The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184
12 October 1918, Dornach
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Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben
Vierzehnter Vortrag
Vierzehnter Vortrag
[ 1 ] Gestern haben wir ein außerordentlich wichtiges Faktum der Menschheitsentwickelung seinem inneren Wesen nach zu charakterisieren versucht, wiederum von einem anderen Gesichtspunkte aus zu charakterisieren versucht, als wir dies schon öfters getan haben, aber von einem außerordentlich bedeutungsvollen Gesichtspunkte aus. Rufen wir uns das kurz noch einmal in die Seele zurück. Ich habe gestern nämlich zu zeigen versucht, daß gewissermaßen eine Art Gleichgewichtszustand in der Entwickelung der europäischen Menschheit dadurch erreicht worden ist, daß dem Ereignisse, welches nach der Zählung unserer Zeitrechnung 666 hätte eintreten sollen, das andere entgegengesetzt worden ist, das wir als das Ereignis von Golgatha bezeichnen. Ich habe gesagt: Die Menschheit unterliegt einer Entwickelung, die ihr gewissermaßen vorbestimmt ist durch diejenige Welttegierung, von der die Menschheit überhaupt ihren Ausgangspunkt genommen hat. Verfolgt man in Einzelheiten diese menschliche Entwickelung, dann kommt man zu der Einsicht, wie gerade die Seele sich hineinstellen kann in irgendein Zeitalter, in das sie hineingeboren ist. Wir leben im sogenannten fünften nachatlantischen Zeitalter, das im 15. Jahrhundert begonnen hat und das sich ausdehnen wird bis zum Beginne des 4. Jahrtausends, bis zum Ende des 3. Jahrtausends. In diesem Zeitalter soll die Menschheit zu der Entwickelung der sogenannten Bewußtseinsseele kommen. Es werden also alle Angelegenheiten dieses Zeitalters zuletzt doch nach dem Ziel hindeuten, das man bezeichnen kann als die Ausbildung der Bewußtseinsseele. Schmerzliche und freudige Ereignisse, Prüfungsereignisse für die Menschheit und solche Ereignisse, die wir als göttliche Gaben auch zur Beseligung der Menschen bezeichnen können, alles Lichtvolle und Schattenvolle soll in diesem Zeitalter dazu dienen, den Menschen immer mehr und mehr aufzuklären über sich selbst und seinen Zusammenhang mit der Welt. Bewußt sich hineinstellen in die Welt und dadurch erst das erringen, wovon man in früheren Zeitaltern und bis heute so viel phantasiert hat, das man aber nie richtig erkannt hat, das erst erringen, erringen durch Selbstzucht, was man nennen kann die freie menschliche Persönlichkeit, die wirkliche, auf Selbsterziehung gegründete Handhabung des Willens: das wird, heranziehend, die Aufgabe der Menschheit in diesem Zeitalter sein. Man könnte sagen, wenn man sich populär ausdrückt: daß das so vor sich gehe, das ist der Ratschluß derjenigen göttlichen Wesenheiten, mit denen der Mensch von seinem Ausgangspunkte an verbunden ist, die ihn fortführen von Stufe zu Stufe, denen aber von zwei Seiten her widerstreben diejenigen Mächte, die wir gewohnt sind, die ahrimanischen und die luziferischen Mächte zu nennen.
[ 1 ] Gestern haben wir ein außerordentlich wichtiges Faktum der Menschheitsentwickelung seinem inneren Wesen nach zu charakterisieren versucht, wiederum von einem anderen Gesichtspunkte aus zu charakterisieren versucht, als wir dies schon öfters getan haben, aber von einem außerordentlich bedeutungsvollen Gesichtspunkte aus. Rufen wir uns das kurz noch einmal in die Seele zurück. Ich habe gestern nämlich zu zeigen versucht, daß gewissermaßen eine Art Gleichgewichtszustand in der Entwickelung der europäischen Menschheit dadurch erreicht worden ist, daß dem Ereignisse, welches nach der Zählung unserer Zeitrechnung 666 hätte eintreten sollen, das andere entgegengesetzt worden ist, das wir als das Ereignis von Golgatha bezeichnen. Ich habe gesagt: Die Menschheit unterliegt einer Entwickelung, die ihr gewissermaßen vorbestimmt ist durch diejenige Welttegierung, von der die Menschheit überhaupt ihren Ausgangspunkt genommen hat. Verfolgt man in Einzelheiten diese menschliche Entwickelung, dann kommt man zu der Einsicht, wie gerade die Seele sich hineinstellen kann in irgendein Zeitalter, in das sie hineingeboren ist. Wir leben im sogenannten fünften nachatlantischen Zeitalter, das im 15. Jahrhundert begonnen hat und das sich ausdehnen wird bis zum Beginne des 4. Jahrtausends, bis zum Ende des 3. Jahrtausends. In diesem Zeitalter soll die Menschheit zu der Entwickelung der sogenannten Bewußtseinsseele kommen. Es werden also alle Angelegenheiten dieses Zeitalters zuletzt doch nach dem Ziel hindeuten, das man bezeichnen kann als die Ausbildung der Bewußtseinsseele. Schmerzliche und freudige Ereignisse, Prüfungsereignisse für die Menschheit und solche Ereignisse, die wir als göttliche Gaben auch zur Beseligung der Menschen bezeichnen können, alles Lichtvolle und Schattenvolle soll in diesem Zeitalter dazu dienen, den Menschen immer mehr und mehr aufzuklären über sich selbst und seinen Zusammenhang mit der Welt. Bewußt sich hineinstellen in die Welt und dadurch erst das erringen, wovon man in früheren Zeitaltern und bis heute so viel phantasiert hat, das man aber nie richtig erkannt hat, das erst erringen, erringen durch Selbstzucht, was man nennen kann die freie menschliche Persönlichkeit, die wirkliche, auf Selbsterziehung gegründete Handhabung des Willens: das wird, heranziehend, die Aufgabe der Menschheit in diesem Zeitalter sein. Man könnte sagen, wenn man sich populär ausdrückt: daß das so vor sich gehe, das ist der Ratschluß derjenigen göttlichen Wesenheiten, mit denen der Mensch von seinem Ausgangspunkte an verbunden ist, die ihn fortführen von Stufe zu Stufe, denen aber von zwei Seiten her widerstreben diejenigen Mächte, die wir gewohnt sind, die ahrimanischen und die luziferischen Mächte zu nennen.
[ 2 ] Nun habe ich gesagt: Denken wir einmal hypothetisch, das Ereignis von Golgatha wäre nicht gekommen, kein Christus hätte sich entschlossen, sein göttliches Schicksal mit dem Erdenmenschen-Schicksale zu verbinden, was wäre dann geschehen? Man kann die Geschichte nicht kennenlernen, wenn man nur dasjenige notifiziert, was sich zeigt, denn man wird niemals zu einer wirklichen, richtigen Abschätzung der Ereignisse kommen, wenn man nur das ins Auge faßt, was sich zeigt. Werden wir zum Beispiel heute von irgendeinem Ereignisse befallen, welches verhindert, daß wir irgend etwas unternehmen, was wir unternommen hätten, wenn dieses Ereignis nicht eingetreten wäre, werden wir zum Beispiel verhindert, morgen irgendwo zu erscheinen, wo uns durch irgendein Eisenbahnunglück vielleicht der Tod getroffen hätte: dann kann man nicht sagen, daß man das Ereignis heute richtig wertet, wenn man es nur notifiziert. Denn dieses Ereignis kann ja ganz gewiß, wenn wir es nur an sich betrachten, ein höchst unbedeutendes Ereignis sein, uns nur abhalten, da zu sein, wo uns morgen der Tod getroffen hätte; und wenn wir nur das Ereignis betrachten, das uns heute getroffen hat, so können wir es nicht verstehen. Gerade deshalb, weil die Menschen nur sinnliche und Verstandeswissenschaft treiben, niemals fragen, was hätte geschehen können, deshalb können sie die Ereignisse nicht in ihrem wahren Wirklichkeitswert beurteilen, deshalb kommen sie auch dann nicht zu einer Einsicht in den wahren Wirklichkeitswert der Ereignisse.
[ 2 ] Nun habe ich gesagt: Denken wir einmal hypothetisch, das Ereignis von Golgatha wäre nicht gekommen, kein Christus hätte sich entschlossen, sein göttliches Schicksal mit dem Erdenmenschen-Schicksale zu verbinden, was wäre dann geschehen? Man kann die Geschichte nicht kennenlernen, wenn man nur dasjenige notifiziert, was sich zeigt, denn man wird niemals zu einer wirklichen, richtigen Abschätzung der Ereignisse kommen, wenn man nur das ins Auge faßt, was sich zeigt. Werden wir zum Beispiel heute von irgendeinem Ereignisse befallen, welches verhindert, daß wir irgend etwas unternehmen, was wir unternommen hätten, wenn dieses Ereignis nicht eingetreten wäre, werden wir zum Beispiel verhindert, morgen irgendwo zu erscheinen, wo uns durch irgendein Eisenbahnunglück vielleicht der Tod getroffen hätte: dann kann man nicht sagen, daß man das Ereignis heute richtig wertet, wenn man es nur notifiziert. Denn dieses Ereignis kann ja ganz gewiß, wenn wir es nur an sich betrachten, ein höchst unbedeutendes Ereignis sein, uns nur abhalten, da zu sein, wo uns morgen der Tod getroffen hätte; und wenn wir nur das Ereignis betrachten, das uns heute getroffen hat, so können wir es nicht verstehen. Gerade deshalb, weil die Menschen nur sinnliche und Verstandeswissenschaft treiben, niemals fragen, was hätte geschehen können, deshalb können sie die Ereignisse nicht in ihrem wahren Wirklichkeitswert beurteilen, deshalb kommen sie auch dann nicht zu einer Einsicht in den wahren Wirklichkeitswert der Ereignisse.
[ 3 ] Also wir stellen die Frage: Wenn wir hypothetisch annehmen, daß der Christus nicht sein göttliches Schicksal mit dem menschlichen Schicksale verbunden hätte durch das Ereignis von Golgatha, was wäre geschehen? Nun, ich habe Ihnen gestern gesagt: Es wäre geschehen, daß im Jahre 666 durch gewisse Maßnahmen, die da möglich geworden wären, die Menschen einen ganz andern Punkt ihrer Entwickelung durchgemacht hätten, daß dann die Menschen durch gewisse auftretende Genies eine Unsumme von großer Weisheit, etwas phantastischer Weisheit, aber eine Unsumme von Weisheit erlangt hätten. Diese Weisheit würde deshalb für die Menschheit eine so ungeheure Bedeutung gehabt haben, weil im natürlichen Gang der Entwickelung, wenn die Menschen, so wie es ihnen vorbestimmt ist von ihren mit ihrem Ursprunge verbundenen göttlichen Geistern, sich langsam zu dieser Weisheit entwickelten, noch Jahrtausende, wie ich angedeutet habe, darauf werden warten müssen. Sie werden es auch in anderer Weise erhalten, weil sie es durch die eigene Anstrengung bekommen.
[ 3 ] Also wir stellen die Frage: Wenn wir hypothetisch annehmen, daß der Christus nicht sein göttliches Schicksal mit dem menschlichen Schicksale verbunden hätte durch das Ereignis von Golgatha, was wäre geschehen? Nun, ich habe Ihnen gestern gesagt: Es wäre geschehen, daß im Jahre 666 durch gewisse Maßnahmen, die da möglich geworden wären, die Menschen einen ganz andern Punkt ihrer Entwickelung durchgemacht hätten, daß dann die Menschen durch gewisse auftretende Genies eine Unsumme von großer Weisheit, etwas phantastischer Weisheit, aber eine Unsumme von Weisheit erlangt hätten. Diese Weisheit würde deshalb für die Menschheit eine so ungeheure Bedeutung gehabt haben, weil im natürlichen Gang der Entwickelung, wenn die Menschen, so wie es ihnen vorbestimmt ist von ihren mit ihrem Ursprunge verbundenen göttlichen Geistern, sich langsam zu dieser Weisheit entwickelten, noch Jahrtausende, wie ich angedeutet habe, darauf werden warten müssen. Sie werden es auch in anderer Weise erhalten, weil sie es durch die eigene Anstrengung bekommen.
[ 4 ] Also, es hätte sozusagen etwas vorweggenommen werden sollen, was die Menschheit durch eigene Anstrengung im Laufe langer, langer Zeiten erst bekommen kann. Die Menschheit hätte es in unreifem Zustande erlangt. Man kann sich heute kaum ausmalen, wie die Geschichte der sogenannten zivilisierten Menschheit verlaufen wäre, wenn dieses Ereignis eingetreten wäre. Wie aus einem Instinkt, aber aus einem genialen Instinkt hätte die Menschheit ein unreifes Wissen erlangt. Ungeheure Verwirrung wäre angerichtet worden. Aber noch etwas anderes: Die Menschen wären auf einmal gewissermaßen überschüttet worden mit diesem Wissen, dadurch wie paralysiert, wie gelähmt, und ihre zukünftige Entwickelung wäre abgeschnitten worden. Sie wären nur dazu gekommen, jetzt nicht auf natürliche Weise, wie das hat geschehen sollen seit dem 15. Jahrhundert, sondern auf künstliche Weise schon im 7. Jahrhundert eingeimpft zu bekommen die Bewußtseinsseele; aber die ganze Entwickelung zum Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmenschen würde dann weggefallen sein. Der Mensch würde ein außerordentlich vollkommener Erdenmensch geworden sein, aber seine Entwickelung zu höheren Stufen würde ausgeschlossen gewesen sein. Das ist dasjenige, was in einer so, ich möchte sagen, temperamentvollen Weise — und ich meine diese temperamentvolle Weise wirklich in allem Ernste, nicht wie man das Wort sonst gebraucht — in der Apokalypse, in der Offenbarung des Johannes angedeutet wird als die Erscheinung des Tieres. Da wird hingewiesen auf die Zahl 666, was ja so vielen Gelehrten so viel Mühe gemacht hat, um es aufzuklären. Sie haben alle mehr oder weniger vorbeigeraten.
[ 4 ] Also, es hätte sozusagen etwas vorweggenommen werden sollen, was die Menschheit durch eigene Anstrengung im Laufe langer, langer Zeiten erst bekommen kann. Die Menschheit hätte es in unreifem Zustande erlangt. Man kann sich heute kaum ausmalen, wie die Geschichte der sogenannten zivilisierten Menschheit verlaufen wäre, wenn dieses Ereignis eingetreten wäre. Wie aus einem Instinkt, aber aus einem genialen Instinkt hätte die Menschheit ein unreifes Wissen erlangt. Ungeheure Verwirrung wäre angerichtet worden. Aber noch etwas anderes: Die Menschen wären auf einmal gewissermaßen überschüttet worden mit diesem Wissen, dadurch wie paralysiert, wie gelähmt, und ihre zukünftige Entwickelung wäre abgeschnitten worden. Sie wären nur dazu gekommen, jetzt nicht auf natürliche Weise, wie das hat geschehen sollen seit dem 15. Jahrhundert, sondern auf künstliche Weise schon im 7. Jahrhundert eingeimpft zu bekommen die Bewußtseinsseele; aber die ganze Entwickelung zum Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmenschen würde dann weggefallen sein. Der Mensch würde ein außerordentlich vollkommener Erdenmensch geworden sein, aber seine Entwickelung zu höheren Stufen würde ausgeschlossen gewesen sein. Das ist dasjenige, was in einer so, ich möchte sagen, temperamentvollen Weise — und ich meine diese temperamentvolle Weise wirklich in allem Ernste, nicht wie man das Wort sonst gebraucht — in der Apokalypse, in der Offenbarung des Johannes angedeutet wird als die Erscheinung des Tieres. Da wird hingewiesen auf die Zahl 666, was ja so vielen Gelehrten so viel Mühe gemacht hat, um es aufzuklären. Sie haben alle mehr oder weniger vorbeigeraten.
[ 5 ] Nun mußte früher — um vorzusorgen, daß dies nicht in der Menschheit stattfände und damit die Menschheit eine Gegenkraft habe — das Ereignis von Golgatha in die Entwickelung der Menschheit eintreten, nachdem sie dasjenige aufnehmen konnte, was durch die Erscheinung des Christus Jesus dann eben in die Menschheitsentwickelung eingeflossen ist.
[ 5 ] Nun mußte früher — um vorzusorgen, daß dies nicht in der Menschheit stattfände und damit die Menschheit eine Gegenkraft habe — das Ereignis von Golgatha in die Entwickelung der Menschheit eintreten, nachdem sie dasjenige aufnehmen konnte, was durch die Erscheinung des Christus Jesus dann eben in die Menschheitsentwickelung eingeflossen ist.
[ 6 ] Das ist wiederum ein Gesichtspunkt, um richtig zu beurteilen, was das Ereignis von Golgatha in der Menschheitsentwickelung ist. Es ist dasjenige, was der ganzen Erdenentwickelung ihren Sinn gibt. Ich habe deshalb schon immer gesagt, nur um anzudeuten, was das Ereignis von Golgatha für die Erdenentwickelung ist: Wenn von einem andern Planeten unseres Sonnensystems ein Wesen, das gleichwertig wäre mit einem Erdenmenschen, aber diesem Planeten nicht entsprechen würde, eines Tages herunterkäme auf die Erde, ihm natürlich auf der Erde alles mögliche unbekannt sein würde; es könnte ein solches Wesen, wenn es plötzlich wie hereingeschneit wäre in das Erdendasein, alles mögliche nicht verstehen, aber eines würde jenes Wesen verstehen. Wenn Sie ein Wesen, von wo immer es herkäme, führen würden vor Leonardos «Abendmahl» und den Christus in seiner Handlung ihm zeigen würden, dann würde dieses Wesen eine Ahnung bekommen nach seiner Art von dem Sinn der Erde. Sie könnten ihm sonst zeigen, was auf der Erde an Naturprodukten vorhanden ist, was auf der Erde an Kunstwerken vorhanden ist: es würde nur dasjenige verstehen, in das in irgendeiner Weise hineinverwoben ist das Schicksal des Christus Jesus. Was ich gestern ausgeführt habe, das ist herausgeholt — wie ich schon vor acht Tagen bei einer andern Gelegenheit gesagt habe für etwas anderes — rein aus der geistigen Anschauung. Diese geistige Anschauung, die kann allein für den heutigen Menschen die Führerin sein zu lebenswichtigen Tatsachen. Durch die Anschauung desjenigen, was sich im Laufe der Zeit vollzieht, mit den übersinnlichen Sinnen, ergibt sich für das Jahr der Geburt des Christus Jesus und für das Jahr 666 dieser Gegensatz. Aber schauen wir uns jetzt die äußerliche Geschichte daraufhin an. Fragen wir die äußere Geschichte: Gibt sie uns irgendwo eine Bestätigung dafür, daß so etwas wirklich stattgefunden hat?
[ 6 ] Das ist wiederum ein Gesichtspunkt, um richtig zu beurteilen, was das Ereignis von Golgatha in der Menschheitsentwickelung ist. Es ist dasjenige, was der ganzen Erdenentwickelung ihren Sinn gibt. Ich habe deshalb schon immer gesagt, nur um anzudeuten, was das Ereignis von Golgatha für die Erdenentwickelung ist: Wenn von einem andern Planeten unseres Sonnensystems ein Wesen, das gleichwertig wäre mit einem Erdenmenschen, aber diesem Planeten nicht entsprechen würde, eines Tages herunterkäme auf die Erde, ihm natürlich auf der Erde alles mögliche unbekannt sein würde; es könnte ein solches Wesen, wenn es plötzlich wie hereingeschneit wäre in das Erdendasein, alles mögliche nicht verstehen, aber eines würde jenes Wesen verstehen. Wenn Sie ein Wesen, von wo immer es herkäme, führen würden vor Leonardos «Abendmahl» und den Christus in seiner Handlung ihm zeigen würden, dann würde dieses Wesen eine Ahnung bekommen nach seiner Art von dem Sinn der Erde. Sie könnten ihm sonst zeigen, was auf der Erde an Naturprodukten vorhanden ist, was auf der Erde an Kunstwerken vorhanden ist: es würde nur dasjenige verstehen, in das in irgendeiner Weise hineinverwoben ist das Schicksal des Christus Jesus. Was ich gestern ausgeführt habe, das ist herausgeholt — wie ich schon vor acht Tagen bei einer andern Gelegenheit gesagt habe für etwas anderes — rein aus der geistigen Anschauung. Diese geistige Anschauung, die kann allein für den heutigen Menschen die Führerin sein zu lebenswichtigen Tatsachen. Durch die Anschauung desjenigen, was sich im Laufe der Zeit vollzieht, mit den übersinnlichen Sinnen, ergibt sich für das Jahr der Geburt des Christus Jesus und für das Jahr 666 dieser Gegensatz. Aber schauen wir uns jetzt die äußerliche Geschichte daraufhin an. Fragen wir die äußere Geschichte: Gibt sie uns irgendwo eine Bestätigung dafür, daß so etwas wirklich stattgefunden hat?
[ 7 ] Nun, da ja die äußere Gelehrsamkeit nicht viel weiß von diesen Dingen, so hat sie auch niemals sehr stark die Ereignisse aufgezeichnet. Aber wenn man die Wahrheit kennt, dann ist es schon so, daß man auch in der äußeren Geschichte geführt wird auf diejenigen Ereignisse, die dann Aufschluß geben können über Allerwichtigstes. Sehen Sie, hier im Leben geschehen gewisse Dinge. Hinter diesen Dingen steht die geistige Welt. Derjenige, der die Zusammenhänge kennt, weiß dann, wie das eine oder das andere, was geschieht, auf seinen geistigen Hintergrund zu beziehen ist. Derjenige, welcher das Herankommen der neueren Menschheit aus der alten griechisch-lateinischen Zeit, griechisch-römischen Kulturentwickelung betrachtet, dem bleibt, wenn er nur das Äußerliche der Geschichte betrachtet, vieles, vieles rätselhaft. Aber die inneren Zusammenhänge klären die Dinge auf.
[ 7 ] Nun, da ja die äußere Gelehrsamkeit nicht viel weiß von diesen Dingen, so hat sie auch niemals sehr stark die Ereignisse aufgezeichnet. Aber wenn man die Wahrheit kennt, dann ist es schon so, daß man auch in der äußeren Geschichte geführt wird auf diejenigen Ereignisse, die dann Aufschluß geben können über Allerwichtigstes. Sehen Sie, hier im Leben geschehen gewisse Dinge. Hinter diesen Dingen steht die geistige Welt. Derjenige, der die Zusammenhänge kennt, weiß dann, wie das eine oder das andere, was geschieht, auf seinen geistigen Hintergrund zu beziehen ist. Derjenige, welcher das Herankommen der neueren Menschheit aus der alten griechisch-lateinischen Zeit, griechisch-römischen Kulturentwickelung betrachtet, dem bleibt, wenn er nur das Äußerliche der Geschichte betrachtet, vieles, vieles rätselhaft. Aber die inneren Zusammenhänge klären die Dinge auf.
[ 8 ] Nehmen Sie einmal das Ereignis, das ja die äußere Menschheit nicht viel interessiert, aber das doch ein außerordentlich bedeutsames Ereignis ist, nehmen Sie den Umstand, daß 529 der Kaiser Justinianus den griechischen Philosophenschulen das Verbot entgegenhält, weiter zu funktionieren und die griechischen Philosophenschulen, den Glanz des Altertums, verbietet. So daß dasjenige, was an Gelehrsamkeit aus uralten Zeiten eingezogen ist in die griechischen Philosophenschulen, was erzeugt hatte einen Anaxagoras, einen Heraklit, später einen Sokrates, einen Plato, einen Aristoteles, durch diesen Erlaß des Kaisers Justinian 529 aus der Welt geschafft wurde. Gewiß, man kann nach dem, was die Geschichte enthält, nun sich Vorstellungen darüber machen, warum dieser Kaiser Justinianus die alte Wissenschaft in Europa sozusagen weggefegt hat; aber man bleibt, wenn man ehrlich über diese Dinge nachdenkt, unbefriedigt von all den Ausführungen, die man da erhält. Da walten, man spürt es, unbekannte Kräfte drinnen. Und sonderbar ist es, daß dieses Ereignis zusammenfällt — nicht ganz, aber geschichtliche Tatsachen, die manchmal auch ein paar Jahrzehnte auseinanderliegen, vor den späteren Blicken nehmen sie sich doch als zusammengehörig aus — mit der Vertreibung der Philosophen auch aus Edessa durch den Isaurier, Zeno Isaurikus, so daß sozusagen an wichtigsten Stellen der damaligen Welt die gelehrtesten Leute vertrieben werden. Und diese gelehrten Leute, welche bewahrt hatten die alte Wissenschaft, insofern sie noch nicht beeinflußt war von dem Christentum — also im 5. und 6. Jahrhundert unserer christlichen Zeitrechnung —, mußten auswandern. Sie wanderten aus nach Persien und gründeten die Akademie von Gondishapur.
[ 8 ] Nehmen Sie einmal das Ereignis, das ja die äußere Menschheit nicht viel interessiert, aber das doch ein außerordentlich bedeutsames Ereignis ist, nehmen Sie den Umstand, daß 529 der Kaiser Justinianus den griechischen Philosophenschulen das Verbot entgegenhält, weiter zu funktionieren und die griechischen Philosophenschulen, den Glanz des Altertums, verbietet. So daß dasjenige, was an Gelehrsamkeit aus uralten Zeiten eingezogen ist in die griechischen Philosophenschulen, was erzeugt hatte einen Anaxagoras, einen Heraklit, später einen Sokrates, einen Plato, einen Aristoteles, durch diesen Erlaß des Kaisers Justinian 529 aus der Welt geschafft wurde. Gewiß, man kann nach dem, was die Geschichte enthält, nun sich Vorstellungen darüber machen, warum dieser Kaiser Justinianus die alte Wissenschaft in Europa sozusagen weggefegt hat; aber man bleibt, wenn man ehrlich über diese Dinge nachdenkt, unbefriedigt von all den Ausführungen, die man da erhält. Da walten, man spürt es, unbekannte Kräfte drinnen. Und sonderbar ist es, daß dieses Ereignis zusammenfällt — nicht ganz, aber geschichtliche Tatsachen, die manchmal auch ein paar Jahrzehnte auseinanderliegen, vor den späteren Blicken nehmen sie sich doch als zusammengehörig aus — mit der Vertreibung der Philosophen auch aus Edessa durch den Isaurier, Zeno Isaurikus, so daß sozusagen an wichtigsten Stellen der damaligen Welt die gelehrtesten Leute vertrieben werden. Und diese gelehrten Leute, welche bewahrt hatten die alte Wissenschaft, insofern sie noch nicht beeinflußt war von dem Christentum — also im 5. und 6. Jahrhundert unserer christlichen Zeitrechnung —, mußten auswandern. Sie wanderten aus nach Persien und gründeten die Akademie von Gondishapur.
[ 9 ] Von dieser Gelehrtenakademie von Gondishapur wird eigentlich selbst unter den Philosophen wenig geredet. Aber ohne daß man das Wesen der von den Resten der alten Gelehrten begründeten Akademie von Gondishapur kennt, versteht man nichts von der ganzen Entwickelung der neueren Menschheit. Denn dasjenige, was an alter Gelehrsamkeit hingetragen hatten nach Gondishapur die Weisen, die von Justinianus und Isaurikus vertrieben worden waren, das bildete die Grundlage für eine ungeheuer bedeutsame Lehre, welche in Gondishapur dann im 7. Jahrhundert an die Schüler gegeben worden ist, Und in Gondishapur war es, wo man den Aristoteles, den alten griechischen Weisen, übersetzt hat. Und das Merkwürdige, was geschehen ist, das ist: Aristoteles — er wäre ja sonst wahrscheinlich ganz verlorengegangen —, er war zunächst in Edessa von den Gelehrten, die später durch Isaurikus vertrieben wurden, ins Syrische übersetzt worden. Die syrische Übersetzung wurde nach Gondishapur gebracht, und in Gondishapur wurde der syrische Aristoteles ins Arabische übersetzt. Und diese Übertragung des Aristoteles aus dem Griechischen ins Arabische auf dem Umwege des Syrischen, die enthielt etwas sehr Merkwürdiges. Wer einen Einblick gewinnt in die Veränderungen, die vorgehen mit Gedanken, wenn man sie aus einer Sprache in die andere wirklich übersetzt, zu übersetzen versucht, der wird begreifen können, daß gewissermaßen etwas — nun, ich will es hypothetisch sagen — wie Absicht darinnen liegen konnte, nicht den griechischen Aristoteles zu nehmen, sondern den Aristoteles, der den Weg über das Syrische ins Arabische genommen hat. Und da kam denn durch die Übersetzung des Aristoteles eine Grundlage zustande, in der die aristotelischen Begriffe in dem Lichte der arabischen Seele, wie sie damals war, erschienen, dieser merkwürdigen Seele der Araber, wie sie damals war, wo schärfstes Denken verbunden war mit einer gewissen Phantastik, welche aber in logischen Bahnen verlief und bis zum Schauen sich erhob. Und nun, im Lichte dieser eigentümlichen Lehre, dieser eigentümlichen Anschauung entwickelte sich zu Gondishapur eine gewaltige Weltanschauung. Zu Gondishapur war es, wo im 7. Jahrhundert das geschah, was ich angedeutet habe.
[ 9 ] Von dieser Gelehrtenakademie von Gondishapur wird eigentlich selbst unter den Philosophen wenig geredet. Aber ohne daß man das Wesen der von den Resten der alten Gelehrten begründeten Akademie von Gondishapur kennt, versteht man nichts von der ganzen Entwickelung der neueren Menschheit. Denn dasjenige, was an alter Gelehrsamkeit hingetragen hatten nach Gondishapur die Weisen, die von Justinianus und Isaurikus vertrieben worden waren, das bildete die Grundlage für eine ungeheuer bedeutsame Lehre, welche in Gondishapur dann im 7. Jahrhundert an die Schüler gegeben worden ist, Und in Gondishapur war es, wo man den Aristoteles, den alten griechischen Weisen, übersetzt hat. Und das Merkwürdige, was geschehen ist, das ist: Aristoteles — er wäre ja sonst wahrscheinlich ganz verlorengegangen —, er war zunächst in Edessa von den Gelehrten, die später durch Isaurikus vertrieben wurden, ins Syrische übersetzt worden. Die syrische Übersetzung wurde nach Gondishapur gebracht, und in Gondishapur wurde der syrische Aristoteles ins Arabische übersetzt. Und diese Übertragung des Aristoteles aus dem Griechischen ins Arabische auf dem Umwege des Syrischen, die enthielt etwas sehr Merkwürdiges. Wer einen Einblick gewinnt in die Veränderungen, die vorgehen mit Gedanken, wenn man sie aus einer Sprache in die andere wirklich übersetzt, zu übersetzen versucht, der wird begreifen können, daß gewissermaßen etwas — nun, ich will es hypothetisch sagen — wie Absicht darinnen liegen konnte, nicht den griechischen Aristoteles zu nehmen, sondern den Aristoteles, der den Weg über das Syrische ins Arabische genommen hat. Und da kam denn durch die Übersetzung des Aristoteles eine Grundlage zustande, in der die aristotelischen Begriffe in dem Lichte der arabischen Seele, wie sie damals war, erschienen, dieser merkwürdigen Seele der Araber, wie sie damals war, wo schärfstes Denken verbunden war mit einer gewissen Phantastik, welche aber in logischen Bahnen verlief und bis zum Schauen sich erhob. Und nun, im Lichte dieser eigentümlichen Lehre, dieser eigentümlichen Anschauung entwickelte sich zu Gondishapur eine gewaltige Weltanschauung. Zu Gondishapur war es, wo im 7. Jahrhundert das geschah, was ich angedeutet habe.
[ 10 ] Was ich angedeutet habe, ist nicht ein phantastisches Ereignis, es ist nicht einmal etwas, was ganz und gar nicht auf der Erde war; sondern zu Gondishapur wurde schon gelehrt dasjenige, wovon ich gestern gesprochen habe: dasjenige, was — aufgefaßt in seiner Wesenheit — der größte Gegensatz, der denkbar größte Gegensatz ist gegenüber dem, was aus dem Ereignis von Golgatha sich entwickelt hat. Und es war ein gewisses Bestreben bei den Weisen von Gondishapur. Dieses Bestreben war — und es war genau das, was ich gestern erzählte und vorhin andeutete — eine umfassende Wissenschaft, die hätte ersetzen sollen die Anstrengungen der Bewußtseinsseele, die aber den Menschen zum bloßen Erdenmenschen gemacht hätte, ihn abgeschlossen hätte von seiner wirklichen Zukunft, der Hineinentwickelung in die geistige Welt. Weise Menschen würden entstanden sein, aber materialistisch denkende Menschen, reine Erdenmenschen. Tief hinein hätten sie sehen können auch in das geistige Irdische, in das Übersinnlich-Irdische; aber abgeschnitten gewesen wären sie gerade von derjenigen Entwickelung, die dem Menschen zugedacht ist von seinen Schöpfern mit dem Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen. Und wer eine Ahnung hat von der Weisheit von Gondishapur, der wird sie zwar halten für eine der Menschheit im höchsten Sinne gefährliche, aber er wird sie zu gleicher Zeit halten für ein ungeheueres Phänomen. Und die Absicht bestand, nicht nur die Umgegend, sondern die ganze damals bekannte zivilisierte Welt, nach Asien und Europa überall hin, mit dieser Gelehrsamkeit zu überschwemmen.
[ 10 ] Was ich angedeutet habe, ist nicht ein phantastisches Ereignis, es ist nicht einmal etwas, was ganz und gar nicht auf der Erde war; sondern zu Gondishapur wurde schon gelehrt dasjenige, wovon ich gestern gesprochen habe: dasjenige, was — aufgefaßt in seiner Wesenheit — der größte Gegensatz, der denkbar größte Gegensatz ist gegenüber dem, was aus dem Ereignis von Golgatha sich entwickelt hat. Und es war ein gewisses Bestreben bei den Weisen von Gondishapur. Dieses Bestreben war — und es war genau das, was ich gestern erzählte und vorhin andeutete — eine umfassende Wissenschaft, die hätte ersetzen sollen die Anstrengungen der Bewußtseinsseele, die aber den Menschen zum bloßen Erdenmenschen gemacht hätte, ihn abgeschlossen hätte von seiner wirklichen Zukunft, der Hineinentwickelung in die geistige Welt. Weise Menschen würden entstanden sein, aber materialistisch denkende Menschen, reine Erdenmenschen. Tief hinein hätten sie sehen können auch in das geistige Irdische, in das Übersinnlich-Irdische; aber abgeschnitten gewesen wären sie gerade von derjenigen Entwickelung, die dem Menschen zugedacht ist von seinen Schöpfern mit dem Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen. Und wer eine Ahnung hat von der Weisheit von Gondishapur, der wird sie zwar halten für eine der Menschheit im höchsten Sinne gefährliche, aber er wird sie zu gleicher Zeit halten für ein ungeheueres Phänomen. Und die Absicht bestand, nicht nur die Umgegend, sondern die ganze damals bekannte zivilisierte Welt, nach Asien und Europa überall hin, mit dieser Gelehrsamkeit zu überschwemmen.
[ 11 ] Die Ansätze waren dazu auch gemacht. Aber es wurde abgestumpft dasjenige, was von Gondishapur ausgehen sollte, gewissermaßen zurückgehalten von retardierenden geistigen Kräften, die doch zusammenhingen, wenn sie auch wiederum eine Art von Gegensatz bilden, mit dem, was durch den Christus-Impuls beeinflußt war. Es wurde abgestumpft dasjenige, was von Gondishapur ausgehen sollte, zunächst durch das Auftreten Mohammeds. Indem Mohammed eine phantastische Religionslehre verbreitete, vor allen Dingen über diejenigen Gegenden, über die man verbreiten wollte die gnostische Weisheit von Gondishapur, nahm er sozusagen dieser gnostischen Weisheit von Gondishapur das Feld weg. Er schöpfte sozusagen den Rahm weg, und dann segelte dasjenige nach, was von Gondishapur kam, und konnte nun nicht durch dasjenige durch, was Mohammed getan hatte. Das ist gewissermaßen die Weisheit in der Weltgeschichte; man kennt auch den Mohammedanismus erst richtig, wenn man zu den andern Dingen noch weiß, daß der Mohammedanismus dazu bestimmt war, die gnostische Weisheit von Gondishapur abzustumpfen, ihr die eigentliche, stark ahrimanisch versucherische Kraft, die sie auf die Menschheit sonst ausgeübt hätte, zu nehmen.
[ 11 ] Die Ansätze waren dazu auch gemacht. Aber es wurde abgestumpft dasjenige, was von Gondishapur ausgehen sollte, gewissermaßen zurückgehalten von retardierenden geistigen Kräften, die doch zusammenhingen, wenn sie auch wiederum eine Art von Gegensatz bilden, mit dem, was durch den Christus-Impuls beeinflußt war. Es wurde abgestumpft dasjenige, was von Gondishapur ausgehen sollte, zunächst durch das Auftreten Mohammeds. Indem Mohammed eine phantastische Religionslehre verbreitete, vor allen Dingen über diejenigen Gegenden, über die man verbreiten wollte die gnostische Weisheit von Gondishapur, nahm er sozusagen dieser gnostischen Weisheit von Gondishapur das Feld weg. Er schöpfte sozusagen den Rahm weg, und dann segelte dasjenige nach, was von Gondishapur kam, und konnte nun nicht durch dasjenige durch, was Mohammed getan hatte. Das ist gewissermaßen die Weisheit in der Weltgeschichte; man kennt auch den Mohammedanismus erst richtig, wenn man zu den andern Dingen noch weiß, daß der Mohammedanismus dazu bestimmt war, die gnostische Weisheit von Gondishapur abzustumpfen, ihr die eigentliche, stark ahrimanisch versucherische Kraft, die sie auf die Menschheit sonst ausgeübt hätte, zu nehmen.
[ 12 ] Nun, ganz verschwunden aber ist nicht diese Weisheit von Gondishapur. Man muß allerdings sorgfältig die Entwickelung der Menschheit seit dem 7. Jahrhundert bis in unsere Zeiten herein verfolgen, wenn man verstehen will, was im Zusammenhange mit der gnostischen Bewegung von Gondishapur geschehen ist. Das ist nicht erreicht worden, was der große Lehrer, dessen Name unbekannt geblieben ist, der aber der größte Gegner des Christus Jesus war, was der in Gondishapur den Schülern beigebracht hat, aber etwas anderes ist doch erreicht worden. Nur muß man, um es zu erkennen, sorgfältige Studien machen. Man kann die Frage aufwerfen: Wodurch ist denn eigentlich die gegenwärtige Naturwissenschaft zustande gekommen, diese eigentümliche naturwissenschaftliche Denkweise? Das, was ich jetzt sage, ist sogar sorgfältigen Historikern nicht unbekannt. Diese gegenwärtige naturwissenschaftliche Denkweise, wie ich sie Ihnen gestern wiederum charakterisiert habe, sie ist nicht dadurch zustande gekommen, daß sich irgend etwas aus dem Christentum in gerader Linie entwickelt hat; nein, die gegenwärtige naturwissenschaftliche Denkweise hat sozusagen mit dem Christentum als solchem in Wirklichkeit nichts zu tun. Man kann Schritt für Schritt, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verfolgen, wie, zwar abgestumpft, die gnostische Gondishapur-Weisheit über Südeuropa und Afrika nach Spanien, nach Frankreich, nach England sich hineinverbreitet hat und dann über den Kontinent, gerade auch auf dem Umwege durch die Klöster, kann verfolgen, wie das Übersinnliche herausgetrieben und nur das Sinnliche zurückbehalten wird, sozusagen die Tendenz, die Intention zurückbehalten wird; und es entsteht aus der Abstumpfung der gnostischen Weisheit von Gondishapur das abendländische naturwissenschaftliche Denken.
[ 12 ] Nun, ganz verschwunden aber ist nicht diese Weisheit von Gondishapur. Man muß allerdings sorgfältig die Entwickelung der Menschheit seit dem 7. Jahrhundert bis in unsere Zeiten herein verfolgen, wenn man verstehen will, was im Zusammenhange mit der gnostischen Bewegung von Gondishapur geschehen ist. Das ist nicht erreicht worden, was der große Lehrer, dessen Name unbekannt geblieben ist, der aber der größte Gegner des Christus Jesus war, was der in Gondishapur den Schülern beigebracht hat, aber etwas anderes ist doch erreicht worden. Nur muß man, um es zu erkennen, sorgfältige Studien machen. Man kann die Frage aufwerfen: Wodurch ist denn eigentlich die gegenwärtige Naturwissenschaft zustande gekommen, diese eigentümliche naturwissenschaftliche Denkweise? Das, was ich jetzt sage, ist sogar sorgfältigen Historikern nicht unbekannt. Diese gegenwärtige naturwissenschaftliche Denkweise, wie ich sie Ihnen gestern wiederum charakterisiert habe, sie ist nicht dadurch zustande gekommen, daß sich irgend etwas aus dem Christentum in gerader Linie entwickelt hat; nein, die gegenwärtige naturwissenschaftliche Denkweise hat sozusagen mit dem Christentum als solchem in Wirklichkeit nichts zu tun. Man kann Schritt für Schritt, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verfolgen, wie, zwar abgestumpft, die gnostische Gondishapur-Weisheit über Südeuropa und Afrika nach Spanien, nach Frankreich, nach England sich hineinverbreitet hat und dann über den Kontinent, gerade auch auf dem Umwege durch die Klöster, kann verfolgen, wie das Übersinnliche herausgetrieben und nur das Sinnliche zurückbehalten wird, sozusagen die Tendenz, die Intention zurückbehalten wird; und es entsteht aus der Abstumpfung der gnostischen Weisheit von Gondishapur das abendländische naturwissenschaftliche Denken.
[ 13 ] Besonders interessant ist es, den Roger Bacon nach dieser Richtung zu studieren, nicht Baco von Verulam, sondern Roger Bacon, der zeigt, trotzdem er Mönch ist — aber ein von seinen Kollegen nicht sehr angesehener Mönch —, wie in ihn eingeflossen ist die gnostische Weisheit von Gondishapur. So wenig kennen die Menschen heute die Quellen desjenigen, was in ihren Seelen wirkt, daß man glaubt, vorurteilsloses naturwissenschaftliches Denken zu haben, während dieses vorurteilslose naturwissenschaftliche Denken in Wahrheit aus der Akademie von Gondishapur heraus entstanden ist.
[ 13 ] Besonders interessant ist es, den Roger Bacon nach dieser Richtung zu studieren, nicht Baco von Verulam, sondern Roger Bacon, der zeigt, trotzdem er Mönch ist — aber ein von seinen Kollegen nicht sehr angesehener Mönch —, wie in ihn eingeflossen ist die gnostische Weisheit von Gondishapur. So wenig kennen die Menschen heute die Quellen desjenigen, was in ihren Seelen wirkt, daß man glaubt, vorurteilsloses naturwissenschaftliches Denken zu haben, während dieses vorurteilslose naturwissenschaftliche Denken in Wahrheit aus der Akademie von Gondishapur heraus entstanden ist.
[ 14 ] So ist es also nicht, daß dasjenige, was man herausholt aus dem geistigen Schauen, nicht nachgewiesen werden könnte; man muß nur die richtigen Wege einschlagen, um auch im äußeren Erfahrungsleben aufzuzeigen, wie das sich wirklich zugetragen hat, was aus dem Geistigen herausgeholt wird. Gerade solche Betrachtungen werden für die allernächste Zukunft der Menschheit von ungeheurer Bedeutung sein. Denn wenn die Menschheit aus der heutigen Verwirrung, der Verwirrung der letzten Jahre einen Weg finden will, so wird sie sich orientieren müssen über ihre Vergangenheit. Daß die Menschen heute die Veranlagung haben, alles sozusagen in naturwissenschaftlicher Orientierung zu schauen, das hat mit dem Christentum als solchem unmittelbar nichts zu tun, sondern das ist das Ergebnis aus den Voraussetzungen heraus, die ich charakterisiert habe. So daß wir in der abendländischen Kulturentwickelung wirklich diese zwei Kräfte haben, diese zwei Strömungen: auf der einen Seite die christliche Strömung, auf der andern Seite dasjenige, was so tief beeinflußt hat das abendländische Denken, und was man studieren kann, gerade wenn man mittelalterliches Geistesleben studiert.
[ 14 ] So ist es also nicht, daß dasjenige, was man herausholt aus dem geistigen Schauen, nicht nachgewiesen werden könnte; man muß nur die richtigen Wege einschlagen, um auch im äußeren Erfahrungsleben aufzuzeigen, wie das sich wirklich zugetragen hat, was aus dem Geistigen herausgeholt wird. Gerade solche Betrachtungen werden für die allernächste Zukunft der Menschheit von ungeheurer Bedeutung sein. Denn wenn die Menschheit aus der heutigen Verwirrung, der Verwirrung der letzten Jahre einen Weg finden will, so wird sie sich orientieren müssen über ihre Vergangenheit. Daß die Menschen heute die Veranlagung haben, alles sozusagen in naturwissenschaftlicher Orientierung zu schauen, das hat mit dem Christentum als solchem unmittelbar nichts zu tun, sondern das ist das Ergebnis aus den Voraussetzungen heraus, die ich charakterisiert habe. So daß wir in der abendländischen Kulturentwickelung wirklich diese zwei Kräfte haben, diese zwei Strömungen: auf der einen Seite die christliche Strömung, auf der andern Seite dasjenige, was so tief beeinflußt hat das abendländische Denken, und was man studieren kann, gerade wenn man mittelalterliches Geistesleben studiert.
[ 15 ] Dieses mittelalterliche Geistesleben, es wird recht einseitig studiert. Gehen Sie aber einmal hin und sehen Sie sich die Bilder an, die die Maler gemalt haben über die Art und Weise, wie sich die mittelalterlichen Scholastiker gegen die arabischen Philosophen benehmen. Sehen Sie, wie da im Sinne der abendländischen christlichen Tradition der Scholastiker dargestellt wird, der mit seiner christlichen Lehre dasteht und mit dieser christlichen Lehre die Veranstaltung macht, die es ihm ermöglicht, diese arabischen Gelehrten unter seine Füße zu treten, immer wieder und wiederum dieses leidenschaftliche Motiv: mit der Kraft Christi die arabischen Gelehrten unter die Füße zu treten! Sehen Sie es auf den Bildern, die aus der christlichen Tradition des Abendlandes heraus entstanden sind, und begreifen Sie dann, daß in diesen Bildern alle Leidenschaft des Mittelalters lebt, das Christliche demjenigen entgegenzustellen, was hervorgegangen ist ursprünglich aus der Gegnerschaft gegen den Christus von der Akademie von Gondishapur aus, über die arabische Gelehrsamkeit herüber nach Europa. Und es erscheint dem, der die Zusammenhänge kennt, noch bei Maimonides-Rambam, bei Avicenna, überall erscheint der Nachklang desjenigen, was ich Ihnen dargestellt habe. Denken Sie doch, der Mensch war dazu bestimmt, und das Mysterium von Golgatha sollte ihm dazu helfen, aus seiner Persönlichkeit heraus die Bewußtseinsseele zu finden, um dann weiter aufzusteigen zu Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch. Da sollte er aber, von genialer gnostischer Gelehrsamkeit aus, unmittelbar durch Offenbarung etwas bekommen, ohne daß seine Bewußtseinsseele vom 15. Jahrhundert an sich zu entwickeln brauchte; wie eine Offenbarung aus der Genialität heraus sollte er da bekommen alles das, was er sonst in eigener persönlicher Tüchtigkeit hätte dann finden müssen im Zusammenhange mit den für ihn bestimmten, ihn bestimmenden göttlich-geistigen Wesenheiten, zu denen eben der Christus Jesus auch gehört.
[ 15 ] Dieses mittelalterliche Geistesleben, es wird recht einseitig studiert. Gehen Sie aber einmal hin und sehen Sie sich die Bilder an, die die Maler gemalt haben über die Art und Weise, wie sich die mittelalterlichen Scholastiker gegen die arabischen Philosophen benehmen. Sehen Sie, wie da im Sinne der abendländischen christlichen Tradition der Scholastiker dargestellt wird, der mit seiner christlichen Lehre dasteht und mit dieser christlichen Lehre die Veranstaltung macht, die es ihm ermöglicht, diese arabischen Gelehrten unter seine Füße zu treten, immer wieder und wiederum dieses leidenschaftliche Motiv: mit der Kraft Christi die arabischen Gelehrten unter die Füße zu treten! Sehen Sie es auf den Bildern, die aus der christlichen Tradition des Abendlandes heraus entstanden sind, und begreifen Sie dann, daß in diesen Bildern alle Leidenschaft des Mittelalters lebt, das Christliche demjenigen entgegenzustellen, was hervorgegangen ist ursprünglich aus der Gegnerschaft gegen den Christus von der Akademie von Gondishapur aus, über die arabische Gelehrsamkeit herüber nach Europa. Und es erscheint dem, der die Zusammenhänge kennt, noch bei Maimonides-Rambam, bei Avicenna, überall erscheint der Nachklang desjenigen, was ich Ihnen dargestellt habe. Denken Sie doch, der Mensch war dazu bestimmt, und das Mysterium von Golgatha sollte ihm dazu helfen, aus seiner Persönlichkeit heraus die Bewußtseinsseele zu finden, um dann weiter aufzusteigen zu Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch. Da sollte er aber, von genialer gnostischer Gelehrsamkeit aus, unmittelbar durch Offenbarung etwas bekommen, ohne daß seine Bewußtseinsseele vom 15. Jahrhundert an sich zu entwickeln brauchte; wie eine Offenbarung aus der Genialität heraus sollte er da bekommen alles das, was er sonst in eigener persönlicher Tüchtigkeit hätte dann finden müssen im Zusammenhange mit den für ihn bestimmten, ihn bestimmenden göttlich-geistigen Wesenheiten, zu denen eben der Christus Jesus auch gehört.
[ 16 ] Danach richteten sich auch die Gedanken noch bei denen, welche, schon ganz abgestumpft, die gnostische Weisheit von Gondishapur hatten wie Averroes. Wer begreift denn eigentlich, wenn er jene törichten Notizen ohne Zusammenhang, die man heute über Averroesin den Lehrbüchern findet, liest, warum Averroes, der spanisch-arabische Gelehrte, sagte: Wenn der Mensch stirbt, so fließt nur die Substanz seiner Seele in die allgemeine Geistigkeit aus; der Mensch hat keine persönliche Individualität, sondern alles, was Seele ist in dem einzelnen Menschen, ist nur Spiegelung der einen All-Seele? — Warum sagte Averroes dies? Weil das ein Zweig ist der Weisheit von Gondishapur, die den Leuten klargemacht hat, nicht daß jeder einzelne die Bewußtseinsseele entwickeln soll, sondern daß ihnen die BewußtseinsseelenWeisheit als eine Offenbarung von oben herunter zukommen sollte. Dann wäre sie eine ahrimanische Offenbarung gewesen; aber es wäre tatsächlich mit der Menschheit so geworden, daß der Inhalt der Bewußtseinsseele ein monistischer geworden wäre, und die einzelnen Bewußtseine im Grunde genommen nur Schein geworden wären. Alle Dinge hellen sich auf, die in der abendländischen Kulturentwickelung leben, wenn man die Dinge geistig betrachtet. Nun müssen wir uns immer wieder und wiederum fragen, erstens: Wie kann diese Entwickelung zur Bewußtseinsseele hin stattfinden? Sie muß ja stattfinden. Zweitens: Was hindert den Menschen heute daran, zur Geisteswissenschaft sich zu wenden, die ihm allein den Weg weisen kann zur Bewußtseinsseele?
[ 16 ] Danach richteten sich auch die Gedanken noch bei denen, welche, schon ganz abgestumpft, die gnostische Weisheit von Gondishapur hatten wie Averroes. Wer begreift denn eigentlich, wenn er jene törichten Notizen ohne Zusammenhang, die man heute über Averroesin den Lehrbüchern findet, liest, warum Averroes, der spanisch-arabische Gelehrte, sagte: Wenn der Mensch stirbt, so fließt nur die Substanz seiner Seele in die allgemeine Geistigkeit aus; der Mensch hat keine persönliche Individualität, sondern alles, was Seele ist in dem einzelnen Menschen, ist nur Spiegelung der einen All-Seele? — Warum sagte Averroes dies? Weil das ein Zweig ist der Weisheit von Gondishapur, die den Leuten klargemacht hat, nicht daß jeder einzelne die Bewußtseinsseele entwickeln soll, sondern daß ihnen die BewußtseinsseelenWeisheit als eine Offenbarung von oben herunter zukommen sollte. Dann wäre sie eine ahrimanische Offenbarung gewesen; aber es wäre tatsächlich mit der Menschheit so geworden, daß der Inhalt der Bewußtseinsseele ein monistischer geworden wäre, und die einzelnen Bewußtseine im Grunde genommen nur Schein geworden wären. Alle Dinge hellen sich auf, die in der abendländischen Kulturentwickelung leben, wenn man die Dinge geistig betrachtet. Nun müssen wir uns immer wieder und wiederum fragen, erstens: Wie kann diese Entwickelung zur Bewußtseinsseele hin stattfinden? Sie muß ja stattfinden. Zweitens: Was hindert den Menschen heute daran, zur Geisteswissenschaft sich zu wenden, die ihm allein den Weg weisen kann zur Bewußtseinsseele?
[ 17 ] Nun, ich habe Ihnen gestern ausgeführt: Das Naturwissen, auf das die heutige Menschheit besonders stolz ist, dieses Naturwissen führt eigentlich zu Vorstellungen, die nicht die Natur wiedergeben, sondern die eigentlich ein Gespenst enthalten. Dasjenige, was die Menschen wissen über die Natur, das ist nicht Naturwahrheit, das ist ein Gespenst, verhält sich zu der vollwertigen Natur, wie eben ein Gespenst zu einer vollwertigen Wirklichkeit sich verhält. Die Naturforscher wissen nur nicht, daß ihr Wissen ein gespenstisches ist, daß dasjenige, was sie vom Menschen wissen, nicht vom Homo ist, sondern vom Homunkulus. Nun wird der Fortgang der Entwickelung der Menschheit, der mit dem Charakter, den er jetzt hat, im 15. Jahrhundert begonnen hat und bis zum Ende des 3. Jahrtausends gehen wird, so sein, daß immer mehr und mehr der Mensch wird einsehen müssen, was er erringt mit so etwas wie zum Beispiel der Naturerkenntnis, wie er sich der Wirklichkeit nähert mit dieser Naturerkenntnis. Der Mensch wird nach Erkenntnis streben müssen, und er wird vermeiden müssen die Hindernisse, die ihm entgegentreten, wenn er sein Erkenntnisstreben entwickelt. Die wichtigsten Hindernisse — wir haben sie von einem gewissen Gesichtspunkte aus schon charakterisiert, wir wollen sie uns wieder vor die Seele rufen — entstehen dadurch, daß im naturwissenschaftlichen Zeitalter, welches ein Kind der Akademie von Gondishapur ist, der Mensch eben nur ein gespenstisches Wissen erlangt, weil er sich über die Natur Vorstellungen macht, aus denen das Geistige heraus ist. Und wir können fragen: Warum tut denn der Mensch unseres Zeitalters dieses? Denn dann werden wir eine Vorstellung bekommen von dem, was der Mensch zu überwinden hat. Warum will denn der Mensch unbewußt ein gespenstisches Naturwissen haben und ist noch so stolz und übermütig in diesem gespenstischen Naturwissen? Warum?
[ 17 ] Nun, ich habe Ihnen gestern ausgeführt: Das Naturwissen, auf das die heutige Menschheit besonders stolz ist, dieses Naturwissen führt eigentlich zu Vorstellungen, die nicht die Natur wiedergeben, sondern die eigentlich ein Gespenst enthalten. Dasjenige, was die Menschen wissen über die Natur, das ist nicht Naturwahrheit, das ist ein Gespenst, verhält sich zu der vollwertigen Natur, wie eben ein Gespenst zu einer vollwertigen Wirklichkeit sich verhält. Die Naturforscher wissen nur nicht, daß ihr Wissen ein gespenstisches ist, daß dasjenige, was sie vom Menschen wissen, nicht vom Homo ist, sondern vom Homunkulus. Nun wird der Fortgang der Entwickelung der Menschheit, der mit dem Charakter, den er jetzt hat, im 15. Jahrhundert begonnen hat und bis zum Ende des 3. Jahrtausends gehen wird, so sein, daß immer mehr und mehr der Mensch wird einsehen müssen, was er erringt mit so etwas wie zum Beispiel der Naturerkenntnis, wie er sich der Wirklichkeit nähert mit dieser Naturerkenntnis. Der Mensch wird nach Erkenntnis streben müssen, und er wird vermeiden müssen die Hindernisse, die ihm entgegentreten, wenn er sein Erkenntnisstreben entwickelt. Die wichtigsten Hindernisse — wir haben sie von einem gewissen Gesichtspunkte aus schon charakterisiert, wir wollen sie uns wieder vor die Seele rufen — entstehen dadurch, daß im naturwissenschaftlichen Zeitalter, welches ein Kind der Akademie von Gondishapur ist, der Mensch eben nur ein gespenstisches Wissen erlangt, weil er sich über die Natur Vorstellungen macht, aus denen das Geistige heraus ist. Und wir können fragen: Warum tut denn der Mensch unseres Zeitalters dieses? Denn dann werden wir eine Vorstellung bekommen von dem, was der Mensch zu überwinden hat. Warum will denn der Mensch unbewußt ein gespenstisches Naturwissen haben und ist noch so stolz und übermütig in diesem gespenstischen Naturwissen? Warum?
[ 18 ] Nun, in dem Augenblicke, wo man erkennt, voll erkennt, daß dieses Naturwissen nur ein Gespenst von der Natur gibt, fühlt man sich auch veranlaßt, an die wahre Wirklichkeit heranzudringen, die hinter dem Gespenst ist. Man will dann die Wirklichkeit der Natur haben. Man könnte unsere naturwissenschaftliche Weltanschauung nämlich auch von der folgenden Seite aus charakterisieren. Man könnte sagen: Diese naturwissenschaftliche Weltanschauung kommt zu gespenstischen Vorstellungen, beruhigt sich bei ihnen, weil sie sich dem Glauben hingibt, damit hätte sie Vorstellungen über die wirkliche Natur, und dann erfindet sie allerlei Begriffe — die Atome, Moleküle und so weiter, welche, wie Sie wissen, ja durchaus nicht vorhanden sind, sondern nur erfunden sind —, erfindet allerlei Gesetze, wie Erhaltung der Kraft, Erhaltung des Stoffes, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Sie sucht alles mögliche Hypothetische hinter dem, was es nicht gibt, hinter dem, was sie nach Naturgesetzen als gespenstisch vorstellt. Warum tut sie das? Ja, weil die schon erwähnte geheime Furcht in den Untergründen der Seele sich sogleich geltend macht; nur weiß der Mensch von dieser Furcht nichts, weil es eine unbewußte Furcht ist. Ich könnte es auch Feigheit nennen. Denn was würde geschehen, wenn der Mensch sich mutig gestehen würde: Du willst doch einen Begriff von der Natur, nicht ein Naturgespenst, du mußt also zur Wirklichkeit vordringen? — Dann findet man nicht Atome, dann findet man nicht Moleküle, nicht Ostwaldsche, Haeckelsche Begriffe, dann findet man den Ahriman und seine Scharen! Dann wird die Sache geistig. Derjenige, der wirklich durch wahre Naturwissenschaft zu der Realität vordringt, der findet den Ahriman. Davor fürchten sich aber die Menschen, denn sie glauben in den Abgrund zu stürzen, wenn sie dort, wo sie bloß den Stoff suchen, der in Wahrheit nicht da ist, den Geist finden. Denn zunächst zeigt sich der Geist, den man nicht anbeten kann, sondern vor dem man sich schützen muß, über den man zur vollen Klarheit kommen muß.
[ 18 ] Nun, in dem Augenblicke, wo man erkennt, voll erkennt, daß dieses Naturwissen nur ein Gespenst von der Natur gibt, fühlt man sich auch veranlaßt, an die wahre Wirklichkeit heranzudringen, die hinter dem Gespenst ist. Man will dann die Wirklichkeit der Natur haben. Man könnte unsere naturwissenschaftliche Weltanschauung nämlich auch von der folgenden Seite aus charakterisieren. Man könnte sagen: Diese naturwissenschaftliche Weltanschauung kommt zu gespenstischen Vorstellungen, beruhigt sich bei ihnen, weil sie sich dem Glauben hingibt, damit hätte sie Vorstellungen über die wirkliche Natur, und dann erfindet sie allerlei Begriffe — die Atome, Moleküle und so weiter, welche, wie Sie wissen, ja durchaus nicht vorhanden sind, sondern nur erfunden sind —, erfindet allerlei Gesetze, wie Erhaltung der Kraft, Erhaltung des Stoffes, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Sie sucht alles mögliche Hypothetische hinter dem, was es nicht gibt, hinter dem, was sie nach Naturgesetzen als gespenstisch vorstellt. Warum tut sie das? Ja, weil die schon erwähnte geheime Furcht in den Untergründen der Seele sich sogleich geltend macht; nur weiß der Mensch von dieser Furcht nichts, weil es eine unbewußte Furcht ist. Ich könnte es auch Feigheit nennen. Denn was würde geschehen, wenn der Mensch sich mutig gestehen würde: Du willst doch einen Begriff von der Natur, nicht ein Naturgespenst, du mußt also zur Wirklichkeit vordringen? — Dann findet man nicht Atome, dann findet man nicht Moleküle, nicht Ostwaldsche, Haeckelsche Begriffe, dann findet man den Ahriman und seine Scharen! Dann wird die Sache geistig. Derjenige, der wirklich durch wahre Naturwissenschaft zu der Realität vordringt, der findet den Ahriman. Davor fürchten sich aber die Menschen, denn sie glauben in den Abgrund zu stürzen, wenn sie dort, wo sie bloß den Stoff suchen, der in Wahrheit nicht da ist, den Geist finden. Denn zunächst zeigt sich der Geist, den man nicht anbeten kann, sondern vor dem man sich schützen muß, über den man zur vollen Klarheit kommen muß.
[ 19 ] Wahrhaftig nicht aus einem Willkürakt heraus ist in unserer Gruppe drüben der Christus mit Ahriman und Luzifer zusammengestellt, sondern deshalb ist er da zusammengestellt, weil das mit den tiefsten Lebensfragen unseres Zeitalters zusammenhängt, und weil die Dinge der Menschheit bekannt werden müssen, um die es sich dabei handelt. Unser Naturwissen ist ein gespenstisches, muß ein gespenstisches sein, solange man nicht den Mut hat, das Geistige zu suchen; aber da findet man Ahriman. Und unser Seelenwissen liefert uns nicht die wahre Seele, sondern nur ein Bild der Seele. Im Grunde genommen ist das, was heute als Psychologie auf den Akademien und Universitäten gelehrt wird, dasjenige, was nur ein Bild der Seele gibt. Und dieses Bild blendet über die Wirklichkeit, denn würde man auf demselben Wege, auf dem dies Bild zustande kommt, weiterforschen, dann würde sich Luzifer zeigen. Das ist das nächste Geistige, das man dann finden würde.
[ 19 ] Wahrhaftig nicht aus einem Willkürakt heraus ist in unserer Gruppe drüben der Christus mit Ahriman und Luzifer zusammengestellt, sondern deshalb ist er da zusammengestellt, weil das mit den tiefsten Lebensfragen unseres Zeitalters zusammenhängt, und weil die Dinge der Menschheit bekannt werden müssen, um die es sich dabei handelt. Unser Naturwissen ist ein gespenstisches, muß ein gespenstisches sein, solange man nicht den Mut hat, das Geistige zu suchen; aber da findet man Ahriman. Und unser Seelenwissen liefert uns nicht die wahre Seele, sondern nur ein Bild der Seele. Im Grunde genommen ist das, was heute als Psychologie auf den Akademien und Universitäten gelehrt wird, dasjenige, was nur ein Bild der Seele gibt. Und dieses Bild blendet über die Wirklichkeit, denn würde man auf demselben Wege, auf dem dies Bild zustande kommt, weiterforschen, dann würde sich Luzifer zeigen. Das ist das nächste Geistige, das man dann finden würde.
[ 20 ] Ja, wer wirklich eindringen kann durch das auch historisch Abgestumpfte, das heute noch da ist von dem, was in Gondishapur begründet werden sollte, der wird finden, daß diese Methode zu sehr genauen Kenntnissen führt über Luzifer und Ahriman. Aber sie sollte eben nur zu Luzifer und Ahriman führen, nicht zu der Führung der Menschheit durch den Christus Jesus.
[ 20 ] Ja, wer wirklich eindringen kann durch das auch historisch Abgestumpfte, das heute noch da ist von dem, was in Gondishapur begründet werden sollte, der wird finden, daß diese Methode zu sehr genauen Kenntnissen führt über Luzifer und Ahriman. Aber sie sollte eben nur zu Luzifer und Ahriman führen, nicht zu der Führung der Menschheit durch den Christus Jesus.
[ 21 ] Das ist etwas, was gefühlt worden ist bei den Scholastikern des Mittelalters, welche die arabischen Gelehrten unter die Füße haben treten wollen und sich immer in dieser Situation geschaut haben, was gefühlt worden ist, weil es zusammenhängt mit tiefsten Entwickelungsimpulsen der Menschheit. Dasjenige, was gewissermaßen, statt daß der Mensch es selbst erringen soll im Laufe der Jahrhunderte, dem Menschen hätte geoffenbart werden sollen durch ahrimanische Vermittlung, das würde eine höchst gefährliche Weisheit gewesen sein. Die Menschheit ist auf dem Wege, diese Weisheit, die sich auf drei Dinge bezieht, durch die Bewußtseinsseele zu erringen; aber damals, im 7. Jahrhundert, sollte es auf dem Wege in die Menschheit kommen, den ich angedeutet habe. Auf drei Dinge bezieht sich diese Weisheit; nicht ist es eine Weisheit, welche die Menschheit nicht erringen soll, aber die sie erringen soll unter der Führung des Christus-Impulses. Die drei Dinge, auf die sich diese Weisheit bezieht, sind: Erstens die Natur von Geburt und Tod. Wir haben viel über diese Dinge gesprochen, und Sie wissen aus der Art, wie wir über Geburt und Tod gesprochen haben, daß Geburt und Tod beim Menschen nur durch übersinnliche Erkenntnisse zu bemeistern sind. Indem der Mensch geboren wird und indem der Mensch stirbt, scheint das Übersinnliche herein in das Sinnliche. Geburt und Tod bleiben Rätsel für den, der sie nur äußerlich-sinnlich begreifen würde, denn sie sind nicht sinnliche Erscheinungen. Die sinnliche Erscheinung bei Geburt und Tod ist eine unwahre; in Wahrheit sind es übersinnliche Ereignisse. Aber wenn man versucht, übersinnlich in wirklicher Beobachtung die Geheimnisse von Geburt und Tod zu erforschen, dann stellen sich für die Erkenntnis gewisse Begleiterscheinungen ein. Dann stellt sich vor allen Dingen die Begleiterscheinung ein, daß man erkennt: So, wie man hier in der Sinneswelt lebt, so hat man nur ein scheinbares seelisches Leben. Gegen diese Wahrheit hat man sich im Abendlande durch Jahrhunderte gesträubt. Sie können das Sträuben verfolgen in meinem Buche «Vom Menschenrätsel»; gleich im Anfange spreche ich davon. Nur mußte ich mich vorsichtiger ausdrücken, weil man ja der äußeren Welt diese Dinge heute noch nicht hingeben kann; sie findet es noch paradox. Aber Sie wissen ja, es geht durch die ganze abendländische Welt dasjenige, was Cartesins formuliert hat, was aber auf den Augustinus noch zurückgeführt wird, der Satz: Cogito ergo sum — Ich denke, also bin ich. — Die Menschen glaubten, im Denken die Realität der Seele zu erhaschen. Der Satz müßte anders lauten, wenn man die Wahrheit des in der Sinneswelt lebenden Menschen hinstellen wollte. Man müßte sagen: Ich denke, also bin ich nicht! — Denn in dem Augenblicke, wo wir anfangen, bloß zu denken, wo wir nur innerliches Denken entwickeln, sind wir nicht mehr. Was ist da in uns? Da ist allerdings eine sehr komplizierte Erscheinung, aber das wird uns heute und morgen klarwerden.
[ 21 ] Das ist etwas, was gefühlt worden ist bei den Scholastikern des Mittelalters, welche die arabischen Gelehrten unter die Füße haben treten wollen und sich immer in dieser Situation geschaut haben, was gefühlt worden ist, weil es zusammenhängt mit tiefsten Entwickelungsimpulsen der Menschheit. Dasjenige, was gewissermaßen, statt daß der Mensch es selbst erringen soll im Laufe der Jahrhunderte, dem Menschen hätte geoffenbart werden sollen durch ahrimanische Vermittlung, das würde eine höchst gefährliche Weisheit gewesen sein. Die Menschheit ist auf dem Wege, diese Weisheit, die sich auf drei Dinge bezieht, durch die Bewußtseinsseele zu erringen; aber damals, im 7. Jahrhundert, sollte es auf dem Wege in die Menschheit kommen, den ich angedeutet habe. Auf drei Dinge bezieht sich diese Weisheit; nicht ist es eine Weisheit, welche die Menschheit nicht erringen soll, aber die sie erringen soll unter der Führung des Christus-Impulses. Die drei Dinge, auf die sich diese Weisheit bezieht, sind: Erstens die Natur von Geburt und Tod. Wir haben viel über diese Dinge gesprochen, und Sie wissen aus der Art, wie wir über Geburt und Tod gesprochen haben, daß Geburt und Tod beim Menschen nur durch übersinnliche Erkenntnisse zu bemeistern sind. Indem der Mensch geboren wird und indem der Mensch stirbt, scheint das Übersinnliche herein in das Sinnliche. Geburt und Tod bleiben Rätsel für den, der sie nur äußerlich-sinnlich begreifen würde, denn sie sind nicht sinnliche Erscheinungen. Die sinnliche Erscheinung bei Geburt und Tod ist eine unwahre; in Wahrheit sind es übersinnliche Ereignisse. Aber wenn man versucht, übersinnlich in wirklicher Beobachtung die Geheimnisse von Geburt und Tod zu erforschen, dann stellen sich für die Erkenntnis gewisse Begleiterscheinungen ein. Dann stellt sich vor allen Dingen die Begleiterscheinung ein, daß man erkennt: So, wie man hier in der Sinneswelt lebt, so hat man nur ein scheinbares seelisches Leben. Gegen diese Wahrheit hat man sich im Abendlande durch Jahrhunderte gesträubt. Sie können das Sträuben verfolgen in meinem Buche «Vom Menschenrätsel»; gleich im Anfange spreche ich davon. Nur mußte ich mich vorsichtiger ausdrücken, weil man ja der äußeren Welt diese Dinge heute noch nicht hingeben kann; sie findet es noch paradox. Aber Sie wissen ja, es geht durch die ganze abendländische Welt dasjenige, was Cartesins formuliert hat, was aber auf den Augustinus noch zurückgeführt wird, der Satz: Cogito ergo sum — Ich denke, also bin ich. — Die Menschen glaubten, im Denken die Realität der Seele zu erhaschen. Der Satz müßte anders lauten, wenn man die Wahrheit des in der Sinneswelt lebenden Menschen hinstellen wollte. Man müßte sagen: Ich denke, also bin ich nicht! — Denn in dem Augenblicke, wo wir anfangen, bloß zu denken, wo wir nur innerliches Denken entwickeln, sind wir nicht mehr. Was ist da in uns? Da ist allerdings eine sehr komplizierte Erscheinung, aber das wird uns heute und morgen klarwerden.


[ 22 ] Nehmen wir an, dies wäre das menschliche Leben und dies wäre, was der Mensch als das vorstellende, als das denkende Wesen in sich erlebt durch das Leben hindurch: dann ist dieses nur ein Scheingebilde, es geht eigentlich wie eine hohle Röhre von Geburt bis zum Tode (siehe Zeichnung, rot), denn die Wahrheit, die liegt vorher. Vor der Geburt, oder sagen wir vor der Empfängnis, da liegt die Wahrheit; da sind wir wirklich in der geistigen Welt im Übersinnlichen, da sind wir wirklich, und an der Grenze, wo wir in die sinnliche Welt eintreten, da wird nur ein Bild durchgelassen. Wir sind nur ein Bild unseres Lebens vor der Geburt oder vor der Empfängnis. Die Wahrheit ist gar nicht diese, daß dasjenige, was jetzt lebt, zu Ihnen spricht; wenn ich zu Ihnen spreche, so sind das nur die durchgelassenen Bilder davon. In Wahrheit spricht dasjenige, was in der geistigen Welt war, noch heute. Wir sind nicht ewig dadurch, daß wir dauern, sondern dadurch, daß wir heute noch immer das sind, was wir in Wahrheit vor der Geburt oder Empfängnis waren, was hereinspricht in die Gegenwart. Dadurch, daß wir in unsere Leiblichkeit eingezogen sind, sind wir eigentlich zu einem Scheinbilde unseres Wesens für die Zeit des Erdenlebens geworden. Ich denke, also bin ich nicht — über diese tiefe Wahrheit wollte von Augustinus bis zu Cartesius die Philosophie Finsternis breiten. In dieser Finsternis wird man niemals die Geheimnisse von Geburt und Tod erkunden. Denn man frägt: Wann hat die Seele angefangen? Mit der Geburt. Wann hört sie auf? Mit dem Tode. Man sollte, wenn man die übersinnliche Wahrheit kennt, anders reden: Wann hat die Seele aufgehört, ihr Leben als Seele zu entfalten? Als wir geboren, beziehungsweise empfangen worden sind. Wann wird sie wieder anfangen, ihr Leben als übersinnliches Wesen zu entfalten? Wenn wir sterben werden. — Hier auf Erden unterbrechen wir das, damit nicht dasjenige in unserem Leben allein wirkt, was übersinnlich ist, sondern daß wir die Errungenschaften des Sinnlichen aufnehmen können und mitnehmen können in unserem Gesamtleben. Nicht von einer schwärmerischen Asketik wird gesprochen, sondern selbstverständlich davon, daß das Erdenleben etwas absolut Notwendiges ist für das Gesamtleben des Menschen. Aber dieses Erdenleben ist gerade dadurch so bedeutsam und tritt mit dem Schein der Materialität auf, weil unser eigentliches Menschenleben als übersinnlicher Mensch aufhört, indem wir in das Erdenleben eintreten, und wieder beginnt, indem wir durch den Tod weiterleben.
[ 22 ] Nehmen wir an, dies wäre das menschliche Leben und dies wäre, was der Mensch als das vorstellende, als das denkende Wesen in sich erlebt durch das Leben hindurch: dann ist dieses nur ein Scheingebilde, es geht eigentlich wie eine hohle Röhre von Geburt bis zum Tode (siehe Zeichnung, rot), denn die Wahrheit, die liegt vorher. Vor der Geburt, oder sagen wir vor der Empfängnis, da liegt die Wahrheit; da sind wir wirklich in der geistigen Welt im Übersinnlichen, da sind wir wirklich, und an der Grenze, wo wir in die sinnliche Welt eintreten, da wird nur ein Bild durchgelassen. Wir sind nur ein Bild unseres Lebens vor der Geburt oder vor der Empfängnis. Die Wahrheit ist gar nicht diese, daß dasjenige, was jetzt lebt, zu Ihnen spricht; wenn ich zu Ihnen spreche, so sind das nur die durchgelassenen Bilder davon. In Wahrheit spricht dasjenige, was in der geistigen Welt war, noch heute. Wir sind nicht ewig dadurch, daß wir dauern, sondern dadurch, daß wir heute noch immer das sind, was wir in Wahrheit vor der Geburt oder Empfängnis waren, was hereinspricht in die Gegenwart. Dadurch, daß wir in unsere Leiblichkeit eingezogen sind, sind wir eigentlich zu einem Scheinbilde unseres Wesens für die Zeit des Erdenlebens geworden. Ich denke, also bin ich nicht — über diese tiefe Wahrheit wollte von Augustinus bis zu Cartesius die Philosophie Finsternis breiten. In dieser Finsternis wird man niemals die Geheimnisse von Geburt und Tod erkunden. Denn man frägt: Wann hat die Seele angefangen? Mit der Geburt. Wann hört sie auf? Mit dem Tode. Man sollte, wenn man die übersinnliche Wahrheit kennt, anders reden: Wann hat die Seele aufgehört, ihr Leben als Seele zu entfalten? Als wir geboren, beziehungsweise empfangen worden sind. Wann wird sie wieder anfangen, ihr Leben als übersinnliches Wesen zu entfalten? Wenn wir sterben werden. — Hier auf Erden unterbrechen wir das, damit nicht dasjenige in unserem Leben allein wirkt, was übersinnlich ist, sondern daß wir die Errungenschaften des Sinnlichen aufnehmen können und mitnehmen können in unserem Gesamtleben. Nicht von einer schwärmerischen Asketik wird gesprochen, sondern selbstverständlich davon, daß das Erdenleben etwas absolut Notwendiges ist für das Gesamtleben des Menschen. Aber dieses Erdenleben ist gerade dadurch so bedeutsam und tritt mit dem Schein der Materialität auf, weil unser eigentliches Menschenleben als übersinnlicher Mensch aufhört, indem wir in das Erdenleben eintreten, und wieder beginnt, indem wir durch den Tod weiterleben.
[ 23 ] Die Geheimnisse von Geburt und Tod, sie beginnen sich erst zu enthüllen, wenn wir uns als übersinnliches Wesen wissen, und wissen, daß wir nur Bild sind von dem, was wir vor der Geburt waren und nach dem Tode sind als seelisches Wesen. Dann müssen wir aber den Mut haben, darauf hinzuschauen, was in uns ist. Wenn da (siehe Zeichnung) nur eine hohle Röhre ist, nur ein Bild, dann müssen wir den Mut haben, uns zu sagen: Lassen wir uns vom Bilde nicht blenden, sondern stellen wir uns in unserer Erkenntnis Luzifer gegenüber. Erkenntnis zu sammeln, die wirklich ersprießlich ist für das Leben, erfordert Mut, inneren Mut. Das muß immer wieder und wieder betont werden. — Das ist das eine: ein Wissen, das sich bezieht auf Geburt und Tod.
[ 23 ] Die Geheimnisse von Geburt und Tod, sie beginnen sich erst zu enthüllen, wenn wir uns als übersinnliches Wesen wissen, und wissen, daß wir nur Bild sind von dem, was wir vor der Geburt waren und nach dem Tode sind als seelisches Wesen. Dann müssen wir aber den Mut haben, darauf hinzuschauen, was in uns ist. Wenn da (siehe Zeichnung) nur eine hohle Röhre ist, nur ein Bild, dann müssen wir den Mut haben, uns zu sagen: Lassen wir uns vom Bilde nicht blenden, sondern stellen wir uns in unserer Erkenntnis Luzifer gegenüber. Erkenntnis zu sammeln, die wirklich ersprießlich ist für das Leben, erfordert Mut, inneren Mut. Das muß immer wieder und wieder betont werden. — Das ist das eine: ein Wissen, das sich bezieht auf Geburt und Tod.
[ 24 ] Das zweite ist ein Wissen, das sich bezieht auf unseren Lebenslauf selber. Dadurch, daß wir unser Verhältnis als Seele zum Leib falsch anschauen, berechtigt falsch anschauen aus den Gründen, die Sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» finden können, dadurch hat der Mensch auch eine falsche Anschauung über seinen Lebensverlauf. Den stellt er auch so vor nach dem Bilde, das ich vor einigen Tagen hier bei Ihnen angeführt habe vom «Vater Rhein». Sie erinnern sich, wie ich das Bild vom Vater Rhein gebraucht habe. Jemand stellt sich hin, schaut von der Brücke in Basel hinunter und sagt: Da sehe ich den alten Rhein. Den alten Rhein — ja, ich frage ihn dann: Was ist denn das, der alte Rhein? Das Wasser, das du da unten fließen siehst, das ist ganz gewiß nicht alt, denn das wird in der nächsten Stunde schon weit unten sein und in ein paar Tagen irgendwo im weiten Meere sein; alt ist es aber ganz sicher nicht. Und dasjenige, wovon du sprichst, das scheint mir nicht die bloße Ausgrabung und Ausbauchung der Erde zu sein zwischen den schweizerischen Bergen und der Nordsee. Also, was ist der Vater Rhein, der alte Rhein, von dem man oftmals spricht? Substantiell ist er gar nichts, es bleibt nichts Substantielles übrig, wenn Sie den Begriff des Vater Rhein nehmen. Ebensowenig bleibt in Wahrheit etwas Substantielles übrig, wenn Sie Ihre eigene Leiblichkeit nehmen. Diese eigene Leiblichkeit ist ein fortgehender Strom: Zerstörung, Wiedererneuerung der Säfte, Zerstörung, Wiedererneuerung der Säfte. Da bleibt nichts übrig als die Form, die ein Ergebnis des Geistes ist, In diese Form ergießt sich immer wiederum hinein dasjenige, was als Substanz erscheint, gießt sich hinein, wird zerstört, gerade just wie das Wasser im Vater Rhein.
[ 24 ] Das zweite ist ein Wissen, das sich bezieht auf unseren Lebenslauf selber. Dadurch, daß wir unser Verhältnis als Seele zum Leib falsch anschauen, berechtigt falsch anschauen aus den Gründen, die Sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» finden können, dadurch hat der Mensch auch eine falsche Anschauung über seinen Lebensverlauf. Den stellt er auch so vor nach dem Bilde, das ich vor einigen Tagen hier bei Ihnen angeführt habe vom «Vater Rhein». Sie erinnern sich, wie ich das Bild vom Vater Rhein gebraucht habe. Jemand stellt sich hin, schaut von der Brücke in Basel hinunter und sagt: Da sehe ich den alten Rhein. Den alten Rhein — ja, ich frage ihn dann: Was ist denn das, der alte Rhein? Das Wasser, das du da unten fließen siehst, das ist ganz gewiß nicht alt, denn das wird in der nächsten Stunde schon weit unten sein und in ein paar Tagen irgendwo im weiten Meere sein; alt ist es aber ganz sicher nicht. Und dasjenige, wovon du sprichst, das scheint mir nicht die bloße Ausgrabung und Ausbauchung der Erde zu sein zwischen den schweizerischen Bergen und der Nordsee. Also, was ist der Vater Rhein, der alte Rhein, von dem man oftmals spricht? Substantiell ist er gar nichts, es bleibt nichts Substantielles übrig, wenn Sie den Begriff des Vater Rhein nehmen. Ebensowenig bleibt in Wahrheit etwas Substantielles übrig, wenn Sie Ihre eigene Leiblichkeit nehmen. Diese eigene Leiblichkeit ist ein fortgehender Strom: Zerstörung, Wiedererneuerung der Säfte, Zerstörung, Wiedererneuerung der Säfte. Da bleibt nichts übrig als die Form, die ein Ergebnis des Geistes ist, In diese Form ergießt sich immer wiederum hinein dasjenige, was als Substanz erscheint, gießt sich hinein, wird zerstört, gerade just wie das Wasser im Vater Rhein.
[ 25 ] Durch dasjenige, was in der äußeren Maja, in der Illusion in Wirklichkeit entsteht, schauen wir nicht diesen Fluß von stetiger Auflösung und Wiedererneuerung an, der die Wahrheit ist in bezug auf das äußere sinnliche Leben, sondern wir schauen etwas an, was geboren sein soll, Fleischklumpen ist mit Knochen und Blut gefüllt, was dann größer werden soll, wächst, bis es ganz ausgewachsen ist und dann stehen bleibt bis zum Tode. Das ist ungefähr so vorgestellt, wie wenn wir uns den Vater Rhein als ein Wasserstück — was es natürlich nicht gibt —, aber wie wenn wir uns ein Wasserstück, nicht wahr, von den Schweizer Bergen bis zur Nordsee hin vorstellten und dazu ihn noch extra so vorstellten, daß er dann als ruhiges Wasserstück liegen bleibt in seinem Strombette drinnen; so stellen wir uns diese menschliche Leiblichkeit vor. Während sie in fortwährendem Flusse ist, glauben wir, daß sie irgend etwas Starres ist — man kann es nicht einmal in ein richtiges Wort fassen — zwischen Geburt und Tod. Würden wir uns richtig sehen, dann würden wir uns in fortwährendem Flusse sehen und gar nicht die Idee schöpfen können, daß das etwas zu tun hat mit unserem wahren Wesen, was da in fortwährendem Flusse ist. Würde man dasjenige aber sehen, was da fortwährend als Kräfte dem Auflösungs- und Erneuerungsprozeß zugrunde liegt, dann würde mit dem gegeben sein eine medizinische Wissenschaft, jene geistige medizinische Wissenschaft, die allerdings eine andere Gestalt haben würde, als die heutige medizinische Wissenschaft sie schon hat. Jene medizinische Wissenschaft können Sie nicht etwa danach beurteilen, daß Sie sagen: Nun ja, mit dieser medizinischen Wissenschaft werden also Krankheiten geheilt! — Es werden nicht Krankheiten geheilt, weil es sich nicht darum handeln kann, Krankheiten so zu heilen, wie es die heutigen Menschen haben wollen. Man kann mit wirklicher geistiger medizinischer Wissenschaft nur die gesundenden Kräfte in ihrer Totalität erhalten. Die wahre Heilkunde würde darinnen bestehen, das Leben so einzurichten, daß der Mensch die Kräfte beherrscht, die seine fortwährende Ausscheidung, Auflösung und Wiedererneuerung bewirken. Dann brauchte man keine Apothekerwaren, wenn nicht nur ein einzelner Mensch dies auf seine menschliche Persönlichkeit anzuwenden weiß, sondern mit den andern Menschen zusammen so lebt, daß es Eingang gewinnen könnte in das ganze menschliche Geschlecht. Ich habe das öfters erwähnt. — Das ist das zweite.
[ 25 ] Durch dasjenige, was in der äußeren Maja, in der Illusion in Wirklichkeit entsteht, schauen wir nicht diesen Fluß von stetiger Auflösung und Wiedererneuerung an, der die Wahrheit ist in bezug auf das äußere sinnliche Leben, sondern wir schauen etwas an, was geboren sein soll, Fleischklumpen ist mit Knochen und Blut gefüllt, was dann größer werden soll, wächst, bis es ganz ausgewachsen ist und dann stehen bleibt bis zum Tode. Das ist ungefähr so vorgestellt, wie wenn wir uns den Vater Rhein als ein Wasserstück — was es natürlich nicht gibt —, aber wie wenn wir uns ein Wasserstück, nicht wahr, von den Schweizer Bergen bis zur Nordsee hin vorstellten und dazu ihn noch extra so vorstellten, daß er dann als ruhiges Wasserstück liegen bleibt in seinem Strombette drinnen; so stellen wir uns diese menschliche Leiblichkeit vor. Während sie in fortwährendem Flusse ist, glauben wir, daß sie irgend etwas Starres ist — man kann es nicht einmal in ein richtiges Wort fassen — zwischen Geburt und Tod. Würden wir uns richtig sehen, dann würden wir uns in fortwährendem Flusse sehen und gar nicht die Idee schöpfen können, daß das etwas zu tun hat mit unserem wahren Wesen, was da in fortwährendem Flusse ist. Würde man dasjenige aber sehen, was da fortwährend als Kräfte dem Auflösungs- und Erneuerungsprozeß zugrunde liegt, dann würde mit dem gegeben sein eine medizinische Wissenschaft, jene geistige medizinische Wissenschaft, die allerdings eine andere Gestalt haben würde, als die heutige medizinische Wissenschaft sie schon hat. Jene medizinische Wissenschaft können Sie nicht etwa danach beurteilen, daß Sie sagen: Nun ja, mit dieser medizinischen Wissenschaft werden also Krankheiten geheilt! — Es werden nicht Krankheiten geheilt, weil es sich nicht darum handeln kann, Krankheiten so zu heilen, wie es die heutigen Menschen haben wollen. Man kann mit wirklicher geistiger medizinischer Wissenschaft nur die gesundenden Kräfte in ihrer Totalität erhalten. Die wahre Heilkunde würde darinnen bestehen, das Leben so einzurichten, daß der Mensch die Kräfte beherrscht, die seine fortwährende Ausscheidung, Auflösung und Wiedererneuerung bewirken. Dann brauchte man keine Apothekerwaren, wenn nicht nur ein einzelner Mensch dies auf seine menschliche Persönlichkeit anzuwenden weiß, sondern mit den andern Menschen zusammen so lebt, daß es Eingang gewinnen könnte in das ganze menschliche Geschlecht. Ich habe das öfters erwähnt. — Das ist das zweite.
[ 26 ] Das dritte, was mit dieser Erkenntnis verbunden wäre, das ist nun eine wahre Naturwissenschaft. Ja, was ist nun wahre Naturwissenschaft? Ich habe es öfter betont, Geisteswissenschaft bekämpft nicht die Naturwissenschaft, wie sie heute ist, aber sie weiß, daß diese Naturwissenschaft nicht die Naturwirklichkeit gibt, sondern ein Gespenst. Und nicht darauf kommt es an, daß man dieses Gespenst bekämpft. Wir müssen schon nach unseren menschlichen Veranlagungen uns das Gespenst gefallen lassen. Nicht darauf kommt es an, daß man, so wie ich das gestern bei dem Philosophen Richard Wahle erzählt habe, dann ein Gift ersinnt — wenn auch nur ein Gift gegen eine Philosophie, ein philosophisches, kein äußeres Gift —, um alle, die etwa naturwissenschaftlich denken, aus der Welt zu schaffen, sondern darauf kommt es an, daß man gerade herausfindet, in welchem Sinne sie recht haben. Man sollte den Naturwissenschaftern sagen: Wenn ihr behaupten würdet, ihr forscht richtig, so geben wir euch vollständig recht, aber ihr müßt zu gleicher Zeit zugeben: Mit diesem im Sinne des Naturforschens richtigen Forschen kommt ihr nur zu Vorstellungen eines Naturgespenstes, nicht der Naturwirklichkeit. — Das muß man aber durchschauen. Das ist gerade die Aufgabe des Bewußtseinszeitalters, daß man die Dinge in ihrer Wirklichkeit durchschaut.
[ 26 ] Das dritte, was mit dieser Erkenntnis verbunden wäre, das ist nun eine wahre Naturwissenschaft. Ja, was ist nun wahre Naturwissenschaft? Ich habe es öfter betont, Geisteswissenschaft bekämpft nicht die Naturwissenschaft, wie sie heute ist, aber sie weiß, daß diese Naturwissenschaft nicht die Naturwirklichkeit gibt, sondern ein Gespenst. Und nicht darauf kommt es an, daß man dieses Gespenst bekämpft. Wir müssen schon nach unseren menschlichen Veranlagungen uns das Gespenst gefallen lassen. Nicht darauf kommt es an, daß man, so wie ich das gestern bei dem Philosophen Richard Wahle erzählt habe, dann ein Gift ersinnt — wenn auch nur ein Gift gegen eine Philosophie, ein philosophisches, kein äußeres Gift —, um alle, die etwa naturwissenschaftlich denken, aus der Welt zu schaffen, sondern darauf kommt es an, daß man gerade herausfindet, in welchem Sinne sie recht haben. Man sollte den Naturwissenschaftern sagen: Wenn ihr behaupten würdet, ihr forscht richtig, so geben wir euch vollständig recht, aber ihr müßt zu gleicher Zeit zugeben: Mit diesem im Sinne des Naturforschens richtigen Forschen kommt ihr nur zu Vorstellungen eines Naturgespenstes, nicht der Naturwirklichkeit. — Das muß man aber durchschauen. Das ist gerade die Aufgabe des Bewußtseinszeitalters, daß man die Dinge in ihrer Wirklichkeit durchschaut.
[ 27 ] Nun wird der Naturforscher sagen: Ja, diese und jene Gründe habe ich, mir mein Naturwissen nicht zum Gespenst machen zu lassen! Der Geistesforscher muß einwenden: Aber du tust ganz recht, ein gespenstisches Naturwissen zu haben. Denn wenn du irgendeine Natursubstanz suchst außerhalb des Gespenstes, dann tust du ja unrecht. Du tust nur recht, wenn du hinter dem Gespenst allerlei Ahrimanisches suchst, wenn du Geistiges dahinter suchst. Also du hast recht, wenn du ein gespenstisches Wissen suchst. — Nun, was ich Ihnen gerade über die Leiblichkeit des Menschen gesagt habe, das nimmt schon stark einen gespenstischen Charakter an. Und derjenige, der nun eindringt in die Natur von einem höheren Gesichtspunkte aus, der betrachtet als eine richtige Naturerscheinung, über die er sich nicht täuscht, eine ganz andere als jene, die gewöhnlich als robuste Naturerscheinungen aufgeführt werden. Es ist ja das Eigentümliche — und ich werde über diese Erscheinung noch morgen sprechen —, daß uns die Welt trotzdem überall an irgendwelchen Punkten, ich möchte sagen, mit Fingern auf das Richtige hinweist. Irgendwo findet sich schon ein Hinweis auf das, was das Richtige ist, wenn man wissen will, wie man über die Realität von Naturerscheinungen, die um unsere Sinne herum sind, denken soll. Was soll man denn eigentlich betrachten? Gibt es in der Natur selbst etwas, was uns aufklärt?
[ 27 ] Nun wird der Naturforscher sagen: Ja, diese und jene Gründe habe ich, mir mein Naturwissen nicht zum Gespenst machen zu lassen! Der Geistesforscher muß einwenden: Aber du tust ganz recht, ein gespenstisches Naturwissen zu haben. Denn wenn du irgendeine Natursubstanz suchst außerhalb des Gespenstes, dann tust du ja unrecht. Du tust nur recht, wenn du hinter dem Gespenst allerlei Ahrimanisches suchst, wenn du Geistiges dahinter suchst. Also du hast recht, wenn du ein gespenstisches Wissen suchst. — Nun, was ich Ihnen gerade über die Leiblichkeit des Menschen gesagt habe, das nimmt schon stark einen gespenstischen Charakter an. Und derjenige, der nun eindringt in die Natur von einem höheren Gesichtspunkte aus, der betrachtet als eine richtige Naturerscheinung, über die er sich nicht täuscht, eine ganz andere als jene, die gewöhnlich als robuste Naturerscheinungen aufgeführt werden. Es ist ja das Eigentümliche — und ich werde über diese Erscheinung noch morgen sprechen —, daß uns die Welt trotzdem überall an irgendwelchen Punkten, ich möchte sagen, mit Fingern auf das Richtige hinweist. Irgendwo findet sich schon ein Hinweis auf das, was das Richtige ist, wenn man wissen will, wie man über die Realität von Naturerscheinungen, die um unsere Sinne herum sind, denken soll. Was soll man denn eigentlich betrachten? Gibt es in der Natur selbst etwas, was uns aufklärt?
[ 28 ] Ja, es gibt etwas: zum Beispiel den Regenbogen; der Regenbogen ist so richtig ein Bild von einer Naturerscheinung. Denken Sie — Sie wissen es ja selbst — wenn Sie hinaufkommen würden, wo der Regenbogen ist, Sie könnten da ganz bequem durchgehen, er ist nur durch das Zusammenwirken von gewissen Vorgängen bewirkt. So spektral wie der Regenbogen, so gespenstisch wie der Regenbogen — nur daß man es nicht merkt — sind alle Naturvorgänge; sie sind nicht das, was sie dem Auge oder dem Ohre oder den andern Sinnen sind, sondern sie sind der Zusammenfluß durch andere Vorgänge, die dann geistig sind. Wir treten auf den Boden, glauben dadrunten die Materie; in Wirklichkeit ist es nur dasjenige, was wir als Kraft wahrnehmen, so wie der Regenbogen, und indem wir auf das Feste zu treten glauben, ist es Ahriman, der von unten herauf die Kraft sendet.
[ 28 ] Ja, es gibt etwas: zum Beispiel den Regenbogen; der Regenbogen ist so richtig ein Bild von einer Naturerscheinung. Denken Sie — Sie wissen es ja selbst — wenn Sie hinaufkommen würden, wo der Regenbogen ist, Sie könnten da ganz bequem durchgehen, er ist nur durch das Zusammenwirken von gewissen Vorgängen bewirkt. So spektral wie der Regenbogen, so gespenstisch wie der Regenbogen — nur daß man es nicht merkt — sind alle Naturvorgänge; sie sind nicht das, was sie dem Auge oder dem Ohre oder den andern Sinnen sind, sondern sie sind der Zusammenfluß durch andere Vorgänge, die dann geistig sind. Wir treten auf den Boden, glauben dadrunten die Materie; in Wirklichkeit ist es nur dasjenige, was wir als Kraft wahrnehmen, so wie der Regenbogen, und indem wir auf das Feste zu treten glauben, ist es Ahriman, der von unten herauf die Kraft sendet.
[ 29 ] Sobald wir über das bloß Spektrale, über das bloße Gespenstische der Naturerscheinungen herauskommen, treffen wir Geistiges. Das heißt, alles Forschen nach der sogenannten groben Materie ist überhaupt ziemlich unsinnig. Wird man einmal aufgeben — und die Menschheit wird es vor dem 4. Jahrtausend tun — das Suchen nach dem Grobsinnlichen als der Natur zugrunde liegend, dann wird man auf etwas ganz anderes kommen, dann wird man überall in der Natur Rhythmen finden, rhythmische Ordnungen. Diese rhythmischen Ordnungen sind vorhanden, nur macht sich die heutige materialistische Wissenschaft über diese rhythmischen Ordnungen in der Regel lustig. Wir haben diese rhythmische Ordnung bildhaft ausgedrückt in unseren sieben Säulen, in der ganzen Konfiguration unseres Baues hier. Aber diese thythmische Ordnung ist in der ganzen Natur vorhanden. Rhythmisch wächst an der Pflanze ein Blatt nach dem andern; rhythmisch sind die Blumenblätter angeordnet, rhythmisch ist alles angeordnet. Rhythmisch tritt das Fieber ein bei einer Krankheit, flutet wieder ab; rhythmisch ist das ganze Leben. Das Durchdringen der Naturrhythmen, das wird wahre Naturwissenschaft sein.
[ 29 ] Sobald wir über das bloß Spektrale, über das bloße Gespenstische der Naturerscheinungen herauskommen, treffen wir Geistiges. Das heißt, alles Forschen nach der sogenannten groben Materie ist überhaupt ziemlich unsinnig. Wird man einmal aufgeben — und die Menschheit wird es vor dem 4. Jahrtausend tun — das Suchen nach dem Grobsinnlichen als der Natur zugrunde liegend, dann wird man auf etwas ganz anderes kommen, dann wird man überall in der Natur Rhythmen finden, rhythmische Ordnungen. Diese rhythmischen Ordnungen sind vorhanden, nur macht sich die heutige materialistische Wissenschaft über diese rhythmischen Ordnungen in der Regel lustig. Wir haben diese rhythmische Ordnung bildhaft ausgedrückt in unseren sieben Säulen, in der ganzen Konfiguration unseres Baues hier. Aber diese thythmische Ordnung ist in der ganzen Natur vorhanden. Rhythmisch wächst an der Pflanze ein Blatt nach dem andern; rhythmisch sind die Blumenblätter angeordnet, rhythmisch ist alles angeordnet. Rhythmisch tritt das Fieber ein bei einer Krankheit, flutet wieder ab; rhythmisch ist das ganze Leben. Das Durchdringen der Naturrhythmen, das wird wahre Naturwissenschaft sein.
[ 30 ] Aber durch das Durchdringen der Naturrhythmen kommt man auch zu einer gewissen Benützung der Rhythmik in der Technik. Das ist dann das Ziel der künftigen Technik: durch zusammenstimmende Schwingungen, Schwingungen, die man im Kleinen erregt und die sich dann ins Große übertragen, durch das einfache Zusammenstimmen ungeheuere Arbeit zu verrichten.
[ 30 ] Aber durch das Durchdringen der Naturrhythmen kommt man auch zu einer gewissen Benützung der Rhythmik in der Technik. Das ist dann das Ziel der künftigen Technik: durch zusammenstimmende Schwingungen, Schwingungen, die man im Kleinen erregt und die sich dann ins Große übertragen, durch das einfache Zusammenstimmen ungeheuere Arbeit zu verrichten.
[ 31 ] Nun werde ich Ihnen morgen des ausführlicheren zeigen, warum es wirklich weisheitsvoll ist von der christlichen Weltordnung, die in diesem Sinne die weisheitsvolle göttliche Weltordnung ist, die Menschheit im Laufe von Jahrhunderten reif werden zu lassen für diese Erkenntnisse, von denen ich jetzt gesprochen habe, während sie die Akademie von Gondishapur dem Menschen einfach hat hinwerfen wollen. Denn die Menschheit muß etwas anderes anstreben, wenn diese Erkenntnisse über sie kommen sollen. Diese Erkenntnisse dürfen nur in die Menschheit hineinkommen, wenn erstens, gleichzeitig mit der Entwickelung nach diesen Erkenntnissen hin, stattfindet in dem breitesten Umfange innerhalb der Menschheit eine vollständig selbstlose soziale Ordnung für den dritten Punkt. Man kann nicht eine rhythmische Technik einrichten, ohne in die Menschheit weiteres Unheil zu bringen, wenn nicht zugleich eine selbstlose soziale Ordnung angestrebt wird. Eine egoistische Menschheit würde nur zu ihrem eigenen Unheil die rhythmische Technik erlangen. Und man kann jene mit der Heilkraft des Menschen identische Kraft, die ich an zweiter Stelle genannt habe, da, wo man Auflösungs- und Wiedererneuerungsprozesse, Ausscheidungs- und Aufnahmeprozesse unter dem Einflusse dieser Kraft sieht, nicht ohne weiteres an die Menschheit ausliefern. Man kann diese Kraft nicht ohne weiteres der Menschheit überliefern — wie ich schon von andern Gesichtspunkten aus sagte —, wenn man nicht gleichzeitig züchtet innerhalb der Menschheit die absolute Gewissenhaftigkeit, die sich nicht nur bezieht auf das Verhalten des Menschen in bezug auf das äußerlich Bemerkbare, sondern auch in bezug auf das äußerlich Unbemerkbare; wenn der Mensch sich nicht nur dasjenige verbietet, was äußerlich sichtbar wird, sondern sich nach einer gewissen Gewissensregel auch das verbietet, was äußerlich nicht sichtbar wird: das Denken, das Fühlen. Denn mit der Erkenntnis dieser Kraft, die verborgen wird dadurch, daß wir unseren Lebensstrom zwischen Geburt und Tod wie einen starren Körper anschauen, mit der Beherrschung dieser Kraft würde man ungeheueres Unheil wiederum anrichten können, wenn sie nicht sich entwickeln würde in dem Lichte der absoluten Gewissenhaftigkeit auch für das Unbemerkbare.
[ 31 ] Nun werde ich Ihnen morgen des ausführlicheren zeigen, warum es wirklich weisheitsvoll ist von der christlichen Weltordnung, die in diesem Sinne die weisheitsvolle göttliche Weltordnung ist, die Menschheit im Laufe von Jahrhunderten reif werden zu lassen für diese Erkenntnisse, von denen ich jetzt gesprochen habe, während sie die Akademie von Gondishapur dem Menschen einfach hat hinwerfen wollen. Denn die Menschheit muß etwas anderes anstreben, wenn diese Erkenntnisse über sie kommen sollen. Diese Erkenntnisse dürfen nur in die Menschheit hineinkommen, wenn erstens, gleichzeitig mit der Entwickelung nach diesen Erkenntnissen hin, stattfindet in dem breitesten Umfange innerhalb der Menschheit eine vollständig selbstlose soziale Ordnung für den dritten Punkt. Man kann nicht eine rhythmische Technik einrichten, ohne in die Menschheit weiteres Unheil zu bringen, wenn nicht zugleich eine selbstlose soziale Ordnung angestrebt wird. Eine egoistische Menschheit würde nur zu ihrem eigenen Unheil die rhythmische Technik erlangen. Und man kann jene mit der Heilkraft des Menschen identische Kraft, die ich an zweiter Stelle genannt habe, da, wo man Auflösungs- und Wiedererneuerungsprozesse, Ausscheidungs- und Aufnahmeprozesse unter dem Einflusse dieser Kraft sieht, nicht ohne weiteres an die Menschheit ausliefern. Man kann diese Kraft nicht ohne weiteres der Menschheit überliefern — wie ich schon von andern Gesichtspunkten aus sagte —, wenn man nicht gleichzeitig züchtet innerhalb der Menschheit die absolute Gewissenhaftigkeit, die sich nicht nur bezieht auf das Verhalten des Menschen in bezug auf das äußerlich Bemerkbare, sondern auch in bezug auf das äußerlich Unbemerkbare; wenn der Mensch sich nicht nur dasjenige verbietet, was äußerlich sichtbar wird, sondern sich nach einer gewissen Gewissensregel auch das verbietet, was äußerlich nicht sichtbar wird: das Denken, das Fühlen. Denn mit der Erkenntnis dieser Kraft, die verborgen wird dadurch, daß wir unseren Lebensstrom zwischen Geburt und Tod wie einen starren Körper anschauen, mit der Beherrschung dieser Kraft würde man ungeheueres Unheil wiederum anrichten können, wenn sie nicht sich entwickeln würde in dem Lichte der absoluten Gewissenhaftigkeit auch für das Unbemerkbare.
[ 32 ] Und das dritte würde dasjenige sein, was entsprechend ist meinem ersten Punkt, was entspricht der Erkenntnis der Geheimnisse von Geburt und Tod. Ja, diese Geheimnisse von Geburt und Tod, sie setzen in ähnlicher Weise voraus, daß die Menschheit erst einen gewissen Reifezustand durchmacht; denn sie setzen voraus, daß der Mensch sich wirklich bewußt gegenüberstellen kann Ahriman und Luzifer. Und derjenige, der ganz erwägen kann, was unter diesem ersten Punkt gemeint ist, der weiß das Folgende, das ich jetzt zum Schlusse vor Sie hinstellen will; morgen wird es weiter ausgeführt. Er weiß das Folgende: Man kann Naturwissen treiben als bloß gespenstisches Wissen, und nicht wissen, daß es bloß gespenstisches Wissen ist; man kann sich begnügen mit dem, was eine unwahre Erkenntnis ist. Das hilft einem, es hilft einem wirklich, denn man steht dann nicht vor der Gefahr, an Ahriman heranzukommen. Sie können sich den Ahriman unsichtbar machen; aber Sie müssen sich dann Naturerkenntnis bloß im heutigen Sinne, die aber nicht Wahrheit enthält, sammeln.Es ist eine gute Barriere gegen Ahriman, bei der Naturerkenntnis, also auch bei der Unwahrheit, stehenzubleiben. Sie haben nur die Wahl, entweder Wahrheit zu wollen — dann müssen Sie auch Bekanntschaft machen mit dem, was als Ahrimanisch-Übersinnliches in der Welt wirkt — oder Unwahrheit zu haben. Züchten Sie die Unwahrheit, sagen Sie: Das gespenstische Naturwissen gibt die wirkliche Natur —, gut, dann bleiben Sie bei dem, was dem Ahriman recht ist; der will nämlich die Lüge, und er lebt von der Lüge. Und von dieser geheimen Lüge kann er erst recht leben; und nichts ist ihm lieber, als wenn diese Lüge waltet, die in der Anschauung besteht: das gespenstische Naturwissen ist wirkliches Naturwissen.
[ 32 ] Und das dritte würde dasjenige sein, was entsprechend ist meinem ersten Punkt, was entspricht der Erkenntnis der Geheimnisse von Geburt und Tod. Ja, diese Geheimnisse von Geburt und Tod, sie setzen in ähnlicher Weise voraus, daß die Menschheit erst einen gewissen Reifezustand durchmacht; denn sie setzen voraus, daß der Mensch sich wirklich bewußt gegenüberstellen kann Ahriman und Luzifer. Und derjenige, der ganz erwägen kann, was unter diesem ersten Punkt gemeint ist, der weiß das Folgende, das ich jetzt zum Schlusse vor Sie hinstellen will; morgen wird es weiter ausgeführt. Er weiß das Folgende: Man kann Naturwissen treiben als bloß gespenstisches Wissen, und nicht wissen, daß es bloß gespenstisches Wissen ist; man kann sich begnügen mit dem, was eine unwahre Erkenntnis ist. Das hilft einem, es hilft einem wirklich, denn man steht dann nicht vor der Gefahr, an Ahriman heranzukommen. Sie können sich den Ahriman unsichtbar machen; aber Sie müssen sich dann Naturerkenntnis bloß im heutigen Sinne, die aber nicht Wahrheit enthält, sammeln.Es ist eine gute Barriere gegen Ahriman, bei der Naturerkenntnis, also auch bei der Unwahrheit, stehenzubleiben. Sie haben nur die Wahl, entweder Wahrheit zu wollen — dann müssen Sie auch Bekanntschaft machen mit dem, was als Ahrimanisch-Übersinnliches in der Welt wirkt — oder Unwahrheit zu haben. Züchten Sie die Unwahrheit, sagen Sie: Das gespenstische Naturwissen gibt die wirkliche Natur —, gut, dann bleiben Sie bei dem, was dem Ahriman recht ist; der will nämlich die Lüge, und er lebt von der Lüge. Und von dieser geheimen Lüge kann er erst recht leben; und nichts ist ihm lieber, als wenn diese Lüge waltet, die in der Anschauung besteht: das gespenstische Naturwissen ist wirkliches Naturwissen.
[ 33 ] Und wiederum, ich habe über das gesprochen, was nur ein Schein ist von dem, was im Übersinnlichen ist; ich habe es dargestellt als das durchgelassene Bild. Da hat man auch die Wahl: Entweder man dringt zum Übersinnlichen vor — gut, dann muß man aber auch Auge in Auge, geistig natürlich, dem Luzifer sich gegenüberstellen —, oder man bleibt bei der Unwahrheit und betrachtet den Schein des Seelischen als das Wirkliche. Dann kann man aber niemals Aufschluß gewinnen über Geburt und Tod und über die Unsterblichkeit, denn man betrachtet gar nicht die Seele, die unsterblich ist, sondern bloß ein Bild. Das ist es, was ich heute vorläufig vor Ihre Seele hinstellen möchte. Morgen werden wir an diesen Gedanken anknüpfen.
[ 33 ] Und wiederum, ich habe über das gesprochen, was nur ein Schein ist von dem, was im Übersinnlichen ist; ich habe es dargestellt als das durchgelassene Bild. Da hat man auch die Wahl: Entweder man dringt zum Übersinnlichen vor — gut, dann muß man aber auch Auge in Auge, geistig natürlich, dem Luzifer sich gegenüberstellen —, oder man bleibt bei der Unwahrheit und betrachtet den Schein des Seelischen als das Wirkliche. Dann kann man aber niemals Aufschluß gewinnen über Geburt und Tod und über die Unsterblichkeit, denn man betrachtet gar nicht die Seele, die unsterblich ist, sondern bloß ein Bild. Das ist es, was ich heute vorläufig vor Ihre Seele hinstellen möchte. Morgen werden wir an diesen Gedanken anknüpfen.
[ 34 ] Es ist ein wichtiger Gedanke: Der Erdenmensch hat die Wahl in dem heutigen Zeitalter der Bewußtseinsseele, die Wahrheit anzustreben; dann muß er mutig sich dem Geistigen gegenüberstellen. Oder er wählt, das Geistige zu meiden, dann kann er bei der Illusion bleiben, bei der Nichtwahrheit bleiben. Die Akademie von Gondishapur, die wollte dem Menschen ersparen das Streben nach Wahrheit, wollte dem Menschen ersparen die Mühe der Weiterentwickelung, wollte ihm also offenbaren dasjenige, was sie selbst auf ahrimanischem Wege geoffenbart bekommen hat. Die Akademie von Gondishapur, die ihren letzten Schatten, ihr Gespenst in der naturwissenschaftlichen Illusion der Gegenwart hat, diese Akademie von Gondishapur wollte den Menschen zum reinen Erdenmenschen machen. Sie ist in ihren Bestrebungen überwunden worden durch dasjenige, was in die Menschheit schon vor ihrem Entstehen hineingestellt worden ist: durch das Mysterium von Golgatha. Davon dann morgen weiter.
[ 34 ] Es ist ein wichtiger Gedanke: Der Erdenmensch hat die Wahl in dem heutigen Zeitalter der Bewußtseinsseele, die Wahrheit anzustreben; dann muß er mutig sich dem Geistigen gegenüberstellen. Oder er wählt, das Geistige zu meiden, dann kann er bei der Illusion bleiben, bei der Nichtwahrheit bleiben. Die Akademie von Gondishapur, die wollte dem Menschen ersparen das Streben nach Wahrheit, wollte dem Menschen ersparen die Mühe der Weiterentwickelung, wollte ihm also offenbaren dasjenige, was sie selbst auf ahrimanischem Wege geoffenbart bekommen hat. Die Akademie von Gondishapur, die ihren letzten Schatten, ihr Gespenst in der naturwissenschaftlichen Illusion der Gegenwart hat, diese Akademie von Gondishapur wollte den Menschen zum reinen Erdenmenschen machen. Sie ist in ihren Bestrebungen überwunden worden durch dasjenige, was in die Menschheit schon vor ihrem Entstehen hineingestellt worden ist: durch das Mysterium von Golgatha. Davon dann morgen weiter.
