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Death as a Transformation of Life
GA 182

16 October 1918, Zurich

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7. Wie finde Ich den Christus?

7. How Do I Find Christ?

[ 1 ] In Anknüpfung an die Betrachtungen, die wir in der vorigen Woche hier angestellt haben über die Teilnahme an der geistigen Welt, welche die menschliche Seele gegen die Zukunft hin erstreben muß, möchte ich heute etwas genauer gerade über verschiedene Dinge sprechen, die zusammenhängen mit jener Art des Erlebens des Christus-Mysteriums, welches ja durch solche Ideale, spirituelle Ideale, wie ich sie neulich besprochen habe, vorbereitet werden soll.

[ 1 ] Following up on the reflections we shared here last week regarding participation in the spiritual world—which the human soul must strive toward in the future— I would like to speak in a little more detail today about various aspects related to that particular way of experiencing the Christ Mystery, which is to be prepared through such spiritual ideals as I discussed recently.

[ 2 ] Wenn wir geisteswissenschaftlich heute den Menschen betrachten — das ist zunächst eine Mitteilung, die aber im weiteren Verlauf unserer heutigen Betrachtung manche Beleuchtung noch erfahren wird —, also wenn wir geisteswissenschaftlich, wie wir das mit den Mitteln der heutigen Geisteswissenschaft können, den Menschen in seinem Seelenleben betrachten, so können wir sagen, daß in diesem Seelenleben, insofern es auf der einen Seite zusammenhängt mit dem leiblichen Leben, auf der anderen Seite mit dem geistigen Leben, sich ein Dreifaches abspielt, eine dreifache Hinneigung zu der übersinnlichen Welt. Diese dreifache Hinneigung zu der übersinnlichen Welt muß eigentlich dann verleugnet werden, wenn man überhaupt nichts von der übersinnlichen Welt wissen will. Der Mensch hat eine Hinneigung, das zu erkennen, was man das Göttliche im allgemeinen nennen kann. Eine zweite Hinneigung hat er — wir sprechen natürlich immer von dem Menschen im gegenwärtigen Entwickelungszyklus —, den Christus zu erkennen. Und eine dritte Hinneigung, zu erkennen dasjenige, was gewöhnlich der Geist oder auch der Heilige Geist genannt wird.

[ 2 ] When we view human beings today from the perspective of the humanities—this is, to begin with, a statement that will, however, be further illuminated as our discussion progresses today— that is, when we view human beings from a spiritual scientific perspective—as we are able to do with the tools of modern spiritual science—in terms of their soul life, we can say that within this soul life, insofar as it is connected on the one hand to physical life and on the other to mental life, a threefold process takes place: a threefold inclination toward the supersensible world. This threefold inclination toward the supersensible world must actually be denied if one wishes to know nothing at all about the supersensible world. Human beings have an inclination to recognize what is generally called the divine. They have a second inclination—we are, of course, always speaking of human beings in the present cycle of development—to recognize Christ. And they have a third inclination to recognize that which is usually called the Spirit or the Holy Spirit.

[ 3 ] Mit Bezug auf alle diese drei Hinneigungen wissen Sie, daß es Menschen gibt, die sie verleugnen. Man hat hinlänglich erlebt, gerade im Laufe des 19. Jahrhunderts, wo die Dinge wenigstens innerhalb der europäischen Kultur auf die Spitze getrieben worden sind, daß die Leute das Göttliche in der Welt überhaupt abgeleugnet haben.

[ 3 ] With regard to all three of these inclinations, you know that there are people who deny them. It has been amply demonstrated, particularly during the 19th century—when things were taken to extremes, at least within European culture—that people have denied the divine in the world altogether.

[ 4 ] Nun kann man geisteswissenschaftlich fragen — da innerhalb der Geisteswissenschaft an dem Göttlichen, das, wenn wir so sagen dürfen, im Übersinnlichen wohnt, nicht gezweifelt werden kann —: Was bringt den Menschen dazu, das Göttliche überhaupt, dasjenige, was in der Trinität der Vatergott genannt wird, abzuleugnen? — Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß in jedem solchen Falle, wo der Mensch ableugnet den Vatergott, also ein Göttliches überhaupt in der Welt, jenes Göttliche, das zum Beispiel auch in der israelitischen Religion anerkannt wird, ein wirklicher, echter physischer Defekt, eine physische Erkrankung, ein physischer Mangel im Menschenleibe stattfindet. Atheist sein, heißt für den Geisteswissenschafter, in irgendeiner Beziehung krank sein. Natürlich ist es eine Krankheit, die die Ärzte nicht kurieren; sie sind selbst sehr häufig an dieser Krankheit leidend, einer Krankheit, die auch nicht als solche von der heutigen Medizin anerkannt ist. Aber es ist eine Krankheit, die die Geisteswissenschaft im Menschen findet, wenn der Mensch dasjenige ableugnet, was er jetzt nicht durch seine Seelen-, sondern durch seine Leibeskonstitution fühlen muß. Leugnet er das ab, was ihm ein gesundes Gefühl seines Leibes eingibt, daß ein Göttliches die Welt durchzieht, so ist er nach geisteswissenschaftlichen Begriffen krank, leiblich krank.

[ 4 ] Now, from a spiritual scientific perspective—since within spiritual science there can be no doubt about the Divine, which, if we may say so, dwells in the supersensible—one might ask: What leads human beings to deny the Divine in the first place, that which is called the Father God in the Trinity? — Here spiritual science shows us that in every such case where a person denies the Father God—that is, denies the existence of the Divine in the world altogether, including that Divine which is recognized, for example, in the Israelite religion—a real, genuine physical defect, a physical illness, or a physical deficiency occurs in the human body. For the spiritual scientist, being an atheist means being sick in some respect. Of course, it is an illness that doctors cannot cure; they themselves very often suffer from this illness, an illness that is not even recognized as such by modern medicine. But it is an illness that spiritual science finds in a person when that person denies what he must now feel—not through his soul, but through his physical constitution. If he denies what a healthy sense of his body tells him—that something divine pervades the world—then, according to spiritual scientific concepts, he is ill, physically ill.

[ 5 ] Es gibt dann sehr viele Leute, welche den Christus ableugnen. Die Ableugnung des Christus muß die Geisteswissenschaft betrachten als etwas, was eigentlich eine Schicksalsfrage ist und das menschliche Seelenleben betrifft. Den Christus ableugnen muß die Geisteswissenschaft ein Unglück nennen; Gott ableugnen eine Krankheit, Christus ableugnen ein Unglück. Den Christus finden können, ist gewissermaßen eine Schicksalssache, ist gewissermaßen etwas, was in das Karma des Menschen hereinspielen muß. Es ist ein Unglück, zu dem Christus keine Beziehung zu haben. Den Geist oder den Heiligen Geist ableugnen, bedeutet eine Stumpfheit des eigenen Geistes. Der Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. In bezug auf alle drei kann er einen Defekt haben. Einen physischen wirklichen Krankheitsdefekt gibt es beim Atheismus gegenüber dem Göttlichen. Im Leben nicht zu finden jene Anknüpfung an die Welt, welche uns den Christus erkennen läßt, das ist ein Unglück. Den Geist in seinem eigenen Inneren nicht finden können, ist eine Stumpfheit, in gewissem Sinne ein Idiotismus, wenn auch ein feinerer und wiederum eben nicht anerkannter Idiotismus.

[ 5 ] There are then a great many people who deny Christ. Spiritual science must regard the denial of Christ as something that is essentially a matter of destiny and concerns the life of the human soul. Spiritual science must call the denial of Christ a misfortune; the denial of God a disease, the denial of Christ a misfortune. Being able to find Christ is, in a sense, a matter of destiny; it is, in a sense, something that must play a role in a person’s karma. It is a misfortune to have no connection to Christ. To deny the Spirit or the Holy Spirit signifies a dullness of one’s own spirit. A human being consists of body, soul, and spirit. A person can have a defect in relation to all three. Atheism represents a real, physical defect of illness in relation to the divine. Failing to find in life that connection to the world which allows us to recognize Christ is a misfortune. Being unable to find the spirit within oneself is a dullness, in a certain sense a form of idiocy—albeit a more subtle one that, in turn, goes unrecognized.

[ 6 ] Nun handelt es sich darum, die Frage aufzuwerfen: Wie findet der Mensch den Christus? — Und gerade über das Finden des Christus wollen wir heute sprechen, jenes Finden des Christus, welches im Verlaufe des Lebens durch die eigene Menschenseele geschehen kann. Man hört oftmals von Seelen, die wirklich ernst suchende Seelen sind, die Frage: Wie finde ich den Christus? — Beschäftigen kann man sich mit dieser Frage, wenn man für sie eine verständnisvolle Antwort haben will, allerdings nur dadurch, daß man dieselbe in einem gewissen historischen Zusammenhange betrachtet. Wir wollen einen geschichtlichen Zusammenhang vor unsere Seele hinstellen, der uns dann zuletzt in den heutigen Betrachtungen zur Beantwortung dieser Frage: Wie finde ich den Christus? — führen wird.

[ 6 ] Now the question arises: How does a person find Christ? — And it is precisely this finding of Christ that we want to discuss today—that finding of Christ which can take place within one’s own human soul over the course of a lifetime. One often hears this question from souls who are truly earnest seekers: How do I find Christ? — However, if one wishes to find a meaningful answer to this question, one can only do so by considering it within a certain historical context. Let us place a historical context before our souls, one that will ultimately lead us, in today’s reflections, to an answer to this question: How do I find Christ? —

[ 7 ] Wir wissen, unser gegenwärtiger geschichtlicher Zeitraum begann, geisteswissenschaftlich betrachtet, im 15. Jahrhundert. Man kann, wenn man eine mittlere Zahl angeben will, das Jahr 1413 angeben. Aber man kann, wenn man auf solche Zahlenangaben sich nicht einlassen will, eben sagen: Im 15. Jahrhundert wurde das Seelenleben der Menschheit so, wie es heute ist. — Wenn man das nicht zugibt in der neueren Geschichte, so ist der Grund davon nur der, daß die neuere Geschichte eben auch nur äußere Tatsachen betrachtet und gar keine Ahnung hat, in ihrer Natur als Fable convenue keine Ahnung davon hat, daß, sobald man hinter das 15. Jahrhundert zurückkommt, die Menschen anders dachten, anders fühlten, aus ihren Impulsen heraus anders handelten, radikal verschieden waren in ihrem Seelenleben von dem Seelenleben der gegenwärtigen Menschen. Der Zeitraum, der damals abschloß, 1413, begann 747 vor Christus, also im 8. vorchristlichen Jahrhunderte, so daß wir dasjenige, was wir geisteswissenschaftlich die griechisch-lateinische Kulturperiode nennen, zählen von 747 vor Christus bis 1413. In diesem Zeitraum spielte sich, wie wir ja wissen, und zwar ungefähr im ersten Drittel dieses Zeitraumes, das Mysterium von Golgatha ab. Nun, dieses Mysterium von Golgatha, es war, wie Sie wissen, für viele Menschen durch Jahrhunderte hindurch der Angelpunkt ihres ganzen Fühlens, ihres ganzen Denkens. Dieses Mysterium von Golgatha ist insbesondere gefühlsmäßig von der Seele erfaßt worden in denjenigen Zeiten, welche der neueren Zeit, dem 15., 16. Jahrhunderte und so weiter, vorangegangen sind. Dann begann diejenige Epoche, in der man anfing, die Evangelien in den weiten Kreisen des Volkes zu lesen. Dann begann aber auch der Streit, ob die Evangelien wirklich historische Urkunden sind. Und dieser Streit, Sie wissen es, ist bis in unsere Tage herein auf die Spitze getrieben worden. Wir wollen uns heute nicht mit den einzelnen Phasen dieses Streites, der ja insbesondere in den Kreisen der protestantischen Theologie eine so große Rolle spielt, befassen, wir wollen nur dasjenige vor unsere Seele rücken, was heute gesagt werden kann in bezug auf das, was man mit diesem Streit über das Mysterium von Golgatha eigentlich will.

[ 7 ] We know that, from a spiritual-scientific perspective, our current historical period began in the 15th century. If one wishes to give a rough figure, one could cite the year 1413. But if one does not wish to get bogged down in such specific dates, one can simply say: In the 15th century, the inner life of humanity became what it is today. — If this is not acknowledged in modern history, the reason is simply that modern history considers only external facts and, by its very nature as a “fable convenue,” has no inkling whatsoever that, as soon as one goes back beyond the 15th century, people thought differently, felt differently, acted differently based on their impulses, and were radically different in their inner lives from the inner lives of people today. The period that came to an end in 1413 began in 747 B.C., that is, in the 8th century B.C., so that what we call, in spiritual science, the Greco-Latin cultural period spans from 747 B.C. to 1413. As we know, the Mystery of Golgotha took place during this period—specifically, in roughly the first third of it. Now, this Mystery of Golgotha, as you know, was for many people over the centuries the linchpin of their entire feeling life and their entire thinking. This Mystery of Golgotha was grasped by the soul, particularly on an emotional level, in the times that preceded the modern era—the 15th, 16th centuries, and so on. Then began the era in which people started reading the Gospels among the broader masses. But then also began the controversy over whether the Gospels are truly historical documents. And this controversy, as you know, has been taken to extremes right up to the present day. Today we do not wish to deal with the individual phases of this controversy—which, after all, plays such a major role particularly in the circles of Protestant theology—but we simply wish to bring to the forefront of our consciousness what can be said today regarding the true purpose of this controversy surrounding the Mystery of Golgotha.

[ 8 ] Man hat sich gewöhnt im materialistischen Zeitalter, alles auf materialistische Art bewiesen haben zu wollen. In der Geschichte nennt man «bewiesen» dasjenige, was durch Dokumente belegt ist. Wo man Akten findet, da nimmt man an, daß ein historisches Ereignis, von dem diese Akten sprechen, wirklich geschehen ist. Solche Beweiskraft könnte man wahrscheinlich den Evangelien nicht zuschreiben. Sie wissen aus meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», was die Evangelien sind. Sie sind alles andere als historische Urkunden, sie sind Inspirationsbücher, Initiationsbücher. Man hat sie früher für historische Urkunden gehalten; nun ist man darauf gekommen durch wirkliche Forschung, daß sie keine historischen Urkunden sind. Man hat auch herausgefunden, daß alle übrigen Dokumente, die in der Bibel stehen, keine historischen Urkunden sind. Und ein anerkannter Theologe, ein zu Unrecht anerkannter Theologe, Adolf Harnack, hat als Ergebnis der neueren Bibelforschung festgestellt, daß dasjenige, was man historisch über die Persönlichkeit des Christus Jesus wissen könne, auf einem Quartblatte zusammengeschrieben werden kann. Daran ist nur das eine richtig, wenn ich mich so paradox ausdrücken darf, daß das auch nicht wahr ist, daß das, was man auf dieses Quartblatt schreiben würde, historisch auch nicht haltbar ist! Wahr ist daran nur, daß es überhaupt keine wirklich haltbaren Urkunden über das Mysterium von Golgatha gibt. Wenn man als Geschichtsforscher heute frägt: Kann man das Mysterium von Golgatha historisch beweisen? —, so muß man vom Standpunkte der heutigen Geschichtsforschung sagen: Es läßt sich nicht äußerlich beweisen.

[ 8 ] In this materialistic age, people have become accustomed to wanting everything to be “proven” in a materialistic way. In history, something is called “proven” if it is supported by documents. Where records are found, it is assumed that the historical event described in those records actually took place. Such evidential value could probably not be attributed to the Gospels. You know from my book Christianity as a Mystical Fact what the Gospels are. They are anything but historical documents; they are books of inspiration, books of initiation. They were once regarded as historical documents; now, through genuine research, it has been realized that they are not historical documents. It has also been discovered that all the other documents contained in the Bible are not historical records. And a renowned theologian—a theologian who is wrongly regarded as such—Adolf Harnack, concluded as a result of recent biblical research that everything one can know historically about the person of Jesus Christ could be written down on a single sheet of paper. The only thing that is correct about this—if I may put it in such paradoxical terms—is that even that is not true; that what one would write on that quarter-sheet is not historically tenable either! The only truth in this is that there are no truly reliable historical documents regarding the Mystery of Golgotha. If, as a historian today, one asks: “Can the Mystery of Golgotha be historically proven?”—then, from the standpoint of contemporary historical research, one must say: It cannot be proven by external evidence.

[ 9 ] Dies aber hat gerade seinen guten Grund. Das Mysterium von Golgatha soll sich, ich möchte sagen, nach den Ratschlüssen der göttlichen Weisheit, nicht äußerlich-materialistisch beweisen lassen, aus dem einfachen Grunde, weil das Mysterium von Golgatha als die wichtigste Tatsache, die im Erdengeschehen sich ereignet hat, nur auf eine übersinnliche Weise erschaubar sein soll. Derjenige, der da will einen äußerlich-materialistischen Beweis finden, der findet ihn eben nicht, sondern er findet zuletzt durch seine Kritik heraus, daß es keinen solchen gibt. Es soll die Menschheit vor die Entscheidung gestellt werden, gerade dem Mysterium von Golgatha gegenüber sich zu gestehen: Ich muß zum Übersinnlichen meine Zuflucht nehmen, oder ich kann so etwas wie das Mysterium von Golgatha überhaupt nicht finden. — Das Mysterium von Golgatha soll gewissermaßen die Menschenseele zwingen, aus allen sinnlichen Beweisen heraus den Weg ins Übersinnliche zu finden. Es hat also seinen guten Grund, daß das Mysterium von Golgatha weder naturwissenschaftlich noch irgendwie sonst historisch zu beweisen ist. Das wird gerade das Bedeutungsvolle sein der neueren Geisteswissenschaft, daß, wenn alle äußere Wissenschaft, alle bloß auf das Sinnenfällige gestützte Wissenschaft sich wird gestehen müssen, daß sie zum Mysterium von Golgatha keinen Zugang mehr hat, wenn selbst die Theologie, insoferne sie kritisch ist, unchristlich sich gebärden wird, die Geisteswissenschaft es sein wird, welche die Menschen zum Mysterium von Golgatha hinzuführen hat, aber auf einem übersinnlichen Wege, den wir ja öfter beschrieben haben.

[ 9 ] But there is a very good reason for this. The Mystery of Golgotha—I would say, in accordance with the decrees of divine wisdom—is not meant to be proven in an external, materialistic way, for the simple reason that the Mystery of Golgotha, as the most important event that has ever taken place on Earth, is meant to be comprehensible only in a supersensible way. Anyone who seeks external, materialistic proof will not find it; rather, through their own critical inquiry, they will ultimately discover that no such proof exists. Humanity is to be placed before the decision, precisely in the face of the Mystery of Golgotha, to admit to itself: “I must take refuge in the supersensible, or I cannot find anything like the Mystery of Golgotha at all.” — The Mystery of Golgotha is meant, so to speak, to compel the human soul to find the path to the supersensible beyond all sensory evidence. There is, therefore, a good reason why the Mystery of Golgotha cannot be proven either scientifically or historically in any other way. This will be precisely the significance of modern spiritual science: that when all external science—all science based solely on the sensory—must admit that it no longer has access to the Mystery of Golgotha, and when even theology, insofar as it is critical, behaves in an unchristian manner, it will be spiritual science that must lead people to the Mystery of Golgotha—but along a supersensible path, which we have, after all, described on several occasions.

[ 10 ] Nun können wir uns fragen: Wie war die Menschheitssituation, als das Mysterium von Golgatha in den vierten nachatlantischen, in den griechisch-lateinischen Kulturzeitraum hereinfiel? — Nun, Sie wissen, was dieser Zeitraum bedeutet. Die Menschheit entwickelt sich im Laufe der Zeit so, daß sie gewissermaßen auch durchmacht die verschiedenen Glieder der menschlichen Natur. Sie wissen, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit, die dem Jahr 747 vor Christus vorangegangen ist, wurde der Mensch eingeführt durch seine Entwickelung in das, was man die Empfindungsseele nennt; in der griechisch-lateinischen Zeit nun in die Verstandes- oder Gemütsseele, und seit dem Jahre 1413, in unserer fünften nachatlantischen Zeit, in die sogenannte Bewußtseinsseele. So daß wir sagen können: Das Wesen der griechisch-lateinischen Kultur von 747 vor Christus bis 1413 besteht darin, daß die Menschheit erzogen wird — wenn wir diesen Lessingschen Ausdruck gebrauchen dürfen — zum freien Gebrauch der Verstandes- oder Gemütsseele.

[ 10 ] Now we may ask ourselves: What was the state of humanity when the Mystery of Golgotha entered the fourth post-Atlantean, Greek-Latin cultural epoch? — Well, you know what this epoch signifies. Humanity develops over time in such a way that it, so to speak, also passes through the various aspects of human nature. You know that in the Egyptian-Chaldean era, which preceded the year 747 B.C., human beings were led, through their development, into what is called the feeling soul; in the Greco-Latin period, into the intellectual or emotional soul; and since the year 1413, in our fifth post-Atlantean epoch, into the so-called conscious soul. Thus we can say: The essence of Greek-Latin culture from 747 BC to 1413 consists in humanity being educated—if we may use this expression of Lessing’s—to the free use of the intellectual or emotional soul.

[ 11 ] Fragen wir uns nun einmal: Wann war die Mitte dieses Zeitraumes? — Die Mitte, denn nicht wahr, wir können annehmen: Wenn von 747 vor dem Mysterium von Golgatha bis 1413 dieser Zeitraum dauerte, so hatte er eine Mitte, wo sich sozusagen bis zu diesem Zeitpunkt hin in zunehmender Art diese Verstandes- oder Gemütsseele entwickelt hatte und dann sich in absteigender Art entwickelte. Dieser Zeitpunkt — Sie können dies leicht ausrechnen — ist das Jahr 333 nach der Geburt des Christus Jesus. 333 ist also ein sehr wichtiger Zeitraum der Menschheitsentwickelung, die Mitte der griechisch-lateinischen Kulturzeit. 333 Jahre vor dieser Mitte liegt die Geburt des Christus Jesus, liegt also dasjenige, was zum Mysterium von Golgatha führte.

[ 11 ] Let’s ask ourselves: When was the midpoint of this period? — The midpoint—for, after all, we can assume: If this period lasted from 747 before the Mystery of Golgotha until 1413, then it had a midpoint at which, so to speak, the intellectual or emotional soul had developed in an ascending manner up to that point and then began to develop in a descending manner. This point in time—you can easily calculate this—is the year 333 after the birth of Christ Jesus. Thus, 333 is a very important period in human development, the midpoint of the Greco-Latin cultural era. The birth of Christ Jesus occurred 333 years before this midpoint; that is, the event that led to the Mystery of Golgotha.

[ 12 ] Wir können die ganze Menschheitssituation nur dann richtig würdigen, wenn wir uns fragen: Was wäre nun geschehen, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre? — Dann können wir recht würdigen, was das Mysterium von Golgatha für die Menschheit für einen Wert hat, wenn wir fragen, was geschehen wäre, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre. Natürlich wäre dann die Menschheit ohne das Mysterium von Golgatha nur durch die eigenen elementarischen Kräfte zu der Mitte des vierten nachatlantischen Zeitraumes im Jahre 333 gekommen. Sie hätte aus sich selber heraus alle die Fähigkeiten entwickelt, die der Verstandes- oder Gemütsseele angehören. Die hätte sie dann gehabt in den nächsten Jahrhunderten.

[ 12 ] We can only truly appreciate the entire human condition if we ask ourselves: What would have happened if the Mystery of Golgotha had not taken place? — We can truly appreciate the value of the Mystery of Golgotha for humanity when we ask what would have happened if the Mystery of Golgotha had not taken place. Of course, without the Mystery of Golgotha, humanity would have reached the middle of the fourth post-Atlantean epoch in the year 333 solely through its own elemental forces. It would have developed from within itself all the faculties belonging to the intellectual or emotional soul. It would then have possessed these faculties in the centuries that followed.

[ 13 ] Das wurde wesentlich dadurch geändert, daß das Mysterium von Golgatha eintrat. Es geschah etwas ganz anderes eben, als sonst geschehen wäre, und es geschah etwas gewaltig anderes. Wenn wir hinblicken auf das Mysterium von Golgatha, dann können wir, um dieses besondere Ereignis, das der ganzen Erde einen Sinn gibt, zu charakterisieren, gerade den Gesichtspunkt als den allerwichtigsten anschauen, daß nur ein übersinnlicher Zugang zu dem Mysterium von Golgatha ist, daß man nur auf übersinnlichem Weg zu ihm kommt.

[ 13 ] This was fundamentally changed by the occurrence of the Mystery of Golgotha. Something entirely different happened than would otherwise have happened, and it was something profoundly different. When we look at the Mystery of Golgotha, in order to characterize this special event—which gives meaning to the entire earth—we can regard as the most important point of view precisely that there is only a supersensible approach to the Mystery of Golgotha, that one can reach it only by a supersensible path.

[ 14 ] Woran liegt das eigentlich? Das liegt daran, daß der Mensch, trotzdem er im vierten nachatlantischen Zeitraum, gegen das Jahr 333 zu, sich näherte der höchsten Blüte der Verstandes- oder Gemütsseele, daß der Mensch zwischen Geburt und Tod in seinem physischen Leben überhaupt weit davon entfernt war, die Natur des Mysteriums von Golgatha mit gewöhnlichen menschlichen Kräften zu verstehen. Das, worauf es ankommt, ist, daß wir uns [zwar] entwickeln können und steinalt werden können: mit den Kräften, die wir infolge unserer Leibesentwickelung zwischen Geburt und Tod in uns zur Entfaltung bringen, können wir das Mysterium von Golgatha nicht begreifen.

[ 14 ] Why is that, actually? It is because, even though humanity was approaching the highest flowering of the intellectual or emotional soul in the fourth post-Atlantean epoch, around the year 333, humanity was, in its physical life between birth and death, still far from being able to comprehend the nature of the Mystery of Golgotha with ordinary human powers. What matters is that, [although] we can develop and live to a very old age, we cannot comprehend the Mystery of Golgotha with the powers we develop within ourselves between birth and death as a result of our physical development.

[ 15 ] Daher kam es auch, daß auch die Zeitgenossen, die den Christus Jesus liebenden Zeitgenossen, die Jünger, die Apostel nur dadurch verstehen konnten, soweit sie es verstehen sollten, wie es stand mit dem Christus Jesus, den sie umgaben, daß sie in gewissem Sinne mit atavistischem Hellsehen, wie ich öfter gesagt habe, ausgestattet waren und durch ihr atavistisches Hellsehen eine Ahnung hatten von dem, der unter ihnen herumging. Aber durch die eigenen menschlichen Kräfte hatten sie das nicht. Und dann schrieben sie auch die Evangelien nieder, die Evangelienschreiber, indem sie zu Hilfe nahmen alte Mysterienbücher. Sie schrieben sie, diese mächtigen Evangelien, aus der alten atavistischen Hellseherkraft heraus, nicht aus den Kräften, die sich bis dahin auf naturgemäße Weise, aus naturgemäßen menschlichen Kräften entwickelt hatten.

[ 15 ] That is why even the contemporaries—those who loved Christ Jesus— the disciples, the apostles—could understand, to the extent that they were meant to, the nature of Christ Jesus whom they surrounded, was that they were, in a certain sense, endowed with atavistic clairvoyance, as I have often said, and through their atavistic clairvoyance had a sense of the One who walked among them. But they did not possess this through their own human powers. And then the Gospel writers also recorded the Gospels by drawing upon ancient mystery texts. They wrote these powerful Gospels out of the ancient atavistic clairvoyant power, not out of the powers that had developed up to that point in a natural way, from natural human powers.

[ 16 ] Aber die Menschenseele entwickelt sich weiter, auch nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Diese Menschenseele, die sich weiter entwickelt, auch nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, wächst in ihren Verständniskräften auch nach dem Tode; sie lernt immer mehr und mehr verstehen.

[ 16 ] But the human soul continues to develop even after it has passed through the gate of death. This human soul, which continues to develop even after passing through the gate of death, grows in its powers of understanding even after death; it learns to understand more and more.

[ 17 ] Nun liegt das Eigentümliche vor, daß die Zeitgenossen des Christus, die sich durch ihre Liebe zu dem Christus vorbereitet hatten für ein Leben in Christo nach dem Tode, daß diese aus eigenen menschlichen Kräften voll das Mysterium von Golgatha eigentlich erst begriffen im 3. Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha. Also diejenigen, die mit dem Christus als seine Jünger und Apostel zugleich gelebt haben, die starben dann, lebten weiter in der geistigen Welt, und indem sie in der geistigen Welt lebten, wuchsen ihre Kräfte, geradeso wie sie hier wachsen. Nun sind wir beim Tode nicht so weit, daß wir solches Verständnis haben, wie wir es zwei Jahrhunderte nach dem Tode haben. Die Zeitgenossen waren eigentlich erst im 2. Jahrhundert, gegen das 3. Jahrhundert zu, so weit, daß sie dann in dem geistigen Reich, das der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchlebt, von sich selbst aus zu dem Verständnis dessen kamen, was sie vor zwei bis drei Jahrhunderten hier auf der Erde erlebt hatten. Und dann inspirierten sie von der geistigen Welt aus diejenigen Menschen, die hier unten auf der Erde waren.

[ 17 ] Now, the peculiar thing is that Christ’s contemporaries—who, through their love for Christ, had prepared themselves for a life in Christ after death—did not truly comprehend the Mystery of Golgotha in its fullness through their own human powers until the 3rd century after the Mystery of Golgotha. In other words, those who lived with Christ as both his disciples and apostles—who then died and continued to live in the spiritual world—saw their powers grow as they lived in the spiritual world, just as they grow here. Now, at the time of death, we are not yet at the point where we possess the same understanding that we have two centuries after death. It was not until the 2nd century, toward the end of the 3rd century, that his contemporaries had reached the point where, in the spiritual realm that a person experiences between death and a new birth, they came to understand on their own what they had experienced here on Earth two to three centuries earlier. And then, from the spiritual world, they inspired those people who were down here on Earth.

[ 18 ] Lesen Sie von diesem Gesichtspunkte aus dasjenige, was die sogenannten Kirchenväter im 2., 3. Jahrhunderte, als die Inspiration im rechten Sinne anfing, geschrieben haben, dann werden Sie darauf kommen, wie man verstehen kann, was von den Kirchenvätern geschrieben worden ist über den Christus Jesus. Dasjenige, was von den toten Zeitgenossen des Christus Jesus inspiriert worden ist, das hat man im 3. Jahrhunderte angefangen zu schreiben. Eine merkwürdige Sprache führen diese Menschen im 3. Jahrhundert über den Christus Jesus, eine Sprache, die zum Teil für den heutigen Menschen — wir werden gleich nachher über diesen heutigen Menschen sprechen — recht unverständlich ist.

[ 18 ] Read, from this perspective, what the so-called Church Fathers wrote in the 2nd and 3rd centuries—when inspiration in the true sense began—and you will come to understand what the Church Fathers wrote about Christ Jesus. What was inspired by the deceased contemporaries of Christ Jesus began to be written down in the 3rd century. These people of the 3rd century used a peculiar language when speaking about Christ Jesus—a language that is, in part, quite incomprehensible to people today—we will speak about these people of today shortly.

[ 19 ] Ich will einen Menschen anführen, ich könnte auch einen anderen anführen, aber ich will Ihnen einen, der der gegenwärtigen materialistischen Kultur so recht verächtlich ist, anführen, denjenigen, von dem diese materialistische Kultur sagt, er hätte einen schrecklichen Satz gesprochen: Credo quia absurdum est — Ich glaube dasjenige, was töricht ist, und nicht dasjenige, was vernünftig ist. — Den Tertullian will ich anführen.

[ 19 ] I want to cite one person—I could cite another as well—but I want to cite one who is so deeply despised by today’s materialistic culture, the one of whom this materialistic culture says he uttered a terrible statement: Credo quia absurdum est — I believe what is absurd, and not what is reasonable. — I want to cite Tertullian.

[ 20 ] Wenn man den Tertullian anführt, der ungefähr in der Zeit lebte, wo die Inspiration von oben von den toten Zeitgenossen des Christus Jesus begann, und der, soweit er es konnte als Mensch, unter dieser Inspiration stand, wenn man diesen Tertullian wirklich liest, so bekommt man einen eigentümlichen Eindruck. Natürlich schrieb er so, wie er schreiben mußte nach seiner menschlichen Konstitution. Man kann ja gut Inspirationen haben, aber sie zeigen sich immer so, wie man sie aufnehmen kann. So gab denn auch der Tertullian die Inspirationen nicht ganz rein; er gab sie so, wie er sie in seinem menschlichen Gehirn zum Ausdruck bringen konnte, erstens, da er in einem sterblichen Leibe wohnte, und zweitens, da er in einer gewissen Hinsicht leidenschaftlich und fanatisiert war. Er schrieb so, wie es herauskam, aber höchst merkwürdig herauskam, wenn es von einem wahren und richtigen Gesichtspunkte aus betrachtet wird.

[ 20 ] When one cites Tertullian—who lived around the time when inspiration from above began to flow through the deceased contemporaries of Christ Jesus, and who, as far as he was humanly able, was under this inspiration—when one truly reads this Tertullian, one gets a peculiar impression. Of course, he wrote as he had to, given his human nature. One can certainly have inspirations, but they always manifest themselves in a way that one is capable of receiving them. Thus, Tertullian did not convey the inspirations in their pure form; he conveyed them as he was able to express them in his human mind—first, because he dwelt in a mortal body, and second, because he was, in a certain sense, passionate and fanatical. He wrote as it came out, but it came out in a most peculiar way when viewed from a true and correct perspective.

[ 21 ] Dieser Tertullian tritt einem von diesem Gesichtspunkt aus entgegen als ein Römer von einer nicht einmal besonders hohen literarischen Bildung, aber als ein Schriftsteller von großartiger Sprachkraft. Man kann geradezu sagen: Tertullian ist derjenige, welcher die lateinische Sprache dem Christentum erst gerecht gemacht hat. Er hat erst die Möglichkeit gefunden, diese prosaischeste, unpoetischeste Sprache, diese rein rhetorische Sprache, die lateinische Sprache, mit solchem Temperament und mit einer solchen heiligen Leidenschaft zu durchglühen, daß wirklich unmittelbar seelisches Leben in dem Werke des Tertullian lebt, insbesondere in «De carne Christi» zum Beispiel, oder auch in demjenigen Werk, in dem er alles abzuweisen versucht, wessen man die Christen beschuldigt. Sie sind mit einem heiligen Temperament geschrieben und mit einer großartigen Sprachkraft. — Und dieser Tertullian war als Römer und an «De carne Christi» kann man das zeigen — vorurteilslos gegenüber seinem eigenen Römertum. Er fand großartige Worte, indem er die Christen gegen die Verfolgung der Römer verteidigte. Die Mißhandlungen, die man den Christen zufügte, damit sie ableugnen sollten ihre Zugehörigkeit zu dem Christus Jesus, die verurteilte er temperamentvoll, so daß er sagte: Beweist nicht euer Verhalten als Richter gegenüber den Christen hinlänglich genug, daß ihr ungerecht seid? Ihr müßt euer ganzes richterliches Verfahren, wie ihr es sonst habt, ändern, es nicht anwenden, wenn ihr gegen die Christen richtet. Sonst zwingt ihr durch die Mißhandlungen einen Zeugen, daß er nicht ableugnet; ihr zwingt ihn, daß er bekennt, was wahr ist, was er wirklich meint. Bei dem Christen macht ihr es umgekehrt: Ihr foltert ihn, damit er leugnet, was er meint. Ihr benehmt euch als Richter den Christen gegenüber entgegengesetzt dem Falle, wie ihr euch sonst als Richter benehmt. Sonst wollt ihr die Wahrheit erfahren durch die Mißhandlung; bei den Christen wollt ihr die Lüge erfahren. — Und in ähnlicher Weise, in Worten, die wirklich den Nagel auf den Kopf trafen, sprach Tertullian über vieles.

[ 21 ] From this perspective, Tertullian appears not as a Roman with particularly high literary education, but as a writer of magnificent linguistic power. One might even say: Tertullian is the one who first did justice to the Latin language in the context of Christianity. He was the first to find a way to infuse this most prosaic, most unpoetic language—this purely rhetorical language, the Latin language—with such temperament and such holy passion that a truly immediate spiritual life truly breathes within Tertullian’s works, particularly in De carne Christi, for example, or in the work in which he attempts to refute all the charges leveled against Christians. They are written with a sacred fervor and magnificent eloquence. — And this Tertullian, as a Roman—and De carne Christi demonstrates this—was free of prejudice toward his own Roman identity. He found magnificent words in defending the Christians against Roman persecution. He vehemently condemned the mistreatment inflicted on the Christians to force them to deny their affiliation with Christ Jesus, saying: “Does not your conduct as judges toward the Christians prove sufficiently that you are unjust?” You must change your entire judicial procedure—as you normally conduct it—and not apply it when you judge Christians. Otherwise, through your mistreatment, you are forcing a witness not to deny the truth; you are forcing him to confess what is true, what he truly believes. With Christians, you do the opposite: you torture them so that they will deny what they believe. As judges, you behave toward Christians in a manner opposite to how you normally behave as judges. In other cases, you seek to uncover the truth through mistreatment; with Christians, you seek to elicit a lie. — And in a similar vein, in words that truly hit the nail on the head, Tertullian spoke about many things.

[ 22 ] Dabei kann man sagen, daß er neben dem, daß er ein mutiger, kraftvoller Mann war, der die Hohlheit des römischen Götterdienstes voll durchschaute und darstellte, außerdem ein Mensch war, der überall, wo er schrieb, seine Beziehungen zur übersinnlichen Welt bewies. Er redete von der übersinnlichen Welt so, daß man sieht: Der Mann weiß, was es heißt, von der übersinnlichen Welt zu reden. Er redet von Dämonen so, wie er von seinen Bekannten als Menschen redet. — Und er redet zum Beispiel von den Dämonen so, daß er sagt: Fragt die Dämonen, ob der Christus, der, von dem die Christen behaupten, daß er ein wahrer Gott sei, wirklich ein wahrer Gott ist! Stellt einmal einen wirklichen Christen einem Besessenen gegenüber, aus dem ein Dämon spricht, da werdet ihr sehen: Wenn ihr ihn wirklich zum Sprechen bringt, gesteht er euch, daß er selber ein Dämon ist, denn er sagt die Wahrheit. — Das wußte Tertullian, daß die Dämonen nicht lügen, wenn man sie befragt. — Aber die Dämonen sagen euch auch, wenn der Christ sie richtig frägt aus seinem Bewußtsein heraus, daß der Christus der wahre Gott ist. Nur hassen sie ihn, weil sie ihn bekämpfen. Ihr werdet von dem Dämon erfahren, daß das der wahre Gott ist. — Also nicht nur auf das Zeugnis der Menschen, sondern auf das Zeugnis der Dämonen beruft sich Tertullian. So spricht er von den Dämonen als Zeugen, die nicht bloß reden, die da auch bekennen, daß Christus der wahre Gott ist. Das sagt Tertullian alles aus sich selbst heraus.

[ 22 ] It can be said that, in addition to being a courageous, powerful man who fully understood and exposed the hollowness of Roman religious worship, he was also a person who, wherever he wrote, demonstrated his connection to the supernatural world. He spoke of the supernatural world in such a way that one can see: This man knows what it means to speak of the supernatural world. He speaks of demons just as he speaks of his acquaintances as human beings. — And he speaks of demons, for example, in such a way that he says: Ask the demons whether Christ—the one whom Christians claim is a true God—is truly a true God! Just once, place a true Christian face to face with a possessed person through whom a demon speaks, and you will see: If you really get him to speak, he will confess to you that he himself is a demon, for he speaks the truth. — Tertullian knew that demons do not lie when questioned. — But the demons will also tell you—if the Christian asks them correctly, from a place of true conviction—that Christ is the true God. They simply hate him because they are fighting against him. You will learn from the demon that He is the true God. — Thus, Tertullian relies not only on the testimony of humans, but also on the testimony of demons. He speaks of the demons as witnesses who do not merely speak, but who also confess that Christ is the true God. Tertullian says all this of his own accord.

[ 23 ] Man hat wirklich allen Grund, wenn man Tertullian als Schriftsteller kennenlernt, zu fragen: Was war denn eigentlich das tiefere Seelenbekenntnis des Tertullian, der ergriffen war von der Ihnen eben geschilderten Inspiration? Dieses tiefere Seelenbekenntnis des Tertullian ist in der Tat lehrreich. Denn Tertullian ahnte bereits etwas, was eigentlich erst ziemlich lange nach der Zeit des Tertullian offenbar werden sollte für die Menschheit. Tertullian bekannte sich im Grunde zu drei Sätzen gegenüber der menschlichen Natur. Erstens: Die menschliche Natur ist so, daß sie in der jetzigen Zeit — also das ist die Zeit des Tertullian, Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts —, daß sie, wie sie jetzt ist, die Schmach auf sich laden kann, das größte Erdenereignis zu verleugnen. Wenn der Mensch nur sich folgt, kommt er nicht zum größten Erdenereignis. Zweitens ist seine Seele zu schwach, um dieses größte Erdenereignis zu begreifen. Drittens ist es dem Menschen ganz unmöglich, wenn er nur dem folgt, was ihm sein sterblicher Leib ermöglicht, ein Verhältnis zu gewinnen zu dem Mysterium von Golgatha.

[ 23 ] When one becomes acquainted with Tertullian as a writer, one really has every reason to ask: What, in fact, was the deeper inner conviction of Tertullian, who was moved by the inspiration I have just described to you? This deeper inner conviction of Tertullian is indeed instructive. For Tertullian already sensed something that would not become apparent to humanity until quite some time after his own era. Tertullian essentially affirmed three principles regarding human nature. First: Human nature is such that in the present time—that is, Tertullian’s time, the end of the 2nd century A.D.—it can, as it is now, bring upon itself the disgrace of denying the greatest event on earth. If a person follows only himself, he will not attain the greatest event on earth. Second, his soul is too weak to comprehend this greatest event on earth. Third, it is entirely impossible for a human being—if he follows only what his mortal body allows him to do—to establish a relationship with the Mystery of Golgotha.

[ 24 ] Diese drei Dinge sind ungefähr das Bekenntnis des Tertullian. Aus diesen drei Dingen heraus hat Tertullian die Worte gesprochen: «Gekreuzigt wurde Gottes Sohn; das ist keine Schande, weil es schändlich ist. Auch gestorben ist er; gerade darum ist es glaublich, weil es töricht ist.» «Prorsus credibile est, quia ineptum est», das ist gerade deshalb glaublich, weil es töricht ist. Dieser Satz steht bei Tertullian. Der andere Satz, den ihm die Welt andichtet: Credo, quia absurdum est —, steht nirgends, weder bei Tertullian, noch bei einem anderen Kirchenvater. Aber dieser Satz, den ich Ihnen jetzt eben ausgesprochen habe, ist dazumal geschrieben worden. Die meisten Menschen kennen von Tertullian nichts anderes als diesen Satz, der nicht wahr ist. Drittens: «Und der Begrabene ist auferstanden», sagt Tertullian, «weil es unmöglich ist. Wir müssen es glauben, weil es unmöglich ist.»

[ 24 ] These three points constitute, more or less, Tertullian’s creed. Based on these three points, Tertullian spoke the following words: “The Son of God was crucified; this is no disgrace, because it is shameful. He also died; this is precisely why it is credible, because it is foolish.” “Prorsus credibile est, quia ineptum est”—it is credible precisely because it is foolish. This sentence is found in Tertullian. The other sentence that the world attributes to him—“Credo, quia absurdum est”—is found nowhere, neither in Tertullian nor in any other Church Father. But this sentence, which I have just spoken to you, was written back then. Most people know nothing else about Tertullian except this sentence, which is not true. Third: “And the one who was buried has risen,” says Tertullian, “because it is impossible. We must believe it because it is impossible.”

[ 25 ] Dieser dreifache Ausspruch, den Tertullian tut, der erscheint natürlich den modernen, ganz gescheiten Menschen als etwas Schreckliches. Man soll sich nur so einen waschechten heutigen materialistisch Gebildeten denken, der da hört, daf3 einer sagt: Christus ist gekreuzigt worden; wir müssen es glauben, weil es schmachvoll ist. Christus ist gestorben; wir müssen es glauben, weil es töricht ist. Christus ist wahrhaftig auferstanden; wir müssen es glauben, weil es unmöglich ist. — Man soll sich vorstellen, was so ein richtiger monistischer Weltanschauer von heute zu solchen Sätzen für ein Verhältnis gewinnen kann!

[ 25 ] This threefold statement by Tertullian naturally strikes modern, highly intelligent people as something terrible. Just imagine a genuine, thoroughly materialistically educated person of today who hears someone say: Christ was crucified; we must believe it because it is shameful. Christ died; we must believe it because it is foolish. Christ truly rose from the dead; we must believe it because it is impossible. — Just imagine what kind of attitude a true monist of today might develop toward such statements!

[ 26 ] Was meinte aber Tertullian? Tertullian ist gerade durch seine Inspiration für seine damalige Zeit so ein rechter Menschenkenner geworden, hat erkannt, auf welchem Wege die menschliche Natur in der damaligen Zeit war. Die Menschen gingen entgegen den folgenden Jahrhunderten der vierten nachatlantischen, der griechisch-lateinischen Kulturperiode. Geradesoviel Jahre, als das Mysterium von Golgatha der Mitte dieses Zeitraumes vorangegangen ist, 333 Jahre, geradesoviel Jahre nach diesem Zeitraum war beabsichtigt von gewissen geistigen Mächten, die Erdenentwickelung in ganz andere Bahnen zu leiten, als sie dann, weil das Mysterium von Golgatha da war, geleitet worden ist. 333 Jahre nach dem Jahre 333 ist 666; das ist jene Jahreszahl, von der der Schreiber der Apokalypse mit einem großen Temperamente spricht. Lesen Sie die betreffenden Stellen, wo der Schreiber der Apokalypse von dem spricht, was sich auf 666 bezieht! Da sollte nach den Intentionen gewisser geistiger Mächte mit der Menschheit etwas geschehen, und es wäre geschehen, wenn das Mysterium von Golgatha nicht eingetreten wäre. Man hätte den absteigenden Weg, der von 333 ab der Menschheit beschieden gewesen wäre als Gipfelpunkt der Kultur der Verstandes- oder Gemütsseele, diesen absteigenden Weg hätte man dazu benützt, um die Menschheit in ein ganz anderes Fahrwasser zu bringen, als sie kommen sollte nach der Intention derjenigen göttlichen Wesenheiten, die mit ihr vom Anfange, von der Saturnzeit an, verknüpft sind. Das sollte dadurch geschehen, daß etwas, was erst später kommen sollte in die Menschheit, die Bewußtseinsseele mit ihren Inhalten, durch eine Art Offenbarung der Menschheit schon 666 gegeben würde. Wäre das ausgeführt worden, wären wirklich die Intentionen erfüllt worden gewisser der Menschheitsentwickelung entgegengesetzter, aber diese Menschheitsentwickelung an sich reißen wollender Wesen, dann wäre die Menschheit 666 so überrascht worden, begabt worden mit der Bewußtseinsseele, wie sie es erst längere Zeit nach unserer Zeit sein wird.

[ 26 ] But what did Tertullian mean? It was precisely through his inspiration for his own time that Tertullian became such a keen judge of human nature; he recognized the path human nature was taking at that time. People were moving toward the fourth post-Atlantean, Greek-Latin cultural period, which would follow in the centuries to come. Exactly as many years as had preceded the Mystery of Golgotha at the midpoint of this period—333 years—exactly that many years after this period, certain spiritual powers intended to steer the Earth’s development along entirely different paths than those it ultimately took because the Mystery of Golgotha had occurred. 333 years after the year 333 is 666; this is the year of which the author of the Book of Revelation speaks with great intensity. Read the relevant passages where the author of the Book of Revelation speaks of what relates to 666! According to the intentions of certain spiritual powers, something was to happen to humanity at that time, and it would have happened had the Mystery of Golgotha not taken place. The downward path that would have been destined for humanity from 333 onward—as the pinnacle of the culture of the intellectual or emotional soul—would have been used to steer humanity into a completely different course than the one intended by those divine beings who have been connected with it from the beginning, from the Saturnic Age onward. This was to be achieved by giving humanity—as early as 666—something that was not supposed to come to humanity until later: the consciousness soul with its contents, through a kind of revelation. Had this been carried out, the intentions of certain beings—who are opposed to human development but seek to seize control of it—would indeed have been fulfilled; then humanity would have been so surprised in the year 666 and endowed with the consciousness soul as it will be only much later in our time.

[ 27 ] Darauf beruht nämlich dasjenige, was die den menschenliebenden Göttern feindlichen Wesenheiten immer machen, daß sie dasjenige, was diese den Menschen guten geistigen Wesenheiten zu einer späteren Zeit machen wollen, in einen früheren Zeitpunkt verlegen wollen, wo die Menschheit noch nicht reif dazu ist. Es hätte dasjenige, was erst in der Mitte unseres Zeitraumes hätte geschehen sollen, was also erst 1080 Jahre nach dem Jahre 1413 geschehen soll, was erst also im Jahre 2493 geschehen soll — da soll erst der Mensch so weit sein mit Bezug auf das bewußte Erfassen seiner eigenen Persönlichkeit —, schon 666 durch ahrimanisch-luziferische Kräfte dem Menschen eingeimpft werden sollen.

[ 27 ] This is the basis for what the entities hostile to the benevolent gods always do: they seek to bring forward to an earlier time—when humanity is not yet ready for it—what these benevolent spiritual beings intend to do for humanity at a later time. What was supposed to happen only in the middle of our era—that is, 1,080 years after the year 1413, or in the year 2493—when humanity is finally ready to consciously grasp its own personality— be instilled in humanity as early as 666 by Ahrimanic-Luciferic forces.

[ 28 ] Was wollte man dadurch erreichen auf seiten dieser Wesen? Sie wollten dadurch dem Menschen die Bewußtseinsseele geben, hätten ihm aber dadurch eine Natur eingepflanzt, die es ihm unmöglich gemacht hätte, seinen weiteren Weg zum Geistselbst, zum Lebensgeist und zum Geistesmenschen zu finden. Man hätte abgeschnitten seinen Zukunftsweg und hätte den Menschen für ganz andere Entwickelungsbahnen in Anspruch genommen.

[ 28 ] What did these beings hope to achieve by doing this? They wanted to give human beings the soul of consciousness, but in doing so would have implanted in them a nature that would have made it impossible for them to find their further path toward the spiritual self, the spirit of life, and the spiritual human being. This would have cut off humanity’s path to the future and would have bound humanity to entirely different paths of development.

[ 29 ] Die Geschichte hat sich nicht abgespielt so, wie es intendiert war in dieser besonderen Gestalt, in dieser phänomenalen, großartigen, aber teuflischen Gestalt, aber die Spuren davon haben sich doch in der Geschichte vollzogen. Sie konnten sich dadurch vollziehen, daß Dinge geschahen, von denen man nur sagen kann: Die Menschen tun sie auf der Erde, aber sie tun sie eigentlich immer, indem sie Handlanger sind desjenigen, was gewisse geistige Wesenheiten durch die Menschen ausführen. — Und so war denn auch der Kaiser Justinian ein Handlanger gewisser Wesenheiten, als er, der ja ein Feind war alles dessen, was aus der hohen Weisheit des Griechentums überkommen war, 529 die Philosophenschulen in Athen schloß, so daß die letzten Reste der griechischen Gelehrsamkeit mit dem hohen aristotelisch-platonischen Wissen verbannt wurden und nach Persien hinüber flüchteten. Nach Nisibis waren schon früher, als Zeno Isauricus im 5. Jahrhunderte ebensolche griechische Weise von Edessa vertrieben hatte, die syrischen Weisen geflohen. Und so versammelte sich gegen das Jahr, das heranrückte, gegen 666 hin, in der persischen Akademie von Gondishapur wirklich dasjenige, was auserlesenste Gelehrsamkeit war, die herübergekommen war aus dem alten Griechentum und die keine Rücksicht genommen hatte auf das Mysterium von Golgatha. Und innerhalb der Akademie von Gondishapur lehrten diejenigen, die inspiriert waren von luziferisch-ahrimanischen Kräften.

[ 29 ] History did not unfold as it was intended in this particular form—in this phenomenal, magnificent, yet diabolical form—but traces of it have nonetheless come to pass in history. They were able to manifest through events of which one can only say: People carry them out on Earth, but in reality they are always doing so as agents of what certain spiritual beings carry out through human beings. — And so Emperor Justinian, too, was an agent of certain spiritual beings when he—who was, after all, an enemy of everything that had been handed down from the lofty wisdom of Greek civilization—closed the philosophical schools in Athens in 529, so that the last remnants of Greek scholarship, along with the lofty Aristotelian-Platonic knowledge, were banished and fled to Persia. The Syrian sages had already fled to Nisibis earlier, when Zeno Isauricus had driven such Greek sages from Edessa in the 5th century. And so, as the year 666 drew near, the Persian Academy of Gondishapur truly became a gathering place for the most exquisite scholarship that had come over from ancient Greece—scholarship that had paid no heed to the Mystery of Golgotha. And within the Academy of Gondishapur, those who were inspired by Luciferic-Ahrimanic forces taught.

[ 30 ] Hätte dasjenige, was 666 über die Menschheit hätte kommen sollen — was, wenn es gekommen wäre, eben zum Abschneiden der späteren Entwickelung und zur Erhöhung der Menschheit zur Bewußtseinsseele schon im Jahre 666 geführt hätte —, hätte das seinen vollen Erfolg gehabt, was von der Akademie von Gondishapur beabsichtigt war, dann wären im 7. Jahrhunderte da und dort überall hochgelehrte und durch ihre Hochgelehrsamkeit in außerordentlichem Maße geniale Menschen entstanden, welche wandern sollten durch Westasien, durch Nordafrika, durch Südeuropa, durch Europa überhaupt und die überall verbreiten sollten jene Kultur von 666, die von der Akademie von Gondishapur beabsichtigt war. Diese Kultur sollte vor allen Dingen den Menschen ganz auf seine Persönlichkeit stellen, ganz die Bewußtseinsseele schon bringen.

[ 30 ] Had that which was to have befallen humanity in the year 666—which, had it come to pass, would have led as early as the year 666 to the severing of later development and to the elevation of humanity to the level of the consciousness soul—had that achieved its full success, as intended by the Academy of Gondishapur, then, in the 7th century, highly learned individuals—whose extraordinary genius stemmed from their profound scholarship—would have emerged here and there, who were to travel through Western Asia, North Africa, Southern Europe, and Europe as a whole, and who were to spread everywhere that culture of 666 intended by the Academy of Gondishapur. Above all, this culture was intended to place the human being entirely on the foundation of his or her personality, to bring the soul of consciousness fully to the fore.

[ 31 ] Es war nicht möglich geworden, daß dies geschah. Die Welt hatte schon eine andere Gestaltung angenommen, als diejenige hätte sein müssen, in welcher das hätte geschehen können. Daher wurde der ganze Stoß, der versetzt werden sollte der abendländischen Kultur von der Akademie von Gondishapur aus, abgestumpft. Und statt daß eine Weisheit herausgekommen ist, gegen welche alles das, was wir heute in der äußeren Welt wissen, eine ganze Kleinigkeit wäre, statt daß eine Weisheit durch Eingebung in spiritueller Weise über alles dasjenige herausgekommen ist, was man nach und nach durch das Experimentieren und durch die Naturwissenschaft bis zum Jahre 2493 sich erobern wird, und das durch eine glänzende, großartige Gelehrsamkeit herausgekommen wäre, sind dann nur die Reste davon geblieben in dem, was arabische Gelehrte nach Spanien gebracht haben. Aber es war auch schon abgestumpft. Das ist nicht in jener Weise herausgekommen, wie es gewollt war, es ist abgestumpft worden. Und an dessen Stelle ist der Mohammedanismus, ist Mohammed mit seiner Lehre geblieben, und es ist nur der Islam anstelle desjenigen gekommen, was von der Akademie von Gondishapur hätte ausgehen sollen. Die Welt war durch das Mysterium von Golgatha abgebracht worden von dieser ihr verderblichen Richtung.

[ 31 ] It had become impossible for this to happen. The world had already taken on a different form than the one it would have had to be in for this to have been possible. Consequently, the entire impetus that was to have been imparted to Western culture from the Academy of Gondishapur was blunted. And instead of a wisdom emerging against which everything we know today in the external world would be a mere trifle—instead of a wisdom emerging through spiritual inspiration that would have transcended all that will gradually be discovered through experimentation and the natural sciences up to the year 2493, and which would have emerged through brilliant, magnificent scholarship—only the remnants of it remained in what Arab scholars brought to Spain. But even that had already been dulled. It did not emerge in the way that was intended; it had been dulled. And in its place, Islam—Muhammad and his teachings—remained, and it was Islam alone that took the place of what should have emerged from the Academy of Gundishapur. The world had been diverted from this ruinous course by the Mystery of Golgotha.

[ 32 ] Und abgebracht worden war sie dadurch, daß schon früher nicht nur das Mysterium von Golgatha geschehen ist, sondern eben dieses Mysterium von Golgatha als solches Ereignis geschehen ist, welches nicht begriffen werden kann von den gewöhnlichen menschlichen Kräften bis zum Tod; wodurch innerhalb der abendländischen Menschheit eben das entstand, was ich vorhin beschrieben habe: Inspiration von seiten der Toten fand statt, wie wir dies bei Tertullian und vielen anderen bemerken. Dadurch wurde der Sinn der Menschen auf das Mysterium von Golgatha und damit auf etwas ganz anderes hingelenkt, als dasjenige ist, was von der Akademie von Gondishapur hätte ausgehen sollen. Dadurch verbreitete sich dasjenige, was verhinderte jene hohe, aber teuflische Weisheit, welche die Akademie von Gondishapur intendierte, aber es wurde verhindert die Ausbreitung jener Weisheit zum Heile der Menschheit. Es kam vieles gebrochen heraus von dem, was inspiriert worden war von den Toten, aber es war doch die Menschheit davor bewahrt, das über sich ergehen zu lassen, was sie in ihre Seelen hätte aufnehmen müssen, wenn die Akademie von Gondishapur mit ihrer Tendenz Glück gehabt hätte.

[ 32 ] And she had been dissuaded by the fact that not only had the Mystery of Golgotha already taken place, but that this very Mystery of Golgotha had occurred as an event that cannot be comprehended by ordinary human faculties until death; as a result of which, within Western humanity, precisely what I described earlier came about: inspiration from the dead took place, as we observe in Tertullian and many others. As a result, people’s attention was directed toward the Mystery of Golgotha and thus toward something entirely different from what should have emanated from the Academy of Gondishapur. Consequently, what spread was that which prevented the high but diabolical wisdom intended by the Academy of Gondishapur; yet the spread of that wisdom for the salvation of humanity was prevented. Much of what had been inspired by the dead emerged in a fragmented form, but humanity was nevertheless spared from having to endure what it would have had to absorb into its souls had the Academy of Gondishapur succeeded in its endeavor.

[ 33 ] Aber solche Ereignisse wie dasjenige, was von der Akademie von Gondishapur intendiert war, die gehen gewissermaßen hinter den Kulissen der äußeren Weltentwickelung vor sich. Sie gehen im Übersinnlichen vor sich. Die Menschen stehen damit in Beziehung, aber diese Ereignisse spielen sich durchaus im Übersinnlichen ab. Und wir können nicht solche Ereignisse, weder dasjenige, was intendiert war von der Akademie von Gondishapur, noch das Ereignis von Golgatha, nur nach dem beurteilen, was auf dem physischen Plane geschieht. Wir müssen solche Ereignisse, wenn wir sie charakterisieren wollen, in viel, viel bedeutenderen Tiefen aufsuchen, als man gewöhnlich meint.

[ 33 ] But events such as the one intended by the Academy of Gondishapur take place, so to speak, behind the scenes of the outer world’s development. They take place in the supersensible realm. Human beings are connected to them, but these events unfold entirely in the supersensible realm. And we cannot judge such events—neither what was intended by the Academy of Gondishapur nor the event at Golgotha—solely on the basis of what happens on the physical plane. If we wish to characterize such events, we must seek them in depths far, far more significant than is commonly thought.

[ 34 ] Zurückgeblieben ist der Menschheit schon etwas von dem, was damals hätte geschehen sollen und was nur abgestumpft worden ist, indem von etwas Großartigem der phantastische, jämmerliche Islam herausgekommen ist. Geschehen ist schon etwas mit der Menschheit. Das ist geschehen, daß dazumal die Menschheit, auf welche der Impuls von Gondishapur gewirkt hat, dieser neupersische Impuls, der zur Unzeit den Zarathustra-Impuls wieder brachte, daß die gesamte Menschheit, wenn ich so sagen darf, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, einen innerlichen Knacks bis in die Leiblichkeit hinein bekommen hat. Damals hat die Menschheit einen Impuls bekommen, der bis in die physische Leiblichkeit hineingeht, mit dem wir weiter jetzt immer geboren werden, den Impuls, der eigentlich gleich ist mit dem, was ich vorhin charakterisiert habe. Jene Krankheit ist der Menschheit eingeimpft worden, die, wenn sie sich auslebt, zur Leugnung des Vatergottes führt.

[ 34 ] Something of what should have happened back then has indeed been left behind for humanity—something that has merely been dulled by the fact that the fantastic, wretched Islam emerged from something magnificent. Something has indeed happened to humanity. What happened was that back then, humanity—upon which the impulse from Gondishapur had acted, this Neo-Persian impulse that brought back the Zarathustra impulse at the wrong time—that all of humanity, if I may put it that way, if I may express myself in trivial terms, suffered an inner crack that extended right down into the physical body. At that time, humanity received an impulse that penetrates right down into the physical body—an impulse with which we are now always born—an impulse that is actually identical to what I characterized earlier. That illness has been instilled in humanity; when it runs its course, it leads to the denial of the Father God.

[ 35 ] Also verstehen Sie mich recht: Die Menschheit, insofern sie die zivilisierte Menschheit ist, hat heute im Leibe einen Stachel. Und der heilige Paulus spricht sehr viel von diesem Stachel. Diese Menschheit hat im Leibe einen Stachel. Der heilige Paulus spricht davon prophetisch. Er hatte ihn als ein besonders vorangeschrittener Mensch schon zu seiner Zeit; die anderen bekamen ihn eigentlich erst im 7. Jahrhundert. Aber dieser Stachel wird sich immer mehr ausbreiten, wird immer bedeutungsvoller und bedeutungsvoller sein. Wenn Sie heute einen Menschen kennenlernen, der sich ganz diesem Stachel hingibt, dieser Krankheit — denn das ist ein Stachel im physischen Leib, das ist eine wirkliche Krankheit —, dann wird er ein Atheist, dann wird er ein Gottesleugner, ein Leugner des Göttlichen. Anlage zu diesem Atheismus hat eigentlich jeder Mensch, der der modernen Zivilisation angehört; es handelt sich nur darum, ob er sich dieser Anlage hingibt. Der Mensch trägt in sich jene Krankheit, die ihn aufreizt dazu, das Göttliche abzuleugnen, während es eigentlich in der Tat aus seiner Natur folgen würde, es anzuerkennen. Diese Natur ist dazumal gewissermaßen etwas mineralisiert worden, zurückgeschraubt worden in der Entwickelung, so daß wir alle die Gottesleugner-Krankheit in uns tragen.

[ 35 ] So please understand me correctly: Humanity—insofar as it is civilized humanity—has a thorn in its side today. And Saint Paul speaks at great length about this thorn. This humanity has a thorn in its side. St. Paul speaks of it prophetically. As a particularly advanced individual, he already had it in his time; the others did not actually acquire it until the 7th century. But this thorn will spread more and more; it will become increasingly significant. If you meet someone today who has completely surrendered to this thorn, to this illness—for it is a thorn in the physical body; it is a real illness—then that person becomes an atheist, a denier of God, a denier of the divine. Every person who belongs to modern civilization actually has a predisposition toward this atheism; the only question is whether they give in to this predisposition. Human beings carry within themselves that illness which incites them to deny the divine, whereas it would actually follow from their very nature to acknowledge it. This nature has, so to speak, become somewhat mineralized over time, set back in its development, so that we all carry the illness of denying God within us.

[ 36 ] Durch diese Gottesleugner-Krankheit wird mancherlei in den Menschen bewirkt. Durch diese Gottesleugner-Krankheit wird nämlich ein stärkeres Anziehungsband geschaffen zwischen der Seele des Menschen und seinem Leibe, als früher da war, und als es eigentlich in der menschlichen Natur selber liegt. Es wird gleichsam die Seele mehr an den Leib angeschmiedet. Und während die Seele durch ihre eigene Natur nicht dazu bestimmt ist, teilzunehmen an den Schicksalen des Leibes, wäre sie dadurch in eine Bahn gekommen, wodurch sie immer mehr und mehr an den Schicksalen des Leibes teilnehmen würde, auch an den Schicksalen der Geburt und Vererbung und des Todes.

[ 36 ] This disease of atheism brings about various effects in human beings. For this disease of atheism creates a stronger bond of attraction between the human soul and the body than existed before, and than is actually inherent in human nature itself. The soul is, as it were, more firmly bound to the body. And while the soul, by its very nature, is not destined to share in the fate of the body, it would thereby have been set on a course whereby it would participate more and more in the fate of the body—including the fates of birth, heredity, and death.

[ 37 ] Nichts Geringeres haben nämlich schon dazumal — was in einer mehr dilettantischen Form wiederum gewisse Geheimgesellschaften auch in unserer Zeit wollen — die Weisen von Gondishapur gewollt, als den Menschen für diese Erde sehr groß zu machen, sehr weise zu machen, aber mit Einimpfung dieser Weisheit seine Seele teilnehmen zu lassen am Tode, so daß er nicht die Neigung haben würde, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, an dem geistigen Leben und an den folgenden Inkarnationen teilzunehmen. Sie wollten ihm geradezu die weitere Entwickelung abschneiden. Sie wollten ihn für sich für eine ganz andere Welt gewinnen, vom Erdenleben her konservieren, um ihn von dem abzubringen, wozu der Mensch auf der Erde da ist, was er erst lernen soll in langsamer, allmählicher Entwickelung und wodurch er zu dem Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen kommen wird.

[ 37 ] For even back then—and this is what certain secret societies, albeit in a more amateurish form, still seek in our own time—the sages of Gondishapur sought nothing less than to make human beings very great and very wise on this earth, but by instilling this wisdom, to make his soul partake of death, so that once he had passed through the gate of death, he would have no inclination to participate in spiritual life or in subsequent incarnations. They wanted to cut him off from further development altogether. They wanted to win him over to a completely different world, to preserve him from earthly life in order to divert him from the very purpose for which human beings are here on Earth—what they are first meant to learn through slow, gradual development, and through which they will attain the spiritual self, the spirit of life, and the spiritual human being.

[ 38 ] Die Menschenseele würde also, mehr als ihr vorbestimmt war, mit der Erde bekanntgemacht werden. Der Tod, der nur für den Leib vorbestimmt ist, würde gewissermaßen auch zum Schicksal der Seele geworden sein. Diesem ist durch das Mysterium von Golgatha entgegengearbeitet. So daß der Mensch todverwandt geworden ist, aber durch das Mysterium von Golgatha bewahrt worden ist vor dieser Todesverwandtschaft. Hat auf der einen Seite eine gewisse Strömung in der Weltentwickelung eine stärkere Verwandtschaft der Seele mit dem Menschenleib bewirkt, als sie dem Menschen vorgeschrieben war, so hat der Christus, um dem die Waage zu halten, die Seele stärker an den Geist gebunden, als das wiederum vorbestimmt war. So daé also durch das Mysterium von Golgatha die Menschenseele näher an den Geist gebracht worden ist, als ihr vorbestimmt war.

[ 38 ] The human soul would thus become acquainted with the earth to a greater extent than was intended. Death, which is intended only for the body, would, in a sense, have become the fate of the soul as well. This was counteracted by the Mystery of Golgotha. Thus, humanity became akin to death, but was preserved from this kinship with death through the Mystery of Golgotha. While, on the one hand, a certain current in the development of the world has brought about a stronger connection between the soul and the human body than was intended for humankind, Christ—in order to restore the balance—has bound the soul more closely to the Spirit than was, in turn, intended. Thus, through the Mystery of Golgotha, the human soul has been brought closer to the spirit than was predestined for it.

[ 39 ] Dies befähigt uns, erst so recht hineinzuschauen, wie zusammenhängt das Mysterium von Golgatha mit den innersten Kräften der Menschennatur durch die Jahrtausende hindurch. Man muß das Wechselverhältnis, das von Ahriman und Luzifer dem Menschen bestimmt war, das Wechselverhältnis zwischen Leib und Seele vergleichen können mit dem Wechselverhältnis zwischen Seele und Geist, wenn man historisch richtig an das Mysterium von Golgatha herankommen will.

[ 39 ] This enables us to truly see how the Mystery of Golgotha is connected to the innermost forces of human nature throughout the millennia. One must be able to compare the interrelationship between body and soul—which was determined for humanity by Ahriman and Lucifer—with the interrelationship between soul and spirit if one wishes to approach the Mystery of Golgotha with historical accuracy.

[ 40 ] Die katholische Kirche, die sehr stark unter [dem Einfluß der] Reste des Impulses der Akademie von Gondishapur stand, die hat 869 auf dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel dogmatisch bestimmt, daß man nicht an den Geist zu glauben habe, weil sie nicht etwa jeden aufklären wollte über das Mysterium von Golgatha, sondern Finsternis breiten wollte über das Mysterium von Golgatha. Von der katholischen Kirche ist der Geist 869 abgeschafft worden. Das Dogma, das da bestimmt worden ist, heißt, man habe nicht an den Geist zu glauben, sondern nur an Leib und Seele, und die Seele habe in sich etwas Geistartiges. Aber daß der Mensch wirklich besteht aus Leib, Seele und Geist, das wurde durch die katholische Kirche abgeschafft. Diese Abschaffung, die ist in der katholischen Kirche direkt noch unter dem Einflusse des Impulses von Gondishapur geschehen. Die Geschichte nimmt sich eben anders aus, als sie zum Hausgebrauch der Menschen, die man gerne leiten möchte, von dieser oder jener Seite her oftmals geformt wird.

[ 40 ] The Catholic Church, which was very strongly influenced by remnants of the impulse of the Academy of Gondishapur, dogmatically decreed in 869 at the Eighth Ecumenical Council in Constantinople that one need not believe in the Spirit—not because it sought to enlighten everyone about the mystery of Golgotha, but because it sought to cast darkness over the mystery of Golgotha. The Spirit was abolished by the Catholic Church in 869. The dogma established there states that one must not believe in the Spirit, but only in body and soul, and that the soul possesses something spirit-like within itself. But the fact that human beings truly consist of body, soul, and Spirit was abolished by the Catholic Church. This abolition took place in the Catholic Church directly under the influence of the impulse from Gondishapur. History simply looks different than it is often portrayed by one side or the other for the convenience of those whom they wish to guide.

[ 41 ] Der Mensch also wurde durch das Mysterium von Golgatha geistverwandter gemacht. Dadurch sind im Menschen zwei Kräfte: die Kraft, die ihn seelisch dem Tode ähnlich macht, und diejenige Kraft, die ihn wiederum vom Tode befreit, die ihn zum Geiste innerlich hinführt.

[ 41 ] Through the Mystery of Golgotha, the human being was thus made more spiritually attuned. As a result, there are two forces within the human being: the force that makes him spiritually akin to death, and the force that, in turn, frees him from death and leads him inwardly toward the Spirit.

[ 42 ] Diese Kraft, was ist sie für eine? Ich habe Ihnen gesagt: Es ist eine Art Krankheit, was das Gottesleugnerische im Menschen ist. Die Anlage ist eine Art Krankheit, die wir alle in uns tragen innerhalb der zivilisierten Menschheit vermöge unseres bloßen Leibes. Doch den Gott abzuleugnen, es ist eine Krankheit, sagt die Geisteswissenschaft, aber diese Krankheit haben wir in uns. Und wir leugnen, wenn wir uns recht verstehen, erst dann den Gott nicht ab, wenn wir ihn durch Christus wieder finden. So wie unser Leib eine Erkrankungskraft in sich hat, die hintendiert nach der Gottesleugnung, so haben wir, indem wir die Christus-Kraft so in uns haben, wie ich es öfter dargestellt habe, infolge des Mysteriums von Golgatha dadurch eine gesundende, eine heilsame Kraft in uns. Nun, der Christus ist für uns alle im wahrsten Sinne des Wortes der Heiland, der Arzt gegenüber jener Krankheit, die den Menschen zum Gottesleugner machen kann. Der Christus ist ein Arzt dagegen. Er ist ein Arzt für jene verborgene Krankheit, die ich Ihnen jetzt charakterisiert habe.

[ 42 ] What kind of force is this? I have told you: It is a kind of illness—that which is atheistic in human beings. This predisposition is a kind of illness that all of us within civilized humanity carry within us by virtue of our mere physical bodies. Yet to deny God is an illness, says spiritual science, but we have this illness within us. And if we understand ourselves correctly, we do not truly cease to deny God until we find Him again through Christ. Just as our physical body contains a pathogenic force that tends toward the denial of God, so too—by having the Christ-force within us, as I have often described, as a result of the Mystery of Golgotha—we possess a healing, salutary force within us. Now, Christ is, in the truest sense of the word, the Savior for all of us—the physician against that illness that can turn a person into a denier of God. Christ is a physician against it. He is a physician for that hidden illness that I have just described to you.

[ 43 ] Unsere Zeit ist in recht vieler Beziehung eine Wiedererneuerung jener Zeiten, die sich zugetragen haben zum Teil durch das Mysterium von Golgatha, zum Teil durch dasjenige, was 333, zum Teil durch dasjenige, was 666 geschehen ist. Das hat ganz bestimmte Wirkungen. Sie verstehen das Mysterium von Golgatha nur richtig, wenn Sie sich klar sind darüber: Man kann es nicht verstehen mit den Kräften, die dem Menschen nur gegeben sind dadurch, daß er physisch bis zum Tode in einem physischen Leibe lebt. Selbst die Zeitgenossen, die Apostelzeitgenossen konnten erst im 3. Jahrhunderte, also lange nach ihrem Tode, aus ihren eigenen Kräften heraus als Menschen das Mysterium von Golgatha verstehen. Aber alle diese Dinge gehen in die Entwickelung ein, durch alle diese Dinge spielt sich manches ab. Und es hat sich folgendes abgespielt.

[ 43 ] Our time is, in many respects, a renewal of those times that took place—in part through the Mystery of Golgotha, in part through the events of 333, and in part through the events of 666. This has very specific effects. You can only understand the Mystery of Golgotha correctly if you are clear about this: It cannot be understood with the powers that are given to human beings solely by virtue of their living physically in a physical body until death. Even the contemporaries of the Apostles were not able to understand the Mystery of Golgotha through their own human powers until the third century—that is, long after their deaths. But all these things are part of the process of development; through all these things, many things unfold. And the following has taken place.

[ 44 ] Wir sind heute in einer ganz anderen Lage, als diejenigen waren, die Zeitgenossen Christi waren oder die in den folgenden Jahrhunderten bis ins 7. Jahrhundert gelebt haben. Wir leben ja bereits in der fünften nachatlantischen Zeit und sind weit darinnen; wir leben im 20. Jahrhundert. Das hat zur Folge, daß, indem wir als Seele geboren werden und aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche hereintreten, wir nun wiederum Jahrhunderte vorher in der geistigen Welt etwas erleben. So wie diejenigen, die Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha waren, Jahrhunderte danach zum vollen Verständnisse kamen des Mysteriums von Golgatha, so erleben wir eine Art von Spiegelbild, bevor wir geboren werden, und zwar Jahrhunderte, bevor wir geboren werden. Das gilt aber nur für die heutigen Menschen. Die heutigen Menschen tragen alle, indem sie hereingeboren werden in die physische Welt, etwas mit, was wie ein Abglanz ist des Mysteriums von Golgatha, wie ein Spiegelbild desjenigen, was man Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha in der geistigen Welt erlebte.

[ 44 ] We find ourselves today in a situation quite different from that of Christ’s contemporaries or of those who lived in the centuries that followed, up through the 7th century. We are, after all, already living in the fifth post-Atlantean epoch and are well into it; we are living in the 20th century. As a result, when we are born as souls and enter the sensory world from the supersensory world, we now, in turn, experience something in the spiritual world centuries beforehand. Just as those who were contemporaries of the Mystery of Golgotha came to a full understanding of the Mystery of Golgotha centuries later, so do we experience a kind of reflection before we are born—centuries before we are born. But this applies only to people today. All people today, by being born into the physical world, carry within them something that is like a reflection of the Mystery of Golgotha, like a mirror image of what was experienced in the spiritual world centuries after the Mystery of Golgotha.

[ 45 ] Nun, diesen Impuls kann natürlich derjenige, der nicht übersinnlich schauen kann, nicht unmittelbar schauen, aber alle können die Wirkung dieses Impulses in sich erleben. Und wenn sie ihn erleben, dann finden sie die Antwort auf die Frage: Wie finde ich den Christus?

[ 45 ] Of course, those who cannot see with their spiritual eyes cannot perceive this impulse directly, but everyone can experience its effect within themselves. And when they experience it, they will find the answer to the question: How do I find Christ?

[ 46 ] Dazu ist folgendes Erleben notwendig. Man findet den Christus, wenn man folgende Erlebnisse hat. Erstens das Erlebnis, daß man sich sagt: Ich will so weit Selbsterkenntnis anstreben, als es mir möglich ist, nach meiner ganz individuellen menschlichen Persönlichkeit möglich ist. — Keiner, der ehrlich diese Selbsterkenntnis anstrebt, wird sich anderes heute als Mensch sagen können als: Ich kann das nicht fassen, was ich eigentlich anstrebe. Ich bleibe mit meiner Fassungskraft hinter dem, was ich anstrebe, zurück; ich empfinde meine Ohnmacht gegenüber meinem Streben. — Es ist dieses Erleben ein sehr wichtiges. Dieses Erleben müßte jeder haben, der ehrlich mit sich selbst, in Selbsterkenntnis zu Rate geht: ein gewisses Ohnmachtsgefühl. Dieses Ohnmachtsgefühl ist gesund, denn dieses Ohnmachtsgefühl ist nichts anderes, als das Empfinden der Krankheit, und man ist ja erst recht krank, wenn man eine Krankheit hat und sie nicht fühlt. Indem man die Ohnmacht empfindet, sich zum Göttlichen zu erheben in irgendeinem Zeitpunkte seines Lebens, fühlt man in sich jene Krankheit, von der ich gesprochen habe, die uns eingepflanzt ist. Und indem man diese Krankheit empfindet, empfindet man, daß die Seele durch unseren Leib eigentlich, so wie der Leib heute ist, verurteilt wäre mitzusterben. Dann, wenn man genügend kräftig diese Ohnmacht empfindet, dann kommt der Umschlag. Dann kommt das andere Erlebnis, das uns sagt: Aber wir können, wenn wir uns nicht an dasjenige hingeben, was zu erreichen wir durch unsere Leibeskräfte allein imstande sind, wir können, wenn wir uns hingeben an dasjenige, was uns der Geist gibt, überwinden diesen innerlichen Seelentod. Wir können die Möglichkeit haben, unsere Seele wiederzufinden und an den Geist anzuknüpfen. Wir können erleben die Nichtigkeit des Daseins auf der einen Seite und die Verherrlichung des Daseins aus uns selber, wenn wir hinüberkommen über das Spüren der Ohnmacht. Wir können die Krankheit spüren in unserer Ohnmacht, wir können [aber auch] den Heiland, die heilende Kraft spüren, wenn wir die Ohnmacht [erlebt haben], dem Tode verwandt geworden sind in unserer Seele. Indem wir den Heiland spüren, fühlen wir, daß wir etwas in unserer Seele tragen, das aus dem Tode jederzeit auferstehen kann im eigenen inneren Erleben. — Wenn wir diese zwei Erlebnisse suchen, finden wir in unserer eigenen Seele den Christus.

[ 46 ] The following experience is necessary for this. One finds Christ when one has the following experiences. First, the experience of saying to oneself: I want to strive for self-knowledge to the extent that is possible for me, given my entirely individual human personality. — No one who honestly strives for this self-knowledge will be able to say anything else to themselves today as a human being other than: “I cannot grasp what I am actually striving for. My capacity to comprehend falls short of what I am striving for; I feel my powerlessness in the face of my striving.” — This experience is a very important one. Everyone who honestly consults with themselves in the pursuit of self-knowledge should have this experience: a certain sense of powerlessness. This sense of powerlessness is healthy, for it is nothing other than the awareness of illness—and one is all the more ill when one has an illness and does not feel it. By feeling this powerlessness to rise to the divine at any point in one’s life, one senses within oneself that illness of which I have spoken, which is implanted within us. And by sensing this illness, one senses that the soul, through our body—as the body is today—would actually be condemned to die along with it. Then, when one senses this powerlessness with sufficient intensity, a turning point occurs. Then comes the other experience, which tells us: But we can—if we do not surrender to what we are capable of achieving through the powers of our body alone—we can, if we surrender to what the Spirit gives us, overcome this inner death of the soul. We can have the opportunity to rediscover our soul and reconnect with the Spirit. We can experience the futility of existence on the one hand and the glorification of existence arising from within ourselves on the other, when we move beyond the feeling of powerlessness. We can feel the illness in our powerlessness; we can [but also] feel the Savior, the healing power, when we have [experienced] that powerlessness and have become akin to death in our soul. By sensing the Savior, we feel that we carry something within our soul that can rise from death at any moment in our own inner experience. — When we seek these two experiences, we find Christ within our own soul.

[ 47 ] Das ist ein Erlebnis, dem die Menschheit entgegengeht. Angelus Silesius sagte es, als er die bedeutungsvollen Worte sprach:

[ 47 ] This is an experience that humanity is moving toward. Angelus Silesius expressed this when he spoke these meaningful words:

Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.

The cross of Golgotha cannot redeem you from evil,
unless it is also raised up within you.

[ 48 ] Es kann im Menschen aufgerichtet werden, indem er die zwei Pole fühlt: die Ohnmacht durch sein Leibliches, die Auferstehung durch sein Geistiges. Das innere Erlebnis, das aus diesen zwei Teilen besteht, das ist dasjenige, welches zum Mysterium von Golgatha wirklich hintendiert. Das ist ein Ereignis, dem gegenüber man sich nicht ausreden kann dadurch, daß man sagt, man habe keine übersinnlich entwickelten Fähigkeiten. Die braucht man dazu nicht. Man braucht nur wirklich Selbstbesinnung zu üben und den Willen zu dieser Selbstbesinnung, den Willen auch zur Bekämpfung jenes Hochmuts, der heute so gang und gäbe ist, welcher den Menschen nicht bemerken läßt, daß, wenn er sich auf seine eigenen Kräfte verläßt, er hochmütig wird gegenüber seinen eigenen Kräften. Wenn man nicht fühlen kann gegenüber seinem eigenen Hochmut, daß man durch seine eigenen Kräfte ohnmächtig wird, dann kann man weder den Tod noch die Auferstehung fühlen, dann kann man nie des Angelus Silesius Gedanken erfühlen:

[ 48 ] It can be established within a person by feeling the two poles: powerlessness through the physical, and resurrection through the spiritual. The inner experience consisting of these two parts is the one that truly points toward the Mystery of Golgotha. This is an event that cannot be dismissed by claiming that one lacks supernaturally developed abilities. Such abilities are not necessary for this. One need only truly practice self-reflection and cultivate the will for this self-reflection—the will to combat that pride which is so commonplace today, which prevents people from realizing that when they rely on their own powers, they become arrogant toward their own powers. If one cannot feel, in the face of one’s own arrogance, that one becomes powerless through one’s own strength, then one can feel neither death nor resurrection; then one can never truly grasp the thought of Angelus Silesius:

Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.

The cross of Golgotha cannot redeem you from evil,
unless it is also raised up within you.

[ 49 ] Dann aber, wenn wir Ohnmacht und Wiederherstellung aus der Ohnmacht empfinden können, dann tritt für uns der Glücksfall ein, daß wir eine wirklich reale Beziehung zu dem Christus Jesus haben. Denn dieses Erleben ist die Wiederholung desjenigen, was wir Jahrhunderte vorher in der geistigen Welt erlebten. So müssen wir es in seinem Spiegelbild hier in der Seele auf dem physischen Plane suchen. Suchen Sie in sich, und Sie werden finden die Ohnmacht. Suchen Sie, und Sie werden finden, nachdem Sie die Ohnmacht gefunden haben, die Erlösung von der Ohnmacht, die Auferstehung der Seele zum Geist.

[ 49 ] But then, when we can experience powerlessness and restoration from that powerlessness, we are blessed with the good fortune of having a truly real relationship with Christ Jesus. For this experience is a repetition of what we experienced centuries earlier in the spiritual world. Thus, we must seek it in its reflection here in the soul on the physical plane. Search within yourselves, and you will find powerlessness. Search, and once you have found powerlessness, you will find deliverance from it—the resurrection of the soul to the Spirit.

[ 50 ] Aber lassen Sie sich nicht beirren in diesem Suchen durch manches, was heute als Mystik oder selbst von gewissen positiven Bekenntnissen aus gepredigt wird. Wenn Harnack zum Beispiel vom Christus spricht, so ist das nicht wahr, was er sagt, aus dem einfachen Grunde, weil dasjenige, was er vom Christus sagt — lesen Sie es durch —, man von dem Gott überhaupt sagen kann. Das kann man ebensogut vom Judengott sagen, das kann man ebensogut vom Gott der Mohammedaner sagen, von allen. Und viele, die heute sogenannte «Erweckte» sein wollen, die sagen: Ich erlebe den Gott in mir —, aber sie erleben eben nur den Vatergott, und den auch nur in einer abgeschwächten Gestalt, weil sie eigentlich nicht bemerken, daß sie krank sind und nur traditionell nachreden. So etwas macht zum Beispiel Johannes Müller. Aber alle diese haben keinen Christus, denn das Christus-Erlebnis besteht nicht aus einem Erleben des Gottes in der Menschenseele, sondern aus den zweien: aus dem Erleben des Todes in der Seele durch den Leib, und der Wiederauferstehung der Seele durch den Geist. Und derjenige, der der Menschheit sagt, daß er nicht bloß den Gott in sich fühlt — wie es auch die bloß rhetorischen Theosophen behaupten —, sondern der reden kann von den zwei Ereignissen, von der Ohnmacht und von der Auferstehung aus der Ohnmacht, der redet von dem wirklichen Christus-Erlebnis. Der aber findet sich auf einem übersinnlichen Wege hin zu dem Mysterium von Golgatha; er findet selbst die Kräfte, die gewisse übersinnliche Kräfte anregen und die ihn hinführen zu dem Mysterium von Golgatha.

[ 50 ] But do not let yourself be led astray in this search by some of what is preached today as mysticism or even from certain positive confessions of faith. When Harnack, for example, speaks of Christ, what he says is not true, for the simple reason that what he says about Christ—read it through—is something that can be said about God in general. One could just as well say that about the God of the Jews, or the God of the Muslims, or any God at all. And many who today wish to be so-called “awakened ones,” who say, “I experience God within me”—but they experience only the Father God, and even then only in a weakened form, because they do not actually realize that they are sick and are merely parroting tradition. Johannes Müller, for example, does something like this. But none of these people have Christ, for the Christ experience does not consist of an experience of God in the human soul, but of two things: the experience of death in the soul through the body, and the resurrection of the soul through the Spirit. And the one who tells humanity that he does not merely feel God within himself—as even the purely rhetorical theosophists claim—but who can speak of these two events, of powerlessness and of resurrection from powerlessness, is speaking of the true Christ experience. But such a person finds himself on a supersensible path toward the Mystery of Golgotha; he himself discovers the forces that stimulate certain supersensible powers and lead him to the Mystery of Golgotha.

[ 51 ] Man braucht heute wahrhaftig nicht zu verzweifeln daran, in unmittelbarem eigenem Erleben den Christus zu finden, denn man hat ihn gefunden, wenn man sich wiedergefunden hat, aber aus der Ohnmacht heraus. Das ganze Nichtigkeitsgefühl, das uns überkommt, wenn wir über die eigenen Kräfte ohne Hochmut nachdenken, das muß vorausgehen dem Christus-Impuls. Gescheite Mystiker glauben, wenn sie nur sagen können: Ich habe in meinem Ich das höhere Ich, das Gottes-Ich gefunden —, das sei Christentum. Das ist nicht Christentum. Das Christentum muß eben auf dem Satze stehen:

[ 51 ] Today, one truly need not despair of finding Christ in one’s own immediate experience, for one has found him when one has found oneself again—but from a place of powerlessness. The entire sense of insignificance that overwhelms us when we reflect on our own powers without arrogance must precede the Christ impulse. Clever mystics believe that if they can only say, “I have found within my ‘I’ the higher ‘I,’ the ‘I’ of God”—that is Christianity. That is not Christianity. Christianity must be based precisely on the statement:

Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,
Wo es nicht auch in dir wird aufgericht’t, erlösen.

The cross of Golgotha cannot redeem you from evil,
unless it is also raised up within you.

[ 52 ] Man kann schon an den Einzelheiten des Lebens verspüren, wie wahr das ist, was ich sage, und man kann dann aufsteigen von diesen Einzelheiten des Lebens zu dem großen Erlebnis von der Ohnmacht und der Auferstehung aus der Ohnmacht. Meine lieben Freunde, es wäre schön, besonders in unserer Gegenwart, wenn die Menschen zum Beispiel folgendes finden würden. Es ist ganz gewiß eine in den Tiefen der Menschenseelen beruhende Tendenz zur Wahrheit hin, und danach auch, die Wahrheit auszusprechen. Aber gerade wenn wir in dieser Absicht drinnenstehen, die Wahrheit auszusprechen und dann uns selbst besinnen über dieses Aussprechen der Wahrheit, da können wir einen ersten Schritt auf dem Wege tun zu dem Empfinden der Ohnmacht des menschlichen Leibes gegenüber der göttlichen Wahrheit. In dem Augenblicke, wo Sie wirklich Selbstbesinnung treiben über das Die-Wahrheit-Reden, kommen Sie nämlich auf etwas sehr Merkwürdiges. Der Dichter hat es gefühlt, indem er gesagt hat: Spricht die Seele, so spricht, ach! schon die Seele nicht mehr. — Auf dem Wege, wodurch das, was wir innerlich in der Seele als Wahrheit wirklich erleben, zur Sprache wird, stumpft es sich bereits ab. Es ertötet sich in der Sprache noch nicht vollständig, aber es stumpft sich bereits ab. Und der, der die Sprache kennt, der weiß, daß nichts anderes als die Eigennamen, die nur ein Ding immer bezeichnen, rechte Bezeichnungen für dieses Ding sind. Sobald wir generalisiertre Namen haben, seien sie Haupt- oder Zeit- oder Eigenschaftswörter, sprechen wir nicht mehr voll die Wahrheit. Da besteht dann die Wahrheit darinnen, daß wir uns dessen bewußt sind, daß wir im Grunde genommen mit jedem Satze von der Wahrheit abweichen müssen.

[ 52 ] One can already sense, in the details of life, how true what I am saying is, and one can then rise from these details of life to the great experience of powerlessness and resurrection from that powerlessness. My dear friends, it would be wonderful, especially in our time, if people were to discover, for example, the following. There is certainly a tendency toward truth rooted in the depths of the human soul, and consequently also a tendency to speak the truth. But precisely when we are in the midst of this intention to speak the truth and then reflect on this very act of speaking the truth, we can take a first step on the path toward sensing the powerlessness of the human body in the face of divine truth. For at the very moment when you truly engage in self-reflection on the act of speaking the truth, you come upon something very remarkable. The poet sensed this when he said: “When the soul speaks, ah! the soul no longer speaks.” — On the path by which what we truly experience inwardly in the soul as truth finds its way into language, it already begins to lose its edge. It does not yet die out completely in language, but it is already losing its edge. And anyone who knows language knows that nothing other than proper names—which always designate only one thing—are true designations for that thing. As soon as we have generalizing names—be they nouns, adverbs, or adjectives—we no longer speak the full truth. The truth then lies in the fact that we are aware that, fundamentally, with every sentence we must deviate from the truth.

[ 53 ] Geisteswissenschaftlich versucht man aufzuerstehen aus diesem Geständnis: Mit jeder Behauptung sagst du die Unwahrheit —, indem man in einer gewissen Weise vorgeht, die ich Ihnen öfter charakterisiert habe. Ich habe Ihnen öfter gesagt: Nicht so sehr auf das kommt es an in der Geisteswissenschaft, was gesagt wird — denn das würde ebensosehr diesem Ohnmachtsurteil verfallen —, sondern darauf kommt es an, wie es gesagt wird. — Versuchen Sie einmal zu verfolgen — Sie können das auch in meinen Schriften tun —, wie eine jede Sache von den verschiedensten Gesichtspunkten aus charakterisiert wird, wie immer versucht wird, ein Ding von der einen Seite und von der anderen Seite zu charakterisieren. Nur dann kann man sich nähern den Dingen. Derjenige, der nämlich glaubt, daß die Worte selbst etwas anderes sind als eine Eurythmie, der irrt sich gar sehr. Die Worte sind nur eine vom Kehlkopf ausgeführte, von der Luft mitbewirkte Eurythmie. Sie sind bloß Gebärden, nur daß sie nicht mit den Händen und mit den Füßen gemacht werden, die Gebärden, sondern daß sie mit dem Kehlkopf gemacht werden. Wir müssen uns bewußt werden, daß wir nur hindeuten auf irgend etwas, und daß wir nur dann ein richtiges Verhältnis zur Wahrheit gewinnen, wenn wir in dem Worte Hindeutungen auf dasjenige sehen, was wir ausdrücken wollen, und wenn wir als Menschen so miteinander leben, daß wir uns bewußt sind, daß in den Worten Hindeutungen leben. Darauf will unter anderem auch die Eurythmie weisen, die den ganzen Menschen zum Kehlkopf macht, das heißt, durch den ganzen Menschen das ausdrückt, was sonst nur der Kehlkopf ausdrückt, damit die Menschen wiederum verspüren, daß auch, wenn sie die Lautsprache sprechen, sie nur Gebärden machen. Ich sage «Vater», ich sage «Mutter»: Wenn ich alles generalisieren werde, so kann ich mich nur dann wahrhaftig ausdrücken, wenn der andere sich mit mir zusammen im sozialen Element eingelebt hat in diese Dinge, wenn er die Gebärde versteht. Wir erstehen nur dann aus der Ohnmacht, die wir schon der Sprache gegenüber empfinden können, wir feiern daraus die Auferstehung, wenn wir verstehen, daß, indem wir den Mund aufmachen, wir bereits christlich sein müssen. Dasjenige, was geworden ist aus dem Worte, aus dem Logos im Laufe der Entwickelung, es ist nur dann zu verstehen, wenn der Logos wiederum mit dem Christus verbunden wird, wenn wir uns bewußt werden: Unser Leib, indem er das Werkzeug des Aussprechens wird, zwingt die Wahrheit herunter, so daß sie teilweise erstirbt auf unseren Lippen, und wir beleben sie wiederum in Christo, wenn wir uns bewußt werden, daß wir sie vergeistigen müssen, das heißt, den Geist mitdenken, nicht die Sprache als solche hinnehmen, sondern den Geist mitdenken. — Das müssen wir lernen, meine lieben Freunde.

[ 53 ] In the humanities, one attempts to rise above this admission—that with every assertion you speak untruth—by proceeding in a certain way, which I have often described to you. I have often told you: What matters in spiritual science is not so much what is said—for that would just as easily fall prey to this judgment of powerlessness—but rather how it is said. — Try to follow—you can do this in my writings as well—how every subject is characterized from the most diverse perspectives, how an effort is always made to characterize a thing from one side and from the other. Only then can one approach things. For anyone who believes that the words themselves are anything other than a form of eurythmy is very much mistaken. Words are merely a form of eurythmy performed by the larynx and aided by the breath. They are simply gestures—except that these gestures are not made with the hands and feet, but with the larynx. We must become aware that we are merely pointing toward something, and that we can only gain a proper relationship to the truth when we see in words hints of what we wish to express, and when we live together as human beings in such a way that we are conscious that these hints live within the words. This is one of the things that eurythmy aims to point out; it transforms the whole human being into the larynx—that is, it expresses through the whole human being what is otherwise expressed only by the larynx—so that people may once again sense that even when they speak spoken language, they are merely making gestures. I say “Father,” I say “Mother”: If I were to generalize, I can only truly express myself if the other person has, together with me, become attuned to these things within the social context, if they understand the gesture. We rise from the powerlessness we may already feel in the face of language—we celebrate the resurrection from it—only when we understand that, by opening our mouths, we must already be Christian. That which has come into being from the Word, from the Logos, in the course of evolution, can be understood only when the Logos is once again united with Christ, when we become aware that: Our body, by becoming the instrument of speech, forces the truth down, so that it partially dies on our lips, and we revive it again in Christ when we become aware that we must spiritualize it—that is, think with the Spirit, not accept language as such, but think with the Spirit. — This is what we must learn, my dear friends.

[ 54 ] Ich weiß nicht, ob morgen die Zeit das gestatten wird, auch öffentlich auf eine solche Sache aufmerksam zu machen. Ich würde es gerne tun, aber ich will hier zunächst es aussprechen. Wenn ich es morgen noch einmal zu wiederholen hätte, so mögen Sie sich nicht daran stoßen. Ich will hier zunächst sagen, was ich an verschiedenen Orten öffentlich gesagt habe. Sehen Sie, man kann eine merk würdige Entdeckung machen. Ich will das an einem besonderen Fall charakterisieren. Ich habe genau studiert die wirklich sehr interessanten Aufsätze, die Woodrow Wilson geschrieben hat, Vorträge über amerikanische Geschichte, amerikanische Literatur, amerikanisches Leben. Man kann sagen, daß von diesem Woodrow Wilson gerade die amerikanische Entwickelung, wie sie so vor sich geht von dem amerikanischen Osten nach dem Westen, großartig, gewaltig geschildert wird. So ganz als Amerikaner schildert er, und sehr fesselnd sind diese in Aufsätzen wiedergegebenen Vorträge. «Nur Literatur» heißen sie; man lernt das amerikanische Wesen — denn Woodrow Wilson ist der typischeste Amerikaner — dadurch kennen, daß man diese Aufsätze liest. Nun habe ich verglichen — es läßt sich der Vergleich ganz objektiv vornehmen — manches in den Aufsätzen von Woodrow Wilson mit Aussprüchen zum Beispiel von Herman Grimm, einem Mann, der durch und durch typischer Deutscher des 19. Jahrhunderts, typischer Mitteleuropäer des 19. Jahrhunderts ist, ein Mann, der durch seine Schreibweise mir ebenso sympathisch ist, wie Woodrow Wilson mir durch und durch unsympathisch ist. Aber das nur persönlich nebenbei. Ich liebe die Schreibweise von Herman Grimm, und ich empfinde als etwas mir ganz Widerstrebendes die Schreibweise von Woodrow Wilson, aber man kann dabei ganz objektiv sein: Der typische Amerikaner Woodrow Wilson schreibt einfach ganz glänzend, großartig, namentlich über die Entwickelung des amerikanischen Volkes. — Und nun kam etwas anderes in Betracht, indem ich verglichen habe Woodrow Wilson- und Herman Grimm-Aufsätze, wo beide geschrieben haben über die Methode der Geschichte. Man kann Sätze von Woodrow Wilson herübernehmen, sie stimmen fast wörtlich genau überein mit Sätzen, die Herman Grimm geschrieben hat, und man kann Sätze von Herman Grimm herübersetzen in Woodrow Wilsons Aufsätze — sie stimmen ganz überein. — Jede Entlehnung ist ausgeschlossen! Es ist gar keine Rede davon, daß ich auf eine Entlehnung hindeuten will; das ist ganz ausgeschlossen. Hier ist der Punkt, wo man, ohne ins Bourgeoise, Philiströse zu verfallen, so recht lernen kann: Wenn zwei dasselbe sagen, ist es nicht dasselbe. — Denn nun wird es zum Problem: Was ist denn da Merkwürdiges, daß eigentlich viel eindringlicher, viel suggestiver als Herman Grimm in seiner Methode der Geschichte je geschildert hat, Woodrow Wilson seine Amerikaner schildert, und dabei in seiner Schilderung [wie] in Sätzen von Herman Grimm spricht? Woher rührt das? Es wird wirklich zum Problem.

[ 54 ] I don’t know if time will permit me tomorrow to draw public attention to such a matter. I would like to do so, but I want to say it here first. If I were to repeat it again tomorrow, I hope you won’t take offense. I want to say here first what I have said publicly on various occasions. You see, one can make a remarkable discovery. I’d like to illustrate this with a specific example. I have carefully studied the truly fascinating essays written by Woodrow Wilson—lectures on American history, American literature, and American life. One could say that Woodrow Wilson provides a magnificent, powerful portrayal of American development as it unfolds from the American East to the West. He describes it entirely as an American would, and these lectures, reproduced in essay form, are very captivating. “ They are titled “Just Literature”; by reading these essays, one comes to know the American spirit—for Woodrow Wilson is the quintessential American. Now I have compared—and the comparison can be made quite objectively—certain passages in Woodrow Wilson’s essays with statements by, for example, Herman Grimm, a man who is through and through a typical 19th-century German, a quintessential 19th-century Central European—a man whose writing style appeals to me just as much as Woodrow Wilson’s is thoroughly unappealing to me. But that is just a personal aside. I love Herman Grimm’s writing style, and I find Woodrow Wilson’s writing style utterly repulsive, but one can remain entirely objective here: The quintessential American, Woodrow Wilson, simply writes brilliantly, magnificently—particularly on the development of the American people. — And now something else came to mind as I compared essays by Woodrow Wilson and Herman Grimm, in which both wrote about the method of history. One can take sentences from Woodrow Wilson; they correspond almost word for word with sentences written by Herman Grimm, and one can translate sentences from Herman Grimm into Woodrow Wilson’s essays—they match perfectly. — Any borrowing is out of the question! There is absolutely no question of my implying plagiarism; that is entirely out of the question. Here is the point where one can truly learn, without falling into bourgeois or philistine thinking: When two people say the same thing, it is not the same thing. — For now the problem arises: What is so remarkable about the fact that Woodrow Wilson portrays his Americans in a way that is actually far more compelling and evocative than Herman Grimm ever did in his Method of History, yet in doing so speaks in his portrayal [just as] in the sentences of Herman Grimm? Where does this come from? It really does become a problem.

[ 55 ] Nun findet man, wenn man sich darauf einläßt, das Folgende. Wenn man Herman Grimms Stil verfolgt, alles, was er geschrieben hat, da sieht man: Jeder Satz ist persönlich individuell erkämpft, von Satz zu Satz alles persönlich individuell erkämpft. Alles geht vor in dem Lichte der Kultur des 19. Jahrhunderts, aber aus der unmittelbarsten Bewußtseinsseele heraus. Glanzvoll schildert Woodrow Wilson, aber von etwas in seinem Unterbewußtsein selber besessen. Eine dämonische Besessenheit ist vorhanden. In seinem Unterbewußstsein ist etwas, das ihm eingibt dasjenige, was er nun hinschreibt. Der Dämon, der natürlich auf eine besondere Art in einem Amerikaner des 20. Jahrhunderts zum Vorschein kommt, der spricht durch seine Seele. Dadurch das Großartige, das Gewaltige.

[ 55 ] Now, if one allows oneself to delve into it, one finds the following. If one follows Herman Grimm’s style—everything he has written—one sees that every sentence has been personally and individually fought for; from sentence to sentence, everything has been personally and individually fought for. Everything unfolds in the light of nineteenth-century culture, but springs directly from the innermost depths of his consciousness. Woodrow Wilson describes it brilliantly, yet he himself is possessed by something in his subconscious. A demonic obsession is present. In his subconscious there is something that inspires him to write down what he is now putting down on paper. The demon—which, of course, manifests itself in a particular way in a 20th-century American—speaks through his soul. Hence the grandeur, the power.

[ 56 ] Heute, wo die faule Menschheit so oftmals sagt, wenn sie irgendwo etwas liest: Das habe ich dort und dort auch gelesen —, wo sie nur auf den Inhalt geht, heute ist die Zeit, wo die Menschheit lernen muß, daß es gar nicht mehr so sehr auf den Inhalt ankommt, sondern darauf ankommt, wer etwas sagt; daß man kennen muß den Menschen aus dem, was er sagt, weil die Worte nur Gebärden sind und man kennen muß, wer diese Gebärde macht. Das ist dasjenige, in das sich die Menschheit hineinleben muß. Hier liegt ein furchtbar großes Mysterium des allergewöhnlichsten Lebens vor, meine lieben Freunde. Es ist eben ein Unterschied, ob im persönlichen Ich erkämpft wird Satz für Satz, oder aber, ob es von unten oder von oben oder von seitwärts her in irgendeiner Weise zum Beispiel eingegeben ist. Suggestiver sogar wirkt zum Beispiel das Eingeben, weil man demgegenüber, was erkämpft ist, selbst wiederum sich jeden Satz erkämpfen muß. Und die Zeit nähert sich, wo man nicht mehr auf den bloßen wortwörtlichen Inhalt dessen, was man vor der Seele hat, wird zu sehen haben, sondern wo man wird zu sehen haben vor allen Dingen auf diejenigen, die das oder jenes sagen; nicht auf die äußere physische Persönlichkeit, sondern auf den ganzen menschlich-geistigen Zusammenhang.

[ 56 ] Today, when lazy people so often say, whenever they read something somewhere: “I’ve read that here and there too”—focusing only on the content—today is the time when humanity must learn that it is no longer so much the content that matters, but rather who is saying it; that one must know the person from what he says, because words are merely gestures, and one must know who is making that gesture. This is what humanity must come to understand. Herein lies a tremendously great mystery of the most ordinary life, my dear friends. There is indeed a difference between whether each sentence is fought for within the personal “I,” or whether it is, for example, instilled in some way from below, from above, or from the side. Instillation, for example, has an even more suggestive effect, because in contrast to what is fought for, one must in turn fight for every sentence oneself. And the time is approaching when one will no longer have to look merely at the literal content of what one has before one’s soul, but when one will have to look above all at those who say this or that—not at the outer physical personality, but at the entire human-spiritual context.

[ 57 ] Wenn die Menschen heute fragen: Wie finde ich den Christus? —, dann muß man eine solche Antwort geben, denn der Christus läßt sich nicht durch irgendeine Spintisiererei oder durch eine bequeme Mystik erlangen, sondern er läßt sich nur erlangen, wenn man den Mut hat, sich unmittelbar in das Leben hineinzustellen. Und in einem solchen Falle müssen Sie auch der Sprache gegenüber die Ohnmacht fühlen, in die der Leib Sie versetzt hat dadurch, daß er der Träger der Sprache wird; und nachher die Auferstehung des Geistes in dem Worte. Das ist es. Nicht nur: «Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig», welcher Ausspruch ja auch vielfach mißverstanden wird, sondern schon der Laut tötet, und der Geist muß erst wieder lebendig machen, indem man konkret im einzelnen Erleben an den Christus und an das Mysterium von Golgatha anknüpft. In diesem ersten Schritte findet man den Christus: Suchen, nicht bloß, wenn da oder dort schöne Worte stehen, auf ihren Inhalt schauen — heute sind die Menschen das gewöhnt —, sondern suchen nach den menschlichen Zusammenhängen, suchen, wie die Worte hervorkommen aus dem Orte, von dem her sie gesprochen sind. Immer wichtiger und wichtiger wird das. Wenn gerade manche unter uns dies bedenken würden, würden wir nicht so oft es erleben, daß Leute kommen und sagen: Der hat ja ganz anthroposophisch oder theosophisch gesprochen; man lese das nur einmal nach! — Darauf kommt es nicht an, was da für Worte stehen, sondern, aus welchem Geiste heraus sie sind. Nicht Worte wollen wir mit der Anthroposophie verbreiten, sondern einen neuen Geist, den Geist allerdings, der der Geist des Christentums vom 20. Jahrhundert ab sein muß.

[ 57 ] When people today ask, “How do I find Christ?”—one must give this answer: for Christ cannot be attained through mere speculation or a comfortable form of mysticism, but can only be attained if one has the courage to place oneself directly within life. And in such a case, you must also feel the powerlessness you experience in relation to language—the powerlessness into which the body has placed you by becoming the bearer of language—and subsequently, the resurrection of the spirit in the word. That is it. Not only: “The letter kills, the Spirit gives life”—a saying that is, of course, often misunderstood—but even the sound itself kills, and the Spirit must first bring life back by concretely connecting, in individual experience, to Christ and to the Mystery of Golgotha. In this first step one finds Christ: seeking—not merely looking at the content of beautiful words here and there—as people are accustomed to doing today—but seeking the human contexts, seeking how the words emerge from the place from which they were spoken. This is becoming more and more important. If only some among us would consider this, we would not so often experience people coming and saying: “He spoke in a thoroughly anthroposophical or theosophical way; just look it up!” — What matters is not the words themselves, but the spirit from which they spring. With anthroposophy, we do not wish to spread words, but a new spirit—the spirit, indeed, that must be the spirit of Christianity from the 20th century onward.

[ 58 ] Das, meine lieben Freunde, wollte ich noch anknüpfen. Ich bin glücklich, daß ich es anknüpfen konnte an dasjenige, was ich vor acht Tagen hier ausgeführt habe, und daß ich wiederum zu Ihnen von diesen uns alle berührenden Angelegenheiten sprechen konnte, und ich hoffe, daß wir in kürzester Zeit einmal wiederum auch diese Zweigbetrachtungen hier in Zürich fortsetzen können. In diesem Sinne denken wir ja immer daran, wenn wir auch räumlich voneinander getrennt sind: Wir sind als Anthroposophen in den Seelen beisammen, und in diesem Sinne wollen wir immer in dem Geiste der Menschheit, der da walten und wirken soll, getreu auch beisammen bleiben.

[ 58 ] That, my dear friends, is what I wanted to follow up on. I am happy that I was able to build on what I presented here eight days ago, and that I was once again able to speak to you about these matters that touch us all, and I hope that we will be able to continue these branch-specific reflections here in Zurich again very soon. In this sense, let us always remember—even when we are physically separated from one another—that as anthroposophists we are united in spirit, and in this sense let us always remain faithfully united in the spirit of humanity that is meant to reign and work among us.