How Can Humanity Rediscover the Christ?
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 187
27 December 1918, Dornach
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How Can Humanity Rediscover the Christ?, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Vorgestern ist hier versucht worden, hinzuweisen auf die Impulse, aus denen sich das Christentum herausentwickelt hat. Wir konnten sehen, wie das eigentliche Ich des Christentums, das Zentrale des Christentums sich gewissermaßen verleiblicht hat — man kann das natürlich nicht gut sagen, aber vergleichsweise kann man es sagen in drei Elementen: in der althebräischen Seele, in dem griechischen Geist, in dem römischen Leib. Nun wollen wir, um die Anwendung pflegen zu können, um von der Anwendung des christlichen Gedankens auf die unmittelbare Gegenwart sprechen zu können, diese Betrachtung zunächst noch etwas fortsetzen, wollen gewissermaßen über dieses Innere, dieses Zentrale des Christentums heute noch einige Einblicke zu gewinnen versuchen.
[ 1 ] The day before yesterday, an attempt was made here to point out the impulses from which Christianity developed. We were able to see how the very essence of Christianity—its core—has, so to speak, become embodied; of course, this is difficult to express precisely, but we can describe it, by way of comparison, in terms of three elements: the ancient Hebrew soul, the Greek spirit, and the Roman body. Now, in order to cultivate its application—to be able to speak of the application of Christian thought to the immediate present—let us first continue this reflection a little further; let us, so to speak, try to gain some further insights today into this inner core, this central essence of Christianity.
[ 2 ] Wenn man auf die Entwickelung des Christentums eingehen will, so kann man es nicht anders — und Sie sehen das schon aus meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» —, als indem man auch zeigt, inwiefern sich das Christentum aus dem Mysterienwesen der vorchristlichen Zeit heraus entwickelt hat. Es ist heute im allgemeinen nicht leicht, über das Mysterienwesen zu sprechen aus dem Grunde, weil im Entwickelungsgange der Menschheit — durch notwendige Gesetzmäßigkeit ist dies bedingt — gerade der Zeitpunkt, die Epoche, besser gesagt, eingetreten ist, in gewissem Sinne stecken wir noch drinnen, in der das Mysterienwesen zurückgegangen ist, in der es nicht mehr jene Rolle spielen kann, die es zum Beispiele gespielt hat in der Zeit, in der sich das Christentum, so wie aus anderem, so auch aus dem Mysterienwesen heraus entwickelt hat. Daß das Mysterienwesen in unserer Zeit zurückgegangen ist, hat seine gute Begründung, und wir werden gerade in Anlehnung an das heute und in den nächsten Tagen zu Besprechende auf diese Begründung eingehen und auch sehen können, in welcher Weise dieses Mysterienwesen neu zu begründen ist.
[ 2 ] If one wishes to address the development of Christianity, one has no choice—as you can already see from my book *Christianity as a Mystical Fact*—but to show to what extent Christianity developed out of the mystery traditions of pre-Christian times. It is generally not easy today to speak about the mystery traditions, for the reason that, in the course of human development —as dictated by necessary laws—we have reached precisely that point in time, or rather that epoch—and in a certain sense we are still in the midst of it—in which the mystery traditions have receded, in which they can no longer play the role they once played, for example, during the time when Christianity developed not only from other sources but also from the mystery traditions. There are good reasons why the mystery tradition has receded in our time, and, drawing specifically on what we will discuss today and in the coming days, we will explore these reasons and also see how this mystery tradition can be reestablished.
[ 3 ] Dasjenige, was in alten Zeiten — ich spreche also zunächst von vorchristlichen Zeiten, sagen wir zunächst von der vorchristlichen griechischen und der vorchristlichen ägyptisch-chaldäischen Zeit —, was in diesen alten Zeiten die Menschen zu dem Mysterienwesen getrieben hat, das ist der Umstand, daß sie durch ihre damalige Weltanschauung gezwungen waren, die Überzeugung in sich aufzunehmen: die Welt, die ringsherum sich um sie ausbreitet, ist nicht unmittelbar die wahre Welt; man muß Mittel und Wege suchen, um in die wahre Welt als Mensch einzudringen. Eine starke Empfindung von einer gewissen Tatsache war den Menschen jener alten Zeiten eigen, die sich überhaupt irgendwelche Rätsel der Erkenntnis vorlegten. Die Tatsache war diesen Menschen bekannt, daß — wie man sich auch mit äußeren Anschauungen bemühen mag, in das Wesen der Welt einzudringen — man in dieses Wesen der Welt durch äußere Anschauung nicht eindringen könne. Man muß, um das ganze Gewicht dieser Erkenntnis jener alten Zeiten sich vor die Seele zu rücken, sogar berücksichtigen, daß wir von Zeiten sprechen, in denen die weitaus größte Anzahl der Menschen sogar noch eine volle äußere Anschauung hatte von geistigen elementaren Tatsachen. Es war nicht so für diese Menschen, wie es heute für die große Mehrzahl der Menschen ist, daß sie nur die Impression der äußeren Sinne wahrnahmen; sie nahmen noch geistig Wesenhaftes wahr, diese Leute, gewissermaßen durch die Naturerscheinungen hindurch. Sie nahmen auch Wirkungen wahr, die sich durchaus nicht erschöpften in dem, was wir heute Natutvorgänge nennen. Dennoch, trotzdem diese Leute von der Offenbarung von elementarischen Geistern überhaupt in der Natur sprachen, waren sie doch tief davon durchdrungen, daß diese Anschauungen der äußeren Welt — und seien sie noch so hellseherisch — zum wahren Wesen dieser Welt nicht führen können, daß dieses wahre Wesen der Welt auf besonderem Wege gesucht werden müsse. Diese besonderen Wege sind dann schön zusammengefaßt in der griechischen Weltanschauung in dem Worte «Erkenne dich selbst».
[ 3 ] What drove people in ancient times—and I am speaking first of all of pre-Christian times, let us say, to begin with, the pre-Christian Greek and pre-Christian Egyptian-Chaldean periods—what drove people in those ancient times toward the world of the mysteries was the fact that their worldview at that time compelled them to accept the conviction that: the world that spreads out all around them is not directly the true world; one must seek ways and means to penetrate the true world as a human being. A strong sense of a certain fact was characteristic of the people of those ancient times who set themselves any kind of intellectual puzzle. These people were aware of the fact that—no matter how hard one might strive through external observations to penetrate the essence of the world—one cannot penetrate this essence of the world through external observation alone. To fully grasp the weight of this insight from those ancient times, one must even take into account that we are speaking of times when the vast majority of people still had a complete external perception of spiritual, elemental facts. It was not the case for these people, as it is today for the vast majority of people, that they perceived only the impressions of the external senses; these people still perceived spiritual essences, as it were, through the phenomena of nature. They also perceived effects that were by no means limited to what we today call natural processes. Nevertheless, even though these people spoke of the manifestation of elemental spirits in nature, they were deeply convinced that these perceptions of the external world—no matter how clairvoyant they might be—could not lead to the true essence of this world, and that this true essence of the world had to be sought through special means. These special paths are beautifully summarized in the Greek worldview in the phrase “Know thyself.”
[ 4 ] Sucht man nach der eigentlichen Bedeutung dieses Wortes « Erkenne dich selbst», so wird man etwa das Folgende finden. Man wird finden, daß die Kraft dieses Wortes hervorgegangen ist aus der Einsicht, daß, wie weit man auch die Außenwelt überblicken mag, wie weit man auch eindringen mag in die Außenwelt, man nicht nur nicht‘ das Wesen dieser Außenwelt selbst findet, sondern man findet auch nicht das Wesen des Menschen. Einfach mit Worten der heutigen Weltanschauung ausgesprochen, könnte man sagen: Diese Leute waren davon überzeugt, Naturanschauung kann keine Aufklärung geben über das Wesen des Menschen. Dagegen waren sie auf der andern Seite davon überzeugt, daß dieses Wesen des Menschen zusammenhängt mit der ganzen in der Welt ausgebreiteten Natur, daß also, wenn es dem Menschen gelingt, in sein eigenes Wesen einzudringen, er imstande wäre, durch die Erkenntnis seines eigenen Wesens auch über diese Welt etwas Wesenhaftes zu wissen. Aus der Welt, davon waren sie überzeugt, können sie zunächst nicht über dieses Wesen der Welt sich aufklären. Aber aus dem Wesen des Menschen, der ja ein Glied dieser Welt ist, können sie, wenn sie es erkennen können, auch über das Wesen der Welt Aufklärung gewinnen. Daher: Erkenne dich selbst, um die Welt zu erkennen. — Das war gewissermaßen der Impuls. Und das war der Impuls, der zugrunde lag, nun, sagen wir der ägyptisch-chaldäischen Einweihung. — Alle Einweihung geht über Stufen — man ist gewohnt geworden, sie Grade zu nennen —, geht über Stufen, über Grade hinauf. Nun bezeichnet man die erste Stufe, den ersten Grad der ägyptisch-chaldäischen Einweihung, mit einem Worte: der Einzuweihende habe zunächst zu gehen durch das «Tor des Menschen». Das war gewissermaßen die erste Stufe: der Durchgang durch das Tor des Menschen. Das heißt, der Mensch selber sollte zum Tore der Erkenntnis gemacht werden. Der Mensch sollte erkannt werden, weil, wenn man an diesem Eingangstor in die Welt am Menschen selbst das Wesen des Menschen erkennt, man auch in das Wesen der Welt auf dem Umweg durch den Menschen eindringen kann. Daher ist «Erkenne dich selbst» gleichbedeutend mit Eintreten in das Weltenwesen durch das Tor des Menschen.
[ 4 ] If one searches for the true meaning of the phrase “Know thyself,” one will find something like the following. One will find that the power of this phrase stems from the insight that, no matter how broadly one may survey the external world, no matter how deeply one may penetrate it, not only does one fail to discover the essence of that external world itself, but one also fails to discover the essence of the human being. To put it simply in terms of today’s worldview, one could say: These people were convinced that a view of nature cannot provide insight into the essence of the human being. On the other hand, however, they were convinced that this essence of the human being is connected to the whole of nature spread out across the world; that is, if a human being succeeds in penetrating into his or her own essence, he or she would be able, through the knowledge of his or her own essence, to know something essential about this world as well. They were convinced that they could not, at first, gain insight into the nature of the world from the world itself. But from the nature of the human being—who is, after all, a part of this world—they could, if they were able to recognize it, also gain insight into the nature of the world. Hence: Know thyself in order to know the world. — That was, in a sense, the impulse. And that was the impulse that lay at the foundation of—well, let’s say—the Egyptian-Chaldean initiation. — All initiation proceeds through stages—we have come to call them degrees—proceeds upward through stages, through degrees. Now, the first step, the first degree of the Egyptian-Chaldean initiation, is described in a single phrase: the initiate must first pass through the “Gate of Man.” That was, in a sense, the first step: the passage through the Gate of Man. That is to say, the human being himself was to be made into the gate of knowledge. Humanity was to be recognized because, if one recognizes the essence of humanity in humanity itself at this gateway to the world, one can also penetrate the essence of the world by way of humanity. Therefore, “Know thyself” is synonymous with entering the essence of the world through the Gate of Humanity.
[ 5 ] Nun habe ich heute nicht vor, in vielen Einzelheiten über diese verschiedenen Stufen der Einweihung zu sprechen, sondern möchte dasjenige hervorheben, was wesentlich ist zur Erfassung des Christentums. Betrachten Sie also dasjenige, was ich nunmehr sagen werde, nicht als eine erschöpfende Darstellung des Wesens der Einweihungsgrade, sondern betrachten Sie es als ausgesprochen, um einzelne charakteristische Eigenschaften dieser Einweihungsgrade der ägyptisch-chaldäischen Einweihung hervorzuheben, die besonders vorbereitend wirken konnten und wirklich vorbereitend wirkten auf die Entwickelung des Wesens des Christentums.
[ 5 ] Now, I do not intend to speak in great detail today about these various degrees of initiation, but I would like to highlight what is essential for understanding Christianity. Therefore, do not regard what I am about to say as an exhaustive account of the nature of the degrees of initiation, but rather as intended to highlight certain characteristic features of these degrees of the Egyptian-Chaldean initiation, which were particularly preparatory—and indeed did serve as a preparation—for the development of the essence of Christianity.
[ 6 ] Dasjenige, was der Einzuweihende am Tore des Menschen erkennen sollte, das war also das Wesen des Menschen selbst. Das war etwas, was er nicht finden konnte — wie weit und wie genau er sich auch umschaute — in dem, was ihm die äußere Welt zeigte. Man war in den Mysterien sich klar darüber, daß in der Menschennatur etwas zurückgeblieben war von den Geheimnissen des Daseins, die man in dieser Menschennatur mit Menschenmitteln finden konnte, die man aber nicht finden kann, wenn man den Blick auf die Außenwelt richtet. Davon waren diese Menschen überzeugt. Richtet man den Blick auf die Außenwelt, so findet man allerdings zunächst die um den Menschen herum sich ausbreitende irdische Naturwesenheit. Allein diese irdische Naturwesenheit ist gewissermaßen nur eine Art von Schleier, von Hülle, insofern sie der Mensch erkennt. Und auch dasjenige, was heute etwa schon die Naturwissenschaft zu sagen hat über diese äußere Natur, wie sie sich darbietet, ist durch seine eigene Wesenheit so, daß es durchaus nicht über sich selbst aufklärt. Dann konnte der Mensch den Blick richten — und in jenen alten Zeiten tat man das viel intensiver, als man das heute tut — aufwärts von der äußeren Natur, die er hier auf der Erde in seiner Umgebung erblickt, auf die Sternenwelt. Da sah er mancherlei, von dem er in jenen alten Zeiten gut wußte — ein Wissen, das für die äußere Welt heute verlorengegangen ist —, daß der Mensch ebenso damit in Verbindung steht, wie er mit dem Pflanzen-, mit dem Tierreich und dem mineralischen Reiche hier auf der Erde in Verbindung steht. Man wußte, daß der Mensch, ebenso wie er aus den Reichen der Natur auf der Erde herausgeboren ist, mit irgend etwas in sich auch aus dem außertellurischen, dem außerirdischen Kosmos herausgeboren ist. Allerdings, das, was den Menschen mit diesem außertellurischen, außerirdischen Kosmos vereint, das stellte sich für die Erkenntnis ein, wenn der Mensch durch das Tor des Menschen ging. In sich trug der Mensch gewissermaßen die Überreste eines Zusammenhanges, aus denen er sich losgelöst hatte beim Übergang der Mondennatur zur Erdennatur. Er trug in sich die Überreste seines Zusammenhanges mit dem außerirdischen Kosmos. Der Mensch wurde also zum Tore des Menschen geführt; er sollte da den Menschen selbst kennenlernen. Er lernte dasjenige, was er nur äußerlich anstarren konnte, namentlich in der Sternenwelt, in sich selbst kennen.
[ 6 ] What the initiate was to recognize at the gate of humanity was, therefore, the very essence of humanity itself. This was something he could not find—no matter how far and how closely he looked around—in what the outer world revealed to him. In the Mysteries, it was clearly understood that something of the mysteries of existence had been left behind in human nature—mysteries that could be discovered within this human nature using human means, but which cannot be found by turning one’s gaze toward the external world. These people were convinced of this. If one turns one’s gaze toward the external world, one does indeed first encounter the earthly natural reality that surrounds human beings. Yet this earthly natural reality is, in a sense, merely a kind of veil or covering, insofar as human beings perceive it. And even what natural science has to say today about this external nature, as it presents itself, is, by its very nature, such that it by no means sheds light on itself. Then human beings were able to direct their gaze—and in those ancient times this was done much more intensely than it is today—upward from the outer nature they perceive here on Earth in their surroundings, toward the world of the stars. There they saw many things about which they knew well in those ancient times—a knowledge that has been lost to the outer world today—that human beings are just as connected to them as they are to the plant, animal, and mineral kingdoms here on Earth. It was known that just as human beings are born from the realms of nature on Earth, they are also, in some way within themselves, born from the extra-terrestrial, the extraterrestrial cosmos. However, that which unites human beings with this extra-terrestrial, extraterrestrial cosmos became apparent to their consciousness when they passed through the “gate of humanity.” Within themselves, human beings carried, so to speak, the remnants of a connection from which they had detached themselves during the transition from the lunar nature to the earthly nature. They carried within themselves the remnants of their connection to the extraterrestrial cosmos. Humanity was thus led to the Gate of Humanity; there, it was to come to know humanity itself. It came to know within itself that which it could previously only gaze upon from the outside, namely in the world of the stars.
[ 7 ] Er lernte in sich selbst kennen, wie er als eigentlicher Mensch nicht nur eingegliedert ist in einen irdischen Leib, der aus den Reichen der Erdennatur zusammengesetzt ist, sondern er lernte auch kennen, wie in sein ganzes menschliches Wesen eingeflossen ist dasjenige, was von der gesamten außerirdischen Sternenwelt ausgeht. Der Mensch entdeckte durch seine Selbsterkenntnis, könnte man sagen, die Natur des Sternenhimmels. Er lernte kennen, wie er von Stufe zu Stufe herabgestiegen ist, gewissermaßen von Himmel zu Himmel herabgestiegen ist, bevor er auf der Erde angelangt ist und in einem irdischen Leibe verkörpert wurde. Und er sollte beim Tore des Menschen diese Stufen — ihrer acht wurden gewöhnlich aufgeführt — wieder hinaufsteigen. Er sollte gewissermaßen während seiner Einweihung den Rückweg antreten durch diejenigen Stufen hindurch, durch die er herabgestiegen ist, bis er hier in einem physischen Leibe geboren worden ist.
[ 7 ] He came to know within himself not only how, as a true human being, he is integrated into an earthly body composed of the realms of earthly nature, but he also came to know how that which emanates from the entire extraterrestrial world of the stars has flowed into his entire human being. Through self-knowledge, one might say, the human being discovered the nature of the starry heavens. He came to understand how he had descended from stage to stage—in a sense, from heaven to heaven—before arriving on Earth and becoming incarnated in an earthly body. And at the Gate of Man, he was to ascend these stages again—eight of which were usually listed. During his initiation, he was, so to speak, to retrace his steps through those very stages through which he had descended until he was born here into a physical body.
[ 8 ] Solch eine Erkenntnis kann nicht erworben werden — ich spreche jetzt immer von vorchristlicher Mysterienerkenntnis —, ohne daß das ganze Wesen des Menschen ergriffen wird. Die Vorbereitung, die der Einzuweihende in jenen Zeiten durchzumachen hatte, von ihr macht sich der heutige Mensch nicht gern einen Begriff — ich wähle meine Worte so, daß sie möglichst genau die Tatsache ausdrücken —, weil er durch diese Begriffe irritiert wird. Der Mensch möchte heute womöglich auch die Einweihung durchmachen wie etwas, was man so gelegentlich mitnimmt auf seinen Lebensweg, was man so nebenher absolviert. Er möchte sich informieren — wie man das heute nennt über das, was zu den Erkenntnissen führt; er möchte jedenfalls, der heutige Mensch, nicht gern das erleben, was jene alten Leute, die die Einweihung suchten, erleben mußten. In seiner ganzen menschlichen Wesenheit von der Vorbereitung zur Erkenntnis ergriffen werden, ein anderer Mensch werden, das möchte er nicht gern. Diese Leute aber mußten sich dazu entschließen, ein anderer Mensch zu werden. Die Beschreibungen, die Sie sehr häufig über dieses alte Mysterienwesen finden, geben Ihnen nur einen unklaren Begriff, denn diese Beschreibungen sind meistens so gehalten, daß man die Vorstellung bekommt, es wären diese alten Einweihungen auch so nebenher an den Menschen vorübergegangen wie etwa die sogenannten Einweihungen der modernen Freimaurerei. Das ist aber nicht der Fall. Man hat es auch da, wo alte Einweihungen nachgeahmt werden in der Gegenwart, nur zu tun mit allerlei Nachbildungen desjenigen, was in jenen alten Zeiten wirklich durchlebt worden ist, mit Nachbildungen, die wirklich so nebenher, wie es der moderne Mensch wünscht, im Leben absolviert werden können. Dasjenige aber, was für den alten Menschen wesentliche Vorbereitung war, das war, daß er durchzumachen hatte jenen inneren Seelenzustand, der sich nur mit einem Worte dadurch bezeichnen läßt, daß man sagt: er mußte durchgeführt werden in stärkstem Maße durch jene Furcht, welche der Mensch immer empfindet, wenn er wahrhaftig und wirklich vor ein ihm gänzlich Unbekanntes geführt wird mit vollem Bewußtsein. Das war gerade das Wesentliche bei den alten Einweihungen, daß die Menschen wirklich am intensivsten die Empfindung in sich aufzunehmen hatten: sie stehen vor etwas, wovor sie nicht stehen können irgendwie im äußeren Leben.
[ 8 ] Such knowledge—I am now referring throughout to pre-Christian mystery knowledge—cannot be acquired without the whole being of the human person being embraced. The preparation that the initiate had to undergo in those times—modern people are reluctant to even conceive of it—I choose my words so that they express the fact as precisely as possible—because these concepts confuse them. People today would perhaps like to undergo initiation as something one casually picks up along the way in life, something one completes on the side. They want to inform themselves—as it is called today—about what leads to these insights; in any case, people today do not wish to experience what those ancient people who sought initiation had to endure. To be transformed in their entire human being through the preparation for insight, to become a different person—that is something they do not wish to do. But those people had to resolve to become a different person. The descriptions you so often find of this ancient mystery tradition give you only a vague idea, for these descriptions are usually phrased in such a way that one gets the impression these ancient initiations simply passed people by as a side matter, much like the so-called initiations of modern Freemasonry. But that is not the case. Even where ancient initiations are imitated in the present, one is dealing only with all manner of imitations of what was truly lived through in those ancient times—imitations that can indeed be completed in life in a casual manner, just as modern people desire. But what was an essential preparation for the people of old was that they had to undergo that inner state of soul which can be described in a single phrase: they had to be led, to the utmost degree, through that fear which a person always feels when they are truly and genuinely brought, with full consciousness, before something entirely unknown to them. That was precisely the essence of the ancient initiations: that people had to truly absorb within themselves, with the utmost intensity, the feeling that they were standing before something they could not possibly face in any way in their outer life.
[ 9 ] Mit all den Seelenkräften, mit denen man im äußeren Leben auch heute noch wirtschaftet, läßt sich diese Seelenverfassung nicht erreichen. Mit den Seelenkräften, die der Mensch heute gern handhabt, mit denen kann man essen und trinken, mit denen kann man sich in der Weise sozial bewegen, wie man das heute tut unter den heute üblichen Menschenklassen, mit denen kann man Handel treiben, Bürokratismus treiben, ja mit denen kann man Professor werden, Naturwissenschaft treiben, all das, aber man kann mit diesen Fähigkeiten nichts Wirkliches erkennen. Die Seelenverfassung, mit der man — halten Sie das fest, daß ich immer in jenem alten Sinne spreche — in jenen alten Zeiten erkennen wollte, ist eine wesentlich andere. Sie durfte nichts gemein haben mit den Seelenkräften, die für das äußere Leben dienlich sind, die mußten sozusagen aus ganz andern Regionen des Menschen hergenommen werden. Diese Regionen sind immer im Menschen vorhanden, aber der Mensch hat eine heillose Furcht, sie irgendwie zu handhaben. Geradezu voll absichtlich wurde jene Region in Tätigkeit versetzt bei dem Einzuweihenden, die gerade der moderne Mensch, der gewöhnliche profane Mensch auch in der damaligen Zeit, in sich selber mied, zu der er nicht seine Zuflucht nehmen wollte, über die er sich gern Illusionen macht, sich gern betäuben läßt. Daher wird das äußerlich — was aber mehr innerlich verstanden werden sollte — geschildert als das Erregen einer Reihe von Furchtzuständen, die allerdings durchgemacht werden mußten, weil in der Seele des Menschen nur das zur beabsichtigten Erkenntnis hingeleitet werden kann, was in solcher Region liegt, vor der sich der Mensch im gewöhnlichen äußeren Leben fürchtet. Erst aus dieser Seelenstimmung heraus, die wacker durchgemacht wurde, die nun wirklich erlebt wurde, wo der Mensch in seiner Seele nichts fühlte als Furcht vor irgend etwas, was eben das Unbekannte war — denn er sollte erst durch diese Furcht zur Erkenntnis hingeführt werden —, erst aus diesem Seelenzustand heraus wurde er dann hingeführt vor dasjenige, was ich eben charakterisiert habe als das Heruntersteigen des Menschen dutch die Regionen der Himmel oder der geistigen Welt, wo er die acht Stufen wiederum hinaufgeleitet wurde, die natürlich heute nur nachgemacht werden, nur nachgemacht werden können nach den Gepflogenheiten unserer Zeit. Aber der Mensch wurde damals in dieses Erlebnis tatsächlich eingeführt.
[ 9 ] This state of mind cannot be attained through all the spiritual powers that people still employ in their outer lives today. With the powers of the soul that people today like to employ—with which one can eat and drink, with which one can move in society in the way one does today among the social classes customary today, with which one can engage in commerce, engage in bureaucracy, indeed with which one can become a professor, engage in the natural sciences—all of that is possible, but one cannot perceive anything real with these abilities. The state of mind with which one sought to gain insight in those ancient times—please bear in mind that I am always speaking in that ancient sense—is fundamentally different. It could have nothing in common with the soul forces that serve external life; these had to be drawn, so to speak, from entirely different regions of the human being. These regions are always present within the human being, but people have a hopeless fear of dealing with them in any way. It was done quite deliberately to activate, in the initiate, precisely that region which modern people—the ordinary, profane people of that time as well—shunned within themselves, to which they did not wish to take refuge, about which they gladly harbor illusions, and regarding which they gladly allow themselves to be numbed. Therefore, this is described outwardly—though it should be understood more inwardly—as the arousal of a series of states of fear, which, however, had to be endured, because in the human soul, only that which lies in such a region—the region that the human being fears in ordinary external life—can be led toward the intended insight. Only from this state of mind—which was bravely endured and truly experienced, in which the human being felt nothing in his soul but fear of something that was precisely the unknown—for it was through this fear that he was to be led to knowledge— only from this state of mind was he then led before what I have just characterized as the descent of the human being through the regions of the heavens or the spiritual world, where he was in turn guided upward through the eight stages, which, of course, today are only imitated—can only be imitated—in accordance with the customs of our time. But back then, the human being was actually introduced into this experience.
[ 10 ] Für uns ist besonders wichtig das Ergebnis, das sich für den Menschen dann herausstellte, wenn er an dieses Tor des Menschen hingeführt worden ist. Der Mensch hörte auf, nachdem er begriffen hatte den ganzen Sinn seines Hingestelltseins vor das Tor des Menschen, sich als das Tier — verzeihen Sie den Ausdruck — auf zwei Beinen zu betrachten, das eine Zusammenfassung der übrigen Naturreiche hier auf dieser Erde ist. Er fing an, sich als ein Bürger der ganzen Welt zu betrachten, er fing an, sich zu den Himmeln zugehörig zu betrachten, die man sehen kann, und auch zu denen, die man nicht sehen kann. Er fing an, sich eins zu fühlen mit dem ganzen Kosmos, sich wirklich als Mikrokosmos zu fühlen, nicht bloß als eine kleine Erde, sondern als eine kleine Welt sich zu fühlen. Er fühlte seinen Zusammenhang mit Planeten und Fixsternen, fühlte sich also herausgeboren aus dem Weltenall. Gewissermaßen könnte man sagen, er fühlte, wie sein Wesen nicht endet bei den Fingerspitzen, den Ohrenspitzen, Zehenspitzen, sondern wie sein Wesen sich fortsetzt über diese seine von der Erde her genommene Leiblichkeit durch die unendlichen Räume, und durch diese unendlichen Räume noch hindurch in die Geistigkeit hinein. Das war das Ergebnis.
[ 10 ] What is particularly important to us is the outcome that resulted for human beings once they had been led to this “gate of humanity.” Once the human being had grasped the full meaning of being placed before the Gate of Humanity, he ceased to regard himself—forgive the expression—as a two-legged animal that is a synthesis of the other kingdoms of nature here on Earth. He began to regard himself as a citizen of the entire world; he began to regard himself as belonging to the heavens that can be seen, and also to those that cannot be seen. He began to feel at one with the entire cosmos, to truly feel himself as a microcosm—not merely as a small Earth, but as a small world. He felt his connection to the planets and fixed stars; he thus felt born out of the universe. In a sense, one could say that he felt how his being did not end at his fingertips, the tips of his ears, or the tips of his toes, but how his being continued beyond this physical form he had taken from the earth, through infinite spaces, and through these infinite spaces and on into the spiritual realm. That was the result.
[ 11 ] Versuchen Sie nicht, dieses Ergebnis allzusehr in einen abstrakten Begriff zu verwandeln, denn von diesem abstrakten Begriff haben Sie wirklich nicht viel. Zu sagen, der Mensch ist ein Mikrokosmos, eine kleine Welt, und da nur den abstrakten Gedanken zu haben, das ist nicht sehr viel; das ist eigentlich bloß eine Illusion, bloß eine 'Täuschung. Denn dasjenige, um was es sich bei diesen alten Mysterien handelte, war das unmittelbare Erlebnis. Wirklich hatte der Einzuweihende erlebt beim Tor des Menschen, wie er verwandt ist mit Merkur, Mars, mit der Sonne, mit dem Jupiter, mit dem Monde. Wirklich hatte er erlebt, daß jene Hieroglyphen, die im Weltenraume stehen und die von der Sonne durchlaufen werden — scheinbar, wie wir heute selbstverständlich sagen —, die Bilder des Tierkreises mit seiner eigenen Existenz etwas zu tun haben. Erst dieses konkrete Wissen, das auf Erlebnis beruhte, machte dasjenige aus, was ich jetzt als Ergebnis bezeichne. Nicht hat man dasselbe, wenn man diese Dinge heute übersetzt in abstrakte Begriffe. Wenn man heute die alten Erlebnisse in den abstrakten Begriff übersetzt: dieser Stern hat diesen Einfluß, jener Stern hat jenen Einfluß und so weiter, so sind das eben abstrakte Begriffe. Für jene alten Zeiten handelte es sich um das unmittelbare Erlebnis, um das wirkliche Hinaufsteigen durch die verschiedenen Stufen, durch die der Mensch vorgeburtlich heruntergestiegen ist. Erst dann, wenn der Mensch dieses lebendige Bewußtsein hatte, wenn er aus dem Erlebnis wußte, daß er ein Mikrokosmos ist, erst dann fühlte man ihn reif, eine zweite Stufe, einen zweiten Grad aufzusteigen, der damals der eigentliche Grad der Selbsterkenntnis war. Da konnte der Mensch erleben, was er selbst ist.
[ 11 ] Do not try to turn this result into an abstract concept too much, because this abstract concept really won’t do you much good. To say that man is a microcosm, a small world, and to have only that abstract thought—that is not very much; it is actually merely an illusion, merely a “delusion.” For what these ancient mysteries were all about was direct experience. The initiate had truly experienced, at the gateway of the human being, how he is related to Mercury, Mars, the Sun, Jupiter, and the Moon. He had truly experienced that those hieroglyphs, which stand in the cosmos and through which the Sun passes—apparently, as we would say today as a matter of course—the images of the zodiac, have something to do with his own existence. It was only this concrete knowledge, based on experience, that constituted what I now call the result. One does not have the same thing when these things are translated today into abstract concepts. When one translates the ancient experiences into abstract concepts today—this star has this influence, that star has that influence, and so on—these are simply abstract concepts. In those ancient times, it was a matter of direct experience—the actual ascent through the various stages through which the human being had descended before birth. Only then, when a person had this living awareness, when they knew from experience that they were a microcosm, only then were they considered ready to ascend to a second stage, a second degree—which at that time was the true degree of self-knowledge. There, a person could experience what they truly are.
[ 12 ] Dasjenige also, was ich vorhin charakterisiert habe als das Wesen, das auch das Wesen der Welt ist, war aber für den Menschen der damaligen Zeit nur im Menschen selbst zu finden; daher mußte man, wollte man im Weltenall Einlaß finden, durch das Tor des Menschen gehen. Innerhalb dieses zweiten Grades kam gewissermaßen alles in Bewegung, was im ersten Grade wie ein erlebtes Wissen erfahren worden war. Dieses In-Bewegung-Kommen — es ist heute sogar noch schwierig, eine Vorstellung zu geben von diesem In-BewegungKommen von Erlebnissen. Man lernte im zweiten Grade nicht nur kennen, wie man zugeteilt ist dem Makrokosmos, sondern man wurde eingesponnen in die ganze Bewegung des Makrokosmos. Man ging gewissermaßen mit der Sonne durch den Tierkreis, man lernte kennen dadurch, daß man mit der Sonne durch den Tierkreis ging, auch den ganzen Weg, welchen irgendein äußerer Eindruck auf den Menschen selber macht. Der Mensch kennt, wenn er der Außenwelt mit dem gewöhnlichen Erkenntnisvermögen gegenübersteht, nur den Anfang eines sehr ausführlichen Prozesses. Sie sehen eine Farbe, machen sich die Vorstellung der Farbe, behalten vielleicht diese Vorstellung im Gedächtnis, in der Erinnerung, aber weiter geht es nicht. Das sind drei Stufen. Wenn man das als etwas Vollendetes betrachten würde, so wäre das gerade so, wie wenn man den Tageslauf, der zwölf Stunden mit der Sonne hat, nur drei Stunden lang betrachten wollte. Denn alles dasjenige, was der Mensch als eine Impression von außen aufnimmt, was er eigentlich höchstens bis zu der Gedächtnisvorstellung verfolgt, das macht in ihm von der Gedächtnisvorstellung an einen weiteren Prozeß dutch, durch weitere neun Stufen. Der Mensch wird sich selbst ein Bewegliches, wird innerlich gewissermaßen durchzogen von einem lebendigen sich drehenden Rade, wie die Sonne ihr Himmelsrad beschreibt — scheinbar, im heutigen Begriffe gesprochen. So lernte der Mensch sich selbst kennen. Er lernte aber damit auch die Geheimnisse der großen Welt kennen. Lernte er im ersten Grade kennen, wie er drinnensteht in der Welt, so lernte er im zweiten Grade kennen, wie er sich bewegt innerhalb der Welt.
[ 12 ] That which I have just characterized as the essence—which is also the essence of the world—could, however, be found by the people of that time only within human beings themselves; therefore, if one wished to gain access to the universe, one had to pass through the gateway of the human being. Within this second stage, everything that had been experienced as lived knowledge in the first stage came into motion, so to speak. This coming into motion—it is still difficult even today to convey a sense of this coming into motion of experiences. In the second stage, one not only came to know how one is connected to the macrocosm, but one was woven into the entire movement of the macrocosm. One moved, so to speak, with the sun through the zodiac; and by moving with the sun through the zodiac, one also came to know the entire path that any external impression takes within the human being. When a person faces the external world with ordinary cognitive faculties, they are aware only of the beginning of a very elaborate process. They see a color, form an idea of the color, perhaps retain this idea in their memory, but it does not go any further. These are three stages. If one were to regard this as something complete, it would be just as if one were to observe only three hours of the sun’s twelve-hour daily course. For everything that a person takes in as an external impression—which they actually follow, at most, only as far as the mental image in memory—undergoes a further process within them from that mental image onward, through nine additional stages. Human beings become a moving entity themselves; they are, as it were, internally permeated by a living, rotating wheel, just as the sun traces its celestial path—apparently, to use today’s terminology. This is how human beings came to know themselves. But in doing so, they also came to know the mysteries of the greater world. If, in the first stage, he came to understand how he stands at the very center of the world, then in the second stage he came to understand how he moves within the world.
[ 13 ] Ohne diese Erkenntnisse als Lebenserkenntnisse ist nicht dasjenige zu erreichen, was jeder in den dritten Grad, in die dritte Stufe Einzuweihende in den alten Zeiten wirklich durchzumachen hatte. Wir leben eben in einer Epoche, in der es dem Menschen natürlich ist, alles Dreigliedrige, wenn ich im Mysteriensinne sprechen soll, überhaupt zu leugnen, überhaupt aus dem menschlichen Bewußtsein alles Dreigliedrige auszulöschen. Denn der Mensch, ob er es nun zugibt oder nicht, pocht heute eigentlich auf die ganze Welt als in Raum und Zeit beschlossen. Sie können selbst bei sehr nachdenklichen Menschen finden, wie sie die ganze Welt in Raum und Zeit beschlossen finden. Sie brauchen zum Beispiel nur zu denken, wie in der Epoche des 19. Jahrhunderts, in welcher der Materialismus, der theoretische Materialismus, seine Hochblüte getrieben hat, der Unsterblichkeitsgedanke des Menschen gefaßt worden ist. Sehr gescheite Leute in der Mitte, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, haben immer wieder betont: Wenn die Seele des Menschen im Tode den Menschen verlassen würde, so könnte ja zuletzt kein Platz sein; die Welt müßte so angefüllt sein mit Seelen, daß kein Platz sein könnte für diese Seelen. — Das haben sehr gescheite Leute gesagt, weil sie tatsächlich damit gerechnet haben, daß die Seele des Menschen nach dem Tode irgendwie untergebracht sein müßte in einer Weise, die sich mit Raumesvorstellungen charakterisieren läßt. Oder ein anderes Beispiel: Es gab, soll sogar noch geben eine Theosophische Gesellschaft, in der allerlei Dinge gelehrt worden sind über die höheren Glieder der Menschennatur. Ich will nicht sagen, daß die erleuchteten Führer in denselben Fehler verfallen sind, aber ein großer Teil der Anhänger hat sich recht räumlich den Astralleib vorgestellt: so wie eine allerdings recht dünne, aber doch wie eine räumliche Wolke; und diese Anhänger haben viel darüber nachspekuliert, wie sie sich nun das vorzustellen haben, wenn der Mensch schläft, und jene Wolke räumlich aus ihm herausgeht, wo sie sich räumlich nun irgendwo aufhält. Es war sehr schwierig, einer großen Anzahl von Anhängern beizubringen, daß solche räumlichen Vorstellungen unangemessen sind dem Geistigen.
[ 13 ] Without these insights as insights into life, it is not possible to attain what everyone who was to be initiated into the third degree, the third stage, in ancient times truly had to go through. We are living in an age in which it is natural for people to deny everything threefold—if I may speak in the sense of the mysteries—and to erase everything threefold from human consciousness altogether. For people today, whether they admit it or not, actually insist that the entire world is confined within space and time. Even among very thoughtful people, you can find that they regard the entire world as confined within space and time. You need only consider, for example, how the idea of human immortality was conceived during the 19th century, an era in which materialism—theoretical materialism—reached its zenith. Very intelligent people in the middle and second half of the 19th century repeatedly emphasized: If the human soul were to leave the person at death, there could ultimately be no room; the world would have to be so filled with souls that there could be no room for them. — Very intelligent people said this because they actually assumed that the human soul, after death, would somehow have to be accommodated in a way that could be characterized by concepts of space. Or another example: There was—and is said to still be—a Theosophical Society in which all sorts of things were taught about the higher aspects of human nature. I do not mean to say that the enlightened leaders fell into the same error, but a large portion of the followers imagined the astral body in quite a spatial way: as a cloud—admittedly quite thin, but still a spatial cloud; and these followers have speculated at length about how they should imagine this when a person sleeps and that cloud emerges spatially from them, and where it then resides spatially. It was very difficult to teach a large number of followers that such spatial conceptions are inappropriate for the spiritual realm.
[ 14 ] Das wird eben dem heutigen Menschen ungeheuer schwierig, sich vorzustellen, daß von einem gewissen Punkte des Erkenntnisweges aus der Mensch nicht nur in andere Raumesteile und in andere Zeiten kommt, sondern aus Zeit und Raum herauskommt, daß erst dann eigentlich das wirkliche Übersinnliche beginnt, wenn man nicht nur die Sinneseindrücke und ihre zeitlichen Prozesse verläßt, sondern Raum und Zeit selbst, wenn man in ganz andere Daseinsbedingungen eintritt als in die Daseinsbedingungen, die Raum und Zeit umschließen. Und wenn Sie sich vielleicht, indem ich dieses ausspreche, auf sich selbst besinnen, so werden Sie unter Umständen in Ihrem eigenen Inneren Schwierigkeiten finden, wenn Sie sich fragen: Wie soll ich das nun machen, um aus Raum und Zeit mit meiner Vorstellung hinauszugehen? — Und dennoch, das war im wesentlichen die wirkliche Errungenschaft des wirklichen Durchmachens der zwei ersten Grade. Würde man in dem Zeitalter des Materialismus noch ein deutliches Bewußtsein gehabt haben von diesen drittgradigen Geheimnissen, so würde nicht etwas — jetzt spreche ich nicht über das äußere Experimentelle, aber über die zugrunde gelegte Theorie —, was als Theorie so grotesk ist wie der Spiritismus, Verbreitung gefunden haben. Wer Geister sucht, indem er sie so wie feine Körper in den Raum hereinbringen will, der hat gar keine Ahnung davon, daß, indem er so verfährt, er schon geistlos verfährt, das heißt, eine Welt aufsucht, die keine Geister enthält, sondern eben etwas anderes als Geister. Würde der Spiritismus eine Ahnung haben, wie, um Geister zu finden, man aus Zeit und Raum herausgehen muß, so würde er nicht zu dieser grotesken Vorstellung kommen, daß man räumliche Arrangements treffen kann, durch die sich Geister in irgendeiner Weise so ankündigen, wie sich äußere Raumeswirkungen im Zeitprozeß abspielen.
[ 14 ] It is incredibly difficult for people today to imagine that, from a certain point on the path of knowledge, a person not only enters other regions of space and other times, but also steps out of time and space—that the truly supernatural only begins when one leaves behind not only sensory impressions and their temporal processes, but space and time themselves, when one enters into conditions of existence entirely different from those that encompass space and time. And if, as I say this, you perhaps reflect on yourself, you may well encounter difficulties within your own inner being when you ask yourself: How am I to go about this, so that I may step out of space and time with my imagination? — And yet, that was essentially the true achievement of actually passing through the first two degrees. If, in the age of materialism, people had still had a clear awareness of these third-degree mysteries, then something—and here I am not speaking of the external experimental aspects, but of the underlying theory—that is as grotesque a theory as spiritualism would not have gained widespread acceptance. Anyone who seeks spirits by attempting to bring them into space as if they were subtle bodies has no idea that, by proceeding in this way, they are already acting without spirit—that is, seeking a world that contains no spirits, but rather something other than spirits. If spiritualism had any inkling of how, in order to find spirits, one must step outside of time and space, it would not arrive at this grotesque notion that one can make spatial arrangements through which spirits might, in some way, announce themselves in the same manner that external spatial effects unfold in the process of time.
[ 15 ] Nun kurz, das war es, was eben gerade erworben werden sollte durch die zwei ersten Stufen bis zum dritten Grade hin: die Möglichkeit, aus Zeit und Raum herauszukommen. Dazu bereitete allerdings vor das wirkliche Hindurchschreiten durch das Tor des Menschen und dann durch den zweiten Grad.
[ 15 ] In short, that was what was to be attained through the first two stages up to the third degree: the ability to transcend time and space. However, the actual passage through the Gate of Man and then through the second degree prepared one for this.
[ 16 ] Diese dritte Stufe, dieser dritte Grad wurde mit einem Worte bezeichnet, das man etwa in deutscher Sprache so ausdrücken kann: Der Einzuweihende ging durch das «Tor des Todes». Das heißt, er wußte sich jetzt wirklich außerhalb des Raumes, in dem sich das leibliche Menschenleben zwischen Geburt und Tod abspielt, und außerhalb der Zeit, in welcher dieses Menschenleben verläuft. Er wußte sich, jenseits von Zeit und Raum, im Dauernden zu bewegen. Er lernte erkennen dasjenige, was schon in die Sinneswelt hereinragt, wie ich öfter jetzt betont habe, aber mit dem, womit es in die Sinneswelt hereinragt, nicht innerhalb dieser Sinnenwelt begriffen werden kann, weil es schon Geistiges enthält. Er lernte sich befassen mit dem Tode, mit alldem, was mit dem Tode zusammenhängt. Das war im wesentlichen der Inhalt dieses dritten Grades. Wie man auch die je nach den verschiedenen Völkern verschieden gearteten Mysterienriten anschauen mag, wie sie sich auch darstellen mögen, überall lag zugrunde die Beschäftigung mit dem Tode. Überall mußte der Ausgangspunkt genommen werden für den dritten Grad von alldem, was erlebt werden kann — wenn ich den paradoxen Ausdruck, weil ich keinen besseren jetzt habe, gebrauchen muß —, wenn man den Tod, der sonst den Menschen aus dem Leibe herausführt, erlebbar macht schon innerhalb des Leibeslebens. Das war dann zugleich verbunden mit der Möglichkeit, nun wirklich den Menschen, so wie er dasteht zwischen Geburt und Tod, als etwas zu betrachten, das außerhalb der Wesenheit ist, die man jetzt im dritten Grade erreicht hatte. Man wußte jetzt einen Begriff zu verbinden mit dem Worte: außerhalb seines Leibes zu sein, wobei dieses «außerhalb» eben dann nicht räumlich aufgefaßt worden ist, sondern überräumlich aufzufassen war. Also man wußte damit einen erlebbaren Begriff zu verbinden. Da war es auch, wo die Menschen ablegten den Glauben an die gewöhnliche profane Religion, die die Religion ihres Volkes war. Da legten die Menschen vor allen Dingen ab am Tore des Todes die Vorstellung: Du stehst hier auf der Erde, deine Götter oder dein Gott sind irgendwo außer dir. — Da wußte sich der Mensch einig mit seinem Gotte, da unterschied sich der Mensch nicht mehr von seinem Gotte, da wußte er sich mit ihm völlig verbunden. Es war im wesentlichen erlebte Unsterblichkeit, die dieser dritte Grad dem Menschen brachte. Es war erlebte Unsterblichkeit dadurch, daß der Mensch dasjenige, was sterblich an ihm ist, verlassen konnte, daß er sich trennen konnte von demjenigen, was an ihm sterblich ist.
[ 16 ] This third stage, this third degree, was described with a word that can be roughly translated into German as follows: The initiate passed through the “Gate of Death.” That is to say, he now truly knew himself to be outside the space in which physical human life unfolds between birth and death, and outside the time in which this human life unfolds. He knew himself to be moving beyond time and space, in the eternal. He learned to recognize that which already extends into the sensory world—as I have often emphasized—but which, because of the nature of its extension into the sensory world, cannot be comprehended within that sensory world itself, since it already contains spiritual elements. He learned to engage with death and with everything connected to death. That was, in essence, the content of this third degree. However one may view the mystery rites—which varied in character among different peoples—and however they may have been conducted, the preoccupation with death lay at the foundation of them all. Everywhere, the starting point for the third degree had to be taken from all that can be experienced—if I must use the paradoxical expression, for I have no better one at present—namely, making death, which otherwise leads the human being out of the body, something that can be experienced already within bodily life. This was then simultaneously linked to the possibility of truly regarding the human being—as he stands between birth and death—as something outside the essence that had now been attained in the third degree. People now knew how to associate a concept with the phrase “to be outside one’s body,” whereby this “outside” was not to be understood in a spatial sense, but rather in a supra-spatial sense. Thus, people were able to associate an experiential concept with it. It was also at this point that people cast aside their belief in the ordinary, profane religion—the religion of their people. Above all, at the threshold of death, people cast aside the notion: “You stand here on earth; your gods or your God are somewhere outside of you.” — There, the human being knew himself to be at one with his God; there, the human being was no longer distinct from his God; there, he knew himself to be completely united with him. It was, in essence, experienced immortality that this third stage brought to the human being. It was a lived experience of immortality because man was able to abandon that which is mortal in him, because he was able to separate himself from that which is mortal in him.
[ 17 ] Aber vergessen wir nicht über diesem Ergebnis den ganzen Weg. Der ganze Weg bestand darin, daß der Mensch sich selbst erkennen gelernt hat. Jetzt war der Mensch nicht mehr in sich selbst, jetzt war er in der Außenwelt. Er hatte das mit in die Außenwelt hineingetragen, was er durch das Eindringen in sich selbst kennengelernt hat. Das ist das Wesentliche dieser vorchristlichen Einweihung, daß der Mensch in sich selbst ging, um in sich selbst etwas zu finden, was er dann mitnahm in die Außenwelt und was ihm in der Außenwelt, indem er sich von sich selbst getrennt hat, erst in der richtigen Weise aufleuchtete, so daß er sich dann mit dem Wesen der Außenwelt verbunden fühlte. Er ging in sich, um aus sich herauszugehen. Er ging in sich, weil er in sich etwas finden konnte von dem Wesen der Welt, was er nur in sich finden konnte, was er draußen nicht hätte finden können, was er aber nur draußen wirklich erleben konnte. Er ging durch das Tor des Menschen und durch das Tor der Selbsterkenntnis und des Todes, um in diejenige Welt einzutreten, die allerdings außer ihm ist. Die gewöhnliche Naturwelt ist auch außer uns. Aber der Mensch war sich klar darüber, daß er das, was er suchte, nur finden konnte, wenn er in sich selber hineinging.
[ 17 ] But let us not forget the entire journey that led to this result. The entire journey consisted in humanity learning to know itself. Now humanity was no longer within itself; now it was in the outer world. It had carried into the outer world what it had come to know through delving into itself. This is the essence of this pre-Christian initiation: that human beings went within themselves to find something within themselves, which they then carried out into the external world; and which, in the external world—by separating themselves from their inner selves—only then truly shone forth for them in the right way, so that they then felt connected to the essence of the external world. They went within themselves in order to step out of themselves. He turned inward because he could find within himself something of the essence of the world—something he could find only within himself, something he could not have found outside, but which he could truly experience only outside. He passed through the gate of humanity and through the gate of self-knowledge and death in order to enter the world that is, after all, outside of him. The ordinary natural world is also outside of us. But man was clearly aware that he could find what he was seeking only by going within himself.
[ 18 ] Dann, nachdem der Mensch den außerordentlich schwierigen dritten Grad durchgemacht hatte, war er ohne weiteres reif für den vierten Grad. Und man kann sagen: Einfach dadurch, daß er eine Zeitlang praktiziert hatte, zu leben im dritten Grade, war er reif für den vierten Grad in einer Weise, wie man es vom heutigen Menschen sehr schwer behaupten könnte. Denn der heutige Mensch wird — das liegt einfach in der Zeitepoche — nicht eigentlich reif innerhalb des dritten Grades. Er kommt anders nicht leicht aus der Raumes- und Zeitenvorstellung heraus als durch gewisse Kraftvorstellungen, die aber gesucht werden müssen auf andern Wegen — darüber werde ich in den nächsten Tagen sprechen —, als sie in alten Zeiten verfolgt wurden. Mit dem, was der Mensch aus sich heraus nun in die Außenwelt hineingetragen hatte, wurde er zum Bewußtsein dieses vierten Grades erhoben, und er wurde das, was man in späteren Sprachen übertragen und übersetzen konnte mit den Worten: ein «Christophor», ein Christus-Träger. Das war im Grunde genommen das Ziel dieser Mysterieneinweihung: den Menschen zum Christus-Träger zu machen. Natürlich wurden nur einige Auserlesene solche Christus-Träger. Sie konnten auch nur Christus-Träger werden dadurch, daß sie erst im Menschen suchten, was sich in der ganzen Außenwelt nicht finden ließ, daß sie dann mit dem im Menschen Gesuchten in die Außenwelt gingen und sich dann vereinigten mit ihrem Gotte. Sie wurden so zum Christus-Träger. Sie wußten, sie haben in der Struktur des Weltenalls sich vereinigt mit demjenigen — das ist jetzt nicht historisch, sondern vorweggenommen gesprochen —, was im Johannes-Evangelium der Logos oder das Wort genannt wird; sie haben sich vereinigt mit dem, woraus alle Dinge gemacht sind und ohne welches nichts von dem gemacht ist, was gemacht worden ist. So war das Christus-Geheimnis in diesen alten Zeiten gewissermaßen durch einen Abgrund vom Menschen getrennt, und es war gebunden daran, daß der Mensch diesen Abgrund überstieg, daß er wirklich durch die Selbsterkenntnis in die Lage sich versetzte, aus sich herauszukommen und sich mit seinem Gotte zu vereinigen, ein Träger seines Gottes zu werden.
[ 18 ] Then, after a person had gone through the extraordinarily difficult third degree, he was readily ready for the fourth degree. And one can say: Simply by having practiced living in the third degree for a time, he was ready for the fourth degree in a way that would be very difficult to say of people today. For people today—and this is simply a feature of the current epoch—do not actually reach maturity within the third degree. They cannot easily transcend their conceptions of space and time except through certain conceptions of force, which, however, must be sought through different paths—I will speak about this in the coming days—than those pursued in ancient times. Through what the human being had now carried from within himself into the outer world, he was raised to the consciousness of this fourth degree, and he became what could later be rendered and translated in other languages with the words: a “Christophor,” a bearer of Christ. That was, in essence, the goal of this mystery initiation: to make the human being a bearer of Christ. Of course, only a select few became such Christ-bearers. They could only become Christ-bearers by first seeking within the human being what could not be found in the entire outer world, by then going out into the outer world with what they had sought within the human being, and by then uniting with their God. In this way, they became Christ-bearers. They knew that, within the structure of the universe, they had united with that which—speaking not historically but in anticipation—is called the Logos or the Word in the Gospel of John; they had united with that from which all things are made and without which nothing that has been made was made. Thus, in those ancient times, the mystery of Christ was, so to speak, separated from humanity by an abyss, and it was contingent upon humanity transcending this abyss—that is, upon humanity truly placing itself, through self-knowledge, in a position to step outside of itself and unite with its God, to become a bearer of its God.
[ 19 ] Nehmen wir nun einmal, um uns in dieser Betrachtung weiterzuhelfen, hypothetisch an, es wäre auf der Erde das Mysterium von Golgatha nicht geschehen, die Erdenentwickelung wäre bis zum heutigen Tage verflossen, ohne daß das Mysterium von Golgatha geschehen wäre. Nur indem man solche Kontrahypothesen macht, kann man die Bedeutung einer solchen Sache wie die des Mysteriums von Golgatha wirklich ins Auge fassen. Also nehmen wir an, das Mystetium von Golgatha hätte sich bis zum heutigen Tage nicht vollzogen. Was wäre für dasjenige, was da durch die Mysterien in alten Zeiten am Menschen beobachtet worden ist, eingetreten?
[ 19 ] Let us now, to further our consideration, hypothetically assume that the Mystery of Golgotha had not taken place on Earth, and that Earth’s evolution would have unfolded to the present day without the Mystery of Golgotha having occurred. Only by formulating such counter-hypotheses can one truly grasp the significance of something like the Mystery of Golgotha. So let us assume that the Mystery of Golgotha had not taken place up to the present day. What would have happened to what was observed in human beings through the mysteries in ancient times?
[ 20 ] Der heutige Mensch könnte dann das vernehmen, was der griechische apollinische Spruch, was die griechische apollinische Devise war: «Erkenne dich selbst.» Er könnte gewissermaßen nachleben wollen diesem Worte «Erkenne dich selbst», könnte versuchen, da schließlich die Traditionen sich erhalten haben, dieselben Einweihungswege durchzumachen, die meinetwillen die ägyptisch-chaldäische Königseinweihung gegeben hat, könnte also versuchen, durch die vier Stufen so aufzusteigen, wie in der damaligen vorchristlichen Zeit aufgestiegen worden ist, um ein Christophor zu werden. Da würde der Mensch aber eine ganz bestimmte Erfahrung machen. Er könnte dann, wenn er befolgt diese Devise «Erkenne dich selbst», wenn er versucht, in sich hineinzugehen auch durch jene Furchtzustände hindurch, die damals durchgemacht worden sind, dann durch das nachträgliche Erleben der Veränderungen, durch das nachträglich In-Bewegung-Versetzen desjenigen, was erst im Ruhezustand durchgemacht worden ist, die Erfahrung machen, daß er nun nichts findet, daß er nun nicht das Wesen des Menschen in sich findet. Das ist schon das Bedeutungsvolle! Gewiß, die Devise «Erkenne dich selbst», gilt auch für den heutigen Menschen, aber diese Selbsterkenntnis führt ihn nicht mehr zur Welterkenntnis. Dasjenige, was der Mensch in der alten Seelenverfassung noch in sich gefunden hat als mit dem Wesen der Welt zusammenhängend, was er nicht finden konnte in der äußeren Welt, was er eben auf dem Wege der Selbsterkenntnis suchen mußte, um es dann als Welterkenntnis zu haben, jenes innere menschliche Wesenszentrum, das er dann mitnehmen konnte in die Außenwelt, um zum Christophor zu werden, das findet der Mensch heute nicht in sich, das ist nicht mehr da. Das ist wichtig, daß man das ins Auge faßt! Die Menschen mit den heutigen törichten Begriffen, die durch die sogenannte Wissenschaft kultiviert werden, haben die Meinung: Mensch ist Mensch. Der heutige Engländer oder Franzose oder Deutsche ist Mensch, so wie es der alte Ägypter war. Das ist aber ein Unsinn vor der wirklichen Erkenntnis, ein wirklicher Unsinn. Denn der alte Ägypter, indem er in sich selber einkehrte nach den Regeln der Initiation, fand etwas in sich, was der heutige Mensch in sich nicht finden kann, weil es verschwunden ist, weil es weg ist. Das ist entglitten dem Menschen, verlorengegangen dem Menschen, was selbst noch in der vorchristlichen und zum Teil noch in der nachchristlichen griechischen Seelenverfassung gefunden werden konnte. Das ist verlorengegangen, ist aus der Menschenwesenheit heraus verschwunden. Die menschliche Organisation ist heute eine andere, als sie in alten Zeiten war.
[ 20 ] People today might then come to understand what the Greek Apollonian saying—what the Greek Apollonian motto—was: “Know thyself.” They might, in a sense, want to live out these words, “Know thyself,” might try—since the traditions have been preserved—to undergo the same initiation rites that, in my view, were part of the Egyptian-Chaldean royal initiation; might thus try to ascend through the four stages, just as people did in that pre-Christian era, in order to become a Christophor. But in doing so, a person would have a very specific experience. If he were to follow this motto, “Know thyself,” if they attempt to look within themselves—even through those states of fear that were experienced back then—and then, through the subsequent experience of the transformations, through the subsequent setting in motion of what was first experienced in a state of stillness, they would realize that they now find nothing, that they no longer find the essence of the human being within themselves. That is what is truly significant! Certainly, the motto “Know thyself” also applies to people today, but this self-knowledge no longer leads them to knowledge of the world. That which human beings in the old state of the soul still found within themselves as connected to the essence of the world—that which they could not find in the outer world, that which they had to seek precisely through the path of self-knowledge in order to then possess it as knowledge of the world— that inner center of human being which they could then carry out into the external world to become a Christophor—people today do not find this within themselves; it is no longer there. It is important to take this to heart! People with today’s foolish notions, cultivated by so-called science, hold the view: a human being is a human being. Today’s Englishman, Frenchman, or German is a human being just as the ancient Egyptian was. But this is nonsense in the face of true knowledge—utter nonsense. For the ancient Egyptian, by turning inward according to the rules of initiation, found something within himself that modern man cannot find within himself, because it has vanished, because it is gone. This has slipped away from humanity, has been lost to humanity—something that could still be found in the pre-Christian and, to some extent, even in the post-Christian Greek state of the soul. It has been lost; it has vanished from the human being. The human constitution today is different from what it was in ancient times.
[ 21 ] Wenn wir die Sache anders aussprechen, so können wir so sagen: Der Mensch fand, wenn auch dunkel, wenn auch nicht in vollbewußten Begriffen, in jenen alten Zeiten, indem er in sich hineinging, doch sein Ich. Das widerspricht nicht dem, daß man sagt, daß das Ich in einer gewissen Weise durch das Christentum erst geboren worden ist. Deshalb sage ich: Wenn auch dunkel, wenn auch nicht in vollbewußten Begriffen, der Mensch fand doch sein Ich. Es war als aktives Bewußtsein erst durch das Christentum geboren worden, aber der Mensch fand sein Ich. Denn von diesem Ich, von diesem wirklichen, wahren Ich ist im Menschen der damaligen Zeit etwas zurückgeblieben, nachdem er geboren worden ist. Sie werden sagen: Soll nun jetzt etwa der Mensch heute nicht sein Ich finden? — Nein, er findet es auch nicht: das wirkliche Ich macht einen Stillstand, indem wir geboten werden. Dasjenige, was wir erleben als unser Ich, ist nur ein Spiegelbild des Ich. Das ist nur etwas, was das vorgeburtliche Ich in uns abspiegelt. Wir erleben in der Tat nur ein Spiegelbild des Ich, etwas vom wirklichen Ich erleben wir nur ganz indirekt. Das, wovon die Psychologen, die sogenannten Seelenforscher als vom Ich reden, ist nur ein Spiegelbild; das verhält sich zum wirklichen Ich so, wie das Bild, das Sie von sich im Spiegel sehen, sich zu Ihnen verhält. Aber dieses wirkliche Ich, das während der Zeit des atavistischen Hellsehens und bis in die christlichen Zeiten herein gefunden werden konnte, ist heute nicht in dem Menschen, der auf seine eigene Wesenheit — insofern die eigene Wesenheit verbunden ist mit dem Leibe hinschaut. Nur indirekt erlebt der Mensch etwas von seinem Ich, dann, wenn er mit andern Menschen in Beziehung tritt und sich das Karma abspielt.
[ 21 ] To put it another way, we might say: In those ancient times, by turning inward, human beings found their “I”—albeit in a vague way, and not in fully conscious terms. This does not contradict the assertion that the “I” was, in a certain sense, only born through Christianity. That is why I say: even if vaguely, even if not in fully conscious terms, human beings did find their “I.” It was only through Christianity that the “I” was born as active consciousness, but human beings did find their “I.” For something of this “I”—this real, true “I”—remained within the human being of that time after he was born. You will say: Shouldn’t human beings today be able to find their “I”? — No, they do not find it either: the real “I” comes to a standstill when we are commanded. What we experience as our “I” is only a reflection of the “I.” It is merely a reflection of the pre-birth “I” within us. In fact, we experience only a reflection of the “I”; we experience something of the real “I” only very indirectly. What psychologists—the so-called researchers of the soul—refer to as the “I” is merely a reflection; it relates to the real “I” in the same way that the image you see of yourself in a mirror relates to you. But this true “I,” which could be discovered during the era of atavistic clairvoyance and well into Christian times, is not present today in the person who looks toward their own being—insofar as that being is connected to the body. Only indirectly does a person experience something of their “I,” namely when they enter into relationships with other people and karma unfolds.
[ 22 ] Wenn wir einem andern Menschen gegenübertreten und sich etwas abspielt zwischen uns und dem andern Menschen, was zu unserem Karma gehört, da tritt etwas von dem Impulse des wahren Ich in uns herein. Aber das, was wir in uns Ich nennen, was wir mit dem Worte bezeichnen, das ist nur ein Spiegelbild. Und gerade dadurch wird der Mensch reif gemacht während unseres fünften nachatlantischen Kulturzeitraumes, das Ich im sechsten Zeitraum in einer neuen Gestalt zu erleben, daß er gewissermaßen durch den fünften Zeitraum dieses Ich nur als Spiegelbild erlebt. Das ist gerade das Charakteristische des Zeitalters der Bewußtseinsseele, daß der Mensch sein Ich nur als Spiegelbild erhält, damit er in das Zeitalter des Geistselbstes hineinlebt und das Ich anders gestaltet, in neuer Gestalt wieder erleben kann. Nur wird er es anders erleben, als er es heute gerne möchte! Heute möchte der Mensch sein Ich, das er nur als Spiegelbild erlebt, alles eher nennen als das, was sich ihm im zukünftigen sechsten nachatlantischen Zeitraum als solches präsentieren wird. Jene mystischen Anwandlungen, wie sie heute die Menschen noch haben: durch Hineinbrüten in ihr Inneres das wahre Ich zu finden — das sie sogar das göttliche Ich nennen! —, solche Anwandlungen werden die Menschen in der Zukunft seltener haben. Aber gewöhnen werden sie sich müssen, dieses Ich nur in der Außenwelt zu sehen. Das Sonderbare wird eintreten, daß jeder andere, der uns begegnet und der etwas mit uns zu tun hat, mehr mit unserem Ich zu tun haben wird als dasjenige, was da in der Haut eingeschlossen ist. So steuert der Mensch auf das soziale Zeitalter zu, daß er sich in Zukunft sagen wird: Mein Selbst ist bei all denen, die mir da draußen begegnen; am wenigsten ist es da drinnen. Ich bekomme, indem ich als physischer Mensch zwischen Geburt und Tod lebe, mein Selbst von allem Möglichen, nur nicht von dem, was da in meiner Haut eingeschlossen ist.
[ 22 ] When we encounter another person and something happens between us and that person that is part of our karma, something of the impulse of the true “I” enters into us. But what we call the “I” within us—what we designate by that word—is merely a reflection. And it is precisely through this that human beings are prepared during our fifth post-Atlantean cultural epoch to experience the “I” in a new form in the sixth epoch—by experiencing this “I” during the fifth epoch, so to speak, only as a reflection. This is precisely what characterizes the Age of the Conscious Soul: that human beings receive their “I” only as a reflection, so that they may live into the Age of the Spiritual Self and reshape the “I,” experiencing it anew in a different form. Only, they will experience it differently than they would like to today! Today, human beings would rather call their “I”—which they experience only as a reflection—anything but what it will present itself as in the future sixth post-Atlantean epoch. Those mystical impulses that people still have today—of finding the true “I” by brooding over their innermost selves—which they even call the “divine I”! —such impulses will be rarer for people in the future. But they will have to get used to seeing this “I” only in the outer world. The strange thing will be that every other person we encounter and who has anything to do with us will have more to do with our “I” than what is enclosed within our skin. Thus, humanity is heading toward a social age in which people will say to themselves in the future: My self is found in all those I encounter out there; it is least of all found inside me. As a physical human being living between birth and death, I derive my self from all manner of things, but not from what is enclosed within my skin.
[ 23 ] Dieses, was so paradox erscheint, es bereitet sich heute indirekt vor dadurch, daß die Menschen ein wenig empfinden lernen, wie sie in dem, was sie ihr Ich nennen, in diesem Spiegelbild drinnen eigentlich furchtbar wenig sind. Ich habe neulich einmal davon gesprochen, wie man dadurch auf die Wahrheit kommen kann, daß man sich seine Biographie, aber sachlich, vor Augen führt und sich frägt, was man eigentlich dem und jenem Menschen verdankt von seiner Geburt ab. Man wird sich allmählich so langsam auflösen in die Einflüsse, die von andern kommen; man wird außerordentlich wenig finden in dem, was man als sein eigentliches Ich zu betrachten hat, das, wie gesagt, doch nur ein Spiegelbild ist. Etwas grotesk gesprochen, kann man sagen: In jenen Zeiten, in denen das Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat, ist der Mensch ausgehöhlt worden, ist er hohl geworden. Das ist das Bedeutsame, daß man erkennen lernt das Mysterium von Golgatha als Impuls, indem man es in seiner Wechselbeziehung zu diesem Hohlwerden des Menschen betrachtet. Der Mensch muß, wenn er von der Wirklichkeit spricht, sich klar sein, daß der Platz irgendwie ausgefüllt sein muß, den er früher noch hat finden können, sagen wir, in den ägyptisch-chaldäischen Königsmysterien. Der wurde damals noch etwas ausgefüllt von dem wirklichen Ich, das heute haltmacht, wenn der Mensch geboren wird, oder wenigstens in den ersten Kindheitsjahren haltmacht, es scheint noch etwas herein in die ersten Kindheitsjahre. Und diesen Platz, ihn nahm der Christus-Impuls ein. Da sehen Sie den wahren Vorgang. Sie können sich sagen: Hier (siehe Zeichnung, links) die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha, hier (Mitte) das Mysterium von Golgatha, (rechts) die Menschen nach dem Mysterium von Golgatha.
[ 23 ] This—which seems so paradoxical—is indirectly being prepared today as people are beginning to sense, even if only a little, just how terribly insignificant they actually are within what they call their “I,” within this mirror image. I spoke recently about how one can arrive at the truth by objectively reviewing one’s own life story and asking oneself what one actually owes to this or that person from the moment of one’s birth. One gradually begins to dissolve into the influences coming from others; one finds extraordinarily little in what one must regard as one’s actual “I,” which, as I said, is really only a mirror image. To put it somewhat grotesquely, one could say: In those times when the Mystery of Golgotha took place, the human being was hollowed out; he became hollow. What is significant is that one learns to recognize the Mystery of Golgotha as an impulse by considering it in relation to this hollowing out of the human being. When speaking of reality, the human being must be clear that the space—which he was once able to find, let us say, in the Egyptian-Chaldean royal mysteries—must somehow be filled. At that time, that space was still filled to some extent by the true “I,” which today takes hold when a human being is born—or at least during the early years of childhood; it still seems to enter somewhat during those early years. And the Christ impulse took that place. There you see the true process. You can think of it this way: here (see drawing, left) are the people before the Mystery of Golgotha; here (center) is the Mystery of Golgotha; and here (right) are the people after the Mystery of Golgotha.


[ 24 ] Die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha hatten etwas in sich, das, wie gesagt, durch die Einweihung gefunden wurde (rot). Die Menschen nach dem Mysterium von Golgatha haben dieses nicht mehr in sich (blau), sie sind gewissermaßen da ausgehöhlt, und der Christus-Impuls senkt sich herein (violett) und nimmt den leeren Platz ein. Der Christus-Impuls soll also nicht aufgefaßt werden wie eine Lehre bloß, wie eine Theorie, sondern er muß hinsichtlich seiner Tatsächlichkeit aufgefaßt werden. Und jeder, der die Möglichkeit dieses Hinabsenkens im Sinne der alten Mysterieninitiation wirklich versteht, der versteht erst die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha seiner innerlichen Wahrheit nach. Denn heute könnte, so wie das in der alten ägyptischen Königseinweihung der Fall war, der Mensch nicht ohne weiteres ein Christophor werden; er wird aber ein Christophor unter allen Umständen, indem gewissermaßen in den Hohlraum, der in ihm ist, der Christus sich hineinsenkt.
[ 24 ] Before the Mystery of Golgotha, people had something within them that, as mentioned, was discovered through initiation (red). People after the Mystery of Golgotha no longer have this within them (blue); they are, so to speak, hollowed out there, and the Christ impulse descends (violet) and fills the empty space. The Christ impulse, therefore, should not be understood merely as a doctrine or a theory, but must be understood in terms of its reality. And only those who truly understand the possibility of this descent in the sense of the ancient mystery initiations can grasp the significance of the Mystery of Golgotha in its inner truth. For today, just as was the case in the ancient Egyptian royal initiation, a person cannot simply become a Christophor; yet he becomes a Christophor under all circumstances when, as it were, the Christ descends into the void within him.
[ 25 ] Also in dem Bedeutungsloswerden der alten Mysterienprinzipien zeigt sich die große Bedeutung des Christus-Mysteriums, von dem ich gesagt habe — Sie können das in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» nachlesen —: Dasjenige, was früher in den Tiefen der Mysterien erlebt worden ist, was den Menschen zum Christophor gemacht hat, ist hinausgestellt worden in den großen Plan der Weltgeschichte und vollzieht sich als eine äußere Tatsache. Das ist Tatsache. Daraus werden Sie aber auch ersehen, daß das Einweihungsprinzip selber seit jenen alten Zeiten eine Änderung erfahren mußte, eine Wandlung durchmachen mußte, denn dasjenige, was sich die alten Mysterien als das im Menschen zu Suchende vorgesetzt haben, das kann heute nicht gefunden werden.
[ 25 ] Thus, the loss of meaning of the ancient mystery principles reveals the great significance of the Christ Mystery, about which I have said—you can read about this in my book *Christianity as a Mystical Fact*—: That which was once experienced in the depths of the mysteries, that which made a person a Christophor, has been brought out into the great plan of world history and is unfolding as an external reality. That is a fact. From this, however, you will also see that the principle of initiation itself has had to undergo a change since those ancient times, a transformation, for what the ancient mysteries set forth as that which is to be sought within the human being cannot be found today.
[ 26 ] Man tue sich nur ja nicht gar so viel darauf zugute, daß die heutige Naturwissenschaft den heutigen Engländer, Franzosen, Deutschen ebenso betrachtet, wie sie, wenn sie könnte, den alten Ägypter betrachten würde. Sie betrachtet gar nicht das am Menschen, was sein Wesentliches ist. Schließlich hat sich sogar das Äußere etwas verändert seit jenen alten Zeiten, aber das, was das Wesentliche ist, was sich verändert hat, das muß man so schildern, wie wir es heute getan haben. In dieser Schilderung sehen Sie aber zugleich die Notwendigkeit, daß das Initiationsprinzip sich ändert. Was soll denn heute der Mensch suchen, wenn er nur das alte «Erkenne dich selbst» im alten Sinne befolgen will? Was würde er erreichen, wenn er alle Beschreibungen der Einweihungszeremonien und Einweihungsvorgänge des alten Ägypten kennen und auf sich anwenden würde? Er würde nicht mehr das finden, was man innerhalb der alten Mysterien gefunden hat. Und dasjenige, was man im vierten Grad geworden ist, das würde er unbewußt vollziehen, er kann es aber nicht verstehen. Der Mensch kann, auch wenn er alle Einweihungszeremonien durchmacht, wenn er die Wege geht, die damals bis zum Christophor geführt haben, dem Christus auf diese Weise nicht verständnisvoll entgegentreten. Der alte Mensch konnte das, wenn er eingeweiht wurde: er wurde wirklich zum Christophor. Das ist eben eingetreten im Laufe der Entwickelung der Erde, daß der Mensch die Möglichkeit verloren hat, in sich selber jene Wesenheit zu suchen, die dann zum Licht der Weltwesenheit wurde. Heute findet der Mensch einen Hohlraum in sich, wenn er auf dieselbe Weise sucht.
[ 26 ] One should certainly not take too much pride in the fact that modern science views today’s English, French, and German people in the same way that, if it could, it would view the ancient Egyptians. It does not consider what is essential to human beings at all. After all, even outward appearances have changed somewhat since those ancient times, but what is essential—what has changed—must be described as we have done today. In this description, however, you will also see the necessity for the principle of initiation to change. What, then, should a person seek today if they wish only to follow the ancient maxim “Know thyself” in its original sense? What would they achieve if they knew all the descriptions of the initiation ceremonies and processes of ancient Egypt and applied them to themselves? They would no longer find what was found within the ancient mysteries. And what one became in the fourth degree, they would unconsciously accomplish, but they cannot understand it. Even if a person were to undergo all the initiation ceremonies and follow the paths that once led to Christophor, he could not, in this way, meet the Christ with understanding. The ancient human being could do this when he was initiated: he truly became Christophor. It is precisely what has occurred in the course of Earth’s evolution that human beings have lost the ability to seek within themselves that being which then became the light of the world spirit. Today, when a person searches in the same way, he finds a void within himself.
[ 27 ] Aber im Weltengang ist es auch nicht bedeutungslos, wenn man etwas verliert: Man wird dadurch ein anderer. Man trägt — wenn ich das weiter ausdehne, was ich eben besprochen habe — sich als Mensch durch die Welt mit jenem Hohlraum. Das gibt einem aber wiederum besondere Fähigkeiten. Und so wahr es ist, daß gewisse alte Fähigkeiten verlorengegangen sind, so wahr ist es aber auch, daß gerade durch den Verlust jener Fähigkeiten neue erworben worden sind, die nun wiederum so ausgebildet werden können wie die alten Fähigkeiten im alten Sinne. Das heißt mit andern Worten: Der Weg, der gemacht worden ist durch das Tor des Menschen bis zum Tor des Todes, der muß heute in anderer Weise gemacht werden. Das hängt zusammen mit dem, was ich gesagt habe: Die Geister der Persönlichkeit nehmen einen neuen Charakter an. Mit diesem neuen Charakter der Geister der Persönlichkeit hängt im wesentlichen zusammen die neue Initiation.
[ 27 ] But in the course of life, losing something is not without meaning either: it changes who you are. To expand on what I just discussed: as human beings, we carry that void with us through the world. But this, in turn, gives us special abilities. And just as it is true that certain old abilities have been lost, it is also true that, precisely through the loss of those abilities, new ones have been acquired—abilities that can now be developed in the same way as the old ones were in the past. In other words: The path that was once traversed through the gate of humanity to the gate of death must now be traversed in a different way. This is connected to what I have said: The spirits of the personality are taking on a new character. The new initiation is essentially linked to this new character of the spirits of the personality.
[ 28 ] Es wurde gewissermaßen zuerst eine Pause gemacht in der Menschheitsentwickelung mit der Initiation. Im 19. Jahrhundert namentlich war der Mensch weit von ihr weggerückt. Erst mit dem Einde des 19. Jahrhunderts kam wiederum die Möglichkeit des Nahegerücktwerdens der wirklichen lebendigen Initiation. Und diese wirkliche lebendige Initiation bereitet sich vor, aber sie wird in einer ganz andern Weise verlaufen, als jene frühere verlaufen ist, die ich heute — um Ihnen eine Vorbereitung zu geben zum tieferen Verständnis des Christentums — von einem gewissen Gesichtspunkte aus geschildert habe. Dasjenige, was damals ganz vergeblich war: in der sich ausbreitenden äußeren Welt irgend etwas Wesenhaftes zu suchen, das wird gerade dadurch möglich, daß wir innerlich so hohl werden. Und das wird immer mehr eintreten und ist bis zu einem gewissen Grade heute schon möglich und kann heute schon erreicht werden durch solche Erkenntniswege, die geschildert werden in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Dasjenige, was heute zu erlangen möglich ist, das ist, in einer gewissen Weise mit denselben Seelenfähigkeiten, wenn man sie nur richtig anwendet, mit denen man in die äußere Welt hineinsieht, tiefer in diese äußere Welt hineinzuschauen. Die Naturwissenschaft tut das nicht, sie will nur bis zu Gesetzen vordringen, sogenannten Naturgesetzen. Diese Naturgesetze sind ja Abstraktionen. Und wenn Sie sich ein bißchen bekanntmachen mit der gebräuchlichen Literatur, die den naturwissenschaftlichen Begriffen so ein Philosophenmäntelchen umhängt — ich könnte auch sagen, ein Philosophenhütchen aufsetzt —, dann werden Sie sehen, daß diese Leute, die da heute über diese Dinge reden, nicht wissen, wie sie über die Beziehungen der Naturgesetze zu der Realität, zu der Wirklichkeit denken sollen. Da kommt man bis zu den Naturgesetzen, aber die bleiben abstrakte Begriffe, abstrakte Ideen. Solch eine Persönlichkeit wie Goethe sucht über die Naturgesetze hinauszudringen. Und das ist das Bemerkenswerte an Goethe und an dem Goetheanismus, das, was so wenig verstanden wird: Goethe suchte über die Naturgesetze hinauszudringen zu der Naturgestaltung, zu den Formen. Daher begründete er gerade eine Morphologie im höheren Sinne, eine spirituelle Morphologie. Er versuchte nicht das festzuhalten, was die äußeren Sinne geben, sondern das Sich-Formende, dasjenige, was die äußeren Sinne nicht geben, was sich aber versteckt in den Formen. So daß wir heute wirklich von etwas Parallelem sprechen können zum Tor des Menschen: Wir können sprechen vom «Tor der Naturformen». Ich möchte sagen, die Morgenröte war schon gegeben, aber in einer etwas noch dunklen Art, als aus der chaotisch mittelalterlichen Mystik heraus solch ein Mann wie Jakob Böhme, wenn auch in seiner Sprache, von den sieben Naturformen sprach. Aber es ist eben nicht sehr deutlich und nicht sehr umfassend bei Jakob Böhme. Dasjenige aber, wozu die moderne Initiation immer mehr kommen muß, das sind diese Formen, die sich in den äußeren Sinnesformen als über das Räumlich-Zeitliche hinausgehend zeigen.
[ 28 ] In a sense, the initiation marked the first pause in human development. In the 19th century, in particular, humanity had drifted far away from it. It was not until the end of the 19th century that the possibility of drawing closer to true, living initiation arose once more. And this true, living initiation is in the process of preparing itself, but it will unfold in a completely different way than the earlier one did—which I have described today from a certain perspective in order to prepare you for a deeper understanding of Christianity. What was entirely futile back then—seeking something essential in the expanding outer world—becomes possible precisely because we become so hollow within. And this will occur more and more; it is already possible to a certain degree today and can already be attained through the paths of knowledge described in *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. What is possible to attain today is, in a certain sense, to look more deeply into this outer world using the very same soul faculties—if only they are applied correctly—with which we look into the outer world. Natural science does not do this; it seeks only to penetrate as far as laws, so-called laws of nature. These laws of nature are, after all, abstractions. And if you familiarize yourself a little with the common literature that drapes a little philosophical cloak over scientific concepts—I might also say, puts a little philosophical cap on them—then you will see that these people who speak about such things today do not know how to think about the relationship between the laws of nature and reality. They may arrive at the laws of nature, but these remain abstract concepts, abstract ideas. A figure like Goethe sought to go beyond the laws of nature. And that is what is remarkable about Goethe and Goetheanism—the very thing that is so little understood: Goethe sought to go beyond the laws of nature to the shaping of nature, to the forms. That is why he established a morphology in the higher sense—a spiritual morphology. He did not attempt to capture what the external senses provide, but rather that which is taking form—that which the external senses do not provide, yet which is hidden within the forms. So that today we can truly speak of something parallel to the “Gate of Man”: we can speak of the “Gate of Natural Forms.” I would say that the dawn had already broken, though in a somewhat obscure way, when, emerging from the chaotic mysticism of the Middle Ages, a man like Jakob Böhme spoke—albeit in his own language—of the seven forms of nature. But it is simply not very clear or comprehensive in Jakob Böhme. What modern initiation must increasingly come to, however, are these forms that reveal themselves in the external sensory forms as transcending space and time.
[ 29 ] Ich habe öfters aufmerksam gemacht auf jenes berühmte Gespräch zwischen Goethe und Schiller, als beide von einem Vortrag des Naturforschers Batsch herauskamen. Da sagte Schiller zu Goethe, daß das eine sehr zerstückelte Art wäre, die Welt zu betrachten, die Batsch sich geleistet habe. Nun, so zerstückelt wie die heutigen Naturforscher das tun, war das damals noch lange nicht, abet Schiller empfand das doch als sehr trocken. Und Goethe sagte, man könne wohl auch eine andere Naturbetrachtung anwenden. Und er zeichnete seine Pflanzenmetamorphose, die Urpflanze, mit ein paar charakteristischen Strichen. Da sagte Schiller, der das nicht erfassen konnte: Das ist keine Erfahrung — er meinte, nichts was in der äußeren Welt ist —, das ist eine Idee. — Schiller blieb bei der Abstraktion. Goethe sagte darauf: Wenn das eine Idee ist, kann es mir recht sein, dann sehe ich meine Ideen mit Augen. — Er meinte, für ihn ist das nicht eine Idee, die man sich nur innerlich bildet, sondern für ihn ist das, was er da aufzeichnete, obwohl es nicht wie etwa Farben mit Augen gesehen werden kann, doch da. Das ist wirkliche Gestaltung, übersinnliche Gestaltung in den Sinnen. Goethe hat das gewiß nicht sehr weit ausgebildet. Ich habe Ihnen in Betrachtungen, die wir angestellt haben, gesagt: In gerader Fortsetzung von dieser Goetheschen Pflanzen- und Tierweltmetamorphose, die Goethe nur in elementarer Weise ausgebildet hat, liegt die wahre Durchdringung der wiederholten Erdenleben. Goethe betrachtet das farbige Blütenblatt als umgewandeltes Pflanzenblatt; er betrachtet den Schädelknochen als umgewandelten Rückenwirbelknochen. Es war ein Anfang. Wenn man nach derselben Betrachtungsweise ihn fortsetzt, kommt man nur bis zu den Formen, aber eben bis an das Tor der Naturformen, kommt zu imaginativer Einsicht in diese Naturformen. Und da kommt man dazu, wirklich nicht bloß auf die Schädelknochen hinzusehen, die umgewandelte Wirbelknochen sind, sondern auf den ganzen menschlichen Schädel. Man kommt darauf, daß dieser ganze menschliche Kopf die umgewandelte Menschengestalt ist aus dem vorherigen Leben, nur kopflos gedacht. Das, was Sie heute an sich tragen außer dem Kopf, der übrige Körper, geht natürlich seiner Materie nach in die Erde über; aber das Übersinnliche der Formen, das geht durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, und das ist Kopf der nächsten Inkarnation. Da haben wir die Metamorphose in ihrer höchsten Ausbildung beim Menschen. Sie dürfen nur auf den Schein nichts geben. Sie können natürlich sagen: Wir senken den Menschen in die Erde ein oder wir verbrennen ihn, wie soll sich denn da der Körper umwandeln zum Kopf? — Nun, das ist eben das Rechnen mit dem Scheine im heutigen Sinn. Da müssen Sie schon, wenn Sie diesen Schein kultivieren wollen, bei denen bleiben, die aufmerksam machen auf die Shakespeare-Stelle, wo Hamlet aus Verzweiflung sagt, daß irgendwo in einem beliebigen Staube der irdische Menschenstaub vorhanden sei von Julius Cäsar, vielleicht in irgendeinem Hunde seien die Überreste, die Atome, die einstmals den römischen Cäsar gebildet haben.
[ 29 ] I have often drawn attention to that famous conversation between Goethe and Schiller, which took place as they were leaving a lecture by the naturalist Batsch. Schiller remarked to Goethe that Batsch had adopted a very fragmented way of viewing the world. Well, it was nowhere near as fragmented as today’s naturalists do it, though Schiller still found it very dry. And Goethe said that one could certainly adopt a different approach to observing nature. And he sketched his plant metamorphosis—the primordial plant—with a few characteristic strokes. Schiller, who could not grasp this, then said: “That is not experience”—he meant, nothing that exists in the external world—“that is an idea.” Schiller remained fixated on abstraction. Goethe replied: “If that is an idea, then it suits me fine; I see my ideas with my eyes.” — He meant that for him this was not an idea formed solely within the mind, but rather that what he had sketched there—even though it cannot be seen with the eyes, as colors can—is nevertheless there. This is true formation, supersensible formation within the senses. Goethe certainly did not develop this very far. I have told you in the reflections we have made: In direct continuation of this Goethean metamorphosis of the plant and animal worlds—which Goethe developed only in a rudimentary way—lies the true interpenetration of repeated earthly lives. Goethe regards the colored petal as a transformed plant leaf; he regards the skull bone as a transformed vertebral bone. It was a beginning. If one continues along the same line of thought, one reaches only as far as the forms—but precisely to the threshold of natural forms—and gains an imaginative insight into these natural forms. And there one comes to the point of truly looking not merely at the skull bones, which are transformed vertebrae, but at the entire human skull. One comes to realize that this entire human head is the transformed human form from the previous life, conceived as headless. What you carry within you today besides the head—the rest of the body—naturally passes into the earth in terms of its material substance; but the supersensible aspect of the forms passes through the life between death and new birth, and that is the head of the next incarnation. Here we have metamorphosis in its highest form in human beings. You must not attach any importance to appearances. You might naturally say: We bury the person in the earth or we cremate them—how, then, is the body to be transformed into a head? —Well, that is precisely what it means to judge by appearances in the modern sense. If you wish to cultivate this illusion, you must stick with those who draw attention to the passage in Shakespeare where Hamlet, in despair, says that somewhere in any dust there is the earthly human dust of Julius Caesar; perhaps in some dog lie the remains, the atoms, that once formed the Roman Caesar.
[ 30 ] Nun, diese Leute gehen eben nicht dem Wege nach, den zum Beispiel auch der physische Organismus nimmt, gleichgültig ob er in die Erde gelegt oder verbrannt wird. Da findet schon diese Metamorphose statt. Es ist so, daß nur das Haupt, der Kopf abglimmt, von der Erde verschwindet, denn er geht ins Weltenall hinaus; dasjenige aber, was für die jetzige Inkarnation Ihr Leib ist, außer dem Kopfe, das verwandelt sich, und Sie finden es als Kopf — Sie können dem gar nicht entkommen — in Ihrer nächsten Inkarnation. An Materie brauchen Sie gar nicht zu denken. Sie haben auch jetzt nicht dieselbe Materie, die Sie vor sieben Jahren in sich getragen haben. Sie brauchen nur an die sich verwandelnde, an die verwandelte Form zu denken. Es ist ebenso eine erste Stufe, wie das Tor des Menschen im alten Sinne eine erste Stufe war: es ist das Tor der Formen. Und indem man lebendig erfaßt hat dieses Tor der Formen, kann man eintreten in das «Tor des Lebens», wo man es nicht mehr mit Formen zu tun hat, sondern mit Lebensstufen, mit Lebenselementen. Das würde demjenigen entsprechen, was ich vorhin bei der alten ägyptischen Königseinweihung charakterisiert habe als den zweiten Grad. Und das Dritte ist gleichbedeutend mit dem Eintreten in das Tor des Todes: es ist die Initiation in die verschiedenen Bewußtseine. Der Mensch kennt ja zwischen Geburt und Tod nur das eine Bewußtsein; doch dieses ist nur eines unter zunächst sieben. Aber mit diesen verschiedenen Bewußtseinen muß man rechnen, wenn man die Welt überhaupt verstehen will.
[ 30 ] Well, these people simply do not follow the path that, for example, the physical organism takes, regardless of whether it is buried in the earth or cremated. That is where this metamorphosis already takes place. The fact is that only the head fades away and disappears from the earth, for it goes out into the universe; but that which is your body for the present incarnation—apart from the head—is transformed, and you will find it as a head—you cannot escape this at all—in your next incarnation. You need not think of matter at all. Even now, you do not possess the same matter that you carried within you seven years ago. You need only think of the transforming, the transformed form. It is just as much a first stage as the “Gate of Man” in the old sense was a first stage: it is the “Gate of Forms.” And by grasping this Gate of Forms in a living way, one can enter the “Gate of Life,” where one no longer deals with forms, but with stages of life, with elements of life. This would correspond to what I characterized earlier, in connection with the ancient Egyptian royal initiation, as the second degree. And the third is synonymous with entering the Gate of Death: it is the initiation into the various states of consciousness. Between birth and death, human beings know only one state of consciousness; yet this is only one among, initially, seven. But one must take these various states of consciousness into account if one wishes to understand the world at all.
[ 31 ] Bedenken Sie doch nut, daß Sie die Skizze haben von diesen drei aufeinanderfolgenden Dingen in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß». Ich habe sie für die Weltentwickelung gegeben. Sie haben da die verschiedenen Bewußtseinsformen Saturn, Sonne, Mond, Erde und so weiter, die sieben Bewußtseinsformen. Der Mensch geht in jeder dieser Stufen, von denen eine die Erde ist, durch ein Bewußtsein hindurch. Er absolviert sieben verschiedene Bewußtseinsstufen, auf jeder dieser Bewußtseinsstufen, also Saturn, Sonne und so weiter, sieben Lebensstufen und in jeder Lebensstufe sieben Stufen der Form. Das, was wir beschreiben in unseren Kulturstufen als altindische, altpersische, ägyptisch-chaldäische, griechisch-lateinische Stufe, unsere jetzige, das sind auch Formen. Da leben wir im Tor der Formen. Das entspricht dem Tor des Menschen, wenn wir von diesen Kulturformen sprechen, und wir können uns aus der Welt der Formen heraus Vorstellungen bilden über diese Kulturen, die aufeinanderfolgen. Es sind sieben in jeder Lebensstufe. Wenn wir aber von Lebensstufen sprechen, sprechen wir von den sieben aufeinanderfolgenden Stufen, wovon zum Beispiel unsere nachatlantische Zeit eine ist, mit der urpersischen, urindischen und so weiter zusammen bis zur siebenten. Wir stehen jetzt in der fünften Lebensstufe, das ist dann eine Lebensstufe, die atlantische auch eine, die lemurische auch eine Lebensstufe. Und diese sieben Lebensstufen sind da, damit der Mensch das Bewußtsein, das er heute hat, erlangen konnte. Dieses Bewußtsein aber ist herausentwickelt aus dem alten Mondenbewußtsein, dieses aus dem alten Sonnenbewußtsein. Aus jeder dieser Planetenverkörperungen nimmt der Mensch eine solche Bewußtseinsform an. Seine zunächst vollkommenste wird er während der Vulkanentwickelung erlangen.
[ 31 ] Just consider that you have the outline of these three successive stages in my *Outline of Esoteric Science*. I presented them in relation to the evolution of the world. There you have the various forms of consciousness—Saturn, Sun, Moon, Earth, and so on—the seven forms of consciousness. In each of these stages—one of which is Earth—humanity passes through a particular state of consciousness. It undergoes seven different stages of consciousness; within each of these stages—that is, Saturn, Sun, and so on—there are seven stages of life, and within each stage of life, seven stages of form. What we describe in our cultural stages—the ancient Indian, ancient Persian, Egyptian-Chaldean, and Greek-Latin stages, as well as our present one—are also forms. There we live within the Gate of Forms. This corresponds to the human gate when we speak of these cultural forms, and from the world of forms we can form concepts about these cultures that follow one another. There are seven in each stage of life. But when we speak of stages of life, we are referring to the seven successive stages, of which, for example, our post-Atlantean era is one, together with the primordial Persian, primordial Indian, and so on, up to the seventh. We are now in the fifth stage of life; this is one stage of life, the Atlantean era is another, and the Lemurian era is yet another stage of life. And these seven life stages exist so that human beings could attain the consciousness they possess today. This consciousness, however, has evolved from the ancient lunar consciousness, which in turn evolved from the ancient solar consciousness. From each of these planetary incarnations, human beings assume a corresponding form of consciousness. They will attain their most perfect form of consciousness during the volcanic stage of development.
[ 32 ] Da sehen Sie, wie durch die drei aufeinanderfolgenden Geheimnisse der Grade der Mensch einen Überblick bekommt über den Kosmos. Und dann kann er aus dieser Welterkenntnis heraus wiederum Menschenerkenntnis gewinnen. Aus dieser Welterkenntnis heraus gewinnt man nun die Möglichkeit, dem Mysterium von Golgatha auch Verständnis entgegenzubringen.
[ 32 ] There you can see how, through the three successive mysteries of the degrees, a person gains an overview of the cosmos. And then, based on this understanding of the world, they can in turn gain an understanding of humanity. From this understanding of the world, one then gains the ability to also comprehend the mystery of Golgotha.
[ 33 ] Wir haben erst heute einige Skizzen, möchte ich sagen, in bezug auf dieses Verständnis in uns aufgenommen. Aber wir haben doch immerhin begreifen können, warum zum Beispiel das Mysterium von Golgatha in die vierte nachatlantische Kulturform der fünften Lebensperiode, der nachatlantischen Lebensperiode, hineinfällt, warum es auf der Erde sich zugetragen hat. Wenn Sie in dem letzten Leipziger Zyklus nachlesen, werden Sie sehen, wie sich vorbereitet hat auf dieser Erde dieses Mysterium von Golgatha. Aber alles dasjenige, was zum Verständnis dieses Mysteriums von Golgatha notwendig ist, das ergibt sich aus den Prinzipien der neuen Initiation heraus. So daß die alte Initiation eben im wesentlichen von der Menschenerkenntnis zur Welterkenntnis ging, die neue von der Welterkenntnis zurückgeht zur Menschenerkenntnis.
[ 33 ] I would say that it was only today that we began to take in some outlines of this understanding. But we have at least been able to grasp why, for example, the Mystery of Golgotha falls within the fourth post-Atlantean cultural form of the fifth life period—the post-Atlantean life period—and why it took place on Earth. If you look back at the last Leipzig lecture series, you will see how this Mystery of Golgotha was prepared on this Earth. But everything necessary for understanding this Mystery of Golgotha arises from the principles of the new initiation. Thus, while the old initiation essentially moved from knowledge of the human being to knowledge of the world, the new one moves back from knowledge of the world to knowledge of the human being.
[ 34 ] Aber das ist vom Initiationsstandpunkt aus charakterisiert. Da stehen Sie gewissermaßen auf der einen Seite; auf der andern Seite zeigt sich Ihnen das Spiegelbild davon. Sie müssen, um diese Welterkenntnis zu erlangen, eben von einer neuen Menschenerkenntnis erst ausgehen. Und von dieser habe ich neulich gesprochen. Von dieser muß man völlig anders sprechen für die alte und wiederum für die neue Zeit. Die alte Zeit kam durch ihre Menschenerkenntnis zu einem Ergebnis, das eben Welterkenntnis war. 'Theoretisch gesprochen, könnte man sagen: Der Mensch machte etwas als Lebensprozeß durch, und dann, wenn er fertig war, war das Welterkenntnis; er ging dadurch in seinem Bewußtsein von der Welterkenntnis aus und konnte dann wiederum auf den Menschen zurückschließen. Heute, wenn Sie von dieser Welterkenntnis durch Form, Leben und Bewußtsein ausgehen, erlangen Sie eigentlich dadurch — sehen Sie es in meiner «Geheimwissenschaft» an — im wesentlichen Menschenerkenntnis. Es verschwindet eigentlich alles übrige in der Naturerkenntnis: der Mensch wird einem verständlich. Und ebenso wird einem, wie ich Ihnen gezeigt habe, der Mensch erst verständlich als dreigliedriges Wesen — als Sinnes-Nervenwesen, als rhythmisches Wesen, als Stoffwechselwesen — dadurch, daß man diese Welterkenntnis erwirbt. Und von dem Menschen aus kann man dann wiederum zur Welterkenntnis übergehen.
[ 34 ] But this is characterized from the point of view of initiation. There, you stand, so to speak, on one side; on the other side, the mirror image of this is revealed to you. In order to attain this knowledge of the world, you must first start from a new understanding of humanity. And I spoke about this recently. One must speak of it in a completely different way for the old era and, in turn, for the new era. The old era arrived at a conclusion through its understanding of humanity, and that conclusion was precisely an understanding of the world. ‘Theoretically speaking, one could say: Humanity went through something as a life process, and then, when it was finished, that was an understanding of the world; through this, he proceeded in his consciousness from knowledge of the world and could then, in turn, draw conclusions about the human being. Today, when you proceed from this knowledge of the world through form, life, and consciousness, you actually attain through it—as you can see in my *Esoteric Science*—essentially knowledge of the human being. Everything else actually fades into the background in the knowledge of nature: the human being becomes comprehensible to you. And just as I have shown you, the human being only becomes comprehensible as a threefold being—as a sensory-nervous being, as a rhythmic being, as a metabolic being—by acquiring this knowledge of the world. And from the human being, one can then return to the knowledge of the world.
[ 35 ] Das sind keine Widersprüche. Solches werden Sie auf Schritt und Tritt finden, wenn Sie in die Wahrheitswelt eintreten wollen. Wollen Sie eine Dogmatik, dann können Sie nach solchen Widersprüchen nicht gehen, denn sie sind Ihnen unbequem. Wenn Sie eine Dogmatik wollen, können Sie diese da oder dort finden, aber diese Dogmatik wird niemals Verständnis der Wirklichkeit geben, sondern nur etwas, worauf Sie schwören können, wenn Sie wollen. Wollen Sie die Wirklichkeit erkennen, so müssen Sie sich eben klar sein, daß diese Wirklichkeit von verschiedenen Seiten aus dargestellt werden muß. Dem Leben nach mußte der alte Mensch von der Welt zum Menschen gehen, der neue Mensch vom Menschen zur Welt; der Erkenntnis nach ging der alte Mensch vom Menschen zur Welt, der neue Mensch von der Welt zum Menschen. Das ist dasjenige, was notwendig ist. Das ist wiederum für den modernen Menschen etwas Unbequemes, aber ein jegliches muß heute den Durchgang gewinnen durch das, was das Schwanken ist, durch jene Unsicherheit! Bedenken Sie nur, in dem zweiten Grade der ägyptischen Königseinweihung kam der Mensch in das Schwanken hinein, in die Drehung. Heute muß der Mensch, wenn er wirklich durch die Formen hineinstrebt in das Leben, sich in jene Möglichkeit versetzen lassen, wo er sich sagt: Und wenn ich mir noch so schöne Begriffe durch dieses oder jenes hergebrachte Bekenntnis geben lasse, diese Begriffe mögen alle recht schön sein, aber ich komme doch durch sie nicht an die Wirklichkeit heran, wenn ich nicht auch den entgegengesetzten Begriff mir hinstellen kann.
[ 35 ] These are not contradictions. You will find such things at every turn if you wish to enter the world of truth. If you want dogma, then you cannot seek out such contradictions, for they are inconvenient to you. If you want dogma, you can find it here and there, but this dogma will never provide an understanding of reality—only something you can swear by, if you wish. If you want to recognize reality, you must simply be clear that this reality must be presented from various perspectives. In terms of life, the old human had to go from the world to the human being; the new human, from the human being to the world. In terms of knowledge, the old human went from the human being to the world; the new human, from the world to the human being. That is what is necessary. This, in turn, is something uncomfortable for modern people, but everyone today must find their way through what is called wavering, through that uncertainty! Just consider this: in the second degree of the Egyptian royal initiation, the person entered into wavering, into the turning. Today, if a person truly strives to enter life through its forms, they must allow themselves to be placed in that state of possibility where they say to themselves: “And no matter how beautiful the concepts I may be given through this or that traditional creed—and these concepts may all be quite beautiful—I still cannot approach reality through them unless I can also set the opposite concept before myself.”
[ 36 ] Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß das Mysterium von Golgatha selbst notwendig macht, die beiden entgegengesetzten Begriffe zu haben, indem Sie sich sagen: Ganz gewiß war es eine schlechte Tat, wenn Menschen den Gott, der in einem Menschen verkörpert ist, morden. Aber ganz gewiß war diese Tat der Ausgangspunkt des Christentums. Denn, wäre der Mord auf Golgatha nicht geschehen, so gäbe es das Christentum seiner Realität nach nicht. Dieses Paradoxon einer übersinnlichen Tatsache gegenüber kann ein Musterbeispiel sein für manche Paradoxa, mit denen Sie sich abfinden müssen, wenn Sie wirklich hinüberkommen wollen in das Begreifen der übersinnlichen Welt, denn ohne das läßt sich nicht hinüberkommen. Früher brauchte man die Furcht, heute braucht man das Überschreiten jenes Abgrundes, der dem Menschen vorkommt wie das Stehen ohne einen Schwerpunkt im Weltenall. Aber durch das muß durchgegangen werden, damit nicht mehr auf Begriffe geschworen wird, sondern damit Begriffe als etwas angesehen werden, was die Dinge von verschiedenen Seiten beleuchtet, wie die Bilder, die man von einem Baum aufnimmt, der von verschiedenen Seiten beleuchtet wird. Der Dogmatiker — der Naturforscher und der Theologe —, sie glauben, mit irgendwelchen Dogmen die ganze Realität zu erfassen. Der in der Wirklichkeit Stehende weiß, daß jede Aussage solcher Art sich vergleichen läßt mit einer Photographie, die von einer Seite aufgenommen ist und die nur einen Aspekt der Wirklichkeit gibt; daß man mindestens den entgegengesetzten Aspekt noch haben muß, um durch das Zusammenschauen der beiden Aspekte sich der Wirklichkeit des Gegenstandes zu nähern. Davon dann morgen weiter.
[ 36 ] I have pointed out to you that the Mystery of Golgotha itself necessitates the existence of these two opposing concepts, as you tell yourself: It was certainly a wicked act for people to murder the God who is incarnated in a human being. But this act was certainly the starting point of Christianity. For if the murder on Golgotha had not taken place, Christianity would not exist in reality. This paradox in the face of a supersensible fact can serve as a prime example of the many paradoxes you must come to terms with if you truly wish to cross over into an understanding of the supersensible world, for without this, the crossing cannot be made. In the past, fear was necessary; today, one must cross that abyss which seems to human beings like standing without a center of gravity in the vastness of the universe. But one must go through this process so that one no longer swears by concepts, but rather regards concepts as something that illuminates things from different angles, like the photographs one takes of a tree that is lit from various sides. The dogmatist—whether natural scientist or theologian—believes that they can grasp the whole of reality through certain dogmas. The one who stands in reality knows that every statement of this kind can be compared to a photograph taken from one side, which shows only one aspect of reality; that one must at least have the opposite aspect as well, so that by viewing both aspects together, one can approach the reality of the object. More on this tomorrow.
