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The Science of Human Development
GA 183

19 August 1918, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Ich bemühte mich gestern, Ihnen ein Bild des seelischen Menschen zu geben. Dasjenige, was wir für heute einmal aus diesem Bilde des seelischen Menschen herausgreifen wollen, das sollen die beiden Grenzzonen sein, die wir gestern kennengelernt haben. Die eine Grenzzone ergibt sich ja dadurch, daß der Mensch genötigt ist, haltzumachen, wenn er versucht, die Außenwelt, so wie sie sich ihm zunächst sinnenfällig ergibt, zu durchschauen. Von Grenzen des Erkennens reden dann die Naturforscher, Philosophen und so weiter. Wir wissen, daß diese Grenzen des Erkennens nicht in Wahrheit vorhanden sind, daß sie aber in der Tat für das sinnliche, für das physische Anschauen des Menschen vorhanden sind.

[ 1 ] Yesterday I tried to give you a picture of the spiritual human being. What we want to focus on today from this picture of the spiritual human being are the two boundary zones we became acquainted with yesterday. One of these boundary zones arises from the fact that human beings are compelled to stop when they attempt to penetrate the external world as it first presents itself to them through the senses. Natural scientists, philosophers, and others then speak of the limits of knowledge. We know that these limits of cognition do not actually exist, but that they do indeed exist for human sensory, or physical, perception.

[ 2 ] Die andere Grenze ist dadurch gegeben, daß alles in unserem Bewußtsein Befindliche oder in das Bewußtsein Eintretende gewissermaßen reflektiert wird, zurückgespiegelt wird an einer inneren Zone und dadurch zur Erinnerung werden kann. Es geht das, was wir im Bewußtsein haben, nicht in die volle Tiefe derjenigen Region hinunter, die nur unterbewußt für den Menschen bleibt. Wir wollen diese beiden Grenzen herauszeichnen (siehe Zeichnung Seite 45), die Erinnerungsgrenze (links) und — wir können sie geradezu nennen die Liebefähigkeitsgrenze (rechts), die zugleich die Grenze des Naturerkennens ist. Wir haben sie bezeichnet, indem wir Lemniskaten, die nach außen offen sind, hier zu zeichnen hatten (rechts), und hier (links) hatten wir gewissermaßen Lemniskaten mit einer umgestülpten Schleife zu verzeichnen. Das (rechts) also ist dann die Region des Außen, in das der Mensch nicht mehr hineinsieht mit dem gewöhnlichen sinnlichen Anschauungsvermögen, also: nicht perzipierbar. Das (links) ist die Grenze des bewußten Lebens nach innen, in die der Mensch nicht unterzutauchen vermag mit dem Bewußtsein. Der Mensch bleibt mit seinem Bewußtsein oberhalb dieser Grenze. Würde er mit seinen be wußten Vorstellungen hinuntertauchen, so würde er keine Erinnerung haben.

[ 2 ] The other limit arises from the fact that everything present in our consciousness—or entering into it—is, in a sense, reflected, mirrored back by an inner zone, and can thereby become a memory. What we have in our consciousness does not extend down into the full depth of that region which remains purely subconscious for human beings. Let us delineate these two boundaries (see diagram on page 45): the boundary of memory (left) and—we might even call it—the boundary of the capacity for love (right), which is at the same time the boundary of our understanding of nature. We have indicated them by drawing lemniscates that are open outward here (right), and here (left) we have, so to speak, drawn lemniscates with an inverted loop. That (on the right), then, is the region of the external, into which human beings can no longer see with their ordinary sensory powers of perception—that is, it is imperceptible. That (on the left) is the boundary of conscious life inward, into which human beings cannot plunge with their consciousness. Human beings remain with their consciousness above this boundary. If they were to plunge down with their conscious ideas, they would have no memory.

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[ 3 ] Nun ist aber gerade in bezug auf das Leben des seelischen Menschen angesichts dieser beiden Grenzen etwas ganz Bestimmtes zu sagen. Wenn wir in der Entwickelung der Menschheit zurückgehen etwa hinter das 8. vorchristliche Jahrhundert — Sie wissen, 747 vor Christus beginnt der vierte nachatlantische Zeitraum —, wenn wir hinter diesen Zeitpunkt zurückgehen in die früheren nachatlantischen Zeiträume, dann gilt für den Menschen dieses, daß dasjenige, was jenseits dieser Grenze liegt, doch in einer gewissen Weise noch hereinwirkte in das Bewußtsein. Und darauf beruhte eben jenes damals noch vorhandene atavistische Hellsehen. Es drangen gewisse Impulse damals herein aus dem Universum und machten sich geltend als atavistische Schauungen. So daß wir sagen können: Ganz undurchsichtig — ich meine jetzt intellektuell undurchsichtig — wurde dieses Außen erst seit dem 8. vorchristlichen Jahrhundert, und es wurde immer mehr und mehr undurchsichtig. — Jetzt leben wir im fünften nachatlantischen Zeitraum. Es ist ja undurchsichtig geblieben. Und darauf pochen ja die Leute heute ganz außerordentlich, indem sie immerzu behaupten, daß überhaupt kein Mensch eindringen könne in jenes «Ding an sich», oder wie sie es dann nennen, was da jenseits dieser Grenze liegt.

[ 3 ] However, precisely with regard to the life of the spiritual human being, there is something very specific to be said in light of these two boundaries. If we go back in human evolution to, say, beyond the 8th century B.C. — as you know, the fourth post-Atlantean epoch begins in 747 B.C. —, if we go back beyond this point into the earlier post-Atlantean epochs, then the following applies to human beings: that which lies beyond this boundary still exerted an influence, in a certain way, upon consciousness. And it was precisely this that formed the basis for the atavistic clairvoyance that still existed at that time. Certain impulses penetrated from the universe back then and manifested as atavistic visions. So we can say: This external world only became completely opaque—I mean intellectually opaque—from the 8th century BCE onward, and it became more and more opaque. — We are now living in the fifth post-Atlantean epoch. It has, after all, remained opaque. And people today insist on this to an extraordinary degree, constantly claiming that no human being can penetrate that “thing-in-itself,” or whatever they call it, which lies beyond this boundary.

[ 4 ] Dagegen darf gesagt werden, daß immer mehr und mehr sich eine andere Tendenz geltend macht und gegen den sechsten nachatlantischen Zeitraum sich immer mehr und mehr geltend machen wird. Das ist: es wird gewissermaßen diese Zone hier (links) durchlässig werden. Es wird die Zeit kommen, wo aus den Tiefen der Menschennatur dasjenige, was ich Ihnen gestern als das Brodelnde geschildert habe, als dasjenige, in das der Mensch nicht hinunterschauen soll — in dem Sinne vor allen Dingen nicht, wie die phantastischen Mystiker das wollen —, es wird aus diesem Gebiete von dem sechsten nachatlantischen Zeitraum an gewissermaßen allerlei durchsickern wollen. Ja, es wird diese Zeit schon im fünften nachatlantischen Zeitraum beginnen, in unserem Zeitraum. Es wird allerlei durchsickern wollen. Es wird sich das ja vor allen Dingen dadurch äußern, daß viel mehr Menschen, als man heute denkt, immer mehr und mehr aus gewissen rein inneren Erfahrungen entnehmen werden, daß es wiederholte Erdenleben gibt und dergleichen. Diese Dinge kommen, man möchte sagen, heute schon, obwohl spärlich, zum Durchbruche. Ich habe öfter, hier ja wohl auch schon, den Namen eines merkwürdigen Menschen der Gegenwart genannt, des O/to Weininger, der ja besonders bekanntgeworden ist durch sein dickes Buch «Geschlecht und Charakter». Noch interessanter aber ist dasjenige Buch, das nach seinem Tode sein Freund Rappaport herausgegeben hat, und in dem allerlei außerordentlich Interessantes drinnensteht. Es sind zum großen Teil Aphorismen. Das Ganze trägt den Titel «Über die letzten Dinge». Einer dieser Aphorismen besagt ungefähr dieses: Weininger behauptet, die Seele des Menschen hätte in ihrem vorgeburtlichen Leben ein gewisses Grauen vor sich selber zur Entwickelung gebracht und hätte dadurch die Sehnsucht bekommen, dieses Leben zu vergessen und sich in das Vergessen hineinzustürzen, was die Verleiblichung bedeutete. — Also Weininger spricht vollständig von dem vorgeburtlichen Leben, von dem Verleiblichen; nur spricht er in seiner düsteren, pessimistischen Anschauung davon, daß die Seele sich zu betäuben sucht gegenüber ihrem vorgeburtlichen Leben, und die Betäubung sucht sie in der Verleiblichung in einem physischen Menschenleib.

[ 4 ] On the other hand, it can be said that another trend is increasingly asserting itself and will continue to do so more and more in opposition to the sixth post-Atlantean epoch. That is to say: this zone here (on the left) will, so to speak, become permeable. The time will come when, from the depths of human nature, that which I described to you yesterday as the “seething” force—that into which human beings should not look down—especially not in the sense that the fanciful mystics would have it—will, from the sixth post-Atlantean epoch onward, begin to seep through from this realm in all sorts of ways. Indeed, this time will actually begin as early as the fifth post-Atlantean epoch—our own epoch. All manner of things will seek to seep through. This will manifest itself above all in the fact that far more people than one might think today will increasingly come to realize, through certain purely inner experiences, that there are repeated earthly lives and the like. These things are already, one might say, breaking through today, albeit sparsely. I have often—and indeed, probably here as well—mentioned the name of a remarkable contemporary figure, O/to Weininger, who became particularly well-known for his voluminous book *Sex and Character*. Even more interesting, however, is the book that his friend Rappaport published after his death, which contains all sorts of extraordinarily interesting material. For the most part, they are aphorisms. The collection is titled *On the Last Things*. One of these aphorisms goes something like this: Weininger asserts that in its prenatal life, the human soul developed a certain horror of itself and thereby acquired a longing to forget that life and to plunge into oblivion—which meant incarnation. — So Weininger speaks entirely of prenatal life and of embodiment; only, in his gloomy, pessimistic view, he argues that the soul seeks to numb itself in the face of its prenatal life, and it seeks this numbing in embodiment within a physical human body.

[ 5 ] Aber solche unmittelbaren Eindrücke heutiger Menschen von dem Wege der Seele gibt es ja viele, und sie werden immer zahlreicher und zahlreicher werden. Bei solch einem Menschen wie Weininger kann man schon heute sehen, wie dichter, kompakter, möchte ich sagen, das Ich innerlich den Menschen anfaßt. Bei Weininger sieht man schon deutlich, wie diese Grenze etwas durchlässig wird und da allerlei heraufdringt. Interessant ist es zum Beispiel, welche Notiz er hingeschrieben hat über seinen eigenen Tod. Er verübte frühzeitig, mit dreiundzwanzig Jahren schon, Selbstmord. Er schrieb eine ganze Reihe von Notizen nieder, die außerordentlich interessant sind, weil sie geradezu Imaginationen astralischen Schauens darstellen. Das alles paarte sich mit einem gewissen Charakterzug, der ihn dann dahin führte, eines Tages sich einzumieten in Beethovens Sterbehaus in Wien und in diesem sich gleich am nächsten Morgen selber zu ermorden, mit dreiundzwanzig Jahren. Und darüber schrieb er die Notiz, daß er sich ermorden müsse, weil er sonst fürchten müsse, getrieben zu werden durch einen unbestimmten Drang, ein Mörder zu werden, einen andern ermorden zu müssen.

[ 5 ] But there are, in fact, many such direct impressions of the soul’s path among people today, and they will become more and more numerous. In someone like Weininger, one can already see today how more densely, more compactly—I would say—the “I” grips a person from within. In Weininger, one can already clearly see how this boundary becomes somewhat permeable and how all sorts of things break through. It is interesting, for example, to note the note he wrote about his own death. He committed suicide at an early age—at just twenty-three. He wrote down a whole series of notes that are extraordinarily interesting because they represent, in a sense, visions of astral perception. All of this was coupled with a certain character trait that eventually led him to rent a room one day in the house in Vienna where Beethoven had died, and to take his own life there the very next morning, at the age of twenty-three. And he wrote a note stating that he had to kill himself because otherwise he would have to fear being driven by an indefinable urge to become a murderer, to have to kill another person.

[ 6 ] Man sieht, da rumoren furchtbarste Dinge in der Seele eines außerordentlich genialischen Menschen, die nicht so ohne weiteres bezwungen werden können durch das, was in seinem Bewußtsein ist, weil da vieles aus diesem Unterbewußten herauf rumort. Sie werden begreifen, daß man schon mit einem gewissen Recht darauf hinweisen muß, daß die gewöhnliche Gescheitheit, die der Mensch jetzt entwickeln kann, nicht ausreicht, um das, was da aus den unbekannten Tiefen heraufkommt, zu erkennen. Denn es sollte ja gar nicht heraufkommen, es sollte da unten bleiben, aber es wird doch heraufkommen. Geradeso wie bis zum Jahre 747 vor Christus von außen etwas hereingekommen ist, so wird nachher von innen etwas aufsteigen. Durch das, was der Mensch sich erringen wird an gewöhnlicher, normaler Gescheitheit, wird das nicht bezwungen werden können, bei weitem nicht bezwungen werden können. Da wird man eben brauchen jenes Verstehen der Welt, welches durch die Geisteswissenschaft zu erwerben ist. Es wird Harmonie, innerliche Festigkeit und innerliche Gediegenheit in das menschliche Seelenleben nur eindringen können, wenn die Menschen dieses innerliche Seelenleben werden ordnen, harmonisieren wollen durch dasjenige, was aus der Erkenntnis des Geistes heraus errungen werden kann. Es strebt die Entwickelung der Menschheit also aus einem Zustande heraus, in welchem von der Außenwelt mehr wahrnehmbar war, als heute wahrnehmbar ist, und es strebt diese Entwickelung der Menschheit einem Zustande zu, in welchem aus dem tiefsten Inneren des Menschen mehr auftauchen wird, als heute im Normalzustand auftaucht.

[ 6 ] One can see that the most terrible things are churning within the soul of an extraordinarily brilliant person—things that cannot be easily subdued by what is in his consciousness, because so much is churning up from the subconscious. You will understand that one must point out, with some justification, that the ordinary intelligence a person can develop today is not sufficient to recognize what is rising up from those unknown depths. For it was not meant to rise up at all—it was meant to remain down there—but it will rise up nonetheless. Just as something came in from the outside up until the year 747 B.C., so will something rise up from within afterward. What human beings will attain in the way of ordinary, normal intelligence will not be able to overcome this—not by a long shot. That is precisely why we will need that understanding of the world which can be acquired through spiritual science. Harmony, inner strength, and inner solidity will only be able to penetrate the human soul life if people are willing to order and harmonize this inner soul life through what can be attained from the knowledge of the spirit. The development of humanity is thus moving away from a state in which more of the external world was perceptible than is perceptible today, and it is moving toward a state in which more will emerge from the deepest inner being of the human being than emerges today under normal circumstances.

[ 7 ] Diese Dinge, von denen ich jetzt spreche, sie kennt man eigentlich in den eingeweihten Kreisen da und dort sehr gut. Von jenem alten Erkennen, das bis ins 8. vorchristliche Jahrhundert den Menschen zugänglich war, spricht ja noch das ganze morgenländische Geistesleben, das ganze asiatische Geistesleben. Ja, es spricht nicht nur das Geistesleben, es spricht im Grunde genommen die ganze asiatische Kultur davon. Daher kommt es, daß es eigentlich so schwer verständlich ist für den Europäer, wenn heute der Orientale, der asiatische Orientale von seiner Kultur spricht. Da muß man schon, wenn man diese Leute verstehen will, sich hineinfinden in eine andere Art, die Vorstellungen, die Gedanken zu bilden. Heute würde es zum Beispiel für sehr viele Menschen sehr interessant sein müssen, so etwas Tonangebendes zu verfolgen, wie die Rede ist, welche Rabindranath Tagore, der Inder, gehalten hat über den Geist Japans. Sie wissen: Tagore ist der von der Nobel-Stiftung preisgekrönte Inder. Er hat über den Geist Japans einen Vortrag gehalten. Es ist weniger wichtig, was er über den Geist Japans gerade spricht, als der Geist, aus dem heraus er spricht, der Geist des heutigen Orientalen, der nur verstanden werden kann, wenn man weiß, daß etwas in den Orientalen noch zurückgeblieben ist von jenem Herauf-, von jenem Hereinkommen der Außenwelt, wie es heute nicht perzipierbar ist. Für die meisten Europäer reden die Orientalen, wenn sie im Sinne ihrer Kultur reden, eben eigentlich etwas ziemlich Unverständliches. Man versteht gewöhnlich gar nicht, wovon sie eigentlich reden.

[ 7 ] The things I am speaking of now are actually very well known in certain initiated circles here and there. The entire spiritual life of the East, the entire spiritual life of Asia, still speaks of that ancient knowledge that was accessible to humanity as far back as the 8th century B.C. Indeed, it is not only spiritual life that speaks of this; fundamentally, the entire Asian culture speaks of it. This is why it is actually so difficult for Europeans to understand when an Oriental—an Asian Oriental—speaks of his culture today. If one wishes to understand these people, one must immerse oneself in a different way of forming concepts and thoughts. Today, for example, it would surely be of great interest to many people to follow something as influential as the speech given by Rabindranath Tagore, the Indian, on the spirit of Japan. As you know, Tagore is the Indian who was awarded the Nobel Prize. He gave a lecture on the spirit of Japan. What he says specifically about the spirit of Japan is less important than the spirit from which he speaks—the spirit of the modern Oriental, which can only be understood if one realizes that something has remained within Orientals from that emergence, from that entry of the external world, which is no longer perceptible today. For most Europeans, when Easterners speak in the spirit of their culture, what they say is actually quite incomprehensible. One usually does not understand at all what they are actually talking about.

[ 8 ] Auch die andere Erscheinung kommt vor, daß dasjenige, was eigentlich erst in der Zukunft auftreten sollte, in einer gewissen Weise dann vorweggenommen wird. Vergleichen könnte ich das damit, daß ich hinweise auf Kinder, die als Kinder schon greisenhaft sind. Sie nehmen das Greisenhafte als Kinder schon voraus. Da ist die Unregelmäßigkeit in der Entwickelung dadurch eingetreten, daß etwas, das später kommen sollte, früher hereingeschoben ist, in eine frühere Zeit. Während nun im orientalischen Denken, in der orientalischen Anschauungsweise gerade bei den hervorragendsten Geistern ein aus alter Zeit Zurückgebliebenes in der Weise herrscht, wie ich es eben angedeutet habe, herrscht namentlich bei so ganz im Sinne des Amerikanismus denkenden Geistern ein Hereinnehmen von Späterem, ein Hereinschieben von Späterem. Da merkt man deutlich, wenn man auf solche Sachen eingehen kann, daß gerade hervorragendere Geister vieles von dem haben, was da (links) durchsickert. Sie bekommen eine Vorstellung von solchem Durchsickerndem, wenn Sie zum Beispiel jenen Essay lesen, den Woodrow Wilson geschrieben hat über die Entwickelung des amerikanischen, des nordamerikanischen Volkes im besonderen. Man kann sich nichts denken, das mehr den Nagel auf den Kopf trifft, das treffender wäre als dieser Essay, den Woodrow Wilson über die Entwickelung des amerikanischen Volkes geschrieben hat. Da ist jedes Wort darinnen so, daß man das Gefühl hat: es ist die Sache in der allerallerschärfsten Weise charakterisiert und getroffen. Und das fällt insbesondere deshalb auf, weil Wilson in diesem Fall sehr scharf aufmerksam macht darauf, daß eine ganze Anzahl von Leuten auch in Amerika die Ansicht haben, die eigentlich nur zu rechtfertigen ist, wenn man das amerikanische Volk heute noch auffaßt — wogegen et, Woodrow Wilson, sich wendet — gleichsam als eine Dependance des englischen Volkes. Diese Menschen, die heute noch die Amerikaner so auffassen, als ob diese etwas wären wie Abkömmlinge, wie ein Zweig der europäischen Engländer, diese Leute lehnt Woodrow Wilson im strengsten Sinne des Wortes ab. Die verstehen nichts, meint er, von der eigentlichen Entwickelung des amerikanischen Volkes im 19. Jahrhundert. Denn der Amerikaner beginnt von innen erst Amerikaner zu sein — so spricht Wilson aus echt amerikanischem Geiste heraus, außerordentlich prägnant und treffend — in dem Momente, wo er aufhört anzuknüpfen mit seinem Seelenhaften an das, was von England herübergekommen ist, wo er beginnt, als Bebauer des Bodens von Osten nach dem Westen hinüberzudringen, von der amerikanischen Ostküste nach der Westküste hinüberzudringen. In diesem Ausroden der Urwälder, in der Arbeit mit der Flinte, in der Arbeit mit dem Spaten, in der Arbeit mit dem Pflug und dem Pferde, in diesem Überwinden jenes Widerstandes, der zu überwinden ist bei der Arbeit von dem Osten nach dem Westen hinüber, entwickelt sich für ihn der Westmann, der «Westerner», wie er es nennt. Und in dieser Art und Weise der Eroberung des Bodens sieht er, so daß es unmittelbar überzeugendsten Eindruck macht, den eigentlichen Nerv der amerikanischen Entwickelung. Man hat überall gerade das Gefühl — man muß natürlich verstehen, das Wie zu lesen in einem solchen Fall, nicht bloß das Was —, da spricht viel mehr als der Wilson. Denn wenn der Wilson selber spricht — ja, da wird nicht viel Gescheites daraus. Da spricht viel mehr, da spricht dasjenige, wovon der Mann als von seinem eigenen Inneren her besessen ist, da sprechen Dämonennaturen, die geradezu grandiose Zukunftsgeheimnisse eingeben. In diese Geheimnisse müßte eigentlich die Menschheit eindringen, wenn die Entwickelung verstanden werden soll.

[ 8 ] The opposite phenomenon also occurs: that which should actually occur only in the future is, in a certain sense, anticipated. I could compare this to pointing out children who, even as children, already exhibit signs of old age. They anticipate the characteristics of old age even as children. Here, an irregularity in development has arisen because something that was supposed to come later has been brought forward to an earlier time. Whereas in Eastern thought, in the Eastern worldview—especially among the most outstanding minds—a remnant from ancient times prevails in the manner I have just indicated, among minds that think entirely in the spirit of Americanism, there is a tendency to incorporate what comes later, to bring it forward. If one is able to delve into such matters, one clearly notices that it is precisely the more outstanding minds who possess much of what seeps through there (on the left). You get a sense of this seeping influence, for example, when you read the essay that Woodrow Wilson wrote on the development of the American—specifically, the North American—people. One cannot imagine anything that hits the nail on the head more, that would be more apt than this essay that Woodrow Wilson wrote on the development of the American people. Every word in it is such that one has the feeling: the matter is characterized and captured in the very, very sharpest way. And this is particularly striking because, in this instance, Wilson very sharply draws attention to the fact that a great many people, even in America, hold the view—which can really only be justified if one still regards the American people today—a view to which Woodrow Wilson objects—as, so to speak, a branch of the English people. Woodrow Wilson rejects, in the strictest sense of the word, these people who still view Americans today as if they were something like descendants, like a branch of the European English. They understand nothing, he says, of the actual development of the American people in the 19th century. For the American only begins to be American from within—so speaks Wilson out of a genuine American spirit, with extraordinary conciseness and accuracy—at the very moment when he ceases to connect, in his innermost being, with what came over from England, when he begins to push westward as a cultivator of the land, from the American East Coast to the West Coast. In this clearing of the primeval forests, in the work with the shotgun, in the work with the spade, in the work with the plow and the horse, in this overcoming of the resistance that must be surmounted in the work of moving from east to west, the “Westman,” the “Westerner,” as he calls him, develops for him. And in this very manner of conquering the land, he sees—in a way that makes an immediately compelling impression—the very nerve of American development. One has this very feeling everywhere—one must, of course, understand how to read the “how” in such a case, not merely the “what”—for there is far more being said here than when Wilson speaks. For when Wilson himself speaks—well, not much of substance comes of it. There is much more at work here; what speaks is that which possesses the man from within, demonic forces that inspire truly grandiose secrets of the future. Humanity must actually penetrate these secrets if development is to be understood.

[ 9 ] Man muß heute tatsächlich einen Unterschied machen zwischen der bloßen wissenschaftlichen und zeitungsgemäßen Erfassung der Welt, die ja bequem ist, die auch allbeliebt ist, und der wahren Erfassung der Welt. Die wahre Erfassung der Welt, die muß solche Gegensätze sich klarmachen können wie die, welche ich jetzt auseinandergesetzt habe: von dem Hereinkommen bei den orientalischen Völkern von etwas, das da draußen liegt (siehe Zeichnung Seite 45, rechts); von dem Heraufkommen bei den amerikanischen Völkern von etwas, was da drinnen (links) liegt. Und was da heraufkommt, es braucht das nicht etwas bloß Verwerfliches zu sein, es kann in gewissem Sinne grandiose ahrimanische Offenbarung sein, die da heraufkommt. Denn ahrimanische Offenbarung ist es im wesentlichen, welche in jenem ausgezeichneten Aufsatze von Woodrow Wilson über die Entwickelung des amerikanischen Volkes gegeben ist.

[ 9 ] Today, one must indeed draw a distinction between the mere scientific and journalistic understanding of the world—which is, after all, convenient and widely popular—and the true understanding of the world. The true understanding of the world must be able to clarify such contrasts as the ones I have just outlined: the emergence among the Oriental peoples of something that lies out there (see drawing on page 45, right); the emergence among the American peoples of something that lies within (left). And what emerges need not be merely something reprehensible; in a certain sense, it can be a grandiose Ahrimanic revelation that emerges. For it is essentially an Ahrimanic revelation that is presented in that excellent essay by Woodrow Wilson on the development of the American people.

[ 10 ] Die Eingeweihten des Ostens und die Eingeweihten des amerikanischen Volkes, die wissen auch das Nötige aus diesen Dingen zu machen. Man will von beiden Seiten die Entwickelung der Menschheit durchaus in gewisse Bahnen bringen. Die orientalischen Völker, das heißt ihre Eingeweihten, haben ganz bestimmte Absichten für die Zukunftsentwickelung der Menschheit. Diese Leute sehen, was in der Entwickelung richtig liegt und versuchen dasjenige, was in der Entwickelung richtig liegt, soweit der Mensch es beeinflussen kann, zu beeinflussen. Sie suchen ihm eine gewisse Richtung, einen gewissen Impuls zu geben. Und der Impuls, der da von den orientalischen Eingeweihten der Entwickelung gegeben werden will, der beruht im wesentlichen darauf, daß man nicht mehr rechnen will, so ungefähr nach der Hälfte der sechsten nachatlantischen Zeit, auf die menschliche Generation. Man möchte verzichten auf das irdische Menschengeschlecht nach dieser Zeit. Man möchte die Entwickelung der Menschheit dahin bringen, daß die Menschen nachher eigentlich nicht mehr so recht physische Nachkommen haben, daß die Seelen dann schon sich vergeistigen, nicht mehr auf die Erde herunterkommen in Verleiblichungen. Man möchte das Reich des Geistes für die Menschheit schon von der Mitte der sechsten nachatlantischen Zeit an begründen. Dies würde man nur können, wenn man gewisse Kulturingredienzien abweisen würde. Nicht nur die Eingeweihten des Orients, sondern eigentlich instinktiv jeder gebildete Orientale lehnt daher im eminentesten Sinne gewisse Europäismen ab; gerade diejenigen Europäismen, auf die der Europäer ganz besonders stolz ist, lehnt er ab. Er lehnt ab namentlich alles dasjenige, was sich ja aus der rein technischen, materiellen Kultur in Europa und seinem Anhange Amerika ergeben hat. Wer die Entwickelung der Menschheit studiert, namentlich im 19. Jahrhundert und in das 20. Jahrhundert herein, der wird finden, daß man mit Recht sagt: Die Technik hat es ungeheuer weit gebracht, die Technik hat den Menschen Arbeitskräfte abgenommen. Wenn man heute davon redet, die Erde habe so und so viel hundert Millionen Einwohner, so ist dieses eigentlich nicht ganz richtig, weil man auch rechnen kann, wieviel die Erde Einwohner hat nach dem, wieviel gearbeitet wird. Nun wird mit vollständigem Recht gesagt, daß seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts von den Maschinen, die nach und nach entstanden sind, menschliche Arbeitskraft verrichtet wird. Man kann berechnen, ziemlich exakt berechnen, wieviel Millionen Menschen mehr die Erde haben müßte, wenn alle die Arbeit, die von den Maschinen verrichtet wird, von den Menschen verrichtet würde. Die Erde müßte fünfhundert Millionen Menschen mehr haben. Man kann schon sagen: Heute sind auf der Erde nicht nur diejenigen Menschen mit zwei Beinen und einem Kopf, die statistisch berechnet werden können, sondern fünfhundert Millionen mehr, gemessen an der Arbeitskraft; die Arbeitskraft wird eben von Maschinen verrichtet.

[ 10 ] The initiates of the East and the initiates of the American people also know how to make the necessary use of these things. Both sides are determined to steer the development of humanity along certain paths. The Eastern peoples—that is, their initiates—have very specific intentions for the future development of humanity. These people see what is right in the course of development and strive to influence what is right in that course, to the extent that human beings can influence it. They seek to give humanity a certain direction, a certain impulse. And the impulse that the Eastern initiates wish to impart to this development is based essentially on the idea that, roughly halfway through the sixth post-Atlantean epoch, one no longer wishes to rely on the human generation. They would like to dispense with the earthly human race after this time. The aim is to steer the development of humanity in such a way that people will subsequently no longer really have physical offspring, that souls will then already be spiritualizing and will no longer descend to Earth in incarnations. The goal is to establish the realm of the spirit for humanity as early as the middle of the sixth post-Atlantean epoch. This would only be possible if certain cultural elements were rejected. Not only the initiates of the East, but in fact, instinctively, every educated Oriental rejects certain European traits in the most profound sense; he rejects precisely those European traits of which Europeans are particularly proud. He rejects, in particular, everything that has arisen from the purely technical, material culture of Europe and its offshoot, America. Anyone who studies the development of humanity, particularly in the 19th century and into the 20th century, will find that it is rightly said: Technology has come an immense distance; technology has relieved people of labor. When people today say that the Earth has so many hundreds of millions of inhabitants, this is actually not entirely correct, because one can also calculate the Earth’s population based on the amount of work being done. It is now quite rightly said that, since the last third of the 18th century, human labor has been performed by machines that have gradually come into being. One can calculate—quite precisely, in fact—how many millions more people the Earth would need to have if all the work performed by machines were instead performed by humans. The Earth would need five hundred million more people. One can certainly say: Today, the Earth is home not only to those people with two legs and a head who can be counted statistically, but to five hundred million more, measured in terms of labor; that labor is simply being performed by machines.

[ 11 ] Aber es gibt nichts Materielles, hinter dem nicht ein Geistiges steht. Diese fünfhundert Millionen Menschenkräfte, die sind die Gelegenheit zum Aufenthalte von ebensovielen ahrimanischen Dämonen innerhalb der menschlichen Kultur. Diese ahrimanischen Dämonen sind einmal da. Und diese ahrimanischen Dämonen, die lehnt der Orientale aus einem gewissen Instinkt heraus radikal ab; die will er nicht. Das sehen Sie eigentlich aus jeder Manifestation eines feingebildeten Orientalen heraus, daß er diese ahrimanische Dämonologie ablehnt. Denn diese ahrimanische Dämonologie, die gibt dem Menschen eine gewisse Schwere, die niemals möglich macht, daß dasjenige geschieht, was die orientalische Initiation anstrebt: daß das Menschengeschlecht mit der Mitte der sechsten nachatlantischen Zeit physisch aufhört auf der Erde zu sein, weil die Menschen zurückgehalten werden durch das, was sich auf diese Weise dämonologisch-ahrimanisch entwickelt.

[ 11 ] But there is nothing material that does not have a spiritual aspect behind it. These five hundred million human forces provide an opportunity for just as many Ahrimanic demons to dwell within human culture. These Ahrimanic demons are already there. And the Easterners, out of a certain instinct, radically reject these Ahrimanic demons; they do not want them. You can actually see this in every manifestation of a highly educated Easterner—that he rejects this Ahrimanic demonology. For this Ahrimanic demonology imposes a certain heaviness upon human beings, which makes it impossible for what Eastern initiation strives for to come to pass: that the human race will physically cease to exist on Earth by the middle of the sixth post-Atlantean epoch, because human beings are held back by what develops in this demonological-Ahrimanic way.

[ 12 ] Einem andern Ziel streben die Eingeweihten des Amerikanismus zu. Sie streben dem entgegengesetzten Ziele zu. Sie streben danach, eine innigere Gemeinschaft zu bilden, als im normalen Verlauf der Menschheitsentwickelung geschehen soll, zwischen den Menschenseelen und derjenigen Leiblichkeit, welche auf der Erde zu finden sein wird, der dichten, groben Leiblichkeit, die auf der Erde zu finden sein wird von dem sechsten nachatlantischen Zeitraume an. Die seelische Kultur wird sehr vertieft sein, aber die leibliche wird grob sein. Aber eine innigere Verbindung mit dieser groben Leiblichkeit strebt man im amerikanischen Westen an, eine innigere Verbindung als die normale ist, ein stärkeres Untertauchen in die Leiblichkeit. Man will entgegenkommen dem, was da durchsickert (siehe Zeichnung Seite 45, links), will ihm entgegengehen durch stärkeres Eindringen in die Leiblichkeit. Während man also eine Kultur begründen will von seiten der Orientalen, die nicht rechnet mit den Menschenleibern der späteren Erdenentwickelung, will man die Seelen ketten an diese spätere Erdenentwickelung innerhalb der amerikanischen Kultur des Westens. Man will die Leiber möglichst so gestalten, daß die Seelen, wenn sie durch den Tod gegangen sind, möglichst bald wiederum in einen Leib herunterkommen können, daß sie möglichst wenig sich aufhalten in der geistigen Welt. Man will die Seelen möglichst abhalten von einem Aufenthalt in der geistigen Welt, man will, daß sie möglichst bald wiederum auf die Erde herunterkommen. Man will sie innigst verbinden mit dem Leben der Erde.

[ 12 ] The initiates of Americanism are striving toward a different goal. They are striving toward the opposite goal. They strive to form a more intimate communion—than is intended in the normal course of human development—between human souls and the physicality that will be found on Earth, the dense, coarse physicality that will be found on Earth beginning in the sixth post-Atlantean epoch. Spiritual culture will be deeply developed, but physical culture will be coarse. Yet in the American West, people are striving for a deeper connection with this coarse physicality—a connection deeper than the normal one, a more profound immersion in physicality. They wish to accommodate what is seeping through there (see drawing on page 45, left), to meet it head-on through a deeper immersion in physicality. Thus, while the Orientals seek to establish a culture that does not take into account the human bodies of later Earth development, the American West seeks to anchor souls to this later Earth development within its own culture. The aim is to shape the bodies as much as possible so that the souls, once they have passed through death, can descend into a body again as soon as possible, so that they linger as little as possible in the spiritual world. The aim is to prevent the souls as much as possible from staying in the spiritual world; the aim is for them to descend back to Earth as soon as possible. The aim is to connect them most intimately with life on Earth.

[ 13 ] Das sind Tendenzen, die man kennenlernen muß. So sonderbar es dem heutigen Menschen noch erscheint, wenn man von diesen Tendenzen spricht, so schädlich ist es ihm, daß sie übersehen werden. Denn notwendig ist, daß der Mensch sich mit vollem Bewußtsein hineinstellt in dasjenige, das eigentlich mit ihm selbst gewollt wird und demgegenüber er oftmals leider, leider so steht, daß man sagen kann: er läßt alles mögliche mit sich geschehen.

[ 13 ] These are trends that one must become familiar with. As strange as it may still seem to people today when these tendencies are discussed, it is just as harmful for them to be overlooked. For it is essential that a person consciously engage with what is actually intended for them—and yet, unfortunately, they often find themselves in a position where one might say: they allow all manner of things to happen to them.

[ 14 ] Aber dieses westliche Ideal, diese Dämonologisierung des Menschen, das wird nur erreicht werden können, wenn der geistige, psychische Amerikanismus unterstützt werden kann von einer andern Weltanschauungsströmung, die viel verwandter mit dem Amerikanismus ist, als man denkt. Sie haben ja gesehen: Es ist wesentlich ein Hinneigen des Amerikanismus zur Ahrimankultur, was das Ausschlaggebende ist. Aber eine richtige Förderung würde dieser Amerikanismus erhalten können, wenn er unterstützt würde von einer andern Weltanschauung, die viel verwandter mit ihm ist, als man denkt. Das ist der Jesuitismus. Jesuitismus und Amerikanismus sind zwei sehr, sehr verwandte Dinge. Denn als der fünfte nachatlantische Zeitraum begann, da handelte es sich darum, einen Impuls zu finden, durch den man sich in den Stand setzen konnte, die Menschen möglichst hinwegzuführen von dem Verständnisse des Christus. Und diejenige Bestrebung in der Kulturentwickelung, welche es sich zur Aufgabe gesetzt hat, kein Verständnis des Christus aufkommen zu lassen, das Verständnis des Christus vollständig zu untergraben, das ist der Jesuitismus. Der Jesuitismus strebt danach, allmählich jede Möglichkeit eines Christus-Verständnisses auszurotten. Denn dasjenige, was da zugrunde liegt, das hängt schon mit einem tiefen Mysterium zusammen. Damit, daß etwas von außen (siehe Zeichnung Seite 45, rechts) immer da hereinkam in das menschliche Innere, hängt es zusammen, wie ich sagte, daß die Menschen vorher, vor dem 7., 8. vorchristlichen Jahrhundert, atavistisches Hellsehen hatten. Aber durch dieses atavistische Hellsehen sahen sie auch im Universum den Christus. Der Christus war etwas, was sie sehen konnten im alten Hellsehen. Ich habe das ja oft dargestellt, ich habe es dargestellt in der «Geheimwissenschaft im Umriß», und der ganze Sinn meines Buches «Das Christentum als mystische Tatsache» gipfelt ja schließlich darin. Man sah den Christus im Kosmos, man sah den Christus im Universum. Aber nun denken Sie: Vom 7., 8. vorchristlichen Jahrhundert ab haben wir Menschen die Möglichkeit verloren, in das Universum hinauszuschauen. Was hätten denn die Menschen mitverloren, wenn nichts anderes gekommen wäre, dadurch, daß sie gar nicht mehr hinausschauen konnten ins Universum? Was hätten die Menschen verloren? Die Möglichkeit, von einem Christus-Geiste überhaupt etwas zu wissen, wenn der Christus nicht zu ihnen gekommen wäre durch das Mysterium von Golgatha, wenn der Christus nicht auf die Erde heruntergekommen wäre. In dem historischen Zeitmomente, wo die Menschen nicht mehr den Christus im Kosmos schauen konnten, kam der Christus auf die Erde herunter, verband sich mit dem Jesus. Von da ab war es des Menschen Aufgabe, den Christus in dem Menschen zu erfassen. Und gerettet werden muß die Möglichkeit, daß mit dem, was da durchsickert (siehe Zeichnung, links), der Christus erkannt werde. Denn der Christus ist zu den Menschen heruntergestiegen. Der Jesus ist ein Mensch, in dem der Christus gewohnt hat. Wirkliche menschliche Selbsterkenntnis muß den Jesus-Keim tragen. Dadurch wird man in die Zukunft übersiedeln können. Tief begründet ist es, daß wir von einem Christus Jesus sprechen. Denn der Christus entspricht dem Kosmischen; aber dieses Kosmische ist auf die Erde heruntergekommen und hat in dem Jesus Wohnung genommen, und der Jesus entspricht dem Irdischen mit der ganzen irdischen Zukunft.

[ 14 ] But this Western ideal—this demonization of humanity—can only be achieved if spiritual, psychological Americanism is supported by another ideological current that is much more closely related to Americanism than one might think. As you have seen, the decisive factor is essentially Americanism’s inclination toward Ahrimanic culture. But this Americanism could receive genuine support if it were backed by another worldview that is much more closely related to it than one might think. That is Jesuitism. Jesuitism and Americanism are two very, very closely related things. For when the fifth post-Atlantean epoch began, the aim was to find an impulse that would enable one to lead people as far away as possible from an understanding of Christ. And that striving within cultural development which has set itself the task of preventing any understanding of Christ from arising—of completely undermining the understanding of Christ—that is Jesuitism. Jesuitism strives to gradually eradicate every possibility of an understanding of Christ. For what underlies this is connected to a profound mystery. The fact that something from the outside (see illustration on page 45, right) was always entering the human inner being is connected, as I said, to the fact that people previously, before the 7th and 8th centuries B.C., possessed atavistic clairvoyance. But through this atavistic clairvoyance, they also saw the Christ in the universe. The Christ was something they could see through their ancient clairvoyance. I have described this many times; I described it in *An Outline of Esoteric Science*, and the entire point of my book *Christianity as a Mystical Fact* ultimately culminates in this. People saw the Christ in the cosmos; they saw the Christ in the universe. But now consider this: From the 7th and 8th centuries BCE onward, we humans have lost the ability to look out into the universe. What else would humanity have lost—if nothing else had come to replace it—by no longer being able to look out into the universe at all? What would humanity have lost? The very possibility of knowing anything at all about the Christ Spirit, had the Christ not come to them through the Mystery of Golgotha, had the Christ not descended to Earth. At the historical moment when people could no longer see the Christ in the cosmos, the Christ descended to Earth and united with Jesus. From then on, it was humanity’s task to grasp the Christ within the human being. And what must be preserved is the possibility that, through what seeps through there (see drawing, left), the Christ may be recognized. For the Christ has descended to humanity. Jesus is a human being in whom Christ dwelt. True human self-knowledge must bear the seed of Jesus. Through this, we will be able to move into the future. It is deeply rooted that we speak of a Christ Jesus. For the Christ corresponds to the Cosmic; but this Cosmic has come down to Earth and taken up residence in Jesus, and Jesus corresponds to the Earthly with the entire earthly future.

[ 15 ] Will man den Menschen abschließen vom Geistigen, so nimmt man ihm den Christus. Dann hat man die Möglichkeit, den Jesus so zu benützen, daß die Erde nur in ihrem irdischen Aspekt vorhanden bleibt. Sie werden daher beim Jesuitismus eine fortwährende Bekämpfung der Christologie finden, dagegen ein scharfes Betonen dessen, daß man ein Heer ist, eine Armee für den Jesus. Ja, natürlich: Geisteswissenschaft ist schon ein Mittel, daß solche Dinge erkannt werden, daß den Menschen die Schuppen von den Augen fallen. Daher werden jene, die nicht erkannt sein wollen, immer wütender und wütender werden auf dasjenige, was Geisteswissenschaft will. Wütender, man sieht es: Das Juliheft der jesuitischen Zeitschrift «Stimmen der Zeit» — früher «Stimmen aus Maria-Laach» — enthält nicht nur einen, sondern gleich zwei Artikel gegen mich. Und wer dieses im Zusammenhang zu denken vermag mit dem, was sonst jetzt sich an neuen Aspirationen des Jesuitismus in der Welt entwickelt, der wird daraus überhaupt etwas Tieferes sehen können. Nur leider, man spricht ja von solchen Dingen heute doch zumeist vor einer schlafenden Menschheit. Die Menschen lieben es, die wichtigsten Dinge zu verschlafen, nicht hinzuhören auf dasjenige, was nun wirklich zukunftbestimmend ist. Daher werden die Menschen jetzt von allen Dingen, wie ich vorgestern sagte, überrascht. Sie wollen ja auch überrascht sein. Spricht man möglichst früh von den Dingen, die im Schoße der Zeit liegen, so betrachten die Menschen das als etwas Unbequemes, weil sie möglichst lange gut brav bürgerlich bequem auf ihren Polstersesseln sitzen möchten, auch wenn sie verantwortungsvolle, führende Menschheitsstellen innehaben. Aber diejenigen, welche sich für Geisteswissenschaft interessieren, sollten schon sich in die Seelen eingravieren, daß man alles tun wird, um diese Geisteswissenschaft unwirksam zu machen. Es ist nicht gerade gut, wenn auch wir innerhalb unserer Kreise allzusehr schlafen mit Bezug auf die Beobachtung desjenigen, was in der Welt vorgeht.

[ 15 ] If one wishes to cut people off from the spiritual, one takes Christ away from them. Then one has the opportunity to use Jesus in such a way that the earth remains only in its earthly aspect. You will therefore find in Jesuitism a constant attack on Christology, contrasted with a sharp emphasis on the idea that one is a host, an army for Jesus. Yes, of course: spiritual science is indeed a means by which such things are recognized, by which the scales fall from people’s eyes. That is why those who do not wish to be recognized will become ever more and more furious at what spiritual science seeks to achieve. More furious—as you can see: The July issue of the Jesuit journal *Stimmen der Zeit*—formerly *Stimmen aus Maria-Laach*—contains not just one, but two articles against me. And anyone who can consider this in the context of the new aspirations of Jesuitism currently developing in the world will be able to discern something deeper in it all. Unfortunately, however, such matters are mostly discussed today before a sleeping humanity. People love to sleep through the most important things, to turn a deaf ear to what truly shapes the future. That is why, as I said the day before yesterday, people are now taken by surprise by everything. They actually want to be surprised. If one speaks as early as possible about the things that lie in the bosom of time, people regard this as something uncomfortable, because they want to sit as long as possible, well-behaved and comfortably bourgeois, in their upholstered armchairs—even if they hold positions of responsibility and leadership for humanity. But those who are interested in spiritual science should engrave upon their souls the fact that everything will be done to render this spiritual science ineffective. It is not exactly good if we, too, within our own circles, remain too complacent when it comes to observing what is happening in the world.

[ 16 ] Zuweilen ist es ja recht schwierig, zu sehen, wie doch immer alles, was so persönlich spielt, höhergestellt wird als dasjenige, was in der gegenwärtigen Zeit so ganz besonders wichtig und wesentlich ist: das Hinschauen auf die großen Angelegenheiten der Menschheit, die sich langsam vorbereiten. Die Angriffe, die zu tun haben mit den großen «Wollungen», die kommen schon von den verschiedensten gegnerischen, ernst zu nehmenden Seiten. Solch ein Angriff wie der, von dem ich eben gesprochen habe, er ist schon in gewissem Sinne ernster zu nehmen. Man muß ihn in der richtigen Weise taxieren können. Nicht ernst zu nehmen nach dieser Richtung hin sind ja natürlich jene schönen Angriffe, welche aus dem Unterirdischen unserer Gesellschaft selber immer wiederum auftauchen, und die ja zum Teil bloß deshalb ein böses Ansehen haben, weil immer wieder und wiederum die Tendenz bemerkbar ist, daß man gerade die größte, liebevollste Teilnahme gegenüber jenen Leuten hat, welche dasjenige, was ernst erstrebt wird in unseren Reihen, verlästern, zu verunglimpfen suchen und dergleichen. Und erst wenn das Unheil da ist, dann entschließt man sich nach und nach, wirklich zu sehen; vorher werden manche Leute gehätschelt, welche dann das Unheil bringen.

[ 16 ] At times, it is indeed quite difficult to see how everything that is so personal is always given greater priority than what is so particularly important and essential in the present time: paying attention to the great affairs of humanity that are slowly taking shape. The attacks related to the great “will-driven forces” are already coming from a wide variety of opposing, serious sources. An attack such as the one I just mentioned must, in a certain sense, be taken more seriously. One must be able to assess it correctly. Of course, the “charming” attacks that repeatedly resurface from the underbelly of our own society and which, in part, have a bad reputation simply because there is a noticeable tendency, time and again, to show the greatest, most affectionate sympathy toward precisely those people who slander and seek to denigrate what is earnestly pursued within our ranks, and the like. And only when disaster strikes do people gradually resolve to truly see; before that, some people are pampered, even though they are the ones who then bring about the disaster.

[ 17 ] Ich sage dies nicht, weil ich daran denke, daß das oder jenes anders sein sollte, sondern weil ich mich wirklich verpflichtet fühle, darauf aufmerksam zu machen, daß die Menschheit aufwachen muß, und daß wir vor allen Dingen zu denen gehören müssen, welche nach Wachheit streben.

[ 17 ] I am not saying this because I think this or that should be different, but because I truly feel compelled to point out that humanity must wake up, and that, above all, we must be among those who strive for wakefulness.

[ 18 ] Auf gewissen Gebieten kann man ja heute alles mögliche tun. Der von mir hier gemeinte Schlaf der Menschheit, der nur überwunden werden kann durch ein Eindringen in die geistigen Welten, der ist außerordentlich schwer zu überwinden, der Schlaf der Menschen. Und mit Bezug auf die Verbreitung des geisteswissenschaftlichen Erkenntnisgutes hat man es vielfach gerade mit diesem Schlaf zu tun als dem Gegner. Ich will dabei gar nicht von einer einzelnen Erscheinung sprechen, sondern in der ganzen Kulturbewegung ist gegenwärtig etwas Schläfriges gegenüber den eigentlichen Impulsen, die überall, an allen Stellen den Menschen über den Kopf hinauswachsen. Zwei Dinge sind notwendig, die man sich wie goldene Regeln eigentlich einschreiben müßte in seine Seele: Niemals war mehr als in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum die Notwendigkeit vorhanden, daß die Menschen sich immer mehr und mehr bemühen — und daß Menschen da sind, die das können, daran ist nicht zu zweifeln —, gerade das zu erreichen, was besonders wertvoll ist: geisteswissenschaftliche Erkenntnisse zu verstehen. Gewiß, geisteswissenschaftliche Erkenntnisse müssen gesucht werden durch hellsichtiges Eindringen in die geistige Welt; das ist eine Notwendigkeit. Aber das ist eine Selbstverständlichkeit, daß es Hellseher geben muß, die eindringen in die geistige Welt, daß es Leute geben muß, die übersinnliche Erkenntnisse anstreben. Zweitens aber ist besonders wichtig, daß sich für diese geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse, für diese in übersinnlichen Welten gesuchte Erkenntnis Leute finden, die kraft des Intellekts die Sache verstehen. Das vernünftige, verständige Begreifen der Geisteswissenschaft, das ist heute ganz besonders notwendig, denn das ist dasjenige, wodurch die widerstrebendsten Kulturmächte gerade überwunden werden. Der Intellekt der Menschen ist heute so groß, daß die ganze Geisteswissenschaft verstanden werden kann, wenn man nur will. Und gerade dieses Verständnis anzustreben, ist ein allgemein-menschliches, nicht ein egoistisches Interesse der Kultur. Denn dieses Verständnis kann angestrebt werden, wenn jene intellektuellen Kräfte, die heute verwendet werden auf naturwissenschaftlichen Gebieten an allerlei Kleinkram, wenn jene intellektuellen Kräfte, die heute volkswirtschaftlich recht fruchtlos verwendet werden, und endlich, wenn jene Kräfte, die in einer fruchtlosen, vielleicht sogar menschenmörderischen Technik verwendet werden, entsprechend angewendet würden, und die Menschen nicht verzogen würden von frühester Kindheit an. Dann würde man sehen, wie leicht das spirituelle Geistesgut wirklich zum Verständnisse der Menschheit gebracht werden könnte. Das ist das eine.

[ 18 ] In certain areas, one can do all sorts of things today. The “sleep of humanity” I am referring to here—which can only be overcome by penetrating the spiritual worlds—is extraordinarily difficult to overcome. And when it comes to spreading the body of knowledge of spiritual science, one is often confronted precisely with this slumber as the adversary. I do not wish to speak of a single phenomenon here, but rather of a general drowsiness within the entire cultural movement in the face of the actual impulses that are rising above people’s heads everywhere, in every place. Two things are necessary, which one should actually inscribe in one’s soul as golden rules: Never before, more than in our fifth post-Atlantean epoch, has there been such a need for people to strive more and more—and there are people who can do this; of that there is no doubt—to achieve precisely what is particularly valuable: understanding spiritual scientific insights. Certainly, spiritual-scientific insights must be sought through clairvoyant penetration into the spiritual world; that is a necessity. But it goes without saying that there must be clairvoyants who penetrate the spiritual world, that there must be people who strive for supersensible knowledge. Secondly, however, it is particularly important that, for these insights into spiritual science—for this knowledge sought in supersensible worlds—people be found who understand the matter through the power of the intellect. A rational, intelligent understanding of spiritual science is especially necessary today, for it is precisely this that overcomes even the most resistant forces in culture. Human intellect today is so advanced that the entire field of spiritual science can be understood, if one is only willing. And striving for precisely this understanding is a universal human interest in culture, not a selfish one. For this understanding could be attained if those intellectual powers that are currently expended on all sorts of trivialities in the natural sciences, if those intellectual powers that are currently employed quite fruitlessly in economics, and finally, if those powers that are used in fruitless, perhaps even murderous technology, were applied appropriately—and if people were not spoiled from earliest childhood. Then one would see how easily spiritual knowledge could truly be brought to the understanding of humanity. That is one thing.

[ 19 ] Die andere goldene Regel ist diese, daß man heute noch etwas anderes braucht für das Fruchtbarmachen des spirituellen Geistesgutes für unsere Kultur. Das erste ist etwas, was Ahriman abgerungen werden muß. Die Menschen sind heute schon gescheit, denn Ahriman sorgt dafür, daß die Menschen gescheit sind. Oh, die Menschen sind gescheit! Sie verwenden ihre Gescheitheit eben nur im materialistischen Interesse. Die Menschen sind nicht nur gescheit, sie sind übergescheit. Davon werden wir aber in den nächsten Vorträgen noch sprechen, damit Sie sehen, welchen ungeheuren Einfluß gerade das ahrimanische Element auf die menschliche Übergescheitheit der heutigen Zeit hat. Aber noch etwas anderes ist notwendig. Noch einem andern Geiste ist manches abzuringen. Wir brauchen nicht nur Gescheitheit, mit der das spirituelle Geistesgut durchdrungen werden soll, wir brauchen vor allen Dingen sehr, sehr dringlich — ja, wie soll ich es ausdrücken —, wir brauchen bei den Menschenseelen, an die das spirituelle Geistesgut herankommt, Temperament, Enthusiasmus, Feuer, Wärme. Wir brauchen Menschen, welche mit der ganzen, vollen Seele dasjenige vertreten, was spirituelles Geistesgut ist. Gerade auf spirituellem Gebiete muß den luziferischen Kräften, die sonst so wirksam jetzt sind in der Welt, dieses abgerungen werden. Es gibt einen schönen Anblick: es ist der Anblick desjenigen, der in ruhiger Klarheit, aber mit innerem Feuer und Enthusiasmus, weil es ihm eine Notwendigkeit ist, für das spirituelle Geistesgut sich erwärmen kann. Es gibt einen andern Anblick: das ist der, wo man möglichst versucht, durch das spirituelle Geistesgut eingelullt zu werden, träumerisch zu werden, hingegossen warm zu werden, aufzugehen in die universellen Kräfte, die Seele zu vereinigen mit dem göttlichen All. Das sind Gegensätze, die man in der Gegenwart doch wohl beobachten kann, Gegensätze, die es notwendig ist, zu beobachten. Denn es wird nicht leicht werden, das spirituelle Geistesgut der Menschenkultur einzuverleiben. Und es muß hinein, denn die Menschenkultur braucht es. Man wird über vieles ganz, ganz anders nicht nur denken lernen müssen, sondern auch fühlen und empfinden lernen müssen.

[ 19 ] The other golden rule is this: today we still need something else to make spiritual heritage fruitful for our culture. The first thing is something that must be wrested from Ahriman. People are already clever today, for Ahriman ensures that they are clever. Oh, people are clever! They just use their cleverness for materialistic purposes. People are not only clever; they are overly clever. But we will speak more about this in the next lectures, so that you can see what an immense influence the Ahrimanic element in particular has on the human over-cleverness of our time. But something else is necessary as well. We must also wrest certain qualities from another spirit. We need not only intelligence with which to penetrate spiritual knowledge; above all, we need—very, very urgently—yes, how shall I put it—we need, in the human souls to whom spiritual knowledge comes, temperament, enthusiasm, fire, and warmth. We need people who, with their whole, full soul, embody what spiritual heritage is. Precisely in the spiritual realm must this be wrested from the Luciferic forces that are otherwise so active in the world today. There is a beautiful sight: it is the sight of one who, with calm clarity yet with inner fire and enthusiasm—because it is a necessity for him—can be moved by spiritual teachings. There is another sight: it is that in which one tries, as much as possible, to be lulled by spiritual heritage, to become dreamy, to be swept away and warmed, to merge into the universal forces, to unite the soul with the divine universe. These are contrasts that one can certainly observe in the present, contrasts that it is necessary to observe. For it will not be easy to incorporate the spiritual heritage into human culture. And it must be incorporated, for human culture needs it. People will have to learn not only to think about many things in a completely, completely different way, but also to feel and perceive them differently.

[ 20 ] Ja, ich könnte noch manches sagen in Anknüpfung an dasjenige, was ich jetzt eben ausgesprochen habe, aber ich will vielleicht lieber schweigen und will Ihnen Gelegenheit geben, nachzudenken. Man kann über manches nachdenken, was angeregt werden könnte durch manche Tücke, welche ich ganz absichtlich in die eben ausgesprochene Wahrheit hineingelegt habe. Nun, davon wollen wir dann das nächste Mal weiter sprechen.

[ 20 ] Yes, I could say a few more things in connection with what I just said, but perhaps I’d rather remain silent and give you a chance to reflect. There are many things to reflect on, prompted by certain subtleties that I quite deliberately embedded in the truth I just expressed. Well, let’s continue this discussion next time.