Goetheanism
An Impulse for Transformation and a Concept of Resurrection
Human and Social Science
GA 188
3 January 1919, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Wie oft mußten wir eigentlich hier betonen, daß die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten, wenn sie ausgesprochen werden, nach der einen oder andern Richtung hin leicht mißzuverstehen sind. Und ich habe Ihnen ja auch von den verschiedensten Gründen gesprochen, aus denen es sicher leicht ist, diese geisteswissenschaftlichen Anschauungen und Erkenntnisse zu mißkennen, mißzuverstehen. Es ist immer wieder und wiederum zu sagen, daß es natürlich ungemein leicht ist, wenn man wenig Gelegenheit gehabt hat, sich in Spirituelles zu vertiefen, da oder dort zu finden, daß die Dinge, die geisteswissenschaftlich zutage treten, nicht voll begründet sind oder dergleichen. Es ist auch ungemein leicht zu sagen: Woher weiß denn der oder jener, welcher geisteswissenschaftlich etwas mitteilt, woher weiß er das? — wenn man nicht darauf eingehen will, das zu durchschauen, was er selbst oftmals darüber vorgebracht hat, von woher er diese Dinge weiß, und man lediglich das Urteil sich bildet nach dem, was man selber weiß. Das ist ja nicht schwer zu sagen: Woher kann der das wissen? Ich weiß es doch nicht! — und dann souverän zu erklären: Dasjenige, was ich nicht weiß, das weiß auch kein anderer, da kann ein anderer höchstens doch nur noch glauben! — Aber ein solches Urteil kommt nur dadurch zustande, daß man sich eben gar nicht darauf einläßt, auf die Quellen einzugehen, aus denen insbesondere in der heutigen Zeit geisteswissenschaftliche Erkenntnisse geschöpft werden müssen.
[ 1 ] How often have we actually had to emphasize here that the truths of the humanities, when they are expressed, are easily misunderstood in one way or another. And I have also spoken to you about the various reasons why it is certainly easy to misjudge or misunderstand these spiritual-scientific views and insights. It must be said time and again that it is, of course, extremely easy—if one has had little opportunity to delve into spiritual matters—to find here and there that the things revealed by spiritual science are not fully substantiated, or something to that effect. It is also incredibly easy to say: “How does this or that person, who shares something from the perspective of spiritual science, know that?”—if one is unwilling to take the time to understand what the person themselves has often explained about where they get this knowledge from, and one simply forms a judgment based on what one knows oneself. It’s not hard to say: “How can they know that?” I don’t know it, after all!”—and then to declare with authority: “What I don’t know, no one else knows either; at most, someone else can only believe it!”—But such a judgment arises only because one simply refuses to engage with the sources from which, especially in the present day, spiritual scientific insights must be drawn.
[ 2 ] Zu den auf diese Art zustande gekommenen Mißverständnissen kann nun auch gehören, daß man glaubt, die Geisteswissenschaft wolle in Bausch und Bogen ein Verdammungs-, ein Vernichtungsurteil aussprechen über das ganze Streben der Zeit, insofern dieses Streben von Persönlichkeiten ausgeht, die außerhalb der Geisteswissenschaft stehen. Aber auch da liegt nur ein Mißverständnis vor. Gerade der Geisteswissenschafter, der ernst und würdig den heutigen Weltzustand ins Auge faßt, wird wohl eingehen auf die Gemütslage, auf die Seelenstimmung der Zeitgenossen und wird sich die Frage vorlegen: Was geht in den Seelen der ernsten Zeitgenossen der Gegenwart vor, in der Richtung, in der eine Besserung manches Verbesserungswürdigen oder Verbesserungsnotwendigen eben gesucht werden muß? — Was aber hier vor allen Dingen als eine besonders in der Gegenwart außerordentlich markante Tatsache ins Auge gefaßt werden muß, das ist, daß gerade abgelehnt wird, manchmal von den strebendsten Zeitgenossen abgelehnt wird das konkrete Eingehen auf das Wissen von der geistigen Welt, auf die Erkenntnis von der geistigen Welt, die als eine Wirklichkeit vor den Menschen treten kann und nicht bloß als etwas, was man durch eine Summe von Begriffen erschließt. Die meisten Menschen möchten eben heute mit ihren Erfahrungen nur in der Sinneswelt stehenbleiben und eine geistige Welt höchstens zugeben als durch Begriffe, durch Ideen erschließbar. Sie möchten sich nicht anschließen an eine Forschung, welche von Mitteln spricht, in die geistige Welt erlebnisgemäß wirklich einzudringen. Dieses Ablehnen der wirklichen Geistigkeit, das ist allerdings ein charakteristischer Zug unserer Zeit; das ist ein Zug unserer Zeit, den insbesondere wir, die wir versuchen, uns auf den Boden der Geisteswissenschaft zu stellen, berücksichtigen müssen. Sonst bleiben wir doch außerhalb dieser Geisteswissenschaft stehen, uns nur auf sie einlassend als wie auf etwas, was neben andern Dingen, die in der Gegenwart zutage treten, doch auch berücksichtigt werden sollte.
[ 2 ] Among the misunderstandings that have arisen in this way is the belief that spiritual science seeks to pass a sweeping judgment of condemnation and destruction on the entire striving of our time, insofar as this striving originates from individuals who stand outside of spiritual science. But this, too, is merely a misunderstanding. It is precisely the spiritual scientist who views the current state of the world with seriousness and dignity who will surely take into account the state of mind, the spiritual mood of his contemporaries, and ask himself the question: What is going on in the souls of serious contemporaries today, in the very direction in which an improvement must be sought for many things that are in need of or require improvement? — But what must be recognized here above all else as a fact that is particularly striking in the present is that it is precisely this is sometimes rejected—even by the most ambitious of our contemporaries—the concrete engagement with knowledge of the spiritual world, with the understanding of the spiritual world, which can appear before human beings as a reality and not merely as something grasped through a sum of concepts. Most people today simply wish to limit their experiences to the sensory world and, at most, acknowledge a spiritual world as accessible only through concepts and ideas. They do not wish to engage in research that speaks of means by which one can truly penetrate the spiritual world through direct experience. This rejection of true spirituality is indeed a characteristic feature of our time; it is a feature of our time that we, in particular—who are attempting to stand on the ground of spiritual science—must take into account. Otherwise, we will remain outside of this spiritual science, engaging with it only as something that, alongside other things coming to light in the present, should nevertheless also be taken into consideration.
[ 3 ] Ich habe vor kurzem hier, dadurch, daß ich Ihnen die Gedanken Walther Rathenaus vorführte, gezeigt, daß der Geisteswissenschafter schon in der Lage ist, innerhalb der Grenzen, in welcher gegenwärtige Gedankenrichtungen zu würdigen sind, diese Gedankenrichtungen auch wirklich zu würdigen. Aber auffällig ist eben doch diese Zurückweisung des wirklichen geistigen Einschlages, der in unserer Zeit kommen soll. Dieses Ablehnen kann man ja auf Schritt und Tritt erfahren, wenn man aufmerksam ist auf das, was die Leute heute denken. Gewiß, es ist vor viele Menschen in der Gegenwart das Erschütternde der gegenwärtigen Weltenlage getreten; es gibt Menschen, die den ganzen Ernst der gegenwärtigen Zeit zu würdigen verstehen und auch schon seit einiger Zeit zu würdigen verstanden haben. Auch da bitte ich Sie, sich durchaus nicht der Hochnäsigkeit mancher Anthroposophen zu befleißigen und zu meinen, daß Anthroposophie als solche schon eine Anweisung gibt, besser den Ernst der Zeit zu würdigen, als ihn Leute würdigen, die außerhalb der anthroposophischen Bewegung stehen. Denn man möchte auch, daß innerhalb dieser anthroposophischen Bewegung gar mancher mehr in seinem Gemüte berührt würde von dem Entscheidenden in unserer gegenwärtigen Weltenlage. Man findet nur allzuhäufig gerade innerhalb unserer Reihen Menschen, die heute, trotz des Ernstes der Zeit, nicht auf diesen Ernst hinblicken mögen und lieber sich mit ihrer eigenen werten Persönlichkeit beschäftigen, statt einiges Interesse für die großen Fragen in sich zu erregen, die durch die Menschheit pulsieren.
[ 3 ] I recently demonstrated here—by presenting Walther Rathenau’s ideas to you—that the scholar of the spiritual sciences is already in a position to truly appreciate current schools of thought within the limits within which they should be appreciated. But what is striking is precisely this rejection of the true spiritual impulse that is to come in our time. One can experience this rejection at every turn if one pays attention to what people are thinking today. Certainly, the shocking reality of the current world situation has become apparent to many people today; there are people who understand how to appreciate the full gravity of the present time and have been able to do so for some time now. Here, too, I ask you not to adopt the haughtiness of some anthroposophists and to think that anthroposophy as such already provides a guide for appreciating the gravity of the times better than do people who stand outside the anthroposophical movement. For one would also hope that, within this anthroposophical movement, many more would be deeply moved in their hearts by the crucial aspects of our current global situation. All too often, however, one finds people even within our own ranks who, despite the gravity of the times, refuse to acknowledge this gravity and prefer to concern themselves with their own esteemed personalities rather than arouse within themselves some interest in the great questions that pulse through humanity.
[ 4 ] Ich will bei der heutigen Betrachtung von einem Beispiel ausgehen, das mir, man kann sagen zufällig — wenn man das Wort nicht mißversteht, und wir brauchen es nicht mißzuverstehen — in die Hände gekommen ist; ein Aufsatz, der allerdings insofern heute veraltet ist, als er geschrieben wurde, während der sogenannte Krieg noch in vollem Gange war. Also der Aufsatz ist heute veraltet. Er ist auch sonst nicht gerade eindringlich, da er die meisten Dinge, die er bespricht, sehr einseitig behandelt. Allein er rührt doch her von einem Menschen das sieht man nach der ganzen Haltung, nach der ganzen Schreibweise —, der sich die ernstesten Gedanken darüber macht, was nun eigentlich geschehen soll, was die Welt von den Ereignissen zu erwarten hat. Er stellt dar, dieser Aufsatz, wie sich die Westmächte, die Mittelmächte, die Ostmächte allmählich verhalten haben innerhalb der Katastrophe der letzten Jahre. Er stellt die großen Gefahren, wenn auch einseitig, aber doch immerhin dar, die aus dieser Katastrophe heraus heute lauern und in die Zukunft hineinlauern werden. Der Verfasser hat einen gewissen Weltblick. Er betrachtet die Welt nicht nur vom Gesichtspunkt der Landesgrenzen; auch das soll ja unter den heutigen Menschen noch vorkommen, daß sie die Welt nur vom Gesichtspunkt ihrer Landesgrenzen betrachten, und wenn sie sich dann beruhigen können, daß innerhalb ihres Landes das oder jenes noch nicht stattfindet, dann sind sie unbesorgt. Der Verfasser dieses Aufsatzes sieht immerhin nicht nur den Umkreis des Kitchturmes, sondern er sieht doch etwas von der Weltperspektive. Und seine Gedanken zusammenfassend, kommt er zu einem sehr merkwürdigen Satze. Er sagt: «Daß ein furchtbares Schicksal der weißen Menschheit winkt; dies scheint mir unter allen Umständen gewiß, es sei denn, daß eine Periode supremer Weisheitsherrschaft sehr bald die der Leidenschaft und Wahnvorstellungen ablöst. Wir leben in der Tat seit lange schon in der Periode, die mit der Völkerwanderungszeit viel Ähnlichkeit hat. Das Tempo wird durch den Weltkrieg ungeheuer beschleunigt. Was den damals von außen in altes Kulturland einwandernden Germanenstämmen entspricht, sind die beträchtlichen, aufsteigenden unteren Volksschichten, die sowohl dem Blut wie dem Kulturerbe nach von den bisher herrschenden sehr verschieden sind. Daß diese Völkerwanderung» — es ist in der Tat viel besser, von einer Völkerwanderung als von einem Kriege zu sprechen — «überhaupt stattfindet, ist gut insofern, als sie Verbreitung bedingt, eine Verbreitung der Kulturbasis und eine Hebung vom Gesamtniveau. Sehr gefährlich aber ist es, wenn sie zu schnell verläuft. Und diese Gefahr wird vergrößert, je länger der Weltkrieg dauert.»
[ 4 ] In today’s discussion, I would like to begin with an example that—one might say by chance, if the word is not misunderstood, and we have no reason to misunderstand it—came into my hands; an essay that is, admittedly, outdated today insofar as it was written while the so-called war was still in full swing. So the essay is outdated today. Nor is it particularly compelling in other respects, since it treats most of the issues it discusses in a very one-sided manner. Yet it does come from a person—as one can see from his overall attitude and style of writing—who is deeply concerned about what is actually supposed to happen next and what the world can expect from these events. This essay describes how the Western Powers, the Central Powers, and the Eastern Powers have gradually behaved amid the catastrophe of recent years. It outlines—albeit one-sidedly, but still—the great dangers that lurk today as a result of this catastrophe and will continue to lurk into the future. The author possesses a certain worldview. He does not view the world solely from the perspective of national borders; after all, it still happens among people today that they view the world only from the perspective of their national borders, and once they can reassure themselves that this or that has not yet occurred within their own country, they are at ease. The author of this essay, however, does not see only the immediate surroundings of the “kitsch tower”; he does, after all, see something of the global perspective. And summarizing his thoughts, he arrives at a very remarkable statement. He says: “That a terrible fate awaits white humanity; this seems certain to me under all circumstances, unless a period of supreme wisdom very soon replaces that of passion and delusions. We have, in fact, been living for a long time now in a period that bears a strong resemblance to the Migration Period. The pace is being tremendously accelerated by the World War. What corresponds to the Germanic tribes that migrated from outside into the old cultural heartland at that time are the substantial, rising lower classes, who differ greatly from the previous ruling classes in terms of both blood and cultural heritage. That this ‘migration of peoples’ — it is indeed much better to speak of a “migration of peoples” than of a war — “is taking place at all is good insofar as it leads to diffusion—a diffusion of the cultural foundation and a raising of the overall standard. It is, however, very dangerous if it proceeds too rapidly. And this danger increases the longer the World War lasts.”
[ 5 ] Der Aufsatz ist heute veraltet. Die Gefahr ist nicht weniger groß geworden, aber da er alle Argumente aus dem noch vorhandenen Kriegswüten ableitet, so sind seine Argumente veraltet. Uns aber muß hier insbesondere der erste Satz interessieren, den ich vorgelesen habe: «Daß ein furchtbares Schicksal der weißen Menschheit winkt, scheint mir unter allen Umständen gewiß, es sei denn, daß eine Periode supremer Weisheitsherrschaft sehr bald die der Leidenschaft und Wahnvorstellungen ablöst.» — Denn das ist in der Tat als abstrakte Wahrheit unbedingt richtig. Und wenn jemand es einmal ausspricht, daß die einzige Rettung der Menschheit in dem Sich-Hinwenden zu einer supremen Weisheitsherrschaft liegt, und nicht zu irgendwelchen andern politischen oder sozialen Quacksalbereien, dann müssen wir eine solche Tatsache, eine solche Gedankenrichtung anerkennen. Aber wir dürfen dabei eben durchaus nicht vergessen, daß gerade solche Menschen, von denen wir zugeben müssen, daß sie in allen Tiefen ihres Wesens ergriffen sind von dem Ernst der Zeitlage, daß gerade solche Menschen, wenn es sich nun darum handelt, zu sagen, worin denn die Weisheitsvorstellungen bestehen, die die alten Wahnvorstellungen ablösen sollen, daß sie dann doch gleich wieder zurückfallen auf irgendwelche, zu schönen Worten gewordene alte Wahnvorstellungen. Denn das ist gerade die Tragik, das ist das furchtbare Schicksal unserer Zeit, daß die Menschen zwar aufmerksam darauf werden: Es ist notwendig, zum Geiste sich hinzuwenden —, daß sie aber immer Furcht und Angst überkommt, wenn sie sich zum Geiste hinwenden sollen; daß sie dann gleich wieder bereit sind, nach den alten Wahnvorstellungen zu greifen, die die Menschheit hineingetrieben haben in das gegenwärtige furchtbare Schicksal. Wir brauchen ja nur das Beispiel einer sehr verbreiteten Vorstellungsrichtung zu nehmen.
[ 5 ] The essay is now outdated. The danger has not diminished, but since it derives all its arguments from the still-raging war, its arguments are outdated. But we must be particularly interested here in the first sentence, which I read aloud: “That a terrible fate awaits white humanity seems to me certain under all circumstances, unless a period of supreme wisdom very soon replaces that of passion and delusions.” — For that is, in fact, absolutely true as an abstract truth. And if someone were to state that humanity’s only salvation lies in turning toward a reign of supreme wisdom, and not toward any other political or social quackery, then we must acknowledge such a fact, such a line of thought. But in doing so, we must by no means forget that it is precisely those people—whom we must admit are gripped to the very depths of their being by the gravity of the situation—that, when it comes to articulating what these concepts of wisdom consist of, which are supposed to replace the old delusions, they immediately fall back on some old delusions that have been transformed into fine-sounding words. For that is precisely the tragedy, that is the terrible fate of our time: that while people do become aware that It is necessary to turn to the spirit—but that they are always overcome by fear and anxiety when they are to turn to the spirit; that they are then immediately ready to resort to the old delusions that have driven humanity into its present terrible fate. We need only take the example of a very widespread school of thought.
[ 6 ] Glauben Sie, wenn Sie einen richtiggehenden, sagen wir trivial, Vertreter des römisch-katholischen Kirchenbekenntnisses fragen, ob er geneigt sein würde zu glauben, daß die alten Vorstellungen in die katastrophale Zeit hineingeführt haben, daß sie von neuen abgelöst werden müssen, glauben Sie, daß er wirklich geneigt sein würde, an die Notwendigkeit einer Erneuerung derjenigen Vorstellungen zu glauben, welche die Menschheit nicht retten haben können vor dieser furchtbaren Katastrophe? Nein, er würde sagen: Wenn die Menschen nur wiederum richtig römisch-katholisch werden, dann werden sie schon glücklich werden. — Und er wird gar nicht auf den Einfall kommen, sich zu sagen, daß sie doch tausendneunhundert Jahre hindurch Zeit gehabt haben, römisch-katholisch zu sein und dennoch in die Katastrophe hineingekommen sind; daß also zum mindesten die Katastrophe lehren muß, daß man neue Impulse braucht. Das ist nur ein Beispiel für viele. Es ist überhaupt notwendig, gerade mit Bezug auf diesen Punkt rückhaltlos die Zusammenhänge, die da bestehen, vor Augen zu führen.
[ 6 ] Do you think that if you were to ask a genuine—let’s say trivial— representative of the Roman Catholic creed whether he would be inclined to believe that the old ideas led us into this catastrophic era, that they must be replaced by new ones—do you think he would really be inclined to believe in the necessity of renewing those very ideas that could not have saved humanity from this terrible catastrophe? No, he would say: If only people would become truly Roman Catholic again, then they will surely be happy. — And it would never occur to him to say to himself that they had, after all, had nineteen hundred years to be Roman Catholic and yet still ended up in catastrophe; that, therefore, the catastrophe must at least teach us that we need new impulses. That is just one example among many. It is absolutely necessary, particularly with regard to this point, to unreservedly highlight the connections that exist here.
[ 7 ] Es ist heute leicht, selbst für einen als echt geltenden Anhänger dieser oder jener Kirche, zu sagen: Der Haeckelismus oder der Materialismus, das ist eine Teufelssache, das muß mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. — Das ist das Gegenteil von dem, was die Menschen: in eine heilsame Seelenverfassung hineinführen kann. Ja, man kann wohl so sprechen, aber wenn man bei dieser Aussage bleibt und nicht die Zusammenhänge untersucht, die dabei in Betracht kommen, dann wird man unmöglich zu etwas kommen können, was der Gegenwart und noch weniger der nächsten Zukunft heilsam sein kann. Denn wenn Sie irgendeine materialistisch gefärbte Weltanschauungsempfindung aufnehmen und sich fragen: Woher kommt sie historisch? — dann werden Sie, wenn Sie wirklich Einsicht gewinnen wollen, gar nicht umhin können, sich zuletzt doch zu sagen: sie kommt ja im Grunde gerade aus der Art, das Christentum zu vertreten, wie dieses Christentum tausendneunhundert Jahre lang von den verschiedenen Konfessionen vertreten worden ist. Der Tiefersehende weiß, daß Haeckelismus ohne das vorangehende Christentum der Kirche gar nicht möglich gewesen wäre. Es gibt Leute, die sind auf dem Standpunkt der Kirche zurückgeblieben, sagen wir, wie sie im Mittelalter war; die vertreten heute noch immer die Gedanken, die die Kirche im Mittelalter gehabt hat. Andere haben diese Gedanken weitergebildet. Und diejenigen, die sie weitergebildet haben, unter denen ist zum Beispiel Ernst FHaeckel. Er ist ein gerader Abkömmling der durch die verschiedenen Kirchen jahrhundertelang gepflogenen Vorstellungen. Das ist nicht außerhalb der Kirche entstanden, das ist im tieferen Sinne durchaus innerhalb der Kirchenlehren entstandene Wahrheit. Allerdings, richtig die Zusammenhänge erkennen wird man erst dann, wenn man sich ein wenig befruchtet mit geisteswissenschaftlichen Einsichten, um diese Dinge ins Auge zu fassen.
[ 7 ] Today, it is easy—even for someone considered a true follower of this or that church—to say: “Haeckelism or materialism is the work of the devil; it must be eradicated root and branch.” — That is the opposite of what can lead people into a wholesome state of mind. Yes, one can certainly speak that way, but if one sticks to this statement and does not examine the contexts that come into play, then one will be unable to arrive at anything that could be wholesome for the present, much less for the near future. For if you take up any worldview tinged with materialism and ask yourself: Where does it come from historically? — then, if you truly wish to gain insight, you will ultimately have no choice but to conclude: it stems, in essence, precisely from the way Christianity has been represented by the various denominations over the course of nineteen hundred years. The discerning observer knows that Haeckelism would not have been possible at all without the preceding Christianity of the Church. There are people who have remained stuck at the Church’s standpoint—let’s say, as it was in the Middle Ages; they still hold today the ideas that the Church held in the Middle Ages. Others have developed these ideas further. And among those who have developed them further is, for example, Ernst Haeckel. He is a direct descendant of the ideas cultivated by the various churches over the centuries. This did not arise outside the Church; in a deeper sense, it is a truth that arose entirely within the teachings of the Church. However, one can only truly recognize the connections when one draws a little inspiration from insights in the spiritual sciences in order to grasp these matters.
[ 8 ] Ich will Ihnen daher heute — obwohl vielleicht einzelne von Ihnen sagen werden, die Sache ist zu schwer, aber es darf uns nichts zu schwer sein, man soll Einsicht gewinnen —, ich möchte Ihnen heute zunächst einmal einen Punkt besonders auseinandersetzen.
[ 8 ] So today I would like to—even though some of you may say the subject is too difficult, but nothing should be too difficult for us; we must gain insight—I would like to begin by explaining one point in particular to you today.
[ 9 ] Wenn Sie heute philosophisch angehauchte Schriften gut geschulter, zum Beispiel katholischer Gelehrter lesen, da werden Sie überall mit Bezug auf einen gewissen Punkt eine ganz bestimmte Anschauung ausgebildet finden. Und man kann sagen: Sie finden diese Anschauung ausgebildet bei den allerbesten dieser katholisch geschulten Gelehrten. — Ich möchte dabei gleich bemerken, daß ich durchaus nicht geneigt bin, die formale Schulung des katholischen Klerus zum Beispiel zu unterschätzen. Ich kenne sehr gut — ich habe das auch ausgesprochen in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» — die bessere Schulung, die gerade manche katholischen Theologen haben, wenn sie philosophisch schreiben, gegenüber den Schreibereien der nicht durch die katholische Theologie gegangenen philosophischen Gelehrten zum Beispiel. In dieser Beziehung, muß man sagen, ist die gelehrte Literatur, die theologische Literatur der protestantischen, der reformierten Geistlichen weit zurück hinter der guten philosophischen Schulung der katholischen Theologen. Diese Leute haben durch ihre strenge Schulung eine gewisse Fähigkeit, ihre Begriffe wirklich plastisch auszubilden; sie haben — was zum Beispiel Menschen, die heute berühmt sind in der nichtkatholischen philosophischen Literatur, nicht einmal als Ahnung haben — eine gewisse Fähigkeit, einzusehen, was ein Begriff ist, was eine Idee ist und dergleichen, kurz, diese Leute haben eine gewisse Schulung. Man braucht nicht einmal ein Buch von Haeckel zu nehmen, man kann ein Buch von Eucken nehmen, um diese Begriffspurzelei festzustellen, diese schreckliche, bloß feuilletonistische Herumrederei über die wichtigsten Begriffe, oder man kann zum Beispiel ein Buch von Bergson nehmen, wo man immer das Gefühl hat: der fängt die Begriffe ab, ohne mit ihnen hantieren zu können, wie der bekannte Chinese, der sich umdrehen will und immer seinen Zopf abfängt. Dieses absolute Taumeln in der Begriffswelt, das bei diesen ungeschulten Leuten der Fall ist, das werden Sie nicht finden, wenn Sie sich einlassen auf die vom katholischen Klerus ausgehende philosophische Literatur, so daß in dieser Beziehung zum Beispiel ein Buch wie die dreibändige «Geschichte des Idealismus» von Otto Willmann, einem waschechten Katholiken, der auf jeder Seite seinen Katholizismus zur Schau trägt, weit höher steht als das meiste, was von nichtkatholischer Seite gerade heute auf philosophischem Gebiete geschrieben wird. Das alles kann man durchaus wissen und dennoch den Standpunkt einnehmen, den man eben als Geisteswissenschafter einnehmen muß. Inferiorität des Geistes mag auf diesem Gebiete anders entscheiden, mag zum Beispiel der Meinung sein: weil da gute Schulung ist, so ist sie überhaupt mehr wert. Nun, das mag sein; aber man kann durchaus sich auch der Objektivität befleißen, wenn man genötigt ist, einen bestimmten Gesichtspunkt im Leben einzunehmen.
[ 9 ] If you read philosophically oriented writings by well-educated scholars—Catholic scholars, for example—you will find that, with regard to a certain point, a very specific view has been developed throughout. And one can say: You will find this view developed among the very best of these Catholic-trained scholars. — I would like to note right away that I am by no means inclined to underestimate the formal training of the Catholic clergy, for example. I am well aware—and I have also stated this in my book The Riddle of Man—that certain Catholic theologians, when they write philosophically, possess a superior education compared to the writings of philosophical scholars who have not been trained in Catholic theology, for example. In this regard, it must be said that the scholarly literature—the theological literature—of Protestant and Reformed clergy lags far behind the sound philosophical training of Catholic theologians. Through their rigorous training, these people possess a certain ability to develop their concepts in a truly vivid way; they have—something that people who are famous today in non-Catholic philosophical literature, for example, do not even have the faintest inkling of—a certain ability to understand what a concept is, what an idea is, and so on; in short, these people have a certain level of training. One does not even need to pick up a book by Haeckel; one can take a book by Eucken to observe this conceptual muddle, this dreadful, purely sensationalist rambling about the most important concepts, or one can, for example, take a book by Bergson, where one always has the feeling: he grasps at the concepts without being able to handle them, like the well-known Chinese man who wants to turn around and always catches his own braid. This utter stumbling through the world of concepts, which is the case with these untrained people, you will not find if you engage with the philosophical literature emanating from the Catholic clergy; so in this regard, for example, a book like the three-volume History of Idealism by Otto Willmann—a true-blue Catholic who flaunts his Catholicism on every page—stands far above most of what is being written today in the field of philosophy by non-Catholics. One can certainly be aware of all this and still adopt the standpoint that one, as a scholar of the humanities, simply must adopt. An inferior intellect might reach a different conclusion in this area; it might, for example, hold the opinion that because there is good training there, it is inherently more valuable. Well, that may be so; but one can certainly strive for objectivity even when compelled to adopt a particular perspective in life.
[ 10 ] Ein Punkt wird Ihnen in dieser gut geschulten katholischen philosophischen Literatur immer entgegentreten, ein Punkt, der auch ungemein viel Blendendes für den heutigen Denker hat; das ist der, der immer in Betracht kommt, wenn die Leute zu sprechen kommen auf den Unterschied des Menschen vom Tiere. Nicht wahr, die gewöhnlichen Haeckel-Leser und Haeckel-Bekenner, die werden ja immer darauf ausgehen, den Unterschied des Menschen vom Tier möglichst zu verwischen, möglichst den Glauben zu erwecken, daß der Mensch im ganzen nur ein gewissermaßen höher ausgebildetes Tier ist. Das tun die katholischen Gelehrten nicht, sondern sie heben immer etwas hervor, was ihnen als radikaler Unterschied erscheint zwischen dem Menschen und dem Tiere. Sie heben hervor, daß das Tier bei der gewöhnlichen Anschauung bleibt, die es gewinnt von dem Gegenstand, den es jetzt beriecht, von dem nächsten Gegenstand, den es dann beriecht oder beschaut und so weiter; daß das Tier gewissermaßen immer nur in einzelnen individuellen Vorstellungen bleibt, während der Mensch die Fähigkeit hat, abgezogene, abstrakte Begriffe sich zu bilden, die Dinge zusammenzufassen. Das ist in der Tat ein radikaler Unterschied, weil der Mensch, wenn man die Sache so auffaßt, dadurch sich wirklich radikal vom Tier unterscheidet. Das Tier, das nur die Einzelheiten ins Auge faßt, kann nicht in sich die Geistigkeit ausbilden, weil ja die abstrakten Begriffe in der Geistigkeit leben müssen. Und dadurch muß man dazu kommen, anzuerkennen, daß im Menschen diese besondere Seele lebt, die eben die abstrakten Begriffe bildet, während das Tier mit seiner besonderen Art des Innenlebens diese abstrakten Begriffe nicht bilden kann.
[ 10 ] There is one point that will always come up in this well-developed Catholic philosophical literature—a point that also holds an immense amount of allure for today’s thinkers; it is the one that always comes into play when people begin to discuss the difference between humans and animals. Isn’t that right? The typical readers and adherents of Haeckel will always seek to blur the distinction between humans and animals as much as possible, to foster the belief that humans are, on the whole, merely a sort of more highly developed animal. Catholic scholars do not do this; rather, they always emphasize what appears to them to be a radical difference between humans and animals. They emphasize that the animal remains confined to the immediate perception it gains of the object it is currently smelling, of the next object it then smells or observes, and so on; that the animal, so to speak, always remains within individual, concrete perceptions, whereas humans have the ability to form abstract concepts and to generalize about things. This is indeed a radical difference, because, if one views the matter in this way, human beings are thereby truly and radically distinct from animals. The animal, which perceives only the details, cannot develop spirituality within itself, because abstract concepts must live within spirituality. And this leads one to acknowledge that within human beings lives this particular soul, which forms precisely these abstract concepts, whereas the animal, with its particular kind of inner life, cannot form these abstract concepts.
[ 11 ] Wer auf diesen Punkt hin die entsprechenden katholischen Auseinandersetzungen ins Auge faßt, der sagt sich: Das ist etwas ungeheuer Bedeutsames, daß durch gute philosophische Schulung auf diesen entscheidenden, radikal entscheidenden Punkt in dem Unterschied zwischen Mensch und Tier richtig hingewiesen werden kann. Die Menschen würdigen in der Gegenwart gar nicht die Tragweite einer solchen Sache. Als zum Beispiel der Rummel dazumal losgegangen war, den Drews veranstaltet hat, diese Auseinandersetzung, ob Jesus gelebt hat oder nicht, als damals in Berlin eine große Versammlung abgehalten worden ist, wo alle möglichen und unmöglichen Leute geredet haben über das Problem: Hat Jesus gelebt? — da hat auch der katholische Theologe Wasmann darüber gesprochen, und er konnte natürlich nur Dinge sagen, die die andern als sehr rückständig betrachtet haben. Aber trotzdem dazumal eigentlich die Koryphäen, namentlich der Berliner protestantischen Theologie, geredet haben, so sind mir im Grunde genommen in den damaligen Reden doch als wirklich auf einem etwas besseren Niveau — nicht auf dem Gegenwartsniveau, aber einem etwas besseren Niveau — zwei Aussprüche beziehungsweise die Unterlagen dieser Aussprüche erschienen. Das eine war eine Ausführung, die ein — ich will damit gar nichts Schlimmes sagen, sondern eigentlich den Mann loben — gelehrter Bummler allerersten Ranges dazumal losgelassen hat. Ich glaube ihn nicht besser loben zu können, als indem ich ihn einen gelehrten Bummler allerersten Ranges nenne. Der Mann hätte nämlich durch seinen Scharfsinn und durch seine eigenartigen Kenntnisse auf den verschiedensten Gebieten, durch ein großes Wissen viel leisten können. Schon damals, als ich mit ihm verkehrte — das ist achtzehn, neunzehn Jahre her —, hatte er schon seit fünfzehn Jahren, glaube ich, an einer Revision der Logik geschrieben, und ich glaube, er muß auch seither noch daran schreiben, denn diese Revision der Logik ist mir mittlerweile nicht zu Gesicht gekommen. Er hat dazumal schon gesagt, was ganz richtig ist: die Menschen seien eigentlich ganz fürchterlich in der Gegenwart, sie seien nämlich dann ganz fürchterlich, wenn sie zu denken anfangen, denn man brauche nur zwei, drei Sätze, sei es in einem wissenschaftlichen oder in einem unwissenschaftlichen Gespräch heute zu hören, um zu beobachten, wie gleich die furchtbarste Unlogik einsetzt. Das, meinte er, was die Menschen beobachten müßten, damit sie nicht in die grauslichsten Wahnvorstellungen kommen, die heute gang und gäbe sind, das ließe sich auf eine Quartseite aufschreiben, man brauche nur diese Quartseite wirklich zu berücksichtigen. Ich weiß ja nicht, ob er diese Quattseite als Revision der Logik zustande bringen will; wie gesagt, dazumal waren es schon fünfzehn Jahre, seither sind noch achtzehn, neunzehn Jahre verflossen, ich weiß nicht, wie weit er jetzt ist mit dieser Revision der Logik. Aber ich will ihn also loben, indem ich ihn einen geistreichen, geistvollen Bummelanten nenne, weil ich damit andeuten will, daß er, wenn er nicht ein geistreicher Bummelant wäre, furchtbar viel leisten könnte. Der hat dazumal etwas sehr Schönes gesagt, er hat nämlich gesagt: Ja, die katholische Kirche mußte eines Tages hören, daß die Kometen, die ja aus Kern und Schwanz bestehen, Himmelskörper wie die andern sind und nach Gesetzen sich bewegen, wie die andern Himmelskörper auch. Als nun gar nicht mehr geleugnet werden konnte, nach den Dingen, die da einmal vorlagen, daß die Kometen auch solche Himmelskörper seien wie die andern, da entschloß sich die katholische Kirche zuzugeben, daß man auf die Kometen auch die übrigen Himmelsbahngesetze anwende; aber sie gab es zunächst nur mit Bezug auf den Kern, noch nicht mit Bezug auf den Schwanz zu. — Nun, er wollte damit symbolisch nur ausdrükken, daß die katholische Kirche in der Regel nur geneigt ist, das Notwendigste zuzugeben, wie sie ja 1827 erst die kopernikanische Weltanschauung für ihre Bekenner erlaubt hat; daß sie aber selbst dann, wenn sie das Notwendigste zugeben muß, wenigstens noch den Schwanz von der Sache zurückbehält! Das ist eine Bemerkung, von der ich fand, daß sie eigentlich ganz gut die Situation charakterisierte.
[ 11 ] Anyone who considers the relevant Catholic debates in light of this point will say to themselves: It is something of immense significance that, through sound philosophical training, one can correctly point to this decisive—radically decisive—point in the distinction between humans and animals. People today do not at all appreciate the far-reaching implications of such a matter. For example, when the commotion organized by Drews broke out back then—that debate over whether Jesus lived or not—when a large gathering was held in Berlin where all sorts of people, both plausible and implausible, spoke on the question: “Did Jesus live?” — the Catholic theologian Wasmann also spoke on the subject, and of course he could only say things that the others considered very backward. But even though the leading authorities of the time—namely those in Berlin Protestant theology—were speaking, two statements, or rather the basis for those statements, struck me as being, fundamentally speaking, on a somewhat higher level—not at today’s level, but on a somewhat higher level—among the speeches of that time. One was a remark made by a—and I mean this in no derogatory sense, but rather as a compliment—scholarly idler of the very highest order at the time. I don’t think I can praise him any better than by calling him a learned idler of the very highest order. For the man could have achieved a great deal through his acumen and his unique knowledge in a wide variety of fields, through his vast learning. Even back then, when I was associating with him—that was eighteen or nineteen years ago—he had already been working on a revision of logic for fifteen years, I believe, and I suspect he must still be working on it, for I have not yet come across this revision of logic. He said back then—and quite rightly so—that people are actually quite dreadful in the present; they are, in fact, quite dreadful when they begin to think, for one need only hear two or three sentences—whether in a scientific or a nonscientific conversation today—to observe how the most appalling illogicality immediately sets in. What people need to observe, he said, in order to avoid falling into the most horrific delusions that are commonplace today, could be written down on a quarter-page; one need only truly take this quarter-page to heart. I don’t know whether he intends to use this quarter-page to bring about a revision of logic; as I said, fifteen years had already passed by then, and eighteen or nineteen more have elapsed since—I don’t know how far he’s gotten with this revision of logic. But I want to praise him by calling him a witty, spirited idler, because by doing so I mean to suggest that, if he weren’t a witty idler, he could accomplish an awful lot. He said something very beautiful back then; namely, he said: “Yes, the Catholic Church had to hear one day that comets—which, after all, consist of a nucleus and a tail—are celestial bodies like the others and move according to laws, just like the other celestial bodies.” When it could no longer be denied—based on the evidence that had come to light—that comets were celestial bodies just like the others, the Catholic Church decided to admit that the other laws of celestial motion also applied to comets; but at first it conceded this only with regard to the nucleus, not yet with regard to the tail. — Well, he simply wanted to symbolically express that the Catholic Church is, as a rule, inclined to admit only what is absolutely necessary—just as it did not permit its adherents to embrace the Copernican worldview until 1827—but that even when it must admit the bare minimum, it still holds back at least the “tail” of the matter! That’s a remark which I thought actually characterized the situation quite well.
[ 12 ] Die andere Bemerkung aber, die war getan eben gerade von dem katholischen Ameisenforscher Wasmann — er ist ein ausgezeichneter Ameisenforscher, aber er ist auch ein gut geschulter Philosoph —, der da sagte: Eigentlich, meine Herren, können Sie mich ja gar nicht verstehen, denn in Wirklichkeit wissen Sie alle nicht, wie man philosophisch denkt; derjenige, der philosophisch denkt, der redet eben nicht so wie Sie! — Und in der Tat, er hatte damit recht, es ist ganz zweifellos, daß er damit den Nagel auf den Kopf traf. Nun gibt es gerade eine kleine, nette Schrift von Wasmann über den Unterschied zwischen Mensch und Tier, welche scharf hervorhebt, was ich jetzt eben angedeutet habe: diese Fähigkeit der Menschen, wirklich in abstrakten Begriffen zu denken, die das Tier eben nicht haben soll. Das ist etwas, was außerordentlich blendend ist, weil es ja nach einer gewissen Richtung hin überzeugend ist für den, der sich nur in seinem Denken so weit geschult hat, daß er die ganze Tragkraft einer solchen Behauptung ins Auge fassen kann.
[ 12 ] The other remark, however, was made by the Catholic ant researcher Wasmann—he is an excellent ant researcher, but he is also a well-trained philosopher—who said: “Actually, gentlemen, you can’t possibly understand me, because in reality none of you know how to think philosophically; someone who thinks philosophically simply doesn’t speak the way you do!” — And indeed, he was right; there is no doubt that he hit the nail on the head. Now there happens to be a short, charming essay by Wasmann on the difference between humans and animals, which sharply highlights what I have just alluded to: this ability of humans to truly think in abstract terms, which animals are said not to possess. This is something extraordinarily dazzling, because—in a certain sense—it is convincing to those who have trained their minds to the extent that they can grasp the full significance of such a claim.
[ 13 ] Aber nun sehen wir die Sache einmal geisteswissenschaftlich an, da wird Ihnen erst die ganze Geschichte in ihrer Bedeutung vor Augen treten. Wenn wir geisteswissenschaftlich ausgehen von den Anschauungen, von den Erfahrungen, die man darüber gewinnen kann in der spirituellen Welt, dann begreift man auf der einen Seite, daß ohne die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen diese blendende Behauptung zustande kommen kann, von der ich eben gesprochen habe, daß sie auch eigentlich für jeden, der nicht Geisteswissenschafter werden will, gelten muß, gerade wenn er gut philosophisch geschult ist; das sieht man auf der einen Seite ein. Auf der andern Seite sieht man aber folgendes, man sieht es einfach, indem man die Dinge in der Welt betrachtet: Wenn man mit geisteswissenschaftlichen Voraussetzungen den Menschen mit dem Tiere vergleicht, dann zeigt sich, daß der Mensch zwar den Dingen der Welt gegenübertritt in einzelnen Beobachtungen und sich dann abstrakte Begriffe bildet durch allerlei Denkoperationen, in denen er zusammenfaßt, was er vereinzelt sieht. Man kann auch zugeben, daß das Tier diese Abstraktion nicht hat, daß das Tier diese Tätigkeit der Abstraktion nicht ausübt. Aber das Kuriose ist, daß die abstrakten Begriffe dem Tiere nicht fehlen, daß das Tier mit seiner Seele gerade in den allerabstraktesten Begriffen lebt, die wir Menschen uns mühevoll bilden, und daß das Tier die einzelne Anschauung nicht so hat wie wir. Was wir voraushaben, ist gerade, daß wir einen viel freieren Gebrauch der Sinne, eine ganz bestimmte Art von Zusammenwirken von Sinnen und inneren Emotionen und Willensimpulsen haben. Das haben wir vor dem Tier voraus. Aber die Sicherheit des Instinktes, welche die Tiere haben, die beruht gerade darauf, daß das Tier von vornherein mit solchen abstrakten Begriffen lebt, die wir uns erst bilden müssen. Worin wir uns von dem Tier u nterscheiden, das ist, daß sich unsere Sinne emanzipieren und freier werden im Gebrauch nach der Außenwelt zu, und daß wir auch in unsere Sinne den Willen hineingießen können, den das Tier nicht hineingießen kann. Aber das, was wir Menschen nicht haben, sondern uns erst erwerben müssen, die abstrakten Begriffe, die hat gerade das Tier, so sonderbar es einem erscheinen mag. Gewiß, es hat jedes Tier nur ein bestimmtes Gebiet, aber auf diesem Gebiete hat das Tier solche abstrakten Begriffe, so sonderbar es einem erscheinen mag. Der Mensch ist darauf angewiesen, einen, zwei, drei Hunde zu sehen; er bildet sich daraus den abstrakten Begriff «Hund». Das Tier hat auf diesem Gebiete, und zwar ganz genau, denselben abstrakten Begriff «Hund», den wir haben, es braucht sich ihn nicht zu bilden. Wir müssen uns ihn erst bilden, das Tier braucht das nicht. Aber das Tier hat nicht die Fähigkeit, den einen Hund von dem andern genau zu unterscheiden, genau zu individualisieren durch die Sinneswahrnehmungen.
[ 13 ] But now let us look at the matter from the perspective of spiritual science; only then will the full significance of the whole story become clear to you. If, from a spiritual scientific perspective, we start with the insights and experiences that can be gained in the spiritual world, then we come to understand, on the one hand, that without spiritual scientific considerations, the dazzling assertion I just mentioned can arise—and that it must actually apply to anyone who does not wish to become a spiritual scientist, especially if they are well-versed in philosophy; one recognizes this on the one hand. On the other hand, however, one sees the following—one sees it simply by observing things in the world: When one compares human beings with animals from the perspective of spiritual science, it becomes apparent that while human beings do indeed encounter the things of the world through individual observations and then form abstract concepts through various mental operations in which they synthesize what they see in isolation, One can also admit that animals do not possess this capacity for abstraction, that they do not engage in this activity of abstraction. But the curious thing is that animals do not lack abstract concepts; rather, with their souls, they live precisely within the most abstract concepts that we humans laboriously form, and animals do not perceive individual phenomena in the same way we do. What gives us an advantage is precisely that we have a much freer use of the senses, a very specific kind of interaction between the senses, inner emotions, and impulses of the will. This is what sets us apart from animals. But the certainty of instinct that animals possess rests precisely on the fact that animals live from the outset with such abstract concepts, which we must first form for ourselves. What distinguishes us from animals is that our senses emancipate themselves and become freer in their engagement with the external world, and that we can also infuse our senses with the will, which animals cannot do. But what we humans do not possess—and must first acquire—namely, abstract concepts—is precisely what animals possess, however strange that may seem to us. Certainly, every animal has only a specific domain, but within that domain, the animal possesses such abstract concepts, however strange that may seem to us. Humans must see one, two, or three dogs; from this, they form the abstract concept of “dog.” In this regard, the animal possesses—and quite precisely—the same abstract concept of “dog” that we have; it does not need to form it for itself. We must first form it for ourselves; the animal does not need to do so. But the animal lacks the ability to precisely distinguish one dog from another, to precisely individualize them through sensory perceptions.
[ 14 ] Wenn wir uns nicht die Fähigkeit erwerben, durch Geisteswissenschaft auf den wahren Tatbestand der Wirklichkeit einzugehen, so täuschen wir uns in einer gewissen Beziehung über das Allerwesentlichste. Wir glauben, weil wir Menschen die Fähigkeit entwickeln müssen, abstrakte Begriffe zu bilden, so unterscheiden wir uns durch die abstrakten Begriffe vom Tiere, das diese Fähigkeit nicht besitzt. Aber das Tier braucht diese Fähigkeit gar nicht, weil es die abstrakten Begriffe von vornherein hat. Das Tier hat eine ganz andere Art von Sinnesanschauung als wir Menschen. Gerade die äußere Sinnesanschauung ist ganz verschieden.
[ 14 ] If we do not acquire the ability, through spiritual science, to grasp the true nature of reality, we are, in a certain sense, deceiving ourselves about what is most essential. We believe that because we humans must develop the ability to form abstract concepts, we are distinguished from animals—which lack this ability—by these abstract concepts. But animals do not need this ability at all, because they possess abstract concepts from the very beginning. Animals have a completely different kind of sensory perception than we humans do. Their external sensory perception, in particular, is entirely different.
[ 15 ] In dieser Beziehung ist sogar eine sehr tief eingreifende Umwandlung in den menschlichen Vorstellungen notwendig. Denn über allerlei naturwissenschaftliche Begriffe, die heute schon populär geworden sind, haben sich ja die Menschen unterrichtet. Entweder haben sie sie in einer gewissen Schule, durch direkten Unterricht lernen können, oder sie haben sich unterrichtet durch jenes Abwaschwasser — ich wollte sagen durch jene Zeitungslektüre —, womit heute die naturwissenschaftlichen Vorstellungen in alle Welt hinausströmen. Aber die Menschen sind beherrscht von diesen naturwissenschaftlichen Vorstellungen. Mit Bezug auf das, was ich Ihnen eben angedeutet habe, da sind die Menschen ganz tief beherrscht von einem, fast könnte man sagen, instinktiven Hang zu glauben, daß das Tier wirklich in der Umgebung dasselbe sieht wie der Mensch. Wenn er mit seinem Hunde spazieren geht, so hat er den instinktiven Glauben, daß der Hund die Welt so sieht, wie er sie sieht, daß er ebenso das Gras farbig, den Weizen gefärbt, die Steine gefärbt sieht, wie er selber. Und dann hat er, wenn er einigermaßen denken kann, auch noch den Glauben: er selber kann abstrahieren und hat daher abstrakte Begriffe, sein Hund aber abstrahiert nicht und so weiter. Und dennoch ist es nicht so. Dieser Hund, der neben uns geht, lebt geradeso in den abstrakten Begriffen wie wir. Ja, er lebt sogar intensiver darinnen als wir. Er braucht sie auch gar nicht zu erwerben, sondern er lebt vom Anfange an intensiv darinnen. Aber die äußere Anschauung hat er nicht so, die gibt ihm ein ganz anderes Bild. Sie brauchen nur aufmerksam zu sein auf gewisse Beobachtungen, die man im Leben machen kann. Allerdings, man nimmt die Dinge nicht immer ernst genug. Ich könnte Ihnen eine ganze Anzahl von Beispielen anführen, aus denen Ihnen hervorgehen würde, wie der Mensch rein instinktiv in dieser Richtung verkehrt denkt. Zum Beispiel ging ich einmal, es war in Zürich, glaube ich, von einem Vortrag, der an einem Zweigabend gehalten worden war, auf die Straße. Da wartete ein Kutscher, und das Pferd wollte nicht recht gehen, machte Miene, ein bißchen zu scheuen. Da sagte der Kutscher: Das fürchtet sich vor seinem Schatten. — Er sah natürlich den Schatten des Pferdes, den die Laterne auf die Wand warf, und deshalb setzte er voraus, daß das Pferd ganz genau ebenso diesen Schatten sehe wie er. Er hatte natürlich keine Ahnung davon, was, wenn ich sagen darf, in der Seele des Pferdes und was in seiner Seele vorgeht. Er sieht den Schatten des Pferdes, aber das Pferd hat ein lebendiges Gefühl vom Sein in jenem Raumteil des Ätherleibes, wo sich der Schatten bildet. Das ist ein ganz anderer Vorgang, in bezug auf die innere Anschauung ein ganz anderer Vorgang.
[ 15 ] In this regard, a very profound transformation in human thinking is necessary. For people have already become familiar with all sorts of scientific concepts that have become popular today. Either they have learned them in school through direct instruction, or they have acquired them through that “dishwater”—I meant to say, through reading newspapers—by which scientific ideas are now flooding out into the whole world. But people are dominated by these scientific ideas. With regard to what I have just hinted at, people are deeply dominated by what one might almost call an instinctive tendency to believe that animals really see the same things in their surroundings as humans do. When he goes for a walk with his dog, he has the instinctive belief that the dog sees the world just as he does, that the dog sees the grass, the wheat, and the stones in color just as he does. And then, if he is capable of thinking to any degree, he also holds the belief that he himself can think abstractly and therefore has abstract concepts, whereas his dog does not think abstractly, and so on. And yet this is not the case. This dog walking beside us lives just as much in abstract concepts as we do. Yes, he even lives more intensely within them than we do. He doesn’t even need to acquire them; rather, he lives intensely within them from the very beginning. But he doesn’t perceive the external world in the same way—it presents him with a completely different picture. You need only pay close attention to certain observations that can be made in life. Admittedly, people don’t always take these things seriously enough. I could give you a whole number of examples that would show you how people, purely instinctively, think incorrectly in this regard. For example, I was once walking—it was in Zurich, I believe—out onto the street after a lecture that had been held at a branch meeting. A coachman was waiting there, and the horse wouldn’t quite move; it seemed a little skittish. Then the coachman said, “It’s afraid of its own shadow.”—He naturally saw the horse’s shadow, which the streetlight cast onto the wall, and therefore assumed that the horse saw this shadow exactly as he did. He naturally had no idea of what, if I may say so, is going on in the horse’s soul and what is happening within it. He sees the horse’s shadow, but the horse has a living sense of its existence in that part of the etheric body where the shadow is formed. This is an entirely different process—an entirely different process in terms of inner perception.
[ 16 ] Da haben Sie das Aufeinanderprallen der bisherigen Denkweise bis in die elementarsten, instinktivsten Anschauungen naiver Menschen hinein mit dem, was geisteswissenschaftlich neu in die Menschen hineinkommen muß. Sie werden allerdings erst mit allem Ernste würdigen müssen, was hier eigentlich zugrunde liegt. Denn mit Bezug auf solche Dinge unterscheidet sich der ärgste Materialismus eines Vog/ oder Moleschoft oder Clifford oder Spencer und so weiter viel weniger von dem hergebrachten Bekenntnisbegriffe der einzelnen Konfessionen, als sich dasjenige unterscheidet, was als eine neue Denkweise der Geisteswissenschaft zugrunde liegend von diesen Bekenntnissen sich unterscheiden muß. Denn eigentlich denken gewisse Materialisten doch heute: Der Mensch unterscheidet sich nicht sehr vom Tiere. Sie haben auch einmal etwas davon läuten gehört, wenn auch nicht die Glocken zusammenschlagen vernommen, daß der Mensch sich abstrakte Begriffe machen kann, die doch etwas anderes sind als die gewöhnlichen bloß sinnlichen Vorstellungen; aber sie sagen sich: Abstrakte Begriffe, das ist vielleicht doch nicht so etwas Wichtiges, so etwas Wesentliches, also im Grunde genommen unterscheidet sich der Mensch nicht von dem Tiere. — Der gesamte Materialismus der Gegenwart ist eigentlich eine Schöpfung der Kirchenbekenntnisse. Das muß man nur wirklich ganz ernsthaftig ins Auge fassen, dann wird man sehen, daß eine Erneuerung der Vorstellungsart der Menschenseelen hier in Betracht kommt, wenn man nicht dabei stehenbleiben will: Nun wiederum zurück zu den alten Vorstellungen, dann wird es schon gut gehen!
[ 16 ] Here you have the clash between the existing way of thinking—extending even into the most elementary, instinctive views of naive people—and what must now enter into people’s consciousness through the humanities. You will, however, first have to take seriously what actually underlies this. For with regard to such matters, the most extreme materialism of a Vog, Moleschoft, Clifford, Spencer, and so on differs far less from the traditional doctrinal concepts of the various denominations than does that which, as a new way of thinking grounded in the humanities, must differ from these doctrines. For in truth, certain materialists today do think: Human beings do not differ greatly from animals. They, too, have once heard a hint of this—even if they have not heard the bells ringing in unison—that human beings can form abstract concepts, which are, after all, something other than the ordinary, merely sensory perceptions; but they tell themselves: Abstract concepts—perhaps that is not such an important thing, such an essential thing; so, fundamentally speaking, human beings do not differ from animals. — All of contemporary materialism is actually a creation of the church creeds. One need only consider this very seriously to see that a renewal of the way human souls conceive things is at stake here; if one does not want to stop there and say, “Now, back to the old ideas—then everything will be fine!”
[ 17 ] Man kann aber nicht etwa sagen, daß die Menschen es einfach unterlassen könnten, sich nun zu wirklichem Geistesleben hinzuwenden, und es auch so weitergehen könnte! Nein, diejenigen haben schon recht, die da sagen, «...daß ein furchtbares Schicksal der weiBen Menschheit winkt, scheint mir unter allen Umständen gewiß, es sei denn, daß eine Periode supremer Weisheitsherrschaft sehr bald die der Leidenschaft und Wahnvorstellungen ablöst». Nur sollten solche Leute auch einsehen, daß zu den Wahnvotrstellungen der größte Teil der wissenschaftlichen Vorstellungen über die Welt heute gehört. Das sollte eben durchaus eingesehen werden. Die Menschheit ist in ihrer Entwickelungsströmung an dem Punkt angekommen, den wir oftmals dadurch charakterisieren, daß wir sagen: Seit dem 15. Jahrhundert ist die Menschheit im Zeitalter der Bewußtseinsseele. Und diese Entwickelung der Bewußtseinsseele findet so statt, wie ich es eben öfter charakterisiert habe. Sehen wir einmal auf ein sehr wichtiges Charakteristikon mit Bezug auf die Entwickelung der Bewußtseinsseele hin.
[ 17 ] But one cannot simply say that people could just refrain from turning toward a true spiritual life, and that things could just go on as they are! No, those who say, “...that a terrible fate awaits white humanity seems to me certain under all circumstances, unless a period of supreme wisdom very soon replaces that of passion and delusions,” are indeed correct. But such people should also realize that the vast majority of scientific conceptions about the world today belong to the realm of delusions. This is something that must be fully understood. Humanity, in the course of its development, has reached the point that we often characterize by saying: Since the 15th century, humanity has been in the age of the consciousness soul. And this development of the consciousness soul takes place in the way I have just described on several occasions. Let us now consider a very important characteristic feature in relation to the development of the consciousness soul.
[ 18 ] Ich habe Ihnen schon das letzte Mal angedeutet: Alles was der Geistesforscher erkennt, das heißt ins Bewußtsein heraufhebt gerade von solchen Dingen, die in der Entwickelung der Menschheit liegen, das geht, auch wenn es nicht erkannt wird, bei den Menschen im Unterbewußtsein vor sich. Die Menschheit geht einmal, indem sie nach der Zukunft hin sich entwickelt, durch gewisse Erfahrungen hindurch. Sie geht unbewußt durch diese Erfahrungen hindurch, wenn sie es nicht vorzieht, sie ins Bewußtsein heraufzubringen, was eben im Zeitalter der Bewußtseinsseelenentwickelung geschehen sollte. Aber gerade in diesem Zeitalter der Bewußtseinsseelenentwikkelung wird heute noch manches, was an den Menschen im Unterbewußtsein herantritt, zurückgestoßen.
[ 18 ] I already hinted at this last time: Everything that the spiritual researcher recognizes—that is, brings into consciousness—precisely from those aspects that lie within the development of humanity, is taking place in people’s subconscious, even if it is not recognized. As humanity develops toward the future, it passes through certain experiences. It passes through these experiences unconsciously unless it chooses to bring them into consciousness—which is precisely what should happen in the age of the development of the consciousness soul. But precisely in this age of the development of the conscious soul, many things that approach human beings in the subconscious are still being rejected today.
[ 19 ] Unter anderem tritt mehr und mehr ein gewisser Teil desjenigen Erlebnisses an den Menschen heran, das man nennen kann die Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle». Gewiß, will man wirklich in die geistige Welt vollbewußt eintreten, Imaginationen, Inspirationen, Intuitionen entwickeln, so muß man in viel höherem Maße mit reichlicheren Erfahrungen, mit ganz andern Erfahrungen noch eintreten in das Gebiet der übersinnlichen Welt. Man muß gründlicher — wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf — beim Hüter der Schwelle vorbeischreiten, als die ganze Menschheit im Laufe des Zeitalters der Bewußtseinsseele dies tun muß. Aber in einem gewissen Grade muß der Mensch einfach bis zum Ende der Bewußtseinsseelenentwickelung an dem Hüter der Schwelle vorbeigeschritten sein. Er kann nun die Bequemlichkeit haben, dieses Vorbeischreiten ganz im Unterbewußtsein zu lassen. Daß dies aber nicht geschehe, dazu ist gerade Geisteswissenschaft da. Sie soll darauf aufmerksam machen, daß das eben jetzt zu den Geschehnissen gehört, die sich in der Menschheitsentwickelung vollziehen. Und derjenige, der heute die Leute abhält von Geisteswissenschaft, will eigentlich nichts Geringeres, als die Menschen zwingen, nicht bewußt, sondern unbewußt am Hüter der Schwelle vorbeizukommen, der eben einfach in diesem Zeitalter in den Horizont der Menschen hereintritt.
[ 19 ] Among other things, a certain aspect of that experience—which can be called the encounter with the “Keeper of the Threshold”—is increasingly coming to the fore for people. Certainly, if one truly wishes to enter the spiritual world with full consciousness and to develop imaginations, inspirations, and intuitions, one must enter the realm of the supersensible world to a much greater degree and with far richer—indeed, entirely different—experiences. One must pass by the Keeper of the Threshold more thoroughly—if I may use that expression—than all of humanity must do so in the course of the Age of the Consciousness Soul. But to a certain degree, a person must simply have passed by the Keeper of the Threshold by the end of the development of the Consciousness Soul. They may now have the luxury of allowing this passing to take place entirely in the subconscious. But spiritual science exists precisely to ensure that this does not happen. It is meant to draw attention to the fact that this is precisely one of the events currently unfolding in human evolution. And anyone who discourages people from studying spiritual science today actually wants nothing less than to force people to pass the Guardian of the Threshold—not consciously, but unconsciously—as the Guardian simply enters the horizon of human consciousness in this very age.
[ 20 ] Mit andern Worten: die Menschheit muß in den 2160 Jahren, welche das Zeitalter der Bewußtseinsseelenentwickelung dauert, von 1413 an ungefähr, in irgendeiner Inkarnation an dem Hüter der Schwelle vorbeikommen und teilweise die Erlebnisse, die man bei dem Hüter der Schwelle haben kann, erleben. Der Mensch kann sich von materialistisch gesinnten Menschen zwingen lassen, unbewußt vorbeizugehen; oder er kann in Freiheit ergreifen den Entschluß, auf Geisteswissenschaft aufmerksam zu sein und, sei es durch Selbstschau, sei es durch den gesunden Menschenverstand, etwas über dieses Vorbeigehen an dem Hüter der Schwelle zu vernehmen. Und bei diesem Vorbeigehen an dem Hüter der Schwelle wird eben das vernommen, was den Menschen befähigt, sich richtige, zutreffende Vorstellungen zu bilden über die konkrete übersinnliche Welt, Vorstellungen zunächst, welche in der Lage sind, vor allen Dingen das Vorstellen selbst, das Denken, in eine gewisse freie, unbefangene, wirklichkeitsfreundliche Richtung zu bringen.
[ 20 ] In other words: during the 2,160 years that the age of the development of the souls of consciousness lasts—beginning approximately in 1413—humanity must, in some incarnation, pass by the Keeper of the Threshold and partially experience the events that one can encounter with the Keeper of the Threshold. A person may allow themselves to be compelled by materialistically minded people to pass by unconsciously; or they may freely resolve to be attentive to spiritual science and, whether through self-observation or through common sense, learn something about this passing by the Guardian of the Threshold. And in this passing by the Guardian of the Threshold, one perceives precisely what enables a person to form correct, accurate conceptions of the concrete supersensible world—conceptions that are initially capable, above all, of steering the act of imagining itself, that is, thinking, in a certain free, unbiased, and reality-affirming direction.
[ 21 ] Das habe ich ja oftmals als die größte Errungenschaft der Geisteswissenschaft bezeichnet, daß das Denken wirklichkeitsfreundlicher wird, daß es wirklich eingehen kann auf die Impulse, die in dem Geschehen liegen, und nicht bloß in abstrahierter Weise wie die Naturwissenschaft äußerlich etwas über die Vorgänge weiß. Gewisse Dinge der geistigen Welt zu wissen, das ist es, was den Menschen notwendig wird. Dadurch muß der Mensch in die Lage versetzt werden, seine Stellung in der Welt vom Gesichtspunkte eines geistigen Horizontes aus beurteilen zu lernen, während er heute seine Stellung in der Welt nur vom Standpunkte des sinnlichen Horizontes aus zu beurteilen vermag. Sie beurteilen schon etwas neu und richtig, wenn Sie zum Beispiel einen solchen Gedanken fruchtbar in sich machen, daß die Tiere nicht etwa keine abstrakten Vorstellungen haben, sondern daß sie gerade in den abstraktesten Vorstellungen leben, und daß der Mensch sich vom Tier unterscheidet durch eine gewisse Ausbildung seiner Sinne, die sich emanzipieren von dem engen Zusammenhang mit dem Körperleben. Dadurch kommen Sie eigentlich erst zu zutreffenden Vorstellungen über den Unterschied des Menschen von dem Tier. Äußerlich drückt sich das so aus, daß die Organisation der Sinne bei den Tieren in einem sehr ausgesprochenen Lebenszusammenhang steht mit der gesamten Organisation des Leibes. Die Organisation des Leibes erstreckt sich beim Tier sehr bedeutsam noch in den Sinn hinein.
[ 21 ] I have often described this as the greatest achievement of the humanities: that thinking becomes more attuned to reality, that it can truly respond to the impulses inherent in events, rather than merely knowing something about these processes in an abstract, external way, as the natural sciences do. To know certain things about the spiritual world—that is what becomes necessary for human beings. This must enable people to learn to assess their place in the world from the perspective of a spiritual horizon, whereas today they are able to assess their place in the world only from the standpoint of the sensory horizon. You are already assessing things in a new and correct way when, for example, you allow a thought such as this to take root within you: that animals do not lack abstract concepts, but rather that they live precisely within the most abstract concepts, and that human beings differ from animals through a certain development of their senses, which emancipate themselves from their close connection to physical life. It is only through this that you actually arrive at accurate conceptions of the difference between human beings and animals. Externally, this is expressed in the fact that the organization of the senses in animals is in a very pronounced vital connection with the entire organization of the body. In animals, the organization of the body extends very significantly into the senses as well.
[ 22 ] Nehmen Sie das Auge. Es ist den Naturwissenschaftern durchaus bekannt, daß Augen niederer Tiere Organe in sich haben, zum Beispiel den Fächer oder den Schwertfortsatz, welche bluterfüllt sind, welche lebendig einen Zusammenhang zwischen dem Augeninneren und der ganzen Organisation herstellen, während das menschliche Auge diese Organisation nicht hat, sondern viel selbständiger ist. Dieses Selbständigerwerden der Sinne, dieses Emanzipieren der Sinne von der Gesamtorganisation, das ist etwas, was erst beim Menschen eintritt. Dadurch aber ist beim Menschen die ganze Welt der Sinne viel mehr im Zusammenhang mit dem Willen als beim Tier. Ich habe das einmal morphologisch anders ausgedrückt. Ich habe Sie von einem andern Gesichtspunkte aus auf dieselbe Sache aufmerksam gemacht, indem ich sagte: Wenn Sie den dreigliedrigen Organismus nehmen, Extremitätenorgane, Brust, Kopf, so ist das, wenn ich schematisch zeichne, beim Tier so: dies der Kopforganismus (Zeichnung links,S.32), dies der Brustorganismus, dies der Extremitätenorganismus. Der Kopf steht unmittelbar über der Erde. Die Erde ist unter dem Kopforganismus — natürlich approximativ, aber dem Wesen nach — bei allen Tieren. Das Rückgrat steht senkrecht auf der Erdachse oder dem Erdradius. Beim Menschen ist es so, daß sein Kopf auf seinem eigenen Brustorganismus und Extremitätenorganismus steht. Beim Menschen ist der Brustorganismus so unter dem Hauptesorganismus, wie beim Tier die Erde unter dem Hauptesorganismus ist. Der Mensch steht mit dem Kopf auf seiner eigenen Erde. Dadurch ist beim Tiere eine Auseinanderhaltung vorhanden zwischen dem Willensorganismus, namentlich dem Extremitätenorganismus, den rückwärtigen Extremitäten, und dem Haupte. Beim Menschen ist unmittelbar der Wille, der Willensorganismus in den Kopforganismus eingeschaltet und das Ganze im Erdradius. Dadurch werden die Sinne gewissermaßen durchflossen von dem Willen, und das ist das Charakteristische beim Menschen. Dadurch unterscheidet er sich in Wirklichkeit von dem Tiere, daß die Sinne von dem Willen durchflossen werden. Beim Tiere werden die Sinne nicht vom Willen, sondern von einem tieferen Elemente durchflossen; daher auch der innigere Zusammenhang der Organisation der Sinne mit dem Gesamtorganismus. Der Mensch lebt viel mehr in der Außenwelt, das Tier lebt viel mehr in seiner eigenen inneren Welt. Indem der Mensch sich seiner sinnlichen Werkzeuge bedient, lebt er viel mehr in der Außenwelt.
[ 22 ] Take the eye, for example. It is well known to natural scientists that the eyes of lower animals contain organs—such as the fan or the sword-like process—that are filled with blood and establish a living connection between the interior of the eye and the entire organism, whereas the human eye lacks this structure and is much more independent. This increasing independence of the senses, this emancipation of the senses from the overall organism—this is something that occurs only in human beings. As a result, however, the entire sensory world in human beings is much more closely connected to the will than in animals. I once expressed this differently from a morphological perspective. I drew your attention to the same thing from a different perspective by saying: If you take the threefold organism—limb organs, chest, head—then, if I draw a schematic diagram, it looks like this in animals: this is the head organism (drawing on the left, p. 32), this is the chest organism, and this is the limb organism. The head stands directly above the earth. The earth lies beneath the head organism—approximately, of course, but essentially—in all animals. The spine stands perpendicular to the earth’s axis or radius. In humans, the head rests upon their own chest organism and limb organism. In humans, the thoracic organism is situated beneath the head organism in the same way that, in animals, the earth is situated beneath the head organism. The human stands with the head resting on its own earth. Consequently, in animals there is a separation between the will organism—namely, the limb organism, the hind limbs—and the head. In humans, the will—the will organism—is directly integrated into the head organism, and the whole is situated within the earth’s radius. As a result, the senses are, so to speak, permeated by the will, and this is what characterizes human beings. This is what truly distinguishes humans from animals: that the senses are permeated by the will. In animals, the senses are permeated not by the will but by a deeper element; hence the more intimate connection between the organization of the senses and the organism as a whole. Human beings live much more in the external world, while animals live much more in their own inner world. By making use of their sensory faculties, human beings live much more in the external world.
[ 23 ] Nun bedenken Sie, jetzt leben wir im Zeitalter der Bewußtseinsseele. Was bedeutet das? Das bedeutet, wie ich Ihnen jetzt einige Male ausgeführt habe, daß wir gerade vorrücken dazu, daß im Bewußtsein nur die Spiegelung, nur Spiegelbilder vorhanden sind, da das Zeitalter der Bewußtseinsseele auch das Zeitalter des Intellektualismus ist. Das Abstraktionsvermögen so rein als eine Kunst auszubilden, das tut man eigentlich erst im Zeitalter des Intellektualismus. In diesem Zeitalter des Intellektualismus und Materialismus, da bildete man die abstraktesten Begriffe aus.
[ 23 ] Now consider this: we are currently living in the age of the conscious soul. What does that mean? It means, as I have explained to you several times now, that we are currently moving toward a state in which only reflections, only mirror images, exist in consciousness, since the age of the conscious soul is also the age of intellectualism. It is only in the age of intellectualism that one actually cultivates the capacity for abstraction as a pure art form. In this age of intellectualism and materialism, the most abstract concepts were developed.
[ 24 ] Nun können wir uns zwei Leute denken; der eine ist ein gut geschulter Philosoph, so gut geschult, wie es katholische Theologen sind. Dieser eine müßte eigentlich von seinem Gesichtspunkte aus etwas sagen, was er aber nicht sagen wird, weil er die Bescherung sieht, daß aus der jahrhundertealten Entwickelung des Christentums sich der Materialismus herausentwickelt hat, und das ist ihm unangenehm; aber er müßte eigentlich sagen: Dieser Mensch im Zeitalter der Bewußtseinsseele kann am besten abstrakte Begriffe bilden, er hat sich also am meisten über das Tier erhoben.
[ 24 ] Now let’s imagine two people; one is a well-trained philosopher, as well-trained as Catholic theologians are. From his point of view, this person would actually have to say something, but he will not say it because he sees the reality that materialism has emerged from the centuries-long development of Christianity, and that is unpleasant to him; but he would actually have to say: “This human being in the age of the consciousness soul is best able to form abstract concepts; he has therefore risen highest above the animal.”
[ 25 ] Es kann aber auch der Geisteswissenschafter kommen und sagen: In diesem Zeitalter der Bewußtseinsseelenentwickelung ist das Charakteristische für den Menschen gerade das, daß er die Fähigkeit, abstrakte Begriffe auszubilden, ganz besonders stark entwickeln kann. Wohin kommt er dadurch ? Er kommt gerade dadurch in die Tierheit zurück! Und das erklärt ungeheuer vieles. Das erklärt Ihnen, warum auch der Hang des Menschen, sich möglichst dem Tiere zu nähern, gerade dadurch entsteht, daß man in die Abstraktionen der Begriffe hineinkommt. Das erklärt Ihnen aber auch etwas, was vielfach in der Lebenspraxis und Lebensführung heute auftritt. Die Wissenschaften werden immer abstrakter und abstrakter, und im sozialen Leben kommt der Mensch immer mehr dazu, so leben zu wollen, wie eigentlich das liebe Vieh lebt, nämlich nur für die alleralltäglichsten Hungerund sonstigen Bedürfnisse zu sorgen. Den inneren Zusammenhang zwischen Abstraktionsvermögen und Tierheit, den zeigt die Geisteswissenschaft auf. Diesen inneren Zusammenhang, den macht der Mensch unter allen Umständen als Erlebnis im Zeitalter der Bewußtseinsseelenentwickelung durch. Wird er gehindert in der vorher charakterisierten Weise, so macht er ihn unbewußt durch. Es machen zahlreiche Menschen das durch, was in den Tiefen ihrer Seelen ihnen sagt: Du wirst ja dem Tiere immer ähnlicher; gerade indem du vorwärtskommst, wirst du immer mehr dem Tiere ähnlich. — Das ist der Schreck, den die Menschen bekommen vor dem Vorschreiten auf der Bahn. Das ist es auch, was die Menschen veranlaßt, so gerne bei alten Begriffen konservativ zu verweilen.
[ 25 ] But a scholar of the humanities might also come along and say: In this age of the development of the conscious soul, what is characteristic of human beings is precisely that they can develop the ability to form abstract concepts to a particularly high degree. Where does this lead him? It leads him right back into animality! And that explains an awful lot. It explains why the human tendency to draw as close as possible to the animal realm arises precisely from delving into abstract concepts. But it also explains something that occurs frequently in everyday life and conduct today. The sciences are becoming more and more abstract, and in social life, people are increasingly inclined to want to live as our beloved animals do—namely, to concern themselves only with the most mundane needs, such as hunger and other basic necessities. Spiritual science reveals the inner connection between the capacity for abstraction and animality. Human beings experience this inner connection under all circumstances during the age of the development of the conscious soul. If they are hindered in the manner described above, they experience it unconsciously. Numerous people experience what a voice in the depths of their souls tells them: “You are becoming more and more like an animal; precisely as you progress, you become more and more like an animal.” — This is the fear that people feel when advancing along the path. This is also what causes people to be so eager to cling conservatively to old concepts.
[ 26 ] Darf das sein? Darf dieses unbewußte Sichtbarwerden der Tierheit am Hüter der Schwelle die Menschen abhalten vom Vorwärtsschtreiten? Nein, das darf nicht geschehen; aber ein anderes muß eintreten. Indem man zurückschreitet im scheinbaren Vorwärtsschreiten, muß das Zurückschreiten so geschehen, daß es nicht, wie es unbedingt sein würde, wenn man nur das Abstraktionsvermögen ausbilden würde, einfach stattfindet so hin und her: da würde man bei früheren Stufen der Menschheitsentwickelung ankommen, ja, man käme überhaupt bei der Vertierung an. Nein, zurückgeschritten muß werden, aber so, hin und her (Zeichnung rechts, S. 32), daß eine Erhöhung stattfindet, und diese Erhöhung muß in das Geistige hineinführen.
[ 26 ] Is this permissible? Can this unconscious manifestation of animality in the Guardian of the Threshold prevent people from pressing forward? No, that must not happen; but something else must take its place. While taking a step back in the midst of apparent forward progress, this retreat must occur in such a way that it does not—as would inevitably be the case if one were to develop only the capacity for abstraction—simply oscillate back and forth: for then one would arrive at earlier stages of human development; indeed, one would end up at the level of the animal kingdom altogether. No, one must step backward, but in such a way—back and forth (drawing on the right, p. 32)—that an elevation takes place, and this elevation must lead into the spiritual realm.
[ 27 ] Dasjenige, was wir verlieren, indem wir in die Abstraktion hineinschreiten, das müssen wir dadurch paralysieren, daß wir unsere abstrakten Spiegelbilder mit Geistigem ausfüllen, daß wir das Geistige aufnehmen in die Abstraktion hinein. Dadurch kommen wir vorwärts. Der Mensch ist vor dem Hüter der Schwelle, sei es bewußt oder unbewußt, vor die furchtbare Entscheidung gestellt: entweder durch die abstrakten Begriffe nur «tierischer als das Tier» zu werden und «in jeden Quark seine Nase zu begraben», um mit Goethes «Faust» zu sprechen, oder aber in dem Augenblicke, wo er in die Abstraktion eintritt, in diese abstrakten Begriffe dasjenige hineinzugießen, was aus geistigen Welten herausströmt, so wie wir das in diesen Tagen charakterisiert haben. Dann beginnt der Mensch seine Stellung innerhalb der Welt erst richtig zu würdigen, denn dann faßt er sich auf als in der Entwickelung begriffen, dann weiß er, warum ihm in einem bestimmten Punkte dieser Entwickelung die Gefahr droht, herunterzusinken in die Tierheit gerade durch die Abstraktionen. Als der Mensch auf der Tierstufe stand in primitiven Kulturperioden, da unterschied er sich durch seine Sinne von den Tieren, nicht durch seine abstrakten Begriffe. Die abstrakten Begriffe hatten die Tiere besser. Er kann diese abstrakten Begriffe erst heute zur Not entwickeln. Die Tiere haben sie viel besser. Ich habe es einmal ausgeführt durch ein anderes Beispiel, indem ich Ihnen sagte: Wie lang ist es denn her, daß in der geschichtlichen Entwickelung der Mensch versucht hat, Papier zu machen? Die Wespe macht ihr Nest aus Papier, die kann es seit Jahrmillionen! Und sehen Sie sich an, was aber in wirkendem, waltendem Verstand an Klugheit, an Intellektualität, an Abstraktionsvermögen durch die Tiere zutage tritt, wenn auch durch die verschiedenen Tiere in einseitiger Weise. Man nennt es törichterweise Instinkt. Aber wenn man die Sache durchschaut, so weiß man: Die weitaus wenigsten Menschen sind heute mit dem, was sie an Abstraktionsvermögen haben, so weit, daß sie etwa über die Einseitigkeiten der heutigen Tierklassen mit dem, was sie aus ihrem Abstraktionsvermögen bereiten, hinaus wären.
[ 27 ] What we lose as we step into abstraction, we must counteract by filling our abstract reflections with the spiritual, by incorporating the spiritual into abstraction. This is how we move forward. Before the Guardian of the Threshold, whether consciously or unconsciously, human beings are faced with a terrible decision: either to become, through abstract concepts, merely “more animal than the animal” and to “bury one’s nose in every bit of nonsense,” to quote Goethe’s Faust, or, at the very moment one enters into abstraction, to pour into these abstract concepts that which flows forth from spiritual worlds, just as we have characterized it in recent days. Only then does humanity truly begin to appreciate its place within the world, for only then does it recognize itself as being in the process of development; only then does it understand why, at a certain point in this development, it faces the danger of sinking into animality precisely through abstractions. When humanity stood at the animal level during primitive cultural periods, it distinguished itself from animals through its senses, not through its abstract concepts. The animals were better at abstract concepts. Only today can humans develop these abstract concepts when necessary. The animals are much better at them. I once illustrated this with another example when I asked you: How long has it been since, in the course of historical development, humans first attempted to make paper? The wasp builds its nest out of paper—it has been able to do so for millions of years! And just look at the wisdom, intellectuality, and capacity for abstraction that animals reveal through their active, governing intellect—even if this manifests in a one-sided way among different species. People foolishly call it instinct. But if one sees through this, one knows: By far the fewest people today have developed their capacity for abstraction to the point where they could transcend the one-sidedness of today’s animal classes through what they create with that capacity.
[ 28 ] Vor diese wichtige Entscheidung also ist der Mensch gestellt: entweder zur Tierheit zurückzukehren in sehr starkem Maße, tierischer als jedes Tier zu sein, um den mephistophelischen Ausdruck im «Faust» zu gebrauchen — Ahriman-Mephistopheles möchte ja das im Menschen, mit dem Menschen erreichen —, oder aber das Spirituelle aufzunehmen.
[ 28 ] Human beings are thus faced with this important decision: either to return to animality to a very great degree, to be more animal than any animal, to use the Mephistophelean expression from Faust—for Ahriman-Mephistopheles would like to achieve this in human beings, through human beings—or to embrace the spiritual.
[ 29 ] Es ist schon eine gewisse Intensität des Vorstellens notwendig, wenn man heute wissen will, was eigentlich im Werdegang der Zeit, in den zeitlichen Notwendigkeiten den Menschen vorgezeichnet ist. Da muß man schon sehr, sehr tief hineinschürfen in das Weltenwerden, da muß man es auch nicht scheuen, sich durch geisteswissenschaftliche Begriffe vorzubereiten für die schwierigeren und die Wirklichkeit tragenden Begriffe. Denn natürlich, wenn einer so etwas, wie ich es heute gesagt habe, das erste Mal hört, wird er sagen: Das ist ja die reine Verrücktheit! — Das ist begreiflich. Aber man könnte sich auch vorstellen, daß jemand sehr vieles von dem, was die «Gescheiten» seit Jahren gemacht haben, als eine große Verrücktheit ansieht, und er könnte sehr große Mehrheiten für verrückt halten; dann aber könnte er auch begreiflich finden, warum diese sehr großen Mehrheiten ihn, als einen Abweichenden, für verrückt halten. Denn in einer Gesellschaft von Verrückten wird gewöhnlich nicht der Verrückte, sondern der Gescheite für verrückt gehalten.
[ 29 ] A certain intensity of imagination is indeed necessary if one wishes to know today what is actually laid out for humanity in the unfolding of time and in temporal necessities. One must delve very, very deeply into the unfolding of the world; one must also not shy away from using concepts from spiritual science to prepare oneself for the more difficult concepts that underpin reality. For, of course, when someone hears something like what I have said today for the first time, they will say: “That’s pure madness!” — That is understandable. But one could also imagine that someone might regard much of what the “wise” have been doing for years as utter madness, and might consider very large majorities to be mad; yet then he might also find it understandable why these very large majorities, regarding him as a deviant, consider him to be mad. For in a society of madmen, it is usually not the madman but the sane person who is considered mad.
[ 30 ] Der Mensch lernt dadurch aber überhaupt befruchten sein ganzes Anschauen der Welt. Und er lernt gerade das befruchten, was ihn in Wirklichkeit vom Tiere schon immer unterschieden hat. Es ist ja der Mensch im Grunde genommen recht unaufmerksam auf seine eigenen Fähigkeiten, und er wird immer unaufmerksamer werden, wenn er im Zeitalter der Bewußtseinsseele nur die Intellektualität ausbildet. Wenn man zurückgeht in frühere Zeiten, findet man bei sinnreichen Menschen noch sehr häufig, daß sie auch einen gewissen Sinn hatten für die Umgebung. Wenn man die Vorstellungen nimmt, die sich frühere Menschen über gewisse Tiere zum Beispiel bildeten, so sind diese oft sinnreich. Die Vorstellungen der heutigen Zoologiebücher sind manchmal vom Standpunkte der Abstraktionsbildung aus ja ganz brav und recht anerkennenswert, aber sinnreich sind sie nicht. Vor allen Dingen möchte ich Sie einmal fragen, ob unter den Vorstellungen, die Sie heute in der Schule aufnehmen, wirklich solche sind, die Sie sinnvoll hereinführen können, sagen wir in das Leben der Tiere? Sehen denn heute die Menschen noch, hinschauend über eine große Anzahl von Tieren, den ängstlichen Blick, mit dem ganze Scharen, ganze Gruppen von Tieren in die Welt schauen, den furchtsamen, ängstlichen Blick? Oh, wir werden ihn wieder sehen lernen, wenn wir durch das Abstraktionsvermögen nur so weit gekommen sind, daß es uns zum Hüter der Schwelle getrieben hat, daß wir wiederum Mitgefühl entwickeln können mit dem Tiere! Nicht jenes Mitgefühl, das heute oftmals künstlich anerzogen wird, sondern das einem elementaren inneren Erleben entspricht. Man kann sagen: Über die gesamten höheren Tiere, die gesamten warmblütigen Tiere, breitet sich aus ein eigentümliches Ängstlichsein, ein ängstliches Hineinschauen in die Welt. Ich ging einmal mit einem Manne, der akademisch gebildet war, und wir sahen von einem gewissen Punkte des Weges aus Rehe, Hirsche, die vor allem möglichen davonliefen. Da sagte dieser Mann zu mir: Da muß doch dem irgendwie zugrunde liegen, daß in alten Zeiten die Menschen die Tiere gequält haben, geschossen haben oder dergleichen, und dadurch haben sich die Tierseelen gewöhnt, sich vor dem Menschen zu fürchten. — Aber die Tiere fürchten sich ja auch vor anderem, nicht bloß vor dem Menschen.
[ 30 ] Through this, however, human beings learn to enrich their entire view of the world. And they learn to enrich precisely that which has, in reality, always distinguished them from animals. After all, human beings are, at heart, quite inattentive to their own abilities, and they will become increasingly inattentive if, in the age of the conscious soul, they develop only their intellectual faculties. If one looks back to earlier times, one still very often finds that people of keen perception also had a certain sense of their surroundings. If we consider the ideas that people in the past formed about certain animals, for example, these are often full of insight. The ideas presented in today’s zoology textbooks are sometimes quite sound and commendable from the standpoint of abstract thinking, but they lack insight. Above all, I would like to ask you whether, among the ideas you absorb in school today, there are really any that can meaningfully introduce you—let’s say—to the lives of animals? Do people today, when looking at a large number of animals, still see the fearful gaze with which whole herds, whole groups of animals look out at the world—that timid, anxious gaze? Oh, we will learn to see it again when our capacity for abstraction has taken us so far that it has driven us to become guardians of the threshold, so that we can once again develop compassion for animals! Not the kind of compassion that is often artificially instilled today, but one that corresponds to an elemental inner experience. One might say: A peculiar sense of fear, a fearful gaze out into the world, pervades all higher animals, all warm-blooded animals. I once walked with a man who was academically educated, and from a certain point along the path we saw roe deer and stags running away from everything in sight. Then this man said to me: “There must surely be some underlying reason for this—that in ancient times, people tormented the animals, shot them, or did similar things, and as a result, the animal souls have become accustomed to fearing humans.” — “But the animals are also afraid of other things, not just humans.”
[ 31 ] Also man versucht zu erforschen, warum sich gewisse Tiere fürchten. Das braucht man nicht zu erforschen. Das Fürchten ist nämlich eine ganz generelle, allgemeine Eigenschaft der Tiere. Wenn sich manche Tiere nicht fürchten, so beruht das gerade auf Abrichten und Gewöhnen in irgendeiner Weise. Das Fürchten ist dem "Tiere ganz eigen aus dem Grunde, weil das Tier in hohem Maße die Fähigkeit der Abstraktion hat, die abstrakten Begriffe. In denen lebt das Tier. Die Welt, die Sie sich erwerben, wenn Sie lange studieren, wenn Sie lange abstrahiert haben, das ist die Welt, in der das Tier lebt; und die Welt, in welcher der Mensch hier auf der Erde durch seine Sinne lebt, die ist dem Tier, trotzdem das Tier Sinne hat, viel unbekannter als dem Menschen, und vor dem Unbekannten fürchtet man sich. Das ist durchaus einer tiefen Wahrheit entsprechend. Das Tier sieht ängstlich in die Welt. Das hat eine gewisse Tragweite. Ich habe es neulich ausgesprochen in einem Aufsatz, den ich über das Ahrimanische und Luziferische im Menschenleben im letzten Hefte der Zeitschrift «Das Reich» geschrieben habe: Die Menschen fürchten sich vor dem geistigen Leben. — Wie kommt es denn, daß sie so in Furcht hineinkommen? Es kommt davon her, daß sie jetzt an den Hüter der Schwelle heran müssen im Unterbewußtsein. Da stehen sie vor dieser Entscheidung, von der ich gesprochen habe. Da kommen sie dem Tiere näher. Das Tier hat Furcht. Durch die Furchtregion gehen die Tiere durch. So sind die Zusammenhänge. Und der Furchtzustand wird immer größer und größer werden, wenn die Menschen sich nicht ernstlich bemühen werden, diejenige Welt, die an sie herantreten muß, die spirituelle Welt, wirklich kennenzulernen, wirklich in sich aufzunehmen.
[ 31 ] So people are trying to figure out why certain animals are afraid. There’s no need to investigate that. Fear is, in fact, a very general, universal characteristic of animals. If some animals aren’t afraid, it’s precisely because they’ve been trained or conditioned in some way. Fear is entirely inherent to animals because animals possess a high degree of the capacity for abstraction—for abstract concepts. The animal lives within these concepts. The world you come to know through long study and prolonged abstraction—that is the world in which the animal lives; and the world in which human beings live here on Earth through their senses—that world is, despite the animal’s own senses, far more unknown to the animal than it is to humans, and one fears the unknown. This corresponds entirely to a profound truth. The animal looks upon the world with fear. This has certain implications. I recently expressed this in an essay I wrote about the Ahrimanic and Luciferic aspects of human life in the latest issue of the journal Das Reich: People are afraid of spiritual life. — How is it, then, that they fall into such fear? It stems from the fact that they must now approach the Guardian of the Threshold in their subconscious. There they stand before this decision I have spoken of. There they draw closer to the animal. The animal is afraid. Animals pass through the realm of fear. That is how these connections work. And this state of fear will grow ever greater unless people make a serious effort to truly get to know and truly take into themselves the world that must approach them—the spiritual world.
[ 32 ] Es gibt nur noch einige ganz wenige Menschen in der neueren Zeit, bei denen sich durch die allgemeinen Wahnvorstellungen etwas von früheren, atavistischen Weltwirklichkeitsvorstellungen durchgestoßen hat. Wenn man das Tier im ganzen Zusammenhang mit der Naturentwickelung betrachtet, wenn man sich seine Organisation dann ansieht im ganzen Zusammenhang mit der Naturordnung, was ist denn eigentlich mit dem Tiere? Als die alte Mondenentwickelung vorhanden war, da war in bezug auf die äußere Organisation noch keine Differenzierung eingetreten zwischen den höheren Tieren und dem heutigen Menschen. Die ist erst ein Ergebnis der Erdenentwickelung. Der Mensch hat die normale Erdenentwickelung mitgemacht, das Tier nicht. Das Tier ist gleichsam in der Mondenentwickelung vertrocknet. Es stimmt nicht zusammen seine Organisation mit der Erdenentwickelung. Wer das durchschaut — es haben es in der neueren Zeit eben wenige instinktiv durchschaut, Hegel unter anderem —, der beantwortet sich die Frage: Was ist denn eigentlich das Tier in bezug auf seine Organisationsform? — damit, daß er sagt: Die Natur wird krank, und die Krankheit der Natur ist das Tier, namentlich das höhere Tier. In der tierischen Organisation waltet die Krankheit der Natur, die Krankheit der ganzen Erde. Das Krankwerden der Erde, das kranke Zurücksinken in die alte Mondenentwickelung ist die höhere Tierheit; nicht so sehr die niederen Tiere, aber die höhere Tierheit. Das aber ist auch etwas, was dem Menschen in dem entscheidenden Augenblicke unbewußt entgegentritt, wenn er an dem Hüter der Schwelle vorbeikommt, falls er es nicht bewußt will.
[ 32 ] In more recent times, there are only a very few people in whom, through general delusions, something of earlier, atavistic conceptions of the reality of the world has broken through. If one considers the animal within the overall context of natural evolution, and then examines its organization within the context of the natural order, what is the animal actually all about? During the ancient lunar phase of evolution, no differentiation had yet occurred in terms of external organization between higher animals and modern humans. That is only a result of Earth’s evolution. Human beings have undergone normal Earth evolution; animals have not. Animals, so to speak, have withered away during the lunar phase of evolution. Their organization is not in harmony with Earth evolution. Anyone who sees through this—and in recent times only a few have instinctively grasped it, Hegel among them—answers the question: “What, then, is the animal in terms of its form of organization?” by saying: Nature is becoming ill, and the illness of nature is the animal, specifically the higher animal. In the animal’s organization, the illness of nature—the illness of the entire Earth—reigns. The Earth’s descent into illness, its sickly regression into the old lunar stage of development, is higher animality; not so much the lower animals, but higher animality. Yet this is also something that confronts the human being unconsciously at the decisive moment when he passes the Guardian of the Threshold, unless he consciously wills it.
[ 33 ] Und wenn Sie das, was ich Ihnen jetzt gesagt habe, zusammenhalten damit, wie ich Ihnen die Verteilung der Begegnungen mit dem Hüter der Schwelle in ihrer Differenzierung über den amerikanischen Westen, über die europäische Mitte, über den Osten vor einiger Zeit vorgetragen habe, wenn Sie das zusammenhalten, dann werden Sie sehen, wie man sich orientieren kann über das, was auf der Erde in der Menschheit geschieht, wenn man sich nur auf diese Dinge einläßt. Und läßt man sich auf diese Dinge ein, dann begreift man, daß der Mensch wirklich dazu kommen würde, endlich einmal anders zu denken über sich und auch über das Verhältnis zu seinen Mitmenschen. Die Frage sollten alle ernsteren Leute in der Gegenwart doch aufwerfen, die Frage, die sich an einen solchen Satz anschließen kann wie der erwähnte: «Daß ein furchtbares Schicksal der weißen Menschheit winkt, dies scheint mir unter allen Umständen gewiß, es sei denn, daß eine Periode supremer Weisheitsherrschaft sehr bald die der Leidenschaft und Wahnvorstellungen ablöst.» Wo diese Weisheitsvorstellungen zu finden sind, wie sie zu bekommen sind, darauf möchte nämlich die Geisteswissenschaft Antwort geben. Damit möchte sie aber auf die allerwichtigsten Fragen der Gegenwart Antwort geben. Und wenn jemand kommt, der so gründlich das, was der Gegenwart notwendig ist, empfindet, wie solch ein Mann, so kann man ihm sagen: Wenn du nicht weiter fürchten willst, daß der weißen Menschheit ein furchtbares Schicksal winkt, dann lasse dich ein auf eine geisteswissenschaftliche Betrachtung der Welt und ihrer Er scheinungen! Davon wollen wir dann morgen weiter reden.
[ 33 ] And if you consider what I have just told you in conjunction with what I explained to you some time ago regarding the distribution of encounters with the Keeper of the Threshold—and how these differ across the American West, the European heartland, and the East—if you consider these things together, then you will see how one can gain a sense of direction regarding what is happening to humanity on Earth, provided one is willing to engage with these matters. And if one engages with these things, one comes to understand that humanity would truly be able to finally begin to think differently about itself and also about its relationship to its fellow human beings. All serious-minded people today should raise this question—the question that follows from a statement such as the one mentioned: “That a terrible fate awaits white humanity seems certain to me under all circumstances, unless a period of supreme wisdom very soon replaces that of passion and delusion.” Where these concepts of wisdom are to be found, and how they are to be attained—this is precisely what spiritual science seeks to answer. In doing so, it aims to provide answers to the most crucial questions of our time. And when someone comes along who feels as deeply as such a man does what is necessary for the present, one can say to him: If you no longer wish to fear that a terrible fate awaits white humanity, then open yourself to an anthroposophical view of the world and its phenomena! We will talk more about this tomorrow.

