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How Can Humanity Rediscover the Christ?
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 187

28 December 1918, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] In den Betrachtungen dieser Tage wollte ich vor allen Dingen klarmachen, daß für den, der mit geisteswissenschaftlicher Gesinnung genauer auf die Entwickelung der Menschheit hinschaut, auch in historischer Zeit — denn im wesentlichen haben wir in diesen Tagen historische Zeiten betrachtet —, die Tatsache sich enthüllt, daß die ganze menschliche Seelenverfassung, die Auffassungsweise, die Weltanschauung, die Handlungsimpulse, alles, was zur menschlichen Seelenverfassung gehört, sich wandelt, so umwandelt, daß eine Ahnung von dieser Umwandlung in der äußeren Wissenschaft gar nicht entstehen kann, die eben durchaus auf diesem Gebiete nur mit unzulänglichen Mitteln arbeitet. Wir haben gestern versucht zu zeigen, wie namentlich das, was man das Zentrum des menschlichen Seelenlebens nennen kann, das eigentliche Ich-Bewußtsein, vor einer intimeren Betrachtung sich ganz anders zeigt in älteren Zeiten als in neueren Zeiten, in unserer Gegenwart. Und ich habe versucht, diesen Unterschied dadurch zu charakterisieren, daß ich sagte: Für ältere Zeiten, namentlich also für vorchristliche Zeiten, haben wir es mit einem Selbstbewußtsein beim Menschen zu tun, welches noch reale Elemente in sich enthält, Wirklichkeitselemente, während in diesem unserem Zeitraum, der im wesentlichen die Entwickelung der Bewußtseinsseele darstellt, wir es bei dem, was der Mensch bewußt sein Ich nennt, nur zu tun haben mit einem Spiegelbilde des wahren Ich. In öffentlichen Vorträgen habe ich auf dieselben Tatsachen dadurch hingewiesen, daß ich sagte: Der Mensch kommt heute, insbesondere wenn er Philosoph sein will, nicht auf die Wahrheit, weil er beirrt ist durch einen philosophischen Satz, der eine große und heute schon verhängnisvoll werdende Rolle in der Weltbetrachtung spielt, dutch den Satz: Ich denke, also bin ich. — Wahr ist nicht dieser AugustinischDescartische Satz, sondern wahr ist für den heutigen Menschen der Satz: Ich denke, also bin ich nicht! — Dasjenige, was vor allen Dingen dem heutigen Menschen zum Bewußtsein kommen muß, das ist, daß er in dem, was er zusammenfaßt mit dem Worte «Ich» oder «Ich bin», in dem, was er im Bewußtsein hält, wenn er auf sich selbst innerlich seelisch blicken will, nur ein Spiegelbild hat, ein Spiegelbild, das auch in sich schließt alle unsere unmittelbar mit unserem Ich zusammenhängenden, von unserem Ich zu bearbeitenden Begriffe. So daß wir in unserem Seelenleben als gegenwärtige Menschen nicht mehr irgendwie etwas Wirkliches tragen — das spielt nur herein; ich habe gestern angeführt, wodurch es hereinspielt —, sondern in uns das Spiegelbild unserer wahren Wesenheit tragen. Diese Tatsache kann sich nur zeigen, wenn man auf die Initiationswissenschaft eingeht, wenn man den Unterschied ins Auge faßt, wie man auf den Wegen übersinnlicher Schulung in die übersinnliche Welt eindringen konnte in alten Zeiten, wie man einzudringen hat in dieser unserer Zeit, und daß die Wege in die übersinnlichen Welten ganz andere werden, indem wir uns von der Gegenwart aus in die Zukunft bewegen, als sie in alten Zeiten waren. Das wollte ich gestern vor allen Dingen klarmachen.

[ 1 ] In the reflections of these past few days, I wanted above all to make it clear that for anyone who, with a spiritual-scientific outlook, looks more closely at the development of humanity—even in historical times (for essentially we have been considering historical times in these days)— the fact is revealed that the entire human soul constitution—the way of perceiving, the worldview, the impulses to action, everything that belongs to the human soul constitution—is undergoing a transformation, one such that no inkling of this transformation can arise in external science, which, after all, works in this field with nothing but inadequate means. Yesterday we attempted to show how, in particular, what might be called the center of human soul life—the actual sense of self—appears quite differently upon closer examination in earlier times than in more recent times, in our present era. And I attempted to characterize this difference by saying: In earlier times—namely, in pre-Christian times—we are dealing with a sense of self in human beings that still contains real elements, elements of reality, whereas in our own era, which essentially represents the development of the conscious soul, what human beings consciously call their “I” is merely a mirror image of the true “I.” In public lectures, I have pointed out these same facts by saying: People today—especially those who wish to be philosophers—do not arrive at the truth because they are misled by a philosophical proposition that plays a major and, today, increasingly fateful role in the worldview, namely the proposition: “I think, therefore I am.” — This Augustinian-Cartesian proposition is not true; rather, what is true for people today is the proposition: “I think, therefore I am not!” — What people today must realize above all else is that in what they summarize with the word “I” or “I am”—in what they hold in their consciousness when they seek to look inward at their own soul—they have only a reflection, a reflection that also encompasses all the concepts directly connected to our “I” and to be processed by our “I.” So that in our inner life as people of the present, we no longer carry anything real within us—that merely plays a role; I mentioned yesterday how it comes into play—but rather we carry within us the mirror image of our true being. This fact can only become apparent when one delves into the science of initiation, when one grasps the difference between how one could penetrate the supersensible world in ancient times through the paths of supersensible training, how one must penetrate it in our own time, and that the paths into the supersensible worlds become entirely different as we move from the present into the future than they were in ancient times. That is what I wanted to make clear above all else yesterday.

[ 2 ] Nun habe ich vor einiger Zeit auf die objektive Tatsache hingewiesen, die diesem ganzen Werden zugrunde liegt, hingewiesen darauf, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung, wenn man sich fragte: Welche Impulse, welche Kräfte sind im Werden der Erde tätig? — verfolgt werden konnten diejenigen göttlich-geistigen Wesenheiten — man könnte ebensogut von irgend etwas anderem her die Bezeichnung wählen —, welche die Bibel die Schöpfer, Elohim nennt. Wir nennen sie die Geister der Form. Aber ich habe von den verschiedensten Gesichtspunkten aus darauf hingewiesen, daß diese Geister der Form — wenn man den Ausdruck brauchen darf, trotzdem er etwas trivial klingt — ihre Rolle bis zu einem gewissen Grade für die wichtigsten Angelegenheiten der Menschheit eigentlich ausgespielt haben, und daß andere geistige Wesenheiten eintreten in die Rolle der Schöpfer.

[ 2 ] Some time ago, I pointed out the objective fact underlying this entire process of becoming; I pointed out that within the course of human development, when one asked: What impulses, what forces are at work in the becoming of the Earth? — one could trace those divine-spiritual beings—one could just as well choose a different term—whom the Bible calls the creators, the Elohim. We call them the Spirits of Form. But I have pointed out from a wide variety of perspectives that these Spirits of Form—if one may use the term, even though it sounds somewhat trivial—have, to a certain extent, actually played out their role in the most important affairs of humanity, and that other spiritual beings are now stepping into the role of the Creators.

[ 3 ] Wer genügende Empfindung haben kann für diese der übersinnlichen Forschung zugängliche Tatsache, daß gewissermaßen die altverehrten Götter oder der Gott abgelöst werden müssen für das menschliche Bewußtsein durch andere Impulse, der wird sich sagen: Mancherlei hat sich gewiß zugetragen innerhalb der Menschheitsentwickelung auch in historischen Zeiten. Eine solche innere Umwandlung des ganzen menschlichen Bewußtseins, wie die ist, in der wir stehen und die sich immer mehr und mehr zeigen wird, die war in historischen Zeiten gewiß noch nicht da. Sie wissen, ich bin abgeneigt, mitzumachen die immer wiederholte Phrase: Wir leben in einer Übergangszeit. — Denn ich habe Ihnen oft gesagt, jedermann kann in jeder Zeit sagen, wir leben in einer Übergangszeit, und kann, wenn er Geschmack dafür hat, den Übergang, den er meint, als den allerwichtigsten der Weltentwickelung betrachten. Das ist hier nicht gemeint, wenn ich so sprach, wie ich gesprochen habe. Jede Zeit ist wirklich eine Übergangszeit, es kommt nur darauf an, was übergeht, was in einer Umwandlung begriffen ist. Für andere Gesichtspunkte mögen andere Umwandlungen bedeutungsvoller sein, für das innere Seelenleben des Menschen ist die Umwandlung, auf die ich hier hindeute, gegen die nächste Zukunft zu die bedeutungsschwerste in historischen Zeiten.

[ 3 ] Anyone who can fully appreciate this fact—accessible to supersensible research—that, in a sense, the long-venerated gods or God must be replaced in human consciousness by other impulses will say to themselves: Many things have certainly taken place in the course of human development, even in historical times. Such an inner transformation of the entire human consciousness—the one we are currently experiencing and which will become increasingly evident—certainly did not exist in historical times. You know I am averse to joining in with the oft-repeated phrase: “We are living in a time of transition.” — For I have often told you that anyone can say at any time that we are living in a transitional period, and can, if they so choose, regard the transition they have in mind as the most important in the development of the world. That is not what I meant when I spoke as I did. Every era is truly a transitional period; it simply depends on what is changing, what is in the process of transformation. From other perspectives, other transformations may be more significant, but for the inner spiritual life of human beings, the transformation I am referring to here—as we look toward the near future—is the most significant in historical times.

[ 4 ] Nun wollen wir sie heute von einem etwas andern Gesichtspunkte aus noch betrachten, als wir das gestern und in den verflossenen Tagen getan haben. Wenn wir die Seelenverfassung des alten Griechentums, des alten Ägyptertums, der alten chaldäischen Zeit genauer ins Auge fassen, dann zeigt sich, daß diese Seelenverfassung vor allen Dingen nicht eine solche Zweigliederung zeigte wie die Seelenverfassung des heutigen Menschen. Man kann vielleicht besser sagen: eine Zweigliederung ist heute im Menschen in Vorbereitung, aber sie ist stark in Vorbereitung und drückt sich auch äußerlich in objektiven Tatsachen aus. Dasjenige, was früher sozusagen mehr zusammengerührte Seelenkräfte waren, was in der menschlichen Seele mehr als Einheit wirkte, das hat sich gespalten, namentlich seit dem 15. Jahrhundert. Für den genauen Betrachter der Menschheitsentwickelung ist das ganz klar. Das Vorstellungs- und das Willensleben waren in früheren Zeiten viel enger miteinander verbunden als heute, und sie werden sich immer mehr und mehr spalten. Und das Vorstellungsleben, das wir einzig und allein mit dem Bewußtsein heute erfassen können — mit dem gewöhnlichen, nicht mit dem hellseherischen Bewußtsein —, das ist eben nur ein Spiegelbild der Wirklichkeit, das bietet ein bloßes Spiegelbild einer Wirklichkeit, und darin ist auch dasjenige, was der Mensch von seinem Ich erfaßt, zunächst enthalten. Dagegen erlebt der Mensch sein Willensleben wie im Schlafe. Was eigentlich im Willen pulsiert, das ist für den Menschen so unbewußt, wie die Tatsachen des Schlafes für ihn unbewußt sind. Aber so, wie der Mensch weiß, daß er geschlafen hat, trotzdem er während des Schlafes nichts von sich weiß, so weiß er auch mit dem gewöhnlichen Bewußtsein vom Willen, trotzdem er eigentlich alles Gewollte verschläft. Nicht wahr, wenn Sie irgendwo eine weiße Fläche haben, die Licht zurückstrahlt, und darin schwarze Flecken, die kein Licht zurückstrahlen, so sehen Sie auch die schwarzen Flecken, trotzdem dort nichts ist von Licht. Und so, wenn Sie Ihr Leben verfolgen im Rückblick, nehmen Sie nicht nur wahr, wie Sie wach waren, sondern Sie wissen auch, daß sich wie schwarze Flecken in den Lebenslauf hineinstellen die Schlafzustände. Deshalb ist es doch richtig, daß Sie im Schlafe von sich nichts wissen, aber beim Überblick über die ganze Bewußtseinsfläche, möchte ich sagen, stellen sich die Schlafzustände als schwarze Flecken hinein. Der Mensch täuscht sich, wenn er glaubt, daß er von seinem Willen etwas anderes weiß, als was er vom Schlaf weiß. Man weiß im Bewußtsein vom Vorstellungsleben, und hinein in das Vorstellungsleben schieben sich schwarze Flecken: das sind die Willensimpulse. Aber der Mensch erlebt die Willensimpulse so wenig, wie er die Schlafzustände erlebt.

[ 4 ] Today, let us consider them from a slightly different perspective than we did yesterday and in the days that have passed. If we take a closer look at the spiritual constitution of ancient Greece, ancient Egypt, and the ancient Chaldean era, it becomes clear that this spiritual constitution, above all, did not exhibit the same twofold structure as that of modern human beings. Perhaps it would be better to say: a twofold division is currently in the making within human beings, but it is well underway and is also expressed outwardly in objective facts. What used to be, so to speak, more blended soul forces—what functioned more as a unity within the human soul—has split, particularly since the 15th century. This is quite clear to the careful observer of human development. In earlier times, the life of imagination and the life of will were much more closely connected than they are today, and they will continue to split further and further apart. And the life of imagination, which we can grasp today solely through consciousness—through ordinary consciousness, not clairvoyant consciousness—is merely a reflection of reality; it offers only a mere reflection of reality, and this also initially includes what a person perceives of their “I.” In contrast, a person experiences their life of will as if in sleep. What actually pulsates within the will is as unconscious to a person as the facts of sleep are to them. But just as a person knows that he has slept, even though he is unaware of himself during sleep, so too does he know, through ordinary consciousness, that he has a will, even though he actually sleeps through everything he wills. Isn’t it true that if you have a white surface somewhere that reflects light, and within it black spots that do not reflect light, you still see the black spots even though there is no light there? And so, when you look back on your life, you not only perceive how you were awake, but you also know that states of sleep appear like black spots within the course of your life. That is why it is indeed true that you are unaware of yourself while asleep, but when you survey the entire expanse of consciousness—so to speak—the states of sleep appear as black spots within it. People are mistaken if they believe that they know anything more about their will than they do about sleep. In consciousness, one is aware of the life of the imagination, and black spots intrude into that life of the imagination: these are the impulses of the will. But people experience these impulses of the will just as little as they experience states of sleep.

[ 5 ] Nun war für das ältere, das vorchristliche Bewußtsein, die Dunkelheit des Willens nicht so groß, wie sie heute ist. Der Mensch schlief mit Bezug auf seinen Willen nicht so stark; der instinktive Wille wirkte, er war durchleuchtet vom Vorstellungsleben. Die Vorstellungen waren dadurch nicht solche bloße Spiegelbilder, wie sie heute sind. Heute sind sie Spiegelbilder. So daß der Mensch auf einer Seite das Vorstellungsleben hat, das eigentlich Spiegelbild der Wirklichkeit ist, und eine Art durch das bewußte Leben hindurchgehenden Schlafzustands: das Willensleben.

[ 5 ] For the older, pre-Christian consciousness, the darkness of the will was not as great as it is today. Human beings were not so deeply asleep with regard to their will; the instinctive will was active, and it was illuminated by the life of the imagination. Consequently, the images were not mere reflections, as they are today. Today they are reflections. Thus, on the one hand, human beings have the life of the imagination, which is actually a reflection of reality, and on the other, a kind of sleep-like state that pervades conscious life: the life of the will.

[ 6 ] Ich sagte, es drückt sich auch im Objektiven das aus, was in der Seelenverfassung des Menschen so enthalten ist, wie ich es angedeutet habe. Nehmen wir zwei extreme Erscheinungen, die ja nur, ich möchte sagen, wie Pole sind. Ähnlich diesen polarischen Erscheinungen stellt sich das übrige Menschenleben, insoweit es von menschlicher Seelenverfassung beeinflußt ist, dar. Die eine polarische Erscheinung sind heute jene Anschauungen, die sich ausbilden namentlich in den sogenannten Geheimgesellschaften der englisch sprechenden Bevölkerung. Was die andern Bevölkerungen der Erde an Geheimgesellschaften haben, freimaurerische oder ähnliche, das ist alles abhängig von der ursprünglichen Begründung dieser Gesellschaften innerhalb der englisch sprechenden Bevölkerung. Das ist die eine polarische Erscheinung. Die andere polarische Erscheinung ist dasjenige, was sich in der sogenannten christlichen Kirche ausdrückt, insofern diese sogenannte christliche Kirche Rituales und Dogmatisches hat.

[ 6 ] I said that what is contained in the human soul, as I have indicated, is also expressed in the objective world. Let us take two extreme phenomena, which are, I would say, like poles. The rest of human life, insofar as it is influenced by the human state of mind, presents itself in a manner similar to these polar phenomena. One of these polar phenomena today consists of those views that are developing, notably in the so-called secret societies of the English-speaking population. Whatever secret societies—Masonic or similar—exist among other peoples of the world, they are all dependent on the original foundation of these societies within the English-speaking population. That is one polar phenomenon. The other polar phenomenon is that which finds expression in the so-called Christian Church, insofar as this so-called Christian Church has rituals and dogmas.

[ 7 ] Das sind die beiden Extreme, die polarischen Erscheinungen. Aber ähnlich sind andere Erscheinungen, zum Beispiel ist ähnlich den Geheimgesellschafts-Anschauungen der englisch sprechenden Bevölkerung alles, was wir moderne Wissenschaft nennen. Dessen ist sich nur die Menschheit wenig bewußt, daß das, was moderne Wissenschaft ist, wesentlich ähnlich ist — ich sage nicht beeinflußt, aber ähnlich, denn die Dinge entwickeln sich aus verschiedenen Wurzeln heraus, und die Bäume werden dann ähnlich —, den Anschauungen, die in den Geheimgesellschaften der englisch sprechenden Bevölkerung leben. Ebenso ist es mit vielem in den populären Weltanschauungen. Heute streben ähnlich viele derjenigen Menschen, die nicht nach irgendwelchen wissenschaftlichen Weltanschauungen ihr Denken richten. Von den wissenschaftlichen Anschauungen ist nur die Philosophie, innerlich gesehen, heute noch sehr abhängig von der Anschauung der katholischen Kirche. Selbst die Gliederung des Menschen in Leib und Seele — ich habe das oft gesagt —, die heute die Philosophen für vorurteilslose Wissenschaft halten, ist nichts anderes als das Ergebnis des achten ökumenischen Konzils von Konstantinopel, so daß «vorurteilslose» Philosophie eigentlich nichts anderes ist als die weitere Ausführung eines Konzilsbeschlusses. Für denjenigen, der die Dinge nicht so ansieht, wie sie von den Universitäten den Menschen heute vorgemalt werden, sondern der sich auf die Tatsachen wirklich einläßt, ist Philosophie, gerade insofern sie diesen Dualismus von Leib und Seele ausbildet, insofern sie nicht baut auf die wirklich der Tatsache entsprechende Gliederung des Menschen in Leib, Seele und Geist — der Geist ist ja abgeschafft worden von der katholischen Kirche auf dem genannten Konzil —, nichts anderes als ein abstrakter Aberglaube, der sich auf dieses Konzil stützt, unbewußt natürlich. Nun können Sie diese beiden polarischen Erscheinungen abgeschwächt finden. Wie in der gemäßigten Zone die Nordpolkälte abgeschwächt ist, ein Stück nordwärts oder südwärts vom Äquator das Äquatoriale und in Australien der Südpol abgeschwächt ist, so können Sie das in der Wissenschaft, in der populären Weltanschauung abgeschwächt finden. Aber man kann, wenn man die Extreme ins Auge faßt, sich die Dinge gerade besonders klarmachen. Die Geheimgesellschafts-Anschauung der englisch sprechenden Bevölkerung rechnet eben ganz besonders, indem sie zu dem aufschaut, was sie dem ganzen Weltgeschehen als zugrunde liegend betrachtet, mit dem sogenannten Architekten der Welten, dem großen Baumeister der Welten. Sie versinnlichen sich durch allerlei Symbole, durch allerlei Riten die Art und Weise, wie die großen Architekten aller Welten innerhalb des Weltgeschehens wirken. Man erkennt nur nicht, wie in der modernen Wissenschaft diese Anschauung weiter spukt. Sie spukt aber weiter. Das ist eine Anschauung, welche ganz dahin tendiert, das bloße Spiegelbild der Welt ins Auge zu fassen, dasjenige, was nur Spiegelung einer Wirklichkeit ist.

[ 7 ] These are the two extremes, the polar phenomena. But other phenomena are similar; for example, everything we call modern science is similar to the views of the English-speaking population regarding secret societies. Humanity is simply not very aware that what modern science is, is essentially similar—I do not say “influenced,” but “similar,” for things develop from different roots, and the trees then become similar—to the views that live within the secret societies of the English-speaking population. The same is true of much in popular worldviews. Today, a similar number of people do not base their thinking on any scientific worldviews. Of the scientific views, only philosophy, viewed from within, is still very much dependent on the views of the Catholic Church. Even the division of the human being into body and soul—as I have often said—which philosophers today regard as unbiased science, is nothing other than the result of the Eighth Ecumenical Council of Constantinople, so that “unbiased” philosophy is actually nothing more than the further implementation of a council decision. For those who do not view things as they are presented to people today by the universities, but who truly engage with the facts, philosophy—precisely insofar as it cultivates this dualism of body and soul— insofar as it does not build upon the division of the human being into body, soul, and spirit—which truly corresponds to reality (for the spirit was, after all, abolished by the Catholic Church at the aforementioned council)—nothing other than an abstract superstition based on this council, unconsciously, of course. Now, you may find these two polar phenomena to be somewhat attenuated. Just as the cold of the North Pole is tempered in the temperate zone, the equatorial climate is found a little way north or south of the equator, and the cold of the South Pole is tempered in Australia, so you can find these phenomena in a tempered form in science and in the popular worldview. But if one considers the extremes, one can make things particularly clear to oneself. The secret society worldview of the English-speaking population places particular emphasis on looking up to what it regards as the foundation of all world events: the so-called Architect of the Worlds, the great Master Builder of the Worlds. Through all manner of symbols and rituals, they visualize the way in which the great Architects of all worlds work within the course of world events. People simply do not realize how this view continues to haunt modern science. But it does continue to haunt it. This is a view that tends entirely toward focusing on the mere reflection of the world—that which is only a reflection of reality.

[ 8 ] Da haben Sie also das eine Extrem, das nur rechnet mit den Spiegelungen der Wirklichkeit, das im Grunde genommen, wenn es dogmatische Weltanschauung wird, ganz außerhalb der Wirklichkeit lebt. Daher auch kann so viel Unfug getrieben werden mit diesen Dingen; daher können sehr ernst gemeinte oder ernst ausposaunte Riten und Symbole zur Maskerade oder zu einer bloßen Renommisterei werden. Man hat es eben zu tun mit dem, was zwar im Bewußtsein des Menschen diesem Menschen heute wohltut; es ist ihm Sensation, weil es gerade mit dem heutigen Bewußtsein rechnet, mit demjenigen Bewußtsein, das eben Spiegelbild ist der Wirklichkeit, das Spiegelbild der Wirklichkeit enthält.

[ 8 ] So there you have one extreme, which relies solely on reflections of reality and which, when it becomes a dogmatic worldview, essentially exists entirely outside of reality. That is why so much nonsense can be made of these things; that is why rites and symbols—whether meant very seriously or trumpeted as such—can turn into a masquerade or mere posturing. We are dealing here with something that, in a person’s consciousness, is beneficial to that person today; it is a sensation for them because it appeals precisely to today’s consciousness—the very consciousness that is a reflection of reality, that contains the reflection of reality.

[ 9 ] Das andere Extrem ist dasjenige, was die Kirche bietet. Es unterscheidet sich wirklich radikal von dem, was der Weltanschauungsnerv dieser Geheimgesellschafts-Anschauung ist. Was die christliche Kirche bietet, das rechnet mit dem andern Pol, mit dem Willenspol, mit denjenigen Impulsen im Menschen, die nur wie der Schlaf in der Nacht hereinkommen in das Bewußtsein, das rechnet zwar mit einer Wirklichkeit, aber mit einer Wirklichkeit, die verschlafen wird. Daher auch die eigentümliche Entwickelung dieser christlichen Kirchen. Die eigentümliche Entwickelung dieser christlichen Kirchen besteht darinnen, daß sie allmählich die ganz anders gearteten Begriffe alter Zeiten aufgelöst haben in den sogenannten Glaubensbegriff. Und wer weiß, wie sich die Bekenner fast aller christlichen Anschauungen immer wieder von dem Wissen abwenden und zu dem Glauben hinwenden, der wird in diesem Glaubensbegriff, in dieser Glaubensvorstellung etwas fühlen vom Schlaf. Daher die Sehnsucht, ja sich nicht mit dem klaren Bewußtsein durchleuchten zu lassen dasjenige, was da aus solchen Regionen, in denen auch der Schlaf sich vollzieht, herein will in die menschlichen Seelen. In älteren Jahrhunderten ist daher dasjenige, was ich charakterisiert habe als Inhalt der alten Gnosis, abgestumpft worden in den ganz abstrakten Dogmen, die nun nicht begriffen, sondern nur angenommen werden sollen. Und im Protestantismus ist abgeschwächt worden das Wissen zum bloßen Glauben, zu einem bloßen subjektiven Fürwahrhalten, das seine besondere Eigentümlichkeit darin sieht, eben gerade auf dasjenige zu bauen, was nicht bewiesen werden kann, wo die Wissenschaft nicht mitzureden hat und so weiter. Da haben Sie die beiden Extreme, die sich in der menschlichen Seelenverfassung herausgebildet haben, auf die objektiven Tatsachen verteilt.

[ 9 ] The other extreme is what the Church offers. It differs radically from the worldview that underlies this secret society’s perspective. What the Christian Church offers takes into account the other pole—the pole of the will—those impulses within the human being that enter consciousness only as sleep does at night; it does indeed take into account a reality, but one that is slept through. Hence, too, the peculiar development of these Christian churches. The peculiar development of these Christian churches consists in the fact that they have gradually dissolved the very different concepts of ancient times into the so-called concept of faith. And anyone who knows how the adherents of almost all Christian views repeatedly turn away from knowledge and toward faith will sense something of sleep in this concept of faith, in this notion of faith. Hence the longing not to allow oneself to be illuminated by clear consciousness—that which seeks to enter human souls from such realms where sleep itself takes place. In earlier centuries, therefore, what I have characterized as the content of ancient Gnosis was blunted in the entirely abstract dogmas, which are now not to be understood but merely accepted. And in Protestantism, knowledge has been reduced to mere faith, to a mere subjective belief, which sees its particular characteristic in relying precisely on that which cannot be proven, where science has no say, and so on. There you have the two extremes that have emerged in the constitution of the human soul, distributed across the objective facts.

[ 10 ] Nun kann man die Frage aufwerfen: Was liegt eigentlich diesem Spalten des menschlichen Willens- und Vorstellungswesens, der beiden Pole, in das Vorstellungsleben, das nur Spiegelbild geworden ist, und in das in die unbewußten Regionen hinuntergedrängte Willensleben, das verschlafen wird, was liegt denn dem eigentlich zugrunde? Dem liegt zugrunde, daß sich heraufringt im Menschenwerden in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit der Impuls der Freiheit. Auch die Freiheit ist ein Entwickelungsprodukt. Die älteren Zeiten waren nicht dazu angetan, innerhalb der Menschheit schon den wirklichen Freiheitsimpuls zu entwickeln.

[ 10 ] Now one might ask: What actually underlies this division of the human being’s will and imagination—these two poles: the life of imagination, which has become merely a reflection, and the life of the will, which has been pushed down into the unconscious regions and is left dormant? What is the true basis for this? The underlying cause is that, in the process of becoming human and in the historical development of humanity, the impulse toward freedom is emerging. Freedom, too, is a product of development. Earlier times were not conducive to the development of the true impulse toward freedom within humanity.

[ 11 ] Die Zeit, in der wir leben, ist eben auf der einen Seite so zu charakterisieren, wie ich vorher getan habe: Die Geister der Persönlichkeit treten an die Stelle der Geister der Form. Subjektiv geht einher mit _ dieser äußeren objektiven Entwickelungstatsache das Herausringen des Freiheitsimpulses aus der menschlichen Seele. Wie auch die Ereignisse äußerlich sich abspielen mögen, was auch noch alles chaotisch geschehen mag, dasjenige, was da ringt schon in diesem Geschehen in der Gegenwart und der nächsten Zukunft entgegen, das ist, daß der Mensch gerade im Zeitalter der Bewußtseinsseele, in dem wir seit dem 15. Jahrhundert drinnen leben, sich zum Darleben des Freiheitsimpulses durchringt. Verständnis des Freiheitsimpulses, das ist dasjenige, was gesucht wird von der modernen Menschheit und immer mehr gesucht werden wird.

[ 11 ] The age in which we live can indeed be characterized, on the one hand, as I did earlier: the spirits of personality are taking the place of the spirits of form. Subjectively, this external, objective fact of development goes hand in hand with the emergence of the impulse toward freedom from the human soul. No matter how events may unfold externally, no matter how chaotic things may become, what is already struggling to emerge within these events—both in the present and in the near future—is this: that human beings, precisely in the age of the conscious soul in which we have been living since the 15th century, are striving to bring the impulse toward freedom to life. An understanding of the impulse toward freedom—that is what modern humanity seeks and will seek more and more.

[ 12 ] Aber diese Freiheit, sie kann nur als ein Impuls sich aus der menschlichen Seele herausringen, wenn diese menschliche Seele dazu die Möglichkeit hat. In älteren Zeiten war die Freiheit in ihrem vollen Umfange nicht möglich aus dem einfachen Grunde, weil vor dem Zeitalter der Bewußtseinsseele in jeder Beziehung das Instinktive im Menschen gewirkt hat. Wenn der Mensch in sein Bewußtsein nur dasjenige aufnehmen kann, was im Grunde genommen zwar aus einer Wirklichkeit, aber einer instinktiv bewußten Wirklichkeit, in sein Bewußtsein heraufspielt, kann er nicht frei sein. Die Naturwissenschaft rechnet heute noch immer mit der Unfreiheit, mit der innerlichen Notwendigkeit, weil sie diese Tatsache nicht kennt, daß in unserem Bewußtsein, wie es sich heute entwickelt, in dem Bewußtsein, das wir gerade durch die Naturwissenschaft ausbilden können — die naturwissenschaftlichen Begriffe zeigen dieses Spiegelbildbewußtsein sogar im stärksten Maße —, keine realen Impulse leben; da lebt nichts, was etwa nur heraufstößt aus unserer eigenen körperlichen oder seelischen oder geistigen Realität. In unserem Bewußtsein, besonders wenn wir rein ausbilden das, was ich in meiner «Philosophie der Freiheit» genannt habe das reine Denken, da lebt im Spiegelbild allerdings die Wirklichkeit, aber eben im Spiegelbild. Sobald Sie in einer Wirklichkeit drinnenstehen, sind Sie durch die Wirklichkeit bedrängt, denn die Wirklichkeit ist etwas, und wenn sie noch so schwach auf Sie wirkt, sie ist ein Element der Notwendigkeit, sie bedrängt Sie, Sie müssen ihr folgen. Wenn aber ein Spiegelbild auf Ihre Seele wirkt: ein Spiegelbild enthält keine Aktivität, enthält nichts von Kraft. Ein Spiegelbild ist eben ein bloßes Bild, das drängt die Seele nicht, das zwingt die Seele nicht. In dem Zeitalter, in dem das Bewußtsein dahin tendiert, Spiegelbilder zu haben, in dem Zeitalter kann sich zugleich der Impuls der Freiheit ausbilden. Durch alles übrige würde der Mensch gedrängt, etwas zu tun. Wenn er in solchen bewußten Vorstellungen lebt, die Bilder sind und nur Bilder sind, die nur eine Wirklichkeit abspiegeln, nicht eine Wirklichkeit sind, kann ihn keine Wirklichkeit bedrängen. In diesem Zeitalter kann er seinen Impuls der Freiheit ausbilden. Das ist die geheimnisvolle Tatsache, die hinter dem Leben der Gegenwart steht. Daß die Menschen dazu gekommen sind, in diesem Zeitalter Materialisten zu werden, hängt damit zusammen, daß die Menschen fühlen: in dem Innenleben, das sie da anschauen, lebt nichts Wirkliches, da leben bloß Bilder. Und das andere wird natürlich nur innerhalb der Sinneswelt gesucht. Das ist wahr, man kann innerhalb des menschlichen Inneren keine Wirklichkeit finden, weder eine geistige noch eine physische; man kann nur Bilder finden. Das war nicht immer so, es ist eben in diesem Zeitalter so. Daher ist unser Zeitalter geeignet, den Materialismus auszubilden, weil es ein Unsinn geworden ist, zu sagen: Ich denke, also bin ich. — Man müßte sagen: Ich denke, also bin ich nicht! — Das heißt, meine Gedanken sind nur Bilder. Indem ich mich als denkend ergreife, bin ich nicht, sondern ich bin eben nur Bild. Aber dieses Bildsein ist dasjenige, was in mir die Möglichkeit der Freiheitsentwickelung gibt.

[ 12 ] But this freedom can only well up as an impulse from the human soul if that human soul has the capacity for it. In earlier times, freedom was not possible to its full extent for the simple reason that, before the age of the conscious soul, the instinctive aspect of human nature was at work in every respect. If a person can take into their consciousness only that which, in essence, arises from a reality—albeit an instinctively conscious reality—they cannot be free. Natural science still assumes today that we are not free, that we are subject to inner necessity, because it is unaware of the fact that in our consciousness—as it develops today, in the consciousness that we are able to cultivate precisely through natural science (and natural scientific concepts exemplify this “mirror-image consciousness” to the greatest degree)—no real impulses exist; there is nothing there that simply wells up from our own physical, psychological, or spiritual reality. In our consciousness—especially when we cultivate purely what I have called “pure thinking” in my *Philosophy of Freedom*—reality does indeed live in the mirror image, but precisely as a mirror image. As soon as you are immersed in a reality, you are compelled by that reality, for reality is something—and no matter how weakly it may affect you—it is an element of necessity; it compels you, and you must follow it. But when a mirror image acts upon your soul—a mirror image contains no activity, contains nothing of power. A reflection is merely an image; it does not press upon the soul, nor does it compel the soul. In an age in which consciousness tends toward reflections, the impulse toward freedom can develop at the same time. Everything else would compel a person to do something. When a person lives within such conscious perceptions—which are images and nothing but images, which merely reflect a reality rather than being a reality in themselves—no reality can compel them. In this age, they can develop their impulse toward freedom. This is the mysterious fact underlying contemporary life. The fact that people have come to become materialists in this age is connected to the fact that they feel: in the inner life they are observing, nothing real exists; there are only images. And the other is, of course, sought only within the sensory world. It is true that one cannot find any reality within the human inner life—neither a spiritual nor a physical one; one can find only images. It was not always this way; it is simply so in this age. Therefore, our age is ripe for the development of materialism, because it has become nonsense to say: “I think, therefore I am.” — One would have to say: “I think, therefore I am not!” — That is to say, my thoughts are merely images. In perceiving myself as thinking, I do not exist; rather, I am merely an image. But this very quality of being an image is what gives me the possibility of developing freedom.

[ 13 ] Das ist wiederum eine Tatsache, welche sich für denjenigen, der, ich möchte sagen, nach gewissen Leitmotiven das Leben überschaut, ja auch äußerlich durch die Erscheinungen schon offenbart. Gründlich zeigt sich die Wahrheit dieser Tatsache erst dann, wenn man wieder eingeht auf die Initiationswissenschaft, die wirkliche Geisteswissenschaft. Da müssen Sie nur die Tatsache ins Auge fassen, daß die Menschen eigentlich, insofern sie heute denkerisch oder wissenschaftlich tätig sind, im Grunde sehr stark von den ererbten Begriffen einer älteren Zeit leben.

[ 13 ] This, in turn, is a fact that—for those who, I might say, view life through certain guiding principles—is already revealed even externally through outward phenomena. The truth of this fact only becomes fully apparent when one turns once more to the science of initiation, the true spiritual science. There, you need only consider the fact that people today, insofar as they are engaged in intellectual or scientific activity, essentially rely very heavily on concepts inherited from an earlier time.

[ 14 ] Diese Tatsache zeigt sich ganz besonders auffallend wiederum bei der einen polarischen Erscheinung. Nehmen Sie die Geheimgesellschafts-Anschauungen der englisch sprechenden Bevölkerung, wie sie sich ausgebreitet haben über die übrige Erdenbevölkerung, so werden Sie finden, wie innerhalb dieser Geheimgesellschaften mit einer gewissen Vorliebe das Alte betont wird. Je mehr man betonen kann auf diesem Gebiete, daß irgendein Ritus, irgendein Dogma alt ist, desto mehr — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck — leckt man sich die Finger ab vor Wollust. Und wenn jemand irgendwie die Menschen besonders gefangennehmen will mit irgendeiner solchen Geheimwissenschaft, so kündet er sie mindestens als eine rosenkreuzerische oder gar ägyptische an. Aber alt, irgend etwas Altes muß sie sein. Und das entspricht so ziemlich auch der Tatsache, daß in diesen Gesellschaften eigentlich unmittelbar gegenwärtig erarbeitetes Wissen nicht gepflegt wird, möchte ich sagen. Gewiß wird manches auch unmittelbar erforscht, wenn auch nach den Regeln alter, antiquierter Geisteswissenschaft. Aber gegen so etwas, wie es hier getrieben wird, gegen unmittelbar aus den Impulsen der Gegenwart heraus erarbeitete Geisteswissenschaft, gegen so etwas wendet man sich mit aller Macht von dieser Seite aus. Da ist es also einfach die Tradition dieser extremen Erscheinungen. Aber wer diese heutige Naturwissenschaft nicht gedankenlos betrachtet, sondern sie innerlich erfassen kann hinsichtlich ihrer Vorstellungsweise, der weiß, daß alle die Begriffe, mit denen die Naturwissenschaft arbeitet, alle Ideen sogar — nicht die einzelnen Naturgesetze, aber die Formen der Naturgesetze —, wenn man den Goetheanismus ausnimmt, der eine ganz neue Erscheinung ist, aber die gebräuchliche, triviale Naturwissenschaft, im Grunde genommen vererbte Begriffe sind. Die Experimente enthalten Neues, die Beobachtungen enthalten Neues, die Begriffe sind nirgends neu, die sind vererbt. Aber wenn man nun die eine oderandere dieser Richtungen aufmerksam macht auf die Wirklichkeit, dann werden sie fürchterlich zornig, richtig zornig werden sie. Denn diesen Ursprung werden sie verleugnen.

[ 14 ] This fact is particularly striking, once again, in one specific polar phenomenon. If you consider the views on secret societies held by the English-speaking population—as they have spread to the rest of the world’s population—you will find that within these secret societies, the ancient is emphasized with a certain predilection. The more one can emphasize in this realm that a certain rite or dogma is ancient, the more—forgive the trivial expression—one licks one’s fingers with delight. And if someone wants to particularly captivate people with some such secret science, they present it at the very least as Rosicrucian or even Egyptian. But it must be old—something ancient. And that also corresponds quite closely to the fact that, in these societies, knowledge actually developed in the present is not cultivated, I would say. Certainly, some things are also researched directly, albeit according to the rules of old, antiquated spiritual science. But against something like what is being pursued here—against spiritual science developed directly from the impulses of the present—against such a thing, this side turns with all its might. So it is simply the tradition of these extreme phenomena. But anyone who does not view today’s natural science thoughtlessly, but can grasp it inwardly in terms of its mode of conception, knows that all the concepts with which natural science works, indeed all its ideas—not the individual laws of nature, but the forms of the laws of nature—with the exception of Goetheanism, which is an entirely new phenomenon, but in common, trivial modern science, are essentially inherited concepts. The experiments contain something new, the observations contain something new, but the concepts are never new; they are inherited. But if one now draws the attention of one or the other of these schools to this reality, they become terribly angry—truly angry, in fact. For they will deny this origin.

[ 15 ] Woher rührt denn eigentlich das sich aufgeklärtest dünkende moderne Denken her? Es ist nur ein Kind einer alten Religion. Gewiß, die religiösen Vorstellungen hat man abgeworfen: an den Zeus, an den Jahve glauben die Leute nicht mehr — mancher auch nicht an den Christus. Aber die Art, wie gedacht worden ist in den Zeiten, als man an Zeus, an Jahve, an Ormuzd, Osiris geglaubt hat, die Art des menschlichen Denkens ist geblieben. Man wendet sie heute auf Sauerstoff, Wasserstoff, auf Elektronen, Ionen oder auf Hertzsche Wellen an — das Objekt macht es nicht aus —: die Art des Denkens ist dieselbe. Erst durch die Geisteswissenschaft kann neues Denken verwendet werden für die übersinnliche Welt und auch für die sinnliche Welt. Und einen elementaren Anfang für die Naturwissenschaft, wie ich öfter erwähnt habe, hat Goethe mit seiner Morphologie gemacht, die deshalb auch bekämpft wird von den antiquierten Anschauungen. Auch mit seiner Physik hat Goethe einen Anfang gemacht. Aber die Fruchtbarkeit dieses Anfanges wird heute noch wenig eingesehen.

[ 15 ] Where, then, does modern thinking—which considers itself the most enlightened—actually come from? It is merely the offspring of an ancient religion. Certainly, religious beliefs have been cast aside: people no longer believe in Zeus or Yahweh—and some do not believe in Christ either. But the way of thinking that prevailed in the times when people believed in Zeus, Yahweh, Ormuzd, and Osiris—that way of human thinking—has remained. Today it is applied to oxygen, hydrogen, electrons, ions, or Hertzian waves—the object makes no difference—the way of thinking is the same. Only through spiritual science can a new way of thinking be applied to the supersensible world as well as to the sensible world. And, as I have often mentioned, Goethe laid a fundamental foundation for the natural sciences with his morphology, which is why it is also opposed by antiquated views. Goethe also laid the groundwork with his physics. But the fruitfulness of this foundation is still little recognized today.

[ 16 ] Also man arbeitet mit dem, was geblieben ist. Und das ist auch schließlich begreiflich; denn in einem Zeitalter, wo das Bewußtsein nicht ausgefüllt wird von Wirklichkeitselementen, sondern nur von Spiegelbildern, kann das Bewußtsein selber auch zu keinem besonderen Inhalt kommen, wenn es nur auf sich angewiesen ist als gewöhnliches alltägliches Bewußtsein.

[ 16 ] So one works with what remains. And that is, after all, understandable; for in an age when consciousness is not filled with elements of reality, but only with reflections, consciousness itself cannot arrive at any particular content if it is left to rely solely on itself as ordinary, everyday consciousness.

[ 17 ] Und wiederum die religiöse Vorstellungsart, wie wurde sie gewonnen? Nun, das ist ja eine kindische Vorstellung, wenn man glaubt, die alten "Theologen hätten — wie es etwa die heutigen Philosophen mit ihren vererbten Vorstellungen machen — ausspekuliert die Dinge des Alten Testamentes oder die neueren Theologen hätten ausspekuliert die Dinge des Neuen Testamentes. Das ist eine kindische Vorstellungsart. Dasjenige, was in diesem Alten und Neuen Testamente und auch in den Religionsbüchern der verschiedenen Völker figuriert, das geht zurück auf übersinnliche Anschauungen, aber eben nur auf zuletzt alte übersinnliche Anschauungen. Das wurde geoffenbart aus übersinnlicher Erkenntnis heraus. Und indem man genommen hat aus der übersinnlichen Welt die Darstellungen, hat man mitgenommen die Denkformen, so daß heute der brave Zoologe, der brave Kliniker, ohne daß er sich dessen bewußt ist, mit den Denkformen, den Vorstellungsarten arbeitet, welche der Visionär des Alten und des Neuen Testamentes sich auf seine Art erarbeitet hat. Und aus den Visionen heraus, die der Visionär sich erarbeitet hat, hat er auch die Vorstellungsart gebildet. Das ist etwas, was heute die Leute natürlich ärgert, wenn man ihnen sagt: Und wenn ihr auch Zoologen, Physiologen seid, ihr bearbeitet gewiß ein anderes Feld, aber ihr arbeitet mit den Denkformen, die aus den Visionen der alten Propheten oder den Visionen der Evangelisten stammen. — Denn dasjenige, was im Laufe der letzten vier Jahrhunderte seit dem Heraufkommen des Kopernikanismus und Galileismus so erarbeitet worden ist an wirklichen Vorstellungen, an Vorstellungsformen gar, an gewissen Denkarten, das ist noch sehr wenig. Und gerade das wird als Grundlage verwendet, um durch wirkliche anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft die übersinnlichen Erkenntniswege wiederum zu finden. Daher habe ich schon in den achtziger Jahren in meinen Einleitungsschriften zu Goethes Morphologie scharf darauf hingewiesen und es gesperrt drucken lassen, daß ich Goethe anzuschauen habe als den Kopernikus und Kepler der organischen Welt, um den Weg anzudeuten, der gerade hinführt in die übersinnlichen Gebiete hinein, aber ausgeht von dem guten Boden, der auf diese Weise elementar geschaffen worden ist. Also von dem alten Visionären, das heißt dem alten atavistischen, übersinnlichen Anschauen gehen die Vorstellungsarten aus, die heute noch immer in den Menschenköpfen spuken. In dieser ganzen Entwickelung des menschlichen Bewußtseins sind eben die alten Schöpfer, die Geister der Form tätig. Sie offenbarten sich dem übersinnlich entwickelten Bewußtsein. Für denjenigen, der in dem neuen Geistesleben drinnensteht, offenbaren sich jetzt nicht mehr diese Geister, sondern die Geister der Persönlichkeit.

[ 17 ] And again, the religious way of thinking—how was it acquired? Well, that is a childish notion—to believe that the ancient “theologians” had—as today’s philosophers do with their inherited ideas—speculated their way through the matters of the Old Testament, or that the more recent theologians had speculated their way through the matters of the New Testament. That is a childish way of thinking. What appears in the Old and New Testaments, as well as in the religious texts of various peoples, goes back to supersensible perceptions—but ultimately only to ancient supersensible perceptions. This was revealed through supersensible knowledge. And in taking these depictions from the supersensible world, one has also adopted the thought forms, so that today the earnest zoologist and the earnest clinician, without being aware of it, work with the thought forms and modes of conception that the visionaries of the Old and New Testaments developed in their own way. And from the visions that the visionary had developed, he also formed his mode of imagination. This is something that naturally annoys people today when one tells them: “Even if you are zoologists or physiologists—and you certainly work in a different field—you are still working with the thought forms that stem from the visions of the ancient prophets or the visions of the evangelists.” — For what has been developed over the course of the last four centuries since the emergence of Copernicanism and Galileanism in terms of actual concepts, indeed forms of conception, and certain ways of thinking—that is still very little. And it is precisely this that is used as a foundation for rediscovering the paths to supersensible knowledge through genuine anthroposophically oriented spiritual science. That is why, as early as the 1980s, in my introductory writings on Goethe’s Morphology, I pointed this out emphatically—and had it printed in bold—that I must regard Goethe as the Copernicus and Kepler of the organic world, in order to indicate the path that leads directly into the supersensible realms, yet springs from the fertile ground that has been laid in this way. Thus, the old visionary—that is, the old atavistic, supersensible perception—is the source of the modes of imagination that still haunt people’s minds today. Throughout this entire development of human consciousness, it is precisely the old creators, the spirits of form, who are at work. They revealed themselves to the supersensibly developed consciousness. For those who are immersed in the new spiritual life, it is no longer these spirits that reveal themselves, but rather the spirits of the personality.

[ 18 ] Sie können mich nun fragen: Was ist da für ein Unterschied? Dieser Unterschied zeigt sich eben innerhalb der Initiationswissenschaft. Deshalb steht der moderne Geisteswissenschafter noch sehr fremd gegenüber dem Allgemeinbewußtsein, selbst dem allgemeinen Wissenschaftsbewußtsein, weil dieses Wissenschaftsbewußtsein nur ein wenig in sich glimmend hat den Galileismus, Kopernikanismus, Goetheanismus, ganz elementar, aber allgemein noch beherrscht wird von der Denkungsweise der alten Visionäre. Das ist das Eigentümliche dieser Geister der Form, welche die alten Visionen gegeben haben, daß sie belebt haben im Menschen die Vorstellungen, die in den alten Religionen tätig waren, die auch im Christentum bis heute tätig waren. Das ist das Eigentümliche, daß, indem sich offenbarten diese Geister der Form, die man Schöpfer nannte, sie sich zunächst offenbarten durch Imaginationen, Imaginationen, die unwillkürlich im Menschen entstehen. Das war die nächste Offenbarungsart dieser Geister der Form. Und aus solchen Imaginationen sind die Vorstellungen aller alten Religionen entstanden. Sie wissen, das Imaginieren ist die erste Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, dann kommt die Inspiration, und dann kommt die Intuition. Aber von der Imagination gingen aus alle diejenigen, die im alten Sinne zu übersinnlicher Erkenntnis kommen wollten, denn sie mußten den Weg zu diesen Geistern der Form finden.

[ 18 ] You might now ask me: What difference does that make? This difference becomes apparent precisely within the science of initiation. That is why the modern scholar of the spiritual sciences still stands very much at odds with the general consciousness—even with the general scientific consciousness—because this scientific consciousness has only a faint glimmer of Galileanism, Copernicanism, and Goetheanism within it, in a very elementary way, but is still generally dominated by the way of thinking of the ancient visionaries. This is the distinctive feature of these spirits of form, who gave rise to the ancient visions: that they enlivened within human beings the ideas that were active in the ancient religions—ideas that have remained active in Christianity to this day. This is what is distinctive: as these spirits of form—who were called creators—revealed themselves, they first revealed themselves through imaginations—imaginations that arise spontaneously within human beings. That was the next mode of revelation for these spirits of form. And from such imaginations arose the concepts of all the ancient religions. You know that imagination is the first stage of supersensible knowledge; then comes inspiration, and then intuition. But all those who, in the ancient sense, sought to attain supersensible knowledge set out from imagination, for they had to find the path to these spirits of form.

[ 19 ] Nun findet man heute den Weg zu den Geistern der Persönlichkeit. Da ist nun ein gewaltiger Unterschied. Denn diese Geister der Persönlichkeit geben dem, der zu ihnen dringen will, nicht Imaginationen, sondern er muß sich die Imaginationen selber erarbeiten, er muß den Geistern der . Persönlichkeit entgegenkommen. Den Geistern der Form brauchte man nicht entgegenzukommen. Da konnte man, wie man es nennen mag, ein gottbegnadeter Mensch sein: dann gaben einem die Geister der Form in visionärer Art ihre Imaginationen. Diesen Weg suchen heute noch viele, denn er ist bequemer, aus dem Grunde, weil er heute nur noch pathologisch erreichbar ist. Der Mensch hat sich entwickelt, und das, was in alten Zeiten psychologisch war, ist heute pathologisch. Alles Visionäre und dasjenige, was auf unwillkürlichen Imaginationen beruht, ist heute pathologisch und drückt heute den Menschen unter sein Niveau herunter. Was heute vom Menschen gefordert wird, der zur Initiationswissenschaft oder eigentlich zur Initiationsanschauung vordringen will, das ist, daß er ganz bewußt seine Imaginationen ausbildet; denn die Geister der Persönlichkeit geben ihm keine Imaginationen, er muß sie ihnen entgegentragen. Dagegen findet ein anderes heute noch statt. Wenn Sie gültige Imaginationen ausbilden, wenn Sie sich gültige Imaginationen erarbeiten, dann treffen Sie auf Ihrem übersinnlichen Erkenntnisweg mit den Geistern der Persönlichkeit zusammen und Sie spüren die Kraft, welche Ihnen diese Imaginationen bewahrheiten, sie Ihnen zur Objektivität machen will.

[ 19 ] Today, one finds the path to the spirits of personality. There is a tremendous difference here. For these spirits of personality do not give imaginations to those who wish to reach them; rather, one must work out the imaginations oneself—one must meet the spirits of personality halfway. With the spirits of form, there was no need to meet them halfway. One could, as one might say, be a divinely gifted person: then the spirits of form would bestow their images upon one in a visionary manner. Many still seek this path today, for it is more convenient—precisely because it can now only be attained through pathological means. Humanity has evolved, and what was psychological in ancient times is now pathological. Everything visionary and everything based on involuntary imaginations is now pathological and drags people down below their proper level. What is required today of a person who wishes to advance toward the science of initiation—or, more accurately, toward the initiatory worldview—is that they consciously cultivate their imaginations; for the spirits of the personality do not provide them with imaginations—they must offer them to these spirits. Yet the opposite still occurs today. When you develop valid imaginations, when you work out valid imaginations for yourself, then on your path of supersensible knowledge you encounter the spirits of the personality, and you sense the power that seeks to validate these imaginations for you, to make them objective.

[ 20 ] Im Elementarsten wird in der Regel der Gang beim Geistesforscher heute so sein, daß er versucht, sich die Imaginationen aus den tüchtigsten, besten Erkenntnissen des modernen Wissens zu gewinnen. Deshalb habe ich immer darauf hingewiesen, daß die moderne Naturwissenschaft die beste Vorbereitung ist auch für die Geistesforschung. Denn sie gibt die Möglichkeit, zu fruchtbaren Bildvorstellungen aufzusteigen, besonders wenn man sie im Goetheschen Sinne betreibt. Aber selbstverständlich kann man sich Bilder machen, die bloß phantastische sind; man kann alles mögliche Zeug zusammenflicken zu irgendwelchen willkürlichen Imaginationen. Diese Imaginationen, die man sich macht, die müssen erst verifiziert werden, indem einem die Geister der Persönlichkeit entgegenkommen mit Inspirationen und Intuitionen. Und Inspirationen und Intuitionen bekommt man schon von den Geistern der Persönlichkeit. Man weiß ganz genau: Du stehst in Verbindung mit denjenigen Geistern, die sich aus grauer Geistestiefe der heutigen Menschheit enthüllen, aber sie bleiben für dich unfruchtbar, wenn du ihnen nicht eine Sprache entgegenbringst. — Denn diese Geister behalten die Imaginationen für sich. Die Geister der Form setzten die Imaginationen vor den übersinnlich erkennenden Menschen hin, die Geister der Persönlichkeit behalten die Imaginationen für sich, und man muß sich mit ihnen verständigen, so wie man sich auch mit dem Menschen verständigen muß, indem man zwar Gedanken sich machen muß, die er auch hat, aber die Gedanken, die er hat, müssen dutch gegenseitigen Verkehr von ihm auf einen andern und von einem andern auf ihn übergehen. So müßte man in einem freien Verkehr mit den Geistern der Persönlichkeit verkehren. Das ganze innere Gefüge des geistigen Lebens ändert sich. Jenes Unwillkürliche, welches den alten Offenbarungen zugrunde lag, das mündet selbst ein in einen gewissen Impuls, der in freier Aktivität erlebt wird. Derjenige, der nicht an der Oberfläche des Weltgeschehens schwimmen will, sondern sich einlassen will auf dasjenige, was wirklich sich vollziehen kann, der verfolgt heute dieses Weltgeschehen in der Weise, daß er sich bewußt wird — vielleicht zuerst durch ganz an der Oberfläche Liegendes —, daß sich ein neuer Weltenplan realisieren will, daß gewissermaßen hinter dem äußerlich verfolgbaren Geschehen geistig sich etwas vollziehen will. Das ist dasjenige, was man, ich möchte sagen, spüren kann aus dem Weltgeschehen heraus, aber es bleibt bei sehr vagen Vorstellungen.

[ 20 ] At the most basic level, the approach of today’s spiritual researcher is generally to attempt to derive his imaginations from the most reliable and best insights of modern science. That is why I have always emphasized that modern natural science is the best preparation for spiritual research as well. For it offers the opportunity to rise to fruitful mental images, especially when practiced in the Goethean sense. But of course, one can create images that are merely fantastical; one can cobble together all sorts of things into arbitrary imaginations. These imaginations that one creates must first be verified by the spirits of the personality coming to meet one with inspirations and intuitions. And one does indeed receive inspirations and intuitions from the spirits of the personality. One knows quite precisely: You are in connection with those spirits who reveal themselves from the gray depths of the spirit of today’s humanity, but they remain fruitless for you if you do not offer them a language in return. — For these spirits keep the imaginations to themselves. The spirits of form present the imaginations to those with supersensible perception; the spirits of personality keep the imaginations to themselves, and one must communicate with them just as one must communicate with human beings—by forming thoughts that they, too, have, but these thoughts must pass from one to the other and from the other back to one through mutual interaction. Thus one would have to engage in free interaction with the spirits of personality. The entire inner structure of spiritual life changes. That which was involuntary—and which underlay the old revelations—itself flows into a certain impulse that is experienced in free activity. Those who do not wish to float on the surface of world events, but rather wish to engage with what can truly unfold, follow these world events today in such a way that they become aware—perhaps at first through things lying entirely on the surface—that a new world plan is seeking to be realized, that, in a sense, something spiritual is seeking to unfold behind the events that can be observed externally. This is what one can, I would say, sense emerging from world events, but it remains at the level of very vague notions.

[ 21 ] Insbesondere auf dem Gebiete des sozialen Lebens kann mancher das Gefühl haben, es will sich etwas realisieren, es will etwas geschehen, aber man muß, wenn man verstehen soll, was geschehen will, diesem Geschehenwollen entgegentragen dasjenige, was man sich nur selber erarbeiten kann. Was ich Ihnen als eine Art — aber nur eine Art, weil es nicht Programm, sondern Wirklichkeit ist — notwendiger sozialer Impulse vorgetragen habe, ist auf diese Weise gewonnen. Deshalb kann ich immer sagen: Es ist nicht etwas Ausgedachtes, auch nicht etwas aus irgendeinem Ideal heraus — was man heute Ideal nennt — Gebildetes, sondern es ist dasjenige, was sich verwirklichen will und sich auch verwirklichen wird, nur in Begriffe gefaßt. Aber man kann es nicht in Begriffe fassen, wenn man sich nicht die Möglichkeit zuerst erarbeitet, zu Bildern zu kommen, die dann verifiziert werden, bewahrheitet, erhärtet werden von den Geistern der Persönlichkeit, die den neuen Weltenplan spinnen.

[ 21 ] Especially in the realm of social life, some people may feel that something is about to come to pass, that something is about to happen; but if one is to understand what is about to happen, one must counter this desire for action with that which one can only achieve through one’s own efforts. What I have presented to you as a kind of—but only a kind, because it is not a program but reality—necessary social impulse has been gained in this way. That is why I can always say: It is not something contrived, nor is it something formed out of some ideal—what is called an “ideal” today—but rather it is that which seeks to realize itself and will indeed realize itself, merely expressed in concepts. But one cannot put it into concepts unless one first cultivates the ability to arrive at images that are then verified, validated, and substantiated by the spirits of the personality that are weaving the new world plan.

[ 22 ] Diese Entwickelung der neueren Zeit fordert schon von uns, daß wir uns einlassen können darauf, alles Antiquierte abzustreifen, auch alles in der landläufigen Wissenschaft Antiquierte abzustreifen und wirklich in die neuen Denkformen uns hineinzufinden, damit wir innerhalb dieser neuen Denkformen nicht zu antiquierten Visionen kommen, sondern zu mit vollem Willen aufgebauten Imaginationen, die wir dann entgegenhalten dem objektiven geistigen Weltgeschehen und von ihm verifiziert bekommen. Das ist ein so radikaler Unterschied gegenüber allem früheren übersinnlichen Erkennen, daß sich die zahlreich vorhandenen, auf früheres übersinnliches Erkennen stützenden Menschen mit Händen und Füßen sträuben gegen diese absolute Umwandlung alles übersinnlichen Erkennens. Denn es ist etwas verlangt von Menschen, die Übersinnliches erkennen wollen, was radikal, ursprünglich und elementar ist, was zu den Quellen vordringen will und was Abrechnung halten will und muß mit alldem, was nut — bewußt oder unbewußt — antiquiert ist. Daher wird so wenig Wert gelegt innerhalb derjenigen Geisteswissenschaft, die hier vorgetragen wird, auf all das Überlieferte. Dieses Überlieferte ist gewiß ein Ehrwürdiges, aber wir stehen halt einmal an dem Wendepunkt der Menschheitsentwickelung, wo wir in bezug auf solche Sachen gründlich erkennen müssen, daß das Überlieferte sich ausgelebt hat und daß Neues erworben werden muß. Daher kann innerhalb einer wirklich mit den heutigen Verhältnissen rechnenden Geisteswissenschaft nicht die Rede sein von dem alten Glauben, noch kann die Rede sein von der Hinlenkung zum sogenannten Baumeister aller Welten. Denn beides gehört eben nur dem äußeren Bewußtsein an. Kommt man zu demjenigen Bewußtsein, das außerhalb des Leibes und außerhalb des Lebenslaufes erworben wird, das wirklich im Geistigen drinnensteht, dann fließen Wille und Vorstellung wieder zusammen zu einer Realität. Und dasjenige, was nur Architektur ist, das heißt nur Form, was leblose Formen, leblose Symbole sind, das erhält innerliches Leben. Und dasjenige, was finsterer bloßer Glaube ist, das wird Wissen, konkretes sich wandelndes Wissen. Beides vereinigt sich, beides wird etwas Lebendiges. Das ist dasjenige, was von der Menschheit erlebt werden muß. Die alten Symbole, die alten Riten, sie müssen als antiquiert empfunden werden, die ganze alte Denkweise muß als antiquiert empfunden werden. Denn dasjenige, was da starre Formen sind, muß Leben empfangen.

[ 22 ] This modern development demands that we be able to commit ourselves to shed everything that is antiquated—including everything in mainstream science that is antiquated—and truly find our way into the new forms of thought, so that within these new forms of thought we do not arrive at antiquated visions, but rather at imaginations built up with full will, which we then hold up against the objective spiritual events of the world and have verified by them. This is such a radical departure from all earlier forms of supersensible knowledge that the many people who rely on earlier forms of supersensible knowledge are resisting this absolute transformation of all supersensible knowledge with all their might. For it demands of people who wish to perceive the supersensible something that is radical, primordial, and elemental—something that seeks to penetrate to the very sources and that must and will settle accounts with everything that is—whether consciously or unconsciously—outdated. That is why so little value is placed, within the spiritual science presented here, on all that has been handed down. What has been handed down is certainly venerable, but we have simply reached a turning point in human development where, with regard to such matters, we must thoroughly recognize that what has been handed down has run its course and that something new must be acquired. Therefore, within a spiritual science that truly takes today’s circumstances into account, there can be no talk of the old faith, nor can there be any reference to the so-called Architect of All Worlds. For both belong solely to the outer consciousness. When one arrives at that consciousness which is acquired outside the body and outside the course of life—a consciousness that truly resides within the spiritual realm—then will and imagination flow together again into a single reality. And that which is merely architecture—that is, merely form—that which consists of lifeless forms and lifeless symbols, is imbued with inner life. And that which is merely dark, blind faith becomes knowledge—concrete, evolving knowledge. Both unite; both become something living. This is what humanity must experience. The old symbols, the old rites—they must be perceived as antiquated; the entire old way of thinking must be perceived as antiquated. For what are rigid forms must receive life.

[ 23 ] Denken Sie nur, wieviel heute noch gearbeitet wird mit antiquierten Begriffen! Gewiß, es kann auf mancherlei Gebieten noch Nützliches damit geleistet werden. Aber die Menschheit würde in das Erstarren hineinkommen, in das Gelähmtwerden, das Vertrocknetwerden, wenn nicht dasjenige, was antiquiert ist, einem andern weichen würde, das innerliches Leben enthält. Es kann nicht mehr fortgearbeitet werden unter dem Symbolum der bloßen Weltarchitektur in starrer Form, in überlieferten Symbolen, in überlieferten Dogmen, sondern dasjenige, was den Menschen mit der Welt zusammenbringen soll, muß ein unmittelbar Lebendiges werden.

[ 23 ] Just think how much work is still done today using antiquated concepts! Certainly, they can still be put to good use in many areas. But humanity would become frozen, paralyzed, and withered if what is antiquated did not give way to something else that contains inner life. We can no longer continue working under the symbol of mere world architecture in rigid form, in traditional symbols, in traditional dogmas; rather, that which is meant to bring human beings together with the world must become something immediately alive.

[ 24 ] Auch im Beginn der christlichen Entwickelung war das zum Beispiel mit dem Christentum selbst noch nicht so, daß ein Lebendiges da zugrunde liegt. Ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht, daß gerade die ersten Beschreiber des Christentums gearbeitet haben aus der alten ägyptisch-chaldäischen Wissenschaft heraus. Selbst die Daten sind natürlich nicht historisch festgestellt. Es sind zum Beispiel astrologisch berechnet die Daten, die die Feste feststellen, Geburts- und Todesjahr des Christus Jesus sind astrologisch berechnet, die ganze Apokalypse beruht auf Astrologie. In alten Zeiten war diese lebendig, aber sie ist heute tot, selbstverständlich eine bloße Rechnerei. Sie wird erst dann wiederum lebendig, wenn die Dinge lebendig wiederum erfaßt werden, wenn also zum Beispiel nicht aus den Sternen etwa berechnet wird das Geburtsjahr des Christus Jesus, sondern wenn es geschaut wird mit jenem Schauen, das auf die geschilderte Weise heute errungen werden kann. Da beleben sich die Dinge. Leben ist heute nicht, wenn berechnet wird, ob der eine Stern zum andern in Opposition, in Konjunktion und so weiter steht, sondern wenn lebendig erlebt wird, was diese Oppositionen sind, wenn das innerlich erfaßt wird, nicht in äußerer Mathematik. Damit soll gegen diese äußere Mathematik nichts Besonderes eingewendet werden. Sie kann natürlich auch über manches Licht, allerdings über manches auch Dunkelheit verbreiten, aber sie ist nicht dasjenige, was im Schoß des wirklich heute Notwendigen für die Menschheit liegt. In der alten Weise können die Dinge auch nicht fortgepflanzt werden; sie würden eben nur Vertrocknetes, die Menschheitsentwickelung Lähmendes geben. Aber es spricht natürlich bei der Beurteilung solcher Sachen beim heutigen Menschen immer mit, daß durch die Aneignung jener Vorstellungsart man nicht selber übersinnlicher Erkenner zu sein braucht — der gesunde Menschenverstand macht durchaus das Erkennen der Geisteswissenschaft möglich —, daß aber diese Denkungsweise nur auf unbequeme Art erworben werden kann, während man sich sehr bequem die alten Überlieferungen, die alten Methoden aneignen kann und selbstverständlich noch bequemer an die Kirchendogmen glauben kann.

[ 24 ] Even in the early stages of Christian development, for example, Christianity itself was not yet based on a living foundation. I have often pointed out that the very first writers on Christianity drew upon ancient Egyptian-Chaldean science. Even the dates, of course, are not historically established. For example, the dates that determine the festivals—the year of the birth and death of Jesus Christ—are calculated astrologically; the entire Book of Revelation is based on astrology. In ancient times, this was alive, but today it is dead—merely a matter of calculation, of course. It will only come alive again when things are once more perceived as living—that is, when, for example, the year of the birth of Jesus Christ is not calculated from the stars, but is perceived with that kind of vision that can be attained today in the manner described. That is when things come to life. Life today does not consist in calculating whether one star is in opposition to another, in conjunction, and so on, but in experiencing what these oppositions are in a living way, in grasping them inwardly, not through external mathematics. This is not meant to raise any particular objection to this external mathematics. It can, of course, shed light on many things—though it can also cast darkness on many others—but it is not what lies at the heart of what is truly necessary for humanity today. Nor can things be carried on in the old way; they would merely produce something withered, something that paralyzes human development. But of course, when modern people judge such matters, the fact always plays a role that by adopting that mode of thought, one does not need to be a supersensible knower oneself — common sense certainly makes the understanding of spiritual science possible — but that this way of thinking can only be acquired through an arduous process, whereas one can very comfortably adopt the old traditions and methods, and, of course, believe in church dogmas even more comfortably.

[ 25 ] Nun liegt aber die Tatsache vor, die wir jetzt öfter von verschiedenen Gesichtspunkten aus behandelt haben: Dieser Umschwung, der sich in der menschlichen Seelenverfassung vollzieht, bedeutet auf einer Seite das Herausstrahlen der Offenbarung der Geister der Persönlichkeit; innerlich bedeutet er das Loslösen des Impulses der Freiheit aus den 'Tiefen der Seelen heraus, das sich in alldem spiegelt, was so dringend jetzt als die großen Menschheitsforderungen vor die Menschen hintritt. Man versteht auch die sozialen Forderungen nur, wenn man diese Entwickelung der menschlichen Seelenverfassung ins Auge nehmen kann. Erinnern Sie sich an eine Bemerkung, die ich gestern gemacht habe: daß die Menschen heute — höchstens, sagte ich — anfangen, ihr wirkliches Ich zu empfinden, indem sie mit andern Menschen in Berührung kommen. Der alte Mensch kannte das «Erkenne dich selbst» in der äußeren Welt. Für das übersinnliche Erkennen ist das anders, aber in der äußeren Welt, in der Welt, in der wir zwischen Geburt und Tod leben und mit dem gewöhnlichen Bewußtsein leben, hatte der Mensch der alten Zeiten, wenn er von seinem Ich reden wollte, etwas Wirkliches. Der neuere Mensch hat nur das Spiegelbild des wahren Ich, er hat etwas hereinstrahlend von dem wahren Ich, gerade wenn er mit andern Menschen in Berührung kommt; der andere Mensch, der mit ihm karmisch oder sonst irgendwie verbunden ist, der gibt ihm eigentlich etwas Reales. Wenn man es radikal ausdrücken möchte — es ist ein Charakteristikon für die Menschen der heutigen Zeit —: Wir sind innerlich hohl mit Bezug auf die Realität unseres Ich. Wir sind alle innerlich hohl, und wir müßten uns das eigentlich gestehen. Wenn wir wirklich aufrichtig und ehrlich Lebensrückblick halten, so finden wir, um wieviel wichtiger die Einflüsse sind, die die andern Menschen auf uns gehabt haben, als das, was wir uns so angeblich selbst erobert haben. Der heutige Mensch erwirbt sich außerordentlich wenig selbst, wenn er nicht Wissen aus übersinnlichen Quellen erwirbt. Auf äußeren Wegen er braucht dazu nicht hellsichtig zu sein — wird der Mensch heute zur Sozialität hin gezwungen, weil er eigentlich nur real in dem andern ist, in dem Verhältnis zu dem andern. Und das wird gegen den sechsten nachatlantischen Zeitraum, der seine heutigen embryonalen Impulse gerade in Rußland hat, so stark werden, daß es dann als ein Axiom gelten wird: Kein Glück eines einzelnen Menschen ist möglich ohne das Glück der Gesamtheit, so wie ein einzelnes Organ im Menschen nicht funktionieren kann, ohne daß eigentlich das Ganze funktioniert. — Das wird man später als ein Axiom ansehen einfach durch die Bewußtseinstatsache. Wir sind noch lange nicht da — also Sie können sich, bitte, noch beruhigen, können noch lange Ihr persönliches Glück als etwas betrachten, was möglich ist, wenn auch dieses persönliche Glück aufgebaut ist auf so und so viel Unglück —, aber das ist die Richtungslinie, die Richtungsströmung, in der sich die Menschheit entwickeln wird. Das ist einfach so, wie man heute, wenn man sich erkältet hat, husten muß. So wie das unangenehm ist, so wird es unangenehme Seelenzustände erwecken in einigen Jahrtausenden, wenn man irgend etwas als einzelner Mensch von Glück in der Welt haben will, ohne daß die andern es auch haben. Dieses Durchorganisieren der Menschheit liegt in der menschlichen Entwickelung, und das rumort heute in den sozialen Forderungen herum. Das ist eben der Weg, den die menschliche Seelenverfassung macht.

[ 25 ] Now, however, we are faced with the fact that we have frequently discussed from various perspectives: This transformation taking place in the human soul signifies, on the one hand, the radiant manifestation of the spirits of personality; inwardly, it signifies the emergence of the impulse toward freedom from the “depths of the soul,” which is reflected in all that now so urgently presents itself to humanity as the great demands of humankind. One can only understand these social demands if one is able to take this development of the human soul’s constitution into account. Recall a remark I made yesterday: that people today—at most, I said—are beginning to sense their true self through their contact with other people. The person of old understood “Know thyself” in relation to the outer world. It is different for supersensible knowledge, but in the external world—the world in which we live between birth and death and with ordinary consciousness—the people of ancient times had something real to refer to when they spoke of their “I.” Modern people have only a reflection of the true “I”; they have something that radiates from the true “I,” especially when they come into contact with other people; the other person, who is connected to them karmically or in some other way, actually gives them something real. To put it bluntly—and this is a defining characteristic of people today—: We are inwardly hollow with regard to the reality of our “I.” We are all inwardly hollow, and we really ought to admit this to ourselves. If we truly and honestly look back on our lives, we will find just how much more significant the influences that other people have had on us are than what we supposedly achieved on our own. Modern human beings achieve very little on their own unless they acquire knowledge from supersensible sources. Externally, they do not need to be clairvoyant to do so—people today are compelled toward sociality because they are, in reality, only truly present in the other, in their relationship to the other. And this will become so strong toward the sixth post-Atlantean epoch—which has its embryonic impulses today precisely in Russia—that it will then be regarded as an axiom: No individual’s happiness is possible without the happiness of the whole, just as a single organ in a human being cannot function unless the whole is actually functioning. —This will later be regarded as an axiom simply by virtue of the fact of consciousness. We are still a long way from that—so please, you can still rest easy; you can still regard your personal happiness as something that is possible for a long time to come, even if this personal happiness is built upon a certain amount of unhappiness—but that is the direction, the current, in which humanity will develop. It is simply the way that today, when you have a cold, you have to cough. Just as that is unpleasant, so too will it give rise to unpleasant states of mind in a few millennia if any individual in the world wants to have happiness without others having it as well. This thorough reorganization of humanity is inherent in human development, and it is rumbling through social demands today. That is precisely the path that the human psyche is taking.

[ 26 ] In früheren Zeiten konnte der Mensch in sich hineinschauen, konnte noch etwas Reales finden auch in dem Leben, das er zwischen Geburt und Tod lebt. Heute ist eigentlich der Materialismus für dieses Leben zwischen Geburt und Tod, wenn wir nur auf den Menschen im Äußeren hinschauen, nicht unberechtigt, denn innerhalb desjenigen, was zwischen Geburt und Tod im Menschen mit dem gewöhnlichen Bewußtsein verfolgt wird, hat man es nur mit materiellen Tatsachen zu tun. Die übersinnlichen Tatsachen liegen zugrunde; aber ich habe gestern gesagt: diese übersinnlichen Tatsachen machen bald nach der Geburt halt und lassen das Leben des Menschen materiell ablaufen bis zu seinem Tode, wo sich wiederum das Übersinnliche aus ihm herausringt. Es ist nicht eine bloße Scharlatanerie, daß die heutige Naturforschung materialistisch ist, sondern es ist ein instinktives Rechnen mit dem, was heute im Menschen eigentlich das Gegebene ist. Nur sieht man nicht hinaus über das Leben zwischen Geburt und Tod. Sobald man hinaussieht, ist selbstverständlich die Naturforschung am Ende. Der Mensch muß einmal untertauchen in dies bloß materielle Leben, damit er sich unabhängig von diesem materiellen Leben das Geistige erwerben kann. Und so ist einfach zum Verständnis desjenigen, was in den drängendsten Forderungen unserer Zeit pulsiert, notwendig, daß man hineinblickt in diesen Umschwung der menschlichen Seelenverhältnisse. Man kann ihn nicht beobachten, wenn man ihn nicht durch die Initiationswissenschaft beobachten will.

[ 26 ] In earlier times, people were able to look within themselves and still find something real even in the life they live between birth and death. Today, materialism is actually not without justification for this life between birth and death, if we look only at the human being from the outside; for within what is experienced by the human being with ordinary consciousness between birth and death, we are dealing only with material facts. The supersensible facts underlie it all; but as I said yesterday: these supersensible facts come to a halt soon after birth and allow human life to unfold materially until death, at which point the supersensible once again breaks free from within the person. It is not mere charlatanism that today’s natural science is materialistic; rather, it is an instinctive reckoning with what is actually given in human beings today. It is just that one does not look beyond life between birth and death. As soon as one looks beyond, natural science naturally comes to an end. Human beings must first immerse themselves in this purely material life so that they can acquire the spiritual independently of it. And so, in order to understand what is pulsating at the very heart of our time’s most pressing demands, it is simply necessary to look into this transformation of the human soul’s condition. One cannot observe it unless one is willing to observe it through the science of initiation.