Death as a Transformation of Life
GA 182
16 October 1918, Zurich
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Der Tod als Lebenswandlung
7. Wie finde Ich den Christus?
7. Wie finde Ich den Christus?
[ 1 ] In Anknüpfung an die Betrachtungen, die wir in der vorigen Woche hier angestellt haben über die Teilnahme an der geistigen Welt, welche die menschliche Seele gegen die Zukunft hin erstreben muß, möchte ich heute etwas genauer gerade über verschiedene Dinge sprechen, die zusammenhängen mit jener Art des Erlebens des Christus-Mysteriums, welches ja durch solche Ideale, spirituelle Ideale, wie ich sie neulich besprochen habe, vorbereitet werden soll.
[ 1 ] In Anknüpfung an die Betrachtungen, die wir in der vorigen Woche hier angestellt haben über die Teilnahme an der geistigen Welt, welche die menschliche Seele gegen die Zukunft hin erstreben muß, möchte ich heute etwas genauer gerade über verschiedene Dinge sprechen, die zusammenhängen mit jener Art des Erlebens des Christus-Mysteriums, welches ja durch solche Ideale, spirituelle Ideale, wie ich sie neulich besprochen habe, vorbereitet werden soll.
[ 2 ] Wenn wir geisteswissenschaftlich heute den Menschen betrachten — das ist zunächst eine Mitteilung, die aber im weiteren Verlauf unserer heutigen Betrachtung manche Beleuchtung noch erfahren wird —, also wenn wir geisteswissenschaftlich, wie wir das mit den Mitteln der heutigen Geisteswissenschaft können, den Menschen in seinem Seelenleben betrachten, so können wir sagen, daß in diesem Seelenleben, insofern es auf der einen Seite zusammenhängt mit dem leiblichen Leben, auf der anderen Seite mit dem geistigen Leben, sich ein Dreifaches abspielt, eine dreifache Hinneigung zu der übersinnlichen Welt. Diese dreifache Hinneigung zu der übersinnlichen Welt muß eigentlich dann verleugnet werden, wenn man überhaupt nichts von der übersinnlichen Welt wissen will. Der Mensch hat eine Hinneigung, das zu erkennen, was man das Göttliche im allgemeinen nennen kann. Eine zweite Hinneigung hat er — wir sprechen natürlich immer von dem Menschen im gegenwärtigen Entwickelungszyklus —, den Christus zu erkennen. Und eine dritte Hinneigung, zu erkennen dasjenige, was gewöhnlich der Geist oder auch der Heilige Geist genannt wird.
[ 2 ] Wenn wir geisteswissenschaftlich heute den Menschen betrachten — das ist zunächst eine Mitteilung, die aber im weiteren Verlauf unserer heutigen Betrachtung manche Beleuchtung noch erfahren wird —, also wenn wir geisteswissenschaftlich, wie wir das mit den Mitteln der heutigen Geisteswissenschaft können, den Menschen in seinem Seelenleben betrachten, so können wir sagen, daß in diesem Seelenleben, insofern es auf der einen Seite zusammenhängt mit dem leiblichen Leben, auf der anderen Seite mit dem geistigen Leben, sich ein Dreifaches abspielt, eine dreifache Hinneigung zu der übersinnlichen Welt. Diese dreifache Hinneigung zu der übersinnlichen Welt muß eigentlich dann verleugnet werden, wenn man überhaupt nichts von der übersinnlichen Welt wissen will. Der Mensch hat eine Hinneigung, das zu erkennen, was man das Göttliche im allgemeinen nennen kann. Eine zweite Hinneigung hat er — wir sprechen natürlich immer von dem Menschen im gegenwärtigen Entwickelungszyklus —, den Christus zu erkennen. Und eine dritte Hinneigung, zu erkennen dasjenige, was gewöhnlich der Geist oder auch der Heilige Geist genannt wird.
[ 3 ] Mit Bezug auf alle diese drei Hinneigungen wissen Sie, daß es Menschen gibt, die sie verleugnen. Man hat hinlänglich erlebt, gerade im Laufe des 19. Jahrhunderts, wo die Dinge wenigstens innerhalb der europäischen Kultur auf die Spitze getrieben worden sind, daß die Leute das Göttliche in der Welt überhaupt abgeleugnet haben.
[ 3 ] Mit Bezug auf alle diese drei Hinneigungen wissen Sie, daß es Menschen gibt, die sie verleugnen. Man hat hinlänglich erlebt, gerade im Laufe des 19. Jahrhunderts, wo die Dinge wenigstens innerhalb der europäischen Kultur auf die Spitze getrieben worden sind, daß die Leute das Göttliche in der Welt überhaupt abgeleugnet haben.
[ 4 ] Nun kann man geisteswissenschaftlich fragen — da innerhalb der Geisteswissenschaft an dem Göttlichen, das, wenn wir so sagen dürfen, im Übersinnlichen wohnt, nicht gezweifelt werden kann —: Was bringt den Menschen dazu, das Göttliche überhaupt, dasjenige, was in der Trinität der Vatergott genannt wird, abzuleugnen? — Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß in jedem solchen Falle, wo der Mensch ableugnet den Vatergott, also ein Göttliches überhaupt in der Welt, jenes Göttliche, das zum Beispiel auch in der israelitischen Religion anerkannt wird, ein wirklicher, echter physischer Defekt, eine physische Erkrankung, ein physischer Mangel im Menschenleibe stattfindet. Atheist sein, heißt für den Geisteswissenschafter, in irgendeiner Beziehung krank sein. Natürlich ist es eine Krankheit, die die Ärzte nicht kurieren; sie sind selbst sehr häufig an dieser Krankheit leidend, einer Krankheit, die auch nicht als solche von der heutigen Medizin anerkannt ist. Aber es ist eine Krankheit, die die Geisteswissenschaft im Menschen findet, wenn der Mensch dasjenige ableugnet, was er jetzt nicht durch seine Seelen-, sondern durch seine Leibeskonstitution fühlen muß. Leugnet er das ab, was ihm ein gesundes Gefühl seines Leibes eingibt, daß ein Göttliches die Welt durchzieht, so ist er nach geisteswissenschaftlichen Begriffen krank, leiblich krank.
[ 4 ] Nun kann man geisteswissenschaftlich fragen — da innerhalb der Geisteswissenschaft an dem Göttlichen, das, wenn wir so sagen dürfen, im Übersinnlichen wohnt, nicht gezweifelt werden kann —: Was bringt den Menschen dazu, das Göttliche überhaupt, dasjenige, was in der Trinität der Vatergott genannt wird, abzuleugnen? — Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß in jedem solchen Falle, wo der Mensch ableugnet den Vatergott, also ein Göttliches überhaupt in der Welt, jenes Göttliche, das zum Beispiel auch in der israelitischen Religion anerkannt wird, ein wirklicher, echter physischer Defekt, eine physische Erkrankung, ein physischer Mangel im Menschenleibe stattfindet. Atheist sein, heißt für den Geisteswissenschafter, in irgendeiner Beziehung krank sein. Natürlich ist es eine Krankheit, die die Ärzte nicht kurieren; sie sind selbst sehr häufig an dieser Krankheit leidend, einer Krankheit, die auch nicht als solche von der heutigen Medizin anerkannt ist. Aber es ist eine Krankheit, die die Geisteswissenschaft im Menschen findet, wenn der Mensch dasjenige ableugnet, was er jetzt nicht durch seine Seelen-, sondern durch seine Leibeskonstitution fühlen muß. Leugnet er das ab, was ihm ein gesundes Gefühl seines Leibes eingibt, daß ein Göttliches die Welt durchzieht, so ist er nach geisteswissenschaftlichen Begriffen krank, leiblich krank.
[ 5 ] Es gibt dann sehr viele Leute, welche den Christus ableugnen. Die Ableugnung des Christus muß die Geisteswissenschaft betrachten als etwas, was eigentlich eine Schicksalsfrage ist und das menschliche Seelenleben betrifft. Den Christus ableugnen muß die Geisteswissenschaft ein Unglück nennen; Gott ableugnen eine Krankheit, Christus ableugnen ein Unglück. Den Christus finden können, ist gewissermaßen eine Schicksalssache, ist gewissermaßen etwas, was in das Karma des Menschen hereinspielen muß. Es ist ein Unglück, zu dem Christus keine Beziehung zu haben. Den Geist oder den Heiligen Geist ableugnen, bedeutet eine Stumpfheit des eigenen Geistes. Der Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. In bezug auf alle drei kann er einen Defekt haben. Einen physischen wirklichen Krankheitsdefekt gibt es beim Atheismus gegenüber dem Göttlichen. Im Leben nicht zu finden jene Anknüpfung an die Welt, welche uns den Christus erkennen läßt, das ist ein Unglück. Den Geist in seinem eigenen Inneren nicht finden können, ist eine Stumpfheit, in gewissem Sinne ein Idiotismus, wenn auch ein feinerer und wiederum eben nicht anerkannter Idiotismus.
[ 5 ] Es gibt dann sehr viele Leute, welche den Christus ableugnen. Die Ableugnung des Christus muß die Geisteswissenschaft betrachten als etwas, was eigentlich eine Schicksalsfrage ist und das menschliche Seelenleben betrifft. Den Christus ableugnen muß die Geisteswissenschaft ein Unglück nennen; Gott ableugnen eine Krankheit, Christus ableugnen ein Unglück. Den Christus finden können, ist gewissermaßen eine Schicksalssache, ist gewissermaßen etwas, was in das Karma des Menschen hereinspielen muß. Es ist ein Unglück, zu dem Christus keine Beziehung zu haben. Den Geist oder den Heiligen Geist ableugnen, bedeutet eine Stumpfheit des eigenen Geistes. Der Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. In bezug auf alle drei kann er einen Defekt haben. Einen physischen wirklichen Krankheitsdefekt gibt es beim Atheismus gegenüber dem Göttlichen. Im Leben nicht zu finden jene Anknüpfung an die Welt, welche uns den Christus erkennen läßt, das ist ein Unglück. Den Geist in seinem eigenen Inneren nicht finden können, ist eine Stumpfheit, in gewissem Sinne ein Idiotismus, wenn auch ein feinerer und wiederum eben nicht anerkannter Idiotismus.
[ 6 ] Nun handelt es sich darum, die Frage aufzuwerfen: Wie findet der Mensch den Christus? — Und gerade über das Finden des Christus wollen wir heute sprechen, jenes Finden des Christus, welches im Verlaufe des Lebens durch die eigene Menschenseele geschehen kann. Man hört oftmals von Seelen, die wirklich ernst suchende Seelen sind, die Frage: Wie finde ich den Christus? — Beschäftigen kann man sich mit dieser Frage, wenn man für sie eine verständnisvolle Antwort haben will, allerdings nur dadurch, daß man dieselbe in einem gewissen historischen Zusammenhange betrachtet. Wir wollen einen geschichtlichen Zusammenhang vor unsere Seele hinstellen, der uns dann zuletzt in den heutigen Betrachtungen zur Beantwortung dieser Frage: Wie finde ich den Christus? — führen wird.
[ 6 ] Nun handelt es sich darum, die Frage aufzuwerfen: Wie findet der Mensch den Christus? — Und gerade über das Finden des Christus wollen wir heute sprechen, jenes Finden des Christus, welches im Verlaufe des Lebens durch die eigene Menschenseele geschehen kann. Man hört oftmals von Seelen, die wirklich ernst suchende Seelen sind, die Frage: Wie finde ich den Christus? — Beschäftigen kann man sich mit dieser Frage, wenn man für sie eine verständnisvolle Antwort haben will, allerdings nur dadurch, daß man dieselbe in einem gewissen historischen Zusammenhange betrachtet. Wir wollen einen geschichtlichen Zusammenhang vor unsere Seele hinstellen, der uns dann zuletzt in den heutigen Betrachtungen zur Beantwortung dieser Frage: Wie finde ich den Christus? — führen wird.
[ 7 ] Wir wissen, unser gegenwärtiger geschichtlicher Zeitraum begann, geisteswissenschaftlich betrachtet, im 15. Jahrhundert. Man kann, wenn man eine mittlere Zahl angeben will, das Jahr 1413 angeben. Aber man kann, wenn man auf solche Zahlenangaben sich nicht einlassen will, eben sagen: Im 15. Jahrhundert wurde das Seelenleben der Menschheit so, wie es heute ist. — Wenn man das nicht zugibt in der neueren Geschichte, so ist der Grund davon nur der, daß die neuere Geschichte eben auch nur äußere Tatsachen betrachtet und gar keine Ahnung hat, in ihrer Natur als Fable convenue keine Ahnung davon hat, daß, sobald man hinter das 15. Jahrhundert zurückkommt, die Menschen anders dachten, anders fühlten, aus ihren Impulsen heraus anders handelten, radikal verschieden waren in ihrem Seelenleben von dem Seelenleben der gegenwärtigen Menschen. Der Zeitraum, der damals abschloß, 1413, begann 747 vor Christus, also im 8. vorchristlichen Jahrhunderte, so daß wir dasjenige, was wir geisteswissenschaftlich die griechisch-lateinische Kulturperiode nennen, zählen von 747 vor Christus bis 1413. In diesem Zeitraum spielte sich, wie wir ja wissen, und zwar ungefähr im ersten Drittel dieses Zeitraumes, das Mysterium von Golgatha ab. Nun, dieses Mysterium von Golgatha, es war, wie Sie wissen, für viele Menschen durch Jahrhunderte hindurch der Angelpunkt ihres ganzen Fühlens, ihres ganzen Denkens. Dieses Mysterium von Golgatha ist insbesondere gefühlsmäßig von der Seele erfaßt worden in denjenigen Zeiten, welche der neueren Zeit, dem 15., 16. Jahrhunderte und so weiter, vorangegangen sind. Dann begann diejenige Epoche, in der man anfing, die Evangelien in den weiten Kreisen des Volkes zu lesen. Dann begann aber auch der Streit, ob die Evangelien wirklich historische Urkunden sind. Und dieser Streit, Sie wissen es, ist bis in unsere Tage herein auf die Spitze getrieben worden. Wir wollen uns heute nicht mit den einzelnen Phasen dieses Streites, der ja insbesondere in den Kreisen der protestantischen Theologie eine so große Rolle spielt, befassen, wir wollen nur dasjenige vor unsere Seele rücken, was heute gesagt werden kann in bezug auf das, was man mit diesem Streit über das Mysterium von Golgatha eigentlich will.
[ 7 ] Wir wissen, unser gegenwärtiger geschichtlicher Zeitraum begann, geisteswissenschaftlich betrachtet, im 15. Jahrhundert. Man kann, wenn man eine mittlere Zahl angeben will, das Jahr 1413 angeben. Aber man kann, wenn man auf solche Zahlenangaben sich nicht einlassen will, eben sagen: Im 15. Jahrhundert wurde das Seelenleben der Menschheit so, wie es heute ist. — Wenn man das nicht zugibt in der neueren Geschichte, so ist der Grund davon nur der, daß die neuere Geschichte eben auch nur äußere Tatsachen betrachtet und gar keine Ahnung hat, in ihrer Natur als Fable convenue keine Ahnung davon hat, daß, sobald man hinter das 15. Jahrhundert zurückkommt, die Menschen anders dachten, anders fühlten, aus ihren Impulsen heraus anders handelten, radikal verschieden waren in ihrem Seelenleben von dem Seelenleben der gegenwärtigen Menschen. Der Zeitraum, der damals abschloß, 1413, begann 747 vor Christus, also im 8. vorchristlichen Jahrhunderte, so daß wir dasjenige, was wir geisteswissenschaftlich die griechisch-lateinische Kulturperiode nennen, zählen von 747 vor Christus bis 1413. In diesem Zeitraum spielte sich, wie wir ja wissen, und zwar ungefähr im ersten Drittel dieses Zeitraumes, das Mysterium von Golgatha ab. Nun, dieses Mysterium von Golgatha, es war, wie Sie wissen, für viele Menschen durch Jahrhunderte hindurch der Angelpunkt ihres ganzen Fühlens, ihres ganzen Denkens. Dieses Mysterium von Golgatha ist insbesondere gefühlsmäßig von der Seele erfaßt worden in denjenigen Zeiten, welche der neueren Zeit, dem 15., 16. Jahrhunderte und so weiter, vorangegangen sind. Dann begann diejenige Epoche, in der man anfing, die Evangelien in den weiten Kreisen des Volkes zu lesen. Dann begann aber auch der Streit, ob die Evangelien wirklich historische Urkunden sind. Und dieser Streit, Sie wissen es, ist bis in unsere Tage herein auf die Spitze getrieben worden. Wir wollen uns heute nicht mit den einzelnen Phasen dieses Streites, der ja insbesondere in den Kreisen der protestantischen Theologie eine so große Rolle spielt, befassen, wir wollen nur dasjenige vor unsere Seele rücken, was heute gesagt werden kann in bezug auf das, was man mit diesem Streit über das Mysterium von Golgatha eigentlich will.
[ 8 ] Man hat sich gewöhnt im materialistischen Zeitalter, alles auf materialistische Art bewiesen haben zu wollen. In der Geschichte nennt man «bewiesen» dasjenige, was durch Dokumente belegt ist. Wo man Akten findet, da nimmt man an, daß ein historisches Ereignis, von dem diese Akten sprechen, wirklich geschehen ist. Solche Beweiskraft könnte man wahrscheinlich den Evangelien nicht zuschreiben. Sie wissen aus meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», was die Evangelien sind. Sie sind alles andere als historische Urkunden, sie sind Inspirationsbücher, Initiationsbücher. Man hat sie früher für historische Urkunden gehalten; nun ist man darauf gekommen durch wirkliche Forschung, daß sie keine historischen Urkunden sind. Man hat auch herausgefunden, daß alle übrigen Dokumente, die in der Bibel stehen, keine historischen Urkunden sind. Und ein anerkannter Theologe, ein zu Unrecht anerkannter Theologe, Adolf Harnack, hat als Ergebnis der neueren Bibelforschung festgestellt, daß dasjenige, was man historisch über die Persönlichkeit des Christus Jesus wissen könne, auf einem Quartblatte zusammengeschrieben werden kann. Daran ist nur das eine richtig, wenn ich mich so paradox ausdrücken darf, daß das auch nicht wahr ist, daß das, was man auf dieses Quartblatt schreiben würde, historisch auch nicht haltbar ist! Wahr ist daran nur, daß es überhaupt keine wirklich haltbaren Urkunden über das Mysterium von Golgatha gibt. Wenn man als Geschichtsforscher heute frägt: Kann man das Mysterium von Golgatha historisch beweisen? —, so muß man vom Standpunkte der heutigen Geschichtsforschung sagen: Es läßt sich nicht äußerlich beweisen.
[ 8 ] Man hat sich gewöhnt im materialistischen Zeitalter, alles auf materialistische Art bewiesen haben zu wollen. In der Geschichte nennt man «bewiesen» dasjenige, was durch Dokumente belegt ist. Wo man Akten findet, da nimmt man an, daß ein historisches Ereignis, von dem diese Akten sprechen, wirklich geschehen ist. Solche Beweiskraft könnte man wahrscheinlich den Evangelien nicht zuschreiben. Sie wissen aus meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», was die Evangelien sind. Sie sind alles andere als historische Urkunden, sie sind Inspirationsbücher, Initiationsbücher. Man hat sie früher für historische Urkunden gehalten; nun ist man darauf gekommen durch wirkliche Forschung, daß sie keine historischen Urkunden sind. Man hat auch herausgefunden, daß alle übrigen Dokumente, die in der Bibel stehen, keine historischen Urkunden sind. Und ein anerkannter Theologe, ein zu Unrecht anerkannter Theologe, Adolf Harnack, hat als Ergebnis der neueren Bibelforschung festgestellt, daß dasjenige, was man historisch über die Persönlichkeit des Christus Jesus wissen könne, auf einem Quartblatte zusammengeschrieben werden kann. Daran ist nur das eine richtig, wenn ich mich so paradox ausdrücken darf, daß das auch nicht wahr ist, daß das, was man auf dieses Quartblatt schreiben würde, historisch auch nicht haltbar ist! Wahr ist daran nur, daß es überhaupt keine wirklich haltbaren Urkunden über das Mysterium von Golgatha gibt. Wenn man als Geschichtsforscher heute frägt: Kann man das Mysterium von Golgatha historisch beweisen? —, so muß man vom Standpunkte der heutigen Geschichtsforschung sagen: Es läßt sich nicht äußerlich beweisen.
[ 9 ] Dies aber hat gerade seinen guten Grund. Das Mysterium von Golgatha soll sich, ich möchte sagen, nach den Ratschlüssen der göttlichen Weisheit, nicht äußerlich-materialistisch beweisen lassen, aus dem einfachen Grunde, weil das Mysterium von Golgatha als die wichtigste Tatsache, die im Erdengeschehen sich ereignet hat, nur auf eine übersinnliche Weise erschaubar sein soll. Derjenige, der da will einen äußerlich-materialistischen Beweis finden, der findet ihn eben nicht, sondern er findet zuletzt durch seine Kritik heraus, daß es keinen solchen gibt. Es soll die Menschheit vor die Entscheidung gestellt werden, gerade dem Mysterium von Golgatha gegenüber sich zu gestehen: Ich muß zum Übersinnlichen meine Zuflucht nehmen, oder ich kann so etwas wie das Mysterium von Golgatha überhaupt nicht finden. — Das Mysterium von Golgatha soll gewissermaßen die Menschenseele zwingen, aus allen sinnlichen Beweisen heraus den Weg ins Übersinnliche zu finden. Es hat also seinen guten Grund, daß das Mysterium von Golgatha weder naturwissenschaftlich noch irgendwie sonst historisch zu beweisen ist. Das wird gerade das Bedeutungsvolle sein der neueren Geisteswissenschaft, daß, wenn alle äußere Wissenschaft, alle bloß auf das Sinnenfällige gestützte Wissenschaft sich wird gestehen müssen, daß sie zum Mysterium von Golgatha keinen Zugang mehr hat, wenn selbst die Theologie, insoferne sie kritisch ist, unchristlich sich gebärden wird, die Geisteswissenschaft es sein wird, welche die Menschen zum Mysterium von Golgatha hinzuführen hat, aber auf einem übersinnlichen Wege, den wir ja öfter beschrieben haben.
[ 9 ] Dies aber hat gerade seinen guten Grund. Das Mysterium von Golgatha soll sich, ich möchte sagen, nach den Ratschlüssen der göttlichen Weisheit, nicht äußerlich-materialistisch beweisen lassen, aus dem einfachen Grunde, weil das Mysterium von Golgatha als die wichtigste Tatsache, die im Erdengeschehen sich ereignet hat, nur auf eine übersinnliche Weise erschaubar sein soll. Derjenige, der da will einen äußerlich-materialistischen Beweis finden, der findet ihn eben nicht, sondern er findet zuletzt durch seine Kritik heraus, daß es keinen solchen gibt. Es soll die Menschheit vor die Entscheidung gestellt werden, gerade dem Mysterium von Golgatha gegenüber sich zu gestehen: Ich muß zum Übersinnlichen meine Zuflucht nehmen, oder ich kann so etwas wie das Mysterium von Golgatha überhaupt nicht finden. — Das Mysterium von Golgatha soll gewissermaßen die Menschenseele zwingen, aus allen sinnlichen Beweisen heraus den Weg ins Übersinnliche zu finden. Es hat also seinen guten Grund, daß das Mysterium von Golgatha weder naturwissenschaftlich noch irgendwie sonst historisch zu beweisen ist. Das wird gerade das Bedeutungsvolle sein der neueren Geisteswissenschaft, daß, wenn alle äußere Wissenschaft, alle bloß auf das Sinnenfällige gestützte Wissenschaft sich wird gestehen müssen, daß sie zum Mysterium von Golgatha keinen Zugang mehr hat, wenn selbst die Theologie, insoferne sie kritisch ist, unchristlich sich gebärden wird, die Geisteswissenschaft es sein wird, welche die Menschen zum Mysterium von Golgatha hinzuführen hat, aber auf einem übersinnlichen Wege, den wir ja öfter beschrieben haben.
[ 10 ] Nun können wir uns fragen: Wie war die Menschheitssituation, als das Mysterium von Golgatha in den vierten nachatlantischen, in den griechisch-lateinischen Kulturzeitraum hereinfiel? — Nun, Sie wissen, was dieser Zeitraum bedeutet. Die Menschheit entwickelt sich im Laufe der Zeit so, daß sie gewissermaßen auch durchmacht die verschiedenen Glieder der menschlichen Natur. Sie wissen, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit, die dem Jahr 747 vor Christus vorangegangen ist, wurde der Mensch eingeführt durch seine Entwickelung in das, was man die Empfindungsseele nennt; in der griechisch-lateinischen Zeit nun in die Verstandes- oder Gemütsseele, und seit dem Jahre 1413, in unserer fünften nachatlantischen Zeit, in die sogenannte Bewußtseinsseele. So daß wir sagen können: Das Wesen der griechisch-lateinischen Kultur von 747 vor Christus bis 1413 besteht darin, daß die Menschheit erzogen wird — wenn wir diesen Lessingschen Ausdruck gebrauchen dürfen — zum freien Gebrauch der Verstandes- oder Gemütsseele.
[ 10 ] Nun können wir uns fragen: Wie war die Menschheitssituation, als das Mysterium von Golgatha in den vierten nachatlantischen, in den griechisch-lateinischen Kulturzeitraum hereinfiel? — Nun, Sie wissen, was dieser Zeitraum bedeutet. Die Menschheit entwickelt sich im Laufe der Zeit so, daß sie gewissermaßen auch durchmacht die verschiedenen Glieder der menschlichen Natur. Sie wissen, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit, die dem Jahr 747 vor Christus vorangegangen ist, wurde der Mensch eingeführt durch seine Entwickelung in das, was man die Empfindungsseele nennt; in der griechisch-lateinischen Zeit nun in die Verstandes- oder Gemütsseele, und seit dem Jahre 1413, in unserer fünften nachatlantischen Zeit, in die sogenannte Bewußtseinsseele. So daß wir sagen können: Das Wesen der griechisch-lateinischen Kultur von 747 vor Christus bis 1413 besteht darin, daß die Menschheit erzogen wird — wenn wir diesen Lessingschen Ausdruck gebrauchen dürfen — zum freien Gebrauch der Verstandes- oder Gemütsseele.
[ 11 ] Fragen wir uns nun einmal: Wann war die Mitte dieses Zeitraumes? — Die Mitte, denn nicht wahr, wir können annehmen: Wenn von 747 vor dem Mysterium von Golgatha bis 1413 dieser Zeitraum dauerte, so hatte er eine Mitte, wo sich sozusagen bis zu diesem Zeitpunkt hin in zunehmender Art diese Verstandes- oder Gemütsseele entwickelt hatte und dann sich in absteigender Art entwickelte. Dieser Zeitpunkt — Sie können dies leicht ausrechnen — ist das Jahr 333 nach der Geburt des Christus Jesus. 333 ist also ein sehr wichtiger Zeitraum der Menschheitsentwickelung, die Mitte der griechisch-lateinischen Kulturzeit. 333 Jahre vor dieser Mitte liegt die Geburt des Christus Jesus, liegt also dasjenige, was zum Mysterium von Golgatha führte.
[ 11 ] Fragen wir uns nun einmal: Wann war die Mitte dieses Zeitraumes? — Die Mitte, denn nicht wahr, wir können annehmen: Wenn von 747 vor dem Mysterium von Golgatha bis 1413 dieser Zeitraum dauerte, so hatte er eine Mitte, wo sich sozusagen bis zu diesem Zeitpunkt hin in zunehmender Art diese Verstandes- oder Gemütsseele entwickelt hatte und dann sich in absteigender Art entwickelte. Dieser Zeitpunkt — Sie können dies leicht ausrechnen — ist das Jahr 333 nach der Geburt des Christus Jesus. 333 ist also ein sehr wichtiger Zeitraum der Menschheitsentwickelung, die Mitte der griechisch-lateinischen Kulturzeit. 333 Jahre vor dieser Mitte liegt die Geburt des Christus Jesus, liegt also dasjenige, was zum Mysterium von Golgatha führte.
[ 12 ] Wir können die ganze Menschheitssituation nur dann richtig würdigen, wenn wir uns fragen: Was wäre nun geschehen, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre? — Dann können wir recht würdigen, was das Mysterium von Golgatha für die Menschheit für einen Wert hat, wenn wir fragen, was geschehen wäre, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre. Natürlich wäre dann die Menschheit ohne das Mysterium von Golgatha nur durch die eigenen elementarischen Kräfte zu der Mitte des vierten nachatlantischen Zeitraumes im Jahre 333 gekommen. Sie hätte aus sich selber heraus alle die Fähigkeiten entwickelt, die der Verstandes- oder Gemütsseele angehören. Die hätte sie dann gehabt in den nächsten Jahrhunderten.
[ 12 ] Wir können die ganze Menschheitssituation nur dann richtig würdigen, wenn wir uns fragen: Was wäre nun geschehen, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre? — Dann können wir recht würdigen, was das Mysterium von Golgatha für die Menschheit für einen Wert hat, wenn wir fragen, was geschehen wäre, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre. Natürlich wäre dann die Menschheit ohne das Mysterium von Golgatha nur durch die eigenen elementarischen Kräfte zu der Mitte des vierten nachatlantischen Zeitraumes im Jahre 333 gekommen. Sie hätte aus sich selber heraus alle die Fähigkeiten entwickelt, die der Verstandes- oder Gemütsseele angehören. Die hätte sie dann gehabt in den nächsten Jahrhunderten.
[ 13 ] Das wurde wesentlich dadurch geändert, daß das Mysterium von Golgatha eintrat. Es geschah etwas ganz anderes eben, als sonst geschehen wäre, und es geschah etwas gewaltig anderes. Wenn wir hinblicken auf das Mysterium von Golgatha, dann können wir, um dieses besondere Ereignis, das der ganzen Erde einen Sinn gibt, zu charakterisieren, gerade den Gesichtspunkt als den allerwichtigsten anschauen, daß nur ein übersinnlicher Zugang zu dem Mysterium von Golgatha ist, daß man nur auf übersinnlichem Weg zu ihm kommt.
[ 13 ] Das wurde wesentlich dadurch geändert, daß das Mysterium von Golgatha eintrat. Es geschah etwas ganz anderes eben, als sonst geschehen wäre, und es geschah etwas gewaltig anderes. Wenn wir hinblicken auf das Mysterium von Golgatha, dann können wir, um dieses besondere Ereignis, das der ganzen Erde einen Sinn gibt, zu charakterisieren, gerade den Gesichtspunkt als den allerwichtigsten anschauen, daß nur ein übersinnlicher Zugang zu dem Mysterium von Golgatha ist, daß man nur auf übersinnlichem Weg zu ihm kommt.
[ 14 ] Woran liegt das eigentlich? Das liegt daran, daß der Mensch, trotzdem er im vierten nachatlantischen Zeitraum, gegen das Jahr 333 zu, sich näherte der höchsten Blüte der Verstandes- oder Gemütsseele, daß der Mensch zwischen Geburt und Tod in seinem physischen Leben überhaupt weit davon entfernt war, die Natur des Mysteriums von Golgatha mit gewöhnlichen menschlichen Kräften zu verstehen. Das, worauf es ankommt, ist, daß wir uns [zwar] entwickeln können und steinalt werden können: mit den Kräften, die wir infolge unserer Leibesentwickelung zwischen Geburt und Tod in uns zur Entfaltung bringen, können wir das Mysterium von Golgatha nicht begreifen.
[ 14 ] Woran liegt das eigentlich? Das liegt daran, daß der Mensch, trotzdem er im vierten nachatlantischen Zeitraum, gegen das Jahr 333 zu, sich näherte der höchsten Blüte der Verstandes- oder Gemütsseele, daß der Mensch zwischen Geburt und Tod in seinem physischen Leben überhaupt weit davon entfernt war, die Natur des Mysteriums von Golgatha mit gewöhnlichen menschlichen Kräften zu verstehen. Das, worauf es ankommt, ist, daß wir uns [zwar] entwickeln können und steinalt werden können: mit den Kräften, die wir infolge unserer Leibesentwickelung zwischen Geburt und Tod in uns zur Entfaltung bringen, können wir das Mysterium von Golgatha nicht begreifen.
[ 15 ] Daher kam es auch, daß auch die Zeitgenossen, die den Christus Jesus liebenden Zeitgenossen, die Jünger, die Apostel nur dadurch verstehen konnten, soweit sie es verstehen sollten, wie es stand mit dem Christus Jesus, den sie umgaben, daß sie in gewissem Sinne mit atavistischem Hellsehen, wie ich öfter gesagt habe, ausgestattet waren und durch ihr atavistisches Hellsehen eine Ahnung hatten von dem, der unter ihnen herumging. Aber durch die eigenen menschlichen Kräfte hatten sie das nicht. Und dann schrieben sie auch die Evangelien nieder, die Evangelienschreiber, indem sie zu Hilfe nahmen alte Mysterienbücher. Sie schrieben sie, diese mächtigen Evangelien, aus der alten atavistischen Hellseherkraft heraus, nicht aus den Kräften, die sich bis dahin auf naturgemäße Weise, aus naturgemäßen menschlichen Kräften entwickelt hatten.
[ 15 ] Daher kam es auch, daß auch die Zeitgenossen, die den Christus Jesus liebenden Zeitgenossen, die Jünger, die Apostel nur dadurch verstehen konnten, soweit sie es verstehen sollten, wie es stand mit dem Christus Jesus, den sie umgaben, daß sie in gewissem Sinne mit atavistischem Hellsehen, wie ich öfter gesagt habe, ausgestattet waren und durch ihr atavistisches Hellsehen eine Ahnung hatten von dem, der unter ihnen herumging. Aber durch die eigenen menschlichen Kräfte hatten sie das nicht. Und dann schrieben sie auch die Evangelien nieder, die Evangelienschreiber, indem sie zu Hilfe nahmen alte Mysterienbücher. Sie schrieben sie, diese mächtigen Evangelien, aus der alten atavistischen Hellseherkraft heraus, nicht aus den Kräften, die sich bis dahin auf naturgemäße Weise, aus naturgemäßen menschlichen Kräften entwickelt hatten.
[ 16 ] Aber die Menschenseele entwickelt sich weiter, auch nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Diese Menschenseele, die sich weiter entwickelt, auch nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, wächst in ihren Verständniskräften auch nach dem Tode; sie lernt immer mehr und mehr verstehen.
[ 16 ] Aber die Menschenseele entwickelt sich weiter, auch nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Diese Menschenseele, die sich weiter entwickelt, auch nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, wächst in ihren Verständniskräften auch nach dem Tode; sie lernt immer mehr und mehr verstehen.
[ 17 ] Nun liegt das Eigentümliche vor, daß die Zeitgenossen des Christus, die sich durch ihre Liebe zu dem Christus vorbereitet hatten für ein Leben in Christo nach dem Tode, daß diese aus eigenen menschlichen Kräften voll das Mysterium von Golgatha eigentlich erst begriffen im 3. Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha. Also diejenigen, die mit dem Christus als seine Jünger und Apostel zugleich gelebt haben, die starben dann, lebten weiter in der geistigen Welt, und indem sie in der geistigen Welt lebten, wuchsen ihre Kräfte, geradeso wie sie hier wachsen. Nun sind wir beim Tode nicht so weit, daß wir solches Verständnis haben, wie wir es zwei Jahrhunderte nach dem Tode haben. Die Zeitgenossen waren eigentlich erst im 2. Jahrhundert, gegen das 3. Jahrhundert zu, so weit, daß sie dann in dem geistigen Reich, das der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchlebt, von sich selbst aus zu dem Verständnis dessen kamen, was sie vor zwei bis drei Jahrhunderten hier auf der Erde erlebt hatten. Und dann inspirierten sie von der geistigen Welt aus diejenigen Menschen, die hier unten auf der Erde waren.
[ 17 ] Nun liegt das Eigentümliche vor, daß die Zeitgenossen des Christus, die sich durch ihre Liebe zu dem Christus vorbereitet hatten für ein Leben in Christo nach dem Tode, daß diese aus eigenen menschlichen Kräften voll das Mysterium von Golgatha eigentlich erst begriffen im 3. Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha. Also diejenigen, die mit dem Christus als seine Jünger und Apostel zugleich gelebt haben, die starben dann, lebten weiter in der geistigen Welt, und indem sie in der geistigen Welt lebten, wuchsen ihre Kräfte, geradeso wie sie hier wachsen. Nun sind wir beim Tode nicht so weit, daß wir solches Verständnis haben, wie wir es zwei Jahrhunderte nach dem Tode haben. Die Zeitgenossen waren eigentlich erst im 2. Jahrhundert, gegen das 3. Jahrhundert zu, so weit, daß sie dann in dem geistigen Reich, das der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchlebt, von sich selbst aus zu dem Verständnis dessen kamen, was sie vor zwei bis drei Jahrhunderten hier auf der Erde erlebt hatten. Und dann inspirierten sie von der geistigen Welt aus diejenigen Menschen, die hier unten auf der Erde waren.
[ 18 ] Lesen Sie von diesem Gesichtspunkte aus dasjenige, was die sogenannten Kirchenväter im 2., 3. Jahrhunderte, als die Inspiration im rechten Sinne anfing, geschrieben haben, dann werden Sie darauf kommen, wie man verstehen kann, was von den Kirchenvätern geschrieben worden ist über den Christus Jesus. Dasjenige, was von den toten Zeitgenossen des Christus Jesus inspiriert worden ist, das hat man im 3. Jahrhunderte angefangen zu schreiben. Eine merkwürdige Sprache führen diese Menschen im 3. Jahrhundert über den Christus Jesus, eine Sprache, die zum Teil für den heutigen Menschen — wir werden gleich nachher über diesen heutigen Menschen sprechen — recht unverständlich ist.
[ 18 ] Lesen Sie von diesem Gesichtspunkte aus dasjenige, was die sogenannten Kirchenväter im 2., 3. Jahrhunderte, als die Inspiration im rechten Sinne anfing, geschrieben haben, dann werden Sie darauf kommen, wie man verstehen kann, was von den Kirchenvätern geschrieben worden ist über den Christus Jesus. Dasjenige, was von den toten Zeitgenossen des Christus Jesus inspiriert worden ist, das hat man im 3. Jahrhunderte angefangen zu schreiben. Eine merkwürdige Sprache führen diese Menschen im 3. Jahrhundert über den Christus Jesus, eine Sprache, die zum Teil für den heutigen Menschen — wir werden gleich nachher über diesen heutigen Menschen sprechen — recht unverständlich ist.
[ 19 ] Ich will einen Menschen anführen, ich könnte auch einen anderen anführen, aber ich will Ihnen einen, der der gegenwärtigen materialistischen Kultur so recht verächtlich ist, anführen, denjenigen, von dem diese materialistische Kultur sagt, er hätte einen schrecklichen Satz gesprochen: Credo quia absurdum est — Ich glaube dasjenige, was töricht ist, und nicht dasjenige, was vernünftig ist. — Den Tertullian will ich anführen.
[ 19 ] Ich will einen Menschen anführen, ich könnte auch einen anderen anführen, aber ich will Ihnen einen, der der gegenwärtigen materialistischen Kultur so recht verächtlich ist, anführen, denjenigen, von dem diese materialistische Kultur sagt, er hätte einen schrecklichen Satz gesprochen: Credo quia absurdum est — Ich glaube dasjenige, was töricht ist, und nicht dasjenige, was vernünftig ist. — Den Tertullian will ich anführen.
[ 20 ] Wenn man den Tertullian anführt, der ungefähr in der Zeit lebte, wo die Inspiration von oben von den toten Zeitgenossen des Christus Jesus begann, und der, soweit er es konnte als Mensch, unter dieser Inspiration stand, wenn man diesen Tertullian wirklich liest, so bekommt man einen eigentümlichen Eindruck. Natürlich schrieb er so, wie er schreiben mußte nach seiner menschlichen Konstitution. Man kann ja gut Inspirationen haben, aber sie zeigen sich immer so, wie man sie aufnehmen kann. So gab denn auch der Tertullian die Inspirationen nicht ganz rein; er gab sie so, wie er sie in seinem menschlichen Gehirn zum Ausdruck bringen konnte, erstens, da er in einem sterblichen Leibe wohnte, und zweitens, da er in einer gewissen Hinsicht leidenschaftlich und fanatisiert war. Er schrieb so, wie es herauskam, aber höchst merkwürdig herauskam, wenn es von einem wahren und richtigen Gesichtspunkte aus betrachtet wird.
[ 20 ] Wenn man den Tertullian anführt, der ungefähr in der Zeit lebte, wo die Inspiration von oben von den toten Zeitgenossen des Christus Jesus begann, und der, soweit er es konnte als Mensch, unter dieser Inspiration stand, wenn man diesen Tertullian wirklich liest, so bekommt man einen eigentümlichen Eindruck. Natürlich schrieb er so, wie er schreiben mußte nach seiner menschlichen Konstitution. Man kann ja gut Inspirationen haben, aber sie zeigen sich immer so, wie man sie aufnehmen kann. So gab denn auch der Tertullian die Inspirationen nicht ganz rein; er gab sie so, wie er sie in seinem menschlichen Gehirn zum Ausdruck bringen konnte, erstens, da er in einem sterblichen Leibe wohnte, und zweitens, da er in einer gewissen Hinsicht leidenschaftlich und fanatisiert war. Er schrieb so, wie es herauskam, aber höchst merkwürdig herauskam, wenn es von einem wahren und richtigen Gesichtspunkte aus betrachtet wird.
[ 21 ] Dieser Tertullian tritt einem von diesem Gesichtspunkt aus entgegen als ein Römer von einer nicht einmal besonders hohen literarischen Bildung, aber als ein Schriftsteller von großartiger Sprachkraft. Man kann geradezu sagen: Tertullian ist derjenige, welcher die lateinische Sprache dem Christentum erst gerecht gemacht hat. Er hat erst die Möglichkeit gefunden, diese prosaischeste, unpoetischeste Sprache, diese rein rhetorische Sprache, die lateinische Sprache, mit solchem Temperament und mit einer solchen heiligen Leidenschaft zu durchglühen, daß wirklich unmittelbar seelisches Leben in dem Werke des Tertullian lebt, insbesondere in «De carne Christi» zum Beispiel, oder auch in demjenigen Werk, in dem er alles abzuweisen versucht, wessen man die Christen beschuldigt. Sie sind mit einem heiligen Temperament geschrieben und mit einer großartigen Sprachkraft. — Und dieser Tertullian war als Römer und an «De carne Christi» kann man das zeigen — vorurteilslos gegenüber seinem eigenen Römertum. Er fand großartige Worte, indem er die Christen gegen die Verfolgung der Römer verteidigte. Die Mißhandlungen, die man den Christen zufügte, damit sie ableugnen sollten ihre Zugehörigkeit zu dem Christus Jesus, die verurteilte er temperamentvoll, so daß er sagte: Beweist nicht euer Verhalten als Richter gegenüber den Christen hinlänglich genug, daß ihr ungerecht seid? Ihr müßt euer ganzes richterliches Verfahren, wie ihr es sonst habt, ändern, es nicht anwenden, wenn ihr gegen die Christen richtet. Sonst zwingt ihr durch die Mißhandlungen einen Zeugen, daß er nicht ableugnet; ihr zwingt ihn, daß er bekennt, was wahr ist, was er wirklich meint. Bei dem Christen macht ihr es umgekehrt: Ihr foltert ihn, damit er leugnet, was er meint. Ihr benehmt euch als Richter den Christen gegenüber entgegengesetzt dem Falle, wie ihr euch sonst als Richter benehmt. Sonst wollt ihr die Wahrheit erfahren durch die Mißhandlung; bei den Christen wollt ihr die Lüge erfahren. — Und in ähnlicher Weise, in Worten, die wirklich den Nagel auf den Kopf trafen, sprach Tertullian über vieles.
[ 21 ] Dieser Tertullian tritt einem von diesem Gesichtspunkt aus entgegen als ein Römer von einer nicht einmal besonders hohen literarischen Bildung, aber als ein Schriftsteller von großartiger Sprachkraft. Man kann geradezu sagen: Tertullian ist derjenige, welcher die lateinische Sprache dem Christentum erst gerecht gemacht hat. Er hat erst die Möglichkeit gefunden, diese prosaischeste, unpoetischeste Sprache, diese rein rhetorische Sprache, die lateinische Sprache, mit solchem Temperament und mit einer solchen heiligen Leidenschaft zu durchglühen, daß wirklich unmittelbar seelisches Leben in dem Werke des Tertullian lebt, insbesondere in «De carne Christi» zum Beispiel, oder auch in demjenigen Werk, in dem er alles abzuweisen versucht, wessen man die Christen beschuldigt. Sie sind mit einem heiligen Temperament geschrieben und mit einer großartigen Sprachkraft. — Und dieser Tertullian war als Römer und an «De carne Christi» kann man das zeigen — vorurteilslos gegenüber seinem eigenen Römertum. Er fand großartige Worte, indem er die Christen gegen die Verfolgung der Römer verteidigte. Die Mißhandlungen, die man den Christen zufügte, damit sie ableugnen sollten ihre Zugehörigkeit zu dem Christus Jesus, die verurteilte er temperamentvoll, so daß er sagte: Beweist nicht euer Verhalten als Richter gegenüber den Christen hinlänglich genug, daß ihr ungerecht seid? Ihr müßt euer ganzes richterliches Verfahren, wie ihr es sonst habt, ändern, es nicht anwenden, wenn ihr gegen die Christen richtet. Sonst zwingt ihr durch die Mißhandlungen einen Zeugen, daß er nicht ableugnet; ihr zwingt ihn, daß er bekennt, was wahr ist, was er wirklich meint. Bei dem Christen macht ihr es umgekehrt: Ihr foltert ihn, damit er leugnet, was er meint. Ihr benehmt euch als Richter den Christen gegenüber entgegengesetzt dem Falle, wie ihr euch sonst als Richter benehmt. Sonst wollt ihr die Wahrheit erfahren durch die Mißhandlung; bei den Christen wollt ihr die Lüge erfahren. — Und in ähnlicher Weise, in Worten, die wirklich den Nagel auf den Kopf trafen, sprach Tertullian über vieles.
[ 22 ] Dabei kann man sagen, daß er neben dem, daß er ein mutiger, kraftvoller Mann war, der die Hohlheit des römischen Götterdienstes voll durchschaute und darstellte, außerdem ein Mensch war, der überall, wo er schrieb, seine Beziehungen zur übersinnlichen Welt bewies. Er redete von der übersinnlichen Welt so, daß man sieht: Der Mann weiß, was es heißt, von der übersinnlichen Welt zu reden. Er redet von Dämonen so, wie er von seinen Bekannten als Menschen redet. — Und er redet zum Beispiel von den Dämonen so, daß er sagt: Fragt die Dämonen, ob der Christus, der, von dem die Christen behaupten, daß er ein wahrer Gott sei, wirklich ein wahrer Gott ist! Stellt einmal einen wirklichen Christen einem Besessenen gegenüber, aus dem ein Dämon spricht, da werdet ihr sehen: Wenn ihr ihn wirklich zum Sprechen bringt, gesteht er euch, daß er selber ein Dämon ist, denn er sagt die Wahrheit. — Das wußte Tertullian, daß die Dämonen nicht lügen, wenn man sie befragt. — Aber die Dämonen sagen euch auch, wenn der Christ sie richtig frägt aus seinem Bewußtsein heraus, daß der Christus der wahre Gott ist. Nur hassen sie ihn, weil sie ihn bekämpfen. Ihr werdet von dem Dämon erfahren, daß das der wahre Gott ist. — Also nicht nur auf das Zeugnis der Menschen, sondern auf das Zeugnis der Dämonen beruft sich Tertullian. So spricht er von den Dämonen als Zeugen, die nicht bloß reden, die da auch bekennen, daß Christus der wahre Gott ist. Das sagt Tertullian alles aus sich selbst heraus.
[ 22 ] Dabei kann man sagen, daß er neben dem, daß er ein mutiger, kraftvoller Mann war, der die Hohlheit des römischen Götterdienstes voll durchschaute und darstellte, außerdem ein Mensch war, der überall, wo er schrieb, seine Beziehungen zur übersinnlichen Welt bewies. Er redete von der übersinnlichen Welt so, daß man sieht: Der Mann weiß, was es heißt, von der übersinnlichen Welt zu reden. Er redet von Dämonen so, wie er von seinen Bekannten als Menschen redet. — Und er redet zum Beispiel von den Dämonen so, daß er sagt: Fragt die Dämonen, ob der Christus, der, von dem die Christen behaupten, daß er ein wahrer Gott sei, wirklich ein wahrer Gott ist! Stellt einmal einen wirklichen Christen einem Besessenen gegenüber, aus dem ein Dämon spricht, da werdet ihr sehen: Wenn ihr ihn wirklich zum Sprechen bringt, gesteht er euch, daß er selber ein Dämon ist, denn er sagt die Wahrheit. — Das wußte Tertullian, daß die Dämonen nicht lügen, wenn man sie befragt. — Aber die Dämonen sagen euch auch, wenn der Christ sie richtig frägt aus seinem Bewußtsein heraus, daß der Christus der wahre Gott ist. Nur hassen sie ihn, weil sie ihn bekämpfen. Ihr werdet von dem Dämon erfahren, daß das der wahre Gott ist. — Also nicht nur auf das Zeugnis der Menschen, sondern auf das Zeugnis der Dämonen beruft sich Tertullian. So spricht er von den Dämonen als Zeugen, die nicht bloß reden, die da auch bekennen, daß Christus der wahre Gott ist. Das sagt Tertullian alles aus sich selbst heraus.
[ 23 ] Man hat wirklich allen Grund, wenn man Tertullian als Schriftsteller kennenlernt, zu fragen: Was war denn eigentlich das tiefere Seelenbekenntnis des Tertullian, der ergriffen war von der Ihnen eben geschilderten Inspiration? Dieses tiefere Seelenbekenntnis des Tertullian ist in der Tat lehrreich. Denn Tertullian ahnte bereits etwas, was eigentlich erst ziemlich lange nach der Zeit des Tertullian offenbar werden sollte für die Menschheit. Tertullian bekannte sich im Grunde zu drei Sätzen gegenüber der menschlichen Natur. Erstens: Die menschliche Natur ist so, daß sie in der jetzigen Zeit — also das ist die Zeit des Tertullian, Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts —, daß sie, wie sie jetzt ist, die Schmach auf sich laden kann, das größte Erdenereignis zu verleugnen. Wenn der Mensch nur sich folgt, kommt er nicht zum größten Erdenereignis. Zweitens ist seine Seele zu schwach, um dieses größte Erdenereignis zu begreifen. Drittens ist es dem Menschen ganz unmöglich, wenn er nur dem folgt, was ihm sein sterblicher Leib ermöglicht, ein Verhältnis zu gewinnen zu dem Mysterium von Golgatha.
[ 23 ] Man hat wirklich allen Grund, wenn man Tertullian als Schriftsteller kennenlernt, zu fragen: Was war denn eigentlich das tiefere Seelenbekenntnis des Tertullian, der ergriffen war von der Ihnen eben geschilderten Inspiration? Dieses tiefere Seelenbekenntnis des Tertullian ist in der Tat lehrreich. Denn Tertullian ahnte bereits etwas, was eigentlich erst ziemlich lange nach der Zeit des Tertullian offenbar werden sollte für die Menschheit. Tertullian bekannte sich im Grunde zu drei Sätzen gegenüber der menschlichen Natur. Erstens: Die menschliche Natur ist so, daß sie in der jetzigen Zeit — also das ist die Zeit des Tertullian, Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts —, daß sie, wie sie jetzt ist, die Schmach auf sich laden kann, das größte Erdenereignis zu verleugnen. Wenn der Mensch nur sich folgt, kommt er nicht zum größten Erdenereignis. Zweitens ist seine Seele zu schwach, um dieses größte Erdenereignis zu begreifen. Drittens ist es dem Menschen ganz unmöglich, wenn er nur dem folgt, was ihm sein sterblicher Leib ermöglicht, ein Verhältnis zu gewinnen zu dem Mysterium von Golgatha.
[ 24 ] Diese drei Dinge sind ungefähr das Bekenntnis des Tertullian. Aus diesen drei Dingen heraus hat Tertullian die Worte gesprochen: «Gekreuzigt wurde Gottes Sohn; das ist keine Schande, weil es schändlich ist. Auch gestorben ist er; gerade darum ist es glaublich, weil es töricht ist.» «Prorsus credibile est, quia ineptum est», das ist gerade deshalb glaublich, weil es töricht ist. Dieser Satz steht bei Tertullian. Der andere Satz, den ihm die Welt andichtet: Credo, quia absurdum est —, steht nirgends, weder bei Tertullian, noch bei einem anderen Kirchenvater. Aber dieser Satz, den ich Ihnen jetzt eben ausgesprochen habe, ist dazumal geschrieben worden. Die meisten Menschen kennen von Tertullian nichts anderes als diesen Satz, der nicht wahr ist. Drittens: «Und der Begrabene ist auferstanden», sagt Tertullian, «weil es unmöglich ist. Wir müssen es glauben, weil es unmöglich ist.»
[ 24 ] Diese drei Dinge sind ungefähr das Bekenntnis des Tertullian. Aus diesen drei Dingen heraus hat Tertullian die Worte gesprochen: «Gekreuzigt wurde Gottes Sohn; das ist keine Schande, weil es schändlich ist. Auch gestorben ist er; gerade darum ist es glaublich, weil es töricht ist.» «Prorsus credibile est, quia ineptum est», das ist gerade deshalb glaublich, weil es töricht ist. Dieser Satz steht bei Tertullian. Der andere Satz, den ihm die Welt andichtet: Credo, quia absurdum est —, steht nirgends, weder bei Tertullian, noch bei einem anderen Kirchenvater. Aber dieser Satz, den ich Ihnen jetzt eben ausgesprochen habe, ist dazumal geschrieben worden. Die meisten Menschen kennen von Tertullian nichts anderes als diesen Satz, der nicht wahr ist. Drittens: «Und der Begrabene ist auferstanden», sagt Tertullian, «weil es unmöglich ist. Wir müssen es glauben, weil es unmöglich ist.»
[ 25 ] Dieser dreifache Ausspruch, den Tertullian tut, der erscheint natürlich den modernen, ganz gescheiten Menschen als etwas Schreckliches. Man soll sich nur so einen waschechten heutigen materialistisch Gebildeten denken, der da hört, daf3 einer sagt: Christus ist gekreuzigt worden; wir müssen es glauben, weil es schmachvoll ist. Christus ist gestorben; wir müssen es glauben, weil es töricht ist. Christus ist wahrhaftig auferstanden; wir müssen es glauben, weil es unmöglich ist. — Man soll sich vorstellen, was so ein richtiger monistischer Weltanschauer von heute zu solchen Sätzen für ein Verhältnis gewinnen kann!
[ 25 ] Dieser dreifache Ausspruch, den Tertullian tut, der erscheint natürlich den modernen, ganz gescheiten Menschen als etwas Schreckliches. Man soll sich nur so einen waschechten heutigen materialistisch Gebildeten denken, der da hört, daf3 einer sagt: Christus ist gekreuzigt worden; wir müssen es glauben, weil es schmachvoll ist. Christus ist gestorben; wir müssen es glauben, weil es töricht ist. Christus ist wahrhaftig auferstanden; wir müssen es glauben, weil es unmöglich ist. — Man soll sich vorstellen, was so ein richtiger monistischer Weltanschauer von heute zu solchen Sätzen für ein Verhältnis gewinnen kann!
[ 26 ] Was meinte aber Tertullian? Tertullian ist gerade durch seine Inspiration für seine damalige Zeit so ein rechter Menschenkenner geworden, hat erkannt, auf welchem Wege die menschliche Natur in der damaligen Zeit war. Die Menschen gingen entgegen den folgenden Jahrhunderten der vierten nachatlantischen, der griechisch-lateinischen Kulturperiode. Geradesoviel Jahre, als das Mysterium von Golgatha der Mitte dieses Zeitraumes vorangegangen ist, 333 Jahre, geradesoviel Jahre nach diesem Zeitraum war beabsichtigt von gewissen geistigen Mächten, die Erdenentwickelung in ganz andere Bahnen zu leiten, als sie dann, weil das Mysterium von Golgatha da war, geleitet worden ist. 333 Jahre nach dem Jahre 333 ist 666; das ist jene Jahreszahl, von der der Schreiber der Apokalypse mit einem großen Temperamente spricht. Lesen Sie die betreffenden Stellen, wo der Schreiber der Apokalypse von dem spricht, was sich auf 666 bezieht! Da sollte nach den Intentionen gewisser geistiger Mächte mit der Menschheit etwas geschehen, und es wäre geschehen, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre. Man hätte den absteigenden Weg, der von 333 ab der Menschheit beschieden gewesen wäre als Gipfelpunkt der Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele, diesen absteigenden Weg hätte man dazu benützt, um die Menschheit in ein ganz anderes Fahrwasser zu bringen, als sie kommen sollte nach der Intention derjenigen göttlichen Wesenheiten, die mit ihr vom Anfange, von der Saturnzeit an, verknüpft sind. Das sollte dadurch geschehen, daß etwas, was erst später kommen sollte in die Menschheit, die Bewußtseinsseele mit ihren Inhalten, durch eine Art Offenbarung der Menschheit schon 666 gegeben würde. Wäre das ausgeführt worden, wären wirklich die Intentionen erfüllt worden gewisser der Menschheitsentwickelung entgegengesetzter, aber diese Menschheitsentwickelung an sich reißen wollender Wesen, dann wäre die Menschheit 666 so überrascht worden, begabt worden mit der Bewußtseinsseele, wie sie es erst längere Zeit nach unserer Zeit sein wird.
[ 26 ] Was meinte aber Tertullian? Tertullian ist gerade durch seine Inspiration für seine damalige Zeit so ein rechter Menschenkenner geworden, hat erkannt, auf welchem Wege die menschliche Natur in der damaligen Zeit war. Die Menschen gingen entgegen den folgenden Jahrhunderten der vierten nachatlantischen, der griechisch-lateinischen Kulturperiode. Geradesoviel Jahre, als das Mysterium von Golgatha der Mitte dieses Zeitraumes vorangegangen ist, 333 Jahre, geradesoviel Jahre nach diesem Zeitraum war beabsichtigt von gewissen geistigen Mächten, die Erdenentwickelung in ganz andere Bahnen zu leiten, als sie dann, weil das Mysterium von Golgatha da war, geleitet worden ist. 333 Jahre nach dem Jahre 333 ist 666; das ist jene Jahreszahl, von der der Schreiber der Apokalypse mit einem großen Temperamente spricht. Lesen Sie die betreffenden Stellen, wo der Schreiber der Apokalypse von dem spricht, was sich auf 666 bezieht! Da sollte nach den Intentionen gewisser geistiger Mächte mit der Menschheit etwas geschehen, und es wäre geschehen, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre. Man hätte den absteigenden Weg, der von 333 ab der Menschheit beschieden gewesen wäre als Gipfelpunkt der Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele, diesen absteigenden Weg hätte man dazu benützt, um die Menschheit in ein ganz anderes Fahrwasser zu bringen, als sie kommen sollte nach der Intention derjenigen göttlichen Wesenheiten, die mit ihr vom Anfange, von der Saturnzeit an, verknüpft sind. Das sollte dadurch geschehen, daß etwas, was erst später kommen sollte in die Menschheit, die Bewußtseinsseele mit ihren Inhalten, durch eine Art Offenbarung der Menschheit schon 666 gegeben würde. Wäre das ausgeführt worden, wären wirklich die Intentionen erfüllt worden gewisser der Menschheitsentwickelung entgegengesetzter, aber diese Menschheitsentwickelung an sich reißen wollender Wesen, dann wäre die Menschheit 666 so überrascht worden, begabt worden mit der Bewußtseinsseele, wie sie es erst längere Zeit nach unserer Zeit sein wird.
[ 27 ] Darauf beruht nämlich dasjenige, was die den menschenliebenden Göttern feindlichen Wesenheiten immer machen, daß sie dasjenige, was diese den Menschen guten geistigen Wesenheiten zu einer späteren Zeit machen wollen, in einen früheren Zeitpunkt verlegen wollen, wo die Menschheit noch nicht reif dazu ist. Es hätte dasjenige, was erst in der Mitte unseres Zeitraumes hätte geschehen sollen, was also erst 1080 Jahre nach dem Jahre 1413 geschehen soll, was erst also im Jahre 2493 geschehen soll — da soll erst der Mensch so weit sein mit Bezug auf das bewußte Erfassen seiner eigenen Persönlichkeit —, schon 666 durch ahrimanisch-luziferische Kräfte dem Menschen eingeimpft werden sollen.
[ 27 ] Darauf beruht nämlich dasjenige, was die den menschenliebenden Göttern feindlichen Wesenheiten immer machen, daß sie dasjenige, was diese den Menschen guten geistigen Wesenheiten zu einer späteren Zeit machen wollen, in einen früheren Zeitpunkt verlegen wollen, wo die Menschheit noch nicht reif dazu ist. Es hätte dasjenige, was erst in der Mitte unseres Zeitraumes hätte geschehen sollen, was also erst 1080 Jahre nach dem Jahre 1413 geschehen soll, was erst also im Jahre 2493 geschehen soll — da soll erst der Mensch so weit sein mit Bezug auf das bewußte Erfassen seiner eigenen Persönlichkeit —, schon 666 durch ahrimanisch-luziferische Kräfte dem Menschen eingeimpft werden sollen.
[ 28 ] Was wollte man dadurch erreichen auf seiten dieser Wesen? Sie wollten dadurch dem Menschen die Bewußtseinsseele geben, hätten ihm aber dadurch eine Natur eingepflanzt, die es ihm unmöglich gemacht hätte, seinen weiteren Weg zum Geistselbst, zum Lebensgeist und zum Geistesmenschen zu finden. Man hätte abgeschnitten seinen Zukunftsweg und hätte den Menschen für ganz andere Entwickelungsbahnen in Anspruch genommen.
[ 28 ] Was wollte man dadurch erreichen auf seiten dieser Wesen? Sie wollten dadurch dem Menschen die Bewußtseinsseele geben, hätten ihm aber dadurch eine Natur eingepflanzt, die es ihm unmöglich gemacht hätte, seinen weiteren Weg zum Geistselbst, zum Lebensgeist und zum Geistesmenschen zu finden. Man hätte abgeschnitten seinen Zukunftsweg und hätte den Menschen für ganz andere Entwickelungsbahnen in Anspruch genommen.
[ 29 ] Die Geschichte hat sich nicht abgespielt so, wie es intendiert war in dieser besonderen Gestalt, in dieser phänomenalen, großartigen, aber teuflischen Gestalt, aber die Spuren davon haben sich doch in der Geschichte vollzogen. Sie konnten sich dadurch vollziehen, daß Dinge geschahen, von denen man nur sagen kann: Die Menschen tun sie auf der Erde, aber sie tun sie eigentlich immer, indem sie Handlanger sind desjenigen, was gewisse geistige Wesenheiten durch die Menschen ausführen. — Und so war denn auch der Kaiser Justinian ein Handlanger gewisser Wesenheiten, als er, der ja ein Feind war alles dessen, was aus der hohen Weisheit des Griechentums überkommen war, 529 die Philosophenschulen in Athen schloß, so daß die letzten Reste der griechischen Gelehrsamkeit mit dem hohen aristotelisch-platonischen Wissen verbannt wurden und nach Persien hinüber flüchteten. Nach Nisibis waren schon früher, als Zeno Isauricus im 5. Jahrhunderte ebensolche griechische Weise von Edessa vertrieben hatte, die syrischen Weisen geflohen. Und so versammelte sich gegen das Jahr, das heranrückte, gegen 666 hin, in der persischen Akademie von Gondishapur wirklich dasjenige, was auserlesenste Gelehrsamkeit war, die herübergekommen war aus dem alten Griechentum und die keine Rücksicht genommen hatte auf das Mysterium von Golgatha. Und innerhalb der Akademie von Gondishapur lehrten diejenigen, die inspiriert waren von luziferisch-ahrimanischen Kräften.
[ 29 ] Die Geschichte hat sich nicht abgespielt so, wie es intendiert war in dieser besonderen Gestalt, in dieser phänomenalen, großartigen, aber teuflischen Gestalt, aber die Spuren davon haben sich doch in der Geschichte vollzogen. Sie konnten sich dadurch vollziehen, daß Dinge geschahen, von denen man nur sagen kann: Die Menschen tun sie auf der Erde, aber sie tun sie eigentlich immer, indem sie Handlanger sind desjenigen, was gewisse geistige Wesenheiten durch die Menschen ausführen. — Und so war denn auch der Kaiser Justinian ein Handlanger gewisser Wesenheiten, als er, der ja ein Feind war alles dessen, was aus der hohen Weisheit des Griechentums überkommen war, 529 die Philosophenschulen in Athen schloß, so daß die letzten Reste der griechischen Gelehrsamkeit mit dem hohen aristotelisch-platonischen Wissen verbannt wurden und nach Persien hinüber flüchteten. Nach Nisibis waren schon früher, als Zeno Isauricus im 5. Jahrhunderte ebensolche griechische Weise von Edessa vertrieben hatte, die syrischen Weisen geflohen. Und so versammelte sich gegen das Jahr, das heranrückte, gegen 666 hin, in der persischen Akademie von Gondishapur wirklich dasjenige, was auserlesenste Gelehrsamkeit war, die herübergekommen war aus dem alten Griechentum und die keine Rücksicht genommen hatte auf das Mysterium von Golgatha. Und innerhalb der Akademie von Gondishapur lehrten diejenigen, die inspiriert waren von luziferisch-ahrimanischen Kräften.
[ 30 ] Hätte dasjenige, was 666 über die Menschheit hätte kommen sollen — was, wenn es gekommen wäre, eben zum Abschneiden der späteren Entwickelung und zur Erhöhung der Menschheit zur Bewußtseinsseele schon im Jahre 666 geführt hätte —, hätte das seinen vollen Erfolg gehabt, was von der Akademie von Gondishapur beabsichtigt war, dann wären im 7. Jahrhunderte da und dort überall hochgelehrte und durch ihre Hochgelehrsamkeit in außerordentlichem Maße geniale Menschen entstanden, welche wandern sollten durch Westasien, durch Nordafrika, durch Südeuropa, durch Europa überhaupt und die überall verbreiten sollten jene Kultur von 666, die von der Akademie von Gondishapur beabsichtigt war. Diese Kultur sollte vor allen Dingen den Menschen ganz auf seine Persönlichkeit stellen, ganz die Bewußtseinsseele schon bringen.
[ 30 ] Hätte dasjenige, was 666 über die Menschheit hätte kommen sollen — was, wenn es gekommen wäre, eben zum Abschneiden der späteren Entwickelung und zur Erhöhung der Menschheit zur Bewußtseinsseele schon im Jahre 666 geführt hätte —, hätte das seinen vollen Erfolg gehabt, was von der Akademie von Gondishapur beabsichtigt war, dann wären im 7. Jahrhunderte da und dort überall hochgelehrte und durch ihre Hochgelehrsamkeit in außerordentlichem Maße geniale Menschen entstanden, welche wandern sollten durch Westasien, durch Nordafrika, durch Südeuropa, durch Europa überhaupt und die überall verbreiten sollten jene Kultur von 666, die von der Akademie von Gondishapur beabsichtigt war. Diese Kultur sollte vor allen Dingen den Menschen ganz auf seine Persönlichkeit stellen, ganz die Bewußtseinsseele schon bringen.
[ 31 ] Es war nicht möglich geworden, daß dies geschah. Die Welt hatte schon eine andere Gestaltung angenommen, als diejenige hätte sein müssen, in welcher das hätte geschehen können. Daher wurde der ganze Stoß, der versetzt werden sollte der abendländischen Kultur von der Akademie von Gondishapur aus, abgestumpft. Und statt daß eine Weisheit herausgekommen ist, gegen welche alles das, was wir heute in der äußeren Welt wissen, eine ganze Kleinigkeit wäre, statt daß eine Weisheit durch Eingebung in spiritueller Weise über alles dasjenige herausgekommen ist, was man nach und nach durch das Experimentieren und durch die Naturwissenschaft bis zum Jahre 2493 sich erobern wird, und das durch eine glänzende, großartige Gelehrsamkeit herausgekommen wäre, sind dann nur die Reste davon geblieben in dem, was arabische Gelehrte nach Spanien gebracht haben. Aber es war auch schon abgestumpft. Das ist nicht in jener Weise herausgekommen, wie es gewollt war, es ist abgestumpft worden. Und an dessen Stelle ist der Mohammedanismus, ist Mohammed mit seiner Lehre geblieben, und es ist nur der Islam anstelle desjenigen gekommen, was von der Akademie von Gondishapur hätte ausgehen sollen. Die Welt war durch das Mysterium von Golgatha abgebracht worden von dieser ihr verderblichen Richtung.
[ 31 ] Es war nicht möglich geworden, daß dies geschah. Die Welt hatte schon eine andere Gestaltung angenommen, als diejenige hätte sein müssen, in welcher das hätte geschehen können. Daher wurde der ganze Stoß, der versetzt werden sollte der abendländischen Kultur von der Akademie von Gondishapur aus, abgestumpft. Und statt daß eine Weisheit herausgekommen ist, gegen welche alles das, was wir heute in der äußeren Welt wissen, eine ganze Kleinigkeit wäre, statt daß eine Weisheit durch Eingebung in spiritueller Weise über alles dasjenige herausgekommen ist, was man nach und nach durch das Experimentieren und durch die Naturwissenschaft bis zum Jahre 2493 sich erobern wird, und das durch eine glänzende, großartige Gelehrsamkeit herausgekommen wäre, sind dann nur die Reste davon geblieben in dem, was arabische Gelehrte nach Spanien gebracht haben. Aber es war auch schon abgestumpft. Das ist nicht in jener Weise herausgekommen, wie es gewollt war, es ist abgestumpft worden. Und an dessen Stelle ist der Mohammedanismus, ist Mohammed mit seiner Lehre geblieben, und es ist nur der Islam anstelle desjenigen gekommen, was von der Akademie von Gondishapur hätte ausgehen sollen. Die Welt war durch das Mysterium von Golgatha abgebracht worden von dieser ihr verderblichen Richtung.
[ 32 ] Und abgebracht worden war sie dadurch, daß schon früher nicht nur das Mysterium von Golgatha geschehen ist, sondern eben dieses Mysterium von Golgatha als solches Ereignis geschehen ist, welches nicht begriffen werden kann von den gewöhnlichen menschlichen Kräften bis zum Tod; wodurch innerhalb der abendländischen Menschheit eben das entstand, was ich vorhin beschrieben habe: Inspiration von seiten der Toten fand statt, wie wir dies bei Tertullian und vielen anderen bemerken. Dadurch wurde der Sinn der Menschen auf das Mysterium von Golgatha und damit auf etwas ganz anderes hingelenkt, als dasjenige ist, was von der Akademie von Gondishapur hätte ausgehen sollen. Dadurch verbreitete sich dasjenige, was verhinderte jene hohe, aber teuflische Weisheit, welche die Akademie von Gondishapur intendierte, aber es wurde verhindert die Ausbreitung jener Weisheit zum Heile der Menschheit. Es kam vieles gebrochen heraus von dem, was inspiriert worden war von den Toten, aber es war doch die Menschheit davor bewahrt, das über sich ergehen zu lassen, was sie in ihre Seelen hätte aufnehmen müssen, wenn die Akademie von Gondishapur mit ihrer Tendenz Glück gehabt hätte.
[ 32 ] Und abgebracht worden war sie dadurch, daß schon früher nicht nur das Mysterium von Golgatha geschehen ist, sondern eben dieses Mysterium von Golgatha als solches Ereignis geschehen ist, welches nicht begriffen werden kann von den gewöhnlichen menschlichen Kräften bis zum Tod; wodurch innerhalb der abendländischen Menschheit eben das entstand, was ich vorhin beschrieben habe: Inspiration von seiten der Toten fand statt, wie wir dies bei Tertullian und vielen anderen bemerken. Dadurch wurde der Sinn der Menschen auf das Mysterium von Golgatha und damit auf etwas ganz anderes hingelenkt, als dasjenige ist, was von der Akademie von Gondishapur hätte ausgehen sollen. Dadurch verbreitete sich dasjenige, was verhinderte jene hohe, aber teuflische Weisheit, welche die Akademie von Gondishapur intendierte, aber es wurde verhindert die Ausbreitung jener Weisheit zum Heile der Menschheit. Es kam vieles gebrochen heraus von dem, was inspiriert worden war von den Toten, aber es war doch die Menschheit davor bewahrt, das über sich ergehen zu lassen, was sie in ihre Seelen hätte aufnehmen müssen, wenn die Akademie von Gondishapur mit ihrer Tendenz Glück gehabt hätte.
[ 33 ] Aber solche Ereignisse wie dasjenige, was von der Akademie von Gondishapur intendiert war, die gehen gewissermaßen hinter den Kulissen der äußeren Weltentwickelung vor sich. Sie gehen im Übersinnlichen vor sich. Die Menschen stehen damit in Beziehung, aber diese Ereignisse spielen sich durchaus im Übersinnlichen ab. Und wir können nicht solche Ereignisse, weder dasjenige, was intendiert war von der Akademie von Gondishapur, noch das Ereignis von Golgatha, nur nach dem beurteilen, was auf dem physischen Plane geschieht. Wir müssen solche Ereignisse, wenn wir sie charakterisieren wollen, in viel, viel bedeutenderen Tiefen aufsuchen, als man gewöhnlich meint.
[ 33 ] Aber solche Ereignisse wie dasjenige, was von der Akademie von Gondishapur intendiert war, die gehen gewissermaßen hinter den Kulissen der äußeren Weltentwickelung vor sich. Sie gehen im Übersinnlichen vor sich. Die Menschen stehen damit in Beziehung, aber diese Ereignisse spielen sich durchaus im Übersinnlichen ab. Und wir können nicht solche Ereignisse, weder dasjenige, was intendiert war von der Akademie von Gondishapur, noch das Ereignis von Golgatha, nur nach dem beurteilen, was auf dem physischen Plane geschieht. Wir müssen solche Ereignisse, wenn wir sie charakterisieren wollen, in viel, viel bedeutenderen Tiefen aufsuchen, als man gewöhnlich meint.
[ 34 ] Zurückgeblieben ist der Menschheit schon etwas von dem, was damals hätte geschehen sollen und was nur abgestumpft worden ist, indem von etwas Großartigem der phantastische, jämmerliche Islam herausgekommen ist. Geschehen ist schon etwas mit der Menschheit. Das ist geschehen, daß dazumal die Menschheit, auf welche der Impuls von Gondishapur gewirkt hat, dieser neupersische Impuls, der zur Unzeit den Zarathustra-Impuls wieder brachte, daß die gesamte Menschheit, wenn ich so sagen darf, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, einen innerlichen Knacks bis in die Leiblichkeit hinein bekommen hat. Damals hat die Menschheit einen Impuls bekommen, der bis in die physische Leiblichkeit hineingeht, mit dem wir weiter jetzt immer geboren werden, den Impuls, der eigentlich gleich ist mit dem, was ich vorhin charakterisiert habe. Jene Krankheit ist der Menschheit eingeimpft worden, die, wenn sie sich auslebt, zur Leugnung des Vatergottes führt.
[ 34 ] Zurückgeblieben ist der Menschheit schon etwas von dem, was damals hätte geschehen sollen und was nur abgestumpft worden ist, indem von etwas Großartigem der phantastische, jämmerliche Islam herausgekommen ist. Geschehen ist schon etwas mit der Menschheit. Das ist geschehen, daß dazumal die Menschheit, auf welche der Impuls von Gondishapur gewirkt hat, dieser neupersische Impuls, der zur Unzeit den Zarathustra-Impuls wieder brachte, daß die gesamte Menschheit, wenn ich so sagen darf, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, einen innerlichen Knacks bis in die Leiblichkeit hinein bekommen hat. Damals hat die Menschheit einen Impuls bekommen, der bis in die physische Leiblichkeit hineingeht, mit dem wir weiter jetzt immer geboren werden, den Impuls, der eigentlich gleich ist mit dem, was ich vorhin charakterisiert habe. Jene Krankheit ist der Menschheit eingeimpft worden, die, wenn sie sich auslebt, zur Leugnung des Vatergottes führt.
[ 35 ] Also verstehen Sie mich recht: Die Menschheit, insofern sie die zivilisierte Menschheit ist, hat heute im Leibe einen Stachel. Und der heilige Paulus spricht sehr viel von diesem Stachel. Diese Menschheit hat im Leibe einen Stachel. Der heilige Paulus spricht davon prophetisch. Er hatte ihn als ein besonders vorangeschrittener Mensch schon zu seiner Zeit; die anderen bekamen ihn eigentlich erst im 7. Jahrhundert. Aber dieser Stachel wird sich immer mehr ausbreiten, wird immer bedeutungsvoller und bedeutungsvoller sein. Wenn Sie heute einen Menschen kennenlernen, der sich ganz diesem Stachel hingibt, dieser Krankheit — denn das ist ein Stachel im physischen Leib, das ist eine wirkliche Krankheit —, dann wird er ein Atheist, dann wird er ein Gottesleugner, ein Leugner des Göttlichen. Anlage zu diesem Atheismus hat eigentlich jeder Mensch, der der modernen Zivilisation angehört; es handelt sich nur darum, ob er sich dieser Anlage hingibt. Der Mensch trägt in sich jene Krankheit, die ihn aufreizt dazu, das Göttliche abzuleugnen, während es eigentlich in der Tat aus seiner Natur folgen würde, es anzuerkennen. Diese Natur ist dazumal gewissermaßen etwas mineralisiert worden, zurückgeschraubt worden in der Entwickelung, so daß wir alle die Gottesleugner-Krankheit in uns tragen.
[ 35 ] Also verstehen Sie mich recht: Die Menschheit, insofern sie die zivilisierte Menschheit ist, hat heute im Leibe einen Stachel. Und der heilige Paulus spricht sehr viel von diesem Stachel. Diese Menschheit hat im Leibe einen Stachel. Der heilige Paulus spricht davon prophetisch. Er hatte ihn als ein besonders vorangeschrittener Mensch schon zu seiner Zeit; die anderen bekamen ihn eigentlich erst im 7. Jahrhundert. Aber dieser Stachel wird sich immer mehr ausbreiten, wird immer bedeutungsvoller und bedeutungsvoller sein. Wenn Sie heute einen Menschen kennenlernen, der sich ganz diesem Stachel hingibt, dieser Krankheit — denn das ist ein Stachel im physischen Leib, das ist eine wirkliche Krankheit —, dann wird er ein Atheist, dann wird er ein Gottesleugner, ein Leugner des Göttlichen. Anlage zu diesem Atheismus hat eigentlich jeder Mensch, der der modernen Zivilisation angehört; es handelt sich nur darum, ob er sich dieser Anlage hingibt. Der Mensch trägt in sich jene Krankheit, die ihn aufreizt dazu, das Göttliche abzuleugnen, während es eigentlich in der Tat aus seiner Natur folgen würde, es anzuerkennen. Diese Natur ist dazumal gewissermaßen etwas mineralisiert worden, zurückgeschraubt worden in der Entwickelung, so daß wir alle die Gottesleugner-Krankheit in uns tragen.
[ 36 ] Durch diese Gottesleugner-Krankheit wird mancherlei in den Menschen bewirkt. Durch diese Gottesleugner-Krankheit wird nämlich ein stärkeres Anziehungsband geschaffen zwischen der Seele des Menschen und seinem Leibe, als früher da war, und als es eigentlich in der menschlichen Natur selber liegt. Es wird gleichsam die Seele mehr an den Leib angeschmiedet. Und während die Seele durch ihre eigene Natur nicht dazu bestimmt ist, teilzunehmen an den Schicksalen des Leibes, wäre sie dadurch in eine Bahn gekommen, wodurch sie immer mehr und mehr an den Schicksalen des Leibes teilnehmen würde, auch an den Schicksalen der Geburt und Vererbung und des Todes.
[ 36 ] Durch diese Gottesleugner-Krankheit wird mancherlei in den Menschen bewirkt. Durch diese Gottesleugner-Krankheit wird nämlich ein stärkeres Anziehungsband geschaffen zwischen der Seele des Menschen und seinem Leibe, als früher da war, und als es eigentlich in der menschlichen Natur selber liegt. Es wird gleichsam die Seele mehr an den Leib angeschmiedet. Und während die Seele durch ihre eigene Natur nicht dazu bestimmt ist, teilzunehmen an den Schicksalen des Leibes, wäre sie dadurch in eine Bahn gekommen, wodurch sie immer mehr und mehr an den Schicksalen des Leibes teilnehmen würde, auch an den Schicksalen der Geburt und Vererbung und des Todes.
[ 37 ] Nichts Geringeres haben nämlich schon dazumal — was in einer mehr dilettantischen Form wiederum gewisse Geheimgesellschaften auch in unserer Zeit wollen — die Weisen von Gondishapur gewollt, als den Menschen für diese Erde sehr groß zu machen, sehr weise zu machen, aber mit Einimpfung dieser Weisheit seine Seele teilnehmen zu lassen am Tode, so daß er nicht die Neigung haben würde, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, an dem geistigen Leben und an den folgenden Inkarnationen teilzunehmen. Sie wollten ihm geradezu die weitere Entwickelung abschneiden. Sie wollten ihn für sich für eine ganz andere Welt gewinnen, vom Erdenleben her konservieren, um ihn von dem abzubringen, wozu der Mensch auf der Erde da ist, was er erst lernen soll in langsamer, allmählicher Entwickelung und wodurch er zu dem Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen kommen wird.
[ 37 ] Nichts Geringeres haben nämlich schon dazumal — was in einer mehr dilettantischen Form wiederum gewisse Geheimgesellschaften auch in unserer Zeit wollen — die Weisen von Gondishapur gewollt, als den Menschen für diese Erde sehr groß zu machen, sehr weise zu machen, aber mit Einimpfung dieser Weisheit seine Seele teilnehmen zu lassen am Tode, so daß er nicht die Neigung haben würde, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, an dem geistigen Leben und an den folgenden Inkarnationen teilzunehmen. Sie wollten ihm geradezu die weitere Entwickelung abschneiden. Sie wollten ihn für sich für eine ganz andere Welt gewinnen, vom Erdenleben her konservieren, um ihn von dem abzubringen, wozu der Mensch auf der Erde da ist, was er erst lernen soll in langsamer, allmählicher Entwickelung und wodurch er zu dem Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen kommen wird.
[ 38 ] Die Menschenseele würde also, mehr als ihr vorbestimmt war, mit der Erde bekanntgemacht werden. Der Tod, der nur für den Leib vorbestimmt ist, würde gewissermaßen auch zum Schicksal der Seele geworden sein. Diesem ist durch das Mysterium von Golgatha entgegengearbeitet. So daß der Mensch todverwandt geworden ist, aber durch das Mysterium von Golgatha bewahrt worden ist vor dieser Todesverwandtschaft. Hat auf der einen Seite eine gewisse Strömung in der Weltentwickelung eine stärkere Verwandtschaft der Seele mit dem Menschenleib bewirkt, als sie dem Menschen vorgeschrieben war, so hat der Christus, um dem die Waage zu halten, die Seele stärker an den Geist gebunden, als das wiederum vorbestimmt war. So daé also durch das Mysterium von Golgatha die Menschenseele näher an den Geist gebracht worden ist, als ihr vorbestimmt war.
[ 38 ] Die Menschenseele würde also, mehr als ihr vorbestimmt war, mit der Erde bekanntgemacht werden. Der Tod, der nur für den Leib vorbestimmt ist, würde gewissermaßen auch zum Schicksal der Seele geworden sein. Diesem ist durch das Mysterium von Golgatha entgegengearbeitet. So daß der Mensch todverwandt geworden ist, aber durch das Mysterium von Golgatha bewahrt worden ist vor dieser Todesverwandtschaft. Hat auf der einen Seite eine gewisse Strömung in der Weltentwickelung eine stärkere Verwandtschaft der Seele mit dem Menschenleib bewirkt, als sie dem Menschen vorgeschrieben war, so hat der Christus, um dem die Waage zu halten, die Seele stärker an den Geist gebunden, als das wiederum vorbestimmt war. So daé also durch das Mysterium von Golgatha die Menschenseele näher an den Geist gebracht worden ist, als ihr vorbestimmt war.
[ 39 ] Dies befähigt uns, erst so recht hineinzuschauen, wie zusammenhängt das Mysterium von Golgatha mit den innersten Kräften der Menschennatur durch die Jahrtausende hindurch. Man muß das Wechselverhältnis, das von Ahriman und Luzifer dem Menschen bestimmt war, das Wechselverhältnis zwischen Leib und Seele vergleichen können mit dem Wechselverhältnis zwischen Seele und Geist, wenn man historisch richtig an das Mysterium von Golgatha herankommen will.
[ 39 ] Dies befähigt uns, erst so recht hineinzuschauen, wie zusammenhängt das Mysterium von Golgatha mit den innersten Kräften der Menschennatur durch die Jahrtausende hindurch. Man muß das Wechselverhältnis, das von Ahriman und Luzifer dem Menschen bestimmt war, das Wechselverhältnis zwischen Leib und Seele vergleichen können mit dem Wechselverhältnis zwischen Seele und Geist, wenn man historisch richtig an das Mysterium von Golgatha herankommen will.
[ 40 ] Die katholische Kirche, die sehr stark unter [dem Einfluß der] Reste des Impulses der Akademie von Gondishapur stand, die hat 869 auf dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel dogmatisch bestimmt, daß man nicht an den Geist zu glauben habe, weil sie nicht etwa jeden aufklären wollte über das Mysterium von Golgatha, sondern Finsternis breiten wollte über das Mysterium von Golgatha. Von der katholischen Kirche ist der Geist 869 abgeschafft worden. Das Dogma, das da bestimmt worden ist, heißt, man habe nicht an den Geist zu glauben, sondern nur an Leib und Seele, und die Seele habe in sich etwas Geistartiges. Aber daß der Mensch wirklich besteht aus Leib, Seele und Geist, das wurde durch die katholische Kirche abgeschafft. Diese Abschaffung, die ist in der katholischen Kirche direkt noch unter dem Einflusse des Impulses von Gondishapur geschehen. Die Geschichte nimmt sich eben anders aus, als sie zum Hausgebrauch der Menschen, die man gerne leiten möchte, von dieser oder jener Seite her oftmals geformt wird.
[ 40 ] Die katholische Kirche, die sehr stark unter [dem Einfluß der] Reste des Impulses der Akademie von Gondishapur stand, die hat 869 auf dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel dogmatisch bestimmt, daß man nicht an den Geist zu glauben habe, weil sie nicht etwa jeden aufklären wollte über das Mysterium von Golgatha, sondern Finsternis breiten wollte über das Mysterium von Golgatha. Von der katholischen Kirche ist der Geist 869 abgeschafft worden. Das Dogma, das da bestimmt worden ist, heißt, man habe nicht an den Geist zu glauben, sondern nur an Leib und Seele, und die Seele habe in sich etwas Geistartiges. Aber daß der Mensch wirklich besteht aus Leib, Seele und Geist, das wurde durch die katholische Kirche abgeschafft. Diese Abschaffung, die ist in der katholischen Kirche direkt noch unter dem Einflusse des Impulses von Gondishapur geschehen. Die Geschichte nimmt sich eben anders aus, als sie zum Hausgebrauch der Menschen, die man gerne leiten möchte, von dieser oder jener Seite her oftmals geformt wird.
[ 41 ] Der Mensch also wurde durch das Mysterium von Golgatha geistverwandter gemacht. Dadurch sind im Menschen zwei Kräfte: die Kraft, die ihn seelisch dem Tode ähnlich macht, und diejenige Kraft, die ihn wiederum vom Tode befreit, die ihn zum Geiste innerlich hinführt.
[ 41 ] Der Mensch also wurde durch das Mysterium von Golgatha geistverwandter gemacht. Dadurch sind im Menschen zwei Kräfte: die Kraft, die ihn seelisch dem Tode ähnlich macht, und diejenige Kraft, die ihn wiederum vom Tode befreit, die ihn zum Geiste innerlich hinführt.
[ 42 ] Diese Kraft, was ist sie für eine? Ich habe Ihnen gesagt: Es ist eine Art Krankheit, was das Gottesleugnerische im Menschen ist. Die Anlage ist eine Art Krankheit, die wir alle in uns tragen innerhalb der zivilisierten Menschheit vermöge unseres bloßen Leibes. Doch den Gott abzuleugnen, es ist eine Krankheit, sagt die Geisteswissenschaft, aber diese Krankheit haben wir in uns. Und wir leugnen, wenn wir uns recht verstehen, erst dann den Gott nicht ab, wenn wir ihn durch Christus wieder finden. So wie unser Leib eine Erkrankungskraft in sich hat, die hintendiert nach der Gottesleugnung, so haben wir, indem wir die Christus-Kraft so in uns haben, wie ich es öfter dargestellt habe, infolge des Mysteriums von Golgatha dadurch eine gesundende, eine heilsame Kraft in uns. Nun, der Christus ist für uns alle im wahrsten Sinne des Wortes der Heiland, der Arzt gegenüber jener Krankheit, die den Menschen zum Gottesleugner machen kann. Der Christus ist ein Arzt dagegen. Er ist ein Arzt für jene verborgene Krankheit, die ich Ihnen jetzt charakterisiert habe.
[ 42 ] Diese Kraft, was ist sie für eine? Ich habe Ihnen gesagt: Es ist eine Art Krankheit, was das Gottesleugnerische im Menschen ist. Die Anlage ist eine Art Krankheit, die wir alle in uns tragen innerhalb der zivilisierten Menschheit vermöge unseres bloßen Leibes. Doch den Gott abzuleugnen, es ist eine Krankheit, sagt die Geisteswissenschaft, aber diese Krankheit haben wir in uns. Und wir leugnen, wenn wir uns recht verstehen, erst dann den Gott nicht ab, wenn wir ihn durch Christus wieder finden. So wie unser Leib eine Erkrankungskraft in sich hat, die hintendiert nach der Gottesleugnung, so haben wir, indem wir die Christus-Kraft so in uns haben, wie ich es öfter dargestellt habe, infolge des Mysteriums von Golgatha dadurch eine gesundende, eine heilsame Kraft in uns. Nun, der Christus ist für uns alle im wahrsten Sinne des Wortes der Heiland, der Arzt gegenüber jener Krankheit, die den Menschen zum Gottesleugner machen kann. Der Christus ist ein Arzt dagegen. Er ist ein Arzt für jene verborgene Krankheit, die ich Ihnen jetzt charakterisiert habe.
[ 43 ] Unsere Zeit ist in recht vieler Beziehung eine Wiedererneuerung jener Zeiten, die sich zugetragen haben zum Teil durch das Mysterium von Golgatha, zum Teil durch dasjenige, was 333, zum Teil durch dasjenige, was 666 geschehen ist. Das hat ganz bestimmte Wirkungen. Sie verstehen das Mysterium von Golgatha nur richtig, wenn Sie sich klar sind darüber: Man kann es nicht verstehen mit den Kräften, die dem Menschen nur gegeben sind dadurch, daß er physisch bis zum Tode in einem physischen Leibe lebt. Selbst die Zeitgenossen, die Apostelzeitgenossen konnten erst im 3. Jahrhunderte, also lange nach ihrem Tode, aus ihren eigenen Kräften heraus als Menschen das Mysterium von Golgatha verstehen. Aber alle diese Dinge gehen in die Entwickelung ein, durch alle diese Dinge spielt sich manches ab. Und es hat sich folgendes abgespielt.
[ 43 ] Unsere Zeit ist in recht vieler Beziehung eine Wiedererneuerung jener Zeiten, die sich zugetragen haben zum Teil durch das Mysterium von Golgatha, zum Teil durch dasjenige, was 333, zum Teil durch dasjenige, was 666 geschehen ist. Das hat ganz bestimmte Wirkungen. Sie verstehen das Mysterium von Golgatha nur richtig, wenn Sie sich klar sind darüber: Man kann es nicht verstehen mit den Kräften, die dem Menschen nur gegeben sind dadurch, daß er physisch bis zum Tode in einem physischen Leibe lebt. Selbst die Zeitgenossen, die Apostelzeitgenossen konnten erst im 3. Jahrhunderte, also lange nach ihrem Tode, aus ihren eigenen Kräften heraus als Menschen das Mysterium von Golgatha verstehen. Aber alle diese Dinge gehen in die Entwickelung ein, durch alle diese Dinge spielt sich manches ab. Und es hat sich folgendes abgespielt.
[ 44 ] Wir sind heute in einer ganz anderen Lage, als diejenigen waren, die Zeitgenossen Christi waren oder die in den folgenden Jahrhunderten bis ins 7. Jahrhundert gelebt haben. Wir leben ja bereits in der fünften nachatlantischen Zeit und sind weit darinnen; wir leben im 20. Jahrhundert. Das hat zur Folge, daß, indem wir als Seele geboren werden und aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche hereintreten, wir nun wiederum Jahrhunderte vorher in der geistigen Welt etwas erleben. So wie diejenigen, die Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha waren, Jahrhunderte danach zum vollen Verständnisse kamen des Mysteriums von Golgatha, so erleben wir eine Art von Spiegelbild, bevor wir geboren werden, und zwar Jahrhunderte, bevor wir geboren werden. Das gilt aber nur für die heutigen Menschen. Die heutigen Menschen tragen alle, indem sie hereingeboren werden in die physische Welt, etwas mit, was wie ein Abglanz ist des Mysteriums von Golgatha, wie ein Spiegelbild desjenigen, was man Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha in der geistigen Welt erlebte.
[ 44 ] Wir sind heute in einer ganz anderen Lage, als diejenigen waren, die Zeitgenossen Christi waren oder die in den folgenden Jahrhunderten bis ins 7. Jahrhundert gelebt haben. Wir leben ja bereits in der fünften nachatlantischen Zeit und sind weit darinnen; wir leben im 20. Jahrhundert. Das hat zur Folge, daß, indem wir als Seele geboren werden und aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche hereintreten, wir nun wiederum Jahrhunderte vorher in der geistigen Welt etwas erleben. So wie diejenigen, die Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha waren, Jahrhunderte danach zum vollen Verständnisse kamen des Mysteriums von Golgatha, so erleben wir eine Art von Spiegelbild, bevor wir geboren werden, und zwar Jahrhunderte, bevor wir geboren werden. Das gilt aber nur für die heutigen Menschen. Die heutigen Menschen tragen alle, indem sie hereingeboren werden in die physische Welt, etwas mit, was wie ein Abglanz ist des Mysteriums von Golgatha, wie ein Spiegelbild desjenigen, was man Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha in der geistigen Welt erlebte.
[ 45 ] Nun, diesen Impuls kann natürlich derjenige, der nicht übersinnlich schauen kann, nicht unmittelbar schauen, aber alle können die Wirkung dieses Impulses in sich erleben. Und wenn sie ihn erleben, dann finden sie die Antwort auf die Frage: Wie finde ich den Christus?
[ 45 ] Nun, diesen Impuls kann natürlich derjenige, der nicht übersinnlich schauen kann, nicht unmittelbar schauen, aber alle können die Wirkung dieses Impulses in sich erleben. Und wenn sie ihn erleben, dann finden sie die Antwort auf die Frage: Wie finde ich den Christus?
[ 46 ] Dazu ist folgendes Erleben notwendig. Man findet den Christus, wenn man folgende Erlebnisse hat. Erstens das Erlebnis, daß man sich sagt: Ich will so weit Selbsterkenntnis anstreben, als es mir möglich ist, nach meiner ganz individuellen menschlichen Persönlichkeit möglich ist. — Keiner, der ehrlich diese Selbsterkenntnis anstrebt, wird sich anderes heute als Mensch sagen können als: Ich kann das nicht fassen, was ich eigentlich anstrebe. Ich bleibe mit meiner Fassungskraft hinter dem, was ich anstrebe, zurück; ich empfinde meine Ohnmacht gegenüber meinem Streben. — Es ist dieses Erleben ein sehr wichtiges. Dieses Erleben müßte jeder haben, der ehrlich mit sich selbst, in Selbsterkenntnis zu Rate geht: ein gewisses Ohnmachtsgefühl. Dieses Ohnmachtsgefühl ist gesund, denn dieses Ohnmachtsgefühl ist nichts anderes, als das Empfinden der Krankheit, und man ist ja erst recht krank, wenn man eine Krankheit hat und sie nicht fühlt. Indem man die Ohnmacht empfindet, sich zum Göttlichen zu erheben in irgendeinem Zeitpunkte seines Lebens, fühlt man in sich jene Krankheit, von der ich gesprochen habe, die uns eingepflanzt ist. Und indem man diese Krankheit empfindet, empfindet man, daß die Seele durch unseren Leib eigentlich, so wie der Leib heute ist, verurteilt wäre mitzusterben. Dann, wenn man genügend kräftig diese Ohnmacht empfindet, dann kommt der Umschlag. Dann kommt das andere Erlebnis, das uns sagt: Aber wir können, wenn wir uns nicht an dasjenige hingeben, was zu erreichen wir durch unsere Leibeskräfte allein imstande sind, wir können, wenn wir uns hingeben an dasjenige, was uns der Geist gibt, überwinden diesen innerlichen Seelentod. Wir können die Möglichkeit haben, unsere Seele wiederzufinden und an den Geist anzuknüpfen. Wir können erleben die Nichtigkeit des Daseins auf der einen Seite und die Verherrlichung des Daseins aus uns selber, wenn wir hinüberkommen über das Spüren der Ohnmacht. Wir können die Krankheit spüren in unserer Ohnmacht, wir können [aber auch] den Heiland, die heilende Kraft spüren, wenn wir die Ohnmacht [erlebt haben], dem Tode verwandt geworden sind in unserer Seele. Indem wir den Heiland spüren, fühlen wir, daß wir etwas in unserer Seele tragen, das aus dem Tode jederzeit auferstehen kann im eigenen inneren Erleben. — Wenn wir diese zwei Erlebnisse suchen, finden wir in unserer eigenen Seele den Christus.
[ 46 ] Dazu ist folgendes Erleben notwendig. Man findet den Christus, wenn man folgende Erlebnisse hat. Erstens das Erlebnis, daß man sich sagt: Ich will so weit Selbsterkenntnis anstreben, als es mir möglich ist, nach meiner ganz individuellen menschlichen Persönlichkeit möglich ist. — Keiner, der ehrlich diese Selbsterkenntnis anstrebt, wird sich anderes heute als Mensch sagen können als: Ich kann das nicht fassen, was ich eigentlich anstrebe. Ich bleibe mit meiner Fassungskraft hinter dem, was ich anstrebe, zurück; ich empfinde meine Ohnmacht gegenüber meinem Streben. — Es ist dieses Erleben ein sehr wichtiges. Dieses Erleben müßte jeder haben, der ehrlich mit sich selbst, in Selbsterkenntnis zu Rate geht: ein gewisses Ohnmachtsgefühl. Dieses Ohnmachtsgefühl ist gesund, denn dieses Ohnmachtsgefühl ist nichts anderes, als das Empfinden der Krankheit, und man ist ja erst recht krank, wenn man eine Krankheit hat und sie nicht fühlt. Indem man die Ohnmacht empfindet, sich zum Göttlichen zu erheben in irgendeinem Zeitpunkte seines Lebens, fühlt man in sich jene Krankheit, von der ich gesprochen habe, die uns eingepflanzt ist. Und indem man diese Krankheit empfindet, empfindet man, daß die Seele durch unseren Leib eigentlich, so wie der Leib heute ist, verurteilt wäre mitzusterben. Dann, wenn man genügend kräftig diese Ohnmacht empfindet, dann kommt der Umschlag. Dann kommt das andere Erlebnis, das uns sagt: Aber wir können, wenn wir uns nicht an dasjenige hingeben, was zu erreichen wir durch unsere Leibeskräfte allein imstande sind, wir können, wenn wir uns hingeben an dasjenige, was uns der Geist gibt, überwinden diesen innerlichen Seelentod. Wir können die Möglichkeit haben, unsere Seele wiederzufinden und an den Geist anzuknüpfen. Wir können erleben die Nichtigkeit des Daseins auf der einen Seite und die Verherrlichung des Daseins aus uns selber, wenn wir hinüberkommen über das Spüren der Ohnmacht. Wir können die Krankheit spüren in unserer Ohnmacht, wir können [aber auch] den Heiland, die heilende Kraft spüren, wenn wir die Ohnmacht [erlebt haben], dem Tode verwandt geworden sind in unserer Seele. Indem wir den Heiland spüren, fühlen wir, daß wir etwas in unserer Seele tragen, das aus dem Tode jederzeit auferstehen kann im eigenen inneren Erleben. — Wenn wir diese zwei Erlebnisse suchen, finden wir in unserer eigenen Seele den Christus.
[ 47 ] Das ist ein Erlebnis, dem die Menschheit entgegengeht. Angelus Silesius sagte es, als er die bedeutungsvollen Worte sprach:
[ 47 ] Das ist ein Erlebnis, dem die Menschheit entgegengeht. Angelus Silesius sagte es, als er die bedeutungsvollen Worte sprach:
Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.
Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.
[ 48 ] Es kann im Menschen aufgerichtet werden, indem er die zwei Pole fühlt: die Ohnmacht durch sein Leibliches, die Auferstehung durch sein Geistiges. Das innere Erlebnis, das aus diesen zwei Teilen besteht, das ist dasjenige, welches zum Mysterium von Golgatha wirklich hintendiert. Das ist ein Ereignis, dem gegenüber man sich nicht ausreden kann dadurch, daß man sagt, man habe keine übersinnlich entwickelten Fähigkeiten. Die braucht man dazu nicht. Man braucht nur wirklich Selbstbesinnung zu üben und den Willen zu dieser Selbstbesinnung, den Willen auch zur Bekämpfung jenes Hochmuts, der heute so gang und gäbe ist, welcher den Menschen nicht bemerken läßt, daß, wenn er sich auf seine eigenen Kräfte verläßt, er hochmütig wird gegenüber seinen eigenen Kräften. Wenn man nicht fühlen kann gegenüber seinem eigenen Hochmut, daß man durch seine eigenen Kräfte ohnmächtig wird, dann kann man weder den Tod noch die Auferstehung fühlen, dann kann man nie des Angelus Silesius Gedanken erfühlen:
[ 48 ] Es kann im Menschen aufgerichtet werden, indem er die zwei Pole fühlt: die Ohnmacht durch sein Leibliches, die Auferstehung durch sein Geistiges. Das innere Erlebnis, das aus diesen zwei Teilen besteht, das ist dasjenige, welches zum Mysterium von Golgatha wirklich hintendiert. Das ist ein Ereignis, dem gegenüber man sich nicht ausreden kann dadurch, daß man sagt, man habe keine übersinnlich entwickelten Fähigkeiten. Die braucht man dazu nicht. Man braucht nur wirklich Selbstbesinnung zu üben und den Willen zu dieser Selbstbesinnung, den Willen auch zur Bekämpfung jenes Hochmuts, der heute so gang und gäbe ist, welcher den Menschen nicht bemerken läßt, daß, wenn er sich auf seine eigenen Kräfte verläßt, er hochmütig wird gegenüber seinen eigenen Kräften. Wenn man nicht fühlen kann gegenüber seinem eigenen Hochmut, daß man durch seine eigenen Kräfte ohnmächtig wird, dann kann man weder den Tod noch die Auferstehung fühlen, dann kann man nie des Angelus Silesius Gedanken erfühlen:
Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.
Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.
[ 49 ] Dann aber, wenn wir Ohnmacht und Wiederherstellung aus der Ohnmacht empfinden können, dann tritt für uns der Glücksfall ein, daß wir eine wirklich reale Beziehung zu dem Christus Jesus haben. Denn dieses Erleben ist die Wiederholung desjenigen, was wir Jahrhunderte vorher in der geistigen Welt erlebten. So müssen wir es in seinem Spiegelbild hier in der Seele auf dem physischen Plane suchen. Suchen Sie in sich, und Sie werden finden die Ohnmacht. Suchen Sie, und Sie werden finden, nachdem Sie die Ohnmacht gefunden haben, die Erlösung von der Ohnmacht, die Auferstehung der Seele zum Geist.
[ 49 ] Dann aber, wenn wir Ohnmacht und Wiederherstellung aus der Ohnmacht empfinden können, dann tritt für uns der Glücksfall ein, daß wir eine wirklich reale Beziehung zu dem Christus Jesus haben. Denn dieses Erleben ist die Wiederholung desjenigen, was wir Jahrhunderte vorher in der geistigen Welt erlebten. So müssen wir es in seinem Spiegelbild hier in der Seele auf dem physischen Plane suchen. Suchen Sie in sich, und Sie werden finden die Ohnmacht. Suchen Sie, und Sie werden finden, nachdem Sie die Ohnmacht gefunden haben, die Erlösung von der Ohnmacht, die Auferstehung der Seele zum Geist.
[ 50 ] Aber lassen Sie sich nicht beirren in diesem Suchen durch manches, was heute als Mystik oder selbst von gewissen positiven Bekenntnissen aus gepredigt wird. Wenn Harnack zum Beispiel vom Christus spricht, so ist das nicht wahr, was er sagt, aus dem einfachen Grunde, weil dasjenige, was er vom Christus sagt — lesen Sie es durch —, man von dem Gott überhaupt sagen kann. Das kann man ebensogut vom Judengott sagen, das kann man ebensogut vom Gott der Mohammedaner sagen, von allen. Und viele, die heute sogenannte «Erweckte» sein wollen, die sagen: Ich erlebe den Gott in mir —, aber sie erleben eben nur den Vatergott, und den auch nur in einer abgeschwächten Gestalt, weil sie eigentlich nicht bemerken, daß sie krank sind und nur traditionell nachreden. So etwas macht zum Beispiel Johannes Müller. Aber alle diese haben keinen Christus, denn das Christus-Erlebnis besteht nicht aus einem Erleben des Gottes in der Menschenseele, sondern aus den zweien: aus dem Erleben des Todes in der Seele durch den Leib, und der Wiederauferstehung der Seele durch den Geist. Und derjenige, der der Menschheit sagt, daß er nicht bloß den Gott in sich fühlt — wie es auch die bloß rhetorischen Theosophen behaupten —, sondern der reden kann von den zwei Ereignissen, von der Ohnmacht und von der Auferstehung aus der Ohnmacht, der redet von dem wirklichen Christus-Erlebnis. Der aber findet sich auf einem übersinnlichen Wege hin zu dem Mysterium von Golgatha; er findet selbst die Kräfte, die gewisse übersinnliche Kräfte anregen und die ihn hinführen zu dem Mysterium von Golgatha.
[ 50 ] Aber lassen Sie sich nicht beirren in diesem Suchen durch manches, was heute als Mystik oder selbst von gewissen positiven Bekenntnissen aus gepredigt wird. Wenn Harnack zum Beispiel vom Christus spricht, so ist das nicht wahr, was er sagt, aus dem einfachen Grunde, weil dasjenige, was er vom Christus sagt — lesen Sie es durch —, man von dem Gott überhaupt sagen kann. Das kann man ebensogut vom Judengott sagen, das kann man ebensogut vom Gott der Mohammedaner sagen, von allen. Und viele, die heute sogenannte «Erweckte» sein wollen, die sagen: Ich erlebe den Gott in mir —, aber sie erleben eben nur den Vatergott, und den auch nur in einer abgeschwächten Gestalt, weil sie eigentlich nicht bemerken, daß sie krank sind und nur traditionell nachreden. So etwas macht zum Beispiel Johannes Müller. Aber alle diese haben keinen Christus, denn das Christus-Erlebnis besteht nicht aus einem Erleben des Gottes in der Menschenseele, sondern aus den zweien: aus dem Erleben des Todes in der Seele durch den Leib, und der Wiederauferstehung der Seele durch den Geist. Und derjenige, der der Menschheit sagt, daß er nicht bloß den Gott in sich fühlt — wie es auch die bloß rhetorischen Theosophen behaupten —, sondern der reden kann von den zwei Ereignissen, von der Ohnmacht und von der Auferstehung aus der Ohnmacht, der redet von dem wirklichen Christus-Erlebnis. Der aber findet sich auf einem übersinnlichen Wege hin zu dem Mysterium von Golgatha; er findet selbst die Kräfte, die gewisse übersinnliche Kräfte anregen und die ihn hinführen zu dem Mysterium von Golgatha.
[ 51 ] Man braucht heute wahrhaftig nicht zu verzweifeln daran, in unmittelbarem eigenem Erleben den Christus zu finden, denn man hat ihn gefunden, wenn man sich wiedergefunden hat, aber aus der Ohnmacht heraus. Das ganze Nichtigkeitsgefühl, das uns überkommt, wenn wir über die eigenen Kräfte ohne Hochmut nachdenken, das muß vorausgehen dem Christus-Impuls. Gescheite Mystiker glauben, wenn sie nur sagen können: Ich habe in meinem Ich das höhere Ich, das Gottes-Ich gefunden —, das sei Christentum. Das ist nicht Christentum. Das Christentum muß eben auf dem Satze stehen:
[ 51 ] Man braucht heute wahrhaftig nicht zu verzweifeln daran, in unmittelbarem eigenem Erleben den Christus zu finden, denn man hat ihn gefunden, wenn man sich wiedergefunden hat, aber aus der Ohnmacht heraus. Das ganze Nichtigkeitsgefühl, das uns überkommt, wenn wir über die eigenen Kräfte ohne Hochmut nachdenken, das muß vorausgehen dem Christus-Impuls. Gescheite Mystiker glauben, wenn sie nur sagen können: Ich habe in meinem Ich das höhere Ich, das Gottes-Ich gefunden —, das sei Christentum. Das ist nicht Christentum. Das Christentum muß eben auf dem Satze stehen:
Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.
Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.
[ 52 ] Man kann schon an den Einzelheiten des Lebens verspüren, wie wahr das ist, was ich sage, und man kann dann aufsteigen von diesen Einzelheiten des Lebens zu dem großen Erlebnis von der Ohnmacht und der Auferstehung aus der Ohnmacht. Meine lieben Freunde, es wäre schön, besonders in unserer Gegenwart, wenn die Menschen zum Beispiel folgendes finden würden. Es ist ganz gewiß eine in den Tiefen der Menschenseelen beruhende Tendenz zur Wahrheit hin, und danach auch, die Wahrheit auszusprechen. Aber gerade wenn wir in dieser Absicht drinnenstehen, die Wahrheit auszusprechen und dann uns selbst besinnen über dieses Aussprechen der Wahrheit, da können wir einen ersten Schritt auf dem Wege tun zu dem Empfinden der Ohnmacht des menschlichen Leibes gegenüber der göttlichen Wahrheit. In dem Augenblicke, wo Sie wirklich Selbstbesinnung treiben über das Die-Wahrheit-Reden, kommen Sie nämlich auf etwas sehr Merkwürdiges. Der Dichter hat es gefühlt, indem er gesagt hat: Spricht die Seele, so spricht, ach! schon die Seele nicht mehr. — Auf dem Wege, wodurch das, was wir innerlich in der Seele als Wahrheit wirklich erleben, zur Sprache wird, stumpft es sich bereits ab. Es ertötet sich in der Sprache noch nicht vollständig, aber es stumpft sich bereits ab. Und der, der die Sprache kennt, der weiß, daß nichts anderes als die Eigennamen, die nur ein Ding immer bezeichnen, rechte Bezeichnungen für dieses Ding sind. Sobald wir generalisiertre Namen haben, seien sie Haupt- oder Zeit- oder Eigenschaftswörter, sprechen wir nicht mehr voll die Wahrheit. Da besteht dann die Wahrheit darinnen, daß wir uns dessen bewußt sind, daß wir im Grunde genommen mit jedem Satze von der Wahrheit abweichen müssen.
[ 52 ] Man kann schon an den Einzelheiten des Lebens verspüren, wie wahr das ist, was ich sage, und man kann dann aufsteigen von diesen Einzelheiten des Lebens zu dem großen Erlebnis von der Ohnmacht und der Auferstehung aus der Ohnmacht. Meine lieben Freunde, es wäre schön, besonders in unserer Gegenwart, wenn die Menschen zum Beispiel folgendes finden würden. Es ist ganz gewiß eine in den Tiefen der Menschenseelen beruhende Tendenz zur Wahrheit hin, und danach auch, die Wahrheit auszusprechen. Aber gerade wenn wir in dieser Absicht drinnenstehen, die Wahrheit auszusprechen und dann uns selbst besinnen über dieses Aussprechen der Wahrheit, da können wir einen ersten Schritt auf dem Wege tun zu dem Empfinden der Ohnmacht des menschlichen Leibes gegenüber der göttlichen Wahrheit. In dem Augenblicke, wo Sie wirklich Selbstbesinnung treiben über das Die-Wahrheit-Reden, kommen Sie nämlich auf etwas sehr Merkwürdiges. Der Dichter hat es gefühlt, indem er gesagt hat: Spricht die Seele, so spricht, ach! schon die Seele nicht mehr. — Auf dem Wege, wodurch das, was wir innerlich in der Seele als Wahrheit wirklich erleben, zur Sprache wird, stumpft es sich bereits ab. Es ertötet sich in der Sprache noch nicht vollständig, aber es stumpft sich bereits ab. Und der, der die Sprache kennt, der weiß, daß nichts anderes als die Eigennamen, die nur ein Ding immer bezeichnen, rechte Bezeichnungen für dieses Ding sind. Sobald wir generalisiertre Namen haben, seien sie Haupt- oder Zeit- oder Eigenschaftswörter, sprechen wir nicht mehr voll die Wahrheit. Da besteht dann die Wahrheit darinnen, daß wir uns dessen bewußt sind, daß wir im Grunde genommen mit jedem Satze von der Wahrheit abweichen müssen.
[ 53 ] Geisteswissenschaftlich versucht man aufzuerstehen aus diesem Geständnis: Mit jeder Behauptung sagst du die Unwahrheit —, indem man in einer gewissen Weise vorgeht, die ich Ihnen öfter charakterisiert habe. Ich habe Ihnen öfter gesagt: Nicht so sehr auf das kommt es an in der Geisteswissenschaft, was gesagt wird — denn das würde ebensosehr diesem Ohnmachtsurteil verfallen —, sondern darauf kommt es an, wie es gesagt wird. — Versuchen Sie einmal zu verfolgen — Sie können das auch in meinen Schriften tun —, wie eine jede Sache von den verschiedensten Gesichtspunkten aus charakterisiert wird, wie immer versucht wird, ein Ding von der einen Seite und von der anderen Seite zu charakterisieren. Nur dann kann man sich nähern den Dingen. Derjenige, der nämlich glaubt, daß die Worte selbst etwas anderes sind als eine Eurythmie, der irrt sich gar sehr. Die Worte sind nur eine vom Kehlkopf ausgeführte, von der Luft mitbewirkte Eurythmie. Sie sind bloß Gebärden, nur daß sie nicht mit den Händen und mit den Füßen gemacht werden, die Gebärden, sondern daß sie mit dem Kehlkopf gemacht werden. Wir müssen uns bewußt werden, daß wir nur hindeuten auf irgend etwas, und daß wir nur dann ein richtiges Verhältnis zur Wahrheit gewinnen, wenn wir in dem Worte Hindeutungen auf dasjenige sehen, was wir ausdrücken wollen, und wenn wir als Menschen so miteinander leben, daß wir uns bewußt sind, daß in den Worten Hindeutungen leben. Darauf will unter anderem auch die Eurythmie weisen, die den ganzen Menschen zum Kehlkopf macht, das heißt, durch den ganzen Menschen das ausdrückt, was sonst nur der Kehlkopf ausdrückt, damit die Menschen wiederum verspüren, daß auch, wenn sie die Lautsprache sprechen, sie nur Gebärden machen. Ich sage «Vater», ich sage «Mutter»: Wenn ich alles generalisieren werde, so kann ich mich nur dann wahrhaftig ausdrücken, wenn der andere sich mit mir zusammen im sozialen Element eingelebt hat in diese Dinge, wenn er die Gebärde versteht. Wir erstehen nur dann aus der Ohnmacht, die wir schon der Sprache gegenüber empfinden können, wir feiern daraus die Auferstehung, wenn wir verstehen, daß, indem wir den Mund aufmachen, wir bereits christlich sein müssen. Dasjenige, was geworden ist aus dem Worte, aus dem Logos im Laufe der Entwickelung, es ist nur dann zu verstehen, wenn der Logos wiederum mit dem Christus verbunden wird, wenn wir uns bewußt werden: Unser Leib, indem er das Werkzeug des Aussprechens wird, zwingt die Wahrheit herunter, so daß sie teilweise erstirbt auf unseren Lippen, und wir beleben sie wiederum in Christo, wenn wir uns bewußt werden, daß wir sie vergeistigen müssen, das heißt, den Geist mitdenken, nicht die Sprache als solche hinnehmen, sondern den Geist mitdenken. — Das müssen wir lernen, meine lieben Freunde.
[ 53 ] Geisteswissenschaftlich versucht man aufzuerstehen aus diesem Geständnis: Mit jeder Behauptung sagst du die Unwahrheit —, indem man in einer gewissen Weise vorgeht, die ich Ihnen öfter charakterisiert habe. Ich habe Ihnen öfter gesagt: Nicht so sehr auf das kommt es an in der Geisteswissenschaft, was gesagt wird — denn das würde ebensosehr diesem Ohnmachtsurteil verfallen —, sondern darauf kommt es an, wie es gesagt wird. — Versuchen Sie einmal zu verfolgen — Sie können das auch in meinen Schriften tun —, wie eine jede Sache von den verschiedensten Gesichtspunkten aus charakterisiert wird, wie immer versucht wird, ein Ding von der einen Seite und von der anderen Seite zu charakterisieren. Nur dann kann man sich nähern den Dingen. Derjenige, der nämlich glaubt, daß die Worte selbst etwas anderes sind als eine Eurythmie, der irrt sich gar sehr. Die Worte sind nur eine vom Kehlkopf ausgeführte, von der Luft mitbewirkte Eurythmie. Sie sind bloß Gebärden, nur daß sie nicht mit den Händen und mit den Füßen gemacht werden, die Gebärden, sondern daß sie mit dem Kehlkopf gemacht werden. Wir müssen uns bewußt werden, daß wir nur hindeuten auf irgend etwas, und daß wir nur dann ein richtiges Verhältnis zur Wahrheit gewinnen, wenn wir in dem Worte Hindeutungen auf dasjenige sehen, was wir ausdrücken wollen, und wenn wir als Menschen so miteinander leben, daß wir uns bewußt sind, daß in den Worten Hindeutungen leben. Darauf will unter anderem auch die Eurythmie weisen, die den ganzen Menschen zum Kehlkopf macht, das heißt, durch den ganzen Menschen das ausdrückt, was sonst nur der Kehlkopf ausdrückt, damit die Menschen wiederum verspüren, daß auch, wenn sie die Lautsprache sprechen, sie nur Gebärden machen. Ich sage «Vater», ich sage «Mutter»: Wenn ich alles generalisieren werde, so kann ich mich nur dann wahrhaftig ausdrücken, wenn der andere sich mit mir zusammen im sozialen Element eingelebt hat in diese Dinge, wenn er die Gebärde versteht. Wir erstehen nur dann aus der Ohnmacht, die wir schon der Sprache gegenüber empfinden können, wir feiern daraus die Auferstehung, wenn wir verstehen, daß, indem wir den Mund aufmachen, wir bereits christlich sein müssen. Dasjenige, was geworden ist aus dem Worte, aus dem Logos im Laufe der Entwickelung, es ist nur dann zu verstehen, wenn der Logos wiederum mit dem Christus verbunden wird, wenn wir uns bewußt werden: Unser Leib, indem er das Werkzeug des Aussprechens wird, zwingt die Wahrheit herunter, so daß sie teilweise erstirbt auf unseren Lippen, und wir beleben sie wiederum in Christo, wenn wir uns bewußt werden, daß wir sie vergeistigen müssen, das heißt, den Geist mitdenken, nicht die Sprache als solche hinnehmen, sondern den Geist mitdenken. — Das müssen wir lernen, meine lieben Freunde.
[ 54 ] Ich weiß nicht, ob morgen die Zeit das gestatten wird, auch öffentlich auf eine solche Sache aufmerksam zu machen. Ich würde es gerne tun, aber ich will hier zunächst es aussprechen. Wenn ich es morgen noch einmal zu wiederholen hätte, so mögen Sie sich nicht daran stoßen. Ich will hier zunächst sagen, was ich an verschiedenen Orten öffentlich gesagt habe. Sehen Sie, man kann eine merk würdige Entdeckung machen. Ich will das an einem besonderen Fall charakterisieren. Ich habe genau studiert die wirklich sehr interessanten Aufsätze, die Woodrow Wilson geschrieben hat, Vorträge über amerikanische Geschichte, amerikanische Literatur, amerikanisches Leben. Man kann sagen, daß von diesem Woodrow Wilson gerade die amerikanische Entwickelung, wie sie so vor sich geht von dem amerikanischen Osten nach dem Westen, großartig, gewaltig geschildert wird. So ganz als Amerikaner schildert er, und sehr fesselnd sind diese in Aufsätzen wiedergegebenen Vorträge. «Nur Literatur» heißen sie; man lernt das amerikanische Wesen — denn Woodrow Wilson ist der typischeste Amerikaner — dadurch kennen, daß man diese Aufsätze liest. Nun habe ich verglichen — es läßt sich der Vergleich ganz objektiv vornehmen — manches in den Aufsätzen von Woodrow Wilson mit Aussprüchen zum Beispiel von Herman Grimm, einem Mann, der durch und durch typischer Deutscher des 19. Jahrhunderts, typischer Mitteleuropäer des 19. Jahrhunderts ist, ein Mann, der durch seine Schreibweise mir ebenso sympathisch ist, wie Woodrow Wilson mir durch und durch unsympathisch ist. Aber das nur persönlich nebenbei. Ich liebe die Schreibweise von Herman Grimm, und ich empfinde als etwas mir ganz Widerstrebendes die Schreibweise von Woodrow Wilson, aber man kann dabei ganz objektiv sein: Der typische Amerikaner Woodrow Wilson schreibt einfach ganz glänzend, großartig, namentlich über die Entwickelung des amerikanischen Volkes. — Und nun kam etwas anderes in Betracht, indem ich verglichen habe Woodrow Wilson- und Herman Grimm-Aufsätze, wo beide geschrieben haben über die Methode der Geschichte. Man kann Sätze von Woodrow Wilson herübernehmen, sie stimmen fast wörtlich genau überein mit Sätzen, die Herman Grimm geschrieben hat, und man kann Sätze von Herman Grimm herübersetzen in Woodrow Wilsons Aufsätze — sie stimmen ganz überein. — Jede Entlehnung ist ausgeschlossen! Es ist gar keine Rede davon, daß ich auf eine Entlehnung hindeuten will; das ist ganz ausgeschlossen. Hier ist der Punkt, wo man, ohne ins Bourgeoise, Philiströse zu verfallen, so recht lernen kann: Wenn zwei dasselbe sagen, ist es nicht dasselbe. — Denn nun wird es zum Problem: Was ist denn da Merkwürdiges, daß eigentlich viel eindringlicher, viel suggestiver als Herman Grimm in seiner Methode der Geschichte je geschildert hat, Woodrow Wilson seine Amerikaner schildert, und dabei in seiner Schilderung [wie] in Sätzen von Herman Grimm spricht? Woher rührt das? Es wird wirklich zum Problem.
[ 54 ] Ich weiß nicht, ob morgen die Zeit das gestatten wird, auch öffentlich auf eine solche Sache aufmerksam zu machen. Ich würde es gerne tun, aber ich will hier zunächst es aussprechen. Wenn ich es morgen noch einmal zu wiederholen hätte, so mögen Sie sich nicht daran stoßen. Ich will hier zunächst sagen, was ich an verschiedenen Orten öffentlich gesagt habe. Sehen Sie, man kann eine merk würdige Entdeckung machen. Ich will das an einem besonderen Fall charakterisieren. Ich habe genau studiert die wirklich sehr interessanten Aufsätze, die Woodrow Wilson geschrieben hat, Vorträge über amerikanische Geschichte, amerikanische Literatur, amerikanisches Leben. Man kann sagen, daß von diesem Woodrow Wilson gerade die amerikanische Entwickelung, wie sie so vor sich geht von dem amerikanischen Osten nach dem Westen, großartig, gewaltig geschildert wird. So ganz als Amerikaner schildert er, und sehr fesselnd sind diese in Aufsätzen wiedergegebenen Vorträge. «Nur Literatur» heißen sie; man lernt das amerikanische Wesen — denn Woodrow Wilson ist der typischeste Amerikaner — dadurch kennen, daß man diese Aufsätze liest. Nun habe ich verglichen — es läßt sich der Vergleich ganz objektiv vornehmen — manches in den Aufsätzen von Woodrow Wilson mit Aussprüchen zum Beispiel von Herman Grimm, einem Mann, der durch und durch typischer Deutscher des 19. Jahrhunderts, typischer Mitteleuropäer des 19. Jahrhunderts ist, ein Mann, der durch seine Schreibweise mir ebenso sympathisch ist, wie Woodrow Wilson mir durch und durch unsympathisch ist. Aber das nur persönlich nebenbei. Ich liebe die Schreibweise von Herman Grimm, und ich empfinde als etwas mir ganz Widerstrebendes die Schreibweise von Woodrow Wilson, aber man kann dabei ganz objektiv sein: Der typische Amerikaner Woodrow Wilson schreibt einfach ganz glänzend, großartig, namentlich über die Entwickelung des amerikanischen Volkes. — Und nun kam etwas anderes in Betracht, indem ich verglichen habe Woodrow Wilson- und Herman Grimm-Aufsätze, wo beide geschrieben haben über die Methode der Geschichte. Man kann Sätze von Woodrow Wilson herübernehmen, sie stimmen fast wörtlich genau überein mit Sätzen, die Herman Grimm geschrieben hat, und man kann Sätze von Herman Grimm herübersetzen in Woodrow Wilsons Aufsätze — sie stimmen ganz überein. — Jede Entlehnung ist ausgeschlossen! Es ist gar keine Rede davon, daß ich auf eine Entlehnung hindeuten will; das ist ganz ausgeschlossen. Hier ist der Punkt, wo man, ohne ins Bourgeoise, Philiströse zu verfallen, so recht lernen kann: Wenn zwei dasselbe sagen, ist es nicht dasselbe. — Denn nun wird es zum Problem: Was ist denn da Merkwürdiges, daß eigentlich viel eindringlicher, viel suggestiver als Herman Grimm in seiner Methode der Geschichte je geschildert hat, Woodrow Wilson seine Amerikaner schildert, und dabei in seiner Schilderung [wie] in Sätzen von Herman Grimm spricht? Woher rührt das? Es wird wirklich zum Problem.
[ 55 ] Nun findet man, wenn man sich darauf einläßt, das Folgende. Wenn man Herman Grimms Stil verfolgt, alles, was er geschrieben hat, da sieht man: Jeder Satz ist persönlich individuell erkämpft, von Satz zu Satz alles persönlich individuell erkämpft. Alles geht vor in dem Lichte der Kultur des 19. Jahrhunderts, aber aus der unmittelbarsten Bewußtseinsseele heraus. Glanzvoll schildert Woodrow Wilson, aber von etwas in seinem Unterbewußtsein selber besessen. Eine dämonische Besessenheit ist vorhanden. In seinem Unterbewußstsein ist etwas, das ihm eingibt dasjenige, was er nun hinschreibt. Der Dämon, der natürlich auf eine besondere Art in einem Amerikaner des 20. Jahrhunderts zum Vorschein kommt, der spricht durch seine Seele. Dadurch das Großartige, das Gewaltige.
[ 55 ] Nun findet man, wenn man sich darauf einläßt, das Folgende. Wenn man Herman Grimms Stil verfolgt, alles, was er geschrieben hat, da sieht man: Jeder Satz ist persönlich individuell erkämpft, von Satz zu Satz alles persönlich individuell erkämpft. Alles geht vor in dem Lichte der Kultur des 19. Jahrhunderts, aber aus der unmittelbarsten Bewußtseinsseele heraus. Glanzvoll schildert Woodrow Wilson, aber von etwas in seinem Unterbewußtsein selber besessen. Eine dämonische Besessenheit ist vorhanden. In seinem Unterbewußstsein ist etwas, das ihm eingibt dasjenige, was er nun hinschreibt. Der Dämon, der natürlich auf eine besondere Art in einem Amerikaner des 20. Jahrhunderts zum Vorschein kommt, der spricht durch seine Seele. Dadurch das Großartige, das Gewaltige.
[ 56 ] Heute, wo die faule Menschheit so oftmals sagt, wenn sie irgendwo etwas liest: Das habe ich dort und dort auch gelesen —, wo sie nur auf den Inhalt geht, heute ist die Zeit, wo die Menschheit lernen muß, daß es gar nicht mehr so sehr auf den Inhalt ankommt, sondern darauf ankommt, wer etwas sagt; daß man kennen muß den Menschen aus dem, was er sagt, weil die Worte nur Gebärden sind und man kennen muß, wer diese Gebärde macht. Das ist dasjenige, in das sich die Menschheit hineinleben muß. Hier liegt ein furchtbar großes Mysterium des allergewöhnlichsten Lebens vor, meine lieben Freunde. Es ist eben ein Unterschied, ob im persönlichen Ich erkämpft wird Satz für Satz, oder aber, ob es von unten oder von oben oder von seitwärts her in irgendeiner Weise zum Beispiel eingegeben ist. Suggestiver sogar wirkt zum Beispiel das Eingeben, weil man demgegenüber, was erkämpft ist, selbst wiederum sich jeden Satz erkämpfen muß. Und die Zeit nähert sich, wo man nicht mehr auf den bloßen wortwörtlichen Inhalt dessen, was man vor der Seele hat, wird zu sehen haben, sondern wo man wird zu sehen haben vor allen Dingen auf diejenigen, die das oder jenes sagen; nicht auf die äußere physische Persönlichkeit, sondern auf den ganzen menschlich-geistigen Zusammenhang.
[ 56 ] Heute, wo die faule Menschheit so oftmals sagt, wenn sie irgendwo etwas liest: Das habe ich dort und dort auch gelesen —, wo sie nur auf den Inhalt geht, heute ist die Zeit, wo die Menschheit lernen muß, daß es gar nicht mehr so sehr auf den Inhalt ankommt, sondern darauf ankommt, wer etwas sagt; daß man kennen muß den Menschen aus dem, was er sagt, weil die Worte nur Gebärden sind und man kennen muß, wer diese Gebärde macht. Das ist dasjenige, in das sich die Menschheit hineinleben muß. Hier liegt ein furchtbar großes Mysterium des allergewöhnlichsten Lebens vor, meine lieben Freunde. Es ist eben ein Unterschied, ob im persönlichen Ich erkämpft wird Satz für Satz, oder aber, ob es von unten oder von oben oder von seitwärts her in irgendeiner Weise zum Beispiel eingegeben ist. Suggestiver sogar wirkt zum Beispiel das Eingeben, weil man demgegenüber, was erkämpft ist, selbst wiederum sich jeden Satz erkämpfen muß. Und die Zeit nähert sich, wo man nicht mehr auf den bloßen wortwörtlichen Inhalt dessen, was man vor der Seele hat, wird zu sehen haben, sondern wo man wird zu sehen haben vor allen Dingen auf diejenigen, die das oder jenes sagen; nicht auf die äußere physische Persönlichkeit, sondern auf den ganzen menschlich-geistigen Zusammenhang.
[ 57 ] Wenn die Menschen heute fragen: Wie finde ich den Christus? —, dann muß man eine solche Antwort geben, denn der Christus läßt sich nicht durch irgendeine Spintisiererei oder durch eine bequeme Mystik erlangen, sondern er läßt sich nur erlangen, wenn man den Mut hat, sich unmittelbar in das Leben hineinzustellen. Und in einem solchen Falle müssen Sie auch der Sprache gegenüber die Ohnmacht fühlen, in die der Leib Sie versetzt hat dadurch, daß er der Träger der Sprache wird; und nachher die Auferstehung des Geistes in dem Worte. Das ist es. Nicht nur: «Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig», welcher Ausspruch ja auch vielfach mißverstanden wird, sondern schon der Laut tötet, und der Geist muß erst wieder lebendig machen, indem man konkret im einzelnen Erleben an den Christus und an das Mysterium von Golgatha anknüpft. In diesem ersten Schritte findet man den Christus: Suchen, nicht bloß, wenn da oder dort schöne Worte stehen, auf ihren Inhalt schauen — heute sind die Menschen das gewöhnt —, sondern suchen nach den menschlichen Zusammenhängen, suchen, wie die Worte hervorkommen aus dem Orte, von dem her sie gesprochen sind. Immer wichtiger und wichtiger wird das. Wenn gerade manche unter uns dies bedenken würden, würden wir nicht so oft es erleben, daß Leute kommen und sagen: Der hat ja ganz anthroposophisch oder theosophisch gesprochen; man lese das nur einmal nach! — Darauf kommt es nicht an, was da für Worte stehen, sondern, aus welchem Geiste heraus sie sind. Nicht Worte wollen wir mit der Anthroposophie verbreiten, sondern einen neuen Geist, den Geist allerdings, der der Geist des Christentums vom 20. Jahrhundert ab sein muß.
[ 57 ] Wenn die Menschen heute fragen: Wie finde ich den Christus? —, dann muß man eine solche Antwort geben, denn der Christus läßt sich nicht durch irgendeine Spintisiererei oder durch eine bequeme Mystik erlangen, sondern er läßt sich nur erlangen, wenn man den Mut hat, sich unmittelbar in das Leben hineinzustellen. Und in einem solchen Falle müssen Sie auch der Sprache gegenüber die Ohnmacht fühlen, in die der Leib Sie versetzt hat dadurch, daß er der Träger der Sprache wird; und nachher die Auferstehung des Geistes in dem Worte. Das ist es. Nicht nur: «Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig», welcher Ausspruch ja auch vielfach mißverstanden wird, sondern schon der Laut tötet, und der Geist muß erst wieder lebendig machen, indem man konkret im einzelnen Erleben an den Christus und an das Mysterium von Golgatha anknüpft. In diesem ersten Schritte findet man den Christus: Suchen, nicht bloß, wenn da oder dort schöne Worte stehen, auf ihren Inhalt schauen — heute sind die Menschen das gewöhnt —, sondern suchen nach den menschlichen Zusammenhängen, suchen, wie die Worte hervorkommen aus dem Orte, von dem her sie gesprochen sind. Immer wichtiger und wichtiger wird das. Wenn gerade manche unter uns dies bedenken würden, würden wir nicht so oft es erleben, daß Leute kommen und sagen: Der hat ja ganz anthroposophisch oder theosophisch gesprochen; man lese das nur einmal nach! — Darauf kommt es nicht an, was da für Worte stehen, sondern, aus welchem Geiste heraus sie sind. Nicht Worte wollen wir mit der Anthroposophie verbreiten, sondern einen neuen Geist, den Geist allerdings, der der Geist des Christentums vom 20. Jahrhundert ab sein muß.
[ 58 ] Das, meine lieben Freunde, wollte ich noch anknüpfen. Ich bin glücklich, daß ich es anknüpfen konnte an dasjenige, was ich vor acht Tagen hier ausgeführt habe, und daß ich wiederum zu Ihnen von diesen uns alle berührenden Angelegenheiten sprechen konnte, und ich hoffe, daß wir in kürzester Zeit einmal wiederum auch diese Zweigbetrachtungen hier in Zürich fortsetzen können. In diesem Sinne denken wir ja immer daran, wenn wir auch räumlich voneinander getrennt sind: Wir sind als Anthroposophen in den Seelen beisammen, und in diesem Sinne wollen wir immer in dem Geiste der Menschheit, der da walten und wirken soll, getreu auch beisammen bleiben.
[ 58 ] Das, meine lieben Freunde, wollte ich noch anknüpfen. Ich bin glücklich, daß ich es anknüpfen konnte an dasjenige, was ich vor acht Tagen hier ausgeführt habe, und daß ich wiederum zu Ihnen von diesen uns alle berührenden Angelegenheiten sprechen konnte, und ich hoffe, daß wir in kürzester Zeit einmal wiederum auch diese Zweigbetrachtungen hier in Zürich fortsetzen können. In diesem Sinne denken wir ja immer daran, wenn wir auch räumlich voneinander getrennt sind: Wir sind als Anthroposophen in den Seelen beisammen, und in diesem Sinne wollen wir immer in dem Geiste der Menschheit, der da walten und wirken soll, getreu auch beisammen bleiben.
