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The Rudolf Steiner Archive

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How Can Humanity Rediscover the Christ?
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 187

27 December 1918, Dornach

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Vierter Vortrag

IV. The Evolution of Christianity from the Mysteries of Prechristian Times

[ 1 ] Vorgestern ist hier versucht worden, hinzuweisen auf die Impulse, aus denen sich das Christentum herausentwickelt hat. Wir konnten sehen, wie das eigentliche Ich des Christentums, das Zentrale des Christentums sich gewissermaßen verleiblicht hat — man kann das natürlich nicht gut sagen, aber vergleichsweise kann man es sagen in drei Elementen: in der althebräischen Seele, in dem griechischen Geist, in dem römischen Leib. Nun wollen wir, um die Anwendung pflegen zu können, um von der Anwendung des christlichen Gedankens auf die unmittelbare Gegenwart sprechen zu können, diese Betrachtung zunächst noch etwas fortsetzen, wollen gewissermaßen über dieses Innere, dieses Zentrale des Christentums heute noch einige Einblicke zu gewinnen versuchen.

[ 1 ] We tried two days ago to point to the impulses from which Christianity developed. We could see how the real Ego of Christianity, the essence of Christianity, embodied itself, as it were (one cannot say that, of course, except by way of comparison)—embodied itself in three elements: the ancient Hebrew soul, the Greek spirit, and the Roman body. In order to be able to apply these thoughts to the immediate present, today we will carry them a little further, and try to gain a few more glimpses of this inner being of Christianity.

[ 2 ] Wenn man auf die Entwickelung des Christentums eingehen will, so kann man es nicht anders — und Sie sehen das schon aus meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» —, als indem man auch zeigt, inwiefern sich das Christentum aus dem Mysterienwesen der vorchristlichen Zeit heraus entwickelt hat. Es ist heute im allgemeinen nicht leicht, über das Mysterienwesen zu sprechen aus dem Grunde, weil im Entwickelungsgange der Menschheit — durch notwendige Gesetzmäßigkeit ist dies bedingt — gerade der Zeitpunkt, die Epoche, besser gesagt, eingetreten ist, in gewissem Sinne stecken wir noch drinnen, in der das Mysterienwesen zurückgegangen ist, in der es nicht mehr jene Rolle spielen kann, die es zum Beispiele gespielt hat in der Zeit, in der sich das Christentum, so wie aus anderem, so auch aus dem Mysterienwesen heraus entwickelt hat. Daß das Mysterienwesen in unserer Zeit zurückgegangen ist, hat seine gute Begründung, und wir werden gerade in Anlehnung an das heute und in den nächsten Tagen zu Besprechende auf diese Begründung eingehen und auch sehen können, in welcher Weise dieses Mysterienwesen neu zu begründen ist.

[ 2 ] If we wish to trace the development of Christianity, we must show to what extent it has evolved from the Mysteries of pre-Christian times. (You will have found this already in my book, Christianity as Mystical Fact.) Today it is not easy to speak of the general nature of the Mysteries, because in the course of human evolution, happening as it did in conformity to cosmic law, the epoch arrived—in a sense we are still in it—in which the Mysteries declined. They could no longer play the role they had played at the time when Christianity was evolving out of them—as also out of other things. There is good reason for the decadence of the Mysteries in our time; we will be able to go into this in our discussion today and the following days. We will also be able to see in what way the Mysteries are to be established anew.

[ 3 ] Dasjenige, was in alten Zeiten — ich spreche also zunächst von vorchristlichen Zeiten, sagen wir zunächst von der vorchristlichen griechischen und der vorchristlichen ägyptisch-chaldäischen Zeit —, was in diesen alten Zeiten die Menschen zu dem Mysterienwesen getrieben hat, das ist der Umstand, daß sie durch ihre damalige Weltanschauung gezwungen waren, die Überzeugung in sich aufzunehmen: die Welt, die ringsherum sich um sie ausbreitet, ist nicht unmittelbar die wahre Welt; man muß Mittel und Wege suchen, um in die wahre Welt als Mensch einzudringen. Eine starke Empfindung von einer gewissen Tatsache war den Menschen jener alten Zeiten eigen, die sich überhaupt irgendwelche Rätsel der Erkenntnis vorlegten. Die Tatsache war diesen Menschen bekannt, daß — wie man sich auch mit äußeren Anschauungen bemühen mag, in das Wesen der Welt einzudringen — man in dieses Wesen der Welt durch äußere Anschauung nicht eindringen könne. Man muß, um das ganze Gewicht dieser Erkenntnis jener alten Zeiten sich vor die Seele zu rücken, sogar berücksichtigen, daß wir von Zeiten sprechen, in denen die weitaus größte Anzahl der Menschen sogar noch eine volle äußere Anschauung hatte von geistigen elementaren Tatsachen. Es war nicht so für diese Menschen, wie es heute für die große Mehrzahl der Menschen ist, daß sie nur die Impression der äußeren Sinne wahrnahmen; sie nahmen noch geistig Wesenhaftes wahr, diese Leute, gewissermaßen durch die Naturerscheinungen hindurch. Sie nahmen auch Wirkungen wahr, die sich durchaus nicht erschöpften in dem, was wir heute Natutvorgänge nennen. Dennoch, trotzdem diese Leute von der Offenbarung von elementarischen Geistern überhaupt in der Natur sprachen, waren sie doch tief davon durchdrungen, daß diese Anschauungen der äußeren Welt — und seien sie noch so hellseherisch — zum wahren Wesen dieser Welt nicht führen können, daß dieses wahre Wesen der Welt auf besonderem Wege gesucht werden müsse. Diese besonderen Wege sind dann schön zusammengefaßt in der griechischen Weltanschauung in dem Worte «Erkenne dich selbst».

[ 3 ] I shall speak first, then, of pre-Christian times, let us say to begin with, of pre-Christian Greek and pre-Christian Egypto-Chaldean epochs. What impelled people to seek out the Mysteries in those ancient times was this: their world conception forced them to believe that the world they saw spread out around them was not in itself the true world, but that they must find the means of penetrating to the true world. They had a strong sense for a certain fact when they faced any riddles of knowledge: they knew that however one tries to discover the true nature of the world by external means, it is impossible to do so. For one to realize the full importance of this knowledge that people possessed in ancient times, one must remember that we are speaking of an era in which most human beings still had a completely objective view of elementary spiritual facts. Conditions then were entirely different from those of today: people in those days not only received the impressions of their outer senses; they also still perceived spiritual realities within the phenomena of nature. They perceived activities that were by no means limited to what we today call processes of nature. Nevertheless, although they spoke generally of the manifestation of elemental spirits in nature, they had a deep knowledge that these observations of the external world, however clairvoyant, did not lead to the true being of the world, that this true being of the world must be sought by special paths. These special paths were beautifully summed up in the Greek world conception in the words, “Know thou thyself.”

[ 4 ] Sucht man nach der eigentlichen Bedeutung dieses Wortes « Erkenne dich selbst», so wird man etwa das Folgende finden. Man wird finden, daß die Kraft dieses Wortes hervorgegangen ist aus der Einsicht, daß, wie weit man auch die Außenwelt überblicken mag, wie weit man auch eindringen mag in die Außenwelt, man nicht nur nicht‘ das Wesen dieser Außenwelt selbst findet, sondern man findet auch nicht das Wesen des Menschen. Einfach mit Worten der heutigen Weltanschauung ausgesprochen, könnte man sagen: Diese Leute waren davon überzeugt, Naturanschauung kann keine Aufklärung geben über das Wesen des Menschen. Dagegen waren sie auf der andern Seite davon überzeugt, daß dieses Wesen des Menschen zusammenhängt mit der ganzen in der Welt ausgebreiteten Natur, daß also, wenn es dem Menschen gelingt, in sein eigenes Wesen einzudringen, er imstande wäre, durch die Erkenntnis seines eigenen Wesens auch über diese Welt etwas Wesenhaftes zu wissen. Aus der Welt, davon waren sie überzeugt, können sie zunächst nicht über dieses Wesen der Welt sich aufklären. Aber aus dem Wesen des Menschen, der ja ein Glied dieser Welt ist, können sie, wenn sie es erkennen können, auch über das Wesen der Welt Aufklärung gewinnen. Daher: Erkenne dich selbst, um die Welt zu erkennen. — Das war gewissermaßen der Impuls. Und das war der Impuls, der zugrunde lag, nun, sagen wir der ägyptisch-chaldäischen Einweihung. — Alle Einweihung geht über Stufen — man ist gewohnt geworden, sie Grade zu nennen —, geht über Stufen, über Grade hinauf. Nun bezeichnet man die erste Stufe, den ersten Grad der ägyptisch-chaldäischen Einweihung, mit einem Worte: der Einzuweihende habe zunächst zu gehen durch das «Tor des Menschen». Das war gewissermaßen die erste Stufe: der Durchgang durch das Tor des Menschen. Das heißt, der Mensch selber sollte zum Tore der Erkenntnis gemacht werden. Der Mensch sollte erkannt werden, weil, wenn man an diesem Eingangstor in die Welt am Menschen selbst das Wesen des Menschen erkennt, man auch in das Wesen der Welt auf dem Umweg durch den Menschen eindringen kann. Daher ist «Erkenne dich selbst» gleichbedeutend mit Eintreten in das Weltenwesen durch das Tor des Menschen.

[ 4 ] If we look for the real meaning of the words “Know thou thyself”, we will find something like the following: their power comes from the insight that to whatever extent we may survey the external world or penetrate into it, we will not only fail to find the being of this outer world but we will also fail to find the being of man. Expressing it simply, in the sense of our present-day world view, we could say: those ancient people believed that a conception of nature could give no explanation of the being of man. On the contrary, they were convinced that the being of man is connected with the whole of nature spread out in the world; therefore, if a man succeeded in penetrating into his own being, he would then be able through knowledge of his own being to gain an understanding of the being of the world as well. Therefore, “Know thou thyself in order to know the world!”: that was the impulse, one might say; and that impulse formed the basis of—well, let us say, of the Egypto-Chaldean initiation. All initiation proceeds by stages; we have become accustomed to call them degrees. Now, we may characterize the first stage, the first degree, of the Egypto-Chaldean initiation in this way: the neophyte must first pass through the “gate of man.” That means, the human being himself was to be the gate of knowledge. First the human being must be understood, because if we learn to know the being of man through man himself, then we can penetrate into the being of the world indirectly through man. Hence, “Know thou thyself!” is synonymous with entrance into the being of the world through the “gate of man.”

[ 5 ] Nun habe ich heute nicht vor, in vielen Einzelheiten über diese verschiedenen Stufen der Einweihung zu sprechen, sondern möchte dasjenige hervorheben, was wesentlich ist zur Erfassung des Christentums. Betrachten Sie also dasjenige, was ich nunmehr sagen werde, nicht als eine erschöpfende Darstellung des Wesens der Einweihungsgrade, sondern betrachten Sie es als ausgesprochen, um einzelne charakteristische Eigenschaften dieser Einweihungsgrade der ägyptisch-chaldäischen Einweihung hervorzuheben, die besonders vorbereitend wirken konnten und wirklich vorbereitend wirkten auf die Entwickelung des Wesens des Christentums.

[ 5 ] It is not my intention to speak in detail today about the stages of Egypto-Chaldean initiation; I would like to point out what is essential for the understanding of Christianity. Therefore, do not regard what I shall say as an exhaustive presentation. I wish simply to mention single characteristics of those stages, which could and did have a particular preparatory influence upon the development of the being of Christianity.

[ 6 ] Dasjenige, was der Einzuweihende am Tore des Menschen erkennen sollte, das war also das Wesen des Menschen selbst. Das war etwas, was er nicht finden konnte — wie weit und wie genau er sich auch umschaute — in dem, was ihm die äußere Welt zeigte. Man war in den Mysterien sich klar darüber, daß in der Menschennatur etwas zurückgeblieben war von den Geheimnissen des Daseins, die man in dieser Menschennatur mit Menschenmitteln finden konnte, die man aber nicht finden kann, wenn man den Blick auf die Außenwelt richtet. Davon waren diese Menschen überzeugt. Richtet man den Blick auf die Außenwelt, so findet man allerdings zunächst die um den Menschen herum sich ausbreitende irdische Naturwesenheit. Allein diese irdische Naturwesenheit ist gewissermaßen nur eine Art von Schleier, von Hülle, insofern sie der Mensch erkennt. Und auch dasjenige, was heute etwa schon die Naturwissenschaft zu sagen hat über diese äußere Natur, wie sie sich darbietet, ist durch seine eigene Wesenheit so, daß es durchaus nicht über sich selbst aufklärt. Dann konnte der Mensch den Blick richten — und in jenen alten Zeiten tat man das viel intensiver, als man das heute tut — aufwärts von der äußeren Natur, die er hier auf der Erde in seiner Umgebung erblickt, auf die Sternenwelt. Da sah er mancherlei, von dem er in jenen alten Zeiten gut wußte — ein Wissen, das für die äußere Welt heute verlorengegangen ist —, daß der Mensch ebenso damit in Verbindung steht, wie er mit dem Pflanzen-, mit dem Tierreich und dem mineralischen Reiche hier auf der Erde in Verbindung steht. Man wußte, daß der Mensch, ebenso wie er aus den Reichen der Natur auf der Erde herausgeboren ist, mit irgend etwas in sich auch aus dem außertellurischen, dem außerirdischen Kosmos herausgeboren ist. Allerdings, das, was den Menschen mit diesem außertellurischen, außerirdischen Kosmos vereint, das stellte sich für die Erkenntnis ein, wenn der Mensch durch das Tor des Menschen ging. In sich trug der Mensch gewissermaßen die Überreste eines Zusammenhanges, aus denen er sich losgelöst hatte beim Übergang der Mondennatur zur Erdennatur. Er trug in sich die Überreste seines Zusammenhanges mit dem außerirdischen Kosmos. Der Mensch wurde also zum Tore des Menschen geführt; er sollte da den Menschen selbst kennenlernen. Er lernte dasjenige, was er nur äußerlich anstarren konnte, namentlich in der Sternenwelt, in sich selbst kennen.

[ 6 ] What the neophyte at the “gate of man” was to learn to know, therefore, was the being of man himself. That was something he could not find in what the outer world revealed to him, however far and carefully he sought. In the Mysteries it was known that some of the secrets of existence had remained in human nature and could be discovered by human means, secrets that could not be found by searching the outer world. Those ancient people were convinced of this. If one directs his attention to the outer world, he finds, of course, first of all the earthly substances and forces surrounding him. But these earthly substances and forces, so far as man understands them, are only a kind of veil. Whatever natural science may now have to say about external nature as it presents itself, is such that it throws no light whatever upon it. In earlier times the human being could look up from external nature that he saw around him on earth to the world of the stars; and in those ancient times he did that much more intensively than he does today. There he saw many things, and he well knew in those times that man is related to them just as he is related to the plant, animal, and mineral kingdoms on earth. This is a knowledge that has disappeared from the outer world today. Ancient man knew that just as he is born out of the kingdoms of nature on earth, something in him is also born out of the extra-tellurian, extra-earthly cosmos. Indeed, it was this connection of the human being to the cosmos beyond the earth that became known to him when he passed through the “gate of man.” He bore within him, one might say, remnants of the relationship that he had discarded in his transition from Moon-nature to Earth-nature. He bore within him the remnants of his relationship to the cosmos beyond the earth. So he was led to the “gate of man,” where he was to become acquainted with man himself. He came to know in himself what externally he could only gaze at, especially in the world of the stars.

[ 7 ] Er lernte in sich selbst kennen, wie er als eigentlicher Mensch nicht nur eingegliedert ist in einen irdischen Leib, der aus den Reichen der Erdennatur zusammengesetzt ist, sondern er lernte auch kennen, wie in sein ganzes menschliches Wesen eingeflossen ist dasjenige, was von der gesamten außerirdischen Sternenwelt ausgeht. Der Mensch entdeckte durch seine Selbsterkenntnis, könnte man sagen, die Natur des Sternenhimmels. Er lernte kennen, wie er von Stufe zu Stufe herabgestiegen ist, gewissermaßen von Himmel zu Himmel herabgestiegen ist, bevor er auf der Erde angelangt ist und in einem irdischen Leibe verkörpert wurde. Und er sollte beim Tore des Menschen diese Stufen — ihrer acht wurden gewöhnlich aufgeführt — wieder hinaufsteigen. Er sollte gewissermaßen während seiner Einweihung den Rückweg antreten durch diejenigen Stufen hindurch, durch die er herabgestiegen ist, bis er hier in einem physischen Leibe geboren worden ist.

[ 7 ] In himself he learned that as a true human being not only is he organized in an earthly body gathered from the kingdoms of earthly nature, but also something coming from beyond the earth, coming from the whole world of the stars, has flowed into his entire human entity. A man discovered the nature of the starry sky, one might say, through knowledge of himself. He came to know how he had descended step by step, descended from heaven to heaven, so to say, before he reached the earth and incarnated in an earthly body. And through the “gate of man” he was to ascend these steps again—eight of them were usually specified. During his initiation he was to set out on the return, through the stages by which he had descended to his birth in a physical body.

[ 8 ] Solch eine Erkenntnis kann nicht erworben werden — ich spreche jetzt immer von vorchristlicher Mysterienerkenntnis —, ohne daß das ganze Wesen des Menschen ergriffen wird. Die Vorbereitung, die der Einzuweihende in jenen Zeiten durchzumachen hatte, von ihr macht sich der heutige Mensch nicht gern einen Begriff — ich wähle meine Worte so, daß sie möglichst genau die Tatsache ausdrücken —, weil er durch diese Begriffe irritiert wird. Der Mensch möchte heute womöglich auch die Einweihung durchmachen wie etwas, was man so gelegentlich mitnimmt auf seinen Lebensweg, was man so nebenher absolviert. Er möchte sich informieren — wie man das heute nennt über das, was zu den Erkenntnissen führt; er möchte jedenfalls, der heutige Mensch, nicht gern das erleben, was jene alten Leute, die die Einweihung suchten, erleben mußten. In seiner ganzen menschlichen Wesenheit von der Vorbereitung zur Erkenntnis ergriffen werden, ein anderer Mensch werden, das möchte er nicht gern. Diese Leute aber mußten sich dazu entschließen, ein anderer Mensch zu werden. Die Beschreibungen, die Sie sehr häufig über dieses alte Mysterienwesen finden, geben Ihnen nur einen unklaren Begriff, denn diese Beschreibungen sind meistens so gehalten, daß man die Vorstellung bekommt, es wären diese alten Einweihungen auch so nebenher an den Menschen vorübergegangen wie etwa die sogenannten Einweihungen der modernen Freimaurerei. Das ist aber nicht der Fall. Man hat es auch da, wo alte Einweihungen nachgeahmt werden in der Gegenwart, nur zu tun mit allerlei Nachbildungen desjenigen, was in jenen alten Zeiten wirklich durchlebt worden ist, mit Nachbildungen, die wirklich so nebenher, wie es der moderne Mensch wünscht, im Leben absolviert werden können. Dasjenige aber, was für den alten Menschen wesentliche Vorbereitung war, das war, daß er durchzumachen hatte jenen inneren Seelenzustand, der sich nur mit einem Worte dadurch bezeichnen läßt, daß man sagt: er mußte durchgeführt werden in stärkstem Maße durch jene Furcht, welche der Mensch immer empfindet, wenn er wahrhaftig und wirklich vor ein ihm gänzlich Unbekanntes geführt wird mit vollem Bewußtsein. Das war gerade das Wesentliche bei den alten Einweihungen, daß die Menschen wirklich am intensivsten die Empfindung in sich aufzunehmen hatten: sie stehen vor etwas, wovor sie nicht stehen können irgendwie im äußeren Leben.

[ 8 ] Such insight could not be gained without man's whole nature being profoundly affected. (I am speaking now always of the pre-Christian Mystery knowledge.) The man of today does not even like to form an idea of the preparation that the neophyte had to go through in those times, because these ideas irritate him. (I am choosing my words so as to express the facts as exactly as possible.) A modern person would like to undergo initiation, if possible, as something to be done casually somewhere along his life-path, something to be done incidentally. He would like to inquire—as people say today—into what leads to knowledge; but in any case, he would not like to experience what the people of old seeking initiation had to experience. To be deeply affected in his whole being by the preparation for knowledge, to become a different man—that he would not like. Those ancient people had to decide to become different human beings. The descriptions you very often find of the ancient Mysteries give you only a dim picture; they create the impression that the ancient initiations were conferred upon individuals just as casually as are, let us say, the so-called initiations of modern Freemasonry. But that was not the case. Where ancient initiations are imitated today, we have to do merely with all sorts of counterfeits of what was really lived through in those ancient times—imitations that can be performed now as superficially as the modern person may wish. But the essential preparation for the man of old was this: he had to go through an inner soul-condition that, if characterized by one word, must be called fear. He had to experience to a most intense degree the fear that is always felt by someone who is brought face to face with something wholly unknown to him. In the ancient initiations that was the essential condition: that an individual should have the most intense feeling of facing something that would not be met with anywhere in external life.

[ 9 ] Mit all den Seelenkräften, mit denen man im äußeren Leben auch heute noch wirtschaftet, läßt sich diese Seelenverfassung nicht erreichen. Mit den Seelenkräften, die der Mensch heute gern handhabt, mit denen kann man essen und trinken, mit denen kann man sich in der Weise sozial bewegen, wie man das heute tut unter den heute üblichen Menschenklassen, mit denen kann man Handel treiben, Bürokratismus treiben, ja mit denen kann man Professor werden, Naturwissenschaft treiben, all das, aber man kann mit diesen Fähigkeiten nichts Wirkliches erkennen. Die Seelenverfassung, mit der man — halten Sie das fest, daß ich immer in jenem alten Sinne spreche — in jenen alten Zeiten erkennen wollte, ist eine wesentlich andere. Sie durfte nichts gemein haben mit den Seelenkräften, die für das äußere Leben dienlich sind, die mußten sozusagen aus ganz andern Regionen des Menschen hergenommen werden. Diese Regionen sind immer im Menschen vorhanden, aber der Mensch hat eine heillose Furcht, sie irgendwie zu handhaben. Geradezu voll absichtlich wurde jene Region in Tätigkeit versetzt bei dem Einzuweihenden, die gerade der moderne Mensch, der gewöhnliche profane Mensch auch in der damaligen Zeit, in sich selber mied, zu der er nicht seine Zuflucht nehmen wollte, über die er sich gern Illusionen macht, sich gern betäuben läßt. Daher wird das äußerlich — was aber mehr innerlich verstanden werden sollte — geschildert als das Erregen einer Reihe von Furchtzuständen, die allerdings durchgemacht werden mußten, weil in der Seele des Menschen nur das zur beabsichtigten Erkenntnis hingeleitet werden kann, was in solcher Region liegt, vor der sich der Mensch im gewöhnlichen äußeren Leben fürchtet. Erst aus dieser Seelenstimmung heraus, die wacker durchgemacht wurde, die nun wirklich erlebt wurde, wo der Mensch in seiner Seele nichts fühlte als Furcht vor irgend etwas, was eben das Unbekannte war — denn er sollte erst durch diese Furcht zur Erkenntnis hingeführt werden —, erst aus diesem Seelenzustand heraus wurde er dann hingeführt vor dasjenige, was ich eben charakterisiert habe als das Heruntersteigen des Menschen dutch die Regionen der Himmel oder der geistigen Welt, wo er die acht Stufen wiederum hinaufgeleitet wurde, die natürlich heute nur nachgemacht werden, nur nachgemacht werden können nach den Gepflogenheiten unserer Zeit. Aber der Mensch wurde damals in dieses Erlebnis tatsächlich eingeführt.

[ 9 ] Given all the soul-forces the man of today expends upon his external life, this soul-condition would today still never be reached. With the soul-forces he likes to use he can eat and drink, he can conform to the social customs of the various classes of society recognized today, he can carry on a business, play the bureaucrat, even become a professor or a scientist—all that: but with these capacities actually he can know nothing whatever that is real. The condition of soul in which an individual sought enlightenment in those ancient times—remember that I am speaking now steadily about that ancient time—the condition of soul was essentially different. It could have nothing in common with the soul-forces that are serviceable for external life; it had to be derived from entirely different regions of the human being. These regions are always present in man, but he has a terrible fear of using them in any way. In the neophyte they were brought into activity in a direct and purposeful way. They are that very part of a human being that is avoided by modern man—by the ordinary, secular man of ancient times too—in which modern man does not want to become involved, and concerning which he likes to have illusions or to be indifferent. One must understand the inner significance of what can be described outwardly as the cause of a series of fear-conditions that had to be undergone. Only what lies in the realm of the soul that man fears in his ordinary external life: only this could be used to attain the desired knowledge. This condition of soul was really experienced in those times, and bravely gone through—a condition in which all the individual felt was fear: fear of something unknown. This fear was to lead him to knowledge. Only through this soul- condition was he then brought face to face with what I have just characterized as the descent of the human being through the regions of heaven, that is, of the spiritual world, to which he was led up again through the eight stages. Naturally, these are only imitated today, as they must be because of the customs of our time; but in those days a man was actually brought to this experience.

[ 10 ] Für uns ist besonders wichtig das Ergebnis, das sich für den Menschen dann herausstellte, wenn er an dieses Tor des Menschen hingeführt worden ist. Der Mensch hörte auf, nachdem er begriffen hatte den ganzen Sinn seines Hingestelltseins vor das Tor des Menschen, sich als das Tier — verzeihen Sie den Ausdruck — auf zwei Beinen zu betrachten, das eine Zusammenfassung der übrigen Naturreiche hier auf dieser Erde ist. Er fing an, sich als ein Bürger der ganzen Welt zu betrachten, er fing an, sich zu den Himmeln zugehörig zu betrachten, die man sehen kann, und auch zu denen, die man nicht sehen kann. Er fing an, sich eins zu fühlen mit dem ganzen Kosmos, sich wirklich als Mikrokosmos zu fühlen, nicht bloß als eine kleine Erde, sondern als eine kleine Welt sich zu fühlen. Er fühlte seinen Zusammenhang mit Planeten und Fixsternen, fühlte sich also herausgeboren aus dem Weltenall. Gewissermaßen könnte man sagen, er fühlte, wie sein Wesen nicht endet bei den Fingerspitzen, den Ohrenspitzen, Zehenspitzen, sondern wie sein Wesen sich fortsetzt über diese seine von der Erde her genommene Leiblichkeit durch die unendlichen Räume, und durch diese unendlichen Räume noch hindurch in die Geistigkeit hinein. Das war das Ergebnis.

[ 10 ] Especially important for us is what resulted for the individual who was brought to this “gate of man.” When he had grasped the full meaning of being placed there, he no longer considered himself the animal-on-two-legs—pardon the expression—that is, a synthesis of the rest of the kingdoms of nature here on earth. He began to feel himself as belonging to the heavens one can see and also to those one cannot see. He began to consider himself a citizen of the whole world, to feel himself really as microcosm, not merely a little earth, but a little world. He felt his connection with the planets and fixed stars, that he had been born out of the universe. He felt that his being did not end with his fingertips, the tips of his ears, the tips of his toes, but that it extended beyond his body taken from the earth, that his being extended through endless spaces and on through these endless spaces into the realms of spirit. That was the result.

[ 11 ] Versuchen Sie nicht, dieses Ergebnis allzusehr in einen abstrakten Begriff zu verwandeln, denn von diesem abstrakten Begriff haben Sie wirklich nicht viel. Zu sagen, der Mensch ist ein Mikrokosmos, eine kleine Welt, und da nur den abstrakten Gedanken zu haben, das ist nicht sehr viel; das ist eigentlich bloß eine Illusion, bloß eine 'Täuschung. Denn dasjenige, um was es sich bei diesen alten Mysterien handelte, war das unmittelbare Erlebnis. Wirklich hatte der Einzuweihende erlebt beim Tor des Menschen, wie er verwandt ist mit Merkur, Mars, mit der Sonne, mit dem Jupiter, mit dem Monde. Wirklich hatte er erlebt, daß jene Hieroglyphen, die im Weltenraume stehen und die von der Sonne durchlaufen werden — scheinbar, wie wir heute selbstverständlich sagen —, die Bilder des Tierkreises mit seiner eigenen Existenz etwas zu tun haben. Erst dieses konkrete Wissen, das auf Erlebnis beruhte, machte dasjenige aus, was ich jetzt als Ergebnis bezeichne. Nicht hat man dasselbe, wenn man diese Dinge heute übersetzt in abstrakte Begriffe. Wenn man heute die alten Erlebnisse in den abstrakten Begriff übersetzt: dieser Stern hat diesen Einfluß, jener Stern hat jenen Einfluß und so weiter, so sind das eben abstrakte Begriffe. Für jene alten Zeiten handelte es sich um das unmittelbare Erlebnis, um das wirkliche Hinaufsteigen durch die verschiedenen Stufen, durch die der Mensch vorgeburtlich heruntergestiegen ist. Erst dann, wenn der Mensch dieses lebendige Bewußtsein hatte, wenn er aus dem Erlebnis wußte, daß er ein Mikrokosmos ist, erst dann fühlte man ihn reif, eine zweite Stufe, einen zweiten Grad aufzusteigen, der damals der eigentliche Grad der Selbsterkenntnis war. Da konnte der Mensch erleben, was er selbst ist.

[ 11 ] Do not try to form too abstract a concept of this result! To say that man is a microcosm, a little world, and then to have nothing but the abstract idea is not worth much; it is only a delusion, a deception. The matter of importance in those ancient Mysteries was the direct experience. The neophyte really experienced at the “gate of man” his relationship to Mercury, Mars, the Sun, Jupiter, the Moon. He really experienced the connection between his own existence and those hieroglyphs standing in cosmic space through which the sun takes its course (“apparently”—as we say today), the pictures of the zodiac. Only this concrete knowledge based on his immediate experience determined what I am now pointing to as result. When these things are changed today into abstract concepts, the result is not the same. When ancient experiences are converted today into such concepts as: this star has this influence, that star has that influence, and so on, they are nothing but abstract ideas. In those ancient times the thing that mattered was the immediate experience, the actual ascent through the various stages by which a man had descended to birth. Only when the neophyte had this living consciousness, only when he experienced that he was a microcosm, was he considered ready to ascend to a second stage, a second degree, which at that time was the real stage of self-knowledge. Then he could experience what he himself was.

[ 12 ] Dasjenige also, was ich vorhin charakterisiert habe als das Wesen, das auch das Wesen der Welt ist, war aber für den Menschen der damaligen Zeit nur im Menschen selbst zu finden; daher mußte man, wollte man im Weltenall Einlaß finden, durch das Tor des Menschen gehen. Innerhalb dieses zweiten Grades kam gewissermaßen alles in Bewegung, was im ersten Grade wie ein erlebtes Wissen erfahren worden war. Dieses In-Bewegung-Kommen — es ist heute sogar noch schwierig, eine Vorstellung zu geben von diesem In-BewegungKommen von Erlebnissen. Man lernte im zweiten Grade nicht nur kennen, wie man zugeteilt ist dem Makrokosmos, sondern man wurde eingesponnen in die ganze Bewegung des Makrokosmos. Man ging gewissermaßen mit der Sonne durch den Tierkreis, man lernte kennen dadurch, daß man mit der Sonne durch den Tierkreis ging, auch den ganzen Weg, welchen irgendein äußerer Eindruck auf den Menschen selber macht. Der Mensch kennt, wenn er der Außenwelt mit dem gewöhnlichen Erkenntnisvermögen gegenübersteht, nur den Anfang eines sehr ausführlichen Prozesses. Sie sehen eine Farbe, machen sich die Vorstellung der Farbe, behalten vielleicht diese Vorstellung im Gedächtnis, in der Erinnerung, aber weiter geht es nicht. Das sind drei Stufen. Wenn man das als etwas Vollendetes betrachten würde, so wäre das gerade so, wie wenn man den Tageslauf, der zwölf Stunden mit der Sonne hat, nur drei Stunden lang betrachten wollte. Denn alles dasjenige, was der Mensch als eine Impression von außen aufnimmt, was er eigentlich höchstens bis zu der Gedächtnisvorstellung verfolgt, das macht in ihm von der Gedächtnisvorstellung an einen weiteren Prozeß dutch, durch weitere neun Stufen. Der Mensch wird sich selbst ein Bewegliches, wird innerlich gewissermaßen durchzogen von einem lebendigen sich drehenden Rade, wie die Sonne ihr Himmelsrad beschreibt — scheinbar, im heutigen Begriffe gesprochen. So lernte der Mensch sich selbst kennen. Er lernte aber damit auch die Geheimnisse der großen Welt kennen. Lernte er im ersten Grade kennen, wie er drinnensteht in der Welt, so lernte er im zweiten Grade kennen, wie er sich bewegt innerhalb der Welt.

[ 12 ] Thus what I have characterized as Being, as also the Being of the World, was to be found by a person of that time only in himself; if he wished to find his way into the universe, he had to go through the “gate of man.” In the second stage, everything that had been learnt in the first as experienced knowledge began to take on motion. It is difficult today to give any idea of this coming-into-motion of one's experiences. In this second stage the neophyte not only knew that he belongs to the macrocosm, but he was woven into the whole movement of the macrocosm. He went with the sun through the zodiac, as it were, and from this journey through the whole zodiac he came to know the full effect of any outer impression upon man himself. When you confront the external world with only the ordinary means of knowledge, you perceive merely the beginning of a very detailed process. You see a color; you form an image of it; perhaps you retain this image in your memory—and it goes no further. These are three steps. If we were to consider this complete, it would be precisely as if we considered the course of the day, which is twelve hours of sunlight, as consisting only of three hours. For the outer impressions a person receives and follows up, at most, as far as the memory-image, continue within him by a further process beyond the memory-image through nine more steps. The man then becomes a mobile being, inwardly permeated, as it were, by a living, turning wheel, just as the sun describes its heavenly circle (“apparently,” according to our present-day concepts). In this way the neophyte came to know himself, and thereby to know also the mysteries of the great world. As he learned in the first stage how he stands within the world, so he learned in the second stage how he moves within the world.

[ 13 ] Ohne diese Erkenntnisse als Lebenserkenntnisse ist nicht dasjenige zu erreichen, was jeder in den dritten Grad, in die dritte Stufe Einzuweihende in den alten Zeiten wirklich durchzumachen hatte. Wir leben eben in einer Epoche, in der es dem Menschen natürlich ist, alles Dreigliedrige, wenn ich im Mysteriensinne sprechen soll, überhaupt zu leugnen, überhaupt aus dem menschlichen Bewußtsein alles Dreigliedrige auszulöschen. Denn der Mensch, ob er es nun zugibt oder nicht, pocht heute eigentlich auf die ganze Welt als in Raum und Zeit beschlossen. Sie können selbst bei sehr nachdenklichen Menschen finden, wie sie die ganze Welt in Raum und Zeit beschlossen finden. Sie brauchen zum Beispiel nur zu denken, wie in der Epoche des 19. Jahrhunderts, in welcher der Materialismus, der theoretische Materialismus, seine Hochblüte getrieben hat, der Unsterblichkeitsgedanke des Menschen gefaßt worden ist. Sehr gescheite Leute in der Mitte, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, haben immer wieder betont: Wenn die Seele des Menschen im Tode den Menschen verlassen würde, so könnte ja zuletzt kein Platz sein; die Welt müßte so angefüllt sein mit Seelen, daß kein Platz sein könnte für diese Seelen. — Das haben sehr gescheite Leute gesagt, weil sie tatsächlich damit gerechnet haben, daß die Seele des Menschen nach dem Tode irgendwie untergebracht sein müßte in einer Weise, die sich mit Raumesvorstellungen charakterisieren läßt. Oder ein anderes Beispiel: Es gab, soll sogar noch geben eine Theosophische Gesellschaft, in der allerlei Dinge gelehrt worden sind über die höheren Glieder der Menschennatur. Ich will nicht sagen, daß die erleuchteten Führer in denselben Fehler verfallen sind, aber ein großer Teil der Anhänger hat sich recht räumlich den Astralleib vorgestellt: so wie eine allerdings recht dünne, aber doch wie eine räumliche Wolke; und diese Anhänger haben viel darüber nachspekuliert, wie sie sich nun das vorzustellen haben, wenn der Mensch schläft, und jene Wolke räumlich aus ihm herausgeht, wo sie sich räumlich nun irgendwo aufhält. Es war sehr schwierig, einer großen Anzahl von Anhängern beizubringen, daß solche räumlichen Vorstellungen unangemessen sind dem Geistigen.

[ 13 ] Without this knowledge as life-knowledge, no neophyte in ancient times could reach what he then had to experience at the third stage of initiation. We live now in an epoch in which it is natural for people to disavow completely everything three-membered—speaking in the sense of the Mysteries—to erase utterly from human consciousness everything of a three-membered nature. Whether they admit it or not, the people of our time really presuppose that the entire universe is enclosed in space and time. You will find that even very thoughtful people hold this opinion. You need only recall, for example, how the idea of human immortality was conceived in that part of the nineteenth century when materialism, theoretical materialism, had reached its height. Very clever people in the middle and the second half of the nineteenth century were insisting that if men's souls were to separate from them at death, there would finally be no room; the world would be so filled with souls that there would be no space for them. Very clever people said this, because they assumed that after death a man's soul would have to be taken care of in some way that could only be thought of with space concepts. Or take another example: There was—and it is said to exist still—a Theosophical Society in which all sorts of things were taught about the higher members of man's nature. I do not say that the enlightened leaders fell into this error; but a large proportion of the members imagined the astral body as quite spatial—of course, very tenuous, like a cloud, but nevertheless like a spatial cloud, and they indulged in speculation as to the whereabouts of this cloud in space when someone goes to sleep and the cloud goes out of him spatially. It was difficult to suggest to many of these members that such spatial concepts are unsuitable for spiritual ideas.

[ 14 ] Das wird eben dem heutigen Menschen ungeheuer schwierig, sich vorzustellen, daß von einem gewissen Punkte des Erkenntnisweges aus der Mensch nicht nur in andere Raumesteile und in andere Zeiten kommt, sondern aus Zeit und Raum herauskommt, daß erst dann eigentlich das wirkliche Übersinnliche beginnt, wenn man nicht nur die Sinneseindrücke und ihre zeitlichen Prozesse verläßt, sondern Raum und Zeit selbst, wenn man in ganz andere Daseinsbedingungen eintritt als in die Daseinsbedingungen, die Raum und Zeit umschließen. Und wenn Sie sich vielleicht, indem ich dieses ausspreche, auf sich selbst besinnen, so werden Sie unter Umständen in Ihrem eigenen Inneren Schwierigkeiten finden, wenn Sie sich fragen: Wie soll ich das nun machen, um aus Raum und Zeit mit meiner Vorstellung hinauszugehen? — Und dennoch, das war im wesentlichen die wirkliche Errungenschaft des wirklichen Durchmachens der zwei ersten Grade. Würde man in dem Zeitalter des Materialismus noch ein deutliches Bewußtsein gehabt haben von diesen drittgradigen Geheimnissen, so würde nicht etwas — jetzt spreche ich nicht über das äußere Experimentelle, aber über die zugrunde gelegte Theorie —, was als Theorie so grotesk ist wie der Spiritismus, Verbreitung gefunden haben. Wer Geister sucht, indem er sie so wie feine Körper in den Raum hereinbringen will, der hat gar keine Ahnung davon, daß, indem er so verfährt, er schon geistlos verfährt, das heißt, eine Welt aufsucht, die keine Geister enthält, sondern eben etwas anderes als Geister. Würde der Spiritismus eine Ahnung haben, wie, um Geister zu finden, man aus Zeit und Raum herausgehen muß, so würde er nicht zu dieser grotesken Vorstellung kommen, daß man räumliche Arrangements treffen kann, durch die sich Geister in irgendeiner Weise so ankündigen, wie sich äußere Raumeswirkungen im Zeitprozeß abspielen.

[ 14 ] It is exceedingly difficult for anyone in our time to imagine that at a certain point on the path of knowledge one does not merely enter into a different dimension of space and time from that of everyday consciousness, but one actually goes out of space and time. The truly supersensible does not really begin until one has abandoned not only sense impressions and their time processes, but space and time themselves. One enters into conditions of existence entirely different from those that have to do with space and time. If you would apply this to yourselves, you might find it difficult to answer the question: What must I do in order to leave space and time with my thinking? Yet that was the real achievement resulting from the completion of the first two stages of the Mysteries. If a clear consciousness of the secrets of the third stage had still existed in this age of materialism, nothing so grotesque could have developed as the theory of spiritism. (I speak now of the basic theory, not of external experimentation.) Anyone who tries to find spirits, wanting to bring them into space as rarefied bodies, does not realize that the procedure is utterly devoid of spirit; that is, he is seeking a world that does not contain spirits but contains something else. Had spiritism had any idea that to find spirits it is necessary to go out of space and time, such grotesque concepts could never have arisen as that of the need for spatial arrangements, so that the spirits can announce themselves by external acts within space and time!

[ 15 ] Nun kurz, das war es, was eben gerade erworben werden sollte durch die zwei ersten Stufen bis zum dritten Grade hin: die Möglichkeit, aus Zeit und Raum herauszukommen. Dazu bereitete allerdings vor das wirkliche Hindurchschreiten durch das Tor des Menschen und dann durch den zweiten Grad.

[ 15 ] Well, briefly, this is what had to be achieved in the first two stages: the ability to get out of space and time. The preparation for it was the striding through the “gate of man,” and then through the second stage.

[ 16 ] Diese dritte Stufe, dieser dritte Grad wurde mit einem Worte bezeichnet, das man etwa in deutscher Sprache so ausdrücken kann: Der Einzuweihende ging durch das «Tor des Todes». Das heißt, er wußte sich jetzt wirklich außerhalb des Raumes, in dem sich das leibliche Menschenleben zwischen Geburt und Tod abspielt, und außerhalb der Zeit, in welcher dieses Menschenleben verläuft. Er wußte sich, jenseits von Zeit und Raum, im Dauernden zu bewegen. Er lernte erkennen dasjenige, was schon in die Sinneswelt hereinragt, wie ich öfter jetzt betont habe, aber mit dem, womit es in die Sinneswelt hereinragt, nicht innerhalb dieser Sinnenwelt begriffen werden kann, weil es schon Geistiges enthält. Er lernte sich befassen mit dem Tode, mit alldem, was mit dem Tode zusammenhängt. Das war im wesentlichen der Inhalt dieses dritten Grades. Wie man auch die je nach den verschiedenen Völkern verschieden gearteten Mysterienriten anschauen mag, wie sie sich auch darstellen mögen, überall lag zugrunde die Beschäftigung mit dem Tode. Überall mußte der Ausgangspunkt genommen werden für den dritten Grad von alldem, was erlebt werden kann — wenn ich den paradoxen Ausdruck, weil ich keinen besseren jetzt habe, gebrauchen muß —, wenn man den Tod, der sonst den Menschen aus dem Leibe herausführt, erlebbar macht schon innerhalb des Leibeslebens. Das war dann zugleich verbunden mit der Möglichkeit, nun wirklich den Menschen, so wie er dasteht zwischen Geburt und Tod, als etwas zu betrachten, das außerhalb der Wesenheit ist, die man jetzt im dritten Grade erreicht hatte. Man wußte jetzt einen Begriff zu verbinden mit dem Worte: außerhalb seines Leibes zu sein, wobei dieses «außerhalb» eben dann nicht räumlich aufgefaßt worden ist, sondern überräumlich aufzufassen war. Also man wußte damit einen erlebbaren Begriff zu verbinden. Da war es auch, wo die Menschen ablegten den Glauben an die gewöhnliche profane Religion, die die Religion ihres Volkes war. Da legten die Menschen vor allen Dingen ab am Tore des Todes die Vorstellung: Du stehst hier auf der Erde, deine Götter oder dein Gott sind irgendwo außer dir. — Da wußte sich der Mensch einig mit seinem Gotte, da unterschied sich der Mensch nicht mehr von seinem Gotte, da wußte er sich mit ihm völlig verbunden. Es war im wesentlichen erlebte Unsterblichkeit, die dieser dritte Grad dem Menschen brachte. Es war erlebte Unsterblichkeit dadurch, daß der Mensch dasjenige, was sterblich an ihm ist, verlassen konnte, daß er sich trennen konnte von demjenigen, was an ihm sterblich ist.

[ 16 ] The third stage was designated by an expression which perhaps we can translate into these words: the neophyte passed through the “gate of death.” That means, he knew that now he was really outside space—in which human life is spent between birth and death, and outside time—in which this human life takes its course. He knew how to move beyond space and time, in duration. He came to know something that extends into the sense world, as I have often emphasized, but that cannot be comprehended in the sense world through what it brings, because what it brings, what it contains is spiritual. He learnt about death and all that is connected with it. That was the essential content of this third stage. However we may regard the Mystery rites, varying as they did among the different peoples, however they may be represented, their fundamental concern was with death. Everywhere the starting-point for the third stage had to be the possibility of a man experiencing within the life of the body all that normally he can only experience when death takes him out of the body. (I have to use a paradoxical expression for lack of something better.) This was connected with the possibility of considering the human being as he normally exists between birth and death as something different, something apart from the being whom the neophyte had now become in the third stage. The neophyte had now learnt in connection with the phrase “to be outside the body” to conceive of the “outside” not as spatial, but as super-spatial. He had learnt to connect with these words a concept that could be experienced. It was at this point also that the neophyte laid aside his connection to the ordinary secular religion of his people. Most of all, he laid aside at the “gate of death” the idea that he stood here upon earth while his God or his Gods were somewhere outside him. He knew himself at this moment to be one with his God; he no longer differentiated himself from his God, but knew that he was completely united with Him. It was really the experiencing of immortality that this third stage gave to man, in the experience that a man could cast off his mortal part, could separate himself from his mortal part.

[ 17 ] Aber vergessen wir nicht über diesem Ergebnis den ganzen Weg. Der ganze Weg bestand darin, daß der Mensch sich selbst erkennen gelernt hat. Jetzt war der Mensch nicht mehr in sich selbst, jetzt war er in der Außenwelt. Er hatte das mit in die Außenwelt hineingetragen, was er durch das Eindringen in sich selbst kennengelernt hat. Das ist das Wesentliche dieser vorchristlichen Einweihung, daß der Mensch in sich selbst ging, um in sich selbst etwas zu finden, was er dann mitnahm in die Außenwelt und was ihm in der Außenwelt, indem er sich von sich selbst getrennt hat, erst in der richtigen Weise aufleuchtete, so daß er sich dann mit dem Wesen der Außenwelt verbunden fühlte. Er ging in sich, um aus sich herauszugehen. Er ging in sich, weil er in sich etwas finden konnte von dem Wesen der Welt, was er nur in sich finden konnte, was er draußen nicht hätte finden können, was er aber nur draußen wirklich erleben konnte. Er ging durch das Tor des Menschen und durch das Tor der Selbsterkenntnis und des Todes, um in diejenige Welt einzutreten, die allerdings außer ihm ist. Die gewöhnliche Naturwelt ist auch außer uns. Aber der Mensch war sich klar darüber, daß er das, was er suchte, nur finden konnte, wenn er in sich selber hineinging.

[ 17 ] But, dear friends, in contemplating the result, let us not forget the entire path, which consisted in the human being coming to know himself. That is the central feature of this pre-Christian initiation, that the human being turned inward in order to find in himself something that he could then take with him into the outer world. This appeared to him then in the right light only after he had separated himself from himself, so that he felt united with the being of the outer world. He turned inward in order to go out of himself. He turned inward to find what he could only find within himself: the being of the world. He could not first have found it outside; now he could really experience it. He went through the “gate of man,” the “gate of self-knowledge,” and the “gate of death” in order to enter into the world which was, of course, outside him, into the ordinary world of nature—it is also, of course, outside us—but he knew with certainty that he could only find what he sought in it by turning inward.

[ 18 ] Dann, nachdem der Mensch den außerordentlich schwierigen dritten Grad durchgemacht hatte, war er ohne weiteres reif für den vierten Grad. Und man kann sagen: Einfach dadurch, daß er eine Zeitlang praktiziert hatte, zu leben im dritten Grade, war er reif für den vierten Grad in einer Weise, wie man es vom heutigen Menschen sehr schwer behaupten könnte. Denn der heutige Mensch wird — das liegt einfach in der Zeitepoche — nicht eigentlich reif innerhalb des dritten Grades. Er kommt anders nicht leicht aus der Raumes- und Zeitenvorstellung heraus als durch gewisse Kraftvorstellungen, die aber gesucht werden müssen auf andern Wegen — darüber werde ich in den nächsten Tagen sprechen —, als sie in alten Zeiten verfolgt wurden. Mit dem, was der Mensch aus sich heraus nun in die Außenwelt hineingetragen hatte, wurde er zum Bewußtsein dieses vierten Grades erhoben, und er wurde das, was man in späteren Sprachen übertragen und übersetzen konnte mit den Worten: ein «Christophor», ein Christus-Träger. Das war im Grunde genommen das Ziel dieser Mysterieneinweihung: den Menschen zum Christus-Träger zu machen. Natürlich wurden nur einige Auserlesene solche Christus-Träger. Sie konnten auch nur Christus-Träger werden dadurch, daß sie erst im Menschen suchten, was sich in der ganzen Außenwelt nicht finden ließ, daß sie dann mit dem im Menschen Gesuchten in die Außenwelt gingen und sich dann vereinigten mit ihrem Gotte. Sie wurden so zum Christus-Träger. Sie wußten, sie haben in der Struktur des Weltenalls sich vereinigt mit demjenigen — das ist jetzt nicht historisch, sondern vorweggenommen gesprochen —, was im Johannes-Evangelium der Logos oder das Wort genannt wird; sie haben sich vereinigt mit dem, woraus alle Dinge gemacht sind und ohne welches nichts von dem gemacht ist, was gemacht worden ist. So war das Christus-Geheimnis in diesen alten Zeiten gewissermaßen durch einen Abgrund vom Menschen getrennt, und es war gebunden daran, daß der Mensch diesen Abgrund überstieg, daß er wirklich durch die Selbsterkenntnis in die Lage sich versetzte, aus sich herauszukommen und sich mit seinem Gotte zu vereinigen, ein Träger seines Gottes zu werden.

[ 18 ] After, then, he had passed through the extraordinarily difficult third stage, he was at once ready for the fourth. And one may say that simply through having practiced living at the third stage for a certain time, he was prepared for the fourth in a way that would hardly apply to a man of the present day. For the man of today, simply because of the epoch of time, does not become fully mature in the third stage. He does not easily get away from conceptions of space and time except through certain ideas of force—and these too have to be sought by different methods from those of ancient times. (I will speak about this in coming lectures.) By what the neophyte had now carried into the world from out of himself, he was raised to the consciousness of the fourth stage: he became what was expressed, when carried over and translated into later languages, by the word Christophorus, or Christ-bearer. That was fundamentally the goal of this Mystery-initiation: to make the human being a Christ-bearer. Naturally, only a few selected individuals became Christ-bearers. Moreover, they could only become such by first seeking in themselves what was not to be found in the outer world, by then taking back into the outer world what they had found within, and then by uniting themselves with their God. This is the way they became Christ-bearers. They knew that they had united themselves in the universe with what is called in the Gospel of Saint John the Logos, or the Word (this is not said in an historical sense, but in anticipation); they had united themselves with That out of which all things were made, and without which not anything was made that was made. Thus in those ancient times the Christ Mystery was separated from man, as it were, by an abyss; and man crossed the abyss by becoming able, through self-knowledge, to go out of himself and to unite himself with his God—to become a bearer of his God.

[ 19 ] Nehmen wir nun einmal, um uns in dieser Betrachtung weiterzuhelfen, hypothetisch an, es wäre auf der Erde das Mysterium von Golgatha nicht geschehen, die Erdenentwickelung wäre bis zum heutigen Tage verflossen, ohne daß das Mysterium von Golgatha geschehen wäre. Nur indem man solche Kontrahypothesen macht, kann man die Bedeutung einer solchen Sache wie die des Mysteriums von Golgatha wirklich ins Auge fassen. Also nehmen wir an, das Mystetium von Golgatha hätte sich bis zum heutigen Tage nicht vollzogen. Was wäre für dasjenige, was da durch die Mysterien in alten Zeiten am Menschen beobachtet worden ist, eingetreten?

[ 19 ] Let us suppose now hypothetically, in order to help us forward, that the Mystery of Golgotha had not taken place on earth, that the earth evolution had continued to the present time without the Event of Golgotha ever having taken place. Only by means of such contra-hypotheses is it possible to grasp the significance of such an event as the Mystery of Golgotha. Therefore, let us suppose that this Event had not occurred up to our present day. What would have taken the place of that content which individuals found within themselves as a result of the ancient Mysteries?

[ 20 ] Der heutige Mensch könnte dann das vernehmen, was der griechische apollinische Spruch, was die griechische apollinische Devise war: «Erkenne dich selbst.» Er könnte gewissermaßen nachleben wollen diesem Worte «Erkenne dich selbst», könnte versuchen, da schließlich die Traditionen sich erhalten haben, dieselben Einweihungswege durchzumachen, die meinetwillen die ägyptisch-chaldäische Königseinweihung gegeben hat, könnte also versuchen, durch die vier Stufen so aufzusteigen, wie in der damaligen vorchristlichen Zeit aufgestiegen worden ist, um ein Christophor zu werden. Da würde der Mensch aber eine ganz bestimmte Erfahrung machen. Er könnte dann, wenn er befolgt diese Devise «Erkenne dich selbst», wenn er versucht, in sich hineinzugehen auch durch jene Furchtzustände hindurch, die damals durchgemacht worden sind, dann durch das nachträgliche Erleben der Veränderungen, durch das nachträglich In-Bewegung-Versetzen desjenigen, was erst im Ruhezustand durchgemacht worden ist, die Erfahrung machen, daß er nun nichts findet, daß er nun nicht das Wesen des Menschen in sich findet. Das ist schon das Bedeutungsvolle! Gewiß, die Devise «Erkenne dich selbst», gilt auch für den heutigen Menschen, aber diese Selbsterkenntnis führt ihn nicht mehr zur Welterkenntnis. Dasjenige, was der Mensch in der alten Seelenverfassung noch in sich gefunden hat als mit dem Wesen der Welt zusammenhängend, was er nicht finden konnte in der äußeren Welt, was er eben auf dem Wege der Selbsterkenntnis suchen mußte, um es dann als Welterkenntnis zu haben, jenes innere menschliche Wesenszentrum, das er dann mitnehmen konnte in die Außenwelt, um zum Christophor zu werden, das findet der Mensch heute nicht in sich, das ist nicht mehr da. Das ist wichtig, daß man das ins Auge faßt! Die Menschen mit den heutigen törichten Begriffen, die durch die sogenannte Wissenschaft kultiviert werden, haben die Meinung: Mensch ist Mensch. Der heutige Engländer oder Franzose oder Deutsche ist Mensch, so wie es der alte Ägypter war. Das ist aber ein Unsinn vor der wirklichen Erkenntnis, ein wirklicher Unsinn. Denn der alte Ägypter, indem er in sich selber einkehrte nach den Regeln der Initiation, fand etwas in sich, was der heutige Mensch in sich nicht finden kann, weil es verschwunden ist, weil es weg ist. Das ist entglitten dem Menschen, verlorengegangen dem Menschen, was selbst noch in der vorchristlichen und zum Teil noch in der nachchristlichen griechischen Seelenverfassung gefunden werden konnte. Das ist verlorengegangen, ist aus der Menschenwesenheit heraus verschwunden. Die menschliche Organisation ist heute eine andere, als sie in alten Zeiten war.

[ 20 ] The man of today would be able to understand the Greek apollonian maxim, “Know thou thyself!” he could intend to live up to it. He could try—because, after all, the traditions have been preserved—to go through the same method of initiation as, let us say, the Egypto-Chaldean initiation of a king: that is, he could try to rise through the four stages, just as they were gone through in those pre-Christian times, to become a Christophorus. But in that case the human being would now have a very definite experience. If he followed the maxim, Know thou thyself!” and tried to turn inward, even to pass through the conditions of fear that were suffered in that ancient time; if then he went through the experience of transformation, the setting into motion of what had first been known in a state of rest: he would now have the experience of finding nothing in himself, of now not finding the being of Man in himself. That is the essential fact. Certainly the maxim “Know thou thyself!” is valid for a man of our time, but self-knowledge no longer leads him to knowledge of the world. What a human being with the ancient soul-constitution still had within himself, connecting him with the Being of the world; what he could not find in the outer world but had to seek as self-knowledge, in order then to have it as knowledge of the world—that inner core of the human being, which he could then take back with him into the outer world in order to become a Christ-bearer: this the human being does not find in himself today. It is no longer there. It is important to keep this in mind. People with the foolish notions encouraged by the so-called science of our time have the idea that man is Man. A contemporary Englishman or Frenchman or German is Man just as the ancient Egyptian was. But in the light of real knowledge, that is nonsense, absolute nonsense. For when the ancient Egyptian turned inward in obedience to the rules of initiation, he found something there that a contemporary man cannot find—because it has vanished. What could still be found in the soul-constitution of pre-Christian times, and even- more or less—in the Greek soul of the Christian era, has fallen away from man and been lost. It has vanished from the being of Man. The human organism is a different one today from that of ancient times.

[ 21 ] Wenn wir die Sache anders aussprechen, so können wir so sagen: Der Mensch fand, wenn auch dunkel, wenn auch nicht in vollbewußten Begriffen, in jenen alten Zeiten, indem er in sich hineinging, doch sein Ich. Das widerspricht nicht dem, daß man sagt, daß das Ich in einer gewissen Weise durch das Christentum erst geboren worden ist. Deshalb sage ich: Wenn auch dunkel, wenn auch nicht in vollbewußten Begriffen, der Mensch fand doch sein Ich. Es war als aktives Bewußtsein erst durch das Christentum geboren worden, aber der Mensch fand sein Ich. Denn von diesem Ich, von diesem wirklichen, wahren Ich ist im Menschen der damaligen Zeit etwas zurückgeblieben, nachdem er geboren worden ist. Sie werden sagen: Soll nun jetzt etwa der Mensch heute nicht sein Ich finden? — Nein, er findet es auch nicht: das wirkliche Ich macht einen Stillstand, indem wir geboten werden. Dasjenige, was wir erleben als unser Ich, ist nur ein Spiegelbild des Ich. Das ist nur etwas, was das vorgeburtliche Ich in uns abspiegelt. Wir erleben in der Tat nur ein Spiegelbild des Ich, etwas vom wirklichen Ich erleben wir nur ganz indirekt. Das, wovon die Psychologen, die sogenannten Seelenforscher als vom Ich reden, ist nur ein Spiegelbild; das verhält sich zum wirklichen Ich so, wie das Bild, das Sie von sich im Spiegel sehen, sich zu Ihnen verhält. Aber dieses wirkliche Ich, das während der Zeit des atavistischen Hellsehens und bis in die christlichen Zeiten herein gefunden werden konnte, ist heute nicht in dem Menschen, der auf seine eigene Wesenheit — insofern die eigene Wesenheit verbunden ist mit dem Leibe hinschaut. Nur indirekt erlebt der Mensch etwas von seinem Ich, dann, wenn er mit andern Menschen in Beziehung tritt und sich das Karma abspielt.

[ 21 ] Using other words, we might say: When the human being turned inward in ancient times, he found his ego; even though dimly sensed and not in fully conscious concepts, still he found his ego. That does not contradict the statement that, in a certain sense, the ego was first born with Christianity. Therefore I say: Even though obscurely and not in fully conscious concepts, man nevertheless found his ego. As active consciousness it was indeed first born through Christianity. Nevertheless, the man of old did find his ego. For something of this ego, of the real, true ego, remained in him after he was born. You will ask: Then does the man of today not also find his ego? No, my dear friends, he does not find it. For when we are born the true ego comes to a stop. What we experience of our ego is only a reflection. It is only something that reflects our pre-natal ego in us. We actually experience only a reflection of our real ego; only quite indirectly do we experience something of the real ego. What the psychologists, the soul-experts, speak of as ego is only a reflection that is related to the real ego as the image you see of yourself in the mirror is related to you. The real ego, which could be found in the time of atavistic clairvoyance, and even down into the early Christian era, is not to be found today by looking into man's own being—insofar as this being is united with the body. Only indirectly does the human being experience something of his ego: namely, when he comes into relation with other people and his karma comes into play.

[ 22 ] Wenn wir einem andern Menschen gegenübertreten und sich etwas abspielt zwischen uns und dem andern Menschen, was zu unserem Karma gehört, da tritt etwas von dem Impulse des wahren Ich in uns herein. Aber das, was wir in uns Ich nennen, was wir mit dem Worte bezeichnen, das ist nur ein Spiegelbild. Und gerade dadurch wird der Mensch reif gemacht während unseres fünften nachatlantischen Kulturzeitraumes, das Ich im sechsten Zeitraum in einer neuen Gestalt zu erleben, daß er gewissermaßen durch den fünften Zeitraum dieses Ich nur als Spiegelbild erlebt. Das ist gerade das Charakteristische des Zeitalters der Bewußtseinsseele, daß der Mensch sein Ich nur als Spiegelbild erhält, damit er in das Zeitalter des Geistselbstes hineinlebt und das Ich anders gestaltet, in neuer Gestalt wieder erleben kann. Nur wird er es anders erleben, als er es heute gerne möchte! Heute möchte der Mensch sein Ich, das er nur als Spiegelbild erlebt, alles eher nennen als das, was sich ihm im zukünftigen sechsten nachatlantischen Zeitraum als solches präsentieren wird. Jene mystischen Anwandlungen, wie sie heute die Menschen noch haben: durch Hineinbrüten in ihr Inneres das wahre Ich zu finden — das sie sogar das göttliche Ich nennen! —, solche Anwandlungen werden die Menschen in der Zukunft seltener haben. Aber gewöhnen werden sie sich müssen, dieses Ich nur in der Außenwelt zu sehen. Das Sonderbare wird eintreten, daß jeder andere, der uns begegnet und der etwas mit uns zu tun hat, mehr mit unserem Ich zu tun haben wird als dasjenige, was da in der Haut eingeschlossen ist. So steuert der Mensch auf das soziale Zeitalter zu, daß er sich in Zukunft sagen wird: Mein Selbst ist bei all denen, die mir da draußen begegnen; am wenigsten ist es da drinnen. Ich bekomme, indem ich als physischer Mensch zwischen Geburt und Tod lebe, mein Selbst von allem Möglichen, nur nicht von dem, was da in meiner Haut eingeschlossen ist.

[ 22 ] When we meet another person and something connected with our karma takes place between us, then some impulse of our true ego enters into us. But what in us we call our ego, what we designate by that word, is only a reflection. And through the very fact of experiencing this ego merely as a reflection in this fifth post-Atlantean epoch, we are being made ready to experience the ego in a new form in the sixth epoch. It is characteristic of this age of the consciousness soul that the human being has his ego only as reflection, so that he may enter the coming age of the Spirit-Self and be able to experience the ego in a new form, a different form. But he will experience it in a manner that now in our time would be unpleasant. Today he would call it anything but “ego,” what is going to appear to him as his ego in the coming sixth post-Atlantean epoch! People in the future will seldom have those mystical inclinations that are still experienced by some individuals today, to commune with themselves in order to find their true ego—which they even call the Divine Ego. They will have to accustom themselves to seeing their ego only in the outer world. The strange situation will come about that every person we meet who has some connection with us will have more to do with our ego than anything enclosed in our own skin will have to do with it. We are heading toward a future age in which a person will say to himself: My self is out there in all those whom I meet; it is least of all within me. While I live as a physical human being between birth and death, I receive my self from all sorts of things, but not from what is enclosed in my skin.

[ 23 ] Dieses, was so paradox erscheint, es bereitet sich heute indirekt vor dadurch, daß die Menschen ein wenig empfinden lernen, wie sie in dem, was sie ihr Ich nennen, in diesem Spiegelbild drinnen eigentlich furchtbar wenig sind. Ich habe neulich einmal davon gesprochen, wie man dadurch auf die Wahrheit kommen kann, daß man sich seine Biographie, aber sachlich, vor Augen führt und sich frägt, was man eigentlich dem und jenem Menschen verdankt von seiner Geburt ab. Man wird sich allmählich so langsam auflösen in die Einflüsse, die von andern kommen; man wird außerordentlich wenig finden in dem, was man als sein eigentliches Ich zu betrachten hat, das, wie gesagt, doch nur ein Spiegelbild ist. Etwas grotesk gesprochen, kann man sagen: In jenen Zeiten, in denen das Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat, ist der Mensch ausgehöhlt worden, ist er hohl geworden. Das ist das Bedeutsame, daß man erkennen lernt das Mysterium von Golgatha als Impuls, indem man es in seiner Wechselbeziehung zu diesem Hohlwerden des Menschen betrachtet. Der Mensch muß, wenn er von der Wirklichkeit spricht, sich klar sein, daß der Platz irgendwie ausgefüllt sein muß, den er früher noch hat finden können, sagen wir, in den ägyptisch-chaldäischen Königsmysterien. Der wurde damals noch etwas ausgefüllt von dem wirklichen Ich, das heute haltmacht, wenn der Mensch geboren wird, oder wenigstens in den ersten Kindheitsjahren haltmacht, es scheint noch etwas herein in die ersten Kindheitsjahre. Und diesen Platz, ihn nahm der Christus-Impuls ein. Da sehen Sie den wahren Vorgang. Sie können sich sagen: Hier (siehe Zeichnung, links) die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha, hier (Mitte) das Mysterium von Golgatha, (rechts) die Menschen nach dem Mysterium von Golgatha.

[ 23 ] This seeming paradox is already being indirectly prepared by the fact that people begin to feel how little they themselves really are in the reflection which they call their ego. I remarked recently that anyone can discover the truth about himself by reviewing his own biography—factually—and asking himself what he owes since birth to this person or that. In this way he will gradually resolve himself into influences coming from others; and he will find extraordinarily little in what he usually considers his real ego (but which is really only its reflection, as has been said). Speaking somewhat grotesquely, we may say: At the time that the Mystery of Golgotha took place, the human being was hollowed out; he became hollow. And it is important that we learn to recognize the Mystery of Golgotha as an Impulse that has a reciprocal relation to this hollowed-out condition of man. If we speak truly, we must make it clear that the hollow space in man, which indeed could be found still earlier—let us say, in the Egypto-Chaldean royal Mysteries—had to be filled up in some way. In that ancient time it had been partly filled by the real ego; but this now comes to a stop at birth—or at latest, in early childhood; there is some evidence of its presence in the first years of childhood. This hollow space has been filled by the Christ Impulse. There you have the true process. Let us say, here on the left are human beings before the Mystery of Golgotha; in the middle, the Mystery of Golgotha; on the right, human beings after that Event.

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[ 24 ] Die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha hatten etwas in sich, das, wie gesagt, durch die Einweihung gefunden wurde (rot). Die Menschen nach dem Mysterium von Golgatha haben dieses nicht mehr in sich (blau), sie sind gewissermaßen da ausgehöhlt, und der Christus-Impuls senkt sich herein (violett) und nimmt den leeren Platz ein. Der Christus-Impuls soll also nicht aufgefaßt werden wie eine Lehre bloß, wie eine Theorie, sondern er muß hinsichtlich seiner Tatsächlichkeit aufgefaßt werden. Und jeder, der die Möglichkeit dieses Hinabsenkens im Sinne der alten Mysterieninitiation wirklich versteht, der versteht erst die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha seiner innerlichen Wahrheit nach. Denn heute könnte, so wie das in der alten ägyptischen Königseinweihung der Fall war, der Mensch nicht ohne weiteres ein Christophor werden; er wird aber ein Christophor unter allen Umständen, indem gewissermaßen in den Hohlraum, der in ihm ist, der Christus sich hineinsenkt.

[ 24 ] Before the Mystery of Golgotha a human being had something in him that was found through initiation, as has been said, (red) Since that time it is no longer there; he is hollowed out, as it were, (blue) The Christ Impulse descends (lilac) and fills the empty space. The Christ Impulse is not to be conceived of, therefore, as a mere doctrine, a theory, but must be comprehended in accordance with facts. Only one who really understands the possibility of this descent in the sense of ancient Mystery initiation, will grasp the inner significance of the Mystery of Golgotha. A man cannot today become a Christ-bearer forthwith, as he could in the ancient Egyptian royal initiation; but in any event he becomes a Christ-bearer in that the Christ descends into the hollow space within him.

[ 25 ] Also in dem Bedeutungsloswerden der alten Mysterienprinzipien zeigt sich die große Bedeutung des Christus-Mysteriums, von dem ich gesagt habe — Sie können das in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» nachlesen —: Dasjenige, was früher in den Tiefen der Mysterien erlebt worden ist, was den Menschen zum Christophor gemacht hat, ist hinausgestellt worden in den großen Plan der Weltgeschichte und vollzieht sich als eine äußere Tatsache. Das ist Tatsache. Daraus werden Sie aber auch ersehen, daß das Einweihungsprinzip selber seit jenen alten Zeiten eine Änderung erfahren mußte, eine Wandlung durchmachen mußte, denn dasjenige, was sich die alten Mysterien als das im Menschen zu Suchende vorgesetzt haben, das kann heute nicht gefunden werden.

[ 25 ] Therefore, the fact that the principles of the ancient Mysteries lost their significance reveals why the Christ Mystery is of such profound importance. You will find that I have spoken of this in my book, Christianity as Mystical Fact. I said that what formerly was experienced in the depths of the Mysteries, what made a man a Christophorus, has been brought out on the great stage of world history and has been accomplished as external fact. That is the truth. You will see from this also that since those ancient times the principle of initiation itself has had to undergo a transformation; for what the ancient Mysteries upheld as the thing to be sought in man cannot be found there today.

[ 26 ] Man tue sich nur ja nicht gar so viel darauf zugute, daß die heutige Naturwissenschaft den heutigen Engländer, Franzosen, Deutschen ebenso betrachtet, wie sie, wenn sie könnte, den alten Ägypter betrachten würde. Sie betrachtet gar nicht das am Menschen, was sein Wesentliches ist. Schließlich hat sich sogar das Äußere etwas verändert seit jenen alten Zeiten, aber das, was das Wesentliche ist, was sich verändert hat, das muß man so schildern, wie wir es heute getan haben. In dieser Schilderung sehen Sie aber zugleich die Notwendigkeit, daß das Initiationsprinzip sich ändert. Was soll denn heute der Mensch suchen, wenn er nur das alte «Erkenne dich selbst» im alten Sinne befolgen will? Was würde er erreichen, wenn er alle Beschreibungen der Einweihungszeremonien und Einweihungsvorgänge des alten Ägypten kennen und auf sich anwenden würde? Er würde nicht mehr das finden, was man innerhalb der alten Mysterien gefunden hat. Und dasjenige, was man im vierten Grad geworden ist, das würde er unbewußt vollziehen, er kann es aber nicht verstehen. Der Mensch kann, auch wenn er alle Einweihungszeremonien durchmacht, wenn er die Wege geht, die damals bis zum Christophor geführt haben, dem Christus auf diese Weise nicht verständnisvoll entgegentreten. Der alte Mensch konnte das, wenn er eingeweiht wurde: er wurde wirklich zum Christophor. Das ist eben eingetreten im Laufe der Entwickelung der Erde, daß der Mensch die Möglichkeit verloren hat, in sich selber jene Wesenheit zu suchen, die dann zum Licht der Weltwesenheit wurde. Heute findet der Mensch einen Hohlraum in sich, wenn er auf dieselbe Weise sucht.

[ 26 ] People of our time have no reason to be proud that our natural science views the modern Englishman, Frenchman, German precisely as it would view the ancient Egyptian if it could. It fails completely to consider what is the essential being of man. Even the exterior human form has changed somewhat since those ancient times. But the essential change has to be understood as we have described it today. You can see from my description the necessity for change in the principle of initiation. What would a man strive toward today if he wished to obey the injunction “Know thou thyself!” in the ancient sense? What would he attain if he knew all the ceremonies and processes of initiation of the ancient Egyptians and applied them now to himself? He would no longer find what was found in the ancient Mysteries. What a neophyte in those days became at the fourth stage, present-day man would accomplish unconsciously, but would not be able to understand it. Even were he to go through all the initiation ceremonies, were he to tread all the paths that at that time led to Christophorus, he could not now approach the Christ in that way with any understanding. The man of old, when he was initiated, really became a Christophorus. But in the course of earth evolution man lost the possibility of finding within himself that Being Who became the Light-of-the-World Being. When a man of our time seeks in the same way, he finds within himself a hollow space.

[ 27 ] Aber im Weltengang ist es auch nicht bedeutungslos, wenn man etwas verliert: Man wird dadurch ein anderer. Man trägt — wenn ich das weiter ausdehne, was ich eben besprochen habe — sich als Mensch durch die Welt mit jenem Hohlraum. Das gibt einem aber wiederum besondere Fähigkeiten. Und so wahr es ist, daß gewisse alte Fähigkeiten verlorengegangen sind, so wahr ist es aber auch, daß gerade durch den Verlust jener Fähigkeiten neue erworben worden sind, die nun wiederum so ausgebildet werden können wie die alten Fähigkeiten im alten Sinne. Das heißt mit andern Worten: Der Weg, der gemacht worden ist durch das Tor des Menschen bis zum Tor des Todes, der muß heute in anderer Weise gemacht werden. Das hängt zusammen mit dem, was ich gesagt habe: Die Geister der Persönlichkeit nehmen einen neuen Charakter an. Mit diesem neuen Charakter der Geister der Persönlichkeit hängt im wesentlichen zusammen die neue Initiation.

[ 27 ] However, this is not without significance in the world- process. When man loses something, he is changed because of it. Now we go through the world as human beings having that emptiness in us, but that in turn gives us special faculties. Certain ancient faculties have been lost, but through their loss new ones have been gained that now can be developed as the ancient faculties were developed for the ancient need. In other words, the path that was followed from the “gate of man” to the “gate of death” must be travelled differently today. This is connected with what I said previously: that the Spirits of Personality (the Archai) have taken on a new character, and the new initiation holds a particular relation to this new character.

[ 28 ] Es wurde gewissermaßen zuerst eine Pause gemacht in der Menschheitsentwickelung mit der Initiation. Im 19. Jahrhundert namentlich war der Mensch weit von ihr weggerückt. Erst mit dem Einde des 19. Jahrhunderts kam wiederum die Möglichkeit des Nahegerücktwerdens der wirklichen lebendigen Initiation. Und diese wirkliche lebendige Initiation bereitet sich vor, aber sie wird in einer ganz andern Weise verlaufen, als jene frühere verlaufen ist, die ich heute — um Ihnen eine Vorbereitung zu geben zum tieferen Verständnis des Christentums — von einem gewissen Gesichtspunkte aus geschildert habe. Dasjenige, was damals ganz vergeblich war: in der sich ausbreitenden äußeren Welt irgend etwas Wesenhaftes zu suchen, das wird gerade dadurch möglich, daß wir innerlich so hohl werden. Und das wird immer mehr eintreten und ist bis zu einem gewissen Grade heute schon möglich und kann heute schon erreicht werden durch solche Erkenntniswege, die geschildert werden in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Dasjenige, was heute zu erlangen möglich ist, das ist, in einer gewissen Weise mit denselben Seelenfähigkeiten, wenn man sie nur richtig anwendet, mit denen man in die äußere Welt hineinsieht, tiefer in diese äußere Welt hineinzuschauen. Die Naturwissenschaft tut das nicht, sie will nur bis zu Gesetzen vordringen, sogenannten Naturgesetzen. Diese Naturgesetze sind ja Abstraktionen. Und wenn Sie sich ein bißchen bekanntmachen mit der gebräuchlichen Literatur, die den naturwissenschaftlichen Begriffen so ein Philosophenmäntelchen umhängt — ich könnte auch sagen, ein Philosophenhütchen aufsetzt —, dann werden Sie sehen, daß diese Leute, die da heute über diese Dinge reden, nicht wissen, wie sie über die Beziehungen der Naturgesetze zu der Realität, zu der Wirklichkeit denken sollen. Da kommt man bis zu den Naturgesetzen, aber die bleiben abstrakte Begriffe, abstrakte Ideen. Solch eine Persönlichkeit wie Goethe sucht über die Naturgesetze hinauszudringen. Und das ist das Bemerkenswerte an Goethe und an dem Goetheanismus, das, was so wenig verstanden wird: Goethe suchte über die Naturgesetze hinauszudringen zu der Naturgestaltung, zu den Formen. Daher begründete er gerade eine Morphologie im höheren Sinne, eine spirituelle Morphologie. Er versuchte nicht das festzuhalten, was die äußeren Sinne geben, sondern das Sich-Formende, dasjenige, was die äußeren Sinne nicht geben, was sich aber versteckt in den Formen. So daß wir heute wirklich von etwas Parallelem sprechen können zum Tor des Menschen: Wir können sprechen vom «Tor der Naturformen». Ich möchte sagen, die Morgenröte war schon gegeben, aber in einer etwas noch dunklen Art, als aus der chaotisch mittelalterlichen Mystik heraus solch ein Mann wie Jakob Böhme, wenn auch in seiner Sprache, von den sieben Naturformen sprach. Aber es ist eben nicht sehr deutlich und nicht sehr umfassend bei Jakob Böhme. Dasjenige aber, wozu die moderne Initiation immer mehr kommen muß, das sind diese Formen, die sich in den äußeren Sinnesformen als über das Räumlich-Zeitliche hinausgehend zeigen.

[ 28 ] In the first place, initiation came to a kind of pause in the evolution of humanity. In the nineteenth century especially, human beings were far removed from it. Only at the end of the century was it again possible to approach a real, living initiation. This real, living initiation is now being prepared, but its procedure will be entirely different from that of earlier times. I have described this earlier initiation today from a certain point of view, in order to prepare you for a deeper understanding of Christianity. What was quite impossible in earlier times—namely, to find any reality in the external world—is now a possibility through the very circumstance of our having become inwardly hollow. And this possibility will increase. It already exists to a certain extent, and may now be attained by the paths described in Knowledge of the Higher Worlds. What is possible today is this: to acquire in a certain way a deeper view of the outer world, using the same soul-faculties (if we use them properly) with which we now view it. Natural science does not do this; its aim is limited to finding laws, the so-called natural laws, which are nothing but abstractions. If you acquaint yourselves a little with current literature, which cloaks the natural-scientific concepts in a sort of little philosopher's mantle—I might also say, puts a philosopher's little hat on them—if you make yourselves acquainted with this literature, you will see that the people who talk about these things are quite unable to relate their natural laws to reality. They reach natural laws, but these remain abstract concepts, abstract ideas. Such an individual as Goethe tried to push beyond natural laws. And what is significant in Goethe and Goetheanism is something little understood: namely, that Goethe tried to penetrate beyond the laws of nature to the forms of nature, to nature formation. Hence, he originated a morphology on a higher level, a spiritual morphology. He tried to capture not what the outer senses yield, but the processes of formation: what is not to be discovered by the senses, but is hidden in the forms. Thus, we can really speak today of something that corresponds to the “gate of man. We can speak of the “gate of nature-forms.” I might say that there were already signs of this dawning, though still dim, when out of the chaotic mysticism of the Middle Ages such a man as Jacob Boehme12Jacob Boehme: 1575–1624 A.D. See Rudolf Steiner, Mysticism at the Dawn of the Modern Age, GA 7 (Blauvelt, NY, Steinerbooks, 1980). spoke of “the seven forms of nature. This was in his own language, and neither very clear nor very comprehensive. Nevertheless, these forms are what modern initiation must come to more and more, forms that reveal themselves within the external physical forms but extending out beyond space and time.

[ 29 ] Ich habe öfters aufmerksam gemacht auf jenes berühmte Gespräch zwischen Goethe und Schiller, als beide von einem Vortrag des Naturforschers Batsch herauskamen. Da sagte Schiller zu Goethe, daß das eine sehr zerstückelte Art wäre, die Welt zu betrachten, die Batsch sich geleistet habe. Nun, so zerstückelt wie die heutigen Naturforscher das tun, war das damals noch lange nicht, abet Schiller empfand das doch als sehr trocken. Und Goethe sagte, man könne wohl auch eine andere Naturbetrachtung anwenden. Und er zeichnete seine Pflanzenmetamorphose, die Urpflanze, mit ein paar charakteristischen Strichen. Da sagte Schiller, der das nicht erfassen konnte: Das ist keine Erfahrung — er meinte, nichts was in der äußeren Welt ist —, das ist eine Idee. — Schiller blieb bei der Abstraktion. Goethe sagte darauf: Wenn das eine Idee ist, kann es mir recht sein, dann sehe ich meine Ideen mit Augen. — Er meinte, für ihn ist das nicht eine Idee, die man sich nur innerlich bildet, sondern für ihn ist das, was er da aufzeichnete, obwohl es nicht wie etwa Farben mit Augen gesehen werden kann, doch da. Das ist wirkliche Gestaltung, übersinnliche Gestaltung in den Sinnen. Goethe hat das gewiß nicht sehr weit ausgebildet. Ich habe Ihnen in Betrachtungen, die wir angestellt haben, gesagt: In gerader Fortsetzung von dieser Goetheschen Pflanzen- und Tierweltmetamorphose, die Goethe nur in elementarer Weise ausgebildet hat, liegt die wahre Durchdringung der wiederholten Erdenleben. Goethe betrachtet das farbige Blütenblatt als umgewandeltes Pflanzenblatt; er betrachtet den Schädelknochen als umgewandelten Rückenwirbelknochen. Es war ein Anfang. Wenn man nach derselben Betrachtungsweise ihn fortsetzt, kommt man nur bis zu den Formen, aber eben bis an das Tor der Naturformen, kommt zu imaginativer Einsicht in diese Naturformen. Und da kommt man dazu, wirklich nicht bloß auf die Schädelknochen hinzusehen, die umgewandelte Wirbelknochen sind, sondern auf den ganzen menschlichen Schädel. Man kommt darauf, daß dieser ganze menschliche Kopf die umgewandelte Menschengestalt ist aus dem vorherigen Leben, nur kopflos gedacht. Das, was Sie heute an sich tragen außer dem Kopf, der übrige Körper, geht natürlich seiner Materie nach in die Erde über; aber das Übersinnliche der Formen, das geht durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, und das ist Kopf der nächsten Inkarnation. Da haben wir die Metamorphose in ihrer höchsten Ausbildung beim Menschen. Sie dürfen nur auf den Schein nichts geben. Sie können natürlich sagen: Wir senken den Menschen in die Erde ein oder wir verbrennen ihn, wie soll sich denn da der Körper umwandeln zum Kopf? — Nun, das ist eben das Rechnen mit dem Scheine im heutigen Sinn. Da müssen Sie schon, wenn Sie diesen Schein kultivieren wollen, bei denen bleiben, die aufmerksam machen auf die Shakespeare-Stelle, wo Hamlet aus Verzweiflung sagt, daß irgendwo in einem beliebigen Staube der irdische Menschenstaub vorhanden sei von Julius Cäsar, vielleicht in irgendeinem Hunde seien die Überreste, die Atome, die einstmals den römischen Cäsar gebildet haben.

[ 29 ] I have often referred to that famous conversation between Goethe and Schiller as they came from a lecture by the scientist Batsch. Schiller said to Goethe that Batsch certainly had a very splintered way of observing the world. In their day it was still far from being as splintered as that of present-day physical scientists; but nevertheless Schiller felt that it was very prosaic. Goethe remarked that of course a different method of observation could be employed, and in a few characteristic strokes he sketched his idea of the primordial plant and the metamorphosis of plants. Schiller could not grasp that and said: “That is not a matter of experience” (he meant, that is something not existing in the external world), “it is an idea.” Schiller stayed with the abstraction. Whereupon Goethe replied: “If it is an idea, I am satisfied; for then I see my ideas with my eyes.” He meant that what he had described was not just an idea that he only created inwardly, but that it really existed for him even though it could not be seen with one's eyes as one sees colors. That is real forming, supersensible forming (Gestaltung) in the senses. To be sure, Goethe did not develop it very far. I have told you in some of our lectures that a straight continuation of this metamorphosis of the plant and animal world—which Goethe developed only in an elementary way—brings us to a true perception of repeated earth- lives. Goethe saw the colored petal as a transformed leaf, the skull bones as transformed dorsal vertebrae. That was a beginning. If someone continues with the same mode of observation, he reaches only forms, it is true, but it is the “gate of nature-forms” that he reaches; it is imaginative insight into those forms. And then he really begins to observe, not merely the skull bones that are transformed vertebrae, but the whole human cranium. He discovers that the human head is the whole human form metamorphosed from the previous incarnation, except only the former head. Of course the physical matter passes over into the earth; but the body that you carry around with you today, except just your head, the supersensible part of that form persists and becomes your head in the next incarnation. There you have metamorphosis at its highest level of development. But you must not be deceived by appearances in precisely the modern fashion. If you deal with that kind of appearances, you will be like people who point to the passage in Shakespeare where Hamlet says in his despair, that the earthly dust of Julius Caesar must still exist; that perhaps the remains, the atoms, that once constituted the Roman emperor are now in some dog.

[ 30 ] Nun, diese Leute gehen eben nicht dem Wege nach, den zum Beispiel auch der physische Organismus nimmt, gleichgültig ob er in die Erde gelegt oder verbrannt wird. Da findet schon diese Metamorphose statt. Es ist so, daß nur das Haupt, der Kopf abglimmt, von der Erde verschwindet, denn er geht ins Weltenall hinaus; dasjenige aber, was für die jetzige Inkarnation Ihr Leib ist, außer dem Kopfe, das verwandelt sich, und Sie finden es als Kopf — Sie können dem gar nicht entkommen — in Ihrer nächsten Inkarnation. An Materie brauchen Sie gar nicht zu denken. Sie haben auch jetzt nicht dieselbe Materie, die Sie vor sieben Jahren in sich getragen haben. Sie brauchen nur an die sich verwandelnde, an die verwandelte Form zu denken. Es ist ebenso eine erste Stufe, wie das Tor des Menschen im alten Sinne eine erste Stufe war: es ist das Tor der Formen. Und indem man lebendig erfaßt hat dieses Tor der Formen, kann man eintreten in das «Tor des Lebens», wo man es nicht mehr mit Formen zu tun hat, sondern mit Lebensstufen, mit Lebenselementen. Das würde demjenigen entsprechen, was ich vorhin bei der alten ägyptischen Königseinweihung charakterisiert habe als den zweiten Grad. Und das Dritte ist gleichbedeutend mit dem Eintreten in das Tor des Todes: es ist die Initiation in die verschiedenen Bewußtseine. Der Mensch kennt ja zwischen Geburt und Tod nur das eine Bewußtsein; doch dieses ist nur eines unter zunächst sieben. Aber mit diesen verschiedenen Bewußtseinen muß man rechnen, wenn man die Welt überhaupt verstehen will.

[ 30 ] My dear friends, people who think in such a manner simply do not investigate the course taken by the physical organism, whether it is buried in the earth or burnt. The metamorphosis that actually takes place is the following: only the head disappears, vanishes from the earth, for it goes out into the universe; but your present body in this incarnation, except the head, is transformed, and you will find it as your head in your next incarnation. You cannot escape it. You need not consider the material substance at all. Even now you do not have the same matter in your body that you had seven years ago. You need only think of the transformation of the form. It is just as much a first stage as the “gate of man” was in the ancient sense: it is the “gate of forms.” And when a man has fully comprehended this “gate of forms,” he can then enter into the “gate of life,” where he has no longer to do with forms, but with stages of life, elements of life. This corresponds to what I described earlier as the second stage in the ancient Egyptian royal initiation. The third stage is equivalent to entrance into the “gate of death”: it is initiation into different states of consciousness. Between birth and death, of course, man knows only one; but this is one out of seven, and one must know all the various states of consciousness if one really wishes to understand the world.

[ 31 ] Bedenken Sie doch nut, daß Sie die Skizze haben von diesen drei aufeinanderfolgenden Dingen in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß». Ich habe sie für die Weltentwickelung gegeben. Sie haben da die verschiedenen Bewußtseinsformen Saturn, Sonne, Mond, Erde und so weiter, die sieben Bewußtseinsformen. Der Mensch geht in jeder dieser Stufen, von denen eine die Erde ist, durch ein Bewußtsein hindurch. Er absolviert sieben verschiedene Bewußtseinsstufen, auf jeder dieser Bewußtseinsstufen, also Saturn, Sonne und so weiter, sieben Lebensstufen und in jeder Lebensstufe sieben Stufen der Form. Das, was wir beschreiben in unseren Kulturstufen als altindische, altpersische, ägyptisch-chaldäische, griechisch-lateinische Stufe, unsere jetzige, das sind auch Formen. Da leben wir im Tor der Formen. Das entspricht dem Tor des Menschen, wenn wir von diesen Kulturformen sprechen, und wir können uns aus der Welt der Formen heraus Vorstellungen bilden über diese Kulturen, die aufeinanderfolgen. Es sind sieben in jeder Lebensstufe. Wenn wir aber von Lebensstufen sprechen, sprechen wir von den sieben aufeinanderfolgenden Stufen, wovon zum Beispiel unsere nachatlantische Zeit eine ist, mit der urpersischen, urindischen und so weiter zusammen bis zur siebenten. Wir stehen jetzt in der fünften Lebensstufe, das ist dann eine Lebensstufe, die atlantische auch eine, die lemurische auch eine Lebensstufe. Und diese sieben Lebensstufen sind da, damit der Mensch das Bewußtsein, das er heute hat, erlangen konnte. Dieses Bewußtsein aber ist herausentwickelt aus dem alten Mondenbewußtsein, dieses aus dem alten Sonnenbewußtsein. Aus jeder dieser Planetenverkörperungen nimmt der Mensch eine solche Bewußtseinsform an. Seine zunächst vollkommenste wird er während der Vulkanentwickelung erlangen.

[ 31 ] Remember that you have an account of these three successive conditions in my Occult Science, an Outline, where they refer to cosmic evolution. You have there the seven different forms of consciousness, Saturn, Sun, Moon, Earth, and so on. In each of these stages of consciousness, Saturn, Sun, etc., there are seven life-stages; and in each life-stage, seven stages of form. What we describe as our epochs of culture—ancient Indian, ancient Persian, Egypto-Chaldean, Greco-Latin, and our present epoch—are also forms. In these we are at the “gate of forms,” corresponding to the “gate of man”; out of the world of forms we can shape conceptions about the successive cultural epochs. There are seven of them in each life-stage; and when we speak of life- stages, we mean the seven successive stages of which our present post-Atlantean age is one. We are now in the fifth life-stage; the Atlantean was the previous one, the Lemurian still earlier. The purpose of these life-stages has been that man might attain the consciousness he has today. This consciousness developed out of Old Moon consciousness; that, out of Old Sun consciousness. Man's final, most perfect consciousness, he will acquire during the Vulcan evolution.

[ 32 ] Da sehen Sie, wie durch die drei aufeinanderfolgenden Geheimnisse der Grade der Mensch einen Überblick bekommt über den Kosmos. Und dann kann er aus dieser Welterkenntnis heraus wiederum Menschenerkenntnis gewinnen. Aus dieser Welterkenntnis heraus gewinnt man nun die Möglichkeit, dem Mysterium von Golgatha auch Verständnis entgegenzubringen.

[ 32 ] Thus you see how man gains a survey of the cosmos through the three successive Mystery stages. Then from this knowledge of the cosmos he acquires knowledge of man. Also from this knowledge of the cosmos he now has the possibility of bringing understanding to the Mystery of Golgotha.

[ 33 ] Wir haben erst heute einige Skizzen, möchte ich sagen, in bezug auf dieses Verständnis in uns aufgenommen. Aber wir haben doch immerhin begreifen können, warum zum Beispiel das Mysterium von Golgatha in die vierte nachatlantische Kulturform der fünften Lebensperiode, der nachatlantischen Lebensperiode, hineinfällt, warum es auf der Erde sich zugetragen hat. Wenn Sie in dem letzten Leipziger Zyklus nachlesen, werden Sie sehen, wie sich vorbereitet hat auf dieser Erde dieses Mysterium von Golgatha. Aber alles dasjenige, was zum Verständnis dieses Mysteriums von Golgatha notwendig ist, das ergibt sich aus den Prinzipien der neuen Initiation heraus. So daß die alte Initiation eben im wesentlichen von der Menschenerkenntnis zur Welterkenntnis ging, die neue von der Welterkenntnis zurückgeht zur Menschenerkenntnis.

[ 33 ] Toward this understanding, today we have received, I might say, just a few incomplete ideas. But at least we have been able to grasp why, for example, the Mystery of Golgotha took place in the fourth culture-form (the Greco- Latin) of the fifth (the post-Atlantean) life-stage, and why it occurred on earth. If you read the Leipzig cycle13Rudolf Steiner, Christ in the Spiritual World and the Search for the Holy Grail, GA 149 (London, Rudolf Steiner Press, 1963). you will see how preparation was made on this earth for the Mystery of Golgotha. But all that is needed to understand the Mystery of Golgotha can be learnt from the principles of modern initiation. Thus, ancient initiation proceeded essentially from knowledge of man to knowledge of the world; modern initiation proceeds from knowledge of the world to knowledge of man.

[ 34 ] Aber das ist vom Initiationsstandpunkt aus charakterisiert. Da stehen Sie gewissermaßen auf der einen Seite; auf der andern Seite zeigt sich Ihnen das Spiegelbild davon. Sie müssen, um diese Welterkenntnis zu erlangen, eben von einer neuen Menschenerkenntnis erst ausgehen. Und von dieser habe ich neulich gesprochen. Von dieser muß man völlig anders sprechen für die alte und wiederum für die neue Zeit. Die alte Zeit kam durch ihre Menschenerkenntnis zu einem Ergebnis, das eben Welterkenntnis war. 'Theoretisch gesprochen, könnte man sagen: Der Mensch machte etwas als Lebensprozeß durch, und dann, wenn er fertig war, war das Welterkenntnis; er ging dadurch in seinem Bewußtsein von der Welterkenntnis aus und konnte dann wiederum auf den Menschen zurückschließen. Heute, wenn Sie von dieser Welterkenntnis durch Form, Leben und Bewußtsein ausgehen, erlangen Sie eigentlich dadurch — sehen Sie es in meiner «Geheimwissenschaft» an — im wesentlichen Menschenerkenntnis. Es verschwindet eigentlich alles übrige in der Naturerkenntnis: der Mensch wird einem verständlich. Und ebenso wird einem, wie ich Ihnen gezeigt habe, der Mensch erst verständlich als dreigliedriges Wesen — als Sinnes-Nervenwesen, als rhythmisches Wesen, als Stoffwechselwesen — dadurch, daß man diese Welterkenntnis erwirbt. Und von dem Menschen aus kann man dann wiederum zur Welterkenntnis übergehen.

[ 34 ] This has been said, however, from the standpoint of initiation. You stand on one side, as it were, and on the other side you see the reflection of it. To acquire this knowledge of the world, you must start from a modern knowledge of man. I spoke recently about that. And the way we speak of ancient times must be entirely different from the way we speak of modern times. Ancient times reached knowledge of the world through knowledge of man. Speaking theoretically, we might say that what man went through as a life-process was, when completed, knowledge of the world; and with knowledge of the world in his consciousness, he could work back to man. If today you pass through forms, life, and consciousness of this world, what you really reach in this way is knowledge of man. (Look this up in my Occult Science.) Everything else in the knowledge of nature vanishes, and man becomes comprehensible. In the same way, from having gained knowledge of the world, man becomes comprehensible as a three-membered being (as I have shown you)—nerve-sense being, rhythmic being, and metabolic being. From man we can then pass again to knowledge of the world.

[ 35 ] Das sind keine Widersprüche. Solches werden Sie auf Schritt und Tritt finden, wenn Sie in die Wahrheitswelt eintreten wollen. Wollen Sie eine Dogmatik, dann können Sie nach solchen Widersprüchen nicht gehen, denn sie sind Ihnen unbequem. Wenn Sie eine Dogmatik wollen, können Sie diese da oder dort finden, aber diese Dogmatik wird niemals Verständnis der Wirklichkeit geben, sondern nur etwas, worauf Sie schwören können, wenn Sie wollen. Wollen Sie die Wirklichkeit erkennen, so müssen Sie sich eben klar sein, daß diese Wirklichkeit von verschiedenen Seiten aus dargestellt werden muß. Dem Leben nach mußte der alte Mensch von der Welt zum Menschen gehen, der neue Mensch vom Menschen zur Welt; der Erkenntnis nach ging der alte Mensch vom Menschen zur Welt, der neue Mensch von der Welt zum Menschen. Das ist dasjenige, was notwendig ist. Das ist wiederum für den modernen Menschen etwas Unbequemes, aber ein jegliches muß heute den Durchgang gewinnen durch das, was das Schwanken ist, durch jene Unsicherheit! Bedenken Sie nur, in dem zweiten Grade der ägyptischen Königseinweihung kam der Mensch in das Schwanken hinein, in die Drehung. Heute muß der Mensch, wenn er wirklich durch die Formen hineinstrebt in das Leben, sich in jene Möglichkeit versetzen lassen, wo er sich sagt: Und wenn ich mir noch so schöne Begriffe durch dieses oder jenes hergebrachte Bekenntnis geben lasse, diese Begriffe mögen alle recht schön sein, aber ich komme doch durch sie nicht an die Wirklichkeit heran, wenn ich nicht auch den entgegengesetzten Begriff mir hinstellen kann.

[ 35 ] These are not contradictions. You will find such apparent contradictions at every step if you intend to enter the world of truth! If you want dogmatism, you will not be able to accept the contradictions, for they make you uncomfortable. you want dogmatism, you can find it in one place or another, but it will never give you an understanding of reality, only something to swear by when you need it. If you want to understand reality, then you must realize that it has to be presented from various sides. From the standpoint of life, the man of old had to proceed from the world to man; modern man must go from man to the world. From the standpoint of knowledge, ancient man went from man to the world; modern man must go from the world to man. That is a matter of necessity. It is also uncomfortable for a man of modern times, but everyone must now make his way through a state of instability, a state of uncertainty. Remember how in the second stage of the Egyptian royal initiation a man came into a state of mobility, of rotation. In our time, if a man really strives to reach life through forms, he must be able to say to himself: Even if I hold concepts ever so beautiful from this or that traditional religious confession, they may be quite fine, but I still do not attain reality by means of them unless I can also set the opposite concept before me.

[ 36 ] Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß das Mysterium von Golgatha selbst notwendig macht, die beiden entgegengesetzten Begriffe zu haben, indem Sie sich sagen: Ganz gewiß war es eine schlechte Tat, wenn Menschen den Gott, der in einem Menschen verkörpert ist, morden. Aber ganz gewiß war diese Tat der Ausgangspunkt des Christentums. Denn, wäre der Mord auf Golgatha nicht geschehen, so gäbe es das Christentum seiner Realität nach nicht. Dieses Paradoxon einer übersinnlichen Tatsache gegenüber kann ein Musterbeispiel sein für manche Paradoxa, mit denen Sie sich abfinden müssen, wenn Sie wirklich hinüberkommen wollen in das Begreifen der übersinnlichen Welt, denn ohne das läßt sich nicht hinüberkommen. Früher brauchte man die Furcht, heute braucht man das Überschreiten jenes Abgrundes, der dem Menschen vorkommt wie das Stehen ohne einen Schwerpunkt im Weltenall. Aber durch das muß durchgegangen werden, damit nicht mehr auf Begriffe geschworen wird, sondern damit Begriffe als etwas angesehen werden, was die Dinge von verschiedenen Seiten beleuchtet, wie die Bilder, die man von einem Baum aufnimmt, der von verschiedenen Seiten beleuchtet wird. Der Dogmatiker — der Naturforscher und der Theologe —, sie glauben, mit irgendwelchen Dogmen die ganze Realität zu erfassen. Der in der Wirklichkeit Stehende weiß, daß jede Aussage solcher Art sich vergleichen läßt mit einer Photographie, die von einer Seite aufgenommen ist und die nur einen Aspekt der Wirklichkeit gibt; daß man mindestens den entgegengesetzten Aspekt noch haben muß, um durch das Zusammenschauen der beiden Aspekte sich der Wirklichkeit des Gegenstandes zu nähern. Davon dann morgen weiter.

[ 36 ] I have called your attention to the fact that the Mystery of Golgotha itself makes it necessary to have the two opposite concepts, so that you may say to yourself: It was truly an evil deed when men murdered the God Who was embodied in a man; but in reality that very deed was the starting- point of Christianity. For if the murder on Golgotha had not occurred, Christianity in its reality would not exist. This paradox relating to a supersensible fact may be an example of many paradoxes with which you must come to terms if you really want to attain a comprehension of the supersensible world. For it cannot be otherwise. Earlier, fear was required. Now, it is necessary to cross the abyss that gives us the feeling of standing in the universe without any center of gravity. But this must be gone through, so that concepts may no longer be something to swear by, but may be regarded as something that illuminates things from various sides—like pictures taken of a tree from various sides. The dogmatist, the scientist, the theologian believe that they can grasp the whole of reality by means of dogmas of some sort. Someone who stands within reality knows that any assertion coming from dogmas may be likened to a photograph taken from one side, giving only one aspect of reality. He knows that he must have at least the opposite aspect, so that by seeing the two together he may approach the reality of the subject. More of this tomorrow.