tode sich sagt: Ja, ich kann gar nicht so weit kommen, alles das, was mir das Leben bietet, hineinzuspiegeln in mein Bewußtsein, ich werde etwas durch den Tod tragen; dann werden die Menschen kommen, die glauben an die Toten und lassen die Toten Mitberater sein. — Denken Sie bloß, für wie blödsinnig man angesehen würde, wenn man dieses, was aber heute ein praktischer Grundsatz werden muß, als solches aussprechen würde. Ich meine es ganz im Ernste, wenn ich sage: Unsere Parlamente über die ganze Erde hin würden wahrhaftig Gescheiteres ausdenken, als sie heute ausdenken, wenn die Toten mitberaten würden, wenn man heute fragen würde: Was sagen nicht nur die jungen Dachse von dreißig, fünfunddreißig Jahren dazu? —, sondern: Was sagt zum Beispiel Goethe, oder was sagen andere Tote dazu, die hundert und so und so viel Jahre alt sind? — Das ist etwas, was unmittelbar praktische Wirklichkeit werden muß gegen die Zukunft hin.
[ 11 ] Es gibt heute gewisse, nun, sagen wir Geheimgesellschaften; sie pflegen allerlei alte Symbole. Sie täten besser, wenn sie ihre Zeit verstehen würden und sich zu Stätten machen würden, wo erforscht wird der Ratschlag der Toten. Das ist so unendlich bedeutsam! Denn die Menschheit kommt nicht vorwärts, wenn sie nicht mit dem Bewußtsein sich durchdringt: das Göttlich-Geistige wirkt in der Entwickelung unseres ganzen Lebens; wir sind nicht in den Zwanzigerjahren fertig.
[ 11 ] Es gibt heute gewisse, nun, sagen wir Geheimgesellschaften; sie pflegen allerlei alte Symbole. Sie täten besser, wenn sie ihre Zeit verstehen würden und sich zu Stätten machen würden, wo erforscht wird der Ratschlag der Toten. Das ist so unendlich bedeutsam! Denn die Menschheit kommt nicht vorwärts, wenn sie nicht mit dem Bewußtsein sich durchdringt: das Göttlich-Geistige wirkt in der Entwickelung unseres ganzen Lebens; wir sind nicht in den Zwanzigerjahren fertig.
[ 12 ] Ich habe Sie auch hier schon aufmerksam gemacht: In älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung war es so, daß die Menschen rein durch ihre physisch-körperliche Entwickelung das ganze Leben hindurch eine Entwickelung fühlten auch seelisch-geistig. Wie der Mensch heute nur in der Geschlechtsreife oder sonst nur bis in die Zwanzigerjahre hinein das seelisch-geistige Leben mitgehend fühlt mit dem physisch-leiblichen, so fühlte man in den uralten Zeiten bis in die Vierziger-, Fünfzigerjahre hinauf das Seelisch-Geistige abhängig vom Physisch-Leiblichen. Aber vom fünfunddreißigsten Jahre ab, wenn man entwickelungsfähig bleibt, entwickeln sich, weil der Leib dann abwärtsgeht, gerade die geistigen Kräfte, zu denen der Mensch nicht kommt, wenn er sie nicht hervorsprießen läßt durch die Geisteswissenschaft. Früher verehrte man die Alten, weil man wußte: In ihnen offenbart sich etwas, was sich eben der Jugend noch nicht offenbaren kann. Ich habe darauf aufmerksam gemacht: Die Menschheit wird immer jünger. Wenn wir in die urindische Kultur zurückgehen, so war es da so, daß damals die Menschen bis in die Fünfzigerjahre hinauf entwickelungsfähig blieben. In der urpersischen Kultur blieben sie entwickelungsfähig bis in die Vierzigerjahre, in der ägyptisch-chaldäischen Kultur bis in die zweite Hälfte der Dreißigerjahre, in der griechisch-lateinischen Kultur bis ins fünfunddreißigste Jahr. Als die griechisch-lateinische Kultur zu Ende ging im 15. Jahrhundert, da waren die Menschen nur noch entwickelungsfähig bis zum achtundzwanzigsten Jahr, heute bis zum siebenundzwanzigsten Jahr. Welcher Mensch ist für die heutige Zeit daher wohl besonders charakteristisch, für dieses heutige Zeitalter der materialistischen Entwickelung? Sehen Sie, das wäre ein Mensch, der es ganz und gar ablehnte, aus der Seele heraus sich anregen zu lassen für eine geistige Entwickelung, der nur das aufnimmt, was von außen in ihn einströmt, was die Gegenwart selbst hergibt.
[ 12 ] Ich habe Sie auch hier schon aufmerksam gemacht: In älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung war es so, daß die Menschen rein durch ihre physisch-körperliche Entwickelung das ganze Leben hindurch eine Entwickelung fühlten auch seelisch-geistig. Wie der Mensch heute nur in der Geschlechtsreife oder sonst nur bis in die Zwanzigerjahre hinein das seelisch-geistige Leben mitgehend fühlt mit dem physisch-leiblichen, so fühlte man in den uralten Zeiten bis in die Vierziger-, Fünfzigerjahre hinauf das Seelisch-Geistige abhängig vom Physisch-Leiblichen. Aber vom fünfunddreißigsten Jahre ab, wenn man entwickelungsfähig bleibt, entwickeln sich, weil der Leib dann abwärtsgeht, gerade die geistigen Kräfte, zu denen der Mensch nicht kommt, wenn er sie nicht hervorsprießen läßt durch die Geisteswissenschaft. Früher verehrte man die Alten, weil man wußte: In ihnen offenbart sich etwas, was sich eben der Jugend noch nicht offenbaren kann. Ich habe darauf aufmerksam gemacht: Die Menschheit wird immer jünger. Wenn wir in die urindische Kultur zurückgehen, so war es da so, daß damals die Menschen bis in die Fünfzigerjahre hinauf entwickelungsfähig blieben. In der urpersischen Kultur blieben sie entwickelungsfähig bis in die Vierzigerjahre, in der ägyptisch-chaldäischen Kultur bis in die zweite Hälfte der Dreißigerjahre, in der griechisch-lateinischen Kultur bis ins fünfunddreißigste Jahr. Als die griechisch-lateinische Kultur zu Ende ging im 15. Jahrhundert, da waren die Menschen nur noch entwickelungsfähig bis zum achtundzwanzigsten Jahr, heute bis zum siebenundzwanzigsten Jahr. Welcher Mensch ist für die heutige Zeit daher wohl besonders charakteristisch, für dieses heutige Zeitalter der materialistischen Entwickelung? Sehen Sie, das wäre ein Mensch, der es ganz und gar ablehnte, aus der Seele heraus sich anregen zu lassen für eine geistige Entwickelung, der nur das aufnimmt, was von außen in ihn einströmt, was die Gegenwart selbst hergibt.
[ 13 ] Stellen wir ideell, möchte ich sagen, eine Figur hin, die besonders für die Gegenwart charakteristisch ist. Es wäre eine solche Persönlichkeit, die nichts von unseren intellektuellen Gymnasien durchmacht — denn da nimmt man Altes auf, da regt man schon die Seele an —, sondern die nur das, was von außen an die Menschen herandringt, in sich aufnimmt. Ein Selfmademan, ein Selbst-sich-Machender Mensch, der auch sonst, was man an Gefühlen, an Empfindungen, an Emotionen heute aus der Wirklichkeit erlebt, in sich aufnimmt. Also der vom siebenten, achten, neunten Jahre an so heranwächst mit dem gewissen sozialen Widerwillen gegen die bevorzugten KRlassen, der nicht das Hütchen zieht vor irgendeinem, der einen Titel oder eine Macht hat oder dergleichen, der dann nicht eine griechisch-lateinische Schule besucht, sondern durch das Leben allein lernt. Der dann einen advokat-ähnlichen Beruf bekommt, auch wieder nicht dadurch, daß er Advokatur studiert, sondern dadurch, daß er praktisch in einer Kanzlei die Sache durchmacht und sich durchringt; an den dann wieder bis zum siebenundzwanzigsten Jahr alles herandringt, was aber nicht auf außergewöhnliche Weise durch Wiederholung von alter Kultur an ihn kommt, sondern was die Gegenwart an ihn heranbringen kann. Im siebenundzwanzigsten Jahr müßte er sich ins Parlament wählen lassen. Dann tritt er vor die Mitwelt, und so wie er sich bis dahin von selbst entwickelt hat, gibt er sich den Menschen, glaubt nicht an Weiterentwickelung. Man kann aus dem Parlament heraus Minister werden. Entwickelung ist da nicht mehr gut nach der Ansicht unserer Zeitgenossen, sonst sagen die Menschen, man widerspricht sich, man habe früher etwas ganz anderes gesagt, und jetzt widerspreche man sich. Wenn man ins Parlament gewählt wird, kann man nicht mehr etwas anderes sagen. — Gibt es solch einen Menschen in der Gegenwart? Wissen Sie einen besonders charakteristischen Menschen, der der konzentrierteste Ausfluß dieser gegenwärtigen Zeit ist? Das ist Lloyd George. Man kann heute nicht hinter die Eigentümlichkeit gewisser Zeitgenossen kommen, wenn man diese Dinge nicht ins Auge faßt, nicht wirklich die Eigentümlichkeit des Menschen in dieser Weise ins Auge faßt. Lloyd George ist ein Sich-selbst-Machender Mensch. Bis zum siebenundzwanzigsten Jahr hat er nur das aufgenommen, was die Gegenwart von selbst hergibt; aber weil er gar nicht einen inneren Antrieb der Seele hat, hört es mit siebenundzwanzig Jahren auf. Er wird dann ins Parlament gewählt. Lloyd George ist im Parlament, sitzt da mit seinen verschränkten Armen, mit seinen etwas nach innen, nach den Achsen sich stellenden Augen, treffend überall sprechend, auf die Schwächen seiner Gegner achtgebend. Nun kam das Ministerium Campbell-Bannerman. Man frägt sich: Was soll man machen mit dem Lloyd George? Er kritisiert alles, was man im Ministerium macht! — Was tut man? Nun, man nimmt ihn in das Ministerium hinein; drinnen kann er weniger Opposition machen als draußen. Er wird Minister. Und es erweist sich, daß er in kürzester Zeit sich auch in diese Situation findet, denn er ist so recht ein Repräsentant unserer Zeit. Nun fragen sich natürlich die Menschen: Welches Portefeuille geben wir dem Lloyd George? — Da handelte es sich doch darum, daß er ein fähiger Mensch ist. Da kamen sie überein, ihm zu geben, was er nicht verstand: das Portefeuille der öffentlichen Arbeiten, der öffentlichen Bauten. Aber siehe da: In drei Monaten hatte er sich hineingearbeitet und Großartiges geleistet als Minister gerade auf diesem Gebiet, von dem er vorher nichts verstanden hat.
[ 13 ] Stellen wir ideell, möchte ich sagen, eine Figur hin, die besonders für die Gegenwart charakteristisch ist. Es wäre eine solche Persönlichkeit, die nichts von unseren intellektuellen Gymnasien durchmacht — denn da nimmt man Altes auf, da regt man schon die Seele an —, sondern die nur das, was von außen an die Menschen herandringt, in sich aufnimmt. Ein Selfmademan, ein Selbst-sich-Machender Mensch, der auch sonst, was man an Gefühlen, an Empfindungen, an Emotionen heute aus der Wirklichkeit erlebt, in sich aufnimmt. Also der vom siebenten, achten, neunten Jahre an so heranwächst mit dem gewissen sozialen Widerwillen gegen die bevorzugten KRlassen, der nicht das Hütchen zieht vor irgendeinem, der einen Titel oder eine Macht hat oder dergleichen, der dann nicht eine griechisch-lateinische Schule besucht, sondern durch das Leben allein lernt. Der dann einen advokat-ähnlichen Beruf bekommt, auch wieder nicht dadurch, daß er Advokatur studiert, sondern dadurch, daß er praktisch in einer Kanzlei die Sache durchmacht und sich durchringt; an den dann wieder bis zum siebenundzwanzigsten Jahr alles herandringt, was aber nicht auf außergewöhnliche Weise durch Wiederholung von alter Kultur an ihn kommt, sondern was die Gegenwart an ihn heranbringen kann. Im siebenundzwanzigsten Jahr müßte er sich ins Parlament wählen lassen. Dann tritt er vor die Mitwelt, und so wie er sich bis dahin von selbst entwickelt hat, gibt er sich den Menschen, glaubt nicht an Weiterentwickelung. Man kann aus dem Parlament heraus Minister werden. Entwickelung ist da nicht mehr gut nach der Ansicht unserer Zeitgenossen, sonst sagen die Menschen, man widerspricht sich, man habe früher etwas ganz anderes gesagt, und jetzt widerspreche man sich. Wenn man ins Parlament gewählt wird, kann man nicht mehr etwas anderes sagen. — Gibt es solch einen Menschen in der Gegenwart? Wissen Sie einen besonders charakteristischen Menschen, der der konzentrierteste Ausfluß dieser gegenwärtigen Zeit ist? Das ist Lloyd George. Man kann heute nicht hinter die Eigentümlichkeit gewisser Zeitgenossen kommen, wenn man diese Dinge nicht ins Auge faßt, nicht wirklich die Eigentümlichkeit des Menschen in dieser Weise ins Auge faßt. Lloyd George ist ein Sich-selbst-Machender Mensch. Bis zum siebenundzwanzigsten Jahr hat er nur das aufgenommen, was die Gegenwart von selbst hergibt; aber weil er gar nicht einen inneren Antrieb der Seele hat, hört es mit siebenundzwanzig Jahren auf. Er wird dann ins Parlament gewählt. Lloyd George ist im Parlament, sitzt da mit seinen verschränkten Armen, mit seinen etwas nach innen, nach den Achsen sich stellenden Augen, treffend überall sprechend, auf die Schwächen seiner Gegner achtgebend. Nun kam das Ministerium Campbell-Bannerman. Man frägt sich: Was soll man machen mit dem Lloyd George? Er kritisiert alles, was man im Ministerium macht! — Was tut man? Nun, man nimmt ihn in das Ministerium hinein; drinnen kann er weniger Opposition machen als draußen. Er wird Minister. Und es erweist sich, daß er in kürzester Zeit sich auch in diese Situation findet, denn er ist so recht ein Repräsentant unserer Zeit. Nun fragen sich natürlich die Menschen: Welches Portefeuille geben wir dem Lloyd George? — Da handelte es sich doch darum, daß er ein fähiger Mensch ist. Da kamen sie überein, ihm zu geben, was er nicht verstand: das Portefeuille der öffentlichen Arbeiten, der öffentlichen Bauten. Aber siehe da: In drei Monaten hatte er sich hineingearbeitet und Großartiges geleistet als Minister gerade auf diesem Gebiet, von dem er vorher nichts verstanden hat.
[ 14 ] Das ist schon eine charakteristische Figur der Gegenwart. Solche gibt es in dem einen oder anderen Sinne viele. Sie brauchen nur zu fragen: Welche Menschen sind es, die bis zum siebenundzwanzigsten Jahr — das ist ja heute das Grenzjahr — sich so entwickelt haben, daß sie aufgenommen haben, was die Umgebung hergibt, dann gleich ins öffentliche Leben getreten sind und ihre Entwickelung nicht mehr fortgesetzt haben?
[ 14 ] Das ist schon eine charakteristische Figur der Gegenwart. Solche gibt es in dem einen oder anderen Sinne viele. Sie brauchen nur zu fragen: Welche Menschen sind es, die bis zum siebenundzwanzigsten Jahr — das ist ja heute das Grenzjahr — sich so entwickelt haben, daß sie aufgenommen haben, was die Umgebung hergibt, dann gleich ins öffentliche Leben getreten sind und ihre Entwickelung nicht mehr fortgesetzt haben?
[ 15 ] Eine Persönlichkeit, die uns etwas näher liegt, ist Matthias Erzberger. Studieren Sie seine Biographie, und Sie werden dasselbe finden, wenn Sie sie in dieser Weise okkultistisch ins Auge fassen. Das ist etwas, was wie eine ganz merkwürdige Art herauftritt in der Zeitbildung. So ein wenig okkultistisch dem Menschen ins Herz hineinzuschauen aber, das ist etwas, was in die Entwickelungsgeschichte der Menschheit einlaufen muß. Sie sehen, wie sich die Zeitkultur enthüllt, wenn man in dieser Weise dahinterkommt. Nun fordert allerdings die Zeitkultur von uns, daß wir tiefer eindringen können, als man das gerade heute gewohnt ist. Das aber wird nur möglich sein, wenn man sich bewußt wird, daß die Toten mitsprechen. Das werden natürlich diejenigen, die so recht charakteristische Repräsentanten unserer Zeit sind, im eminentesten Sinne ablehnen.
[ 15 ] Eine Persönlichkeit, die uns etwas näher liegt, ist Matthias Erzberger. Studieren Sie seine Biographie, und Sie werden dasselbe finden, wenn Sie sie in dieser Weise okkultistisch ins Auge fassen. Das ist etwas, was wie eine ganz merkwürdige Art herauftritt in der Zeitbildung. So ein wenig okkultistisch dem Menschen ins Herz hineinzuschauen aber, das ist etwas, was in die Entwickelungsgeschichte der Menschheit einlaufen muß. Sie sehen, wie sich die Zeitkultur enthüllt, wenn man in dieser Weise dahinterkommt. Nun fordert allerdings die Zeitkultur von uns, daß wir tiefer eindringen können, als man das gerade heute gewohnt ist. Das aber wird nur möglich sein, wenn man sich bewußt wird, daß die Toten mitsprechen. Das werden natürlich diejenigen, die so recht charakteristische Repräsentanten unserer Zeit sind, im eminentesten Sinne ablehnen.
[ 16 ] Wenn Sie einen Menschen studieren wollen, an dem Sie das durchgehende Streben nach Weiterentwickelung, dieses unbewußte Glauben an die dauernde Realität des Göttlich-Menschlichen in der menschlichen Seele bis zum Tode hin sehen, so ist es Goethe. Goethe ist nach dieser Richtung viel charakteristischer, als man eigentlich gewöhnlich meint. Goethe hat auf das Zeitalter, auf die Jahre des Lebens zurückblicken wollen, in denen er aufgenommen hat aus der Außenwelt dasjenige, was die Außenwelt hereinbringt, aber er hat seine Entwickelung fortsetzen wollen. Er hat in «Dichtung und Wahrheit» sein Jugendleben geschildert. Es bricht mit dem Eintritt in Weimar ab. 1749 geboren, kommt er 1775 nach Weimar, setzt also ungefähr die Betrachtung seines Lebens, so wie er sie darstellen will, fort bis zum sechsundzwanzigsten Jahr, schließt vor dem siebenundzwanzigsten Jahr, weil er unbewußt weiß, daß da ein besonders bedeutungsvoller Augenblick vorliegt. Im fünfunddreißigsten Jahr erlebt der Mensch einen Augenblick, den er heute zumeist verschläft. Es ist der Augenblick, wo das aufsprießende, aufsteigende Leben übergeht in das absteigende in bezug auf den Leib. Aber dann wird gerade der Geist zu der Fähigkeit getrieben, sich zu offenbaren, und immer mehr und mehr sich zu offenbaren.
[ 16 ] Wenn Sie einen Menschen studieren wollen, an dem Sie das durchgehende Streben nach Weiterentwickelung, dieses unbewußte Glauben an die dauernde Realität des Göttlich-Menschlichen in der menschlichen Seele bis zum Tode hin sehen, so ist es Goethe. Goethe ist nach dieser Richtung viel charakteristischer, als man eigentlich gewöhnlich meint. Goethe hat auf das Zeitalter, auf die Jahre des Lebens zurückblicken wollen, in denen er aufgenommen hat aus der Außenwelt dasjenige, was die Außenwelt hereinbringt, aber er hat seine Entwickelung fortsetzen wollen. Er hat in «Dichtung und Wahrheit» sein Jugendleben geschildert. Es bricht mit dem Eintritt in Weimar ab. 1749 geboren, kommt er 1775 nach Weimar, setzt also ungefähr die Betrachtung seines Lebens, so wie er sie darstellen will, fort bis zum sechsundzwanzigsten Jahr, schließt vor dem siebenundzwanzigsten Jahr, weil er unbewußt weiß, daß da ein besonders bedeutungsvoller Augenblick vorliegt. Im fünfunddreißigsten Jahr erlebt der Mensch einen Augenblick, den er heute zumeist verschläft. Es ist der Augenblick, wo das aufsprießende, aufsteigende Leben übergeht in das absteigende in bezug auf den Leib. Aber dann wird gerade der Geist zu der Fähigkeit getrieben, sich zu offenbaren, und immer mehr und mehr sich zu offenbaren.
[ 17 ] Es ist ein wichtiger Augenblick des menschlichen Lebens, dieses fünfunddreißigste Lebensjahr. Das ist geradezu etwas, wo der Mensch seine Seele im physischen Leben erst richtig gebiert. Fragen Sie sich, wie für einen solchen Menschen wie Goethe, der sein ganzes Leben hindurch entwickelungsfähig geblieben ist, dieses sich herausstellt. 1786 — das ist nach dem fünfunddreißigsten Jahr, gerade die wichtige Zeit vom fünfunddreißigsten bis zweiundvierzigsten Jahr — geht Goethe nach Italien. Wenn Sie sich intimer mit der Goethe-Biographie befassen, werden Sie sehen, was das für einen Umschwung in seinem Leben bedeutet. Ich habe in einem Aufsatze nachgewiesen, der jetzt in einem kleinen Buche erscheinen wird: «Goethes Geistesart in ihrer Offenbarung durch seinen Faust und durch das Märchen von der Schlange und der Lilie», wie Goethe eigentlich persönlich zu seinem Faust steht. Mit ein paar Andeutungen wenigstens habe ich es besprochen. Gerade mit Bezug auf dieses wird man durch das, was sonst geschrieben ist, eher verwirrt als aufgeklärt. Das ist nicht besonders wichtig, worauf selbstgefällig die Menschen zumeist deuten, daß Faust gleich am Anfang sagt:
[ 17 ] Es ist ein wichtiger Augenblick des menschlichen Lebens, dieses fünfunddreißigste Lebensjahr. Das ist geradezu etwas, wo der Mensch seine Seele im physischen Leben erst richtig gebiert. Fragen Sie sich, wie für einen solchen Menschen wie Goethe, der sein ganzes Leben hindurch entwickelungsfähig geblieben ist, dieses sich herausstellt. 1786 — das ist nach dem fünfunddreißigsten Jahr, gerade die wichtige Zeit vom fünfunddreißigsten bis zweiundvierzigsten Jahr — geht Goethe nach Italien. Wenn Sie sich intimer mit der Goethe-Biographie befassen, werden Sie sehen, was das für einen Umschwung in seinem Leben bedeutet. Ich habe in einem Aufsatze nachgewiesen, der jetzt in einem kleinen Buche erscheinen wird: «Goethes Geistesart in ihrer Offenbarung durch seinen Faust und durch das Märchen von der Schlange und der Lilie», wie Goethe eigentlich persönlich zu seinem Faust steht. Mit ein paar Andeutungen wenigstens habe ich es besprochen. Gerade mit Bezug auf dieses wird man durch das, was sonst geschrieben ist, eher verwirrt als aufgeklärt. Das ist nicht besonders wichtig, worauf selbstgefällig die Menschen zumeist deuten, daß Faust gleich am Anfang sagt:
Habe nun, ach, Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und, leider! auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor
Und bin so klug als wie zuvor ...
Habe nun, ach, Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und, leider! auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor
Und bin so klug als wie zuvor ...
[ 18 ] Selbstgefällig heben da die Leute hervor: Der hat alle vier Fakultäten durchgemacht und ist auf keinen grünen Zweig gekommen, zweifelt an allem Wissen. — Besonders die Schauspieler haben oft das Gefühl, daß sie die vier Fakultäten verachten müssen. Das ist aber gar nicht das Charakteristische, das ist nicht das spezifisch Goethesche, worauf es ankommt, das ist nur ein Auftakt. Das haben im Zeitalter Goethes viele Menschen gesagt. Da, wo das Goethesche im Faust eintritt, da wird es anders. Das ist da, wo Faust das Buch des Nostradamus in die Hand nimmt und zuerst das Zeichen des Makrokosmos erblickt. Dieses Zeichen stellt ja dar, wie sich der Mensch in den ganzen Makrokosmos hineinstellt. Wie sein Geist mit dem Geiste der Welt, seine Seele mit der Seele der Welt, seine Physis mit der Physis der Welt zusammenhängen, das stellt sich im großen Bilde der ineinanderflutenden Welteneimer — Planeten und Sonnen, mit den dahinterstehenden Hierarchien — dar. Aber Faust wendet sich ab mit den Worten: «Welch Schauspiel! aber ach, ein Schauspiel nur!» Bilder sieht er, ein Schauspiel. Warum? Weil er in diesem Augenblick, in einem Augenblick das Weltengeheimnis umfassen möchte. Aber das kann nur im ganzen Menschenleben, soweit es die physische Welt gibt, die ganze Entwickelung. Die Erkenntnis kann überhaupt nur Bilder geben. Da wendet er sich zum Zeichen des Mikrokosmos. Da hat er nicht den Geist des Makrokosmos, sondern nur den Erdgeist. Der Erdgeist gibt das, was Geschichte, das Menschliche auf der Erde umfaßt.
[ 18 ] Selbstgefällig heben da die Leute hervor: Der hat alle vier Fakultäten durchgemacht und ist auf keinen grünen Zweig gekommen, zweifelt an allem Wissen. — Besonders die Schauspieler haben oft das Gefühl, daß sie die vier Fakultäten verachten müssen. Das ist aber gar nicht das Charakteristische, das ist nicht das spezifisch Goethesche, worauf es ankommt, das ist nur ein Auftakt. Das haben im Zeitalter Goethes viele Menschen gesagt. Da, wo das Goethesche im Faust eintritt, da wird es anders. Das ist da, wo Faust das Buch des Nostradamus in die Hand nimmt und zuerst das Zeichen des Makrokosmos erblickt. Dieses Zeichen stellt ja dar, wie sich der Mensch in den ganzen Makrokosmos hineinstellt. Wie sein Geist mit dem Geiste der Welt, seine Seele mit der Seele der Welt, seine Physis mit der Physis der Welt zusammenhängen, das stellt sich im großen Bilde der ineinanderflutenden Welteneimer — Planeten und Sonnen, mit den dahinterstehenden Hierarchien — dar. Aber Faust wendet sich ab mit den Worten: «Welch Schauspiel! aber ach, ein Schauspiel nur!» Bilder sieht er, ein Schauspiel. Warum? Weil er in diesem Augenblick, in einem Augenblick das Weltengeheimnis umfassen möchte. Aber das kann nur im ganzen Menschenleben, soweit es die physische Welt gibt, die ganze Entwickelung. Die Erkenntnis kann überhaupt nur Bilder geben. Da wendet er sich zum Zeichen des Mikrokosmos. Da hat er nicht den Geist des Makrokosmos, sondern nur den Erdgeist. Der Erdgeist gibt das, was Geschichte, das Menschliche auf der Erde umfaßt.
In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall ich auf und ab,
Webe hin und her!
In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall ich auf und ab,
Webe hin und her!
[ 19 ] Selbsterkenntnis sucht Faust durch den Erdgeist, Welterkenntnis lehnt er ab. Das ist das Goethesche, da beginnt das Goethesche. Vorher ist ein Auftakt. Goethe war in der Tat in seiner Jugend so, daß er nicht weiter kam, als zu sagen: Alles, was sich auf den Makrokosmos bezieht, gibt mir nur Bilder, da können wir nicht hineindringen. Nur von innen heraus kann sich das Lebensrätsel lösen. — Aber dieser Erdgeist, das heißt der Geist der Selbsterkenntnis, sagte ihm:
[ 19 ] Selbsterkenntnis sucht Faust durch den Erdgeist, Welterkenntnis lehnt er ab. Das ist das Goethesche, da beginnt das Goethesche. Vorher ist ein Auftakt. Goethe war in der Tat in seiner Jugend so, daß er nicht weiter kam, als zu sagen: Alles, was sich auf den Makrokosmos bezieht, gibt mir nur Bilder, da können wir nicht hineindringen. Nur von innen heraus kann sich das Lebensrätsel lösen. — Aber dieser Erdgeist, das heißt der Geist der Selbsterkenntnis, sagte ihm:
Du gleichst dem Geist, den du begreifst!
Nicht mir!
Du gleichst dem Geist, den du begreifst!
Nicht mir!
[ 20 ] Da stürzt Faust zusammen. Welchem Geist gleicht er denn? Sehen Sie, da hat man einmal Gelegenheit im «Faust», einen Dichter kennenzulernen, der nicht theoretisiert! Da ist nichts theoretisiert, sondern da haben Sie einen Dichter, der in lebendiger künstlerischer Realität die Dinge darstellt. Verfolgen Sie: «Du gleichst dem Geist, den du begreifst! Nicht mir!» Es klopft: Wagner tritt ein. Das ist die Antwort: Du gleichst dem Wagner, nicht mir! — Hier über diesen Punkt des Faust muß besonders umgelernt werden. Das darf nicht auf der Bühne so dargestellt werden, wie es gewöhnlich geschieht: daß Faust nur der idealstrebende Mensch ist, der in die Höhen des Geistes hinauf will, der unbedingt recht hat, und dann humpelt der Wagner daher. Ich würde, wenn ich es darzustellen hätte, es so darstellen, daß Wagner die Maske des Faust trägt, daß beide in derselben Gestalt dastehen, weil Faust darauf hingewiesen werden soll: Sieh dein Ebenbild an, du bist nicht weiter! — Und was Wagner da sagt, ist eine Geschlossenheit in sich selber; was Faust sagt, ist eigentlich alles nur Sehnsuchtszeug. Aber die Faust-Erklärer, und die Menschen überhaupt möchten die Dinge so bequem wie möglich machen. Man zitiert ja auch gerne: «Gefühl ist alles, Name Schall und Rauch», obwohl Faust das für ein sechzehnjähriges Mädchen prägt. Also eine Backfischweisheit wird eigentlich immer als eine Philosophenweisheit aufdrapiert. Da tritt Wagner dem Faust entgegen zu seiner Selbsterkenntnis — wie gesagt, ich habe das in dem kleinen Buche weiter ausgeführt —, aber Faust ist immerhin doch berührt worden von dem Geiste. Der Erdgeist ist ihm erschienen, er ist an die geistige Welt herangekommen, er muß weiter, und muß selbst das nachholen, was er versäumt hat bis zum vierzigsten Jahr. Faust ist vierzig Jahre alt, als er da auftritt im Anfang der Dichtung. Ja, er muß auch das nachholen, was er nicht durchgemacht hat: die Bibel. Eine Art Rückschau auf das versäumte Jugendleben stellt er an. Dann tritt noch eine andere Selbsterkenntnis an ihn heran: Mephisto. Nach der Selbsterkenntnis durch Wagner wiederum eine andere Selbsterkenntnis.
[ 20 ] Da stürzt Faust zusammen. Welchem Geist gleicht er denn? Sehen Sie, da hat man einmal Gelegenheit im «Faust», einen Dichter kennenzulernen, der nicht theoretisiert! Da ist nichts theoretisiert, sondern da haben Sie einen Dichter, der in lebendiger künstlerischer Realität die Dinge darstellt. Verfolgen Sie: «Du gleichst dem Geist, den du begreifst! Nicht mir!» Es klopft: Wagner tritt ein. Das ist die Antwort: Du gleichst dem Wagner, nicht mir! — Hier über diesen Punkt des Faust muß besonders umgelernt werden. Das darf nicht auf der Bühne so dargestellt werden, wie es gewöhnlich geschieht: daß Faust nur der idealstrebende Mensch ist, der in die Höhen des Geistes hinauf will, der unbedingt recht hat, und dann humpelt der Wagner daher. Ich würde, wenn ich es darzustellen hätte, es so darstellen, daß Wagner die Maske des Faust trägt, daß beide in derselben Gestalt dastehen, weil Faust darauf hingewiesen werden soll: Sieh dein Ebenbild an, du bist nicht weiter! — Und was Wagner da sagt, ist eine Geschlossenheit in sich selber; was Faust sagt, ist eigentlich alles nur Sehnsuchtszeug. Aber die Faust-Erklärer, und die Menschen überhaupt möchten die Dinge so bequem wie möglich machen. Man zitiert ja auch gerne: «Gefühl ist alles, Name Schall und Rauch», obwohl Faust das für ein sechzehnjähriges Mädchen prägt. Also eine Backfischweisheit wird eigentlich immer als eine Philosophenweisheit aufdrapiert. Da tritt Wagner dem Faust entgegen zu seiner Selbsterkenntnis — wie gesagt, ich habe das in dem kleinen Buche weiter ausgeführt —, aber Faust ist immerhin doch berührt worden von dem Geiste. Der Erdgeist ist ihm erschienen, er ist an die geistige Welt herangekommen, er muß weiter, und muß selbst das nachholen, was er versäumt hat bis zum vierzigsten Jahr. Faust ist vierzig Jahre alt, als er da auftritt im Anfang der Dichtung. Ja, er muß auch das nachholen, was er nicht durchgemacht hat: die Bibel. Eine Art Rückschau auf das versäumte Jugendleben stellt er an. Dann tritt noch eine andere Selbsterkenntnis an ihn heran: Mephisto. Nach der Selbsterkenntnis durch Wagner wiederum eine andere Selbsterkenntnis.
[ 21 ] Nun trat aber etwas Eigentümliches auf. In den neunziger Jahren, 1797, wird Schiller etwas dringend: Goethe soll seinen «Faust» fortsetzen. 1797 ist Goethe achtundvierzig Jahr alt. Wieder ein wichtiger Zeitpunkt. Sieben mal sieben ist neunundvierzig; das ist der Zeitpunkt, wo der Mensch über die besondere Entwickelung des Geistselbstes hinauskommt, in den Lebensgeist hinein. Schiller drängte. Die Leute haben es sich einfach gemacht mit der Erklärung. Minor, der ein interessantes Buch geschrieben hat über Goethe, meint: Goethe wird vom Alter erfaßt, da ist er nicht mehr recht dichtungsfähig. — Aber denken Sie nur, wenn das wahr wäre, könnte ja nie ein «Faust» geschrieben werden! Es könnte gar nicht dargestellt werden das Leben des Menschen im höheren Alter, und Faust war doch in einem höheren Alter! Goethe nähert sich nun jenem Alter, bei dem die Ur-Inder gesagt haben: Jetzt tritt der Mensch ein in das Lebensalter, wo er ins Reich der Väter aufsteigen kann, nach und nach in die tieferen Geheimnisse des Geisteslebens hinauf kann. — Da tritt Goethe sein Mephisto in merkwürdiger Art entgegen.
[ 21 ] Nun trat aber etwas Eigentümliches auf. In den neunziger Jahren, 1797, wird Schiller etwas dringend: Goethe soll seinen «Faust» fortsetzen. 1797 ist Goethe achtundvierzig Jahr alt. Wieder ein wichtiger Zeitpunkt. Sieben mal sieben ist neunundvierzig; das ist der Zeitpunkt, wo der Mensch über die besondere Entwickelung des Geistselbstes hinauskommt, in den Lebensgeist hinein. Schiller drängte. Die Leute haben es sich einfach gemacht mit der Erklärung. Minor, der ein interessantes Buch geschrieben hat über Goethe, meint: Goethe wird vom Alter erfaßt, da ist er nicht mehr recht dichtungsfähig. — Aber denken Sie nur, wenn das wahr wäre, könnte ja nie ein «Faust» geschrieben werden! Es könnte gar nicht dargestellt werden das Leben des Menschen im höheren Alter, und Faust war doch in einem höheren Alter! Goethe nähert sich nun jenem Alter, bei dem die Ur-Inder gesagt haben: Jetzt tritt der Mensch ein in das Lebensalter, wo er ins Reich der Väter aufsteigen kann, nach und nach in die tieferen Geheimnisse des Geisteslebens hinauf kann. — Da tritt Goethe sein Mephisto in merkwürdiger Art entgegen.
[ 22 ] Sie wissen: Wenn man versucht, die dem Menschen widerstrebenden Mächte kennenzulernen, so sind es zwei, Ahriman und Luzifer. Die zwei hat Goethe konfundiert, zusammengeworfen. Das fühlte er früher nicht, und so ist denn der Mephisto eine widerspruchsvolle Gestalt geworden. Sie brauchen sich nur an einzelnes zu halten, so werden Sie schon sehen, daß es keine einheitliche Gestalt ist, die des Mephisto: Goethe hat Luzifer und Ahriman zusammengeworfen. Das merkte er 1797, daher wurde es ihm so schwierig, den «Faust» fortzusetzen. Die Geisteswissenschaft war noch nicht so weit, den Gegner des Menschen in zwei Gegner zu spalten; Goethe ist bei einem stehengeblieben. Man erkennt schon Goethes Natur, wenn man sich das vorhält, daß Goethe eigentlich zwei Gestalten hätte schaffen müssen, die er in eine zusammengeworfen hat. Goethe hat wirklich daran innerlich etwas durchgemacht, daß er den Mephisto als eine in sich widerspruchsvolle Gestalt gefühlt hat. Daß «Faust» doch zustande gekommen ist und groß dasteht als Dichtung, das ist natürlich auf Goethes große Dichterkraft zurückzuführen. Aber dieses wiederum ist etwas, was Goethe aus dem Unterbewußten heraus schon wogend fand in sich. Sie sehen, der Mensch kann entwickelungsfähig sein, er kann in seiner Seele auf ganz elementare Art das fühlen, was durch das ganze Leben in uns mit dem Geiste zusammenarbeitet, nicht bloß in die Zwanzigerjahre hinein.
[ 22 ] Sie wissen: Wenn man versucht, die dem Menschen widerstrebenden Mächte kennenzulernen, so sind es zwei, Ahriman und Luzifer. Die zwei hat Goethe konfundiert, zusammengeworfen. Das fühlte er früher nicht, und so ist denn der Mephisto eine widerspruchsvolle Gestalt geworden. Sie brauchen sich nur an einzelnes zu halten, so werden Sie schon sehen, daß es keine einheitliche Gestalt ist, die des Mephisto: Goethe hat Luzifer und Ahriman zusammengeworfen. Das merkte er 1797, daher wurde es ihm so schwierig, den «Faust» fortzusetzen. Die Geisteswissenschaft war noch nicht so weit, den Gegner des Menschen in zwei Gegner zu spalten; Goethe ist bei einem stehengeblieben. Man erkennt schon Goethes Natur, wenn man sich das vorhält, daß Goethe eigentlich zwei Gestalten hätte schaffen müssen, die er in eine zusammengeworfen hat. Goethe hat wirklich daran innerlich etwas durchgemacht, daß er den Mephisto als eine in sich widerspruchsvolle Gestalt gefühlt hat. Daß «Faust» doch zustande gekommen ist und groß dasteht als Dichtung, das ist natürlich auf Goethes große Dichterkraft zurückzuführen. Aber dieses wiederum ist etwas, was Goethe aus dem Unterbewußten heraus schon wogend fand in sich. Sie sehen, der Mensch kann entwickelungsfähig sein, er kann in seiner Seele auf ganz elementare Art das fühlen, was durch das ganze Leben in uns mit dem Geiste zusammenarbeitet, nicht bloß in die Zwanzigerjahre hinein.
[ 23 ] Das, was Sie als «Prolog im Himmel» kennen, schrieb Goethe erst 1798. Was ist denn da geschehen im Faust? Er hat es nicht ausgesprochen, aber in seiner Seele ist es: Er hat Faust wiederum zum Buche greifen lassen, und jetzt steht er dem Geiste gegenüber! Jetzt ist es kein Schauspiel: da weben die Geister an den Sphären, da steht Faust drinnen im ganzen Kampfe des Guten und des Bösen im Makrokosmos. Man darf nicht den Faust vom Anfang bis zum Ende so betrachten, daß man alles gleich ansieht, als ob es gleich wäre, sondern Goethe hat gebrochen mit der Anschauung seiner Jugend, hat den Faust immer mehr und mehr eingeführt in den Geist des Makrokosmos. — Ich wollte Ihnen nur zeigen, wie regelmäßig dieses sich entwickelnde Goethe-Leben gestaltet ist. An ihm kann man zeigen, wie von sieben zu sieben Jahren die menschlichen Entwickelungsperioden bis in den Tod hinein gehen. Man muß dem Sinn und dem Geiste der Gegenwart gemäß das Unterbewußte immer mehr und mehr hinaufheben in das Bewußtsein. Von diesem Unterbewußten wird viel gesprochen; aber man sieht es nicht in der richtigen Weise an, man sieht es nicht tief genug an.
[ 23 ] Das, was Sie als «Prolog im Himmel» kennen, schrieb Goethe erst 1798. Was ist denn da geschehen im Faust? Er hat es nicht ausgesprochen, aber in seiner Seele ist es: Er hat Faust wiederum zum Buche greifen lassen, und jetzt steht er dem Geiste gegenüber! Jetzt ist es kein Schauspiel: da weben die Geister an den Sphären, da steht Faust drinnen im ganzen Kampfe des Guten und des Bösen im Makrokosmos. Man darf nicht den Faust vom Anfang bis zum Ende so betrachten, daß man alles gleich ansieht, als ob es gleich wäre, sondern Goethe hat gebrochen mit der Anschauung seiner Jugend, hat den Faust immer mehr und mehr eingeführt in den Geist des Makrokosmos. — Ich wollte Ihnen nur zeigen, wie regelmäßig dieses sich entwickelnde Goethe-Leben gestaltet ist. An ihm kann man zeigen, wie von sieben zu sieben Jahren die menschlichen Entwickelungsperioden bis in den Tod hinein gehen. Man muß dem Sinn und dem Geiste der Gegenwart gemäß das Unterbewußte immer mehr und mehr hinaufheben in das Bewußtsein. Von diesem Unterbewußten wird viel gesprochen; aber man sieht es nicht in der richtigen Weise an, man sieht es nicht tief genug an.
[ 24 ] Es gibt ja heute so etwas, was sich analytische Psychologie, Psychoanalyse nennt. Das wird gewissermaßen herangebändigt an das unterbewußte Geistig-Seelische im Menschen, aber mit unzureichenden Mitteln; denn die zureichenden Mittel sind die geisteswissenschaftlichen. Das Schulbeispiel, welches die Psychoanalytiker immer wieder und wieder anführen, das zeigt gerade, wie die Leute mit unzureichenden Mitteln arbeiten. Führen wir uns einmal vor die Seele ein Beispiel, an dem eigentlich die Psychoanalyse sich entwickelt hat: Da ist eine Frau, die kennt einen Mann. Der Mann ist Ehemann; sie kennt ihn so, wie es dem Ehemann recht gewesen sein mag, der Frau des Ehemannes aber nicht. Siehe da, die Frau des Ehemannes wird aus verschiedenen Gründen — zu denen vielleicht gerade diese Dame auch gehörte — krank, nervös, — man wird überhaupt heute nervös, neurasthenisch, man braucht sich nicht darüber zu wundern. Sie muß in ein Bad gehen auf mehrere Monate. An einem Abend soll sie abreisen, aber vorher wird noch ein Abendbrot veranstaltet — ein Souper, wie man im Deutschen sagt —, zu dem wird auch die mit dem Manne und überhaupt mit der ganzen Familie gut bekannte Dame eingeladen. Das Souper verläuft ganz gut. Dann muß die Dame des Hauses zur Bahn. Die Gesellschaft verflüchtigt sich auch so allmählich, wie man sagt. Ein Trupp der Gesellschaft geht auf der Straße mit dieser Dame, welche mit dem Herrn des Hauses gut bekannt ist. Nun, wie es hier und da, nicht wahr, spät in der Nacht vorkommt, es gehen da die Leute nicht mehr auf dem Bürgersteig, sondern in der Mitte der Straße. Aber siehe da, es biegt eine Droschke, nicht ein Auto, sondern eine Droschke um die Ecke, und jene Dame, welche die Freundin des Herrn des Hauses ist, die weicht nicht aus wie die anderen, auf den Bürgersteig, sondern sie läuft vor den Pferden her. Der Kutscher schimpft, knallt mit der Peitsche; sie aber läuft vor den Pferden her, läuft und läuft, bis man auf eine Brücke kommt. Da geht ihr der Gedanke auf: Sie muß sich retten. Es ist eine gefährliche Situation. Da rettet sie sich, indem sie ins Wasser springt. Sie wird herausgezogen, wird gerettet, und die Gesellschaft trägt sie in das Haus, aus dem sie eben gekommen ist: in die Wohnung des Hausherrn hinein. Da verbleibt sie die Nacht. Die anderen gehen wieder nach Hause. Und es ist etwas erreicht, was ich jetzt nicht weiter charakterisieren will. Der Psychoanalytiker studiert nun diesen Fall auf verborgene Seelengründe hin: Vielleicht hat die Dame im siebenten, achten Jahr etwas besonderes durchgemacht mit Pferden, das tönt wieder aus der Seele durch, und da verliert sie in dem Moment das Bewußtsein, es kommt nur durch die Furcht vor den Pferden herauf. — So sucht man nach «verborgenen Seelenprovinzen». Das ist aber nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist diese: Es ist ein Unterbewußtes in der Seele eines Menschen, das schlauer, raffinierter sein kann als das Oberbewußtsein. Diese Dame war eine sehr anständige Dame, aber sie war verliebt in den Hausherrn. Ihr Oberbewußtsein würde sich nicht zugestanden haben: Ich will in dem Hause bleiben —, aber das Unterbewußte tut das. Das erwägt ganz genau: Wenn ich da vor den Pferden laufe und ins Wasser springe, dann bringt man mich zurück! — Da ist dies erreicht. Es würde sich die Dame das niemals gestehen im Oberbewußtsein, aber im Unterbewußtsein werden diese Dinge durchgemacht, da ist das vorhanden. Der Mensch trägt in sich dieses Unterbewußtsein, das viel weiser, viel schlauer ist, nach der guten und nach der schlimmen Seite, als das Oberbewußstsein. — Wie gesagt, die Gegenwart wird etwas aufmerksam auf dieses Unterbewußtsein, aber sie sucht es mit unzulänglichen Mitteln. Man muß sich klar sein, daf) man es mit zulänglichen Mitteln nur durch die Geisteswissenschaft finden kann, wenn man zeigen will, daß neben dem Ich, das durch den Leib lebt, das Ewig-Geistige in uns lebt, das nicht bloß ein Engel ist und daher auch raffiniert sein kann, je nach seinem Karma. Geisteswissenschaftlich muß studiert werden, was dieses Unterbewußte in seiner Offenbarung durch den Menschen immer ist. Es muß die Gegenwart darauf kommen, daß die Wahrheit, die Wirklichkeit kennengelernt werden muß. Das Unterbewußte pocht heute an das Bewußtsein an, und wir kommen im Leben nicht mehr zurecht, wenn wir das außer acht lassen, wenn wir nicht auch mit unserem Bewußtsein nachgehen den Wegen, welche das Unterbewußte einschlägt. Das wollen viele Leute nicht, daher wollen sie nicht an die Geisteswissenschaft heran.
[ 24 ] Es gibt ja heute so etwas, was sich analytische Psychologie, Psychoanalyse nennt. Das wird gewissermaßen herangebändigt an das unterbewußte Geistig-Seelische im Menschen, aber mit unzureichenden Mitteln; denn die zureichenden Mittel sind die geisteswissenschaftlichen. Das Schulbeispiel, welches die Psychoanalytiker immer wieder und wieder anführen, das zeigt gerade, wie die Leute mit unzureichenden Mitteln arbeiten. Führen wir uns einmal vor die Seele ein Beispiel, an dem eigentlich die Psychoanalyse sich entwickelt hat: Da ist eine Frau, die kennt einen Mann. Der Mann ist Ehemann; sie kennt ihn so, wie es dem Ehemann recht gewesen sein mag, der Frau des Ehemannes aber nicht. Siehe da, die Frau des Ehemannes wird aus verschiedenen Gründen — zu denen vielleicht gerade diese Dame auch gehörte — krank, nervös, — man wird überhaupt heute nervös, neurasthenisch, man braucht sich nicht darüber zu wundern. Sie muß in ein Bad gehen auf mehrere Monate. An einem Abend soll sie abreisen, aber vorher wird noch ein Abendbrot veranstaltet — ein Souper, wie man im Deutschen sagt —, zu dem wird auch die mit dem Manne und überhaupt mit der ganzen Familie gut bekannte Dame eingeladen. Das Souper verläuft ganz gut. Dann muß die Dame des Hauses zur Bahn. Die Gesellschaft verflüchtigt sich auch so allmählich, wie man sagt. Ein Trupp der Gesellschaft geht auf der Straße mit dieser Dame, welche mit dem Herrn des Hauses gut bekannt ist. Nun, wie es hier und da, nicht wahr, spät in der Nacht vorkommt, es gehen da die Leute nicht mehr auf dem Bürgersteig, sondern in der Mitte der Straße. Aber siehe da, es biegt eine Droschke, nicht ein Auto, sondern eine Droschke um die Ecke, und jene Dame, welche die Freundin des Herrn des Hauses ist, die weicht nicht aus wie die anderen, auf den Bürgersteig, sondern sie läuft vor den Pferden her. Der Kutscher schimpft, knallt mit der Peitsche; sie aber läuft vor den Pferden her, läuft und läuft, bis man auf eine Brücke kommt. Da geht ihr der Gedanke auf: Sie muß sich retten. Es ist eine gefährliche Situation. Da rettet sie sich, indem sie ins Wasser springt. Sie wird herausgezogen, wird gerettet, und die Gesellschaft trägt sie in das Haus, aus dem sie eben gekommen ist: in die Wohnung des Hausherrn hinein. Da verbleibt sie die Nacht. Die anderen gehen wieder nach Hause. Und es ist etwas erreicht, was ich jetzt nicht weiter charakterisieren will. Der Psychoanalytiker studiert nun diesen Fall auf verborgene Seelengründe hin: Vielleicht hat die Dame im siebenten, achten Jahr etwas besonderes durchgemacht mit Pferden, das tönt wieder aus der Seele durch, und da verliert sie in dem Moment das Bewußtsein, es kommt nur durch die Furcht vor den Pferden herauf. — So sucht man nach «verborgenen Seelenprovinzen». Das ist aber nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist diese: Es ist ein Unterbewußtes in der Seele eines Menschen, das schlauer, raffinierter sein kann als das Oberbewußtsein. Diese Dame war eine sehr anständige Dame, aber sie war verliebt in den Hausherrn. Ihr Oberbewußtsein würde sich nicht zugestanden haben: Ich will in dem Hause bleiben —, aber das Unterbewußte tut das. Das erwägt ganz genau: Wenn ich da vor den Pferden laufe und ins Wasser springe, dann bringt man mich zurück! — Da ist dies erreicht. Es würde sich die Dame das niemals gestehen im Oberbewußtsein, aber im Unterbewußtsein werden diese Dinge durchgemacht, da ist das vorhanden. Der Mensch trägt in sich dieses Unterbewußtsein, das viel weiser, viel schlauer ist, nach der guten und nach der schlimmen Seite, als das Oberbewußstsein. — Wie gesagt, die Gegenwart wird etwas aufmerksam auf dieses Unterbewußtsein, aber sie sucht es mit unzulänglichen Mitteln. Man muß sich klar sein, daf) man es mit zulänglichen Mitteln nur durch die Geisteswissenschaft finden kann, wenn man zeigen will, daß neben dem Ich, das durch den Leib lebt, das Ewig-Geistige in uns lebt, das nicht bloß ein Engel ist und daher auch raffiniert sein kann, je nach seinem Karma. Geisteswissenschaftlich muß studiert werden, was dieses Unterbewußte in seiner Offenbarung durch den Menschen immer ist. Es muß die Gegenwart darauf kommen, daß die Wahrheit, die Wirklichkeit kennengelernt werden muß. Das Unterbewußte pocht heute an das Bewußtsein an, und wir kommen im Leben nicht mehr zurecht, wenn wir das außer acht lassen, wenn wir nicht auch mit unserem Bewußtsein nachgehen den Wegen, welche das Unterbewußte einschlägt. Das wollen viele Leute nicht, daher wollen sie nicht an die Geisteswissenschaft heran.
[ 25 ] So gibt es auf der einen Seite gewisse Gründe, um nicht an die Geisteswissenschaft heranzukommen: die Leute wollen nicht begreifen, daß die Dinge durchaus umgekehrt sind in bezug auf die Toten. Man muß ganz umlernen. Während man im gewöhnlichen Leben gewohnt ist, daß es aus unserem Munde heraustönt, wenn wir etwas sagen, oder fragen, ist es bei dem Verkehr mit dem Toten so, daß, was wir sagen, aus seiner Seele heraustönt, das, was er sagt, aus unserem eigenen Inneren heraufkommt. Das ist eine naturgemäße Sache.
[ 25 ] So gibt es auf der einen Seite gewisse Gründe, um nicht an die Geisteswissenschaft heranzukommen: die Leute wollen nicht begreifen, daß die Dinge durchaus umgekehrt sind in bezug auf die Toten. Man muß ganz umlernen. Während man im gewöhnlichen Leben gewohnt ist, daß es aus unserem Munde heraustönt, wenn wir etwas sagen, oder fragen, ist es bei dem Verkehr mit dem Toten so, daß, was wir sagen, aus seiner Seele heraustönt, das, was er sagt, aus unserem eigenen Inneren heraufkommt. Das ist eine naturgemäße Sache.
[ 26 ] Das andere ist die Antipathie, welche die Menschen gegen den Geist haben, weil sie sich nicht gerne gestehen mögen, wie dieses Geistige anschlägt an die Pforte des Bewußtseins. An vielen Stellen findet man diesen Geist anschlagend an die Pforte des Bewußtseins. Menschen, die zum Beispiel gerade etwas abnorm sind in ihrem Leben, bei denen kommt es durch eine Lockerung des GeistigSeelischen im Physisch-Leiblichen heute zustande, daß das Unterbewußte richtiger hereinschlägt in das Bewußtsein, als bei jenen, die nichts Gelockertes an sich haben. Es ist durchaus nicht gesagt, daß das Lockern angestrebt werden soll, wahrhaftig nicht, aber bei einigen Leuten ist auf naturgemäße Weise etwas gelockert, wie zum Beispiel bei Otto Weininger. Der war wirklich ein begabter Mensch; er hatte anfangs der Zwanzigerjahre seinen Doktor gemacht, dann aus der Doktordissertation heraus das Buch «Geschlecht und Charakter» geformt, das durchaus dilettantisch und sogar trivial in vieler Beziehung ist, aber doch eine merkwürdige Erscheinung ist. Dann hat er eine Reise nach Italien gemacht, hat dabei ein Tagebuch geführt, wo etwas doch ganz Merkwürdiges drinnen ist. Gewisse geisteswissenschaftliche Erkenntnisse sind da geradezu als Karikatur ausgesprochen. Dieses gelockerte Geistig-Seelische, das schaut schon manches, aber es karikiert es! Gewöhnlich ist auch das Moralische etwas angefressen. Aber Weininger war eine geniale Natur. Er hat sich dann im dreiundzwanzigsten Jahr eingemietet im Beethovenhaus und sich darinnen erschossen. Daraus sehen Sie, daß er eine ganz abnorme Natur war. Ich will aber nur erwähnen: Wenn Sie sein letztes Buch lesen, so finden Sie unter allerlei anderem auch eine merkwürdige Stelle. Da sagt er: Warum erinnert sich der Mensch nicht an sein Leben vor der Geburt? Weil die Seele sich so heruntergebracht hat, daß sie untertauchen will in die Bewußtlosigkeit gegenüber dem vorhergegangenen Leben! — Ich erwähne dies nur — und ich könnte das Beispiel vertausendfachen —, um zu zeigen: Es gibt viele Menschen, die der Geisteswissenschaft ganz nahestehen, sie aber nicht finden können, weil die Gegenwart die Menschen überhaupt nicht an die Geisteswissenschaft heranlassen will. Ich erwähne das als Beispiel, weil man durchaus sieht: Weininger kommt durch Lockerung des Geistig-Seelischen dazu, wie eine Selbstverständlichkeit es auszusprechen, daß der Mensch als Geistig-Seelisches sich verbindet mit dem Physisch-Leiblichen. Wie eine Selbstverständlichkeit spricht er es aus, was noch manche andere Menschen heute sagen, nur in sehr verschämter Art. Das aber ist eine Grundforderung unserer Zeit, daß die Menschen wirklich den Mut fassen, die Stärke sich anzuerziehen, um der geistigen Welt gegenüberzutreten in ihren konkreten Erscheinungsformen.
[ 26 ] Das andere ist die Antipathie, welche die Menschen gegen den Geist haben, weil sie sich nicht gerne gestehen mögen, wie dieses Geistige anschlägt an die Pforte des Bewußtseins. An vielen Stellen findet man diesen Geist anschlagend an die Pforte des Bewußtseins. Menschen, die zum Beispiel gerade etwas abnorm sind in ihrem Leben, bei denen kommt es durch eine Lockerung des GeistigSeelischen im Physisch-Leiblichen heute zustande, daß das Unterbewußte richtiger hereinschlägt in das Bewußtsein, als bei jenen, die nichts Gelockertes an sich haben. Es ist durchaus nicht gesagt, daß das Lockern angestrebt werden soll, wahrhaftig nicht, aber bei einigen Leuten ist auf naturgemäße Weise etwas gelockert, wie zum Beispiel bei Otto Weininger. Der war wirklich ein begabter Mensch; er hatte anfangs der Zwanzigerjahre seinen Doktor gemacht, dann aus der Doktordissertation heraus das Buch «Geschlecht und Charakter» geformt, das durchaus dilettantisch und sogar trivial in vieler Beziehung ist, aber doch eine merkwürdige Erscheinung ist. Dann hat er eine Reise nach Italien gemacht, hat dabei ein Tagebuch geführt, wo etwas doch ganz Merkwürdiges drinnen ist. Gewisse geisteswissenschaftliche Erkenntnisse sind da geradezu als Karikatur ausgesprochen. Dieses gelockerte Geistig-Seelische, das schaut schon manches, aber es karikiert es! Gewöhnlich ist auch das Moralische etwas angefressen. Aber Weininger war eine geniale Natur. Er hat sich dann im dreiundzwanzigsten Jahr eingemietet im Beethovenhaus und sich darinnen erschossen. Daraus sehen Sie, daß er eine ganz abnorme Natur war. Ich will aber nur erwähnen: Wenn Sie sein letztes Buch lesen, so finden Sie unter allerlei anderem auch eine merkwürdige Stelle. Da sagt er: Warum erinnert sich der Mensch nicht an sein Leben vor der Geburt? Weil die Seele sich so heruntergebracht hat, daß sie untertauchen will in die Bewußtlosigkeit gegenüber dem vorhergegangenen Leben! — Ich erwähne dies nur — und ich könnte das Beispiel vertausendfachen —, um zu zeigen: Es gibt viele Menschen, die der Geisteswissenschaft ganz nahestehen, sie aber nicht finden können, weil die Gegenwart die Menschen überhaupt nicht an die Geisteswissenschaft heranlassen will. Ich erwähne das als Beispiel, weil man durchaus sieht: Weininger kommt durch Lockerung des Geistig-Seelischen dazu, wie eine Selbstverständlichkeit es auszusprechen, daß der Mensch als Geistig-Seelisches sich verbindet mit dem Physisch-Leiblichen. Wie eine Selbstverständlichkeit spricht er es aus, was noch manche andere Menschen heute sagen, nur in sehr verschämter Art. Das aber ist eine Grundforderung unserer Zeit, daß die Menschen wirklich den Mut fassen, die Stärke sich anzuerziehen, um der geistigen Welt gegenüberzutreten in ihren konkreten Erscheinungsformen.
[ 27 ] Und eine solche konkrete Erscheinungsform ist eben die, von der ich Ihnen besonders sprechen wollte: daß die Menschen die Toten mitreden lassen; daß das soziale Leben der Menschen wieder bestimmt wird dadurch, daß man die Unterschiede fühlt zwischen Mensch und Mensch der Altersstufe nach, aber auch dadurch etwas anders wird, daß der Mensch an sein ganzes Menschenleben glaubt. Der Gott offenbart sich nicht nur bis in die Zwanzigerjahre hinein. Früher hat er sich physisch geoffenbart, jetzt muß er durch Geisteswissenschaft gefühlt werden. Aber der Mensch muß glauben an die Gaben der göttlich-geistigen Welt. Er muß durch das ganze Leben hindurch die aufmunternde, tragende Empfindung haben: Wenn ich fünfzehn Jahre älter sein werde, werde ich dem Göttlich-Geistigen das entgegentragen, was es anders aufnehmen kann als früher. Denken Sie, wie man sich in die Zukunft hineinleben kann, wenn man so erwartungsvoll ist! Wie das eine andere seelisch-geistige Aura über unser ganzes soziales Leben ausgießt! Wissen muß man, daß die Menschen diese Aura brauchen werden, indem sie sich gegen die Zukunft hin entwickeln werden. Das ist unendlich wichtig. Versuchen Sie zu fühlen, wie vieles anders werden muß! Wir leben in einem Zeitalter, in dem vieles, vieles anders werden muß. Vor allen Dingen muß es so werden, daß man gewisse Dinge nicht mehr in heuchlerischer Art sieht, sondern sie in Wirklichkeit sieht. Es nützt nichts, über gewisse Dinge sich selbst Lügen vorzumachen. Und eine solche Selbstlüge möchte ich noch besprechen.
[ 27 ] Und eine solche konkrete Erscheinungsform ist eben die, von der ich Ihnen besonders sprechen wollte: daß die Menschen die Toten mitreden lassen; daß das soziale Leben der Menschen wieder bestimmt wird dadurch, daß man die Unterschiede fühlt zwischen Mensch und Mensch der Altersstufe nach, aber auch dadurch etwas anders wird, daß der Mensch an sein ganzes Menschenleben glaubt. Der Gott offenbart sich nicht nur bis in die Zwanzigerjahre hinein. Früher hat er sich physisch geoffenbart, jetzt muß er durch Geisteswissenschaft gefühlt werden. Aber der Mensch muß glauben an die Gaben der göttlich-geistigen Welt. Er muß durch das ganze Leben hindurch die aufmunternde, tragende Empfindung haben: Wenn ich fünfzehn Jahre älter sein werde, werde ich dem Göttlich-Geistigen das entgegentragen, was es anders aufnehmen kann als früher. Denken Sie, wie man sich in die Zukunft hineinleben kann, wenn man so erwartungsvoll ist! Wie das eine andere seelisch-geistige Aura über unser ganzes soziales Leben ausgießt! Wissen muß man, daß die Menschen diese Aura brauchen werden, indem sie sich gegen die Zukunft hin entwickeln werden. Das ist unendlich wichtig. Versuchen Sie zu fühlen, wie vieles anders werden muß! Wir leben in einem Zeitalter, in dem vieles, vieles anders werden muß. Vor allen Dingen muß es so werden, daß man gewisse Dinge nicht mehr in heuchlerischer Art sieht, sondern sie in Wirklichkeit sieht. Es nützt nichts, über gewisse Dinge sich selbst Lügen vorzumachen. Und eine solche Selbstlüge möchte ich noch besprechen.
[ 28 ] Wie viele Menschen gibt es heute, die da sagen: Ich blicke auf nicht zu den verschiedenen Hierarchien, zu Engeln, Erzengeln und so weiter, sondern ich blicke auf zu «meinem Gott». Und wie viele deklamieren weiter, welch großer Fortschritt es ist, daß sich die Menschheit durchgerungen hat zu dem einen Gott, zum Monotheismus. Man muß aber die Frage stellen: Zu wem wenden sich denn eigentlich die Menschen, wenn sie suchen, in ein konkretes Verhältnis zur geistigen Welt zu kommen, und dabei von «ihrem Gott» sprechen? — Ob einer Katholik oder Protestant ist — was er auch immer ist —, wenn er von seinem Gott spricht, kann er nur von dem sprechen, was in sein Bewußtsein wirklich hineingeht. Das kann nur zweierlei sein: Entweder ist es der eine ihn beschützende Engel, den der Mensch dann Gott nennt, der kein höherer Gott ist als ein Engel — und da jeder Mensch einen Engel hat, der die Aufgabe hat, ihn zu schützen, so sind wir da in einem Pluralismus drinnen —, oder er meint das eigene Ich. Nur täuscht sich der Mensch dadurch, daß er dafür den gleichen Namen hat, daß jeder seinen besonderen Engel mit dem gleichen Namen «Gott» benennt. Demgegenüber sollte man eines berücksichtigen, was eigentlich sehr lehrreich ist. Es gibt nämlich ein Wort, von dessen Ursprung die Menschen mit allen Forschungen nichts wissen: das ist das Wort «Gott». Das ist doch interessant und gibt zu denken! Lesen Sie nach in den verschiedenen Wörterbüchern, in denen linguistisch-philologisch die Wörter behandelt werden: über das Wort «Gott» herrscht völlige Unklarheit. Die Menschen wissen nicht, was sie eigentlich mit Gott benennen. Und in unserer Zeit meinen die Menschen entweder ihren Engel, oder sie werden, indem sie von ihrem Gott sprechen, sozusagen unbewußt Anhänger unserer Lehre: sie sprechen nämlich von ihrem eigenen Ich, wie es sich entwickelt hat seit dem letzten Tode bis zu dieser Geburt. Das ist das Konkrete, was sie als den Gott benennen: entweder ragt der Engel hinein, der sie schützt — es ist bloß der Engel, sie nennen ihn Gott —, oder es ist gar nur das individuelle Ich. Ob man das uminterpretiert oder nicht, darauf kommt es nicht an: es ist das egoistische Religionsbekenntnis, das heute in vielen Seelen ist, aber man will sich das nicht gestehen. Nur Geisteswissenschaft wird die Menschen aufmerksam darauf machen. Da wird man dann Geisteswissenschaft hassen und wird sie immer mehr bekämpfen, weil die Menschen es sich so bequem machen, das, was das allernächste ist, das in der hierarchischen Ordnung über ihnen steht, als ihren Gott zu benennen. Wenn heute vielfach von Gott gesprochen wird, so ist damit nichts anderes gemeint als entweder das eigene Ich oder der Engel.
[ 28 ] Wie viele Menschen gibt es heute, die da sagen: Ich blicke auf nicht zu den verschiedenen Hierarchien, zu Engeln, Erzengeln und so weiter, sondern ich blicke auf zu «meinem Gott». Und wie viele deklamieren weiter, welch großer Fortschritt es ist, daß sich die Menschheit durchgerungen hat zu dem einen Gott, zum Monotheismus. Man muß aber die Frage stellen: Zu wem wenden sich denn eigentlich die Menschen, wenn sie suchen, in ein konkretes Verhältnis zur geistigen Welt zu kommen, und dabei von «ihrem Gott» sprechen? — Ob einer Katholik oder Protestant ist — was er auch immer ist —, wenn er von seinem Gott spricht, kann er nur von dem sprechen, was in sein Bewußtsein wirklich hineingeht. Das kann nur zweierlei sein: Entweder ist es der eine ihn beschützende Engel, den der Mensch dann Gott nennt, der kein höherer Gott ist als ein Engel — und da jeder Mensch einen Engel hat, der die Aufgabe hat, ihn zu schützen, so sind wir da in einem Pluralismus drinnen —, oder er meint das eigene Ich. Nur täuscht sich der Mensch dadurch, daß er dafür den gleichen Namen hat, daß jeder seinen besonderen Engel mit dem gleichen Namen «Gott» benennt. Demgegenüber sollte man eines berücksichtigen, was eigentlich sehr lehrreich ist. Es gibt nämlich ein Wort, von dessen Ursprung die Menschen mit allen Forschungen nichts wissen: das ist das Wort «Gott». Das ist doch interessant und gibt zu denken! Lesen Sie nach in den verschiedenen Wörterbüchern, in denen linguistisch-philologisch die Wörter behandelt werden: über das Wort «Gott» herrscht völlige Unklarheit. Die Menschen wissen nicht, was sie eigentlich mit Gott benennen. Und in unserer Zeit meinen die Menschen entweder ihren Engel, oder sie werden, indem sie von ihrem Gott sprechen, sozusagen unbewußt Anhänger unserer Lehre: sie sprechen nämlich von ihrem eigenen Ich, wie es sich entwickelt hat seit dem letzten Tode bis zu dieser Geburt. Das ist das Konkrete, was sie als den Gott benennen: entweder ragt der Engel hinein, der sie schützt — es ist bloß der Engel, sie nennen ihn Gott —, oder es ist gar nur das individuelle Ich. Ob man das uminterpretiert oder nicht, darauf kommt es nicht an: es ist das egoistische Religionsbekenntnis, das heute in vielen Seelen ist, aber man will sich das nicht gestehen. Nur Geisteswissenschaft wird die Menschen aufmerksam darauf machen. Da wird man dann Geisteswissenschaft hassen und wird sie immer mehr bekämpfen, weil die Menschen es sich so bequem machen, das, was das allernächste ist, das in der hierarchischen Ordnung über ihnen steht, als ihren Gott zu benennen. Wenn heute vielfach von Gott gesprochen wird, so ist damit nichts anderes gemeint als entweder das eigene Ich oder der Engel.
[ 29 ] Über eine solche Anschauung kommt man nur hinaus, wenn man in das konkrete geisteswissenschaftliche Verhältnis kommt. Das ist solch ein Punkt, über den sich die Menschen, der Zukunft entgegen, immer mehr werden aufklären müssen. Und Wahrheit muß unter den Menschen sein. Das wird insbesondere eine Forderung in die Zukunft hinein sein müssen, und Wahrheit ist in der Gegenwart nicht sehr verbreitet, gar nicht sehr verbreitet. Gerade auf gelehrten Gebieten findet man zuweilen sehr merkwürdige Begriffe über das, was Wahrheit ist. Sie wissen aus meinem Buch «Von Seelenrätseln» — wenn ich das kurz anführen darf —, in welch eigentümlicher Weise der merkwürdige Mensch Max Dessoir mit der Wahrheit umgegangen ist. Es ist wirklich herzzerbrechend, was man aus dem letzten Heft der Kant-Zeitschrift ersieht! Ich darf das schon besonders erwähnen, weil die Anthroposophie da nicht erwähnt wird; dieser Aufsatz tut also in bezug auf die eigene Sache nicht weh. Aber in dieser «gelehrten» Zeitschrift findet man einen Aufsatz, der nicht nur auf anthroposophischem Gebiet, sondern auch durch und durch das dilettantisch Banalste ist für den, der die Dinge versteht. Er wird aber doch ernst genommen.
[ 29 ] Über eine solche Anschauung kommt man nur hinaus, wenn man in das konkrete geisteswissenschaftliche Verhältnis kommt. Das ist solch ein Punkt, über den sich die Menschen, der Zukunft entgegen, immer mehr werden aufklären müssen. Und Wahrheit muß unter den Menschen sein. Das wird insbesondere eine Forderung in die Zukunft hinein sein müssen, und Wahrheit ist in der Gegenwart nicht sehr verbreitet, gar nicht sehr verbreitet. Gerade auf gelehrten Gebieten findet man zuweilen sehr merkwürdige Begriffe über das, was Wahrheit ist. Sie wissen aus meinem Buch «Von Seelenrätseln» — wenn ich das kurz anführen darf —, in welch eigentümlicher Weise der merkwürdige Mensch Max Dessoir mit der Wahrheit umgegangen ist. Es ist wirklich herzzerbrechend, was man aus dem letzten Heft der Kant-Zeitschrift ersieht! Ich darf das schon besonders erwähnen, weil die Anthroposophie da nicht erwähnt wird; dieser Aufsatz tut also in bezug auf die eigene Sache nicht weh. Aber in dieser «gelehrten» Zeitschrift findet man einen Aufsatz, der nicht nur auf anthroposophischem Gebiet, sondern auch durch und durch das dilettantisch Banalste ist für den, der die Dinge versteht. Er wird aber doch ernst genommen.
[ 30 ] Sie wissen ja aus meinem Buche, wie man Dessoir schulmeisterlich — man kann nicht anders — nachweisen muß, daß er meine Bücher nicht gelesen hat, aber alles mögliche verdreht. Nur eine der dümmsten Verdrehungen möchte ich noch einmal erwähnen: Dessoir gibt in der ersten Auflage seines Buches «Vom Jenseits der Seele» an, daß meine «Philosophie der Freiheit» mein Erstling wäre. Nun, diese «Philosophie der Freiheit» ist 1894 erschienen, zehn Jahre nach meinem Erstling; aber so oberflächlich wie hier, ist er in bezug auf alles. Also die «Philosophie der Freiheit» sei mein Erstling. Ich habe ihm das unter wichtigeren Dingen auch aufgemutzt, um ihm seine Art zu zeigen. Es erscheint eine zweite Auflage. In der Vorrede macht er allerlei Dinge geltend, die gerade so sind, daß man aus ihnen sieht, wes Geistes Kind dieser Universitätsprofessor ist. Aber nun hat er doch in der ersten Auflage gesagt, die «Philosophie der Freiheit» sei mein literarischer Erstling; jetzt sagt er, das habe er nicht gemeint, sondern das sei mein «theosophischer Erstling». Halten Sie das nun zusammen mit der Art und Weise, wie wieder von anderer Seite die «Philosophie der Freiheit» genommen wird als etwas, was durch meine «Theosophie» verleugnet würde: da werden Sie hineinsehen in einen wahren Sumpf! Aber man sieht an solchen Dingen sehr leicht hinein in die Gegenwart, und es ist sehr wichtig, daß man sich über diese Dinge völlig Aufklärung verschafft. Und das kann man nur, wenn man ganz unumwunden mit geisteswissenschaftlichen Waffen sich ausrüstet.
[ 30 ] Sie wissen ja aus meinem Buche, wie man Dessoir schulmeisterlich — man kann nicht anders — nachweisen muß, daß er meine Bücher nicht gelesen hat, aber alles mögliche verdreht. Nur eine der dümmsten Verdrehungen möchte ich noch einmal erwähnen: Dessoir gibt in der ersten Auflage seines Buches «Vom Jenseits der Seele» an, daß meine «Philosophie der Freiheit» mein Erstling wäre. Nun, diese «Philosophie der Freiheit» ist 1894 erschienen, zehn Jahre nach meinem Erstling; aber so oberflächlich wie hier, ist er in bezug auf alles. Also die «Philosophie der Freiheit» sei mein Erstling. Ich habe ihm das unter wichtigeren Dingen auch aufgemutzt, um ihm seine Art zu zeigen. Es erscheint eine zweite Auflage. In der Vorrede macht er allerlei Dinge geltend, die gerade so sind, daß man aus ihnen sieht, wes Geistes Kind dieser Universitätsprofessor ist. Aber nun hat er doch in der ersten Auflage gesagt, die «Philosophie der Freiheit» sei mein literarischer Erstling; jetzt sagt er, das habe er nicht gemeint, sondern das sei mein «theosophischer Erstling». Halten Sie das nun zusammen mit der Art und Weise, wie wieder von anderer Seite die «Philosophie der Freiheit» genommen wird als etwas, was durch meine «Theosophie» verleugnet würde: da werden Sie hineinsehen in einen wahren Sumpf! Aber man sieht an solchen Dingen sehr leicht hinein in die Gegenwart, und es ist sehr wichtig, daß man sich über diese Dinge völlig Aufklärung verschafft. Und das kann man nur, wenn man ganz unumwunden mit geisteswissenschaftlichen Waffen sich ausrüstet.
[ 31 ] Auch geschichtliche Betrachtung wird unter dem Einflusse der Geisteswissenschaft etwas ganz anderes werden müssen, als sie es bis jetzt war, denn Geschichte ist zumeist eigentlich nichts anderes, so wie sie geboten wird, als eine Fable convenue. Wo man wirklich an die Tatsachen herandringt, da wird man in ganz anderes hineingeführt, als die landläufige Geschichte es darstellt.
[ 31 ] Auch geschichtliche Betrachtung wird unter dem Einflusse der Geisteswissenschaft etwas ganz anderes werden müssen, als sie es bis jetzt war, denn Geschichte ist zumeist eigentlich nichts anderes, so wie sie geboten wird, als eine Fable convenue. Wo man wirklich an die Tatsachen herandringt, da wird man in ganz anderes hineingeführt, als die landläufige Geschichte es darstellt.
[ 32 ] Ich will Ihnen einen Punkt anführen. Sie werden gleich nachher sehen, worauf ich mit solcher Betrachtung hinaus will. Wir wissen, der vierte nachatlantische Zeitraum schloß mit dem 15. Jahrhundert. Das ist die griechisch-lateinische Zeit; in ihren letzten Ausläufern geht sie bis ins 15. Jahrhundert hinein. 1413 beginnt der fünfte nachatlantische Zeitraum, da geschieht ein mächtiger Umschwung. Wenn man das sich vor Augen hält, dann darf man sich vielleicht fragen: Wodurch ist denn dieses Römische Reich, in das zuletzt sich alles zusammenfand, was griechisch-lateinische Kultur ist, zugrunde gegangen? Es sind verschiedene Ursachen, aber eine der wichtigen ist die folgende: Die Römer haben große Kriege geführt; diese Kriege haben allmählich das Gebiet über die Ränder ausgedehnt. Viele neue Randvölker sind entstanden. Das hatte eine ganz bestimmte Folge. Wer die damalige Zeit, die ersten christlichen Jahrhunderte studiert, der findet, daß durch die eigentümliche Berührung des Römerreiches in seiner Verwaltung und inneren sozialen Struktur mit den Randvölkern und nach dem Orient hinüber ein fortwährender Metallgeldabfluß aus dem Römerreiche nach dem Orient sich geltend gemacht hat. Und dies ist eines der allerallerwichtigsten Ereignisse im 2., 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert, als das Römerreich so allmählich zugrunde ging: daß das Metallgeld zu den Randvölkern hinüberfließt in den Orient. Und das Römische Reich, trotzdem es eine komplizierte Militärverwaltung hat, es wird immer gold- und geldärmer. Das ist der äußere Ausdruck, das Bild für die inneren Vorgänge. Ich erwähne dieses äußere Bild, das Gold- und Geldärmerwerden des Römischen Reiches, weil es der äußere Ausdruck ist auch für die Seelenstimmung. Was geschah aus dieser Seelenstimmung heraus? Natürlich, diese Seelenstimmung hat eine bestimmte Bedeutung im ganzen Sinn des weltgeschichtlichen Geschehens. Es sollte etwas daraus werden, aus diesem Verarmen an Metallgeld von seiten der Römer. Und was wurde daraus? Es wurde daraus der Individualismus, der das Charakteristische ist in unserem Zeitalter. Man redete vielfach von der Kunst, Gold zu machen. Wodurch kam sie, diese Kunst? Weil Europa materiell goldarm geworden ist, entstand diese äußere physische Sehnsucht nach dem Goldmachen, bis Amerika entdeckt wurde, und das Gold von da herüberkam. Diese großen Zusammenhänge müssen gefaßt werden. Bis in die Alchimie hinein und dadurch bis in die Entwickelung der Menschenseelen hinein wirkte das, was man so kennenlernt, wenn man wirklich den Untergang des Römischen Reiches studiert: Goldarmut durch die Ausdehnung der sozialen Struktur über die Randvölker hinaus in den Orient.
[ 32 ] Ich will Ihnen einen Punkt anführen. Sie werden gleich nachher sehen, worauf ich mit solcher Betrachtung hinaus will. Wir wissen, der vierte nachatlantische Zeitraum schloß mit dem 15. Jahrhundert. Das ist die griechisch-lateinische Zeit; in ihren letzten Ausläufern geht sie bis ins 15. Jahrhundert hinein. 1413 beginnt der fünfte nachatlantische Zeitraum, da geschieht ein mächtiger Umschwung. Wenn man das sich vor Augen hält, dann darf man sich vielleicht fragen: Wodurch ist denn dieses Römische Reich, in das zuletzt sich alles zusammenfand, was griechisch-lateinische Kultur ist, zugrunde gegangen? Es sind verschiedene Ursachen, aber eine der wichtigen ist die folgende: Die Römer haben große Kriege geführt; diese Kriege haben allmählich das Gebiet über die Ränder ausgedehnt. Viele neue Randvölker sind entstanden. Das hatte eine ganz bestimmte Folge. Wer die damalige Zeit, die ersten christlichen Jahrhunderte studiert, der findet, daß durch die eigentümliche Berührung des Römerreiches in seiner Verwaltung und inneren sozialen Struktur mit den Randvölkern und nach dem Orient hinüber ein fortwährender Metallgeldabfluß aus dem Römerreiche nach dem Orient sich geltend gemacht hat. Und dies ist eines der allerallerwichtigsten Ereignisse im 2., 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert, als das Römerreich so allmählich zugrunde ging: daß das Metallgeld zu den Randvölkern hinüberfließt in den Orient. Und das Römische Reich, trotzdem es eine komplizierte Militärverwaltung hat, es wird immer gold- und geldärmer. Das ist der äußere Ausdruck, das Bild für die inneren Vorgänge. Ich erwähne dieses äußere Bild, das Gold- und Geldärmerwerden des Römischen Reiches, weil es der äußere Ausdruck ist auch für die Seelenstimmung. Was geschah aus dieser Seelenstimmung heraus? Natürlich, diese Seelenstimmung hat eine bestimmte Bedeutung im ganzen Sinn des weltgeschichtlichen Geschehens. Es sollte etwas daraus werden, aus diesem Verarmen an Metallgeld von seiten der Römer. Und was wurde daraus? Es wurde daraus der Individualismus, der das Charakteristische ist in unserem Zeitalter. Man redete vielfach von der Kunst, Gold zu machen. Wodurch kam sie, diese Kunst? Weil Europa materiell goldarm geworden ist, entstand diese äußere physische Sehnsucht nach dem Goldmachen, bis Amerika entdeckt wurde, und das Gold von da herüberkam. Diese großen Zusammenhänge müssen gefaßt werden. Bis in die Alchimie hinein und dadurch bis in die Entwickelung der Menschenseelen hinein wirkte das, was man so kennenlernt, wenn man wirklich den Untergang des Römischen Reiches studiert: Goldarmut durch die Ausdehnung der sozialen Struktur über die Randvölker hinaus in den Orient.
[ 33 ] Jetzt leben wir in einer Zeit, in der die Menschen sich gestehen müssen: Die Zeit des instinktiven Lebens ist vorüber. Wir kommen nicht zu sozialen Strukturen, wenn wir nicht imstande sind, das soziale Denken zu beleben durch die Gedanken, die aus der Erfassung der geistigen Welt kommen. Deshalb sind die Sozialwissenschaften so steril, und deshalb hat sich die Menschheit in diese katastrophale Gegenwart hineingebracht, in der die sozialen Strukturen dieses Chaos hervorrufen über die Welt hin, weil die Menschen nicht geisteswissenschaftliche Gedanken, die aus den Impulsen der Menschheitsentwickelung einfließen sollen in das soziale Denken, in das Gemeinschaftsleben hineinfließen lassen können. Es gibt durchaus geistige Ursachen für diese katastrophale Gegenwart. Das ist das Sich-Aufbäumen der Menschen gegen das Einfließen des Geistes. Dadurch ist in Wahrheit die gegenwärtige Katastrophe entstanden. Denn die Menschen wenden sich überall gegen den Geist, der herein will.
[ 33 ] Jetzt leben wir in einer Zeit, in der die Menschen sich gestehen müssen: Die Zeit des instinktiven Lebens ist vorüber. Wir kommen nicht zu sozialen Strukturen, wenn wir nicht imstande sind, das soziale Denken zu beleben durch die Gedanken, die aus der Erfassung der geistigen Welt kommen. Deshalb sind die Sozialwissenschaften so steril, und deshalb hat sich die Menschheit in diese katastrophale Gegenwart hineingebracht, in der die sozialen Strukturen dieses Chaos hervorrufen über die Welt hin, weil die Menschen nicht geisteswissenschaftliche Gedanken, die aus den Impulsen der Menschheitsentwickelung einfließen sollen in das soziale Denken, in das Gemeinschaftsleben hineinfließen lassen können. Es gibt durchaus geistige Ursachen für diese katastrophale Gegenwart. Das ist das Sich-Aufbäumen der Menschen gegen das Einfließen des Geistes. Dadurch ist in Wahrheit die gegenwärtige Katastrophe entstanden. Denn die Menschen wenden sich überall gegen den Geist, der herein will.
[ 34 ] Ich will Ihnen ein Beispiel sagen, das Sie vielleicht doch auch charakteristisch finden werden. Nehmen Sie an, es denkt heute jemand darüber nach, was es für verschiedene Weltanschauungen gibt, und rein äußerlich klassifiziert er die Weltanschauungen: Katholizismus, Protestantismus, Sozialismus, Naturalismus und so weiter. Nehmen Sie den Zyklus, den ich einmal gehalten habe in Berlin, wo ich die Weltanschauungen mehr nach inneren Kategorien aufgebaut habe, nach der Zwölfzahl und nach der Siebenzahl. Da bekommen Sie wirklich sieben Weltanschauungen heraus: Gnosis, Logismus, Voluntarismus, Empirismus, Mystik, Transzendentalismus, Okkultismus. Natürlich, wer sie nur aufklaubt, die Weltanschauungen, wird sie nicht mit diesen Namen benennen. Und doch waltet die Sphärenmusik überall drinnen! Also denken Sie sich heute einmal einen Menschen, der nichts anderes wäre als materialistischer Beobachter, der so abliest die Weltanschauungen, wie sie ihm zugänglich sind, wie viele müßte er finden? Sieben müßte er finden. Er mag sie anders benennen, nach dem, wie sie sich äußerlich darstellen, aber in sieben Gliedern müssen sie auftreten. Lesen Sie das gegenwärtige Heft der «Preußischen Jahrbücher». Da finden Sie im ersten Aufsatz eine solche Beobachtung, laut welcher ein Mensch die Weltanschauungen, wie sie gegenwärtig sind, registrieren wollte. Er zählt sie auf. Wie viele kriegt er heraus? Sieben: Katholizismus, Protestantismus, Rationalismus, Humanismus, Idealismus, Sozialismus und persönlicher Individualismus. Das sind in der Tat sieben. Sie sind nur verschoben, die Kategorien, aber es kann einer nichts anderes als sieben herauskriegen. — Da haben Sie ein Beispiel, wo heranschlägt das, was wir als einen Sinn der Entwickelung finden, an die ganz gewöhnliche äußere Entwickelung. Die Menschen wollen sich das nicht gestehen, aber es ist notwendig, daß das in der Gegenwart eingestanden wird; daß? man an diesen Dingen nicht vorbeigeht, sondern den Mut hat, sie ins Auge zu fassen.
[ 34 ] Ich will Ihnen ein Beispiel sagen, das Sie vielleicht doch auch charakteristisch finden werden. Nehmen Sie an, es denkt heute jemand darüber nach, was es für verschiedene Weltanschauungen gibt, und rein äußerlich klassifiziert er die Weltanschauungen: Katholizismus, Protestantismus, Sozialismus, Naturalismus und so weiter. Nehmen Sie den Zyklus, den ich einmal gehalten habe in Berlin, wo ich die Weltanschauungen mehr nach inneren Kategorien aufgebaut habe, nach der Zwölfzahl und nach der Siebenzahl. Da bekommen Sie wirklich sieben Weltanschauungen heraus: Gnosis, Logismus, Voluntarismus, Empirismus, Mystik, Transzendentalismus, Okkultismus. Natürlich, wer sie nur aufklaubt, die Weltanschauungen, wird sie nicht mit diesen Namen benennen. Und doch waltet die Sphärenmusik überall drinnen! Also denken Sie sich heute einmal einen Menschen, der nichts anderes wäre als materialistischer Beobachter, der so abliest die Weltanschauungen, wie sie ihm zugänglich sind, wie viele müßte er finden? Sieben müßte er finden. Er mag sie anders benennen, nach dem, wie sie sich äußerlich darstellen, aber in sieben Gliedern müssen sie auftreten. Lesen Sie das gegenwärtige Heft der «Preußischen Jahrbücher». Da finden Sie im ersten Aufsatz eine solche Beobachtung, laut welcher ein Mensch die Weltanschauungen, wie sie gegenwärtig sind, registrieren wollte. Er zählt sie auf. Wie viele kriegt er heraus? Sieben: Katholizismus, Protestantismus, Rationalismus, Humanismus, Idealismus, Sozialismus und persönlicher Individualismus. Das sind in der Tat sieben. Sie sind nur verschoben, die Kategorien, aber es kann einer nichts anderes als sieben herauskriegen. — Da haben Sie ein Beispiel, wo heranschlägt das, was wir als einen Sinn der Entwickelung finden, an die ganz gewöhnliche äußere Entwickelung. Die Menschen wollen sich das nicht gestehen, aber es ist notwendig, daß das in der Gegenwart eingestanden wird; daß? man an diesen Dingen nicht vorbeigeht, sondern den Mut hat, sie ins Auge zu fassen.
[ 35 ] Was geschieht denn eigentlich in der Gegenwart? In alten Zeiten, in der dritten nachatlantischen Kulturperiode, da war vom Osten nach Westen, über die ganze Erdkugel hingehend, ein durchgreifender Impuls, ein solcher Impuls, der allerdings nicht wie die heutigen Impulse bloß aus dem materiellen Leben, sondern aus dem Geistigen herauskam. Es griffen dazumal geistige Impulse auch in das soziale Leben ein. Da entwickelte sich aus dem Osten nach dem Westen herüber ein gewisser Impuls. Man kann ihn so charakterisieren, daß man sagt: Einige Menschen waren dazumal bestrebt, das, was sie der geistigen Welt als Erleuchtung abrangen, was ihnen mehr oder weniger durch ihr Alter oder durch Initiation aus guten oder schlechten Mysterien kam, den anderen Menschen zu überliefern; sie wollten das, was sie hatten, den anderen Menschen aufdrängen. Das war dazumal ein Impuls, der vom Oriente nach dem Westen ging: einige wenige geistige Kräfte im Sinne des Fortschritts der Menschheit ausbreiten, die Erde erfüllen mit einigen wenigen geistigen Maximen, mit Kräften, die aus den verblühenden Mysterien kamen. Danach richtete sich auch dazumal das soziale Leben. Es war im dritten nachatlantischen Zeitraum; geschichtlich ist da wenig verzeichnet. Die Wiederholung aber desjenigen, was damals geschah, die geschieht jetzt. Denken Sie sich dasjenige, was dazumal sich verbreitete als der Drang vom Osten nach dem Westen, ins rein Materielle umgesetzt im fünften nachatlantischen Zeitraum: Dazumal waren es die atavistisch-spirituellen Kräfte, die eine soziale Struktur bewirkten, indem den Menschen starke geistige Impulse gegeben werden sollten; diese sollten in die Menschheit hineingebracht werden. Denken Sie sich nun das Entgegengesetzte: Es wollen einige Menschen von sich aus das Materielle der Erde erobern, es den anderen Menschen wegnehmen. Damals wollte man das Geistige geben, und das bewirkte eben, daß so und so viele Jahre nach dem Mysterium von Golgatha die Katastrophen hereinbrachen. Dabei ging das Römische Reich unter. Damals brachen die geistigen Katastrophen herein, was darin gipfelte, daß gewisse Völker aus dem Osten mit einzelnen Maximen die Länder der Erde überschwemmen wollten. Das gleiche macht sich jetzt geltend, indem das britisch-amerikanische Volk den Menschen die Erde wegnehmen will. Das steckt hinter der ganzen Sache. Und es ist dasselbe genau umgesetzt: als Spiegelbild erscheint es. Man versteht nicht anders, was in der Gegenwart geschieht, als wenn man hineinschaut in den wirklichen Entwickelungsgang der Menschheit, wenn anstelle desjenigen, was als Geschichte gelehrt wird, die wirkliche Geschichte tritt. Denn es ist notwendig, daß der Zukunft entgegen die Menschen in voller Bewußtheit in das hineingestellt werden, was wirklich geschieht. Das heutige Wirtschaftsleben war schon lange ein Chaos, daraus hat sich diese Katastrophe herausentwickelt. Jetzt haben Sie zwei Dinge, die hineinwirken. Von Westen nach Osten: das Spiegelbild; vom Osten nach Westen: was alt geworden ist. Dort haben Sie noch die Überreste alter Geistesanschauung des ganzen asiatischen Orients, das, was er gemacht hat, um das Geistige auszubreiten, das Geistige hineinzuschieben. Studieren Sie die gegenwärtige Katastrophe, so haben Sie vom Osten hinüber einen Krieg der Seelen, da kämpfen die Seelen um die Geltendmachung der orientalisch-slawischen Begriffe; vom Westen hinüber: ein rein materieller Krieg um Absatzgebiete. Verstehen kann man diese Dinge nur, wenn man sie von dem großen Gesichtspunkte der menschlichen Entwickelung ins Auge fafßft. Das wäre aber notwendig, daß man von diesen Dingen einmal frei sprechen könnte. Darüber sollten die Menschen aufgeklärt werden dürfen, was eigentlich dasjenige ist, in dem sie leben. Das ist von ungeheurer Wichtigkeit. Was aber aufhören muß, das ist, daß die Menschen förmlich verschlafen, was geschieht. Die wichtigsten Dinge können vorgehen die Menschen können sie nicht mehr verstehen. Sie können sie nicht mehr in ihrem Gewicht erfassen, weil man das gegenwärtig nur kann, wenn man sie mit dem Licht des geisteswissenschaftlichen Erkennens zu beleuchten vermag. Sie lassen sich nicht auf andere Weise beleuchten.
[ 35 ] Was geschieht denn eigentlich in der Gegenwart? In alten Zeiten, in der dritten nachatlantischen Kulturperiode, da war vom Osten nach Westen, über die ganze Erdkugel hingehend, ein durchgreifender Impuls, ein solcher Impuls, der allerdings nicht wie die heutigen Impulse bloß aus dem materiellen Leben, sondern aus dem Geistigen herauskam. Es griffen dazumal geistige Impulse auch in das soziale Leben ein. Da entwickelte sich aus dem Osten nach dem Westen herüber ein gewisser Impuls. Man kann ihn so charakterisieren, daß man sagt: Einige Menschen waren dazumal bestrebt, das, was sie der geistigen Welt als Erleuchtung abrangen, was ihnen mehr oder weniger durch ihr Alter oder durch Initiation aus guten oder schlechten Mysterien kam, den anderen Menschen zu überliefern; sie wollten das, was sie hatten, den anderen Menschen aufdrängen. Das war dazumal ein Impuls, der vom Oriente nach dem Westen ging: einige wenige geistige Kräfte im Sinne des Fortschritts der Menschheit ausbreiten, die Erde erfüllen mit einigen wenigen geistigen Maximen, mit Kräften, die aus den verblühenden Mysterien kamen. Danach richtete sich auch dazumal das soziale Leben. Es war im dritten nachatlantischen Zeitraum; geschichtlich ist da wenig verzeichnet. Die Wiederholung aber desjenigen, was damals geschah, die geschieht jetzt. Denken Sie sich dasjenige, was dazumal sich verbreitete als der Drang vom Osten nach dem Westen, ins rein Materielle umgesetzt im fünften nachatlantischen Zeitraum: Dazumal waren es die atavistisch-spirituellen Kräfte, die eine soziale Struktur bewirkten, indem den Menschen starke geistige Impulse gegeben werden sollten; diese sollten in die Menschheit hineingebracht werden. Denken Sie sich nun das Entgegengesetzte: Es wollen einige Menschen von sich aus das Materielle der Erde erobern, es den anderen Menschen wegnehmen. Damals wollte man das Geistige geben, und das bewirkte eben, daß so und so viele Jahre nach dem Mysterium von Golgatha die Katastrophen hereinbrachen. Dabei ging das Römische Reich unter. Damals brachen die geistigen Katastrophen herein, was darin gipfelte, daß gewisse Völker aus dem Osten mit einzelnen Maximen die Länder der Erde überschwemmen wollten. Das gleiche macht sich jetzt geltend, indem das britisch-amerikanische Volk den Menschen die Erde wegnehmen will. Das steckt hinter der ganzen Sache. Und es ist dasselbe genau umgesetzt: als Spiegelbild erscheint es. Man versteht nicht anders, was in der Gegenwart geschieht, als wenn man hineinschaut in den wirklichen Entwickelungsgang der Menschheit, wenn anstelle desjenigen, was als Geschichte gelehrt wird, die wirkliche Geschichte tritt. Denn es ist notwendig, daß der Zukunft entgegen die Menschen in voller Bewußtheit in das hineingestellt werden, was wirklich geschieht. Das heutige Wirtschaftsleben war schon lange ein Chaos, daraus hat sich diese Katastrophe herausentwickelt. Jetzt haben Sie zwei Dinge, die hineinwirken. Von Westen nach Osten: das Spiegelbild; vom Osten nach Westen: was alt geworden ist. Dort haben Sie noch die Überreste alter Geistesanschauung des ganzen asiatischen Orients, das, was er gemacht hat, um das Geistige auszubreiten, das Geistige hineinzuschieben. Studieren Sie die gegenwärtige Katastrophe, so haben Sie vom Osten hinüber einen Krieg der Seelen, da kämpfen die Seelen um die Geltendmachung der orientalisch-slawischen Begriffe; vom Westen hinüber: ein rein materieller Krieg um Absatzgebiete. Verstehen kann man diese Dinge nur, wenn man sie von dem großen Gesichtspunkte der menschlichen Entwickelung ins Auge fafßft. Das wäre aber notwendig, daß man von diesen Dingen einmal frei sprechen könnte. Darüber sollten die Menschen aufgeklärt werden dürfen, was eigentlich dasjenige ist, in dem sie leben. Das ist von ungeheurer Wichtigkeit. Was aber aufhören muß, das ist, daß die Menschen förmlich verschlafen, was geschieht. Die wichtigsten Dinge können vorgehen die Menschen können sie nicht mehr verstehen. Sie können sie nicht mehr in ihrem Gewicht erfassen, weil man das gegenwärtig nur kann, wenn man sie mit dem Licht des geisteswissenschaftlichen Erkennens zu beleuchten vermag. Sie lassen sich nicht auf andere Weise beleuchten.
[ 36 ] Aber wie verhalten sich denn heute die gelehrtesten Leute zu dem geisteswissenschaftlichen Erkennen? Ja, da haben wir ein gutes Beispiel. An verschiedenen Orten habe ich immer wieder und wiederum erwähnt, daß es eine interessante Tatsache ist, daß aus der Haeckel-Schule heraus, also von einem Haeckel-Schüler, von Oscar Hertwig, ein Buch geschrieben worden ist, ein ausgezeichnetes Buch: «Das Werden der Organismen, eine Widerlegung von Darwins Zufallstheorie.» Oscar Hertwig hat darin auf die verschiedenen Schattenseiten des Darwinismus hingewiesen. Ich habe dieses Buch viel gelobt. Aber auf dem Boden unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung müssen Sie sich an völlige Autoritätslosigkeit gewöhnen. Denn vor kurzer Zeit erschien ein anderes Buch von demselben Oscar Hertwig: «Zur Abwehr des ethischen, sozialen und politischen Darwinismus.» Jetzt dürfen Sie nicht etwa sagen: Nun, der Steiner hat den Hertwig gelobt, also studieren wir jetzt in diesem Sinne auch sein neuestes Buch —, denn dann werden Sie eine Enttäuschung erleben. Die Enttäuschung, daß ich sagen muß: Während das eine Buch ein ganz ausgezeichnetes Buch ist, ist dieses neueste Buch das Dilettantischste, Unsinnigste, was man überhaupt nur reden kann über die betreffenden Kapitel. Wenn Sie also bloß sagen wollen: Der Steiner hat das gelobt, also können auch wir es wiederum als Evangelium hinnehmen —, dann sind Sie nie sicher, daß ich nicht wiederum genötigt bin, das, was auf demselben Grund und Boden entsteht, mit den entgegengesetzten Prädikaten zu belegen. Autoritätsglaube darf eben in unseren Reihen nicht blühen, sondern nur eigenes Anschauen, eigene Meinung. Aber wovon rührt das denn eigentlich her? Das rührt davon her, daß Hertwig ein ausgezeichneter Naturforscher ist; aber die Begriffe der Naturforschung darf man nicht in das soziale Leben einführen. Tut man das, dann findet man überall nur das Tote, das Absterbende der Geschichte, wie zum Beispiel bei Gibbon, der die ausgezeichnete Geschichte des Verfalls des Römischen Reiches geschrieben hat. Das ist ein Geheimnis — ich habe auch dieses schon dargestellt — des geschichtlichen Werdens, daß, wenn man dieses geschichtliche Werden betrachten will mit den Begriffen, die in der Naturwissenschaft gelten, man niemals das, was wächst und sproßt, sondern nur das finden wird, was in den Leichnam übergeht. Nur Verfallserscheinungen des geschichtlichen Lebens trifft man, wenn man die Begriffe verwenden will, die in der Naturwissenschaft gut anwendbare sind. Die Menschen ahnten das bisweilen. Daher hat Treitschke gesagt, die Triebkräfte in der Geschichte wären die Leidenschaften und die Dummheiten der Menschen. So ist es nicht. Es sind unbewußte Kräfte, die da abwärtssteigen im geschichtlichen Werden. Daher ist das wahr: Wenn man ins öffentliche Leben, also auch ins praktische Leben den Verfall hineinbringen will, dann setzt man in die Parlamente Gelehrte und Theoretiker. Diese Leute werden nur solche Gesetze auskochen, die Verfallserscheinungen geben, weil mit dem, was heute als wissenschaftlich gilt, nur die Verfallserscheinungen in der Geschichte gefunden werden können. Diese Dinge müssen in das Bewußtsein der Menschen hereintreten. Es ist das weit notwendiger, als die meisten Menschen glauben, und muß erfaßt werden, wenn man es ehrlich und aufrichtig meint mit dem, was die Menschheit aus der gegenwärtigen katastrophalen Zeit herausführen soll. Es geht nicht an, weiter die wichtigen Ereignisse zu verschlafen, die unbewußt ins Menschenleben hereintreten, denen die Menschen nicht gewachsen sein werden mit ihrem Bewußtsein, wenn sie sie nicht beleuchten wollen mit der Geisteswissenschaft. Aber da handelt es sich eben darum, daß man das Leben in seiner Wirklichkeit erfaßt, daß man wirklich hineinschaut in die wahre Gestaltung des Lebens.
[ 36 ] Aber wie verhalten sich denn heute die gelehrtesten Leute zu dem geisteswissenschaftlichen Erkennen? Ja, da haben wir ein gutes Beispiel. An verschiedenen Orten habe ich immer wieder und wiederum erwähnt, daß es eine interessante Tatsache ist, daß aus der Haeckel-Schule heraus, also von einem Haeckel-Schüler, von Oscar Hertwig, ein Buch geschrieben worden ist, ein ausgezeichnetes Buch: «Das Werden der Organismen, eine Widerlegung von Darwins Zufallstheorie.» Oscar Hertwig hat darin auf die verschiedenen Schattenseiten des Darwinismus hingewiesen. Ich habe dieses Buch viel gelobt. Aber auf dem Boden unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung müssen Sie sich an völlige Autoritätslosigkeit gewöhnen. Denn vor kurzer Zeit erschien ein anderes Buch von demselben Oscar Hertwig: «Zur Abwehr des ethischen, sozialen und politischen Darwinismus.» Jetzt dürfen Sie nicht etwa sagen: Nun, der Steiner hat den Hertwig gelobt, also studieren wir jetzt in diesem Sinne auch sein neuestes Buch —, denn dann werden Sie eine Enttäuschung erleben. Die Enttäuschung, daß ich sagen muß: Während das eine Buch ein ganz ausgezeichnetes Buch ist, ist dieses neueste Buch das Dilettantischste, Unsinnigste, was man überhaupt nur reden kann über die betreffenden Kapitel. Wenn Sie also bloß sagen wollen: Der Steiner hat das gelobt, also können auch wir es wiederum als Evangelium hinnehmen —, dann sind Sie nie sicher, daß ich nicht wiederum genötigt bin, das, was auf demselben Grund und Boden entsteht, mit den entgegengesetzten Prädikaten zu belegen. Autoritätsglaube darf eben in unseren Reihen nicht blühen, sondern nur eigenes Anschauen, eigene Meinung. Aber wovon rührt das denn eigentlich her? Das rührt davon her, daß Hertwig ein ausgezeichneter Naturforscher ist; aber die Begriffe der Naturforschung darf man nicht in das soziale Leben einführen. Tut man das, dann findet man überall nur das Tote, das Absterbende der Geschichte, wie zum Beispiel bei Gibbon, der die ausgezeichnete Geschichte des Verfalls des Römischen Reiches geschrieben hat. Das ist ein Geheimnis — ich habe auch dieses schon dargestellt — des geschichtlichen Werdens, daß, wenn man dieses geschichtliche Werden betrachten will mit den Begriffen, die in der Naturwissenschaft gelten, man niemals das, was wächst und sproßt, sondern nur das finden wird, was in den Leichnam übergeht. Nur Verfallserscheinungen des geschichtlichen Lebens trifft man, wenn man die Begriffe verwenden will, die in der Naturwissenschaft gut anwendbare sind. Die Menschen ahnten das bisweilen. Daher hat Treitschke gesagt, die Triebkräfte in der Geschichte wären die Leidenschaften und die Dummheiten der Menschen. So ist es nicht. Es sind unbewußte Kräfte, die da abwärtssteigen im geschichtlichen Werden. Daher ist das wahr: Wenn man ins öffentliche Leben, also auch ins praktische Leben den Verfall hineinbringen will, dann setzt man in die Parlamente Gelehrte und Theoretiker. Diese Leute werden nur solche Gesetze auskochen, die Verfallserscheinungen geben, weil mit dem, was heute als wissenschaftlich gilt, nur die Verfallserscheinungen in der Geschichte gefunden werden können. Diese Dinge müssen in das Bewußtsein der Menschen hereintreten. Es ist das weit notwendiger, als die meisten Menschen glauben, und muß erfaßt werden, wenn man es ehrlich und aufrichtig meint mit dem, was die Menschheit aus der gegenwärtigen katastrophalen Zeit herausführen soll. Es geht nicht an, weiter die wichtigen Ereignisse zu verschlafen, die unbewußt ins Menschenleben hereintreten, denen die Menschen nicht gewachsen sein werden mit ihrem Bewußtsein, wenn sie sie nicht beleuchten wollen mit der Geisteswissenschaft. Aber da handelt es sich eben darum, daß man das Leben in seiner Wirklichkeit erfaßt, daß man wirklich hineinschaut in die wahre Gestaltung des Lebens.
[ 37 ] Da muß man schon das Zusammenwirken dieser drei Impulse: des normal Menschlichen, des Luziferischen, des Ahrimanischen ins Auge fassen. Denn diese Dinge darf man nicht so behandeln, daß man sagt: Ich will ein normaler Mensch sein, und so meide ich alles Ahrimanische, alles Luziferische! — Wer so richtig brav sein will, alles Ahrimanische, alles Luziferische meiden will, der patscht nach der einen Seite ins Luziferische, nach der anderen Seite ins Ahrimanische erst recht hinein.
[ 37 ] Da muß man schon das Zusammenwirken dieser drei Impulse: des normal Menschlichen, des Luziferischen, des Ahrimanischen ins Auge fassen. Denn diese Dinge darf man nicht so behandeln, daß man sagt: Ich will ein normaler Mensch sein, und so meide ich alles Ahrimanische, alles Luziferische! — Wer so richtig brav sein will, alles Ahrimanische, alles Luziferische meiden will, der patscht nach der einen Seite ins Luziferische, nach der anderen Seite ins Ahrimanische erst recht hinein.
[ 38 ] Denn nicht darum handelt es sich, daß man die Dinge meidet, sondern daß man Ahrimanisches und Luziferisches ins Gleichgewicht bringt. Der Jugend ist vorzugsweise das Luziferische eigen, dem dahingehenden Alter das Ahrimanische. Der Frau ist mehr das Luziferische eigen, dem Manne das Ahrimanische. Wenn wir in die Zukunft schauen, dann schauen wir vorzugsweise nach dem Ahrimanischen; wenn wir in die Vergangenheit schauen, in das, was noch keimhaft sein soll, dann blicken wir vorzugsweise in Luziferisches. Schauen wir zum britischen Staatenreiche, so schauen wir in ein ahrimanisches Gebiet hinein; bei den orientalischen Staatseinrichtungen schauen wir in luziferisches Gebiet hinein. Es handelt sich darum, daß wir überall finden, wie sich diese Kräfte in das Menschenleben hereinmachen. Man darf nicht blind sein gegenüber diesen Dingen.
[ 38 ] Denn nicht darum handelt es sich, daß man die Dinge meidet, sondern daß man Ahrimanisches und Luziferisches ins Gleichgewicht bringt. Der Jugend ist vorzugsweise das Luziferische eigen, dem dahingehenden Alter das Ahrimanische. Der Frau ist mehr das Luziferische eigen, dem Manne das Ahrimanische. Wenn wir in die Zukunft schauen, dann schauen wir vorzugsweise nach dem Ahrimanischen; wenn wir in die Vergangenheit schauen, in das, was noch keimhaft sein soll, dann blicken wir vorzugsweise in Luziferisches. Schauen wir zum britischen Staatenreiche, so schauen wir in ein ahrimanisches Gebiet hinein; bei den orientalischen Staatseinrichtungen schauen wir in luziferisches Gebiet hinein. Es handelt sich darum, daß wir überall finden, wie sich diese Kräfte in das Menschenleben hereinmachen. Man darf nicht blind sein gegenüber diesen Dingen.
[ 39 ] Nehmen Sie nur eines: In der ganzen sozialen Struktur des Lebens der Menschheit hat bisher das Luziferische manchmal eine höchst verhängnisvolle Rolle gespielt, weil man es nicht in eine richtige Strömung hineinzuleiten verstand, weil man zu weit ausschlagen ließ die Waagschale des Luzifer. Daher haben luziferische Impulse eine große Rolle gespielt in der Art, wie sich die soziale Struktur gemacht hat. Man hat in der Schule schon die kleinen Kinder daran gewöhnt: «der Erste sein», «der Zweite sein», «der Dritte sein». Denken Sie, was da für ein luziferischer Ehrgeiz gespielt hat, wenn die Leute haben Primus werden wollen! Dann wiederum Titel und Orden und alles das, was damit zusammenhängt! Denken Sie sich, wie die soziale Struktur durch das Luziferische da aufgebaut worden ist! Aber diese Zeit geht zu Ende; das wäre auch wiederum so etwas, was man erkennen sollte! Die Zeit geht zu Ende, das Luziferische schwindet auf seinen Schattengebieten immer mehr und mehr. Auch das wäre etwas Gutes, wenn die Menschen in bezug auf das Hinschwinden des Luziferischen — vorläufig für die nächste Zukunft — ein wenig wachsamer wären. Aber unwachsam sind sie für etwas, was wiederum in anderer Weise schädigend hineinkommt. Das ist: Ein Ahrimanisches tritt an die Stelle des Luziferischen. Das Schlagwort ist gefallen: Freie Bahn dem Tüchtigen! — Ich habe schon gesagt: Was nützt es, wenn man sagt «Freie Bahn dem Tüchtigen», und man dann doch den Neffen als den Tüchtigsten ansieht! Nicht wahr, es kommt darauf an, daß man ins Konkrete hineinsieht, ins Wirkliche hineinsieht. Aber das meine ich jetzt nicht, sondern ich meine: Es kommt ein ganzes ahrimanisches System herauf, mit sehr gefährlichen Nebenwirkungen. Dieses ahrimanische System, das hängt ein wenig mit diesem Schlagwort zusammen, das man auf pädagogischem Gebiet heute Begabtenprüfung nennt. Diese Begabtenprüfung, Sie werden sie überall gelobt finden. Es sind die Leute rein teuflisch besessen, indem sie davon sprechen. Es sollen aus einer Anzahl, aus hundert von begabten Knaben und Mädchen, die besonders gute Zeugnisse haben, die Begabtesten herausgesucht werden, die Besten nach Intellektualität, Konzentrationsvermögen, Gedächtnis und so weiter. Da wird nun geprüft nach den neuesten psychologischen Methoden. Nach der experimentellen Psychologie wird zum Beispiel in sehr eigentümlicher Weise die Intelligenz geprüft. Man legt den Kindern drei Begriffe vor: Mörder, Spiegel, Rettung. Jetzt sollen sie durch ihre Intelligenz die Verbindung finden. Derjenige, der bloß die Verbindung findet: Der Mörder sieht sich im Spiegel wie die anderen Menschen — der ist bloß dumm. Aber derjenige, der etwa das «Nächstliegende» findet: Der Mensch blickt in einen Spiegel, sieht den Mörder, der sich gerade heranschleicht, und kann sich retten — der ist normal. Ein «Begabter» wäre der, der etwa sagt, daß der Mörder an den Spiegel heranschleicht, sein eigenes Gesicht in dem Spiegel sieht, erschrickt und vom Morde abläßt. Besonders schlau wäre der, der etwa sagen würde: In der Nähe desjenigen, dessen Leben zu Ende geführt werden soll durch den Mörder, befindet sich ein Spiegel; in der Dunkelheit stößt der Mörder an den Spiegel an, macht ein Geräusch und läßt dann ab von dem Morde. Das ist also noch schlauer! So prüft man die Begabtheit! Das soll also etwas ganz besonders Großartiges sein, während es doch nichts anderes ist als die Übertragung einer rein ahrimanischen Methode, die für Maschinen gilt, auf den Menschen. Das Furchtbarste wird herauskommen an Mechanisierung des Menschenlebens, wenn man auf diese Weise die Begabtheit herausfinden will. Die Menschen brauchen nur nachzudenken über das, was sie selber noch vor einiger Zeit angenommen haben. Ich könnte Ihnen den Nachweis führen, wie unsinnig die Leute reden, wenn sie solche Prüfungen vornehmen. Man nehme doch eine ganze Reihe von Menschen, die jene Leute selbst auch als bedeutende, sehr bedeutende Menschen ansehen, die jetzt des Geistes Kind sind, der zu der Begabtenprüfung führt; sagen wir zum Beispiel Helmholtz, der Physiker, und andere. Wenn diese alle geprüft worden wären nach der Methode der Begabtenprüfung, da wären wohl viele als unbegabt hingestellt worden, zum Beispiel auch Helmholtz. Diese Dinge müssen alle viel ernster genommen werden, denn von diesen Dingen hängt das Heil der Zukunft ab. Es darf auf diesem Gebiet gar nichts Phrase bleiben. Heute lehren die Ereignisse selbst ungeheuer viel.
[ 39 ] Nehmen Sie nur eines: In der ganzen sozialen Struktur des Lebens der Menschheit hat bisher das Luziferische manchmal eine höchst verhängnisvolle Rolle gespielt, weil man es nicht in eine richtige Strömung hineinzuleiten verstand, weil man zu weit ausschlagen ließ die Waagschale des Luzifer. Daher haben luziferische Impulse eine große Rolle gespielt in der Art, wie sich die soziale Struktur gemacht hat. Man hat in der Schule schon die kleinen Kinder daran gewöhnt: «der Erste sein», «der Zweite sein», «der Dritte sein». Denken Sie, was da für ein luziferischer Ehrgeiz gespielt hat, wenn die Leute haben Primus werden wollen! Dann wiederum Titel und Orden und alles das, was damit zusammenhängt! Denken Sie sich, wie die soziale Struktur durch das Luziferische da aufgebaut worden ist! Aber diese Zeit geht zu Ende; das wäre auch wiederum so etwas, was man erkennen sollte! Die Zeit geht zu Ende, das Luziferische schwindet auf seinen Schattengebieten immer mehr und mehr. Auch das wäre etwas Gutes, wenn die Menschen in bezug auf das Hinschwinden des Luziferischen — vorläufig für die nächste Zukunft — ein wenig wachsamer wären. Aber unwachsam sind sie für etwas, was wiederum in anderer Weise schädigend hineinkommt. Das ist: Ein Ahrimanisches tritt an die Stelle des Luziferischen. Das Schlagwort ist gefallen: Freie Bahn dem Tüchtigen! — Ich habe schon gesagt: Was nützt es, wenn man sagt «Freie Bahn dem Tüchtigen», und man dann doch den Neffen als den Tüchtigsten ansieht! Nicht wahr, es kommt darauf an, daß man ins Konkrete hineinsieht, ins Wirkliche hineinsieht. Aber das meine ich jetzt nicht, sondern ich meine: Es kommt ein ganzes ahrimanisches System herauf, mit sehr gefährlichen Nebenwirkungen. Dieses ahrimanische System, das hängt ein wenig mit diesem Schlagwort zusammen, das man auf pädagogischem Gebiet heute Begabtenprüfung nennt. Diese Begabtenprüfung, Sie werden sie überall gelobt finden. Es sind die Leute rein teuflisch besessen, indem sie davon sprechen. Es sollen aus einer Anzahl, aus hundert von begabten Knaben und Mädchen, die besonders gute Zeugnisse haben, die Begabtesten herausgesucht werden, die Besten nach Intellektualität, Konzentrationsvermögen, Gedächtnis und so weiter. Da wird nun geprüft nach den neuesten psychologischen Methoden. Nach der experimentellen Psychologie wird zum Beispiel in sehr eigentümlicher Weise die Intelligenz geprüft. Man legt den Kindern drei Begriffe vor: Mörder, Spiegel, Rettung. Jetzt sollen sie durch ihre Intelligenz die Verbindung finden. Derjenige, der bloß die Verbindung findet: Der Mörder sieht sich im Spiegel wie die anderen Menschen — der ist bloß dumm. Aber derjenige, der etwa das «Nächstliegende» findet: Der Mensch blickt in einen Spiegel, sieht den Mörder, der sich gerade heranschleicht, und kann sich retten — der ist normal. Ein «Begabter» wäre der, der etwa sagt, daß der Mörder an den Spiegel heranschleicht, sein eigenes Gesicht in dem Spiegel sieht, erschrickt und vom Morde abläßt. Besonders schlau wäre der, der etwa sagen würde: In der Nähe desjenigen, dessen Leben zu Ende geführt werden soll durch den Mörder, befindet sich ein Spiegel; in der Dunkelheit stößt der Mörder an den Spiegel an, macht ein Geräusch und läßt dann ab von dem Morde. Das ist also noch schlauer! So prüft man die Begabtheit! Das soll also etwas ganz besonders Großartiges sein, während es doch nichts anderes ist als die Übertragung einer rein ahrimanischen Methode, die für Maschinen gilt, auf den Menschen. Das Furchtbarste wird herauskommen an Mechanisierung des Menschenlebens, wenn man auf diese Weise die Begabtheit herausfinden will. Die Menschen brauchen nur nachzudenken über das, was sie selber noch vor einiger Zeit angenommen haben. Ich könnte Ihnen den Nachweis führen, wie unsinnig die Leute reden, wenn sie solche Prüfungen vornehmen. Man nehme doch eine ganze Reihe von Menschen, die jene Leute selbst auch als bedeutende, sehr bedeutende Menschen ansehen, die jetzt des Geistes Kind sind, der zu der Begabtenprüfung führt; sagen wir zum Beispiel Helmholtz, der Physiker, und andere. Wenn diese alle geprüft worden wären nach der Methode der Begabtenprüfung, da wären wohl viele als unbegabt hingestellt worden, zum Beispiel auch Helmholtz. Diese Dinge müssen alle viel ernster genommen werden, denn von diesen Dingen hängt das Heil der Zukunft ab. Es darf auf diesem Gebiet gar nichts Phrase bleiben. Heute lehren die Ereignisse selbst ungeheuer viel.
[ 40 ] Nehmen Sie das Folgende: Sie können sich im Geiste denken das Zeitalter von 1930 bis 1940. Da könnte es gewisse Menschen geben, die dann so in den Vierzigerjahren, Anfang der Fünfzigerjahre stehen. Stellen Sie sich vor, Sie hätten diesen Gedanken gehabt im Jahre 1913, Sie hätten sich gedacht: Von denen, die im Jahre 1913 leben, werden 1930 eine gewisse Anzahl noch leben, die in führenden Stellungen sein werden; von ihnen wird die soziale Struktur, überhaupt das äußere physische Leben auf verschiedenen Gebieten der Erde abhängen. Sie können sich ungefähr ausmalen, wie es von 1930 bis 1940 gegangen wäre, wenn die Achtzehn- bis Zwanzigjährigen, die jetzigen jungen Leute, dann vierzigjährig geworden wären. Nehmen Sie nun einen anderen Gedanken und fragen Sie sich: Wie viele von denen, die das, was Sie vorausgesetzt haben für 1930, getan hätten, sind jetzt auf den Schlachtfeldern gefallen, werden nicht mehr physisch teilnehmen können an der Führung der physischen Erdenangelegenheiten? — Andere werden daran teilnehmen! Malen Sie sich diese beiden Bilder nebeneinander aus, das eine Bild: Wenn diese Kriegskatastrophe nicht gekommen wäre, dann wäre das, was aus den Antezedenzien sich gebildet hätte, dementsprechend, wie Sie es sich von der Zukunft damals ausgemalt hätten. Und nun das andere Bild, das Sie sich jetzt malen müssen: Wie vielleicht alle die, welche gerade die wichtigsten Stellen hätten haben können, gefallen sind auf den Schlachtfeldern! Da werden Sie, wenn Sie solch ein Bild sich ausmalen, zu einem sehr fühlbaren Begriff von der Maja kommen, von der großen Täuschung des äußeren physischen Planes. Ist dieser physische Plan 1930 so, wie er hätte werden müssen, wenn alle diejenigen, die 1913 jung gewesen sind, gelebt hätten? Er wäre ganz anders geworden. Solche Dinge durchzudenken, das ist nicht ohne Bedeutung. Aber nur Geisteswissenschaft kann, indem sie solche Dinge durchdenkt, im rechten Sinne die Möglichkeit bieten, auch im Realen wirklichkeitsgemäß zu denken. Geisteswissenschaft bringt Sie zu solchen Begriffen, die loskommen von dem bloß physischen Gehirn. Unsere gegenwärtigen Begriffe sind vorzugsweise an das physische Gehirn gebunden, daher hat das Denken der Gegenwart eine gewisse Eigenschaft. Gerade dadurch, daß die naturwissenschaftlichen Begriffe, die an das Gehirn am engsten gebunden sind, die Gegenwart beherrschen, hat unser Denken in der Gegenwart eine besondere Eigenschaft: die Borniertheit, die Beschränktheit. Denn das ist das beschränkteste Denken, das vorzugsweise an unser Gehirn gebunden ist. Geisteswissenschaft muß losreißen das Denken vom Gehirn, muß die Gedanken in Bewegung bringen. Wir haben heute versucht, eine ganze Reihe von Gedanken vor unsere Seele hinzustellen, die leichtbewegliche Gedanken sind, die den Horizont weiter machen.
[ 40 ] Nehmen Sie das Folgende: Sie können sich im Geiste denken das Zeitalter von 1930 bis 1940. Da könnte es gewisse Menschen geben, die dann so in den Vierzigerjahren, Anfang der Fünfzigerjahre stehen. Stellen Sie sich vor, Sie hätten diesen Gedanken gehabt im Jahre 1913, Sie hätten sich gedacht: Von denen, die im Jahre 1913 leben, werden 1930 eine gewisse Anzahl noch leben, die in führenden Stellungen sein werden; von ihnen wird die soziale Struktur, überhaupt das äußere physische Leben auf verschiedenen Gebieten der Erde abhängen. Sie können sich ungefähr ausmalen, wie es von 1930 bis 1940 gegangen wäre, wenn die Achtzehn- bis Zwanzigjährigen, die jetzigen jungen Leute, dann vierzigjährig geworden wären. Nehmen Sie nun einen anderen Gedanken und fragen Sie sich: Wie viele von denen, die das, was Sie vorausgesetzt haben für 1930, getan hätten, sind jetzt auf den Schlachtfeldern gefallen, werden nicht mehr physisch teilnehmen können an der Führung der physischen Erdenangelegenheiten? — Andere werden daran teilnehmen! Malen Sie sich diese beiden Bilder nebeneinander aus, das eine Bild: Wenn diese Kriegskatastrophe nicht gekommen wäre, dann wäre das, was aus den Antezedenzien sich gebildet hätte, dementsprechend, wie Sie es sich von der Zukunft damals ausgemalt hätten. Und nun das andere Bild, das Sie sich jetzt malen müssen: Wie vielleicht alle die, welche gerade die wichtigsten Stellen hätten haben können, gefallen sind auf den Schlachtfeldern! Da werden Sie, wenn Sie solch ein Bild sich ausmalen, zu einem sehr fühlbaren Begriff von der Maja kommen, von der großen Täuschung des äußeren physischen Planes. Ist dieser physische Plan 1930 so, wie er hätte werden müssen, wenn alle diejenigen, die 1913 jung gewesen sind, gelebt hätten? Er wäre ganz anders geworden. Solche Dinge durchzudenken, das ist nicht ohne Bedeutung. Aber nur Geisteswissenschaft kann, indem sie solche Dinge durchdenkt, im rechten Sinne die Möglichkeit bieten, auch im Realen wirklichkeitsgemäß zu denken. Geisteswissenschaft bringt Sie zu solchen Begriffen, die loskommen von dem bloß physischen Gehirn. Unsere gegenwärtigen Begriffe sind vorzugsweise an das physische Gehirn gebunden, daher hat das Denken der Gegenwart eine gewisse Eigenschaft. Gerade dadurch, daß die naturwissenschaftlichen Begriffe, die an das Gehirn am engsten gebunden sind, die Gegenwart beherrschen, hat unser Denken in der Gegenwart eine besondere Eigenschaft: die Borniertheit, die Beschränktheit. Denn das ist das beschränkteste Denken, das vorzugsweise an unser Gehirn gebunden ist. Geisteswissenschaft muß losreißen das Denken vom Gehirn, muß die Gedanken in Bewegung bringen. Wir haben heute versucht, eine ganze Reihe von Gedanken vor unsere Seele hinzustellen, die leichtbewegliche Gedanken sind, die den Horizont weiter machen.
[ 41 ] Aber nicht nur der Gedankenhorizont muß größer werden, sondern auch der Gefühlshorizont. Wie wurden die Menschen dadurch, daf3 ihre Gedanken vorzugsweise an das physische Leben gebunden waren, philiströs! Neben der Beschränktheit ist die Philistrosität die hauptsächlichste Eigenschaft unseres Zeitalters. Kirchturmansichten! Im engsten Kreise sind die Menschen interessiert. Geisteswissenschaft muß die Menschen wieder hinausführen in die Weiten des Alls, muß große Gebiete des Geschehens vor ihnen aufrollen, weil die Gegenwart nur daraus verstanden werden kann. Aus der Philistrosität muß Geisteswissenschaft die Menschen herausbringen. Gegen Borniertheit und Philistrosität muß Geisteswissenschaft kämpfen.
[ 41 ] Aber nicht nur der Gedankenhorizont muß größer werden, sondern auch der Gefühlshorizont. Wie wurden die Menschen dadurch, daf3 ihre Gedanken vorzugsweise an das physische Leben gebunden waren, philiströs! Neben der Beschränktheit ist die Philistrosität die hauptsächlichste Eigenschaft unseres Zeitalters. Kirchturmansichten! Im engsten Kreise sind die Menschen interessiert. Geisteswissenschaft muß die Menschen wieder hinausführen in die Weiten des Alls, muß große Gebiete des Geschehens vor ihnen aufrollen, weil die Gegenwart nur daraus verstanden werden kann. Aus der Philistrosität muß Geisteswissenschaft die Menschen herausbringen. Gegen Borniertheit und Philistrosität muß Geisteswissenschaft kämpfen.
[ 42 ] Auch der Wille hat nach und nach gewisse Eigenschaften angenommen. Dadurch, daß eine gewisse soziale Struktur herausgewachsen ist aus der materialistischen Kultur, sind die Menschen ungeschickt geworden. Ungeschicklichkeit ist aufgekommen! Die Menschen werden in ganz bestimmte Fächer hineingeschachtelt und wissen eigentlich gar nichts mehr als ihr Fach, sind mit Bezug auf alles übrige höchst ungeschickt. Man lernt heute Männer kennen, die, weil sie keine Schneider geworden sind, sich keinen Knopf annähen können. Aber Geisteswissenschaft hat die Eigentümlichkeit, daß sie solche Begriffe entwickelt, die lebendig sind, die in die Glieder übergehen, die den Menschen auch geschickter machen. Das Mittel gegen Borniertheit, gegen Philistrosität, gegen Ungeschicklichkeit ist Geisteswissenschaft. Wir brauchen ein Zeitalter, das die Menschen herausführt aus der Beschränktheit, aus der Engherzigkeit, aus der Ungeschicklichkeit, in die weiten Horizonte, in die Weitherzigkeit, in die Geschicklichkeit. Lebensvoll und lebensinnig muß die Geisteswissenschaft genommen werden. Wenn man nur die allereinfachsten Begriffe sich heute aus der Geisteswissenschaft heraus in bezug auf unsere Zeit darlegt, dann wird man schon sehen, daß innigst zusammenhängt mit dem Unglück, mit dem Leid, mit allen Schmerzen unserer Zeit, die wahrhaftig noch nicht an ihrem Gipfelpunkt angelangt sind, wahrhaftig nicht, daß damit zusammenhängt das Sich-Sträuben der Menschheit gegen den Geist. Die Menschen haben sich abgeschnürt von dem göttlich-geistigen Leben, die Menschen müssen den Zusammenhang wiederum finden mit dem göttlich-geistigen Leben.
[ 42 ] Auch der Wille hat nach und nach gewisse Eigenschaften angenommen. Dadurch, daß eine gewisse soziale Struktur herausgewachsen ist aus der materialistischen Kultur, sind die Menschen ungeschickt geworden. Ungeschicklichkeit ist aufgekommen! Die Menschen werden in ganz bestimmte Fächer hineingeschachtelt und wissen eigentlich gar nichts mehr als ihr Fach, sind mit Bezug auf alles übrige höchst ungeschickt. Man lernt heute Männer kennen, die, weil sie keine Schneider geworden sind, sich keinen Knopf annähen können. Aber Geisteswissenschaft hat die Eigentümlichkeit, daß sie solche Begriffe entwickelt, die lebendig sind, die in die Glieder übergehen, die den Menschen auch geschickter machen. Das Mittel gegen Borniertheit, gegen Philistrosität, gegen Ungeschicklichkeit ist Geisteswissenschaft. Wir brauchen ein Zeitalter, das die Menschen herausführt aus der Beschränktheit, aus der Engherzigkeit, aus der Ungeschicklichkeit, in die weiten Horizonte, in die Weitherzigkeit, in die Geschicklichkeit. Lebensvoll und lebensinnig muß die Geisteswissenschaft genommen werden. Wenn man nur die allereinfachsten Begriffe sich heute aus der Geisteswissenschaft heraus in bezug auf unsere Zeit darlegt, dann wird man schon sehen, daß innigst zusammenhängt mit dem Unglück, mit dem Leid, mit allen Schmerzen unserer Zeit, die wahrhaftig noch nicht an ihrem Gipfelpunkt angelangt sind, wahrhaftig nicht, daß damit zusammenhängt das Sich-Sträuben der Menschheit gegen den Geist. Die Menschen haben sich abgeschnürt von dem göttlich-geistigen Leben, die Menschen müssen den Zusammenhang wiederum finden mit dem göttlich-geistigen Leben.
[ 43 ] Das war es, was ich diesmal vor Ihre Seele führen wollte. Bekommen Sie immer mehr und mehr das Gefühl: Deutlich und vernehmlich sprechen die Zeichen der Zeit! Aber nur derjenige wird finden, was sie sprechen, der sie lesen gelernt hat mit den Mitteln der Geisteswissenschaft. Man kann Geisteswissenschaft, und wenn man noch so weit geht, nicht genug als eine energisch und ernst zu nehmende Sache finden, man muß immer weiter und weiter gehen mit dem Durchdringen des Lebens durch dasjenige, was die Geisteswissenschaft gibt. Wenig Mut haben die Menschen in unserer Zeit, das Leben zu durchdenken durch die Kräfte, die aus dem Geiste kommen. Das muß gelernt werden, das fehlt hauptsächlich. Wenn es nicht gelernt wird, wenn es weiter fehlen wird, dann wird lange, lange dasjenige dauern, was als eine Katastrophe über die Menschheit hereingebrochen ist. Daher kann man schon sagen, daß? man mit der Geisteswissenschaft den Ausweg suchen soll aus dem Konflikt der Gegenwart. Nehmen Sie es bitte recht ernst und recht tief: dann wird das, was wir miteinander sprechen wollten bei dieser Zusammenkunft, in Ihren Herzen, in Ihren Seelen die rechten Früchte tragen.
[ 43 ] Das war es, was ich diesmal vor Ihre Seele führen wollte. Bekommen Sie immer mehr und mehr das Gefühl: Deutlich und vernehmlich sprechen die Zeichen der Zeit! Aber nur derjenige wird finden, was sie sprechen, der sie lesen gelernt hat mit den Mitteln der Geisteswissenschaft. Man kann Geisteswissenschaft, und wenn man noch so weit geht, nicht genug als eine energisch und ernst zu nehmende Sache finden, man muß immer weiter und weiter gehen mit dem Durchdringen des Lebens durch dasjenige, was die Geisteswissenschaft gibt. Wenig Mut haben die Menschen in unserer Zeit, das Leben zu durchdenken durch die Kräfte, die aus dem Geiste kommen. Das muß gelernt werden, das fehlt hauptsächlich. Wenn es nicht gelernt wird, wenn es weiter fehlen wird, dann wird lange, lange dasjenige dauern, was als eine Katastrophe über die Menschheit hereingebrochen ist. Daher kann man schon sagen, daß? man mit der Geisteswissenschaft den Ausweg suchen soll aus dem Konflikt der Gegenwart. Nehmen Sie es bitte recht ernst und recht tief: dann wird das, was wir miteinander sprechen wollten bei dieser Zusammenkunft, in Ihren Herzen, in Ihren Seelen die rechten Früchte tragen.
