Historical Symptomatology
GA 185
2 November 1918, Dornach
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From Symptom to Reality in Modern History, tr. Parker
Achter Vortrag
Lecture Eight
[ 1 ] Wir haben jetzt von den verschiedensten Gesichtspunkten her versucht, einiges Licht zu werfen auf die besonderen Eigentümlichkeiten der Zeitepoche, welche wir eben charakterisieren müssen als den fünften nachatlantischen Zeitraum, der mit dem Beginne des 15. Jahrhunderts seinen Anfang genommen hat, in dem wir jetzt drinnen stehen, und der in der Mitte des vierten Jahrtausends sein Ende finden wird. Nun ist in unserer gegenwärtigen Zeit sehr vieles in den symptomatischen Geschehnissen der Geschichte, das innig zusammenhängt mit den Geschehnissen im Beginne dieses Zeitraumes. Aus Gründen, die, wenn wir noch länger Zeit haben, in den folgenden Vorträgen herauskommen werden, und die in der Entwickelung der ganzen Menschheit liegen, kann man diesen fünften nachatlantischen Zeitraum im wesentlichen in Fünftel teilen, und wir stehen in einem besonders wichtigen Punkte, wo die Wende des ersten und des zweiten Fünftels dieses Zeitraumes zur Entscheidung kommen muß.
[ 1 ] We have attempted so far to throw light from many different points of view upon the characteristic features of the fifth post-Atlantean epoch in which we are now living and which began in the early fifteenth century (1413) and will end in the middle of the fourth millennium. Now many of the symptomatic events of today are closely associated with the events which occurred at the beginning of this epoch. For reasons which will become evident in the course of the following lectures and which are connected with the whole of human evolution, the fifth post-Atlantean epoch can be subdivided into five stages. We have now reached a moment of particular importance, the decisive turning point when the first fifth of this epoch passes over into the second fifth.
[ 2 ] Indem ich Ihnen eine Art Überblick gewissermaßen vor das geistige Auge führen will über die religionsgeschichtlichen Impulse, insoferne sie symptomatisch sind in diesem fünften nachatlantischen Zeitraume, werde ich genötigt sein, mancherlei, was ich gerade bei dieser Betrachtung sage, hindeutend, andeutend zu sagen. Denn sobald man im Ernste eingeht auf die Evolution der religiösen Impulse der Menschheit, in dem Augenblicke werden die Wirklichkeiten, die man dabei im Auge haben muß, so schwierig gegenüber dem Ausdrucke, der einem zur Verfügung stehen kann in der menschlichen Sprache, daß eben nur eine annäherungsweise, andeutungsweise Aussprache über die Dinge möglich ist. Daher werden Sie mancherlei von dem, was ich heute und morgen sagen werde, so zu nehmen haben, daß Sie wirklich versuchen, auch hinter den Worten und in den Worten noch mancherlei zu sehen, nicht aus dem Grunde, weil ich Geheimniskrämerei treiben will, sondern aus dem Grunde, weil die Sprache zu ohnmächtig ist, um die Vielgestaltigkeit der Impulse der Wirklichkeit tatsächlich zum Ausdrucke zu bringen. Vor allen Dingen aber muß ich Sie heute darauf aufmerksam machen, daß derjenige, der solche Dinge geisteswissenschaftlich betrachtet, sich schon einmal darauf einlassen muß, wirklich zu denken. Das Denken hat sich ja die heutige Menschheit mehr oder weniger abgewöhnt. Ich meine natürlich nicht jenes Denken, welches den Hochmut begründet der heutigen sogenannten Wissenschaft, sondern ich meine jenes Denken, das auf genaue Wirklichkeitsunterscheidungen einzugehen vermag. Ich muß, um das betrachten zu können, was uns jetzt zu betrachten obliegen wird, Sie vor allen Dingen aufmerksam darauf machen, daß ich zwei Strömungen innerhalb der Menschheitsentwickelung Ihnen vorgeführt habe. Ich weiß nicht, ob alle diejenigen, die hier sitzen, so genau auf meine Satzprägungen im Laufe der Zeit während dieser Betrachtungen werden hingehorcht haben, daß sie das schon bemerkt haben, was ich aber heute besonders herausheben will, damit in den folgenden Betrachtungen kein Mißverständnis entsteht.
[ 2 ] I propose to give you a general survey of the impulses which have determined the history of religions, in so far as they are symptomatic of this fifth post-Atlantean epoch. Many things which I shall say in the course of this survey cannot be more than pointers or indications. For when we embark upon a serious study of the religious impulses of mankind the facts we have to consider are so difficult to convey owing to the limitations of language that we can only discuss them approximately; we can only hint at them. And you must therefore endeavour to read between the lines of what I shall say today and tomorrow, not because I wish to be a mystery monger, but because language is too powerless to express adequately the multiplicity and variety of impulses of spiritual reality. Above all I must call your attention today to the fact that he who studies these things from the standpoint of spiritual science must really be prepared to think and reflect. Today mankind has more or less lost the habit of thinking. I do not mean, of course, the thinking that is the proud boast of modern science, but the thinking which is capable of distinguishing precisely between different forms of reality. In order to be able to study what we are now called upon to examine, I must remind you that I have already spoken of the two currents in the evolution of mankind. I do not know whether all those present here listened so carefully to the expressions I coined in the course of my previous lectures that they have already noticed what I wish to underline especially today, so that no misunderstanding shall arise in the following observations.
[ 3 ] Ich habe zunächst eines hervorgehoben mit Bezug auf die Evolution, auf die Entwickelung der nachatlantischen Menschheit. Ich habe aufmerksam gemacht, daß die Menschheit der nachatlantischen Zeit, wenn man so sagen darf, immer jünger und jünger wird. Das heißt, daß in der ersten Epoche dieser nachatlantischen Zeit, in der sogenannten urindischen Zeit, dieMenschen körperlich entwickelungsfähig geblieben sind bis in die fünfziger Jahre hinauf, daß sie also Entwickelungsstadien durchgemacht haben bis in die fünfziger Jahre, dann bis in ein weniger hohes Alter in der urpersischen Zeit, wieder bis in ein weniger hohes Alter in der ägyptisch-chaldäischen Zeit. Dann, in der griechisch-lateinischen Zeit, kam die Menschheit an in einer Epoche, in welcher sie nur entwickelungsfähig war bis zu den Jahren vom 28. bis 35. Jahre. Und jetzt stehen wir in der Epoche, in der die Menschheit entwickelungsfähig bleiben wird bis zum 27. bis 28. Lebensjahr; jetzt eben — ich habe das öfter hervorgehoben — stehen wir darinnen in der Zeit, wo die Menschen durch das, was ihnen die Welt gibt, nur entwickelungsfähig bleiben bis zum 27. Lebensjahre. Dasjenige, was ihnen eine weitere Entwickelung geben kann, müssen sie sich aus den spirituellen Impulsen herausholen. Dann wird eine Menschheit kommen, die gar nur entwickelungsfähig bleiben wird bis in das Lebensalter von 14 bis 21 Jahren. Es wird dann der sechste nachatlantische Zeitraum sein. Und so wird es weiter gehen. Die Menschheit wird, indem sie älter wird, in diesem Sinne immer jünger und jünger werden. Das ist die eine Evolution der Menschheit.
[ 3 ] In the evolution of post-Atlantean humanity I emphasized one thing in particular, namely that mankind of the postAtlantean epoch matures progressively at an ever earlier age. In the first post-Atlantean epoch, that of ancient India, men remained capable of developing physically up to the age of fifty; in the ancient Persian epoch development ceased at an earlier age, and in the Egypto-Chaldaean epoch at an even earlier age. In the Graeco-Latin epoch development was only possible up to the age of thirty-five and in our present epoch, as a consequence of natural development, men cease to develop beyond the age of twenty-eight. Any further development must be derived from spiritual impulses. Then, in the sixth post-Atlantean epoch, mankind will be unable to develop after the age of twenty-one—and so on. With the passage of time, therefore, mankind matures physically at an ever earlier age.
[ 4 ] Nun ist besonders ins Auge zu fassen — wie gesagt, ich weiß nicht, ob Sie alle das bemerkt haben —, daß diese Evolution, die ich jetzt auseinandergesetzt habe, die ganze Menschheit betriffi. Die Menschheit also macht diese Evolution durch. So daß wir sagen können: Mit Bezug auf diese — ich will sie die erste Evolution nennen —, mit Bezug auf diese erste Evolution steht die Menschheit in einer Phase darinnen, die zwischen dem 28. und 21. Jahre liegt. Das sind aber die Jahre, in denen die Empfindungsseele besonders zur Entwickelung kommt. Also wir stehen heute in einer Entwickelungsepoche drinnen, in der die ganze Menschheit die Empfindungsseele besonders zur Entwickelung bringt. Das ist die eine Evolution.
[ 4 ] It is important to bear in mind that this evolution I have just mentioned involves the whole of mankind. In relation to this first current of evolution, as I shall call it, we can say that mankind is at the stage of development which the individual experiences between the ages of twenty-eight and twenty-one. These are the years when the Sentient Soul especially is developed. We are therefore at a stage in evolution when mankind as a whole is in process of developing especially the Sentient Soul. Such is the one current of evolution.
[ 5 ] Nun habe ich Ihnen aber auch von einer anderen Evolution erzählt. Diese andere Evolution besteht darinnen, daß in der ersten nachatlantischen Epoche, in der urindischen, die Menschheit durchgemacht hat diejenige Zeit, in welcher der einzelne Mensch sich entwickelte durch den Ätherleib durch. In der zweiten nachatlantischen Zeit, in der urpersischen, entwickelte sich der einzelne Mensch durch den Empfindungsleib durch, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit der einzelne Mensch durch die Empfindungsseele durch, in der griechisch-lateinischen Zeit der einzelne Mensch durch die Verstandes- oder Gemütsseele, und im jetzigen Zeitraume der einzelne Mensch durch die Bewußtseinsseele. Das ist also die zweite Evolution. Während eine Evolution läuft, die die ganze Menschheit betrifft, läuft die andere Evolution einher, welche den einzelnen Menschen in der ganzen Menschheit betrifft. Der einzelne Mensch, wenn ich wieder unseren Zeitraum in Betracht ziehe, der Einzelmensch in der Menschheit bringt die Bewußtseinsseele zur Entwickelung.
[ 5 ] Now I have already spoken of another current of evolution. In this second evolution, in the first post-Atlantean epoch, that of ancient India, the individual developed his etheric body; in the second post-Atlantean epoch, that of ancient Persia, he developed the sentient body; in the Egypto-Chaldaean epoch the sentient soul, in the Graeco-Latin epoch the intellectual or mind soul, and in the present epoch the consciousness soul. Such is the second current of evolution. The first current of evolution which concerns the whole of mankind runs its course concurrently with the second evolution which concerns the isolated individual within the body of mankind. To repeat, the isolated individual develops the Consciousness Soul in the present epoch.
[ 6 ] Die dritte Evolutionsströmung, die in Betracht kommen würde, das ist jene, die ich auch öfter erwähnt habe, welche die einzelnen Volkselemente über die Erde hin in Entwickelung zeigt. Mit Bezug darauf habe ich Ihnen ausgeführt, wie das einzelne Volk, wie zum Beispiel das italienische Volk, sich so entwickelt, daß, was durch das Volk kommt, gerade besonders die Empfindungsseele anregt, das französische Volk so sich entwickelt, daß besonders die Verstandes- oder Gemütsseele angeregt wird, die englischsprechenden Völker dasjenige, was besonders die Bewußtseinsseele anregt, und so weiter. Das ist die dritte Evolution. Sie sehen, das geht durcheinander, da kann ich nicht für unseren besonderen Zeitraum einen einzelnen Satz herausheben.
[ 6 ] The third current of evolution to be considered is that which shows the development of the different peoples over the whole earth. In this context I have already pointed out that the Italian people, for example, develops in particular the Sentient Soul, the French people the Intellectual or Mind Soul and the English speaking peoples the Consciousness Soul. This is the third current of evolution. These currents are loosely intermingled and I am unable to point to any particular principle that is characteristic of our present epoch.
[ 7 ] Erste Evolution: Die ganze Menschheit bringt die Empfindungsseele zur Entwickelung.
[ 7 ] First Evolution: The whole of mankind develops the Sentient Soul.
[ 8 ] Zweite Evolution: Der einzelne Mensch in der Menschheit bringt die Bewußtseinsseele zur Entwickelung.
[ 8 ] Second Evolution: The individual develops the Consciousness Soul.
[ 9 ] Dritte Evolution: die der Völker.
[ 9 ] Third Evolution: The evolution of the different peoples.
[ 10 ] Diese drei Evolutionen aber, die kreuzen sich in jedem Menschen, die greifen in die Seele eines jeden Menschen ein. Ja, meine lieben Freunde, einfach ist die Weltenordnung wahrhaftig nicht! Wenn Sie wollen, daß für Sie die Weltenordnung sich in den allereinfachsten Gedanken ausdrückt, dann müssen Sie entweder Professor oder spanischer König werden. Denn man braucht nur zu erinnern an jene Sage von dem spanischen König, der da meinte, als man ihm eine viel weniger komplizierte Weltenordnung auseinandersetzte als diejenige ist, die hier in Betracht kommt: wenn Gott es ihm überlassen hätte, die Welt einzurichten, so würde er sie so kompliziert nicht eingerichtet haben, sondern viel einfacher. Und gewisse Lehrbücher oder auch sonstige populäre Erkenntnisbücher haben immer wieder und wiederum das Prinzip verfolgt: Oh, die Wahrheit muß einfach sein! — Dieses Prinzip wird selbstverständlich nicht verfolgt aus irgendeiner Wirklichkeitsgrundlage heraus, sondern einzig und allein aus der Grundlage der Bequemlichkeit, ich könnte auch sagen, der allgemeinen menschlichen Faulheit heraus. Mit einem bloßen Schematismus, unter dem sich alles registrieren läßt, ist der Wirklichkeit gegenüber wahrhaftig nichts getan. Und jene glatten, ich könnte auch sagen, aalglatten Begriffe, welche man heute besonders liebt bei dem Betrieb der offiziellen Wissenschaften, die sind, ich könnte wiederum sagen, Lichtjahre weit entfernt — um diese astronomische Bezeichnung zu gebrauchen — von der wahren Wirklichkeit.
[ 10 ] These three currents of evolution meet and cross in every human being; they invade every individual soul. The world order is by no means simple! If, for your benefit, you want the world order to be explained in the simplest terms, then you must become either professor or King of Spain. You will recall the legend of the King of Spain who declared, when a much less complicated cosmic system than the one envisaged here was explained to him: had God entrusted the ordering of the world to him he would not have made it so complicated, he would have simplified things. And certain textbooks or other popular encyclopaedias have always followed the principle that truth of necessity must be simple! This principle is not adopted of course on rational grounds, but solely for reasons of convenience, I might even say, out of general human indolence. By systematic arrangement where everything is classified or catalogued one comes no nearer to reality. And those facile, I might even say, slick concepts much favoured today in the domain of the official sciences are light-years away from true reality.
[ 11 ] Das aber, was da eingreift in die Voll-Evolution der Menschheit als Teil-Evolution, das muß man bedenken, wenn man verstehen will, was eigentlich alles hereinspielt in die Menschenseelen dieses fünften nachatlantischen Zeitraums. Denn langsam und allmählich spielt es herein. Und wir werden, wenn wir einen Blick werfen wollen auf die religiöse Evolution dieses Zeitraumes, nötig haben, diese dreifache Evolution der Menschheit immer gewissermaßen im Hintergrunde zu halten. Es ist ja in der Tat so, daß um jenen Zeitpunkt herum, in dem der fünfte nachatlantische Zeitraum seinen Anfang nimmt, nicht nur vieles andere, sondern auch das religiöse Leben der zivilisierten Menschheit in eine tiefgehende, viele Wogen aufwerfende Bewegung kommt, in eine Bewegung, die heute keineswegs abgeschlossen ist, die aber verstanden werden muß in ihren Tiefen, wenn die Menschen wirklich zum Gebrauch der Bewußtseinsseele kommen wollen. Denn nur dadurch, daß die Menschen, wie ich gestern gesagt habe, zur Einsicht kommen desjenigen, was geschieht, werden sie fähig werden, an der weiteren Evolution dieser Menschheit auf der Erde wirklich teilzunehmen.
[ 11 ] If we wish to understand all that plays into the souls of men of this fifth post-Atlantean epoch we must bear in mind the part-evolution that intervenes in the total evolution of mankind. For this part-evolution proceeds slowly and gradually. In order to examine briefly the religious development of this epoch it will be necessary to keep this threefold evolution to some extent in the background. About the time when the fifth post-Atlantean epoch began, not only many things, but also the religious life of mankind was caught up in a movement that has repercussions, a movement that is by no means concluded today. We must have a profound understanding of this movement if men really wish to make use of the Consciousness Soul. For only when men arrive at a clear insight and understanding of what is happening in evolution will they be able to participate in the further development of mankind on earth.
[ 12 ] Um den Beginn des 15. Jahrhunderts herum rumoren eigentlich wirklich die religiösen Impulse der zivilisierten Menschheit. Wir wollen sie zunächst über Europa hin betrachten, denn sehen wir sie über Europa hin, wird sich uns ein Bild, ich möchte sagen, des ganzen Erdenrundes ergeben. Das, was da rumorte, es hat sich eigentlich lange vorbereitet; es hat sich mehr oder weniger vorbereitet schon seit dem 10. Jahrhunderte, sogar schon seit dem 9. Jahrhundert des europäischen und vorderasiatischen Geisteslebens. Und diese Vorbereitung, sie geschah dadurch, daß in einer ganz besonderen Weise die Nachwirkung des Christus-Impulses innerhalb der zivilisierten Welt sich abspielte. Wir wissen ja, dieser Christus-Impuls ist etwas Fortwirkendes in der Zeit. Aber mit dem abstrakten Satze, dieser Christus-Impuls sei etwas Fortwirkendes, ist eigentlich sehr, sehr wenig gesagt. Man muß auch durchschauen, in welcher Weise sich dieser Christus-Impuls differenziert, in welcher Weise er sich in seinen Differenzierungen dann in der verschiedensten Art modifiziert, besser gesagt, metamorphosiert.
[ 12 ] Towards the beginning of the fifteenth century the first stirrings of the religious impulses are perceptible. Let us first look at these religious impulses in Europe for having seen them at work in Europe we shall also have a picture of their impact upon the rest of the world. The first religious stirrings had long been prepared—since the tenth century or even the ninth century in the spiritual life of Europe and the near East. And this was due to the fact that the after effect of the Christ impulse manifested itself in the civilized world in a very special way. This Christ impulse, as we know, is a continuous process. But this abstract statement—that the Christ impulse is a continuous process—says in reality very little. We must also ascertain in what way it acquires a distinct and separate character, in what way, in its differentiations, it is then modified, or better still, in what way it is metamorphosed and assumes widely different forms.
[ 13 ] Betrachtet man, wie dasjenige, was dazumal im Beginne des 15. Jahrhunderts anfing in Bewegung zu geraten, was heute tief, tief nachwirkt in den Menschen — vielfach unbewußt, ohne daß sie eine Ahnung davon haben —, wie das zusammenhängt mit dem gegenwärtigen Katastrophalen der Ereignisse, so drückt es sich dadurch aus, daß vom 9., 10. Jahrhundert an auf einem Gebiete der zivilisierten Welt die Möglichkeit geschaffen wurde, daß das eigentliche Christus-Volk entstand, jenes Volk, welches gewissermaßen die besondere innere Volksbefähigung empfing, die Christus-Offenbarung in die künftigen Jahrhunderte hineinzutragen. Man redet ganz im ureigentlichsten Sinne, wenn man für diese Zeit davon spricht, daß als Vorbereitung späterer Zeiten ein Volk durch die Weltereignisse besonders geeignet gemacht worden ist, das Christus-Volk zu werden.
[ 13 ] That which began to awaken at the beginning of the fifteenth century and which still exercises a profound influence on men today—often unconsciously and without their suspecting it—is related to the catastrophic events of the present time. And this is explained by the fact that from the ninth and tenth centuries onwards it was possible for the ‘people of the Christ’ to emerge in a certain territory within the civilized world, a people that was endowed with the special inborn capacity to become the vehicle of the Christ revelation for future generations. We express a profound truth when we say that in this epoch and in readiness for later times a people had been specially prepared by world events to become the People of the Christ.
[ 14 ] Das geschah dadurch, daß schon im 9. Jahrhunderte dasjenige, was als Christus-Impuls fortwirkte, sich in Europa gewissermaßen differenzierte, und jene Differenzierung des Christus-Impulses sich dadurch darstellt, daß Seelen sich geeignet erweisen, den Christus-Impuls in seiner Offenbarung unmittelbar in sich einfließen zu lassen, und daß dieser Teil, diese Differenzierung des Christus-Impulses nach dem Osten Europas abgeschoben worden ist. Was dazumal unter dem Patriarchen Photius, unter dem Papst Nikolaus I. geleistet worden ist, das war ein Zurückschieben des Christus-Impulses in seiner besonderen Intensität nach dem europäischen Osten hin.
[ 14 ] This situation arose because, in the ninth century, that which continued to operate as the Christ impulse acquired, to some extent, a separate character in Europe and this differentiation is seen in the fact that certain souls showed themselves capable of receiving directly the revelation of the Christ impulse (i.e. this particular form of the Christ impulse), and that these souls were diverted towards Eastern Europe. And the consequence of the controversy between the Patriarch Photius1Photius (815–869). Patriarch of Constantinople and author of the great schism between the Orthodox Church and the Church of Rome. This schism finally centred on the ‘filioque’ controversy. The Western Church added filioque (‘and the Son’) to the Constantinopolitan Creed, the so called double Procession of the Holy Ghost. Photius refused the insertion of filioque in the Nicene Creed. The Orthodox Church sees in Photius the champion of their cause against Rome. The addition of filioque became a dogma of the Roman Church in the fourth Lateran Council 1215. and Pope Nicholas I was that the Christ impulse in its particular intensity was diverted to the East of Europe.
[ 15 ] Sie wissen, das hat ja dann zu der berühmten Streitigkeit geführt, ob man den Heiligen Geist ausgehend denken soll vom Vater und vom Sohn, oder sich das anders zu denken hat. Doch auf dogmatische Streitigkeiten will ich nicht eingehen; auf dasjenige will ich eingehen, was eine fortdauernde Wirksamkeit hat. Und so ist diejenige Differenzierung gekommen, diejenige Metamorphose des Christus-Impulses, welche sich eben dadurch charakterisiert, daß die Angehörigen dieses Gebietes, des europäischen Ostens, ihre Seelen offen hielten für das fortdauernde Einfließen des Christus-Impulses, für die immerwährende, fortdauernde Gegenwart des Christus-Hauches. Es kam eben dazu, daß diese besondere Metamorphose nach dem Osten abgeschoben wurde und das russische Volk im weitesten Sinne des Wortes innerhalb der europäischen Zivilisation dadurch zu dem Christus-Volk geworden ist.
[ 15 ] As you know this led to the famous filioque controversy—the question whether the Holy Ghost proceeds from the Father and the Son, or from the Father only. But I do not wish to enter into disputes over dogma. I want to discuss that which has a lasting influence—that differentiation, that metamorphosis of the Christ impulse which is characterized by the fact that the inhabitants of Eastern Europe were receptive to the continual influx of the Christ impulse, to the continuous presence of the ‘breath’ of Christ. This particular form (or metamorphosis) of the Christ impulse was diverted to the East and in consequence, the Russian people, in the widest sense of the term, became, within the framework of European civilization, the People of the Christ.
[ 16 ] Dies zu wissen, ist ganz besonders wichtig in der heutigen Zeit. Sagen Sie ja nicht, daß eine solche Wahrheit gegenüber den heutigen Ereignissen sich merkwürdig ausnimmt. Sie würden, indem Sie so etwas sagten, nur verkennen das Allergrundsätzlichste der spirituellen Weisheit: daß oftmals die äußeren Ereignisse geradezu in paradoxer Weise der inneren Wahrheit der Vorgänge widersprechen. Es kommt gar nicht darauf an, ob da oder dort in der Welt die äußeren Ereignisse der inneren Wahrheit der Vorgänge widersprechen; darauf kommt es an, daß man auch einsehe, welches die inneren Vorgänge, die eigentlichen geistigen Wirklichkeiten sind. Diese eigentlichen geistigen Wirklichkeiten sind so, daß, wenn wir uns hier das Gebiet von Europa denken, nach dem Osten hinüber eine solche Welle (es wird gezeichnet, Pfeil) sich schon seit dem 9. Jahrhundert ergießt, welche dazu geführt hat, daß da das Christus-Volk entstand.
[ 16 ] It is particularly important to know this at the present time. Do not say in face of present eventsT1i.e. the Russian Revolution. that such a truth seems strange, for that would be to misunderstand the fundamental principle of spiritual wisdom, namely, that, paradoxically, external events often contradict their inner truth. That this contradiction may occur here and there is not important; what is important is that we recognize which are the inner processes, the true spiritual realities. For example, we have here the map of Europe (points to a diagram on the blackboard); we see sweeping eastwards since the ninth century that spiritual wave which led to the birth of the People of the Christ.
[ 17 ] Was meint man nun eigentlich damit, wenn man davon spricht, daß da das Christus-Volk entstand? Damit meint man — Sie können das ja alles dann mit der äußeren Geschichte in ihren Symptomen nachprüfen, Sie werden schon sehen, wenn Sie die inneren Vorgänge und nicht die äußeren, oftmals gerade der Wirklichkeit widersprechenden Tatsachen ins Auge fassen, daß das vollständig stimmt; ich habe mich ja in der Einleitung des heutigen Vortrages darüber ausgesprochen, was ich vor das Seelenauge stellen will —, man meint damit, daß da ein Territorium geschaffen worden ist in diesem Osten von Europa, auf welchem immerzu Menschen lebten, welche mit dem Christus-Impuls unmittelbar zusammenhängen, solche Menschen, in deren Seelen in einer gewissen Weise der Christus-Impuls fortwährend hereinträufelt. Der Christus bleibt fortwährend gegenwärtig als eine das Denken dieses Volkes, das Fühlen dieses Volkes durchsetzende innere Aura.
[ 17 ] What do we mean by saying that the People of the Christ arose in the East? We mean by this—and it can be verified by studying the symptoms in external history; you will find, if you bear in mind the inner processes and not the external facts which often contradict reality that this statement is fully confirmed—we mean by this that a territory has been set apart in the East of Europe where lived men who were directly united with the Christ impulse. The Christ is ever present as an inner aura impregnating the thinking and feeling of this people.
[ 18 ] Man kann vielleicht keinen stärkeren äußeren Beweis, der aber unmittelbar ein Beweis ist, finden für dieses, was ich eben jetzt gesagt habe, als eine solche Persönlichkeit wie Solowjow, den größten Philosophen des russischen Volkes in neuerer Zeit. Lesen Sie ihn und fühlen Sie, wie trotz all der Eigenschaften, die ich ja von anderen Gesichtspunkten her bei Solowjow besprochen habe, in ihn unmittelbar alles einfließt, was man Christus-Inspiration nennen könnte; wie dieses so stark in seiner Seele wirkt, was Christus-Inspiration ist, daß er sich das ganze Gefüge auch des äußeren sozialen Lebens des Menschen so angeordnet denkt, daß Christus der König ist, der unsichtbare Christus der König ist der menschlichen sozialen Gemeinschaft; daß alles durchchrister ist, daß jede einzelne Handlung, die der Mensch vollführt, eigentlich dadurch getan wird, daß der Christus-Impuls bis in die Muskeln herein sich betätigt. Der reinste, der schönste Repräsentant des Christus-Volkes ist der Philosoph Solowjow.
[ 18 ] One cannot find perhaps any clearer or more direct proof for what I have said here than the personality of Solovieff, the most outstanding Russian philosopher of modern times. Read him and you will feel—despite the peculiar characteristics of Solovieff which I have already discussed from other points of view—you will feel how there streams into him directly what could be called the Christ inspiration. This inspiration acts so powerfully within him that he cannot imagine the entire structure of social life otherwise than ordained by Christ the King, the Invisible Christ as sovereign of the social community. To Solovieff everything is imbued with the Christ, every single action performed by man is permeated with the Christ impulse which penetrates even into the muscular system. The philosopher Solovieff is the purest and finest representative of the People of the Christ.
[ 19 ] Von daher floß diese ganze russische Evolution bis zum heutigen Tage, bis zur heutigen Stunde. Und gerade wenn man das weiß, daß das russische Volk das Christus-Volk ist, dann wird man, wie wir später sehen werden, auch die heutige Evolution bis zu der gegenwärtigen Gestalt verstehen können. Das ist die eine Metamorphose, die das Christus-Volk vorbereitet hat, der Christus-Impuls in der einen Differenzierung.
[ 19 ] Here is the source of the entire Russian evolution up to the present day. And when we know that the Russian people is the People of the Christ we shall also be able to understand, as we shall see later, the present evolution in its present form. That is the one metamorphosis prepared by the People of the Christ one example of the differentiations of the Christ impulse.
[ 20 ] In einer zweiten Differenzierung bildete sich der Christus-Impuls so aus, daß Rom, welches die eigentliche, fortdauernd wirkende Christus-Metamorphose nach dem Osten abgeschoben hatte, umgestaltete die Geist-Herrschaft des Christus zur weltlichen Herrschaft der Kirche. Rom verfuhr so, daß es dekretierte: Alles das, was mit dem Christus zusammenhängt, alles das ist Sache einer einmaligen Offenbarung im Beginne unseres Zeitraums gewesen — einer einmaligen Offenbarung, und der Kirche ist diese Offenbarung übergeben, die Kirche hat diese Offenbarung äußerlich fortzutragen. — Mit dem aber wurde zu gleicher Zeit die Offenbarung des Christus zu einer weltlichen Machtfrage, wurde einbezogen von der Kirchenverwaltung, der Kirchenherrschaft. Das ist wichtig ins Auge zu fassen.
[ 20 ] The second differentiation of the Christ impulse was the work of Rome which, having diverted the authentic and continuous metamorphosis of the Christ impulse towards the East, transformed the spiritual sovereignty of Christ into the temporal sovereignty of the Church and decreed that everything relating to Christ had been revealed once and for all at the beginning of our era, that it had been a unique revelation never to be repeated. And this revelation had been entrusted to the Church and the task of the church was to bear witness to this revelation before the world. As a consequence, the Christian revelation became at the same time a question of temporal power and was taken over by the ecclesiastical authorities.
[ 21 ] Dadurch wurde nichts Geringeres erzeugt, als daß ein Stück aus dem Christus-Impuls herausgebrochen wurde. Der vollständige Christus-Impuls ist ja bei dem Christus-Volk, welches ihn so fortpflanzt, daß der Christus-Impuls tatsächlich in unmittelbarer Gegenwart fortwirkt. Die römische Kirche hat ausgebrochen dieses Fortwirken, hat den Christus-Impuls konzentriert auf den Beginn unserer Zeitrechnung und alles spätere auf die Tradition oder die Schriftüberlieferung gelegt, so daß das nun fortgehen soll, verwaltet von der Kirche. Dadurch wurde in einer gewissen Weise bei denjenigen Völkern, auf welche die römische Kirche ihren Einfluß ausdehnte, der ChristusImpuls heruntergeleitet von den spirituellen Höhen, in denen er doch immer im Osten geblieben ist, und übergeführt in politische Machinationen, in jene Konfundierung von Politik und Kirche, die ich Ihnen von anderen Gesichtspunkten schon als charakteristisch für das Mittelalter dargestellt habe. In Rußland war die Konfundierung, trotzdem der Zar Papst der russischen Kirche genannt worden ist, wie wir später sehen werden, doch in Wahrheit nicht vorhanden, nur äußerlich in den Scheintatsachen vorhanden. Da verbirgt sich gerade ein bedeutungsvolles Geheimnis der europäischen Entwickelung. Die wirkliche Konfundierung von realen Machtfragen und kirchlichen Verwaltungsfragen, die fand von Rom aus statt.
[ 21 ] It is important to bear this in mind because it meant no less than that the Christ impulse was thereby in part emasculated. The Christ impulse in its totality resides in the People of the Christ who transmit it in such a way that the Christ impulse actually continues to exercise a direct influence at the present time. The Church of Rome has interrupted this continuity, it has concentrated the Christ impulse upon a historical event at the beginning of our era and has attributed everything of a later date to tradition or written records, so that henceforth everything will be administered by the Church. Thus, amongst the peoples over whom the Church of Rome extended its influence, the Christ impulse was dragged down from the spiritual heights (in the East it had always remained at this level) and was put at the service of political intrigue and was caught up in that tangled relationship between politics and the Church which, as I have already described to you from other points of view, was characteristic of the Middle Ages. In Russia, although the Czar had been nominated ‘father’ of the Russian Orthodox Church, this troubled alliance between politics and the Church did not really exist, it was only apparent in external events. An important secret of European evolution is here concealed. The real confusion of questions of power and problems of ecclesiastical administration originated in Rome.
[ 22 ] Diese Konfundierung von politischen Machtfragen und kirchlichen Verwaltungsfragen für den Christus-Impuls war zu einer gewissen Krisis gekommen durch innere Wirklichkeitsgründe der geschichtlichen Evolution gerade um den Zeitpunkt des Beginnes der fünften nachatlantischen Zeit herum. Wir wissen ja aus dem, was wir in diesen Tagen betrachtet haben, daß dieser fünfte nachatlantische Zeitraum eben der Zeitraum der Bewußtseinsseele ist, daß da die Persönlichkeit sich besonders geltend macht, daß die Persönlichkeit sich auf sich selbst stellen will. Dadurch ist es besonders schwierig, als die Morgendämmerung dieses Sich-auf-sich-selbst-Stellens der Persönlichkeit da war, zurechtzukommen mit der Frage der Persönlichkeit des Christus Jesus selber. Das Mittelalter hatte bis zum 15. Jahrhundert hindurch seine Dogmen über die Verbindung des Göttlich-Geistigen in dem Christus mit dem Menschlich-Physischen. Diese Dogmen hatten natürlich verschiedene Formen angenommen. Aber so tiefgehende Wogen innerer Seelenkämpfe waren eigentlich gerade früher nicht da mit Bezug auf diese Frage; sie kamen in jenen Gegenden auf, in denen der römische Katholizismus sich bis dahin ausgebreitet hatte, als die Persönlichkeit in sich selbst sich erfassen wollte und daher auch Erklärung fordern wollte über das, was die Persönlichkeit des Christus Jesus ist. Und im Grunde genommen drehte sich um diese Frage der ganze Streit schon des Hus, des Wiclif, der Streit des Luther, des Zwingli, des Calvin, der Streit, den dann geführt haben die Wiedertäufer, den geführt haben zum Beispiel Kaspar Schwenckfeld, Sebastian Franck und viele andere; dieser Streit ging immer darum, Aufklärung haben zu wollen, wie die göttlich-geistige Natur des Christus mit der weltlich-menschlichen Natur des Jesus im Zusammenhange steht. Um diese Frage drehte es sich. Das wirbelte natürlich vieles auf. Das wirbelte viele Zweifel auf gegenüber derjenigen Evolutionsströmung, in der abgestumpft war der immer fortwirkende Christus-Impuls, so abgestumpft war, daß er nur da sein sollte am Beginne unserer Zeitrechnung, und daß er dann nur fortgepflanzt werden sollte durch die Kirchenverwaltung. So daß man sagen kann: Alles dasjenige, was von Rom aus beeinflußt worden ist..., das wurde zum Kirchenvolk.., Kirchen, Sekten und so weiter wurden begründet, die eine gewisse Bedeutung haben. [Lücken].
[ 22 ] This confusion of Power politics and ecclesiastical administration, by reason of inner grounds of historical evolution, had reached a critical stage for the Christ impulse towards the beginning of the fifth post-Atlantean epoch. As you already know this epoch is the epoch of the Consciousness Soul when the personality asserts itself and seeks to become self-reliant. Consequently it is particularly difficult, after the birth of the autonomous personality, to come to terms with the question of the personality of Christ Jesus himself. Throughout the Middle Ages and up to the fifteenth century the Church had maintained its dogmas concerning the union of the divine and spiritual with the human and physical in the person of Christ. These dogmas of course had assumed different forms without provoking hitherto deepseated spiritual conflicts. In those countries where Roman Catholicism had spread, these conflicts arose at a time when the personality, seeking to arrive at inner understanding of itself, also sought enlightenment upon the personality of Christ Jesus. In reality the controversies of Hus, Wyclif, Luther, Zwingli, Calvin, of the Anabaptists Kaspar Schwenkfeld, Sebastian Frank and others revolved round this question. They wanted clarification upon the relationship between the divine and spiritual nature of Christ and the human and physical nature of Jesus. This was the central question and of course it created a great stir. It raised many doubts about that current of evolution which had blunted the unbroken influence of the Christ impulse to such an extent that the Christ impulse was limited to a single event at the beginning of our era and was to be transmitted henceforth only by the Church authorities. And so we can say: ‘all those who came under the influence of Rome became the People of the Church.’ Churches and sects, etcetera, were founded which had a certain importance.
[ 23 ] Sagen Sie nicht: In Rußland wurden auch Sekten begründet. — Gerade mit solchen Begriffen verdirbt man sich alle Wirklichkeitsbetrachtung, wenn man ein Wort anwendet da und dort für dasjenige, was auf einem Gebiete etwas ganz anderes ist als auf dem anderen Gebiete. Wer das russische Sektenwesen studiert, wird finden, daß es in Wahrheit nicht die geringste Ähnlichkeit hat mit demjenigen, was das Sektenvolk in all den Gebieten war, auf welche die römisch-katholische Kirche einmal einen Einfluß gehabt hat. Nicht darauf kommt es an, ob die Dinge gleich zu benennen sind, sondern darauf kommt es an, was in ihnen als Wirklichkeitsfaktor pulsiert.
[ 23 ] But sects were also founded in Russia you will reply. Now to employ the same word which has different connotations in different areas is to lose all sense of reality. A study of Russian sects shows that they do not bear the slightest resemblance to the religious sects in the territories which at one time had been under the influence of the Church of Rome. It is not a question of designating things by the same term; what matters is the reality pulsating through them.
[ 24 ] Auflehnung aus den Gründen, die ich schon angeführt habe, und auch aus dem Grunde, den ich jetzt wiederum angeführt habe, gegen die einheitliche, mit unterbewußten Suggestionen wirkende römisch-katholische Kirche, zeichnet gerade das Leben und Streben der Menschen aus um den Beginn des 15. Jahrhunderts herum.
[ 24 ] For reasons I have already mentioned, the life and aspirations of men at the beginning of the fifteenth century are characterized by a spirit of Opposition to the uniformity of the Roman Church which operated through suggestionism.
[ 25 ] Und wiederum als Gegenstoß gegen dieses Anstürmen der Persönlichkeit sehen wir etwas anderes: Wir sehen, wie dem Romanismus der Kirche zu Hilfe kommt dasjenige, was Jesuitismus wurde, der in seiner Urbedeutung, wenn auch heute alles — verzeihen Sie den harten Ausdruck — verquatscht wird und von Jesuitismus überall gesprochen wird, eben nur innerhalb des römisch-katholischen Kirchenwesens möglich ist. Denn worauf beruht er? Der Jesuitismus beruht im wesentlichen auf folgendem: Wenn bei dem eigentlichen Christus-Volk jene Offenbarung des Christus-Impulses, ich möchte sagen, in der übersinnlichen Wolke drinnenbleibt, nicht herunterdringt in die physisch-sinnliche Welt — Solowjow will gewissermaßen das weltliche Reich in das Gottesreich hinaufheben, aber er will nicht heruntertragen das Gottesreich in das weltliche Reich —, so beruht der Jesuitismus gerade darauf, daß das Gottesreich in das weltliche Reich heruntergetragen werde und in den Seelen Impulse so angeschlagen werden, daß innerhalb des physischen Planes das Gottesreich wirke, wie die Gesetze dieses physischen Planes sind. Also der Jesuitismus strebt ein weltliches Herrschaftsreich an und will es so einrichten, daß es erscheint wie ein Königreich — aber ein weltliches Königreich — des Christus. Das will er vor allen Dingen dadurch erreichen, daß er seine Angehörigen, die Angehörigen des Jesuitenordens selber, so präpariert, als ob sie eine Heeres-, eine Soldatengemeinschaft wären. Der einzelne Jesuit fühlt sich als ein geistiger Soldat, und er fühlt Christus nicht als den geistigen Christus, der mit geistigen Mitteln die Welt beeinflußt, sondern er fühlt und soll in seinen Gedanken, in seinen Empfindungen alles so richten, daß er den Christus wie einen weltlichen König fühlt, daß er dem Christus dient, wie man einem weltlichen König dient, daß er so dient, wie ein Soldat seinem Generalissimus dient. Die Kircheneinrichtungen werden natürlich dadurch, daß man es mit Geistigem zu tun hat, andere als im weltlichen Militarismus, aber es soll eben in die geistige Ordnung eine streng militärische Ordnung hineinkommen. Alles soll so angeordnet werden, daß der echte Christ ein Soldat des Generalissimus Jesus ist. Dies ist ja im wesentlichen — wenn wir heute eine Sache, die ich einstmals in Karlsruhe schon auseinandergesetzt habe, von einem anderen Gesichtspunkte charakterisieren wollen — der Zweck jener Übungen, die jeder Jesuit macht, um in sich jene ungeheure Kraft heranzubilden, die gerade im Jesuitenorden durch lange Zeit gelegen hat und die in ihren Dekadenzerscheinungen schon nachwirken wird in jener Zeit des Chaos, in die wir eintreten. Den Jesuiten selber zunächst zu einem Soldaten zu machen für den Generalissimus Jesus Christus, das bezwecken alle die Meditationen, die /gnatius von Loyola vorgeschrieben hat, und die getreulich gerade von Jesuiten beobachtet werden.
[ 25 ] This assault of personality again provokes a reaction—the counter-thrust of Jesuitism which comes to the support of the Romanism of the Church. Jesuitism in its original sense (though everything today, if you will forgive the brutal expression, is reduced to idle gossip and Jesuitism is on everyone's lips) is only possible within the Roman Catholic Church. For fundamentally Jesuitism is based on the following: whilst in the true People of the Christ the revelation of the Christ impulse remains in the super-sensible world and does not descend into the physical world (Solovieff wishes to spiritualize the material world, not to materialize the spiritual world), the aim of Jesuitism is to drag down the Kingdom of God into the temporal world and to awaken impulses in the souls of men so that the Kingdom of God operates on the physical plane in the same way as the laws of the physical world. Jesuitism, therefore, aspires to establish a temporal sovereignty in the form of a temporal kingdom of the Christ. It wishes to achieve this by training the members of the Jesuit order after the fashion of an army. The individual Jesuit feels himself to be a spiritual soldier. He feels Christ, not as the spiritual Christ who acts upon the world through the medium of the Spirit, but he feels Him—and to this end he must direct his thoughts and feelings—as a temporal sovereign whom he serves as one serves an earthly King, or as a soldier serves his generalissimo. The ecclesiastical administration, since it is concerned with spiritual matters, will, of course, be different from that of a secular military regime; but the spiritual order must be subject to strict military discipline. Everything must be so ordained that the true Christian becomes a soldier of the generalissimo Jesus. In essence this is the purpose of those exercises which every Jesuit practises in order to develop in himself that vast power which the Jesuit order has long possessed and which will still be felt in its decadent forms in the chaotic times that lie ahead. The purpose of the meditations prescribed by Ignatius Loyola2Ignatius Loyola(1491–1556). Wounded at siege of Pamplona 1521 and during convalescence read devotional books. 1522 retired to Manresa, devoted himself to prayer and meditation. Sketched the fundamentals of the Spiritual Exercises. Took the monastic vows, gathered a few companions (e.g. Francis Xavier, Peter Favre) who became nucleus of the Society of Jesus. The Spiritual Exercises is a book of devotion and a training manual. Approved by Pope Paul 1540. Loyola beatified 1609, canonized 1622. See R. Fülop Müller, Power and Secrets of the Jesuits, 1930; Father J. Brodrick, The Origin of the Jesuits, 1940; and Ignatius Loyola, the Pilgrim rears, 1956. and which are faithfully observed by Jesuits is to make the Jesuit first and foremost a soldier of the generalissimo Jesus Christ.
[ 26 ] Ich will einige Proben dafür geben. Nehmen Sie zum Beispiel einmal unter den geistlichen Übungen, die der Jesuit zu pflegen hat, durch die er sich seine Kraft erwirbt, diejenige der zweiten Woche, die für ihn immer damit zu beginnen hat, daß er in einer Einleitungsbetrachtung. in Imaginationen sich vorführt das Reich Christi. Aber er hat sich dieses Reich Christi so zu denken, daß Christus vorne als oberster Feldherr anführt seine Legionen, welche die Welt zu erobern haben. Darauf folgt ein vorbereitendes Gebet. Dann die erste Vorübung.
[ 26 ] Here are a few samples. Let us take, for example, the spiritual exercise of the second week. The exercitant must always begin with a preliminary meditation in which he evokes in imagination ‘the Kingdom of Christ.’ He must visualize this Kingdom with Christ as supreme commander in the vanguard leading his legions, whose mission is to conquer the world. Then follows a preliminary prayer; then the first preamble.
[ 27 ] «1. Sie besteht in einer anschaulichen Vorstellung des Ortes; hier soll ich mit den Augen der Einbildungskraft schauen die Synagogen, die Städte und Flecken, die Christus unser Herr predigend durchzog.»
[ 27 ] ‘1. It consists in a clear representation of the place; here I must see with the eyes of imagination the synagogues, towns and villages which Christ our Lord passed through on His mission.’
[ 28 ] Das alles muß im vollen Bilde vorgestellt werden, so daß der Zögling, der Schüler die Situation und alle einzelnen Vorstellungen darinnen hat wie etwas, was er sinnlich gegenwärtig hat.
[ 28 ] All this must be visualized in a complete picture so that the novice sees the situation and all the separate representations as something which is visibly present to him.
[ 29 ] «2. Ich bitte um die Gnade, die ich begehre. Hier soll ich unsern Herrn um die Gnade anflehen, daß ich nicht taub sei für seinen Ruf, sondern bereit und beflissen, seinen heiligsten Willen zu erfüllen.»
[ 29 ] ‘2. I ask for the grace which I desire. Here I must ask of our Lord the grace that I should not be deaf to His call, but should be prompt and diligent to fulfil His most holy will.’
[ 30 ] Dann der andere Teil, die eigentliche Übung. Das, was ich bis jetzt angeführt habe, waren Vorübungen. Der erste Teil umfaßt wieder einige Punkte. Die Seele wird sehr sorgfältig präpariert.
[ 30 ] Then follows the actual exercise. (What I have quoted so far were preparatory exercises.) The first part again includes several points. The soul is very carefully prepared.
[ 31 ] «Punkt 1. Ich stelle mir einen irdischen König vor Augen, von Gott unserem Herrn selbst auserwählt, dem alle Fürsten und alle Christen Ehrfurcht und Gehorsam erweisen.»
[ 31 ] ‘ Point 1. I conjure up a picture of a terrestrial King chosen by God our Lord Himself to whom all Christians and all princes render homage and obedience.’
[ 32 ] Das alles muß er aber so unmittelbar in der Einbildungskraft vor sich haben wie eine sinnliche Vorstellung, mit derselben Stärke.
[ 32 ] The exercitant must hold this before him in his imagination with the same intensity as a sensory representation.
[ 33 ] «2. Ich habe acht, wie dieser König alle die Seinigen anredet und also spricht: «Mein Wille ist es, das ganze Land der Ungläubigen zu unterwerfen. Wer deshalb mit mir ziehen will, muß mit derselben Speise zufrieden sein wie ich, und ebenso mit demselben Trank und mit derselben Kleidung und so weiter. Ebenso muß er gleich mir bei Tag sich anstrengen und bei Nacht wachen und so fort, damit er so später mit mir am Siege Anteil habe, wie er an den Mühen Anteil hatte.»
[ 33 ] ‘Point 2. I observe how the King addresses all his subjects and says to them: “It is my will to conquer all the territories of the infidels. Therefore whosoever would go forth with me must be content with the same food as myself, the same drink and clothing, etcetera. He must also toil with me by day and keep watch with me by night so that he may share in the victory with me, even as he shared in the toil.”’
[ 34 ] Das stärkt dann den Willen, indem sinnliche Bilder unmittelbar in diesen Willen hineingehen, ihn durchglühen, ihn durchgeistigen.
[ 34 ] This strengthens the will, in that sensible images penetrate directly into this will, illuminate it and spiritualize it.
[ 35 ] «3. Ich erwäge, was die guten Untertanen einem so edelmütigen und so leutseligen König antworten müssen, und folglich auch, wie sehr jemand, der die Aufforderung eines solchen Königs nicht annehmen sollte, verdienen würde, von der ganzen Welt getadelt und als schlechter Soldat angesehen zu werden.»
[ 35 ] ‘Point 3. I consider how his faithful subjects must answer a King so kind and so generous, and consequently how the man who would refuse the appeal of such a King would be deserving of censure by the whole world and would be regarded as an ignoble Knight.’
[ 36 ] Das muß er sich also ganz fest klarmachen: wenn er nicht ein ordentlicher Soldat, Kriegsmann dieses Generalissimus ist, so muß er als ein entarteter Mensch in der ganzen Welt angesehen werden.
[ 36 ] The exercitant must clearly recognize that if he is not a true soldier, a warrior of this generalissimo, then the whole world will look upon him as unworthy.
[ 37 ] Nun kommt der zweite Teil der zweiten Woche.
[ 37 ] Then follows the second part of this exercise of the ‘second week.’
[ 38 ] «Der zweite Teil dieser Übung besteht in der Anwendung des vorhin erwähnten Gleichnisses vom irdischen König auf Christus unsern Herrn gemäß den drei angeführten Punkten.
[ 38 ] ‘The second part of this exercise consists in applying the previous example of the terrestrial King to Christ our Lord in accordance with the three points mentioned above.
[ 39 ] Punkt 1. Wenn wir schon eine derartige Aufforderung des irdischen Königs an seine Untertanen für beachtenswert ansehen, um wieviel mehr ist es dann der Betrachtung würdig, Christus unsern Herrn, den ewigen König, zu sehen und vor ihm die gesamte Welt, wie er diese insgesamt und jeden einzelnen im besondern beruft und spricht: «Mein Wille ist es, die ganze Welt und alle Feinde zu unterwerfen und so in die Herrlichkeit meines Vaters einzugehen. Wer deshalb mit mir kommen will, muß mit mir sich abmühen, damit er, wie er mir in der Mühsal folgte, so auch in der Herrlichkeit folge.»
[ 39 ] ‘Point 1. If we regard an appeal of the terrestrial King to his subjects as deserving of our consideration, then how much more deserving of our consideration is it to see Christ our Lord, the Eternal King, and the whole world assembled before Hirn, to see how He appeals to all and each one in particular saying: “It is my will to conquer the whole world and to subjugate my enemies and thus enter into the glory of my Father. Whoever therefore will follow me must be prepared to labour with me, so that, by following me in suffering, he may also follow me in glory.”’
[ 40 ] 2. Ich erwäge, wie alle, die Urteil und Vernunft haben, sich gänzlich zu jenen Mühen anbieten werden.
[ 40 ] ‘Point 2 To consider that all who are endowed with judgement and reason will offer themselves entirely for this arduous service.’
[ 41 ] 3. Jene, die von Verlangen beseelt sind, eine noch größere Hingabe zu bekunden und sich in jeglichem Dienste ihres ewigen Königs und allerhöchsten Herrn auszuzeichnen, werden nicht nur sich ganz zu jenen Mühen anbieten, sondern auch gegen ihre eigene Sinnlichkeit und gegen ihre Liebe zum Fleische und zur Welt angehen und so Anerbieten von höherem Werte und größerem Gewicht darbringen, indem sie sprechen:
[ 41 ] ‘Point 3 Those who are animated by the desire to show still greater devotion and to distinguish themselves in the total service of their eternal King and universal Lord will not only offer themselves wholly for such arduous service, but will also fight against their own sensuality, their carnal lusts and their attachment to the world and thus make sacrifices of higher value and greater importance, saying:
[ 42 ] «Ewiger Herr aller Dinge, ich bringe mich selbst zum Opfer dar mit deiner Gunst und Hilfe, vor deiner unendlichen Güte und in Gegenwart deiner glorreichen Mutter und aller Heiligen des himmlischen Hofes, und beteure, daß ich wünsche und danach verlange und daß es mein wohlüberlegter Entschluß ist, wofern es nur zu deinem größeren Dienste und Lobe gereicht, dich nachzuahmen in Ertragung jeglicher Unbilden, jeglicher Schmach und jeglicher Armut, der wirklichen sowohl wie der geistlichen, wenn deine heiligste Majestät mich zu solchem Leben und Stande erwählen und aufnehmen will.»
[ 42 ] “Eternal Lord of all things, with Thy favour and help, in the presence of Thy infinite Goodness and of Thy glorious Mother and of all the saints of the heavenly Court, I present my body as a living sacrifice and swear that it is my wish and desire and my firm resolve, provided it is for Thy greater service and praise, to imitate Thee in enduring all injustice, all humiliation and all poverty, both actual and spiritual, if it shall please Thy most holy Majesty to choose me and admit me to this life and to this state.”
[ 43 ] Diese Übung finde zweimal am Tage statt, nämlich morgens nach dem Aufstehen und eine Stunde vor dem Mittag- oder vor dem Abendessen.
[ 43 ] ‘This exercise should be practised twice a day, in the morning on rising and one hour before lunch or dinner.’
[ 44 ] Für die zweite Woche und die folgenden ist es sehr förderlich, zuweilen aus den Büchern der Nachfolge Christi oder der Evangelien und der Leben der Heiligen zu lesen»
[ 44 ] ‘For the second week and the following weeks it is very beneficial at times to read passages from The Imitation of Christ or from the Gospels and lives of the Saints’
[ 45 ] — zu lesen mit solchen Betrachtungen, die aus der Imagination heraus den Willen besonders schulen. Man muß wissen, wie der Wille wird, wenn diese Imaginationen in ihn hineinwirken, dieser soldatische Wille im Geiste, der den Christus Jesus eben zum Generalissimus macht! Er spricht vom «himmlischen Hofe, dem gedient wird in allen Formen der Unterwürfigkeit und Untertänigkeit». Verbunden mit solchen Übungen ist wiederum etwas, was ungeheuer stark wirkt, wenn es in immerwährender Wiederholung in den Willen hineingegossen wird. Denn Jesuitenschulung ist vor allen Dingen Willensschulung. Es wird empfohlen, die eben dargelegte Betrachtung in den folgenden Wochen als eine grundlegende täglich zu wiederholen, womöglich in derselben Form, vor der «Wahlbetrachtung» des Tages, der «Beschauung». Nehmen wir zum Beispiel den vierten Tag. Da haben wir «das Vorbereitungsgebet wie gewöhnlich», dann eine erste Vorübung.
[ 45 ] to be read in conjunction with those meditations which train especially the will through visualization. One must know how the will develops when it is under the influence of these Imaginations—this martial will in the realm of the Spirit which makes Christ Jesus its generalissimo! The exercise speaks of the ‘heavenly Court which one serves in all forms of submission and humility.’ With these exercises, which through the imagination train especially the will, is associated something which exercises a powerful influence upon the will when it is continually repeated. For the schooling of Jesuits is above all a schooling of the will. It is recommended to repeat daily the above meditation in the following weeks as a basic meditation and where possible in the same form, before the selected daily meditation, before the ‘contemplation.’ Let us take, for example, the fourth day. We have the normal preliminary prayer then a first preamble.
[ 46 ] «1. Sie bietet den geschichtlichen Vorgang, hier: wie Christus alle unter seine Fahne ruft und sammeln will, und Luzifer dagegen unter die seinige.»
[ 46 ] ‘We visualize the historical event—Christ summons and assembles all men under His standard, and Lucifer, on the other hand, under his standard.’
[ 47 ] Man muß sich genau die Fahne vorstellen. Und man hat sich zwei Heere vorzustellen, welche die zwei Fahnen vorantragen, die LuziferFahne und die Christus-Fahne.
[ 47 ] One must have an exact visual picture of the standard. And one must also visualize two armies, each preceded by its standard, the standard of Lucifer and the standard of Christ.
[ 48 ] «2. Anschauliche Vorstellung des Ortes; hier schaue man eine Ebene der gesamten Gegend von Jerusalem, wo als höchster einziger Oberfeldherr der Guten Christus unser Herr steht; eine andere Ebene aber in der Gegend von Babylon, wo als Haupt der Feinde Luzifer auftritt.»
[ 48 ] ‘2. You form a clear picture of the place; here a vast plain round about Jerusalem, where stands Christ our Lord, the sole and supreme commander of the just and good, with His army in battle order; and another plain round about Babylon where stands Lucifer, chief of the enemy forces.’
[ 49 ] Nun stehen die beiden Heere einander gegenüber, die Fahne Luzifers und die Fahne Christi.
[ 49 ] The two armies now face each other—the standard of Lucifer and the standard of Christ.
[ 50 ] «3. Ich bitte um das, was ich begehre, und zwar werde ich hier bitten um Erkenntnis der Trugwerke des bösen Anführers und um Hilfe, damit ich mich davor bewahre, sowie um Erkenntnis des wahren Lebens, das der höchste und wahre Heerführer zeigt, und um die Gnade, ihn nachzuahmen.»
[ 50 ] ‘3. I ask for what I desire: here I ask for knowledge of the lures of the evil adversary and for help to preserve myself from them; also for knowledge of the true life of which our sovereign and true commander is the exemplar, and for grace to imitate Him.’
[ 51 ] Nun kommt der erste Teil der eigentlichen Übung, die Fahne Luzifers. Der Übende richtet also den geistigen Blick der Imagination hin auf das Heer, welches unter der Fahne Luzifers ist.
[ 51 ] Now follows the first part of the actual exercise: the standard of Lucifer; the exercitant therefore directs his spiritual eye of imagination upon the army which follows the standard of Lucifer.
[ 52 ] «Punkt 1. Ich stelle mir vor, ich sähe den Anführer aller Feinde in jener großen Ebene von Babylon gleichsam auf einem hohen Stuhle von Feuer und Rauch sitzen in schreckenerregender und furchtbarer Gestalt.
[ 52 ] ‘Point 1. Imagine you see the chief of all the adversaries in the vast plain around Babylon seated on a high throne of fire and smoke, a figure inspiring terror and fear.’
[ 53 ] 2. Man betrachte, wie er unzählige böse Geister zusammenruft und wie er sie aussprengt, die einen in diese Stadt und die andern in eine andere und so über die ganze Welt hin, ohne irgend ein Land, einen Stand oder irgend einen Menschen im einzelnen zu übergehen.»
[ 53 ] ‘Point 2. Consider how he summons innumerable demons, scattering them abroad, some to one City, some to another and thus over the whole earth without overlooking any province, place, station in life or any single individual.’
[ 54 ] Also dieses Aussenden muß im einzelnen und konkret vorgestellt werden.
[ 54 ] This despatch of demons must be visualized concretely and in detail.
[ 55 ] «3. Man betrachte die Ansprache, die er an sie hält und wie er sie auffordert, Netze und Ketten auszuwerfen, und zwar sollen sie die Menschen zuerst versuchen durch die Begierde nach Reichtümern, wie er es selbst bei den meisten zu tun pflegt, auf daß sie desto leichter zur eitlen Ehre der Welt und dann zu einem unbändigen Hochmut gelangen.
[ 55 ] ‘Point 3. Consider the address he makes to them, how he enjoins upon them to prepare snares and fetters to bind men. First, they are to tempt men to covet riches, as he (Lucifer) is accustomed to do in most cases, so that they may the more easily attain the vain approbation of the world and then develop an overweening pride.’
[ 56 ] Demnach ergeben sich als erste Stufe die Reichtümer, als zweite die Ehre, als dritte der Hochmut, und von diesen drei Stufen aus verführt Luzifer zu allen übrigen Lastern.»
[ 56 ] ‘Accordingly, the first step will be riches, the second fame, the third pride. And from these three steps Lucifer seduces man to all the other vices.’
[ 57 ] Zweiter Teil: Die Fahne Christi.
[ 57 ] Second Part. The standard of Christ
[ 58 ] «In ähnlicher Weise soll man sich auf der entgegengesetzten Seite den höchsten und wahren Heerführer vorstellen, der da ist Christus unser Herr.
[ 58 ] ‘In the same way we must picture to ourselves on the opposing side, the sovereign and true commander, Christ our Lord.
[ 59 ] Punkt 1. Man betrachte, wie Christus unser Herr auf einer großen Ebene jener Umgegend von Jerusalem an einem einfachen Platze Stellung nimmt, schön und liebenswürdig.
[ 59 ] ‘Point 1. Consider Christ our Lord, beautiful and gracious to behold, standing in a lowly place, in a vast plain about the region of Jerusalem.’
[ 60 ] 2. Man betrachte, wie der Herr der ganzen Welt so viele Personen auserwählt, Apostel, Jünger und so weiter, und sie über die ganze Welt hin entsendet, auf daß sie den Samen seiner heiligen Lehre unter den Menschen aller Stände und in allen Lebenslagen ausstreuen.
[ 60 ] ‘Point 2. Consider how the Lord of the whole world chooses so many persons, apostles, disciples, etcetera, and sends them forth into all lands to preach the Gospel to men of all stations in life and of every condition.’
[ 61 ] 3. Man betrachte die Ansprache, die Christus unser Herr an alle seine Diener und Freunde hält, die er zu solchem Unternehmen aussendet; wie er ihnen empfiehlt, sie möchten allen zu helfen suchen, indem sie dieselben zuerst zur größten geistlichen Armut bewegen und, wenn seine göttliche Majestät sich darin gefiele und sie dazu auserwählen wollte, nicht minder auch zur wirklichen Armut; zweitens zum Verlangen nach Schmähungen und Verachtung, weil aus diesen beiden Dingen, der Armut und Verachtung, die Demut hervorgeht.
[ 61 ] ‘Point 3. Consider the address which Christ our Lord holds in the presence of all His servants and friends whom He sends on this crusade, recommending them to endeavour to help all, first urging upon them to accept the highest spiritual poverty, and, if it should find favour in the eyes of His divine Majesty and if, should he deign to choose them, to accept also actual poverty; secondly to desire humiliation and contempt, for from these two things, poverty and humiliation, springs humility.’
[ 62 ] Es gibt demnach drei Stufen, erstens die Armut gegen den Reichtum, zweitens Schmach und Verachtung gegen die weltliche Ehre, drittens die Demut gegen den Hochmut; und von diesen drei Stufen aus sollen die Gesandten Christi die Menschen zu allen übrigen Tugenden anleiten.»
[ 62 ] ‘Accordingly there are three steps: first, poverty as opposed to riches, secondly, humiliation and contempt as opposed to worldly fame, thirdly, humility as opposed to pride. And from these three steps the ambassadors of Christ shall lead men to the other virtues.’
[ 63 ] In dieser Art werden die Übungen gepflogen. Worauf es ankommt, ist das, was ich Ihnen gesagt habe, eigentlich ein weltliches Reich, das eben als weltliches Reich organisiert sein soll, aber so vorgestellt sein soll, daß es der Heerbann des Christus Jesus ist. Dieses Jesuitentum ist eben nur die konsequenteste, beste, außerordentlich gut organisierte Ausprägung desjenigen, was ich als zweite Strömung angegeben habe: des Impulses des Kirchenvolkes. Im wesentlichen wird man finden: Der Impuls des Kirchenvolkes besteht also darinnen, daß hinuntergetragen werden soll die einmalige Offenbarung, die zu Jerusalem geschehen ist, in ein weltliches Reich. Denn die ganzen Übungen laufen darauf hinaus, daß zur Fahne Christi als Soldat zuletzt sich selber wählt derjenige, der die Übungen macht, daß der sich fühlt als einen richtigen Soldaten Christi. Das war ja auch der Sinn, welcher durch eine Offenbarung besonderer Art sich dem Ignatius von Loyola erschlossen hat, der ja zunächst alle möglichen Taten als Soldat getan hat, dann nach seiner Verwundung auf dem Krankenbette durch Meditationen in einer solchen Weise geführt wurde — ich will nicht sagen von welcher Macht —, daß sich in seiner Seele alles das, was früher als soldatischer Impuls in ihm lebte, umgestaltete zu dem Impuls des Christus-Soldaten, des Jesus-Soldaten. Es ist eines der interessantesten Phänomene der Weltgeschichte, daß ein ausgeprägt tapferer Soldat verwundet wird und durch Meditationen das, was er als Soldat war, umgeprägt erhält in den geistlichen Soldaten.
[ 63 ] The spiritual exercises are practised in this way. As I have already said, what matters is that a temporal kingdom, and organized as such, must be represented as the army of Christ Jesus. Jesuitism is the most consistent, the best, and moreover extremely well organized expression, of what I referred to as the second current—the impulse of the People of the Church. We shall find in effect that fundamentally this impulse of the People of the Church is to reduce the unique revelation which occurred at Jerusalem to the level of a temporal Kingdom. For the end and object of the exercises is ultimately to bring the exercitant to choose himself as soldier serving under the banner of Christ and to feel himself to be a true soldier of Christ. That was the message entrusted to Ignatius Loyola through a revelation of a special kind. He first performed heroic deeds as a soldier, then as he lay on a sick bed recovering from his wounds was led as a result of meditations (I will not say by what power) to transform the martial impulse which formerly inspired him into the impulse to become a soldier of Christ. It is one of the most interesting phenomena of world history to observe how the martial qualities of an outstandingly brave soldier are transformed through meditations into spiritual qualities.
[ 64 ] Da wo der Christus-Impuls so wirkte, daß ihm abgestumpft war das fortdauernde Wirken, welches er innerhalb des Christus-Volkes selbst hatte, ist es selbstverständlich, daß dieses die äußerste Ausprägung des Christus-Impulses sein mußte. Man kann sich nun fragen: Gibt es nicht auch eine andere, die gegenteilige Ausprägung desjenigen, was im Jesuitismus da ist? — Dann müßte etwas entstehen auf dem Territorium, welches durchsetzt ist von dem Kirchenvolk. Es müßte sich aus diesen verschiedenen Reaktionen des Luthertums, des Zwinglianismus, Calvinismus, Schwenckfeldismus, der Wiedertäufer und so weiter, aus diesem Chaos, das ja doch atomisiert wird, etwas ergeben, was nicht nur in der Linie des Jesuitismus läuft — denn, nicht wahr, Jesuitismus ist die äußerste Ausprägung, es läuft vieles in seiner Linie —, es müßte sich etwas ergeben, was dem Jesuitismus vollständig entgegengesetzt ist, was gewissermaßen, geradeso wie der Jesuitismus immer tiefer und tiefer in die Kirchenvolkheit hinein will, heraus will aus dieser Kirchenvolkheit. Der Jesuitismus will den Christus-Impuls umgestalten zu einer rein weltlichen Herrschaft, will gewissermaßen den Erdenstaat begründen, jenen Erdenstaat, der aber zugleich der Jesuitenstaat ist und der so regiert wird, wie regiert werden kann, wenn man sich zum Soldaten des Generalissimus Christus gemacht hat. Was wäre das Entgegengesetzte?
[ 64 ] Where the continuous influence which the Christ impulse had exercised within the People of the Christ had been blunted, it is clear that Jesuitism had to assume this extreme form. And the question arises: is there not another form of Christianity diametrically opposed to that of Jesuitism? In that event a force would have to emerge in the territory occupied by the People of the Church. From the different reactions of Lutheranism, Zwinglianism,3Zwingli and Calvin—see notes to Lecture VI.
Kaspar von Schwenkfeld (1489–1561). An Evangelical sectarian. His followers formed communities in Silesia and Pennsylvania.
Anabaptists. A Christian sect of the Reformation which rejected infant baptism and believed in the establishment of the Kingdom of God on earth. Associated with the peasant revolts in Saxony 1521. Leaders executed, banished or expelled. Calvinism, Schwenkfeldism and the Anabaptists, from this chaos and fragmentation, a force would have to emerge which not only follows the line of Jesuit thought (for Jesuitism is only an extreme expression of Catholic dogma)—but which is diametrically opposed to Jesuitism, something which seeks to break away from this community of the People of the Church, whilst Jesuitism seeks to be ever more deeply involved in it. Jesuitism wishes to transform the Christ impulse into a purely temporal sovereignty, to found a terrestrial state which is at the same time a Jesuit state, and which is governed in accordance with the principles of those who have volunteered to become soldiers of the generalissimo Christ. What could be the force which is the antithesis of Jesuitism?
[ 65 ] Das Entgegengesetzte wäre, wenn man nicht das, was oben ist, herunterträgt, sondern wenn man versucht, immerzu das, was hier unten ist, hinaufzuheben in die geistige Welt. Beim eigentlichen ChristusVolk ist es wie eine Naturanlage da; bei Solowjow kam es, wenn auch oft stammelnd, zum Ausdruck. Innerhalb des Gebietes des eigentlichen Kirchenvolkes gibt es nun etwas, was diametral entgegengesetzt ist dem Jesuitismus, was unmittelbar in äußeren Herrschaftsverhältnissen, in äußerem Zusammenhange gar nichts haben will von dem Spirituellen, was will, daß der Christus-Impuls immer in die Seelen hereinwirkt, und nur auf dem Umwege durch die Seelen in der äußeren Welt wirkt. Solch ein Impuls würde zwar — weil in der Zeit manches sich so einstellen würde — auftreten innerhalb des Kirchenvolkes; aber er würde immerzu die Evolution so führen wollen, daß das, was spiritueller Christus-Impuls ist, nur in die Seelen hereinwirkt, gewissermaßen esoterisch bleibt, wenn auch im besten, edelsten Sinne esoterisch bleibt. Während der Jesuitismus alles in ein weltliches Königreich umwandeln will, würde diese Weltenströmung alles weltliche Königreich immer nur betrachten als etwas, was zur Not da sein muß auf dem äußeren physischen Plane, was aber die Menschen vereinigt, damit sie in ihren Seelen sich hinaufheben können in die höheren Welten. Dieser diametrale Gegensatz, dieses, was sich zum Jesuitismus polarisch entgegengesetzt verhält, ist nun Goetheanismus.
[ 65 ] The counter-impulse would be that which seeks, not to materialize the spiritual, but to spiritualize the material world. This impulse is a natural endowment amongst the true People of the Christ and finds expression in Solovieff4Vladimir Solovieff (1853–1900). Russian theologian, philosopher and poet. His philosophy has a profound mystical quality. Opposed to Slavophil nationalism and the despotic state. See N. Berdyaev, The Russian Idea, 1947. (This book useful on the interpretation of the Russian make-up, cf. Lecture I of this course); N. L. Lossky, History of Russian Philosophy, 1953. though often tentatively. Within the territory of the true People of the Church there exists something which is radically opposed to Jesuitism, something which rejects any direct intervention of the spiritual in power politics and external affairs, and wishes the Christ impulse to penetrate into the souls of men, and indirectly through these souls to operate in the external world. Such an impulse might well appear in the People of the Church—because, in the meantime, much might tend in this direction; but it would seek to direct evolution in such a way that the spiritual Christ impulse penetrates only into the souls and remains to some extent esoteric, esoteric in the best and noblest sense of the term. Whilst Jesuitism wishes to tranform everything into a temporal kingdom, this other current would simply regard the temporal kingdom as something which, if need be, must exist on the physical plane, something, however, which unites men so that they can lift up their souls to higher realms. This current which is the polar opposite of Jesuitism is Goetheanism.
[ 66 ] Goetheanismus will das genaue Gegenteil von dem, was Jesuitismus will, und Sie verstehen wiederum von einem anderen Gesichtspunkte aus den Goetheanismus, wenn Sie ihn in dieser polarischen Gegensätzlichkeit zu dem Jesuitismus betrachten. Daher die ewige Feindschaft, welche der Jesuitismus geschworen hat und immer mehr schwören wird dem Goetheanismus. Die können nicht miteinander sein. Das eine weiß vom andern gut Bescheid. Der Jesuitismus weiß gut Bescheid bei Goethe: der Jesuitenpater Baumgartner hat das beste Buch über Goethe geschrieben — selbstverständlich vom jesuitischen Standpunkte aus. Was die verschiedenen deutschen Professoren oder der Engländer Lewes über Goethe geschrieben haben, das sind alles die reinsten Stümpereien gegenüber dem, was der Jesuitenpater Baumgartner in seinen drei Bänden über Goethe geschrieben hat, denn der weiß, warum er schreibt! Es schärft der Blick des Gegners alles dasjenige, was er bei Goethe sieht. Er schreibt auch nicht wie ein deutscher Professor mit mittlerem Bourgeoisverstand, oder gar wie der Engländer Lewes, der einen Menschen schildert, der allerdings 1749 in Frankfurt geboren ist, dieselben Dinge durchgemacht haben soll, die Goethe durchgemacht hat, der aber nicht Goethe ist. Sondern der Jesuit Baumgartner, der schildert mit all dem, was sich in seinen Willen hinein ergossen hat von seinen Meditationen aus. Und so schließt sich in diesem einen Punkt schon etwas, was in die Zukunft hineinspielen soll, der Goetheanismus, mit etwas zusammen, was sich auch unmittelbar an den Zeitpunkt angeschlossen hat, der mit dem 15. Jahrhundert beginnt, der mit der Reformation zum Jesuitismus heraufführt.
[ 66 ] The aim of Goetheanism is the exact opposite of that of Jesuitism. And you will understand Goetheanism from a different angle if you consider it as by nature diametrically opposed to Jesuitism. That is why Jesuitism is, and ever will be the sworn foe of Goetheanism. They cannot coexist; they know each other too well and Jesuitism is well informed on Goethe. The best book on Goethe, from the Jesuit standpoint of course, is that of the Jesuit father, Baumgartner.5Alexander Baumgartner (1841–1910). Catholic literary historian. Member of the Jesuit Order. His book Goethe 1885 emphasizes the Catholic point of view. What the various German professors and the Englishman, G. H. Lewes,6George Henry Lewes (1871–78). Best known for the Life and Works of Goethe, 2 voll, 1855. have written about Goethe is pure dilettantism compared with the three volumes by Baumgartner. He knows what he is about! As an adversary he sees Goethe with a more critical eye. Nor does he write like a German Professor of average intelligente or like the Englishman, Lewes, who depicts a man who was indeed born in Frankfurt in 1749; he is said to have lived through the same experiences as Goethe, but the man he depicts is not Goethe. But Baumgartner's portrait is reinforced with the forces of will derived from his meditations. Thus Goetheanism, which is destined to play a part in the future, is linked to something which is directly associated with the epoch beginning with the fifteenth century and leading via the Reformation to Jesuitism.
[ 67 ] Das dritte werde ich dann morgen schildern.
[ 67 ] I will discuss the third current tomorrow.
[ 68 ] Ich habe Ihnen heute also das Christus-Volk und das Kirchenvolk geschildert und das dritte, was da hineinspielt, und dann die Wechselwirkung davon, um zu einem inneren Einblick in die neuzeitliche Religionsentwickelung ihren Symptomen nach zu kommen, das werde ich dann morgen schildern.
[ 68 ] I have described to you today the People of the Christ, the People of the Church and the third current which interpenetrates them and then the reciprocal action of these currents, in order to give you an insight into recent religious developments through a study of their symptoms. I will say more of this tomorrow.
