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The Developmental-Historical Basis
of Social Judgment
GA 185a

10 November 1918, Dornach

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Entwicklungsgeschichtliche Unterlagen zur Bildung eines sozialen Urteils
  1. The Developmental-Historical Basis of Social Judgment, tr. SOL

Zweiter Vortrag

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Ich werde auch heute vor Ihnen ähnliche Betrachtungen anstellen, wie die gestrigen waren. Es sind ja diese Betrachtungen gewiß von manchem Gesichtspunkte aus nicht dasjenige, was rein anthroposophisch genannt wird, aber ich denke, wir leben in einer Zeit und in Verhältnissen, wo wohl gerade der Boden der anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Bewegung, auf dem wir stehen, derjenige ist, auf dem solche Betrachtungen angestellt werden müssen — nicht nur angestellt werden sollen und können, sondern geradezu in der Gegenwart angestellt werden müssen. Ich möchte womöglich auch bei dieser Gelegenheit mich des eigenen Urteils enthalten — ich sage: womöglich — und nur Unterlagen liefern zur Beurteilung, insofern mir eine solche Beurteilung notwendig erscheint, für denjenigen, der eben sich gedrängt fühlt, die gegenwärtigen Zeitverhältnisse zu beurteilen. Ich bin gestern davon ausgegangen, daß gegenüber den jetzigen katastrophalen Ereignissen die Stellung der Schuldfrage, so wie man den Begriff der Schuldfrage gewöhnlich auffaßt, das ganze Urteil in falsche, in unrichtige Bahnen lenkt. Denn in dem Augenblicke wird das Urteil in falsche Bahnen gelenkt, in dem in einer so weltbewegenden Sache, wie diese Katastrophe ist, irgendwie geartete Emotionen, Sympathien und Antipathien, einfließen. Das muß man sagen, trotzdem es so natürlich ist, daß solche Sympathien und Antipathien einfließen, ja, ich möchte sagen, so selbstverständlich es ist, daß sie einfließen. Aber man kann sich doch bemühen, aus den Tatsachen heraus wenigstens Richtungen zu finden, um zu urteilen, Richtungen zu finden zu dem Urteile, das sich ja doch allmählich entwickeln muß, zu dem Urteile, welches seine Grundlage in der Tragik und in dem Verhängnis der gegenwärtigen Ereignisse sucht, und nicht immer wieder und wiederum nur dadurch sucht, daß man frägt: Ja, hat man da oder dort in diesem oder jenem Zeitpunkt schon an den Krieg, der da kommen soll, gedacht, oder hat man sich vorgenommen, den Krieg zu führen? — oder dergleichen.

[ 1 ] Ich werde auch heute vor Ihnen ähnliche Betrachtungen anstellen, wie die gestrigen waren. Es sind ja diese Betrachtungen gewiß von manchem Gesichtspunkte aus nicht dasjenige, was rein anthroposophisch genannt wird, aber ich denke, wir leben in einer Zeit und in Verhältnissen, wo wohl gerade der Boden der anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Bewegung, auf dem wir stehen, derjenige ist, auf dem solche Betrachtungen angestellt werden müssen — nicht nur angestellt werden sollen und können, sondern geradezu in der Gegenwart angestellt werden müssen. Ich möchte womöglich auch bei dieser Gelegenheit mich des eigenen Urteils enthalten — ich sage: womöglich — und nur Unterlagen liefern zur Beurteilung, insofern mir eine solche Beurteilung notwendig erscheint, für denjenigen, der eben sich gedrängt fühlt, die gegenwärtigen Zeitverhältnisse zu beurteilen. Ich bin gestern davon ausgegangen, daß gegenüber den jetzigen katastrophalen Ereignissen die Stellung der Schuldfrage, so wie man den Begriff der Schuldfrage gewöhnlich auffaßt, das ganze Urteil in falsche, in unrichtige Bahnen lenkt. Denn in dem Augenblicke wird das Urteil in falsche Bahnen gelenkt, in dem in einer so weltbewegenden Sache, wie diese Katastrophe ist, irgendwie geartete Emotionen, Sympathien und Antipathien, einfließen. Das muß man sagen, trotzdem es so natürlich ist, daß solche Sympathien und Antipathien einfließen, ja, ich möchte sagen, so selbstverständlich es ist, daß sie einfließen. Aber man kann sich doch bemühen, aus den Tatsachen heraus wenigstens Richtungen zu finden, um zu urteilen, Richtungen zu finden zu dem Urteile, das sich ja doch allmählich entwickeln muß, zu dem Urteile, welches seine Grundlage in der Tragik und in dem Verhängnis der gegenwärtigen Ereignisse sucht, und nicht immer wieder und wiederum nur dadurch sucht, daß man frägt: Ja, hat man da oder dort in diesem oder jenem Zeitpunkt schon an den Krieg, der da kommen soll, gedacht, oder hat man sich vorgenommen, den Krieg zu führen? — oder dergleichen.

[ 2 ] Man muß sich solchen Dingen gegenüber doch wirklich klar werden, daß zumeist solch ein Urteil gar keinen Inhalt hat. Denn was will es denn besagen, wenn irgendwo irgend jemand gehört hat — man hat ja selbstverständlich viele solche Dinge gehört —, daß aus diesen oder jenen Voraussetzungen heraus ein Krieg kommen müsse? Es handelt sich bei solchen Dingen immer darum, ob an irgendeiner Stelle, wo man zum Beispiel den Krieg will, man auch in der Lage ist, dieses Wollen durchzusetzen, den Krieg auch herbeizuführen, oder auch nur irgend etwas Erhebliches zu tun, um ihn herbeizuführen. Es können da oder dort unzählige Menschen den Krieg gewünscht haben: wenn sie nicht in der Lage waren, irgend etwas zu tun, um ihn herbeizuführen, so ist ja dasjenige, was sie gesprochen haben, bloße Rederei. Gerade bei der Beurteilung der gegenwärtigen Ereignisse ist es notwendig, wirklich zu verstehen, was es eigentlich heißt, die Geschichte symptomatisch ins Auge zu fassen. Niemand kann, wenn er nicht imstande ist, die Motive zu wägen, die Tatsachen zu wägen, eine gesunde Richtung für sein Urteil bekommen, wenn er sich nicht wenigstens eben nach dieser Richtung bemüht, denn in der Gegenwart sind alle Ereignisse ungeheuer kompliziert. Und wenn Sie da oder dort eine Tatsache oder gar eine Rederei auffangen, so handelt es sich immer darum, welches Gewicht eine solche Tatsache oder eine solche Rederei innerhalb des Zusammenhanges der Ereignisse haben kann. Schon bei der Aufzählung der Tatsachen muß man gerade auf das, was ich da im Auge habe, in ganz besonderem Maße Rücksicht nehmen.

[ 2 ] Man muß sich solchen Dingen gegenüber doch wirklich klar werden, daß zumeist solch ein Urteil gar keinen Inhalt hat. Denn was will es denn besagen, wenn irgendwo irgend jemand gehört hat — man hat ja selbstverständlich viele solche Dinge gehört —, daß aus diesen oder jenen Voraussetzungen heraus ein Krieg kommen müsse? Es handelt sich bei solchen Dingen immer darum, ob an irgendeiner Stelle, wo man zum Beispiel den Krieg will, man auch in der Lage ist, dieses Wollen durchzusetzen, den Krieg auch herbeizuführen, oder auch nur irgend etwas Erhebliches zu tun, um ihn herbeizuführen. Es können da oder dort unzählige Menschen den Krieg gewünscht haben: wenn sie nicht in der Lage waren, irgend etwas zu tun, um ihn herbeizuführen, so ist ja dasjenige, was sie gesprochen haben, bloße Rederei. Gerade bei der Beurteilung der gegenwärtigen Ereignisse ist es notwendig, wirklich zu verstehen, was es eigentlich heißt, die Geschichte symptomatisch ins Auge zu fassen. Niemand kann, wenn er nicht imstande ist, die Motive zu wägen, die Tatsachen zu wägen, eine gesunde Richtung für sein Urteil bekommen, wenn er sich nicht wenigstens eben nach dieser Richtung bemüht, denn in der Gegenwart sind alle Ereignisse ungeheuer kompliziert. Und wenn Sie da oder dort eine Tatsache oder gar eine Rederei auffangen, so handelt es sich immer darum, welches Gewicht eine solche Tatsache oder eine solche Rederei innerhalb des Zusammenhanges der Ereignisse haben kann. Schon bei der Aufzählung der Tatsachen muß man gerade auf das, was ich da im Auge habe, in ganz besonderem Maße Rücksicht nehmen.

[ 3 ] Sehen Sie, für denjenigen, der erkennen will — und eigentlich müßte jeder in der Gegenwart bestrebt sein, auf diesem Gebiete das Richtige zu erkennen —, handelte es sich auch darum, daß er sich um die richtigen Dinge bekümmert hat, daß er gewissermaßen an die Ereignisse die richtige Frage gestellt hat, woran manchen natürlich das Maß von Leidenschaftlichkeit, das er in sich hatte, eben gehindert hat.

[ 3 ] Sehen Sie, für denjenigen, der erkennen will — und eigentlich müßte jeder in der Gegenwart bestrebt sein, auf diesem Gebiete das Richtige zu erkennen —, handelte es sich auch darum, daß er sich um die richtigen Dinge bekümmert hat, daß er gewissermaßen an die Ereignisse die richtige Frage gestellt hat, woran manchen natürlich das Maß von Leidenschaftlichkeit, das er in sich hatte, eben gehindert hat.

[ 4 ] Ich habe mancherlei Gelegenheit gehabt, nach dieser Richtung hin zu fragen, nach dieser Richtung hin die Dinge kennenzulernen. So zum Beispiel habe ich wahrhaftig da, wo es möglich war, auf eine maßgebliche Antwort zu warten, nicht wenige Male die Frage gestellt innerhalb der Grenzen Deutschlands, auch an österreichische Menschen die Frage gestellt: Was ist eigentlich das wirkliche, von verantwortlichen Stellen ausgehende Ziel dieses sogenannten Krieges? — Ich habe nur ein einziges Mal von irgendeiner verantwortlichen Stelle eine sehr vage Antwort bekommen, und habe gesehen, daß eigentlich überall da, wo gefragt werden konnte innerhalb der deutschen Grenzen und auch der österreichischen Grenzen über ein sogenanntes Kriegsziel, man von einem Kriegsziel nichts wußte. Das einzigste, was mir eben als vage Antwort einmal gegeben worden ist, das war, daß man wünschte die Freiheit der Meere. Das ist das einzige, was mir einmal geantwortet worden ist.

[ 4 ] Ich habe mancherlei Gelegenheit gehabt, nach dieser Richtung hin zu fragen, nach dieser Richtung hin die Dinge kennenzulernen. So zum Beispiel habe ich wahrhaftig da, wo es möglich war, auf eine maßgebliche Antwort zu warten, nicht wenige Male die Frage gestellt innerhalb der Grenzen Deutschlands, auch an österreichische Menschen die Frage gestellt: Was ist eigentlich das wirkliche, von verantwortlichen Stellen ausgehende Ziel dieses sogenannten Krieges? — Ich habe nur ein einziges Mal von irgendeiner verantwortlichen Stelle eine sehr vage Antwort bekommen, und habe gesehen, daß eigentlich überall da, wo gefragt werden konnte innerhalb der deutschen Grenzen und auch der österreichischen Grenzen über ein sogenanntes Kriegsziel, man von einem Kriegsziel nichts wußte. Das einzigste, was mir eben als vage Antwort einmal gegeben worden ist, das war, daß man wünschte die Freiheit der Meere. Das ist das einzige, was mir einmal geantwortet worden ist.

[ 5 ] Nun weiß ich selbstverständlich, daß da geantwortet werden kann: Ja, aber die Alldeutschen, was haben die alles für ausgedehnteste Kriegsziele aufgestellt — und so weiter. Ja, man darf dabei nicht vergessen, daß eben natürlich in solchen Zeiten viele Leute vieles reden, daß Agitationen getrieben werden. Aber es gab nie eine Möglichkeit, daß dasjenige, was zum Beispiel von alldeutscher Seite gesagt worden ist, zu einem anderen Zwecke, als um aufzureizen und um Torheiten zu verbreiten, ernst genommen werden konnte. Das ist außerordentlich wichtig, daß man die Dinge wiegt, daß man zum Beispiel weiß, daß in Mitteleuropa, namentlich im Beginne des Krieges, ein wirkliches Kriegsziel nicht vorhanden war bei denjenigen, die in der Lage waren etwas beizutragen, in der Richtung des Krieges etwas zu unternehmen oder in der Richtung des Krieges etwas zu unterlassen. Das gibt schon dem Urteil eine Richtung, wenn man weiß: Die Leute haben gerade in den ersten Zeiten des Krieges absolut nicht gewußt, wofür sie eigentlich kämpfen. — Wer wäre in der Lage, sich vorzustellen, daß man sich vornehme, aus heiterem Himmel heraus einen Krieg zu entfesseln, wenn man überhaupt nicht weiß, was man mit diesem Kriege eigentlich anfangen soll! Denn selbst die vage Antwort, die ich bekommen habe, von der Freiheit der Meere, die ist eigentlich nur eine Notantwort gewesen, weil der Betreffende nichts anderes gewußt hat und dies etwas ist, was man wenigstens schandenhalber sagen konnte. Das ist das eine, was ich doch eben, ich möchte sagen, wie einen Tatsachenzusammenhang vor Ihre Seele hinstellen möchte.

[ 5 ] Nun weiß ich selbstverständlich, daß da geantwortet werden kann: Ja, aber die Alldeutschen, was haben die alles für ausgedehnteste Kriegsziele aufgestellt — und so weiter. Ja, man darf dabei nicht vergessen, daß eben natürlich in solchen Zeiten viele Leute vieles reden, daß Agitationen getrieben werden. Aber es gab nie eine Möglichkeit, daß dasjenige, was zum Beispiel von alldeutscher Seite gesagt worden ist, zu einem anderen Zwecke, als um aufzureizen und um Torheiten zu verbreiten, ernst genommen werden konnte. Das ist außerordentlich wichtig, daß man die Dinge wiegt, daß man zum Beispiel weiß, daß in Mitteleuropa, namentlich im Beginne des Krieges, ein wirkliches Kriegsziel nicht vorhanden war bei denjenigen, die in der Lage waren etwas beizutragen, in der Richtung des Krieges etwas zu unternehmen oder in der Richtung des Krieges etwas zu unterlassen. Das gibt schon dem Urteil eine Richtung, wenn man weiß: Die Leute haben gerade in den ersten Zeiten des Krieges absolut nicht gewußt, wofür sie eigentlich kämpfen. — Wer wäre in der Lage, sich vorzustellen, daß man sich vornehme, aus heiterem Himmel heraus einen Krieg zu entfesseln, wenn man überhaupt nicht weiß, was man mit diesem Kriege eigentlich anfangen soll! Denn selbst die vage Antwort, die ich bekommen habe, von der Freiheit der Meere, die ist eigentlich nur eine Notantwort gewesen, weil der Betreffende nichts anderes gewußt hat und dies etwas ist, was man wenigstens schandenhalber sagen konnte. Das ist das eine, was ich doch eben, ich möchte sagen, wie einen Tatsachenzusammenhang vor Ihre Seele hinstellen möchte.

[ 6 ] Ein anderes scheint mir wichtig und wird immer wichtiger und wichtiger werden bei der Beurteilung der Sachlage, je mehr man objektiv über die Dinge urteilen will. Ich habe gestern ausgeführt, daß die eigentliche Entscheidung über das, was Ende Juli und Anfang August in Deutschland zu tun oder zu unterlassen sei, durch die ja schon gestern charakterisierten Verhältnisse leider ganz allein bei der Heeresleitung lag, die nur nach strategischen Gesichtspunkten die Entscheidung, namentlich nach Maßgabe der Verhältnisse und der Sachlage, treffen konnte. So daß man nicht einmal nach einem Einzelwollen bei der deutschen Politik zum Beispiel Ende Juli und Anfang August und auch die vorhergehende Zeit sprechen kann. Weder von einem gesamten Wollen, noch von irgendeinem Einzelwollen, das irgendwie zusammenhinge mit dieser Katastrophe, kann man da sprechen. Man kann geradezu sagen: Ein politisches Ziel, ein politischer Gedanke, eine politische Idee war überhaupt in Mitteleuropa nicht vorhanden. Das ist ja gewiß eine merkwürdige Tatsache. Aber es ist eben die Tatsache, die als solche berücksichtigt werden muß. Es gab militärische Ideen, wie man den Krieg führen müsse, wenn er kommt. Nicht wahr, militärische Ideen beruhen in gesunden Verhältnissen immer auf sogenannten Konditionalsätzen: «wenn er kommt», denn der Militär sollte nie zu entscheiden haben, ob irgend etwas bei Kriegsausgange zu unternehmen ist oder nicht. Gesundes Denken über das Verhältnis von Politik und Kriegführung, das ist überhaupt etwas, was in den vier letzten Jahren wahrhaftig nicht gezüchtet worden ist. Ich habe zum Beispiel zu meinem Jammer immer wieder hören müssen, daß auf dem Gebiete der mitteleuropäischen Staaten der Satz des Clausewitz wiederholt worden ist: Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit andern Mitteln. Nun, es gibt keinen törichteren Satz als diesen, denn er ist aufgebaut nach dem logischen Muster des Satzes: Die Scheidung ist die Fortsetzung der Ehe mit andern Mitteln. — Aber es wurde dieser Satz als gescheiter Satz überall zitiert — ich meine den ersteren — und als gescheiter Satz überall aufgefaßt.

[ 6 ] Ein anderes scheint mir wichtig und wird immer wichtiger und wichtiger werden bei der Beurteilung der Sachlage, je mehr man objektiv über die Dinge urteilen will. Ich habe gestern ausgeführt, daß die eigentliche Entscheidung über das, was Ende Juli und Anfang August in Deutschland zu tun oder zu unterlassen sei, durch die ja schon gestern charakterisierten Verhältnisse leider ganz allein bei der Heeresleitung lag, die nur nach strategischen Gesichtspunkten die Entscheidung, namentlich nach Maßgabe der Verhältnisse und der Sachlage, treffen konnte. So daß man nicht einmal nach einem Einzelwollen bei der deutschen Politik zum Beispiel Ende Juli und Anfang August und auch die vorhergehende Zeit sprechen kann. Weder von einem gesamten Wollen, noch von irgendeinem Einzelwollen, das irgendwie zusammenhinge mit dieser Katastrophe, kann man da sprechen. Man kann geradezu sagen: Ein politisches Ziel, ein politischer Gedanke, eine politische Idee war überhaupt in Mitteleuropa nicht vorhanden. Das ist ja gewiß eine merkwürdige Tatsache. Aber es ist eben die Tatsache, die als solche berücksichtigt werden muß. Es gab militärische Ideen, wie man den Krieg führen müsse, wenn er kommt. Nicht wahr, militärische Ideen beruhen in gesunden Verhältnissen immer auf sogenannten Konditionalsätzen: «wenn er kommt», denn der Militär sollte nie zu entscheiden haben, ob irgend etwas bei Kriegsausgange zu unternehmen ist oder nicht. Gesundes Denken über das Verhältnis von Politik und Kriegführung, das ist überhaupt etwas, was in den vier letzten Jahren wahrhaftig nicht gezüchtet worden ist. Ich habe zum Beispiel zu meinem Jammer immer wieder hören müssen, daß auf dem Gebiete der mitteleuropäischen Staaten der Satz des Clausewitz wiederholt worden ist: Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit andern Mitteln. Nun, es gibt keinen törichteren Satz als diesen, denn er ist aufgebaut nach dem logischen Muster des Satzes: Die Scheidung ist die Fortsetzung der Ehe mit andern Mitteln. — Aber es wurde dieser Satz als gescheiter Satz überall zitiert — ich meine den ersteren — und als gescheiter Satz überall aufgefaßt.

[ 7 ] Es scheint mir gerade angesichts dieses Verhältnisses von Politik und Kriegführung in Mitteleuropa wichtig, daß der Welt gegenüber betont werde, was nun eigentlich die deutsche Heeresleitung wollte, wenn es zu einem Kriege komme. Nicht wahr, die deutsche Heeresleitung hatte ihre Voraussetzungen, die Voraussetzungen zu einer strategischen Unternehmung, wenn es zu einem Kriege kommen sollte, von folgenden Unterlagen zu nehmen. Die Unterlage für die Heeresleitung war diese: Wenn es durch irgendeine europäische Verwickelung zum Kriege kommt, so ist es durch die Bündnisverhältnisse so, daß zwei Bündnisgebiete einander gegenüberstehen werden, die sich automatisch zusammenschließen werden; daß gegenüberstehen werden die Mittelmächte — zu denen man immer im Glauben, im törichten, aber ehrlichen Glauben Italien gerechnet hat — auf der einen Seite, und auf der anderen Seite Rußland-Frankreich-England. — Man hat nicht anders denken können nach den verschiedenen Bündnisverhältnissen, soweit sie bekannt waren. Danach mußte gewissermaßen der strategische Plan formuliert werden. Und wohin ging dieser strategische Plan? Das ist wichtig, daß man darinnen die Tatsache ins Auge faßt: Was wollte die Heeresleitung? — Die Heeresleitung wollte das Folgende: sie wollte durch Belgien in Frankreich so weit eindringen, als notwendig war, um das russisch-französische Bündnis unwirksam zu machen. — Die Heeresleitung wollte nicht mehr tun, als Frankreich veranlassen, vom Bündnis mit Rußland in bezug auf die Kriegsführung abzusehen. An irgend etwas anderes als an einen rein strategisch gedachten Durchzug durch Belgien, der dazu führen müsse, daß selbstverständlich Belgien voll entschädigt wird für diesen Durchmarsch, und an etwas anderes als einen ebenfalls, insoweit es Zerstörungen herbeiführt, zu entschädigenden Einbruch in Frankreich, etwa an irgend etwas wie Annexionen französischen Gebietes und dergleichen, konnte nach der ganzen Verfassung des deutschen Heereswesens, die ich schon gestern zum Teil charakterisierte, nicht gedacht werden. Es handelte sich lediglich gewissermaßen darum, Frankreich davon abzuhalten, an einem eventellen Zweifrontenkrieg sich dauernd zu beteiligen. Mehr sollte strategisch nach dem Westen hin nicht erreicht werden.

[ 7 ] Es scheint mir gerade angesichts dieses Verhältnisses von Politik und Kriegführung in Mitteleuropa wichtig, daß der Welt gegenüber betont werde, was nun eigentlich die deutsche Heeresleitung wollte, wenn es zu einem Kriege komme. Nicht wahr, die deutsche Heeresleitung hatte ihre Voraussetzungen, die Voraussetzungen zu einer strategischen Unternehmung, wenn es zu einem Kriege kommen sollte, von folgenden Unterlagen zu nehmen. Die Unterlage für die Heeresleitung war diese: Wenn es durch irgendeine europäische Verwickelung zum Kriege kommt, so ist es durch die Bündnisverhältnisse so, daß zwei Bündnisgebiete einander gegenüberstehen werden, die sich automatisch zusammenschließen werden; daß gegenüberstehen werden die Mittelmächte — zu denen man immer im Glauben, im törichten, aber ehrlichen Glauben Italien gerechnet hat — auf der einen Seite, und auf der anderen Seite Rußland-Frankreich-England. — Man hat nicht anders denken können nach den verschiedenen Bündnisverhältnissen, soweit sie bekannt waren. Danach mußte gewissermaßen der strategische Plan formuliert werden. Und wohin ging dieser strategische Plan? Das ist wichtig, daß man darinnen die Tatsache ins Auge faßt: Was wollte die Heeresleitung? — Die Heeresleitung wollte das Folgende: sie wollte durch Belgien in Frankreich so weit eindringen, als notwendig war, um das russisch-französische Bündnis unwirksam zu machen. — Die Heeresleitung wollte nicht mehr tun, als Frankreich veranlassen, vom Bündnis mit Rußland in bezug auf die Kriegsführung abzusehen. An irgend etwas anderes als an einen rein strategisch gedachten Durchzug durch Belgien, der dazu führen müsse, daß selbstverständlich Belgien voll entschädigt wird für diesen Durchmarsch, und an etwas anderes als einen ebenfalls, insoweit es Zerstörungen herbeiführt, zu entschädigenden Einbruch in Frankreich, etwa an irgend etwas wie Annexionen französischen Gebietes und dergleichen, konnte nach der ganzen Verfassung des deutschen Heereswesens, die ich schon gestern zum Teil charakterisierte, nicht gedacht werden. Es handelte sich lediglich gewissermaßen darum, Frankreich davon abzuhalten, an einem eventellen Zweifrontenkrieg sich dauernd zu beteiligen. Mehr sollte strategisch nach dem Westen hin nicht erreicht werden.

[ 8 ] Das war selbstverständlich nur so lange durchzuführen, als es keine wirksame Verbindung gab zwischen Frankreich und England. In dieser Beziehung gaben sich die verantwortlichen deutschen Menschen dem allerdings unverantwortlichen Gedanken hin, daß es ihnen gelingen werde, England abzuhalten von irgendeiner Verbindung mit Frankreich. In dem Augenblicke, in dem diese Verbindung da war, war natürlich der ganze Feldzugsplan nach Westen hin eigentlich über den Haufen geworfen. Dies das eine, was durchaus berücksichtigt werden muß. Und man muß dabei berücksichtigen, daß dieses bei jemandem, der überhaupt sich irgendeiner Verantwortlichkeit unterzog, das einzig Maßgebende war. Nach dem Osten hinüber, nach der anderen Seite, handelte es sich auch nicht um Annexionen, sondern um die Aufrechterhaltung desjenigen, was man so philiströs den Status quo ante nannte. So daß — es kann das nun angefochten werden oder nicht — in der ersten Zeit nach dem Ausbruch dieser katastrophalen kriegerischen Verwickelung tatsächlich in der Mitte Europas niemand anders dachte, als daß man es zu tun habe mit einem Verteidigungskriege. Dann sind verschiedene Ereignisse geschehen, welche, ich möchte sagen, das Urteil völlig getrübt haben.

[ 8 ] Das war selbstverständlich nur so lange durchzuführen, als es keine wirksame Verbindung gab zwischen Frankreich und England. In dieser Beziehung gaben sich die verantwortlichen deutschen Menschen dem allerdings unverantwortlichen Gedanken hin, daß es ihnen gelingen werde, England abzuhalten von irgendeiner Verbindung mit Frankreich. In dem Augenblicke, in dem diese Verbindung da war, war natürlich der ganze Feldzugsplan nach Westen hin eigentlich über den Haufen geworfen. Dies das eine, was durchaus berücksichtigt werden muß. Und man muß dabei berücksichtigen, daß dieses bei jemandem, der überhaupt sich irgendeiner Verantwortlichkeit unterzog, das einzig Maßgebende war. Nach dem Osten hinüber, nach der anderen Seite, handelte es sich auch nicht um Annexionen, sondern um die Aufrechterhaltung desjenigen, was man so philiströs den Status quo ante nannte. So daß — es kann das nun angefochten werden oder nicht — in der ersten Zeit nach dem Ausbruch dieser katastrophalen kriegerischen Verwickelung tatsächlich in der Mitte Europas niemand anders dachte, als daß man es zu tun habe mit einem Verteidigungskriege. Dann sind verschiedene Ereignisse geschehen, welche, ich möchte sagen, das Urteil völlig getrübt haben.

[ 9 ] Sehen Sie, da sind verschiedene Dinge zu berühren, die natürlich nur richtig ins Auge gefaßt werden können, wenn man den Willen hat, auf diese Dinge auch sachgemäß einzugehen. Zunächst möchte ich, daß Sie nicht aus dem Auge verlieren, daß also, ganz abgesehen von andern Machinationen, die von den Kräften ausgingen, auf die ich gestern hingedeutet habe, von Finanz- und Industriegruppen und dergleichen — aber da dürfen Sie glauben, daß in allen Gebieten der Erde der eine nicht unschuldiger und schuldiger ist als der andere —, ganz abgesehen von diesen Dingen, als durch die verschiedenen Antezedentien, ich möchte sagen, der Kriegsausbruch vor Europa hingestellt war, und als es sich darum handelte: Muß das deutsche Heer, rein militärisch aufgefaßt, eingreifen? — da darf man doch zum Beispiel eine Szene, die ja auch öffentlich bekannt geworden ist, obwohl ich nicht weiß, ob sie viel berücksichtigt worden ist, nicht aus dem Auge lassen. Der Generalstabschef des deutschen Feldheeres kam von einem längeren Badeaufenthalt in Karlsbad am 26. Juli nach Berlin zurück. Das muß ins Auge gefaßt werden, weil es ja auch Grundlagen für die Beurteilung abgibt, wenn sich diejenige Persönlichkeit, die dann durch die Lage der Sache einzig und allein die Verantwortung zu tragen hatte für den Kriegsausbruch — denn so steht die Sache für die Beteiligung Deutschlands am Kriege —, bis vier Tage vor der Entscheidung einfach im Bade befindet; und daß diese Persönlichkeit gerade von den Ereignissen aufs allerhöchste überrascht worden ist, das gehört zu denjenigen Dingen, die einmal historisch werden nachgewiesen werden können. Man möchte, daß die Zeit zum historischen Nachweis dieser Tatsache recht bald komme. Für mich ist es im höchsten Maße eine Grundlage für ein Urteil, wenn ich weiß, daß diejenige Persönlichkeit, die dann durch die Verhältnisse einzig und allein entschied: Müssen wir jetzt angreifen oder nicht? — vier Tage vorher überhaupt in einer Lage ist, sich um die ganze Lage Europas nicht kümmern zu können, sondern sorglos unbekümmert um die Verhältnisse außerhalb des Staates im Bade sich aufhält. Er war auch außerhalb des Staates zu jenem Zeitpunkt, dem 5. Juli 1914, der als ein besonders entscheidender angesehen wird, wo eine Konferenz in Potsdam stattgefunden haben soll und worinnen die deutsche Heeresleitung gewissermaßen ein Ultimatum bezüglich des Krieges gestellt haben soll. Ja, er war auch abwesend schon zu diesem Zeitpunkte, war nicht in Berlin. Ich habe mich gerade mit Bezug auf diesen 5. Juli viel bemüht, herauszubekommen, um was es sich da eigentlich handelt. Ich habe immer nur die Erfahrung machen können, daß Leute genannt worden sind, die bei dieser Konferenz zugegen gewesen sein sollen. Daß dazumal am 5. Juli etwas stattgefunden hat, das leugne ich nicht; daß aber dazumal etwas stattgefunden hat, was eine Inaugurierung der Kriegsrichtung war, die Aussicht hatte auf Erfolg, wenn nicht eben eine solche Konstellation eingetreten wäre, wie ich sie gestern charakterisiert habe, das ist strikte zu verneinen. Denn es laufen viele Fäden nebeneinander. Derjenige Faden, der zu der Beteiligung Mitteleuropas, also Deutschlands, sagen wir, am Krieg geführt hat, der knüpft nicht an einen früheren Tag an als höchstens an den 28. Juli. Andere Fäden gehen weiter zurück. In deren Fortsetzung liegt aber nicht dasjenige, was geschehen ist, trotzdem man sehr leicht versucht und verführt wird, in deren Fortsetzung das zu suchen, was geschehen sein soll.

[ 9 ] Sehen Sie, da sind verschiedene Dinge zu berühren, die natürlich nur richtig ins Auge gefaßt werden können, wenn man den Willen hat, auf diese Dinge auch sachgemäß einzugehen. Zunächst möchte ich, daß Sie nicht aus dem Auge verlieren, daß also, ganz abgesehen von andern Machinationen, die von den Kräften ausgingen, auf die ich gestern hingedeutet habe, von Finanz- und Industriegruppen und dergleichen — aber da dürfen Sie glauben, daß in allen Gebieten der Erde der eine nicht unschuldiger und schuldiger ist als der andere —, ganz abgesehen von diesen Dingen, als durch die verschiedenen Antezedentien, ich möchte sagen, der Kriegsausbruch vor Europa hingestellt war, und als es sich darum handelte: Muß das deutsche Heer, rein militärisch aufgefaßt, eingreifen? — da darf man doch zum Beispiel eine Szene, die ja auch öffentlich bekannt geworden ist, obwohl ich nicht weiß, ob sie viel berücksichtigt worden ist, nicht aus dem Auge lassen. Der Generalstabschef des deutschen Feldheeres kam von einem längeren Badeaufenthalt in Karlsbad am 26. Juli nach Berlin zurück. Das muß ins Auge gefaßt werden, weil es ja auch Grundlagen für die Beurteilung abgibt, wenn sich diejenige Persönlichkeit, die dann durch die Lage der Sache einzig und allein die Verantwortung zu tragen hatte für den Kriegsausbruch — denn so steht die Sache für die Beteiligung Deutschlands am Kriege —, bis vier Tage vor der Entscheidung einfach im Bade befindet; und daß diese Persönlichkeit gerade von den Ereignissen aufs allerhöchste überrascht worden ist, das gehört zu denjenigen Dingen, die einmal historisch werden nachgewiesen werden können. Man möchte, daß die Zeit zum historischen Nachweis dieser Tatsache recht bald komme. Für mich ist es im höchsten Maße eine Grundlage für ein Urteil, wenn ich weiß, daß diejenige Persönlichkeit, die dann durch die Verhältnisse einzig und allein entschied: Müssen wir jetzt angreifen oder nicht? — vier Tage vorher überhaupt in einer Lage ist, sich um die ganze Lage Europas nicht kümmern zu können, sondern sorglos unbekümmert um die Verhältnisse außerhalb des Staates im Bade sich aufhält. Er war auch außerhalb des Staates zu jenem Zeitpunkt, dem 5. Juli 1914, der als ein besonders entscheidender angesehen wird, wo eine Konferenz in Potsdam stattgefunden haben soll und worinnen die deutsche Heeresleitung gewissermaßen ein Ultimatum bezüglich des Krieges gestellt haben soll. Ja, er war auch abwesend schon zu diesem Zeitpunkte, war nicht in Berlin. Ich habe mich gerade mit Bezug auf diesen 5. Juli viel bemüht, herauszubekommen, um was es sich da eigentlich handelt. Ich habe immer nur die Erfahrung machen können, daß Leute genannt worden sind, die bei dieser Konferenz zugegen gewesen sein sollen. Daß dazumal am 5. Juli etwas stattgefunden hat, das leugne ich nicht; daß aber dazumal etwas stattgefunden hat, was eine Inaugurierung der Kriegsrichtung war, die Aussicht hatte auf Erfolg, wenn nicht eben eine solche Konstellation eingetreten wäre, wie ich sie gestern charakterisiert habe, das ist strikte zu verneinen. Denn es laufen viele Fäden nebeneinander. Derjenige Faden, der zu der Beteiligung Mitteleuropas, also Deutschlands, sagen wir, am Krieg geführt hat, der knüpft nicht an einen früheren Tag an als höchstens an den 28. Juli. Andere Fäden gehen weiter zurück. In deren Fortsetzung liegt aber nicht dasjenige, was geschehen ist, trotzdem man sehr leicht versucht und verführt wird, in deren Fortsetzung das zu suchen, was geschehen sein soll.

[ 10 ] Ich will dann einen solchen Faden zum Beispiel zeigen, aber ich will vorher sagen: Es sind Personen genannt worden, die an dieser Konferenz am 5. Juli teilgenommen haben sollen. — Man konnte überall nur das Alibi nachweisen dieser Personen! Der eine war irgendwo im Schwarzwalde an diesem 5. Juli, der andere war an der Nordsee und so weiter; wobei ich durchaus nicht in Abrede stelle, daß andere, deren Alibi man eben nicht suchte, teilgenommen haben. Aber ich möchte damit nur hinweisen, auf welchem falschen Wege sich sehr häufig das Urteil bewegt. Sehen Sie, ich will Ihnen ein Beispiel dafür angeben, wie verfänglich es ist, wenn man nicht objektiv sein will, bei solchen Dingen auf eine falsche Fährte zu kommen. Es ist das Folgende: In Berlin gab es, wie ja in aller Welt, selbstverständlich eine kriegstreiberische Partei. Diese kriegstreiberische Partei hat durch ihre Organe gewirkt. Durch diese kriegstreiberische Partei erschien an einem Tage, der nahe dem Kriegsausbruch ist, in Berlin ein Extrablatt, das ungefähr den Inhalt hatte, in einem Kronrate hätte man den Krieg beschlossen. Das war ein Extrablatt, das ausgegeben worden ist. Dieses Fxtrablatt wurde dazumal schleunigst, in dem Momente, wo es ausgegeben worden war, nach Petersburg telegraphiert, so daß in Petersburg durch das Bekanntwerden des Inhaltes dieses Blattes eine gewisse Stimmung gemacht worden ist. Es ist nun eigentümlich, daß sogleich, nachdem in Regierungskreisen, in diesen absolut untätigen Regierungskreisen, in diesen unfähigen Regierungskreisen bekannt geworden ist: Dieses Blatt ist ausgegeben worden —, es sogleich überall konfisziert worden ist. Es ist sogleich richtiggestellt worden, daß eine solche Beschlußfassung nicht stattgefunden hat, daß von einem solchen Kronrate nicht die Rede sein könne, daß überhaupt vorläufig noch nicht einmal die Mobilisation beschlossen worden ist. Dieses Telegramm, welches die Dementierung des stimmungsmachenden Telegramms enthielt, das wurde auf dem Berliner Hauptpostamte sechs Stunden aufgehalten, nach sechs Stunden erst nach Petersburg telegraphiert.

[ 10 ] Ich will dann einen solchen Faden zum Beispiel zeigen, aber ich will vorher sagen: Es sind Personen genannt worden, die an dieser Konferenz am 5. Juli teilgenommen haben sollen. — Man konnte überall nur das Alibi nachweisen dieser Personen! Der eine war irgendwo im Schwarzwalde an diesem 5. Juli, der andere war an der Nordsee und so weiter; wobei ich durchaus nicht in Abrede stelle, daß andere, deren Alibi man eben nicht suchte, teilgenommen haben. Aber ich möchte damit nur hinweisen, auf welchem falschen Wege sich sehr häufig das Urteil bewegt. Sehen Sie, ich will Ihnen ein Beispiel dafür angeben, wie verfänglich es ist, wenn man nicht objektiv sein will, bei solchen Dingen auf eine falsche Fährte zu kommen. Es ist das Folgende: In Berlin gab es, wie ja in aller Welt, selbstverständlich eine kriegstreiberische Partei. Diese kriegstreiberische Partei hat durch ihre Organe gewirkt. Durch diese kriegstreiberische Partei erschien an einem Tage, der nahe dem Kriegsausbruch ist, in Berlin ein Extrablatt, das ungefähr den Inhalt hatte, in einem Kronrate hätte man den Krieg beschlossen. Das war ein Extrablatt, das ausgegeben worden ist. Dieses Fxtrablatt wurde dazumal schleunigst, in dem Momente, wo es ausgegeben worden war, nach Petersburg telegraphiert, so daß in Petersburg durch das Bekanntwerden des Inhaltes dieses Blattes eine gewisse Stimmung gemacht worden ist. Es ist nun eigentümlich, daß sogleich, nachdem in Regierungskreisen, in diesen absolut untätigen Regierungskreisen, in diesen unfähigen Regierungskreisen bekannt geworden ist: Dieses Blatt ist ausgegeben worden —, es sogleich überall konfisziert worden ist. Es ist sogleich richtiggestellt worden, daß eine solche Beschlußfassung nicht stattgefunden hat, daß von einem solchen Kronrate nicht die Rede sein könne, daß überhaupt vorläufig noch nicht einmal die Mobilisation beschlossen worden ist. Dieses Telegramm, welches die Dementierung des stimmungsmachenden Telegramms enthielt, das wurde auf dem Berliner Hauptpostamte sechs Stunden aufgehalten, nach sechs Stunden erst nach Petersburg telegraphiert.

[ 11 ] Da sehen Sie, daß allerdings allerlei Leute tätig waren, die auch gute Verbindungen hatten, die auch bewirken konnten, daß dasjenige, was sie als Stimmung in Petersburg erzeugen wollten, was aber gar keine Unterlage hatte an maßgebender Stelle, daß das Zeit hatte, um Stimmung zu machen. Und dennoch, die ganze Clique, um die es sich dabei handelte, war nicht in der Lage, einen Faden anzuspinnen, der in seiner Fortsetzung zum Krieg hätte führen können. Denn schließlich hat im Grunde genommen nichts anderes in Deutschland bewogen, mit der Mobilisation vorzugehen, als die Nachrichten — man muß ja nur die ganz nackten Tatsachen zusammenstellen, ohne sie irgendwie zu verbrämen mit demjenigen, womit man gern die Tatsachen verbrämt —, daß Rußland das gesamte Heer mobilisiert. Es ist bekannt geworden durch die Verbindung mit den Telephonämtern der Grenzen. Ich sage: Es ist so bekannt geworden, es ist veranlaßt worden, daß man drei solche Nachrichten bekam. Erst nachdem drei Nachrichten da waren, welche gleichermaßen besagten: In Rußland wird mobilisiert —, da vollzog sich das Folgende, das man als eine ganz trockene, nüchterne Tatsache eben hinstellen muß, wenn man wirklich die Absicht hat, die Tatsachen kennenzulernen. Da vollzog sich die Tatsache, daß eine Art Adjutant des Generalstabschefs gerufen wurde, um ein Promemoria für den Kaiser aufzusetzen, in dem die Notwendigkeit der Mobilisation gegenüber der russischen Mobilisation auseinandergesetzt werden sollte. In jenem Zimmer, in dem das geschah, steht ein Schreibtisch, so in die Ecke einer Nische hineingestellt, so daß man hinter dem Schreibtisch stehen kann, und in der Nische stand mit ringenden Händen der Generalstabschef und sagte: Wenn wir jetzt doch gezwungen sind, loszuschlagen, dann muß man sich nur klar darüber sein, daß Jahre hindurch die Völker Europas sich zerfleischen werden.

[ 11 ] Da sehen Sie, daß allerdings allerlei Leute tätig waren, die auch gute Verbindungen hatten, die auch bewirken konnten, daß dasjenige, was sie als Stimmung in Petersburg erzeugen wollten, was aber gar keine Unterlage hatte an maßgebender Stelle, daß das Zeit hatte, um Stimmung zu machen. Und dennoch, die ganze Clique, um die es sich dabei handelte, war nicht in der Lage, einen Faden anzuspinnen, der in seiner Fortsetzung zum Krieg hätte führen können. Denn schließlich hat im Grunde genommen nichts anderes in Deutschland bewogen, mit der Mobilisation vorzugehen, als die Nachrichten — man muß ja nur die ganz nackten Tatsachen zusammenstellen, ohne sie irgendwie zu verbrämen mit demjenigen, womit man gern die Tatsachen verbrämt —, daß Rußland das gesamte Heer mobilisiert. Es ist bekannt geworden durch die Verbindung mit den Telephonämtern der Grenzen. Ich sage: Es ist so bekannt geworden, es ist veranlaßt worden, daß man drei solche Nachrichten bekam. Erst nachdem drei Nachrichten da waren, welche gleichermaßen besagten: In Rußland wird mobilisiert —, da vollzog sich das Folgende, das man als eine ganz trockene, nüchterne Tatsache eben hinstellen muß, wenn man wirklich die Absicht hat, die Tatsachen kennenzulernen. Da vollzog sich die Tatsache, daß eine Art Adjutant des Generalstabschefs gerufen wurde, um ein Promemoria für den Kaiser aufzusetzen, in dem die Notwendigkeit der Mobilisation gegenüber der russischen Mobilisation auseinandergesetzt werden sollte. In jenem Zimmer, in dem das geschah, steht ein Schreibtisch, so in die Ecke einer Nische hineingestellt, so daß man hinter dem Schreibtisch stehen kann, und in der Nische stand mit ringenden Händen der Generalstabschef und sagte: Wenn wir jetzt doch gezwungen sind, loszuschlagen, dann muß man sich nur klar darüber sein, daß Jahre hindurch die Völker Europas sich zerfleischen werden.

[ 12 ] Das ist eine einfache Szene. Sie können sie natürlich zurückführen auf Denkweisen innerhalb militärischer Kreise oder dergleichen. Aber darauf kommt es wirklich nicht an, wenn man die Tatsachen wägen will, sondern darauf kommt es an, daß man sich in den Stand setzt, auch ruhig und objektiv die Tatsachen ins Auge zu fassen. Wenn ich einmal in der Lage sein werde, Schritt für Schritt — man kann es Stunde für Stunde tun — die Tatsachen der Welt vorzuführen, schlicht bloß vorzuführen, ohne irgendein Urteil, dann erst wird es möglich sein, ein Urteil über diese tragische Angelegenheit der Menschheit überhaupt ins Auge zu fassen. Dazu ist allerdings notwendig, daß man die Tatsachen von Stunde zu Stunde, namentlich an dem verhängnisvollen Sonnabend vor dem Kriegsausbruche in der Zeit zwischen halb vier Uhr nachmittags und halb elf Uhr nachts in Berlin, schlicht und einfach erzählt. Da kann man jeden Schritt verfolgen, da kann man alle Einzelheiten verfolgen. Und die schlichte Erzählung, die ist dasjenige, was einzig und allein geeignet ist, der Welt ein Urteil möglich zu machen. Ich darf vielleicht heute schon sagen, daß unter den verschiedenen Bemühungen, die ich selbst angestellt habe und die ich paragraphiert habe, dies der erste Punkt war, daß man sich entschließe, in Mitteleuropa diese Tatsachen schlicht vor die Welt hinzustellen, ohne irgend etwas sonst zu sagen, als: Das und das ist geschehen. — Neben all dem, was dazu gehörte, ist das verschiedenen Menschen vorgelegt worden — das werde ich einmal dokumentarisch zu beweisen haben —, mit allen Einzelheiten verschiedenen Menschen vorgelegt worden. Urteilsfähige Menschen haben mir namentlich mit Bezug auf diesen ersten Punkt etwas gesagt, was selbstverständlich von mir anders beurteilt werden mußte als von jenen «urteilsfähigen Menschen», die dies gesagt haben. Aber heute ist auch durchaus kein Grund mehr da, solche Urteile, die gefällt worden sind, zu verschweigen, die Urteile, die gefällt worden sind darüber, wenn ich immer wieder und wiederum gesagt habe: Man denke nur, wie die ganze Situation eine andere werden müßte für die Welt, wenn das geschähe, was alles verhütet würde, auch für Mitteleuropa, wenn das geschähe. — Da antworteten mir urteilsfähige Leute, daß ja das alles vielleicht sein könnte, daß ungeheueres Unheil verhütet werde, aber wenn man das tue, was ich da eigentlich wolle, dann müsse etwas anderes eintreten. Und dasjenige, was sie bezeichneten als das, das eintreten müsse, das ist nun nach langer Zeit — nämlich erst gestern — eingetreten!

[ 12 ] Das ist eine einfache Szene. Sie können sie natürlich zurückführen auf Denkweisen innerhalb militärischer Kreise oder dergleichen. Aber darauf kommt es wirklich nicht an, wenn man die Tatsachen wägen will, sondern darauf kommt es an, daß man sich in den Stand setzt, auch ruhig und objektiv die Tatsachen ins Auge zu fassen. Wenn ich einmal in der Lage sein werde, Schritt für Schritt — man kann es Stunde für Stunde tun — die Tatsachen der Welt vorzuführen, schlicht bloß vorzuführen, ohne irgendein Urteil, dann erst wird es möglich sein, ein Urteil über diese tragische Angelegenheit der Menschheit überhaupt ins Auge zu fassen. Dazu ist allerdings notwendig, daß man die Tatsachen von Stunde zu Stunde, namentlich an dem verhängnisvollen Sonnabend vor dem Kriegsausbruche in der Zeit zwischen halb vier Uhr nachmittags und halb elf Uhr nachts in Berlin, schlicht und einfach erzählt. Da kann man jeden Schritt verfolgen, da kann man alle Einzelheiten verfolgen. Und die schlichte Erzählung, die ist dasjenige, was einzig und allein geeignet ist, der Welt ein Urteil möglich zu machen. Ich darf vielleicht heute schon sagen, daß unter den verschiedenen Bemühungen, die ich selbst angestellt habe und die ich paragraphiert habe, dies der erste Punkt war, daß man sich entschließe, in Mitteleuropa diese Tatsachen schlicht vor die Welt hinzustellen, ohne irgend etwas sonst zu sagen, als: Das und das ist geschehen. — Neben all dem, was dazu gehörte, ist das verschiedenen Menschen vorgelegt worden — das werde ich einmal dokumentarisch zu beweisen haben —, mit allen Einzelheiten verschiedenen Menschen vorgelegt worden. Urteilsfähige Menschen haben mir namentlich mit Bezug auf diesen ersten Punkt etwas gesagt, was selbstverständlich von mir anders beurteilt werden mußte als von jenen «urteilsfähigen Menschen», die dies gesagt haben. Aber heute ist auch durchaus kein Grund mehr da, solche Urteile, die gefällt worden sind, zu verschweigen, die Urteile, die gefällt worden sind darüber, wenn ich immer wieder und wiederum gesagt habe: Man denke nur, wie die ganze Situation eine andere werden müßte für die Welt, wenn das geschähe, was alles verhütet würde, auch für Mitteleuropa, wenn das geschähe. — Da antworteten mir urteilsfähige Leute, daß ja das alles vielleicht sein könnte, daß ungeheueres Unheil verhütet werde, aber wenn man das tue, was ich da eigentlich wolle, dann müsse etwas anderes eintreten. Und dasjenige, was sie bezeichneten als das, das eintreten müsse, das ist nun nach langer Zeit — nämlich erst gestern — eingetreten!

[ 13 ] Es enthalten eben bei demjenigen, dem es sich um die Wirklichkeit handelt, die Dinge, wenn sie am richtigen Ende angefaßt werden, dasjenige, was sich dann durch die Logik der Tatsachen von selber vollzieht. Die Dinge sind schon auf diesem Gebiete komplizierter, als die leichtfertigen Urteiler, die oftmals über diese Dinge gesprochen haben oder noch sprechen, irgendwie sich bewußt sind. Und derjenige, der da auf diese Dinge in dem Sinne eingehen möchte, wie es einem sachgemäßen, wirklichkeitsgemäßen Urteil entspricht, der muß eben unerschrocken auf das eingehen, was war und was ist, und nicht auf das, was die eine oder andere Sympathie oder die eine oder andere Emotion gibt. |

[ 13 ] Es enthalten eben bei demjenigen, dem es sich um die Wirklichkeit handelt, die Dinge, wenn sie am richtigen Ende angefaßt werden, dasjenige, was sich dann durch die Logik der Tatsachen von selber vollzieht. Die Dinge sind schon auf diesem Gebiete komplizierter, als die leichtfertigen Urteiler, die oftmals über diese Dinge gesprochen haben oder noch sprechen, irgendwie sich bewußt sind. Und derjenige, der da auf diese Dinge in dem Sinne eingehen möchte, wie es einem sachgemäßen, wirklichkeitsgemäßen Urteil entspricht, der muß eben unerschrocken auf das eingehen, was war und was ist, und nicht auf das, was die eine oder andere Sympathie oder die eine oder andere Emotion gibt. |

[ 14 ] Dasjenige, worauf ich Sie dann ferner aufmerksam machen möchte, das ist, daß eigentlich die gesamte Entscheidung, die dann herbeigeführt worden ist, bereits gegeben war nach der Marneschlacht am 9. September 1914. Ich schrecke auch nicht davor zurück, ruhig zu bekennen, daß ich nicht gleich durchschaut habe, daß das so ist, daß ich nicht gleich nach der Marneschlacht durchschaut hatte, daß wirklich damit dasjenige herbeigeführt werden mußte, was nun herbeigeführt worden ist. Ich habe es erst durchschaut in einem späteren Zeitpunkte, in demjenigen Zeitpunkte, in dem ich dann versuchte, das oder jenes zu tun, um den Ereignissen diese oder jene Richtung zu geben. Ich muß sagen, ich schrecke nicht zurück, dieses zu bekennen, daß es mir erst später klar geworden ist. Denn es war überhaupt nicht leicht, historisch und wahrheitsgemäß und zu gleicher Zeit so, daß das Betreffende richtig im betreffenden Zeitpunkte getan wurde innerhalb dieser katastrophalen Zeit, sich zu verhalten. Als ich meine «Gedanken während der Zeit des Krieges» veröffentlicht habe, da habe ich dasjenige zusammengestellt, wobei man keine Rücksicht zu nehmen hatte auf zugrundeliegende okkulte Erkenntnisse, dasjenige, was sich aus einer einfachen neuzeitlichen Geschichtsbetrachtung heraus ergeben hatte. Man wird wohl bemerken, daß ich aufgehört hatte zu schreiben — allerdings damals noch geglaubt habe, weiterschreiben zu können in einem späteren Zeitpunkte —, als ich in der Darstellung zu Italien gekommen war. Ich will aber damit andeuten, daß es für denjenigen, der die Dinge wirklichkeitsgemäß und ernst nimmt, nicht so leicht ist, zu einem Urteile zu kommen, wie für manche andere Menschen. Ich habe nur dasjenige umrissen, was eben der Beurteilung möglich war. Und ich möchte sagen: Es gelang eben einfach nicht, mit dem Urteil einzudringen in das, was die Stellung Italiens ergab. Ich habe dazumal dieses Büchelchen «Gedanken während der Zeit des Krieges» vor allen Dingen geschrieben für die Menschen Mitteleuropas, nicht um irgend etwas zu erreichen der Welt gegenüber, sondern für die Menschen Mitteleuropas, und es stellte sich mir, bald nachdem ich dieses Büchelchen geschrieben hatte, heraus, wie die Situation war infolge der Marne-Niederlage. Und ich habe mich mit Händen und Füßen gesträubt, jemals eine weitere Auflage dieses Büchelchens erscheinen zu lassen, trotzdem es mir selbstverständlich nicht nur nahegelegt wurde, sondern ja auch der Anreiz gut vorhanden war. Aber derjenige, der in diesen Dingen ernsthaft denkt, der weiß, daß es sich darum handelt, in einer solchen Weltenlage, wie die ist, in der wir drinnen waren und jetzt noch sind, nicht nur, daß das, was das Richtige ist, ausgesprochen wird, sondern daß auch zur rechten Zeit dies oder jenes geschieht oder zur rechten Zeit unterlassen wird. Es handelte sich nicht bloß darum, daß man den Trieb hat, seine Meinung zu sagen, sondern es handelte sich darum, daß man nicht nur sagt, was man meint, sondern daß man auch acht gibt, ob das gesagt werden soll oder nicht gesagt werden soll, was man meint.

[ 14 ] Dasjenige, worauf ich Sie dann ferner aufmerksam machen möchte, das ist, daß eigentlich die gesamte Entscheidung, die dann herbeigeführt worden ist, bereits gegeben war nach der Marneschlacht am 9. September 1914. Ich schrecke auch nicht davor zurück, ruhig zu bekennen, daß ich nicht gleich durchschaut habe, daß das so ist, daß ich nicht gleich nach der Marneschlacht durchschaut hatte, daß wirklich damit dasjenige herbeigeführt werden mußte, was nun herbeigeführt worden ist. Ich habe es erst durchschaut in einem späteren Zeitpunkte, in demjenigen Zeitpunkte, in dem ich dann versuchte, das oder jenes zu tun, um den Ereignissen diese oder jene Richtung zu geben. Ich muß sagen, ich schrecke nicht zurück, dieses zu bekennen, daß es mir erst später klar geworden ist. Denn es war überhaupt nicht leicht, historisch und wahrheitsgemäß und zu gleicher Zeit so, daß das Betreffende richtig im betreffenden Zeitpunkte getan wurde innerhalb dieser katastrophalen Zeit, sich zu verhalten. Als ich meine «Gedanken während der Zeit des Krieges» veröffentlicht habe, da habe ich dasjenige zusammengestellt, wobei man keine Rücksicht zu nehmen hatte auf zugrundeliegende okkulte Erkenntnisse, dasjenige, was sich aus einer einfachen neuzeitlichen Geschichtsbetrachtung heraus ergeben hatte. Man wird wohl bemerken, daß ich aufgehört hatte zu schreiben — allerdings damals noch geglaubt habe, weiterschreiben zu können in einem späteren Zeitpunkte —, als ich in der Darstellung zu Italien gekommen war. Ich will aber damit andeuten, daß es für denjenigen, der die Dinge wirklichkeitsgemäß und ernst nimmt, nicht so leicht ist, zu einem Urteile zu kommen, wie für manche andere Menschen. Ich habe nur dasjenige umrissen, was eben der Beurteilung möglich war. Und ich möchte sagen: Es gelang eben einfach nicht, mit dem Urteil einzudringen in das, was die Stellung Italiens ergab. Ich habe dazumal dieses Büchelchen «Gedanken während der Zeit des Krieges» vor allen Dingen geschrieben für die Menschen Mitteleuropas, nicht um irgend etwas zu erreichen der Welt gegenüber, sondern für die Menschen Mitteleuropas, und es stellte sich mir, bald nachdem ich dieses Büchelchen geschrieben hatte, heraus, wie die Situation war infolge der Marne-Niederlage. Und ich habe mich mit Händen und Füßen gesträubt, jemals eine weitere Auflage dieses Büchelchens erscheinen zu lassen, trotzdem es mir selbstverständlich nicht nur nahegelegt wurde, sondern ja auch der Anreiz gut vorhanden war. Aber derjenige, der in diesen Dingen ernsthaft denkt, der weiß, daß es sich darum handelt, in einer solchen Weltenlage, wie die ist, in der wir drinnen waren und jetzt noch sind, nicht nur, daß das, was das Richtige ist, ausgesprochen wird, sondern daß auch zur rechten Zeit dies oder jenes geschieht oder zur rechten Zeit unterlassen wird. Es handelte sich nicht bloß darum, daß man den Trieb hat, seine Meinung zu sagen, sondern es handelte sich darum, daß man nicht nur sagt, was man meint, sondern daß man auch acht gibt, ob das gesagt werden soll oder nicht gesagt werden soll, was man meint.

[ 15 ] Damit will ich Sie auch nun eben darauf hinweisen, wie es nötig ist, sich zu begrenzen, zu beschränken, wenn es sich darum handelt, das Urteil über diese furchtbare Menschheitskatastrophe aus der richtigen Ecke heraus zu gewinnen oder in die richtige Richtung zu bringen. Man darf nicht vergessen, daß dieser Krieg — ich habe schon gestern in einem Satze darauf hingewiesen — verschiedene Phasen hat, daß eigentlich seit dem Jahre 1916 dieser Krieg nicht mehr dasselbe ist, was er war in seinem Anfange, in seinem Ausgangspunkte. Er ist etwas ganz anderes geworden. Und ich habe vielfach darunter gelitten, daß während dieser vier Jahre Menschen zuletzt dieselben Urteile gehabt haben, die sie im Anfange gehabt haben, nachdem doch die Weltereignisse in mehrfacher Beziehung ganz, ganz andere geworden sind. Er ist allmählich in ganz andere Bahnen gelenkt worden, dieser sogenannte Krieg. Man darf nicht vergessen: Wenn man die Bahnen verfolgen will, in die dieser Krieg gelenkt worden ist, dann muß man eine andere Eventualität, die namentlich die Wiener Kriegspartei ins Auge gefaßt hat, nicht vergessen. Nicht wahr, ich sagte Ihnen gestern: Diejenigen Menschen, die hinter der vollständig unfähigen Regierung und hinter dem altersschwachen Kaiser standen, diejenigen Menschen, die für das eigentlich verantwortlich sind, was in Österreich geschehen ist, diese Menschen was reine Finanzkreise sind —, die rechneten damit, daß die dynastischen Verhältnisse in Rußland doch zu nichts weiter führen würden als zu einer Mobilisierung in Rußland. Man dachte, man könne nach dem Balkan hin seine Geschäftchen machen, und Rußland werde doch nicht ernsthaft mobilisieren. Und wenn es mobilisiere, so werde es doch nur — nun Sie wissen, es gibt einen Ausdruck, der ganz schrecklich ist, den man in der Politik immer wieder und wiederum gebraucht — nichts weiter bezwecken als zu «bluffen». Man sagt dann «bluffen». Es ist das Frivolste, was man sich denken kann, aber der Ausdruck «bluffen» ist zum Beispiel in der Diplomatie etwas, was ganz gang und gäbe ist. Nur da, auf diesem Gebiete, war ein gewisser Unterschied zwischen Österreich und Deutschland. Sie wissen ja, der Krieg von Österreich an Rußland ist ja auch erst am 7. August erklärt worden, also fast eine Woche nach der deutschen Kriegserklärung an Rußland. Das alles weist auf Machinationen zurück, die ich der Kürze der Zeit halber nicht berühren kann, die alle einmal an den Tag kommen werden. Es weist aber darauf hin, daß man in Österreich mit einer ganz anderen Art von Verhalten gerechnet hat als in Deutschland. In Deutschland hat man mit nichts anderem gerechnet, als: Wenn Rußland mobilisiert, müssen wir auch mobilisieren. — Aber so wie die deutsche Heeresverwaltung ist, so bedeutet heute Mobilisation morgen den Krieg anfangen. Das ließ sich gar nicht anders denken. Wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß man in Deutschland entweder gar nicht hätte mobilisieren dürfen als eine Art Antwort auf die russische Mobilisation, oder man hat am Tag darauf mit der Kriegserklärung vorgehen müssen.

[ 15 ] Damit will ich Sie auch nun eben darauf hinweisen, wie es nötig ist, sich zu begrenzen, zu beschränken, wenn es sich darum handelt, das Urteil über diese furchtbare Menschheitskatastrophe aus der richtigen Ecke heraus zu gewinnen oder in die richtige Richtung zu bringen. Man darf nicht vergessen, daß dieser Krieg — ich habe schon gestern in einem Satze darauf hingewiesen — verschiedene Phasen hat, daß eigentlich seit dem Jahre 1916 dieser Krieg nicht mehr dasselbe ist, was er war in seinem Anfange, in seinem Ausgangspunkte. Er ist etwas ganz anderes geworden. Und ich habe vielfach darunter gelitten, daß während dieser vier Jahre Menschen zuletzt dieselben Urteile gehabt haben, die sie im Anfange gehabt haben, nachdem doch die Weltereignisse in mehrfacher Beziehung ganz, ganz andere geworden sind. Er ist allmählich in ganz andere Bahnen gelenkt worden, dieser sogenannte Krieg. Man darf nicht vergessen: Wenn man die Bahnen verfolgen will, in die dieser Krieg gelenkt worden ist, dann muß man eine andere Eventualität, die namentlich die Wiener Kriegspartei ins Auge gefaßt hat, nicht vergessen. Nicht wahr, ich sagte Ihnen gestern: Diejenigen Menschen, die hinter der vollständig unfähigen Regierung und hinter dem altersschwachen Kaiser standen, diejenigen Menschen, die für das eigentlich verantwortlich sind, was in Österreich geschehen ist, diese Menschen was reine Finanzkreise sind —, die rechneten damit, daß die dynastischen Verhältnisse in Rußland doch zu nichts weiter führen würden als zu einer Mobilisierung in Rußland. Man dachte, man könne nach dem Balkan hin seine Geschäftchen machen, und Rußland werde doch nicht ernsthaft mobilisieren. Und wenn es mobilisiere, so werde es doch nur — nun Sie wissen, es gibt einen Ausdruck, der ganz schrecklich ist, den man in der Politik immer wieder und wiederum gebraucht — nichts weiter bezwecken als zu «bluffen». Man sagt dann «bluffen». Es ist das Frivolste, was man sich denken kann, aber der Ausdruck «bluffen» ist zum Beispiel in der Diplomatie etwas, was ganz gang und gäbe ist. Nur da, auf diesem Gebiete, war ein gewisser Unterschied zwischen Österreich und Deutschland. Sie wissen ja, der Krieg von Österreich an Rußland ist ja auch erst am 7. August erklärt worden, also fast eine Woche nach der deutschen Kriegserklärung an Rußland. Das alles weist auf Machinationen zurück, die ich der Kürze der Zeit halber nicht berühren kann, die alle einmal an den Tag kommen werden. Es weist aber darauf hin, daß man in Österreich mit einer ganz anderen Art von Verhalten gerechnet hat als in Deutschland. In Deutschland hat man mit nichts anderem gerechnet, als: Wenn Rußland mobilisiert, müssen wir auch mobilisieren. — Aber so wie die deutsche Heeresverwaltung ist, so bedeutet heute Mobilisation morgen den Krieg anfangen. Das ließ sich gar nicht anders denken. Wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß man in Deutschland entweder gar nicht hätte mobilisieren dürfen als eine Art Antwort auf die russische Mobilisation, oder man hat am Tag darauf mit der Kriegserklärung vorgehen müssen.

[ 16 ] Das ist vom militärischen Standpunkte, der eben leider nur allein in Betracht gekommen ist, eben einfach eine Selbstverständlichkeit gewesen. Aber so lagen die Dinge nur im Anfange. Im Laufe der Zeit stellte sich gerade für die Kriegstreibenden Österreichs eine andere Eventualität ein. Sie rechneten darauf, daß sie sich mit der Entente rangieren und die Sache im rechten Augenblicke anhalten könnten. Und die unterschiedlichen Verhandlungen, die namentlich zwischen Österreich und der Entente gepflogen worden sind, die können, recht ausgeführt, Bücher füllen. Diese Verhandlungen gingen verhältnismäßig sehr früh an. Diese Verhandlungen haben, wie Sie vielleicht aus den Zeitungen ersehen haben, jetzt noch nicht ihr Ende erreicht, denn die Dynastie Habsburg hofft gerade mit Hilfe der Entente in irgendeiner Form wiederum eingesetzt zu werden. Die Frage wird nur diese sein — denn alle Fragen, die sich entscheiden werden, werden sich als Machtfragen entscheiden —, ob es die Entente in ihrem Interesse findet, in irgendeiner Weise die Habsburgische Dynastie — ja, man weiß nun nicht für etwas, was nichts ist, einen Ausdruck zu finden —, die Habsburgische Dynastie für irgend etwas, was da aus diesem Völkerzusammenhang gemacht werden soll, der früher unter Österreich zusammengefaßt war, in diesem Irgendetwas auf irgendeine Weise unter irgendeiner Form wiederum einzusetzen. Wenn das im Interesse der Entente liegen sollte, so wird es selbstverständlich auch in irgendeiner Form geschehen. Das muß man nur durchaus nicht vergessen. Aber das hat sehr früh angefangen, und das bedeutet eine wesentlich andere Phase des Krieges, wenn so etwas geschieht. Wer in Erwägung zieht, wie dieser Krieg für Osterreich zu Ende gegangen ist, der wird es nicht auffallend finden, wenn man sagt: Nun, das war jedenfalls im Jahre 1916 schon zu sehen, daß man in Österreich unter allen Umständen den Frieden braucht. Darüber konnte gar kein Zweifel sein, unter allen Umständen und unter allen Bedingungen, daß es einfach ein Unsinn ist, irgendwie, selbst wenn es die härtesten Bedingungen sind, den Krieg fortzusetzen. Das zeigt ja der Hergang, ich meine nicht so sehr das, was geschehen ist, sondern ich meine einfach die Verfassung, in der das österreichische Heer zurückgekommen ist. Alle diese Tatsachen im Zusammenhang, die gaben natürlich auch den gutmeinenden Menschen in Österreich es ein, daß sie sich viel davon versprachen, wenn eine Rangierung mit der Entente zustandekommen könnte, um Österreich vor einem großen Unheil zu bewahren. Der eine sieht dann das, was die gutmeinenden Menschen loslassen, der andere sieht das, was die schlechtmeinenden Menschen loslassen und bildet sich, je nachdem er gerade seine Emotionen gerichtet hat, sein Urteil.

[ 16 ] Das ist vom militärischen Standpunkte, der eben leider nur allein in Betracht gekommen ist, eben einfach eine Selbstverständlichkeit gewesen. Aber so lagen die Dinge nur im Anfange. Im Laufe der Zeit stellte sich gerade für die Kriegstreibenden Österreichs eine andere Eventualität ein. Sie rechneten darauf, daß sie sich mit der Entente rangieren und die Sache im rechten Augenblicke anhalten könnten. Und die unterschiedlichen Verhandlungen, die namentlich zwischen Österreich und der Entente gepflogen worden sind, die können, recht ausgeführt, Bücher füllen. Diese Verhandlungen gingen verhältnismäßig sehr früh an. Diese Verhandlungen haben, wie Sie vielleicht aus den Zeitungen ersehen haben, jetzt noch nicht ihr Ende erreicht, denn die Dynastie Habsburg hofft gerade mit Hilfe der Entente in irgendeiner Form wiederum eingesetzt zu werden. Die Frage wird nur diese sein — denn alle Fragen, die sich entscheiden werden, werden sich als Machtfragen entscheiden —, ob es die Entente in ihrem Interesse findet, in irgendeiner Weise die Habsburgische Dynastie — ja, man weiß nun nicht für etwas, was nichts ist, einen Ausdruck zu finden —, die Habsburgische Dynastie für irgend etwas, was da aus diesem Völkerzusammenhang gemacht werden soll, der früher unter Österreich zusammengefaßt war, in diesem Irgendetwas auf irgendeine Weise unter irgendeiner Form wiederum einzusetzen. Wenn das im Interesse der Entente liegen sollte, so wird es selbstverständlich auch in irgendeiner Form geschehen. Das muß man nur durchaus nicht vergessen. Aber das hat sehr früh angefangen, und das bedeutet eine wesentlich andere Phase des Krieges, wenn so etwas geschieht. Wer in Erwägung zieht, wie dieser Krieg für Osterreich zu Ende gegangen ist, der wird es nicht auffallend finden, wenn man sagt: Nun, das war jedenfalls im Jahre 1916 schon zu sehen, daß man in Österreich unter allen Umständen den Frieden braucht. Darüber konnte gar kein Zweifel sein, unter allen Umständen und unter allen Bedingungen, daß es einfach ein Unsinn ist, irgendwie, selbst wenn es die härtesten Bedingungen sind, den Krieg fortzusetzen. Das zeigt ja der Hergang, ich meine nicht so sehr das, was geschehen ist, sondern ich meine einfach die Verfassung, in der das österreichische Heer zurückgekommen ist. Alle diese Tatsachen im Zusammenhang, die gaben natürlich auch den gutmeinenden Menschen in Österreich es ein, daß sie sich viel davon versprachen, wenn eine Rangierung mit der Entente zustandekommen könnte, um Österreich vor einem großen Unheil zu bewahren. Der eine sieht dann das, was die gutmeinenden Menschen loslassen, der andere sieht das, was die schlechtmeinenden Menschen loslassen und bildet sich, je nachdem er gerade seine Emotionen gerichtet hat, sein Urteil.

[ 17 ] Allein dafür kommt eine andere Tatsache in Betracht. Dafür kommt dann in Betracht, daß durch solche Dinge im wesentlichen die ganze Richtung, die ganze Bewegung der kriegerischen Katastrophe beeinflußt worden ist, daß selbstverständlich auch innerhalb Österreichs Parteien entstanden. Die einen wollten so, die anderen sich anders zu Deutschland verhalten, Rankünen gegenseitig, vieles, das aufzuzählen natürlich die Zeit heute nicht ausreicht. Das bewirkte, daß man von dem eben charakterisierten Zeitpunkte an zu tun hat mit einer ganz anderen Phase der kriegerischen Katastrophe als früher. Man konnte nicht so einfach das bequeme Urteil fortführen: Nun, die Mittelmächte sind eben verbündet, und an den Umständen, unter denen sie 1914 als Verbündete in den Krieg verwickelt worden sind, müsse man festhalten auch nach der Fortsetzung des Krieges. — Das war einfach nicht wahr. Nicht wahr, die Tragik für Mitteleuropa, die liegt ja in vielem. Sie liegt zum Beispiel in dem unglückseligen Bündnis, das dann herausgekommen ist mit der Türkei. Die Lösung dieses Bündnisses sowohl mit der Türkei wie mit Bulgarien, sie hat sich ja langsam und allmählich vollzogen. Derjenige, der von den Ereignissen etwas wußte, der weiß, daß sich die Türken ebensogut hätten längst früher loslösen können, ebenso die Bulgaren. Es kam eben dann der Zeitpunkt, wo die Türken sich zurückzogen, selbst nachdem ihnen 40 Millionen in Gold noch gegeben worden waren, denn 40 Millionen in Gold sind den Türken von Deutschland aus gegeben worden, bevor sie sich zurückgezogen haben. An Bulgarien sind 250 000 Anzüge abgeliefert worden, bevor es sich zurückgezogen hat. Alle diese Dinge hat man eben gemacht. Sie zeigen, wie wenig man eigentlich die Sachlage überschaut hat, denn es scheint mir nicht sehr wahrscheinlich, daß man den Türken 40 Millionen in Gold gegeben hätte, wenn man gewußt hätte, was man wahrhaftig mit einem nicht sehr tiefgehenden Urteil wissen konnte: bald werden sie sich zurückziehen.

[ 17 ] Allein dafür kommt eine andere Tatsache in Betracht. Dafür kommt dann in Betracht, daß durch solche Dinge im wesentlichen die ganze Richtung, die ganze Bewegung der kriegerischen Katastrophe beeinflußt worden ist, daß selbstverständlich auch innerhalb Österreichs Parteien entstanden. Die einen wollten so, die anderen sich anders zu Deutschland verhalten, Rankünen gegenseitig, vieles, das aufzuzählen natürlich die Zeit heute nicht ausreicht. Das bewirkte, daß man von dem eben charakterisierten Zeitpunkte an zu tun hat mit einer ganz anderen Phase der kriegerischen Katastrophe als früher. Man konnte nicht so einfach das bequeme Urteil fortführen: Nun, die Mittelmächte sind eben verbündet, und an den Umständen, unter denen sie 1914 als Verbündete in den Krieg verwickelt worden sind, müsse man festhalten auch nach der Fortsetzung des Krieges. — Das war einfach nicht wahr. Nicht wahr, die Tragik für Mitteleuropa, die liegt ja in vielem. Sie liegt zum Beispiel in dem unglückseligen Bündnis, das dann herausgekommen ist mit der Türkei. Die Lösung dieses Bündnisses sowohl mit der Türkei wie mit Bulgarien, sie hat sich ja langsam und allmählich vollzogen. Derjenige, der von den Ereignissen etwas wußte, der weiß, daß sich die Türken ebensogut hätten längst früher loslösen können, ebenso die Bulgaren. Es kam eben dann der Zeitpunkt, wo die Türken sich zurückzogen, selbst nachdem ihnen 40 Millionen in Gold noch gegeben worden waren, denn 40 Millionen in Gold sind den Türken von Deutschland aus gegeben worden, bevor sie sich zurückgezogen haben. An Bulgarien sind 250 000 Anzüge abgeliefert worden, bevor es sich zurückgezogen hat. Alle diese Dinge hat man eben gemacht. Sie zeigen, wie wenig man eigentlich die Sachlage überschaut hat, denn es scheint mir nicht sehr wahrscheinlich, daß man den Türken 40 Millionen in Gold gegeben hätte, wenn man gewußt hätte, was man wahrhaftig mit einem nicht sehr tiefgehenden Urteil wissen konnte: bald werden sie sich zurückziehen.

[ 18 ] Damit will ich Ihnen nur andeuten — denn ich müßte das, was ich sage, ins Hundertfache vermehren —, daß allmählich diese ganze kriegerische Katastrophe in ein Fahrwasser hineingekommen ist, das sich ganz wesentlich unterscheidet von dem Ausgangspunkt; was notwendig machte, daß man das Urteil vollständig umkehrte, umwandelte, wenn man sich nach den Tatsachen richten wollte. Und bald hat es sich gezeigt, daß im Verlaufe dieser kriegerischen Katastrophe alle, alle die Schläfrigkeiten und Untaten der durch Jahrzehnte verschlafenen Bourgeoisie zutage getreten sind. Und das ist eine wichtige Sache. Der Trotzki, der hat viel Unsinn geredet und noch mehr Unsinn getan und Unheil angerichtet in der Welt, aber einen Satz hat er ausgesprochen mit Bezug auf diese kriegerische Katastrophe, der anfing, verhältnismäßig bald Wahrheit zu werden. Das ist der Satz: Die führenden Kreise — womit er diejenigen meinte, die auf der ganzen Welt selbstverständlich, nicht bloß in Mitteleuropa, an diesem Kriegsausbruch beteiligt waren — haben nur die Wahl zwischen Dauerkrieg oder Revolution; ein Drittes gibt es nicht. — Es ist eben richtig, daß die Ereignisse der Welt so geschoben und geleitet worden sind — und da beginnt die Verantwortlichkeit der breiten Masse der zivilisierten Welt —, daß man endlich in die Sackgasse hineingetrieben worden ist, wo es nur noch gab: entweder zäh festhalten oder die Revolution ist da. Nun, das haben Sie ja gesehen, wie man zäh festgehalten hat an dem Krieg, denn solange er dauert, ist die Revolution nicht da. In dem Augenblick, wo er aus ist, wird sich die Revolution schon da oder dort zeigen.

[ 18 ] Damit will ich Ihnen nur andeuten — denn ich müßte das, was ich sage, ins Hundertfache vermehren —, daß allmählich diese ganze kriegerische Katastrophe in ein Fahrwasser hineingekommen ist, das sich ganz wesentlich unterscheidet von dem Ausgangspunkt; was notwendig machte, daß man das Urteil vollständig umkehrte, umwandelte, wenn man sich nach den Tatsachen richten wollte. Und bald hat es sich gezeigt, daß im Verlaufe dieser kriegerischen Katastrophe alle, alle die Schläfrigkeiten und Untaten der durch Jahrzehnte verschlafenen Bourgeoisie zutage getreten sind. Und das ist eine wichtige Sache. Der Trotzki, der hat viel Unsinn geredet und noch mehr Unsinn getan und Unheil angerichtet in der Welt, aber einen Satz hat er ausgesprochen mit Bezug auf diese kriegerische Katastrophe, der anfing, verhältnismäßig bald Wahrheit zu werden. Das ist der Satz: Die führenden Kreise — womit er diejenigen meinte, die auf der ganzen Welt selbstverständlich, nicht bloß in Mitteleuropa, an diesem Kriegsausbruch beteiligt waren — haben nur die Wahl zwischen Dauerkrieg oder Revolution; ein Drittes gibt es nicht. — Es ist eben richtig, daß die Ereignisse der Welt so geschoben und geleitet worden sind — und da beginnt die Verantwortlichkeit der breiten Masse der zivilisierten Welt —, daß man endlich in die Sackgasse hineingetrieben worden ist, wo es nur noch gab: entweder zäh festhalten oder die Revolution ist da. Nun, das haben Sie ja gesehen, wie man zäh festgehalten hat an dem Krieg, denn solange er dauert, ist die Revolution nicht da. In dem Augenblick, wo er aus ist, wird sich die Revolution schon da oder dort zeigen.

[ 19 ] Sie erinnern sich vielleicht, daß ich Ihnen hier oftmals im Verlauf der letzten Jahre nach dieser Richtung Gehendes gesagt habe. Ich habe Ihnen wohl gesagt zum Beispiel vor recht, recht langer Zeit, in der Zeit eben, in der das am Platze war: Gegenüber all dem, was die Leute jetzt urteilen, ist es viel wichtiger, hervorzuheben, was zum Beispiel in Rußland geschehen war, innerhalb Rußlands. — Viel wichtiger war das, was innerhalb Rußlands geschah unmittelbar nach dem Sturz des Zarentums, als dasjenige, was auf dem sogenannten Schauplatz des Weltkrieges geschah. Und so wurde es wiederum wichtiger, was ich an einer anderen Stelle, wo es am Platze war, betonte: hinzuschauen auf das, was sich aus den Tschechoslowaken, die in Rußland sich geltend machten, heraushob, als auf all die anderen Dinge, auf die man in bequemer Weise hingeschaut hat, wenn auch natürlich diese bequeme Weise selbstverständlich durch manche Tragik oder auf andere Weise herausgefordert war.

[ 19 ] Sie erinnern sich vielleicht, daß ich Ihnen hier oftmals im Verlauf der letzten Jahre nach dieser Richtung Gehendes gesagt habe. Ich habe Ihnen wohl gesagt zum Beispiel vor recht, recht langer Zeit, in der Zeit eben, in der das am Platze war: Gegenüber all dem, was die Leute jetzt urteilen, ist es viel wichtiger, hervorzuheben, was zum Beispiel in Rußland geschehen war, innerhalb Rußlands. — Viel wichtiger war das, was innerhalb Rußlands geschah unmittelbar nach dem Sturz des Zarentums, als dasjenige, was auf dem sogenannten Schauplatz des Weltkrieges geschah. Und so wurde es wiederum wichtiger, was ich an einer anderen Stelle, wo es am Platze war, betonte: hinzuschauen auf das, was sich aus den Tschechoslowaken, die in Rußland sich geltend machten, heraushob, als auf all die anderen Dinge, auf die man in bequemer Weise hingeschaut hat, wenn auch natürlich diese bequeme Weise selbstverständlich durch manche Tragik oder auf andere Weise herausgefordert war.

[ 20 ] Und damit komme ich auf eine Frage, die mir in der letzten Zeit immer wieder und wiederum von den verschiedensten Seiten her gestellt worden ist über das mögliche Verhalten, das man jetzt einschlagen könne, nachdem die Dinge nun bis zu diesem Zeitpunkt gekommen sind. Ich glaube nicht, daß das, was ich sage, heute auf fruchtbareren Boden fällt als dasjenige, was ich im Laufe der Jahre gesagt habe; aber dennoch, jeder hat seine Aufgabe. Meine Aufgabe ist es, die Dinge zu sagen, und ich werde Ihnen gegenüber und auch der Welt gegenüber, wenn es am Platze ist, die Gelegenheit nicht versäumen, dasjenige, was ich nicht nur für richtig halte, sondern für angemessen halte, daß es gesagt werde, auch wirklich zu sagen.

[ 20 ] Und damit komme ich auf eine Frage, die mir in der letzten Zeit immer wieder und wiederum von den verschiedensten Seiten her gestellt worden ist über das mögliche Verhalten, das man jetzt einschlagen könne, nachdem die Dinge nun bis zu diesem Zeitpunkt gekommen sind. Ich glaube nicht, daß das, was ich sage, heute auf fruchtbareren Boden fällt als dasjenige, was ich im Laufe der Jahre gesagt habe; aber dennoch, jeder hat seine Aufgabe. Meine Aufgabe ist es, die Dinge zu sagen, und ich werde Ihnen gegenüber und auch der Welt gegenüber, wenn es am Platze ist, die Gelegenheit nicht versäumen, dasjenige, was ich nicht nur für richtig halte, sondern für angemessen halte, daß es gesagt werde, auch wirklich zu sagen.

[ 21 ] Sehen Sie, dasjenige, was heranrückt — wir können ja hier, wo wir unter uns sind gewissermaßen, sehr unbefangen über diese Sache sprechen —, was herannaht, ist ja zweifellos eine Auseinandersetzung des auch auf die Weise wie ich es selbst im öffentlichen Vortrage in Basel neulich erwähnt habe, in den letzten Jahrhunderten aus dem modernen Industrialismus herausgewachsenen Proletariats mit den alten Klassen der Menschheit. Nun, ich habe mich schon einigermaßen ausgesprochen, als ich in Anknüpfung an meine «Philosophie der Freiheit» sagte, was ich für das Allernotwendigste gehalten hätte in den letzten Jahren und auch heute noch halte, aber ich möchte noch das Folgende sagen: Dasjenige, um das es sich handelt, ist, daß man erkenne, daß eine Strömung heranzieht wie mit einer gewissen elementaren Notwendigkeit. Ich meine mit dieser Strömung die soziale Bewegung, oder die Summe der sozialen Forderungen, die aus dem Proletariat erhoben werden. Da handelt es sich nicht darum, daß man über diese Strömung das eine oder andere Urteil abgibt, sondern da handelt es sich darum, daß man sich wirklich vertiefen kann in dasjenige, was da heranzieht, was einfach als Tatsache heranzieht. Darum handelt es sich. Darüber Kritik zu üben, das ist etwas, was man ja kann, wenn man es will, was aber nicht viel mehr Wert hat als eine vielleicht sehr berechtigte, aber doch nur private Meinung. Worauf es ankommt, das ist doch wirklich, daß eine Möglichkeit gefunden werde, daß die Massen der nichtproletarischen Bevölkerung der ganzen zivilisierten Welt eine Stellung gewinnen zu dem, was heraufzieht. Gerade nach dieser Richtung gingen manche Fragen, die an mich gestellt worden sind. Und das ist es ja, was jetzt vor den Seelen der Menschen liegen muß: Stellung zu gewinnen. Nun, da kann ich nur sagen: Wir sind mit Bezug auf die soziale Bewegung, wie sie sich aus dieser kriegerischen Katastrophe heraus entwickelt hat, nur aus dieser heraus entwickelt hat in ihrer heutigen Gestalt, in ein Stadium eingetreten, wo es sich wahrhaftig nicht mehr darum handeln kann, abstrakte Programme zu machen, so und soviele Punkte zusammenzustellen, man solle dies oder jenes tun. — Das wäre vielleicht noch vor drei Jahren, vor zwei, vielleicht vor einem Jahre eine Möglichkeit gewesen. Heute ist das keine Möglichkeit mehr. Heute kann ich jemandem, der mich nach dieser Richtung frägt, nur die Antwort geben, daß es sich heute nur darum handeln kann, daß man an jedem einzelnen Platze, an den man gestellt ist, gerade wenn man Geisteswissenschafter ist, finden kann durch ein wirklichkeitsgemäßes Betrachten der Situation, was zu tun ist, und daß man auch die Mittel und Wege findet, um dasjenige, was getan werden muß, zu tun.

[ 21 ] Sehen Sie, dasjenige, was heranrückt — wir können ja hier, wo wir unter uns sind gewissermaßen, sehr unbefangen über diese Sache sprechen —, was herannaht, ist ja zweifellos eine Auseinandersetzung des auch auf die Weise wie ich es selbst im öffentlichen Vortrage in Basel neulich erwähnt habe, in den letzten Jahrhunderten aus dem modernen Industrialismus herausgewachsenen Proletariats mit den alten Klassen der Menschheit. Nun, ich habe mich schon einigermaßen ausgesprochen, als ich in Anknüpfung an meine «Philosophie der Freiheit» sagte, was ich für das Allernotwendigste gehalten hätte in den letzten Jahren und auch heute noch halte, aber ich möchte noch das Folgende sagen: Dasjenige, um das es sich handelt, ist, daß man erkenne, daß eine Strömung heranzieht wie mit einer gewissen elementaren Notwendigkeit. Ich meine mit dieser Strömung die soziale Bewegung, oder die Summe der sozialen Forderungen, die aus dem Proletariat erhoben werden. Da handelt es sich nicht darum, daß man über diese Strömung das eine oder andere Urteil abgibt, sondern da handelt es sich darum, daß man sich wirklich vertiefen kann in dasjenige, was da heranzieht, was einfach als Tatsache heranzieht. Darum handelt es sich. Darüber Kritik zu üben, das ist etwas, was man ja kann, wenn man es will, was aber nicht viel mehr Wert hat als eine vielleicht sehr berechtigte, aber doch nur private Meinung. Worauf es ankommt, das ist doch wirklich, daß eine Möglichkeit gefunden werde, daß die Massen der nichtproletarischen Bevölkerung der ganzen zivilisierten Welt eine Stellung gewinnen zu dem, was heraufzieht. Gerade nach dieser Richtung gingen manche Fragen, die an mich gestellt worden sind. Und das ist es ja, was jetzt vor den Seelen der Menschen liegen muß: Stellung zu gewinnen. Nun, da kann ich nur sagen: Wir sind mit Bezug auf die soziale Bewegung, wie sie sich aus dieser kriegerischen Katastrophe heraus entwickelt hat, nur aus dieser heraus entwickelt hat in ihrer heutigen Gestalt, in ein Stadium eingetreten, wo es sich wahrhaftig nicht mehr darum handeln kann, abstrakte Programme zu machen, so und soviele Punkte zusammenzustellen, man solle dies oder jenes tun. — Das wäre vielleicht noch vor drei Jahren, vor zwei, vielleicht vor einem Jahre eine Möglichkeit gewesen. Heute ist das keine Möglichkeit mehr. Heute kann ich jemandem, der mich nach dieser Richtung frägt, nur die Antwort geben, daß es sich heute nur darum handeln kann, daß man an jedem einzelnen Platze, an den man gestellt ist, gerade wenn man Geisteswissenschafter ist, finden kann durch ein wirklichkeitsgemäßes Betrachten der Situation, was zu tun ist, und daß man auch die Mittel und Wege findet, um dasjenige, was getan werden muß, zu tun.

[ 22 ] Da ist es natürlich wiederum gut, wenn man objektiv und sorgfältig erwägt, was insbesondere von den bürgerlichen Kreisen unterlassen worden ist. Nicht wahr, der abstrakte Satz kann leicht eingesehen werden: Die bürgerlichen Kreise müssen die Möglichkeit finden, wenn es nicht zu furchtbaren Katastrophen kommen soll, sich zu rangieren mit dem Proletariat. — Aber so ist der Satz doch ein ganz abstrakter, so besagt er gar nichts Besonderes. Um was es sich handelt, ist doch etwas ganz anderes. Dieses Rangieren, das notwendig ist, das geschehen muß, wird nicht leicht sein. Denn gerade die bürgerlichen Klassen haben im Laufe der Jahre Ungeheueres unterlassen, was dazu geführt hat, daß ihnen jetzt vieles fehlt, um sich unmittelbar zu rangieren mit dem Proletariat. Die bürgerlichen Klassen in ihrer Mehrheit haben keine Ahnung von der Seelenverfassung des Proletariats. Dasjenige, was heranzieht, sind Masseninstinkte. Aber diese Masseninstinkte, sie muß man wirklich verstehen können, sie muß man wirklich so, wie sie ihrer Natur nach sind, ins Auge fassen. Und gerade dieser Situation gegenüber darf man gar nicht den Glauben haben, daß das Verständnis für diese Masseninstinkte, die heute heranziehen, von selbst kommt, Mit patriarchalischer Denkweise, mit dem, was die bürgerlichen Kreise heute Verständnis solcher Dinge nennen, ist nicht im entferntesten irgend etwas getan. Die bürgerlichen Kreise verstehen von sozialen Fragen, wenn sie sich auch nach der oder jener Richtung damit beschäftigt haben, doch nicht viel mehr, als daß die Leute Hunger haben und nach Brot schreien, weil sie das nämlich auch tun, wenn ste Hunger haben. Das ist es, was sie heute gemeinschaftlich haben mit den proletarischen Kreisen. Sie haben gar nichts getan in den letzten Jahrzehnten, um wirklich eine geistige Gemeinschaft mit dem Proletariat anzustreben, um eine geistige Gemeinschaft einzuleiten. Ich darf mich schon für einen Beurteiler dieser Sache aus dem Grunde halten, weil ich das, was ich sage, nicht bloß aus dem Studium heraus sage; denn wer, wie ich selber, aus dem Proletariat hervorgegangen ist, weiß, wie das Proletariat lebt und denkt, ich möchte sagen, auf allen möglichen Gebieten; und wer sich dann beschäftigt hat, soviel sich nur ein Mensch beschäftigen kann, mit den Gedanken, die durch Jahrzehnte hindurch das Proletariat gebildet hat, und mit den Empfindungen, die von diesem Proletariat ausgehen, der darf eben über diese Sache reden.

[ 22 ] Da ist es natürlich wiederum gut, wenn man objektiv und sorgfältig erwägt, was insbesondere von den bürgerlichen Kreisen unterlassen worden ist. Nicht wahr, der abstrakte Satz kann leicht eingesehen werden: Die bürgerlichen Kreise müssen die Möglichkeit finden, wenn es nicht zu furchtbaren Katastrophen kommen soll, sich zu rangieren mit dem Proletariat. — Aber so ist der Satz doch ein ganz abstrakter, so besagt er gar nichts Besonderes. Um was es sich handelt, ist doch etwas ganz anderes. Dieses Rangieren, das notwendig ist, das geschehen muß, wird nicht leicht sein. Denn gerade die bürgerlichen Klassen haben im Laufe der Jahre Ungeheueres unterlassen, was dazu geführt hat, daß ihnen jetzt vieles fehlt, um sich unmittelbar zu rangieren mit dem Proletariat. Die bürgerlichen Klassen in ihrer Mehrheit haben keine Ahnung von der Seelenverfassung des Proletariats. Dasjenige, was heranzieht, sind Masseninstinkte. Aber diese Masseninstinkte, sie muß man wirklich verstehen können, sie muß man wirklich so, wie sie ihrer Natur nach sind, ins Auge fassen. Und gerade dieser Situation gegenüber darf man gar nicht den Glauben haben, daß das Verständnis für diese Masseninstinkte, die heute heranziehen, von selbst kommt, Mit patriarchalischer Denkweise, mit dem, was die bürgerlichen Kreise heute Verständnis solcher Dinge nennen, ist nicht im entferntesten irgend etwas getan. Die bürgerlichen Kreise verstehen von sozialen Fragen, wenn sie sich auch nach der oder jener Richtung damit beschäftigt haben, doch nicht viel mehr, als daß die Leute Hunger haben und nach Brot schreien, weil sie das nämlich auch tun, wenn ste Hunger haben. Das ist es, was sie heute gemeinschaftlich haben mit den proletarischen Kreisen. Sie haben gar nichts getan in den letzten Jahrzehnten, um wirklich eine geistige Gemeinschaft mit dem Proletariat anzustreben, um eine geistige Gemeinschaft einzuleiten. Ich darf mich schon für einen Beurteiler dieser Sache aus dem Grunde halten, weil ich das, was ich sage, nicht bloß aus dem Studium heraus sage; denn wer, wie ich selber, aus dem Proletariat hervorgegangen ist, weiß, wie das Proletariat lebt und denkt, ich möchte sagen, auf allen möglichen Gebieten; und wer sich dann beschäftigt hat, soviel sich nur ein Mensch beschäftigen kann, mit den Gedanken, die durch Jahrzehnte hindurch das Proletariat gebildet hat, und mit den Empfindungen, die von diesem Proletariat ausgehen, der darf eben über diese Sache reden.

[ 23 ] Da ist ins Auge zu fassen und wohl zu berücksichtigen, daß im Verlauf der letzten Jahrzehnte die proletarischen Kreise jede freie Zeit von ihrer Arbeit, die sie hatten, dazu benützt haben, um sich Vorstellungen, Begriffe, und danach auch Empfindungen und Impulse anzueignen über Kapital und Kapitalwirtschaft, über Lohn und Mehrwert, über materialistische Geschichtsentwickelung, über Unternehmertum und Arbeitertum. Und man darf nicht vergessen, wenn man selber seine Empfindungen in die richtigen Bahnen lenken will, daß in den letzten Jahrzehnten in der Zeit, in welcher die Arbeiter Abend für Abend, insoweit sie in Betracht kommen, gesessen haben, sich volkswirtschaftliche Begriffe anzueignen für etwas, was sie Revolution nennen, was aber auch eine Reform hätte werden können — in der Zeit, was haben denn die bürgerlichen Kreise getan? In der Zeit haben die bürgerlichen Kreise Karten gespielt oder sogenannte unterhaltende Theaterstücke angehört oder Zeitungen gelesen, nun, oder ähnliche nützliche Beschäftigungen mehr gehabt. Dadurch ist mit Bezug auf menschliches Verständnis auf seiten der bürgerlichen Bevölkerung endlich der Zustand eingetreten, der heute da ist: der Zustand der völligen Unfähigkeit, das, was proletarisch ist, zu verstehen.

[ 23 ] Da ist ins Auge zu fassen und wohl zu berücksichtigen, daß im Verlauf der letzten Jahrzehnte die proletarischen Kreise jede freie Zeit von ihrer Arbeit, die sie hatten, dazu benützt haben, um sich Vorstellungen, Begriffe, und danach auch Empfindungen und Impulse anzueignen über Kapital und Kapitalwirtschaft, über Lohn und Mehrwert, über materialistische Geschichtsentwickelung, über Unternehmertum und Arbeitertum. Und man darf nicht vergessen, wenn man selber seine Empfindungen in die richtigen Bahnen lenken will, daß in den letzten Jahrzehnten in der Zeit, in welcher die Arbeiter Abend für Abend, insoweit sie in Betracht kommen, gesessen haben, sich volkswirtschaftliche Begriffe anzueignen für etwas, was sie Revolution nennen, was aber auch eine Reform hätte werden können — in der Zeit, was haben denn die bürgerlichen Kreise getan? In der Zeit haben die bürgerlichen Kreise Karten gespielt oder sogenannte unterhaltende Theaterstücke angehört oder Zeitungen gelesen, nun, oder ähnliche nützliche Beschäftigungen mehr gehabt. Dadurch ist mit Bezug auf menschliches Verständnis auf seiten der bürgerlichen Bevölkerung endlich der Zustand eingetreten, der heute da ist: der Zustand der völligen Unfähigkeit, das, was proletarisch ist, zu verstehen.

[ 24 ] Dieser Zustand war solange aufrechtzuerhalten, als nicht elementare Masseninstinkte entfesselt wurden. Er ist nicht aufrechtzuerhalten, wenn elementare Masseninstinkte entfesselt werden. Denn der ganze Gang der Bewegung ist so, daß man nicht ohne drinnen zu stehen in der Seele des Proletariers an eine Rangierung denken kann. Derjenige, der wirklich die Entwickelung des Proletariats verfolgen konnte, der weiß, daß alle die verschiedenen patriarchalischen Machinationen, die von wirtschaftlich Führenden ausgegangen sind, von der Seele der Proletarier gerade am intensivsten abgelehnt worden sind. Was man in bürgerlichen Kreisen geglaubt hat, zugunsten der Arbeiter zu machen, das ist ja im Innersten der Proletarierseele strikte abgelehnt worden, ist sogar als eine Art Beleidigung aufgefaßt worden, insofern es einen patriarchalischen Charakter hat. Aber auf dem Gebiete der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge hat sich der Proletarier Kenntnisse erworben, die er heute hat, hat sich ein Urteil erworben, mit dem er als einem Inhalt seiner Seele herumgeht, und von dem der Zugehörige der bürgerlichen Klasse gar nicht die allergeringste Ahnung, keinen Schimmer hat. Denn so ist die Tatsache gekommen, daß heute der proletarische Arbeiter über die Funktionen des Kapitals, über Unternehmertum und Lohnverhältnisse, über materialistische Geschichtsentwickelung mehr weiß als ein nationalökonomischer Universitätsprofessor, dessen Beruf es ist, über diese Dinge etwas zu wissen.

[ 24 ] Dieser Zustand war solange aufrechtzuerhalten, als nicht elementare Masseninstinkte entfesselt wurden. Er ist nicht aufrechtzuerhalten, wenn elementare Masseninstinkte entfesselt werden. Denn der ganze Gang der Bewegung ist so, daß man nicht ohne drinnen zu stehen in der Seele des Proletariers an eine Rangierung denken kann. Derjenige, der wirklich die Entwickelung des Proletariats verfolgen konnte, der weiß, daß alle die verschiedenen patriarchalischen Machinationen, die von wirtschaftlich Führenden ausgegangen sind, von der Seele der Proletarier gerade am intensivsten abgelehnt worden sind. Was man in bürgerlichen Kreisen geglaubt hat, zugunsten der Arbeiter zu machen, das ist ja im Innersten der Proletarierseele strikte abgelehnt worden, ist sogar als eine Art Beleidigung aufgefaßt worden, insofern es einen patriarchalischen Charakter hat. Aber auf dem Gebiete der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge hat sich der Proletarier Kenntnisse erworben, die er heute hat, hat sich ein Urteil erworben, mit dem er als einem Inhalt seiner Seele herumgeht, und von dem der Zugehörige der bürgerlichen Klasse gar nicht die allergeringste Ahnung, keinen Schimmer hat. Denn so ist die Tatsache gekommen, daß heute der proletarische Arbeiter über die Funktionen des Kapitals, über Unternehmertum und Lohnverhältnisse, über materialistische Geschichtsentwickelung mehr weiß als ein nationalökonomischer Universitätsprofessor, dessen Beruf es ist, über diese Dinge etwas zu wissen.

[ 25 ] Das ist die Lage, die man vor allen Dingen richtig ins Auge fassen muß. Denn nur wenn man sie richtig ins Auge faßt, dann wird man verstehen, was gemeint ist, wenn ich sage: Derjenige, der sich jetzt rangieren will mit dem, was herauftaucht, der hat nötig, eine ganz neue Sprache zu sprechen. All das, was bisher gedacht worden ist in bürgerlichen Kreisen, das muß sich in eine ganz andere Sprache verwandeln; denn das, was hergestellt werden muß, muß Vertrauen sein. Sie müssen aus der Seele der Leute heraus sprechen können, und an jedem einzelnen Ort aus der Seele der Leute heraus sprechen und vor allen Dingen handeln können. Das können Sie nicht mit abstrakten Programmpunkten, sondern nur, wenn Sie sich hineinstellen in das, was heute geschieht, oder hineingestellt werden, wenn das das Richtige ist. Vorläufig wird aber noch alles zurückgewiesen, was das Richtige ist, werden auf keinem Punkte irgendwelche Anstalten gemacht, um irgend etwas nach dieser Richtung zu unternehmen. Denn nicht um die Abforderung von abstrakten Programmen kann es sich heute noch handeln, sondern heute kann es sich nur darum handeln, das persönlichste Wirken zu entfalten aus dem Verständnis der Sachlage heraus im konkreten einzelnen Fall. Nur darum kann es sich handeln.

[ 25 ] Das ist die Lage, die man vor allen Dingen richtig ins Auge fassen muß. Denn nur wenn man sie richtig ins Auge faßt, dann wird man verstehen, was gemeint ist, wenn ich sage: Derjenige, der sich jetzt rangieren will mit dem, was herauftaucht, der hat nötig, eine ganz neue Sprache zu sprechen. All das, was bisher gedacht worden ist in bürgerlichen Kreisen, das muß sich in eine ganz andere Sprache verwandeln; denn das, was hergestellt werden muß, muß Vertrauen sein. Sie müssen aus der Seele der Leute heraus sprechen können, und an jedem einzelnen Ort aus der Seele der Leute heraus sprechen und vor allen Dingen handeln können. Das können Sie nicht mit abstrakten Programmpunkten, sondern nur, wenn Sie sich hineinstellen in das, was heute geschieht, oder hineingestellt werden, wenn das das Richtige ist. Vorläufig wird aber noch alles zurückgewiesen, was das Richtige ist, werden auf keinem Punkte irgendwelche Anstalten gemacht, um irgend etwas nach dieser Richtung zu unternehmen. Denn nicht um die Abforderung von abstrakten Programmen kann es sich heute noch handeln, sondern heute kann es sich nur darum handeln, das persönlichste Wirken zu entfalten aus dem Verständnis der Sachlage heraus im konkreten einzelnen Fall. Nur darum kann es sich handeln.

[ 26 ] Was im allgemeinen gesagt werden kann, ist ja das Folgende. Sehen Sie, dadurch, daß alles das in proletarischen Kreisen getrieben worden ist, was die bürgerlichen Kreise verschlafen haben, was weder Inhalt der Schulbildung, noch Inhalt der Salonunterhaltungen oder dergleichen war, dadurch wissen die meisten Menschen heute nicht viel über die Dinge, über die man eben fähig sein muß, sich Gedanken zu machen. Nun ist heute nur ein Zweifaches möglich: entweder Sie machen sich Gedanken über gewisse soziale Werte vom Gesichtspunkte des heutigen Proletariats aus, oder Sie machen sich solche Gedanken vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus. Sind Sie durch Jahre in der geisteswissenschaftlichen Bewegung drinnengewesen und haben Sie Ihre Zeit darinnen richtig angewendet, so denken Sie einfach richtig über das, was Ihnen heute im konkreten Fall entgegentreten kann, und nur dann sind Sie in der Lage, ein Vertrauensverhältnis herzustellen, auf das es vor allen Dingen ankommt. Denn mit dem, was heute der Bürgerliche sagen kann, muß er überall zurückgewiesen werden, weil eben der Proletarier eine viel vorgeschrittenere Sprache führt. Der Bürgerliche muß lernen, eine noch vorgeschrittenere Sprache zu führen. Das muß er aber erst wollen.

[ 26 ] Was im allgemeinen gesagt werden kann, ist ja das Folgende. Sehen Sie, dadurch, daß alles das in proletarischen Kreisen getrieben worden ist, was die bürgerlichen Kreise verschlafen haben, was weder Inhalt der Schulbildung, noch Inhalt der Salonunterhaltungen oder dergleichen war, dadurch wissen die meisten Menschen heute nicht viel über die Dinge, über die man eben fähig sein muß, sich Gedanken zu machen. Nun ist heute nur ein Zweifaches möglich: entweder Sie machen sich Gedanken über gewisse soziale Werte vom Gesichtspunkte des heutigen Proletariats aus, oder Sie machen sich solche Gedanken vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus. Sind Sie durch Jahre in der geisteswissenschaftlichen Bewegung drinnengewesen und haben Sie Ihre Zeit darinnen richtig angewendet, so denken Sie einfach richtig über das, was Ihnen heute im konkreten Fall entgegentreten kann, und nur dann sind Sie in der Lage, ein Vertrauensverhältnis herzustellen, auf das es vor allen Dingen ankommt. Denn mit dem, was heute der Bürgerliche sagen kann, muß er überall zurückgewiesen werden, weil eben der Proletarier eine viel vorgeschrittenere Sprache führt. Der Bürgerliche muß lernen, eine noch vorgeschrittenere Sprache zu führen. Das muß er aber erst wollen.

[ 27 ] Sehen Sie, was notwendig ist, das ist, das Augenmerk zu richten auf die drei’ Typen von volkswirtschaftlichen Werten, die die hauptsächlichsten drei Typen sind und um die die eigentlichen Fragen gehen. Was heute behandelt werden muß durch Denken und durch die Tat, das sind diese drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten. Sie können sich aber nur verständigen, auch durch die Tat nur verständigen mit dem, was als elementare Strömung heraufzieht, wenn Sie den Willen haben, auf die Sprache, die das Proletariat spricht, einzugehen und Ihr wirklich sachgemäßeres und wirklichkeitsgemäßeres Urteil ins Auge fassen und geltend machen können. Die drei Typen sind der sogenannte Unternehmergewinn, Kapitalgewinn, die Rente und der Lohn. Andere Typen von nationalökonomischen Werten gibt es nicht. Alles, was es gibt an nationalökonomischen Werten, fällt sachgemäß unter die drei Typen, entweder Unternehmergewinn, oder Rente, oder Lohn. Diesen drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten steht das Proletariertum in einer gewissen Weise gegenüber. Es will die schädlichen Seiten — nach seiner Ansicht schädlichen Seiten —, welche diese drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten haben, dadurch beseitigen, daß herbeigeführt werde die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und des Grundes und Bodens, und daß die Herrschaft übergehe an das eigentliche Proletariat, die Herrschaft in den verschiedenen gesellschaftlichen Gebieten, weil das Proletariat eben das Vertrauen zu den anderen Klassen verloren hat. Ja, darüber kann man heute nicht bloß theoretisch sprechen, darüber kann man nur wirklichkeitsgemäß sprechen. Man kann nur so sprechen, daß man ins Auge faßt: Wie weit sind die Verhältnisse gediehen? — Und mit den Verhältnissen meine ich namentlich: Wie weit sind die Gedanken und Empfindungen der Proletariermasse gediehen? — Man kann, wenn man diese oder jene nationalökonomische Theorie durchgeochst hat, das eine oder das andere für das Richtige halten, aber das besagt gar nichts für die Wirklichkeit, für dasjenige, was zu tun ist. Für dasjenige, was zu tun ist, besagt heute etwas einzig und allein das Faktum, was in den Köpfen der proletarischen Massen drinnen ist. Und das ist sehr uniform, das hat sich durch Jahrzehnte sehr uniform ausgebildet, und mit dem muß vor allen Dingen gerechnet werden.

[ 27 ] Sehen Sie, was notwendig ist, das ist, das Augenmerk zu richten auf die drei’ Typen von volkswirtschaftlichen Werten, die die hauptsächlichsten drei Typen sind und um die die eigentlichen Fragen gehen. Was heute behandelt werden muß durch Denken und durch die Tat, das sind diese drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten. Sie können sich aber nur verständigen, auch durch die Tat nur verständigen mit dem, was als elementare Strömung heraufzieht, wenn Sie den Willen haben, auf die Sprache, die das Proletariat spricht, einzugehen und Ihr wirklich sachgemäßeres und wirklichkeitsgemäßeres Urteil ins Auge fassen und geltend machen können. Die drei Typen sind der sogenannte Unternehmergewinn, Kapitalgewinn, die Rente und der Lohn. Andere Typen von nationalökonomischen Werten gibt es nicht. Alles, was es gibt an nationalökonomischen Werten, fällt sachgemäß unter die drei Typen, entweder Unternehmergewinn, oder Rente, oder Lohn. Diesen drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten steht das Proletariertum in einer gewissen Weise gegenüber. Es will die schädlichen Seiten — nach seiner Ansicht schädlichen Seiten —, welche diese drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten haben, dadurch beseitigen, daß herbeigeführt werde die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und des Grundes und Bodens, und daß die Herrschaft übergehe an das eigentliche Proletariat, die Herrschaft in den verschiedenen gesellschaftlichen Gebieten, weil das Proletariat eben das Vertrauen zu den anderen Klassen verloren hat. Ja, darüber kann man heute nicht bloß theoretisch sprechen, darüber kann man nur wirklichkeitsgemäß sprechen. Man kann nur so sprechen, daß man ins Auge faßt: Wie weit sind die Verhältnisse gediehen? — Und mit den Verhältnissen meine ich namentlich: Wie weit sind die Gedanken und Empfindungen der Proletariermasse gediehen? — Man kann, wenn man diese oder jene nationalökonomische Theorie durchgeochst hat, das eine oder das andere für das Richtige halten, aber das besagt gar nichts für die Wirklichkeit, für dasjenige, was zu tun ist. Für dasjenige, was zu tun ist, besagt heute etwas einzig und allein das Faktum, was in den Köpfen der proletarischen Massen drinnen ist. Und das ist sehr uniform, das hat sich durch Jahrzehnte sehr uniform ausgebildet, und mit dem muß vor allen Dingen gerechnet werden.

[ 28 ] Man muß sich vor allen Dingen klar darüber sein, daß gewisse Dinge, die angestrebt werden müssen, verständnisvoll verfolgt werden müssen, wenn sich das Bürgertum überhaupt rangieren will mit dem Proletariat. Unternehmergewinn — die Tendenz der Arbeiterschaft geht darauf hin, den Unternehmergewinn so zu gestalten, daß aus dem Unternehmergewinn nichts einfließe in den privaten Erwerb. Dieses ist aber eine Sache, über die eine Verständigung mit dem Proletariat durchaus möglich wäre. Wenn man verfolgen würde all die Kanäle, all die Rinnsale, in die sich im volkswirtschaftlichen Körper ergießt dasjenige, was Kapital ist, und dann, wenn das Kapital die Form des Unternehmergewinns annimmt, wenn man das alles verfolgt, und wenn man sich zu gleicher Zeit sagt: Das hat das ärgste Mißtrauen des Proletariats hervorgerufen gegen das Bürgertum, namentlich gegen die Großbourgeoisie, daß in ausgiebigstem Maße der Unternehmergewinn in den Privaterwerb einbezogen worden ist — darüber wird sich in der Zukunft überhaupt nicht streiten lassen —, dann ist man auf dem rechten Wege. Dann wird man aber auch, wenn man Verständnis zeigt für dasjenige, was in diesem Punkte das Proletariat will, die Mittel und Wege finden, um jene tiefe soziale Schädigung hintanzuhalten, die dann eintreten muß, wenn im Sinne des radikalen Proletariats heute der Unternehmergewinn bekriegt wird. Es liegen leider die Dinge so, daß nach den Kenntnissen, die die Bürgerlichen von diesen Dingen haben, meistens gar nicht diskutiert werden kann mit dem Proletariat, weil diese Kenntnisse eben nicht da sind, weil der Bürgerliche heute nichts weiß von den Kanälen und von den Funktionen, in denen so etwas wie Unternehmergewinn — von einer Fabrik der Gewinn des Unternehmers, oder von irgend etwas anderem der Gewinn des Unternehmers — sich ergießt. Da dem Proletarier notwendig die Ausblicke fehlen, in die die eine oder die andere soziale Gestaltung führt, so bekämpft er nur die Schäden, die allmählich durch das Verhalten des Bürgertums in bezug auf den Unternehmergewinn hervorgerufen worden sind, aber er ruft dadurch ganz sicher nur Zerstörung, nur Untergang hervor. Sache des Bürgertums wäre es nun, über diesen Punkt sich im einzelnen zu verständigen. Gerade wenn man sich in diesen Einzelheiten verständigen würde, so würden diejenigen, die fähig sind dadurch, daß sie bisher in den Wirtschaftskörpern drinnengestanden haben, führende Stellungen hatten in den Wirtschaftskörpern, die darum einzig und allein nur die Kenntnisse hätten, um die Kontinuität des Wirtschaftslebens fortzuführen, ganz von selbst nach dem Willen desProletariats an erste Stellen gestellt werden; ob nun durch Arbeiter- und Soldatenräte oder andere Räte, sie würden schon ganz von selbst dort hineinkommen. Aber es muß die Möglichkeit vorhanden sein, wirklich über etwas zu verhandeln mit den Leuten. Wenn die Möglichkeit vorhanden ist, über etwas zu verhandeln, so daß die Leute wissen: Aha, der weiß selber, was wir eigentlich wollen, aber er weiß noch etwas mehr —, dann kommt, was kommen muß: Vertrauen, das heute nicht vorhanden sein kann. Denn der Zustand kann nie eintreten, daß, wenn die Proletarier einfach den Glauben haben müssen: Nun ja, jetzt haben sie das Heft in der Hand, und die Bürgerlichen, die bisher sich so und so benommen haben, die wollen sich jetzt auch hinsetzen an den Tisch —, daß sie da gleich aus Gutmütigkeit sie mit hinsetzen lassen werden; das wird nicht eintreten, sondern es muß das durch Vertrauen gestützt sein. Und die Schwierigkeit besteht darinnen, daß eigentlich in weitesten Kreisen keine Möglichkeit besteht, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Man kann ja dann die verschiedensten Ansichten haben, aber man muß eine gemeinsame Sprache sprechen können.

[ 28 ] Man muß sich vor allen Dingen klar darüber sein, daß gewisse Dinge, die angestrebt werden müssen, verständnisvoll verfolgt werden müssen, wenn sich das Bürgertum überhaupt rangieren will mit dem Proletariat. Unternehmergewinn — die Tendenz der Arbeiterschaft geht darauf hin, den Unternehmergewinn so zu gestalten, daß aus dem Unternehmergewinn nichts einfließe in den privaten Erwerb. Dieses ist aber eine Sache, über die eine Verständigung mit dem Proletariat durchaus möglich wäre. Wenn man verfolgen würde all die Kanäle, all die Rinnsale, in die sich im volkswirtschaftlichen Körper ergießt dasjenige, was Kapital ist, und dann, wenn das Kapital die Form des Unternehmergewinns annimmt, wenn man das alles verfolgt, und wenn man sich zu gleicher Zeit sagt: Das hat das ärgste Mißtrauen des Proletariats hervorgerufen gegen das Bürgertum, namentlich gegen die Großbourgeoisie, daß in ausgiebigstem Maße der Unternehmergewinn in den Privaterwerb einbezogen worden ist — darüber wird sich in der Zukunft überhaupt nicht streiten lassen —, dann ist man auf dem rechten Wege. Dann wird man aber auch, wenn man Verständnis zeigt für dasjenige, was in diesem Punkte das Proletariat will, die Mittel und Wege finden, um jene tiefe soziale Schädigung hintanzuhalten, die dann eintreten muß, wenn im Sinne des radikalen Proletariats heute der Unternehmergewinn bekriegt wird. Es liegen leider die Dinge so, daß nach den Kenntnissen, die die Bürgerlichen von diesen Dingen haben, meistens gar nicht diskutiert werden kann mit dem Proletariat, weil diese Kenntnisse eben nicht da sind, weil der Bürgerliche heute nichts weiß von den Kanälen und von den Funktionen, in denen so etwas wie Unternehmergewinn — von einer Fabrik der Gewinn des Unternehmers, oder von irgend etwas anderem der Gewinn des Unternehmers — sich ergießt. Da dem Proletarier notwendig die Ausblicke fehlen, in die die eine oder die andere soziale Gestaltung führt, so bekämpft er nur die Schäden, die allmählich durch das Verhalten des Bürgertums in bezug auf den Unternehmergewinn hervorgerufen worden sind, aber er ruft dadurch ganz sicher nur Zerstörung, nur Untergang hervor. Sache des Bürgertums wäre es nun, über diesen Punkt sich im einzelnen zu verständigen. Gerade wenn man sich in diesen Einzelheiten verständigen würde, so würden diejenigen, die fähig sind dadurch, daß sie bisher in den Wirtschaftskörpern drinnengestanden haben, führende Stellungen hatten in den Wirtschaftskörpern, die darum einzig und allein nur die Kenntnisse hätten, um die Kontinuität des Wirtschaftslebens fortzuführen, ganz von selbst nach dem Willen desProletariats an erste Stellen gestellt werden; ob nun durch Arbeiter- und Soldatenräte oder andere Räte, sie würden schon ganz von selbst dort hineinkommen. Aber es muß die Möglichkeit vorhanden sein, wirklich über etwas zu verhandeln mit den Leuten. Wenn die Möglichkeit vorhanden ist, über etwas zu verhandeln, so daß die Leute wissen: Aha, der weiß selber, was wir eigentlich wollen, aber er weiß noch etwas mehr —, dann kommt, was kommen muß: Vertrauen, das heute nicht vorhanden sein kann. Denn der Zustand kann nie eintreten, daß, wenn die Proletarier einfach den Glauben haben müssen: Nun ja, jetzt haben sie das Heft in der Hand, und die Bürgerlichen, die bisher sich so und so benommen haben, die wollen sich jetzt auch hinsetzen an den Tisch —, daß sie da gleich aus Gutmütigkeit sie mit hinsetzen lassen werden; das wird nicht eintreten, sondern es muß das durch Vertrauen gestützt sein. Und die Schwierigkeit besteht darinnen, daß eigentlich in weitesten Kreisen keine Möglichkeit besteht, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Man kann ja dann die verschiedensten Ansichten haben, aber man muß eine gemeinsame Sprache sprechen können.

[ 29 ] Dann muß man sich aber darüber klar sein, daß nicht nur der Unternehmergewinn, sondern auch die Rente wesentlich angefochten werden wird. Nun hat ja gerade die Rente zu den ärgsten Auswüchsen geführt, und aus den Masseninstinkten heraus wird nicht nur der Unternehmergewinn bekriegt, sondern selbstverständlich auch die Rente bekriegt werden. Nun ist es ganz klar, daß wieder nur derjenige in diese Dinge hineinsehen kann, der die Funktionen der Rente überschaut. Und da handelt es sich darum, daß es heute leicht ist, wenn man die Sprache des Proletariats handhabt, es wenigstens bis zur Diskussion zu bringen — Verständnis wird sich nur langsam und allmählich entwickeln, gegenseitiges Verständnis — und es bis zu einer gewissen Art von Vertrauen zu bringen.

[ 29 ] Dann muß man sich aber darüber klar sein, daß nicht nur der Unternehmergewinn, sondern auch die Rente wesentlich angefochten werden wird. Nun hat ja gerade die Rente zu den ärgsten Auswüchsen geführt, und aus den Masseninstinkten heraus wird nicht nur der Unternehmergewinn bekriegt, sondern selbstverständlich auch die Rente bekriegt werden. Nun ist es ganz klar, daß wieder nur derjenige in diese Dinge hineinsehen kann, der die Funktionen der Rente überschaut. Und da handelt es sich darum, daß es heute leicht ist, wenn man die Sprache des Proletariats handhabt, es wenigstens bis zur Diskussion zu bringen — Verständnis wird sich nur langsam und allmählich entwickeln, gegenseitiges Verständnis — und es bis zu einer gewissen Art von Vertrauen zu bringen.

[ 30 ] Nicht wahr, beim Unternehmergewinn handelt es sich ja darum, daß man einsehe, daß man wirklich nicht den Unternehmergewinn betrachte als eine Grundlage für privaten Erwerb, sondern daß alles, was Unternehmergewinn ist, zu einem nur in dem Verhältnis steht, daß man die Sache zu verwalten hat, daß man mit der Sache zu wirtschaften hat, und daß der Unternehmergewinn in der Zukunft nicht hineingehen darf in den privaten Erwerb, in all dasjenige, was privater Erwerb ist. Bei der Rente handelt es sich darum, daß die Welt ohne Rente gar nicht leben kann, denn von der Rente im weitesten Sinne muß das ganze geistige Leben, Erziehung, Unterricht und alles erhalten werden, und außerdem müssen die nicht arbeitsfähigen und kranken Menschen, die alten Menschen und dergleichen eigentlich aus der Rente erhalten werden. In dem Augenblick, wo man sachgemäß über diese Dinge redet, würde es sich selbstverständlich darum handeln, daß man wenigstens in eine fruchtbare Diskussion kommt, aber man muß sich auch klar darüber sein, daß es unmöglich ist, in eine fruchtbare Diskussion zu kommen, wenn man nicht weiß, daß das wirklich Berechtigte der Rente nur darinnen bestehen kann, daß sie in diese Richtungen geleitet wird, von denen ich eben gesprochen habe.

[ 30 ] Nicht wahr, beim Unternehmergewinn handelt es sich ja darum, daß man einsehe, daß man wirklich nicht den Unternehmergewinn betrachte als eine Grundlage für privaten Erwerb, sondern daß alles, was Unternehmergewinn ist, zu einem nur in dem Verhältnis steht, daß man die Sache zu verwalten hat, daß man mit der Sache zu wirtschaften hat, und daß der Unternehmergewinn in der Zukunft nicht hineingehen darf in den privaten Erwerb, in all dasjenige, was privater Erwerb ist. Bei der Rente handelt es sich darum, daß die Welt ohne Rente gar nicht leben kann, denn von der Rente im weitesten Sinne muß das ganze geistige Leben, Erziehung, Unterricht und alles erhalten werden, und außerdem müssen die nicht arbeitsfähigen und kranken Menschen, die alten Menschen und dergleichen eigentlich aus der Rente erhalten werden. In dem Augenblick, wo man sachgemäß über diese Dinge redet, würde es sich selbstverständlich darum handeln, daß man wenigstens in eine fruchtbare Diskussion kommt, aber man muß sich auch klar darüber sein, daß es unmöglich ist, in eine fruchtbare Diskussion zu kommen, wenn man nicht weiß, daß das wirklich Berechtigte der Rente nur darinnen bestehen kann, daß sie in diese Richtungen geleitet wird, von denen ich eben gesprochen habe.

[ 31 ] Das dritte ist der Lohn, den ja das Proletariat so regeln will, daß kein Mehrwert sich ergibt, der in etwas anderes fließt als in den nicht zum privaten Erwerb umzusetzenden Unternehmergewinn und in die berechtigte Rente. Natürlich ist es ein Horror für die auf diesem Gebiete ganz kenntnislose bürgerliche Bevölkerung, darinnen Einsicht zu gewinnen, daß nun wirklich niemand auch nur im geringsten etwas zu fürchten hat, wenn im Prinzip das wirklich besteht: daß jedem zufällt das Erträgnis seiner Arbeit, daß tatsächlich die volkswirtschaftliche Struktur so ist, daß sich für jeden Arbeitenden umwandelt die Arbeit in Erträgnis seiner Arbeit. Ein Ideal ist es nicht, das können Sie aus meinem Aufsatz «Geisteswissenschaft und soziale Frage» sehen, aber es handelt sich heute nicht um ein Ideal, sondern um dasjenige, was allein erreicht werden kann in der unmittelbaren Zukunft. Und da handelt es sich darum, daß man in der Tat ein Verständnis dafür erweckt, welches das Minimum des Mehrwertes ist, und nur das Minimum des Mehrwertes zurückhält von dem Lohn, der dann nicht mehr Lohn sein wird, sondern der einfach Entschädigung sein wird für Arbeit.

[ 31 ] Das dritte ist der Lohn, den ja das Proletariat so regeln will, daß kein Mehrwert sich ergibt, der in etwas anderes fließt als in den nicht zum privaten Erwerb umzusetzenden Unternehmergewinn und in die berechtigte Rente. Natürlich ist es ein Horror für die auf diesem Gebiete ganz kenntnislose bürgerliche Bevölkerung, darinnen Einsicht zu gewinnen, daß nun wirklich niemand auch nur im geringsten etwas zu fürchten hat, wenn im Prinzip das wirklich besteht: daß jedem zufällt das Erträgnis seiner Arbeit, daß tatsächlich die volkswirtschaftliche Struktur so ist, daß sich für jeden Arbeitenden umwandelt die Arbeit in Erträgnis seiner Arbeit. Ein Ideal ist es nicht, das können Sie aus meinem Aufsatz «Geisteswissenschaft und soziale Frage» sehen, aber es handelt sich heute nicht um ein Ideal, sondern um dasjenige, was allein erreicht werden kann in der unmittelbaren Zukunft. Und da handelt es sich darum, daß man in der Tat ein Verständnis dafür erweckt, welches das Minimum des Mehrwertes ist, und nur das Minimum des Mehrwertes zurückhält von dem Lohn, der dann nicht mehr Lohn sein wird, sondern der einfach Entschädigung sein wird für Arbeit.

[ 32 ] In der allergerechtesten Weise, man kann sogar sagen, in der allerbequemsten Weise würde sich die soziale Struktur gestalten, natürlich nach und nach, wenn man zunächst gar nichts anderes wollte, als mit wirklichem Verständnisse nach diesen drei Richtungen hin sich zu rangieren. Denn man würde dann zunächst dasjenige hervorrufen, was das Allernotwendigste ist: man würde hervorrufen die Möglichkeit einer Kontinuität des Wirtschaftslebens. Und das ist vor allen Dingen notwendig. Das ist dasjenige, was nicht möglich war auf dem Gebiete des Bolschewismus in Rußland und was niemals möglich sein wird, wenn nicht eine Rangierung in dem angedeuteten Sinne stattfindet. Anders als in dem angedeuteten Sinne ist es nicht möglich.

[ 32 ] In der allergerechtesten Weise, man kann sogar sagen, in der allerbequemsten Weise würde sich die soziale Struktur gestalten, natürlich nach und nach, wenn man zunächst gar nichts anderes wollte, als mit wirklichem Verständnisse nach diesen drei Richtungen hin sich zu rangieren. Denn man würde dann zunächst dasjenige hervorrufen, was das Allernotwendigste ist: man würde hervorrufen die Möglichkeit einer Kontinuität des Wirtschaftslebens. Und das ist vor allen Dingen notwendig. Das ist dasjenige, was nicht möglich war auf dem Gebiete des Bolschewismus in Rußland und was niemals möglich sein wird, wenn nicht eine Rangierung in dem angedeuteten Sinne stattfindet. Anders als in dem angedeuteten Sinne ist es nicht möglich.

[ 33 ] Nach diesen drei Richtungen hin handelt es sich darum, daß man vor allen Dingen so Verständnis erweckt, daß aus diesem Verständnis eine Bewegung nach der Regel nach diesen drei Richtungen geschieht. Dadurch allein ist es möglich, daß die tauglichen Führer des wirtschaftlichen Lebens — was nämlich dringend notwendig ist, wenn nicht unermeßliches Unheil kommen soll; die Tauglichen, nicht die Untauglichen, die müssen selbstverständlich heraus — diesem wirtschaftlichen Leben wirklich erhalten bleiben. Es ist unter keinen anderen Verhältnissen möglich, das Proletariat für die Kontinuität des Wirtschaftslebens zu gewinnen, als wenn man in dieser Weise eine ihm verständliche Sprache zu führen vermag. Die Kontinuität des Wirtschaftslebens, die muß erhalten werden. Und dann muß Verständnis dafür hervorgerufen werden, welches die inneren Zusammenhänge sind.

[ 33 ] Nach diesen drei Richtungen hin handelt es sich darum, daß man vor allen Dingen so Verständnis erweckt, daß aus diesem Verständnis eine Bewegung nach der Regel nach diesen drei Richtungen geschieht. Dadurch allein ist es möglich, daß die tauglichen Führer des wirtschaftlichen Lebens — was nämlich dringend notwendig ist, wenn nicht unermeßliches Unheil kommen soll; die Tauglichen, nicht die Untauglichen, die müssen selbstverständlich heraus — diesem wirtschaftlichen Leben wirklich erhalten bleiben. Es ist unter keinen anderen Verhältnissen möglich, das Proletariat für die Kontinuität des Wirtschaftslebens zu gewinnen, als wenn man in dieser Weise eine ihm verständliche Sprache zu führen vermag. Die Kontinuität des Wirtschaftslebens, die muß erhalten werden. Und dann muß Verständnis dafür hervorgerufen werden, welches die inneren Zusammenhänge sind.

[ 34 ] Sehen Sie, ein Zusammenhang, der vor allen Dingen eine große Rolle in der nächsten Zeit wird spielen müssen, wenn nicht unermeßliches Unglück, das verhütert werden kann und verhütet werden darf, trotz des Weltenganges heraufkommen soll, das ist der: Alles, was heute Proletariat ist, ist ja in seinem Denken doch genährt von den perversen wissenschaftlichen und sonstigen Auseinandersetzungen der letzten Jahrhunderte — und namentlich des letzten Jahrhunderts — des Bürgertums. Das Proletariat hat ja alles das geerbt, was das Bürgertum hervorgebracht hat in bezug auf Denken und Vorstellen. Das Proletariat steht nur in einer anderen Weise in der Welt drinnen und zieht andere Konsequenzen daraus. Der Ursprung von dem, was die Bolschewisten tun, liegt in der Universitätsbildung von heute, in der Gestaltung, welche das Erziehungswesen gerade der bürgerlichen Klassen gefunden hat. Denn die Proletarier haben ja nichts anderes gelernt als dasjenige, was die bürgerlichen Klassen produziert haben. Sie ziehen eben nur in ihrer Art die Konsequenzen daraus. Deshalb ist es notwendig, vor allen Dingen dafür Verständnis hervorzurufen im Proletariat selber, wie sie eigentlich von den abgefallenen Brocken des unbrauchbaren bürgerlichen Denkens zehren und nun eine Bewegung hervorrufen wollen, die doch nur ohnmächtig sein kann, weil sie eben aus dem unfruchtbaren Bourgeois-Denken hervorgeht. Dieses Verständnis muß erweckt werden, kann aber natürlich nicht anders erweckt werden, als daß man sich klar wird darüber, daß nun in der Bourgeoisie selber eine völlige Umkehrung stattfinden muß gerade in bezug auf diesen Punkt, in bezug auf das geistige Leben, in bezug auf das Bildungswesen. Die ganze Art der Einrichtungen des Bildungswesens ist eben wirklich für die neue Zeit nicht zu gebrauchen, und es muß einfach dafür gesorgt werden, daß die Kontinuität des Wirtschaftslebens so lange aufrecht erhalten wird, bis überwunden wird alles dasjenige, was in ungesunder Weise in unsere Volkswirtschaft eingreift von dem ungesunden Bourgeois-Getriebe des Lebens.

[ 34 ] Sehen Sie, ein Zusammenhang, der vor allen Dingen eine große Rolle in der nächsten Zeit wird spielen müssen, wenn nicht unermeßliches Unglück, das verhütert werden kann und verhütet werden darf, trotz des Weltenganges heraufkommen soll, das ist der: Alles, was heute Proletariat ist, ist ja in seinem Denken doch genährt von den perversen wissenschaftlichen und sonstigen Auseinandersetzungen der letzten Jahrhunderte — und namentlich des letzten Jahrhunderts — des Bürgertums. Das Proletariat hat ja alles das geerbt, was das Bürgertum hervorgebracht hat in bezug auf Denken und Vorstellen. Das Proletariat steht nur in einer anderen Weise in der Welt drinnen und zieht andere Konsequenzen daraus. Der Ursprung von dem, was die Bolschewisten tun, liegt in der Universitätsbildung von heute, in der Gestaltung, welche das Erziehungswesen gerade der bürgerlichen Klassen gefunden hat. Denn die Proletarier haben ja nichts anderes gelernt als dasjenige, was die bürgerlichen Klassen produziert haben. Sie ziehen eben nur in ihrer Art die Konsequenzen daraus. Deshalb ist es notwendig, vor allen Dingen dafür Verständnis hervorzurufen im Proletariat selber, wie sie eigentlich von den abgefallenen Brocken des unbrauchbaren bürgerlichen Denkens zehren und nun eine Bewegung hervorrufen wollen, die doch nur ohnmächtig sein kann, weil sie eben aus dem unfruchtbaren Bourgeois-Denken hervorgeht. Dieses Verständnis muß erweckt werden, kann aber natürlich nicht anders erweckt werden, als daß man sich klar wird darüber, daß nun in der Bourgeoisie selber eine völlige Umkehrung stattfinden muß gerade in bezug auf diesen Punkt, in bezug auf das geistige Leben, in bezug auf das Bildungswesen. Die ganze Art der Einrichtungen des Bildungswesens ist eben wirklich für die neue Zeit nicht zu gebrauchen, und es muß einfach dafür gesorgt werden, daß die Kontinuität des Wirtschaftslebens so lange aufrecht erhalten wird, bis überwunden wird alles dasjenige, was in ungesunder Weise in unsere Volkswirtschaft eingreift von dem ungesunden Bourgeois-Getriebe des Lebens.

[ 35 ] Da müssen Sie schon Rücksicht darauf nehmen, daß man in verständlicher Weise sich die Sache zurechtlegen muß. Denken Sie doch, daß Sie sich klarmachen müssen, daß Geld als solches überhaupt nichts ist. Wahre Werte sind ja nur Arbeit. Geld ist ja niemals etwas anderes als Anweisung auf Arbeit. Aber die letzten Konsequenzen aus diesen Dingen werden ja nicht gezogen. Ich will ein Beispiel von der Bildung der heutigen Zeit selber nehmen. Sehen Sie, da sind die jungen Füchse, die Studenten meine ich, die müssen — nun, ich will ein Beispiel herausheben — Dissertationen machen. Es ist ja wirklich so, daß Dissertationen gemacht werden müssen, meinetwillen über den i-Punkt in den Urkunden von Innozenz IV. Ich kenne einen Mann, der sein ganzes Leben hindurch einen gewissen Ruf hatte, über die Schimpfwörter bei Properz eine Dissertation gemacht zu haben, oder über die Parenthesen der griechischen Dramatiker und so weiter. Ich könnte Ihnen Unzähliges anführen. Aber das sind ja nur Beispiele, die vermillionfacht werden könnten jetzt, nicht nur hundert- oder tausendfach auf den verschiedensten Gebieten vermehrt werden könnten. Ja, diese Dinge, die dürfen nicht weiter belletristisch behandelt werden, sondern diese Dinge müssen nach den Anforderungen unserer Zeit in eine volkswirtschaftliche Perspektive gerückt werden. Der junge Fuchs sitzt ein ganzes Jahr über seiner Dissertation, die über die Parenthese meinetwillen bei Homer handelt. Nicht wahr, er sitzt ein ganzes Jahr darüber. Es kann eine sogenannte fleißige, saubere Arbeit werden. Aber was bedeutet das? Das bedeutet, daß sich der Student ein Jahr damit beschäftigt und ißt und trinkt und sich kleidet. Dasjenige, was er ißt und trinkt und womit er sich kleidet, das muß gearbeitet werden von so und soviel Leuten. Da muß die soziale Struktur dazu da sein, daß wirkliche Arbeit, reelle Arbeit sich so umwandelt, daß dieser junge ochsende Student ein Jahr essen und trinken und sich bekleiden kann, um über die Schimpfwörter bei Properz oder über die Parenthese bei Homer zu schreiben. Wenn Ihnen jemand nur annähernd einen Begriff geben würde, wie in dieser Weise richtige menschliche Arbeit umgewandelt wird in absolut kulturnichtsnutziges Zeug, was wertlos nach jeder Richtung ist, dann würde er eine ungeheuer wohltätige Tat begehen. Aber das sind dieDinge, die zum Verständnis gebracht werden müssen, daß das, woran man gar nicht denkt, als höchstens es mit einem Lächeln zu behandeln, daß das in volkswirtschaftliche Perspektive gerückt werden muß. Denn wir sind bei der Zeit angekommen, wo alle Dinge in volkswirtschaftliche Perspektiven gerückt werden müssen. Derjenige Bürgerliche, der nicht versteht, was es heißt, Arbeitskraft von Menschen zu mißbrauchen, um einem jungen Menschen möglich zu machen, ein ganzes Jahr zu essen und zu trinken und sich zu bekleiden über der Tat, die Schimpfwörter des Properz in ein System zu bringen, der Mensch, der das nicht begreift, findet auch nicht die Möglichkeit, die Rangierung zu bewirken, von der ich gesprochen habe.

[ 35 ] Da müssen Sie schon Rücksicht darauf nehmen, daß man in verständlicher Weise sich die Sache zurechtlegen muß. Denken Sie doch, daß Sie sich klarmachen müssen, daß Geld als solches überhaupt nichts ist. Wahre Werte sind ja nur Arbeit. Geld ist ja niemals etwas anderes als Anweisung auf Arbeit. Aber die letzten Konsequenzen aus diesen Dingen werden ja nicht gezogen. Ich will ein Beispiel von der Bildung der heutigen Zeit selber nehmen. Sehen Sie, da sind die jungen Füchse, die Studenten meine ich, die müssen — nun, ich will ein Beispiel herausheben — Dissertationen machen. Es ist ja wirklich so, daß Dissertationen gemacht werden müssen, meinetwillen über den i-Punkt in den Urkunden von Innozenz IV. Ich kenne einen Mann, der sein ganzes Leben hindurch einen gewissen Ruf hatte, über die Schimpfwörter bei Properz eine Dissertation gemacht zu haben, oder über die Parenthesen der griechischen Dramatiker und so weiter. Ich könnte Ihnen Unzähliges anführen. Aber das sind ja nur Beispiele, die vermillionfacht werden könnten jetzt, nicht nur hundert- oder tausendfach auf den verschiedensten Gebieten vermehrt werden könnten. Ja, diese Dinge, die dürfen nicht weiter belletristisch behandelt werden, sondern diese Dinge müssen nach den Anforderungen unserer Zeit in eine volkswirtschaftliche Perspektive gerückt werden. Der junge Fuchs sitzt ein ganzes Jahr über seiner Dissertation, die über die Parenthese meinetwillen bei Homer handelt. Nicht wahr, er sitzt ein ganzes Jahr darüber. Es kann eine sogenannte fleißige, saubere Arbeit werden. Aber was bedeutet das? Das bedeutet, daß sich der Student ein Jahr damit beschäftigt und ißt und trinkt und sich kleidet. Dasjenige, was er ißt und trinkt und womit er sich kleidet, das muß gearbeitet werden von so und soviel Leuten. Da muß die soziale Struktur dazu da sein, daß wirkliche Arbeit, reelle Arbeit sich so umwandelt, daß dieser junge ochsende Student ein Jahr essen und trinken und sich bekleiden kann, um über die Schimpfwörter bei Properz oder über die Parenthese bei Homer zu schreiben. Wenn Ihnen jemand nur annähernd einen Begriff geben würde, wie in dieser Weise richtige menschliche Arbeit umgewandelt wird in absolut kulturnichtsnutziges Zeug, was wertlos nach jeder Richtung ist, dann würde er eine ungeheuer wohltätige Tat begehen. Aber das sind dieDinge, die zum Verständnis gebracht werden müssen, daß das, woran man gar nicht denkt, als höchstens es mit einem Lächeln zu behandeln, daß das in volkswirtschaftliche Perspektive gerückt werden muß. Denn wir sind bei der Zeit angekommen, wo alle Dinge in volkswirtschaftliche Perspektiven gerückt werden müssen. Derjenige Bürgerliche, der nicht versteht, was es heißt, Arbeitskraft von Menschen zu mißbrauchen, um einem jungen Menschen möglich zu machen, ein ganzes Jahr zu essen und zu trinken und sich zu bekleiden über der Tat, die Schimpfwörter des Properz in ein System zu bringen, der Mensch, der das nicht begreift, findet auch nicht die Möglichkeit, die Rangierung zu bewirken, von der ich gesprochen habe.

[ 36 ] Das bezeugt Ihnen aber auch das andere, was notwendig ist: auf der einen Seite sich zu rangieren, daß wirklich Kontinuität des Wirtschaftslebens möglich ist, auf der anderen Seite Verständnis hervorzurufen gerade im Proletariat, daß man gemeinsam mit dem Proletariat ein solches Geistesleben pflegen will, das nicht in ungesunder Weise sich wirtschaftlich auslebt, sondern in gesunder Weise sich wirtschaftlich auslebt. Wenn man erst diese Grundlage geschaffen hat, wenn zum Beispiel der Proletarier weiß: Du bist mit mir einverstanden, ich kann dich brauchen, denn du weißt dies oder das zu tun, weil du gelernt hast, was ich noch nicht gelernt habe — auf etwas anderes hin, als daß einen die Leute brauchen, werden sie einen nicht sich zu ihnen setzen lassen —, wenn erst der Proletarier einsieht, daß der Bürgerliche Verständnis hat für solche Dinge, dann wird er die Möglichkeit herbeiführen, die Kontinuität des Wirtschaftslebens zu begründen, einfach aus solchen Gründen. Auf andere Weise, auf anderem Wege ist es nicht zu machen. Dann aber wird er zugänglich sein, wenn man sich mit ihm verständigt darüber, daß ferner nicht auf ungesunde Weise Unternehmergewinn privater Erwerb sein darf, denn nur dadurch, daß Unternehmergewinn privater Erwerb sein kann, ist es möglich, daß in den Dissertationen der jungen Füchse an den Universitäten, indem der Unternehmergewinn wiederum in ihr Essen und Trinken umgewandelt wird — der Unternehmergewinn, welcher aber Mehrwert der Arbeit ist —, die Schimpfwörter bei Properz oder die Parenthese bei Homer in ein System gebracht werden können. Das ist aber nur vergleichsweise gesagt, denn es könnte vertausendfacht und vermillionfacht werden.

[ 36 ] Das bezeugt Ihnen aber auch das andere, was notwendig ist: auf der einen Seite sich zu rangieren, daß wirklich Kontinuität des Wirtschaftslebens möglich ist, auf der anderen Seite Verständnis hervorzurufen gerade im Proletariat, daß man gemeinsam mit dem Proletariat ein solches Geistesleben pflegen will, das nicht in ungesunder Weise sich wirtschaftlich auslebt, sondern in gesunder Weise sich wirtschaftlich auslebt. Wenn man erst diese Grundlage geschaffen hat, wenn zum Beispiel der Proletarier weiß: Du bist mit mir einverstanden, ich kann dich brauchen, denn du weißt dies oder das zu tun, weil du gelernt hast, was ich noch nicht gelernt habe — auf etwas anderes hin, als daß einen die Leute brauchen, werden sie einen nicht sich zu ihnen setzen lassen —, wenn erst der Proletarier einsieht, daß der Bürgerliche Verständnis hat für solche Dinge, dann wird er die Möglichkeit herbeiführen, die Kontinuität des Wirtschaftslebens zu begründen, einfach aus solchen Gründen. Auf andere Weise, auf anderem Wege ist es nicht zu machen. Dann aber wird er zugänglich sein, wenn man sich mit ihm verständigt darüber, daß ferner nicht auf ungesunde Weise Unternehmergewinn privater Erwerb sein darf, denn nur dadurch, daß Unternehmergewinn privater Erwerb sein kann, ist es möglich, daß in den Dissertationen der jungen Füchse an den Universitäten, indem der Unternehmergewinn wiederum in ihr Essen und Trinken umgewandelt wird — der Unternehmergewinn, welcher aber Mehrwert der Arbeit ist —, die Schimpfwörter bei Properz oder die Parenthese bei Homer in ein System gebracht werden können. Das ist aber nur vergleichsweise gesagt, denn es könnte vertausendfacht und vermillionfacht werden.

[ 37 ] Dadurch allein aber wird man Verständnis hervorrufen, Verständnis dann auf einem Umwege, für das, was auf geistigem Wege besonders notwendig ist und was droht, ganz zugrunde zu gehen, wenn man sich nicht rangiert — denn aus dem Proletariat heraus wird das Gegenteil von dem folgen, was notwendig ist auf dem geistigen Wege —, und das ist: die Freiheit der Individualität. Sie wird aus dem Proletariat heraus totgeschlagen. Die Freiheit der Individualität, die ermöglicht, daß Anlagen gebraucht werden können, daß Talente sich verwirklichen, daß der Mensch überhaupt mit Bezug auf alles dasjenige, was er geistig produziert oder woran er geistig teilnehmen soll, ein freier Mensch ist, das alles läßt sich aus den Voraussetzungen der heutigen Proletarier-Anschauungen nicht realisieren. Aber zum Verständnisse zu bringen wäre es, wenn man sich entschließen würde, wirklich die neue Sprache zu führen, die notwendig ist. Das ist es, über was man heute als, ich möchte sagen, etwas Tagesnotwendiges unbedingt sich aufklären sollte, in was man heute Einsicht gewinnen sollte. Und gewinnt man Einsicht, dann wird man schon sehen, was alles versäumt worden ist, indem man eine tiefe Kluft aufgerissen hat zwischen dem Proletarier, der seine Zeit so verwendet hat, wie ich es Ihnen angedeutet habe, und zwischen dem Bürgertum, das über die Dinge doch im Grunde genommen ganz unwissend geblieben ist.

[ 37 ] Dadurch allein aber wird man Verständnis hervorrufen, Verständnis dann auf einem Umwege, für das, was auf geistigem Wege besonders notwendig ist und was droht, ganz zugrunde zu gehen, wenn man sich nicht rangiert — denn aus dem Proletariat heraus wird das Gegenteil von dem folgen, was notwendig ist auf dem geistigen Wege —, und das ist: die Freiheit der Individualität. Sie wird aus dem Proletariat heraus totgeschlagen. Die Freiheit der Individualität, die ermöglicht, daß Anlagen gebraucht werden können, daß Talente sich verwirklichen, daß der Mensch überhaupt mit Bezug auf alles dasjenige, was er geistig produziert oder woran er geistig teilnehmen soll, ein freier Mensch ist, das alles läßt sich aus den Voraussetzungen der heutigen Proletarier-Anschauungen nicht realisieren. Aber zum Verständnisse zu bringen wäre es, wenn man sich entschließen würde, wirklich die neue Sprache zu führen, die notwendig ist. Das ist es, über was man heute als, ich möchte sagen, etwas Tagesnotwendiges unbedingt sich aufklären sollte, in was man heute Einsicht gewinnen sollte. Und gewinnt man Einsicht, dann wird man schon sehen, was alles versäumt worden ist, indem man eine tiefe Kluft aufgerissen hat zwischen dem Proletarier, der seine Zeit so verwendet hat, wie ich es Ihnen angedeutet habe, und zwischen dem Bürgertum, das über die Dinge doch im Grunde genommen ganz unwissend geblieben ist.

[ 38 ] Dieses will Ihnen aber zeigen, daß man mit abstrakten Programmen und mit sogenannten Idealen, wenn sie noch so schön klingen, heute gar nichts anfangen kann, daß man heute einfach kennenlernen muß, was die Leute wollen. Aber das lernt man nicht kennen, wenn man mit ihnen verhandelt, denn sie sind natürlich weit entfernt davon, irgend etwas von sich zu enthüllen, wenn man mit ihnen verhandelt. Man muß nicht bloß verhandeln, nicht bloß mit ihnen leben, man muß mit ihnen denken lernen, man muß mit ihnen empfinden lernen. Und man muß dann eine Verpflichtung, ein Pflichtgefühl dafür haben, daß dasjenige, was einem durch das Karma zugefallen ist, nun tatsächlich in einer entsprechenden Richtung verwendet werden muß. Das Maß desjenigen, was gut werden kann an den furchtbaren Stürmen, die heute vor der Tür stehen, das wird sich ganz danach richten, ob man anfangen wird, für solche Dinge, wie ich sie zum Beispiel inauguriert habe mit meiner «Philosophie der Freiheit» oder dergleichen, Verständnis zu gewinnen oder nicht. Nicht wahr, jeder tut dasjenige, was er tun kann, was in seinem Karma, in seiner Richtung liegt. Von den Dingen, die ich selber getan habe, möchte ich eben gerade hervorheben. die Produktion von Gedanken, die dem sozialen Leben eine Struktur geben können, und von denen ich im Anfange der neunziger Jahre, vor einem Vierteljahrhundert eben hoffte, daß sie schon dazumal einen Resonanzboden finden könnten, von denen ich heute wiederum hoffe, daß sie einen Resonanzboden finden könnten, nachdem nach einem Vierteljahrhundert nun die zweite Auflage erschienen ist, vielleicht einen Resonanzboden finden werden, nicht nur trotz, sondern wegen der schwierigen Zeiten, die jetzt beginnen.

[ 38 ] Dieses will Ihnen aber zeigen, daß man mit abstrakten Programmen und mit sogenannten Idealen, wenn sie noch so schön klingen, heute gar nichts anfangen kann, daß man heute einfach kennenlernen muß, was die Leute wollen. Aber das lernt man nicht kennen, wenn man mit ihnen verhandelt, denn sie sind natürlich weit entfernt davon, irgend etwas von sich zu enthüllen, wenn man mit ihnen verhandelt. Man muß nicht bloß verhandeln, nicht bloß mit ihnen leben, man muß mit ihnen denken lernen, man muß mit ihnen empfinden lernen. Und man muß dann eine Verpflichtung, ein Pflichtgefühl dafür haben, daß dasjenige, was einem durch das Karma zugefallen ist, nun tatsächlich in einer entsprechenden Richtung verwendet werden muß. Das Maß desjenigen, was gut werden kann an den furchtbaren Stürmen, die heute vor der Tür stehen, das wird sich ganz danach richten, ob man anfangen wird, für solche Dinge, wie ich sie zum Beispiel inauguriert habe mit meiner «Philosophie der Freiheit» oder dergleichen, Verständnis zu gewinnen oder nicht. Nicht wahr, jeder tut dasjenige, was er tun kann, was in seinem Karma, in seiner Richtung liegt. Von den Dingen, die ich selber getan habe, möchte ich eben gerade hervorheben. die Produktion von Gedanken, die dem sozialen Leben eine Struktur geben können, und von denen ich im Anfange der neunziger Jahre, vor einem Vierteljahrhundert eben hoffte, daß sie schon dazumal einen Resonanzboden finden könnten, von denen ich heute wiederum hoffe, daß sie einen Resonanzboden finden könnten, nachdem nach einem Vierteljahrhundert nun die zweite Auflage erschienen ist, vielleicht einen Resonanzboden finden werden, nicht nur trotz, sondern wegen der schwierigen Zeiten, die jetzt beginnen.

[ 39 ] Das andere, das ich auch nicht unerwähnt lassen will, ist das, daß ich ja nur dadurch zu Einsichten kommen konnte auf dem Gebiete, von dem ich Ihnen auch heute gesprochen habe, wie überhaupt auf geisteswissenschaftlichem Gebiete, daß ich niemals in meinem Leben irgendeine Stellung angestrebt habe, die zusammenhing mit dem untergehenden Staatsbetriebe. Ich bin nie in einen Zusammenhang mit irgendeiner äußeren Anstellung in einem Staate gekommen, auch niemals mit irgendeiner sozialen Stellung, welche auf der Monopolisierung der Bildung beruht. Denn die Monopole auf die Bildung müssen alle im Grunde genommen angesehen werden als dasjenige, was die heutige Katastrophe mit herbeigeführt hat, das Arzt-Monopol und so weiter, und was sonst auf diese Weise konfundiert ist. Denn Freiheit in bezug auf das Geistige ist nur dann nicht von Schaden, wenn das Geistige im Geistigen stehenbleibt. Sobald irgendwie, was heute und seit langer Zeit immer geschieht, das Geistige, das heißt die Aneignung von Fähigkeiten, konfundiert wird mit der Möglichkeit, aus Unternehmergewinn privaten Erwerb zu machen, so daß der private Erwerb, der aus dem Unternehmertum gezogen ist, irgendwie eine Rolle spielen kann bei der Verwertung des Geistigen — alles das, was auf diesem Wege geschieht, ist etwas, was nur die tiefsten Schäden herbeiführen kann gegenüber dem, was in der Zukunft notwendig ist. Alle diese Dinge, die ich da berühre, sie hängen wiederum zusammen mit grundlegenden Dingen, die in alles Leben hineinspielen. Der innigste Zusammenhang ist ja zwischen den geistigen Fähigkeiten und dem Unternehmergewinn auf dem Gebiete des — mit Respekt zu vermelden — Journalismus eingetreten, der heute alle Welt beherrscht und von dem eben vielesandere abhängig ist.

[ 39 ] Das andere, das ich auch nicht unerwähnt lassen will, ist das, daß ich ja nur dadurch zu Einsichten kommen konnte auf dem Gebiete, von dem ich Ihnen auch heute gesprochen habe, wie überhaupt auf geisteswissenschaftlichem Gebiete, daß ich niemals in meinem Leben irgendeine Stellung angestrebt habe, die zusammenhing mit dem untergehenden Staatsbetriebe. Ich bin nie in einen Zusammenhang mit irgendeiner äußeren Anstellung in einem Staate gekommen, auch niemals mit irgendeiner sozialen Stellung, welche auf der Monopolisierung der Bildung beruht. Denn die Monopole auf die Bildung müssen alle im Grunde genommen angesehen werden als dasjenige, was die heutige Katastrophe mit herbeigeführt hat, das Arzt-Monopol und so weiter, und was sonst auf diese Weise konfundiert ist. Denn Freiheit in bezug auf das Geistige ist nur dann nicht von Schaden, wenn das Geistige im Geistigen stehenbleibt. Sobald irgendwie, was heute und seit langer Zeit immer geschieht, das Geistige, das heißt die Aneignung von Fähigkeiten, konfundiert wird mit der Möglichkeit, aus Unternehmergewinn privaten Erwerb zu machen, so daß der private Erwerb, der aus dem Unternehmertum gezogen ist, irgendwie eine Rolle spielen kann bei der Verwertung des Geistigen — alles das, was auf diesem Wege geschieht, ist etwas, was nur die tiefsten Schäden herbeiführen kann gegenüber dem, was in der Zukunft notwendig ist. Alle diese Dinge, die ich da berühre, sie hängen wiederum zusammen mit grundlegenden Dingen, die in alles Leben hineinspielen. Der innigste Zusammenhang ist ja zwischen den geistigen Fähigkeiten und dem Unternehmergewinn auf dem Gebiete des — mit Respekt zu vermelden — Journalismus eingetreten, der heute alle Welt beherrscht und von dem eben vielesandere abhängig ist.

[ 40 ] Ich müßte lange Zeit so fortreden, wenn ich Ihnen eben weiteres sagen wollte. Allein ich habe heute ja Ihre Zeit schon recht lange in Anspruch genommen und wir werden hoffentlich in den nächsten Tagen darüber weitersprechen können, obwohl man ja jetzt nicht wissen kann, ob nicht von heute auf morgen einmal eine Notwendigkeit eintritt, von hier wegzugehen, oder, nicht wahr, so etwas dergleichen. Man kann heute, wo Tage Jahrzehnte bedeuten, nichts anderes sagen als: Es muß der Moment ergriffen werden und im Momente das Notwendige getan werden. — Also damit muß auch innerhalb unseres engsten Kreises gerechnet werden. Aber ich hoffe, daß wir Freitag spätestens wiederum weitersprechen können. Wenn irgend etwas geschehen sollte, so werde ich dafür sorgen, daß wir wenigstens einiges andere, was wir gerade auf diesem Gebiete sagen möchten, hier noch besprechen könnten. Aber sonst werden wir Freitag, Sonnabend und Sonntag unsere Betrachtungen fortsetzen und dann das erreichen — ich habe es heute nicht mehr erreichen können —, was ich eben anstrebe: nun wiederum gerade sowohl, was die heutigen Völkerschicksale betrifft, wie auch, was die soziale Frage betrifft, das Ganze nach noch tieferen, geisteswissenschaftlich-anthroposophischen Grundlagen aufzusuchen.

[ 40 ] Ich müßte lange Zeit so fortreden, wenn ich Ihnen eben weiteres sagen wollte. Allein ich habe heute ja Ihre Zeit schon recht lange in Anspruch genommen und wir werden hoffentlich in den nächsten Tagen darüber weitersprechen können, obwohl man ja jetzt nicht wissen kann, ob nicht von heute auf morgen einmal eine Notwendigkeit eintritt, von hier wegzugehen, oder, nicht wahr, so etwas dergleichen. Man kann heute, wo Tage Jahrzehnte bedeuten, nichts anderes sagen als: Es muß der Moment ergriffen werden und im Momente das Notwendige getan werden. — Also damit muß auch innerhalb unseres engsten Kreises gerechnet werden. Aber ich hoffe, daß wir Freitag spätestens wiederum weitersprechen können. Wenn irgend etwas geschehen sollte, so werde ich dafür sorgen, daß wir wenigstens einiges andere, was wir gerade auf diesem Gebiete sagen möchten, hier noch besprechen könnten. Aber sonst werden wir Freitag, Sonnabend und Sonntag unsere Betrachtungen fortsetzen und dann das erreichen — ich habe es heute nicht mehr erreichen können —, was ich eben anstrebe: nun wiederum gerade sowohl, was die heutigen Völkerschicksale betrifft, wie auch, was die soziale Frage betrifft, das Ganze nach noch tieferen, geisteswissenschaftlich-anthroposophischen Grundlagen aufzusuchen.