The Science of Human Development
GA 183
17 August 1918, Dornach
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The Science of Human Development, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Daß es mir die tiefste Befriedigung gewährt, die Arbeit in Ihrer Mitte an diesem unserem Bau und um unseren Bau herum hier wiederum aufnehmen zu können, das werden Sie mir wohl ohne weiteres glauben. Es ist ja tatsächlich so, daß heute nicht nur bei tieferem Nachdenken, sondern, man darf sagen, schon bei oberflächlicherem Nachdenken demjenigen, der der ganzen Aura dieses Baues nahegetreten ist, der Gedanke aufgehen könnte, daß mit diesem Bau doch etwas verknüpft ist, was mit den bedeutungsvollsten, schwerwiegendsten Aufgaben der Menschenzukunft zusammenhängt. Und nach längerer, erzwungener Abwesenheit ist es ja selbstverständlich, daß man sich mit tiefster Befriedigung wiederum an der Stätte befindet, an der dieser Bau als ein Symbolum unserer Sache steht.
[ 1 ] You will surely believe me when I say that it gives me the deepest satisfaction to be able to resume work here among you, on and around our building. Indeed, it is true that today—not only upon deeper reflection, but, one might say, even upon more superficial reflection—the thought might occur to anyone who has come into contact with the entire aura of this building that something is connected to it that relates to the most significant and weighty tasks of humanity’s future. And after a prolonged, forced absence, it goes without saying that one feels the deepest satisfaction at once again finding oneself at the site where this building stands as a symbol of our cause.
[ 2 ] Zu dem Gesagten darf ich wohl hinzufügen, daß für mich besonders jedesmal, wenn ich jetzt nach längerer Abwesenheit wiederkomme, die tiefste Befriedigung daraus resultiert, daß ich ja immer dann sehen kann, wie schön und wie bedeutungsvoll die Arbeit an diesem Bau durch die hingebungsvolle Tätigkeit der am Bau Arbeitenden weiter gefördert worden ist. Insbesondere in diesen Monaten meiner letzten Abwesenheit, wo ja unter so schwierigen Verhältnissen gearbeitet worden ist, ist ja gerade ein Teil der künstlerischen Arbeit in einer unvergleichlichen Weise fortgeschritten, fortgeschritten in dem Geiste, der dieses Ganze durchdringen soll.
[ 2 ] I might well add to what has been said that, for me personally, every time I return after a long absence, I derive the deepest satisfaction from seeing just how beautifully and meaningfully the work on this building has continued to progress thanks to the dedicated efforts of those working on the site. Especially during these past months of my latest absence, when work was carried out under such difficult conditions, a particular aspect of the artistic work has advanced in an incomparable way—advancing in the very spirit that is meant to permeate the entire project.
[ 3 ] Aber auch mit tiefer Befriedigung sehe ich bei Verfolgung des Geistes unserer Arbeit, bei Verfolgung desjenigen, was hier entsteht, das Verbundensein treuer Gesinnung bei vielen unserer Freunde, treuer Gesinnung gegenüber dem, was sich gerade in diesem Bau verkörpert. Und dasjenige, was dann beim Wieder-auf-sich-wirkenLassen dieser Sache der Seele sich offenbart, das ist doch, daß hier eine Stätte vorhanden ist, mit welcher verbunden ist eine solche treue Gesinnung einer Anzahl von Freunden unserer geistigen Bewegung, einer solch treuen Gesinnung, die da verspricht, daß sich die besten Impulse unserer geistigen Bewegung in die Zukunft der Menschheit hinein halten werden, der sie so notwendig sein werden. Es gibt schon innerhalb gerade der diesem Bau gewidmeten Arbeit etwas, was Vorbild sein könnte für dasjenige, was im allgemeinen mit dem, was sich unter uns heute Anthroposophische Gesellschaft nennt, eigentlich gewollt ist.
[ 3 ] But it is also with deep satisfaction that, as I follow the spirit of our work and observe what is taking shape here, I see the shared sense of loyalty among many of our friends—a loyalty to what is embodied in this very building. And what then reveals itself to the soul when it allows this matter to work upon it once more is that there is a place here connected to such a loyal spirit among a number of friends of our spiritual movement—a spirit so loyal that it promises the best impulses of our spiritual movement will endure into the future of humanity, where they will be so necessary. Even within the work dedicated specifically to this building, there is something that could serve as a model for what is actually intended in general by what is known among us today as the Anthroposophical Society.
[ 4 ] Aber ich habe auf der andern Seite vielfach wiederum das Gefühl, daß das Günstige, das bedeutungsvoll Gute, das man hier im Zusammenwirken von Menschenarbeit und Menschengefühl mit diesem Bau finden kann, gerade darinnen besteht, daß dieser Bau etwas ist, was gewissermaßen in seiner Objektivität das, was durch unsere Bewegung gewollt wird, loslöst von den subjektiven Interessen der einzelnen Menschen.
[ 4 ] But on the other hand, I often have the feeling that the positive, the truly meaningful good that can be found here in this building—through the interplay of human labor and human emotion—lies precisely in the fact that this building is, in a sense, something whose objectivity detaches what is intended by our movement from the subjective interests of individual people.
[ 5 ] Über dieses jetzt eben Berührte waren ja — und sind — in allen ähnlichen Gesellschaften, auch in der Anthroposophischen Gesellschaft, gewisse merkwürdige Anschauungen vorhanden, die eigentlich nichts anderes sind als merkwürdige Illusionen. Man predigt viel von Selbstlosigkeit, von allgemeiner Menschenliebe; aber das sind oftmals bloße Masken für gewisse, nur raffinierte egoistische Interessen der einzelnen Menschen. Gewiß, die einzelnen Menschen wissen nicht, daß es sich für sie um bloße egoistische Interessen handelt, sie sind vor ihrem eigenen Bewußtsein gewissermaßen unschuldig; aber es ist doch so. Der Bau selbst verlangt aber von einer schon ziemlich großen Anzahl unserer Freunde eine selbstlose Hingabe an etwas Objektives, an etwas, was als ein von jeder einzelnen Persönlichkeit losgelöstes Symbolum unserer Sache dasteht. Und insoferne wird wohl dasjenige, was mit diesem Bau zusammenhängt, vorbildlich sein können für das, was unsere Bewegung will.
[ 5 ] Regarding this very topic just touched upon, there have been—and still are—certain peculiar views in all similar societies, including the Anthroposophical Society, which are really nothing more than strange illusions. There is much talk of selflessness and universal love for humanity; but these are often mere masks for certain, merely sophisticated egoistic interests of individual people. Certainly, the individuals themselves are unaware that these are merely egoistic interests; in a sense, they are innocent in their own consciousness; but that is nevertheless the case. The building itself, however, demands of a fairly large number of our friends a selfless devotion to something objective—to something that stands as a symbol of our cause, detached from any individual personality. And in this respect, what is connected with this building may well serve as a model for what our movement seeks.
[ 6 ] Meine lieben Freunde, wenn wir uns so wie heute wiederum begrüßen, da dürfen wir insbesondere die Blicke richten auf das Fruchtbare und Umfassende dieser unserer geistigen Bewegung, und wir dürfen bei einer solchen Begrüßung bedenken, daß es uns ernst sein kann mit dem Glauben: Wie es auch immer geschehen mag — das Wie, das kann ja noch so oder so, je nach den Verhältnissen sich abspielen —, aus der furchtbaren Sackgasse, in welche die Menschheit hineingeraten ist in der Gegenwart, wird sie nicht früher herauskommen, als bis sie sich entschließt, in irgendeiner Weise Anknüpfungspunkte zu suchen für fruchtbares Wirken, fruchtbares Tun innerhalb einer solchen geistigen Bewegung, wie es die unsrige ist. Wir werden ja ganz gewiß nicht in egoistischer Weise darauf bestehen, die Wahrheit gerade nur innerhalb unseres engen, beschränkten Kreises zu haben; aber wir dürfen uns in einem Kreise zusammengehörig wissen, welcher erkennt, daß die Menscheit wegen des Vernachlässigens ihrer Geistessubstanz sich in diese furchtbare Lage der Gegenwart gebracht hat. Wissen können wir uns als solche Menschen, die vereint sind mit jenen Ideen, die einzig und allein hinausführen können aus der Sackgasse, in welche die Menschheit gekommen ist.
[ 6 ] My dear friends, as we greet one another once again today, we should focus in particular on the fruitful and all-encompassing nature of our spiritual movement, and we should bear in mind as we do so that we can be serious about our faith: However it may come to pass—the “how” can, of course, play out in one way or another, depending on the circumstances—humanity will not emerge from the terrible impasse into which it has fallen at the present time until it resolves to seek, in whatever way, points of connection for fruitful work and fruitful action within a spiritual movement such as ours. We will certainly not selfishly insist that the truth lies solely within our narrow, limited circle; but we may consider ourselves part of a community that recognizes that humanity has brought itself into this terrible present situation by neglecting its spiritual substance. We can recognize ourselves as those who are united with the ideas that alone can lead us out of the impasse into which humanity has fallen.
[ 7 ] Es ist ja in den Seelen der heutigen Menschen ungemein vieles ungeklärt. Wenn man wiederum da und dort sich hat unterrichten können über die Bedürfnisse, die obwalten nach unserer geistigen Bewegung, so kann man auf der einen Seite sagen: Ja, es sind doch die Seelen derjenigen, die da dürsten nach jenem spirituellen Leben, das wir meinen, der Zahl nach in starker Zunahme begriffen. Die Sehnsucht nach solchem spirituellem Leben, sie hat sich, das darf wohl gesagt werden, ungeheuer vergrößert. Die Aufmerksamkeit, welche entgegengebracht wird unseren Impulsen, sie ist unstreitig in den letzten Jahren auch eine größere geworden, wenigstens auf den Gebieten, die mir in äußerlicher Weise in diesen letzten Jahren und insbesondere in den letzten’ Monaten zugänglich waren. Auch das wird nicht ganz bedeutungslos sein, zu bemerken, daß eine solche Vergrößerung und Verstärkung dieser Sehnsucht der Menschenseelen nach dem spirituellen Leben ganz deutlich vorhanden ist. Allerdings steht dieser Verstärkung und Verschärfung der Sehnsucht nach dem spirituellen Leben das andere gegenüber: jene furchtbare Beirrung, unter welcher der weitaus größte Teil der Menschheit leidet, jene furchtbare Beirrung, welche durch die altüberkommenen Ideen, oder man könnte besser sagen, durch die altüberkommene Ideenlosigkeit innerhalb der Menschheit bewirkt wird, die, man möchte sagen, Bequemlichkeit gegenüber jedem starken, jedem scharfen Gedanken, jene Bequemlichkeit, die einfach herrührt aus der Laxheit, aus der Trägheit, mit der das Gedankenleben seit vielen Jahrzehnten über die Erde hin geführt worden ist. Diese Laxheit, diese Trägheit beirrt die Seelen in dem vorhandenen Sehnen nach dem spirituellen Leben. Auf der einen Seite stecken die Menschen drinnen in einer wirklichen Sehnsucht nach Geistigkeit, nach übersinnlichen, starken Impulsen. Auf der andern Seite werden die Seelen niedergehalten von all jenen alten Mächten, die nicht abtreten mögen vom Schauplatz des Menschenwirkens und die doch sehen könnten aus dem, wie weit sie es gebracht haben, daß sie nicht mehr auf diesen Schauplatz des Menschenwirkens gehören. Man möchte sagen, daß man diesen dunkeln Eindruck, diesen zwiespältigen Eindruck überall hat.
[ 7 ] There is, after all, an immense amount that remains unclear in the souls of people today. If, on the other hand, one has been able to learn here and there about the needs that prevail within our spiritual movement, then one can say, on the one hand: Yes, the number of souls thirsting for the kind of spiritual life we have in mind is indeed growing rapidly. The longing for such a spiritual life—it must be said—has increased tremendously. The attention paid to our impulses has undeniably grown in recent years, at least in the areas that have been outwardly accessible to me in recent years and especially in recent months. It is also not entirely insignificant to note that such an increase and intensification of this longing in human souls for spiritual life is quite clearly present. However, this intensification and deepening of the longing for spiritual life is counterbalanced by something else: that terrible delusion from which the vast majority of humanity suffers, that terrible delusion brought about by time-honored ideas—or, one might better say, by the time-honored lack of ideas within humanity—which, one might say, a complacency toward every strong, every sharp thought—that complacency which simply stems from the laxity, from the inertia with which intellectual life has been conducted across the earth for many decades. This laxity, this inertia, misleads souls in their existing yearning for spiritual life. On the one hand, people are filled with a genuine longing for spirituality, for supersensory, powerful impulses. On the other hand, souls are held back by all those old forces that are unwilling to step down from the stage of human activity, even though they could see, given how far they have come, that they no longer belong on this stage of human activity. One might say that this dark impression, this ambivalent impression, is felt everywhere.
[ 8 ] Ich habe ja unter unseren Mitgliedern an manchen Orten, in Hamburg, in Berlin, in München, vielfach, in Anknüpfung an durch Lichtbilder wiedergegebene Darstellungen, von unserer Gruppe gesprochen, die an der Hauptstelle unseres Baues stehen soll. Man konnte auf der einen Seite sehen, wie tatsächlich mächtige Impulse in die Seelen auch derjenigen hineingehen, die durch die Verhältnisse der letzten Jahre niemals einen Blick werfen konnten auf das, was hier geschieht. Ein neues Menschenverständnis geht schon aus von der Art und Weise, wie das Ahrimanisch-Luziferische mit dem Christlichen zusammen gedacht wird und dargestellt, geoffenbart wird durch unsere Gruppe. Es ergreift die Seelen, wenn das, was durch diese Dinge gegeben wird, an diese Seelen herantritt. Allein, auf der andern Seite zeigen sich überall die hemmenden Einflüsse dessen, was als Überbleibsel des Alten, Verfaulten am sogenannten Kulturleben sich über die Menschheit verbreitet.
[ 8 ] I have, in fact, spoken to our members in various places—in Hamburg, Berlin, Munich, and many other locations—about our group, which is to be situated at the heart of our project, using photographs to illustrate my points. On the one hand, one could see how powerful impulses are indeed entering the souls of even those who, due to the circumstances of recent years, have never been able to catch a glimpse of what is happening here. A new understanding of humanity is already emerging from the way in which the Ahrimanic-Luciferic is conceived in conjunction with the Christian, and is presented and revealed through our group. It moves the souls when what is conveyed through these things reaches them. Yet, on the other hand, the inhibiting influences of what remains of the old, decayed elements of so-called cultural life are evident everywhere, spreading across humanity.
[ 9 ] Das hat man ja insbesondere sehen können an der, man darf wahrhaftig im tiefsten Sinne sagen, humoristischen Art, wie den Vorträgen begegnet wurde, die ich im Kunsthause unseres Freundes, des Herrn von Bernus in München gehalten habe, worinnen ich versuchte, die inneren Impulse unserer hier betätigten Kunstanschauung einem größeren Publikum nahezubringen. Ja, Interesse hat das bei den Leuten außerordentlich viel erregt, denn ich habe im Februar und im Mai solche Vorträge in München gehalten, und ich mußte jeden dieser Vorträge zweimal halten; Herr von Bernus aber versicherte mir, es wären so viel Anfragen da, daß ich jeden dieser Vorträge vor einem öffentlichen Publikum, worin ich die Prinzipien meiner Kunstanschauung, wie sie hier in dem Bau zutage treten, dargelegt habe, hätte viermal halten können. Interesse war schon da. Aber da, wo man selbstverständlich unfroh sein würde, wenn Zustimmung vorhanden wäre, bei der Münchner Zeitungskritik, da war, man kann schon sagen, in edelstem Sinne humoristisches Zähnefletschen da. Es war insbesondere humoristisch, weil der innere Groll gegen etwas, was man gar nicht verstehen konnte, sich da so geltend machte: Es war alles solch — nicht gesprochenes, sondern gespieenes Zeug! Verzeihen Sie den harten Ausdruck. Und es zeigte sich gerade an dem Interesse, das der Sache entgegengebracht wurde, worinnen Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sich aussprach, im Gegensatze zu dem, was aus diesem Kunstmittelpunkte sonst sich zeigte — das ist ja München selbstverständlich, nicht wahr, das ist ja bekannt —, es zeigte sich also, wie in diesem Kunstmittelpunkte sowohl das verständigste als auch das unverständigste Zeug geredet wurde. Gerade an dieser Diskrepanz zeigte sich an einem Beispiel, wie diese zwei Strömungen, von denen ich Ihnen sprach, in der Gegenwart vorhanden sind; wie wir wirklich uns bewußt sein dürfen, in etwas ganz Wesentlichem und Wichtigem drinnenzustehen, das für die Welt, für die Zukunft zu erkämpfen ist.
[ 9 ] This was particularly evident in the—and one may truly say, in the deepest sense of the word—humorous manner in which the lectures I gave at the art gallery of our friend, Mr. von Bernus, in Munich were received; in these lectures, I attempted to convey the inner impulses of our artistic perspective, as practiced here, to a wider audience. Yes, this aroused an extraordinary amount of interest among the people, for I gave such lectures in Munich in February and May, and I had to give each of these lectures twice; Mr. von Bernus, however, assured me that there were so many requests that I could have given each of these lectures—in which I expounded the principles of my artistic philosophy as they are manifested here in this building—four times to a public audience. There was certainly interest. But where one would naturally expect to be unhappy if there were approval—namely, among the Munich newspaper critics—there was, one might say, a humorous baring of teeth in the noblest sense. It was humorous in particular because the inner resentment toward something they simply could not understand made itself felt so strongly there: It was all such—not spoken, but spat-out—rubbish! Please forgive the harsh expression. And it was precisely evident in the interest shown in the matter—in which honesty and sincerity were expressed—in contrast to what was otherwise evident from this artistic hub—that is, of course, Munich itself, isn’t it? That is well known—it was thus evident how, in this artistic hub, both the most intelligible and the most incomprehensible stuff was being discussed. It was precisely this discrepancy that illustrated, through a single example, how these two currents I spoke to you about are present today; how we may truly be aware that we are involved in something quite essential and important that must be fought for on behalf of the world and the future.
[ 10 ] Ich sage das alles sicher nicht deshalb, weil ich irgendwie anstreben würde, wenn die Dinge in die Öffentlichkeit treten, wie man sagt, eine «gute Presse» zu bekommen; denn ich würde in dem Augenblicke, wo eine «gute Presse» auftritt, glauben: Da muß selbstverständlich irgend etwas nicht richtig sein, da muß irgend etwas Falsches auf unserer Seite geschehen sein.
[ 10 ] I certainly am not saying all this because I am somehow hoping to get what people call “good press” if things become public; for the moment “good press” appears, I would believe: “Of course, something must be wrong here; something must have gone wrong on our part.”
[ 11 ] Alle diese Dinge sind ja geeignet, in uns das Bewußtsein hervorzurufen, daß wir gar sehr nötig haben, mit aller Entschiedenheit auf dem Boden unserer Sache zu stehen. Denn nichts könnte uns in schlimmere Verwirrung hineinführen, als wenn wir irgendwelche Kompromisse schließen wollten mit dem, wovon die Außenwelt meint, daß es das Richtige wäre für uns. Nur in den Prinzipien unserer Sache selbst müssen wir dasjenige finden, was uns die Richtung für unser Tun angibt.
[ 11 ] All these things are, after all, likely to awaken in us the realization that we very much need to stand firm on the ground of our cause. For nothing could lead us into greater confusion than if we were to make any compromises with what the outside world believes is right for us. It is only in the principles of our cause itself that we must find what guides our actions.
[ 12 ] Auch für so etwas, das mehr mittelbar mit unserer Sache zusammenhängt, aber doch innerlich zusammenhängt, auch für die Eurythmie hat sich ja in der letzten Zeit ein immer steigendes Interesse an den verschiedensten Orten gezeigt. Und wenn wir, die wir da waren, uns erinnern, wie zum Beispiel gerade die Eurythmie in einem Orte aufgenommen worden ist, wo sie fast noch gar nicht gesehen worden ist, wo sie zum Teil sogar etwas Neues war für diejenigen, die sie gesehen haben, in Hamburg, so muß man sich wirklich an die Art, wie da die Sache aufgenommen wurde, mit einer tiefen Befriedigung erinnern. Gerade in Hamburg konnte man sehen, wie bedeutungsvoll die Impulse sind, die auch von einer solchen Sache ausgehen können. Und da waren Leute, die eigentlich im Grunde zum erstenmal so recht einen eurythmischen Wurf gesehen haben. Und es wird vielleicht auch für die Eurythmie die Möglichkeit kommen, mit ihr in die Öffentlichkeit einzutreten. Aber gerade dann müssen wir mit solch einer Sache auf dem allerfestesten Boden stehen, nichts anderes tun, als was lediglich aus unserer Sache selbst heraus folgt. Sonst würde sich sehr bald zeigen, daß von einem gewissen Punkte ab niemand glauben darf, daß ich in einer gewissen Sache, wenn es auf mich selbst ankommt, biegsam bin. Die meisten von Ihnen wissen schon, daß ich selbstverständlich überall da, wo es nicht auf etwas Prinzipielles ankommt, sondern wo es darauf ankommt, menschlich zu sein, das Menschliche in den Vordergrund zu stellen, in jeder Weise mit allen Menschen mitgehe aber wo es an die Grenze kommt, daß auch nur im geringsten irgend etwas Prinzipielles verleugnet werden müßte, da würde ich mich nicht als biegsam erweisen. Wenn also in der jetzigen Zeit, wo so vieles an Tänzerei gesehen werden kann — denn überall wird ja getanzt, das ist ja ganz schrecklich, man könnte an jedem Abend, wenn man in einer größeren Stadt wohnt, einen Tanzabend mitmachen, wo überall schaugetanzt wird —, wenn man da glauben würde, und ich sage diese Sache nicht so ohne Begründung, obwohl ich auf nichts Konkretes hinweise, daß, wenn diese unsere Eurythmie jetzt vor die Öffentlichkeit treten würde, wir irgendwie uns binden sollten an eine journalistische Verständnislosigkeit, die irgendwelche Anforderungen stellte, so würde ich mich in der ganz entschiedensten Weise dagegen verwahren. Dasjenige, was Geschmacksrichtung ist, was Geschmackstendenz ist, muß lediglich aus unserer Sache selbst hervorgehen.
[ 12 ] Even for something like this—which is more indirectly connected to our cause, yet intrinsically linked to it—even for eurythmy, there has been a steadily growing interest in a wide variety of places in recent times. And when we who were there recall, for example, how eurythmy was received in a place like Hamburg—where it had hardly ever been seen before, and where it was, in some respects, even something new for those who witnessed it—we cannot help but look back on the way it was received with deep satisfaction. In Hamburg in particular, one could see just how significant the impulses are that can emanate from such an event. And there were people who, in essence, were seeing a true eurythmic performance for the very first time. And perhaps the opportunity will also arise for eurythmy to enter the public sphere. But precisely then we must stand on the firmest ground with such an endeavor, doing nothing other than what follows solely from the nature of our work itself. Otherwise, it would very soon become clear that, from a certain point onward, no one can believe that I am flexible in a particular matter when it comes down to me personally. Most of you already know that, of course, wherever it is not a matter of principle but rather a matter of being human—of putting the human aspect first—I go along with everyone in every way; but where it comes to the point where even the slightest principle would have to be denied, I would not prove to be flexible. So in the present day, when there is so much dancing to be seen—for people are dancing everywhere, which is truly dreadful— one could attend a dance evening every night if one lives in a larger city, where people are showing off their dancing everywhere—if one were to believe, and I’m not saying this without reason, even though I’m not pointing to anything specific, that if our eurythmy were to appear in public now, we would somehow be bound by a journalistic lack of understanding that imposes all sorts of demands, I would object to this in the most decisive manner. What constitutes a style, what constitutes a trend in taste, must arise solely from our art itself.
[ 13 ] Wir müssen uns manchmal auch erinnern, insbesondere wenn wir uns wieder begrüßen, an das aus dem Willen folgende, notwendige, geradlinige Sich-Bewegen nach Maßgabe unserer spirituellen Impulse. Diese spirituellen Impulse werden ja gegen manches zu kämpfen haben. Man kann heute nicht mehr bloß sagen Vorurteil, denn die Dinge wirken zu stark, als daß man sie mit dem schwachen Wort Vorurteil belegen könnte; diese Impulse, die werden gegen mancherlei zu kämpfen haben. Immer wieder und wiederum muß ja hingewiesen werden auf die große Krankheit unserer Zeit, welche in der Zügellosigkeit gegenüber dem Gedankenleben besteht. Denn das Gedankenleben ist schon ein spirituelles Leben, wenn man es richtig erfaßt. Und weil die Menscheit so wenig sich an das Gedankenleben halten will, findet sie so wenig den Weg in spirituelle Welten hinein. Und ich muß schon von der verschiedensten Seite immer wieder und wieder eines berühren: Man hält heute furchtbar viel von dem bloßen Inhalt der Gedanken. Aber der Inhalt der Gedanken ist an den Gedanken das am allerwenigsten Wichtige. Nicht wahr, ein Weizenkorn ist ein Weizenkorn; es läßt sich nicht bestreiten. Aber mag ein Weizenkorn auch ein Weizenkorn sein: Wenn Sie ein Weizenkorn in einen guten, fruchtbaren Weizenboden hineinsenken, so bekommen Sie eine saftige Weizenähre daraus; wenn Sie ein Weizenkorn in einen ganz unfruchtbaren, steinigen Boden hineinsenken, bekommen Sie entweder gar nichts oder eine sehr korrupte Weizenähre. Jedesmal haben Sie es mit einem Weizenkorn zu tun.
[ 13 ] We must sometimes remind ourselves—especially when we greet one another again—of the necessary, straightforward movement that flows from the will, in accordance with our spiritual impulses. These spiritual impulses will, after all, have to contend with many things. Today, one can no longer simply call it “prejudice,” for these forces are too powerful to be described by the weak term “prejudice”; these impulses will have to contend with many things. Time and again, we must point out the great illness of our time, which consists in a lack of restraint toward the life of thought. For the life of thought is already a spiritual life, if one grasps it correctly. And because humanity is so unwilling to adhere to the life of thought, it finds so little of a path into the spiritual worlds. And I must touch upon one thing again and again from the most diverse angles: People today place an awful lot of importance on the mere content of thoughts. But the content of thoughts is the least important aspect of thought. Isn’t it true that a grain of wheat is a grain of wheat; there’s no denying that. But even if a grain of wheat is just a grain of wheat: if you plant a grain of wheat in good, fertile soil, you’ll get a lush ear of wheat from it; if you plant a grain of wheat in completely barren, stony soil, you’ll get either nothing at all or a very stunted ear of wheat. In either case, you are dealing with a grain of wheat.
[ 14 ] Sagen wir jetzt etwas anderes statt Weizenkorn. Sagen wir statt Weizenkorn «Idee der freien Menschheit», von der ja heute so viel gesprochen wird; «Idee der freien Menschheit» ist «Idee der freien Menschheit», wird mancher sagen. Das ist geradeso wie: Weizenkorn ist Weizenkorn. Es ist ein Unterschied, ob «Idee der freien Menschheit» in einem Herzen, in einer Seele gedeiht — ganz genau dieselbe Idee mit derselben Begründung —, wo dieses Herz und diese Seele fruchtbarer Boden ist, oder ob die «Idee der freien Menschheit» in Woodrow Wilsons Kopf gedeiht! So wenig wie ein Weizenkorn gedeihen kann, wenn es in einen steinigen Boden oder gar in den Felsen hineingesenkt wird, so bedeuten all die sogenannten schönen Ideen, die in den Programmen Woodrow Wilsons vorkommen, nichts, wenn sie aus diesem Kopfe kommen. Allein dies ist etwas, was der gegenwärtigen Menschheit so unendlich schwer wird einzusehen, weil die gegenwärtige Menschheit eben der Anschauung ist: Man hält sich an den Inhalt von Programmen, an den Inhalt von Ideen. Aber der Inhalt von Programmen, der Inhalt von Ideen, der hat ebensowenig eine Bedeutung, als die Keimkraft eines Weizenkorns eine Bedeutung hat, bevor dieses Weizenkorn in einen gerade für es fruchtbaren Weizenboden gesenkt wird.
[ 14 ] Let’s say something else instead of “grain of wheat.” Instead of “grain of wheat,” let’s say “the idea of free humanity,” which is talked about so much today; “the idea of free humanity” is “the idea of free humanity,” some might say. That’s just like saying: a grain of wheat is a grain of wheat. There is a difference between whether the “idea of a free humanity” flourishes in a heart, in a soul—exactly the same idea with the same rationale—where that heart and that soul are fertile ground, and whether the “idea of a free humanity” flourishes in Woodrow Wilson’s head! Just as a grain of wheat cannot thrive if it is planted in stony ground or even in rock, so all the so-called beautiful ideas that appear in Woodrow Wilson’s programs mean nothing if they come from that mind. Yet this is something that is so incredibly difficult for present-day humanity to grasp, because present-day humanity holds the view that: People cling to the content of programs, to the content of ideas. But the content of programs, the content of ideas, has just as little significance as the germinative power of a grain of wheat has before that grain is sown in soil that is fertile specifically for it.
[ 15 ] Real denken, das ist dasjenige, was der Menschheit so ungeheuer not tut. Und mit dem Unrealdenken der Gegenwart hängt etwas anderes zusammen, hängt zusammen, daß die Menschheit fast von allen Ereignissen überrascht wird. Man kann schon die Frage aufwerfen: Von was ist denn die Menschheit nicht überrascht worden in den letzten Jahren? — Von allem ist sie überrascht worden, und sie wird weiter noch viel mehr überrascht werden, als sie überrascht ist. Aber die Menschheit läßt sich ja nicht irgendwie auf dasjenige ein, was wirksam ist in der Welt. Daher ist es auch heute unmöglich, für irgendeine Sache die Menschheit zu irgendeiner Voraussicht zu bringen.
[ 15 ] Thinking realistically—that is what humanity so desperately needs. And the unrealistic thinking of the present is connected to something else: namely, that humanity is taken by surprise by almost every event. One might well ask: What, after all, has not taken humanity by surprise in recent years? — It has been surprised by everything, and it will continue to be surprised by much more than it has been so far. But humanity does not engage in any meaningful way with what is actually at work in the world. That is why it is impossible even today to lead humanity to any kind of foresight regarding any matter.
[ 16 ] Wenn man mit bloßen Ideen arbeitet, dann kann man von allen Seiten alles durch alles begründen. Wenn man mit dem bloßen Inhalt von Ideen arbeitet, kann man wirklich alles mit allem begründen. Auch das ist etwas, was im Grunde genommen immer mehr und mehr und immer tiefer und tiefer eingesehen werden muß, was aber nicht eingesehen werden will.
[ 16 ] If one works with mere ideas, then one can justify anything from every angle using anything. If one works with the mere content of ideas, one can truly justify anything using anything. This, too, is something that, fundamentally speaking, must be understood more and more and ever more deeply—yet it is something that people are reluctant to understand.
[ 17 ] Gewöhnlich, wenn man von solchen Dingen spricht und dann Beispiele anführt, findet man keinen rechten Glauben, weil die Beispiele zu grotesk sich ausnehmen. Aber von solchen Dingen, die in so grotesken Beispielen zutagetreten, ist unser ganzes gegenwärtiges Seelen- und Geistesleben durchschwirrt. Ich weiß, daß gar mancher vielleicht mit Groll zuhört, wenn ich Ihnen eine recht ausgefallene Idee als ein Beispiel anführe. Ich will eine ganz ausgefallene Idee anführen.
[ 17 ] Usually, when one speaks of such things and then gives examples, people find it hard to believe, because the examples seem too grotesque. But our entire present emotional and spiritual life is interwoven with such things, which come to light in such grotesque examples. I know that quite a few of you may listen with resentment when I cite a rather outlandish idea as an example. I will cite a truly outlandish idea.
[ 18 ] Da ist ein Universitätsprofessor, ein alter, angesehener Universitätsprofessor auf die Tatsache gestoßen, daß Goethe in seinem langen Leben Neigungen gehabt hat für verschiedene Frauen. Darauf ist also ein Universitätsprofessor gestoßen, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Goethes Leben und das Leben der mit ihm zusammenhängenden Geister gründlich zu studieren. Und siehe da, selbstverständlich hat er, trotzdem er nicht gerade ein europäischer Universitätsprofessor ist, es sich zur Aufgabe gemacht, bei diesen Studien so gründlich zu Werke zu gehen, wie sonst in der Regel nur mitteleuropäische Universitätsprofessoren zu Werke gehen: er hat die ganze Galerie der Goetheschen Frauengestalten in ihrem Verhältnis zu Goethe an seiner Seele Revue passieren lassen. Und was hat er herausgefunden? Fast wörtlich kann ich es Ihnen anführen. Er hat herausgefunden: Was man über die jeweilig geliebte Frau in Goethes Leben sagen kann, das ist, daß jede für Goethe eine Art Belgien war, gegenüber welcher er die Neutralität verletzte, und dann darüber geseufzt hat, daß sein Herz blute, indem er über eine leuchtende Unschuld herfallen mußte. Aber er hat auch nicht vergessen, jedesmal wiederum wie der deutsche Kanzler zu behaupten, daß das Gebiet der verletzten Neutralität ein besseres Schicksal verdient haben würde, daß aber er, Goethe, nicht anders gekonnt habe, da seine Bestimmung, die Rechte seines geistigen Lebens ihn verpflichteten, die Geliebte zu opfern, ja den Schmerz seines eigenen Herzens zu opfern auf dem Altar der Pflicht, die er habe gegen sein eigenes unsterbliches Ich.
[ 18 ] There is a university professor—an elderly, distinguished university professor—who stumbled upon the fact that Goethe, throughout his long life, had romantic interests in various women. This was discovered by a university professor who has made it his mission to thoroughly study Goethe’s life and the lives of the intellectuals associated with him. And lo and behold, even though he is not exactly a European university professor, he naturally made it his mission to approach these studies with the same thoroughness that is usually characteristic only of Central European university professors: he reviewed in his mind the entire gallery of Goethe’s female figures and their relationships with him. And what did he discover? I can quote it to you almost verbatim. He discovered this: What can be said about each of the women Goethe loved in his life is that each one was, for Goethe, a kind of Belgium—toward which he violated neutrality—and then he sighed that his heart bled because he had to pounce upon a radiant innocence. But he also did not forget, each time anew, to assert—like the German chancellor—that the territory of violated neutrality would have deserved a better fate, but that he, Goethe, could not have acted otherwise, since his destiny and the rights of his spiritual life obliged him to sacrifice his beloved—indeed, to sacrifice the pain of his own heart on the altar of the duty he owed to his own immortal self.
[ 19 ] Nun, aus diesem Buche könnte ich Ihnen noch manche ausgefallene Idee hier vorlegen. Sie würden sagen: Wozu das? — Aber es hat schon seine guten Gründe, denn derlei Ideen finden Sie heute überallhin über die Erde zerstreut. Sie sind so, die Ideen der heutigen Menschheit. Und nicht umsonst zeigen sich solche Ideen da, wo der Extrakt des menschlichen Denkens in der Literatur auftritt, denn diese Anschauung wird vertreten von Santayana, dem Professor der Harvard-Universität in Amerika, einem sehr angesehenen Spanier, der sich aber ganz amerikanisiert hat, dessen Buch während dieser Menschheitskatastrophe geschrieben worden ist, und dessen französische Ausgabe eingeleitet worden ist von Boutroux, der kurz vor dem Kriege von Heidelberg aus eine große Lobrede über die deutsche Philosophie gehalten hat. Dieses Buch heißt: «L’erreur de la philosophie allemande» und ist wahrhaftig nicht ein Zufallsbuch, sondern es ist ganz charakteristisch für das Denken der Gegenwart, weil ja wirklich mit derselben Leichtigkeit, mit welcher der Professor Santayana die Verletzung der belgischen Neutralität mit den Taten Goethes gegenüber verschiedenen Frauen vergleicht, diese Menschheit das Entferntliegendste zusammenhält. Denn diese Art des Denkens tritt Ihnen, wenn Sie wirklich beobachten können, auf allen Gebieten der sogenannten heutigen Wissenschaft entgegen.
[ 19 ] Well, I could present you with quite a few more outlandish ideas from this book. You might ask, “What’s the point?”—But there are good reasons for it, because such ideas are scattered all over the earth today. That’s just how the ideas of today’s humanity are. And it is no coincidence that such ideas appear where the essence of human thought is expressed in literature, for this view is espoused by Santayana, the professor at Harvard University in America, a highly respected Spaniard who has, however, become thoroughly Americanized, whose book was written during this catastrophe of humanity, and whose French edition was prefaced by Boutroux, who, shortly before the war, delivered a grand eulogy on German philosophy from Heidelberg. This book is titled *L’erreur de la philosophie allemande* and is truly no coincidence; rather, it is entirely characteristic of contemporary thought, for indeed, with the very same ease with which Professor Santayana compares the violation of Belgian neutrality to Goethe’s actions toward various women, this humanity holds together the most disparate elements. For if you are truly observant, you will encounter this way of thinking in all fields of so-called modern science.
[ 20 ] Es ist ja schon einmal die Aufgabe jener geistigen Impulse, denen unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gewidmet ist, gegen drei Grundübel in der gegenwärtigen sogenannten Menschheitskultur anzukämpfen. Sie kann gar nicht anders, als gegen diese drei Grundübel anzukämpfen. Das eine Grundübel zeigt sich auf dem Gebiete des Denkens, das andere auf dem Gebiete des Fühlens, und das dritte auf dem Gebiete des Wollens.
[ 20 ] Indeed, it is the very task of those spiritual impulses to which our anthroposophically oriented spiritual science is dedicated to combat three fundamental evils in contemporary so-called human culture. It cannot help but combat these three fundamental evils. One of these fundamental evils manifests itself in the realm of thinking, another in the realm of feeling, and the third in the realm of willing.
[ 21 ] Auf dem Gebiete des Denkens ist es allmählich dazu gekommen, daß die Menschen nur so denken können, wie dasjenige Denken verläuft, das eng an das physische Gehirn gebunden ist. Aber diesesDenken, das eng an das physische Gehirn gebunden ist, das sich nicht erheben will in freiem Aufschwung zum Spirituellen, das ist unter allen Umständen dazu verurteilt, borniert zu werden, beschränkt zu werden. Und das bedeutungsvollste Kennzeichen, namentlich des gegenwärtigen wissenschaftlichen Denkens, ist die Borniertheit, ist die Beschränktheit. Gewiß, man kann auf dem Felde des Beschränkten, des Bornierten Großartiges leisten. Das tut zum Beispiel die gegenwärtige Naturwissenschaft. Aber zur Naturwissenschaft, wie sie heute gedacht wird, ist ja keine Genialität notwendig. Also: Borniertheit, Beschränktheit, das ist dasjenige, was namentlich auf intellektuellem Gebiete bekämpft werden muß. Ich will heute mehr skizzieren, wir werden diese Dinge genauer besprechen.
[ 21 ] In the realm of thought, it has gradually come to pass that people can think only in the manner dictated by a mode of thinking that is closely bound to the physical brain. But this kind of thinking—which is closely bound to the physical brain and refuses to rise in a free ascent toward the spiritual—is, under all circumstances, doomed to become narrow-minded and limited. And the most significant characteristic, particularly of contemporary scientific thinking, is this narrowness and limitation. Certainly, one can achieve great things within the realm of the limited and the narrow-minded. Contemporary natural science, for example, does just that. But natural science, as it is conceived today, does not require any genius. So: narrow-mindedness and limitation—that is what must be combated, especially in the intellectual realm. I want to outline more today; we will discuss these things in greater detail.
[ 22 ] Auf dem Gebiete des Fühlens handelt es sich darum, daß die Menschheit allmählich zu einer gewissen Philistrosität gekommen ist — man kann das nicht anders nennen —, Engherzigkeit, Philistrosität, Eingeschränktheit auf gewisse engumgrenzte Kreise. Das ist ja das hauptsächlichste Kennzeichen des Philisters, daß er sich nicht für große Weltenzusammenhänge interessieren kann. Kirchturmpolitiker sind immer Philister. Das kann natürlich auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft nicht genügen, denn da kann man sich nicht auf die engsten Kreise beschränken. Man muß sich sogar für das Außerirdische, man muß sich für sehr weite Kreise interessieren. Und die Leute ärgert es ja, wenn jemand auch nur vorgibt, für so weite Kreise wie Mond, Sonne, Saturn, etwas wissen zu wollen. Aber die Philistrosität muß schon auf allen Gebieten der Nichtphilistrosität weichen, wenn Geisteswissenschaft durchdringen soll. Das ist manchmal nicht bequem, denn das fordert rückhaltloses Sich-der-Sache-Gegenüberstellen, und ein mehr vorurteilsloses Sich-der-Sache-Gegenüberstellen.
[ 22 ] In the realm of feeling, the issue is that humanity has gradually come to embrace a certain philistinism—there is no other word for it—narrow-mindedness, philistinism, and confinement to certain narrowly defined circles. That is, after all, the most distinctive characteristic of the philistine: that he is incapable of taking an interest in the great interconnections of the world. Politicians with a parochial outlook are always philistines. Of course, this cannot suffice in the realm of spiritual science, for there one cannot limit oneself to the narrowest circles. One must even take an interest in the extraterrestrial; one must take an interest in very broad spheres. And it does annoy people when someone even pretends to want to know anything about such broad spheres as the Moon, the Sun, or Saturn. But philistinism must give way in all areas of non-philistinism if the humanities are to make inroads. This is sometimes uncomfortable, for it demands unreserved engagement with the subject matter—and an engagement that is more free of prejudice.
[ 23 ] Da ist ja in der letzten Zeit einmal etwas recht Niedliches gerade auf unserem Boden passiert; aber ich habe vorgebeugt, es ist nichts Schlimmes passiert, es hätte nur etwas passieren können! Ich habe Sie werden sich daran noch aus den vorjährigen Zürcher Vorträgen erinnern — unter den verschiedenen Beispielen, wie aus der Naturwissenschaft selber eine Art Überwindung des Darwinismus herauswachsen kann, auf das ausgezeichnete Buch «Das Werden der Organismen» von Oscar Hertwig hingewiesen. Ich habe hier und sonst überall, wo ich nur Gelegenheit gefunden habe, auf dieses ausgezeichnete Buch hingewiesen. Nun erschien sehr bald nach diesem Buch ein kürzeres Buch, worin derselbe Oscar Hertwig über das soziale, das ethische und das politische Leben spricht, und ich hatte mir schon gedacht: Da kann passieren, daß einzelne unserer Mitglieder, wenn sie gehört haben, daß ich gesagt habe, das Buch von Oscar Hertwig «Das Werden der Organismen » sei ein ausgezeichnetes Buch, nun glauben, daß ich denselben Oscar Hertwig für eine unfehlbare Autorität ansehe. Dieses Buch, das als zweites erschienen ist von Oscar Hertwig, ist ein Buch, das nichts taugt, ein Buch, das herrührt von einem Menschen, der auf dem Gebiete, um das es sich da handelt, auf dem Gebiete des sozialen, des ethischen, des politischen Lebens absolut keinen einzigen ordentlichen Gedanken fassen kann. Ich fürchtete schon, daß einzelne unserer Mitglieder nun hätten finden können, daß auch dieses Buch irgendeinen Wert haben könnte, weil es von demselben Oscar Hertwig herrührt. So mußte ich denn vorbauen und habe auch überall, wo ich bisher die Gelegenheit ergreifen konnte, sie ergriffen, um darauf aufmerksam zu machen, daß ich dieses zweite Buch desselben Verfassers, der ein ausgezeichnetes naturwissenschaftliches Buch geschrieben hat, für ein ganz unfruchtbares, törichtes Zeug halte, von einem Menschen, der gar nicht die Möglichkeit hat, über die Dinge zu reden, über die er da redet. Bequem das eine aus dem andern zu folgern, ohne sich jedesmal den Tatsachen aufs neue vorurteilslos gegenüberzustellen, das läßt unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht zu. Die fordert eben wirklich von den Menschen eine Prüfung der Konkretheit gegenüber jedem einzelnen Falle. Philistrosität ist etwas, was schwinden wird, wenn die Impulse der Geisteswissenschaft sich verbreiten. Das auf dem Gebiete des Fühlens.
[ 23 ] Something rather unpleasant has happened here recently; but I took precautions, so nothing bad actually happened—it just could have! You will recall—from last year’s lectures in Zurich—that among the various examples of how a kind of overcoming of Darwinism can emerge from the natural sciences themselves, I referred to Oscar Hertwig’s excellent book *The Development of Organisms*. I have referred to this excellent book here and everywhere else I’ve had the opportunity. Now, very soon after this book was published, a shorter book appeared in which the same Oscar Hertwig discusses social, ethical, and political life, and I had already thought to myself: It may happen that some of our members, having heard me say that Oscar Hertwig’s book *Das Werden der Organismen* is an excellent book, now believe that I regard this same Oscar Hertwig as an infallible authority. This book, which was Oscar Hertwig’s second publication, is a worthless book, a book written by a person who, in the field in question—that of social, ethical, and political life—is absolutely incapable of forming a single coherent thought. I was already afraid that some of our members might have thought that this book, too, could have some value simply because it comes from the same Oscar Hertwig. So I had to take the initiative and have seized every opportunity I’ve had so far to point out that I consider this second book by the same author—who has written an excellent book on the natural sciences—to be utterly fruitless, foolish drivel, written by a person who is completely incapable of speaking about the very things he is discussing. Our anthroposophically oriented spiritual science does not permit us to conveniently deduce one thing from another without each time confronting the facts anew and without prejudice. It truly demands that people examine the concreteness of each individual case. Philistinism is something that will fade away as the impulses of spiritual science spread. This applies to the realm of feeling.
[ 24 ] Und auf dem Gebiete des Wollens, da ist es dasjenige, was so ganz besonders in der neueren Zeit im weitesten Sinne die Menschheit ergriffen hat und was ich doch nicht anders benennen kann denn als Ungeschicklichkeit. Dutch das Eingeschränktsein desjenigen, was man lernt auf einem engen Kreis, kann der heutige Mensch in der Regel viel auf einem engen Kreise, und er ist ziemlich ungeschickt in bezug auf alles, was außerhalb dieses Kreises liegt. Man kann heute Männer kennenlernen, die sich keinen Hosenknopf annähen können! Ungeschicklichkeit außerhalb eines engsten Kreises, das ist dasjenige, was auf dem Gebiete des Willens insbesondere verbreitet ist.
[ 24 ] And in the realm of volition, this is what has so particularly gripped humanity in the broadest sense in recent times, and which I can only describe as clumsiness. Because of the limited scope of what one learns—confined to a narrow circle—people today generally know a great deal within that narrow circle, yet they are quite clumsy when it comes to anything outside of it. One can meet men today who cannot even sew on a button to their pants! Clumsiness outside a very narrow circle—that is what is particularly widespread in the realm of the will.
[ 25 ] Wer nun nicht mit den bloßen abstrakten Gedanken, sondern mit der ganzen Seele bei dem ist, was man hier Geisteswissenschaft nennt, der wird sehen, daß diese Geisteswissenschaft in die Geschicklichkeit der Hände hineingeht, daß sie den Menschen geschickter macht, daß sie ihn geeignet macht, wirklich wiederum sein Interesse auf weitere Kreise, sein Wollen über eine weitere Welt auszudehnen. Natürlich ist gerade mit Bezug auf die Ungeschicklichkeit Geisteswissenschaft noch zu schwach, aber je stärker wir sie aufnehmen, desto mehr wird sie eine Bekämpferin sein der Ungeschicklichkeit.
[ 25 ] Whoever approaches what is called spiritual science here not with mere abstract thoughts but with their whole soul will see that this spiritual science permeates the dexterity of the hands, that it makes people more skilled, that it enables them to truly expand their interest to broader spheres and their will to a wider world. Of course, spiritual science is still too weak, especially when it comes to clumsiness, but the more we embrace it, the more it will become a force against clumsiness.
[ 26 ] Also das ist es, was beim heutigen Aufnehmen der Geisteswissenschaft, ich möchte sagen, als eine Trinität ihr gegenübersteht: Borniertheit auf intellektuellem Gebiete, Philistrosität, das heißt Engherzigkeit auf dem Fühlensgebiete, Ungeschicklichkeit auf dem Willensgebiete. Und die drei liebt man heute, wenn man auch sich dessen nicht voll bewußt ist. Nichts wird heute mehr geliebt in der ganzen Welt als Ungeschicklichkeit, Philistrosität und Borniertheit. Und indem man diese drei liebt, wird man nicht leicht vordringen können zu den großen Aspekten, zu denen die Menschheit vordringen muß: zu den Aspekten, die sich an die Benennungen Ahriman und Luzifer anknüpfen. Und gerade hier ist etwas Wichtiges zu begreifen in unserer Zeit, denn in unserer Zeit ist unter mannigfaltigen andern Dingen auch ein sehr wichtiger Übergang vom Luziferischen zum Ahrimanischen. Und da sich dieser Übergang nicht bloß sonstwo, sondern auch schon durchaus hier in der Schweiz zeigt, so kann man ja auch hier davon sprechen. Auf diesem Gebiet hat vielleicht hier das erste gerade durch schweizerische Gepflogenheiten weniger Bedeutung erlangt, aber das zweite, das hat alle Aussicht, gerade auf diesem Boden mehr Bedeutung zu erlangen. Die Menschheit ist nämlich in bezug auf gewisse Dinge in einem Übergang von luziferischen zu ahrimanischen Untugenden, von luziferischen Kontraimpulsen in bezug auf die Entwickelung der Menschheit zu ahrimanischen Kontraimpulsen.
[ 26 ] So this is what stands in the way of today’s reception of spiritual science—I would say, as a trinity: narrow-mindedness in the intellectual realm, philistinism—that is, narrow-mindedness in the realm of feeling—and clumsiness in the realm of the will. And these three are cherished today, even if people are not fully aware of it. Nothing is more cherished in the whole world today than clumsiness, philistinism, and narrow-mindedness. And by loving these three, one will not easily be able to advance toward the great aspects toward which humanity must advance: toward the aspects connected with the names Ahriman and Lucifer. And it is precisely here that something important must be understood in our time, for in our time, among many other things, there is also a very important transition from the Luciferic to the Ahrimanic. And since this transition is evident not only elsewhere but also quite clearly here in Switzerland, we can certainly speak of it here as well. In this area, the first aspect may have gained less significance here precisely because of Swiss customs, but the second has every prospect of gaining greater significance on this very soil. For humanity is, in regard to certain things, in a transition from Luciferic to Ahrimanic vices, from Luciferic counter-impulses regarding human development to Ahrimanic counter-impulses.
[ 27 ] Durchaus luziferisch geartet waren gewisse Impulse, die man in der früheren Zeit im Erziehungswesen geltend machte. Man rechnete im Erziehungswesen — wir alle, als wir jung waren, mit Ausnahme der Jüngsten unter uns, wissen ja das sehr genau — mit dem Ehrgeiz, mit der Eitelkeit. Also man rechnete — vielleicht hier in der Schweiz weniger, aber sonst ziemlich viel in der Welt — mit dem Ehrgeiz und der Eitelkeit, mit Ordenswesen, Titelwesen und so weiter, nicht wahr! Die ganze Laufbahn mancher Menschen war aufgebaut auf diesen luziferischen Impulsen der Eitelkeit, des Ehrgeizes, des Mehr-Geltens als ein anderer Mensch und so weiter. Versuchen Sie zurückzudenken, wie das Erziehungswesen schon aufgebaut war auf diesen luziferischen Impulsen.
[ 27 ] Certain impulses that were promoted in the education system in earlier times were decidedly Luciferic in nature. In the field of education—as we all know very well from our own youth, with the exception of the youngest among us—ambition and vanity were taken for granted. So—perhaps less so here in Switzerland, but quite a lot elsewhere in the world—ambition and vanity, along with the system of orders, titles, and so on, were taken for granted, weren’t they! The entire career of many people was built upon these Luciferic impulses of vanity, ambition, the desire to be more important than another person, and so on. Try to think back to how the educational system was already structured around these Luciferic impulses.
[ 28 ] In der Gegenwart strebt man danach, an die Stelle dieser luziferischen Impulse ahrimanische zu setzen. Sie hüllen sich heute in das niedliche Wort «Begabtenprüfungen». Das will auf ahrimanischem Gebiete, was das Pochen auf den Ehrgeiz und die Eitelkeit schon bei dem Kinde auf luziferischem Gebiete war. Man strebt heute danach, die Begabtesten herauszufinden, diejenigen, die schon ohnedies in den Klassen am meisten können; aus denen sollen wiederum einzelne herausgezogen werden. Dann stellt man mit diesen Begabtenprüfungen an, Prüfungen des Intellekts, Prüfungen des Gedächtnisses, Prüfungen der Auflassungsgabe und so weiter. Und das ist etwas, wofür die Verfassung des Schweizer Gemütes sehr viel Veranlagung hat. Und wenn auch das Luziferische hier weniger eine Rolle spielte, dieses Ahrimanische, das zeigt sich schon in sehr niedlichen Keimen: Verständnis für diese Begabtenprüfungen. Denn diese Begabtenprüfungen gehen ja aus von der Intelligenz, von der Wissenschaft, von der gegenwärtigen Gelehrtenpsychologie. Da setzt man sich hin, nicht wahr, diejenigen, deren Begabung man prüfen will, man schreibt ihnen auf: Mörder — Spiegel — Opfer des Mörders.
[ 28 ] In the present day, there is a striving to replace these Luciferic impulses with Ahrimanic ones. Today, they are cloaked in the cute term “talent tests.” This aims to achieve in the Ahrimanic realm what the emphasis on ambition and vanity in children already achieved in the Luciferic realm. Today, the aim is to identify the most gifted—those who are already the most capable in their classes—and to single out individuals from among them. Then they resort to these giftedness tests—tests of intellect, tests of memory, tests of comprehension, and so on. And this is something for which the Swiss mindset has a strong predisposition. And even if the Luciferic played a lesser role here, this Ahrimanic aspect is already evident in very subtle seeds: an appreciation for these aptitude tests. For these aptitude tests are, after all, rooted in intelligence, in science, and in contemporary scholarly psychology. So you sit down—don’t you—with those whose aptitude you wish to test, and you write down for them: Murderer — Mirror — Victim of the murderer.
[ 29 ] Nun sitzen sie da, die armen Lämmer, vor den drei Worten Mörder, Spiegel, Opfer des Mörders und sollen Verbindungsglieder suchen. Das eine Kind findet: Der Mörder schleicht sich an sein Opfer heran, aber das Opfer hat einen Spiegel, und in dem spiegelt sich gerade der Mörder, und da kann sich das Opfer noch retten. — Das ist das erste Kind. Seine Auffassungsgabe geht dahin, die drei Worte so zu verbinden.
[ 29 ] Now there they sit, the poor little lambs, faced with the three words “murderer,” “mirror,” and “murderer’s victim,” and they’re supposed to find connections between them. One child comes up with this: The murderer sneaks up on his victim, but the victim has a mirror, and the murderer is reflected in it at that very moment, so the victim is still able to save himself. — That’s the first child. Their understanding leads them to connect the three words in this way.
[ 30 ] Jetzt kommt ein anderes: Ein Mörder. schleicht sich an sein Opfer heran, sieht sich in einem Spiegel; da kommt ihm sein Gesicht vor wie jemand, der kein gutes Gewissen hat, und der Mörder läßt ab von seinem Opfer, weil er sein Gesicht im Spiegel sieht. — Das ist das zweite Kind.
[ 30 ] Now here’s another one: A murderer creeps up on his victim, looks at himself in a mirror; there, his face looks to him like that of someone with a guilty conscience, and the murderer lets go of his victim because he sees his face in the mirror. — That is the second child.
[ 31 ] Das dritte Kind macht eine andere Kombination: Ein Mörder schleicht heran. Dieser Mörder findet einen Spiegel. Er stößt sich an dem Spiegel; der Spiegel fällt herunter, macht einen furchtbaren Lärm, poltert. Das Opfer des Mörders wird auf das Gepolter aufmerksam und kann zur rechten Zeit sich rüsten gegen den Mörder.
[ 31 ] The third child comes up with a different scenario: A murderer creeps up. This murderer finds a mirror. He bumps into the mirror; the mirror falls, making a terrible noise and crashing to the floor. The murderer’s victim hears the crash and is able to prepare to defend himself against the murderer just in time.
[ 32 ] Das letzte Kind ist das Begabteste! Das erste hat nur das Allernächste an Ideenkombinationen gefunden, das zweite eine naheliegende moralische Sache, das dritte Kind hat aber eine sehr komplizierte Ideenverbindung gefunden. Das ist das Begabteste! Nun ja, es ist schon so ähnlich. Man muß ja natürlich alles, wenn man es kurz darstellen will, ein bißchen in seiner eigenartigen Wesenheit darstellen. Aber so will man in der nächsten Zeit die Begabung der Kinder prüfen, damit man die Begabtesten herausbekomme.
[ 32 ] The last child is the most gifted! The first child came up with only the most obvious combinations of ideas, the second with an obvious moral point, but the third child came up with a very complex connection of ideas. That’s the most gifted one! Well, it’s something like that. Of course, if you want to describe everything briefly, you have to present it a bit in its own unique essence. But that’s how they plan to test the children’s talents in the near future, so they can identify the most gifted ones.
[ 33 ] Das eine ist sicher: Wenn diejenigen Menschen, die diese Methoden erfinden, nachdenken würden, wer die Großen sind, die sie verehren, so Helmholtz, Newton und so weiter, so müßten sie sagen, die wären bei diesen Begabtenprüfungen alle, durch die Bank, als die unbegabtesten Kerlchen angesehen worden! — Es wäre nichts herausgekommen. Denn Helmholtz, der heute bei den Leuten, die da die Begabtenprüfungen machen, ganz gewiß als ein großer Physiker angesehen wird, hatte einen Wasserkopf und war sehr unbegabt in seiner Jugend.
[ 33 ] One thing is certain: If the people who invent these methods were to consider who the great figures are that they revere—such as Helmholtz, Newton, and so on—they would have to admit that, in these aptitude tests, all of them, without exception, would have been regarded as the least gifted of the lot! — Nothing would have come of it. For Helmholtz, who is certainly regarded today by the people who administer these aptitude tests as a great physicist, had hydrocephalus and was very ungifted in his youth.
[ 34 ] Was will man denn da prüfen? Den bloßen äußeren Organismus, lediglich dasjenige, was als physisches Werkzeug des Menschen in Betracht kommt, das rein Ahrimanische der Menschennatur! Werden jemals die Früchte dieser Begabtenprüfungen in der Menschheit irgend etwas bedeuten, dann werden noch greulichere Gedankengebilde heraufkommen, als diejenigen sind, die zu der gegenwärtigen Menschheitskatastrophe geführt haben. Allein, wenn man heute den Menschen spricht von dem, was vielleicht erst in hundert Jahren zu katastrophalen Ereignissen führen kann, so interessiert das ja die Menschen nicht. Aber wir leben jetzt in diesem Übergang von luziferischem Erziehungssystem zum ahrimanischen Erziehungssystem, und wir müssen zu denen gehören, die solche Sachen ins Auge zu fassen verstehen.
[ 34 ] What, then, is the point of such testing? The mere external organism—simply that which is regarded as the physical instrument of the human being—the purely Ahrimanic aspect of human nature! If the fruits of these aptitude tests ever come to mean anything to humanity, then even more horrific thought-forms will arise than those that have led to the current catastrophe facing humanity. However, if one speaks to people today about what may only lead to catastrophic events a hundred years from now, it simply does not interest them. But we are now living through this transition from the Luciferic educational system to the Ahrimanic educational system, and we must be among those who understand how to take such matters into account.
[ 35 ] Dasjenige, was wirksame Kraft für die Zukunft ist, müssen die Menschen umsetzen in Kräfte der Gegenwart. Denn das ist es, was heute von uns gefordert wird: Gefordert wird echtes, wahres, unbefangenes Sich-Gegenüberstellen dem, was konkrete, unmittelbare Wirklichkeit ist.
[ 35 ] People must transform that which is a driving force for the future into forces of the present. For that is what is demanded of us today: We are called upon to confront concrete, immediate reality in a genuine, truthful, and unbiased manner.
[ 36 ] Darinnen kann man ja sehr sonderbare Erfahrungen machen. Ich weiß nicht, ob ich hier eine Erfahrung schon erwähnt habe, die ganz interessant ist. Es gibt Schriften von Woodrow Wilson, eine Schrift über die Freiheit, eine andere Schrift heißt «Nur Literatur», die viel bewundert worden sind, auch heute noch von vielen sehr bewundert werden. In der einen Schrift, die «Nur Literatur» heißt, ist ein interessanter Essay wiedergegeben, den Woodrow Wilson über die historische Entwickelung von Amerika geschrieben hat. Auch sonst sind interessante Essays von Woodrow Wilson wiedergegeben mit weiten historischen Gesichtspunkten. Als ich diese Schriften las, machte ich eine interessante Erfahrung. In diesen Schriften finden sich einzelne Sätze, die mir ungemein bekannt schienen, und die doch ganz gewiß nicht von irgend etwas abgeschrieben waren; sie schienen mir aber doch außerordentlich bekannt. Und ich kam sehr bald darauf, daß diese Sätze, die da bei Woodrow Wilson stehen, ebensogut bei Herman Grimm stehen könnten, ja, daß mancher dieser Sätze sogar wörtlich bei Herman Grimm steht. Herman Grimm liebe ich; Woodrow Wilson, das wissen Sie ja wohl, liebe ich nicht gerade. Aber ich kann deshalb doch nicht die objektive Tatsache verschweigen, daß in bezug auf den Inhalt der Sätze man Sätze von Herman Grimm in Vorträgen, Aufsätzen einfach herübernehmen und hineinstellen könnte in Wilsons Aufsätze, und umgekehrt Sätze von Wilson in Werke von Herman Grimm herübernehmen könnte. Da sagen zwei dem einfachen, gewöhnlichen Wortlaute nach eines und dasselbe. Aber in der Gegenwart muß man lernen: Wenn zwei dasselbe sagen, ist es nicht dasselbe! Denn es liegt die interessante Tatsache vor: Herman Grimms Sätze sind persönlich erkämpft, sind errungen, Schritt für Schritt von der Seele errungen. Woodrow Wilsons ganz gleichlautende Sätze rühren von einer eigentümlichen Besessenheit her. Von einem unterbewußten Ich ist der Mann besessen, das diese Sätze herauftreibt in das bewußte Leben.
[ 36 ] One can indeed have some very peculiar experiences there. I’m not sure if I’ve already mentioned an experience here that is quite interesting. There are writings by Woodrow Wilson—one on freedom, and another titled “Only Literature”—that have been greatly admired and are still highly admired by many today. In the essay titled “Nur Literatur,” there is an interesting essay by Woodrow Wilson on the historical development of America. The collection also includes other interesting essays by Woodrow Wilson that offer broad historical perspectives. When I read these essays, I had an interesting experience. In these works, there are individual sentences that seemed incredibly familiar to me, and yet they were certainly not copied from anywhere; nevertheless, they seemed extraordinarily familiar to me. And I very soon realized that these sentences, which appear in Woodrow Wilson’s work, could just as easily appear in Herman Grimm’s—indeed, that some of these sentences even appear verbatim in Herman Grimm’s work. I love Herman Grimm; Woodrow Wilson—as you well know—I do not exactly love. But I cannot therefore conceal the objective fact that, with regard to the content of the sentences, one could simply take sentences from Herman Grimm’s lectures and essays and insert them into Wilson’s essays, and conversely, one could take sentences from Wilson and insert them into Herman Grimm’s works. On the surface, the two are saying exactly the same thing. But in the present day, one must learn: When two people say the same thing, it is not the same! For here lies the interesting fact: Herman Grimm’s sentences have been personally fought for, have been won, step by step, from the depths of his soul. Woodrow Wilson’s identical sentences stem from a peculiar obsession. The man is possessed by a subconscious self that drives these sentences up into his conscious life.
[ 37 ] Wer solche Dinge beurteilen kann, der kommt darauf, daß es sich hier darum handelt: Weizenkorn ist Weizenkorn; aber es ist ein Unterschied, ob das Weizenkorn in diesen Boden oder in jenen Boden gesenkt wird. Es ist ein Unterschied, ob jemand eine Idee so sehr als die seinige hat, daß er sie Stück für Stück auf seinem eigenen, persönlichsten Wege erkämpft hat, oder ob jemand diese Idee dadurch hat, daß ein Unterbewußtes ihn von sich, von diesem Unterbewußten, besessen gemacht hat: da tönt alles aus einem besessenen Unterbewußten heraus, aus einem Bewußtsein, das vom Unterbewußten besessen ist. Also es kommt heute schon darauf an, zu verstehen: Auf den Inhalt der Gedanken, auf den Inhalt von Programmen kommt es nicht an, sondern auf das lebendige Leben kommt es an, das die Menschheit lebt.
[ 37 ] Anyone capable of judging such matters will realize that this is what it comes down to: a grain of wheat is a grain of wheat; but there is a difference between whether that grain of wheat is sown in this soil or in that soil. There is a difference between someone who has an idea so deeply as their own that they have fought for it, piece by piece, in their own, most personal way, and someone who has this idea because a subconscious mind has made them possessed by it: in the latter case, everything emanates from a possessed subconscious, from a consciousness that is possessed by the subconscious. So what matters today is to understand this: It is not the content of thoughts or the content of programs that matters, but rather the living life that humanity lives.
[ 38 ] Man kann materialistische Philosophie lehren, man kann bloße Gedankenphilosophie lehren, man kann bloße materialistische Naturwissenschaft lehren, man kann mit bloß materialistischer Naturwissenschaft ein ausgezeichneter europäischer Gelehrter sein, eine Zierde der Universität sein und daneben ein braver Staatsbürger: es ist ja der Typus nicht so selten, nicht wahr? Sie sind ja überall zu finden, die Zierden und Leuchten der Wissenschaft, die zu gleicher Zeit ganz tadellose, brave Staatsbürger sind! Das kann man ja ganz gut sein. Aber nehmen Sie irgendeine bestimmt geartete Idee, etwa den Kampf ums Dasein, um eine triviale Idee zu nennen, oder eine Idee, wie sie selbst zahmere Leute wie Oscar Hertwig vertreten, oder Ideen, wie sie Spencer oder Mill oder Boutroux und Bergson vertreten, die eben durchaus nicht zu spirituellem Leben vordringen wollen, sondern bei bloßen Gedankenphilosophien bleiben — aber noch mehr: Nehmen Sie das, was materialistische naturwissenschaftliche Ideen sind, nehmen Sie diese Ideen —, gewiß, sie können wachsen im Gehirn von braven Staatsbürgern; schön, aber Weizenkorn ist Weizenkorn, doch es ist ein Unterschied, ob ein Weizenkorn in weizenfruchtbarem Boden wächst oder in felsigem Boden, und es ist ein Unterschied, ob dieselbe naturwissenschaftliche Idee, die in Europa als eine Zierde der Naturwissenschaft errungen werden kann und an den Universitäten gilt, in den Gehirnen der Universitätslehrer wächst, oder ob sie wächst in dem Gehirn eines Menschen, der einen Bruder hat, welcher schon als junger Mann, am Ende der achtziger Jahre, als eine Leuchte der Wissenschaft in einem Petersburger Laboratorium gilt, der voller fruchtbarer chemischer Ideen ist, mit einer besonderen Medaille ausgezeichnet, von allen, die mit ihm gearbeitet haben, als junger Mann schon hochverehrt wird — und dieser Bruder ist plötzlich nicht mehr da! Eben noch von der Universitätsbehörde ausgezeichnet, plötzlich nicht mehr da! Auf allen möglichen Umwegen sollen dann seine Kollegen erfahren haben, daß er mittlerweile gehenkt worden ist, weil er an Verschwörungen teilgenommen hatte gegen Alexander III., den Reaktionär. Solche Tatsachen beleuchten die Dinge, die in der Gegenwart spielen, als Lichtblitze. Es ist nun ein Unterschied, ob dieselbe Idee in das Gehirn eines braven westeuropäischen Universitätsprofessors fällt oder in das Gehirn des Bruders dieses unter solchen Voraussetzungen Gehenkten. Wenn sie in das Gehirn dieses Bruders fällt, dann verwandelt sich dieser Bruder in einen Lenin — denn der Bruder dieses Gehenkten ist Lenin —, und dann wird dieselbe Idee zur Triebkraft von alledem,was Sie jetzt im Osten Europas aufgehen sehen.
[ 38 ] One can teach materialist philosophy; one can teach mere philosophy of thought; one can teach mere materialist natural science; one can be an outstanding European scholar through mere materialist natural science, a credit to the university, and at the same time a model citizen: after all, this type is not so rare, is it? They are to be found everywhere—the adornments and luminaries of science who are at the same time entirely irreproachable, upstanding citizens! It is quite possible to be that way. But take any specific idea, such as the struggle for existence—to name a trivial one—or an idea as espoused even by more moderate figures like Oscar Hertwig, or ideas as espoused by Spencer, Mill, Boutroux, and Bergson, who certainly do not seek to penetrate spiritual life but remain within the realm of mere philosophical speculation—but even more so: Take what materialistic scientific ideas are; take these ideas—certainly, they can take root in the minds of law-abiding citizens; fine, but a grain of wheat is a grain of wheat, yet there is a difference between a grain of wheat growing in fertile soil and one growing in rocky soil, and there is a difference between the same scientific idea—which in Europe can be attained as a jewel of science and is accepted at universities, growing in the minds of university professors—and whether it grows in the mind of a man who has a brother who, already as a young man, in the late 1880s, was regarded as a luminary of science in a St. Petersburg laboratory brimming with fruitful chemical ideas, was awarded a special medal, and was already highly revered as a young man by all who worked with him—and this brother is suddenly no longer there! Just moments ago honored by the university authorities, suddenly no longer there! Through all manner of roundabout channels, his colleagues are said to have learned that he had since been hanged for having taken part in conspiracies against Alexander III, the reactionary. Such facts shed light on the events unfolding in the present, like flashes of lightning. Now, there is a difference between whether the same idea enters the mind of a respectable Western European university professor or the mind of the brother of this man who was hanged under such circumstances. When it enters the mind of this brother, then this brother is transformed into a Lenin—for the brother of this hanged man is Lenin—and then the same idea becomes the driving force behind everything you now see unfolding in Eastern Europe.
[ 39 ] Idee ist Idee, wie Weizenkorn Weizenkorn ist, aber man muß erkennen, ob etwas dieselbe Idee ist und nun auftritt, je nachdem, in dem Gehirn des Universitätsprofessors oder in dem Gehirn des Bruders des dazumal Gehenkten. Man muß den Willen haben, hineinzuschauen in diejenigen Untergründe des Daseins, wo die wirklichen Impulse des Geschehens liegen. Und man muß den Mut haben, abzulehnen all das Phrasenzeug von Programmen und Ideen von Wissenschaftern, die da glauben, wenn sie dies oder jenes vertreten, so komme etwas darauf an. Vertreten kann man dem Inhalte nach dies oder jenes; doch darauf kommt es an, in welchem Gebiete des lebendigen Lebens dieses also Vertretene ist, so wie es darauf ankommt, in welches Gebiet das Weizenkorn fällt, ob in einen fruchtbaren Boden oder in einen unfruchtbaren Boden. Den Weg von der Abstraktion, die unter den heutigen ernsten Verhältnissen überall zur Illusion oder zum Chaos führt, zu der Wirklichkeit, die einzig und allein in der Spiritualität gefunden werden kann, diesen Weg muß auf allen Gebieten die Menschheit suchen. Und wenn es noch so lange dauert: Auf diesem Wege allein kann die Menschheit das Heil und den Segen aus der gegenwärtigen Verwirrung heraus finden.
[ 39 ] An idea is an idea, just as a grain of wheat is a grain of wheat, but one must discern whether something is the same idea and is now emerging—whether in the mind of a university professor or in the mind of the brother of the man who was hanged back then. One must have the will to look into those depths of existence where the real impulses of events lie. And one must have the courage to reject all the empty rhetoric of programs and the ideas of scientists who believe that if they advocate this or that, it makes a difference. One can advocate for this or that in terms of content; but what matters is in which realm of living reality this advocacy takes place, just as it matters in which realm the grain of wheat falls—whether into fertile soil or into barren soil. Humanity must seek, in all areas, the path from abstraction—which, under today’s grave circumstances, leads everywhere to illusion or chaos—to reality, which can be found solely in spirituality. And no matter how long it takes: it is only on this path that humanity can find salvation and blessing amid the present confusion.
[ 40 ] Das ist es, was wir uns ins Herz schreiben sollten, worinnen wir uns zusammenfinden sollen. Das ist es, womit wir uns in einer ernsten Begrüßung begrüßen sollten: in diesem Wissen, dazuzugehören zu dem, was die Gebrechen der Menschheit heilen muß. Sie sind heilbar, aber sie dürfen nicht mit Quacksalbereien geheilt werden wollen. Sie müssen geheilt werden mit demjenigen, durch dessen Mangel die Menschheit gerade in das Chaos hineingekommen ist.
[ 40 ] This is what we should take to heart, what should unite us. This is how we should greet one another in a sincere welcome: with the knowledge that we belong to that which must heal humanity’s ills. These ills are curable, but they must not be treated with quackery. They must be healed by the very thing whose absence has led humanity into chaos in the first place.
[ 41 ] Niemals hätte im Osten der Leninismus Platz greifen können, wenn nicht im Westen die materialistische Wissenschaft, die manchmal gar nicht sich materialistisch glaubt, gelehrt worden wäre. Denn was im Osten gemacht wird, ist direkt ein Kind der materialistischen Wissenschaft. Ein Wechselbalg ist durch Karl Marx entstanden. Das wirkliche Kind der materialistischen Wissenschaft ist schon im Osten vorhanden. Aber man muß den Willen haben, in alle diese Dinge wirklich hineinzuschauen.
[ 41 ] Leninism could never have taken root in the East if materialist science—which sometimes does not even consider itself materialist—had not been taught in the West. For what is being done in the East is directly a product of materialist science. A changeling has emerged through Karl Marx. The true child of materialist science already exists in the East. But one must have the will to truly look into all these things.
[ 42 ] Das, meine lieben Freunde, ist gewissermaßen der Hintergrund, auf dem sich nun, ich möchte sagen, abhebt unser Bau. Und einzelne Menschen hier bei diesem Bau, sie arbeiten, denken an den Bau wahrhaftig recht abseits von den Ideen, die auf so vielen Territorien heute die Menschheit bewegen. Man kann sich gut denken, daß da draußen auf den andern Territorien viele Menschen sind, die da finden, daß hier Menschen leben, die sich absondern von dem, was heute die Welt bewegt und, wie die Menschen glauben, auch bewegen sollte. Man könnte sich das denken, daß die Leute vorwurfsvoll an diesen Ort hinsehen. Diejenigen, die mit ganzem Herzen und ganzer Seele bei diesem Bau sind, brauchen sich aus diesem Vorwurf nichts zu machen. Denn, möge dieser Bau vielleicht gar nicht seine Aufgabe erfüllen, möge dieser Bau gar nicht sein Ziel erreichen: was an diesem Bau aber arbeitet und was von denen aus gearbeitet wird, die an diesem Bau mit Hingabe arbeiten, das ist dasjenige, was das Allerwichtigste ist in der Gegenwart, das ist dasjenige, was die gegenwärtige Menschheit herausführen muß aus alldem, in das sie hineingekommen ist. Und wenn die Menschen draußen etwa glauben: Hier arbeiten Leute abseits von den Aufgaben der gegenwärtigen Menschheit —, so muß man diesen Leuten sagen können: Hier wird gerade gearbeitet für das Allerwichtigste, für das Allerwesentlichste in der Gegenwart, das nur die andern nicht kennen, wovon die andern noch nichts wissen. Aber davon wird es gerade abhängen, daß die Menschheit werde etwas wissen wollen von dem, was hier geschieht.
[ 42 ] That, my dear friends, is, so to speak, the backdrop against which—I would say—our project now stands out. And the individual people here involved in this project are working and thinking about it in a way that is truly quite removed from the ideas that move humanity in so many parts of the world today. It’s easy to imagine that out there in other spheres, there are many people who believe that here live people who set themselves apart from what moves the world today—and, as people believe, what should move it as well. One might imagine that people look upon this place with reproach. Those who are devoted to this project with all their heart and soul need not concern themselves with this reproach. For even if this project were to fail to fulfill its purpose, even if it were to fall short of its goal: what is being accomplished through this project—and what is being accomplished by those who work on it with devotion—is precisely what is most important in the present; it is precisely what must lead humanity out of all that it has become entangled in. And if people on the outside believe, for example, that “people here are working apart from the tasks of present-day humanity”—then one must be able to tell these people: “Here, work is being done precisely for what is most important, for what is most essential in the present; it is just that the others do not know about it, that the others are not yet aware of it.” But it will depend precisely on this that humanity will want to know something about what is happening here.
[ 43 ] Noch einmal sei es betont: Nicht darauf kommt es an, ob dieser Bau sein Ziel erreicht — obgleich es gut wäre, wenn er sein Ziel erreichen würde —, sondern darauf kommt es an, daß aus gewissen Ideen heraus an diesem Bau gearbeitet worden ist, daß sich Menschen gefunden haben für das Arbeiten an diesem Bau. Und nicht der Inhalt dieser Ideen, sondern die Art, wie diese Ideen leben, das ist dasjenige, was die Menschheitsimpulse für die Zukunft sind, während das, woran heute viele glauben, nichts anderes ist als die zum Grabe sich neigenden, in die Auflösung übergehenden, für die Auflösung auch reifen Ideen der Vorzeit. Davon wollen wir dann morgen weiter reden.
[ 43 ] Let it be emphasized once again: What matters is not whether this project achieves its goal—although it would be good if it did—but rather that work on this project has been carried out based on certain ideas, and that people have come together to work on it. And it is not the content of these ideas, but the way in which these ideas live—that is what constitutes the impulses of humanity for the future, whereas what many believe in today is nothing other than the ideas of the past that are bending toward the grave, passing into dissolution, and ripe for dissolution. We will talk more about this tomorrow.
