The Science of Human Development
GA 183
1 September 1918, Dornach
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Die Wissenschaft vom Werden des Menschen
Achter Vortrag
Achter Vortrag
[ 1 ] Ich werde die Betrachtungen, die wir jetzt hier pflegen, so anlegen müssen, daß ich heute die gestern gemachten Auseinandersetzungen erweiternd vorbringe, um dann morgen zu einem gewissen vorläufigen kleinen Abschluß zu kommen. Daher wird das Heutige mehr eine Episode zu bedeuten haben.
[ 1 ] Ich werde die Betrachtungen, die wir jetzt hier pflegen, so anlegen müssen, daß ich heute die gestern gemachten Auseinandersetzungen erweiternd vorbringe, um dann morgen zu einem gewissen vorläufigen kleinen Abschluß zu kommen. Daher wird das Heutige mehr eine Episode zu bedeuten haben.
[ 2 ] Man hat in der Gegenwart ja sehr, sehr viel Veranlassung, auch aus den Zeitereignissen heraus, über dies oder jenes nachzudenken, wenn man nicht die Absicht hat, die wichtigsten Impulse unserer Zeit zu verschlafen. Besonders auffällig in der Gegenwart und, ich möchte sagen, Fragen herausfordernd ist ja die Erscheinung, die Ihnen doch wohl hinlänglich bekannt ist, daß im weitesten Sinne in dieser Gegenwart die ungeheuerste Unwahrhaftigkeit Platz gegriffen hat, daß gerade da, wo Umfassendes heute spielt, Unwahrhaftigkeit vorhanden ist. Solche Dinge, wie das Auftreten von so wirksamer, so einschneidender Unwahrhaftigkeit veranlaßt dann auch, über allerlei damit Zusammenhängendes geisteswissenschaftlich nachzuforschen. Und da, kann man sagen, tritt einem oftmals ganz besonders die Tatsache entgegen, die ich auch hier schon öfter berührt habe, daß das, was zumeist als Geschichte der Menschheit mitgeteilt wird, eine Art Fable convenue ist. Dabei handelt es sich nicht so sehr darum, daß Tatsachen, die mitgeteilt werden, etwa nicht bis zu einem gewissen Grade für richtig zu halten wären; aber andere Tatsachen — Sie erinnern sich, ich habe letzthin hier auseinandergesetzt, wie tiefstgehende Einflüsse eines Menschen aus der römischen Geschichte einfach gestrichen worden sind —, sie werden einfach getilgt. Ungeheures an Tatsachen hat ja die Kirche aus der Geschichte ausgetilgt, weil der Kirche daran gelegen war, daß gewisse Tatsachen nicht zur Kenntnis der Menschen kommen.
[ 2 ] Man hat in der Gegenwart ja sehr, sehr viel Veranlassung, auch aus den Zeitereignissen heraus, über dies oder jenes nachzudenken, wenn man nicht die Absicht hat, die wichtigsten Impulse unserer Zeit zu verschlafen. Besonders auffällig in der Gegenwart und, ich möchte sagen, Fragen herausfordernd ist ja die Erscheinung, die Ihnen doch wohl hinlänglich bekannt ist, daß im weitesten Sinne in dieser Gegenwart die ungeheuerste Unwahrhaftigkeit Platz gegriffen hat, daß gerade da, wo Umfassendes heute spielt, Unwahrhaftigkeit vorhanden ist. Solche Dinge, wie das Auftreten von so wirksamer, so einschneidender Unwahrhaftigkeit veranlaßt dann auch, über allerlei damit Zusammenhängendes geisteswissenschaftlich nachzuforschen. Und da, kann man sagen, tritt einem oftmals ganz besonders die Tatsache entgegen, die ich auch hier schon öfter berührt habe, daß das, was zumeist als Geschichte der Menschheit mitgeteilt wird, eine Art Fable convenue ist. Dabei handelt es sich nicht so sehr darum, daß Tatsachen, die mitgeteilt werden, etwa nicht bis zu einem gewissen Grade für richtig zu halten wären; aber andere Tatsachen — Sie erinnern sich, ich habe letzthin hier auseinandergesetzt, wie tiefstgehende Einflüsse eines Menschen aus der römischen Geschichte einfach gestrichen worden sind —, sie werden einfach getilgt. Ungeheures an Tatsachen hat ja die Kirche aus der Geschichte ausgetilgt, weil der Kirche daran gelegen war, daß gewisse Tatsachen nicht zur Kenntnis der Menschen kommen.
[ 3 ] Nun haben wir gestern wiederum von einem Gesichtspunkte aus über die Zeit gesprochen, welche die griechisch-lateinische Kulturperiode einleitete, über den wichtigen Zeitabschnitt im 8. vorchristlichen Jahrhundert. Es ist ja eine Zeit, aus der heraus nicht mehr viel die historischen Überlieferungen sprechen. Die historischen Überlieferungen werden da schon sehr, sehr unsicher, aber es glänzt aus dem Beginne dieser Zeitepoche heraus eine Persönlichkeit, die sehr, sehr vielen Leuten Betrachtungen der verschiedensten Art abgerungen hat. Es glänzt da aus der Entstehungszeit, also nach dem 8. vorchristlichen Jahrhunderte, der Name des Pythagoras heraus, der Name auch der Pythagoräischen Schule. Und ich habe ja gestern darauf hingewiesen, was aus den Überbleibseln der alten ägyptischen Mysterienwahrheiten Pythagoras hat empfangen können, welcher Art diese Dinge waren, die Pythagoras hat empfangen können.
[ 3 ] Nun haben wir gestern wiederum von einem Gesichtspunkte aus über die Zeit gesprochen, welche die griechisch-lateinische Kulturperiode einleitete, über den wichtigen Zeitabschnitt im 8. vorchristlichen Jahrhundert. Es ist ja eine Zeit, aus der heraus nicht mehr viel die historischen Überlieferungen sprechen. Die historischen Überlieferungen werden da schon sehr, sehr unsicher, aber es glänzt aus dem Beginne dieser Zeitepoche heraus eine Persönlichkeit, die sehr, sehr vielen Leuten Betrachtungen der verschiedensten Art abgerungen hat. Es glänzt da aus der Entstehungszeit, also nach dem 8. vorchristlichen Jahrhunderte, der Name des Pythagoras heraus, der Name auch der Pythagoräischen Schule. Und ich habe ja gestern darauf hingewiesen, was aus den Überbleibseln der alten ägyptischen Mysterienwahrheiten Pythagoras hat empfangen können, welcher Art diese Dinge waren, die Pythagoras hat empfangen können.
[ 4 ] Nun ist es nicht nur interessant, das zu betrachten, was Pythagoras und seine Schüler gesagt und getan haben, was ja sehr einschneidend war, denn sie haben nicht nur eine Lehrtätigkeit entwickelt, sondern eine weitgehende politische Tätigkeit. Was Pythagoras und seine Schüler getan haben, ist interessant, aber außerdem ist es bedeutsam, die Welt zu betrachten, die gewissermaßen dieses pythagoräische Treiben umgibt, die Welt, aus der dann auch das spätere Griechentum herausgewachsen ist, das ja schon einen gewissen Einfluß aufgenommen hat auch desjenigen, was man, von besonderem Glanze erhellt, bei Pythagoras findet. Wenn man im 7., 6., 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung das Leben nimmt, aus dem dann das spätere griechisch-lateinische herausgewachsen ist, wenn man dieses Leben nimmt auf der griechischen Halbinsel und den angrenzenden Ländern und der italienischen Halbinsel, so fällt einem dann, wenn man die Dinge nicht der geschichtlichen Fable convenue nach betrachtet, sondern wenn man sie betrachtet im Lichte der Wahrheit — dazu muß immer die geisteswissenschaftliche Forschung dann ihre Beiträge geben —, besonders auf, daß eine Eigenschaft der Menschheit über dieses Leben sehr verbreitet war. Es wurde nämlich kaum zu irgendeiner Zeit so viel gelogen als zu dieser Zeit über die Mittelmeerländer hin. Das Lügen, das die Unwahrheitsagen den andern Menschen, das war eine ganz auffällige charakteristische Erscheinung alles desjenigen Lebens, aus dem dann das spätere Griechentum und Römertum hervorgewachsen ist.
[ 4 ] Nun ist es nicht nur interessant, das zu betrachten, was Pythagoras und seine Schüler gesagt und getan haben, was ja sehr einschneidend war, denn sie haben nicht nur eine Lehrtätigkeit entwickelt, sondern eine weitgehende politische Tätigkeit. Was Pythagoras und seine Schüler getan haben, ist interessant, aber außerdem ist es bedeutsam, die Welt zu betrachten, die gewissermaßen dieses pythagoräische Treiben umgibt, die Welt, aus der dann auch das spätere Griechentum herausgewachsen ist, das ja schon einen gewissen Einfluß aufgenommen hat auch desjenigen, was man, von besonderem Glanze erhellt, bei Pythagoras findet. Wenn man im 7., 6., 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung das Leben nimmt, aus dem dann das spätere griechisch-lateinische herausgewachsen ist, wenn man dieses Leben nimmt auf der griechischen Halbinsel und den angrenzenden Ländern und der italienischen Halbinsel, so fällt einem dann, wenn man die Dinge nicht der geschichtlichen Fable convenue nach betrachtet, sondern wenn man sie betrachtet im Lichte der Wahrheit — dazu muß immer die geisteswissenschaftliche Forschung dann ihre Beiträge geben —, besonders auf, daß eine Eigenschaft der Menschheit über dieses Leben sehr verbreitet war. Es wurde nämlich kaum zu irgendeiner Zeit so viel gelogen als zu dieser Zeit über die Mittelmeerländer hin. Das Lügen, das die Unwahrheitsagen den andern Menschen, das war eine ganz auffällige charakteristische Erscheinung alles desjenigen Lebens, aus dem dann das spätere Griechentum und Römertum hervorgewachsen ist.
[ 5 ] Man muß sich in solchen Dingen keinen Täuschungen hingeben. Alles dasjenige, was man als die gewaltige Schönheit, als die bewunderungswürdige Summe von Phantasieschöpfungen Griechenlands, was man als die großartigste Summe von Abstraktionen, die es je in der Welt gegeben hat, im Römertum sich entwickeln sieht, das alles wächst heraus, so wie die Pflanzenwelt aus dem Dünger herauswächst, aus einem Boden, der über die Mittelmeerländer ausgedehnt ist, aus einem Boden, den Menschen bewohnen, die ganz erfüllt sind von der Sucht, von der Leidenschaft des Lügens. Das ist etwas, was von der ‚Geschichte weniger betont wird, was aber verstanden werden muß, wenn man richtig hineinsehen will in die untergehende dritte nachatlantische Kulturzeit. Wir haben es ja, indem wir von den früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden zum 8. vorchristlichen Jahrhundert heraufkommen, mit dem untergehenden dritten nachatlantischen Kulturzeitraum zu tun. Und die Menschen, die damals die Kulturträger waren des dritten nachatlantischen Kulturzeitraumes, des untergehenden dritten nachatlantischen Kulturzeitraumes, die waren im wesentlichen große Lügner. Das ist gleichzeitig diejenige Epoche, in welcher sich ganz besonders entwickelt jene Fähigkeit, von der ich Ihnen gestern gesprochen habe und die so außerordentlich interessant ist: jene Fähigkeit, aus dem Kosmischen der Vernunft heraus die Sprache zu bilden. Und es war das größte Talent eben dazumal vorhanden neben solchen Dingen, wie ich sie gestern auseinandergesetzt habe in der großen Sucht, zu lügen.
[ 5 ] Man muß sich in solchen Dingen keinen Täuschungen hingeben. Alles dasjenige, was man als die gewaltige Schönheit, als die bewunderungswürdige Summe von Phantasieschöpfungen Griechenlands, was man als die großartigste Summe von Abstraktionen, die es je in der Welt gegeben hat, im Römertum sich entwickeln sieht, das alles wächst heraus, so wie die Pflanzenwelt aus dem Dünger herauswächst, aus einem Boden, der über die Mittelmeerländer ausgedehnt ist, aus einem Boden, den Menschen bewohnen, die ganz erfüllt sind von der Sucht, von der Leidenschaft des Lügens. Das ist etwas, was von der ‚Geschichte weniger betont wird, was aber verstanden werden muß, wenn man richtig hineinsehen will in die untergehende dritte nachatlantische Kulturzeit. Wir haben es ja, indem wir von den früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden zum 8. vorchristlichen Jahrhundert heraufkommen, mit dem untergehenden dritten nachatlantischen Kulturzeitraum zu tun. Und die Menschen, die damals die Kulturträger waren des dritten nachatlantischen Kulturzeitraumes, des untergehenden dritten nachatlantischen Kulturzeitraumes, die waren im wesentlichen große Lügner. Das ist gleichzeitig diejenige Epoche, in welcher sich ganz besonders entwickelt jene Fähigkeit, von der ich Ihnen gestern gesprochen habe und die so außerordentlich interessant ist: jene Fähigkeit, aus dem Kosmischen der Vernunft heraus die Sprache zu bilden. Und es war das größte Talent eben dazumal vorhanden neben solchen Dingen, wie ich sie gestern auseinandergesetzt habe in der großen Sucht, zu lügen.
[ 6 ] Man darf sich in diesen Dingen ebensowenig einer Täuschung hingeben, wenn man die Wirklichkeit betrachten will, wie man sich einer Täuschung darüber hingeben darf, daß das Veilchen, das im Frühling blüht, wiederum vergeht und die Kräfte des Vergänglichen, während es schön und herrlich blüht, schon in sich trägt. Da hat man bei dem Veilchen gewissermaßen nacheinander Entstehungskräfte und Zerstörungskräfte. Im Menschenleben, namentlich im großen Menschheitsleben, hat man das sehr, sehr häufig auch zeitlich nebeneinander, und man begreift nicht die Wirklichkeit, wenn man nicht die Notwendigkeit begreift, daß solche Dinge nebeneinander sich bilden: Evolution und Devolution, die Möglichkeit, aufbauend zu wirken, wie zum Beispiel eben in der Sprachbildung, und gleichzeitig jene verheerende Wirkung, welche auf das Geistesleben das Lügen ausübt.
[ 6 ] Man darf sich in diesen Dingen ebensowenig einer Täuschung hingeben, wenn man die Wirklichkeit betrachten will, wie man sich einer Täuschung darüber hingeben darf, daß das Veilchen, das im Frühling blüht, wiederum vergeht und die Kräfte des Vergänglichen, während es schön und herrlich blüht, schon in sich trägt. Da hat man bei dem Veilchen gewissermaßen nacheinander Entstehungskräfte und Zerstörungskräfte. Im Menschenleben, namentlich im großen Menschheitsleben, hat man das sehr, sehr häufig auch zeitlich nebeneinander, und man begreift nicht die Wirklichkeit, wenn man nicht die Notwendigkeit begreift, daß solche Dinge nebeneinander sich bilden: Evolution und Devolution, die Möglichkeit, aufbauend zu wirken, wie zum Beispiel eben in der Sprachbildung, und gleichzeitig jene verheerende Wirkung, welche auf das Geistesleben das Lügen ausübt.
[ 7 ] Das ist gewissermaßen die Kehrseite desjenigen, was ich Ihnen gestern auseinandergesetzt habe. Es gibt auch eine Lichtseite. Diese Lichtseite ist noch geisteswissenschaftlicherer Natur. Ich habe schon gestern darauf aufmerksam gemacht, daß es ja nicht möglich wäre, heute mit einer solchen Sicherheit über diese Dinge der Sprachbildung, die wir gestern besprochen haben, zu reden, wenn nicht das Leben des Menschen nach dem Tode einem den deutlichen Beweis davon geben würde, indem dasjenige, was hier im Leben zum Beispiel aus einzelnen Wortatomen oder Wortteilen zusammengesetzt wird an Worten, wiederum gelöst wird. Und dieses Lösen von Worten, dieses Zerstäuben von Worten, das ist etwas, das im Leben der Toten eine bedeutsame Rolle spielt. Gewissermaßen lebt der Tote von diesem Zerstäuben der Worte. Und der Tote hat das entschiedenste Gefühl, daß er in seinem Leben, also vor seinem Tode, von der geistigen Welt, in der er sich nach seinem Tode befindet, dadurch abgeschlossen war, daß er aus Lauten, aus Buchstaben zusammengesetzte Worte gebildet hat. Der Tote hat das Gefühl, daß die Sprache gewissermaßen ein Teppich ist, der sich im Leben vor die geistige Welt hingelegt hat. Und in dem Aufdröseln dieses Teppichs, in dem Auflösen der Worte hat er das Gefühl, daß er nun wiederum in die geistige Welt eintritt. Daher ist es eine der Eigenschaften des Toten, die Menschenwotte, die der Betreffende kennengelernt hat innerhalb des Lebens zwischen Geburt und Tod, aufzulösen, zu zerpflücken, in ihre Bestandteile aufzulösen. Der Tote hat zum Beispiel ein ganz feierliches, großes Gefühl, wenn es ihm gelingt, ein gewisses Verständnis sich durch solche Auflösung zu erwerben. Ich habe Ihnen öfter davon gesprochen, daß der Moment des Todes ja in einer gewissen Beziehung etwas Schreckhaftes ist für das Leben hier im physischen Leibe. Die Menschen wenden ja auch gerne ihr Antlitz von dem Tode ab. Nach dem Tode ist der Anblick des Todes immer da — ich habe das öfters schon betont —, aber er bedeutet dann nichts Furchtbares; sondern indem der Mensch hinblickt auf seinen eigenen Tod von der andern Seite des Lebens aus, ist in diesem Anblick immer die Gewißheit vorhanden, daß er ein Ich ist und ein Ich bleibt. Das habe ich ja öfter betont.
[ 7 ] Das ist gewissermaßen die Kehrseite desjenigen, was ich Ihnen gestern auseinandergesetzt habe. Es gibt auch eine Lichtseite. Diese Lichtseite ist noch geisteswissenschaftlicherer Natur. Ich habe schon gestern darauf aufmerksam gemacht, daß es ja nicht möglich wäre, heute mit einer solchen Sicherheit über diese Dinge der Sprachbildung, die wir gestern besprochen haben, zu reden, wenn nicht das Leben des Menschen nach dem Tode einem den deutlichen Beweis davon geben würde, indem dasjenige, was hier im Leben zum Beispiel aus einzelnen Wortatomen oder Wortteilen zusammengesetzt wird an Worten, wiederum gelöst wird. Und dieses Lösen von Worten, dieses Zerstäuben von Worten, das ist etwas, das im Leben der Toten eine bedeutsame Rolle spielt. Gewissermaßen lebt der Tote von diesem Zerstäuben der Worte. Und der Tote hat das entschiedenste Gefühl, daß er in seinem Leben, also vor seinem Tode, von der geistigen Welt, in der er sich nach seinem Tode befindet, dadurch abgeschlossen war, daß er aus Lauten, aus Buchstaben zusammengesetzte Worte gebildet hat. Der Tote hat das Gefühl, daß die Sprache gewissermaßen ein Teppich ist, der sich im Leben vor die geistige Welt hingelegt hat. Und in dem Aufdröseln dieses Teppichs, in dem Auflösen der Worte hat er das Gefühl, daß er nun wiederum in die geistige Welt eintritt. Daher ist es eine der Eigenschaften des Toten, die Menschenwotte, die der Betreffende kennengelernt hat innerhalb des Lebens zwischen Geburt und Tod, aufzulösen, zu zerpflücken, in ihre Bestandteile aufzulösen. Der Tote hat zum Beispiel ein ganz feierliches, großes Gefühl, wenn es ihm gelingt, ein gewisses Verständnis sich durch solche Auflösung zu erwerben. Ich habe Ihnen öfter davon gesprochen, daß der Moment des Todes ja in einer gewissen Beziehung etwas Schreckhaftes ist für das Leben hier im physischen Leibe. Die Menschen wenden ja auch gerne ihr Antlitz von dem Tode ab. Nach dem Tode ist der Anblick des Todes immer da — ich habe das öfters schon betont —, aber er bedeutet dann nichts Furchtbares; sondern indem der Mensch hinblickt auf seinen eigenen Tod von der andern Seite des Lebens aus, ist in diesem Anblick immer die Gewißheit vorhanden, daß er ein Ich ist und ein Ich bleibt. Das habe ich ja öfter betont.
[ 8 ] Aber nun handelt es sich für den 'Toten darum, dasjenige zu verstehen, was sich ihm im Anblick des Todes von der andern Seite des Lebens aus offenbart. Dieses versteht er dadurch immer besser und besser, daß er, je nachdem er diese oder jene Sprache gesprochen hat, diese oder jene Worte auflöst. Die alten Hebräer und mit einer gewissen Ähnlichkeit noch die Römer, haben ja ihren sogenannten geheiligten Namen, den unaussprechlichen Namen des Gottes, Jahve. Dieser unaussprechliche Name bestand ja für die Hebräer in einer gewissen Zusammenfügung der von uns als fünf Vokale empfundenen Laute, die verbunden gedacht wurden während des physischen Lebens. Noch in dem römischen Jovis, Jupiter, ist ja nur eine andere Form des Jahvenamens verdeckt enthalten; er ist im Grunde in bezug auf die fünf Vokale in einer gewissen Weise verbunden in dem Jovis. In der Auflösung desjenigen, was hier verbunden war in diesem Gottesnamen, lebte der Tote, und indem er die Vokale, die zusammengesetzt waren im Leben, auflöste, enthüllte sich ihm auch zugleich der Sinn, könnte man sagen, des Todes. Die Enthüllung dieses Sinnes des Todes, die muß man nur versuchen, in der richtigen Weise wenigstens zu ahnen. Man muß verstehen, daß sich dem Toten enthüllt dieser Sinn des Todes durch die Auflösung des heiligen Namens in seine Bestandteile, die dann verklingen und verklingend forttönen in der Welt. Die Auflösung dieses heiligen Namens ist verknüpft mit dem Verständnis der Vergeistigung des Todes. Es ist das ein Begriff, den man außerordentlich schwer schildern kann. Der Tod, von der andern Seite angesehen, kann Vergeistigung genannt werden. Indem der Tod von der andern Seite angeblickt wird, ist dieser Anblick verknüpft mit der Entstehung von Geistigem. Und in dem Zerpflücken des Wortes nach den Vokalen enthüllt sich das Geistige aus dem Zerfall heraus, den der Tod bedeutet. Zerfall ist da zu gleicher Zeit Geburt des Geistigen, Entstehung des Geistigen. Während man den Zerfall in unsympathischer Weise als etwas Unschönes empfindet wie jede Zerstörung, enthüllt sich von der andern Seite gesehen diese Zerstörung als ein Aufleuchten des Geistigen, das dann verstanden wird in dem Verklingen. Es ist, als ob das heilige Wort weit hinausklänge, hinausstrahlte, und im Hinausstrahlen sich eben in seine vokalischen Bestandteile auflöste, die dann hörbar sind wie aus der Peripherie der Welt herein, und dann hörbar machen den Sinn des Todes, den Geistsinn des Todes.
[ 8 ] Aber nun handelt es sich für den 'Toten darum, dasjenige zu verstehen, was sich ihm im Anblick des Todes von der andern Seite des Lebens aus offenbart. Dieses versteht er dadurch immer besser und besser, daß er, je nachdem er diese oder jene Sprache gesprochen hat, diese oder jene Worte auflöst. Die alten Hebräer und mit einer gewissen Ähnlichkeit noch die Römer, haben ja ihren sogenannten geheiligten Namen, den unaussprechlichen Namen des Gottes, Jahve. Dieser unaussprechliche Name bestand ja für die Hebräer in einer gewissen Zusammenfügung der von uns als fünf Vokale empfundenen Laute, die verbunden gedacht wurden während des physischen Lebens. Noch in dem römischen Jovis, Jupiter, ist ja nur eine andere Form des Jahvenamens verdeckt enthalten; er ist im Grunde in bezug auf die fünf Vokale in einer gewissen Weise verbunden in dem Jovis. In der Auflösung desjenigen, was hier verbunden war in diesem Gottesnamen, lebte der Tote, und indem er die Vokale, die zusammengesetzt waren im Leben, auflöste, enthüllte sich ihm auch zugleich der Sinn, könnte man sagen, des Todes. Die Enthüllung dieses Sinnes des Todes, die muß man nur versuchen, in der richtigen Weise wenigstens zu ahnen. Man muß verstehen, daß sich dem Toten enthüllt dieser Sinn des Todes durch die Auflösung des heiligen Namens in seine Bestandteile, die dann verklingen und verklingend forttönen in der Welt. Die Auflösung dieses heiligen Namens ist verknüpft mit dem Verständnis der Vergeistigung des Todes. Es ist das ein Begriff, den man außerordentlich schwer schildern kann. Der Tod, von der andern Seite angesehen, kann Vergeistigung genannt werden. Indem der Tod von der andern Seite angeblickt wird, ist dieser Anblick verknüpft mit der Entstehung von Geistigem. Und in dem Zerpflücken des Wortes nach den Vokalen enthüllt sich das Geistige aus dem Zerfall heraus, den der Tod bedeutet. Zerfall ist da zu gleicher Zeit Geburt des Geistigen, Entstehung des Geistigen. Während man den Zerfall in unsympathischer Weise als etwas Unschönes empfindet wie jede Zerstörung, enthüllt sich von der andern Seite gesehen diese Zerstörung als ein Aufleuchten des Geistigen, das dann verstanden wird in dem Verklingen. Es ist, als ob das heilige Wort weit hinausklänge, hinausstrahlte, und im Hinausstrahlen sich eben in seine vokalischen Bestandteile auflöste, die dann hörbar sind wie aus der Peripherie der Welt herein, und dann hörbar machen den Sinn des Todes, den Geistsinn des Todes.
[ 9 ] Das schon wird Sie darauf hinleiten, daß es berechtigt ist, geradeso wie man von Gliedern der Menschennatur spricht hier im Leben, physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, zu sprechen von den Gliedern der Menschennatur, die diese Menschennatur zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hat. Denn indem ich Ihnen gewissermaßen die zentrale Erscheinung, die der Mensch fortwährend zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hat, diese Enthüllung des geistigen Sinnes des Todes selbst, hingestellt habe, muß die Frage entstehen: Wie sieht denn eigentlich diese Welt aus, die da nach dem Tod für die Menschen sich enthüllen soll? — Das kann man aber nicht anders fassen, als indem man die Natur und Wesenheit des Menschen selbst etwas kennenlernt.
[ 9 ] Das schon wird Sie darauf hinleiten, daß es berechtigt ist, geradeso wie man von Gliedern der Menschennatur spricht hier im Leben, physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, zu sprechen von den Gliedern der Menschennatur, die diese Menschennatur zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hat. Denn indem ich Ihnen gewissermaßen die zentrale Erscheinung, die der Mensch fortwährend zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hat, diese Enthüllung des geistigen Sinnes des Todes selbst, hingestellt habe, muß die Frage entstehen: Wie sieht denn eigentlich diese Welt aus, die da nach dem Tod für die Menschen sich enthüllen soll? — Das kann man aber nicht anders fassen, als indem man die Natur und Wesenheit des Menschen selbst etwas kennenlernt.
[ 10 ] Nun wollen wir heute zunächst einmal versuchen, den Toten ebenso zu beschreiben, wie man sonst den Lebenden beschreibt. Da kann man zunächst anfangen mit demjenigen Gliede des toten Menschen, welches noch viel Zusammenhang — nicht Verwandtschaft, aber Zusammenhang — hat mit dem, was der Mensch hier durchlebt zwischen der Geburt und dem Tode. Da hat man es also dann mit dem ersten Gliede der Menschennatur zu tun, das man auch das Ich nennen kann, wie man gewissermaßen für hier das zunächst höchste Glied der Menschennatur zwischen Geburt und Tod nennt. Wir sehen jetzt davon ab, daß es zunächst, unmittelbar nach dem Tode, noch die Hülle des Ätherleibes hat, der dann abgelöst wird, und noch die Hülle des Astralleibes hat, die auch im Laufe der Zeit abgelöst wird; das sind Bestandteile, die gewissermaßen nicht dazugehören. Wenn man von dem toten Menschen spricht, so ist als ureigenes Glied dieses toten Menschen doch zunächst nur anzuerkennen das Ich. Ich sagte, es ist ein Zusammenhang mit dem Ich des Erdenlebens, nicht aber eine eigentliche Verwandtschaft; denn in der Tat stellt sich dieses Ich nach: dem Tode in einer ganz andern Weise dar, als das Ich erlebt wird zwischen der Geburt und dem Tode. Zwischen der Geburt und dem Tode ist das Ich gewissermaßen etwas Flüssiges, etwas, was in sich die Kraft fühlt, jeden Tag anders zu werden. Denken Sie nur, wie schrecklich es im leiblichen Leben zwischen Geburt und Tod wäre, wenn Sie nicht imstande wären, den Gedanken zu fassen: Ich habe gestern irgend etwas Schlimmes getan, aber ich kann das wiederum ausbessern, ich kann dafür etwas Gutes tun. — Oder wenn Sie, noch jünger, sagen müßten: Ich habe wenig gelernt, aber ich kann nichts dazulernen. — In keinem Momente des Lebens zwischen der Geburt und dem 'Tode ist das Ich etwas so Festes, daß es nicht gewissermaßen durch seine eigene Willenskraft von innen heraus geändert werden könnte. Dasjenige, was Sie erleben als Ich nach dem Tode, das ist etwas Festgewordenes, das hat gewisse Eigenschaften angenommen, die nun nicht unmittelbar geändert werden können; das bleibt so, wie es ist. Die Umwandlung des im Leben zwischen Geburt und Tod fortdauernd flüssigen Ich in ein festes Gebilde, in dem nichts sich ändern kann, das so bleibt, wie es sich im Leben geformt hat, das ist das Wesentliche, das festgehalten werden muß zum Verständnis dieses Ich nach dem Tode. Von einer Entwickelung, von der wir ja sprechen müssen für das Ich zwischen Geburt und Tod, kann nach dem Tode nicht die Rede sein. Nach dem Tode ist das Ich gewissermaßen ein festes Geistgebilde, das herausentspringt aus dem Anblick des Todes selber, und es kann nichts an diesem Ich geändert werden. Man könnte sagen, wenn man diese Sache mehr oder weniger banal aussprechen wollte: Der Mensch ist verurteilt, nach dem Tode alle Einzelheiten seines Lebens wie etwas Festes anzusehen. Wie Sie, wenn Sie über einen Acker hinsehen, die nahen Pflanzungen und die fernen Pflanzungen nebeneinander sehen, und wie Sie dadrinnen nichts Flüssiges, sondern ein festes, ausgedehntes, zunächst bleibendes Gebilde sehen, so übersehen Sie die ganze Strecke Ihres Lebenslaufes, aber so, daß nicht immer, wie es im Leben des physischen Leibes ist, das Vordere durch das Hintere ausgelöscht wird, sondern Sie übersehen es als ein bleibendes konkretes Feld, in dem Sie dutch den bloßen Anblick zunächst nichts ändern können. Es wäre auch schlimm für den Toten, wenn das nicht so wäre; denn sein Blick, der Blick des Toten ist eigentlich zunächst hauptsächlich in Anspruch genommen von diesem Ich. Er ist wie hineingebannt in dieses Ich. Und würde dieses Ich verschwinden, so würde es für den Toten ebenso sein, als wenn für den Lebenden die umliegende Welt der Sinne verschwinden würde. Der einzelne Mensch in seinem Ich ist tatsächlich für sich selbst, wenn ich tmich so ausdrücken darf, so wichtig — damit sprechen wir aber eine bedeutsame Wahrheit aus — wie die ganze Sinnenwelt, die wir als Menschen gemeinsam haben, für den Menschen hier im physischen Leben ist. Ein ungeheurer Abgrund täte sich auf, der Abgrund des Nichts geradezu, wenn wir nach dem Tode nicht imstande wären, das erstarrte Ich, das aus dem flüssigen Zustande erstarrte Ich im Anblick zu haben.
[ 10 ] Nun wollen wir heute zunächst einmal versuchen, den Toten ebenso zu beschreiben, wie man sonst den Lebenden beschreibt. Da kann man zunächst anfangen mit demjenigen Gliede des toten Menschen, welches noch viel Zusammenhang — nicht Verwandtschaft, aber Zusammenhang — hat mit dem, was der Mensch hier durchlebt zwischen der Geburt und dem Tode. Da hat man es also dann mit dem ersten Gliede der Menschennatur zu tun, das man auch das Ich nennen kann, wie man gewissermaßen für hier das zunächst höchste Glied der Menschennatur zwischen Geburt und Tod nennt. Wir sehen jetzt davon ab, daß es zunächst, unmittelbar nach dem Tode, noch die Hülle des Ätherleibes hat, der dann abgelöst wird, und noch die Hülle des Astralleibes hat, die auch im Laufe der Zeit abgelöst wird; das sind Bestandteile, die gewissermaßen nicht dazugehören. Wenn man von dem toten Menschen spricht, so ist als ureigenes Glied dieses toten Menschen doch zunächst nur anzuerkennen das Ich. Ich sagte, es ist ein Zusammenhang mit dem Ich des Erdenlebens, nicht aber eine eigentliche Verwandtschaft; denn in der Tat stellt sich dieses Ich nach: dem Tode in einer ganz andern Weise dar, als das Ich erlebt wird zwischen der Geburt und dem Tode. Zwischen der Geburt und dem Tode ist das Ich gewissermaßen etwas Flüssiges, etwas, was in sich die Kraft fühlt, jeden Tag anders zu werden. Denken Sie nur, wie schrecklich es im leiblichen Leben zwischen Geburt und Tod wäre, wenn Sie nicht imstande wären, den Gedanken zu fassen: Ich habe gestern irgend etwas Schlimmes getan, aber ich kann das wiederum ausbessern, ich kann dafür etwas Gutes tun. — Oder wenn Sie, noch jünger, sagen müßten: Ich habe wenig gelernt, aber ich kann nichts dazulernen. — In keinem Momente des Lebens zwischen der Geburt und dem 'Tode ist das Ich etwas so Festes, daß es nicht gewissermaßen durch seine eigene Willenskraft von innen heraus geändert werden könnte. Dasjenige, was Sie erleben als Ich nach dem Tode, das ist etwas Festgewordenes, das hat gewisse Eigenschaften angenommen, die nun nicht unmittelbar geändert werden können; das bleibt so, wie es ist. Die Umwandlung des im Leben zwischen Geburt und Tod fortdauernd flüssigen Ich in ein festes Gebilde, in dem nichts sich ändern kann, das so bleibt, wie es sich im Leben geformt hat, das ist das Wesentliche, das festgehalten werden muß zum Verständnis dieses Ich nach dem Tode. Von einer Entwickelung, von der wir ja sprechen müssen für das Ich zwischen Geburt und Tod, kann nach dem Tode nicht die Rede sein. Nach dem Tode ist das Ich gewissermaßen ein festes Geistgebilde, das herausentspringt aus dem Anblick des Todes selber, und es kann nichts an diesem Ich geändert werden. Man könnte sagen, wenn man diese Sache mehr oder weniger banal aussprechen wollte: Der Mensch ist verurteilt, nach dem Tode alle Einzelheiten seines Lebens wie etwas Festes anzusehen. Wie Sie, wenn Sie über einen Acker hinsehen, die nahen Pflanzungen und die fernen Pflanzungen nebeneinander sehen, und wie Sie dadrinnen nichts Flüssiges, sondern ein festes, ausgedehntes, zunächst bleibendes Gebilde sehen, so übersehen Sie die ganze Strecke Ihres Lebenslaufes, aber so, daß nicht immer, wie es im Leben des physischen Leibes ist, das Vordere durch das Hintere ausgelöscht wird, sondern Sie übersehen es als ein bleibendes konkretes Feld, in dem Sie dutch den bloßen Anblick zunächst nichts ändern können. Es wäre auch schlimm für den Toten, wenn das nicht so wäre; denn sein Blick, der Blick des Toten ist eigentlich zunächst hauptsächlich in Anspruch genommen von diesem Ich. Er ist wie hineingebannt in dieses Ich. Und würde dieses Ich verschwinden, so würde es für den Toten ebenso sein, als wenn für den Lebenden die umliegende Welt der Sinne verschwinden würde. Der einzelne Mensch in seinem Ich ist tatsächlich für sich selbst, wenn ich tmich so ausdrücken darf, so wichtig — damit sprechen wir aber eine bedeutsame Wahrheit aus — wie die ganze Sinnenwelt, die wir als Menschen gemeinsam haben, für den Menschen hier im physischen Leben ist. Ein ungeheurer Abgrund täte sich auf, der Abgrund des Nichts geradezu, wenn wir nach dem Tode nicht imstande wären, das erstarrte Ich, das aus dem flüssigen Zustande erstarrte Ich im Anblick zu haben.
[ 11 ] Als zweites haben wir eine Art von Geistwesen, das wir in Analogie mit dem, was wir schon kennen, auch Geistselbst nennen können. Als zweites Glied also der menschlichen Wesenheit nach dem Tode haben wir eine Art Geistwesenheit. Diese Geistwesenheit wird dem Menschen hauptsächlich so bewußt, daß ihm dieses Bewußtsein des Geistselbst wie von innen aufgeht. Während das Ich eine Art äußeren Anblick darbietet, geht das Bewußtsein dieses Geistselbst von innen heraus auf. Und in demselben Maße, in dem man fühlt: Dieses Geistselbst belebt sich —, in demselben Maße treten herauf aus dem Bewußtsein, so daß man weiß, sie sind da, die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Ich nenne dieses also: «das Geistselbst» — ich muß es genau so definieren, wie ich es jetzt auf die Tafel schreibe, sonst würde ich Ihnen etwas Ungenaues schreiben — «gerichtet durch die Hierarchien auf das Ich».
[ 11 ] Als zweites haben wir eine Art von Geistwesen, das wir in Analogie mit dem, was wir schon kennen, auch Geistselbst nennen können. Als zweites Glied also der menschlichen Wesenheit nach dem Tode haben wir eine Art Geistwesenheit. Diese Geistwesenheit wird dem Menschen hauptsächlich so bewußt, daß ihm dieses Bewußtsein des Geistselbst wie von innen aufgeht. Während das Ich eine Art äußeren Anblick darbietet, geht das Bewußtsein dieses Geistselbst von innen heraus auf. Und in demselben Maße, in dem man fühlt: Dieses Geistselbst belebt sich —, in demselben Maße treten herauf aus dem Bewußtsein, so daß man weiß, sie sind da, die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Ich nenne dieses also: «das Geistselbst» — ich muß es genau so definieren, wie ich es jetzt auf die Tafel schreibe, sonst würde ich Ihnen etwas Ungenaues schreiben — «gerichtet durch die Hierarchien auf das Ich».
[ 12 ] Das, was ich jetzt geschrieben habe, gibt ungefähr den Tatbestand ganz richtig. Sie haben das Gefühl: Da ist ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, aus der Hierarchie der Exusiai, das richtet jetzt den Blick auf Ihr Ich. Indem Sie Ihren Blick auf das Ich richten, das eine Mal durch irgendein Wesen einer Hierarchie, das andere Mal dadurch, daß Sie wissen, jetzt ist Ihr Blick auf das Ich durch ein Wesen der andern Hierarchie gerichtet, lernen Sie diese Hierarchie innerhalb des Wirkens Ihres Geistselbst kennen. Also in Ihrer eigenen Betätigung lernen Sie die Hierarchien kennen. Sie fangen an, durch Ihr Geistselbst sich in Gesellschaft der Hierarchien zu befinden. Und während Sie, bevor dieses Geistselbst aufleuchtet, noch das Gefühl haben, nur Sie selbst beschäftigen sich damit, den Blick hinzurichten auf das eigene Ich, bekommen Sie immer deutlicher das Gefühl, daß sich immer mehr und mehr Wesenheiten der höheren Hierarchien um Sie kümmern und sich hineinmischen in Ihr Schauen, Ihre Blicke lenken. Sie fühlen sich, indem Sie Ihre höhere Sinnestätigkeit entwickeln, durch das Geistselbst immer mehr und mehr so, daß in dieser Sinnestätigkeit mittätig sind die Wesen der höheren Hierarchien. Was unerträglich wäre für den Menschen der Sinneswelt hier, das wird geradezu das Lebenselement für den Menschen im Zustande nach dem Tode.
[ 12 ] Das, was ich jetzt geschrieben habe, gibt ungefähr den Tatbestand ganz richtig. Sie haben das Gefühl: Da ist ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, aus der Hierarchie der Exusiai, das richtet jetzt den Blick auf Ihr Ich. Indem Sie Ihren Blick auf das Ich richten, das eine Mal durch irgendein Wesen einer Hierarchie, das andere Mal dadurch, daß Sie wissen, jetzt ist Ihr Blick auf das Ich durch ein Wesen der andern Hierarchie gerichtet, lernen Sie diese Hierarchie innerhalb des Wirkens Ihres Geistselbst kennen. Also in Ihrer eigenen Betätigung lernen Sie die Hierarchien kennen. Sie fangen an, durch Ihr Geistselbst sich in Gesellschaft der Hierarchien zu befinden. Und während Sie, bevor dieses Geistselbst aufleuchtet, noch das Gefühl haben, nur Sie selbst beschäftigen sich damit, den Blick hinzurichten auf das eigene Ich, bekommen Sie immer deutlicher das Gefühl, daß sich immer mehr und mehr Wesenheiten der höheren Hierarchien um Sie kümmern und sich hineinmischen in Ihr Schauen, Ihre Blicke lenken. Sie fühlen sich, indem Sie Ihre höhere Sinnestätigkeit entwickeln, durch das Geistselbst immer mehr und mehr so, daß in dieser Sinnestätigkeit mittätig sind die Wesen der höheren Hierarchien. Was unerträglich wäre für den Menschen der Sinneswelt hier, das wird geradezu das Lebenselement für den Menschen im Zustande nach dem Tode.
[ 13 ] Denken Sie sich einmal, Sie stünden hier am Fenster und schauten hinaus und sollten die Umgebung betrachten. Einer von Ihnen stellte sich dahin und wollte die Umgebung betrachten, und der erste, der hier sitzt, geht hin, dreht Ihnen den Kopf nach der einen Seite, damit Sie irgend etwas betrachten nach jener Richtung; ein zweiter geht hin, dreht Ihnen den Kopf ein bißchen hinauf, damit Sie etwas anderes betrachten; ein dritter wiederum ein bißchen herum, damit Sie wieder etwas anderes betrachten, und so würde die ganze Gesellschaft, die hier sitzt, von hinten Ihnen sich nähern, und Sie würden nur dadurch den Aspekt Ihrer Umgebung draußen haben, daß dasjenige, was hier herinnen sitzt, Ihnen den Kopf fortwährend darnach hinrichtet. Denken Sie das jetzt nicht von außen angesehen, sondern als inneres Erlebnis, als inneres Empfinden, dann haben Sie aber etwas, was recht analog ist diesem Erleben, das Sie als Ihr Geistselbst haben. Sie leben sich in das Leben der höheren Hierarchien dadurch immer mehr hinein, daß diese höheren Hierarchien in Ihre Blickrichtung hineinkommen.
[ 13 ] Denken Sie sich einmal, Sie stünden hier am Fenster und schauten hinaus und sollten die Umgebung betrachten. Einer von Ihnen stellte sich dahin und wollte die Umgebung betrachten, und der erste, der hier sitzt, geht hin, dreht Ihnen den Kopf nach der einen Seite, damit Sie irgend etwas betrachten nach jener Richtung; ein zweiter geht hin, dreht Ihnen den Kopf ein bißchen hinauf, damit Sie etwas anderes betrachten; ein dritter wiederum ein bißchen herum, damit Sie wieder etwas anderes betrachten, und so würde die ganze Gesellschaft, die hier sitzt, von hinten Ihnen sich nähern, und Sie würden nur dadurch den Aspekt Ihrer Umgebung draußen haben, daß dasjenige, was hier herinnen sitzt, Ihnen den Kopf fortwährend darnach hinrichtet. Denken Sie das jetzt nicht von außen angesehen, sondern als inneres Erlebnis, als inneres Empfinden, dann haben Sie aber etwas, was recht analog ist diesem Erleben, das Sie als Ihr Geistselbst haben. Sie leben sich in das Leben der höheren Hierarchien dadurch immer mehr hinein, daß diese höheren Hierarchien in Ihre Blickrichtung hineinkommen.
[ 14 ] In dem Auflösen der Worte, von dem wir schon gesprochen haben, wirken schon die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Das ist eine Seite desjenigen, was da erlebt wird. Aber es ist ja die fortdauernde Bereicherung des Lebens, die dadurch entsteht, daß man nach und nach immer mehr und mehr mit den Hierarchien bekannt wird. Und in einer ganz ähnlichen Weise wird man bekannt mit den Wesenheiten, mit denen man irgendwie karmisch vor dem Tode verbunden war. Und da fühlt man, daß man gewissermaßen geleitet und gelenkt wird. Das ist dasjenige, was gesagt werden kann über das zweite Glied der menschlichen Wesenheit in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 14 ] In dem Auflösen der Worte, von dem wir schon gesprochen haben, wirken schon die Wesenheiten der höheren Hierarchien. Das ist eine Seite desjenigen, was da erlebt wird. Aber es ist ja die fortdauernde Bereicherung des Lebens, die dadurch entsteht, daß man nach und nach immer mehr und mehr mit den Hierarchien bekannt wird. Und in einer ganz ähnlichen Weise wird man bekannt mit den Wesenheiten, mit denen man irgendwie karmisch vor dem Tode verbunden war. Und da fühlt man, daß man gewissermaßen geleitet und gelenkt wird. Das ist dasjenige, was gesagt werden kann über das zweite Glied der menschlichen Wesenheit in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 15 ] Das dritte Glied ist etwas, was zunächst vielleicht auf das Verständnis des Menschen etwas schockierend wirken könnte. Man fühlt sich nach und nach, indem man sich in dieses Leben nach dem Tode hineinlebt, durchsetzt von einer gewissen Kraft, ich könnte vielleicht sagen, von einem Kräftezusammenhang. Indem man zuerst gefühlt hat, die Hierarchien kommen heran und leiten einen bei der übersinnlichen Sinnestätigkeit — wenn ich den Ausdruck bilden darf —, fühlt man nach und nach: diese Hierarchien durchträufeln einen mit Kraft, geben einem Kraft. Man fühlt sich nach und nach erfüllt von dieser Kraft, welche die Hierarchien mit einfließen lassen, indem sie sich in einen hineinsetzen, indem sie ihr Wesen in einen hineinträufeln. Diese Kraft fühlt man allmählich. Man fühlt, daß man durch die Hierarchien nicht nur hingelenkt wird auf das oder jenes, sondern man fühlt, daß man durch diese Tätigkeit der Hierarchien, die zunächst auftritt wie eine das Schauen vermittelnde Tätigkeit, selbst innerlich krafterfüllt wird. Man fühlt die Kräfte des Kosmos, wirklich des Kosmos in sich einströmen wie belebende Säfte. Aber nun, was das Schockierende ist, das ist, daß die Kräfte, die man jetzt in sich einströmen fühlt, von einer ganz eigentümlichen Art sind. Es sind Kräfte, welche zunächst durchaus nicht fördernd, sondern auflösend, vernichtend sind für das, was man hier in der physischen Welt Leben nennt. Man fühlt sich nach und nach erfüllt von kosmischer, todbringender Weltenkraft.
[ 15 ] Das dritte Glied ist etwas, was zunächst vielleicht auf das Verständnis des Menschen etwas schockierend wirken könnte. Man fühlt sich nach und nach, indem man sich in dieses Leben nach dem Tode hineinlebt, durchsetzt von einer gewissen Kraft, ich könnte vielleicht sagen, von einem Kräftezusammenhang. Indem man zuerst gefühlt hat, die Hierarchien kommen heran und leiten einen bei der übersinnlichen Sinnestätigkeit — wenn ich den Ausdruck bilden darf —, fühlt man nach und nach: diese Hierarchien durchträufeln einen mit Kraft, geben einem Kraft. Man fühlt sich nach und nach erfüllt von dieser Kraft, welche die Hierarchien mit einfließen lassen, indem sie sich in einen hineinsetzen, indem sie ihr Wesen in einen hineinträufeln. Diese Kraft fühlt man allmählich. Man fühlt, daß man durch die Hierarchien nicht nur hingelenkt wird auf das oder jenes, sondern man fühlt, daß man durch diese Tätigkeit der Hierarchien, die zunächst auftritt wie eine das Schauen vermittelnde Tätigkeit, selbst innerlich krafterfüllt wird. Man fühlt die Kräfte des Kosmos, wirklich des Kosmos in sich einströmen wie belebende Säfte. Aber nun, was das Schockierende ist, das ist, daß die Kräfte, die man jetzt in sich einströmen fühlt, von einer ganz eigentümlichen Art sind. Es sind Kräfte, welche zunächst durchaus nicht fördernd, sondern auflösend, vernichtend sind für das, was man hier in der physischen Welt Leben nennt. Man fühlt sich nach und nach erfüllt von kosmischer, todbringender Weltenkraft.
[ 16 ] Es ist wichtig, solche merkwürdigen Vorstellungen in sich aufzunehmen, weil nur dadurch die geistige Welt wirklich begriffen werden kann. Denken Sie sich einmal eben in Ihrer geistig-seelischen Wesenheit nach und nach erfüllt von Kräften, von denen Sie das Bewußtsein erhalten, indem Sie sie in sich erleben: Durch diese Kräfte wird alles dasjenige, was hier auf der Erde lebt, wenn Sie es berühren würden, getötet. — Also Sie kleiden sich drittens in das, was ich, in Analogie mit etwas, was wir schon kennen, nennen kann den Lebensgeist. Sie kleiden sich in etwas, was man Lebensgeist nennen kann, was aber seine hauptsächlichsten Eigenschaften dadurch hat, daß es ertötend ist für dasjenige, was man sonst die Kraft des Lebensleibes nennen kann. Und Sie bekommen ein drittes Glied Ihrer Wesenheit, durch das Sie in der Lage sind, jeden Ätherleib, der Ihnen in die Quere kommt, zu töten. Alles, was Sie berühren durch dieses Glied Ihrer Wesenheit, wird in dem Sinne tot, in dem man von dem Tode hier auf Erden spricht. Und indem Sie durch das, was Sie da an Kräften bekommen, töten, wecken Sie aus dem Getöteten Geistiges auf, zunächst eigentlich Seelisches auf. Es ist dieses ein merkwürdiges Erlebnis, das darin besteht, daß durch die Berührung von Lebendigem das Lebendige getötet wird, aber aus dieser Tötung Seelisches entspringt, Seelisches erlöst wird. Es ist ein Töten, aber es ist zu gleicher Zeit eine Erlösung des Seelischen aus den Banden des Lebens. So daß man sagen kann: Der Lebensgeist tötet irdisch Lebendiges, in ihm Seelisches auslösend. Und man kommt zu dieser merkwürdigen Erfahrung dadurch, daß in dem Leben, in dem Lebendigen gewissermaßen Seelisches verzaubert ist, und daß durch diesen Vorgang, der da nach dem Tode geübt wird, das verzauberte Seelische aus dem Lebendigen herauserlöst wird. Man könnte geneigt sein, in der Tötung, in der ja im wesentlichen die Kraft wirkt, von der wir hier reden, etwas Furchtbares, Unsympathisches zu sehen. Für das Leben nach dem Tode ist das nicht der Fall, weil in dem Töten, in der tötenden Kraft das fortwährende Aufleuchten des Seelischen liegt, weil dadurch das fortwährende Entstehen des Seelischen entzündet wird. Aber dieses Bewußtsein muß der Tote haben: nicht nur, daß er immer hinsieht auf den Tod, den er selbst durchgemacht hat, sondern er muß auch bewußt sein dessen, daß dasjenige, was das Wesen seines Todes ist, sich gewissermaßen auf dem Untergrunde alles desjenigen ausbreitet, was er nun in der geistigen Welt erlebt. Es ist, wie wenn man in der geistigen Welt nunmehr so lebte, daß man sagen kann: Hier in dieser geistigen Welt entstehen fortwährend geistige Gebilde, zunächst eigentlich seelische Gebilde; Seelisches leuchtet auf in der verschiedensten Weise. Aber wenn man nachfragen würde, was der Boden ist, aus dem all dieses Seelische heraussprießt, so ist es diese Tötekraft, die wir soeben besprochen haben. Eine solche, das gewöhnliche hier auf der Erde befindliche Leben zerstörende Kraft ist also unser wesentliches Seelisches, das wir uns aneignen müssen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wie wir uns hier im Leben aneignen müssen unseren fleischlichen Leib.
[ 16 ] Es ist wichtig, solche merkwürdigen Vorstellungen in sich aufzunehmen, weil nur dadurch die geistige Welt wirklich begriffen werden kann. Denken Sie sich einmal eben in Ihrer geistig-seelischen Wesenheit nach und nach erfüllt von Kräften, von denen Sie das Bewußtsein erhalten, indem Sie sie in sich erleben: Durch diese Kräfte wird alles dasjenige, was hier auf der Erde lebt, wenn Sie es berühren würden, getötet. — Also Sie kleiden sich drittens in das, was ich, in Analogie mit etwas, was wir schon kennen, nennen kann den Lebensgeist. Sie kleiden sich in etwas, was man Lebensgeist nennen kann, was aber seine hauptsächlichsten Eigenschaften dadurch hat, daß es ertötend ist für dasjenige, was man sonst die Kraft des Lebensleibes nennen kann. Und Sie bekommen ein drittes Glied Ihrer Wesenheit, durch das Sie in der Lage sind, jeden Ätherleib, der Ihnen in die Quere kommt, zu töten. Alles, was Sie berühren durch dieses Glied Ihrer Wesenheit, wird in dem Sinne tot, in dem man von dem Tode hier auf Erden spricht. Und indem Sie durch das, was Sie da an Kräften bekommen, töten, wecken Sie aus dem Getöteten Geistiges auf, zunächst eigentlich Seelisches auf. Es ist dieses ein merkwürdiges Erlebnis, das darin besteht, daß durch die Berührung von Lebendigem das Lebendige getötet wird, aber aus dieser Tötung Seelisches entspringt, Seelisches erlöst wird. Es ist ein Töten, aber es ist zu gleicher Zeit eine Erlösung des Seelischen aus den Banden des Lebens. So daß man sagen kann: Der Lebensgeist tötet irdisch Lebendiges, in ihm Seelisches auslösend. Und man kommt zu dieser merkwürdigen Erfahrung dadurch, daß in dem Leben, in dem Lebendigen gewissermaßen Seelisches verzaubert ist, und daß durch diesen Vorgang, der da nach dem Tode geübt wird, das verzauberte Seelische aus dem Lebendigen herauserlöst wird. Man könnte geneigt sein, in der Tötung, in der ja im wesentlichen die Kraft wirkt, von der wir hier reden, etwas Furchtbares, Unsympathisches zu sehen. Für das Leben nach dem Tode ist das nicht der Fall, weil in dem Töten, in der tötenden Kraft das fortwährende Aufleuchten des Seelischen liegt, weil dadurch das fortwährende Entstehen des Seelischen entzündet wird. Aber dieses Bewußtsein muß der Tote haben: nicht nur, daß er immer hinsieht auf den Tod, den er selbst durchgemacht hat, sondern er muß auch bewußt sein dessen, daß dasjenige, was das Wesen seines Todes ist, sich gewissermaßen auf dem Untergrunde alles desjenigen ausbreitet, was er nun in der geistigen Welt erlebt. Es ist, wie wenn man in der geistigen Welt nunmehr so lebte, daß man sagen kann: Hier in dieser geistigen Welt entstehen fortwährend geistige Gebilde, zunächst eigentlich seelische Gebilde; Seelisches leuchtet auf in der verschiedensten Weise. Aber wenn man nachfragen würde, was der Boden ist, aus dem all dieses Seelische heraussprießt, so ist es diese Tötekraft, die wir soeben besprochen haben. Eine solche, das gewöhnliche hier auf der Erde befindliche Leben zerstörende Kraft ist also unser wesentliches Seelisches, das wir uns aneignen müssen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wie wir uns hier im Leben aneignen müssen unseren fleischlichen Leib.
[ 17 ] Als viertes Glied kann ich, wiederum in Analogie mit dem, was wir schon kennen, sagen: der Geistesmensch. Dieser Geistesmensch, der wird als etwas, was man in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zu sich zu rechnen geneigt ist, dadurch empfunden, daß nun wiederum mit den Kräften, die schon eingeträufelt werden durch die Hierarchien, wie ich geschildert habe, einem jetzt die Möglichkeit eingeträufelt wird, nicht nur Leben — was man hier auf Erden Leben nennt — zu töten, zu zerstören, aufzulösen, sondern Formen zu vernichten beziehungsweise auch in andere zu verwandeln. [Es wird an die Tafel geschrieben:]
[ 17 ] Als viertes Glied kann ich, wiederum in Analogie mit dem, was wir schon kennen, sagen: der Geistesmensch. Dieser Geistesmensch, der wird als etwas, was man in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zu sich zu rechnen geneigt ist, dadurch empfunden, daß nun wiederum mit den Kräften, die schon eingeträufelt werden durch die Hierarchien, wie ich geschildert habe, einem jetzt die Möglichkeit eingeträufelt wird, nicht nur Leben — was man hier auf Erden Leben nennt — zu töten, zu zerstören, aufzulösen, sondern Formen zu vernichten beziehungsweise auch in andere zu verwandeln. [Es wird an die Tafel geschrieben:]
1. Das Ich
2. Das Geistselbst
3. Der Lebensgeist
4. Der Geistesmensch.gerichtet durch die Hierarchien auf das Ich tötet irdisch Lebendiges, in ihm Seelisches auslösend
1. Das Ich
2. Das Geistselbst
3. Der Lebensgeist
4. Der Geistesmensch.gerichtet durch die Hierarchien auf das Ich tötet irdisch Lebendiges, in ihm Seelisches auslösend
[ 19 ] Es wird natürlich immer schwieriger, diese Dinge zu schildern. Aber im wesentlichen ist die Kraft dieses Geistesmenschen, wie man sie hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, darin bestehend, daß man die entgegengesetzte Tätigkeit — wenn ich mich so ausdrücken darf — von alldem verrichtet, was man nennen könnte: Erzeugung von Formen im weitesten Sinne, Hier — wenn ich mich bei einem speziellen Beispiele beruhigen will — zeichnet man Dreiecke, Vierecke und so weiter. Nach dem Tode, vermöge der Kräfte, die hier entwickelt werden, «entzeichnet» man, man löst alles Gezeichnete, die Formen auf. Aber das Eigentümliche ist, daß dies nicht bloß bedeutet, daß man etwas entzeichnet, sondern das ist zu gleicher Zeit eine kosmische Tätigkeit. Man ist jetzt selber in der kosmischen Tätigkeit drinnen, man ist verknüpft mit der kosmischen Tätigkeit. Denn dieses Entzeichnen, dieses Entformen, dieses Auflösen von Formen, das ist eine kosmische Tätigkeit, und der Mensch, indem er sich angeeignet hat, nachdem er mit dem Lebensgeiste durchzogen war, diese Kraft der Entformung, ist mit ein Stück der kosmischen Welt geworden. Er wirkt im Kosmos drinnen.
[ 19 ] Es wird natürlich immer schwieriger, diese Dinge zu schildern. Aber im wesentlichen ist die Kraft dieses Geistesmenschen, wie man sie hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, darin bestehend, daß man die entgegengesetzte Tätigkeit — wenn ich mich so ausdrücken darf — von alldem verrichtet, was man nennen könnte: Erzeugung von Formen im weitesten Sinne, Hier — wenn ich mich bei einem speziellen Beispiele beruhigen will — zeichnet man Dreiecke, Vierecke und so weiter. Nach dem Tode, vermöge der Kräfte, die hier entwickelt werden, «entzeichnet» man, man löst alles Gezeichnete, die Formen auf. Aber das Eigentümliche ist, daß dies nicht bloß bedeutet, daß man etwas entzeichnet, sondern das ist zu gleicher Zeit eine kosmische Tätigkeit. Man ist jetzt selber in der kosmischen Tätigkeit drinnen, man ist verknüpft mit der kosmischen Tätigkeit. Denn dieses Entzeichnen, dieses Entformen, dieses Auflösen von Formen, das ist eine kosmische Tätigkeit, und der Mensch, indem er sich angeeignet hat, nachdem er mit dem Lebensgeiste durchzogen war, diese Kraft der Entformung, ist mit ein Stück der kosmischen Welt geworden. Er wirkt im Kosmos drinnen.
[ 20 ] Es hat dasjenige, was hier auf der Erde Zerstörung, Untergang heißt, viel zu tun mit Entstehung, mit Bildung in den geistigen Welten, und umgekehrt. Was hier wie Zerstörung, wie Untergang, wie Entformen, Entzeichnen aussicht, hat viel zu tun mit Entstehung in den andern, in den geistigen Welten. So daß, wenn ich von Entzeichnen, Entformen spreche, ich nicht von Untergang in der geistigen Welt, sondern nur von Untergang in der seelischen Welt, dagegen von Auftauchen von geistig Neuem in der geistigen Welt spreche.
[ 20 ] Es hat dasjenige, was hier auf der Erde Zerstörung, Untergang heißt, viel zu tun mit Entstehung, mit Bildung in den geistigen Welten, und umgekehrt. Was hier wie Zerstörung, wie Untergang, wie Entformen, Entzeichnen aussicht, hat viel zu tun mit Entstehung in den andern, in den geistigen Welten. So daß, wenn ich von Entzeichnen, Entformen spreche, ich nicht von Untergang in der geistigen Welt, sondern nur von Untergang in der seelischen Welt, dagegen von Auftauchen von geistig Neuem in der geistigen Welt spreche.
[ 21 ] Mit diesen Dingen hängen mancherlei Geheimnisse in der Welt zusammen. Sie nähern sich heute Unteritalien von Mittelitalien aus; Sie kommen, indem Sie sich Unteritalien nähern, in Gegenden, die arm sind, die gar nicht besonders fruchtbar sind, in denen wenig Naturreichtum den Menschen zur Verfügung steht. Es sind dieselben Gegenden, in denen zur Zeit des aufgehenden vierten nachatlantischen Zeitraumes Pythagoras gewirkt hat. Und Pythagoras’ Wirksamkeit war damals inmitten fruchtbarster, reichster, üppigster Gegenden. So kurz die Zeit ist seit jener Epoche: indem man gerade auf diesen Fleck Erde hinweist, wo Pythagoras gewirkt hat, hat man die Umwandlung von einer Fruchtbarkeit und Üppigkeit, die bis zu dem Grade der Sybaris ging, die Sybaris in Armut umgewandelt, sogar bis zur Entstehung bedenklicher Krankheitserscheinungen. An der Stelle von sprossendem, üppigem Leben, das in jenen Zeiten da war, in die nur noch wenig Historisches zurückgeht, entwickelt sich etwas, wasimVergleich zu jenem üppigen, sprossenden Leben auch Naturarmut ist. Und es ist eigentlich im höchsten Grade interessant, solche Übergänge in der äußeren Welt zu sehen. In dieser äußeren Welt gliedern sich forwährend zusammen Entstehen, Vergehen. Die Menschen denken mit ihrer Geschichtsforschung nur nicht so weit, daß sie das fortwährende Entstehen und Vergehen miteinander richtig verknüpfen würden. Mitten in der strotzenden Üppigkeit, in der ganz großartig gelogen wurde, hat Pythagoras seine Tätigkeit entfaltet, und diese Tätigkeit setzte sich fort nach seinem Tode. Und dasjenige, was Pythagoras und die Pythagoräerseelen nach dem Tode zu tun hatten, hängt vielfach mit dem zusammen, was sich äußerte in dem Untergang des blühenden, sprossenden Lebens, inmitten dessen Pythagoras war. Nicht ganz unbeteiligt an dem Zerstörungswerk — das für das Jenseits ein Entstehungswerk ist —, das sich an der Stätte üppigen, sprossenden Lebens innerhalb der Natur aufrichtete in der nachpythagoräischen Zeit, sind Pythagoras und die Seelen seiner Anhänger. Und man muß sich, wenn man die Gesamtwelt verstehen will, eben bekanntmachen damit, daß von den verschiedenen Aspekten aus hier zwischen Geburt und Tod und zwischen Tod und neuer Geburt die Dinge sich ganz anders ausnehmen. Derjenige, der Frevel begehen würde, wenn er hier üppiges, sprossendes Leben künstlich untergraben würde, der tut gewissermaßen nur etwas, was im Sinne der ewigen Notwendigkeit geschieht, wenn er sich in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an einem solchen Werke beteiligt, das hier offenbar Untergang bedeutet.
[ 21 ] Mit diesen Dingen hängen mancherlei Geheimnisse in der Welt zusammen. Sie nähern sich heute Unteritalien von Mittelitalien aus; Sie kommen, indem Sie sich Unteritalien nähern, in Gegenden, die arm sind, die gar nicht besonders fruchtbar sind, in denen wenig Naturreichtum den Menschen zur Verfügung steht. Es sind dieselben Gegenden, in denen zur Zeit des aufgehenden vierten nachatlantischen Zeitraumes Pythagoras gewirkt hat. Und Pythagoras’ Wirksamkeit war damals inmitten fruchtbarster, reichster, üppigster Gegenden. So kurz die Zeit ist seit jener Epoche: indem man gerade auf diesen Fleck Erde hinweist, wo Pythagoras gewirkt hat, hat man die Umwandlung von einer Fruchtbarkeit und Üppigkeit, die bis zu dem Grade der Sybaris ging, die Sybaris in Armut umgewandelt, sogar bis zur Entstehung bedenklicher Krankheitserscheinungen. An der Stelle von sprossendem, üppigem Leben, das in jenen Zeiten da war, in die nur noch wenig Historisches zurückgeht, entwickelt sich etwas, wasimVergleich zu jenem üppigen, sprossenden Leben auch Naturarmut ist. Und es ist eigentlich im höchsten Grade interessant, solche Übergänge in der äußeren Welt zu sehen. In dieser äußeren Welt gliedern sich forwährend zusammen Entstehen, Vergehen. Die Menschen denken mit ihrer Geschichtsforschung nur nicht so weit, daß sie das fortwährende Entstehen und Vergehen miteinander richtig verknüpfen würden. Mitten in der strotzenden Üppigkeit, in der ganz großartig gelogen wurde, hat Pythagoras seine Tätigkeit entfaltet, und diese Tätigkeit setzte sich fort nach seinem Tode. Und dasjenige, was Pythagoras und die Pythagoräerseelen nach dem Tode zu tun hatten, hängt vielfach mit dem zusammen, was sich äußerte in dem Untergang des blühenden, sprossenden Lebens, inmitten dessen Pythagoras war. Nicht ganz unbeteiligt an dem Zerstörungswerk — das für das Jenseits ein Entstehungswerk ist —, das sich an der Stätte üppigen, sprossenden Lebens innerhalb der Natur aufrichtete in der nachpythagoräischen Zeit, sind Pythagoras und die Seelen seiner Anhänger. Und man muß sich, wenn man die Gesamtwelt verstehen will, eben bekanntmachen damit, daß von den verschiedenen Aspekten aus hier zwischen Geburt und Tod und zwischen Tod und neuer Geburt die Dinge sich ganz anders ausnehmen. Derjenige, der Frevel begehen würde, wenn er hier üppiges, sprossendes Leben künstlich untergraben würde, der tut gewissermaßen nur etwas, was im Sinne der ewigen Notwendigkeit geschieht, wenn er sich in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an einem solchen Werke beteiligt, das hier offenbar Untergang bedeutet.
[ 22 ] Mit dem dritten nachatlantischen Zeitraum sollte auch etwas untergehen, und das hinterließ seine Schatten. Viel sollte untergehen auf einem andern Gebiete, als das eben besprochene. Und mit diesem Untergehen der dritten nachatlantischen Epoche hängt es im wesentlichen zusammen, daß damals so viel gelogen worden ist. Auf der Erde wurde gelogen, weil die Menschen, wie ich Ihnen gestern ausgeführt habe, noch mit den kosmischen Kräften in Verbindung standen; aber gerade die kosmischen Kräfte, die dazumal vor dem 8. vorchristlichen Jahrhundert in die Erdenentwickelung hereinspielten, waren vielfach lügnerische Kräfte. Dämonische Lügner waren tätig in der Sphäre, in die der Mensch seine Seele hineinlebte, indem er die Worte so entwickelte, wie ich gestern auseinandergesetzt habe. Er mußte gleichsam seinen Seelenkopf hineinstecken in eine Sphäre, in der er das tun konnte: die Sphäre der kosmischen Vernunft. Indem er aber seinen Seelenkopf hineinsteckte, war darinnen jene ahrimanische Kraft, welche sich äußerte in der Tätigkeit von unzähligen Lügendämonen. Und aus dieser selben Quelle heraus, aus der die sprachbildende Kraft der damaligen Zeit geschöpft worden ist, aus derselben Kraft heraus entwickelte sich auf dem Boden der mittelmeerländischen Kultur diese riesige Kraft, diese gigantische Kraft des Lügens. Die Menschen logen, weil die Dämonen, die verbunden waren mit jenen andern Dämonen, welche das sprachbildende Vermögen eingaben, Lügner waren. Und diese dämonischen Lügner, die ahrimanischer Natur waren, hatten die Aufgabe, dasjenige zum Untergange zu bringen, was untergehen mußte, damit der dritte nachatlantische Zeitraum hinuntergehen konnte und der vierte nachatlantische Zeitraum heraufkommen konnte.
[ 22 ] Mit dem dritten nachatlantischen Zeitraum sollte auch etwas untergehen, und das hinterließ seine Schatten. Viel sollte untergehen auf einem andern Gebiete, als das eben besprochene. Und mit diesem Untergehen der dritten nachatlantischen Epoche hängt es im wesentlichen zusammen, daß damals so viel gelogen worden ist. Auf der Erde wurde gelogen, weil die Menschen, wie ich Ihnen gestern ausgeführt habe, noch mit den kosmischen Kräften in Verbindung standen; aber gerade die kosmischen Kräfte, die dazumal vor dem 8. vorchristlichen Jahrhundert in die Erdenentwickelung hereinspielten, waren vielfach lügnerische Kräfte. Dämonische Lügner waren tätig in der Sphäre, in die der Mensch seine Seele hineinlebte, indem er die Worte so entwickelte, wie ich gestern auseinandergesetzt habe. Er mußte gleichsam seinen Seelenkopf hineinstecken in eine Sphäre, in der er das tun konnte: die Sphäre der kosmischen Vernunft. Indem er aber seinen Seelenkopf hineinsteckte, war darinnen jene ahrimanische Kraft, welche sich äußerte in der Tätigkeit von unzähligen Lügendämonen. Und aus dieser selben Quelle heraus, aus der die sprachbildende Kraft der damaligen Zeit geschöpft worden ist, aus derselben Kraft heraus entwickelte sich auf dem Boden der mittelmeerländischen Kultur diese riesige Kraft, diese gigantische Kraft des Lügens. Die Menschen logen, weil die Dämonen, die verbunden waren mit jenen andern Dämonen, welche das sprachbildende Vermögen eingaben, Lügner waren. Und diese dämonischen Lügner, die ahrimanischer Natur waren, hatten die Aufgabe, dasjenige zum Untergange zu bringen, was untergehen mußte, damit der dritte nachatlantische Zeitraum hinuntergehen konnte und der vierte nachatlantische Zeitraum heraufkommen konnte.
[ 23 ] Die Welt ist eingerichtet nach Notwendigkeiten, und man muß auf diese Notwendigkeiten hinblicken, wenn man die große Frage, die wir gestern im Beginne unserer Betrachtungen aufgestellt haben, die große Frage nach dem Zusammenhange des Moralischen und des Ideellen mit dem Naturgeschehen beantworten will. Davon will ich dann morgen weitersprechen, um diese Betrachtungen vorläufig zu einem kleinen Abschluß zu bringen.
[ 23 ] Die Welt ist eingerichtet nach Notwendigkeiten, und man muß auf diese Notwendigkeiten hinblicken, wenn man die große Frage, die wir gestern im Beginne unserer Betrachtungen aufgestellt haben, die große Frage nach dem Zusammenhange des Moralischen und des Ideellen mit dem Naturgeschehen beantworten will. Davon will ich dann morgen weitersprechen, um diese Betrachtungen vorläufig zu einem kleinen Abschluß zu bringen.
