The Science of Human Development
GA 183
1 September 1918, Dornach
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The Science of Human Development, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Ich werde die Betrachtungen, die wir jetzt hier pflegen, so anlegen müssen, daß ich heute die gestern gemachten Auseinandersetzungen erweiternd vorbringe, um dann morgen zu einem gewissen vorläufigen kleinen Abschluß zu kommen. Daher wird das Heutige mehr eine Episode zu bedeuten haben.
[ 1 ] I will have to structure the discussion we are having here in such a way that today I expand on the arguments presented yesterday, so that tomorrow we can reach a certain preliminary, brief conclusion. Therefore, today’s session will serve more as an interlude.
[ 2 ] Man hat in der Gegenwart ja sehr, sehr viel Veranlassung, auch aus den Zeitereignissen heraus, über dies oder jenes nachzudenken, wenn man nicht die Absicht hat, die wichtigsten Impulse unserer Zeit zu verschlafen. Besonders auffällig in der Gegenwart und, ich möchte sagen, Fragen herausfordernd ist ja die Erscheinung, die Ihnen doch wohl hinlänglich bekannt ist, daß im weitesten Sinne in dieser Gegenwart die ungeheuerste Unwahrhaftigkeit Platz gegriffen hat, daß gerade da, wo Umfassendes heute spielt, Unwahrhaftigkeit vorhanden ist. Solche Dinge, wie das Auftreten von so wirksamer, so einschneidender Unwahrhaftigkeit veranlaßt dann auch, über allerlei damit Zusammenhängendes geisteswissenschaftlich nachzuforschen. Und da, kann man sagen, tritt einem oftmals ganz besonders die Tatsache entgegen, die ich auch hier schon öfter berührt habe, daß das, was zumeist als Geschichte der Menschheit mitgeteilt wird, eine Art Fable convenue ist. Dabei handelt es sich nicht so sehr darum, daß Tatsachen, die mitgeteilt werden, etwa nicht bis zu einem gewissen Grade für richtig zu halten wären; aber andere Tatsachen — Sie erinnern sich, ich habe letzthin hier auseinandergesetzt, wie tiefstgehende Einflüsse eines Menschen aus der römischen Geschichte einfach gestrichen worden sind —, sie werden einfach getilgt. Ungeheures an Tatsachen hat ja die Kirche aus der Geschichte ausgetilgt, weil der Kirche daran gelegen war, daß gewisse Tatsachen nicht zur Kenntnis der Menschen kommen.
[ 2 ] In the present day, there is indeed very, very good reason—not least because of current events—to reflect on this or that, if one does not intend to miss out on the most important developments of our time. Particularly striking in the present—and, I would say, posing a challenge—is the phenomenon, with which you are surely quite familiar, that in the broadest sense, the most monstrous untruthfulness has taken hold in our time; that precisely where far-reaching events are unfolding today, untruthfulness is present. Such things—such as the emergence of such effective, such pervasive untruthfulness—then also prompt us to investigate all manner of related issues from a spiritual-scientific perspective. And there, one might say, we are often confronted quite particularly with the fact—which I have also touched upon here on several occasions—that what is usually presented as the history of humanity is a kind of “fable convenue.” The issue is not so much that the facts that are reported cannot be considered true to a certain extent; but other facts—you will recall that I recently explained here how the most profound influences of a certain figure from Roman history were simply erased—are simply obliterated. The Church has, after all, erased a vast number of facts from history because it was in the Church’s interest that certain facts not come to people’s attention.
[ 3 ] Nun haben wir gestern wiederum von einem Gesichtspunkte aus über die Zeit gesprochen, welche die griechisch-lateinische Kulturperiode einleitete, über den wichtigen Zeitabschnitt im 8. vorchristlichen Jahrhundert. Es ist ja eine Zeit, aus der heraus nicht mehr viel die historischen Überlieferungen sprechen. Die historischen Überlieferungen werden da schon sehr, sehr unsicher, aber es glänzt aus dem Beginne dieser Zeitepoche heraus eine Persönlichkeit, die sehr, sehr vielen Leuten Betrachtungen der verschiedensten Art abgerungen hat. Es glänzt da aus der Entstehungszeit, also nach dem 8. vorchristlichen Jahrhunderte, der Name des Pythagoras heraus, der Name auch der Pythagoräischen Schule. Und ich habe ja gestern darauf hingewiesen, was aus den Überbleibseln der alten ägyptischen Mysterienwahrheiten Pythagoras hat empfangen können, welcher Art diese Dinge waren, die Pythagoras hat empfangen können.
[ 3 ] Yesterday we spoke once again, from a certain perspective, about the period that ushered in the Greco-Roman cultural era—the important period in the 8th century B.C. It is, after all, a time about which historical records have little to say. The historical records become very, very unreliable at that point, but a figure shines forth from the dawn of this era who has inspired a great many people to reflect on a wide variety of topics. Shining forth from that formative period—that is, after the 8th century B.C.—is the name of Pythagoras, and also the name of the Pythagorean School. And as I pointed out yesterday, I discussed what Pythagoras was able to receive from the remnants of the ancient Egyptian mystery teachings, and the nature of these things that Pythagoras was able to receive.
[ 4 ] Nun ist es nicht nur interessant, das zu betrachten, was Pythagoras und seine Schüler gesagt und getan haben, was ja sehr einschneidend war, denn sie haben nicht nur eine Lehrtätigkeit entwickelt, sondern eine weitgehende politische Tätigkeit. Was Pythagoras und seine Schüler getan haben, ist interessant, aber außerdem ist es bedeutsam, die Welt zu betrachten, die gewissermaßen dieses pythagoräische Treiben umgibt, die Welt, aus der dann auch das spätere Griechentum herausgewachsen ist, das ja schon einen gewissen Einfluß aufgenommen hat auch desjenigen, was man, von besonderem Glanze erhellt, bei Pythagoras findet. Wenn man im 7., 6., 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung das Leben nimmt, aus dem dann das spätere griechisch-lateinische herausgewachsen ist, wenn man dieses Leben nimmt auf der griechischen Halbinsel und den angrenzenden Ländern und der italienischen Halbinsel, so fällt einem dann, wenn man die Dinge nicht der geschichtlichen Fable convenue nach betrachtet, sondern wenn man sie betrachtet im Lichte der Wahrheit — dazu muß immer die geisteswissenschaftliche Forschung dann ihre Beiträge geben —, besonders auf, daß eine Eigenschaft der Menschheit über dieses Leben sehr verbreitet war. Es wurde nämlich kaum zu irgendeiner Zeit so viel gelogen als zu dieser Zeit über die Mittelmeerländer hin. Das Lügen, das die Unwahrheitsagen den andern Menschen, das war eine ganz auffällige charakteristische Erscheinung alles desjenigen Lebens, aus dem dann das spätere Griechentum und Römertum hervorgewachsen ist.
[ 4 ] Now, it is not only interesting to consider what Pythagoras and his students said and did—which was, of course, quite significant, since they not only developed a body of teaching but also engaged in extensive political activity. What Pythagoras and his disciples did is interesting, but it is also significant to examine the world that, in a sense, surrounds these Pythagorean activities—the world from which later Greek civilization emerged, a civilization that had already absorbed a certain influence from what we find in Pythagoras, illuminated by a special radiance. If one considers life in the 7th, 6th, and 5th centuries B.C.E.—from which the later Greco-Roman world subsequently emerged—if one considers this life on the Greek peninsula and in the neighboring lands as well as on the Italian peninsula, then it becomes particularly striking—if one does not view these things according to the conventional historical narrative, but rather in the light of truth (to which spiritual scientific research must always contribute)—that one characteristic of humanity was very widespread throughout this way of life. Indeed, at no other time were there as many lies told across the Mediterranean lands as during this period. The lying—the telling of untruths to others—was a strikingly characteristic feature of the entire way of life from which later Greek and Roman civilization emerged.
[ 5 ] Man muß sich in solchen Dingen keinen Täuschungen hingeben. Alles dasjenige, was man als die gewaltige Schönheit, als die bewunderungswürdige Summe von Phantasieschöpfungen Griechenlands, was man als die großartigste Summe von Abstraktionen, die es je in der Welt gegeben hat, im Römertum sich entwickeln sieht, das alles wächst heraus, so wie die Pflanzenwelt aus dem Dünger herauswächst, aus einem Boden, der über die Mittelmeerländer ausgedehnt ist, aus einem Boden, den Menschen bewohnen, die ganz erfüllt sind von der Sucht, von der Leidenschaft des Lügens. Das ist etwas, was von der ‚Geschichte weniger betont wird, was aber verstanden werden muß, wenn man richtig hineinsehen will in die untergehende dritte nachatlantische Kulturzeit. Wir haben es ja, indem wir von den früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden zum 8. vorchristlichen Jahrhundert heraufkommen, mit dem untergehenden dritten nachatlantischen Kulturzeitraum zu tun. Und die Menschen, die damals die Kulturträger waren des dritten nachatlantischen Kulturzeitraumes, des untergehenden dritten nachatlantischen Kulturzeitraumes, die waren im wesentlichen große Lügner. Das ist gleichzeitig diejenige Epoche, in welcher sich ganz besonders entwickelt jene Fähigkeit, von der ich Ihnen gestern gesprochen habe und die so außerordentlich interessant ist: jene Fähigkeit, aus dem Kosmischen der Vernunft heraus die Sprache zu bilden. Und es war das größte Talent eben dazumal vorhanden neben solchen Dingen, wie ich sie gestern auseinandergesetzt habe in der großen Sucht, zu lügen.
[ 5 ] One must not delude oneself in such matters. Everything that one sees developing in Roman civilization—what is regarded as the immense beauty, as the admirable sum of Greece’s imaginative creations, what is regarded as the most magnificent sum of abstractions the world has ever known—all of that grows forth, just as the plant world grows out of manure, out of a soil that stretches across the Mediterranean lands, out of a soil inhabited by people who are entirely consumed by the addiction, by the passion for lying. This is something that ‘history’ tends to downplay, but which must be understood if one wishes to gain a true insight into the declining third post-Atlantean cultural epoch. After all, as we move from earlier centuries and millennia up to the 8th century B.C., we are dealing with the declining third post-Atlantean cultural epoch. And the people who were the bearers of culture during that time—the third post-Atlantean cultural epoch, the declining third post-Atlantean cultural epoch—were, in essence, great liars. This is also the very epoch in which that ability I spoke to you about yesterday—and which is so extraordinarily interesting—developed in a particularly significant way: the ability to form language out of the cosmic realm of reason. And it was precisely this greatest talent that existed at that time, alongside such things as I explained yesterday, in the great compulsion to lie.
[ 6 ] Man darf sich in diesen Dingen ebensowenig einer Täuschung hingeben, wenn man die Wirklichkeit betrachten will, wie man sich einer Täuschung darüber hingeben darf, daß das Veilchen, das im Frühling blüht, wiederum vergeht und die Kräfte des Vergänglichen, während es schön und herrlich blüht, schon in sich trägt. Da hat man bei dem Veilchen gewissermaßen nacheinander Entstehungskräfte und Zerstörungskräfte. Im Menschenleben, namentlich im großen Menschheitsleben, hat man das sehr, sehr häufig auch zeitlich nebeneinander, und man begreift nicht die Wirklichkeit, wenn man nicht die Notwendigkeit begreift, daß solche Dinge nebeneinander sich bilden: Evolution und Devolution, die Möglichkeit, aufbauend zu wirken, wie zum Beispiel eben in der Sprachbildung, und gleichzeitig jene verheerende Wirkung, welche auf das Geistesleben das Lügen ausübt.
[ 6 ] When one wishes to observe reality, one must not succumb to delusion in these matters any more than one may succumb to the delusion that the violet, which blooms in spring, will eventually wither and that, even as it blooms beautifully and magnificently, it already carries within itself the forces of transience. In the case of the violet, the forces of creation and destruction occur, so to speak, one after the other. In human life—and especially in the broader life of humanity—these forces very, very often exist side by side in time, and one cannot grasp reality unless one understands the necessity that such things arise side by side: evolution and devolution, the possibility of having a constructive effect—as, for example, in the development of language—and, at the same time, that devastating effect which lying exerts on spiritual life.
[ 7 ] Das ist gewissermaßen die Kehrseite desjenigen, was ich Ihnen gestern auseinandergesetzt habe. Es gibt auch eine Lichtseite. Diese Lichtseite ist noch geisteswissenschaftlicherer Natur. Ich habe schon gestern darauf aufmerksam gemacht, daß es ja nicht möglich wäre, heute mit einer solchen Sicherheit über diese Dinge der Sprachbildung, die wir gestern besprochen haben, zu reden, wenn nicht das Leben des Menschen nach dem Tode einem den deutlichen Beweis davon geben würde, indem dasjenige, was hier im Leben zum Beispiel aus einzelnen Wortatomen oder Wortteilen zusammengesetzt wird an Worten, wiederum gelöst wird. Und dieses Lösen von Worten, dieses Zerstäuben von Worten, das ist etwas, das im Leben der Toten eine bedeutsame Rolle spielt. Gewissermaßen lebt der Tote von diesem Zerstäuben der Worte. Und der Tote hat das entschiedenste Gefühl, daß er in seinem Leben, also vor seinem Tode, von der geistigen Welt, in der er sich nach seinem Tode befindet, dadurch abgeschlossen war, daß er aus Lauten, aus Buchstaben zusammengesetzte Worte gebildet hat. Der Tote hat das Gefühl, daß die Sprache gewissermaßen ein Teppich ist, der sich im Leben vor die geistige Welt hingelegt hat. Und in dem Aufdröseln dieses Teppichs, in dem Auflösen der Worte hat er das Gefühl, daß er nun wiederum in die geistige Welt eintritt. Daher ist es eine der Eigenschaften des Toten, die Menschenwotte, die der Betreffende kennengelernt hat innerhalb des Lebens zwischen Geburt und Tod, aufzulösen, zu zerpflücken, in ihre Bestandteile aufzulösen. Der Tote hat zum Beispiel ein ganz feierliches, großes Gefühl, wenn es ihm gelingt, ein gewisses Verständnis sich durch solche Auflösung zu erwerben. Ich habe Ihnen öfter davon gesprochen, daß der Moment des Todes ja in einer gewissen Beziehung etwas Schreckhaftes ist für das Leben hier im physischen Leibe. Die Menschen wenden ja auch gerne ihr Antlitz von dem Tode ab. Nach dem Tode ist der Anblick des Todes immer da — ich habe das öfters schon betont —, aber er bedeutet dann nichts Furchtbares; sondern indem der Mensch hinblickt auf seinen eigenen Tod von der andern Seite des Lebens aus, ist in diesem Anblick immer die Gewißheit vorhanden, daß er ein Ich ist und ein Ich bleibt. Das habe ich ja öfter betont.
[ 7 ] In a sense, this is the flip side of what I explained to you yesterday. There is also a bright side. This bright side is of an even more spiritual-scientific nature. I already pointed out yesterday that it would not be possible today to speak with such certainty about these matters of language formation—which we discussed yesterday—if human life after death did not provide clear proof of this, in that what is composed here in life, for example, from individual word atoms or parts of words, is in turn dissolved. And this breaking down of words, this dispersal of words, is something that plays a significant role in the life of the dead. In a sense, the dead person lives from this dispersal of words. And the dead person has the most distinct feeling that in his life—that is, before his death—he was cut off from the spiritual world in which he now finds himself after his death by the very fact that he formed words composed of sounds and letters. The dead person has the feeling that language is, in a sense, a carpet that was laid down in life to block the view of the spiritual world. And in the unraveling of this carpet, in the dissolution of the words, he has the feeling that he is now re-entering the spiritual world. Therefore, it is one of the characteristics of the dead person to dissolve, to pick apart, and to break down into their constituent parts the human words that the individual has come to know during the life between birth and death. The deceased, for example, experiences a very solemn, profound feeling when he succeeds in gaining a certain understanding through such a process of dissolution. I have often spoken to you about how the moment of death is, in a certain sense, something frightening for life here in the physical body. People, after all, tend to turn their faces away from death. After death, the sight of death is always there—as I have often emphasized—but it no longer signifies anything terrifying; rather, as the person looks upon their own death from the other side of life, this sight always carries the certainty that they are an “I” and will remain an “I.” I have, in fact, emphasized this many times.
[ 8 ] Aber nun handelt es sich für den 'Toten darum, dasjenige zu verstehen, was sich ihm im Anblick des Todes von der andern Seite des Lebens aus offenbart. Dieses versteht er dadurch immer besser und besser, daß er, je nachdem er diese oder jene Sprache gesprochen hat, diese oder jene Worte auflöst. Die alten Hebräer und mit einer gewissen Ähnlichkeit noch die Römer, haben ja ihren sogenannten geheiligten Namen, den unaussprechlichen Namen des Gottes, Jahve. Dieser unaussprechliche Name bestand ja für die Hebräer in einer gewissen Zusammenfügung der von uns als fünf Vokale empfundenen Laute, die verbunden gedacht wurden während des physischen Lebens. Noch in dem römischen Jovis, Jupiter, ist ja nur eine andere Form des Jahvenamens verdeckt enthalten; er ist im Grunde in bezug auf die fünf Vokale in einer gewissen Weise verbunden in dem Jovis. In der Auflösung desjenigen, was hier verbunden war in diesem Gottesnamen, lebte der Tote, und indem er die Vokale, die zusammengesetzt waren im Leben, auflöste, enthüllte sich ihm auch zugleich der Sinn, könnte man sagen, des Todes. Die Enthüllung dieses Sinnes des Todes, die muß man nur versuchen, in der richtigen Weise wenigstens zu ahnen. Man muß verstehen, daß sich dem Toten enthüllt dieser Sinn des Todes durch die Auflösung des heiligen Namens in seine Bestandteile, die dann verklingen und verklingend forttönen in der Welt. Die Auflösung dieses heiligen Namens ist verknüpft mit dem Verständnis der Vergeistigung des Todes. Es ist das ein Begriff, den man außerordentlich schwer schildern kann. Der Tod, von der andern Seite angesehen, kann Vergeistigung genannt werden. Indem der Tod von der andern Seite angeblickt wird, ist dieser Anblick verknüpft mit der Entstehung von Geistigem. Und in dem Zerpflücken des Wortes nach den Vokalen enthüllt sich das Geistige aus dem Zerfall heraus, den der Tod bedeutet. Zerfall ist da zu gleicher Zeit Geburt des Geistigen, Entstehung des Geistigen. Während man den Zerfall in unsympathischer Weise als etwas Unschönes empfindet wie jede Zerstörung, enthüllt sich von der andern Seite gesehen diese Zerstörung als ein Aufleuchten des Geistigen, das dann verstanden wird in dem Verklingen. Es ist, als ob das heilige Wort weit hinausklänge, hinausstrahlte, und im Hinausstrahlen sich eben in seine vokalischen Bestandteile auflöste, die dann hörbar sind wie aus der Peripherie der Welt herein, und dann hörbar machen den Sinn des Todes, den Geistsinn des Todes.
[ 8 ] But now the task for the “dead” is to understand what is revealed to them from the other side of life as they face death. They come to understand this better and better as they decipher these or those words, depending on which language they spoke. The ancient Hebrews—and, to a certain extent, the Romans as well—had their so-called sacred name, the unpronounceable name of God, Yahweh. For the Hebrews, this unpronounceable name consisted of a certain combination of sounds that we perceive as five vowels, which were conceived as being connected during physical life. Even in the Roman “Jovis,” or Jupiter, there is merely another form of the name Yahweh concealed; in essence, with regard to the five vowels, it is connected in a certain way within “Jovis.” The dead person lived within the dissolution of what had been united in this divine name, and as he dissolved the vowels that had been combined in life, the meaning—one might say—of death was simultaneously revealed to him. One must at least attempt to intuit this meaning of death in the proper way. One must understand that this meaning of death is revealed to the deceased through the dissolution of the sacred name into its constituent parts, which then fade away and continue to resonate in the world as they fade. The dissolution of this sacred name is linked to the understanding of the spiritualization of death. This is a concept that is extremely difficult to describe. Death, viewed from the other side, can be called spiritualization. When death is viewed from the other side, this view is linked to the emergence of the spiritual. And in the breaking down of the word into its vowels, the spiritual reveals itself out of the disintegration that death signifies. Decay is, at the same time, the birth of the spiritual, the emergence of the spiritual. While one may perceive decay in an unsympathetic way as something ugly, like any destruction, when viewed from the other side, this destruction reveals itself as a flash of the spiritual, which is then understood in the fading away. It is as if the sacred word were resonating far out, radiating outward, and in this radiating outward were dissolving precisely into its vowel components, which are then audible as if coming from the periphery of the world, and thus make audible the meaning of death, the spiritual meaning of death.
[ 9 ] Das schon wird Sie darauf hinleiten, daß es berechtigt ist, geradeso wie man von Gliedern der Menschennatur spricht hier im Leben, physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, zu sprechen von den Gliedern der Menschennatur, die diese Menschennatur zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hat. Denn indem ich Ihnen gewissermaßen die zentrale Erscheinung, die der Mensch fortwährend zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hat, diese Enthüllung des geistigen Sinnes des Todes selbst, hingestellt habe, muß die Frage entstehen: Wie sieht denn eigentlich diese Welt aus, die da nach dem Tod für die Menschen sich enthüllen soll? — Das kann man aber nicht anders fassen, als indem man die Natur und Wesenheit des Menschen selbst etwas kennenlernt.
[ 9 ] This alone will lead you to the conclusion that it is justified to speak of the components of human nature—just as we speak of the components of human nature here in life: the physical body, the etheric body, the astral body, and the I—in reference to the components of human nature that exist between death and a new birth. For by presenting to you, as it were, the central phenomenon that the human being continually experiences between death and a new birth—this revelation of the spiritual meaning of death itself—the question must arise: What does this world, which is to be revealed to human beings after death, actually look like? — But this can only be understood by gaining some knowledge of the nature and essence of the human being itself.
[ 10 ] Nun wollen wir heute zunächst einmal versuchen, den Toten ebenso zu beschreiben, wie man sonst den Lebenden beschreibt. Da kann man zunächst anfangen mit demjenigen Gliede des toten Menschen, welches noch viel Zusammenhang — nicht Verwandtschaft, aber Zusammenhang — hat mit dem, was der Mensch hier durchlebt zwischen der Geburt und dem Tode. Da hat man es also dann mit dem ersten Gliede der Menschennatur zu tun, das man auch das Ich nennen kann, wie man gewissermaßen für hier das zunächst höchste Glied der Menschennatur zwischen Geburt und Tod nennt. Wir sehen jetzt davon ab, daß es zunächst, unmittelbar nach dem Tode, noch die Hülle des Ätherleibes hat, der dann abgelöst wird, und noch die Hülle des Astralleibes hat, die auch im Laufe der Zeit abgelöst wird; das sind Bestandteile, die gewissermaßen nicht dazugehören. Wenn man von dem toten Menschen spricht, so ist als ureigenes Glied dieses toten Menschen doch zunächst nur anzuerkennen das Ich. Ich sagte, es ist ein Zusammenhang mit dem Ich des Erdenlebens, nicht aber eine eigentliche Verwandtschaft; denn in der Tat stellt sich dieses Ich nach: dem Tode in einer ganz andern Weise dar, als das Ich erlebt wird zwischen der Geburt und dem Tode. Zwischen der Geburt und dem Tode ist das Ich gewissermaßen etwas Flüssiges, etwas, was in sich die Kraft fühlt, jeden Tag anders zu werden. Denken Sie nur, wie schrecklich es im leiblichen Leben zwischen Geburt und Tod wäre, wenn Sie nicht imstande wären, den Gedanken zu fassen: Ich habe gestern irgend etwas Schlimmes getan, aber ich kann das wiederum ausbessern, ich kann dafür etwas Gutes tun. — Oder wenn Sie, noch jünger, sagen müßten: Ich habe wenig gelernt, aber ich kann nichts dazulernen. — In keinem Momente des Lebens zwischen der Geburt und dem 'Tode ist das Ich etwas so Festes, daß es nicht gewissermaßen durch seine eigene Willenskraft von innen heraus geändert werden könnte. Dasjenige, was Sie erleben als Ich nach dem Tode, das ist etwas Festgewordenes, das hat gewisse Eigenschaften angenommen, die nun nicht unmittelbar geändert werden können; das bleibt so, wie es ist. Die Umwandlung des im Leben zwischen Geburt und Tod fortdauernd flüssigen Ich in ein festes Gebilde, in dem nichts sich ändern kann, das so bleibt, wie es sich im Leben geformt hat, das ist das Wesentliche, das festgehalten werden muß zum Verständnis dieses Ich nach dem Tode. Von einer Entwickelung, von der wir ja sprechen müssen für das Ich zwischen Geburt und Tod, kann nach dem Tode nicht die Rede sein. Nach dem Tode ist das Ich gewissermaßen ein festes Geistgebilde, das herausentspringt aus dem Anblick des Todes selber, und es kann nichts an diesem Ich geändert werden. Man könnte sagen, wenn man diese Sache mehr oder weniger banal aussprechen wollte: Der Mensch ist verurteilt, nach dem Tode alle Einzelheiten seines Lebens wie etwas Festes anzusehen. Wie Sie, wenn Sie über einen Acker hinsehen, die nahen Pflanzungen und die fernen Pflanzungen nebeneinander sehen, und wie Sie dadrinnen nichts Flüssiges, sondern ein festes, ausgedehntes, zunächst bleibendes Gebilde sehen, so übersehen Sie die ganze Strecke Ihres Lebenslaufes, aber so, daß nicht immer, wie es im Leben des physischen Leibes ist, das Vordere durch das Hintere ausgelöscht wird, sondern Sie übersehen es als ein bleibendes konkretes Feld, in dem Sie dutch den bloßen Anblick zunächst nichts ändern können. Es wäre auch schlimm für den Toten, wenn das nicht so wäre; denn sein Blick, der Blick des Toten ist eigentlich zunächst hauptsächlich in Anspruch genommen von diesem Ich. Er ist wie hineingebannt in dieses Ich. Und würde dieses Ich verschwinden, so würde es für den Toten ebenso sein, als wenn für den Lebenden die umliegende Welt der Sinne verschwinden würde. Der einzelne Mensch in seinem Ich ist tatsächlich für sich selbst, wenn ich tmich so ausdrücken darf, so wichtig — damit sprechen wir aber eine bedeutsame Wahrheit aus — wie die ganze Sinnenwelt, die wir als Menschen gemeinsam haben, für den Menschen hier im physischen Leben ist. Ein ungeheurer Abgrund täte sich auf, der Abgrund des Nichts geradezu, wenn wir nach dem Tode nicht imstande wären, das erstarrte Ich, das aus dem flüssigen Zustande erstarrte Ich im Anblick zu haben.
[ 10 ] Today, let us first try to describe the dead in the same way that we usually describe the living. We can begin with that aspect of the dead person that still has a strong connection—not kinship, but connection—to what a person experiences here between birth and death. We are thus dealing with the first aspect of human nature, which can also be called the “I,” as it is, so to speak, the highest aspect of human nature here between birth and death. We will now set aside the fact that, immediately after death, the deceased still possesses the sheath of the etheric body—which is subsequently shed—and the sheath of the astral body—which is also shed over time; these are components that, in a sense, do not belong to it. When speaking of the dead person, the only element that can initially be recognized as truly inherent to that dead person is the “I.” I said that there is a connection with the “I” of earthly life, but not an actual kinship; for in fact, after death, this “I” presents itself in a completely different way than the “I” is experienced between birth and death. Between birth and death, the “I” is, in a sense, something fluid, something that feels within itself the power to become different every day. Just think how terrible it would be in physical life between birth and death if you were unable to grasp the thought: “I did something bad yesterday, but I can make amends for it; I can do something good in its place.” — Or if, at an even younger age, you had to say: “I haven’t learned much, but I can’t learn anything more.” — At no moment in life between birth and “death” is the self so fixed that it cannot, in a sense, be changed from within by its own willpower. What you experience as the self after death is something that has become fixed; it has taken on certain characteristics that cannot now be changed immediately; it remains as it is. The transformation of the “I”—which remains constantly fluid during life between birth and death—into a fixed entity in which nothing can change, one that remains as it was formed during life: this is the essential point that must be grasped in order to understand this “I” after death. There can be no question of development—which we must, of course, speak of in regard to the “I” between birth and death—after death. After death, the “I” is, so to speak, a fixed spiritual entity that springs from the very sight of death itself, and nothing about this “I” can be changed. One could say, if one wanted to put this matter in more or less banal terms: Human beings are condemned, after death, to view all the details of their lives as something fixed. Just as when you look out over a field, you see the nearby crops and the distant crops side by side, and just as you see within it nothing fluid but a fixed, expansive, and—at first glance—permanent formation, so you survey the entire course of your life, but in such a way that—unlike in the life of the physical body, where what lies ahead is not constantly obliterated by what lies behind—you perceive it as a lasting, concrete expanse that you cannot, at first glance, alter in any way. It would also be terrible for the dead person if this were not the case; for their gaze—the gaze of the dead—is, in fact, initially and primarily absorbed by this “I.” It is, as it were, spellbound by this “I.” And if this “I” were to disappear, it would be for the dead person just as if, for the living, the surrounding world of the senses were to vanish. The individual human being, within his or her “I,” is in fact—if I may put it this way—just as important to himself or herself—and in saying this we are expressing a significant truth—as the entire sensory world that we share as human beings is to the human being here in physical life. An immense abyss would open up—the abyss of nothingness, quite literally—if, after death, we were unable to behold the solidified “I,” the “I” that has solidified from its fluid state.
[ 11 ] Als zweites haben wir eine Art von Geistwesen, das wir in Analogie mit dem, was wir schon kennen, auch Geistselbst nennen können. Als zweites Glied also der menschlichen Wesenheit nach dem Tode haben wir eine Art Geistwesenheit. Diese Geistwesenheit wird dem Menschen hauptsächlich so bewußt, daß ihm dieses Bewußtsein des Geistselbst wie von innen aufgeht. Während das Ich eine Art äußeren Anblick darbietet, geht das Bewußtsein dieses Geistselbst von innen heraus auf. Und in demselben Maße, in dem man fühlt: Dieses Geistselbst belebt sich —, in demselben Maße treten herauf aus dem Bewußtsein, so daß man weiß, sie sind da, die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Ich nenne dieses also: «das Geistselbst» — ich muß es genau so definieren, wie ich es jetzt auf die Tafel schreibe, sonst würde ich Ihnen etwas Ungenaues schreiben — «gerichtet durch die Hierarchien auf das Ich».
[ 11 ] Second, we have a kind of spiritual being that we can also call the “spiritual self,” by analogy with what we already know. As the second aspect of the human being after death, we have a kind of spiritual being. Human beings become aware of this spiritual being primarily in such a way that this awareness of the spiritual self arises within them, as if from within. While the “I” presents a kind of external appearance, the awareness of this “spirit-self” arises from within. And to the same extent that one feels: “This spirit-self is coming to life”—to that same extent, the beings of the higher hierarchies emerge from consciousness, so that one knows they are there. I therefore call this “the spiritual self”—I must define it exactly as I am now writing it on the board, otherwise I would be writing something imprecise— “directed by the hierarchies toward the ‘I.’”
[ 12 ] Das, was ich jetzt geschrieben habe, gibt ungefähr den Tatbestand ganz richtig. Sie haben das Gefühl: Da ist ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, aus der Hierarchie der Exusiai, das richtet jetzt den Blick auf Ihr Ich. Indem Sie Ihren Blick auf das Ich richten, das eine Mal durch irgendein Wesen einer Hierarchie, das andere Mal dadurch, daß Sie wissen, jetzt ist Ihr Blick auf das Ich durch ein Wesen der andern Hierarchie gerichtet, lernen Sie diese Hierarchie innerhalb des Wirkens Ihres Geistselbst kennen. Also in Ihrer eigenen Betätigung lernen Sie die Hierarchien kennen. Sie fangen an, durch Ihr Geistselbst sich in Gesellschaft der Hierarchien zu befinden. Und während Sie, bevor dieses Geistselbst aufleuchtet, noch das Gefühl haben, nur Sie selbst beschäftigen sich damit, den Blick hinzurichten auf das eigene Ich, bekommen Sie immer deutlicher das Gefühl, daß sich immer mehr und mehr Wesenheiten der höheren Hierarchien um Sie kümmern und sich hineinmischen in Ihr Schauen, Ihre Blicke lenken. Sie fühlen sich, indem Sie Ihre höhere Sinnestätigkeit entwickeln, durch das Geistselbst immer mehr und mehr so, daß in dieser Sinnestätigkeit mittätig sind die Wesen der höheren Hierarchien. Was unerträglich wäre für den Menschen der Sinneswelt hier, das wird geradezu das Lebenselement für den Menschen im Zustande nach dem Tode.
[ 12 ] What I have just written accurately describes the situation. You have the feeling that there is a being from the hierarchy of the Angeloi, from the hierarchy of the Exusiai, who is now directing their gaze toward your “I.” By directing your gaze toward the “I”—sometimes through a being from one hierarchy, and at other times through the awareness that your gaze is now directed toward the “I” by a being from another hierarchy—you come to know this hierarchy within the workings of your spiritual self. Thus, through your own activity, you come to know the hierarchies. You begin, through your spiritual self, to find yourself in the company of the hierarchies. And while, before this spiritual self dawns, you still have the feeling that you alone are engaged in directing your gaze toward your own “I,” you increasingly sense that more and more beings from the higher hierarchies are taking care of you and intervening in your vision, guiding your gaze. As you develop your higher sensory activity through the spiritual self, you increasingly feel that the beings of the higher hierarchies are actively participating in this sensory activity. What would be unbearable for a human being in the sensory world here becomes, in fact, the very element of life for the human being in the state after death.
[ 13 ] Denken Sie sich einmal, Sie stünden hier am Fenster und schauten hinaus und sollten die Umgebung betrachten. Einer von Ihnen stellte sich dahin und wollte die Umgebung betrachten, und der erste, der hier sitzt, geht hin, dreht Ihnen den Kopf nach der einen Seite, damit Sie irgend etwas betrachten nach jener Richtung; ein zweiter geht hin, dreht Ihnen den Kopf ein bißchen hinauf, damit Sie etwas anderes betrachten; ein dritter wiederum ein bißchen herum, damit Sie wieder etwas anderes betrachten, und so würde die ganze Gesellschaft, die hier sitzt, von hinten Ihnen sich nähern, und Sie würden nur dadurch den Aspekt Ihrer Umgebung draußen haben, daß dasjenige, was hier herinnen sitzt, Ihnen den Kopf fortwährend darnach hinrichtet. Denken Sie das jetzt nicht von außen angesehen, sondern als inneres Erlebnis, als inneres Empfinden, dann haben Sie aber etwas, was recht analog ist diesem Erleben, das Sie als Ihr Geistselbst haben. Sie leben sich in das Leben der höheren Hierarchien dadurch immer mehr hinein, daß diese höheren Hierarchien in Ihre Blickrichtung hineinkommen.
[ 13 ] Just imagine you were standing here at the window, looking out and observing the surroundings. One of you stood there wanting to look around, and the first person sitting here goes over, turns your head to one side so that you look in that direction; a second person goes over and turns your head up a little so that you look at something else; a third turns it around a bit so that you look at yet something else, and so the entire group sitting here would approach you from behind, and you would only be able to perceive your surroundings outside because those sitting here are constantly turning your head in that direction. Now, don’t think of this as viewed from the outside, but as an inner experience, as an inner sensation—then you have something that is quite analogous to this experience that you have as your spiritual self. You immerse yourself more and more into the life of the higher hierarchies as these higher hierarchies come into your field of vision.
[ 14 ] In dem Auflösen der Worte, von dem wir schon gesprochen haben, wirken schon die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Das ist eine Seite desjenigen, was da erlebt wird. Aber es ist ja die fortdauernde Bereicherung des Lebens, die dadurch entsteht, daß man nach und nach immer mehr und mehr mit den Hierarchien bekannt wird. Und in einer ganz ähnlichen Weise wird man bekannt mit den Wesenheiten, mit denen man irgendwie karmisch vor dem Tode verbunden war. Und da fühlt man, daß man gewissermaßen geleitet und gelenkt wird. Das ist dasjenige, was gesagt werden kann über das zweite Glied der menschlichen Wesenheit in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 14 ] The beings of the higher hierarchies are already at work in the dissolving of words that we have already discussed. This is one aspect of what is experienced there. But it is, after all, the ongoing enrichment of life that arises from gradually becoming more and more familiar with the hierarchies. And in a very similar way, one becomes acquainted with the beings with whom one was somehow karmically connected before death. And there one feels that one is, as it were, guided and directed. This is what can be said about the second member of the human being in the life between death and a new birth.
[ 15 ] Das dritte Glied ist etwas, was zunächst vielleicht auf das Verständnis des Menschen etwas schockierend wirken könnte. Man fühlt sich nach und nach, indem man sich in dieses Leben nach dem Tode hineinlebt, durchsetzt von einer gewissen Kraft, ich könnte vielleicht sagen, von einem Kräftezusammenhang. Indem man zuerst gefühlt hat, die Hierarchien kommen heran und leiten einen bei der übersinnlichen Sinnestätigkeit — wenn ich den Ausdruck bilden darf —, fühlt man nach und nach: diese Hierarchien durchträufeln einen mit Kraft, geben einem Kraft. Man fühlt sich nach und nach erfüllt von dieser Kraft, welche die Hierarchien mit einfließen lassen, indem sie sich in einen hineinsetzen, indem sie ihr Wesen in einen hineinträufeln. Diese Kraft fühlt man allmählich. Man fühlt, daß man durch die Hierarchien nicht nur hingelenkt wird auf das oder jenes, sondern man fühlt, daß man durch diese Tätigkeit der Hierarchien, die zunächst auftritt wie eine das Schauen vermittelnde Tätigkeit, selbst innerlich krafterfüllt wird. Man fühlt die Kräfte des Kosmos, wirklich des Kosmos in sich einströmen wie belebende Säfte. Aber nun, was das Schockierende ist, das ist, daß die Kräfte, die man jetzt in sich einströmen fühlt, von einer ganz eigentümlichen Art sind. Es sind Kräfte, welche zunächst durchaus nicht fördernd, sondern auflösend, vernichtend sind für das, was man hier in der physischen Welt Leben nennt. Man fühlt sich nach und nach erfüllt von kosmischer, todbringender Weltenkraft.
[ 15 ] The third link is something that might at first seem somewhat shocking to human understanding. As one gradually immerses oneself in this life after death, one feels permeated by a certain force—I might say, by a network of forces. Having first sensed that the hierarchies are drawing near and guiding one in supersensible sensory activity—if I may coin the term—one gradually feels that these hierarchies are infusing one with power, giving one strength. One gradually feels filled with this force that the hierarchies allow to flow into one as they establish themselves within one, as they infuse one with their essence. One gradually feels this force. One feels that one is not merely guided by the hierarchies toward this or that, but one feels that through this activity of the hierarchies—which at first appears as an activity that mediates vision—one is oneself inwardly filled with power. One feels the forces of the cosmos, truly of the cosmos, flowing into oneself like life-giving sap. But now, what is shocking is that the forces one now feels flowing into oneself are of a very peculiar nature. They are forces that, at first, are by no means constructive, but rather dissolving and destructive to what we here in the physical world call life. One gradually feels filled with a cosmic, death-bringing world force.
[ 16 ] Es ist wichtig, solche merkwürdigen Vorstellungen in sich aufzunehmen, weil nur dadurch die geistige Welt wirklich begriffen werden kann. Denken Sie sich einmal eben in Ihrer geistig-seelischen Wesenheit nach und nach erfüllt von Kräften, von denen Sie das Bewußtsein erhalten, indem Sie sie in sich erleben: Durch diese Kräfte wird alles dasjenige, was hier auf der Erde lebt, wenn Sie es berühren würden, getötet. — Also Sie kleiden sich drittens in das, was ich, in Analogie mit etwas, was wir schon kennen, nennen kann den Lebensgeist. Sie kleiden sich in etwas, was man Lebensgeist nennen kann, was aber seine hauptsächlichsten Eigenschaften dadurch hat, daß es ertötend ist für dasjenige, was man sonst die Kraft des Lebensleibes nennen kann. Und Sie bekommen ein drittes Glied Ihrer Wesenheit, durch das Sie in der Lage sind, jeden Ätherleib, der Ihnen in die Quere kommt, zu töten. Alles, was Sie berühren durch dieses Glied Ihrer Wesenheit, wird in dem Sinne tot, in dem man von dem Tode hier auf Erden spricht. Und indem Sie durch das, was Sie da an Kräften bekommen, töten, wecken Sie aus dem Getöteten Geistiges auf, zunächst eigentlich Seelisches auf. Es ist dieses ein merkwürdiges Erlebnis, das darin besteht, daß durch die Berührung von Lebendigem das Lebendige getötet wird, aber aus dieser Tötung Seelisches entspringt, Seelisches erlöst wird. Es ist ein Töten, aber es ist zu gleicher Zeit eine Erlösung des Seelischen aus den Banden des Lebens. So daß man sagen kann: Der Lebensgeist tötet irdisch Lebendiges, in ihm Seelisches auslösend. Und man kommt zu dieser merkwürdigen Erfahrung dadurch, daß in dem Leben, in dem Lebendigen gewissermaßen Seelisches verzaubert ist, und daß durch diesen Vorgang, der da nach dem Tode geübt wird, das verzauberte Seelische aus dem Lebendigen herauserlöst wird. Man könnte geneigt sein, in der Tötung, in der ja im wesentlichen die Kraft wirkt, von der wir hier reden, etwas Furchtbares, Unsympathisches zu sehen. Für das Leben nach dem Tode ist das nicht der Fall, weil in dem Töten, in der tötenden Kraft das fortwährende Aufleuchten des Seelischen liegt, weil dadurch das fortwährende Entstehen des Seelischen entzündet wird. Aber dieses Bewußtsein muß der Tote haben: nicht nur, daß er immer hinsieht auf den Tod, den er selbst durchgemacht hat, sondern er muß auch bewußt sein dessen, daß dasjenige, was das Wesen seines Todes ist, sich gewissermaßen auf dem Untergrunde alles desjenigen ausbreitet, was er nun in der geistigen Welt erlebt. Es ist, wie wenn man in der geistigen Welt nunmehr so lebte, daß man sagen kann: Hier in dieser geistigen Welt entstehen fortwährend geistige Gebilde, zunächst eigentlich seelische Gebilde; Seelisches leuchtet auf in der verschiedensten Weise. Aber wenn man nachfragen würde, was der Boden ist, aus dem all dieses Seelische heraussprießt, so ist es diese Tötekraft, die wir soeben besprochen haben. Eine solche, das gewöhnliche hier auf der Erde befindliche Leben zerstörende Kraft ist also unser wesentliches Seelisches, das wir uns aneignen müssen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wie wir uns hier im Leben aneignen müssen unseren fleischlichen Leib.
[ 16 ] It is important to take such strange ideas to heart, because only in this way can the spiritual world truly be understood. Just imagine, for a moment, your spiritual-soul being gradually filled with forces of which you become aware by experiencing them within yourself: Through these forces, everything that lives here on Earth would be killed if you were to touch it. — So, thirdly, you clothe yourselves in what I can call, by analogy with something we already know, the life spirit. You clothe yourself in something that can be called the life spirit, but whose principal characteristics lie in the fact that it is lethal to what is otherwise called the power of the life body. And you acquire a third member of your being through which you are able to kill any etheric body that crosses your path. Everything you touch through this aspect of your being becomes dead in the sense in which we speak of death here on Earth. And as you kill through the powers you have acquired, you awaken the spiritual—and initially, specifically, the soul—from what has been killed. This is a remarkable experience, consisting in the fact that through contact with the living, the living is killed, yet from this killing something soulful springs forth; the soul is liberated. It is a killing, but at the same time it is a liberation of the soul from the bonds of life. So one can say: The life spirit kills what is earthly and living, thereby releasing the soul within it. And one arrives at this strange experience because, in a sense, the soul is enchanted within life, within the living, and through this process, which is carried out after death, the enchanted soul is released from the living. One might be inclined to see something terrible and unsympathetic in the act of killing, in which, after all, the force we are speaking of here essentially operates. This is not the case for life after death, because in killing—in the killing force—lies the continuous radiance of the soul, because through it the continuous emergence of the soul is kindled. But the deceased must possess this awareness: not only must they continually look back upon the death they themselves have undergone, but they must also be conscious of the fact that the very essence of their death spreads, as it were, across the backdrop of everything they now experience in the spiritual world. It is as if one were now living in the spiritual world in such a way that one could say: Here in this spiritual world, spiritual forms are constantly arising—initially, essentially, soul forms; the soul shines forth in the most varied ways. But if one were to ask what the soil is from which all this soul life springs forth, it is this power of death that we have just discussed. Such a force—which destroys ordinary life here on Earth—is therefore our essential soul, which we must acquire between death and a new birth, just as we must acquire our physical body here in life.
[ 17 ] Als viertes Glied kann ich, wiederum in Analogie mit dem, was wir schon kennen, sagen: der Geistesmensch. Dieser Geistesmensch, der wird als etwas, was man in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zu sich zu rechnen geneigt ist, dadurch empfunden, daß nun wiederum mit den Kräften, die schon eingeträufelt werden durch die Hierarchien, wie ich geschildert habe, einem jetzt die Möglichkeit eingeträufelt wird, nicht nur Leben — was man hier auf Erden Leben nennt — zu töten, zu zerstören, aufzulösen, sondern Formen zu vernichten beziehungsweise auch in andere zu verwandeln. [Es wird an die Tafel geschrieben:]
[ 17 ] As a fourth element, I can say—again by analogy with what we already know—the spiritual human being. This spiritual human being is perceived as something one tends to regard as part of oneself in the time between death and a new birth, is perceived in such a way that, along with the forces already instilled by the hierarchies—as I have described—one is now also imbued with the ability not only to kill, destroy, or dissolve life—what we here on earth call life—but also to annihilate forms or transform them into others. [It is written on the blackboard:]
1. Das Ich
2. Das Geistselbst
3. Der Lebensgeist
4. Der Geistesmensch.gerichtet durch die Hierarchien auf das Ich tötet irdisch Lebendiges, in ihm Seelisches auslösend
1. The Ego
2. The Spiritual Self
3. The Life Spirit
4. The Spiritual Man.directed through the hierarchies toward the ego kills earthly life, triggering the soul within it
[ 19 ] Es wird natürlich immer schwieriger, diese Dinge zu schildern. Aber im wesentlichen ist die Kraft dieses Geistesmenschen, wie man sie hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, darin bestehend, daß man die entgegengesetzte Tätigkeit — wenn ich mich so ausdrücken darf — von alldem verrichtet, was man nennen könnte: Erzeugung von Formen im weitesten Sinne, Hier — wenn ich mich bei einem speziellen Beispiele beruhigen will — zeichnet man Dreiecke, Vierecke und so weiter. Nach dem Tode, vermöge der Kräfte, die hier entwickelt werden, «entzeichnet» man, man löst alles Gezeichnete, die Formen auf. Aber das Eigentümliche ist, daß dies nicht bloß bedeutet, daß man etwas entzeichnet, sondern das ist zu gleicher Zeit eine kosmische Tätigkeit. Man ist jetzt selber in der kosmischen Tätigkeit drinnen, man ist verknüpft mit der kosmischen Tätigkeit. Denn dieses Entzeichnen, dieses Entformen, dieses Auflösen von Formen, das ist eine kosmische Tätigkeit, und der Mensch, indem er sich angeeignet hat, nachdem er mit dem Lebensgeiste durchzogen war, diese Kraft der Entformung, ist mit ein Stück der kosmischen Welt geworden. Er wirkt im Kosmos drinnen.
[ 19 ] Of course, it is becoming increasingly difficult to describe these things. But essentially, the power of this spiritual being—as one experiences it between death and a new birth—consists in performing the opposite activity, if I may put it that way, of everything that could be called the creation of forms in the broadest sense. Here—if I may illustrate with a specific example—one draws triangles, quadrilaterals, and so on. After death, by virtue of the powers developed here, one “undraws”; one dissolves everything that has been drawn, the forms. But the peculiar thing is that this does not merely mean that one undraws something; rather, it is at the same time a cosmic activity. One is now oneself within the cosmic activity; one is linked to the cosmic activity. For this undrawing, this de-forming, this dissolving of forms—that is a cosmic activity, and the human being, having acquired this power of de-formation after being permeated by the life spirit, has become a part of the cosmic world. One acts within the cosmos.
[ 20 ] Es hat dasjenige, was hier auf der Erde Zerstörung, Untergang heißt, viel zu tun mit Entstehung, mit Bildung in den geistigen Welten, und umgekehrt. Was hier wie Zerstörung, wie Untergang, wie Entformen, Entzeichnen aussicht, hat viel zu tun mit Entstehung in den andern, in den geistigen Welten. So daß, wenn ich von Entzeichnen, Entformen spreche, ich nicht von Untergang in der geistigen Welt, sondern nur von Untergang in der seelischen Welt, dagegen von Auftauchen von geistig Neuem in der geistigen Welt spreche.
[ 20 ] What is called destruction and ruin here on Earth has a great deal to do with creation and formation in the spiritual worlds, and vice versa. What appears here as destruction, as decline, as a loss of form or a fading of outlines has much to do with emergence in the other, spiritual worlds. So that when I speak of a fading of outlines or a loss of form, I am not speaking of decline in the spiritual world, but only of decline in the soul world; conversely, I am speaking of the emergence of something spiritually new in the spiritual world.
[ 21 ] Mit diesen Dingen hängen mancherlei Geheimnisse in der Welt zusammen. Sie nähern sich heute Unteritalien von Mittelitalien aus; Sie kommen, indem Sie sich Unteritalien nähern, in Gegenden, die arm sind, die gar nicht besonders fruchtbar sind, in denen wenig Naturreichtum den Menschen zur Verfügung steht. Es sind dieselben Gegenden, in denen zur Zeit des aufgehenden vierten nachatlantischen Zeitraumes Pythagoras gewirkt hat. Und Pythagoras’ Wirksamkeit war damals inmitten fruchtbarster, reichster, üppigster Gegenden. So kurz die Zeit ist seit jener Epoche: indem man gerade auf diesen Fleck Erde hinweist, wo Pythagoras gewirkt hat, hat man die Umwandlung von einer Fruchtbarkeit und Üppigkeit, die bis zu dem Grade der Sybaris ging, die Sybaris in Armut umgewandelt, sogar bis zur Entstehung bedenklicher Krankheitserscheinungen. An der Stelle von sprossendem, üppigem Leben, das in jenen Zeiten da war, in die nur noch wenig Historisches zurückgeht, entwickelt sich etwas, wasimVergleich zu jenem üppigen, sprossenden Leben auch Naturarmut ist. Und es ist eigentlich im höchsten Grade interessant, solche Übergänge in der äußeren Welt zu sehen. In dieser äußeren Welt gliedern sich forwährend zusammen Entstehen, Vergehen. Die Menschen denken mit ihrer Geschichtsforschung nur nicht so weit, daß sie das fortwährende Entstehen und Vergehen miteinander richtig verknüpfen würden. Mitten in der strotzenden Üppigkeit, in der ganz großartig gelogen wurde, hat Pythagoras seine Tätigkeit entfaltet, und diese Tätigkeit setzte sich fort nach seinem Tode. Und dasjenige, was Pythagoras und die Pythagoräerseelen nach dem Tode zu tun hatten, hängt vielfach mit dem zusammen, was sich äußerte in dem Untergang des blühenden, sprossenden Lebens, inmitten dessen Pythagoras war. Nicht ganz unbeteiligt an dem Zerstörungswerk — das für das Jenseits ein Entstehungswerk ist —, das sich an der Stätte üppigen, sprossenden Lebens innerhalb der Natur aufrichtete in der nachpythagoräischen Zeit, sind Pythagoras und die Seelen seiner Anhänger. Und man muß sich, wenn man die Gesamtwelt verstehen will, eben bekanntmachen damit, daß von den verschiedenen Aspekten aus hier zwischen Geburt und Tod und zwischen Tod und neuer Geburt die Dinge sich ganz anders ausnehmen. Derjenige, der Frevel begehen würde, wenn er hier üppiges, sprossendes Leben künstlich untergraben würde, der tut gewissermaßen nur etwas, was im Sinne der ewigen Notwendigkeit geschieht, wenn er sich in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an einem solchen Werke beteiligt, das hier offenbar Untergang bedeutet.
[ 21 ] Various mysteries in the world are connected to these things. Today, they are approaching Southern Italy from Central Italy; as they approach Southern Italy, they enter regions that are poor, not particularly fertile, and where few natural resources are available to the people. These are the same regions where Pythagoras was active at the dawn of the fourth post-Atlantean epoch. And Pythagoras’s influence at that time was centered in the midst of the most fertile, richest, and most luxuriant regions. As short a time as has passed since that epoch: by pointing specifically to this very spot on earth where Pythagoras was active, one has transformed the fertility and luxuriance—which had reached the level of Sybaris—into poverty, even to the point of the emergence of alarming symptoms of disease. In place of the burgeoning, luxuriant life that existed in those times—times to which very little historical record extends—something is developing that, in comparison to that luxuriant, burgeoning life, is also a natural barrenness. And it is actually of the utmost interest to observe such transitions in the external world. In this external world, emergence and decay are constantly intertwined. In their historical research, however, people do not think far enough to correctly link this constant coming into being and passing away with one another. In the midst of that exuberant opulence, in which people lied on a grand scale, Pythagoras carried out his work, and this work continued after his death. And what Pythagoras and the Pythagorean souls had to do after death is in many ways connected to what manifested itself in the downfall of the flourishing, sprouting life in the midst of which Pythagoras lived. Pythagoras and the souls of his followers were not entirely uninvolved in the work of destruction—which is a work of creation for the afterlife—that arose in the post-Pythagorean era at the very site of lush, burgeoning life within nature. And if one wishes to understand the world as a whole, one must simply come to terms with the fact that, viewed from different perspectives—between birth and death, and between death and new birth—things appear quite differently. The one who would commit a sacrilege by artificially undermining lush, burgeoning life here is, in a sense, merely doing what occurs in accordance with eternal necessity when he participates in the life between death and new birth in a work that here evidently signifies ruin.
[ 22 ] Mit dem dritten nachatlantischen Zeitraum sollte auch etwas untergehen, und das hinterließ seine Schatten. Viel sollte untergehen auf einem andern Gebiete, als das eben besprochene. Und mit diesem Untergehen der dritten nachatlantischen Epoche hängt es im wesentlichen zusammen, daß damals so viel gelogen worden ist. Auf der Erde wurde gelogen, weil die Menschen, wie ich Ihnen gestern ausgeführt habe, noch mit den kosmischen Kräften in Verbindung standen; aber gerade die kosmischen Kräfte, die dazumal vor dem 8. vorchristlichen Jahrhundert in die Erdenentwickelung hereinspielten, waren vielfach lügnerische Kräfte. Dämonische Lügner waren tätig in der Sphäre, in die der Mensch seine Seele hineinlebte, indem er die Worte so entwickelte, wie ich gestern auseinandergesetzt habe. Er mußte gleichsam seinen Seelenkopf hineinstecken in eine Sphäre, in der er das tun konnte: die Sphäre der kosmischen Vernunft. Indem er aber seinen Seelenkopf hineinsteckte, war darinnen jene ahrimanische Kraft, welche sich äußerte in der Tätigkeit von unzähligen Lügendämonen. Und aus dieser selben Quelle heraus, aus der die sprachbildende Kraft der damaligen Zeit geschöpft worden ist, aus derselben Kraft heraus entwickelte sich auf dem Boden der mittelmeerländischen Kultur diese riesige Kraft, diese gigantische Kraft des Lügens. Die Menschen logen, weil die Dämonen, die verbunden waren mit jenen andern Dämonen, welche das sprachbildende Vermögen eingaben, Lügner waren. Und diese dämonischen Lügner, die ahrimanischer Natur waren, hatten die Aufgabe, dasjenige zum Untergange zu bringen, was untergehen mußte, damit der dritte nachatlantische Zeitraum hinuntergehen konnte und der vierte nachatlantische Zeitraum heraufkommen konnte.
[ 22 ] With the third post-Atlantean epoch, something was also destined to come to an end, and this cast its shadow. Much was to come to an end in a different realm than the one just discussed. And the fact that so many lies were told at that time is essentially connected to the end of the third post-Atlantean epoch. People on Earth lied because, as I explained to you yesterday, they were still connected to the cosmic forces; but the very cosmic forces that were at work in Earth’s evolution before the 8th century B.C. were, in many cases, forces of deception. Demonic liars were active in the sphere into which human beings projected their souls as they developed language, as I explained yesterday. They had to, as it were, project their soul-head into a sphere where they could do so: the sphere of cosmic reason. But as he immersed his soul-mind there, that Ahrimanic force was present within it, manifesting itself in the activity of countless demons of falsehood. And from this very same source—from which the language-forming power of that time was drawn—from that very same power, this immense force, this gigantic power of falsehood, developed on the soil of Mediterranean culture. People lied because the demons, who were connected to those other demons that instilled the power to form language, were liars. And these demonic liars, who were of an Ahrimanic nature, had the task of bringing about the downfall of that which had to perish, so that the third post-Atlantean epoch could come to an end and the fourth post-Atlantean epoch could begin.
[ 23 ] Die Welt ist eingerichtet nach Notwendigkeiten, und man muß auf diese Notwendigkeiten hinblicken, wenn man die große Frage, die wir gestern im Beginne unserer Betrachtungen aufgestellt haben, die große Frage nach dem Zusammenhange des Moralischen und des Ideellen mit dem Naturgeschehen beantworten will. Davon will ich dann morgen weitersprechen, um diese Betrachtungen vorläufig zu einem kleinen Abschluß zu bringen.
[ 23 ] The world is organized according to necessities, and one must take these necessities into account if one wishes to answer the great question we posed yesterday at the beginning of our reflections—the great question regarding the connection between the moral and the ideal and natural phenomena. I will continue speaking about this tomorrow in order to bring these reflections to a provisional conclusion for now.
