The Fundamental Social Demand of Our Time
In a Different Context
GA 186
29 November 1918, Dornach
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Die soziale Grundforderung unserer Zeit
Erster Vortrag
Erster Vortrag
[ 1 ] Das letztemal habe ich in den Betrachtungen, die aus den Ereignissen der Zeit angestellt werden hier in unserer Mitte, auf die durch die heutigen Zeitimpulse gegebenen Notwendigkeiten einer sozialen Gestaltung hingewiesen. Nicht ist es etwa ein Programm, das ich entwickeln wollte, das betone ich ausdrücklich; denn Sie wissen, von Programmen halte ich ganz und gar nichts, Programme sind Abstraktionen. Dasjenige, wovon ich Ihnen gesprochen habe, soll keine Abstraktion bedeuten, sondern soll eine Wirklichkeit bedeuten. Ich habe den verschiedenen Leuten, zu denen ich im Lauf der letzten Jahre von diesen sozialen Impulsen als von einer Notwendigkeit gesprochen habe, die Sache in der folgenden Weise dargestellt. Ich habe gesagt: Das, was hier gemeint ist, und was ganz und gar kein abstraktes Programm ist, das will sich durch die historischen Impulse in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren in der Welt verwirklichen. Sie haben die Wahl — so konnte man dazumal zu den Leuten, die noch die Wahl hatten, sprechen; heute haben sie sie nicht mehr —, entweder Vernunft anzunehmen und sich auf solche Dinge einzulassen, oder aber zu erleben, daß die Dinge sich durch Kataklysmen, durch Revolutionen in der chaotischsten Weise verwirklichen werden. Eine andere Alternative gibt es eben für diese Dinge im Verlauf des weltgeschichtlichen Geschehens nicht. Und heute ist einmal die Anforderung, daß solche Dinge verstanden werden, die den wirklich in. der Welt wirksamen Impulsen entnommen sind. Heute ist eben nicht die Zeit, wie ich wiederholt betont habe, in der jeder sagen kann: Ich glaube, daß dies oder jenes geschieht oder geschehen soll, — sondern heute ist die Zeit, wo nur derjenige wirksam etwas über die Notwendigkeiten der Zeit zu sagen vermag, der in der Lage ist, das anzuschauen, was sich im Laufe der Zeit verwirklichen will.
[ 1 ] Das letztemal habe ich in den Betrachtungen, die aus den Ereignissen der Zeit angestellt werden hier in unserer Mitte, auf die durch die heutigen Zeitimpulse gegebenen Notwendigkeiten einer sozialen Gestaltung hingewiesen. Nicht ist es etwa ein Programm, das ich entwickeln wollte, das betone ich ausdrücklich; denn Sie wissen, von Programmen halte ich ganz und gar nichts, Programme sind Abstraktionen. Dasjenige, wovon ich Ihnen gesprochen habe, soll keine Abstraktion bedeuten, sondern soll eine Wirklichkeit bedeuten. Ich habe den verschiedenen Leuten, zu denen ich im Lauf der letzten Jahre von diesen sozialen Impulsen als von einer Notwendigkeit gesprochen habe, die Sache in der folgenden Weise dargestellt. Ich habe gesagt: Das, was hier gemeint ist, und was ganz und gar kein abstraktes Programm ist, das will sich durch die historischen Impulse in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren in der Welt verwirklichen. Sie haben die Wahl — so konnte man dazumal zu den Leuten, die noch die Wahl hatten, sprechen; heute haben sie sie nicht mehr —, entweder Vernunft anzunehmen und sich auf solche Dinge einzulassen, oder aber zu erleben, daß die Dinge sich durch Kataklysmen, durch Revolutionen in der chaotischsten Weise verwirklichen werden. Eine andere Alternative gibt es eben für diese Dinge im Verlauf des weltgeschichtlichen Geschehens nicht. Und heute ist einmal die Anforderung, daß solche Dinge verstanden werden, die den wirklich in. der Welt wirksamen Impulsen entnommen sind. Heute ist eben nicht die Zeit, wie ich wiederholt betont habe, in der jeder sagen kann: Ich glaube, daß dies oder jenes geschieht oder geschehen soll, — sondern heute ist die Zeit, wo nur derjenige wirksam etwas über die Notwendigkeiten der Zeit zu sagen vermag, der in der Lage ist, das anzuschauen, was sich im Laufe der Zeit verwirklichen will.
[ 2 ] Nun, vor allen Dingen handelt es sich darum, daß ich Ihnen natürlich nur eine Skizze geben konnte dessen, was von mir angesehen werden muß als eine Notwendigkeit, die sich verwirklichen will. Und ich will heute — ich möchte sagen, nur um eine Anknüpfung zu haben nur noch kurz wiederholen, daß es sich darum gehandelt hat, daß diese Konfusion der sozialen Struktur, welche allmählich zu diesen katastrophalen Ereignissen der letzten Jahre in der ganzen Welt geführt hat, daß diese Konfusion ersetzt werden muß, einfach ersetzt werden muß durch jene Dreigliederung der sozialen Struktur, von der ich Ihnen das letztemal gesprochen habe. Sie haben gesehen, daß diese Dreigliederung darauf hinausläuft, daß dasjenige, was bisher in konfuser Weise der einheitlichen, scheinbar einheitlichen Staatsorganisation zugrunde lag, daß das in getrennte Gebiete sich auflösen muß. Es wird sich auflösen in die drei Gebiete, von denen ich das erste bezeichnet habe als das der politischen oder Sicherheitsordnung; das zweite als das Gebiet der sozialen Organisation, der wirtschaftlichen Organisation; das dritte als das Gebiet der freien geistigen Produktion. Diese drei Dinge werden sich — und zwar schon im Laufe der nächsten Jahrzehnte wird sich das auch denjenigen Leuten zeigen, die unwillig sind, es heute zu verstehen —, diese drei Gebiete werden sich selbständig nach jeder Richtung hin gliedern. Und man entkommt den großen Gefahren, denen die Welt sonst auch weiter entgegengeht, nur, wenn man sich darauf einläßt, diese Dinge zu verstehen. Verstehen wird man sie aber nur, wenn man wirklich auf die Dinge eingeht. Ich möchte, damit das Folgende nicht mißverstanden werde, noch einmal betonen: Die soziale Frage haben wir weder zu schaffen, noch irgendwie theoretisch über sie zu diskutieren. Durch die letzten Betrachtungen werden Sie gesehen haben, daß sie da ist, daß sie als ein Faktum, als eine Tatsache hingenommen werden muß, und daß sie nur in der entsprechenden Weise erfaßt und verstanden werden muß, wie ein Naturereignis.
[ 2 ] Nun, vor allen Dingen handelt es sich darum, daß ich Ihnen natürlich nur eine Skizze geben konnte dessen, was von mir angesehen werden muß als eine Notwendigkeit, die sich verwirklichen will. Und ich will heute — ich möchte sagen, nur um eine Anknüpfung zu haben nur noch kurz wiederholen, daß es sich darum gehandelt hat, daß diese Konfusion der sozialen Struktur, welche allmählich zu diesen katastrophalen Ereignissen der letzten Jahre in der ganzen Welt geführt hat, daß diese Konfusion ersetzt werden muß, einfach ersetzt werden muß durch jene Dreigliederung der sozialen Struktur, von der ich Ihnen das letztemal gesprochen habe. Sie haben gesehen, daß diese Dreigliederung darauf hinausläuft, daß dasjenige, was bisher in konfuser Weise der einheitlichen, scheinbar einheitlichen Staatsorganisation zugrunde lag, daß das in getrennte Gebiete sich auflösen muß. Es wird sich auflösen in die drei Gebiete, von denen ich das erste bezeichnet habe als das der politischen oder Sicherheitsordnung; das zweite als das Gebiet der sozialen Organisation, der wirtschaftlichen Organisation; das dritte als das Gebiet der freien geistigen Produktion. Diese drei Dinge werden sich — und zwar schon im Laufe der nächsten Jahrzehnte wird sich das auch denjenigen Leuten zeigen, die unwillig sind, es heute zu verstehen —, diese drei Gebiete werden sich selbständig nach jeder Richtung hin gliedern. Und man entkommt den großen Gefahren, denen die Welt sonst auch weiter entgegengeht, nur, wenn man sich darauf einläßt, diese Dinge zu verstehen. Verstehen wird man sie aber nur, wenn man wirklich auf die Dinge eingeht. Ich möchte, damit das Folgende nicht mißverstanden werde, noch einmal betonen: Die soziale Frage haben wir weder zu schaffen, noch irgendwie theoretisch über sie zu diskutieren. Durch die letzten Betrachtungen werden Sie gesehen haben, daß sie da ist, daß sie als ein Faktum, als eine Tatsache hingenommen werden muß, und daß sie nur in der entsprechenden Weise erfaßt und verstanden werden muß, wie ein Naturereignis.
[ 3 ] Nun werden Sie gesehen haben, daß alles dasjenige, was ich letzten Sonntag hier als die notwendigen Impulse der Zukunft entwickelt habe, geeignet ist, die Reste, die geblieben sind in unserer sozialen Struktur aus alten Zeiten, und von denen wir ganz durchwühlt sind, rechtmäßig, gesetzmäßig zu überwinden. Vor allen Dingen werden Sie ersehen, wenn Sie tiefer nachdenken werden über die praktischen Ergebnisse dessen, was ich am letzten Sonntag vorgebracht habe, daß diese praktischen Ergebnisse jener sozialen Struktur, von der ich gesprochen habe, geeignet sind, dasjenige zu überwinden, und zwar sachgemäß zu überwinden, was unsachgemäß von denen überwunden werden will, die sich Sozialisten nennen, die aber mehr von Illusionen als von Wirklichkeiten leben. Was überwunden werden muß — wie gesagt, bei tieferem Nachdenken wird Ihnen das schon aus dem am letzten Sonntag Gesagten hervorgehen —, ist die Gliederung der sozialen Struktur nach Ständen. Was errungen werden muß im Sinne des Bewußtseinszeitalters, in dem wir leben, des fünften nachatlantischen Zeitraumes, ist, daß an die Stelle der alten Ständegliederungen der Mensch tritt. Daher wäre es ganz verhängnisvoll, wenn man verwechseln würde, was ich letzten Sonntag hier entwickelt habe, mit dem, was eben vielfach hereinragt aus überlebten Zeiten in unsere gegenwärtige soziale Gliederung. Aus dem Griechentum ragt herein in unsere soziale Gliederung dasjenige, was durch die Regeln, die im Weltgeschehen sind, überwunden werden will: die Gliederung der Menschheit in Nährstand, Wehrstand, Lehrstand. Das soll gerade durch das, was ich Ihnen am letzten Sonntag angegeben habe, überwunden werden; denn die Gliederung nach Ständen, die ist es, welche das Chaos in unsere gegenwärtige soziale Struktur hereinträgt. Diese Gliederung wird gerade überwunden dadurch, daß nun nicht nach derjenigen Gliederung, von der ich am letzten Sonntag hier gesprochen habe, die Menschen eingeteilt werden irgendwie nach Ständen. Diese Stände werden ganz naturgemäß verschwinden. Dahin geht die historische Notwendigkeit, daß die Verhältnisse gegliedert werden und der Mensch gerade als Mensch, als lebendiges Wesen, nicht als Abstraktum, sondern als lebendiges Wesen die Verbindung zwischen den drei Gliedern hervorruft. Nicht um eine Gliederung nach Nährstand, Wehrstand und Lehrstand handelt es sich, wenn ich davon spreche, daß man entgegengehen muß der politischen Gerechtigkeit, der ökonomischen Organisation, der freien geistigen Produktion, sondern darum, daß die Verhältnisse in dieser Weise gegliedert werden, und daß der Mensch als solcher gar nicht mehr einem Stande angehören kann, wenn die Verhältnisse in dieser Weise sich wirklich gliedern. Der Mensch steht als Mensch innerhalb der sozialen Struktur und bildet gerade das Verbindungsglied zwischen dem, was in den Verhältnissen gegliedert ist. Nicht ein besonderer ökonomischer Stand, ein besonderer Nährstand wird da sein, sondern eine Struktur ökonomischer Verhältnisse wird da sein. Ebenso wird nicht ein besonderer Lehrstand da sein, sondern die Verhältnisse werden so sein, daß die geistige Produktion in sich frei ist. Und ebenso wird nicht ein besonderer Wehrstand da sein, sondern immer mehr und mehr wird das, was jetzt in der Konfusion für alle drei Glieder angestrebt wird, für das erste Glied in einer liberal-demokratischen Weise angestrebt werden müssen.
[ 3 ] Nun werden Sie gesehen haben, daß alles dasjenige, was ich letzten Sonntag hier als die notwendigen Impulse der Zukunft entwickelt habe, geeignet ist, die Reste, die geblieben sind in unserer sozialen Struktur aus alten Zeiten, und von denen wir ganz durchwühlt sind, rechtmäßig, gesetzmäßig zu überwinden. Vor allen Dingen werden Sie ersehen, wenn Sie tiefer nachdenken werden über die praktischen Ergebnisse dessen, was ich am letzten Sonntag vorgebracht habe, daß diese praktischen Ergebnisse jener sozialen Struktur, von der ich gesprochen habe, geeignet sind, dasjenige zu überwinden, und zwar sachgemäß zu überwinden, was unsachgemäß von denen überwunden werden will, die sich Sozialisten nennen, die aber mehr von Illusionen als von Wirklichkeiten leben. Was überwunden werden muß — wie gesagt, bei tieferem Nachdenken wird Ihnen das schon aus dem am letzten Sonntag Gesagten hervorgehen —, ist die Gliederung der sozialen Struktur nach Ständen. Was errungen werden muß im Sinne des Bewußtseinszeitalters, in dem wir leben, des fünften nachatlantischen Zeitraumes, ist, daß an die Stelle der alten Ständegliederungen der Mensch tritt. Daher wäre es ganz verhängnisvoll, wenn man verwechseln würde, was ich letzten Sonntag hier entwickelt habe, mit dem, was eben vielfach hereinragt aus überlebten Zeiten in unsere gegenwärtige soziale Gliederung. Aus dem Griechentum ragt herein in unsere soziale Gliederung dasjenige, was durch die Regeln, die im Weltgeschehen sind, überwunden werden will: die Gliederung der Menschheit in Nährstand, Wehrstand, Lehrstand. Das soll gerade durch das, was ich Ihnen am letzten Sonntag angegeben habe, überwunden werden; denn die Gliederung nach Ständen, die ist es, welche das Chaos in unsere gegenwärtige soziale Struktur hereinträgt. Diese Gliederung wird gerade überwunden dadurch, daß nun nicht nach derjenigen Gliederung, von der ich am letzten Sonntag hier gesprochen habe, die Menschen eingeteilt werden irgendwie nach Ständen. Diese Stände werden ganz naturgemäß verschwinden. Dahin geht die historische Notwendigkeit, daß die Verhältnisse gegliedert werden und der Mensch gerade als Mensch, als lebendiges Wesen, nicht als Abstraktum, sondern als lebendiges Wesen die Verbindung zwischen den drei Gliedern hervorruft. Nicht um eine Gliederung nach Nährstand, Wehrstand und Lehrstand handelt es sich, wenn ich davon spreche, daß man entgegengehen muß der politischen Gerechtigkeit, der ökonomischen Organisation, der freien geistigen Produktion, sondern darum, daß die Verhältnisse in dieser Weise gegliedert werden, und daß der Mensch als solcher gar nicht mehr einem Stande angehören kann, wenn die Verhältnisse in dieser Weise sich wirklich gliedern. Der Mensch steht als Mensch innerhalb der sozialen Struktur und bildet gerade das Verbindungsglied zwischen dem, was in den Verhältnissen gegliedert ist. Nicht ein besonderer ökonomischer Stand, ein besonderer Nährstand wird da sein, sondern eine Struktur ökonomischer Verhältnisse wird da sein. Ebenso wird nicht ein besonderer Lehrstand da sein, sondern die Verhältnisse werden so sein, daß die geistige Produktion in sich frei ist. Und ebenso wird nicht ein besonderer Wehrstand da sein, sondern immer mehr und mehr wird das, was jetzt in der Konfusion für alle drei Glieder angestrebt wird, für das erste Glied in einer liberal-demokratischen Weise angestrebt werden müssen.
[ 4 ] Darum handelt es sich gerade, daß der Fortgang von der alten Zeit zur neuen Zeit notwendig macht, den Menschen als Menschen in der Welt hingestellt zu sehen. Nicht anders bekommen wir die Möglichkeit eines Verständnisses dessen, was unsere Zeit fordert, als dadurch, daß wir uns in die Lage versetzen, den Menschen wirklich als Menschen zu verstehen. Das kann natürlich nur geschehen von denjenigen Empfindungen, die aus Geisteswissenschaft heraus hervorgebracht werden.
[ 4 ] Darum handelt es sich gerade, daß der Fortgang von der alten Zeit zur neuen Zeit notwendig macht, den Menschen als Menschen in der Welt hingestellt zu sehen. Nicht anders bekommen wir die Möglichkeit eines Verständnisses dessen, was unsere Zeit fordert, als dadurch, daß wir uns in die Lage versetzen, den Menschen wirklich als Menschen zu verstehen. Das kann natürlich nur geschehen von denjenigen Empfindungen, die aus Geisteswissenschaft heraus hervorgebracht werden.
[ 5 ] Nun muß das, was ich Ihnen entwickelt habe, wie ich schon neulich sagte, auf einem breiten, welthistorischen Tableau gesehen werden. Einiges von dem Inhalte dieses Tableaus habe ich Ihnen angegeben. Damit ich nun weiter fortschreiten kann in der Schilderung solcher Verhältnisse, wie ich am letzten Sonntag zu schildern begonnen habe, möchte ich heute, ich möchte sagen, mehr aus dem Okkulten heraus, nochmals eine Grundlage schaffen, um Ihnen zu zeigen, daß diese Dinge nicht so genommen werden können, daß jeder sich etwas ausdenkt, was gar nicht die tatsächlichen Verhältnisse berücksichtigt, sondern daß die Dinge so genommen werden müssen, daß wirklich aus der Bewegung der Tatsachen heraus die Dinge geschaut werden. Da muß ich davon ausgehen, daß vor allen Dingen die soziale Struktur sich aufbauen muß auf dem sozialen Verständnis. Das ist es ja, was gerade gefehlt hat seit Jahrzehnten. Es ist das Feld, das man da berührt, auf dem die meisten Fehler gemacht worden sind. Soziales Verständnis war bei der allergrößten Mehrzahl der Menschen der führenden Stände nicht im geringsten vorhanden. Deshalb braucht man sich gar nicht zu wundern, daß solche Umschwünge, wie jetzt in Mitteleuropa, den Leuten wie etwas vorkommen, das aus der Erde herauswächst, worauf sie gar nicht vorbereitet waren. Wer soziales Verständnis hatte, dem kommt das nicht unvorbereitet. Aber ich fürchte, die Menschen werden auch weiterhin von derselben Gesinnung sich durchdringen, von der sie sich durchdrungen haben vor dem Jahre 1914. Wie ihnen dazumal der selbstverständlich über allen Häuptern schwebende Weltkrieg überraschend gekommen ist, so werden in einer noch wichtigeren Sache die Menschen sich geradeso verhalten. Sie werden auch wiederum schlafend hereinbrechen lassen, was sich als soziale Bewegung über die Welt hin verbreitet. Das eben wird vielleicht ebensowenig zu verhindern sein bei der gegenwärtigen Denkträgheit der Menschheit, als zu verhindern war, daß die Menschen unvorbereitet die jetzige Katastrophe über sich haben hereinbrechen lassen.
[ 5 ] Nun muß das, was ich Ihnen entwickelt habe, wie ich schon neulich sagte, auf einem breiten, welthistorischen Tableau gesehen werden. Einiges von dem Inhalte dieses Tableaus habe ich Ihnen angegeben. Damit ich nun weiter fortschreiten kann in der Schilderung solcher Verhältnisse, wie ich am letzten Sonntag zu schildern begonnen habe, möchte ich heute, ich möchte sagen, mehr aus dem Okkulten heraus, nochmals eine Grundlage schaffen, um Ihnen zu zeigen, daß diese Dinge nicht so genommen werden können, daß jeder sich etwas ausdenkt, was gar nicht die tatsächlichen Verhältnisse berücksichtigt, sondern daß die Dinge so genommen werden müssen, daß wirklich aus der Bewegung der Tatsachen heraus die Dinge geschaut werden. Da muß ich davon ausgehen, daß vor allen Dingen die soziale Struktur sich aufbauen muß auf dem sozialen Verständnis. Das ist es ja, was gerade gefehlt hat seit Jahrzehnten. Es ist das Feld, das man da berührt, auf dem die meisten Fehler gemacht worden sind. Soziales Verständnis war bei der allergrößten Mehrzahl der Menschen der führenden Stände nicht im geringsten vorhanden. Deshalb braucht man sich gar nicht zu wundern, daß solche Umschwünge, wie jetzt in Mitteleuropa, den Leuten wie etwas vorkommen, das aus der Erde herauswächst, worauf sie gar nicht vorbereitet waren. Wer soziales Verständnis hatte, dem kommt das nicht unvorbereitet. Aber ich fürchte, die Menschen werden auch weiterhin von derselben Gesinnung sich durchdringen, von der sie sich durchdrungen haben vor dem Jahre 1914. Wie ihnen dazumal der selbstverständlich über allen Häuptern schwebende Weltkrieg überraschend gekommen ist, so werden in einer noch wichtigeren Sache die Menschen sich geradeso verhalten. Sie werden auch wiederum schlafend hereinbrechen lassen, was sich als soziale Bewegung über die Welt hin verbreitet. Das eben wird vielleicht ebensowenig zu verhindern sein bei der gegenwärtigen Denkträgheit der Menschheit, als zu verhindern war, daß die Menschen unvorbereitet die jetzige Katastrophe über sich haben hereinbrechen lassen.
[ 6 ] Um was es sich handelt, ist, daß man vor allen Dingen sich bekanntmacht damit, daß ja die Menschen über die Erde hin wirklich nicht aus abstrakten Ideen heraus nach der einen oder anderen Richtung hin handeln, sondern daß in dem Augenblicke, wo ihr Handeln sozialen Effekt hat, sie so handeln, wie die im Weltgeschehen, in das der Mensch eingespannt ist, liegenden Impulse die Menschen veranlassen zu handeln. Eine elementare Tatsache wird heute noch — ich spreche aus Erfahrung, denn ich war genötigt, über diese Dinge in den letzten Jahren mit den Menschen mannigfaltigster Berufe und Stände zu sprechen, und weiß, wie man ankam, wenn man über diese Dinge sprach von den Menschen ganz außer acht gelassen. Das ist diese, daß die Menschen des Ostens und des Westens — an der zukünftigen Gestaltung der Dinge werden alle Menschen teilnehmen — ganz verschieden sind in bezug auf ihre Impulse, ganz verschieden sind in bezug auf dasjenige, was sie wollen. Ja, wenn man immer nur den allernächsten sozialen Umkreis in Frage zieht, so kann man zu keinem klaren Urteil kommen über das, was in der Welt notwendigerweise vorgeht. Zu einem klaren Urteil kommt man nur, wenn man die Dinge wirklich — ich muß noch einmal das Wort gebrauchen — nach den Impulsen des Weltgeschehens beurteilt. Mitreden werden die Menschen des Westens, also der europäischen westlichen Staaten mit dem amerikanischen Anhang, mitreden werden die Menschen des europäischen Ostens mit dem asiatischen Hinterlande in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten; aber sie werden in ganz verschiedener Weise sprechen, weil die Menschen über die Erde hin notwendigerweise verschiedene Vorstellungen haben über das, was der Mensch als Bedürfnis seiner Menschenwürde und seines Menschenwesens hier auf der Erde empfindet und empfinden muß. Darüber kann man nicht sprechen, wenn man sich nicht darüber klar sein will, daß in der Zukunft gewisse Dinge auftreten müssen, welche die Menschen am liebsten vermeiden wollten.
[ 6 ] Um was es sich handelt, ist, daß man vor allen Dingen sich bekanntmacht damit, daß ja die Menschen über die Erde hin wirklich nicht aus abstrakten Ideen heraus nach der einen oder anderen Richtung hin handeln, sondern daß in dem Augenblicke, wo ihr Handeln sozialen Effekt hat, sie so handeln, wie die im Weltgeschehen, in das der Mensch eingespannt ist, liegenden Impulse die Menschen veranlassen zu handeln. Eine elementare Tatsache wird heute noch — ich spreche aus Erfahrung, denn ich war genötigt, über diese Dinge in den letzten Jahren mit den Menschen mannigfaltigster Berufe und Stände zu sprechen, und weiß, wie man ankam, wenn man über diese Dinge sprach von den Menschen ganz außer acht gelassen. Das ist diese, daß die Menschen des Ostens und des Westens — an der zukünftigen Gestaltung der Dinge werden alle Menschen teilnehmen — ganz verschieden sind in bezug auf ihre Impulse, ganz verschieden sind in bezug auf dasjenige, was sie wollen. Ja, wenn man immer nur den allernächsten sozialen Umkreis in Frage zieht, so kann man zu keinem klaren Urteil kommen über das, was in der Welt notwendigerweise vorgeht. Zu einem klaren Urteil kommt man nur, wenn man die Dinge wirklich — ich muß noch einmal das Wort gebrauchen — nach den Impulsen des Weltgeschehens beurteilt. Mitreden werden die Menschen des Westens, also der europäischen westlichen Staaten mit dem amerikanischen Anhang, mitreden werden die Menschen des europäischen Ostens mit dem asiatischen Hinterlande in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten; aber sie werden in ganz verschiedener Weise sprechen, weil die Menschen über die Erde hin notwendigerweise verschiedene Vorstellungen haben über das, was der Mensch als Bedürfnis seiner Menschenwürde und seines Menschenwesens hier auf der Erde empfindet und empfinden muß. Darüber kann man nicht sprechen, wenn man sich nicht darüber klar sein will, daß in der Zukunft gewisse Dinge auftreten müssen, welche die Menschen am liebsten vermeiden wollten.
[ 7 ] Ich habe schon am letzten Sonntag davon gesprochen, daß es einfach untunlich ist, daß wirksame, fruchtbare soziale Ideen in der Zukunft auf einem anderen Wege gefunden werden als auf dem, der dahin führt, die Wahrheiten zu suchen jenseits der Schwelle des gewöhnlichen physischen Bewußtseins. Innerhalb des gewöhnlichen physischen Bewußtseins finden sich keine wirksamen sozialen Ideen. Und so müssen sie an die Menschen herantreten, wie ich das am letzten Sonntag beschrieben habe, diese sozialen, wirklich wirksamen Ideen. Aber dadurch ist zu gleicher Zeit gegeben, daß man sich nicht wird scheuen dürfen, in der Zukunft sich, so gut es jeder kann, bekanntzumachen mit dem, was eigentlich die Schwelle zur geistigen Welt ist. Auf dem Gebiete des alltäglichen Lebens, auf dem Gebiete auch der Wissenschaft können die Leute noch lange forttrotten, ohne daß sie Bekanntschaft machen mit dem, was die Schwelle der geistigen Welt ist. Da läßt sich zur Not ohne sie auskommen. Mit Bezug auf das soziale Leben läßt sich nicht auskommen, ohne aufmerksam zu werden auf das, was hier immer genannt worden ist die Schwelle der geistigen Welt. Denn es liegt in den Menschen der Gegenwart, zwar noch unbewußt, aber es strebt immer mehr und mehr ins Bewußtsein herauf, der Trieb, eine solche soziale Struktur herbeizuführen, die jeden Menschen in entsprechender Weise Mensch sein läßt auf der Erde.
[ 7 ] Ich habe schon am letzten Sonntag davon gesprochen, daß es einfach untunlich ist, daß wirksame, fruchtbare soziale Ideen in der Zukunft auf einem anderen Wege gefunden werden als auf dem, der dahin führt, die Wahrheiten zu suchen jenseits der Schwelle des gewöhnlichen physischen Bewußtseins. Innerhalb des gewöhnlichen physischen Bewußtseins finden sich keine wirksamen sozialen Ideen. Und so müssen sie an die Menschen herantreten, wie ich das am letzten Sonntag beschrieben habe, diese sozialen, wirklich wirksamen Ideen. Aber dadurch ist zu gleicher Zeit gegeben, daß man sich nicht wird scheuen dürfen, in der Zukunft sich, so gut es jeder kann, bekanntzumachen mit dem, was eigentlich die Schwelle zur geistigen Welt ist. Auf dem Gebiete des alltäglichen Lebens, auf dem Gebiete auch der Wissenschaft können die Leute noch lange forttrotten, ohne daß sie Bekanntschaft machen mit dem, was die Schwelle der geistigen Welt ist. Da läßt sich zur Not ohne sie auskommen. Mit Bezug auf das soziale Leben läßt sich nicht auskommen, ohne aufmerksam zu werden auf das, was hier immer genannt worden ist die Schwelle der geistigen Welt. Denn es liegt in den Menschen der Gegenwart, zwar noch unbewußt, aber es strebt immer mehr und mehr ins Bewußtsein herauf, der Trieb, eine solche soziale Struktur herbeizuführen, die jeden Menschen in entsprechender Weise Mensch sein läßt auf der Erde.
[ 8 ] Wenig klar, aber doch immerhin instinktiv, fühlen die Menschen auf den verschiedensten Territorien unserer Erde, was das ist, Menschenwürde, menschenwürdiges Dasein und so weiter. Der abstrakte Sozialdemokrat von heute glaubt, daß man ohne weiteres international ausdrücken kann, was Menschenwürde, Menschenrecht und so weiter ist. Das kann man nicht, denn notwendigerweise muß man, wenn man das zum Ausdrucke bringen will, daran denken, daß die eigentliche Vorstellung vom Menschen weset hinter der Schwelle zur geistigen Welt, denn der Mensch gehört ja der geistig-seelischen Welt an. Also kann die völlig zutreffende, die umfassende Vorstellung desjenigen, was der Mensch ist, nur von jenseits der Schwelle der geistigen Welt kommen. Sie kommt in Wirklichkeit auch daher. Denn wenn Ihnen auch der Amerikaner oder Brite oder Franzose oder Deutsche oder der Chinese, der Japaner, der Russe vom Menschen spricht und Ihnen noch so ungenügende Begriffe, ungenügende Vorstellungen vorsagt — in seinem Unterbewußtsein ruht etwas viel Umfassenderes, aber etwas, was erfaßt werden muß. Und das, was da ruht, dieses Umfassendere, das strebt herein ins Bewußtsein. Wir können also sagen: Es ist einmal so weit gekommen in der weltgeschichtlichen Entwickelung, daß in den Menschenherzen ein Bild des Menschen lebt. Und ohne aufmerksam zu sein auf dieses Bild des Menschen, kann kein soziales Verständnis sich entwickeln. Dieses Bild lebt; aber es lebt im Unterbewußten. In dem Augenblicke, wo es heraufstrebt ins Bewußtsein, und wo es wirklich ins Bewußtsein eintritt, kann es nur erfaßt werden mit den Fähigkeiten — wenigstens mit den begriffenen, mit den verstandenen Fähigkeiten —, mit den durch den gesunden Menschenverstand aufgenommenen Fähigkeiten jenes Bewußtseins, das übersinnlicher Natur ist. In den Menschen, die heute sozial streben, lebt ein Bild des Menschen, das so lange unbewußt bleiben kann, instinktiv bleiben kann, solange im Menschen nicht der Trieb erwacht, die Sache zur Klarheit zu bringen. Will er sie aber zur Klarheit bringen, so kann er es nur dadurch, daß er die Sache in jenem Lichte sieht, das von jenseits der Schwelle kommt. Und da stellt sich für den objektiven geistigen Beobachter heraus, daß das Bild des Menschen, das da instinktiv spukt in den Seelen, beim Menschen des Westens ganz verschieden ist als beim Menschen des Ostens. Und das wird eine ungeheuer wichtige Frage sein in der Zukunft. Sie spielt hinein in alle tatsächlichen Verhältnisse. Sie spielt hinein in den russischen Wirrwarr, sie spielt hinein in die mitteleuropäische Revolution, sie spielt hinein in die Konfusion, die sich im Westen vorbereitet, bis nach Amerika hinüber. Mit anderen Worten: Das, was sich vorbereitet, muß angeschaut werden, wenn es verstanden werden soll, im Lichte des übersinnlichen Bewußtseins. Es muß erfaßt werden mit den Fähigkeiten, die aus dem übersinnlichen Bewußtsein kommen. Denn es gibt keinen Weg vom sinnlichen Bewußtsein aus, dasjenige zu verstehen, was instinktiv als Menschenbild sowohl bei dem Menschen des Westens wie bei dem Menschen des Ostens vorhanden ist.
[ 8 ] Wenig klar, aber doch immerhin instinktiv, fühlen die Menschen auf den verschiedensten Territorien unserer Erde, was das ist, Menschenwürde, menschenwürdiges Dasein und so weiter. Der abstrakte Sozialdemokrat von heute glaubt, daß man ohne weiteres international ausdrücken kann, was Menschenwürde, Menschenrecht und so weiter ist. Das kann man nicht, denn notwendigerweise muß man, wenn man das zum Ausdrucke bringen will, daran denken, daß die eigentliche Vorstellung vom Menschen weset hinter der Schwelle zur geistigen Welt, denn der Mensch gehört ja der geistig-seelischen Welt an. Also kann die völlig zutreffende, die umfassende Vorstellung desjenigen, was der Mensch ist, nur von jenseits der Schwelle der geistigen Welt kommen. Sie kommt in Wirklichkeit auch daher. Denn wenn Ihnen auch der Amerikaner oder Brite oder Franzose oder Deutsche oder der Chinese, der Japaner, der Russe vom Menschen spricht und Ihnen noch so ungenügende Begriffe, ungenügende Vorstellungen vorsagt — in seinem Unterbewußtsein ruht etwas viel Umfassenderes, aber etwas, was erfaßt werden muß. Und das, was da ruht, dieses Umfassendere, das strebt herein ins Bewußtsein. Wir können also sagen: Es ist einmal so weit gekommen in der weltgeschichtlichen Entwickelung, daß in den Menschenherzen ein Bild des Menschen lebt. Und ohne aufmerksam zu sein auf dieses Bild des Menschen, kann kein soziales Verständnis sich entwickeln. Dieses Bild lebt; aber es lebt im Unterbewußten. In dem Augenblicke, wo es heraufstrebt ins Bewußtsein, und wo es wirklich ins Bewußtsein eintritt, kann es nur erfaßt werden mit den Fähigkeiten — wenigstens mit den begriffenen, mit den verstandenen Fähigkeiten —, mit den durch den gesunden Menschenverstand aufgenommenen Fähigkeiten jenes Bewußtseins, das übersinnlicher Natur ist. In den Menschen, die heute sozial streben, lebt ein Bild des Menschen, das so lange unbewußt bleiben kann, instinktiv bleiben kann, solange im Menschen nicht der Trieb erwacht, die Sache zur Klarheit zu bringen. Will er sie aber zur Klarheit bringen, so kann er es nur dadurch, daß er die Sache in jenem Lichte sieht, das von jenseits der Schwelle kommt. Und da stellt sich für den objektiven geistigen Beobachter heraus, daß das Bild des Menschen, das da instinktiv spukt in den Seelen, beim Menschen des Westens ganz verschieden ist als beim Menschen des Ostens. Und das wird eine ungeheuer wichtige Frage sein in der Zukunft. Sie spielt hinein in alle tatsächlichen Verhältnisse. Sie spielt hinein in den russischen Wirrwarr, sie spielt hinein in die mitteleuropäische Revolution, sie spielt hinein in die Konfusion, die sich im Westen vorbereitet, bis nach Amerika hinüber. Mit anderen Worten: Das, was sich vorbereitet, muß angeschaut werden, wenn es verstanden werden soll, im Lichte des übersinnlichen Bewußtseins. Es muß erfaßt werden mit den Fähigkeiten, die aus dem übersinnlichen Bewußtsein kommen. Denn es gibt keinen Weg vom sinnlichen Bewußtsein aus, dasjenige zu verstehen, was instinktiv als Menschenbild sowohl bei dem Menschen des Westens wie bei dem Menschen des Ostens vorhanden ist.
[ 9 ] Um aber dieses Verständnis zu erwerben, ist es notwendig, daß Sie sich mit zwei Dingen, mit den zwei verschiedenen Gestalten bekanntmachen, in welchen beim Hüter der Schwelle ein Bestimmtes, im Menschen Instinktives, von dem er also eigentlich besessen ist, zum Ausdruck kommt. Denn sowohl im Westen als auch im Osten ist man davon besessen. Solange es instinktiv ist, ist man davon besessen, und erst wenn man zum klaren Bewußtsein kommt, ist man nicht mehr davon besessen. Es ist notwendig, daß Sie sich bekanntmachen mit der eigentümlichen Art, wie so etwas heraufsteigt jetzt in das wirkliche Bewußtsein, in das übersinnliche Bewußtsein, wovon der Mensch eigentlich unterbewußt besessen ist. In zweifacher Weise erfährt der Mensch beim Hüter der Schwelle, wie so etwas, was in seinen Instinkten rumort, was also nicht er selbst ist — denn nur, was man bewußt erfaßt, ist man selbst —, wie das vor ihm auftritt. Zwei Gestalten haben die Dinge, die instinktiv im Menschen diesen Menschen besessen machen, zwei Gestalten haben sie vor dem Hüter der Schwelle. Das heißt, kommt man zur Schwelle, dann stellt sich heraus: dasjenige, wovon man instinktiv besessen ist, hat entweder die eine oder die andere Gestalt. Die eine Gestalt kann man bezeichnen als die Gespenstgestalt. Das, wovon der Mensch instinktiv besessen ist, tritt in dem einen Falle so auf vor dem Hüter der Schwelle, daß es wie eine äußere Wahrnehmung ist; sie ist dann halluzinär, aber sie ist eine äußere Wahrnehmung, sie tritt tatsächlich vor den Menschen hin und kündigt sich dem Menschen wie eine äußere Wahrnehmung an. Das ist der Gespenstcharakter. Es kann also etwas, was instinktiv im Menschen lebt, was in ihm rumort, wenn er es bewußt kennenlernt beim Hüter der Schwelle, wo alle Instinkte auf hören, wo die Dinge anfangen, vollbewußt zu sein und in das freie Geistesleben sich einzugliedern, es kann vor dem Hüter der Schwelle ein solches instinktiv Lebendes als Gespenst auftreten. Dann ist man es los als Instinkt. Man darf sich nicht fürchten davor, daß so etwas als Gespenst auftritt, denn nur dadurch bekommt man es los, daß man es in der Objektivierung außen sieht, daß man das, was da in einem rumort, wirklich als Gespenst außen vor sich hat. Das ist die eine Form. Die andere Form, in der ein solches Instinktives auftreten kann, das ist die als Alp. Das ist nicht eine Wahrnehmung von außen, sondern eine bedrückende Empfindung oder auch eine Nachwirkung in einer Vision von dem, was einen. bedrückt, ein imaginatives Erlebnis, das man aber zugleich als Alpdruck empfindet.
[ 9 ] Um aber dieses Verständnis zu erwerben, ist es notwendig, daß Sie sich mit zwei Dingen, mit den zwei verschiedenen Gestalten bekanntmachen, in welchen beim Hüter der Schwelle ein Bestimmtes, im Menschen Instinktives, von dem er also eigentlich besessen ist, zum Ausdruck kommt. Denn sowohl im Westen als auch im Osten ist man davon besessen. Solange es instinktiv ist, ist man davon besessen, und erst wenn man zum klaren Bewußtsein kommt, ist man nicht mehr davon besessen. Es ist notwendig, daß Sie sich bekanntmachen mit der eigentümlichen Art, wie so etwas heraufsteigt jetzt in das wirkliche Bewußtsein, in das übersinnliche Bewußtsein, wovon der Mensch eigentlich unterbewußt besessen ist. In zweifacher Weise erfährt der Mensch beim Hüter der Schwelle, wie so etwas, was in seinen Instinkten rumort, was also nicht er selbst ist — denn nur, was man bewußt erfaßt, ist man selbst —, wie das vor ihm auftritt. Zwei Gestalten haben die Dinge, die instinktiv im Menschen diesen Menschen besessen machen, zwei Gestalten haben sie vor dem Hüter der Schwelle. Das heißt, kommt man zur Schwelle, dann stellt sich heraus: dasjenige, wovon man instinktiv besessen ist, hat entweder die eine oder die andere Gestalt. Die eine Gestalt kann man bezeichnen als die Gespenstgestalt. Das, wovon der Mensch instinktiv besessen ist, tritt in dem einen Falle so auf vor dem Hüter der Schwelle, daß es wie eine äußere Wahrnehmung ist; sie ist dann halluzinär, aber sie ist eine äußere Wahrnehmung, sie tritt tatsächlich vor den Menschen hin und kündigt sich dem Menschen wie eine äußere Wahrnehmung an. Das ist der Gespenstcharakter. Es kann also etwas, was instinktiv im Menschen lebt, was in ihm rumort, wenn er es bewußt kennenlernt beim Hüter der Schwelle, wo alle Instinkte auf hören, wo die Dinge anfangen, vollbewußt zu sein und in das freie Geistesleben sich einzugliedern, es kann vor dem Hüter der Schwelle ein solches instinktiv Lebendes als Gespenst auftreten. Dann ist man es los als Instinkt. Man darf sich nicht fürchten davor, daß so etwas als Gespenst auftritt, denn nur dadurch bekommt man es los, daß man es in der Objektivierung außen sieht, daß man das, was da in einem rumort, wirklich als Gespenst außen vor sich hat. Das ist die eine Form. Die andere Form, in der ein solches Instinktives auftreten kann, das ist die als Alp. Das ist nicht eine Wahrnehmung von außen, sondern eine bedrückende Empfindung oder auch eine Nachwirkung in einer Vision von dem, was einen. bedrückt, ein imaginatives Erlebnis, das man aber zugleich als Alpdruck empfindet.
[ 10 ] Entweder als Alp oder als Gespenst muß dasjenige, was instinktiv im Menschen lebt, zum Vorschein kommen, wenn der Mensch es ins Bewußtsein heraufbringen will. So wahr jeder Instinkt, der im Menschen lebt, nach und nach, damit der Mensch vollständig Mensch werde, sich heraufheben muß und entweder Gespenst oder Alpdruck werden muß, denn nur dadurch wird man frei vom Instinktiven, so wahr muß auch dasjenige, was unbewußt, instinktiv als Menschenwürde, als Bild des Menschen im Westen und Osten lebt, in der einen oder in der anderen Form vor die Menschen hintreten und verstanden werden, vor allen Dingen mit dem gesunden Menschenverstand verstanden werden. So wird es sein können, daß der Geisteswissenschafter, der praktizierende Geisteswissenschafter plausibel machen kann, das oder jenes erscheint als Alpdruck, das oder jenes erscheint als Gespenst; aber er wird das, was er aus seiner Erfahrung heraus erlebt, in solche Worte kleiden, daß er sich historischer oder sonstiger Vorstellungen bedienen wird, so daß dasjenige, was er erlebt, mit dem gesunden Menschenverstand aufgefaßt werden kann von denen, die noch nicht solche okkulte Fähigkeiten haben, durch die diese Dinge geschaut werden können.
[ 10 ] Entweder als Alp oder als Gespenst muß dasjenige, was instinktiv im Menschen lebt, zum Vorschein kommen, wenn der Mensch es ins Bewußtsein heraufbringen will. So wahr jeder Instinkt, der im Menschen lebt, nach und nach, damit der Mensch vollständig Mensch werde, sich heraufheben muß und entweder Gespenst oder Alpdruck werden muß, denn nur dadurch wird man frei vom Instinktiven, so wahr muß auch dasjenige, was unbewußt, instinktiv als Menschenwürde, als Bild des Menschen im Westen und Osten lebt, in der einen oder in der anderen Form vor die Menschen hintreten und verstanden werden, vor allen Dingen mit dem gesunden Menschenverstand verstanden werden. So wird es sein können, daß der Geisteswissenschafter, der praktizierende Geisteswissenschafter plausibel machen kann, das oder jenes erscheint als Alpdruck, das oder jenes erscheint als Gespenst; aber er wird das, was er aus seiner Erfahrung heraus erlebt, in solche Worte kleiden, daß er sich historischer oder sonstiger Vorstellungen bedienen wird, so daß dasjenige, was er erlebt, mit dem gesunden Menschenverstand aufgefaßt werden kann von denen, die noch nicht solche okkulte Fähigkeiten haben, durch die diese Dinge geschaut werden können.
[ 11 ] Niemals kann irgendeine Ausrede gelten, daß man diese Dinge nicht schaut. Denn alles, was geschaut wird, wird in solche Vorstellungen gekleidet, daß sie der gesunde Menschenverstand erfassen kann. Das Vertrauen zu demjenigen, der die Dinge schaut, darf sich nur so weit erstrecken, daß man Vertrauen hat, er kann Anregungen geben; aber man braucht ihm nicht zu glauben. Denn das, was gesagt wird, kann, wenn man sich nur der Unbefangenheit befleißigt, mit dem gesunden Menschenverstand jederzeit durchschaut werden.
[ 11 ] Niemals kann irgendeine Ausrede gelten, daß man diese Dinge nicht schaut. Denn alles, was geschaut wird, wird in solche Vorstellungen gekleidet, daß sie der gesunde Menschenverstand erfassen kann. Das Vertrauen zu demjenigen, der die Dinge schaut, darf sich nur so weit erstrecken, daß man Vertrauen hat, er kann Anregungen geben; aber man braucht ihm nicht zu glauben. Denn das, was gesagt wird, kann, wenn man sich nur der Unbefangenheit befleißigt, mit dem gesunden Menschenverstand jederzeit durchschaut werden.
[ 12 ] Nun stehen die Dinge so, daß jene Instinkte, welche im Westen leben als Bild des Menschen und nach sozialer Struktur hinstreben, daß diese vor dem Hüter der Schwelle sich erweisen als Gespenster. Dasjenige Bild des Menschen, das bei den Menschen des europäischen Ostens mit ihrem asiatischen Hinterlande lebt, das erweist sich als Alpdruck. Die okkulte Tatsache ist einfach diese: Wenn Sie — wo es am ausgeprägtesten ist — von einem Amerikaner sich schildern lassen, was er als Bild der echten Menschenwürde empfindet, wenn Sie dieses Bild, okkult verarbeitet, bis zum Hüter der Schwelle tragen und vor dem Hüter der Schwelle Ihre Erfahrungen machen über dieses Bild, so tritt es vor Sie hin als Gespenst. Lassen Sie sich von einem Asiaten oder von einem wissenden Russen schildern, was er sich als Bild des Menschen vorstellt, dann wirkt das auf den, der es bis zum Hüter der Schwelle tragen kann, als Alp.
[ 12 ] Nun stehen die Dinge so, daß jene Instinkte, welche im Westen leben als Bild des Menschen und nach sozialer Struktur hinstreben, daß diese vor dem Hüter der Schwelle sich erweisen als Gespenster. Dasjenige Bild des Menschen, das bei den Menschen des europäischen Ostens mit ihrem asiatischen Hinterlande lebt, das erweist sich als Alpdruck. Die okkulte Tatsache ist einfach diese: Wenn Sie — wo es am ausgeprägtesten ist — von einem Amerikaner sich schildern lassen, was er als Bild der echten Menschenwürde empfindet, wenn Sie dieses Bild, okkult verarbeitet, bis zum Hüter der Schwelle tragen und vor dem Hüter der Schwelle Ihre Erfahrungen machen über dieses Bild, so tritt es vor Sie hin als Gespenst. Lassen Sie sich von einem Asiaten oder von einem wissenden Russen schildern, was er sich als Bild des Menschen vorstellt, dann wirkt das auf den, der es bis zum Hüter der Schwelle tragen kann, als Alp.
[ 13 ] Aber das, was ich Ihnen da sage, ist nur die Charakterisierung einer okkulten Erfahrung. Diese okkulte Erfahrung hat ihre Grundlage in historischen Impulsen, in historischen Geschehnissen. Denn dasjenige, was instinktiv sich bildet in den Herzen und Seelen der Menschen, das bildet sich ja auch aus historischen Unterlagen heraus. Die westlichen Völker, Briten, Franzosen, Italiener, Spanier, Amerikaner, sie haben sich einfach aus gewissen historischen Impulsen, allerdings nicht mit vollem, klarem Bewußtsein, sondern auf instinktive Art, bei ihrer Entwickelung von alten Zeiten bis zu ihrem gegenwärtigen Zustand ein solches Bild des Menschen in ihre Herzen einwurzeln lassen, welches man wirklich richtig charakterisieren kann, wenn man auf die historischen Impulse eingeht.
[ 13 ] Aber das, was ich Ihnen da sage, ist nur die Charakterisierung einer okkulten Erfahrung. Diese okkulte Erfahrung hat ihre Grundlage in historischen Impulsen, in historischen Geschehnissen. Denn dasjenige, was instinktiv sich bildet in den Herzen und Seelen der Menschen, das bildet sich ja auch aus historischen Unterlagen heraus. Die westlichen Völker, Briten, Franzosen, Italiener, Spanier, Amerikaner, sie haben sich einfach aus gewissen historischen Impulsen, allerdings nicht mit vollem, klarem Bewußtsein, sondern auf instinktive Art, bei ihrer Entwickelung von alten Zeiten bis zu ihrem gegenwärtigen Zustand ein solches Bild des Menschen in ihre Herzen einwurzeln lassen, welches man wirklich richtig charakterisieren kann, wenn man auf die historischen Impulse eingeht.
[ 14 ] Dieses Bild des Menschen, sowohl das östliche wie das westliche Bild, das muß ersetzt werden durch dasjenige, was durch geisteswissenschaftliche Forschung wirklich gefunden werden kann, und was allein einer wirklichen sozialen Gestaltung zugrunde liegen kann, nicht einer solchen, die durch Gespenster regiert wird, und auch nicht einer solchen, die durch den Alp regiert wird. Wenn man sachgemäß untersucht: Warum ist das westliche Menschenbild ein Gespenst? — so stellt sich nach Erwägung aller historischen Untergründe heraus, daß in die Instinkte, die zum Bild des Menschen geführt haben im westlichen Gebiete, die zum Beispiel jetzt geführt haben zu dem sogenannten Wilson-Programm der Welt, das so viel angebetet wird —, daß ihnen zugrunde liegt das Gespenst des alten römischen Reiches. Alles dasjenige, was sich geschichtlich nach und nach entwickelt hat, was eigentlich einen durchaus veralteten, das heißt luziferisch-ahrimanischen Charakter hat, was nicht der Gegenwart unmittelbar angemessen ist, sondern was Gespenst ist früherer Zeiten, ist das Gespenst des Romanismus. Gewiß, es ist in den westlichen Kulturen vieles, was gar nicht zusammenhängt mit dem Romanismus. In englisch sprechenden Gegenden finden Sie natürlich vieles, was nicht damit zusammenhängt. Auch in den eigentlichen romanischen Ländern finden Sie vieles, was nicht zusammenhängt mit dem Romanismus. Aber darauf kommt es nicht an, sondern das, worauf es ankommt, ist das Bild des Menschen, insoferne er sich in die soziale Struktur einreihen soll. Das ist durchaus heute in diesen Territorien instinktiv bestimmt und beeinflußt von dem, was sich gebildet hat innerhalb der romanischen Kultur. Das ist ein Produkt ganz und gar noch der lateinischen Denkweise der vierten nachatlantischen Kultur. Das ist nichts, was lebt, das ist etwas, was spukt wie das Gespenst eines Verstorbenen. Und dieses Gespenst ist es, was dem objektiven okkulten Betrachter erscheint, wenn er sich ein Bild machen will von dem, was weltbeherrschend gemacht werden soll vom Westen herüber.
[ 14 ] Dieses Bild des Menschen, sowohl das östliche wie das westliche Bild, das muß ersetzt werden durch dasjenige, was durch geisteswissenschaftliche Forschung wirklich gefunden werden kann, und was allein einer wirklichen sozialen Gestaltung zugrunde liegen kann, nicht einer solchen, die durch Gespenster regiert wird, und auch nicht einer solchen, die durch den Alp regiert wird. Wenn man sachgemäß untersucht: Warum ist das westliche Menschenbild ein Gespenst? — so stellt sich nach Erwägung aller historischen Untergründe heraus, daß in die Instinkte, die zum Bild des Menschen geführt haben im westlichen Gebiete, die zum Beispiel jetzt geführt haben zu dem sogenannten Wilson-Programm der Welt, das so viel angebetet wird —, daß ihnen zugrunde liegt das Gespenst des alten römischen Reiches. Alles dasjenige, was sich geschichtlich nach und nach entwickelt hat, was eigentlich einen durchaus veralteten, das heißt luziferisch-ahrimanischen Charakter hat, was nicht der Gegenwart unmittelbar angemessen ist, sondern was Gespenst ist früherer Zeiten, ist das Gespenst des Romanismus. Gewiß, es ist in den westlichen Kulturen vieles, was gar nicht zusammenhängt mit dem Romanismus. In englisch sprechenden Gegenden finden Sie natürlich vieles, was nicht damit zusammenhängt. Auch in den eigentlichen romanischen Ländern finden Sie vieles, was nicht zusammenhängt mit dem Romanismus. Aber darauf kommt es nicht an, sondern das, worauf es ankommt, ist das Bild des Menschen, insoferne er sich in die soziale Struktur einreihen soll. Das ist durchaus heute in diesen Territorien instinktiv bestimmt und beeinflußt von dem, was sich gebildet hat innerhalb der romanischen Kultur. Das ist ein Produkt ganz und gar noch der lateinischen Denkweise der vierten nachatlantischen Kultur. Das ist nichts, was lebt, das ist etwas, was spukt wie das Gespenst eines Verstorbenen. Und dieses Gespenst ist es, was dem objektiven okkulten Betrachter erscheint, wenn er sich ein Bild machen will von dem, was weltbeherrschend gemacht werden soll vom Westen herüber.
[ 15 ] Es nützt nichts, über diese Dinge ohne Wissenschaft zu sprechen, denn das gestattet der Zustand der Menschheit in der gegenwärtigen Periode nicht mehr. Um was es sich handelt, ist, daß es notwendig ist, diesen Dingen klar ins Auge zu schauen. Das Gespenst des Romanismus geht um im Westen. Und wenn ich neulich darauf aufmerksam gemacht habe, welches das Schicksal verschiedener Völker des Westens, namentlich eines einzelnen Volkes, der Franzosen, sein wird, so hängt das damit zusammen, daß gerade die Franzosen am intensivsten festhalten an dem romanischen Gespenst, daß sie vermöge ihrer ganzen instinktiven Temperaments- und Charakteranlagen nicht loskommen können von dem romanischen Gespenst. Sehen Sie, das ist die eine Seite, die nach dem Westen hin.
[ 15 ] Es nützt nichts, über diese Dinge ohne Wissenschaft zu sprechen, denn das gestattet der Zustand der Menschheit in der gegenwärtigen Periode nicht mehr. Um was es sich handelt, ist, daß es notwendig ist, diesen Dingen klar ins Auge zu schauen. Das Gespenst des Romanismus geht um im Westen. Und wenn ich neulich darauf aufmerksam gemacht habe, welches das Schicksal verschiedener Völker des Westens, namentlich eines einzelnen Volkes, der Franzosen, sein wird, so hängt das damit zusammen, daß gerade die Franzosen am intensivsten festhalten an dem romanischen Gespenst, daß sie vermöge ihrer ganzen instinktiven Temperaments- und Charakteranlagen nicht loskommen können von dem romanischen Gespenst. Sehen Sie, das ist die eine Seite, die nach dem Westen hin.
[ 16 ] Die andere Seite ist diese, daß sich auch im Osten geltend macht ein gewisses Bild vom Menschen, insofern er sich in die soziale Struktur einreihen soll. Dieses Bild ist allerdings so, daß durch die Notwendigkeit der Tatsachen schon dasjenige herauskommen wird, wovon ich immer gesprochen habe, daß sich im europäischen Osten besonders die sechste Kulturperiode vorbereitet. Aber wenn man die Sache vom Gegenwartsstandpunkte aus beobachtet, so ist dasjenige, was heute noch lebt im Osten von Europa, mit dem asiatischen Hinterlande, nicht das Bild, das sich zukünftig einmal vom Menschen entwickeln wird auf naturgemäße Weise, das aber der Mensch verpflichtet wäre, schon heute aus der Erkenntnis heraus zu entwickeln, sondern es ist ein Bild, welches, wenn man es nimmt und mit ihm zum Hüter der Schwelle geht, um es da zu beobachten, als Alp erscheint.
[ 16 ] Die andere Seite ist diese, daß sich auch im Osten geltend macht ein gewisses Bild vom Menschen, insofern er sich in die soziale Struktur einreihen soll. Dieses Bild ist allerdings so, daß durch die Notwendigkeit der Tatsachen schon dasjenige herauskommen wird, wovon ich immer gesprochen habe, daß sich im europäischen Osten besonders die sechste Kulturperiode vorbereitet. Aber wenn man die Sache vom Gegenwartsstandpunkte aus beobachtet, so ist dasjenige, was heute noch lebt im Osten von Europa, mit dem asiatischen Hinterlande, nicht das Bild, das sich zukünftig einmal vom Menschen entwickeln wird auf naturgemäße Weise, das aber der Mensch verpflichtet wäre, schon heute aus der Erkenntnis heraus zu entwickeln, sondern es ist ein Bild, welches, wenn man es nimmt und mit ihm zum Hüter der Schwelle geht, um es da zu beobachten, als Alp erscheint.
[ 17 ] Und auch dieses Bild erscheint als Alp aus dem Grunde, weil die Instinkte, welche im Osten sich geltend machen bei der Bestimmung dieses Bildes, genährt werden von einer noch unvollkommenen Kraft. Sie wird sich ja erst in der Zukunft, in der sechsten nachatlantischen Kulturperiode, zu ihrer vollen Höhe entwickeln. Diese Kraft, sie braucht aber einen Impuls, der sie unterstützt. Sie braucht, bevor das Bewußtsein erwacht — und das Bewußtsein muß gerade vom Osten aus erwachen — eine instinktive Grundlage. Und diese Instinktgrundlage, die heute noch in den Menschen des Ostens lebt, wenn sie sich das Bild des Menschen machen, die wirkt als Alp. Und geradeso, wie alle die Impulse, die vom Romanismus zurückgeblieben sind, mitbestimmend sind als alte abgeleitete Impulse bei dem Bilde im Westen, so soll der Alp den Osten darin unterstützen, ihn auf ganz geheimnisvolle Weise dazu bringen, daß er sich von ihm befreit — so wie der Alp wirkt, den man dann überwindet und abstößt, wenn man aufwacht von ihm, so daß man klar wird über das, was eigentlich geschehen ist. Diese Kraft, die da nach Osten hin wirken soll, ist nun nicht etwas Überlebtes, sondern etwas gerade in der Gegenwart erst recht Wirkendes. Es sind die Kräfte, welche ausgehen von dem britischen Weltreich. Geradeso wie im Westen das Bild des Menschen zum Gespenst gemacht wird durch die Impulse des Romanismus, so wird im Osten das Bild des Menschen so in die menschliche Seele hineingepreßt, daß dabei dasjenige, was noch lange in die Zukunft hinein als die Bestrebungen des britischen Weltreiches wirken wird, Alpdruck ist.
[ 17 ] Und auch dieses Bild erscheint als Alp aus dem Grunde, weil die Instinkte, welche im Osten sich geltend machen bei der Bestimmung dieses Bildes, genährt werden von einer noch unvollkommenen Kraft. Sie wird sich ja erst in der Zukunft, in der sechsten nachatlantischen Kulturperiode, zu ihrer vollen Höhe entwickeln. Diese Kraft, sie braucht aber einen Impuls, der sie unterstützt. Sie braucht, bevor das Bewußtsein erwacht — und das Bewußtsein muß gerade vom Osten aus erwachen — eine instinktive Grundlage. Und diese Instinktgrundlage, die heute noch in den Menschen des Ostens lebt, wenn sie sich das Bild des Menschen machen, die wirkt als Alp. Und geradeso, wie alle die Impulse, die vom Romanismus zurückgeblieben sind, mitbestimmend sind als alte abgeleitete Impulse bei dem Bilde im Westen, so soll der Alp den Osten darin unterstützen, ihn auf ganz geheimnisvolle Weise dazu bringen, daß er sich von ihm befreit — so wie der Alp wirkt, den man dann überwindet und abstößt, wenn man aufwacht von ihm, so daß man klar wird über das, was eigentlich geschehen ist. Diese Kraft, die da nach Osten hin wirken soll, ist nun nicht etwas Überlebtes, sondern etwas gerade in der Gegenwart erst recht Wirkendes. Es sind die Kräfte, welche ausgehen von dem britischen Weltreich. Geradeso wie im Westen das Bild des Menschen zum Gespenst gemacht wird durch die Impulse des Romanismus, so wird im Osten das Bild des Menschen so in die menschliche Seele hineingepreßt, daß dabei dasjenige, was noch lange in die Zukunft hinein als die Bestrebungen des britischen Weltreiches wirken wird, Alpdruck ist.
[ 18 ] Diese zwei Dinge bewirken, daß dasjenige, was bewußt im römischen Reiche war, auf der einen Seite unbewußt nachlebt in gespensterhafter Weise im Westen, und daß dasjenige, was sich vorbereitet, was in der Gegenwart gerade wirksam ist, die britisch-amerikanischen Weltreichimpulse, daß diese als Alpdruck, als Widerlage des Alpdrucks da sind, um die Menschen des Ostens zur bewußten Geburt eines entsprechenden Menschenbildes zu bringen.
[ 18 ] Diese zwei Dinge bewirken, daß dasjenige, was bewußt im römischen Reiche war, auf der einen Seite unbewußt nachlebt in gespensterhafter Weise im Westen, und daß dasjenige, was sich vorbereitet, was in der Gegenwart gerade wirksam ist, die britisch-amerikanischen Weltreichimpulse, daß diese als Alpdruck, als Widerlage des Alpdrucks da sind, um die Menschen des Ostens zur bewußten Geburt eines entsprechenden Menschenbildes zu bringen.
[ 19 ] Diese Dinge heute auszusprechen ist unbequem, und sie anzuhören ist den Menschen auch unbequem. Aber wir sind einmal in einer Epoche der weltgeschichtlichen Entwickelung angekommen, in welcher nur etwas erreicht werden kann dadurch, daß der Mensch aus seiner Erkenntnis heraus, aus seinem vollen Bewußtsein heraus die Dinge der Welt objektiv anschaut, sich wirklich mit den Dingen der Welt objektiv bekanntmacht. Auf eine andere Weise geht es nicht weiter. Und das, was schließlich in der Gegenwart geschieht, das ist dazu angetan, den Menschen zu zwingen, daß er diese Geschehnisse in einer gewissen Weise umkehrt. Es darf eigentlich nicht so weitergehen, daß ebenso, wie man sich lange Zeit hat zwingen lassen, so zu denken, man sich jetzt wieder zwingen läßt, weil auf einem gewissen Gebiete der Erde die Dinge vom Untersten zum Obersten gekehrt sind, zwingen läßt zu anderen Gedanken. Man kann heute Leute kennenlernen, die sich in ein paar Wochen aus «wackeren» — in Gänsefüßchen selbstverständlich — Royalisten zu extremen Republikanern und weiß Gott was alles entwickelt haben. Dieselben Menschen sind es! Nun, geradesowenig, wie früher von denjenigen Menschen, die zwangsmäßig Royalisten waren, etwas hat kommen können, was der Menschheit heilsam ist, ebensowenig kann etwas Heilsames kommen von denen, die heute zwangsmäßig Sozialisten, oder meinetwillen sogar aus wahren Royalisten Bolschewisten geworden sind, denn auch solche gibt es. Was nottut, das ist weder das eine noch das andere. Was nottut, ist, daß wir einsehen, daß nur das heilsam sein kann, was aus der freien Entschließung der freien Menschenseele herauskommt; das, wozu der Mensch sich selber entschließt, wozu der Mensch kommt durch die Erwägungen seines Sinnens, durch die Erwägungen seines Herzens und durch Einsicht vor allen Dingen. Das ist es, worauf es ankommt. Sonst erleben wir es immer wieder und wiederum, daß die Dinge einmal, angeleitet durch den Zwang der Verhältnisse, so oder so angesehen werden. Derjenige, der heute zum Beispiel Ludendorff einen Verbrecher nennt, nachdem er ihn vor sechs Wochen als einen großen Feldherrn angesehen hat, der ist, wenn er keine Gründe zu dem einen oder zu dem anderen hat, wenn er es nicht aus der freien Entschließung des freien Herzens heraus tun kann, in dem einen Falle für die Entwickelung der Menschheit geradesoviel wert wie in dem anderen. Denn nicht bloß darauf kommt es an, daß irgend etwas abstrakt richtig ist — in der Regel ist das eine ebenso falsch wie das andere —, sondern darauf, daß wir die Fähigkeit erwerben zu wirklich eigenem Urteile. Da kann Ihnen ja Geisteswissenschaft wirklich eine gute Anleitung sein. Ich erlebe es ja immer wieder und wiederum, daß dasjenige, was hier oder sonst von mir auf geisteswissenschaftlichem Gebiete gesagt wird, schwerverständlich gefunden wird. Das rührt nur davon her, daß man nicht wirklich den Willen hat, seinen vollständig gesunden Menschenverstand auf die Dinge anzuwenden. Es wird schwerverständlich gefunden, weil man findet, daß es nicht bequem genug ist, die Dinge anzufassen.
[ 19 ] Diese Dinge heute auszusprechen ist unbequem, und sie anzuhören ist den Menschen auch unbequem. Aber wir sind einmal in einer Epoche der weltgeschichtlichen Entwickelung angekommen, in welcher nur etwas erreicht werden kann dadurch, daß der Mensch aus seiner Erkenntnis heraus, aus seinem vollen Bewußtsein heraus die Dinge der Welt objektiv anschaut, sich wirklich mit den Dingen der Welt objektiv bekanntmacht. Auf eine andere Weise geht es nicht weiter. Und das, was schließlich in der Gegenwart geschieht, das ist dazu angetan, den Menschen zu zwingen, daß er diese Geschehnisse in einer gewissen Weise umkehrt. Es darf eigentlich nicht so weitergehen, daß ebenso, wie man sich lange Zeit hat zwingen lassen, so zu denken, man sich jetzt wieder zwingen läßt, weil auf einem gewissen Gebiete der Erde die Dinge vom Untersten zum Obersten gekehrt sind, zwingen läßt zu anderen Gedanken. Man kann heute Leute kennenlernen, die sich in ein paar Wochen aus «wackeren» — in Gänsefüßchen selbstverständlich — Royalisten zu extremen Republikanern und weiß Gott was alles entwickelt haben. Dieselben Menschen sind es! Nun, geradesowenig, wie früher von denjenigen Menschen, die zwangsmäßig Royalisten waren, etwas hat kommen können, was der Menschheit heilsam ist, ebensowenig kann etwas Heilsames kommen von denen, die heute zwangsmäßig Sozialisten, oder meinetwillen sogar aus wahren Royalisten Bolschewisten geworden sind, denn auch solche gibt es. Was nottut, das ist weder das eine noch das andere. Was nottut, ist, daß wir einsehen, daß nur das heilsam sein kann, was aus der freien Entschließung der freien Menschenseele herauskommt; das, wozu der Mensch sich selber entschließt, wozu der Mensch kommt durch die Erwägungen seines Sinnens, durch die Erwägungen seines Herzens und durch Einsicht vor allen Dingen. Das ist es, worauf es ankommt. Sonst erleben wir es immer wieder und wiederum, daß die Dinge einmal, angeleitet durch den Zwang der Verhältnisse, so oder so angesehen werden. Derjenige, der heute zum Beispiel Ludendorff einen Verbrecher nennt, nachdem er ihn vor sechs Wochen als einen großen Feldherrn angesehen hat, der ist, wenn er keine Gründe zu dem einen oder zu dem anderen hat, wenn er es nicht aus der freien Entschließung des freien Herzens heraus tun kann, in dem einen Falle für die Entwickelung der Menschheit geradesoviel wert wie in dem anderen. Denn nicht bloß darauf kommt es an, daß irgend etwas abstrakt richtig ist — in der Regel ist das eine ebenso falsch wie das andere —, sondern darauf, daß wir die Fähigkeit erwerben zu wirklich eigenem Urteile. Da kann Ihnen ja Geisteswissenschaft wirklich eine gute Anleitung sein. Ich erlebe es ja immer wieder und wiederum, daß dasjenige, was hier oder sonst von mir auf geisteswissenschaftlichem Gebiete gesagt wird, schwerverständlich gefunden wird. Das rührt nur davon her, daß man nicht wirklich den Willen hat, seinen vollständig gesunden Menschenverstand auf die Dinge anzuwenden. Es wird schwerverständlich gefunden, weil man findet, daß es nicht bequem genug ist, die Dinge anzufassen.
[ 20 ] Ich habe in diesen Betrachtungen auch verschiedentlich über diese sogenannte kriegerische Katastrophe der letzten Jahre und ihr Hereinkommen bis heute gesprochen. Ich hoffe, daß verstanden wird, daß die Dinge, die in den letzten Wochen geschehen sind, eine volle Bestätigung dessen sind, was ich seit Jahren zu Ihnen und zu anderen auf diesem Gebiete gesprochen habe. Nichts ist anders gekommen, als in dem Sinne liegt, von dem hier gesprochen worden ist. Und sogar die Karte, die ich vor Jahren hier aufgezeichnet habe auf die Tafel — Sie sehen sie in diesen Tagen sich verwirklichen.
[ 20 ] Ich habe in diesen Betrachtungen auch verschiedentlich über diese sogenannte kriegerische Katastrophe der letzten Jahre und ihr Hereinkommen bis heute gesprochen. Ich hoffe, daß verstanden wird, daß die Dinge, die in den letzten Wochen geschehen sind, eine volle Bestätigung dessen sind, was ich seit Jahren zu Ihnen und zu anderen auf diesem Gebiete gesprochen habe. Nichts ist anders gekommen, als in dem Sinne liegt, von dem hier gesprochen worden ist. Und sogar die Karte, die ich vor Jahren hier aufgezeichnet habe auf die Tafel — Sie sehen sie in diesen Tagen sich verwirklichen.
[ 21 ] Nur dürfen die Dinge, die hier gesagt werden, nicht im Sinne von Sonntagnachmittagspredigten genommen werden, sondern sie müssen so genommen werden, wie sie gemeint sind, als herausgesprochen aus den tatsächlichen Impulsen, die entweder verwirklicht sind, oder sich verwirklichen wollen. Deshalb will ich auch nicht zurückhaltend sein, wenn das auch zuweilen Wiederholung bedeutet, immer wieder und wiederum auf gewisse methodische Dinge aufmerksam zu machen. Diese methodischen Dinge sind das Allerwichtigste auf dem Gebiete der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, die unserer Zeit so nottut. Was diese Geisteswissenschaft aus unserer Seele macht, das ist viel notwendiger als das abstrakte Sichbekanntmachen mit der einen oder mit der anderen Wahrheit. Man erlebt es ja immer wieder, wie gerade bei der Auffassung der unmittelbar äußeren Ereignisse diejenige Art der Seelenstruktur dienlich ist, welche aus der Geisteswissenschaft kommt. Wie oft habe ich es betont im Laufe dieser Jahre, daß es eigentlich schrecklich ist, daß die Menschen immer wieder die bequeme Frage aufgeworfen haben: Wer ist an dieser kriegerischen Weltkatastrophe schuld? Sind es die Mittelmächte oder die Entente oder ist es weiß Gott wer? — während im Grunde genommen diese Frage, wer schuld ist, überhaupt nicht beantwortet werden kann. Man muß die Frage in einer ganz bestimmten Weise stellen. Auf das richtige Stellen der Fragen kommt es an. Dann nur kann man zu einer genügenden, gründlichen, wirklichen Einsicht kommen. Aber es ist ja bei vielen Menschen in der Gegenwart hoffnungslos, an diese Einsicht zu appellieren. Manches, was jetzt aus Paris geschildert wird, erinnert mich zum Beispiel an anderes, was an dem Unheil nicht unbeteiligt ist, und was früher in Berlin oder an anderen Orten geschehen ist. Eben nicht darauf kommt es an, daß man sein Urteil danach einrichtet, wie es gerade erlaubt oder nicht erlaubt ist — vor allem das Tatsachenurteil —, sondern daß dieses Urteil aus dem freien Ermessen heraus, aus der freien Seele heraus selbst gebildet ist. Darauf kommt es an.
[ 21 ] Nur dürfen die Dinge, die hier gesagt werden, nicht im Sinne von Sonntagnachmittagspredigten genommen werden, sondern sie müssen so genommen werden, wie sie gemeint sind, als herausgesprochen aus den tatsächlichen Impulsen, die entweder verwirklicht sind, oder sich verwirklichen wollen. Deshalb will ich auch nicht zurückhaltend sein, wenn das auch zuweilen Wiederholung bedeutet, immer wieder und wiederum auf gewisse methodische Dinge aufmerksam zu machen. Diese methodischen Dinge sind das Allerwichtigste auf dem Gebiete der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, die unserer Zeit so nottut. Was diese Geisteswissenschaft aus unserer Seele macht, das ist viel notwendiger als das abstrakte Sichbekanntmachen mit der einen oder mit der anderen Wahrheit. Man erlebt es ja immer wieder, wie gerade bei der Auffassung der unmittelbar äußeren Ereignisse diejenige Art der Seelenstruktur dienlich ist, welche aus der Geisteswissenschaft kommt. Wie oft habe ich es betont im Laufe dieser Jahre, daß es eigentlich schrecklich ist, daß die Menschen immer wieder die bequeme Frage aufgeworfen haben: Wer ist an dieser kriegerischen Weltkatastrophe schuld? Sind es die Mittelmächte oder die Entente oder ist es weiß Gott wer? — während im Grunde genommen diese Frage, wer schuld ist, überhaupt nicht beantwortet werden kann. Man muß die Frage in einer ganz bestimmten Weise stellen. Auf das richtige Stellen der Fragen kommt es an. Dann nur kann man zu einer genügenden, gründlichen, wirklichen Einsicht kommen. Aber es ist ja bei vielen Menschen in der Gegenwart hoffnungslos, an diese Einsicht zu appellieren. Manches, was jetzt aus Paris geschildert wird, erinnert mich zum Beispiel an anderes, was an dem Unheil nicht unbeteiligt ist, und was früher in Berlin oder an anderen Orten geschehen ist. Eben nicht darauf kommt es an, daß man sein Urteil danach einrichtet, wie es gerade erlaubt oder nicht erlaubt ist — vor allem das Tatsachenurteil —, sondern daß dieses Urteil aus dem freien Ermessen heraus, aus der freien Seele heraus selbst gebildet ist. Darauf kommt es an.
[ 22 ] Wenn Sie sich an manches erinnern, was ich in den letzten Wochen hier gesagt habe, so werden Sie sehen, daß die Zeitereignisse, die mittlerweile eingetreten sind, manches bestätigt haben. Ich habe Ihnen zum Beispiel ausgeführt, daß man nicht davon sprechen kann, daß in dem Sinne, wie es vielen Menschen so bequem ist, bei den Mittelmächten gesucht werden kann, was man die Schuld an dem Weltkriege nennt. Aber ich habe Ihnen gesagt, daß zu dem Weltkrieg wesentlich beigetragen hat, daß die Regierungen der Mittelmächte idiotisch waren. Was ich noch in den letzten Vorträgen hier ausgeführt habe, ist mittlerweile in dieser Woche voll bestätigt worden durch die mit meinen Ausführungen in voller Übereinstimmung stehenden Enthüllungen, die von der bayerischen Regierung ausgegangen sind, und welche den Briefwechsel wiedergeben zwischen der bayerischen Regierung und dem bayerischen Gesandten in Berlin, dem Grafen Lerchenfeld-Köfering. Durch solche Dinge wird immer mehr das Bild herauskommen, welches ich Ihnen seit Jahren allerdings so geben mußte, daß ich immer die Dinge auf ihre richtigen Fragestellungen zurückführte. Es ist ein gewisses Verdienst — und auch diese Dinge darf man ja jetzt hervorheben — des auf eine so merkwürdige Weise aus dem Kerker zum Ministerpräsidentenstuhl gekommenen Kurt Eisner, daß er mit der Veröffentlichung dieser Dinge angefangen hat. In dieser Zeit, in welcher so viel geredet wird über diejenigen Menschen, die sich ihrer Ämter unwürdig gemacht haben, darf wohl auch über einen solchen Menschen gesprochen werden, wie es der bayerische Ministerpräsident jetzt ist und dem man sich ja deshalb nicht in Lobhudelei nähern will. Jeder selbstverständlich wird nach seinem Karma und nach der Art und Weise, wie er durch dieses Karma in die Welt gestellt ist, das eine oder andere Urteil an dem einen oder dem anderen Orte fällen können oder fällen sollen. Will man sich soziales Verständnis aneignen — ich habe es in verschiedenen Zusammenhängen gesagt —, so handelt es sich vor allen Dingen darum, daß man sich Menschenverständnis aneignet, Interesse für Menschen, differenziertes Interesse für Menschen. Menschen kennenlernen wollen, das ist es, was Aufgabe für die Zukunft, allerwichtigste Aufgabe für die Zukunft sein muß. Man muß sich aber aneignen einen gewissen, ich will jetzt sagen Instinkt dafür, aus Symptomen heraus zu urteilen. Deshalb habe ich Ihnen ja die Vorträge gehalten über die Geschichte als Symptomatologie. — Solch ein Mensch wie dieser bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner steht vollständig vor einem, wenn man zum Beispiel folgende Tatsache sich vor Augen führt. Ich sage Ihnen das jetzt nicht, um irgend etwas Aktuelles vorzubringen, sondern um Ihnen ein Stück Psychologie, ein Stück Seelenkunde zu illustrieren.
[ 22 ] Wenn Sie sich an manches erinnern, was ich in den letzten Wochen hier gesagt habe, so werden Sie sehen, daß die Zeitereignisse, die mittlerweile eingetreten sind, manches bestätigt haben. Ich habe Ihnen zum Beispiel ausgeführt, daß man nicht davon sprechen kann, daß in dem Sinne, wie es vielen Menschen so bequem ist, bei den Mittelmächten gesucht werden kann, was man die Schuld an dem Weltkriege nennt. Aber ich habe Ihnen gesagt, daß zu dem Weltkrieg wesentlich beigetragen hat, daß die Regierungen der Mittelmächte idiotisch waren. Was ich noch in den letzten Vorträgen hier ausgeführt habe, ist mittlerweile in dieser Woche voll bestätigt worden durch die mit meinen Ausführungen in voller Übereinstimmung stehenden Enthüllungen, die von der bayerischen Regierung ausgegangen sind, und welche den Briefwechsel wiedergeben zwischen der bayerischen Regierung und dem bayerischen Gesandten in Berlin, dem Grafen Lerchenfeld-Köfering. Durch solche Dinge wird immer mehr das Bild herauskommen, welches ich Ihnen seit Jahren allerdings so geben mußte, daß ich immer die Dinge auf ihre richtigen Fragestellungen zurückführte. Es ist ein gewisses Verdienst — und auch diese Dinge darf man ja jetzt hervorheben — des auf eine so merkwürdige Weise aus dem Kerker zum Ministerpräsidentenstuhl gekommenen Kurt Eisner, daß er mit der Veröffentlichung dieser Dinge angefangen hat. In dieser Zeit, in welcher so viel geredet wird über diejenigen Menschen, die sich ihrer Ämter unwürdig gemacht haben, darf wohl auch über einen solchen Menschen gesprochen werden, wie es der bayerische Ministerpräsident jetzt ist und dem man sich ja deshalb nicht in Lobhudelei nähern will. Jeder selbstverständlich wird nach seinem Karma und nach der Art und Weise, wie er durch dieses Karma in die Welt gestellt ist, das eine oder andere Urteil an dem einen oder dem anderen Orte fällen können oder fällen sollen. Will man sich soziales Verständnis aneignen — ich habe es in verschiedenen Zusammenhängen gesagt —, so handelt es sich vor allen Dingen darum, daß man sich Menschenverständnis aneignet, Interesse für Menschen, differenziertes Interesse für Menschen. Menschen kennenlernen wollen, das ist es, was Aufgabe für die Zukunft, allerwichtigste Aufgabe für die Zukunft sein muß. Man muß sich aber aneignen einen gewissen, ich will jetzt sagen Instinkt dafür, aus Symptomen heraus zu urteilen. Deshalb habe ich Ihnen ja die Vorträge gehalten über die Geschichte als Symptomatologie. — Solch ein Mensch wie dieser bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner steht vollständig vor einem, wenn man zum Beispiel folgende Tatsache sich vor Augen führt. Ich sage Ihnen das jetzt nicht, um irgend etwas Aktuelles vorzubringen, sondern um Ihnen ein Stück Psychologie, ein Stück Seelenkunde zu illustrieren.
[ 23 ] Als noch gar keine Kriegserklärung, weder nach links noch nach rechts ergangen war, sondern man erst in den letzten Tagen des Juli 1914 stand, da sagte Kurt Eisner in München: Wenn es jetzt wirklich zum Weltkriege kommt, dann werden sich nicht nur die Völker zerfleischen, sondern dann stürzen alle Throne in Mitteleuropa. Das ist die notwendige Folge. — Er ist sich treu geblieben. Er hatte die ganzen Jahre hindurch ein kleines Häuflein, die immer von der Polizei verfolgt waren, in München gesammelt und zu ihnen gesprochen; hat, als an einer besonders wichtigen Stelle der Entwickelung der letzten Jahre in Deutschland ein Streik ausbrach, dann seine Gefängnisstrafe bekommen und ist jetzt vom Gefängnis zum bayerischen Ministerpräsidentenstuhl gestiegen. Er ist ein Mensch aus einem Guß. Ich will ihn nicht loben, denn die Verhältnisse sind jetzt so, daß selbst ein solcher Mensch Fehler über Fehler machen kann. Aber charakterisieren möchte ich so etwas, worauf es ankommt. Es handelt sich immer darum, die Dinge, die einem in der Welt entgegentreten, als Symptome richtig einzuschätzen, von den Symptomen auf das Dahinterliegende zu schließen, wenn man nicht die Fähigkeiten hat, von den Symptomen überhaupt auf das dahinterliegende wirksame Geistige zu sehen. Man muß sich wenigstens bestreben, von den Symptomen auf das dahinterliegende Geistige zu sehen. Und insbesondere wird für die Zukunft notwendig sein, daß Verständnis von Mensch zu Mensch auftrete. Mit Phrasen, mit Programmen, mit Leninismen wird die soziale Frage nicht zu lösen sein, sondern mit Verständnis von Mensch zu Mensch, wie man es sich aber nur aneignen kann, wenn man in der Lage ist, den Menschen als äußere Offenbarung eines Ewigen in sich anzuerkennen.
[ 23 ] Als noch gar keine Kriegserklärung, weder nach links noch nach rechts ergangen war, sondern man erst in den letzten Tagen des Juli 1914 stand, da sagte Kurt Eisner in München: Wenn es jetzt wirklich zum Weltkriege kommt, dann werden sich nicht nur die Völker zerfleischen, sondern dann stürzen alle Throne in Mitteleuropa. Das ist die notwendige Folge. — Er ist sich treu geblieben. Er hatte die ganzen Jahre hindurch ein kleines Häuflein, die immer von der Polizei verfolgt waren, in München gesammelt und zu ihnen gesprochen; hat, als an einer besonders wichtigen Stelle der Entwickelung der letzten Jahre in Deutschland ein Streik ausbrach, dann seine Gefängnisstrafe bekommen und ist jetzt vom Gefängnis zum bayerischen Ministerpräsidentenstuhl gestiegen. Er ist ein Mensch aus einem Guß. Ich will ihn nicht loben, denn die Verhältnisse sind jetzt so, daß selbst ein solcher Mensch Fehler über Fehler machen kann. Aber charakterisieren möchte ich so etwas, worauf es ankommt. Es handelt sich immer darum, die Dinge, die einem in der Welt entgegentreten, als Symptome richtig einzuschätzen, von den Symptomen auf das Dahinterliegende zu schließen, wenn man nicht die Fähigkeiten hat, von den Symptomen überhaupt auf das dahinterliegende wirksame Geistige zu sehen. Man muß sich wenigstens bestreben, von den Symptomen auf das dahinterliegende Geistige zu sehen. Und insbesondere wird für die Zukunft notwendig sein, daß Verständnis von Mensch zu Mensch auftrete. Mit Phrasen, mit Programmen, mit Leninismen wird die soziale Frage nicht zu lösen sein, sondern mit Verständnis von Mensch zu Mensch, wie man es sich aber nur aneignen kann, wenn man in der Lage ist, den Menschen als äußere Offenbarung eines Ewigen in sich anzuerkennen.
[ 24 ] Sehen Sie, wenn Sie das nehmen, was ich gesagt habe, daß im Westen der Mensch als Gespenst wirkt vor dem Hüter der Schwelle, im Osten als Alp wirkt, dann werden Sie gewissermaßen den Impuls erhalten, um die Verhältnisse der Gegenwart in der richtigen Weise zu sehen. Im Westen ein untergehendes Bild des Menschen, das daher als Gespenst erscheint; im Osten ein aufgehendes Bild, das wir aber in seiner Gegenwartsgestalt nicht nehmen dürfen, weil es noch bloß eine Imagination des Alpdruckes ist und erst nach Überwindung des Alpdruckes in seiner wahren Gestalt auftauchen kann. Daher liegen die Dinge so, daß man tiefer schauen muß, wenn man sich überhaupt an der Diskussion über die soziale Frage heute beteiligen will. Und die Dinge, die man in einem tieferen Sinne erschauen muß, sind vor allen Dingen solche, die sich auf die Art des Denkens beziehen, wie dieses Denken aus dem ganzen Menschen heraussprießt, differenziert bei den Persönlichkeiten über die ganze Erde hin.
[ 24 ] Sehen Sie, wenn Sie das nehmen, was ich gesagt habe, daß im Westen der Mensch als Gespenst wirkt vor dem Hüter der Schwelle, im Osten als Alp wirkt, dann werden Sie gewissermaßen den Impuls erhalten, um die Verhältnisse der Gegenwart in der richtigen Weise zu sehen. Im Westen ein untergehendes Bild des Menschen, das daher als Gespenst erscheint; im Osten ein aufgehendes Bild, das wir aber in seiner Gegenwartsgestalt nicht nehmen dürfen, weil es noch bloß eine Imagination des Alpdruckes ist und erst nach Überwindung des Alpdruckes in seiner wahren Gestalt auftauchen kann. Daher liegen die Dinge so, daß man tiefer schauen muß, wenn man sich überhaupt an der Diskussion über die soziale Frage heute beteiligen will. Und die Dinge, die man in einem tieferen Sinne erschauen muß, sind vor allen Dingen solche, die sich auf die Art des Denkens beziehen, wie dieses Denken aus dem ganzen Menschen heraussprießt, differenziert bei den Persönlichkeiten über die ganze Erde hin.
[ 25 ] Daß dieses romanische Gespenst einen so tiefen Einfluß gewinnen konnte, das rührt ja eben davon her, daß im wesentlichen im Menschendenken das Denken der alttestamentlichen Weltanschauung noch nicht überwunden ist. Das Christentum ist wirklich erst im Anfange. Das Christentum ist noch nicht so weit, daß es die Menschengemüter wirklich durchdrungen hätte. Dafür hat schon die römische Kirche, welche ja selbst ganz unter dem Einfluß des romanischen Gespenstes in bezug auf Theologie steht, schon das Nötige gewirkt. Diese römische Kirche hat ja, wie ich öfter erwähnt habe, mehr beigetragen zur Hintanhaltung als zum Hineintragen des Bildes des Christus in die Menschenherzen und Menschenseelen. Denn die Vorstellungen, die verwendet worden sind innerhalb der römischen Kirche, um den Christus zu erfassen, die sind ganz die Vorstellungen der sozialen und politischen Struktur des alten römischen Reiches. Wenn die Menschen das auch nicht wissen, in ihren Instinkten wirkt es.
[ 25 ] Daß dieses romanische Gespenst einen so tiefen Einfluß gewinnen konnte, das rührt ja eben davon her, daß im wesentlichen im Menschendenken das Denken der alttestamentlichen Weltanschauung noch nicht überwunden ist. Das Christentum ist wirklich erst im Anfange. Das Christentum ist noch nicht so weit, daß es die Menschengemüter wirklich durchdrungen hätte. Dafür hat schon die römische Kirche, welche ja selbst ganz unter dem Einfluß des romanischen Gespenstes in bezug auf Theologie steht, schon das Nötige gewirkt. Diese römische Kirche hat ja, wie ich öfter erwähnt habe, mehr beigetragen zur Hintanhaltung als zum Hineintragen des Bildes des Christus in die Menschenherzen und Menschenseelen. Denn die Vorstellungen, die verwendet worden sind innerhalb der römischen Kirche, um den Christus zu erfassen, die sind ganz die Vorstellungen der sozialen und politischen Struktur des alten römischen Reiches. Wenn die Menschen das auch nicht wissen, in ihren Instinkten wirkt es.
[ 26 ] Diejenigen Vorstellungen, welche im Alten Testamente geltend waren, die wir vorzugsweise bezeichnen müssen als die Vorstellungen des alttestamentlichen Judentums, die ihre Verweltlichung gefunden haben im Romanismus — wenn er auch gegensätzlich ist zum Judentum; er ist nur dasjenige auf weltlichem Gebiete, was das Judentum geistig ist —, die sind auf dem Umwege durch das Römertum hereingekommen in unsere Gegenwart, sie spuken gespensterhaft herein. Dieses alttestamentliche, noch nicht durchchristete Denken, das muß man seinem wahren Ursprunge nach in dem Menschen suchen. Man muß sich die Frage beantworten: Von welchen Kräften hängt gerade dieses Denken ab, wie es das alttestamentliche Denken ist?
[ 26 ] Diejenigen Vorstellungen, welche im Alten Testamente geltend waren, die wir vorzugsweise bezeichnen müssen als die Vorstellungen des alttestamentlichen Judentums, die ihre Verweltlichung gefunden haben im Romanismus — wenn er auch gegensätzlich ist zum Judentum; er ist nur dasjenige auf weltlichem Gebiete, was das Judentum geistig ist —, die sind auf dem Umwege durch das Römertum hereingekommen in unsere Gegenwart, sie spuken gespensterhaft herein. Dieses alttestamentliche, noch nicht durchchristete Denken, das muß man seinem wahren Ursprunge nach in dem Menschen suchen. Man muß sich die Frage beantworten: Von welchen Kräften hängt gerade dieses Denken ab, wie es das alttestamentliche Denken ist?
[ 27 ] Dieses Denken hängt ab von dem, was mit dem Blute von Generation zu Generation vererbt werden kann. Die Fähigkeit, so zu denken, wie die Denkrichtung des Alten Testamentes ist, die wird in der Menschheitsfolge im Blute vererbt. Das, was wir von unseren Vätern an Fähigkeiten erben, einfach dadurch, daß wir geborene Menschen sind, dadurch, daß wir vor unserer Geburt embryonale Menschen waren, das, was wir also als Kraft des Denkens erben, was im Blute lebt, das ist das alttestamentliche Denken. Denn unser Denken zerfällt durchaus in zwei Glieder, in zwei Teile. Das eine Denken ist dasjenige, das wir haben durch unsere Entwickelung bis zu unserer Geburt, das wir also erben von unseren Vätern beziehungsweise von unseren Müttern. Wir können so denken, wie man alttestamentlich gedacht hat, weil wir Embryos waren. Das ist das Wesentliche auch des alten jüdischen Volkes, daß es in der Welt, die man hier durchlebt zwischen der Geburt und dem Tode, nichts hinzulernen wollte zu dem, was man als Fähigkeit mitbekommt dadurch, daß man Embryo gewesen ist bis zu der Geburt. Sie verstehen das alttestamentliche Denken nur dadurch, daß Sie es so auffassen, daß Sie sich sagen: Das ist das Denken, das wir haben kraft dessen, daß wir Embryo gewesen sind.
[ 27 ] Dieses Denken hängt ab von dem, was mit dem Blute von Generation zu Generation vererbt werden kann. Die Fähigkeit, so zu denken, wie die Denkrichtung des Alten Testamentes ist, die wird in der Menschheitsfolge im Blute vererbt. Das, was wir von unseren Vätern an Fähigkeiten erben, einfach dadurch, daß wir geborene Menschen sind, dadurch, daß wir vor unserer Geburt embryonale Menschen waren, das, was wir also als Kraft des Denkens erben, was im Blute lebt, das ist das alttestamentliche Denken. Denn unser Denken zerfällt durchaus in zwei Glieder, in zwei Teile. Das eine Denken ist dasjenige, das wir haben durch unsere Entwickelung bis zu unserer Geburt, das wir also erben von unseren Vätern beziehungsweise von unseren Müttern. Wir können so denken, wie man alttestamentlich gedacht hat, weil wir Embryos waren. Das ist das Wesentliche auch des alten jüdischen Volkes, daß es in der Welt, die man hier durchlebt zwischen der Geburt und dem Tode, nichts hinzulernen wollte zu dem, was man als Fähigkeit mitbekommt dadurch, daß man Embryo gewesen ist bis zu der Geburt. Sie verstehen das alttestamentliche Denken nur dadurch, daß Sie es so auffassen, daß Sie sich sagen: Das ist das Denken, das wir haben kraft dessen, daß wir Embryo gewesen sind.
[ 28 ] Das Denken, das zu diesem hinzukommt, ist dasjenige, das wir uns nach der Embryonalzeit noch erwerben in der menschlichen Entwickelung. Für gewissen äußeren Gebrauch erwirbt sich ja der Mensch allerlei Erfahrung, aber er treibt das nicht bis zu einer wirklichen Umgestaltung des Denkens, so daß selbst heute noch, viel mehr als man glaubt, das alttestamentliche Denken nachwirkt. Der Mensch ist genötigt, zwischen Geburt und Tod hier auf der physischen Erde zu leben. Aber ‘er durchdringt die Erfahrungen, die er hier macht, nicht mit dem Denken, das sich ihm aus diesen Erfahrungen selbst ergibt. Das tut er im allergeringsten Sinne, höchstens instinktiv. Er treibt wenigstens diese Erfahrungen, die er macht, nicht bis zu der Geburt einer besonderen Denkungsart. Das tut nur der wirkliche, im heutigen Sinn entwickelte Okkultist. Der verwendet das Leben, das er hier lebt, so, daß er neuerdings aufwacht, so wie das Kind, nachdem es geboren wird, erwacht. Derjenige, der sich im Sinne von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» verhält, der macht das noch einmal durch, der verhält sich, wie sich der gewöhnliche Mensch zum Embryo verhält. Aber im gewöhnlichen Leben macht man es so, daß man ja zwar genötigt ist, die Erfahrungen zu machen, daß man aber das Denken nur anwendet, das man kraft dessen, daß man Embryo war, erworben hat. So gehen die Menschen herum, machen ihre Erfahrungen, wollen nicht weitergehen, sondern wenden auf diese Erfahrungen als Denkinhalt, namentlich als Denkrichtung, als Denkform dasjenige an, was ihnen das Leben als Embryo gibt, was also durch das Blut sich von Generation zu Generation vererbt.
[ 28 ] Das Denken, das zu diesem hinzukommt, ist dasjenige, das wir uns nach der Embryonalzeit noch erwerben in der menschlichen Entwickelung. Für gewissen äußeren Gebrauch erwirbt sich ja der Mensch allerlei Erfahrung, aber er treibt das nicht bis zu einer wirklichen Umgestaltung des Denkens, so daß selbst heute noch, viel mehr als man glaubt, das alttestamentliche Denken nachwirkt. Der Mensch ist genötigt, zwischen Geburt und Tod hier auf der physischen Erde zu leben. Aber ‘er durchdringt die Erfahrungen, die er hier macht, nicht mit dem Denken, das sich ihm aus diesen Erfahrungen selbst ergibt. Das tut er im allergeringsten Sinne, höchstens instinktiv. Er treibt wenigstens diese Erfahrungen, die er macht, nicht bis zu der Geburt einer besonderen Denkungsart. Das tut nur der wirkliche, im heutigen Sinn entwickelte Okkultist. Der verwendet das Leben, das er hier lebt, so, daß er neuerdings aufwacht, so wie das Kind, nachdem es geboren wird, erwacht. Derjenige, der sich im Sinne von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» verhält, der macht das noch einmal durch, der verhält sich, wie sich der gewöhnliche Mensch zum Embryo verhält. Aber im gewöhnlichen Leben macht man es so, daß man ja zwar genötigt ist, die Erfahrungen zu machen, daß man aber das Denken nur anwendet, das man kraft dessen, daß man Embryo war, erworben hat. So gehen die Menschen herum, machen ihre Erfahrungen, wollen nicht weitergehen, sondern wenden auf diese Erfahrungen als Denkinhalt, namentlich als Denkrichtung, als Denkform dasjenige an, was ihnen das Leben als Embryo gibt, was also durch das Blut sich von Generation zu Generation vererbt.
[ 29 ] Nun ist eine Tatsache von fundamentaler Bedeutung. Diese Tatsache ist, daß das Mysterium von Golgatha in seiner besonderen Eigenart nie begriffen werden kann mit dem Denken, das man nur kraft der Embryonalentwickelung hat. Ich habe Ihnen daher in diesen Vorträgen auch bei meinem diesmaligen Hiersein ausgeführt, daß das Mysterium von Golgatha etwas ist, was man mit dem gewöhnlichen physischen Denken nicht erfassen kann, was man immer ableugnen wird, wenn man ehrlich ist, solange man beim physischen Denken stehenbleiben will. Das Mysterium von Golgatha, alles Durchchristete überhaupt, muß begriffen werden nicht vom Monden-, sondern vom Sonnenhaften, von demjenigen Standpunkte aus, den man erringt nach der Geburt hier im Leben. Das ist der große Unterschied zwischen dem Durchchristeten und dem Nichtdurchchristeten. Das Nichtdurchchristete wird von einem Denken beherrscht, das in der Blutsfolge sich vererbt. Das durchchristete Erfassen der Welt wird von einem Denken beherrscht, das man individuell, als Persönlichkeit in der Welt erwerben muß durch die Erfahrungen des Lebens, indem man diese Erfahrungen so vergeistigt, wie Sie es beschrieben finden in « Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»
[ 29 ] Nun ist eine Tatsache von fundamentaler Bedeutung. Diese Tatsache ist, daß das Mysterium von Golgatha in seiner besonderen Eigenart nie begriffen werden kann mit dem Denken, das man nur kraft der Embryonalentwickelung hat. Ich habe Ihnen daher in diesen Vorträgen auch bei meinem diesmaligen Hiersein ausgeführt, daß das Mysterium von Golgatha etwas ist, was man mit dem gewöhnlichen physischen Denken nicht erfassen kann, was man immer ableugnen wird, wenn man ehrlich ist, solange man beim physischen Denken stehenbleiben will. Das Mysterium von Golgatha, alles Durchchristete überhaupt, muß begriffen werden nicht vom Monden-, sondern vom Sonnenhaften, von demjenigen Standpunkte aus, den man erringt nach der Geburt hier im Leben. Das ist der große Unterschied zwischen dem Durchchristeten und dem Nichtdurchchristeten. Das Nichtdurchchristete wird von einem Denken beherrscht, das in der Blutsfolge sich vererbt. Das durchchristete Erfassen der Welt wird von einem Denken beherrscht, das man individuell, als Persönlichkeit in der Welt erwerben muß durch die Erfahrungen des Lebens, indem man diese Erfahrungen so vergeistigt, wie Sie es beschrieben finden in « Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»
[ 30 ] Das ist das Wesentliche, daß dasjenige Denken, das man kraft der Embryonalentwickelung hat, nur dahin führt, die Gottheit als Vater zu erkennen. Dasjenige Denken, welches man erwirbt in der Welt durch das persönliche Leben in der Nachembryonalzeit, führt dahin, die Gottheit auch als Sohn zu erkennen.
[ 30 ] Das ist das Wesentliche, daß dasjenige Denken, das man kraft der Embryonalentwickelung hat, nur dahin führt, die Gottheit als Vater zu erkennen. Dasjenige Denken, welches man erwirbt in der Welt durch das persönliche Leben in der Nachembryonalzeit, führt dahin, die Gottheit auch als Sohn zu erkennen.
[ 31 ] Der Drang, sich nur desjenigen Denkens zu bedienen, das ein JahveDenken ist, wirkt nach und zwar bis in das neunzehnte Jahrhundert. Dieses Denken ist aber auch nur geeignet, vom Menschen dasjenige zu begreifen, was vom Menschen in die Naturordnung hereingehört. Und das ist dadurch gekommen — Sie wissen, Jahve ist einer der sieben Elohim —, daß diese Jahve-Gottheit, also einer der sieben Elohim, zu nächst vorzeitig sich bemächtigt hat der Herrschaft über das menschliche Bewußtsein und die anderen Elohim zurückgedrängt hat. Dadurch sind die anderen Elohim zunächst in die Sphäre der sogenannten Illusion gedrängt worden, das heißt, sie werden für phantastische Wesen gehalten. Das rührt aber davon her, daß die Jahve-Gottheit diese Geister vorläufig verdrängt und das menschliche Bewußtsein nur mit dem durchsetzt hat, was aus der Embryonalzeit erkraftet werden kann.
[ 31 ] Der Drang, sich nur desjenigen Denkens zu bedienen, das ein JahveDenken ist, wirkt nach und zwar bis in das neunzehnte Jahrhundert. Dieses Denken ist aber auch nur geeignet, vom Menschen dasjenige zu begreifen, was vom Menschen in die Naturordnung hereingehört. Und das ist dadurch gekommen — Sie wissen, Jahve ist einer der sieben Elohim —, daß diese Jahve-Gottheit, also einer der sieben Elohim, zu nächst vorzeitig sich bemächtigt hat der Herrschaft über das menschliche Bewußtsein und die anderen Elohim zurückgedrängt hat. Dadurch sind die anderen Elohim zunächst in die Sphäre der sogenannten Illusion gedrängt worden, das heißt, sie werden für phantastische Wesen gehalten. Das rührt aber davon her, daß die Jahve-Gottheit diese Geister vorläufig verdrängt und das menschliche Bewußtsein nur mit dem durchsetzt hat, was aus der Embryonalzeit erkraftet werden kann.
[ 32 ] Das ging bis ins neunzehnte Jahrhundert herein; denn dadurch, daß die Jahve-Gottheit gewissermaßen entthront hat die anderen Elohim und die anderen Elohim sich erst durch die Persönlichkeit des Christus wieder geltend machten und sich nacheinander geltend machen werden in der verschiedensten Weise, dadurch kam die menschliche Natur unter den Einfluß niedererer elementarer geistiger Wesenheiten, die entgegenwirkten den Bestrebungen der Elohim. So daß also die Entwickelung für das menschliche Bewußtsein so war, daß die JahveGottheit sich als Alleinherrscher eingesetzt und die andern entthront hat. Dadurch, daß die andern entthront worden sind, ist die menschliche Natur unter die Einflüsse von niedrigeren Wesen als die Elohim gekommen. Und so wirkt nicht nur Jahve fort bis ins neunzehnte Jahrhundert, sondern die niedereren Götter anstelle der Elohim. Und wenn auch das Christentum sich ausgebreitet hat — ich habe Ihnen ja immer gesagt, es ist in Wirklichkeit erst im Anfange —, die Menschheit hat es noch nicht verstanden und zwar deshalb, weil eben die Menschen nicht gleich die Wirksamkeit der Elohim entgegengenommen haben, sondern hängengeblieben sind an dem Jahve-Denken, an dem durch embryonale Kraft erweckten Denken, und weiter unter dem Einfluß der Gegner der Elohim geblieben sind.
[ 32 ] Das ging bis ins neunzehnte Jahrhundert herein; denn dadurch, daß die Jahve-Gottheit gewissermaßen entthront hat die anderen Elohim und die anderen Elohim sich erst durch die Persönlichkeit des Christus wieder geltend machten und sich nacheinander geltend machen werden in der verschiedensten Weise, dadurch kam die menschliche Natur unter den Einfluß niedererer elementarer geistiger Wesenheiten, die entgegenwirkten den Bestrebungen der Elohim. So daß also die Entwickelung für das menschliche Bewußtsein so war, daß die JahveGottheit sich als Alleinherrscher eingesetzt und die andern entthront hat. Dadurch, daß die andern entthront worden sind, ist die menschliche Natur unter die Einflüsse von niedrigeren Wesen als die Elohim gekommen. Und so wirkt nicht nur Jahve fort bis ins neunzehnte Jahrhundert, sondern die niedereren Götter anstelle der Elohim. Und wenn auch das Christentum sich ausgebreitet hat — ich habe Ihnen ja immer gesagt, es ist in Wirklichkeit erst im Anfange —, die Menschheit hat es noch nicht verstanden und zwar deshalb, weil eben die Menschen nicht gleich die Wirksamkeit der Elohim entgegengenommen haben, sondern hängengeblieben sind an dem Jahve-Denken, an dem durch embryonale Kraft erweckten Denken, und weiter unter dem Einfluß der Gegner der Elohim geblieben sind.
[ 33 ] Nun hat sich das im neunzehnten Jahrhundert, und zwar genau in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, die ich Ihnen öfters als einen besonderen Wendepunkt bezeichnet habe, so herausgestellt, daß allmählich Jahve selbst in seinem Einfluß auf das menschliche Bewußtsein von der Gewalt derjenigen Geister, die er gerufen hat, überwältigt worden ist. Daraus ging hervor — weil man mit der Jahve-Kraft bloß das begreifen kann, was an die Naturordnung im Menschen, also an das Blut gebunden ist —, daß das frühere Suchen des einen Gottes in der Natur durch den Einfluß der entgegenstrebenden Dinge auf die bloße atheistische Naturwissenschaft, in das bloße atheistische, naturwissenschaftliche Denken und, auf praktischem Felde, in das bloße Utilitätsdenken überging. Das ist genau festzuhalten für die vierziger Jahre, für den Zeitpunkt, den ich Ihnen angegeben habe. So ist dadurch, daß Jahve die Geister, die er gerufen hat, nicht losbekam, übergegangen das alttestamentliche Denken in die atheistische Naturwissenschaft der neueren Zeit, die auf dem Gebiete des sozialen Denkens Marxismus oder ähnliches geworden ist, so daß auf dem Gebiete der sozialen Welt ein von der Naturwissenschaft beeinflußtes Denken waltet.
[ 33 ] Nun hat sich das im neunzehnten Jahrhundert, und zwar genau in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, die ich Ihnen öfters als einen besonderen Wendepunkt bezeichnet habe, so herausgestellt, daß allmählich Jahve selbst in seinem Einfluß auf das menschliche Bewußtsein von der Gewalt derjenigen Geister, die er gerufen hat, überwältigt worden ist. Daraus ging hervor — weil man mit der Jahve-Kraft bloß das begreifen kann, was an die Naturordnung im Menschen, also an das Blut gebunden ist —, daß das frühere Suchen des einen Gottes in der Natur durch den Einfluß der entgegenstrebenden Dinge auf die bloße atheistische Naturwissenschaft, in das bloße atheistische, naturwissenschaftliche Denken und, auf praktischem Felde, in das bloße Utilitätsdenken überging. Das ist genau festzuhalten für die vierziger Jahre, für den Zeitpunkt, den ich Ihnen angegeben habe. So ist dadurch, daß Jahve die Geister, die er gerufen hat, nicht losbekam, übergegangen das alttestamentliche Denken in die atheistische Naturwissenschaft der neueren Zeit, die auf dem Gebiete des sozialen Denkens Marxismus oder ähnliches geworden ist, so daß auf dem Gebiete der sozialen Welt ein von der Naturwissenschaft beeinflußtes Denken waltet.
[ 34 ] Dies hängt zusammen mit vielem, was sich unmittelbar am heutigen Tage abspielt. Es steckt einfach in dem heutigen Menschen in Naturalismus umgewandeltes, alttestamentliches Denken. Gegen dieses Denken ist sowohl das, was als Bild des Menschen vom Westen, wie das, was als Bild des Menschen vom Osten kommt, kein hinlänglicher Schutz. Denn es hält den Menschen ab von wirklicher, richtiger Einsicht.
[ 34 ] Dies hängt zusammen mit vielem, was sich unmittelbar am heutigen Tage abspielt. Es steckt einfach in dem heutigen Menschen in Naturalismus umgewandeltes, alttestamentliches Denken. Gegen dieses Denken ist sowohl das, was als Bild des Menschen vom Westen, wie das, was als Bild des Menschen vom Osten kommt, kein hinlänglicher Schutz. Denn es hält den Menschen ab von wirklicher, richtiger Einsicht.
[ 35 ] Es ist ja heute mit Händen zu greifen, wie die Menschen sich wehren gegen Einsicht. Das tritt ja zuweilen pathologisch auf. Die sogenannte Kriegsgeschichte der letzten zwei Jahre — ich habe es Ihnen neulich gesagt — wird eine psychiatrische sein, eine sozial-psychiatrische. Die Dinge, wie sie sich abgespielt haben, sind für denjenigen, der sie kennt, so, daß, wenn sie sachgemäß zusammengestellt werden, sie die beste Symptomatologie für die soziale Psychiatrie der letzten Jahre und derjenigen Jahre, die da kommen werden, abgeben. Nur muß man selbstverständlich Psychiatrie auch etwas anders, mit feineren Händen anfassen, als sie von der materialistischen Medizin angefaßt wird; sonst wird man die Psychiatrie, die man zu studieren hat, zum Beispiel an der Person Ludendorffs, niemals in der richtigen Weise herausheben. Aber der Mensch wird eben lernen müssen, gerade ein gut Stück der neuesten Zeitgeschichte in diesem Lichte zu sehen. Die Freunde werden sich erinnern können, daß ich vom Anfang dieser Katastrophe an immer wieder und wiederum, wenn das oder jenes so leichten Herzens gesagt worden ist, betont habe: Diese kriegerische Katastrophe wird es unmöglich machen, aus bloßen Dokumenten und Archivergebnissen heraus die Geschichte zu schreiben. Nur derjenige wird verstehen, wie diese Katastrophe möglich geworden ist, der sich klarwerden wird darüber, daß die entscheidendsten Dinge, die 1914 Ende Juli und Anfang August geschehen sind, geschehen sind durch getrübte Bewußtseine. Die Menschen über die ganze Erde hin haben getrübte Bewußtseine gehabt und durch die Hineinwirkung ahrimanischer Mächte in diese getrübten Bewußtseine sind die Dinge geschehen. Also durch Erkenntnis von wirklich geisteswissenschaftlichen Tatbeständen werden die Dinge enthüllt werden müssen. Was nun schon einmal wird eingesehen werden müssen, ist das, daß die Zeit vorbei ist, wo man aus bloßen Dokumenten etwa im Sinne der Rankeschen Geschichtsschreibung oder meinetwillen der Geschichtsschreibung auf einem anderen Gebiete, Buckles oder dergleichen, die Ereignisse feststellen kann. Das ist wichtig!
[ 35 ] Es ist ja heute mit Händen zu greifen, wie die Menschen sich wehren gegen Einsicht. Das tritt ja zuweilen pathologisch auf. Die sogenannte Kriegsgeschichte der letzten zwei Jahre — ich habe es Ihnen neulich gesagt — wird eine psychiatrische sein, eine sozial-psychiatrische. Die Dinge, wie sie sich abgespielt haben, sind für denjenigen, der sie kennt, so, daß, wenn sie sachgemäß zusammengestellt werden, sie die beste Symptomatologie für die soziale Psychiatrie der letzten Jahre und derjenigen Jahre, die da kommen werden, abgeben. Nur muß man selbstverständlich Psychiatrie auch etwas anders, mit feineren Händen anfassen, als sie von der materialistischen Medizin angefaßt wird; sonst wird man die Psychiatrie, die man zu studieren hat, zum Beispiel an der Person Ludendorffs, niemals in der richtigen Weise herausheben. Aber der Mensch wird eben lernen müssen, gerade ein gut Stück der neuesten Zeitgeschichte in diesem Lichte zu sehen. Die Freunde werden sich erinnern können, daß ich vom Anfang dieser Katastrophe an immer wieder und wiederum, wenn das oder jenes so leichten Herzens gesagt worden ist, betont habe: Diese kriegerische Katastrophe wird es unmöglich machen, aus bloßen Dokumenten und Archivergebnissen heraus die Geschichte zu schreiben. Nur derjenige wird verstehen, wie diese Katastrophe möglich geworden ist, der sich klarwerden wird darüber, daß die entscheidendsten Dinge, die 1914 Ende Juli und Anfang August geschehen sind, geschehen sind durch getrübte Bewußtseine. Die Menschen über die ganze Erde hin haben getrübte Bewußtseine gehabt und durch die Hineinwirkung ahrimanischer Mächte in diese getrübten Bewußtseine sind die Dinge geschehen. Also durch Erkenntnis von wirklich geisteswissenschaftlichen Tatbeständen werden die Dinge enthüllt werden müssen. Was nun schon einmal wird eingesehen werden müssen, ist das, daß die Zeit vorbei ist, wo man aus bloßen Dokumenten etwa im Sinne der Rankeschen Geschichtsschreibung oder meinetwillen der Geschichtsschreibung auf einem anderen Gebiete, Buckles oder dergleichen, die Ereignisse feststellen kann. Das ist wichtig!
[ 36 ] Bloße Sympathien und Antipathien entscheiden nichts, wenn eine Ürteilsrichtung gewonnen sein will. Aber nach Sympathien und Antipathien hat man in den letzten Jahren hauptsächlich geurteilt und urteilt man bis heute. Gewiß, es werden auch unter der Herrschaft von Sympathie und Antipathie gerechte Urteile gefällt, aber sie wollen für das Eingreifen des Menschen mit seinem Urteile in die Tatsächlichkeit nichts Besonderes bedeuten. Die Wege, auf denen so oder so orientiertes Urteil epidemisch wird, die werden insbesondere studiert werden können, wenn man die Urteilsentwickelung bei den Menschen in den letzten Jahren verfolgt. Was haben Millionen von Menschen geglaubt in Mitteleuropa, was werden sie glauben? Und was glaubt man außerhalb Mitteleuropas? In Mitteleuropa so lange, als es eben ging; außerhalb Mitteleuropas wird es ja länger gehen. Aber darauf kommt es wirklich an, daß man endlich einmal sich angewöhnt, aus den Ereignissen zu lernen, daß man die Dinge geradezu daraufhin betrachtet, aus den Ereignissen zu urteilen.
[ 36 ] Bloße Sympathien und Antipathien entscheiden nichts, wenn eine Ürteilsrichtung gewonnen sein will. Aber nach Sympathien und Antipathien hat man in den letzten Jahren hauptsächlich geurteilt und urteilt man bis heute. Gewiß, es werden auch unter der Herrschaft von Sympathie und Antipathie gerechte Urteile gefällt, aber sie wollen für das Eingreifen des Menschen mit seinem Urteile in die Tatsächlichkeit nichts Besonderes bedeuten. Die Wege, auf denen so oder so orientiertes Urteil epidemisch wird, die werden insbesondere studiert werden können, wenn man die Urteilsentwickelung bei den Menschen in den letzten Jahren verfolgt. Was haben Millionen von Menschen geglaubt in Mitteleuropa, was werden sie glauben? Und was glaubt man außerhalb Mitteleuropas? In Mitteleuropa so lange, als es eben ging; außerhalb Mitteleuropas wird es ja länger gehen. Aber darauf kommt es wirklich an, daß man endlich einmal sich angewöhnt, aus den Ereignissen zu lernen, daß man die Dinge geradezu daraufhin betrachtet, aus den Ereignissen zu urteilen.
[ 37 ] Sehen Sie, da möchte man, daß das Gewicht der Ereignisse bei den Menschen ein wenig bestimmend, ausschlaggebend sein könnte, und namentlich die Art und Weise, wie die Ereignisse in der Gegenwart sich ganz originell abspielen, so, wie sie sich früher nicht abgespielt haben. Die polarisch entgegengesetzten Dinge stellen sich zusammen!
[ 37 ] Sehen Sie, da möchte man, daß das Gewicht der Ereignisse bei den Menschen ein wenig bestimmend, ausschlaggebend sein könnte, und namentlich die Art und Weise, wie die Ereignisse in der Gegenwart sich ganz originell abspielen, so, wie sie sich früher nicht abgespielt haben. Die polarisch entgegengesetzten Dinge stellen sich zusammen!
[ 38 ] Ich habe Sie das letztemal darauf aufmerksam gemacht, daß die Verpflanzung des Bolschewismus nach Rußland wesentlich ein Ludendorffscher Impuls war. Diese Dinge, die außerhalb des Gebietes der Mittelmächte zu sagen natürlich nicht notwendig war, sind oft genug gesagt worden. Man wollte nur nicht hören. Ich machte immer wieder die Erfahrung, die ich schon einmal hier erwähnt habe, die aber doch eine bedeutsame Erfahrung ist: Jene Schrift, die ich ausarbeitete — ich habe es schon erzählt, aber ich möchte, daß es nicht vergessen wird, denn ich werde nach und nach alle diese Dinge erzählen, die Welt soll erfahren, um was es sich gehandelt hat —, bestand aus zwei Teilen. Der zweite Teil enthielt aber für die damalige Zeit, in Verhältnisse abgestuft, das, was ich Ihnen als soziale Verhältnisse skizziert habe. Der erste Teil aber enthielt das, was ich für notwendig hielt, daß es in der von mir gezeigten Weise besprochen und verbreitet werde.
[ 38 ] Ich habe Sie das letztemal darauf aufmerksam gemacht, daß die Verpflanzung des Bolschewismus nach Rußland wesentlich ein Ludendorffscher Impuls war. Diese Dinge, die außerhalb des Gebietes der Mittelmächte zu sagen natürlich nicht notwendig war, sind oft genug gesagt worden. Man wollte nur nicht hören. Ich machte immer wieder die Erfahrung, die ich schon einmal hier erwähnt habe, die aber doch eine bedeutsame Erfahrung ist: Jene Schrift, die ich ausarbeitete — ich habe es schon erzählt, aber ich möchte, daß es nicht vergessen wird, denn ich werde nach und nach alle diese Dinge erzählen, die Welt soll erfahren, um was es sich gehandelt hat —, bestand aus zwei Teilen. Der zweite Teil enthielt aber für die damalige Zeit, in Verhältnisse abgestuft, das, was ich Ihnen als soziale Verhältnisse skizziert habe. Der erste Teil aber enthielt das, was ich für notwendig hielt, daß es in der von mir gezeigten Weise besprochen und verbreitet werde.
[ 39 ] Menschen habe ich gefunden, die das, was ich da niedergelegt hatte, lasen, und die mir zur Antwort gegeben haben: Ja, aber wenn man Ihren allerersten Punkt verwirklichen will, so führt ja das notwendig zur Abdankung des Deutschen Kaisers! — Darauf konnte ich nur immer sagen: Wenn es dazu führt, so wird es ja wohl notwendig sein, daß es dazu führt. — Die Weltgeschichte hat dem recht gegeben. Diese Abdankung mußte kommen. Aber sie durfte nicht auf die Weise kommen, wie das jetzt geschehen ist, sondern sie mußte aus innerer, freier Entschließung heraus kommen. Selbstverständlich wäre aus dem allerersten Punkt dies erfolgt. Der erste Punkt hieß natürlich nicht: Der Deutsche Kaiser hat abzudanken, sondern er stellt eine bestimmte Forderung auf. Wäre sie erfüllt worden, wäre diese Abdankung längst unter ganz anderen Umständen erfolgt, als sie jetzt erfolgt ist.
[ 39 ] Menschen habe ich gefunden, die das, was ich da niedergelegt hatte, lasen, und die mir zur Antwort gegeben haben: Ja, aber wenn man Ihren allerersten Punkt verwirklichen will, so führt ja das notwendig zur Abdankung des Deutschen Kaisers! — Darauf konnte ich nur immer sagen: Wenn es dazu führt, so wird es ja wohl notwendig sein, daß es dazu führt. — Die Weltgeschichte hat dem recht gegeben. Diese Abdankung mußte kommen. Aber sie durfte nicht auf die Weise kommen, wie das jetzt geschehen ist, sondern sie mußte aus innerer, freier Entschließung heraus kommen. Selbstverständlich wäre aus dem allerersten Punkt dies erfolgt. Der erste Punkt hieß natürlich nicht: Der Deutsche Kaiser hat abzudanken, sondern er stellt eine bestimmte Forderung auf. Wäre sie erfüllt worden, wäre diese Abdankung längst unter ganz anderen Umständen erfolgt, als sie jetzt erfolgt ist.
[ 40 ] Ich konnte niemals erreichen, daß die Menschen verstanden, daß dasjenige, was ich da niedergeschrieben hatte, eben aus der Wirklichkeit heraus gesprochen war. In bezug auf diesen einen Punkt kam es auch nicht weiter. Als ich einem Minister des Auswärtigen die Sache vortrug, sagte ich ihm auch: Sie haben die Wahl, entweder vernünftig zu sein und jetzt durch Vernunft die Sache zu machen, oder Revolutionen zu erleben, die im Laufe der nächsten Jahrzehnte eintreten müssen, und die sehr bald anfangen werden.
[ 40 ] Ich konnte niemals erreichen, daß die Menschen verstanden, daß dasjenige, was ich da niedergeschrieben hatte, eben aus der Wirklichkeit heraus gesprochen war. In bezug auf diesen einen Punkt kam es auch nicht weiter. Als ich einem Minister des Auswärtigen die Sache vortrug, sagte ich ihm auch: Sie haben die Wahl, entweder vernünftig zu sein und jetzt durch Vernunft die Sache zu machen, oder Revolutionen zu erleben, die im Laufe der nächsten Jahrzehnte eintreten müssen, und die sehr bald anfangen werden.
[ 41 ] Aber ebenso wahr, wie dieses, was auf eine nur etwas größere Perspektive hinweist, ist es auch, daß es notwendig war, den Deutschen Kaiser zur Abdankung zu bringen, und daß dahin ein solcher Vorschlag ging. Aber wenn man das gesagt hat, was auf einer kleineren Perspektive ruhte als das andere, so war es eben auch als etwas angesehen worden — nun, worüber man nicht einmal reden durfte, worüber man nicht einmal ernsthaft reden konnte.
[ 41 ] Aber ebenso wahr, wie dieses, was auf eine nur etwas größere Perspektive hinweist, ist es auch, daß es notwendig war, den Deutschen Kaiser zur Abdankung zu bringen, und daß dahin ein solcher Vorschlag ging. Aber wenn man das gesagt hat, was auf einer kleineren Perspektive ruhte als das andere, so war es eben auch als etwas angesehen worden — nun, worüber man nicht einmal reden durfte, worüber man nicht einmal ernsthaft reden konnte.
[ 42 ] Ebenso waren natürlich nicht erst die allerletzten Ereignisse notwendig, die, ich möchte sagen, handgreiflich den ungesunden Geist Ludendorffs verraten, sondern das konnte man lange wissen. Ich konnte vor langer Zeit darauf aufmerksam machen. Aber, nicht wahr, auf geisteswissenschaftlichem Gebiete muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß ja auch vor der Geisteswissenschaft selber heute die Leute zurückschrecken, weil sie sich vor ihr fürchten. Und seelische Furcht ist heute etwas, was in den Gemütern der Menschen eine ganz große Rolle spielt, was eine ungeheuere Rolle spielt. Sie tritt in den verschiedensten Masken auf. Aber seelische Furcht, Nicht-herantretenWollen an irgend etwas, das ist es, was eine ganz besondere Rolle spielt. Daraufhin muß man die Ereignisse ansehen, dann erkennt man sie als Symptome für tieferliegende Dinge. Nehmen Sie einmal ein Ereignis der letzten Tage.
[ 42 ] Ebenso waren natürlich nicht erst die allerletzten Ereignisse notwendig, die, ich möchte sagen, handgreiflich den ungesunden Geist Ludendorffs verraten, sondern das konnte man lange wissen. Ich konnte vor langer Zeit darauf aufmerksam machen. Aber, nicht wahr, auf geisteswissenschaftlichem Gebiete muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß ja auch vor der Geisteswissenschaft selber heute die Leute zurückschrecken, weil sie sich vor ihr fürchten. Und seelische Furcht ist heute etwas, was in den Gemütern der Menschen eine ganz große Rolle spielt, was eine ungeheuere Rolle spielt. Sie tritt in den verschiedensten Masken auf. Aber seelische Furcht, Nicht-herantretenWollen an irgend etwas, das ist es, was eine ganz besondere Rolle spielt. Daraufhin muß man die Ereignisse ansehen, dann erkennt man sie als Symptome für tieferliegende Dinge. Nehmen Sie einmal ein Ereignis der letzten Tage.
[ 43 ] Daß die Dinge so kommen werden, wie sie jetzt gekommen sind, das konnte jeder beobachtende Beurteiler der deutschen Verhältnisse und des deutschen Heeres längst wissen. Bloß Ludendorff ist es erst am 8. August 1918 aufgegangen, daß er nicht siegen kann. Er war der «Praktiker». Erinnern Sie sich, was ich alles über die Praktiker, über das Unpraktische der Praktiker im Laufe der Zeit vorgebracht habe! Er war der Praktiker, der in allen Verhältnissen sich geirrt hat, dem es zuallerletzt, erst am 8. August aufgegangen ist, daß er mit dem Heer, das ihm zur Verfügung steht, nicht siegen kann. Einsichtige Menschen haben es seit dem 16. September 1914 gewußt, daß zu siegen mit diesem Heere nicht möglich ist. Nun, was tut Ludendorff? Er ließ sich den Ballin kommen, damit der nun endlich zum Kaiser gehe und ihm sage, wie es steht, weil ja Ballin mit dem Kaiser sehr befreundet war. Sie werden fragen: Gab es damals keinen Reichskanzler? — Ja, es gab einen Reichskanzler, aber der hieß Hertling. Gab es damals keinen Minister des Auswärtigen? Es gab einen solchen, aber das war der aus der allerdumpfesten Hofluftstube heraufgekommene Herr vor Hintze. Es gab auch einen Reichstag, nun — und so weiter; von solchen Anhängseln des Volkslebens ist ja kaum der Mühe wert zu reden in unserer Zeit. Also Ludendorff ließ sich Ballin kommen und trug ihm auf, den Allerhöchsten Kriegsherrn über die Lage aufzuklären. Ballin machte sich auf dahin, wo der Kaiser hauste — selbstverständlich immer abseits von den eigentlichen Ereignissen, wenn Ludendorff es nicht gerade opportun fand, melden zu lassen, daß in Anwesenheit Seiner Majestät, des Allerhöchsten Kriegsherrn, diese oder jene Aktion unternommen worden war. Diese «Anwesenheit» wußte natürlich jeder zu taxieren, der die Verhältnisse kannte. Also Ballin, der dem Kaiser seit langem bekannt und ein gescheiter Mensch war, der machte sich auf nach Wilhelmshöhe, um den Kaiser aufzuklären. Das wäre natürlich nur möglich gewesen, wenn er den Kaiser unter vier Augen hätte sprechen können, was er hätte immer können, wenn der Kaiser ihm nicht früher, als Ballin ihn anfangs des Krieges einmal aufklären wollte, mit einem Damenfächer — na, so etwas über die Wangen hingestrichen hätte. Aber er ließ sich trotz der mit einem Damenfächer vermittelten Ohrfeige infolge der wichtigen Ereignisse doch herbei, seinen alten Freund aufzuklären. Der aber rief Herrn von Berg herbei, der es verstand, das Gespräch abzulenken — was der Kaiser selbstverständlich wollte; denn der wollte die Wahrheit nicht hören. So kam das Gespräch gar nicht auf das, auf was es kommen sollte.
[ 43 ] Daß die Dinge so kommen werden, wie sie jetzt gekommen sind, das konnte jeder beobachtende Beurteiler der deutschen Verhältnisse und des deutschen Heeres längst wissen. Bloß Ludendorff ist es erst am 8. August 1918 aufgegangen, daß er nicht siegen kann. Er war der «Praktiker». Erinnern Sie sich, was ich alles über die Praktiker, über das Unpraktische der Praktiker im Laufe der Zeit vorgebracht habe! Er war der Praktiker, der in allen Verhältnissen sich geirrt hat, dem es zuallerletzt, erst am 8. August aufgegangen ist, daß er mit dem Heer, das ihm zur Verfügung steht, nicht siegen kann. Einsichtige Menschen haben es seit dem 16. September 1914 gewußt, daß zu siegen mit diesem Heere nicht möglich ist. Nun, was tut Ludendorff? Er ließ sich den Ballin kommen, damit der nun endlich zum Kaiser gehe und ihm sage, wie es steht, weil ja Ballin mit dem Kaiser sehr befreundet war. Sie werden fragen: Gab es damals keinen Reichskanzler? — Ja, es gab einen Reichskanzler, aber der hieß Hertling. Gab es damals keinen Minister des Auswärtigen? Es gab einen solchen, aber das war der aus der allerdumpfesten Hofluftstube heraufgekommene Herr vor Hintze. Es gab auch einen Reichstag, nun — und so weiter; von solchen Anhängseln des Volkslebens ist ja kaum der Mühe wert zu reden in unserer Zeit. Also Ludendorff ließ sich Ballin kommen und trug ihm auf, den Allerhöchsten Kriegsherrn über die Lage aufzuklären. Ballin machte sich auf dahin, wo der Kaiser hauste — selbstverständlich immer abseits von den eigentlichen Ereignissen, wenn Ludendorff es nicht gerade opportun fand, melden zu lassen, daß in Anwesenheit Seiner Majestät, des Allerhöchsten Kriegsherrn, diese oder jene Aktion unternommen worden war. Diese «Anwesenheit» wußte natürlich jeder zu taxieren, der die Verhältnisse kannte. Also Ballin, der dem Kaiser seit langem bekannt und ein gescheiter Mensch war, der machte sich auf nach Wilhelmshöhe, um den Kaiser aufzuklären. Das wäre natürlich nur möglich gewesen, wenn er den Kaiser unter vier Augen hätte sprechen können, was er hätte immer können, wenn der Kaiser ihm nicht früher, als Ballin ihn anfangs des Krieges einmal aufklären wollte, mit einem Damenfächer — na, so etwas über die Wangen hingestrichen hätte. Aber er ließ sich trotz der mit einem Damenfächer vermittelten Ohrfeige infolge der wichtigen Ereignisse doch herbei, seinen alten Freund aufzuklären. Der aber rief Herrn von Berg herbei, der es verstand, das Gespräch abzulenken — was der Kaiser selbstverständlich wollte; denn der wollte die Wahrheit nicht hören. So kam das Gespräch gar nicht auf das, auf was es kommen sollte.
[ 44 ] Ich erzähle das auch nur als Psychologie. Da haben Sie einen Menschen, der in den wichtigsten Ereignissen steht, der sich fürchtet vor der Wahrheit, die ein anderer zu ihm hinbringt, und sie gar nicht an sich herankommen läßt. Da sieht man es genau. Und dasselbe Phänomen ist heute sehr verbreitet. Also Ballin hat den «Höchsten Kriegsherrn » nicht zu überzeugen vermocht, weil er ihm die Sache hat gar nicht vortragen können. Ludendorff ließ Herrn von Hintze kommen, machte mit dem aus, daß Waffenstillstand von der Entente erbeten werden sollte. Es war gleich nach dem 8. August 1918. Herr von Hintze versprach, an Wilson heranzutreten. Aber es geschah nichts, bis gegen den Oktober des Jahres 1918 hin, trotzdem es feststand, daß dasjenige geschehen mußte, was dann unter dem unglückseligen Ministerium des Prinzen Max von Baden nach Wochen geschehen ist. Der Prinz Max von Baden wollte nach Berlin gehen und etwas ganz anderes tun. Aber Ludendorff erklärte, es müsse innerhalb vierundzwanzig Stunden die Waffenstillstandsbitte vorgetragen werden, sonst käme das größte
[ 44 ] Ich erzähle das auch nur als Psychologie. Da haben Sie einen Menschen, der in den wichtigsten Ereignissen steht, der sich fürchtet vor der Wahrheit, die ein anderer zu ihm hinbringt, und sie gar nicht an sich herankommen läßt. Da sieht man es genau. Und dasselbe Phänomen ist heute sehr verbreitet. Also Ballin hat den «Höchsten Kriegsherrn » nicht zu überzeugen vermocht, weil er ihm die Sache hat gar nicht vortragen können. Ludendorff ließ Herrn von Hintze kommen, machte mit dem aus, daß Waffenstillstand von der Entente erbeten werden sollte. Es war gleich nach dem 8. August 1918. Herr von Hintze versprach, an Wilson heranzutreten. Aber es geschah nichts, bis gegen den Oktober des Jahres 1918 hin, trotzdem es feststand, daß dasjenige geschehen mußte, was dann unter dem unglückseligen Ministerium des Prinzen Max von Baden nach Wochen geschehen ist. Der Prinz Max von Baden wollte nach Berlin gehen und etwas ganz anderes tun. Aber Ludendorff erklärte, es müsse innerhalb vierundzwanzig Stunden die Waffenstillstandsbitte vorgetragen werden, sonst käme das größte
[ 45 ] Unglück. Gegen seinen früheren Entschluß tat das Prinz Max von Baden. Nach fünf Tagen erklärte Ludendorff: er habe sich wohl geirrt, es sei gar nicht notwendig gewesen!
[ 45 ] Unglück. Gegen seinen früheren Entschluß tat das Prinz Max von Baden. Nach fünf Tagen erklärte Ludendorff: er habe sich wohl geirrt, es sei gar nicht notwendig gewesen!
[ 46 ] Das ist so ein Beispiel, wie Praktiker, verehrte Praktiker, zu deren Verehrung aber nicht der geringste Grund vorlag, in die Weltereignisse eingreifen, von welcher Gesinnung aus und mit welchen Denkkräften sie eingreifen. Aber es ist zu gleicher Zeit ein Weg, zu studieren, wie Urteile epidemisch werden. Denn das Urteil, daß FZindenburg und Ludendorff «große Männer» seien, das hat sich ja wirklich mit epidemischer Gewalt verbreitet, während sie in Wahrheit durchaus keine großen Männer waren, auch nicht vom Standpunkt ihres engeren Berufes aus. Gerade diese katastrophalen Ereignisse sind für die Art, wie Mißurteile gebildet werden, ganz besonders charakteristisch. Höchstens der Witz hat manchmal das Richtige getroffen. Wenn Sie jetzt nach Berlin kommen — die meisten von Ihnen sind ja wohl in den letzten Jahren nicht in Berlin gewesen —, würden Sie so in der Nähe der Siegessäule, in der Nähe dieses großen «Spuckkastens», des Reichstagsgebäudes — ja, es sieht so aus, wie wenn es einem großen Spuckkasten nachgebildet wäre —, dort in der Nähe würden Sie ein merkwürdiges Gebilde finden. Da steht nämlich eine scheußliche Wiedergabe eines Menschen aus Holz, der «Hindenburg», groß, riesig, und da mußte jeder Patriot einen Nagel einschlagen, so daß nach und nach dieses Holz mit lauter Nägeln beschlagen wurde. Man hatte vor, dieses scheußlich vernagelte Zeug nachher im Museum des Kriegsministeriums aufzubewahren. Bloß der Berliner Witz fand ein treffendes Urteil; der sagte: Wenn er ganz vernagelt ist, kommt er ins Kriegsministerium!
[ 46 ] Das ist so ein Beispiel, wie Praktiker, verehrte Praktiker, zu deren Verehrung aber nicht der geringste Grund vorlag, in die Weltereignisse eingreifen, von welcher Gesinnung aus und mit welchen Denkkräften sie eingreifen. Aber es ist zu gleicher Zeit ein Weg, zu studieren, wie Urteile epidemisch werden. Denn das Urteil, daß FZindenburg und Ludendorff «große Männer» seien, das hat sich ja wirklich mit epidemischer Gewalt verbreitet, während sie in Wahrheit durchaus keine großen Männer waren, auch nicht vom Standpunkt ihres engeren Berufes aus. Gerade diese katastrophalen Ereignisse sind für die Art, wie Mißurteile gebildet werden, ganz besonders charakteristisch. Höchstens der Witz hat manchmal das Richtige getroffen. Wenn Sie jetzt nach Berlin kommen — die meisten von Ihnen sind ja wohl in den letzten Jahren nicht in Berlin gewesen —, würden Sie so in der Nähe der Siegessäule, in der Nähe dieses großen «Spuckkastens», des Reichstagsgebäudes — ja, es sieht so aus, wie wenn es einem großen Spuckkasten nachgebildet wäre —, dort in der Nähe würden Sie ein merkwürdiges Gebilde finden. Da steht nämlich eine scheußliche Wiedergabe eines Menschen aus Holz, der «Hindenburg», groß, riesig, und da mußte jeder Patriot einen Nagel einschlagen, so daß nach und nach dieses Holz mit lauter Nägeln beschlagen wurde. Man hatte vor, dieses scheußlich vernagelte Zeug nachher im Museum des Kriegsministeriums aufzubewahren. Bloß der Berliner Witz fand ein treffendes Urteil; der sagte: Wenn er ganz vernagelt ist, kommt er ins Kriegsministerium!
[ 47 ] Alle die Dinge sollten mehr von dem Gesichtspunkte betrachtet werden, von dem ich jetzt öfter gesprochen habe, vom Standpunkte der Symptomatologie der Geschichte sowohl, wie der Symptomatologie der Ereignisse überhaupt, die auf den Menschen bezüglich sind. Die äußere Welt gibt eben nur Symptome, und man kommt auf die Wahrheit nur, wenn man diese Symptome in ihrer Natur als Symptom kennenlernt.
[ 47 ] Alle die Dinge sollten mehr von dem Gesichtspunkte betrachtet werden, von dem ich jetzt öfter gesprochen habe, vom Standpunkte der Symptomatologie der Geschichte sowohl, wie der Symptomatologie der Ereignisse überhaupt, die auf den Menschen bezüglich sind. Die äußere Welt gibt eben nur Symptome, und man kommt auf die Wahrheit nur, wenn man diese Symptome in ihrer Natur als Symptom kennenlernt.
