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Death as a Transformation of Life
GA 182

16 October 1918, Zurich

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7. Wie finde Ich den Christus?

How Do I Find the Christ?

[ 1 ] In Anknüpfung an die Betrachtungen, die wir in der vorigen Woche hier angestellt haben über die Teilnahme an der geistigen Welt, welche die menschliche Seele gegen die Zukunft hin erstreben muß, möchte ich heute etwas genauer gerade über verschiedene Dinge sprechen, die zusammenhängen mit jener Art des Erlebens des Christus-Mysteriums, welches ja durch solche Ideale, spirituelle Ideale, wie ich sie neulich besprochen habe, vorbereitet werden soll.

[ 1 ] In the lecture given here a week ago 1The Work of the Angels in Man's Astral Body. Lecture given in Zurich, 9 October, 1918. (Available from Rudolf Steiner Bookshop.) I spoke of that participation in the spiritual world which, from now onwards into the future, the human soul must strive to achieve. Today I shall speak in rather more detail of matters connected with the direct experience of the Christ Mystery, for which lofty spiritual concepts such as those recently presented should be the preparation.

[ 2 ] Wenn wir geisteswissenschaftlich heute den Menschen betrachten — das ist zunächst eine Mitteilung, die aber im weiteren Verlauf unserer heutigen Betrachtung manche Beleuchtung noch erfahren wird —, also wenn wir geisteswissenschaftlich, wie wir das mit den Mitteln der heutigen Geisteswissenschaft können, den Menschen in seinem Seelenleben betrachten, so können wir sagen, daß in diesem Seelenleben, insofern es auf der einen Seite zusammenhängt mit dem leiblichen Leben, auf der anderen Seite mit dem geistigen Leben, sich ein Dreifaches abspielt, eine dreifache Hinneigung zu der übersinnlichen Welt. Diese dreifache Hinneigung zu der übersinnlichen Welt muß eigentlich dann verleugnet werden, wenn man überhaupt nichts von der übersinnlichen Welt wissen will. Der Mensch hat eine Hinneigung, das zu erkennen, was man das Göttliche im allgemeinen nennen kann. Eine zweite Hinneigung hat er — wir sprechen natürlich immer von dem Menschen im gegenwärtigen Entwickelungszyklus —, den Christus zu erkennen. Und eine dritte Hinneigung, zu erkennen dasjenige, was gewöhnlich der Geist oder auch der Heilige Geist genannt wird.

[ 2 ] If we study man's soul-life in the light of modern Spiritual Science, we can say that in the human soul, inasmuch as it is connected on the one side with the bodily life and on the other with the spiritual life, there is a threefold inclination towards the super-sensible world. This threefold inclination will inevitably be denied by those who have no desire to know anything of that world. In the first place there is in man an inclination, a proclivity, to know what may be called in a general sense, the Divine. The second inclination in him—that is, in the man of today—is to know the Christ. The third inclination in man is to know what is usually called the Spirit or also the Holy Spirit.

[ 3 ] Mit Bezug auf alle diese drei Hinneigungen wissen Sie, daß es Menschen gibt, die sie verleugnen. Man hat hinlänglich erlebt, gerade im Laufe des 19. Jahrhunderts, wo die Dinge wenigstens innerhalb der europäischen Kultur auf die Spitze getrieben worden sind, daß die Leute das Göttliche in der Welt überhaupt abgeleugnet haben.

[ 3 ] As we have said, there are men who deny all these inclinations. There has been abundant evidence of this, particularly in the course of the nineteenth century, when in European culture at any rate, things reached such a climax that men have denied the existence of anything Divine in the world.

[ 4 ] Nun kann man geisteswissenschaftlich fragen — da innerhalb der Geisteswissenschaft an dem Göttlichen, das, wenn wir so sagen dürfen, im Übersinnlichen wohnt, nicht gezweifelt werden kann —: Was bringt den Menschen dazu, das Göttliche überhaupt, dasjenige, was in der Trinität der Vatergott genannt wird, abzuleugnen? — Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß in jedem solchen Falle, wo der Mensch ableugnet den Vatergott, also ein Göttliches überhaupt in der Welt, jenes Göttliche, das zum Beispiel auch in der israelitischen Religion anerkannt wird, ein wirklicher, echter physischer Defekt, eine physische Erkrankung, ein physischer Mangel im Menschenleibe stattfindet. Atheist sein, heißt für den Geisteswissenschafter, in irgendeiner Beziehung krank sein. Natürlich ist es eine Krankheit, die die Ärzte nicht kurieren; sie sind selbst sehr häufig an dieser Krankheit leidend, einer Krankheit, die auch nicht als solche von der heutigen Medizin anerkannt ist. Aber es ist eine Krankheit, die die Geisteswissenschaft im Menschen findet, wenn der Mensch dasjenige ableugnet, was er jetzt nicht durch seine Seelen-, sondern durch seine Leibeskonstitution fühlen muß. Leugnet er das ab, was ihm ein gesundes Gefühl seines Leibes eingibt, daß ein Göttliches die Welt durchzieht, so ist er nach geisteswissenschaftlichen Begriffen krank, leiblich krank.

[ 4 ] In Spiritual Science—where the existence of the Divine in the realm of the super-sensible cannot be a matter of doubt—the question may be asked : What is it that makes a man deny the existence of the Divine—the Father God in the Trinity? Spiritual Science shows us that in every case where a man denies the Father God—that is to say, a Divine Principle in the world such as is acknowledged, for example, in the Hebrew religion—in every such case there is an actual physical defect, a physical sickness, a physical flaw in the body. To be an atheist means to the spiritual scientist to be sick in some respect. It is not, of course, a sickness which doctors cure—indeed they themselves very often suffer from it—neither is it recognised by modern medicine ... but Spiritual Science finds that there is an actual sickness in a man who denies what he should be able to feel, in this case, not through his soul-nature but through his actual bodily constitution. If he denies that which gives him a healthy bodily feeling, namely that the world is pervaded by Divinity, then, according to Spiritual Science, he is a sick man, sick in body.

[ 5 ] Es gibt dann sehr viele Leute, welche den Christus ableugnen. Die Ableugnung des Christus muß die Geisteswissenschaft betrachten als etwas, was eigentlich eine Schicksalsfrage ist und das menschliche Seelenleben betrifft. Den Christus ableugnen muß die Geisteswissenschaft ein Unglück nennen; Gott ableugnen eine Krankheit, Christus ableugnen ein Unglück. Den Christus finden können, ist gewissermaßen eine Schicksalssache, ist gewissermaßen etwas, was in das Karma des Menschen hereinspielen muß. Es ist ein Unglück, zu dem Christus keine Beziehung zu haben. Den Geist oder den Heiligen Geist ableugnen, bedeutet eine Stumpfheit des eigenen Geistes. Der Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. In bezug auf alle drei kann er einen Defekt haben. Einen physischen wirklichen Krankheitsdefekt gibt es beim Atheismus gegenüber dem Göttlichen. Im Leben nicht zu finden jene Anknüpfung an die Welt, welche uns den Christus erkennen läßt, das ist ein Unglück. Den Geist in seinem eigenen Inneren nicht finden können, ist eine Stumpfheit, in gewissem Sinne ein Idiotismus, wenn auch ein feinerer und wiederum eben nicht anerkannter Idiotismus.

[ 5 ] There are also many who deny the Christ. Spiritual Science regards the denial of the Christ as something that is essentially a matter of destiny and concerns man's soul-life. To deny God is a sickness; to deny the Christ is a calamity. This must inevitably be the view of Spiritual Science. To be able to find Christ is a matter of destiny, a factor that must inevitably play into the karma of a man. To have no relationship with Christ is a calamity. To deny the Spirit, the Holy Spirit, signifies dullness, obtuseness, of a man's own spirit. The human being consists of body, soul and spirit; in all three there may be a defect. Atheism—denial of the Divine—denotes an actual pathological defect. Failure to find in life that link with the world which enables us to recognise the Christ, is a calamity for the soul. To be unable to find the Spirit in one's own inmost being denotes obtuseness, a kind of spiritual mental deficiency, though in a subtle and unacknowledged form.

[ 6 ] Nun handelt es sich darum, die Frage aufzuwerfen: Wie findet der Mensch den Christus? — Und gerade über das Finden des Christus wollen wir heute sprechen, jenes Finden des Christus, welches im Verlaufe des Lebens durch die eigene Menschenseele geschehen kann. Man hört oftmals von Seelen, die wirklich ernst suchende Seelen sind, die Frage: Wie finde ich den Christus? — Beschäftigen kann man sich mit dieser Frage, wenn man für sie eine verständnisvolle Antwort haben will, allerdings nur dadurch, daß man dieselbe in einem gewissen historischen Zusammenhange betrachtet. Wir wollen einen geschichtlichen Zusammenhang vor unsere Seele hinstellen, der uns dann zuletzt in den heutigen Betrachtungen zur Beantwortung dieser Frage: Wie finde ich den Christus? — führen wird.

[ 6 ] The question then arises: How can man find the Christ? It is of this that we shall speak today, this finding of the Christ which can take place in the course of life through man's own soul. ‘How can I find the Christ?’ is a question often put by earnestly seeking souls. An intelligent answer will be found only when the question is placed in a certain historical setting. This we shall attempt to do and in this way we shall finally be led to the answer.

[ 7 ] Wir wissen, unser gegenwärtiger geschichtlicher Zeitraum begann, geisteswissenschaftlich betrachtet, im 15. Jahrhundert. Man kann, wenn man eine mittlere Zahl angeben will, das Jahr 1413 angeben. Aber man kann, wenn man auf solche Zahlenangaben sich nicht einlassen will, eben sagen: Im 15. Jahrhundert wurde das Seelenleben der Menschheit so, wie es heute ist. — Wenn man das nicht zugibt in der neueren Geschichte, so ist der Grund davon nur der, daß die neuere Geschichte eben auch nur äußere Tatsachen betrachtet und gar keine Ahnung hat, in ihrer Natur als Fable convenue keine Ahnung davon hat, daß, sobald man hinter das 15. Jahrhundert zurückkommt, die Menschen anders dachten, anders fühlten, aus ihren Impulsen heraus anders handelten, radikal verschieden waren in ihrem Seelenleben von dem Seelenleben der gegenwärtigen Menschen. Der Zeitraum, der damals abschloß, 1413, begann 747 vor Christus, also im 8. vorchristlichen Jahrhunderte, so daß wir dasjenige, was wir geisteswissenschaftlich die griechisch-lateinische Kulturperiode nennen, zählen von 747 vor Christus bis 1413. In diesem Zeitraum spielte sich, wie wir ja wissen, und zwar ungefähr im ersten Drittel dieses Zeitraumes, das Mysterium von Golgatha ab. Nun, dieses Mysterium von Golgatha, es war, wie Sie wissen, für viele Menschen durch Jahrhunderte hindurch der Angelpunkt ihres ganzen Fühlens, ihres ganzen Denkens. Dieses Mysterium von Golgatha ist insbesondere gefühlsmäßig von der Seele erfaßt worden in denjenigen Zeiten, welche der neueren Zeit, dem 15., 16. Jahrhunderte und so weiter, vorangegangen sind. Dann begann diejenige Epoche, in der man anfing, die Evangelien in den weiten Kreisen des Volkes zu lesen. Dann begann aber auch der Streit, ob die Evangelien wirklich historische Urkunden sind. Und dieser Streit, Sie wissen es, ist bis in unsere Tage herein auf die Spitze getrieben worden. Wir wollen uns heute nicht mit den einzelnen Phasen dieses Streites, der ja insbesondere in den Kreisen der protestantischen Theologie eine so große Rolle spielt, befassen, wir wollen nur dasjenige vor unsere Seele rücken, was heute gesagt werden kann in bezug auf das, was man mit diesem Streit über das Mysterium von Golgatha eigentlich will.

[ 7 ] Our present epoch, viewed in the light of Spiritual Science, began in the fifteenth century. The year 1413 can be cited as the approximate date, but without giving any exact time-indication it is quite correct to say that in the fifteenth century the nature of man's soul became what it is today. If this is not admitted in modern history, the reason is that modern history has eyes for external facts only, and—as a ‘fable convenue’—has no inkling whatever that prior to the fifteenth century, men thought differently, felt differently, acted differently in response to the impulses in them; in short, their life of soul was radically different from that of the men of the present day. The epoch which came to an end in 1413, began in 747 B.C., in the eighth century B.C. This was the Graeco-Latin culture-epoch. As we know, it was approximately at the end of the first third of this epoch that the Mystery of Golgotha took place. Throughout the centuries which followed, the Mystery of Golgotha was the pivot of the thinking and feeling of many human beings. It was particularly in the life of feeling that the Mystery of Golgotha was apprehended by human souls in the times preceding the modern age, that is to say, prior to the fifteenth/sixteenth centuries. Then came the time when the Gospels began to be widely read by the populace; and it was then that the contention arose as to whether or not the Gospels are to be regarded as original, historical records. As you know, this contention has continued to our time and has been carried to extremes. We shall not concern ourselves with the various phases of it which play such an important part in Protestant Theology, but consider only what actually underlies it.

[ 8 ] Man hat sich gewöhnt im materialistischen Zeitalter, alles auf materialistische Art bewiesen haben zu wollen. In der Geschichte nennt man «bewiesen» dasjenige, was durch Dokumente belegt ist. Wo man Akten findet, da nimmt man an, daß ein historisches Ereignis, von dem diese Akten sprechen, wirklich geschehen ist. Solche Beweiskraft könnte man wahrscheinlich den Evangelien nicht zuschreiben. Sie wissen aus meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», was die Evangelien sind. Sie sind alles andere als historische Urkunden, sie sind Inspirationsbücher, Initiationsbücher. Man hat sie früher für historische Urkunden gehalten; nun ist man darauf gekommen durch wirkliche Forschung, daß sie keine historischen Urkunden sind. Man hat auch herausgefunden, daß alle übrigen Dokumente, die in der Bibel stehen, keine historischen Urkunden sind. Und ein anerkannter Theologe, ein zu Unrecht anerkannter Theologe, Adolf Harnack, hat als Ergebnis der neueren Bibelforschung festgestellt, daß dasjenige, was man historisch über die Persönlichkeit des Christus Jesus wissen könne, auf einem Quartblatte zusammengeschrieben werden kann. Daran ist nur das eine richtig, wenn ich mich so paradox ausdrücken darf, daß das auch nicht wahr ist, daß das, was man auf dieses Quartblatt schreiben würde, historisch auch nicht haltbar ist! Wahr ist daran nur, daß es überhaupt keine wirklich haltbaren Urkunden über das Mysterium von Golgatha gibt. Wenn man als Geschichtsforscher heute frägt: Kann man das Mysterium von Golgatha historisch beweisen? —, so muß man vom Standpunkte der heutigen Geschichtsforschung sagen: Es läßt sich nicht äußerlich beweisen.

[ 8 ] In this age of materialism it has become habitual to demand that everything must be capable of materialistic proof. When anything is established by documents it is said by history to be ‘proved.’ When documentary records are discovered, it is assumed that some historical event of which these records tell, actually took place. It would not, however, be possible to insist that the Gospels can be taken as such proof. From my book Christianity as Mystical Fact2See Chapter VII: ‘None of these writings (the Gospels) are meant to be mere historical tradition in the ordinary sense of the words. They do not profess to give a historical biography. What they set out to give was already shadowed forth in the traditions of the Mysteries, as the typical life of a Son of God.’ you know that the Gospels are anything but accounts of historical happenings; they are inspired writings, the source of which was Initiation-wisdom. They were at one time considered to be ‘historical records’, but authentic research has now discovered that they are no such thing. It has also been found that the same must be said of all the records of Christianity included in the Bible. Adolf Harnack, a renowned theologian—though mistakenly renowned—has asserted that according to the findings of modern biblical research, what can be known historically about the personality of Christ Jesus could be written on a quarto page. The only correct point about this—if I may put it paradoxically—is that what might be written on this quarto page would itself also not be true! The only point in connection with this subject that is true is that there are no historically authentic accounts of the Mystery of Golgotha! When a historian asks today whether the Mystery of Golgotha can be proved in the historical sense, the answer of modern research must inevitably be That there is no such external proof.

[ 9 ] Dies aber hat gerade seinen guten Grund. Das Mysterium von Golgatha soll sich, ich möchte sagen, nach den Ratschlüssen der göttlichen Weisheit, nicht äußerlich-materialistisch beweisen lassen, aus dem einfachen Grunde, weil das Mysterium von Golgatha als die wichtigste Tatsache, die im Erdengeschehen sich ereignet hat, nur auf eine übersinnliche Weise erschaubar sein soll. Derjenige, der da will einen äußerlich-materialistischen Beweis finden, der findet ihn eben nicht, sondern er findet zuletzt durch seine Kritik heraus, daß es keinen solchen gibt. Es soll die Menschheit vor die Entscheidung gestellt werden, gerade dem Mysterium von Golgatha gegenüber sich zu gestehen: Ich muß zum Übersinnlichen meine Zuflucht nehmen, oder ich kann so etwas wie das Mysterium von Golgatha überhaupt nicht finden. — Das Mysterium von Golgatha soll gewissermaßen die Menschenseele zwingen, aus allen sinnlichen Beweisen heraus den Weg ins Übersinnliche zu finden. Es hat also seinen guten Grund, daß das Mysterium von Golgatha weder naturwissenschaftlich noch irgendwie sonst historisch zu beweisen ist. Das wird gerade das Bedeutungsvolle sein der neueren Geisteswissenschaft, daß, wenn alle äußere Wissenschaft, alle bloß auf das Sinnenfällige gestützte Wissenschaft sich wird gestehen müssen, daß sie zum Mysterium von Golgatha keinen Zugang mehr hat, wenn selbst die Theologie, insoferne sie kritisch ist, unchristlich sich gebärden wird, die Geisteswissenschaft es sein wird, welche die Menschen zum Mysterium von Golgatha hinzuführen hat, aber auf einem übersinnlichen Wege, den wir ja öfter beschrieben haben.

[ 9 ] Furthermore, there is a good reason why there is none. Divine Wisdom decreed that the Mystery of Golgotha was not to be capable of outer, factual proof, simply because, as the most momentous of all earthly events, the Mystery of Golgotha was to be revealed to super-sensible perception only. Anyone who searches for factual materialistic proof will find none; and in the end critical examination will discover that no such proof exists. Mankind was meant to be confronted with the conclusion that we can discover the meaning of such a happening as the Mystery of Golgotha only if we have recourse to the super-sensible. The Mystery of Golgotha was intended to compel the human soul, as it were, to find the way into the realm of the super-sensible, where material proof does not apply. Thus there is good reason why this Event cannot be proved either by the methods of natural science or in any other historical sense. When all external science, all science based purely on sensory evidence, has to admit that it has no access to the Mystery of Golgotha, when critical theology itself only arrives at conclusions that are a denial of Christianity, the essential significance of Spiritual Science will be apparent in the fact that it is by Spiritual Science alone that men can be led to the real discovery of the Mystery of Golgotha. But that discovery will be along a super-sensible path.

[ 10 ] Nun können wir uns fragen: Wie war die Menschheitssituation, als das Mysterium von Golgatha in den vierten nachatlantischen, in den griechisch-lateinischen Kulturzeitraum hereinfiel? — Nun, Sie wissen, was dieser Zeitraum bedeutet. Die Menschheit entwickelt sich im Laufe der Zeit so, daß sie gewissermaßen auch durchmacht die verschiedenen Glieder der menschlichen Natur. Sie wissen, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit, die dem Jahr 747 vor Christus vorangegangen ist, wurde der Mensch eingeführt durch seine Entwickelung in das, was man die Empfindungsseele nennt; in der griechisch-lateinischen Zeit nun in die Verstandes- oder Gemütsseele, und seit dem Jahre 1413, in unserer fünften nachatlantischen Zeit, in die sogenannte Bewußtseinsseele. So daß wir sagen können: Das Wesen der griechisch-lateinischen Kultur von 747 vor Christus bis 1413 besteht darin, daß die Menschheit erzogen wird — wenn wir diesen Lessingschen Ausdruck gebrauchen dürfen — zum freien Gebrauch der Verstandes- oder Gemütsseele.

[ 10 ] What was the situation of humanity when the Mystery of Golgotha took place in the Fourth post-Atlantean, Graeco-Latin epoch of culture? You know what this epoch signifies. The functions of the different members of which man's nature is composed unfold in humanity as evolution proceeds through the ages. In the Egypto-Chaldean epoch—the epoch prior to the year 747 B.C.—the Sentient Soul developed in man; in the Graeco-Latin epoch the Intellectual or Mind Soul; and since the year 1413, in our Fifth post-Atlantean epoch, the Spiritual or Consciousness Soul has been in process of development. Thus we may say that the essential feature of Graeco-Latin culture from 747 B.C. to A.D. 1413 is that humanity was being ‘educated’—to use Lessing's phrase—into the unhampered exercise of the Intellectual or Mind Soul.3This soul-development in human evolution is one of the most important truths revealed by Dr. Steiner. It can be fully studied in his work Occult Science—an Outline., and in many others. The stages here mentioned may be shortly defined as follows.—The Sentient Soul is the consciousness and development of man's experience of the world about him. The Intellectual or Mind Soul is the awareness of the part which man's own being and thinking play in that experience. The Consciousness Soul is man's awakening to the objective realities of the external world and of his own Self, apart from his personal experience of them.—A.P.S.

[ 11 ] Fragen wir uns nun einmal: Wann war die Mitte dieses Zeitraumes? — Die Mitte, denn nicht wahr, wir können annehmen: Wenn von 747 vor dem Mysterium von Golgatha bis 1413 dieser Zeitraum dauerte, so hatte er eine Mitte, wo sich sozusagen bis zu diesem Zeitpunkt hin in zunehmender Art diese Verstandes- oder Gemütsseele entwickelt hatte und dann sich in absteigender Art entwickelte. Dieser Zeitpunkt — Sie können dies leicht ausrechnen — ist das Jahr 333 nach der Geburt des Christus Jesus. 333 ist also ein sehr wichtiger Zeitraum der Menschheitsentwickelung, die Mitte der griechisch-lateinischen Kulturzeit. 333 Jahre vor dieser Mitte liegt die Geburt des Christus Jesus, liegt also dasjenige, was zum Mysterium von Golgatha führte.

[ 11 ] Let us now consider the middle point of this epoch which lasted from 747 B.C. to A.D. 1413. Up to that middle point the evolution of the Mind Soul was on the ascending arc; then began the arc of descent. This point you can easily calculate; it is the year 333 after the birth of Christ Jesus. The year A.D. 333 therefore marks a very important point in the evolution of humanity.

[ 12 ] Wir können die ganze Menschheitssituation nur dann richtig würdigen, wenn wir uns fragen: Was wäre nun geschehen, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre? — Dann können wir recht würdigen, was das Mysterium von Golgatha für die Menschheit für einen Wert hat, wenn wir fragen, was geschehen wäre, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre. Natürlich wäre dann die Menschheit ohne das Mysterium von Golgatha nur durch die eigenen elementarischen Kräfte zu der Mitte des vierten nachatlantischen Zeitraumes im Jahre 333 gekommen. Sie hätte aus sich selber heraus alle die Fähigkeiten entwickelt, die der Verstandes- oder Gemütsseele angehören. Die hätte sie dann gehabt in den nächsten Jahrhunderten.

[ 12 ] It is only by asking ourselves what would have happened if the Mystery of Golgotha had not taken place that we can rightly assess the whole situation in which humanity was placed at that time, and properly understand what the Mystery of Golgotha meant for mankind. If that Event had not taken place, humanity would have been brought to the middle point of the Fourth post-Atlantean epoch in the year A.D. 333 through its own, inherent forces alone. Humanity would have developed out of itself all the faculties belonging to the Intellectual or Mind Soul and would have possessed them through the following centuries.

[ 13 ] Das wurde wesentlich dadurch geändert, daß das Mysterium von Golgatha eintrat. Es geschah etwas ganz anderes eben, als sonst geschehen wäre, und es geschah etwas gewaltig anderes. Wenn wir hinblicken auf das Mysterium von Golgatha, dann können wir, um dieses besondere Ereignis, das der ganzen Erde einen Sinn gibt, zu charakterisieren, gerade den Gesichtspunkt als den allerwichtigsten anschauen, daß nur ein übersinnlicher Zugang zu dem Mysterium von Golgatha ist, daß man nur auf übersinnlichem Weg zu ihm kommt.

[ 13 ] An essential change, however, was wrought through the Mystery of Golgotha. Something utterly different from what would otherwise have happened came to pass. Now in assessing this unique Event which gave new meaning to the whole Earth, it is very important to keep in mind the fact we have already noted, namely, that the only avenue of approach to the understanding of this Mystery is a super-sensible one.

[ 14 ] Woran liegt das eigentlich? Das liegt daran, daß der Mensch, trotzdem er im vierten nachatlantischen Zeitraum, gegen das Jahr 333 zu, sich näherte der höchsten Blüte der Verstandes- oder Gemütsseele, daß der Mensch zwischen Geburt und Tod in seinem physischen Leben überhaupt weit davon entfernt war, die Natur des Mysteriums von Golgatha mit gewöhnlichen menschlichen Kräften zu verstehen. Das, worauf es ankommt, ist, daß wir uns [zwar] entwickeln können und steinalt werden können: mit den Kräften, die wir infolge unserer Leibesentwickelung zwischen Geburt und Tod in uns zur Entfaltung bringen, können wir das Mysterium von Golgatha nicht begreifen.

[ 14 ] Although in the Fourth post-Atlantean epoch, towards the year A.D. 333, the Intellectual or Mind Soul was coming to its prime, yet in his physical life between birth and death man was totally unable to understand the nature of the Mystery of Golgotha through his ordinary human faculties. Indeed, however much mankind may develop and grow, with the faculties we unfold as the result of our bodily development between birth and death we cannot comprehend the Mystery of Golgotha.

[ 15 ] Daher kam es auch, daß auch die Zeitgenossen, die den Christus Jesus liebenden Zeitgenossen, die Jünger, die Apostel nur dadurch verstehen konnten, soweit sie es verstehen sollten, wie es stand mit dem Christus Jesus, den sie umgaben, daß sie in gewissem Sinne mit atavistischem Hellsehen, wie ich öfter gesagt habe, ausgestattet waren und durch ihr atavistisches Hellsehen eine Ahnung hatten von dem, der unter ihnen herumging. Aber durch die eigenen menschlichen Kräfte hatten sie das nicht. Und dann schrieben sie auch die Evangelien nieder, die Evangelienschreiber, indem sie zu Hilfe nahmen alte Mysterienbücher. Sie schrieben sie, diese mächtigen Evangelien, aus der alten atavistischen Hellseherkraft heraus, nicht aus den Kräften, die sich bis dahin auf naturgemäße Weise, aus naturgemäßen menschlichen Kräften entwickelt hatten.

[ 15 ] Even those contemporaries of Christ Jesus who truly love Him—the disciples, the apostles—were only able to understand, to the extent to which they were meant to understand, who was in their midst, because they still possessed certain faculties of ancient clairvoyance. It was this that enabled them to have some inkling of the One who walked among them. But this inkling was not the outcome of their own human faculties. The Evangelists wrote the Gospels by drawing upon ancient Mystery-forms. They wrote these mighty Gospels through the power of ancient clairvoyance—not through the human faculties which had unfolded in them in the natural course of their evolutionary development.

[ 16 ] Aber die Menschenseele entwickelt sich weiter, auch nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Diese Menschenseele, die sich weiter entwickelt, auch nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, wächst in ihren Verständniskräften auch nach dem Tode; sie lernt immer mehr und mehr verstehen.

[ 16 ] Now the soul continues to develop after having passed through the Gate of Death.4See The Inner Nature of Man and the Life between Death and a new Birth. Six lectures given in Vienna, 1914. (Obtainable from Rudolf Steiner Bookshop.) Its power of understanding constantly increases in the life after death.

[ 17 ] Nun liegt das Eigentümliche vor, daß die Zeitgenossen des Christus, die sich durch ihre Liebe zu dem Christus vorbereitet hatten für ein Leben in Christo nach dem Tode, daß diese aus eigenen menschlichen Kräften voll das Mysterium von Golgatha eigentlich erst begriffen im 3. Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha. Also diejenigen, die mit dem Christus als seine Jünger und Apostel zugleich gelebt haben, die starben dann, lebten weiter in der geistigen Welt, und indem sie in der geistigen Welt lebten, wuchsen ihre Kräfte, geradeso wie sie hier wachsen. Nun sind wir beim Tode nicht so weit, daß wir solches Verständnis haben, wie wir es zwei Jahrhunderte nach dem Tode haben. Die Zeitgenossen waren eigentlich erst im 2. Jahrhundert, gegen das 3. Jahrhundert zu, so weit, daß sie dann in dem geistigen Reich, das der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchlebt, von sich selbst aus zu dem Verständnis dessen kamen, was sie vor zwei bis drei Jahrhunderten hier auf der Erde erlebt hatten. Und dann inspirierten sie von der geistigen Welt aus diejenigen Menschen, die hier unten auf der Erde waren.

[ 17 ] So we arrive at the strange fact that the companions of Christ Jesus, whose love for Him had prepared them for a life in Christ after death, were not able to grasp the full significance of the Mystery of Golgotha by means of their own human powers until the third century after that Event. Those who had lived in communion with Christ as His disciples and apostles died and lived on in the spiritual world, and during this life in the spiritual world their powers increased, just as they do on Earth. But it was not until the second century A.D.—towards the beginning of the third—that Christ's companions had advanced to the stage in the spiritual world between death and rebirth where they were able by means of the development of their own powers to understand what they had experienced on the Earth two to three hundred years before. Then, from the spiritual world, they inspired men who were living below on the Earth.

[ 18 ] Lesen Sie von diesem Gesichtspunkte aus dasjenige, was die sogenannten Kirchenväter im 2., 3. Jahrhunderte, als die Inspiration im rechten Sinne anfing, geschrieben haben, dann werden Sie darauf kommen, wie man verstehen kann, was von den Kirchenvätern geschrieben worden ist über den Christus Jesus. Dasjenige, was von den toten Zeitgenossen des Christus Jesus inspiriert worden ist, das hat man im 3. Jahrhunderte angefangen zu schreiben. Eine merkwürdige Sprache führen diese Menschen im 3. Jahrhundert über den Christus Jesus, eine Sprache, die zum Teil für den heutigen Menschen — wir werden gleich nachher über diesen heutigen Menschen sprechen — recht unverständlich ist.

[ 18 ] If, keeping this in mind, you read the writings of the Church Fathers in the second or third century—when the inspiration from the spiritual world began in the real sense—you will realise how what these Church Fathers wrote about Christ Jesus can be understood. The inspirations, coming from those who had been companions of Christ Jesus on Earth and were now living through their life after death, appear in the writings of the Church Fathers in the third century A.D. These Church Fathers wrote of Christ Jesus in strange, remarkable words—in language that to modern men is often unintelligible.

[ 19 ] Ich will einen Menschen anführen, ich könnte auch einen anderen anführen, aber ich will Ihnen einen, der der gegenwärtigen materialistischen Kultur so recht verächtlich ist, anführen, denjenigen, von dem diese materialistische Kultur sagt, er hätte einen schrecklichen Satz gesprochen: Credo quia absurdum est — Ich glaube dasjenige, was töricht ist, und nicht dasjenige, was vernünftig ist. — Den Tertullian will ich anführen.

[ 19 ] I am going to cite a certain individual—I could also cite others, but I choose one whom modern materialistic culture regards with disdain, attributing to him the dreadful utterance: Credo quia absurdum est (I believe because the belief is absurd). It is of Tertullian 5A translation of the writings of Tertullian by Peter Holmes, D.D., is contained in several volumes of the series: Ante-Nicene Christian Library; Translations of the Writings of the Fathers down to A.D. 325. (Published by T. & T. Clark, Edinburgh, 1874.)
The text of the translation of De Carne Christi (On the Flesh of Christ) is to be found in Vol. XV (vol. 2), pp. 163–214.
(c. A.D. 160–240) that I am going to speak.

[ 20 ] Wenn man den Tertullian anführt, der ungefähr in der Zeit lebte, wo die Inspiration von oben von den toten Zeitgenossen des Christus Jesus begann, und der, soweit er es konnte als Mensch, unter dieser Inspiration stand, wenn man diesen Tertullian wirklich liest, so bekommt man einen eigentümlichen Eindruck. Natürlich schrieb er so, wie er schreiben mußte nach seiner menschlichen Konstitution. Man kann ja gut Inspirationen haben, aber sie zeigen sich immer so, wie man sie aufnehmen kann. So gab denn auch der Tertullian die Inspirationen nicht ganz rein; er gab sie so, wie er sie in seinem menschlichen Gehirn zum Ausdruck bringen konnte, erstens, da er in einem sterblichen Leibe wohnte, und zweitens, da er in einer gewissen Hinsicht leidenschaftlich und fanatisiert war. Er schrieb so, wie es herauskam, aber höchst merkwürdig herauskam, wenn es von einem wahren und richtigen Gesichtspunkte aus betrachtet wird.

[ 20 ] Tertullian lived approximately at the time when the inspiration was beginning to flow down from those who had been companions of Christ Jesus and were now in the spiritual world, and as far as his human powers allowed he received this inspiration. If we read the works of Tertullian carefully we get a curious impression. Naturally, he wrote in the way determined by his particular nature and constitution. A man may have inspirations, but they always manifest in accordance with his capacity to receive them. So it was too, in the case of Tertullian. He did not transcribe the inspirations in an absolutely pure form, but in the way in which his human brain was capable of expressing them; firstly because he was living in a mortal body, and secondly, because in a certain respect he was a passionate and fanatical individual. Nevertheless the form in which he gave expression to the inspirations he received was remarkable in the highest degree, when regarded rightly.

[ 21 ] Dieser Tertullian tritt einem von diesem Gesichtspunkt aus entgegen als ein Römer von einer nicht einmal besonders hohen literarischen Bildung, aber als ein Schriftsteller von großartiger Sprachkraft. Man kann geradezu sagen: Tertullian ist derjenige, welcher die lateinische Sprache dem Christentum erst gerecht gemacht hat. Er hat erst die Möglichkeit gefunden, diese prosaischeste, unpoetischeste Sprache, diese rein rhetorische Sprache, die lateinische Sprache, mit solchem Temperament und mit einer solchen heiligen Leidenschaft zu durchglühen, daß wirklich unmittelbar seelisches Leben in dem Werke des Tertullian lebt, insbesondere in «De carne Christi» zum Beispiel, oder auch in demjenigen Werk, in dem er alles abzuweisen versucht, wessen man die Christen beschuldigt. Sie sind mit einem heiligen Temperament geschrieben und mit einer großartigen Sprachkraft. — Und dieser Tertullian war als Römer und an «De carne Christi» kann man das zeigen — vorurteilslos gegenüber seinem eigenen Römertum. Er fand großartige Worte, indem er die Christen gegen die Verfolgung der Römer verteidigte. Die Mißhandlungen, die man den Christen zufügte, damit sie ableugnen sollten ihre Zugehörigkeit zu dem Christus Jesus, die verurteilte er temperamentvoll, so daß er sagte: Beweist nicht euer Verhalten als Richter gegenüber den Christen hinlänglich genug, daß ihr ungerecht seid? Ihr müßt euer ganzes richterliches Verfahren, wie ihr es sonst habt, ändern, es nicht anwenden, wenn ihr gegen die Christen richtet. Sonst zwingt ihr durch die Mißhandlungen einen Zeugen, daß er nicht ableugnet; ihr zwingt ihn, daß er bekennt, was wahr ist, was er wirklich meint. Bei dem Christen macht ihr es umgekehrt: Ihr foltert ihn, damit er leugnet, was er meint. Ihr benehmt euch als Richter den Christen gegenüber entgegengesetzt dem Falle, wie ihr euch sonst als Richter benehmt. Sonst wollt ihr die Wahrheit erfahren durch die Mißhandlung; bei den Christen wollt ihr die Lüge erfahren. — Und in ähnlicher Weise, in Worten, die wirklich den Nagel auf den Kopf trafen, sprach Tertullian über vieles.

[ 21 ] Tertullian stands before us as a Roman of no particularly high literary standing, but as a writer with a magnificent power of language at his command. It can truly be said that Tertullian was the one who in his writings forced the Latin language for the first time into doing justice to Christianity. He was the first who succeeded in imbuing this most prosaic, unpoetical language, this purely rhetorical Latin language, with such temperamental fire, such impassioned ardour, that intense vitality of soul is manifest in his works. This is especially so in his De Carne Christi (On the Flesh of Christ), and also in other works where he sets out to repudiate all the charges brought against the Christians. These works are written with a holy fervour and a magnificent eloquence. Although he was a Roman, Tertullian was absolutely unbiased by his own citizenship, as is clearly evident in De Came Christi. His defence of the Christians against the persecutions of the Romans is couched in words of tremendous forcefulness. With the utmost vehemence he condemns the tortures to which the Christians were subject in order to compel them to deny their adherence to Christ Jesus. Is not your behaviour as judges of the Christians, he wrote, proof enough of your injustice? You are obliged to alter the whole of your wonted judicial procedure when you judge the Christians. In the case of others you force a witness by torture, not to deny, but to avow the truth, to confess his real belief. With the Christian you do the reverse.—You torture him in order to make him deny his belief. As judges, your behaviour to the Christians is exactly contrary to your behaviour to others. In their case you try to get at the truth through torture; in the case of the Christians you try by torture to get at a lie.6Vol. XV (vol. 1) includes Tertullian's Apologeticus, one of the writings in which he inveighs against the Romans for their persecutions of the Christians. The following is a typical passage from chapter 1:
‘And then, too, you do not in that case deal with us in the ordinary way of judicial proceedings against offenders; for in the case of others who deny, you apply the torture to make them confess.—Christians alone you torture to make them deny; whereas, if we were guilty of any crime, we should be sure to deny and you with your tortures would force us to confession. ... So that you act with all the greater Rerversity when, holding our crimes proved by our confession of the name of Christ, you drive us by torture to fall from our confession. Thus, in repudiating the name, we in like manner repudiate also the crimes with which, from that same confession, you had assumed that we were chargeable’ (p. 57).
It is also in the Apologeticus (p. 99) that a passage occurs on the subject of possession by demons: ‘Let a person be brought before your tribunals, who is plainly under demoniacal possession. The wicked spirit, bidden speak by a follower of Christ, will as readily make the truthful confession that he is a demon, as elsewhere he has falsely asserted that he is a god ...’
In Vol. VII of the same series, The Five Books of Tertullian against Marcion, the translator includes in his Introductory Notice (p. XVI) the following quotation from Vincentius Lirinesis:
‘And for his (Tertullian's) wit, was he not so excellent, so grave, so forcible, that he scarce ever undertook the overthrow of any position, but that either by quickness of wit he undermined, or by weight of reason he crushed it? Further, who is able to express the praises which his style of speech deserves, which is fraught (I know none like it) with that cogency of reason, that such as it cannot persuade, it compels to assent: whose so many words almost are so many sentences; whose so many sentences, so many victories? This know Marcion and Apelles, Praxens and Hermogenes, Jews, Gentiles, Gnostics, and divers others, whose blasphemous opinions he hath overthrown with his many and great volumes, as it had been with thunderbolts ...’

[ 22 ] Dabei kann man sagen, daß er neben dem, daß er ein mutiger, kraftvoller Mann war, der die Hohlheit des römischen Götterdienstes voll durchschaute und darstellte, außerdem ein Mensch war, der überall, wo er schrieb, seine Beziehungen zur übersinnlichen Welt bewies. Er redete von der übersinnlichen Welt so, daß man sieht: Der Mann weiß, was es heißt, von der übersinnlichen Welt zu reden. Er redet von Dämonen so, wie er von seinen Bekannten als Menschen redet. — Und er redet zum Beispiel von den Dämonen so, daß er sagt: Fragt die Dämonen, ob der Christus, der, von dem die Christen behaupten, daß er ein wahrer Gott sei, wirklich ein wahrer Gott ist! Stellt einmal einen wirklichen Christen einem Besessenen gegenüber, aus dem ein Dämon spricht, da werdet ihr sehen: Wenn ihr ihn wirklich zum Sprechen bringt, gesteht er euch, daß er selber ein Dämon ist, denn er sagt die Wahrheit. — Das wußte Tertullian, daß die Dämonen nicht lügen, wenn man sie befragt. — Aber die Dämonen sagen euch auch, wenn der Christ sie richtig frägt aus seinem Bewußtsein heraus, daß der Christus der wahre Gott ist. Nur hassen sie ihn, weil sie ihn bekämpfen. Ihr werdet von dem Dämon erfahren, daß das der wahre Gott ist. — Also nicht nur auf das Zeugnis der Menschen, sondern auf das Zeugnis der Dämonen beruft sich Tertullian. So spricht er von den Dämonen als Zeugen, die nicht bloß reden, die da auch bekennen, daß Christus der wahre Gott ist. Das sagt Tertullian alles aus sich selbst heraus.

[ 22 ] Tertullian wrote of many things in a similar vein, in words that strike right home, but besides the fact that he was a courageous, forceful character, and that he saw through and exposed the hollowness of Roman worship, all his writings give evidence of his links with the super-sensible world. When he refers to the super-sensible world it is quite obvious that he well knows how to speak of it. He speaks of demons as if he were speaking of human acquaintances. Ask the demons, he says, whether the Christ, the One whom the Christians assert to be a true God, is in fact a true God! Confront a Christian with a man who is possessed, out of whom a demon speaks ... you will find that if you can make this man speak he will confess that he is a demon; for he speaks the truth, (Tertullian knew that the demons do not lie when they are questioned!). But the demons will tell you too—when a Christian questions them rightly—that Christ is verily God. Only they hate Him because they are fighting against Him. But from the demons you will learn that Christ is the true God. Thus writes Tertullian.

[ 23 ] Man hat wirklich allen Grund, wenn man Tertullian als Schriftsteller kennenlernt, zu fragen: Was war denn eigentlich das tiefere Seelenbekenntnis des Tertullian, der ergriffen war von der Ihnen eben geschilderten Inspiration? Dieses tiefere Seelenbekenntnis des Tertullian ist in der Tat lehrreich. Denn Tertullian ahnte bereits etwas, was eigentlich erst ziemlich lange nach der Zeit des Tertullian offenbar werden sollte für die Menschheit. Tertullian bekannte sich im Grunde zu drei Sätzen gegenüber der menschlichen Natur. Erstens: Die menschliche Natur ist so, daß sie in der jetzigen Zeit — also das ist die Zeit des Tertullian, Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts —, daß sie, wie sie jetzt ist, die Schmach auf sich laden kann, das größte Erdenereignis zu verleugnen. Wenn der Mensch nur sich folgt, kommt er nicht zum größten Erdenereignis. Zweitens ist seine Seele zu schwach, um dieses größte Erdenereignis zu begreifen. Drittens ist es dem Menschen ganz unmöglich, wenn er nur dem folgt, was ihm sein sterblicher Leib ermöglicht, ein Verhältnis zu gewinnen zu dem Mysterium von Golgatha.

[ 23 ] He therefore cites not only the testimony of man but also the testimony of the demons. He speaks of the demons as witnesses who do not merely talk, but who also recognise that Christ is the true God. Tertullian says all these things out of his own knowledge. When we study his writings we are led to ask what was the inmost conviction of his soul, inspired as he was in the way of which I have spoken? This inmost conviction of Tertullian's soul is highly instructive. For in his own day he already divined something that was not to become manifest in humanity until a considerably later time. Fundamentally, Tertullian held a threefold conviction in regard to human nature. Firstly: human nature is such that at the present time (i.e. towards the end of the second century A.D.) it may incur the ignominy of denying the greatest of all events on Earth. When a man follows only the dictates of his own nature, he cannot become a participant in the greatest event on Earth. Secondly: man's soul is too feeble to comprehend this greatest event. Thirdly: when man follows only what his mortal body renders feasible, he cannot possibly enter into any relationship with the Mystery of Golgotha.

[ 24 ] Diese drei Dinge sind ungefähr das Bekenntnis des Tertullian. Aus diesen drei Dingen heraus hat Tertullian die Worte gesprochen: «Gekreuzigt wurde Gottes Sohn; das ist keine Schande, weil es schändlich ist. Auch gestorben ist er; gerade darum ist es glaublich, weil es töricht ist.» «Prorsus credibile est, quia ineptum est», das ist gerade deshalb glaublich, weil es töricht ist. Dieser Satz steht bei Tertullian. Der andere Satz, den ihm die Welt andichtet: Credo, quia absurdum est —, steht nirgends, weder bei Tertullian, noch bei einem anderen Kirchenvater. Aber dieser Satz, den ich Ihnen jetzt eben ausgesprochen habe, ist dazumal geschrieben worden. Die meisten Menschen kennen von Tertullian nichts anderes als diesen Satz, der nicht wahr ist. Drittens: «Und der Begrabene ist auferstanden», sagt Tertullian, «weil es unmöglich ist. Wir müssen es glauben, weil es unmöglich ist.»

[ 24 ] These three points approximately represent the avowed conviction of Tertullian. Out of this conviction came his words: ‘The Son of God was crucified; I am not ashamed because men must needs be ashamed of it. And the Son of God died; it is by all means to be believed because it is absurd.’ Prorsus credibile est, quia ineptum est. This sentence is to be found in De Carne Christi.7The other sentence, falsely ascribed to Tertullian: Credo, quia absurdum est, occurs nowhere, either in the writings of Tertullian or of those of any other Church Father. It was invented at the time ... and all that most people know of Tertullian is this sentence—which is inaccurate! Thirdly: ‘And He was buried’, says Tertullian, ‘and rose again; the fact is certain, because it is impossible.’

[ 25 ] Dieser dreifache Ausspruch, den Tertullian tut, der erscheint natürlich den modernen, ganz gescheiten Menschen als etwas Schreckliches. Man soll sich nur so einen waschechten heutigen materialistisch Gebildeten denken, der da hört, daf3 einer sagt: Christus ist gekreuzigt worden; wir müssen es glauben, weil es schmachvoll ist. Christus ist gestorben; wir müssen es glauben, weil es töricht ist. Christus ist wahrhaftig auferstanden; wir müssen es glauben, weil es unmöglich ist. — Man soll sich vorstellen, was so ein richtiger monistischer Weltanschauer von heute zu solchen Sätzen für ein Verhältnis gewinnen kann!

[ 25 ] This threefold utterance of Tertullian is naturally regarded by clever modern minds as an abomination. Just imagine what a dry, materialistic scholar will think when he hears that somebody has written: ‘Christ was crucified; we must believe it, because it is shameful. Christ died; we must believe it, because it is absurd. Christ rose again; we must believe it, because it is impossible.’ Just imagine what a typical Monist of today will make of such sentences!

[ 26 ] Was meinte aber Tertullian? Tertullian ist gerade durch seine Inspiration für seine damalige Zeit so ein rechter Menschenkenner geworden, hat erkannt, auf welchem Wege die menschliche Natur in der damaligen Zeit war. Die Menschen gingen entgegen den folgenden Jahrhunderten der vierten nachatlantischen, der griechisch-lateinischen Kulturperiode. Geradesoviel Jahre, als das Mysterium von Golgatha der Mitte dieses Zeitraumes vorangegangen ist, 333 Jahre, geradesoviel Jahre nach diesem Zeitraum war beabsichtigt von gewissen geistigen Mächten, die Erdenentwickelung in ganz andere Bahnen zu leiten, als sie dann, weil das Mysterium von Golgatha da war, geleitet worden ist. 333 Jahre nach dem Jahre 333 ist 666; das ist jene Jahreszahl, von der der Schreiber der Apokalypse mit einem großen Temperamente spricht. Lesen Sie die betreffenden Stellen, wo der Schreiber der Apokalypse von dem spricht, was sich auf 666 bezieht! Da sollte nach den Intentionen gewisser geistiger Mächte mit der Menschheit etwas geschehen, und es wäre geschehen, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre. Man hätte den absteigenden Weg, der von 333 ab der Menschheit beschieden gewesen wäre als Gipfelpunkt der Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele, diesen absteigenden Weg hätte man dazu benützt, um die Menschheit in ein ganz anderes Fahrwasser zu bringen, als sie kommen sollte nach der Intention derjenigen göttlichen Wesenheiten, die mit ihr vom Anfange, von der Saturnzeit an, verknüpft sind. Das sollte dadurch geschehen, daß etwas, was erst später kommen sollte in die Menschheit, die Bewußtseinsseele mit ihren Inhalten, durch eine Art Offenbarung der Menschheit schon 666 gegeben würde. Wäre das ausgeführt worden, wären wirklich die Intentionen erfüllt worden gewisser der Menschheitsentwickelung entgegengesetzter, aber diese Menschheitsentwickelung an sich reißen wollender Wesen, dann wäre die Menschheit 666 so überrascht worden, begabt worden mit der Bewußtseinsseele, wie sie es erst längere Zeit nach unserer Zeit sein wird.

[ 26 ] But what did Tertullian mean? Through his inspiration he had become a true knower of the men of his day, and he recognised the path along which human nature was advancing at that time.8A recent appreciation of Tertullian by a theologian, Professor W. H. C. Frend, appeared in The Expository Times of February 1970. Professor Frend considers that the fact that western theology has always retained an important place for the doctrine of the Holy Spirit owes much to Tertullian. He also considers that ‘a new assessment of Tertullian is badly needed, embodying recent study of the Severan age and the role of the Christians in the Roman Empire at this period.’ Ed. Humanity was going forward into the following centuries of the Fourth post-Atlantean (the Graeco-Latin) culture-epoch. We have already noted that the middle point of this culture-epoch was the year A.D. 333. Now it had been the intention of certain spiritual powers hostile to man, at a point exactly as many years after this middle point as those by which the Mystery of Golgotha had preceded it, to guide the Earth's evolution into channels quite different from those into which it actually was guided, as a result of the Mystery of Golgotha. Now 333 years after the year 333 is the year A.D. 666, of which the writer of the Apocalypse speaks so dramatically. Read the passage where the writer of the Apocalypse speaks of what is connected with the year 666! 9Rev. xiii. 18. ‘Here is wisdom. Let him that hath understanding count the number of the beast: for it is the number of a man, and his number is Six hundred threescore and six.’ The intentions of certain spiritual Powers were that at that time something should happen to humanity, and it would indeed have happened but for the Mystery of Golgotha. The year A.D. 333 marked the zenith of the epoch of the Intellectual or Mind Soul; thereafter the descending path of that epoch could have been used for the purpose of guiding the human race into a course altogether different from the one intended by those Divine Beings who have been connected with man from the beginning, from the Saturn-evolution onwards. This deviation was to be brought about through the endowment of man with something that ought properly to come to mankind only at a later epoch, namely, the Consciousness Soul and its functions. Through a kind of premature revelation these faculties were to be bestowed upon humanity in the year 666. If this had been achieved, if these intentions of certain Beings who, in opposing the evolution of humanity, want to seize hold of it for their own purposes, had been realised, then in the year A.D. 666 humanity, caught unawares, would have been endowed with the Consciousness Soul, functioning as fully in man as will now be the case only after a considerable period of future time.

[ 27 ] Darauf beruht nämlich dasjenige, was die den menschenliebenden Göttern feindlichen Wesenheiten immer machen, daß sie dasjenige, was diese den Menschen guten geistigen Wesenheiten zu einer späteren Zeit machen wollen, in einen früheren Zeitpunkt verlegen wollen, wo die Menschheit noch nicht reif dazu ist. Es hätte dasjenige, was erst in der Mitte unseres Zeitraumes hätte geschehen sollen, was also erst 1080 Jahre nach dem Jahre 1413 geschehen soll, was erst also im Jahre 2493 geschehen soll — da soll erst der Mensch so weit sein mit Bezug auf das bewußte Erfassen seiner eigenen Persönlichkeit —, schon 666 durch ahrimanisch-luziferische Kräfte dem Menschen eingeimpft werden sollen.

[ 27 ] This is in line with the invariable practice of the Beings who are the enemies of the Gods who love mankind. What the good spiritual Beings desire to bring about at a later time, these other Beings want to bring forward to an earlier period, before mankind is ready to receive it. What should rightly come about only in the middle of our own epoch of 2,160 years—that is to say, not until 1,080 years after A.D. 1413, in the year A.D. 2493 when man's own personality should be consciously within his grasp—this was to be inculcated into men in the year A.D. 666, through Ahrimanic-Luciferic Powers.

[ 28 ] Was wollte man dadurch erreichen auf seiten dieser Wesen? Sie wollten dadurch dem Menschen die Bewußtseinsseele geben, hätten ihm aber dadurch eine Natur eingepflanzt, die es ihm unmöglich gemacht hätte, seinen weiteren Weg zum Geistselbst, zum Lebensgeist und zum Geistesmenschen zu finden. Man hätte abgeschnitten seinen Zukunftsweg und hätte den Menschen für ganz andere Entwickelungsbahnen in Anspruch genommen.

[ 28 ] What was it that these Beings desired to achieve by these means? They wanted to give to man too soon the Consciousness Soul, whereby they would have instilled into him a nature making it impossible for him to find the further path to the Spirit- Self, the Life-Spirit, the Spirit-Man. These Beings would have cut man off from the path to his future destiny and would have claimed him for a quite different kind of evolution.

[ 29 ] Die Geschichte hat sich nicht abgespielt so, wie es intendiert war in dieser besonderen Gestalt, in dieser phänomenalen, großartigen, aber teuflischen Gestalt, aber die Spuren davon haben sich doch in der Geschichte vollzogen. Sie konnten sich dadurch vollziehen, daß Dinge geschahen, von denen man nur sagen kann: Die Menschen tun sie auf der Erde, aber sie tun sie eigentlich immer, indem sie Handlanger sind desjenigen, was gewisse geistige Wesenheiten durch die Menschen ausführen. — Und so war denn auch der Kaiser Justinian ein Handlanger gewisser Wesenheiten, als er, der ja ein Feind war alles dessen, was aus der hohen Weisheit des Griechentums überkommen war, 529 die Philosophenschulen in Athen schloß, so daß die letzten Reste der griechischen Gelehrsamkeit mit dem hohen aristotelisch-platonischen Wissen verbannt wurden und nach Persien hinüber flüchteten. Nach Nisibis waren schon früher, als Zeno Isauricus im 5. Jahrhunderte ebensolche griechische Weise von Edessa vertrieben hatte, die syrischen Weisen geflohen. Und so versammelte sich gegen das Jahr, das heranrückte, gegen 666 hin, in der persischen Akademie von Gondishapur wirklich dasjenige, was auserlesenste Gelehrsamkeit war, die herübergekommen war aus dem alten Griechentum und die keine Rücksicht genommen hatte auf das Mysterium von Golgatha. Und innerhalb der Akademie von Gondishapur lehrten diejenigen, die inspiriert waren von luziferisch-ahrimanischen Kräften.

[ 29 ] This project was not fulfilled in this particular form, phenomenal, majestic, but diabolical, as had been the intention of these evil spiritual Beings; but the traces of it have nevertheless taken effect in history. This came about because of human deeds, of which one can only say that while men on Earth perform these deeds, they are acting always as the agents of certain spiritual beings. The Emperor Justinian was an agent of these hostile beings when, as an enemy of everything that had emanated from the lofty wisdom of Greece, he closed the Schools of Philosophy in Athens in the year A.D. 529. The last representatives of Greek scholarship, with their sublime Aristotelian-Platonic knowledge, were banished and fled over to Persia, where the Syrian scholars had already taken refuge when in the fifth century the Greek sages had been driven from Edessa by the Emperor Zeno Isaurikus. Thus, when the year 666 was approaching, there had gathered in the Persian Academy of Jundi-Shapur a matchless scholarship that had come over from ancient Greek culture and had taken no account of the Mystery of Golgotha; And the scholars who taught in the Academy of Jundi-Shapur were inspired by Luciferic-Ahrimanic Powers.10See also Three Streams in the Evolution of Humanity. The Luciferic-Ahrimanic Impulse and the Christ-Jahve Impulse. Lectures 4, 5 and 6. Given by Rudolf Steiner in Dornach, October 1918, (Rudolf Steiner Press.)

[ 30 ] Hätte dasjenige, was 666 über die Menschheit hätte kommen sollen — was, wenn es gekommen wäre, eben zum Abschneiden der späteren Entwickelung und zur Erhöhung der Menschheit zur Bewußtseinsseele schon im Jahre 666 geführt hätte —, hätte das seinen vollen Erfolg gehabt, was von der Akademie von Gondishapur beabsichtigt war, dann wären im 7. Jahrhunderte da und dort überall hochgelehrte und durch ihre Hochgelehrsamkeit in außerordentlichem Maße geniale Menschen entstanden, welche wandern sollten durch Westasien, durch Nordafrika, durch Südeuropa, durch Europa überhaupt und die überall verbreiten sollten jene Kultur von 666, die von der Akademie von Gondishapur beabsichtigt war. Diese Kultur sollte vor allen Dingen den Menschen ganz auf seine Persönlichkeit stellen, ganz die Bewußtseinsseele schon bringen.

[ 30 ] If what had been intended to come upon humanity in A.D. 666 had been achieved, it would have raised men even at that time to the level of the Consciousness Soul and have led to the severance of mankind from the later course of its evolution. If this aim of the Academy of Jundi-Shapur had fully succeeded, numbers of men of supreme learning, and endowed with extraordinary genius, would have travelled through North Africa, Western Asia, and Southern Europe, and then through all Europe, spreading that Jundi-Shapur culture of A.D. 666. The primary purpose of this culture was that at that premature time man should be made to rely entirely upon his own personality, because the Consciousness Soul had been brought into full operation within him.

[ 31 ] Es war nicht möglich geworden, daß dies geschah. Die Welt hatte schon eine andere Gestaltung angenommen, als diejenige hätte sein müssen, in welcher das hätte geschehen können. Daher wurde der ganze Stoß, der versetzt werden sollte der abendländischen Kultur von der Akademie von Gondishapur aus, abgestumpft. Und statt daß eine Weisheit herausgekommen ist, gegen welche alles das, was wir heute in der äußeren Welt wissen, eine ganze Kleinigkeit wäre, statt daß eine Weisheit durch Eingebung in spiritueller Weise über alles dasjenige herausgekommen ist, was man nach und nach durch das Experimentieren und durch die Naturwissenschaft bis zum Jahre 2493 sich erobern wird, und das durch eine glänzende, großartige Gelehrsamkeit herausgekommen wäre, sind dann nur die Reste davon geblieben in dem, was arabische Gelehrte nach Spanien gebracht haben. Aber es war auch schon abgestumpft. Das ist nicht in jener Weise herausgekommen, wie es gewollt war, es ist abgestumpft worden. Und an dessen Stelle ist der Mohammedanismus, ist Mohammed mit seiner Lehre geblieben, und es ist nur der Islam anstelle desjenigen gekommen, was von der Akademie von Gondishapur hätte ausgehen sollen. Die Welt war durch das Mysterium von Golgatha abgebracht worden von dieser ihr verderblichen Richtung.

[ 31 ] This attempt failed. The world had already assumed a configuration different from that which alone would have enabled such a thing to come to pass. Therefore the whole thrust which it was the intention of the Academy of Jundi-Shapur to give to Western culture was blunted. Instead of the spread of a wisdom expounded by brilliant erudition—in comparison with which all that is known in the external world today would be utterly trifling—instead of inspired wisdom concerning those things that will only gradually be mastered through experiment and through natural science in the period up to the year A.D. 2493—instead of this, only remnants survived in what Arabian scholars brought over to Spain. Even that was already blunted; it did not penetrate in the form or in the way that had been intended. In its place there arose Mohammedanism—Mohammed and his teaching. Islam came in the place of what had been intended to go forth from the Academy of Jundi-Shapur.

[ 32 ] Und abgebracht worden war sie dadurch, daß schon früher nicht nur das Mysterium von Golgatha geschehen ist, sondern eben dieses Mysterium von Golgatha als solches Ereignis geschehen ist, welches nicht begriffen werden kann von den gewöhnlichen menschlichen Kräften bis zum Tod; wodurch innerhalb der abendländischen Menschheit eben das entstand, was ich vorhin beschrieben habe: Inspiration von seiten der Toten fand statt, wie wir dies bei Tertullian und vielen anderen bemerken. Dadurch wurde der Sinn der Menschen auf das Mysterium von Golgatha und damit auf etwas ganz anderes hingelenkt, als dasjenige ist, was von der Akademie von Gondishapur hätte ausgehen sollen. Dadurch verbreitete sich dasjenige, was verhinderte jene hohe, aber teuflische Weisheit, welche die Akademie von Gondishapur intendierte, aber es wurde verhindert die Ausbreitung jener Weisheit zum Heile der Menschheit. Es kam vieles gebrochen heraus von dem, was inspiriert worden war von den Toten, aber es war doch die Menschheit davor bewahrt, das über sich ergehen zu lassen, was sie in ihre Seelen hätte aufnehmen müssen, wenn die Akademie von Gondishapur mit ihrer Tendenz Glück gehabt hätte.

[ 32 ] Through the Mystery of Golgotha, then, the world was diverted from this pernicious course. It was diverted not merely because the Mystery of Golgotha had previously taken place, but also because—since this was an Event beyond the grasp of man's ordinary earthly faculties—inspired understanding had come to Western humanity from the Dead, as in the case of Tertullian and many others. Thereby the minds and hearts of men were guided to something altogether different from what had been intended to emanate from the Academy of Jundi-Shapur, and there spread abroad an influence which, for the salvation of mankind, stemmed the flood of that lofty, but diabolical, wisdom promulgated by the Academy of Jundi-Shapur. Much of the inspiration from the Dead came through in a fragmentary form, but humanity was nevertheless thereby protected from what must otherwise have taken effect in the souls of men had the policy of the Academy of Jundi-Shapur succeeded.

[ 33 ] Aber solche Ereignisse wie dasjenige, was von der Akademie von Gondishapur intendiert war, die gehen gewissermaßen hinter den Kulissen der äußeren Weltentwickelung vor sich. Sie gehen im Übersinnlichen vor sich. Die Menschen stehen damit in Beziehung, aber diese Ereignisse spielen sich durchaus im Übersinnlichen ab. Und wir können nicht solche Ereignisse, weder dasjenige, was intendiert war von der Akademie von Gondishapur, noch das Ereignis von Golgatha, nur nach dem beurteilen, was auf dem physischen Plane geschieht. Wir müssen solche Ereignisse, wenn wir sie charakterisieren wollen, in viel, viel bedeutenderen Tiefen aufsuchen, als man gewöhnlich meint.

[ 33 ] Now operations such as were aimed at by the Academy of Jundi-Shapur proceed behind the scenes of external evolution, in the super-sensible. Men are related to them, but they take place in the realm of the super-sensible. Neither the intention of the Academy of Jundi-Shapur nor the Event of Golgotha can be judged only in the light of what takes place on the physical plane. If we want to understand the nature of such happenings we must explore in depths infinitely deeper than we generally look into.

[ 34 ] Zurückgeblieben ist der Menschheit schon etwas von dem, was damals hätte geschehen sollen und was nur abgestumpft worden ist, indem von etwas Großartigem der phantastische, jämmerliche Islam herausgekommen ist. Geschehen ist schon etwas mit der Menschheit. Das ist geschehen, daß dazumal die Menschheit, auf welche der Impuls von Gondishapur gewirkt hat, dieser neupersische Impuls, der zur Unzeit den Zarathustra-Impuls wieder brachte, daß die gesamte Menschheit, wenn ich so sagen darf, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, einen innerlichen Knacks bis in die Leiblichkeit hinein bekommen hat. Damals hat die Menschheit einen Impuls bekommen, der bis in die physische Leiblichkeit hineingeht, mit dem wir weiter jetzt immer geboren werden, den Impuls, der eigentlich gleich ist mit dem, was ich vorhin charakterisiert habe. Jene Krankheit ist der Menschheit eingeimpft worden, die, wenn sie sich auslebt, zur Leugnung des Vatergottes führt.

[ 34 ] As we have said, something of what was intended to happen, but was blunted in its effects, did indeed remain for humanity, inasmuch as out of those grand beginnings, fantastic Islam—pitiful Islam—emerged. But something further still happened to all that part of humanity in which the impulse of Jundi-Shapur had taken effect. From that Neo-Persian influence by which, out of due time, the Zarathustra-impulse was resuscitated, humanity was given an ‘injection’, if I may use a homely expression. It was an injection reaching into its actual bodily constitution, and we are born with it to this day: it is an impulse actually identical with the one of which I spoke at the beginning. There was injected into humanity that sickness which, in its effect, leads to the denial of the Father God.

[ 35 ] Also verstehen Sie mich recht: Die Menschheit, insofern sie die zivilisierte Menschheit ist, hat heute im Leibe einen Stachel. Und der heilige Paulus spricht sehr viel von diesem Stachel. Diese Menschheit hat im Leibe einen Stachel. Der heilige Paulus spricht davon prophetisch. Er hatte ihn als ein besonders vorangeschrittener Mensch schon zu seiner Zeit; die anderen bekamen ihn eigentlich erst im 7. Jahrhundert. Aber dieser Stachel wird sich immer mehr ausbreiten, wird immer bedeutungsvoller und bedeutungsvoller sein. Wenn Sie heute einen Menschen kennenlernen, der sich ganz diesem Stachel hingibt, dieser Krankheit — denn das ist ein Stachel im physischen Leib, das ist eine wirkliche Krankheit —, dann wird er ein Atheist, dann wird er ein Gottesleugner, ein Leugner des Göttlichen. Anlage zu diesem Atheismus hat eigentlich jeder Mensch, der der modernen Zivilisation angehört; es handelt sich nur darum, ob er sich dieser Anlage hingibt. Der Mensch trägt in sich jene Krankheit, die ihn aufreizt dazu, das Göttliche abzuleugnen, während es eigentlich in der Tat aus seiner Natur folgen würde, es anzuerkennen. Diese Natur ist dazumal gewissermaßen etwas mineralisiert worden, zurückgeschraubt worden in der Entwickelung, so daß wir alle die Gottesleugner-Krankheit in uns tragen.

[ 35 ] Please take me literally. Humanity—that is to say, civilised humanity—has a ‘thorn in the flesh’ today. St. Paul has much to say about this ‘thorn.’ 112 Cor. xii, 7. He speaks prophetically, as an especially advanced man; the thorn was in him already in his own day. To others it was given in the real sense only later on, in the seventh century. But its effects will become more and more widespread, more and more significant. A man today who surrenders wholly to this thorn, to this sickness—for in the physical body this thorn is an actual sickness—becomes an atheist, one who denies God, who denies the Divine. In every human being belonging to modern civilisation there is, fundamentally speaking, the tendency to atheism; the question is only whether a man lends himself to it. He has within him the sickness which incites him to deny the Divine, whereas if he obeyed the promptings of his true nature he would acknowledge God. His nature was, as it were, mineralised to a certain extent at that time, retarded in its development, with the result that we have within us the sickness which gives rise to the denial of Divinity.

[ 36 ] Durch diese Gottesleugner-Krankheit wird mancherlei in den Menschen bewirkt. Durch diese Gottesleugner-Krankheit wird nämlich ein stärkeres Anziehungsband geschaffen zwischen der Seele des Menschen und seinem Leibe, als früher da war, und als es eigentlich in der menschlichen Natur selber liegt. Es wird gleichsam die Seele mehr an den Leib angeschmiedet. Und während die Seele durch ihre eigene Natur nicht dazu bestimmt ist, teilzunehmen an den Schicksalen des Leibes, wäre sie dadurch in eine Bahn gekommen, wodurch sie immer mehr und mehr an den Schicksalen des Leibes teilnehmen würde, auch an den Schicksalen der Geburt und Vererbung und des Todes.

[ 36 ] This sickness has many consequences. Through it a bond of attraction is created between the soul of a man and his body stronger than that which formerly existed, stronger than that which arises from human nature itself. The soul is shackled more firmly to the body. Whereas through its essential being, the soul is not intended to share the destinies of the body, through this plan it would have taken a course leading to greater and greater participation in the destinies of the body, including those of birth, heredity and death.

[ 37 ] Nichts Geringeres haben nämlich schon dazumal — was in einer mehr dilettantischen Form wiederum gewisse Geheimgesellschaften auch in unserer Zeit wollen — die Weisen von Gondishapur gewollt, als den Menschen für diese Erde sehr groß zu machen, sehr weise zu machen, aber mit Einimpfung dieser Weisheit seine Seele teilnehmen zu lassen am Tode, so daß er nicht die Neigung haben würde, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, an dem geistigen Leben und an den folgenden Inkarnationen teilzunehmen. Sie wollten ihm geradezu die weitere Entwickelung abschneiden. Sie wollten ihn für sich für eine ganz andere Welt gewinnen, vom Erdenleben her konservieren, um ihn von dem abzubringen, wozu der Mensch auf der Erde da ist, was er erst lernen soll in langsamer, allmählicher Entwickelung und wodurch er zu dem Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen kommen wird.

[ 37 ] The aim of the sages of Jundi-Shapur—in a more amateurish form it is also the aim of certain occult societies in our own time—amounted to nothing else than this: to make man very great, very wise, on the Earth, but, by instilling this wisdom, to lead his soul to partake of death, so that when he had passed through the Gate of Death he would have no inclination to participate in spiritual life or in subsequent incarnations. The intention was to sever man from his further evolution, and so win him for the aims of certain Beings in a quite different world. It was to preserve him as he is in his life on Earth, in order to divert him from the purpose of that earthly existence, which purpose he was meant to discover only slowly and by degrees, thereby finally attaining to Spirit-Self, Life-Spirit, Spirit-Man.

[ 38 ] Die Menschenseele würde also, mehr als ihr vorbestimmt war, mit der Erde bekanntgemacht werden. Der Tod, der nur für den Leib vorbestimmt ist, würde gewissermaßen auch zum Schicksal der Seele geworden sein. Diesem ist durch das Mysterium von Golgatha entgegengearbeitet. So daß der Mensch todverwandt geworden ist, aber durch das Mysterium von Golgatha bewahrt worden ist vor dieser Todesverwandtschaft. Hat auf der einen Seite eine gewisse Strömung in der Weltentwickelung eine stärkere Verwandtschaft der Seele mit dem Menschenleib bewirkt, als sie dem Menschen vorgeschrieben war, so hat der Christus, um dem die Waage zu halten, die Seele stärker an den Geist gebunden, als das wiederum vorbestimmt war. So daé also durch das Mysterium von Golgatha die Menschenseele näher an den Geist gebracht worden ist, als ihr vorbestimmt war.

[ 38 ] The human soul would have become more intimately bound up with the Earth than had been intended. Death, which is foreordained for the body only, would in a certain respect have become the destiny of the soul as well. This was prevented by the Mystery of Golgotha. Man did become related to death, but through the Mystery of Golgotha he has been given a means of protection against it. Although, on the one side, a certain stream in world-evolution brought about a relationship between the soul and the body stronger than that originally prescribed for man, in order to maintain the balance Christ linked the soul with the spirit more strongly than had been originally planned. Through the Mystery of Golgotha the human soul was brought nearer to the spirit.12(Note) Thus in the thirteenth century the spirit-filled soul-forces of Thomas Aquinas and Albertus Magnus defeated the Arabian philosophy of Averroes. A.P.S.

[ 39 ] Dies befähigt uns, erst so recht hineinzuschauen, wie zusammenhängt das Mysterium von Golgatha mit den innersten Kräften der Menschennatur durch die Jahrtausende hindurch. Man muß das Wechselverhältnis, das von Ahriman und Luzifer dem Menschen bestimmt war, das Wechselverhältnis zwischen Leib und Seele vergleichen können mit dem Wechselverhältnis zwischen Seele und Geist, wenn man historisch richtig an das Mysterium von Golgatha herankommen will.

[ 39 ] This enables us to realise how throughout the centuries the Mystery of Golgotha is connected with the inmost forces of human nature. We must know how to relate the interrelationship between the body and the soul brought about for man by Ahriman and Lucifer, with the interrelationship between the soul and the spirit through Christ, if the right historical approach is to be made to the Mystery of Golgotha.

[ 40 ] Die katholische Kirche, die sehr stark unter [dem Einfluß der] Reste des Impulses der Akademie von Gondishapur stand, die hat 869 auf dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel dogmatisch bestimmt, daß man nicht an den Geist zu glauben habe, weil sie nicht etwa jeden aufklären wollte über das Mysterium von Golgatha, sondern Finsternis breiten wollte über das Mysterium von Golgatha. Von der katholischen Kirche ist der Geist 869 abgeschafft worden. Das Dogma, das da bestimmt worden ist, heißt, man habe nicht an den Geist zu glauben, sondern nur an Leib und Seele, und die Seele habe in sich etwas Geistartiges. Aber daß der Mensch wirklich besteht aus Leib, Seele und Geist, das wurde durch die katholische Kirche abgeschafft. Diese Abschaffung, die ist in der katholischen Kirche direkt noch unter dem Einflusse des Impulses von Gondishapur geschehen. Die Geschichte nimmt sich eben anders aus, als sie zum Hausgebrauch der Menschen, die man gerne leiten möchte, von dieser oder jener Seite her oftmals geformt wird.

[ 40 ] The Catholic Church, strongly influenced by the remains of the impulse emanating from Jundi-Shapur, decreed as a dogma at the Eighth Ecumenical Council at Constantinople in A.D. 869 that men were not to believe in the spirit. ... This was because the Church did not desire that everybody should be enlightened about the Mystery of Golgotha, but that it should be kept hidden. In the year A.D. 869, belief in the spirit was abolished by the Catholic Church. The dogma then decreed was to the effect that men must not believe in man as spirit, but only as body and soul, the soul possessing certain spiritual qualities.13See article in The Golden Blade of 1963 by A. P. Shepherd, ‘The Ecumenical Council of A.D. 829’.—Ed. Thus the truth that man is a being of body, soul and spirit was abolished by the Catholic Church, acting directly under the influence of the impulse of Jundi-Shapur. History often presents a different spectacle from the one in which it is presented for the ordinary use of those whom one party or another would like to control.

[ 41 ] Der Mensch also wurde durch das Mysterium von Golgatha geistverwandter gemacht. Dadurch sind im Menschen zwei Kräfte: die Kraft, die ihn seelisch dem Tode ähnlich macht, und diejenige Kraft, die ihn wiederum vom Tode befreit, die ihn zum Geiste innerlich hinführt.

[ 41 ] Through the Mystery of Golgotha, however, man was related more closely to the spirit. Consequently there are two forces in him: the force whereby in his soul he is allied to death, and the force which liberates him from death and leads him inwardly to the spirit.

[ 42 ] Diese Kraft, was ist sie für eine? Ich habe Ihnen gesagt: Es ist eine Art Krankheit, was das Gottesleugnerische im Menschen ist. Die Anlage ist eine Art Krankheit, die wir alle in uns tragen innerhalb der zivilisierten Menschheit vermöge unseres bloßen Leibes. Doch den Gott abzuleugnen, es ist eine Krankheit, sagt die Geisteswissenschaft, aber diese Krankheit haben wir in uns. Und wir leugnen, wenn wir uns recht verstehen, erst dann den Gott nicht ab, wenn wir ihn durch Christus wieder finden. So wie unser Leib eine Erkrankungskraft in sich hat, die hintendiert nach der Gottesleugnung, so haben wir, indem wir die Christus-Kraft so in uns haben, wie ich es öfter dargestellt habe, infolge des Mysteriums von Golgatha dadurch eine gesundende, eine heilsame Kraft in uns. Nun, der Christus ist für uns alle im wahrsten Sinne des Wortes der Heiland, der Arzt gegenüber jener Krankheit, die den Menschen zum Gottesleugner machen kann. Der Christus ist ein Arzt dagegen. Er ist ein Arzt für jene verborgene Krankheit, die ich Ihnen jetzt charakterisiert habe.

[ 42 ] I have told you that the urge in man which makes him deny God is a kind of sickness. This tendency is a kind of sickness we all have potentially within us today in our civilised humanity, by reason of our very physical nature. To deny God, so says Spiritual Science, is veritably a sickness—but it is in all of us. If we rightly understand our own nature, we realise that we cease to deny God only when, through Christ, we find him again.14St. John xiv, 6: ‘No man cometh to the Father, but by me.’ Just as our body has within it a potential sickness tending towards denial of the Divine, so, having the Christ-Power within us in consequence of the Mystery of Golgotha, we have a health-giving, healing force within us. In the truest sense of the word, Christ is for one and all of us the Redeemer the Healer of the sickness that can make a man deny God. Christ is the Physician for that latent sickness.

[ 43 ] Unsere Zeit ist in recht vieler Beziehung eine Wiedererneuerung jener Zeiten, die sich zugetragen haben zum Teil durch das Mysterium von Golgatha, zum Teil durch dasjenige, was 333, zum Teil durch dasjenige, was 666 geschehen ist. Das hat ganz bestimmte Wirkungen. Sie verstehen das Mysterium von Golgatha nur richtig, wenn Sie sich klar sind darüber: Man kann es nicht verstehen mit den Kräften, die dem Menschen nur gegeben sind dadurch, daß er physisch bis zum Tode in einem physischen Leibe lebt. Selbst die Zeitgenossen, die Apostelzeitgenossen konnten erst im 3. Jahrhunderte, also lange nach ihrem Tode, aus ihren eigenen Kräften heraus als Menschen das Mysterium von Golgatha verstehen. Aber alle diese Dinge gehen in die Entwickelung ein, durch alle diese Dinge spielt sich manches ab. Und es hat sich folgendes abgespielt.

[ 43 ] In very many respects our own age is a revival of those times which developed as they did partly as the result of the Mystery of Golgotha, partly through what happened in A.D. 333, and partly again through what happened in A.D. 666. This fact has quite definite results. The Mystery of Golgotha can be rightly understood only through the realisation that it cannot be comprehended by means of the forces with which man is endowed during his life on earth in a physical body. As we have seen, even the Apostles, the contemporaries of Christ Jesus, were unable until the third century, that is to say, a long time after their death, to understand the Mystery of Golgotha by means of their own human forces.

[ 44 ] Wir sind heute in einer ganz anderen Lage, als diejenigen waren, die Zeitgenossen Christi waren oder die in den folgenden Jahrhunderten bis ins 7. Jahrhundert gelebt haben. Wir leben ja bereits in der fünften nachatlantischen Zeit und sind weit darinnen; wir leben im 20. Jahrhundert. Das hat zur Folge, daß, indem wir als Seele geboren werden und aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche hereintreten, wir nun wiederum Jahrhunderte vorher in der geistigen Welt etwas erleben. So wie diejenigen, die Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha waren, Jahrhunderte danach zum vollen Verständnisse kamen des Mysteriums von Golgatha, so erleben wir eine Art von Spiegelbild, bevor wir geboren werden, und zwar Jahrhunderte, bevor wir geboren werden. Das gilt aber nur für die heutigen Menschen. Die heutigen Menschen tragen alle, indem sie hereingeboren werden in die physische Welt, etwas mit, was wie ein Abglanz ist des Mysteriums von Golgatha, wie ein Spiegelbild desjenigen, was man Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha in der geistigen Welt erlebte.

[ 44 ] Now all these facts are taken up into the process of evolution itself and have many effects, one of which is the following. We today are in an altogether different position from the men who were contemporaries of Christ Jesus or who lived in the first seven centuries of Christendom. We are living in the twentieth century, well on in the Fifth post-Atlantean epoch. This being so, when we are born as souls and pass out of the super-sensible into the physical world, we have already experienced something of the Mystery of Golgotha in the spiritual world in the centuries before our birth. Just as those who were contemporaries of the Mystery of Golgotha only reached full understanding of it centuries later, so we ourselves experience a kind of reflected picture of an experience we had long before—hundreds of years before we were born. This applies to men of the present time only. All of them, when they are born into the physical world, bring with them something that is like a reflected picture of the Mystery of Golgotha, a mirror-image of what they experienced in the spiritual world in the centuries after the Mystery of Golgotha.

[ 45 ] Nun, diesen Impuls kann natürlich derjenige, der nicht übersinnlich schauen kann, nicht unmittelbar schauen, aber alle können die Wirkung dieses Impulses in sich erleben. Und wenn sie ihn erleben, dann finden sie die Antwort auf die Frage: Wie finde ich den Christus?

[ 45 ] Naturally, this impulse cannot be directly perceived by one who has not super-sensible vision; but all human beings can experience its working within themselves. And when they experience it they discover the answer to the question: How can I find the Christ?

[ 46 ] Dazu ist folgendes Erleben notwendig. Man findet den Christus, wenn man folgende Erlebnisse hat. Erstens das Erlebnis, daß man sich sagt: Ich will so weit Selbsterkenntnis anstreben, als es mir möglich ist, nach meiner ganz individuellen menschlichen Persönlichkeit möglich ist. — Keiner, der ehrlich diese Selbsterkenntnis anstrebt, wird sich anderes heute als Mensch sagen können als: Ich kann das nicht fassen, was ich eigentlich anstrebe. Ich bleibe mit meiner Fassungskraft hinter dem, was ich anstrebe, zurück; ich empfinde meine Ohnmacht gegenüber meinem Streben. — Es ist dieses Erleben ein sehr wichtiges. Dieses Erleben müßte jeder haben, der ehrlich mit sich selbst, in Selbsterkenntnis zu Rate geht: ein gewisses Ohnmachtsgefühl. Dieses Ohnmachtsgefühl ist gesund, denn dieses Ohnmachtsgefühl ist nichts anderes, als das Empfinden der Krankheit, und man ist ja erst recht krank, wenn man eine Krankheit hat und sie nicht fühlt. Indem man die Ohnmacht empfindet, sich zum Göttlichen zu erheben in irgendeinem Zeitpunkte seines Lebens, fühlt man in sich jene Krankheit, von der ich gesprochen habe, die uns eingepflanzt ist. Und indem man diese Krankheit empfindet, empfindet man, daß die Seele durch unseren Leib eigentlich, so wie der Leib heute ist, verurteilt wäre mitzusterben. Dann, wenn man genügend kräftig diese Ohnmacht empfindet, dann kommt der Umschlag. Dann kommt das andere Erlebnis, das uns sagt: Aber wir können, wenn wir uns nicht an dasjenige hingeben, was zu erreichen wir durch unsere Leibeskräfte allein imstande sind, wir können, wenn wir uns hingeben an dasjenige, was uns der Geist gibt, überwinden diesen innerlichen Seelentod. Wir können die Möglichkeit haben, unsere Seele wiederzufinden und an den Geist anzuknüpfen. Wir können erleben die Nichtigkeit des Daseins auf der einen Seite und die Verherrlichung des Daseins aus uns selber, wenn wir hinüberkommen über das Spüren der Ohnmacht. Wir können die Krankheit spüren in unserer Ohnmacht, wir können [aber auch] den Heiland, die heilende Kraft spüren, wenn wir die Ohnmacht [erlebt haben], dem Tode verwandt geworden sind in unserer Seele. Indem wir den Heiland spüren, fühlen wir, daß wir etwas in unserer Seele tragen, das aus dem Tode jederzeit auferstehen kann im eigenen inneren Erleben. — Wenn wir diese zwei Erlebnisse suchen, finden wir in unserer eigenen Seele den Christus.

[ 46 ] We find the Christ only when we have the following experiences. Firstly, we must say to ourselves: ‘I will strive for self-knowledge as far as in me lies, as far as my whole human personality makes this possible.’ Now nobody who strives honestly for self-knowledge today can fail to come to the conclusion that he is incapable of laying hold of that for which he is striving; that his power of comprehension lags behind his striving. He feels the ineffectiveness of his efforts. This is a very real experience. A certain feeling of ineffectiveness is experienced by everyone who in the quest for self-knowledge takes honest counsel with himself. It is a wholesome feeling, for it is nothing else than awareness of the sickness in us, and when we have an illness without being aware of it, then we are all the more ill. In feeling at some point in our life the powerlessness to lift ourselves to the Divine, we become aware of that sickness of which I have spoken, the sickness that has been implanted into us. And in becoming aware of this sickness, we feel that as the body is today, our soul would be condemned to die with it. When this powerlessness is experienced with sufficient intensity, there comes the sudden reversal—the other experience which tells us that if we do not depend only upon what our bodily forces by themselves enable us to achieve, but devote ourselves to what the spirit gives—we can overcome this inner death of the soul. We find our soul again and unite ourselves with the spirit. We can experience the futility of existence on the one side and, on the other, the triumph of it within ourselves, when we have overcome the feeling of helplessness. We can be aware of the sickness, the powerlessness which has become allied with death in our soul, and then of the redemptive, healing force. And then we feel that we bear in our soul something that can at all times rise above death. It is in seeking for these two experiences that we find the Christ in our own soul.

[ 47 ] Das ist ein Erlebnis, dem die Menschheit entgegengeht. Angelus Silesius sagte es, als er die bedeutungsvollen Worte sprach:

[ 47 ] Humanity is approaching this experience. Angelus Silesius spoke of it in the significant words:

Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.

‘In vain the Cross on Golgotha
Was raised—thou hast not any part
In its deliverance unless
It be raised up within thy heart.’ 15From ‘The Cherubinic Wanderer’. See Selections from Angelus Silesius, No. 127. Translated by J. E. Crawford Flitch. (George Allen & Unwin, 1932.)

[ 48 ] Es kann im Menschen aufgerichtet werden, indem er die zwei Pole fühlt: die Ohnmacht durch sein Leibliches, die Auferstehung durch sein Geistiges. Das innere Erlebnis, das aus diesen zwei Teilen besteht, das ist dasjenige, welches zum Mysterium von Golgatha wirklich hintendiert. Das ist ein Ereignis, dem gegenüber man sich nicht ausreden kann dadurch, daß man sagt, man habe keine übersinnlich entwickelten Fähigkeiten. Die braucht man dazu nicht. Man braucht nur wirklich Selbstbesinnung zu üben und den Willen zu dieser Selbstbesinnung, den Willen auch zur Bekämpfung jenes Hochmuts, der heute so gang und gäbe ist, welcher den Menschen nicht bemerken läßt, daß, wenn er sich auf seine eigenen Kräfte verläßt, er hochmütig wird gegenüber seinen eigenen Kräften. Wenn man nicht fühlen kann gegenüber seinem eigenen Hochmut, daß man durch seine eigenen Kräfte ohnmächtig wird, dann kann man weder den Tod noch die Auferstehung fühlen, dann kann man nie des Angelus Silesius Gedanken erfühlen:

[ 48 ] It is raised up in man when he is conscious of the two poles: powerlessness through the body, resurrection through the spirit. This twofold experience leads to the understanding of the Mystery of Golgotha. It is a happening in regard to which the excuse of lacking faculties of super-sensible perception is invalid. Such faculties are not essential. All that is essential is to be resolute in the practice of self-examination and to have the will to overcome the attitude of self-sufficiency that is so prevalent today, and which prevents man from realising that insistence upon placing reliance solely in his own faculties is a result of pride. A man whose pride renders him incapable of feeling that his own forces can but lead him to powerlessness, will be unable to have the experience either of death or of resurrection; nor will he ever know the reality contained in the thought of Angelus Silesius:

Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.

‘In vain the Cross on Golgotha
Was raised—thou hast not any part
In its deliverance unless
It be raised up within thy heart.’

[ 49 ] Dann aber, wenn wir Ohnmacht und Wiederherstellung aus der Ohnmacht empfinden können, dann tritt für uns der Glücksfall ein, daß wir eine wirklich reale Beziehung zu dem Christus Jesus haben. Denn dieses Erleben ist die Wiederholung desjenigen, was wir Jahrhunderte vorher in der geistigen Welt erlebten. So müssen wir es in seinem Spiegelbild hier in der Seele auf dem physischen Plane suchen. Suchen Sie in sich, und Sie werden finden die Ohnmacht. Suchen Sie, und Sie werden finden, nachdem Sie die Ohnmacht gefunden haben, die Erlösung von der Ohnmacht, die Auferstehung der Seele zum Geist.

[ 49 ] But when we can experience powerlessness and recovery from it, the benediction of actual relationship with Christ Jesus is vouchsafed to us. For this experience is the recovery of what we experienced in the spiritual world hundreds of years before our birth. We must seek here, on the physical plane, for its mirror-image in the soul. Seek within yourselves and you will discover the powerlessness! Seek, and you will find, after the experience of powerlessness, the redemption from it, the resurrection of the soul to the spirit.

[ 50 ] Aber lassen Sie sich nicht beirren in diesem Suchen durch manches, was heute als Mystik oder selbst von gewissen positiven Bekenntnissen aus gepredigt wird. Wenn Harnack zum Beispiel vom Christus spricht, so ist das nicht wahr, was er sagt, aus dem einfachen Grunde, weil dasjenige, was er vom Christus sagt — lesen Sie es durch —, man von dem Gott überhaupt sagen kann. Das kann man ebensogut vom Judengott sagen, das kann man ebensogut vom Gott der Mohammedaner sagen, von allen. Und viele, die heute sogenannte «Erweckte» sein wollen, die sagen: Ich erlebe den Gott in mir —, aber sie erleben eben nur den Vatergott, und den auch nur in einer abgeschwächten Gestalt, weil sie eigentlich nicht bemerken, daß sie krank sind und nur traditionell nachreden. So etwas macht zum Beispiel Johannes Müller. Aber alle diese haben keinen Christus, denn das Christus-Erlebnis besteht nicht aus einem Erleben des Gottes in der Menschenseele, sondern aus den zweien: aus dem Erleben des Todes in der Seele durch den Leib, und der Wiederauferstehung der Seele durch den Geist. Und derjenige, der der Menschheit sagt, daß er nicht bloß den Gott in sich fühlt — wie es auch die bloß rhetorischen Theosophen behaupten —, sondern der reden kann von den zwei Ereignissen, von der Ohnmacht und von der Auferstehung aus der Ohnmacht, der redet von dem wirklichen Christus-Erlebnis. Der aber findet sich auf einem übersinnlichen Wege hin zu dem Mysterium von Golgatha; er findet selbst die Kräfte, die gewisse übersinnliche Kräfte anregen und die ihn hinführen zu dem Mysterium von Golgatha.

[ 50 ] But do not allow yourselves to be misled in these matters by what is put forward today as mysticism or actually preached as a tenet by certain denominations. When Harnack, for example, speaks of the Christ, what he says is not true, for the simple reason that it can equally well apply to God in the general sense. It can be said alike of the God of the Hebrews, of the God of the Mohammedans, of all the other Gods. You will hear many a one who claims to be awakened today, saying: I experience God within me ... but it is the Father God only that such people experience and that in a very weakened form, because they do not realise that they are sick and are speaking merely in accordance with tradition. Johannes Muller is an example of this. But none of these men have found Christ, for the Christ-experience does not consist of the unitary realisation of the Divine, but of the twofold experience of the death in the soul wrought by the body and the resurrection of the soul wrought by the spirit. A man who can say that he feels not only the Divine within him—as mystical theosophists eloquently assert—but can speak of the two experiences—of powerlessness and the resurrection from it—such a man is speaking of the true Christ-experience. And after all, he has found his way to the Mystery of Golgotha along a super-sensible path, he has found within himself the strength whereby certain super-sensible faculties are quickened to life and lead him to the Mystery of Golgotha.

[ 51 ] Man braucht heute wahrhaftig nicht zu verzweifeln daran, in unmittelbarem eigenem Erleben den Christus zu finden, denn man hat ihn gefunden, wenn man sich wiedergefunden hat, aber aus der Ohnmacht heraus. Das ganze Nichtigkeitsgefühl, das uns überkommt, wenn wir über die eigenen Kräfte ohne Hochmut nachdenken, das muß vorausgehen dem Christus-Impuls. Gescheite Mystiker glauben, wenn sie nur sagen können: Ich habe in meinem Ich das höhere Ich, das Gottes-Ich gefunden —, das sei Christentum. Das ist nicht Christentum. Das Christentum muß eben auf dem Satze stehen:

[ 51 ] Verily there is no need today to despair of finding the Christ in immediate experience, for He has been found in very truth when a man has rediscovered his own true being—but always after the realisation of powerlessness. The feeling of futility that comes upon us when, without self-sufficiency, we contemplate our own faculties, must be the preliminary to the experience of the Christ Impulse. When mystics say: I have found in my ego the higher Ego, the Divine Ego ... they believe that this is Christianity. It is by no means so! Christianity must be based on the principle:

Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.

‘In vain the Cross on Golgotha
Was raised—thou hast not any part
In its deliverance unless
It be raised up within thy heart.’

[ 52 ] Man kann schon an den Einzelheiten des Lebens verspüren, wie wahr das ist, was ich sage, und man kann dann aufsteigen von diesen Einzelheiten des Lebens zu dem großen Erlebnis von der Ohnmacht und der Auferstehung aus der Ohnmacht. Meine lieben Freunde, es wäre schön, besonders in unserer Gegenwart, wenn die Menschen zum Beispiel folgendes finden würden. Es ist ganz gewiß eine in den Tiefen der Menschenseelen beruhende Tendenz zur Wahrheit hin, und danach auch, die Wahrheit auszusprechen. Aber gerade wenn wir in dieser Absicht drinnenstehen, die Wahrheit auszusprechen und dann uns selbst besinnen über dieses Aussprechen der Wahrheit, da können wir einen ersten Schritt auf dem Wege tun zu dem Empfinden der Ohnmacht des menschlichen Leibes gegenüber der göttlichen Wahrheit. In dem Augenblicke, wo Sie wirklich Selbstbesinnung treiben über das Die-Wahrheit-Reden, kommen Sie nämlich auf etwas sehr Merkwürdiges. Der Dichter hat es gefühlt, indem er gesagt hat: Spricht die Seele, so spricht, ach! schon die Seele nicht mehr. — Auf dem Wege, wodurch das, was wir innerlich in der Seele als Wahrheit wirklich erleben, zur Sprache wird, stumpft es sich bereits ab. Es ertötet sich in der Sprache noch nicht vollständig, aber es stumpft sich bereits ab. Und der, der die Sprache kennt, der weiß, daß nichts anderes als die Eigennamen, die nur ein Ding immer bezeichnen, rechte Bezeichnungen für dieses Ding sind. Sobald wir generalisiertre Namen haben, seien sie Haupt- oder Zeit- oder Eigenschaftswörter, sprechen wir nicht mehr voll die Wahrheit. Da besteht dann die Wahrheit darinnen, daß wir uns dessen bewußt sind, daß wir im Grunde genommen mit jedem Satze von der Wahrheit abweichen müssen.

[ 52 ] The truth of what I am saying can be felt in detailed occurrences of life and from the consideration of these we can rise to the great experience of powerlessness and of resurrection from it. It would be good, particularly in our own age, if the following were realised. There is undoubtedly in the depths of men's souls a tendency towards truth and, consequently, the urge to speak the truth. But it is just when we are most determined to speak the truth, and then reflect upon how to do it, that we begin to realise the powerlessness of the human body in face of Divine Truth. The moment you practise self-examination in respect of speaking, you will discover a very remarkable fact. The poet felt it when he wrote the words: ‘When the soul speaks, alas, the soul no longer speaks.’ On the way to the point where what we experience in our inmost soul as truth becomes articulate language, truth is already blunted. It is not yet completely killed in spoken language, but it is already blunted. Anyone who understands what language is, knows that proper nouns alone, which relate exclusively to one particular thing, are true designations of that thing. As soon as we use generalised expressions, be they substantives, verbs or adjectives, we are no longer giving utterance to the full truth.

[ 53 ] Geisteswissenschaftlich versucht man aufzuerstehen aus diesem Geständnis: Mit jeder Behauptung sagst du die Unwahrheit —, indem man in einer gewissen Weise vorgeht, die ich Ihnen öfter charakterisiert habe. Ich habe Ihnen öfter gesagt: Nicht so sehr auf das kommt es an in der Geisteswissenschaft, was gesagt wird — denn das würde ebensosehr diesem Ohnmachtsurteil verfallen —, sondern darauf kommt es an, wie es gesagt wird. — Versuchen Sie einmal zu verfolgen — Sie können das auch in meinen Schriften tun —, wie eine jede Sache von den verschiedensten Gesichtspunkten aus charakterisiert wird, wie immer versucht wird, ein Ding von der einen Seite und von der anderen Seite zu charakterisieren. Nur dann kann man sich nähern den Dingen. Derjenige, der nämlich glaubt, daß die Worte selbst etwas anderes sind als eine Eurythmie, der irrt sich gar sehr. Die Worte sind nur eine vom Kehlkopf ausgeführte, von der Luft mitbewirkte Eurythmie. Sie sind bloß Gebärden, nur daß sie nicht mit den Händen und mit den Füßen gemacht werden, die Gebärden, sondern daß sie mit dem Kehlkopf gemacht werden. Wir müssen uns bewußt werden, daß wir nur hindeuten auf irgend etwas, und daß wir nur dann ein richtiges Verhältnis zur Wahrheit gewinnen, wenn wir in dem Worte Hindeutungen auf dasjenige sehen, was wir ausdrücken wollen, und wenn wir als Menschen so miteinander leben, daß wir uns bewußt sind, daß in den Worten Hindeutungen leben. Darauf will unter anderem auch die Eurythmie weisen, die den ganzen Menschen zum Kehlkopf macht, das heißt, durch den ganzen Menschen das ausdrückt, was sonst nur der Kehlkopf ausdrückt, damit die Menschen wiederum verspüren, daß auch, wenn sie die Lautsprache sprechen, sie nur Gebärden machen. Ich sage «Vater», ich sage «Mutter»: Wenn ich alles generalisieren werde, so kann ich mich nur dann wahrhaftig ausdrücken, wenn der andere sich mit mir zusammen im sozialen Element eingelebt hat in diese Dinge, wenn er die Gebärde versteht. Wir erstehen nur dann aus der Ohnmacht, die wir schon der Sprache gegenüber empfinden können, wir feiern daraus die Auferstehung, wenn wir verstehen, daß, indem wir den Mund aufmachen, wir bereits christlich sein müssen. Dasjenige, was geworden ist aus dem Worte, aus dem Logos im Laufe der Entwickelung, es ist nur dann zu verstehen, wenn der Logos wiederum mit dem Christus verbunden wird, wenn wir uns bewußt werden: Unser Leib, indem er das Werkzeug des Aussprechens wird, zwingt die Wahrheit herunter, so daß sie teilweise erstirbt auf unseren Lippen, und wir beleben sie wiederum in Christo, wenn wir uns bewußt werden, daß wir sie vergeistigen müssen, das heißt, den Geist mitdenken, nicht die Sprache als solche hinnehmen, sondern den Geist mitdenken. — Das müssen wir lernen, meine lieben Freunde.

[ 53 ] Truth, then, lies in our conscious realisation that with every sentence we are bound to deviate from truth. In Spiritual Science we endeavour to surmount the admission that with every statement you make you are uttering something that is not wholly true, by proceeding in a way of which I have often spoken. I have said on so many occasions that in Spiritual Science the essential is not so much what is said—for that would always be subject to the risk of ineffectiveness—but how it is said. Try to realise—and you can see this in my own writings—every possible aspect and every possible angle from which any subject can be described, for only in that way can we get near to the truth of things. Those who believe that words themselves are anything other than a Eurythmy, are greatly in error. Words are nothing but Eurythmy brought to expression by the larynx with the help of the air. They are no more than gestures—made with the larynx instead of with the hands or feet.16See the volume Eurythmy as Visible Speech. Fifteen lectures given in Dornach, June/July 1924. We must be fully aware that in using words we merely point to something, and that we have a right relation to the truth only when we regard the words as pointers to what we want to express, and when we bring this consciousness into our common life. One of the purposes of Eurythmy itself is to draw attention to this. In Eurythmy the whole human being is made into a larynx—that is to say, it brings to expression through the whole human being what is otherwise expressed through the larynx only—in order that men shall again become aware that in their articulate language they are merely making gestures. I say: ‘Father’, I say: ‘Mother’ ... but when I use generalised terms I can speak effectively only when the other man has become acquainted in our common social life with the things to which these terms apply, when he understands the gestures. We surmount the ineffectiveness which can be felt in regard to speech and language, we celebrate the resurrection from ineffectiveness, when we realise that the moment we open our lips we must be truly Christian. What the Word, the Logos, has come to be in the course of evolution can be understood only when the Logos is again related to the Christ and we become conscious of the fact that our body, being the instrument for utterance, forces the truth downwards to the point where, on our lips, it undergoes a partial death; we bring truth to life again in Christ when we are conscious that we must spiritualise the words, imbue them with spirit-reality. This means that we must be mindful of the spirit-reality—not take language merely as language, but at the same time ‘think’ the spirit-reality expressed in it. That is what we must learn to do!

[ 54 ] Ich weiß nicht, ob morgen die Zeit das gestatten wird, auch öffentlich auf eine solche Sache aufmerksam zu machen. Ich würde es gerne tun, aber ich will hier zunächst es aussprechen. Wenn ich es morgen noch einmal zu wiederholen hätte, so mögen Sie sich nicht daran stoßen. Ich will hier zunächst sagen, was ich an verschiedenen Orten öffentlich gesagt habe. Sehen Sie, man kann eine merk würdige Entdeckung machen. Ich will das an einem besonderen Fall charakterisieren. Ich habe genau studiert die wirklich sehr interessanten Aufsätze, die Woodrow Wilson geschrieben hat, Vorträge über amerikanische Geschichte, amerikanische Literatur, amerikanisches Leben. Man kann sagen, daß von diesem Woodrow Wilson gerade die amerikanische Entwickelung, wie sie so vor sich geht von dem amerikanischen Osten nach dem Westen, großartig, gewaltig geschildert wird. So ganz als Amerikaner schildert er, und sehr fesselnd sind diese in Aufsätzen wiedergegebenen Vorträge. «Nur Literatur» heißen sie; man lernt das amerikanische Wesen — denn Woodrow Wilson ist der typischeste Amerikaner — dadurch kennen, daß man diese Aufsätze liest. Nun habe ich verglichen — es läßt sich der Vergleich ganz objektiv vornehmen — manches in den Aufsätzen von Woodrow Wilson mit Aussprüchen zum Beispiel von Herman Grimm, einem Mann, der durch und durch typischer Deutscher des 19. Jahrhunderts, typischer Mitteleuropäer des 19. Jahrhunderts ist, ein Mann, der durch seine Schreibweise mir ebenso sympathisch ist, wie Woodrow Wilson mir durch und durch unsympathisch ist. Aber das nur persönlich nebenbei. Ich liebe die Schreibweise von Herman Grimm, und ich empfinde als etwas mir ganz Widerstrebendes die Schreibweise von Woodrow Wilson, aber man kann dabei ganz objektiv sein: Der typische Amerikaner Woodrow Wilson schreibt einfach ganz glänzend, großartig, namentlich über die Entwickelung des amerikanischen Volkes. — Und nun kam etwas anderes in Betracht, indem ich verglichen habe Woodrow Wilson- und Herman Grimm-Aufsätze, wo beide geschrieben haben über die Methode der Geschichte. Man kann Sätze von Woodrow Wilson herübernehmen, sie stimmen fast wörtlich genau überein mit Sätzen, die Herman Grimm geschrieben hat, und man kann Sätze von Herman Grimm herübersetzen in Woodrow Wilsons Aufsätze — sie stimmen ganz überein. — Jede Entlehnung ist ausgeschlossen! Es ist gar keine Rede davon, daß ich auf eine Entlehnung hindeuten will; das ist ganz ausgeschlossen. Hier ist der Punkt, wo man, ohne ins Bourgeoise, Philiströse zu verfallen, so recht lernen kann: Wenn zwei dasselbe sagen, ist es nicht dasselbe. — Denn nun wird es zum Problem: Was ist denn da Merkwürdiges, daß eigentlich viel eindringlicher, viel suggestiver als Herman Grimm in seiner Methode der Geschichte je geschildert hat, Woodrow Wilson seine Amerikaner schildert, und dabei in seiner Schilderung [wie] in Sätzen von Herman Grimm spricht? Woher rührt das? Es wird wirklich zum Problem.

[ 54 ] Now there is a particular example of what I have been saying publicly in different places. I have given close study to extremely interesting essays by Woodrow Wilson—they were addresses on American history, American literature. American life. Woodrow Wilson describes American life in its development from the East to the West of that continent in a really brilliant, most impressive way. His descriptions are those of one who is an American to his very bones, and these addresses, published as essays, are very fascinating. The volume is entitled Mere Literature and other Essays.17First published in 1893. By reading these essays we really get to know the American character, for Woodrow Wilson is the most typical American who could possibly be found. I have compared—and this can be done quite objectively—many passages in these essays with utterances, for example, of Hermann Grimm, who is through and through a typical German, a typical Mid-European, of the nineteenth century—a man whose style of writing I admire as much as I dislike that of Woodrow Wilson. That is merely a personal aside. I love Hermann Grimm's style of writing and I find Woodrow Wilson's style repugnant, but for all that, one can be quite objective. Woodrow Wilson, the typical American, writes brilliantly about the development of the American character. And then something else struck me when I compared essays by him and by Hermann Grimm, in which both of them have written about the methodology of history. Passages of Woodrow Wilson tally exactly, almost literally, with passages of Hermann Grimm; passages of Hermann Grimm can simply be transposed into statements by Woodrow Wilson. There is, of course, no question whatever of plagiarism; I do not for one instant suggest that, for it is absolutely out of the question. But here, without becoming bourgeois or philistine, we can learn that when two men say the same thing, it is not the same! Here is the problem. Is it not remarkable that Woodrow Wilson describes his Americans really much more penetratingly, much more suggestively, than anything described by Hermann Grimm when he is writing of methodology in history, and that yet in his descriptions, Woodrow Wilson uses practically the same passages as Hermann Grimm? What is the explanation? It is a real problem.

[ 55 ] Nun findet man, wenn man sich darauf einläßt, das Folgende. Wenn man Herman Grimms Stil verfolgt, alles, was er geschrieben hat, da sieht man: Jeder Satz ist persönlich individuell erkämpft, von Satz zu Satz alles persönlich individuell erkämpft. Alles geht vor in dem Lichte der Kultur des 19. Jahrhunderts, aber aus der unmittelbarsten Bewußtseinsseele heraus. Glanzvoll schildert Woodrow Wilson, aber von etwas in seinem Unterbewußtsein selber besessen. Eine dämonische Besessenheit ist vorhanden. In seinem Unterbewußstsein ist etwas, das ihm eingibt dasjenige, was er nun hinschreibt. Der Dämon, der natürlich auf eine besondere Art in einem Amerikaner des 20. Jahrhunderts zum Vorschein kommt, der spricht durch seine Seele. Dadurch das Großartige, das Gewaltige.

[ 55 ] When we go into it closely, we find the following answer. In Hermann Grimm's style, in everything he has written, it is obvious that every sentence is the outcome of intense individual struggle; from sentence to sentence, everything has been wrestled for! Everything is a product of nineteenth-century culture, but written out of the Consciousness Soul itself. Woodrow Wilson writes brilliantly, but he is possessed by something in his subconsciousness. It is a case of daimonic possession. There is something in his subconsciousness that inspires into him what he then writes down. It is the daimon who is speaking through his soul—the daimon who naturally manifests in a particular way in an American of the twentieth century. Hence the brilliance, the forcefulness!

[ 56 ] Heute, wo die faule Menschheit so oftmals sagt, wenn sie irgendwo etwas liest: Das habe ich dort und dort auch gelesen —, wo sie nur auf den Inhalt geht, heute ist die Zeit, wo die Menschheit lernen muß, daß es gar nicht mehr so sehr auf den Inhalt ankommt, sondern darauf ankommt, wer etwas sagt; daß man kennen muß den Menschen aus dem, was er sagt, weil die Worte nur Gebärden sind und man kennen muß, wer diese Gebärde macht. Das ist dasjenige, in das sich die Menschheit hineinleben muß. Hier liegt ein furchtbar großes Mysterium des allergewöhnlichsten Lebens vor, meine lieben Freunde. Es ist eben ein Unterschied, ob im persönlichen Ich erkämpft wird Satz für Satz, oder aber, ob es von unten oder von oben oder von seitwärts her in irgendeiner Weise zum Beispiel eingegeben ist. Suggestiver sogar wirkt zum Beispiel das Eingeben, weil man demgegenüber, was erkämpft ist, selbst wiederum sich jeden Satz erkämpfen muß. Und die Zeit nähert sich, wo man nicht mehr auf den bloßen wortwörtlichen Inhalt dessen, was man vor der Seele hat, wird zu sehen haben, sondern wo man wird zu sehen haben vor allen Dingen auf diejenigen, die das oder jenes sagen; nicht auf die äußere physische Persönlichkeit, sondern auf den ganzen menschlich-geistigen Zusammenhang.

[ 56 ] Today, lazy people, concerning themselves with the content of words only, often say when they read something: ‘I have read this before somewhere or other.’ They must learn to realise that what is of real importance is not the content of what is said, but who it is who is speaking; to realise that the man must be recognised from what he says, because the words are only gestures and the real point is to know who is making these gestures. That is what humanity must come to realise. Here we have a great mystery of everyday life. It makes all the difference whether each sentence is the outcome of intense struggle on the part of the personal Ego or has been ‘inspired’ in some way either from below, or from above, or from one side or another. The power of suggestion is actually the greater in what has been inspired in this way, because in reading what has been the outcome of struggle, we ourselves have to wrestle with it. The time is approaching when the primary importance must no longer be attached to the purely literal content of what is before us, but above all to who is saying this or that—I do not mean only the actual physical personality, but the whole human-spiritual setting.

[ 57 ] Wenn die Menschen heute fragen: Wie finde ich den Christus? —, dann muß man eine solche Antwort geben, denn der Christus läßt sich nicht durch irgendeine Spintisiererei oder durch eine bequeme Mystik erlangen, sondern er läßt sich nur erlangen, wenn man den Mut hat, sich unmittelbar in das Leben hineinzustellen. Und in einem solchen Falle müssen Sie auch der Sprache gegenüber die Ohnmacht fühlen, in die der Leib Sie versetzt hat dadurch, daß er der Träger der Sprache wird; und nachher die Auferstehung des Geistes in dem Worte. Das ist es. Nicht nur: «Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig», welcher Ausspruch ja auch vielfach mißverstanden wird, sondern schon der Laut tötet, und der Geist muß erst wieder lebendig machen, indem man konkret im einzelnen Erleben an den Christus und an das Mysterium von Golgatha anknüpft. In diesem ersten Schritte findet man den Christus: Suchen, nicht bloß, wenn da oder dort schöne Worte stehen, auf ihren Inhalt schauen — heute sind die Menschen das gewöhnt —, sondern suchen nach den menschlichen Zusammenhängen, suchen, wie die Worte hervorkommen aus dem Orte, von dem her sie gesprochen sind. Immer wichtiger und wichtiger wird das. Wenn gerade manche unter uns dies bedenken würden, würden wir nicht so oft es erleben, daß Leute kommen und sagen: Der hat ja ganz anthroposophisch oder theosophisch gesprochen; man lese das nur einmal nach! — Darauf kommt es nicht an, was da für Worte stehen, sondern, aus welchem Geiste heraus sie sind. Nicht Worte wollen wir mit der Anthroposophie verbreiten, sondern einen neuen Geist, den Geist allerdings, der der Geist des Christentums vom 20. Jahrhundert ab sein muß.

[ 57 ] When people ask today: How can I find the Christ?—we must answer them in this sense, for they will not reach the Christ through cogitation, however subtle it may be, but only when they have the courage to enter with their whole being into the experiences of daily life. Even in regard to language you must feel the powerlessness caused by the body because it is the vehicle of language—and then, afterwards, you must feel the resurrection of the spirit in the word. ‘The letter killeth, the spirit maketh alive’ is one of those utterances that have often been misunderstood. The ‘letter’ (the articulated sound) does kill and the ‘spirit’ must be made living again, in that as an actual experience of his own, man links himself with the Christ and with the Mystery of Golgotha. This is a first step towards finding the Christ. Seek therefore always for the human setting in which words are used, do not think only about their content—as is the custom today. Think of how the words come forth from the source whence they are uttered. If many among us would be mindful of this, we should not so often find people saying: ‘So-and-so spoke quite “anthroposophically”, or “theosophically”—just read what he says!’ I repeat—the actual words themselves are not the essential; the essential is out of what spirit they were uttered. It is not words that we want to spread through Anthroposophy, but a new spirit, the spirit which from the twentieth century onwards must be that of a Christ-ruled world.

[ 58 ] Das, meine lieben Freunde, wollte ich noch anknüpfen. Ich bin glücklich, daß ich es anknüpfen konnte an dasjenige, was ich vor acht Tagen hier ausgeführt habe, und daß ich wiederum zu Ihnen von diesen uns alle berührenden Angelegenheiten sprechen konnte, und ich hoffe, daß wir in kürzester Zeit einmal wiederum auch diese Zweigbetrachtungen hier in Zürich fortsetzen können. In diesem Sinne denken wir ja immer daran, wenn wir auch räumlich voneinander getrennt sind: Wir sind als Anthroposophen in den Seelen beisammen, und in diesem Sinne wollen wir immer in dem Geiste der Menschheit, der da walten und wirken soll, getreu auch beisammen bleiben.

[ 58 ] Not translated