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The Developmental-Historical Basis
of Social Judgment
GA 185a

10 November 1918, Dornach

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Ich werde auch heute vor Ihnen ähnliche Betrachtungen anstellen, wie die gestrigen waren. Es sind ja diese Betrachtungen gewiß von manchem Gesichtspunkte aus nicht dasjenige, was rein anthroposophisch genannt wird, aber ich denke, wir leben in einer Zeit und in Verhältnissen, wo wohl gerade der Boden der anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Bewegung, auf dem wir stehen, derjenige ist, auf dem solche Betrachtungen angestellt werden müssen — nicht nur angestellt werden sollen und können, sondern geradezu in der Gegenwart angestellt werden müssen. Ich möchte womöglich auch bei dieser Gelegenheit mich des eigenen Urteils enthalten — ich sage: womöglich — und nur Unterlagen liefern zur Beurteilung, insofern mir eine solche Beurteilung notwendig erscheint, für denjenigen, der eben sich gedrängt fühlt, die gegenwärtigen Zeitverhältnisse zu beurteilen. Ich bin gestern davon ausgegangen, daß gegenüber den jetzigen katastrophalen Ereignissen die Stellung der Schuldfrage, so wie man den Begriff der Schuldfrage gewöhnlich auffaßt, das ganze Urteil in falsche, in unrichtige Bahnen lenkt. Denn in dem Augenblicke wird das Urteil in falsche Bahnen gelenkt, in dem in einer so weltbewegenden Sache, wie diese Katastrophe ist, irgendwie geartete Emotionen, Sympathien und Antipathien, einfließen. Das muß man sagen, trotzdem es so natürlich ist, daß solche Sympathien und Antipathien einfließen, ja, ich möchte sagen, so selbstverständlich es ist, daß sie einfließen. Aber man kann sich doch bemühen, aus den Tatsachen heraus wenigstens Richtungen zu finden, um zu urteilen, Richtungen zu finden zu dem Urteile, das sich ja doch allmählich entwickeln muß, zu dem Urteile, welches seine Grundlage in der Tragik und in dem Verhängnis der gegenwärtigen Ereignisse sucht, und nicht immer wieder und wiederum nur dadurch sucht, daß man frägt: Ja, hat man da oder dort in diesem oder jenem Zeitpunkt schon an den Krieg, der da kommen soll, gedacht, oder hat man sich vorgenommen, den Krieg zu führen? — oder dergleichen.

[ 1 ] Today, too, I will share with you reflections similar to those I presented yesterday. Admittedly, from many perspectives, these reflections are not what is strictly speaking “anthroposophical,” but I believe we live in a time and under circumstances where the very foundation of the anthroposophical-spiritual-scientific movement upon which we stand is precisely the one upon which such reflections must be made—not merely can or should be made, but must be made in the present. I would also like, if possible, to refrain from offering my own judgment on this occasion—I say: if possible—and merely provide the basis for an assessment, insofar as such an assessment seems necessary to me, for those who feel compelled to assess the current circumstances. Yesterday I proceeded from the assumption that, in the face of the current catastrophic events, raising the question of guilt—as the concept of guilt is usually understood—steers the entire judgment down the wrong, erroneous path. For judgment is steered in the wrong direction the moment emotions, sympathies, and antipathies of any kind are allowed to influence a matter as earth-shattering as this catastrophe. This must be said, even though it is so natural for such sympathies and antipathies to come into play—indeed, I would say, as self-evident as it is that they do. But one can still strive, based on the facts, to at least find a direction for judgment—a direction toward the judgment that must, after all, develop gradually, a judgment that seeks its foundation in the tragedy and the inevitability of current events, and not time and again seeks it solely by asking: “Yes, did people here or there, at this or that moment, already think of the war that was to come, or did they resolve to wage war?”—or the like.

[ 2 ] Man muß sich solchen Dingen gegenüber doch wirklich klar werden, daß zumeist solch ein Urteil gar keinen Inhalt hat. Denn was will es denn besagen, wenn irgendwo irgend jemand gehört hat — man hat ja selbstverständlich viele solche Dinge gehört —, daß aus diesen oder jenen Voraussetzungen heraus ein Krieg kommen müsse? Es handelt sich bei solchen Dingen immer darum, ob an irgendeiner Stelle, wo man zum Beispiel den Krieg will, man auch in der Lage ist, dieses Wollen durchzusetzen, den Krieg auch herbeizuführen, oder auch nur irgend etwas Erhebliches zu tun, um ihn herbeizuführen. Es können da oder dort unzählige Menschen den Krieg gewünscht haben: wenn sie nicht in der Lage waren, irgend etwas zu tun, um ihn herbeizuführen, so ist ja dasjenige, was sie gesprochen haben, bloße Rederei. Gerade bei der Beurteilung der gegenwärtigen Ereignisse ist es notwendig, wirklich zu verstehen, was es eigentlich heißt, die Geschichte symptomatisch ins Auge zu fassen. Niemand kann, wenn er nicht imstande ist, die Motive zu wägen, die Tatsachen zu wägen, eine gesunde Richtung für sein Urteil bekommen, wenn er sich nicht wenigstens eben nach dieser Richtung bemüht, denn in der Gegenwart sind alle Ereignisse ungeheuer kompliziert. Und wenn Sie da oder dort eine Tatsache oder gar eine Rederei auffangen, so handelt es sich immer darum, welches Gewicht eine solche Tatsache oder eine solche Rederei innerhalb des Zusammenhanges der Ereignisse haben kann. Schon bei der Aufzählung der Tatsachen muß man gerade auf das, was ich da im Auge habe, in ganz besonderem Maße Rücksicht nehmen.

[ 2 ] One really must come to terms with the fact that, in most cases, such a judgment is completely devoid of substance. For what does it really mean when someone, somewhere—and of course one has heard many such things oneself—says that a war is bound to result from this or that set of circumstances? Such matters always boil down to whether, in any given situation—where, for example, someone wants war—that person is actually in a position to carry out that desire, to actually bring about the war, or even to do anything significant to bring it about. Countless people here and there may have wished for war: if they were not in a position to do anything to bring it about, then what they said is mere talk. Precisely when assessing current events, it is necessary to truly understand what it actually means to view history symptomatically. No one who is unable to weigh the motives and the facts can arrive at a sound judgment—unless they at least strive to do so—for in the present, all events are immensely complex. And if you pick up on a fact here or there—or even mere rhetoric—the question is always what weight such a fact or such rhetoric can carry within the context of events. Even when listing the facts, one must take what I have in mind into account to a very special degree.

[ 3 ] Sehen Sie, für denjenigen, der erkennen will — und eigentlich müßte jeder in der Gegenwart bestrebt sein, auf diesem Gebiete das Richtige zu erkennen —, handelte es sich auch darum, daß er sich um die richtigen Dinge bekümmert hat, daß er gewissermaßen an die Ereignisse die richtige Frage gestellt hat, woran manchen natürlich das Maß von Leidenschaftlichkeit, das er in sich hatte, eben gehindert hat.

[ 3 ] You see, for anyone who wants to understand—and in fact, everyone today should strive to understand what is right in this area—it was also a matter of focusing on the right things, of asking the right questions about events, so to speak; naturally, the degree of passion he possessed within himself prevented many from doing just that.

[ 4 ] Ich habe mancherlei Gelegenheit gehabt, nach dieser Richtung hin zu fragen, nach dieser Richtung hin die Dinge kennenzulernen. So zum Beispiel habe ich wahrhaftig da, wo es möglich war, auf eine maßgebliche Antwort zu warten, nicht wenige Male die Frage gestellt innerhalb der Grenzen Deutschlands, auch an österreichische Menschen die Frage gestellt: Was ist eigentlich das wirkliche, von verantwortlichen Stellen ausgehende Ziel dieses sogenannten Krieges? — Ich habe nur ein einziges Mal von irgendeiner verantwortlichen Stelle eine sehr vage Antwort bekommen, und habe gesehen, daß eigentlich überall da, wo gefragt werden konnte innerhalb der deutschen Grenzen und auch der österreichischen Grenzen über ein sogenanntes Kriegsziel, man von einem Kriegsziel nichts wußte. Das einzigste, was mir eben als vage Antwort einmal gegeben worden ist, das war, daß man wünschte die Freiheit der Meere. Das ist das einzige, was mir einmal geantwortet worden ist.

[ 4 ] I have had many opportunities to inquire in this direction, to learn about these matters. For example, whenever possible, I have waited for a definitive answer; I have asked this question quite a few times within Germany, and I have also asked it of Austrians: What, in fact, is the real objective of this so-called war, as defined by the authorities? — I received a very vague answer from an official source only once, and I observed that, in fact, wherever one could ask about a so-called war objective within German borders—and also within Austrian borders—people knew nothing about any such objective. The only thing I was ever given as a vague answer was that they wanted freedom of the seas. That is the only thing I was ever told.

[ 5 ] Nun weiß ich selbstverständlich, daß da geantwortet werden kann: Ja, aber die Alldeutschen, was haben die alles für ausgedehnteste Kriegsziele aufgestellt — und so weiter. Ja, man darf dabei nicht vergessen, daß eben natürlich in solchen Zeiten viele Leute vieles reden, daß Agitationen getrieben werden. Aber es gab nie eine Möglichkeit, daß dasjenige, was zum Beispiel von alldeutscher Seite gesagt worden ist, zu einem anderen Zwecke, als um aufzureizen und um Torheiten zu verbreiten, ernst genommen werden konnte. Das ist außerordentlich wichtig, daß man die Dinge wiegt, daß man zum Beispiel weiß, daß in Mitteleuropa, namentlich im Beginne des Krieges, ein wirkliches Kriegsziel nicht vorhanden war bei denjenigen, die in der Lage waren etwas beizutragen, in der Richtung des Krieges etwas zu unternehmen oder in der Richtung des Krieges etwas zu unterlassen. Das gibt schon dem Urteil eine Richtung, wenn man weiß: Die Leute haben gerade in den ersten Zeiten des Krieges absolut nicht gewußt, wofür sie eigentlich kämpfen. — Wer wäre in der Lage, sich vorzustellen, daß man sich vornehme, aus heiterem Himmel heraus einen Krieg zu entfesseln, wenn man überhaupt nicht weiß, was man mit diesem Kriege eigentlich anfangen soll! Denn selbst die vage Antwort, die ich bekommen habe, von der Freiheit der Meere, die ist eigentlich nur eine Notantwort gewesen, weil der Betreffende nichts anderes gewußt hat und dies etwas ist, was man wenigstens schandenhalber sagen konnte. Das ist das eine, was ich doch eben, ich möchte sagen, wie einen Tatsachenzusammenhang vor Ihre Seele hinstellen möchte.

[ 5 ] Now, of course, I know that one might respond: Yes, but the Pan-Germans—what all those far-reaching war aims they set forth—and so on. Yes, one must not forget that, naturally, in times like these, many people say many things, and agitation is rife. But there was never any possibility that what was said, for example, by the Pan-German side, could be taken seriously for any purpose other than to incite and spread folly. It is extremely important to weigh these matters, to realize, for example, that in Central Europe—particularly at the beginning of the war—there was no real war aim among those who were in a position to contribute, to take action in the course of the war, or to refrain from action in the course of the war. This alone gives direction to one’s judgment when one realizes: People, especially in the early days of the war, had absolutely no idea what they were actually fighting for. — Who could possibly imagine that one would set out to unleash a war out of the blue when one has no idea at all what one is actually supposed to do with this war! For even the vague answer I received—about freedom of the seas—was really just a stopgap response, because the person in question didn’t know anything else, and this was something one could at least say to save face. That is the one thing I would like to present to you, so to speak, as a factual context.

[ 6 ] Ein anderes scheint mir wichtig und wird immer wichtiger und wichtiger werden bei der Beurteilung der Sachlage, je mehr man objektiv über die Dinge urteilen will. Ich habe gestern ausgeführt, daß die eigentliche Entscheidung über das, was Ende Juli und Anfang August in Deutschland zu tun oder zu unterlassen sei, durch die ja schon gestern charakterisierten Verhältnisse leider ganz allein bei der Heeresleitung lag, die nur nach strategischen Gesichtspunkten die Entscheidung, namentlich nach Maßgabe der Verhältnisse und der Sachlage, treffen konnte. So daß man nicht einmal nach einem Einzelwollen bei der deutschen Politik zum Beispiel Ende Juli und Anfang August und auch die vorhergehende Zeit sprechen kann. Weder von einem gesamten Wollen, noch von irgendeinem Einzelwollen, das irgendwie zusammenhinge mit dieser Katastrophe, kann man da sprechen. Man kann geradezu sagen: Ein politisches Ziel, ein politischer Gedanke, eine politische Idee war überhaupt in Mitteleuropa nicht vorhanden. Das ist ja gewiß eine merkwürdige Tatsache. Aber es ist eben die Tatsache, die als solche berücksichtigt werden muß. Es gab militärische Ideen, wie man den Krieg führen müsse, wenn er kommt. Nicht wahr, militärische Ideen beruhen in gesunden Verhältnissen immer auf sogenannten Konditionalsätzen: «wenn er kommt», denn der Militär sollte nie zu entscheiden haben, ob irgend etwas bei Kriegsausgange zu unternehmen ist oder nicht. Gesundes Denken über das Verhältnis von Politik und Kriegführung, das ist überhaupt etwas, was in den vier letzten Jahren wahrhaftig nicht gezüchtet worden ist. Ich habe zum Beispiel zu meinem Jammer immer wieder hören müssen, daß auf dem Gebiete der mitteleuropäischen Staaten der Satz des Clausewitz wiederholt worden ist: Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit andern Mitteln. Nun, es gibt keinen törichteren Satz als diesen, denn er ist aufgebaut nach dem logischen Muster des Satzes: Die Scheidung ist die Fortsetzung der Ehe mit andern Mitteln. — Aber es wurde dieser Satz als gescheiter Satz überall zitiert — ich meine den ersteren — und als gescheiter Satz überall aufgefaßt.

[ 6 ] Another factor seems important to me and will become increasingly important in assessing the situation the more one seeks to judge matters objectively. I explained yesterday that the actual decision regarding what should or should not be done in Germany in late July and early August—given the circumstances I described yesterday—unfortunately rested entirely with the Army High Command, which could make that decision only on the basis of strategic considerations, namely in accordance with the circumstances and the state of affairs. Consequently, one cannot even speak of a specific political will on the part of German policymakers, for example, in late July and early August or even in the preceding period. One cannot speak of either an overarching political will or any specific political will that was in any way connected to this catastrophe. One might even say: A political goal, a political concept, or a political idea did not exist at all in Central Europe. That is certainly a curious fact. But it is precisely this fact that must be taken into account as such. There were military ideas about how the war should be waged if it came. After all, under normal circumstances, military ideas are always based on so-called conditional clauses: “if it comes,” because the military should never be the one to decide whether or not to take action once war has broken out. Sound thinking about the relationship between politics and warfare—that is something that has truly not been cultivated at all over the past four years. For example, to my great regret, I have had to hear time and again that, in the Central European states, Clausewitz’s maxim has been repeated: “War is the continuation of politics by other means.” Well, there is no more foolish statement than this, for it is constructed according to the same logical pattern as the statement: “Divorce is the continuation of marriage by other means.” — Yet this statement—I mean the former one—was quoted everywhere as a wise statement and understood everywhere as such.

[ 7 ] Es scheint mir gerade angesichts dieses Verhältnisses von Politik und Kriegführung in Mitteleuropa wichtig, daß der Welt gegenüber betont werde, was nun eigentlich die deutsche Heeresleitung wollte, wenn es zu einem Kriege komme. Nicht wahr, die deutsche Heeresleitung hatte ihre Voraussetzungen, die Voraussetzungen zu einer strategischen Unternehmung, wenn es zu einem Kriege kommen sollte, von folgenden Unterlagen zu nehmen. Die Unterlage für die Heeresleitung war diese: Wenn es durch irgendeine europäische Verwickelung zum Kriege kommt, so ist es durch die Bündnisverhältnisse so, daß zwei Bündnisgebiete einander gegenüberstehen werden, die sich automatisch zusammenschließen werden; daß gegenüberstehen werden die Mittelmächte — zu denen man immer im Glauben, im törichten, aber ehrlichen Glauben Italien gerechnet hat — auf der einen Seite, und auf der anderen Seite Rußland-Frankreich-England. — Man hat nicht anders denken können nach den verschiedenen Bündnisverhältnissen, soweit sie bekannt waren. Danach mußte gewissermaßen der strategische Plan formuliert werden. Und wohin ging dieser strategische Plan? Das ist wichtig, daß man darinnen die Tatsache ins Auge faßt: Was wollte die Heeresleitung? — Die Heeresleitung wollte das Folgende: sie wollte durch Belgien in Frankreich so weit eindringen, als notwendig war, um das russisch-französische Bündnis unwirksam zu machen. — Die Heeresleitung wollte nicht mehr tun, als Frankreich veranlassen, vom Bündnis mit Rußland in bezug auf die Kriegsführung abzusehen. An irgend etwas anderes als an einen rein strategisch gedachten Durchzug durch Belgien, der dazu führen müsse, daß selbstverständlich Belgien voll entschädigt wird für diesen Durchmarsch, und an etwas anderes als einen ebenfalls, insoweit es Zerstörungen herbeiführt, zu entschädigenden Einbruch in Frankreich, etwa an irgend etwas wie Annexionen französischen Gebietes und dergleichen, konnte nach der ganzen Verfassung des deutschen Heereswesens, die ich schon gestern zum Teil charakterisierte, nicht gedacht werden. Es handelte sich lediglich gewissermaßen darum, Frankreich davon abzuhalten, an einem eventellen Zweifrontenkrieg sich dauernd zu beteiligen. Mehr sollte strategisch nach dem Westen hin nicht erreicht werden.

[ 7 ] It seems to me, particularly in light of this relationship between politics and warfare in Central Europe, that it is important to emphasize to the world what the German Army High Command actually intended to do should a war break out. After all, the German Army High Command had to base its assumptions—the assumptions for a strategic operation should war break out—on the following documents. The basis for the Army High Command was this: If war were to break out as a result of any European conflict, the alliance structure would mean that two blocs would face off against one another and automatically join forces; on one side would stand the Central Powers—which, in our foolish but sincere belief, always included Italy—and on the other side, Russia, France, and England. — Given the various alliance arrangements, as far as they were known, one could not have thought otherwise. The strategic plan had to be formulated accordingly, so to speak. And what was the aim of this strategic plan? It is important to consider the following fact: What did the Army High Command want? — The Army High Command wanted the following: it wanted to advance through Belgium into France as far as necessary to render the Russian-French alliance ineffective. — The Army High Command wanted nothing more than to induce France to refrain from its alliance with Russia with regard to the conduct of the war. Nothing other than a purely strategic march through Belgium—which would, of course, require that Belgium be fully compensated for this passage— nor anything other than an incursion into France—which, to the extent that it caused destruction, would likewise have to be compensated for—such as annexations of French territory and the like, could not be contemplated under the entire structure of the German military system, which I already characterized in part yesterday. It was merely a matter, so to speak, of preventing France from participating on a sustained basis in a possible war on two fronts. Strategically, nothing more was to be achieved in the west.

[ 8 ] Das war selbstverständlich nur so lange durchzuführen, als es keine wirksame Verbindung gab zwischen Frankreich und England. In dieser Beziehung gaben sich die verantwortlichen deutschen Menschen dem allerdings unverantwortlichen Gedanken hin, daß es ihnen gelingen werde, England abzuhalten von irgendeiner Verbindung mit Frankreich. In dem Augenblicke, in dem diese Verbindung da war, war natürlich der ganze Feldzugsplan nach Westen hin eigentlich über den Haufen geworfen. Dies das eine, was durchaus berücksichtigt werden muß. Und man muß dabei berücksichtigen, daß dieses bei jemandem, der überhaupt sich irgendeiner Verantwortlichkeit unterzog, das einzig Maßgebende war. Nach dem Osten hinüber, nach der anderen Seite, handelte es sich auch nicht um Annexionen, sondern um die Aufrechterhaltung desjenigen, was man so philiströs den Status quo ante nannte. So daß — es kann das nun angefochten werden oder nicht — in der ersten Zeit nach dem Ausbruch dieser katastrophalen kriegerischen Verwickelung tatsächlich in der Mitte Europas niemand anders dachte, als daß man es zu tun habe mit einem Verteidigungskriege. Dann sind verschiedene Ereignisse geschehen, welche, ich möchte sagen, das Urteil völlig getrübt haben.

[ 8 ] Of course, this could only be carried out as long as there was no effective alliance between France and England. In this regard, the German leaders indulged in the—admittedly irresponsible—notion that they would succeed in preventing England from forming any alliance with France. The moment that alliance was established, the entire plan of campaign toward the West was, of course, effectively thrown out the window. This is the one thing that must absolutely be taken into account. And one must bear in mind that, for anyone who assumed any responsibility at all, this was the sole determining factor. As for the east, on the other side, the issue was not one of annexations, but rather of maintaining what was so philistinely called the status quo ante. So—whether one agrees with this or not—in the early days following the outbreak of this catastrophic military conflict, no one in the heart of Europe actually thought anything other than that they were dealing with a war of defense. Then various events occurred which, I would say, completely clouded judgment.

[ 9 ] Sehen Sie, da sind verschiedene Dinge zu berühren, die natürlich nur richtig ins Auge gefaßt werden können, wenn man den Willen hat, auf diese Dinge auch sachgemäß einzugehen. Zunächst möchte ich, daß Sie nicht aus dem Auge verlieren, daß also, ganz abgesehen von andern Machinationen, die von den Kräften ausgingen, auf die ich gestern hingedeutet habe, von Finanz- und Industriegruppen und dergleichen — aber da dürfen Sie glauben, daß in allen Gebieten der Erde der eine nicht unschuldiger und schuldiger ist als der andere —, ganz abgesehen von diesen Dingen, als durch die verschiedenen Antezedentien, ich möchte sagen, der Kriegsausbruch vor Europa hingestellt war, und als es sich darum handelte: Muß das deutsche Heer, rein militärisch aufgefaßt, eingreifen? — da darf man doch zum Beispiel eine Szene, die ja auch öffentlich bekannt geworden ist, obwohl ich nicht weiß, ob sie viel berücksichtigt worden ist, nicht aus dem Auge lassen. Der Generalstabschef des deutschen Feldheeres kam von einem längeren Badeaufenthalt in Karlsbad am 26. Juli nach Berlin zurück. Das muß ins Auge gefaßt werden, weil es ja auch Grundlagen für die Beurteilung abgibt, wenn sich diejenige Persönlichkeit, die dann durch die Lage der Sache einzig und allein die Verantwortung zu tragen hatte für den Kriegsausbruch — denn so steht die Sache für die Beteiligung Deutschlands am Kriege —, bis vier Tage vor der Entscheidung einfach im Bade befindet; und daß diese Persönlichkeit gerade von den Ereignissen aufs allerhöchste überrascht worden ist, das gehört zu denjenigen Dingen, die einmal historisch werden nachgewiesen werden können. Man möchte, daß die Zeit zum historischen Nachweis dieser Tatsache recht bald komme. Für mich ist es im höchsten Maße eine Grundlage für ein Urteil, wenn ich weiß, daß diejenige Persönlichkeit, die dann durch die Verhältnisse einzig und allein entschied: Müssen wir jetzt angreifen oder nicht? — vier Tage vorher überhaupt in einer Lage ist, sich um die ganze Lage Europas nicht kümmern zu können, sondern sorglos unbekümmert um die Verhältnisse außerhalb des Staates im Bade sich aufhält. Er war auch außerhalb des Staates zu jenem Zeitpunkt, dem 5. Juli 1914, der als ein besonders entscheidender angesehen wird, wo eine Konferenz in Potsdam stattgefunden haben soll und worinnen die deutsche Heeresleitung gewissermaßen ein Ultimatum bezüglich des Krieges gestellt haben soll. Ja, er war auch abwesend schon zu diesem Zeitpunkte, war nicht in Berlin. Ich habe mich gerade mit Bezug auf diesen 5. Juli viel bemüht, herauszubekommen, um was es sich da eigentlich handelt. Ich habe immer nur die Erfahrung machen können, daß Leute genannt worden sind, die bei dieser Konferenz zugegen gewesen sein sollen. Daß dazumal am 5. Juli etwas stattgefunden hat, das leugne ich nicht; daß aber dazumal etwas stattgefunden hat, was eine Inaugurierung der Kriegsrichtung war, die Aussicht hatte auf Erfolg, wenn nicht eben eine solche Konstellation eingetreten wäre, wie ich sie gestern charakterisiert habe, das ist strikte zu verneinen. Denn es laufen viele Fäden nebeneinander. Derjenige Faden, der zu der Beteiligung Mitteleuropas, also Deutschlands, sagen wir, am Krieg geführt hat, der knüpft nicht an einen früheren Tag an als höchstens an den 28. Juli. Andere Fäden gehen weiter zurück. In deren Fortsetzung liegt aber nicht dasjenige, was geschehen ist, trotzdem man sehr leicht versucht und verführt wird, in deren Fortsetzung das zu suchen, was geschehen sein soll.

[ 9 ] You see, there are various issues to address here, which, of course, can only be properly understood if one is willing to deal with them in an appropriate manner. First of all, I would like you to keep in mind that, quite apart from other machinations originating from the forces I alluded to yesterday—financial and industrial groups and the like—though you may be sure that in every corner of the world, no one is any more innocent or guilty than anyone else— quite apart from these matters, given the various antecedents—I would say the circumstances in which the outbreak of war was presented to Europe—and when the question was: Must the German army, viewed purely from a military standpoint, intervene?—one must not lose sight of, for example, an incident that has indeed become public knowledge, although I do not know whether it has been given much consideration. The Chief of the General Staff of the German Field Army returned to Berlin on July 26 from an extended spa stay in Karlsbad. This must be taken into account, because it provides a basis for assessment when the individual who, due to the circumstances, bore sole responsibility for the outbreak of war—for that is how the matter stands regarding Germany’s participation in the war—was simply at the spa until four days before the decision was made; and the fact that this individual was taken completely by surprise by the events—that is among the things that can one day be historically proven. One hopes that the time for historical proof of this fact will come quite soon. For me, it is a fundamental basis for judgment to know that the individual who, due to the circumstances, was solely responsible for deciding: “Must we attack now or not?”—was, four days earlier, in a position where he could not concern himself with the entire situation in Europe, but was instead spending time at a spa, carefree and unconcerned about conditions outside the state. He was also outside the country on that date, July 5, 1914, which is regarded as particularly decisive—the day on which a conference is said to have taken place in Potsdam and during which the German Army High Command is said to have issued, so to speak, an ultimatum regarding the war. Yes, he was already absent at that time; he was not in Berlin. I have made a great effort, particularly with regard to this July 5, to find out what actually happened there. All I have ever been able to ascertain is that people were named who were said to have been present at this conference. I do not deny that something took place on July 5; but to claim that what happened then marked the beginning of a course of action in the war that would have had a prospect of success had it not been for the very constellation of circumstances I described yesterday—that must be categorically denied. For many threads run parallel to one another. The thread that led to the involvement of Central Europe—that is, Germany, let us say—in the war does not date back to any earlier day than July 28 at the latest. Other threads go back further. However, what actually happened does not lie in their continuation, even though one is very easily tempted and misled into seeking in their continuation what is said to have happened.

[ 10 ] Ich will dann einen solchen Faden zum Beispiel zeigen, aber ich will vorher sagen: Es sind Personen genannt worden, die an dieser Konferenz am 5. Juli teilgenommen haben sollen. — Man konnte überall nur das Alibi nachweisen dieser Personen! Der eine war irgendwo im Schwarzwalde an diesem 5. Juli, der andere war an der Nordsee und so weiter; wobei ich durchaus nicht in Abrede stelle, daß andere, deren Alibi man eben nicht suchte, teilgenommen haben. Aber ich möchte damit nur hinweisen, auf welchem falschen Wege sich sehr häufig das Urteil bewegt. Sehen Sie, ich will Ihnen ein Beispiel dafür angeben, wie verfänglich es ist, wenn man nicht objektiv sein will, bei solchen Dingen auf eine falsche Fährte zu kommen. Es ist das Folgende: In Berlin gab es, wie ja in aller Welt, selbstverständlich eine kriegstreiberische Partei. Diese kriegstreiberische Partei hat durch ihre Organe gewirkt. Durch diese kriegstreiberische Partei erschien an einem Tage, der nahe dem Kriegsausbruch ist, in Berlin ein Extrablatt, das ungefähr den Inhalt hatte, in einem Kronrate hätte man den Krieg beschlossen. Das war ein Extrablatt, das ausgegeben worden ist. Dieses Fxtrablatt wurde dazumal schleunigst, in dem Momente, wo es ausgegeben worden war, nach Petersburg telegraphiert, so daß in Petersburg durch das Bekanntwerden des Inhaltes dieses Blattes eine gewisse Stimmung gemacht worden ist. Es ist nun eigentümlich, daß sogleich, nachdem in Regierungskreisen, in diesen absolut untätigen Regierungskreisen, in diesen unfähigen Regierungskreisen bekannt geworden ist: Dieses Blatt ist ausgegeben worden —, es sogleich überall konfisziert worden ist. Es ist sogleich richtiggestellt worden, daß eine solche Beschlußfassung nicht stattgefunden hat, daß von einem solchen Kronrate nicht die Rede sein könne, daß überhaupt vorläufig noch nicht einmal die Mobilisation beschlossen worden ist. Dieses Telegramm, welches die Dementierung des stimmungsmachenden Telegramms enthielt, das wurde auf dem Berliner Hauptpostamte sechs Stunden aufgehalten, nach sechs Stunden erst nach Petersburg telegraphiert.

[ 10 ] I’ll show an example of such a thread, but first I want to say: Names have been mentioned of people who are said to have attended this conference on July 5. — Yet it was possible to verify the alibis of all these people! One was somewhere in the Black Forest on July 5, another was at the North Sea, and so on; though I certainly do not deny that others, whose alibis were simply not investigated, may have participated. But I just want to point out how often judgment is led down the wrong path. You see, I want to give you an example of just how dangerous it is, when one refuses to be objective, to go down the wrong track in such matters. Here is the example: In Berlin, as indeed throughout the world, there was, of course, a warmongering party. This warmongering party operated through its media outlets. Through this warmongering party, a special edition was published in Berlin on a day close to the outbreak of war, which claimed that the war had been decided upon in a meeting of the Privy Council. This was a special edition that had been published. At the time, this special edition was telegraphed to St. Petersburg as quickly as possible, the very moment it was published, so that a certain mood was created in St. Petersburg once the contents of this paper became known. It is now peculiar that immediately after it became known in government circles—in these utterly inactive government circles, in these incompetent government circles—that this paper had been published, it was immediately confiscated everywhere. It was immediately clarified that no such decision had been made, that there could be no question of such a Crown Council, and that, for the time being, mobilization had not even been decided upon. This telegram, which contained the denial of the telegram intended to stir up sentiment, was held up for six hours at the Berlin Main Post Office and was only telegraphed to St. Petersburg after six hours.

[ 11 ] Da sehen Sie, daß allerdings allerlei Leute tätig waren, die auch gute Verbindungen hatten, die auch bewirken konnten, daß dasjenige, was sie als Stimmung in Petersburg erzeugen wollten, was aber gar keine Unterlage hatte an maßgebender Stelle, daß das Zeit hatte, um Stimmung zu machen. Und dennoch, die ganze Clique, um die es sich dabei handelte, war nicht in der Lage, einen Faden anzuspinnen, der in seiner Fortsetzung zum Krieg hätte führen können. Denn schließlich hat im Grunde genommen nichts anderes in Deutschland bewogen, mit der Mobilisation vorzugehen, als die Nachrichten — man muß ja nur die ganz nackten Tatsachen zusammenstellen, ohne sie irgendwie zu verbrämen mit demjenigen, womit man gern die Tatsachen verbrämt —, daß Rußland das gesamte Heer mobilisiert. Es ist bekannt geworden durch die Verbindung mit den Telephonämtern der Grenzen. Ich sage: Es ist so bekannt geworden, es ist veranlaßt worden, daß man drei solche Nachrichten bekam. Erst nachdem drei Nachrichten da waren, welche gleichermaßen besagten: In Rußland wird mobilisiert —, da vollzog sich das Folgende, das man als eine ganz trockene, nüchterne Tatsache eben hinstellen muß, wenn man wirklich die Absicht hat, die Tatsachen kennenzulernen. Da vollzog sich die Tatsache, daß eine Art Adjutant des Generalstabschefs gerufen wurde, um ein Promemoria für den Kaiser aufzusetzen, in dem die Notwendigkeit der Mobilisation gegenüber der russischen Mobilisation auseinandergesetzt werden sollte. In jenem Zimmer, in dem das geschah, steht ein Schreibtisch, so in die Ecke einer Nische hineingestellt, so daß man hinter dem Schreibtisch stehen kann, und in der Nische stand mit ringenden Händen der Generalstabschef und sagte: Wenn wir jetzt doch gezwungen sind, loszuschlagen, dann muß man sich nur klar darüber sein, daß Jahre hindurch die Völker Europas sich zerfleischen werden.

[ 11 ] There you can see that all sorts of people were indeed active—people who had good connections and were able to ensure that the sentiment they wanted to create in St. Petersburg—which had absolutely no basis in authoritative circles—had time to take hold. And yet, the entire clique in question was unable to spin a thread that, if continued, could have led to war. After all, fundamentally, nothing else in Germany prompted the decision to proceed with mobilization other than the news—one need only compile the bare facts, without embellishing them in any way with the sort of rhetoric people tend to use to embellish facts—that Russia was mobilizing its entire army. This became known through communication with the telephone exchanges along the borders. I say: It became known—it was brought to light—that three such reports were received. Only after three reports had arrived, all of which stated the same thing—that mobilization was taking place in Russia—did the following occur, which must be presented as a completely dry, sober fact if one truly intends to understand the facts. What happened was that a sort of aide to the Chief of the General Staff was summoned to draft a memorandum for the Emperor, in which the necessity of mobilization in response to the Russian mobilization was to be explained. In the room where this took place, there is a desk set into the corner of an alcove in such a way that one can stand behind it, and in that alcove stood the Chief of the General Staff, his hands clasped in anguish, saying: “If we are now forced to strike, then we must be clear that for years to come the peoples of Europe will tear each other apart.”

[ 12 ] Das ist eine einfache Szene. Sie können sie natürlich zurückführen auf Denkweisen innerhalb militärischer Kreise oder dergleichen. Aber darauf kommt es wirklich nicht an, wenn man die Tatsachen wägen will, sondern darauf kommt es an, daß man sich in den Stand setzt, auch ruhig und objektiv die Tatsachen ins Auge zu fassen. Wenn ich einmal in der Lage sein werde, Schritt für Schritt — man kann es Stunde für Stunde tun — die Tatsachen der Welt vorzuführen, schlicht bloß vorzuführen, ohne irgendein Urteil, dann erst wird es möglich sein, ein Urteil über diese tragische Angelegenheit der Menschheit überhaupt ins Auge zu fassen. Dazu ist allerdings notwendig, daß man die Tatsachen von Stunde zu Stunde, namentlich an dem verhängnisvollen Sonnabend vor dem Kriegsausbruche in der Zeit zwischen halb vier Uhr nachmittags und halb elf Uhr nachts in Berlin, schlicht und einfach erzählt. Da kann man jeden Schritt verfolgen, da kann man alle Einzelheiten verfolgen. Und die schlichte Erzählung, die ist dasjenige, was einzig und allein geeignet ist, der Welt ein Urteil möglich zu machen. Ich darf vielleicht heute schon sagen, daß unter den verschiedenen Bemühungen, die ich selbst angestellt habe und die ich paragraphiert habe, dies der erste Punkt war, daß man sich entschließe, in Mitteleuropa diese Tatsachen schlicht vor die Welt hinzustellen, ohne irgend etwas sonst zu sagen, als: Das und das ist geschehen. — Neben all dem, was dazu gehörte, ist das verschiedenen Menschen vorgelegt worden — das werde ich einmal dokumentarisch zu beweisen haben —, mit allen Einzelheiten verschiedenen Menschen vorgelegt worden. Urteilsfähige Menschen haben mir namentlich mit Bezug auf diesen ersten Punkt etwas gesagt, was selbstverständlich von mir anders beurteilt werden mußte als von jenen «urteilsfähigen Menschen», die dies gesagt haben. Aber heute ist auch durchaus kein Grund mehr da, solche Urteile, die gefällt worden sind, zu verschweigen, die Urteile, die gefällt worden sind darüber, wenn ich immer wieder und wiederum gesagt habe: Man denke nur, wie die ganze Situation eine andere werden müßte für die Welt, wenn das geschähe, was alles verhütet würde, auch für Mitteleuropa, wenn das geschähe. — Da antworteten mir urteilsfähige Leute, daß ja das alles vielleicht sein könnte, daß ungeheueres Unheil verhütet werde, aber wenn man das tue, was ich da eigentlich wolle, dann müsse etwas anderes eintreten. Und dasjenige, was sie bezeichneten als das, das eintreten müsse, das ist nun nach langer Zeit — nämlich erst gestern — eingetreten!

[ 12 ] This is a simple scene. Of course, you can trace it back to ways of thinking within military circles or the like. But that really isn’t what matters when you want to weigh the facts; what matters is that you put yourself in a position to face the facts calmly and objectively. Only when I am able to present the facts of the world step by step—one can do this hour by hour—simply presenting them, without passing any judgment—only then will it be possible to even begin to form a judgment on this tragic affair of humanity. To do this, however, it is necessary to recount the facts hour by hour—specifically, on that fateful Saturday before the outbreak of war, between half past three in the afternoon and half past ten at night in Berlin—plain and simple. Then one can follow every step; then one can follow all the details. And this straightforward account is the only thing capable of enabling the world to form a judgment. Perhaps I may say already today that, among the various efforts I have undertaken myself and which I have outlined, this was the first point: that a decision be made in Central Europe to present these facts plainly to the world, without saying anything else other than: This and that happened. — In addition to everything else involved, this has been presented to various people—I will have to prove this with documentary evidence at some point—it has been presented to various people in full detail. People capable of judgment have said something to me specifically regarding this first point, which I naturally had to assess differently than those “people capable of judgment” who said it. But today there is absolutely no reason left to conceal such judgments that have been made—the judgments that have been made regarding the fact that I have said time and again: Just think how the entire situation would have to change for the world if what I am actually proposing were to happen—and how much would be prevented, including for Central Europe, if that were to happen. — People of sound judgment replied to me that all of that might indeed be true—that immense calamity would be averted—but that if one were to do what I actually wanted, then something else would have to happen. And what they described as the thing that had to happen has now—after a long time, in fact, just yesterday—come to pass!

[ 13 ] Es enthalten eben bei demjenigen, dem es sich um die Wirklichkeit handelt, die Dinge, wenn sie am richtigen Ende angefaßt werden, dasjenige, was sich dann durch die Logik der Tatsachen von selber vollzieht. Die Dinge sind schon auf diesem Gebiete komplizierter, als die leichtfertigen Urteiler, die oftmals über diese Dinge gesprochen haben oder noch sprechen, irgendwie sich bewußt sind. Und derjenige, der da auf diese Dinge in dem Sinne eingehen möchte, wie es einem sachgemäßen, wirklichkeitsgemäßen Urteil entspricht, der muß eben unerschrocken auf das eingehen, was war und was ist, und nicht auf das, was die eine oder andere Sympathie oder die eine oder andere Emotion gibt. |

[ 13 ] For those who are concerned with reality, things—when approached from the right angle—contain that which then unfolds of its own accord through the logic of facts. Things in this realm are already more complicated than the frivolous judges—who have often spoken of these matters or still do—are in any way aware of. And anyone who wishes to address these matters in a way that corresponds to a proper, reality-based judgment must boldly engage with what was and what is, rather than with this or that sympathy or this or that emotion. |

[ 14 ] Dasjenige, worauf ich Sie dann ferner aufmerksam machen möchte, das ist, daß eigentlich die gesamte Entscheidung, die dann herbeigeführt worden ist, bereits gegeben war nach der Marneschlacht am 9. September 1914. Ich schrecke auch nicht davor zurück, ruhig zu bekennen, daß ich nicht gleich durchschaut habe, daß das so ist, daß ich nicht gleich nach der Marneschlacht durchschaut hatte, daß wirklich damit dasjenige herbeigeführt werden mußte, was nun herbeigeführt worden ist. Ich habe es erst durchschaut in einem späteren Zeitpunkte, in demjenigen Zeitpunkte, in dem ich dann versuchte, das oder jenes zu tun, um den Ereignissen diese oder jene Richtung zu geben. Ich muß sagen, ich schrecke nicht zurück, dieses zu bekennen, daß es mir erst später klar geworden ist. Denn es war überhaupt nicht leicht, historisch und wahrheitsgemäß und zu gleicher Zeit so, daß das Betreffende richtig im betreffenden Zeitpunkte getan wurde innerhalb dieser katastrophalen Zeit, sich zu verhalten. Als ich meine «Gedanken während der Zeit des Krieges» veröffentlicht habe, da habe ich dasjenige zusammengestellt, wobei man keine Rücksicht zu nehmen hatte auf zugrundeliegende okkulte Erkenntnisse, dasjenige, was sich aus einer einfachen neuzeitlichen Geschichtsbetrachtung heraus ergeben hatte. Man wird wohl bemerken, daß ich aufgehört hatte zu schreiben — allerdings damals noch geglaubt habe, weiterschreiben zu können in einem späteren Zeitpunkte —, als ich in der Darstellung zu Italien gekommen war. Ich will aber damit andeuten, daß es für denjenigen, der die Dinge wirklichkeitsgemäß und ernst nimmt, nicht so leicht ist, zu einem Urteile zu kommen, wie für manche andere Menschen. Ich habe nur dasjenige umrissen, was eben der Beurteilung möglich war. Und ich möchte sagen: Es gelang eben einfach nicht, mit dem Urteil einzudringen in das, was die Stellung Italiens ergab. Ich habe dazumal dieses Büchelchen «Gedanken während der Zeit des Krieges» vor allen Dingen geschrieben für die Menschen Mitteleuropas, nicht um irgend etwas zu erreichen der Welt gegenüber, sondern für die Menschen Mitteleuropas, und es stellte sich mir, bald nachdem ich dieses Büchelchen geschrieben hatte, heraus, wie die Situation war infolge der Marne-Niederlage. Und ich habe mich mit Händen und Füßen gesträubt, jemals eine weitere Auflage dieses Büchelchens erscheinen zu lassen, trotzdem es mir selbstverständlich nicht nur nahegelegt wurde, sondern ja auch der Anreiz gut vorhanden war. Aber derjenige, der in diesen Dingen ernsthaft denkt, der weiß, daß es sich darum handelt, in einer solchen Weltenlage, wie die ist, in der wir drinnen waren und jetzt noch sind, nicht nur, daß das, was das Richtige ist, ausgesprochen wird, sondern daß auch zur rechten Zeit dies oder jenes geschieht oder zur rechten Zeit unterlassen wird. Es handelte sich nicht bloß darum, daß man den Trieb hat, seine Meinung zu sagen, sondern es handelte sich darum, daß man nicht nur sagt, was man meint, sondern daß man auch acht gibt, ob das gesagt werden soll oder nicht gesagt werden soll, was man meint.

[ 14 ] The next point I would like to bring to your attention is that, in fact, the entire outcome that was subsequently brought about had already been decided following the Battle of the Marne on September 9, 1914. I do not shy away from calmly admitting that I did not immediately realize this to be the case—that I did not realize immediately after the Battle of the Marne that what has now come to pass was, in fact, inevitable. I only realized this at a later point in time—at the very moment when I was trying to do this or that in order to steer events in one direction or another. I must say, I do not shy away from admitting that it only became clear to me later. For it was by no means easy to act—historically and truthfully, and at the same time in such a way that the relevant actions were taken correctly at the relevant moment—during that catastrophic period. When I published my *Thoughts During the War*, I compiled material that did not require any consideration of underlying occult insights—material that had emerged from a simple, modern historical perspective. One will likely notice that I had stopped writing—though at the time I still believed I would be able to continue at a later date—when I reached the section on Italy in my account. But I wish to suggest that for those who take things seriously and in accordance with reality, it is not as easy to arrive at a judgment as it is for some other people. I have merely outlined what was open to assessment. And I would like to say: I simply could not, through my judgment, penetrate the essence of what Italy’s position entailed. At the time, I wrote this little book, *Thoughts During the War*, first and foremost for the people of Central Europe—not to achieve anything in the eyes of the world, but for the people of Central Europe—and it soon became clear to me, after I had written this little book, what the situation was like in the wake of the defeat at the Marne. And I resisted with all my might ever allowing another edition of this little book to be published, even though it was, of course, not only suggested to me but there was also a clear incentive to do so. But anyone who thinks seriously about these matters knows that, in a world situation such as the one we were in—and still are in—it is not merely a matter of speaking out about what is right, but also of ensuring that this or that happens at the right time, or is refrained from at the right time. It was not merely a matter of having the impulse to express one’s opinion, but rather a matter of not only saying what one thinks, but also of paying attention to whether what one thinks should be said or not.

[ 15 ] Damit will ich Sie auch nun eben darauf hinweisen, wie es nötig ist, sich zu begrenzen, zu beschränken, wenn es sich darum handelt, das Urteil über diese furchtbare Menschheitskatastrophe aus der richtigen Ecke heraus zu gewinnen oder in die richtige Richtung zu bringen. Man darf nicht vergessen, daß dieser Krieg — ich habe schon gestern in einem Satze darauf hingewiesen — verschiedene Phasen hat, daß eigentlich seit dem Jahre 1916 dieser Krieg nicht mehr dasselbe ist, was er war in seinem Anfange, in seinem Ausgangspunkte. Er ist etwas ganz anderes geworden. Und ich habe vielfach darunter gelitten, daß während dieser vier Jahre Menschen zuletzt dieselben Urteile gehabt haben, die sie im Anfange gehabt haben, nachdem doch die Weltereignisse in mehrfacher Beziehung ganz, ganz andere geworden sind. Er ist allmählich in ganz andere Bahnen gelenkt worden, dieser sogenannte Krieg. Man darf nicht vergessen: Wenn man die Bahnen verfolgen will, in die dieser Krieg gelenkt worden ist, dann muß man eine andere Eventualität, die namentlich die Wiener Kriegspartei ins Auge gefaßt hat, nicht vergessen. Nicht wahr, ich sagte Ihnen gestern: Diejenigen Menschen, die hinter der vollständig unfähigen Regierung und hinter dem altersschwachen Kaiser standen, diejenigen Menschen, die für das eigentlich verantwortlich sind, was in Österreich geschehen ist, diese Menschen was reine Finanzkreise sind —, die rechneten damit, daß die dynastischen Verhältnisse in Rußland doch zu nichts weiter führen würden als zu einer Mobilisierung in Rußland. Man dachte, man könne nach dem Balkan hin seine Geschäftchen machen, und Rußland werde doch nicht ernsthaft mobilisieren. Und wenn es mobilisiere, so werde es doch nur — nun Sie wissen, es gibt einen Ausdruck, der ganz schrecklich ist, den man in der Politik immer wieder und wiederum gebraucht — nichts weiter bezwecken als zu «bluffen». Man sagt dann «bluffen». Es ist das Frivolste, was man sich denken kann, aber der Ausdruck «bluffen» ist zum Beispiel in der Diplomatie etwas, was ganz gang und gäbe ist. Nur da, auf diesem Gebiete, war ein gewisser Unterschied zwischen Österreich und Deutschland. Sie wissen ja, der Krieg von Österreich an Rußland ist ja auch erst am 7. August erklärt worden, also fast eine Woche nach der deutschen Kriegserklärung an Rußland. Das alles weist auf Machinationen zurück, die ich der Kürze der Zeit halber nicht berühren kann, die alle einmal an den Tag kommen werden. Es weist aber darauf hin, daß man in Österreich mit einer ganz anderen Art von Verhalten gerechnet hat als in Deutschland. In Deutschland hat man mit nichts anderem gerechnet, als: Wenn Rußland mobilisiert, müssen wir auch mobilisieren. — Aber so wie die deutsche Heeresverwaltung ist, so bedeutet heute Mobilisation morgen den Krieg anfangen. Das ließ sich gar nicht anders denken. Wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß man in Deutschland entweder gar nicht hätte mobilisieren dürfen als eine Art Antwort auf die russische Mobilisation, oder man hat am Tag darauf mit der Kriegserklärung vorgehen müssen.

[ 15 ] With this, I would now like to point out to you how necessary it is to set limits and restraints when it comes to forming a judgment about this terrible catastrophe for humanity from the right perspective or steering it in the right direction. One must not forget that this war—as I already pointed out briefly yesterday—has gone through various phases; in fact, since 1916, this war has no longer been the same as it was at its beginning, at its starting point. It has become something entirely different. And I have often suffered from the fact that, over the course of these four years, people have ultimately held the same views they had at the beginning, even though world events have become completely, completely different in many respects. This so-called war has gradually been steered onto entirely different paths. One must not forget: If one wishes to trace the course in which this war has been steered, then one must not overlook another possibility that the Viennese war party, in particular, had in mind. Didn’t I tell you yesterday: Those people who stood behind the utterly incompetent government and behind the senile emperor—those people who are actually responsible for what happened in Austria, these people who are purely financial circles—they reckoned that the dynastic circumstances in Russia would lead to nothing more than a mobilization in Russia. They thought they could go about their little business in the Balkans, and that Russia wouldn’t seriously mobilize after all. And even if it did mobilize, it would only—well, you know, there’s a term that’s absolutely dreadful, one that’s used over and over again in politics—aim to do nothing more than “bluff.” That’s what they call “bluffing.” It’s the most frivolous thing one can imagine, but the term “bluffing” is, for example, quite commonplace in diplomacy. Only in this area was there a certain difference between Austria and Germany. As you know, Austria’s declaration of war on Russia wasn’t issued until August 7—that is, almost a week after Germany’s declaration of war on Russia. All of this points to machinations that I cannot go into here due to time constraints, but which will all come to light one day. It does, however, indicate that in Austria, people had anticipated a very different course of action than in Germany. In Germany, the expectation was nothing other than this: If Russia mobilizes, we must mobilize as well. — But given the nature of the German military administration, mobilization today means the start of war tomorrow. There was simply no other way to interpret it. Anyone familiar with the circumstances knows that Germany should either not have mobilized at all in response to the Russian mobilization, or it should have proceeded with a declaration of war the very next day.

[ 16 ] Das ist vom militärischen Standpunkte, der eben leider nur allein in Betracht gekommen ist, eben einfach eine Selbstverständlichkeit gewesen. Aber so lagen die Dinge nur im Anfange. Im Laufe der Zeit stellte sich gerade für die Kriegstreibenden Österreichs eine andere Eventualität ein. Sie rechneten darauf, daß sie sich mit der Entente rangieren und die Sache im rechten Augenblicke anhalten könnten. Und die unterschiedlichen Verhandlungen, die namentlich zwischen Österreich und der Entente gepflogen worden sind, die können, recht ausgeführt, Bücher füllen. Diese Verhandlungen gingen verhältnismäßig sehr früh an. Diese Verhandlungen haben, wie Sie vielleicht aus den Zeitungen ersehen haben, jetzt noch nicht ihr Ende erreicht, denn die Dynastie Habsburg hofft gerade mit Hilfe der Entente in irgendeiner Form wiederum eingesetzt zu werden. Die Frage wird nur diese sein — denn alle Fragen, die sich entscheiden werden, werden sich als Machtfragen entscheiden —, ob es die Entente in ihrem Interesse findet, in irgendeiner Weise die Habsburgische Dynastie — ja, man weiß nun nicht für etwas, was nichts ist, einen Ausdruck zu finden —, die Habsburgische Dynastie für irgend etwas, was da aus diesem Völkerzusammenhang gemacht werden soll, der früher unter Österreich zusammengefaßt war, in diesem Irgendetwas auf irgendeine Weise unter irgendeiner Form wiederum einzusetzen. Wenn das im Interesse der Entente liegen sollte, so wird es selbstverständlich auch in irgendeiner Form geschehen. Das muß man nur durchaus nicht vergessen. Aber das hat sehr früh angefangen, und das bedeutet eine wesentlich andere Phase des Krieges, wenn so etwas geschieht. Wer in Erwägung zieht, wie dieser Krieg für Osterreich zu Ende gegangen ist, der wird es nicht auffallend finden, wenn man sagt: Nun, das war jedenfalls im Jahre 1916 schon zu sehen, daß man in Österreich unter allen Umständen den Frieden braucht. Darüber konnte gar kein Zweifel sein, unter allen Umständen und unter allen Bedingungen, daß es einfach ein Unsinn ist, irgendwie, selbst wenn es die härtesten Bedingungen sind, den Krieg fortzusetzen. Das zeigt ja der Hergang, ich meine nicht so sehr das, was geschehen ist, sondern ich meine einfach die Verfassung, in der das österreichische Heer zurückgekommen ist. Alle diese Tatsachen im Zusammenhang, die gaben natürlich auch den gutmeinenden Menschen in Österreich es ein, daß sie sich viel davon versprachen, wenn eine Rangierung mit der Entente zustandekommen könnte, um Österreich vor einem großen Unheil zu bewahren. Der eine sieht dann das, was die gutmeinenden Menschen loslassen, der andere sieht das, was die schlechtmeinenden Menschen loslassen und bildet sich, je nachdem er gerade seine Emotionen gerichtet hat, sein Urteil.

[ 16 ] From a military standpoint—which, unfortunately, was the only one taken into consideration—this was simply a matter of course. But that was only the beginning. Over time, a different possibility arose, particularly for Austria’s warmongers. They counted on being able to align themselves with the Entente and hold things in check at the right moment. And the various negotiations that took place, particularly between Austria and the Entente, could, if properly documented, fill volumes. These negotiations began relatively early on. As you may have seen in the newspapers, these negotiations have not yet come to an end, for the Habsburg dynasty hopes to be reinstated in some form with the help of the Entente. The question will simply be this—for all issues that are to be decided will ultimately come down to questions of power—whether the Entente finds it in its interest to support the Habsburg dynasty in any way—indeed, one doesn’t really know how to describe something that is nothing—the Habsburg dynasty in some capacity within whatever is to be made of this confederation of nations that was formerly united under Austria. If that were in the Entente’s interest, it would, of course, happen in some form or another. One must simply not forget that. But this began very early on, and it marks a fundamentally different phase of the war when something like that happens. Anyone who considers how this war ended for Austria will not find it surprising to hear it said: Well, it was already evident in 1916 that Austria needed peace under any circumstances. There could be no doubt whatsoever—under any circumstances and under any conditions—that it was simply nonsense to continue the war in any way, even under the harshest conditions. This is evident from the course of events; I am not referring so much to what actually happened, but rather to the state in which the Austrian army returned. All these facts, taken together, naturally convinced even well-meaning people in Austria that they had much to gain if an agreement could be reached with the Entente to save Austria from a great catastrophe. One person sees what the well-meaning people are saying, while another sees what the ill-meaning people are saying, and forms their judgment depending on where their emotions are directed at that moment.

[ 17 ] Allein dafür kommt eine andere Tatsache in Betracht. Dafür kommt dann in Betracht, daß durch solche Dinge im wesentlichen die ganze Richtung, die ganze Bewegung der kriegerischen Katastrophe beeinflußt worden ist, daß selbstverständlich auch innerhalb Österreichs Parteien entstanden. Die einen wollten so, die anderen sich anders zu Deutschland verhalten, Rankünen gegenseitig, vieles, das aufzuzählen natürlich die Zeit heute nicht ausreicht. Das bewirkte, daß man von dem eben charakterisierten Zeitpunkte an zu tun hat mit einer ganz anderen Phase der kriegerischen Katastrophe als früher. Man konnte nicht so einfach das bequeme Urteil fortführen: Nun, die Mittelmächte sind eben verbündet, und an den Umständen, unter denen sie 1914 als Verbündete in den Krieg verwickelt worden sind, müsse man festhalten auch nach der Fortsetzung des Krieges. — Das war einfach nicht wahr. Nicht wahr, die Tragik für Mitteleuropa, die liegt ja in vielem. Sie liegt zum Beispiel in dem unglückseligen Bündnis, das dann herausgekommen ist mit der Türkei. Die Lösung dieses Bündnisses sowohl mit der Türkei wie mit Bulgarien, sie hat sich ja langsam und allmählich vollzogen. Derjenige, der von den Ereignissen etwas wußte, der weiß, daß sich die Türken ebensogut hätten längst früher loslösen können, ebenso die Bulgaren. Es kam eben dann der Zeitpunkt, wo die Türken sich zurückzogen, selbst nachdem ihnen 40 Millionen in Gold noch gegeben worden waren, denn 40 Millionen in Gold sind den Türken von Deutschland aus gegeben worden, bevor sie sich zurückgezogen haben. An Bulgarien sind 250 000 Anzüge abgeliefert worden, bevor es sich zurückgezogen hat. Alle diese Dinge hat man eben gemacht. Sie zeigen, wie wenig man eigentlich die Sachlage überschaut hat, denn es scheint mir nicht sehr wahrscheinlich, daß man den Türken 40 Millionen in Gold gegeben hätte, wenn man gewußt hätte, was man wahrhaftig mit einem nicht sehr tiefgehenden Urteil wissen konnte: bald werden sie sich zurückziehen.

[ 17 ] Another fact comes into play here. What must be considered is that such events essentially influenced the entire course, the entire trajectory of the war’s catastrophe, and that, naturally, political factions also emerged within Austria. Some wanted to take one stance toward Germany, others another; there were mutual grudges and many other factors—too numerous to list here, of course, given the time constraints. This meant that, from the point in time just described onward, we were dealing with an entirely different phase of the war catastrophe than before. One could no longer simply maintain the convenient judgment: “Well, the Central Powers are allies, and the circumstances under which they were drawn into the war as allies in 1914 must be upheld even as the war continued.”—That was simply not true. Indeed, the tragedy for Central Europe lies in many things. It lies, for example, in the ill-fated alliance that eventually emerged with Turkey. The dissolution of this alliance—both with Turkey and with Bulgaria—took place slowly and gradually. Anyone who was aware of the events knows that the Turks could just as easily have broken away much earlier, as could the Bulgarians. The time finally came when the Turks withdrew, even after they had been given 40 million in gold—for 40 million in gold had been given to the Turks by Germany before they withdrew. Two hundred fifty thousand suits were delivered to Bulgaria before it withdrew. All these things were simply done. They show how little one actually grasped the situation, for it seems to me highly unlikely that one would have given the Turks 40 million in gold if one had known—as one could have known with a not very deep analysis—that they would soon withdraw.

[ 18 ] Damit will ich Ihnen nur andeuten — denn ich müßte das, was ich sage, ins Hundertfache vermehren —, daß allmählich diese ganze kriegerische Katastrophe in ein Fahrwasser hineingekommen ist, das sich ganz wesentlich unterscheidet von dem Ausgangspunkt; was notwendig machte, daß man das Urteil vollständig umkehrte, umwandelte, wenn man sich nach den Tatsachen richten wollte. Und bald hat es sich gezeigt, daß im Verlaufe dieser kriegerischen Katastrophe alle, alle die Schläfrigkeiten und Untaten der durch Jahrzehnte verschlafenen Bourgeoisie zutage getreten sind. Und das ist eine wichtige Sache. Der Trotzki, der hat viel Unsinn geredet und noch mehr Unsinn getan und Unheil angerichtet in der Welt, aber einen Satz hat er ausgesprochen mit Bezug auf diese kriegerische Katastrophe, der anfing, verhältnismäßig bald Wahrheit zu werden. Das ist der Satz: Die führenden Kreise — womit er diejenigen meinte, die auf der ganzen Welt selbstverständlich, nicht bloß in Mitteleuropa, an diesem Kriegsausbruch beteiligt waren — haben nur die Wahl zwischen Dauerkrieg oder Revolution; ein Drittes gibt es nicht. — Es ist eben richtig, daß die Ereignisse der Welt so geschoben und geleitet worden sind — und da beginnt die Verantwortlichkeit der breiten Masse der zivilisierten Welt —, daß man endlich in die Sackgasse hineingetrieben worden ist, wo es nur noch gab: entweder zäh festhalten oder die Revolution ist da. Nun, das haben Sie ja gesehen, wie man zäh festgehalten hat an dem Krieg, denn solange er dauert, ist die Revolution nicht da. In dem Augenblick, wo er aus ist, wird sich die Revolution schon da oder dort zeigen.

[ 18 ] By this I merely wish to suggest to you—for I would have to multiply what I am saying a hundredfold—that this entire war-related catastrophe has gradually entered a course that differs quite significantly from its starting point; which made it necessary to completely reverse and transform the judgment if one were to base it on the facts. And it soon became apparent that, in the course of this war-torn catastrophe, all—and I mean all—the complacency and misdeeds of the bourgeoisie, which had been asleep for decades, came to light. And that is a significant point. Trotsky spoke a great deal of nonsense, committed even more nonsense, and wreaked havoc in the world, but he uttered one sentence regarding this war-torn catastrophe that began to prove true relatively soon. That statement is: The ruling circles—by which he meant those who, naturally, were involved in the outbreak of this war throughout the world, not just in Central Europe—have only the choice between perpetual war or revolution; there is no third option. — It is indeed true that world events have been pushed and steered in such a way—and this is where the responsibility of the broad masses of the civilized world begins—that we have finally been driven into a dead end where there was only one choice left: either hold on tenaciously or face the revolution. Well, you have seen how tenaciously they have clung to the war, for as long as it lasts, the revolution is not here. The moment it is over, the revolution will make itself known here or there.

[ 19 ] Sie erinnern sich vielleicht, daß ich Ihnen hier oftmals im Verlauf der letzten Jahre nach dieser Richtung Gehendes gesagt habe. Ich habe Ihnen wohl gesagt zum Beispiel vor recht, recht langer Zeit, in der Zeit eben, in der das am Platze war: Gegenüber all dem, was die Leute jetzt urteilen, ist es viel wichtiger, hervorzuheben, was zum Beispiel in Rußland geschehen war, innerhalb Rußlands. — Viel wichtiger war das, was innerhalb Rußlands geschah unmittelbar nach dem Sturz des Zarentums, als dasjenige, was auf dem sogenannten Schauplatz des Weltkrieges geschah. Und so wurde es wiederum wichtiger, was ich an einer anderen Stelle, wo es am Platze war, betonte: hinzuschauen auf das, was sich aus den Tschechoslowaken, die in Rußland sich geltend machten, heraushob, als auf all die anderen Dinge, auf die man in bequemer Weise hingeschaut hat, wenn auch natürlich diese bequeme Weise selbstverständlich durch manche Tragik oder auf andere Weise herausgefordert war.

[ 19 ] You may recall that I have often spoken to you here over the past few years about matters along these lines. I believe I told you, for example, quite, quite a long time ago—at the very time when this was relevant: In contrast to everything people are now judging, it is much more important to emphasize what happened, for example, in Russia, within Russia itself. — What happened within Russia immediately after the fall of the tsarist regime was far more important than what took place on the so-called theater of the World War. And so it became even more important to focus on what I emphasized elsewhere, where it was appropriate to do so: to look at what stood out among the Czechoslovaks who made their presence felt in Russia, rather than at all the other things that people conveniently focused on—even if, of course, this convenient approach was naturally challenged by certain tragedies or in other ways.

[ 20 ] Und damit komme ich auf eine Frage, die mir in der letzten Zeit immer wieder und wiederum von den verschiedensten Seiten her gestellt worden ist über das mögliche Verhalten, das man jetzt einschlagen könne, nachdem die Dinge nun bis zu diesem Zeitpunkt gekommen sind. Ich glaube nicht, daß das, was ich sage, heute auf fruchtbareren Boden fällt als dasjenige, was ich im Laufe der Jahre gesagt habe; aber dennoch, jeder hat seine Aufgabe. Meine Aufgabe ist es, die Dinge zu sagen, und ich werde Ihnen gegenüber und auch der Welt gegenüber, wenn es am Platze ist, die Gelegenheit nicht versäumen, dasjenige, was ich nicht nur für richtig halte, sondern für angemessen halte, daß es gesagt werde, auch wirklich zu sagen.

[ 20 ] And this brings me to a question that has been asked of me repeatedly and from all sorts of different quarters lately: what course of action one might now take, now that things have come to this point. I do not believe that what I am saying today will fall on more fertile ground than what I have said over the years; but nevertheless, everyone has their role to play. My task is to speak out, and I will not miss the opportunity—whether speaking to you or to the world, when the time is right—to actually say what I consider not only correct but also appropriate to say.

[ 21 ] Sehen Sie, dasjenige, was heranrückt — wir können ja hier, wo wir unter uns sind gewissermaßen, sehr unbefangen über diese Sache sprechen —, was herannaht, ist ja zweifellos eine Auseinandersetzung des auch auf die Weise wie ich es selbst im öffentlichen Vortrage in Basel neulich erwähnt habe, in den letzten Jahrhunderten aus dem modernen Industrialismus herausgewachsenen Proletariats mit den alten Klassen der Menschheit. Nun, ich habe mich schon einigermaßen ausgesprochen, als ich in Anknüpfung an meine «Philosophie der Freiheit» sagte, was ich für das Allernotwendigste gehalten hätte in den letzten Jahren und auch heute noch halte, aber ich möchte noch das Folgende sagen: Dasjenige, um das es sich handelt, ist, daß man erkenne, daß eine Strömung heranzieht wie mit einer gewissen elementaren Notwendigkeit. Ich meine mit dieser Strömung die soziale Bewegung, oder die Summe der sozialen Forderungen, die aus dem Proletariat erhoben werden. Da handelt es sich nicht darum, daß man über diese Strömung das eine oder andere Urteil abgibt, sondern da handelt es sich darum, daß man sich wirklich vertiefen kann in dasjenige, was da heranzieht, was einfach als Tatsache heranzieht. Darum handelt es sich. Darüber Kritik zu üben, das ist etwas, was man ja kann, wenn man es will, was aber nicht viel mehr Wert hat als eine vielleicht sehr berechtigte, aber doch nur private Meinung. Worauf es ankommt, das ist doch wirklich, daß eine Möglichkeit gefunden werde, daß die Massen der nichtproletarischen Bevölkerung der ganzen zivilisierten Welt eine Stellung gewinnen zu dem, was heraufzieht. Gerade nach dieser Richtung gingen manche Fragen, die an mich gestellt worden sind. Und das ist es ja, was jetzt vor den Seelen der Menschen liegen muß: Stellung zu gewinnen. Nun, da kann ich nur sagen: Wir sind mit Bezug auf die soziale Bewegung, wie sie sich aus dieser kriegerischen Katastrophe heraus entwickelt hat, nur aus dieser heraus entwickelt hat in ihrer heutigen Gestalt, in ein Stadium eingetreten, wo es sich wahrhaftig nicht mehr darum handeln kann, abstrakte Programme zu machen, so und soviele Punkte zusammenzustellen, man solle dies oder jenes tun. — Das wäre vielleicht noch vor drei Jahren, vor zwei, vielleicht vor einem Jahre eine Möglichkeit gewesen. Heute ist das keine Möglichkeit mehr. Heute kann ich jemandem, der mich nach dieser Richtung frägt, nur die Antwort geben, daß es sich heute nur darum handeln kann, daß man an jedem einzelnen Platze, an den man gestellt ist, gerade wenn man Geisteswissenschafter ist, finden kann durch ein wirklichkeitsgemäßes Betrachten der Situation, was zu tun ist, und daß man auch die Mittel und Wege findet, um dasjenige, was getan werden muß, zu tun.

[ 21 ] You see, what is approaching—and here, where we are among ourselves, so to speak, we can speak very freely about this matter—what is approaching is undoubtedly a confrontation between the proletariat, which has emerged from modern industrialism over the last few centuries—as I myself mentioned in my recent public lecture in Basel—and the old classes of humanity. Well, I have already expressed myself to some extent when, in connection with my *Philosophy of Freedom*, I stated what I had considered to be of the utmost necessity in recent years and still consider so today, but I would like to add the following: What is at stake is recognizing that a current is gathering momentum as if driven by a certain elemental necessity. By this current, I mean the social movement—or the sum of the social demands being raised by the proletariat. The point is not to pass one judgment or another on this current, but rather to truly immerse oneself in what is emerging—what is simply emerging as a fact. That is what matters. To criticize it is something one can certainly do if one wishes, but it has little more value than an opinion that may be very well-founded, yet remains merely a private one. What really matters is that a way be found for the masses of the non-proletarian population throughout the civilized world to take a stand on what is on the horizon. Many of the questions put to me were directed precisely along these lines. And that is precisely what must now be at the forefront of people’s minds: taking a stand. Well, all I can say is this: With regard to the social movement—as it has developed out of this war-torn catastrophe, and has developed solely out of it in its present form—we have entered a stage where it truly can no longer be a matter of drawing up abstract programs, compiling this or that number of points, and saying that one should do this or that. — That might have been a possibility three years ago, two years ago, perhaps even a year ago. Today, that is no longer a possibility. Today, if someone asks me about this, I can only answer that the only thing that matters now is that, in every single place where one finds oneself—especially if one is a humanities scholar—one can determine, through a realistic assessment of the situation, what needs to be done, and that one also finds the means and ways to carry out what must be done.

[ 22 ] Da ist es natürlich wiederum gut, wenn man objektiv und sorgfältig erwägt, was insbesondere von den bürgerlichen Kreisen unterlassen worden ist. Nicht wahr, der abstrakte Satz kann leicht eingesehen werden: Die bürgerlichen Kreise müssen die Möglichkeit finden, wenn es nicht zu furchtbaren Katastrophen kommen soll, sich zu rangieren mit dem Proletariat. — Aber so ist der Satz doch ein ganz abstrakter, so besagt er gar nichts Besonderes. Um was es sich handelt, ist doch etwas ganz anderes. Dieses Rangieren, das notwendig ist, das geschehen muß, wird nicht leicht sein. Denn gerade die bürgerlichen Klassen haben im Laufe der Jahre Ungeheueres unterlassen, was dazu geführt hat, daß ihnen jetzt vieles fehlt, um sich unmittelbar zu rangieren mit dem Proletariat. Die bürgerlichen Klassen in ihrer Mehrheit haben keine Ahnung von der Seelenverfassung des Proletariats. Dasjenige, was heranzieht, sind Masseninstinkte. Aber diese Masseninstinkte, sie muß man wirklich verstehen können, sie muß man wirklich so, wie sie ihrer Natur nach sind, ins Auge fassen. Und gerade dieser Situation gegenüber darf man gar nicht den Glauben haben, daß das Verständnis für diese Masseninstinkte, die heute heranziehen, von selbst kommt, Mit patriarchalischer Denkweise, mit dem, was die bürgerlichen Kreise heute Verständnis solcher Dinge nennen, ist nicht im entferntesten irgend etwas getan. Die bürgerlichen Kreise verstehen von sozialen Fragen, wenn sie sich auch nach der oder jener Richtung damit beschäftigt haben, doch nicht viel mehr, als daß die Leute Hunger haben und nach Brot schreien, weil sie das nämlich auch tun, wenn ste Hunger haben. Das ist es, was sie heute gemeinschaftlich haben mit den proletarischen Kreisen. Sie haben gar nichts getan in den letzten Jahrzehnten, um wirklich eine geistige Gemeinschaft mit dem Proletariat anzustreben, um eine geistige Gemeinschaft einzuleiten. Ich darf mich schon für einen Beurteiler dieser Sache aus dem Grunde halten, weil ich das, was ich sage, nicht bloß aus dem Studium heraus sage; denn wer, wie ich selber, aus dem Proletariat hervorgegangen ist, weiß, wie das Proletariat lebt und denkt, ich möchte sagen, auf allen möglichen Gebieten; und wer sich dann beschäftigt hat, soviel sich nur ein Mensch beschäftigen kann, mit den Gedanken, die durch Jahrzehnte hindurch das Proletariat gebildet hat, und mit den Empfindungen, die von diesem Proletariat ausgehen, der darf eben über diese Sache reden.

[ 22 ] Of course, it is again helpful to objectively and carefully consider what the bourgeois circles, in particular, have failed to do. Isn’t it true that the abstract statement is easy to understand: The bourgeoisie must find a way—if terrible catastrophes are to be avoided—to align itself with the proletariat. — But this statement is, after all, a completely abstract one; it does not really say anything specific. What is at stake is something entirely different. This alignment—which is necessary and must take place—will not be easy. For it is precisely the bourgeois classes that, over the years, have failed to do things of immense importance, which has led to their now lacking much of what is needed to align themselves directly with the proletariat. The majority of the bourgeois classes have no idea about the state of mind of the proletariat. What drives them are mass instincts. But these mass instincts—one must truly be able to understand them; one must truly grasp them as they are by their very nature. And precisely in the face of this situation, one must not entertain the belief that an understanding of these mass instincts, which are at work today, will come of its own accord. A patriarchal mindset—or what bourgeois circles today call an “understanding” of such matters—does not even come close to addressing the issue. When it comes to social issues—even if they have engaged with them in one direction or another—bourgeois circles understand little more than that people are hungry and crying out for bread, because that is indeed what they do when they are hungry. That is what they have in common today with proletarian circles. They have done absolutely nothing in recent decades to truly strive for an intellectual communion with the proletariat, to initiate such a communion. I may well consider myself qualified to judge this matter, simply because what I say is not based solely on academic study; for anyone who, like myself, has emerged from the proletariat knows how the proletariat lives and thinks—I would say, in every conceivable area; and anyone who has then engaged—as much as any human being can engage—with the ideas that have shaped the proletariat over the decades, and with the sentiments that emanate from this proletariat, is indeed qualified to speak on this matter.

[ 23 ] Da ist ins Auge zu fassen und wohl zu berücksichtigen, daß im Verlauf der letzten Jahrzehnte die proletarischen Kreise jede freie Zeit von ihrer Arbeit, die sie hatten, dazu benützt haben, um sich Vorstellungen, Begriffe, und danach auch Empfindungen und Impulse anzueignen über Kapital und Kapitalwirtschaft, über Lohn und Mehrwert, über materialistische Geschichtsentwickelung, über Unternehmertum und Arbeitertum. Und man darf nicht vergessen, wenn man selber seine Empfindungen in die richtigen Bahnen lenken will, daß in den letzten Jahrzehnten in der Zeit, in welcher die Arbeiter Abend für Abend, insoweit sie in Betracht kommen, gesessen haben, sich volkswirtschaftliche Begriffe anzueignen für etwas, was sie Revolution nennen, was aber auch eine Reform hätte werden können — in der Zeit, was haben denn die bürgerlichen Kreise getan? In der Zeit haben die bürgerlichen Kreise Karten gespielt oder sogenannte unterhaltende Theaterstücke angehört oder Zeitungen gelesen, nun, oder ähnliche nützliche Beschäftigungen mehr gehabt. Dadurch ist mit Bezug auf menschliches Verständnis auf seiten der bürgerlichen Bevölkerung endlich der Zustand eingetreten, der heute da ist: der Zustand der völligen Unfähigkeit, das, was proletarisch ist, zu verstehen.

[ 23 ] It must be borne in mind and given due consideration that, over the course of the last few decades, the working-class circles have used every spare moment they had from their work to acquire ideas, concepts, and subsequently also feelings and impulses regarding capital and the capitalist economy, wages and surplus value, materialist historical development, entrepreneurship, and the working class. And one must not forget—if one wishes to steer one’s own feelings in the right direction—that in recent decades, during the time when workers, to the extent that they were able, sat evening after evening to acquire economic concepts for something they call a revolution, but which could just as well have been a reform—during that time, what, then, were the bourgeois circles doing? During that time, the bourgeoisie played cards or listened to so-called entertaining plays or read newspapers—or engaged in other similarly “useful” pursuits. As a result, with regard to human understanding on the part of the bourgeois population, the situation that exists today has finally come to pass: a state of complete inability to understand anything proletarian.

[ 24 ] Dieser Zustand war solange aufrechtzuerhalten, als nicht elementare Masseninstinkte entfesselt wurden. Er ist nicht aufrechtzuerhalten, wenn elementare Masseninstinkte entfesselt werden. Denn der ganze Gang der Bewegung ist so, daß man nicht ohne drinnen zu stehen in der Seele des Proletariers an eine Rangierung denken kann. Derjenige, der wirklich die Entwickelung des Proletariats verfolgen konnte, der weiß, daß alle die verschiedenen patriarchalischen Machinationen, die von wirtschaftlich Führenden ausgegangen sind, von der Seele der Proletarier gerade am intensivsten abgelehnt worden sind. Was man in bürgerlichen Kreisen geglaubt hat, zugunsten der Arbeiter zu machen, das ist ja im Innersten der Proletarierseele strikte abgelehnt worden, ist sogar als eine Art Beleidigung aufgefaßt worden, insofern es einen patriarchalischen Charakter hat. Aber auf dem Gebiete der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge hat sich der Proletarier Kenntnisse erworben, die er heute hat, hat sich ein Urteil erworben, mit dem er als einem Inhalt seiner Seele herumgeht, und von dem der Zugehörige der bürgerlichen Klasse gar nicht die allergeringste Ahnung, keinen Schimmer hat. Denn so ist die Tatsache gekommen, daß heute der proletarische Arbeiter über die Funktionen des Kapitals, über Unternehmertum und Lohnverhältnisse, über materialistische Geschichtsentwickelung mehr weiß als ein nationalökonomischer Universitätsprofessor, dessen Beruf es ist, über diese Dinge etwas zu wissen.

[ 24 ] This state of affairs could be maintained as long as basic mass instincts were not unleashed. It cannot be maintained once basic mass instincts are unleashed. For the entire course of the movement is such that one cannot conceive of a hierarchy without being immersed in the soul of the proletarian. Anyone who has truly been able to follow the development of the proletariat knows that all the various patriarchal machinations originating from economic leaders have been rejected most vehemently by the souls of the proletarians. What bourgeois circles believed they were doing for the benefit of the workers has, in fact, been strictly rejected in the innermost depths of the proletarian soul; it has even been perceived as a kind of insult, insofar as it has a patriarchal character. But in the realm of economic interrelationships, the proletarian has acquired the knowledge he possesses today; he has formed a judgment that he carries within his very soul—a judgment of which members of the bourgeois class have not the slightest inkling, not even a glimmer. For this is how it has come to pass that today the proletarian worker knows more about the functions of capital, about entrepreneurship and wage relations, and about materialist historical development than a university professor of economics, whose profession it is to know something about these matters.

[ 25 ] Das ist die Lage, die man vor allen Dingen richtig ins Auge fassen muß. Denn nur wenn man sie richtig ins Auge faßt, dann wird man verstehen, was gemeint ist, wenn ich sage: Derjenige, der sich jetzt rangieren will mit dem, was herauftaucht, der hat nötig, eine ganz neue Sprache zu sprechen. All das, was bisher gedacht worden ist in bürgerlichen Kreisen, das muß sich in eine ganz andere Sprache verwandeln; denn das, was hergestellt werden muß, muß Vertrauen sein. Sie müssen aus der Seele der Leute heraus sprechen können, und an jedem einzelnen Ort aus der Seele der Leute heraus sprechen und vor allen Dingen handeln können. Das können Sie nicht mit abstrakten Programmpunkten, sondern nur, wenn Sie sich hineinstellen in das, was heute geschieht, oder hineingestellt werden, wenn das das Richtige ist. Vorläufig wird aber noch alles zurückgewiesen, was das Richtige ist, werden auf keinem Punkte irgendwelche Anstalten gemacht, um irgend etwas nach dieser Richtung zu unternehmen. Denn nicht um die Abforderung von abstrakten Programmen kann es sich heute noch handeln, sondern heute kann es sich nur darum handeln, das persönlichste Wirken zu entfalten aus dem Verständnis der Sachlage heraus im konkreten einzelnen Fall. Nur darum kann es sich handeln.

[ 25 ] This is the situation that, above all else, must be properly grasped. For only by grasping it properly will one understand what I mean when I say: Anyone who now wants to come to terms with what is emerging needs to speak a completely new language. Everything that has been thought so far in bourgeois circles must be transformed into a completely different language; for what must be created is trust. You must be able to speak from the very soul of the people, and in every single place speak from the very soul of the people—and, above all, be able to act. You cannot do this with abstract program points, but only if you immerse yourselves in what is happening today—or are placed within it, if that is the right thing to do. For the time being, however, everything that is right is still being rejected; no steps are being taken on any front to undertake anything in this direction. For today it is no longer a matter of demanding abstract programs; rather, today it can only be a matter of developing the most personal course of action based on an understanding of the situation in each concrete, individual case. That is the only thing that matters.

[ 26 ] Was im allgemeinen gesagt werden kann, ist ja das Folgende. Sehen Sie, dadurch, daß alles das in proletarischen Kreisen getrieben worden ist, was die bürgerlichen Kreise verschlafen haben, was weder Inhalt der Schulbildung, noch Inhalt der Salonunterhaltungen oder dergleichen war, dadurch wissen die meisten Menschen heute nicht viel über die Dinge, über die man eben fähig sein muß, sich Gedanken zu machen. Nun ist heute nur ein Zweifaches möglich: entweder Sie machen sich Gedanken über gewisse soziale Werte vom Gesichtspunkte des heutigen Proletariats aus, oder Sie machen sich solche Gedanken vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus. Sind Sie durch Jahre in der geisteswissenschaftlichen Bewegung drinnengewesen und haben Sie Ihre Zeit darinnen richtig angewendet, so denken Sie einfach richtig über das, was Ihnen heute im konkreten Fall entgegentreten kann, und nur dann sind Sie in der Lage, ein Vertrauensverhältnis herzustellen, auf das es vor allen Dingen ankommt. Denn mit dem, was heute der Bürgerliche sagen kann, muß er überall zurückgewiesen werden, weil eben der Proletarier eine viel vorgeschrittenere Sprache führt. Der Bürgerliche muß lernen, eine noch vorgeschrittenere Sprache zu führen. Das muß er aber erst wollen.

[ 26 ] What can generally be said is the following. You see, because everything that the bourgeoisie neglected—things that were neither part of school education nor the subject of salon conversations or the like—was pursued in proletarian circles, most people today do not know much about the very things they need to be able to reflect upon. Now, only two approaches are possible today: either you reflect on certain social values from the perspective of today’s proletariat, or you reflect on them from the perspective of spiritual science. If you have been involved in the spiritual science movement for years and have made good use of your time there, then you will simply think correctly about whatever you may encounter today in specific situations, and only then will you be in a position to establish a relationship of trust, which is what matters above all else. For whatever the bourgeois may say today must be rejected everywhere, precisely because the proletarian speaks a much more advanced language. The bourgeois must learn to speak an even more advanced language. But first, he must be willing to do so.

[ 27 ] Sehen Sie, was notwendig ist, das ist, das Augenmerk zu richten auf die drei’ Typen von volkswirtschaftlichen Werten, die die hauptsächlichsten drei Typen sind und um die die eigentlichen Fragen gehen. Was heute behandelt werden muß durch Denken und durch die Tat, das sind diese drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten. Sie können sich aber nur verständigen, auch durch die Tat nur verständigen mit dem, was als elementare Strömung heraufzieht, wenn Sie den Willen haben, auf die Sprache, die das Proletariat spricht, einzugehen und Ihr wirklich sachgemäßeres und wirklichkeitsgemäßeres Urteil ins Auge fassen und geltend machen können. Die drei Typen sind der sogenannte Unternehmergewinn, Kapitalgewinn, die Rente und der Lohn. Andere Typen von nationalökonomischen Werten gibt es nicht. Alles, was es gibt an nationalökonomischen Werten, fällt sachgemäß unter die drei Typen, entweder Unternehmergewinn, oder Rente, oder Lohn. Diesen drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten steht das Proletariertum in einer gewissen Weise gegenüber. Es will die schädlichen Seiten — nach seiner Ansicht schädlichen Seiten —, welche diese drei Typen von volkswirtschaftlichen Werten haben, dadurch beseitigen, daß herbeigeführt werde die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und des Grundes und Bodens, und daß die Herrschaft übergehe an das eigentliche Proletariat, die Herrschaft in den verschiedenen gesellschaftlichen Gebieten, weil das Proletariat eben das Vertrauen zu den anderen Klassen verloren hat. Ja, darüber kann man heute nicht bloß theoretisch sprechen, darüber kann man nur wirklichkeitsgemäß sprechen. Man kann nur so sprechen, daß man ins Auge faßt: Wie weit sind die Verhältnisse gediehen? — Und mit den Verhältnissen meine ich namentlich: Wie weit sind die Gedanken und Empfindungen der Proletariermasse gediehen? — Man kann, wenn man diese oder jene nationalökonomische Theorie durchgeochst hat, das eine oder das andere für das Richtige halten, aber das besagt gar nichts für die Wirklichkeit, für dasjenige, was zu tun ist. Für dasjenige, was zu tun ist, besagt heute etwas einzig und allein das Faktum, was in den Köpfen der proletarischen Massen drinnen ist. Und das ist sehr uniform, das hat sich durch Jahrzehnte sehr uniform ausgebildet, und mit dem muß vor allen Dingen gerechnet werden.

[ 27 ] You see, what is necessary is to focus on the three “types” of economic values—which are the three most important types and around which the actual issues revolve. What must be addressed today, both in thought and in action, are these three types of economic values. However, you can only come to an understanding—and act in accordance with—what is emerging as a fundamental trend if you have the will to engage with the language spoken by the proletariat and are able to form and assert your own judgment, which is truly more objective and grounded in reality. The three types are what is known as entrepreneurial profit, capital gains, rent, and wages. There are no other types of economic values. All economic values fall appropriately under these three types: either entrepreneurial profit, rent, or wages. The proletariat stands, in a certain sense, in opposition to these three types of economic values. It seeks to eliminate the harmful aspects—what it considers to be harmful aspects—of these three types of economic values by bringing about the socialization of the means of production and of land, and by transferring power to the proletariat itself—power in the various spheres of society—because the proletariat has lost its trust in the other classes. Yes, today one cannot speak of this merely in theoretical terms; one can speak of it only in terms of reality. One can speak of it only by considering: How far have conditions progressed?—And by “conditions” I mean specifically: How far have the thoughts and feelings of the proletarian masses progressed? — After poring over this or that economic theory, one may consider one thing or another to be correct, but that says nothing about reality, about what needs to be done. As for what needs to be done, the only thing that matters today is what is in the minds of the proletarian masses. And that is very uniform; it has developed very uniformly over decades, and that is what must be taken into account above all else.

[ 28 ] Man muß sich vor allen Dingen klar darüber sein, daß gewisse Dinge, die angestrebt werden müssen, verständnisvoll verfolgt werden müssen, wenn sich das Bürgertum überhaupt rangieren will mit dem Proletariat. Unternehmergewinn — die Tendenz der Arbeiterschaft geht darauf hin, den Unternehmergewinn so zu gestalten, daß aus dem Unternehmergewinn nichts einfließe in den privaten Erwerb. Dieses ist aber eine Sache, über die eine Verständigung mit dem Proletariat durchaus möglich wäre. Wenn man verfolgen würde all die Kanäle, all die Rinnsale, in die sich im volkswirtschaftlichen Körper ergießt dasjenige, was Kapital ist, und dann, wenn das Kapital die Form des Unternehmergewinns annimmt, wenn man das alles verfolgt, und wenn man sich zu gleicher Zeit sagt: Das hat das ärgste Mißtrauen des Proletariats hervorgerufen gegen das Bürgertum, namentlich gegen die Großbourgeoisie, daß in ausgiebigstem Maße der Unternehmergewinn in den Privaterwerb einbezogen worden ist — darüber wird sich in der Zukunft überhaupt nicht streiten lassen —, dann ist man auf dem rechten Wege. Dann wird man aber auch, wenn man Verständnis zeigt für dasjenige, was in diesem Punkte das Proletariat will, die Mittel und Wege finden, um jene tiefe soziale Schädigung hintanzuhalten, die dann eintreten muß, wenn im Sinne des radikalen Proletariats heute der Unternehmergewinn bekriegt wird. Es liegen leider die Dinge so, daß nach den Kenntnissen, die die Bürgerlichen von diesen Dingen haben, meistens gar nicht diskutiert werden kann mit dem Proletariat, weil diese Kenntnisse eben nicht da sind, weil der Bürgerliche heute nichts weiß von den Kanälen und von den Funktionen, in denen so etwas wie Unternehmergewinn — von einer Fabrik der Gewinn des Unternehmers, oder von irgend etwas anderem der Gewinn des Unternehmers — sich ergießt. Da dem Proletarier notwendig die Ausblicke fehlen, in die die eine oder die andere soziale Gestaltung führt, so bekämpft er nur die Schäden, die allmählich durch das Verhalten des Bürgertums in bezug auf den Unternehmergewinn hervorgerufen worden sind, aber er ruft dadurch ganz sicher nur Zerstörung, nur Untergang hervor. Sache des Bürgertums wäre es nun, über diesen Punkt sich im einzelnen zu verständigen. Gerade wenn man sich in diesen Einzelheiten verständigen würde, so würden diejenigen, die fähig sind dadurch, daß sie bisher in den Wirtschaftskörpern drinnengestanden haben, führende Stellungen hatten in den Wirtschaftskörpern, die darum einzig und allein nur die Kenntnisse hätten, um die Kontinuität des Wirtschaftslebens fortzuführen, ganz von selbst nach dem Willen desProletariats an erste Stellen gestellt werden; ob nun durch Arbeiter- und Soldatenräte oder andere Räte, sie würden schon ganz von selbst dort hineinkommen. Aber es muß die Möglichkeit vorhanden sein, wirklich über etwas zu verhandeln mit den Leuten. Wenn die Möglichkeit vorhanden ist, über etwas zu verhandeln, so daß die Leute wissen: Aha, der weiß selber, was wir eigentlich wollen, aber er weiß noch etwas mehr —, dann kommt, was kommen muß: Vertrauen, das heute nicht vorhanden sein kann. Denn der Zustand kann nie eintreten, daß, wenn die Proletarier einfach den Glauben haben müssen: Nun ja, jetzt haben sie das Heft in der Hand, und die Bürgerlichen, die bisher sich so und so benommen haben, die wollen sich jetzt auch hinsetzen an den Tisch —, daß sie da gleich aus Gutmütigkeit sie mit hinsetzen lassen werden; das wird nicht eintreten, sondern es muß das durch Vertrauen gestützt sein. Und die Schwierigkeit besteht darinnen, daß eigentlich in weitesten Kreisen keine Möglichkeit besteht, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Man kann ja dann die verschiedensten Ansichten haben, aber man muß eine gemeinsame Sprache sprechen können.

[ 28 ] Above all, one must be clear that certain goals must be pursued with understanding if the bourgeoisie is to align itself with the proletariat at all. Entrepreneurial profit—the tendency among the working class is to structure entrepreneurial profit in such a way that nothing from it flows into private earnings. This, however, is a matter on which an agreement with the proletariat would certainly be possible. If one were to trace all the channels, all the rivulets through which capital flows within the economic body, and then, when capital takes the form of entrepreneurial profit—if one were to trace all of this, and at the same time say to oneself: “It is the fact that entrepreneurial profit has been incorporated into private income to the greatest extent that has provoked the proletariat’s deepest mistrust of the bourgeoisie, particularly the big bourgeoisie”—and this will be beyond dispute in the future—then one is on the right track. But then, too, if one shows understanding for what the proletariat wants on this point, one will find the means to avert the profound social harm that is bound to occur if, in the spirit of the radical proletariat today, a campaign is waged against entrepreneurial profit. Unfortunately, the reality is that, given the bourgeoisie’s understanding of these matters, it is usually impossible to even engage in discussion with the proletariat, precisely because that understanding is lacking; because the bourgeois today knows nothing of the channels and functions through which something like entrepreneurial profit—whether the profit of an entrepreneur from a factory or from any other source—flows. Since the proletarian necessarily lacks the perspective to see where one social structure or another leads, he merely fights against the harms that have gradually been caused by the bourgeoisie’s conduct regarding entrepreneurial profit; but in doing so, he is certain to bring about only destruction and ruin. It would now be up to the bourgeoisie to reach a detailed understanding on this point. Precisely if agreement were reached on these details, those who—by virtue of having been part of economic institutions and having held leading positions within them—possess the knowledge necessary to ensure the continuity of economic life would, quite naturally, be placed in positions of leadership in accordance with the will of the proletariat; whether through workers’ and soldiers’ councils or other councils, they would naturally find their way into those positions. But the possibility must exist to truly negotiate with these people. If the possibility exists to negotiate, so that people realize: “Ah, he himself knows what we actually want, but he knows something more”—then what must come will come: trust, which cannot exist today. For the situation can never arise in which, if the proletariat simply has to believe: “Well, now they’re in charge, and the bourgeoisie, who have behaved in such and such a way up to now, now want to sit down at the table too”—that they will immediately let them sit down out of good will; that will not happen, but it must be supported by trust. And the difficulty lies in the fact that, in the broadest circles, there is actually no possibility of speaking a common language. One may, of course, hold the most diverse views, but one must be able to speak a common language.

[ 29 ] Dann muß man sich aber darüber klar sein, daß nicht nur der Unternehmergewinn, sondern auch die Rente wesentlich angefochten werden wird. Nun hat ja gerade die Rente zu den ärgsten Auswüchsen geführt, und aus den Masseninstinkten heraus wird nicht nur der Unternehmergewinn bekriegt, sondern selbstverständlich auch die Rente bekriegt werden. Nun ist es ganz klar, daß wieder nur derjenige in diese Dinge hineinsehen kann, der die Funktionen der Rente überschaut. Und da handelt es sich darum, daß es heute leicht ist, wenn man die Sprache des Proletariats handhabt, es wenigstens bis zur Diskussion zu bringen — Verständnis wird sich nur langsam und allmählich entwickeln, gegenseitiges Verständnis — und es bis zu einer gewissen Art von Vertrauen zu bringen.

[ 29 ] But then one must be clear that not only entrepreneurial profit but also rent will be fundamentally challenged. Now, it is precisely rent that has led to the worst excesses, and driven by the instincts of the masses, not only will entrepreneurial profit be targeted, but rent will naturally be targeted as well. It is quite clear, however, that once again, only those who understand the functions of rent can see through these matters. And the point is that today, if one speaks the language of the proletariat, it is easy to at least bring the issue up for discussion—understanding will develop only slowly and gradually, mutual understanding—and to build a certain kind of trust.

[ 30 ] Nicht wahr, beim Unternehmergewinn handelt es sich ja darum, daß man einsehe, daß man wirklich nicht den Unternehmergewinn betrachte als eine Grundlage für privaten Erwerb, sondern daß alles, was Unternehmergewinn ist, zu einem nur in dem Verhältnis steht, daß man die Sache zu verwalten hat, daß man mit der Sache zu wirtschaften hat, und daß der Unternehmergewinn in der Zukunft nicht hineingehen darf in den privaten Erwerb, in all dasjenige, was privater Erwerb ist. Bei der Rente handelt es sich darum, daß die Welt ohne Rente gar nicht leben kann, denn von der Rente im weitesten Sinne muß das ganze geistige Leben, Erziehung, Unterricht und alles erhalten werden, und außerdem müssen die nicht arbeitsfähigen und kranken Menschen, die alten Menschen und dergleichen eigentlich aus der Rente erhalten werden. In dem Augenblick, wo man sachgemäß über diese Dinge redet, würde es sich selbstverständlich darum handeln, daß man wenigstens in eine fruchtbare Diskussion kommt, aber man muß sich auch klar darüber sein, daß es unmöglich ist, in eine fruchtbare Diskussion zu kommen, wenn man nicht weiß, daß das wirklich Berechtigte der Rente nur darinnen bestehen kann, daß sie in diese Richtungen geleitet wird, von denen ich eben gesprochen habe.

[ 30 ] Isn’t it true that, when it comes to entrepreneurial profit, the point is to recognize that one really should not view entrepreneurial profit as a basis for private acquisition, but rather that everything that constitutes entrepreneurial profit is related solely to the fact that one must manage the business and operate it, and that entrepreneurial profit must not be incorporated into private income in the future—into everything that constitutes private income. As for pensions, the point is that the world simply cannot function without them, for it is through pensions—in the broadest sense—that the entire realm of intellectual life, education, instruction, and everything else must be sustained; moreover, those unable to work, the sick, the elderly, and others like them must in fact be supported by pensions. The moment one speaks properly about these matters, the aim would naturally be to at least engage in a fruitful discussion; but one must also be clear that it is impossible to engage in a fruitful discussion if one does not realize that the true justification for pensions can consist only in their being directed toward the purposes I have just mentioned.

[ 31 ] Das dritte ist der Lohn, den ja das Proletariat so regeln will, daß kein Mehrwert sich ergibt, der in etwas anderes fließt als in den nicht zum privaten Erwerb umzusetzenden Unternehmergewinn und in die berechtigte Rente. Natürlich ist es ein Horror für die auf diesem Gebiete ganz kenntnislose bürgerliche Bevölkerung, darinnen Einsicht zu gewinnen, daß nun wirklich niemand auch nur im geringsten etwas zu fürchten hat, wenn im Prinzip das wirklich besteht: daß jedem zufällt das Erträgnis seiner Arbeit, daß tatsächlich die volkswirtschaftliche Struktur so ist, daß sich für jeden Arbeitenden umwandelt die Arbeit in Erträgnis seiner Arbeit. Ein Ideal ist es nicht, das können Sie aus meinem Aufsatz «Geisteswissenschaft und soziale Frage» sehen, aber es handelt sich heute nicht um ein Ideal, sondern um dasjenige, was allein erreicht werden kann in der unmittelbaren Zukunft. Und da handelt es sich darum, daß man in der Tat ein Verständnis dafür erweckt, welches das Minimum des Mehrwertes ist, und nur das Minimum des Mehrwertes zurückhält von dem Lohn, der dann nicht mehr Lohn sein wird, sondern der einfach Entschädigung sein wird für Arbeit.

[ 31 ] The third is wages, which the proletariat seeks to regulate in such a way that no surplus value is generated that flows into anything other than the entrepreneur’s profit—which cannot be converted into private gain—and the justified rent. Of course, it is a horror for the bourgeois population—which is completely ignorant in this area—to come to understand that no one really has anything to fear, even in the slightest, if the following principle truly holds: that everyone receives the fruits of their labor, that the economic structure is in fact such that, for every worker, labor is transformed into the fruits of their labor. It is not an ideal—as you can see from my essay “The Humanities and the Social Question”—but today it is not a matter of an ideal, but rather of what alone can be achieved in the immediate future. And this involves actually fostering an understanding of what constitutes the minimum amount of surplus value, and withholding only that minimum from the wage—which will then no longer be a wage, but simply compensation for work.

[ 32 ] In der allergerechtesten Weise, man kann sogar sagen, in der allerbequemsten Weise würde sich die soziale Struktur gestalten, natürlich nach und nach, wenn man zunächst gar nichts anderes wollte, als mit wirklichem Verständnisse nach diesen drei Richtungen hin sich zu rangieren. Denn man würde dann zunächst dasjenige hervorrufen, was das Allernotwendigste ist: man würde hervorrufen die Möglichkeit einer Kontinuität des Wirtschaftslebens. Und das ist vor allen Dingen notwendig. Das ist dasjenige, was nicht möglich war auf dem Gebiete des Bolschewismus in Rußland und was niemals möglich sein wird, wenn nicht eine Rangierung in dem angedeuteten Sinne stattfindet. Anders als in dem angedeuteten Sinne ist es nicht möglich.

[ 32 ] The social structure would take shape in the fairest possible way—one might even say, in the most convenient way—gradually, of course, if one initially sought nothing more than to align oneself with these three directions with genuine understanding. For one would then first bring about what is most essential: one would bring about the possibility of continuity in economic life. And that is necessary above all else. That is what was not possible under Bolshevism in Russia and what will never be possible unless an alignment takes place in the sense indicated. It is not possible in any other way than in the sense indicated.

[ 33 ] Nach diesen drei Richtungen hin handelt es sich darum, daß man vor allen Dingen so Verständnis erweckt, daß aus diesem Verständnis eine Bewegung nach der Regel nach diesen drei Richtungen geschieht. Dadurch allein ist es möglich, daß die tauglichen Führer des wirtschaftlichen Lebens — was nämlich dringend notwendig ist, wenn nicht unermeßliches Unheil kommen soll; die Tauglichen, nicht die Untauglichen, die müssen selbstverständlich heraus — diesem wirtschaftlichen Leben wirklich erhalten bleiben. Es ist unter keinen anderen Verhältnissen möglich, das Proletariat für die Kontinuität des Wirtschaftslebens zu gewinnen, als wenn man in dieser Weise eine ihm verständliche Sprache zu führen vermag. Die Kontinuität des Wirtschaftslebens, die muß erhalten werden. Und dann muß Verständnis dafür hervorgerufen werden, welches die inneren Zusammenhänge sind.

[ 33 ] In these three directions, the aim is, above all, to foster an understanding such that this understanding gives rise to a movement in accordance with the rule in these three directions. Only in this way is it possible for capable leaders of economic life—which is urgently necessary if immeasurable disaster is to be averted; the capable, not the incapable, must of course come to the fore—to truly remain part of this economic life. There is no other way to win over the proletariat to the continuity of economic life than by speaking to them in a language they can understand. The continuity of economic life must be preserved. And then an understanding must be fostered of what the underlying interrelationships are.

[ 34 ] Sehen Sie, ein Zusammenhang, der vor allen Dingen eine große Rolle in der nächsten Zeit wird spielen müssen, wenn nicht unermeßliches Unglück, das verhütert werden kann und verhütet werden darf, trotz des Weltenganges heraufkommen soll, das ist der: Alles, was heute Proletariat ist, ist ja in seinem Denken doch genährt von den perversen wissenschaftlichen und sonstigen Auseinandersetzungen der letzten Jahrhunderte — und namentlich des letzten Jahrhunderts — des Bürgertums. Das Proletariat hat ja alles das geerbt, was das Bürgertum hervorgebracht hat in bezug auf Denken und Vorstellen. Das Proletariat steht nur in einer anderen Weise in der Welt drinnen und zieht andere Konsequenzen daraus. Der Ursprung von dem, was die Bolschewisten tun, liegt in der Universitätsbildung von heute, in der Gestaltung, welche das Erziehungswesen gerade der bürgerlichen Klassen gefunden hat. Denn die Proletarier haben ja nichts anderes gelernt als dasjenige, was die bürgerlichen Klassen produziert haben. Sie ziehen eben nur in ihrer Art die Konsequenzen daraus. Deshalb ist es notwendig, vor allen Dingen dafür Verständnis hervorzurufen im Proletariat selber, wie sie eigentlich von den abgefallenen Brocken des unbrauchbaren bürgerlichen Denkens zehren und nun eine Bewegung hervorrufen wollen, die doch nur ohnmächtig sein kann, weil sie eben aus dem unfruchtbaren Bourgeois-Denken hervorgeht. Dieses Verständnis muß erweckt werden, kann aber natürlich nicht anders erweckt werden, als daß man sich klar wird darüber, daß nun in der Bourgeoisie selber eine völlige Umkehrung stattfinden muß gerade in bezug auf diesen Punkt, in bezug auf das geistige Leben, in bezug auf das Bildungswesen. Die ganze Art der Einrichtungen des Bildungswesens ist eben wirklich für die neue Zeit nicht zu gebrauchen, und es muß einfach dafür gesorgt werden, daß die Kontinuität des Wirtschaftslebens so lange aufrecht erhalten wird, bis überwunden wird alles dasjenige, was in ungesunder Weise in unsere Volkswirtschaft eingreift von dem ungesunden Bourgeois-Getriebe des Lebens.

[ 34 ] You see, there is one connection that, above all else, will have to play a major role in the near future if immeasurable misfortune—which can and must be prevented, despite the course of world events—is not to befall us, and that is this: Everything that constitutes the proletariat today is, after all, nourished in its thinking by the perverse scientific and other debates of the past centuries—and especially of the last century—of the bourgeoisie. The proletariat has, in fact, inherited everything that the bourgeoisie has produced in terms of thought and imagination. The proletariat simply stands in the world in a different way and draws different conclusions from it. The origin of what the Bolsheviks are doing lies in today’s university education, in the form that the educational system has taken, particularly for the bourgeois classes. For the proletarians have learned nothing other than what the bourgeois classes have produced. They simply draw their own conclusions from it in their own way. That is why it is necessary, above all else, to foster an understanding within the proletariat itself that they are in fact feeding on the scraps of useless bourgeois thought and now wish to spark a movement that can only be powerless, precisely because it springs from this barren bourgeois thinking. This understanding must be awakened, but of course it cannot be awakened in any other way than by realizing that a complete reversal must now take place within the bourgeoisie itself—precisely with regard to this point, with regard to intellectual life, and with regard to the educational system. The entire structure of the educational system is, in fact, truly unsuitable for the new era, and steps must simply be taken to ensure that the continuity of economic life is maintained until everything that interferes in an unhealthy way with our national economy—all the unhealthy bourgeois mechanisms of life—has been overcome.

[ 35 ] Da müssen Sie schon Rücksicht darauf nehmen, daß man in verständlicher Weise sich die Sache zurechtlegen muß. Denken Sie doch, daß Sie sich klarmachen müssen, daß Geld als solches überhaupt nichts ist. Wahre Werte sind ja nur Arbeit. Geld ist ja niemals etwas anderes als Anweisung auf Arbeit. Aber die letzten Konsequenzen aus diesen Dingen werden ja nicht gezogen. Ich will ein Beispiel von der Bildung der heutigen Zeit selber nehmen. Sehen Sie, da sind die jungen Füchse, die Studenten meine ich, die müssen — nun, ich will ein Beispiel herausheben — Dissertationen machen. Es ist ja wirklich so, daß Dissertationen gemacht werden müssen, meinetwillen über den i-Punkt in den Urkunden von Innozenz IV. Ich kenne einen Mann, der sein ganzes Leben hindurch einen gewissen Ruf hatte, über die Schimpfwörter bei Properz eine Dissertation gemacht zu haben, oder über die Parenthesen der griechischen Dramatiker und so weiter. Ich könnte Ihnen Unzähliges anführen. Aber das sind ja nur Beispiele, die vermillionfacht werden könnten jetzt, nicht nur hundert- oder tausendfach auf den verschiedensten Gebieten vermehrt werden könnten. Ja, diese Dinge, die dürfen nicht weiter belletristisch behandelt werden, sondern diese Dinge müssen nach den Anforderungen unserer Zeit in eine volkswirtschaftliche Perspektive gerückt werden. Der junge Fuchs sitzt ein ganzes Jahr über seiner Dissertation, die über die Parenthese meinetwillen bei Homer handelt. Nicht wahr, er sitzt ein ganzes Jahr darüber. Es kann eine sogenannte fleißige, saubere Arbeit werden. Aber was bedeutet das? Das bedeutet, daß sich der Student ein Jahr damit beschäftigt und ißt und trinkt und sich kleidet. Dasjenige, was er ißt und trinkt und womit er sich kleidet, das muß gearbeitet werden von so und soviel Leuten. Da muß die soziale Struktur dazu da sein, daß wirkliche Arbeit, reelle Arbeit sich so umwandelt, daß dieser junge ochsende Student ein Jahr essen und trinken und sich bekleiden kann, um über die Schimpfwörter bei Properz oder über die Parenthese bei Homer zu schreiben. Wenn Ihnen jemand nur annähernd einen Begriff geben würde, wie in dieser Weise richtige menschliche Arbeit umgewandelt wird in absolut kulturnichtsnutziges Zeug, was wertlos nach jeder Richtung ist, dann würde er eine ungeheuer wohltätige Tat begehen. Aber das sind dieDinge, die zum Verständnis gebracht werden müssen, daß das, woran man gar nicht denkt, als höchstens es mit einem Lächeln zu behandeln, daß das in volkswirtschaftliche Perspektive gerückt werden muß. Denn wir sind bei der Zeit angekommen, wo alle Dinge in volkswirtschaftliche Perspektiven gerückt werden müssen. Derjenige Bürgerliche, der nicht versteht, was es heißt, Arbeitskraft von Menschen zu mißbrauchen, um einem jungen Menschen möglich zu machen, ein ganzes Jahr zu essen und zu trinken und sich zu bekleiden über der Tat, die Schimpfwörter des Properz in ein System zu bringen, der Mensch, der das nicht begreift, findet auch nicht die Möglichkeit, die Rangierung zu bewirken, von der ich gesprochen habe.

[ 35 ] You have to take into account that one must understand the matter in a way that makes sense. Just think about it: you have to realize that money, in and of itself, is nothing at all. True values are, after all, nothing but work. Money is never anything other than a directive for work. But people don’t draw the ultimate conclusions from these things. I’ll take an example from modern-day education itself. You see, there are these young upstarts—I mean the students—who have to—well, let me highlight one example—write dissertations. It’s really true that dissertations have to be written—for all I care, about the dot over the “i” in the documents of Innocent IV. I know a man who, throughout his entire life, had a certain reputation for having written a dissertation on the swear words in Propertius, or on the parentheses used by the Greek dramatists, and so on. I could cite countless examples. But these are merely examples that could now be multiplied a millionfold—not just a hundred or a thousand times—across the most diverse fields. Yes, these matters must no longer be treated as mere literary subjects; rather, they must be placed within an economic perspective in accordance with the demands of our time. The young fox spends a whole year working on his dissertation, which, for my sake, deals with parentheses in Homer. Isn’t that right? He spends a whole year on it. It may turn out to be a so-called diligent, well-crafted piece of work. But what does that mean? It means that the student spends a year engaged in it—eating, drinking, and clothing himself. The food he eats, the drink he consumes, and the clothes he wears—all of that must be produced by a certain number of people. The social structure must be in place so that real, tangible labor is transformed in such a way that this young, toiling student can eat, drink, and clothe himself for a year in order to write about the swear words in Propertius or the parentheses in Homer. If someone were to give you even a rough idea of how, in this way, genuine human labor is transformed into stuff that is absolutely useless to culture—stuff that is worthless in every respect—then he would be performing an immensely beneficial act. But these are the things that must be brought to people’s understanding—that what one would not even think of doing, except perhaps to treat with a smile, must be viewed from an economic perspective. For we have reached the point where all things must be viewed from an economic perspective. The bourgeois who does not understand what it means to exploit people’s labor in order to enable a young person to eat, drink, and clothe themselves for an entire year through the act of systematizing Properz’s swear words—the person who does not grasp this will also fail to bring about the ranking I have spoken of.

[ 36 ] Das bezeugt Ihnen aber auch das andere, was notwendig ist: auf der einen Seite sich zu rangieren, daß wirklich Kontinuität des Wirtschaftslebens möglich ist, auf der anderen Seite Verständnis hervorzurufen gerade im Proletariat, daß man gemeinsam mit dem Proletariat ein solches Geistesleben pflegen will, das nicht in ungesunder Weise sich wirtschaftlich auslebt, sondern in gesunder Weise sich wirtschaftlich auslebt. Wenn man erst diese Grundlage geschaffen hat, wenn zum Beispiel der Proletarier weiß: Du bist mit mir einverstanden, ich kann dich brauchen, denn du weißt dies oder das zu tun, weil du gelernt hast, was ich noch nicht gelernt habe — auf etwas anderes hin, als daß einen die Leute brauchen, werden sie einen nicht sich zu ihnen setzen lassen —, wenn erst der Proletarier einsieht, daß der Bürgerliche Verständnis hat für solche Dinge, dann wird er die Möglichkeit herbeiführen, die Kontinuität des Wirtschaftslebens zu begründen, einfach aus solchen Gründen. Auf andere Weise, auf anderem Wege ist es nicht zu machen. Dann aber wird er zugänglich sein, wenn man sich mit ihm verständigt darüber, daß ferner nicht auf ungesunde Weise Unternehmergewinn privater Erwerb sein darf, denn nur dadurch, daß Unternehmergewinn privater Erwerb sein kann, ist es möglich, daß in den Dissertationen der jungen Füchse an den Universitäten, indem der Unternehmergewinn wiederum in ihr Essen und Trinken umgewandelt wird — der Unternehmergewinn, welcher aber Mehrwert der Arbeit ist —, die Schimpfwörter bei Properz oder die Parenthese bei Homer in ein System gebracht werden können. Das ist aber nur vergleichsweise gesagt, denn es könnte vertausendfacht und vermillionfacht werden.

[ 36 ] This also attests to the other thing that is necessary: on the one hand, to position oneself so that true continuity in economic life is possible; on the other hand, to foster an understanding—especially among the proletariat—that we wish to cultivate, together with the proletariat, a spiritual life that does not express itself economically in an unhealthy way, but rather in a healthy way. Only once this foundation has been laid—when, for example, the proletarian knows: “You agree with me; I can use you, because you know how to do this or that, since you have learned what I have not yet learned—people will not let you sit among them for any other reason than that they need you—once the proletarian realizes that the bourgeois has an understanding of such things, then he will create the possibility of establishing the continuity of economic life, simply for these reasons. There is no other way to do it. But then he will be open to it if one agrees with him that, furthermore, entrepreneurial profit must not be private gain in an unhealthy way, for it is only because entrepreneurial profit can be private gain that it is possible, in the dissertations of the young foxes at the universities—where entrepreneurial profit is in turn transformed into their food and drink—that the expletives in Propertius or the parentheses in Homer can be systematized. But this is only a figure of speech, for it could be multiplied a thousandfold or a millionfold.

[ 37 ] Dadurch allein aber wird man Verständnis hervorrufen, Verständnis dann auf einem Umwege, für das, was auf geistigem Wege besonders notwendig ist und was droht, ganz zugrunde zu gehen, wenn man sich nicht rangiert — denn aus dem Proletariat heraus wird das Gegenteil von dem folgen, was notwendig ist auf dem geistigen Wege —, und das ist: die Freiheit der Individualität. Sie wird aus dem Proletariat heraus totgeschlagen. Die Freiheit der Individualität, die ermöglicht, daß Anlagen gebraucht werden können, daß Talente sich verwirklichen, daß der Mensch überhaupt mit Bezug auf alles dasjenige, was er geistig produziert oder woran er geistig teilnehmen soll, ein freier Mensch ist, das alles läßt sich aus den Voraussetzungen der heutigen Proletarier-Anschauungen nicht realisieren. Aber zum Verständnisse zu bringen wäre es, wenn man sich entschließen würde, wirklich die neue Sprache zu führen, die notwendig ist. Das ist es, über was man heute als, ich möchte sagen, etwas Tagesnotwendiges unbedingt sich aufklären sollte, in was man heute Einsicht gewinnen sollte. Und gewinnt man Einsicht, dann wird man schon sehen, was alles versäumt worden ist, indem man eine tiefe Kluft aufgerissen hat zwischen dem Proletarier, der seine Zeit so verwendet hat, wie ich es Ihnen angedeutet habe, und zwischen dem Bürgertum, das über die Dinge doch im Grunde genommen ganz unwissend geblieben ist.

[ 37 ] But this alone will evoke understanding—albeit indirectly—for what is particularly necessary on the spiritual path and what threatens to be completely destroyed if one does not take a stand—for from the proletariat will come the opposite of what is necessary on the spiritual path—and that is: the freedom of individuality. It is being crushed to death by the proletariat. The freedom of individuality—which makes it possible for aptitudes to be utilized, for talents to be realized, and for human beings to be free in relation to everything they produce spiritually or in which they are meant to participate spiritually—cannot be realized under the conditions of today’s proletarian worldviews. But it could be made understandable if one were to resolve to truly adopt the new language that is necessary. This is what one should absolutely clarify today—I would say, as a matter of daily necessity—and gain insight into. And once one gains this insight, one will see just how much has been neglected by creating a deep chasm between the proletarian—who has spent his time as I have indicated to you—and the bourgeoisie, which has, after all, remained fundamentally ignorant of these matters.

[ 38 ] Dieses will Ihnen aber zeigen, daß man mit abstrakten Programmen und mit sogenannten Idealen, wenn sie noch so schön klingen, heute gar nichts anfangen kann, daß man heute einfach kennenlernen muß, was die Leute wollen. Aber das lernt man nicht kennen, wenn man mit ihnen verhandelt, denn sie sind natürlich weit entfernt davon, irgend etwas von sich zu enthüllen, wenn man mit ihnen verhandelt. Man muß nicht bloß verhandeln, nicht bloß mit ihnen leben, man muß mit ihnen denken lernen, man muß mit ihnen empfinden lernen. Und man muß dann eine Verpflichtung, ein Pflichtgefühl dafür haben, daß dasjenige, was einem durch das Karma zugefallen ist, nun tatsächlich in einer entsprechenden Richtung verwendet werden muß. Das Maß desjenigen, was gut werden kann an den furchtbaren Stürmen, die heute vor der Tür stehen, das wird sich ganz danach richten, ob man anfangen wird, für solche Dinge, wie ich sie zum Beispiel inauguriert habe mit meiner «Philosophie der Freiheit» oder dergleichen, Verständnis zu gewinnen oder nicht. Nicht wahr, jeder tut dasjenige, was er tun kann, was in seinem Karma, in seiner Richtung liegt. Von den Dingen, die ich selber getan habe, möchte ich eben gerade hervorheben. die Produktion von Gedanken, die dem sozialen Leben eine Struktur geben können, und von denen ich im Anfange der neunziger Jahre, vor einem Vierteljahrhundert eben hoffte, daß sie schon dazumal einen Resonanzboden finden könnten, von denen ich heute wiederum hoffe, daß sie einen Resonanzboden finden könnten, nachdem nach einem Vierteljahrhundert nun die zweite Auflage erschienen ist, vielleicht einen Resonanzboden finden werden, nicht nur trotz, sondern wegen der schwierigen Zeiten, die jetzt beginnen.

[ 38 ] But this is meant to show you that abstract programs and so-called ideals—no matter how nice they may sound—are of no use at all today; that today you simply have to find out what people want. But you don’t find that out by negotiating with them, because they are, of course, far from revealing anything about themselves when you negotiate with them. One must not merely negotiate, not merely live with them; one must learn to think with them, one must learn to feel with them. And one must then feel a commitment, a sense of duty, to ensure that what has been bestowed upon one through karma is now actually used in an appropriate way. The extent to which the terrible storms looming on the horizon today can be turned to good will depend entirely on whether or not we begin to gain an understanding of such things as I have, for example, initiated with my *Philosophy of Freedom* or similar works. After all, everyone does what they can, what lies within their karma, within their own path. Of the things I have done myself, I would like to emphasize in particular the production of ideas that can give social life a structure—ideas that, in the early 1890s, a quarter-century ago, I hoped might find a receptive audience even then, and which I hope today might find a receptive audience now that, after a quarter-century, the second edition has been published, and perhaps will find an audience—not only in spite of, but precisely because of the difficult times that are now beginning.

[ 39 ] Das andere, das ich auch nicht unerwähnt lassen will, ist das, daß ich ja nur dadurch zu Einsichten kommen konnte auf dem Gebiete, von dem ich Ihnen auch heute gesprochen habe, wie überhaupt auf geisteswissenschaftlichem Gebiete, daß ich niemals in meinem Leben irgendeine Stellung angestrebt habe, die zusammenhing mit dem untergehenden Staatsbetriebe. Ich bin nie in einen Zusammenhang mit irgendeiner äußeren Anstellung in einem Staate gekommen, auch niemals mit irgendeiner sozialen Stellung, welche auf der Monopolisierung der Bildung beruht. Denn die Monopole auf die Bildung müssen alle im Grunde genommen angesehen werden als dasjenige, was die heutige Katastrophe mit herbeigeführt hat, das Arzt-Monopol und so weiter, und was sonst auf diese Weise konfundiert ist. Denn Freiheit in bezug auf das Geistige ist nur dann nicht von Schaden, wenn das Geistige im Geistigen stehenbleibt. Sobald irgendwie, was heute und seit langer Zeit immer geschieht, das Geistige, das heißt die Aneignung von Fähigkeiten, konfundiert wird mit der Möglichkeit, aus Unternehmergewinn privaten Erwerb zu machen, so daß der private Erwerb, der aus dem Unternehmertum gezogen ist, irgendwie eine Rolle spielen kann bei der Verwertung des Geistigen — alles das, was auf diesem Wege geschieht, ist etwas, was nur die tiefsten Schäden herbeiführen kann gegenüber dem, was in der Zukunft notwendig ist. Alle diese Dinge, die ich da berühre, sie hängen wiederum zusammen mit grundlegenden Dingen, die in alles Leben hineinspielen. Der innigste Zusammenhang ist ja zwischen den geistigen Fähigkeiten und dem Unternehmergewinn auf dem Gebiete des — mit Respekt zu vermelden — Journalismus eingetreten, der heute alle Welt beherrscht und von dem eben vielesandere abhängig ist.

[ 39 ] The other point I do not wish to leave unmentioned is that I was only able to gain insights in the field I have spoken to you about today—and indeed in the field of spiritual science in general—because I have never in my life sought any position connected with the declining state apparatus. I have never been involved in any external government position, nor have I ever held any social position based on the monopolization of education. For all monopolies on education must, in essence, be regarded as factors that have contributed to today’s catastrophe—the medical monopoly and so on, and whatever else is entangled in this way. For freedom with regard to the spiritual is only harmless when the spiritual remains within the spiritual. As soon as—as is always the case today and has been for a long time—the spiritual, that is, the acquisition of abilities, is conflated with the possibility of turning entrepreneurial profit into private gain, so that private gain derived from entrepreneurship can somehow play a role in the exploitation of the spiritual—everything that happens in this way is something that can only cause the deepest harm to what will be necessary in the future. All these issues I am touching upon here are, in turn, connected to fundamental aspects that play a role in all of life. The most intimate connection has, in fact, arisen between intellectual abilities and entrepreneurial profit in the field of—with all due respect—journalism, which today dominates the entire world and on which so many other things depend.

[ 40 ] Ich müßte lange Zeit so fortreden, wenn ich Ihnen eben weiteres sagen wollte. Allein ich habe heute ja Ihre Zeit schon recht lange in Anspruch genommen und wir werden hoffentlich in den nächsten Tagen darüber weitersprechen können, obwohl man ja jetzt nicht wissen kann, ob nicht von heute auf morgen einmal eine Notwendigkeit eintritt, von hier wegzugehen, oder, nicht wahr, so etwas dergleichen. Man kann heute, wo Tage Jahrzehnte bedeuten, nichts anderes sagen als: Es muß der Moment ergriffen werden und im Momente das Notwendige getan werden. — Also damit muß auch innerhalb unseres engsten Kreises gerechnet werden. Aber ich hoffe, daß wir Freitag spätestens wiederum weitersprechen können. Wenn irgend etwas geschehen sollte, so werde ich dafür sorgen, daß wir wenigstens einiges andere, was wir gerade auf diesem Gebiete sagen möchten, hier noch besprechen könnten. Aber sonst werden wir Freitag, Sonnabend und Sonntag unsere Betrachtungen fortsetzen und dann das erreichen — ich habe es heute nicht mehr erreichen können —, was ich eben anstrebe: nun wiederum gerade sowohl, was die heutigen Völkerschicksale betrifft, wie auch, was die soziale Frage betrifft, das Ganze nach noch tieferen, geisteswissenschaftlich-anthroposophischen Grundlagen aufzusuchen.

[ 40 ] I would have to go on talking for quite some time if I were to tell you more. But I’ve already taken up quite a bit of your time today, and hopefully we’ll be able to continue this discussion in the next few days—though of course one can’t know now whether a necessity might arise overnight to leave here, or something like that, can’t one? Today, when days mean decades, one can say nothing other than: One must seize the moment and do what is necessary in that moment. — So we must also be prepared for this within our innermost circle. But I hope that we can continue our discussion again by Friday at the latest. Should anything happen, I will make sure that we can at least discuss a few other things here that we would like to say in this very area. Otherwise, we will continue our reflections on Friday, Saturday, and Sunday and then achieve—what I was unable to achieve today—what I am striving for: namely, to explore the whole matter—both with regard to the destinies of nations today and with regard to the social question—on even deeper, spiritual-scientific and anthroposophical foundations.