Goetheanism
An Impulse for Transformation and a Concept of Resurrection
Human and Social Science
GA 188
5 January 1919, Dornach
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Dritter Vortrag
Dritter Vortrag
[ 1 ] Sie werden aus den gestrigen Betrachtungen ersehen haben, wie leicht der ganze Entwickelungsgang der Menschheit mißzuverstehen ist, und wie er insbesondere von vielen Seiten in der Gegenwart mißverstanden wird zum Schaden sowohl der gegenwärtigen Erkenntnis wie auch zum Schaden des gegenwärtigen sozialen Strebens der Menschheit. Wir wollen heute einmal einige Ergebnisse der Geisteswissenschaft vor unsere Seele führen, die solcher Art sind, daß sie, ich möchte sagen, von der andern Seite hineinleuchten können in Dinge, die rätselhaft sind, wenn man sich auf die Vorstellungen beschränkt, die sich die Gegenwart von ihnen macht. Ich habe Ihnen gesagt, daß der Mensch mit der Gegenwart nur dann zurechtkommen wird, wenn er sich entschließt, durch ein Hingehen zum Geisteswege sich wirklich neu zu orientieren, sowohl in bezug auf sein Verhältnis zur äußeren Natur, da die alten Orientierungsmittel nicht mehr ausreichen, wie auch mit Bezug auf das Verhältnis von Mensch zu Mensch, da auch da die alten Orientierungsmittel nicht mehr ausreichen, um einzusehen, welche Impulse für die gegenwärtige soziale Struktur der Menschheit nötig sind. Man muß sich ja, will man in diesen Dingen: zurechtkommen, ganz ernstlich vor die Seele rücken, daß so, wie der Mensch heute im Erdendasein zwischen Geburt und Tod hineingestellt ist in die Welt, er nur die äußere Offenbarung der eigentlichen Wesenheit sieht, wie er auch eigentlich nur zu der äußeren Offenbarung seines Mitmenschen in ein Verhältnis tritt.
[ 1 ] Sie werden aus den gestrigen Betrachtungen ersehen haben, wie leicht der ganze Entwickelungsgang der Menschheit mißzuverstehen ist, und wie er insbesondere von vielen Seiten in der Gegenwart mißverstanden wird zum Schaden sowohl der gegenwärtigen Erkenntnis wie auch zum Schaden des gegenwärtigen sozialen Strebens der Menschheit. Wir wollen heute einmal einige Ergebnisse der Geisteswissenschaft vor unsere Seele führen, die solcher Art sind, daß sie, ich möchte sagen, von der andern Seite hineinleuchten können in Dinge, die rätselhaft sind, wenn man sich auf die Vorstellungen beschränkt, die sich die Gegenwart von ihnen macht. Ich habe Ihnen gesagt, daß der Mensch mit der Gegenwart nur dann zurechtkommen wird, wenn er sich entschließt, durch ein Hingehen zum Geisteswege sich wirklich neu zu orientieren, sowohl in bezug auf sein Verhältnis zur äußeren Natur, da die alten Orientierungsmittel nicht mehr ausreichen, wie auch mit Bezug auf das Verhältnis von Mensch zu Mensch, da auch da die alten Orientierungsmittel nicht mehr ausreichen, um einzusehen, welche Impulse für die gegenwärtige soziale Struktur der Menschheit nötig sind. Man muß sich ja, will man in diesen Dingen: zurechtkommen, ganz ernstlich vor die Seele rücken, daß so, wie der Mensch heute im Erdendasein zwischen Geburt und Tod hineingestellt ist in die Welt, er nur die äußere Offenbarung der eigentlichen Wesenheit sieht, wie er auch eigentlich nur zu der äußeren Offenbarung seines Mitmenschen in ein Verhältnis tritt.
[ 2 ] Das Leben gestaltet sich für die verschiedenen Epochen der Menschheitsentwickelung verschieden, und wir bemühen uns, diese Dinge gerade mit Bezug auf den gegenwärtigen Menschen wirklich zu studieren. Denn in der gegenwärtigen Zeitepoche entscheidet sich für den Erdenmenschen sehr viel. Bis ins 15. Jahrhundert, und, man könnte sagen, weil die Dinge nicht gleich auf einen Schlag vorübergehen, bis in die Gegenwart herein stand der Mensch eigentlich noch immer mehr oder weniger unter der Erbschaft alter Begriffe, alter Impulse. Dieser fünfte nachatlantische Zeitraum ist ja in einer gewissen Beziehung mit Bezug auf die menschliche Entwickelung etwas Außerordentliches. Denn nicht wahr, Sie wissen: Wenn man die gesamte Erdenentwickelung nimmt, so gliedert sie sich in sieben aufeinanderfolgende große Epochen, von denen die vierte die atlantische war, die jetzige fünfte die nachatlantische ist; dann würde die sechste, dann die siebente kommen. In der atlantischen Periode liegt gewissermaßen eine Art Entscheidung. Denn bis dahin war ja das gesamte Erdendasein eine Wiederholung vom früheren Saturn-, Sonnen-, Mondendasein. In der atlantischen Periode liegt eine Art Entscheidung, aber eben nur ein Anfang einer Entscheidung. Nur vorbereitet haben sich da die Dinge, die sich eigentlich erst ausbilden sollen in der folgenden Erdenentwickelung. So daß der Mensch bis zur atlantischen Zeit eigentlich nur dasjenige war, was er als Saturn-, Sonnen- und Mondenmensch in andern Formen schon war. In der atlantischen Zeit aber war er nur in Andeutung dasjenige, was er als eigentlicher Erdenmensch werden soll. Dann geht es weiter, und jetzt sind wir in der fünften nachatlantischen Periode. In der nachatlantischen Periode, durch die urindische, urpersische Entwickelung und so weiter traten schon immer bestimmtere und bestimmtere Verhältnisse auf. Aber die griechisch-lateinische Zeit, die vierte nachatlantische Periode, liefert wiederum doch nur eine Art Wiederholung, wenn auch in anderer Form, dessen, was in der Atlantis auf einem andern Daseinsniveau schon vorhanden war. Erst jetzt in der fünften nachatlantischen Periode, in einer Zeit, die seit dem 15. Jahrhundert begonnen hat, steht der Mensch gewissermaßen so in seiner Gesamtentwickelung drinnen, daß so recht merkbare, in seinem Wesen merkbare neue Impulse auftreten. Sie waren früher nicht so merkbar; jetzt treten sie in seinem Wesen merkbar auf, und noch immer haben sie sich nur angedeutet. Die furchtbaren katastrophalen Ereignisse in unserer Zeit, von denen man schon sagen kann, daß sie die Menschheit ganz kolossal erschüttern werden, sie sind der Ausdruck dafür, daß sich neue Verhältnisse in die Menschheitsentwickelung hereinbegeben. Und ich habe Ihnen ja angedeutet, wie diese neuen Verhältnisse von einer gewissen Seite her dadurch zu charakterisieren sind, daß man darauf hinweist, wie man deutlich wahrnimmt ein Hereinfluten einer geistigen Welle, herrührend gewissermaßen von einem Aufsteigen in der Entwickelung der Geister der Persönlichkeit.
[ 2 ] Das Leben gestaltet sich für die verschiedenen Epochen der Menschheitsentwickelung verschieden, und wir bemühen uns, diese Dinge gerade mit Bezug auf den gegenwärtigen Menschen wirklich zu studieren. Denn in der gegenwärtigen Zeitepoche entscheidet sich für den Erdenmenschen sehr viel. Bis ins 15. Jahrhundert, und, man könnte sagen, weil die Dinge nicht gleich auf einen Schlag vorübergehen, bis in die Gegenwart herein stand der Mensch eigentlich noch immer mehr oder weniger unter der Erbschaft alter Begriffe, alter Impulse. Dieser fünfte nachatlantische Zeitraum ist ja in einer gewissen Beziehung mit Bezug auf die menschliche Entwickelung etwas Außerordentliches. Denn nicht wahr, Sie wissen: Wenn man die gesamte Erdenentwickelung nimmt, so gliedert sie sich in sieben aufeinanderfolgende große Epochen, von denen die vierte die atlantische war, die jetzige fünfte die nachatlantische ist; dann würde die sechste, dann die siebente kommen. In der atlantischen Periode liegt gewissermaßen eine Art Entscheidung. Denn bis dahin war ja das gesamte Erdendasein eine Wiederholung vom früheren Saturn-, Sonnen-, Mondendasein. In der atlantischen Periode liegt eine Art Entscheidung, aber eben nur ein Anfang einer Entscheidung. Nur vorbereitet haben sich da die Dinge, die sich eigentlich erst ausbilden sollen in der folgenden Erdenentwickelung. So daß der Mensch bis zur atlantischen Zeit eigentlich nur dasjenige war, was er als Saturn-, Sonnen- und Mondenmensch in andern Formen schon war. In der atlantischen Zeit aber war er nur in Andeutung dasjenige, was er als eigentlicher Erdenmensch werden soll. Dann geht es weiter, und jetzt sind wir in der fünften nachatlantischen Periode. In der nachatlantischen Periode, durch die urindische, urpersische Entwickelung und so weiter traten schon immer bestimmtere und bestimmtere Verhältnisse auf. Aber die griechisch-lateinische Zeit, die vierte nachatlantische Periode, liefert wiederum doch nur eine Art Wiederholung, wenn auch in anderer Form, dessen, was in der Atlantis auf einem andern Daseinsniveau schon vorhanden war. Erst jetzt in der fünften nachatlantischen Periode, in einer Zeit, die seit dem 15. Jahrhundert begonnen hat, steht der Mensch gewissermaßen so in seiner Gesamtentwickelung drinnen, daß so recht merkbare, in seinem Wesen merkbare neue Impulse auftreten. Sie waren früher nicht so merkbar; jetzt treten sie in seinem Wesen merkbar auf, und noch immer haben sie sich nur angedeutet. Die furchtbaren katastrophalen Ereignisse in unserer Zeit, von denen man schon sagen kann, daß sie die Menschheit ganz kolossal erschüttern werden, sie sind der Ausdruck dafür, daß sich neue Verhältnisse in die Menschheitsentwickelung hereinbegeben. Und ich habe Ihnen ja angedeutet, wie diese neuen Verhältnisse von einer gewissen Seite her dadurch zu charakterisieren sind, daß man darauf hinweist, wie man deutlich wahrnimmt ein Hereinfluten einer geistigen Welle, herrührend gewissermaßen von einem Aufsteigen in der Entwickelung der Geister der Persönlichkeit.
[ 3 ] Nun bemerkt man, wenn man geisteswissenschaftlich gerade diese eigentümliche Seelenverfassung ins Auge faßt, in welcher der Mensch der Gegenwart hier auf der Erde ist, man bemerkt gegenwärtig also in geisteswissenschaftlicher Anschauung recht stark, wie der Mensch sich eigentlich der Offenbarungen des Naturseins sowohl wie des Seins seiner Mitmenschen nur dann bewußt ist, wenn er wahrnimmt, oder wenn er äußerlich wollend tätig ist und nichts weiß von den wirklichen Wesenheiten, in die er eben doch in einer gewissen Weise hineinwachsen muß im Laufe seiner Entwickelung, und in die er hineingewachsen sein wird, wenn die Entwickelung weitergegangen sein wird. Der Mensch ist ja, wie Sie wissen, in der Welt so drinnenstehend, daß er, wenn man grob charakterisiert, die umliegende Welt wahrnimmt im Mineralreich, im Pflanzenreich, im Tierreich und in seinem eigenen Reich, im Menschenreich. Das ist dasjenige, was sichtbar um den Menschen herum ist. Und im sichtbaren Menschenreich spielt sich ja auch ab dasjenige, was aus dem Wollen hervorgeht und was in der sozialen Struktur eine gewisse Ordnung finden soll.
[ 3 ] Nun bemerkt man, wenn man geisteswissenschaftlich gerade diese eigentümliche Seelenverfassung ins Auge faßt, in welcher der Mensch der Gegenwart hier auf der Erde ist, man bemerkt gegenwärtig also in geisteswissenschaftlicher Anschauung recht stark, wie der Mensch sich eigentlich der Offenbarungen des Naturseins sowohl wie des Seins seiner Mitmenschen nur dann bewußt ist, wenn er wahrnimmt, oder wenn er äußerlich wollend tätig ist und nichts weiß von den wirklichen Wesenheiten, in die er eben doch in einer gewissen Weise hineinwachsen muß im Laufe seiner Entwickelung, und in die er hineingewachsen sein wird, wenn die Entwickelung weitergegangen sein wird. Der Mensch ist ja, wie Sie wissen, in der Welt so drinnenstehend, daß er, wenn man grob charakterisiert, die umliegende Welt wahrnimmt im Mineralreich, im Pflanzenreich, im Tierreich und in seinem eigenen Reich, im Menschenreich. Das ist dasjenige, was sichtbar um den Menschen herum ist. Und im sichtbaren Menschenreich spielt sich ja auch ab dasjenige, was aus dem Wollen hervorgeht und was in der sozialen Struktur eine gewisse Ordnung finden soll.
[ 4 ] Nun, es haben die Menschen vielfach nachgedacht — aber mit einem ungenügenden Denken nachgedacht —, wie der Mensch zu seiner Umgebung steht. Man hat die Ergebnisse dieses Nachdenkens in verschiedenen Erkenntnistheorien verarbeitet. Aber es kann bei diesen Erkenntnistheorien nicht sehr viel herauskommen. Und dasjenige, was heute schulmäßig in diesen Erkenntnistheorien den jungen Leuten, die dann philosophisch zu der Welt sprechen sollen, gelehrt wird, das ist wirklich recht ungenügendes Zeug. Denn eine wahre Einsicht in das, was sich da eigentlich in der Menschenumgebung offenbart, gewinnt man ja doch nur, wenn man die Sache geisteswissenschaftlich betrachtet. Auf der einen Seite kann der Mensch hinblicken auf das mineralische und auf das Pflanzenreich, auf der andern Seite auf das Tierreich und das menschliche Reich selbst. Beides, sowohl Mineralreich und Pflanzenreich wie Menschenreich und Tierreich, enthüllt sich ihm so, daß er, wenn er jetzt im theoretischen Sinne ehrlich ist, in der Enthüllung, in der Offenbarung Widersprüche bemerkt. Er kann nicht zurechtkommen mit der Art, wie sich ihm auf der einen Seite das Mineralreich, das Pflanzenreich, auf der andern Seite das Tierreich und Menschenreich offenbart. Und wenn die Menschen glauben zurechtzukommen, so rührt das nur von einer gewissen Stumpfheit her. Sie wollen nicht auf alle die Zweifel, welche heraussprühen aus der Beobachtung der Naturreiche, eingehen, weil sie zu bequem sind dazu. Nun aber, wenn man etwas vordringt in der Erkenntnis, wenn man sich etwas schult in der Richtung, die angegeben ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann verwandelt sich in einer gewissen Beziehung sowohl der Anblick des Mineral- und Pflanzenreiches wie auch der Einblick in das Verhältnis zu Tier- und Menschenreich. Die Menschen haben unbewußt heute schon in hohem Grade eine eben nicht zum Bewußtsein kommende Empfindung von dieser Verwandlung. Aber es bleibt eben unbewußt, so wie ich gesagt habe, daß unbewußt heute der Mensch in der ganz natürlichen Entwickelung vor den Hüter der Schwelle hintritt. Es ist eigentlich immer eine gewisse Furcht vor der Wahrheit, welche die Menschen unbewußt abhält, nun wirklich so vorzudringen, daß sie zu dieser Verwandlung kommen. Ich rede in Imaginationen, in Imaginationen, die in Worte umgesetzt sind. Man kann die Dinge nicht anders wirklich treffend charakterisieren. Denn wenn man in sich lebendig macht dasjenige, was man lebendig machen kann, indem man auf sich das anwendet, was in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben ist, so wird man, mit dieser verwandelten Erkenntniskraft hinblickend auf das Mineral- und Pflanzenreich, immer etwas empfinden wie Furcht. Nicht wahr, Sie müssen nicht erschauern, nicht eine Gänsehaut bekommen bei der Charakteristik dieser Verhältnisse. Die Menschen gehen ihnen aus dem Wege, weil sie Furcht haben: daraus müssen Sie schon verstehen, daß natürlich, wenn man solche Verhältnisse schildert, es auch so ist, daß man eine gewisse Gänsehaut bekommen kann; deshalb haben ja eben die Leute gerade Furcht. Es ist immer etwas bei der vorgerückten Erkenntnis, wenn man das Mineralreich und Pflanzenreich dann ins Auge faßt, wie Leichengeruch, den man empfindet, ein Leichengeruch, der einem wie in einem lebendigen Gefühl das charakterisiert, was im Mineral und Pflanzenreich lebt. Dagegen, wenn man das Tier- und das Menschenteich in der verwandelten Erkenntnis anschaut, dann hat man immer eine Empfindung, die man so charakterisieren kann, daß man sagen möchte: Eigentlich — nicht wahr, Sie verzeihen mir, daß ich diese Imagination in Worte umsetze — bleiben doch die Menschen, auch die vorgerücktesten, solange sie in diesem physischen Leibe weilen, gegenüber dem, was in ihnen in Wirklichkeit steckt, immer Kinder, richtige Kinder. Es ist einfach wahr, daß im Menschen viel mehr steckt, als er herausentwickeln kann, herausoffenbaren kann aus seinem Wesen zwischen Geburt und Tod.
[ 4 ] Nun, es haben die Menschen vielfach nachgedacht — aber mit einem ungenügenden Denken nachgedacht —, wie der Mensch zu seiner Umgebung steht. Man hat die Ergebnisse dieses Nachdenkens in verschiedenen Erkenntnistheorien verarbeitet. Aber es kann bei diesen Erkenntnistheorien nicht sehr viel herauskommen. Und dasjenige, was heute schulmäßig in diesen Erkenntnistheorien den jungen Leuten, die dann philosophisch zu der Welt sprechen sollen, gelehrt wird, das ist wirklich recht ungenügendes Zeug. Denn eine wahre Einsicht in das, was sich da eigentlich in der Menschenumgebung offenbart, gewinnt man ja doch nur, wenn man die Sache geisteswissenschaftlich betrachtet. Auf der einen Seite kann der Mensch hinblicken auf das mineralische und auf das Pflanzenreich, auf der andern Seite auf das Tierreich und das menschliche Reich selbst. Beides, sowohl Mineralreich und Pflanzenreich wie Menschenreich und Tierreich, enthüllt sich ihm so, daß er, wenn er jetzt im theoretischen Sinne ehrlich ist, in der Enthüllung, in der Offenbarung Widersprüche bemerkt. Er kann nicht zurechtkommen mit der Art, wie sich ihm auf der einen Seite das Mineralreich, das Pflanzenreich, auf der andern Seite das Tierreich und Menschenreich offenbart. Und wenn die Menschen glauben zurechtzukommen, so rührt das nur von einer gewissen Stumpfheit her. Sie wollen nicht auf alle die Zweifel, welche heraussprühen aus der Beobachtung der Naturreiche, eingehen, weil sie zu bequem sind dazu. Nun aber, wenn man etwas vordringt in der Erkenntnis, wenn man sich etwas schult in der Richtung, die angegeben ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann verwandelt sich in einer gewissen Beziehung sowohl der Anblick des Mineral- und Pflanzenreiches wie auch der Einblick in das Verhältnis zu Tier- und Menschenreich. Die Menschen haben unbewußt heute schon in hohem Grade eine eben nicht zum Bewußtsein kommende Empfindung von dieser Verwandlung. Aber es bleibt eben unbewußt, so wie ich gesagt habe, daß unbewußt heute der Mensch in der ganz natürlichen Entwickelung vor den Hüter der Schwelle hintritt. Es ist eigentlich immer eine gewisse Furcht vor der Wahrheit, welche die Menschen unbewußt abhält, nun wirklich so vorzudringen, daß sie zu dieser Verwandlung kommen. Ich rede in Imaginationen, in Imaginationen, die in Worte umgesetzt sind. Man kann die Dinge nicht anders wirklich treffend charakterisieren. Denn wenn man in sich lebendig macht dasjenige, was man lebendig machen kann, indem man auf sich das anwendet, was in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben ist, so wird man, mit dieser verwandelten Erkenntniskraft hinblickend auf das Mineral- und Pflanzenreich, immer etwas empfinden wie Furcht. Nicht wahr, Sie müssen nicht erschauern, nicht eine Gänsehaut bekommen bei der Charakteristik dieser Verhältnisse. Die Menschen gehen ihnen aus dem Wege, weil sie Furcht haben: daraus müssen Sie schon verstehen, daß natürlich, wenn man solche Verhältnisse schildert, es auch so ist, daß man eine gewisse Gänsehaut bekommen kann; deshalb haben ja eben die Leute gerade Furcht. Es ist immer etwas bei der vorgerückten Erkenntnis, wenn man das Mineralreich und Pflanzenreich dann ins Auge faßt, wie Leichengeruch, den man empfindet, ein Leichengeruch, der einem wie in einem lebendigen Gefühl das charakterisiert, was im Mineral und Pflanzenreich lebt. Dagegen, wenn man das Tier- und das Menschenteich in der verwandelten Erkenntnis anschaut, dann hat man immer eine Empfindung, die man so charakterisieren kann, daß man sagen möchte: Eigentlich — nicht wahr, Sie verzeihen mir, daß ich diese Imagination in Worte umsetze — bleiben doch die Menschen, auch die vorgerücktesten, solange sie in diesem physischen Leibe weilen, gegenüber dem, was in ihnen in Wirklichkeit steckt, immer Kinder, richtige Kinder. Es ist einfach wahr, daß im Menschen viel mehr steckt, als er herausentwickeln kann, herausoffenbaren kann aus seinem Wesen zwischen Geburt und Tod.
[ 5 ] Sie sehen daraus, weil man ja in dieser übersinnlichen Erkenntnis vom Schein allmählich immer mehr zu der wahren Wirklichkeit aufsteigt, daß — indem man diese Welt außen, so wie sie ist, ansieht, betrachtet —, man es eigentlich nur mit einem Schein zu tun hat. Denn der Leichengeruch, von dem ich Ihnen gesprochen habe, und die Kinderei der Menschen — verzeihen Sie — verhüllen sich. Der Leichengeruch findet, wenn ich so sagen darf, an unserem physischen Menschen eine zu stumpfe Nase, die ätherische Nase ist nicht genügend ausgebildet. Und die Kinderei der Menschen, die läßt uns nicht recht zum Geständnis kommen, daß sie da ist, weil wir als Menschen schon einmal zu eingebildet sind dazu. Aber so ist doch die Sache. Und indem man dies, was ich eben jetzt charakterisiert habe, auseinanderhält, weist man ja zu gleicher Zeit darauf hin, daß im Menschen viel mehr steckt, als betätigt werden kann. Man kann sich dann die Frage aufwerfen: Ja, in Mineralien, in Pflanzen nimmt der Mensch keine Wirklichkeiten wahr; in Tieren, und nicht einmal in seinem eigenen Menschenwesen, nimmt er auch nicht Wirklichkeiten wahr. Worauf ist denn eigentlich dann der Mensch eingestellt hier auf der Erde? Er ist nämlich merkwürdigerweise eingestellt auf Wesen, die weder dem mineralischen und Pflanzenreich, noch dem Tier- und Menschenreich angehören, sondern die zwischendrinnen liegen. Auf eine Art Pflanzentiere oder Tierpflanzen ist er eingestellt. Wenn es Wesen geben würde hier auf der Erde, die weder Pflanzen noch Tiere sind, sondern die bloße Pflanzennatur haben in bezug auf ihre innere Organisation, aber die gehen könnten, Wesen, welche nicht Muskel und Blut hätten, sondern welche in ihrer Anatomie so wären wie die Pflanzen, die nur solche Zellen hätten und solche Gewebe wie die Pflanzen, die sich aber willkürlich bewegen könnten wie die Tiere, oder wenn auf unserer Erde Tiere herumwandeln würden, die eben, wenn sie sterben, so etwas hinterlassen wie eine Pflanzenleiche: dann würde für solche Wesen der Mensch in seiner ganzen Seelenverfassung wirklich eingestellt sein. Die würde er, solche Wesen würde der Mensch eigentlich hier in seinem Erdendasein fassen können. Aber das Merkwürdige ist wiederum: Diese Wesen können ihrerseits nicht im Erdendasein sein, diese Wesen sind nur in andern Welten zu finden. Sie sind ihrerseits so, daß sie im Erdendasein nicht gedeihen könnten. Also man kann sagen: Dem Menschen fehlt eigentlich dasjenige Erkenntnisvermögen — und das ist in der Gegenwart besonders sichtbar —, welches ihn befähigt, unmittelbar einzudringen in das Wesen von Mineralien und Pflanzen und auch von Tieren und Menschen. Und die Wesen, die er wohl unmittelbar wahrnehmen würde ihrer ganzen Konstitution nach, die können wieder sich nicht auf der Erde aufhalten. So merkwürdig steht der Mensch mit Bezug auf sein Verhältnis zu der umgebenden Natur.
[ 5 ] Sie sehen daraus, weil man ja in dieser übersinnlichen Erkenntnis vom Schein allmählich immer mehr zu der wahren Wirklichkeit aufsteigt, daß — indem man diese Welt außen, so wie sie ist, ansieht, betrachtet —, man es eigentlich nur mit einem Schein zu tun hat. Denn der Leichengeruch, von dem ich Ihnen gesprochen habe, und die Kinderei der Menschen — verzeihen Sie — verhüllen sich. Der Leichengeruch findet, wenn ich so sagen darf, an unserem physischen Menschen eine zu stumpfe Nase, die ätherische Nase ist nicht genügend ausgebildet. Und die Kinderei der Menschen, die läßt uns nicht recht zum Geständnis kommen, daß sie da ist, weil wir als Menschen schon einmal zu eingebildet sind dazu. Aber so ist doch die Sache. Und indem man dies, was ich eben jetzt charakterisiert habe, auseinanderhält, weist man ja zu gleicher Zeit darauf hin, daß im Menschen viel mehr steckt, als betätigt werden kann. Man kann sich dann die Frage aufwerfen: Ja, in Mineralien, in Pflanzen nimmt der Mensch keine Wirklichkeiten wahr; in Tieren, und nicht einmal in seinem eigenen Menschenwesen, nimmt er auch nicht Wirklichkeiten wahr. Worauf ist denn eigentlich dann der Mensch eingestellt hier auf der Erde? Er ist nämlich merkwürdigerweise eingestellt auf Wesen, die weder dem mineralischen und Pflanzenreich, noch dem Tier- und Menschenreich angehören, sondern die zwischendrinnen liegen. Auf eine Art Pflanzentiere oder Tierpflanzen ist er eingestellt. Wenn es Wesen geben würde hier auf der Erde, die weder Pflanzen noch Tiere sind, sondern die bloße Pflanzennatur haben in bezug auf ihre innere Organisation, aber die gehen könnten, Wesen, welche nicht Muskel und Blut hätten, sondern welche in ihrer Anatomie so wären wie die Pflanzen, die nur solche Zellen hätten und solche Gewebe wie die Pflanzen, die sich aber willkürlich bewegen könnten wie die Tiere, oder wenn auf unserer Erde Tiere herumwandeln würden, die eben, wenn sie sterben, so etwas hinterlassen wie eine Pflanzenleiche: dann würde für solche Wesen der Mensch in seiner ganzen Seelenverfassung wirklich eingestellt sein. Die würde er, solche Wesen würde der Mensch eigentlich hier in seinem Erdendasein fassen können. Aber das Merkwürdige ist wiederum: Diese Wesen können ihrerseits nicht im Erdendasein sein, diese Wesen sind nur in andern Welten zu finden. Sie sind ihrerseits so, daß sie im Erdendasein nicht gedeihen könnten. Also man kann sagen: Dem Menschen fehlt eigentlich dasjenige Erkenntnisvermögen — und das ist in der Gegenwart besonders sichtbar —, welches ihn befähigt, unmittelbar einzudringen in das Wesen von Mineralien und Pflanzen und auch von Tieren und Menschen. Und die Wesen, die er wohl unmittelbar wahrnehmen würde ihrer ganzen Konstitution nach, die können wieder sich nicht auf der Erde aufhalten. So merkwürdig steht der Mensch mit Bezug auf sein Verhältnis zu der umgebenden Natur.
[ 6 ] Aber auch zu sich selbst steht der Mensch hier auf der Erde in einem merkwürdigen Verhältnisse. Der Mensch ist auf der einen Seite ein vorstellendes Wesen. Wenn er aber das Vorstellungsvermögen betätigt, dann verliert er im Vorstellen seine eigene Wesenheit. Und diese eigene Wesenheit, die im Vorstellen nicht zutage treten kann, die hat er eigentlich nur dadurch, daß etwas, der Wille, aus dem Unbewußten heraufwirkt. Würde der Wille nicht heraufwirken, würden wir nicht den Willen in uns verspüren, die ganze Welt käme uns gespenstig vor, wenn wir sie nur vorstellen könnten. Wir würden eine gespenstige Welt vor uns haben, so wie ungefähr die Welt der naturwissenschaftlichen Begriffe ist; die wäre dann wirklich unsere Welt. Denken Sie sich, wenn die Welt so ausschauen würde, wie die Naturwissenschafter oder Zoologen es beschreiben, denken Sie, wenn nichts anderes da wäre, als was in Büchern über Botanik und Mineralogie steht — die wirklichen Pflanzen und Gesteine enthalten ja viel mehr, als was in den Büchern steht, aber denken Sie sich, Sie würden geführt in eine Welt, wie sie in den Büchern beschrieben ist, wo nicht mehr da wäre, als was in den Büchern beschrieben ist: es wäre nur eine Gespensterwelt, eine richtige Gespensterwelt. Nur dadurch ist diese Welt keine Gespensterwelt, daß immer der Wille mitspricht. Wenn Sie fliegen könnten, nicht mit einem Apparat, sondern selbst fliegen, das heißt, wenn Sie keinen Boden unter den Füßen brauchten, könnten Sie sich also frei bewegen ohne Boden, dann würden Sie nahe daran kommen, die Welt so gespenstig wahrzunehmen. Sie würde Ihnen, wenn Sie nur im wachen Zustande mit den Augen die Welt verfolgen würden, sehr gespenstig schon erscheinen; nicht so stark, wie der Naturforscher sie beschreibt, aber sie würde Ihnen da schon sehr gespenstig erscheinen. Sie haben ein solides Gefühl von dem Weltendasein nur dadurch, daß Sie mit den Füßen auf dem Boden stehen. Und dieses Drücken mit Ihren Füßen auf den Boden, das gibt Ihnen das Gefühl, das mit dem Willen verwandt, das nur eine Abschwächung des Willens ist, daß Sie nicht bloß in einer Gespensterwelt sind, sondern in einer soliden Welt. Wenn Sie dieses Gefühl nicht hätten, sondern nur sehen würden, dann würde Ihnen die Welt sehr gespenstig vorkommen. Was im Unterbewußten sich abspielt, das sagen Sie sich nämlich nicht. Im Unterbewußten spielt sich stets das ab, daß eigentlich der Mensch sich sagt, im Unterbewußten sagt er es sich: Ja, eigentlich schaut die Welt wie ein Gespenst aus! Aber wenn die Welt so wäre, wie sie mir meine Augen zeigen, da könnte ich nicht fest stehen, da müßte ich untersinken. Und ich sinke doch nicht unter, also ist die Welt nicht so, wie sie mir meine Augen zeigen. — Dieser Schluß wird im Unbewußten fortwährend gemacht. So kompliziert ist das ganz gewöhnliche, alltäglichste Verhältnis zur Welt. Es ist immer ein unbewußter Schluß, der in gewisser Beziehung aus dem Willen stammt. Also beim bloßen Vorstellen fehlt uns eigentlich — wenn ich mich jetzt gelehrt, das heißt, pedantisch ausdrücken will — das Subjekt, das fällt heraus. Daß wir ein Subjekt haben, uns mit der Welt zusammenfühlen, kommt aus dem Willen.
[ 6 ] Aber auch zu sich selbst steht der Mensch hier auf der Erde in einem merkwürdigen Verhältnisse. Der Mensch ist auf der einen Seite ein vorstellendes Wesen. Wenn er aber das Vorstellungsvermögen betätigt, dann verliert er im Vorstellen seine eigene Wesenheit. Und diese eigene Wesenheit, die im Vorstellen nicht zutage treten kann, die hat er eigentlich nur dadurch, daß etwas, der Wille, aus dem Unbewußten heraufwirkt. Würde der Wille nicht heraufwirken, würden wir nicht den Willen in uns verspüren, die ganze Welt käme uns gespenstig vor, wenn wir sie nur vorstellen könnten. Wir würden eine gespenstige Welt vor uns haben, so wie ungefähr die Welt der naturwissenschaftlichen Begriffe ist; die wäre dann wirklich unsere Welt. Denken Sie sich, wenn die Welt so ausschauen würde, wie die Naturwissenschafter oder Zoologen es beschreiben, denken Sie, wenn nichts anderes da wäre, als was in Büchern über Botanik und Mineralogie steht — die wirklichen Pflanzen und Gesteine enthalten ja viel mehr, als was in den Büchern steht, aber denken Sie sich, Sie würden geführt in eine Welt, wie sie in den Büchern beschrieben ist, wo nicht mehr da wäre, als was in den Büchern beschrieben ist: es wäre nur eine Gespensterwelt, eine richtige Gespensterwelt. Nur dadurch ist diese Welt keine Gespensterwelt, daß immer der Wille mitspricht. Wenn Sie fliegen könnten, nicht mit einem Apparat, sondern selbst fliegen, das heißt, wenn Sie keinen Boden unter den Füßen brauchten, könnten Sie sich also frei bewegen ohne Boden, dann würden Sie nahe daran kommen, die Welt so gespenstig wahrzunehmen. Sie würde Ihnen, wenn Sie nur im wachen Zustande mit den Augen die Welt verfolgen würden, sehr gespenstig schon erscheinen; nicht so stark, wie der Naturforscher sie beschreibt, aber sie würde Ihnen da schon sehr gespenstig erscheinen. Sie haben ein solides Gefühl von dem Weltendasein nur dadurch, daß Sie mit den Füßen auf dem Boden stehen. Und dieses Drücken mit Ihren Füßen auf den Boden, das gibt Ihnen das Gefühl, das mit dem Willen verwandt, das nur eine Abschwächung des Willens ist, daß Sie nicht bloß in einer Gespensterwelt sind, sondern in einer soliden Welt. Wenn Sie dieses Gefühl nicht hätten, sondern nur sehen würden, dann würde Ihnen die Welt sehr gespenstig vorkommen. Was im Unterbewußten sich abspielt, das sagen Sie sich nämlich nicht. Im Unterbewußten spielt sich stets das ab, daß eigentlich der Mensch sich sagt, im Unterbewußten sagt er es sich: Ja, eigentlich schaut die Welt wie ein Gespenst aus! Aber wenn die Welt so wäre, wie sie mir meine Augen zeigen, da könnte ich nicht fest stehen, da müßte ich untersinken. Und ich sinke doch nicht unter, also ist die Welt nicht so, wie sie mir meine Augen zeigen. — Dieser Schluß wird im Unbewußten fortwährend gemacht. So kompliziert ist das ganz gewöhnliche, alltäglichste Verhältnis zur Welt. Es ist immer ein unbewußter Schluß, der in gewisser Beziehung aus dem Willen stammt. Also beim bloßen Vorstellen fehlt uns eigentlich — wenn ich mich jetzt gelehrt, das heißt, pedantisch ausdrücken will — das Subjekt, das fällt heraus. Daß wir ein Subjekt haben, uns mit der Welt zusammenfühlen, kommt aus dem Willen.
[ 7 ] Und wiederum, wenn wir wollen, wenn wir den Willen entwickeln, da fehlt uns eigentlich das Objekt. Das Objekt, das kommt uns gar nicht ordentlich solid zum Bewußtsein. Wenn ich einfach dieses Büchelchen hier von der linken Seite zur rechten Seite herüberheben will und es auch wirklich tue — ja, das eigentliche Objekt des Wollens, das kommt nicht zum Bewußtsein. Sie sehen den Weg, den das Büchelchen macht, die Vorstellung, die gespenstet so hinein in das Wollen, aber das eigentliche Objekt des Wollens kommt nicht zum Bewußtsein. So daß der Mensch sowohl, indem er vorstellend ist, wie auch, indem er wollend ist — das ist wiederum grotesk ausgesprochen, weil man eine Imagination in Worte kleiden muß —, daß der Mensch eigentlich sowohl als Vorstellender wie als Wollender, verzeihen Sie, ein Krüppel ist. Er stellt gespenstig vor und will eigentlich unvollständig. Was der Mensch wirklich ist, das ist eigentlich weder in der Vorstellung noch im Willen ganz drinnen, das ist wiederum in der Mitte drinnen zwischen dem Vorstellen und dem Willen. Aber da ist die Sache so, daß uns das nicht zum Bewußtsein kommen kann im gewöhnlichen Leben. Geradeso wie in die äußere Natur das Pflanzentier nicht eintreten kann, so kann dem Menschen nicht zum Bewußtsein kommen, was er eigentlich ist. Deshalb habe ich Ihnen von einem andern Gesichtspunkte diese Tatsache öfter ausgesprochen, indem ich Ihnen sagte: Das eigentliche Ich nimmt der Mensch wahr wie ein Loch in den Ereignissen des Lebens. Nicht wahr, man muß sich darüber nur klar sein, daß man Löcher auch wahrnehmen kann. Vom Schlafen weiß der Mensch nichts, er wacht, schläft, wacht, schläft, wacht, schläft; aber indem er sein Leben überblickt, da stellt sich ihm das ausgesparte Bewußtsein, das Bewußtseinsloch in den Lebenslauf hinein, und er sieht gerade so, wie wenn er eine Fläche hat, die weiß ist und die schwarze Löcher hat, wo er eigentlich nichts sieht, so sieht er die Bewußtseinslöcher des Schlafes. Aber so ist es mit unserem Ich auch in unserem Wachleben. Unser Ich wird nicht in Wahrheit ins Bewußtsein hereingehoben, sondern im Bewußtsein ist von diesem Ich nur ein Loch, und die Wahrnehmung dieses Loches macht uns darauf aufmerksam, daß wir eben das wirkliche Ich haben.
[ 7 ] Und wiederum, wenn wir wollen, wenn wir den Willen entwickeln, da fehlt uns eigentlich das Objekt. Das Objekt, das kommt uns gar nicht ordentlich solid zum Bewußtsein. Wenn ich einfach dieses Büchelchen hier von der linken Seite zur rechten Seite herüberheben will und es auch wirklich tue — ja, das eigentliche Objekt des Wollens, das kommt nicht zum Bewußtsein. Sie sehen den Weg, den das Büchelchen macht, die Vorstellung, die gespenstet so hinein in das Wollen, aber das eigentliche Objekt des Wollens kommt nicht zum Bewußtsein. So daß der Mensch sowohl, indem er vorstellend ist, wie auch, indem er wollend ist — das ist wiederum grotesk ausgesprochen, weil man eine Imagination in Worte kleiden muß —, daß der Mensch eigentlich sowohl als Vorstellender wie als Wollender, verzeihen Sie, ein Krüppel ist. Er stellt gespenstig vor und will eigentlich unvollständig. Was der Mensch wirklich ist, das ist eigentlich weder in der Vorstellung noch im Willen ganz drinnen, das ist wiederum in der Mitte drinnen zwischen dem Vorstellen und dem Willen. Aber da ist die Sache so, daß uns das nicht zum Bewußtsein kommen kann im gewöhnlichen Leben. Geradeso wie in die äußere Natur das Pflanzentier nicht eintreten kann, so kann dem Menschen nicht zum Bewußtsein kommen, was er eigentlich ist. Deshalb habe ich Ihnen von einem andern Gesichtspunkte diese Tatsache öfter ausgesprochen, indem ich Ihnen sagte: Das eigentliche Ich nimmt der Mensch wahr wie ein Loch in den Ereignissen des Lebens. Nicht wahr, man muß sich darüber nur klar sein, daß man Löcher auch wahrnehmen kann. Vom Schlafen weiß der Mensch nichts, er wacht, schläft, wacht, schläft, wacht, schläft; aber indem er sein Leben überblickt, da stellt sich ihm das ausgesparte Bewußtsein, das Bewußtseinsloch in den Lebenslauf hinein, und er sieht gerade so, wie wenn er eine Fläche hat, die weiß ist und die schwarze Löcher hat, wo er eigentlich nichts sieht, so sieht er die Bewußtseinslöcher des Schlafes. Aber so ist es mit unserem Ich auch in unserem Wachleben. Unser Ich wird nicht in Wahrheit ins Bewußtsein hereingehoben, sondern im Bewußtsein ist von diesem Ich nur ein Loch, und die Wahrnehmung dieses Loches macht uns darauf aufmerksam, daß wir eben das wirkliche Ich haben.
[ 8 ] Diese Dinge, die dem heutigen groben Menschen noch wie eine Spintisiererei erscheinen, sie müssen allmählich ein elementares Bewußtsein der Menschen werden. Denn man kann nicht in der Zukunft auf solche Glaubensvorstellungen das Leben gründen, wie man es in vergangenen Zeiten hat gründen können, weil noch die Reste und die Nachwirkungen atavistischen Hellsehens vorhanden waren. In der Zukunft wird man auf deutlich durchschaubare Grundlagen das Leben stellen müssen. Zu den alltäglichen Vorstellungen wird das gehören müssen, daß man auf das Mineral- und Pflanzenreich so hinschaut, wie Goethe hingeschaut hat, der nur das Phänomen angesehen hat, der nicht geglaubt hat, daß in dem Phänomen etwas anderes als höchstens die Grundphänomene, die Urphänomene sich offenbaren, aber daß die Phänomene nicht in Gedanken ausdrückbare Naturgesetze offenbaren. Nach Naturgesetzen hat Goethe nie geforscht, das wäre ihm sehr phantastisch erschienen. Die Phänomene hat er verfolgen wollen, denn es zeigt uns die äußere Welt im mineralischen und Pflanzenreiche nichts als die Wahrnehmungen, die Erscheinungen. So muß der Mensch hinschauen auf die äußere Welt, daß er sich bewußt ist: Ich sehe im Mineral- und Pflanzenreich eigentlich nur die Außenseite; und wenn ich dem Tier- und Menschenreiche gegenüberstehe, sehe ich eigentlich auch nur etwas, was wie ein Embryo des ganzen Wesens ist. — Das muß auch so sein. Sehen Sie, im Mineral- und Pflanzenreiche sind ja in Wirklichkeit vorhanden Wesen, die sich nur nach einer gewissen Seite hin enthüllen, wenn der Mensch sie anschaut, weil sie, ich möchte sagen, sich nicht anders enthüllen können. Denn im Mineral- und Pflanzenreiche lebt etwas, was man vollständig nur erkennt, wenn man — nun verstehen Sie mich recht — zurückblickt auf diejenige Welt, aus der man herausgekommen ist, als man durch die Geburt dieses physische Dasein angetreten hat. Könnten Sie mit jenem Bewußtsein, das über die Geburt nach rückwärts hinausgeht, gedächtnismäßig behaftet bleiben nach der Geburt, könnten Sie also das Geborenwerden als ein solches Ereignis in Ihrem Leben betrachten, wie etwa, sagen wir, den Übergang vom fünfzehnten zu dem sechzehnten Jahre, würde nicht nach rückwärts der Faden des Bewußtseins abreißen, weil das Bewußtsein ganz andersartig war vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis, so würden Sie ohne weiteres eine ganz andere Ansicht über das Mineral- und Pflanzenreich bekommen, als Sie nur dadurch bekommen, daß Sie sie anschauen vom Standpunkte des Lebens zwischen Geburt und Tod. Denn Sie würden sich dann folgendes sagen: Ich bin herausgetreten aus dem geistigen Reich durch die Geburt. Ich bin hier in dieses physische Reich eingetreten. Warum habe ich denn das getan? Warum bin ich denn da nicht drinnen geblieben in dem geistigen Reiche? Warum hat es mich denn überhaupt auf die Erde heruntergelockt? Denn man kann von einem solchen Locken sprechen. Da könnten Sie dann sagen, wenn Sie sich erinnern könnten: Es hat mich auf die Erde heruntergelockt aus dem Grunde, weil plötzlich im Laufe meiner Entwickelung zwischen Tod und neuer Geburt ich in eine Sphäre hineinkam, wo es so aussah, als ob gewisse Wesen herausgeflohen wären, als ob sie eigentlich drinnen sein sollten, fehlten und nicht drinnen sind. — Wenn ich mich grob ausdrücken darf: In der letzten Zeit vor der Geburt erlebt man in der geistigen Welt auf Schritt und Tritt, daß einem da Wesen fehlen, die eigentlich hergehören und die nicht da sind. Es zeigt alles: diese Wesen fehlen. Und tritt man jetzt durch die Geburt, so sind in den Mineralien und in den Pflanzen diese Wesen da, aber wie Verbannte, wie wenn diese Wesen verbannt wären aus der Welt, in der man drinnen war, und wie wenn sie nicht vollständig gedeihen könnten, halb sterben würden und daher den Leichengeruch bilden, halb sterben würden in der Welt, in die man eingetreten ist. Man sehnt sich vor der Geburt nach der Bekanntschaft mit gewissen Verbannten. Man weiß nur: Da sind verbannte Wesen, aber wo sind die? Da geht man in die physische Welt heraus und nimmt sie wahr, aber, ich möchte sagen, einbalsamiert, mumifiziert. Denn in der Welt, in die man eingetreten ist, können sie nicht anders sein als einbalsamiert, als mumifiziert, vertrocknet. Das ist die vollständig richtige Empfindung, wenn man der Mineral- und pflanzlichen Welt so gegenübertritt, daß man in ihr die Wesen sieht, die verbannt sind aus der geistigen Welt, aus der Sphäre, in der man gerade war, bevor man in das physische Leben eintreten mußte.
[ 8 ] Diese Dinge, die dem heutigen groben Menschen noch wie eine Spintisiererei erscheinen, sie müssen allmählich ein elementares Bewußtsein der Menschen werden. Denn man kann nicht in der Zukunft auf solche Glaubensvorstellungen das Leben gründen, wie man es in vergangenen Zeiten hat gründen können, weil noch die Reste und die Nachwirkungen atavistischen Hellsehens vorhanden waren. In der Zukunft wird man auf deutlich durchschaubare Grundlagen das Leben stellen müssen. Zu den alltäglichen Vorstellungen wird das gehören müssen, daß man auf das Mineral- und Pflanzenreich so hinschaut, wie Goethe hingeschaut hat, der nur das Phänomen angesehen hat, der nicht geglaubt hat, daß in dem Phänomen etwas anderes als höchstens die Grundphänomene, die Urphänomene sich offenbaren, aber daß die Phänomene nicht in Gedanken ausdrückbare Naturgesetze offenbaren. Nach Naturgesetzen hat Goethe nie geforscht, das wäre ihm sehr phantastisch erschienen. Die Phänomene hat er verfolgen wollen, denn es zeigt uns die äußere Welt im mineralischen und Pflanzenreiche nichts als die Wahrnehmungen, die Erscheinungen. So muß der Mensch hinschauen auf die äußere Welt, daß er sich bewußt ist: Ich sehe im Mineral- und Pflanzenreich eigentlich nur die Außenseite; und wenn ich dem Tier- und Menschenreiche gegenüberstehe, sehe ich eigentlich auch nur etwas, was wie ein Embryo des ganzen Wesens ist. — Das muß auch so sein. Sehen Sie, im Mineral- und Pflanzenreiche sind ja in Wirklichkeit vorhanden Wesen, die sich nur nach einer gewissen Seite hin enthüllen, wenn der Mensch sie anschaut, weil sie, ich möchte sagen, sich nicht anders enthüllen können. Denn im Mineral- und Pflanzenreiche lebt etwas, was man vollständig nur erkennt, wenn man — nun verstehen Sie mich recht — zurückblickt auf diejenige Welt, aus der man herausgekommen ist, als man durch die Geburt dieses physische Dasein angetreten hat. Könnten Sie mit jenem Bewußtsein, das über die Geburt nach rückwärts hinausgeht, gedächtnismäßig behaftet bleiben nach der Geburt, könnten Sie also das Geborenwerden als ein solches Ereignis in Ihrem Leben betrachten, wie etwa, sagen wir, den Übergang vom fünfzehnten zu dem sechzehnten Jahre, würde nicht nach rückwärts der Faden des Bewußtseins abreißen, weil das Bewußtsein ganz andersartig war vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis, so würden Sie ohne weiteres eine ganz andere Ansicht über das Mineral- und Pflanzenreich bekommen, als Sie nur dadurch bekommen, daß Sie sie anschauen vom Standpunkte des Lebens zwischen Geburt und Tod. Denn Sie würden sich dann folgendes sagen: Ich bin herausgetreten aus dem geistigen Reich durch die Geburt. Ich bin hier in dieses physische Reich eingetreten. Warum habe ich denn das getan? Warum bin ich denn da nicht drinnen geblieben in dem geistigen Reiche? Warum hat es mich denn überhaupt auf die Erde heruntergelockt? Denn man kann von einem solchen Locken sprechen. Da könnten Sie dann sagen, wenn Sie sich erinnern könnten: Es hat mich auf die Erde heruntergelockt aus dem Grunde, weil plötzlich im Laufe meiner Entwickelung zwischen Tod und neuer Geburt ich in eine Sphäre hineinkam, wo es so aussah, als ob gewisse Wesen herausgeflohen wären, als ob sie eigentlich drinnen sein sollten, fehlten und nicht drinnen sind. — Wenn ich mich grob ausdrücken darf: In der letzten Zeit vor der Geburt erlebt man in der geistigen Welt auf Schritt und Tritt, daß einem da Wesen fehlen, die eigentlich hergehören und die nicht da sind. Es zeigt alles: diese Wesen fehlen. Und tritt man jetzt durch die Geburt, so sind in den Mineralien und in den Pflanzen diese Wesen da, aber wie Verbannte, wie wenn diese Wesen verbannt wären aus der Welt, in der man drinnen war, und wie wenn sie nicht vollständig gedeihen könnten, halb sterben würden und daher den Leichengeruch bilden, halb sterben würden in der Welt, in die man eingetreten ist. Man sehnt sich vor der Geburt nach der Bekanntschaft mit gewissen Verbannten. Man weiß nur: Da sind verbannte Wesen, aber wo sind die? Da geht man in die physische Welt heraus und nimmt sie wahr, aber, ich möchte sagen, einbalsamiert, mumifiziert. Denn in der Welt, in die man eingetreten ist, können sie nicht anders sein als einbalsamiert, als mumifiziert, vertrocknet. Das ist die vollständig richtige Empfindung, wenn man der Mineral- und pflanzlichen Welt so gegenübertritt, daß man in ihr die Wesen sieht, die verbannt sind aus der geistigen Welt, aus der Sphäre, in der man gerade war, bevor man in das physische Leben eintreten mußte.
[ 9 ] Und wenn man auf Tiere und Menschen hinschaut und ihre Kinderei sieht, dann kommt man darauf, wenn man einen Blick auf die tiefere Wesenheit entwickeln kann, daß diese Tiere und Menschen, so wie sie einmal in der Welt hier sind, in der wir zwischen Geburt und Tod leben, nie fertig werden, nie eigentlich ihr ganzes, durch ihr Innenwesen bedingtes Leben zum Abschluß bringen. Wer Tiere richtig anschaut, wer sie anschauen kann mit vollständiger innerer lebendiger Erkenntniskraft, der weiß zwar, daß die Tiere nicht unsterblich sind, aber er weiß auch, daß die Tiere die ganze Tragik dieser Nichtunsterblichkeit in ihren Gruppenseelen durchmachen. Die Gruppenseelen sind ja hinausdauernd über das individuelle Leben des Tieres; aber dasjenige, was hier auf der Erde ist von den Tieren, das ist, wie ich schon neulich sagte, eigentlich krank, das ist so, daß es verdirbt, weil es in eine andere Welt gehört und in diese Welt hinein verbannt ist. Und der Mensch seiner äußeren physischen Gestalt nach ist auch in diese Welt hinein verbannt; daher bleibt er verkrüppelt, bleibt ein Kind. Der Mensch bleibt ein Kind. Das Tier ist überhaupt in seinem Wesen seiner physischen Gestalt nach vertrocknet, denn das, was zu Tier und Mensch gehört, das findet man, wenn man durch den Tod geht und in die geistige Welt unmittelbar eintritt, die man nun nach dem ’Tode betrachtet. Denn eigentlich beschreibt man einen Kreis in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Das, was einem verborgen bleibt hier vom Tier- und Pflanzenreich, weswegen man wahrnimmt, daß Tiere und Menschen Verbannte sind aus der geistigen Welt — der Mensch der äußeren physischen Gestalt nach —, das nimmt man zunächst wahr, indem man durch die Pforte des Todes eintritt in die geistige Welt. Da macht man eine Entwickelung durch, und man kommt dazu, daß einem immer mehr und mehr nach dieser Weltenmitternacht, die ich in dem Mysteriendrama beschrieben habe, klar wird: Da fehlt etwas, und was da fehlt, das ist gewissermaßen davongelaufen aus der geistigen Welt. Dem läuft man nach durch die Geburt und findet es dann im mineralischen und Pflanzenreich auf der physischen Erde. Über das Mineral- und pflanzliche Reich ist man eigentlich nicht erstaunt, wenn man durch die Geburt ins Dasein tritt, denn man hat es erwartet. Daß man auch hier auf der: physischen Erde Tiere findet und den Menschen mit einer äußeren Gestalt, die nur vollkommener ist, aber an das Tier erinnert, das ist etwas, was einen einigermaßen erstaunt, nachdem man geboren worden ist mit der Bewußtseinsveranlagung. Man fängt aber an, es zu begreifen, wenn man weiß: Mit dieser äußeren Gestalt der Tiere und Menschen ist ja ein Anfang gegeben, der erst weiterwächst in der Welt, in die man eintritt durch die Todespforte.
[ 9 ] Und wenn man auf Tiere und Menschen hinschaut und ihre Kinderei sieht, dann kommt man darauf, wenn man einen Blick auf die tiefere Wesenheit entwickeln kann, daß diese Tiere und Menschen, so wie sie einmal in der Welt hier sind, in der wir zwischen Geburt und Tod leben, nie fertig werden, nie eigentlich ihr ganzes, durch ihr Innenwesen bedingtes Leben zum Abschluß bringen. Wer Tiere richtig anschaut, wer sie anschauen kann mit vollständiger innerer lebendiger Erkenntniskraft, der weiß zwar, daß die Tiere nicht unsterblich sind, aber er weiß auch, daß die Tiere die ganze Tragik dieser Nichtunsterblichkeit in ihren Gruppenseelen durchmachen. Die Gruppenseelen sind ja hinausdauernd über das individuelle Leben des Tieres; aber dasjenige, was hier auf der Erde ist von den Tieren, das ist, wie ich schon neulich sagte, eigentlich krank, das ist so, daß es verdirbt, weil es in eine andere Welt gehört und in diese Welt hinein verbannt ist. Und der Mensch seiner äußeren physischen Gestalt nach ist auch in diese Welt hinein verbannt; daher bleibt er verkrüppelt, bleibt ein Kind. Der Mensch bleibt ein Kind. Das Tier ist überhaupt in seinem Wesen seiner physischen Gestalt nach vertrocknet, denn das, was zu Tier und Mensch gehört, das findet man, wenn man durch den Tod geht und in die geistige Welt unmittelbar eintritt, die man nun nach dem ’Tode betrachtet. Denn eigentlich beschreibt man einen Kreis in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Das, was einem verborgen bleibt hier vom Tier- und Pflanzenreich, weswegen man wahrnimmt, daß Tiere und Menschen Verbannte sind aus der geistigen Welt — der Mensch der äußeren physischen Gestalt nach —, das nimmt man zunächst wahr, indem man durch die Pforte des Todes eintritt in die geistige Welt. Da macht man eine Entwickelung durch, und man kommt dazu, daß einem immer mehr und mehr nach dieser Weltenmitternacht, die ich in dem Mysteriendrama beschrieben habe, klar wird: Da fehlt etwas, und was da fehlt, das ist gewissermaßen davongelaufen aus der geistigen Welt. Dem läuft man nach durch die Geburt und findet es dann im mineralischen und Pflanzenreich auf der physischen Erde. Über das Mineral- und pflanzliche Reich ist man eigentlich nicht erstaunt, wenn man durch die Geburt ins Dasein tritt, denn man hat es erwartet. Daß man auch hier auf der: physischen Erde Tiere findet und den Menschen mit einer äußeren Gestalt, die nur vollkommener ist, aber an das Tier erinnert, das ist etwas, was einen einigermaßen erstaunt, nachdem man geboren worden ist mit der Bewußtseinsveranlagung. Man fängt aber an, es zu begreifen, wenn man weiß: Mit dieser äußeren Gestalt der Tiere und Menschen ist ja ein Anfang gegeben, der erst weiterwächst in der Welt, in die man eintritt durch die Todespforte.
[ 10 ] Man könnte sagen: Für die abstrakten und vollständig ausgedörrten Glaubensvorstellungen, die noch geblieben sind — früher waren ja diese Vorstellungen viel lebendiger und gaben dem Menschen wirklich etwas — in unser Bewußtseinszeitalter herein, für die steht zu unvermittelt [nebeneinander] dasjenige, was die Menschen hier in der physischen Welt wahrnehmen, und dasjenige, was sie sich vorstellen sollen, daß es der Welt zugrunde liegt, welche der Mensch durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das, was der Mensch durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, bleibt deshalb heute den Menschen so zweifelhaft und kann so leicht von dem grob materialistischen Geiste geleugnet werden, weil ja der Mensch, indem er in das Zeitalter der Bewußtseinsseele, das heißt, ins intellektuelle Zeitalter eingetreten ist, dadurch nur in Spiegelbildern im Bewußtsein lebt, wie ich ausgeführt habe. Er kann also auch nur in Spiegelbildern leben, wenn er über die Wahrnehmungen hinausgeht, in die ihm, wie ich Ihnen angedeutet habe, im Aufstehen der Füße der Wille hineinspielt. Aber wenn kein Wille hineinspielt — und ins unsterbliche Leben nach dem Tode spielt ja kein Wille hinein — und der Mensch nur darauf angewiesen ist, in den Spiegelbildern des Vorstellens das vor seine Seele zu rücken, was die Welt ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, dann wird ihm diese Welt zweifelhaft, nicht nur gespenstig, sondern zweifelhaft. Ja, man kann sogar folgendes sagen: Wenn sich die Menschen darauf versteifen würden, nur Naturwissenschaften gelten zu lassen, nur die gespenstige Welt sich vor Augen zu rücken, welche die Naturwissenschaft gibt, so haben sie eigentlich recht, das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, überhaupt das Leben nach dem Durchgang durch die Todespforte zu leugnen.; Denn was die Naturwissenschaft gibt, sind ja nur Bilder, ist ja gespenstig. Und das hört auch auf, indem der Mensch durch die Todespforte tritt. Die Naturwissenschaft kann nichts enthalten von dem, was der Mensch erlebt in dem Reiche nach dem Tode und vor der Geburt. Denn sehen Sie: In den Mineralogiebüchern und in den Botanikbüchern und in allem, was damit zusammenhängt, Physiologie, Geologie und so weiter, in all den Vorstellungen, die Sie überhaupt aufnehmen können über Pflanzen und Mineralien, da können Sie ja nur etwas aufnehmen über Wesen, die hier hinein verbannt sind in die physische Welt. Und wiederum in den Tieren und in den Menschenkörpern können Sie auch nur etwas wahrnehmen, was hier hinein verbannt ist — auch in den Zoologiebüchern und Anthropologiebüchern —, und damit setzt sich ja im Grunde, wenn man das im weitesten Sinne denkt, alles Wissen zusammen: Sie können nur dasjenige wahrnehmen, was hier in der Verbannung lebt. Aber wenn Sie bedenken, daß vor der Geburt Ihnen die Wesen gerade fehlen — also da sind sie ja nicht —, die Sie hier erleben nach der Geburt, daß in Tieren und Menschen dasjenige erlebt wird, was hier nicht vorhanden ist, so werden Sie begreifen, daß in das gewöhnliche naturwissenschaftliche Vorstellungsleben gar nichts von dem unsterblichen Leben hereingehen kann, daß die Naturwissenschaft von sich aus ganz recht hat, wenn sie sich um das unsterbliche Leben gewissermaßen nicht kümmert, weil sie in Bildern lebt. Und daher ist es so, daß in dem Zeitalter seit dem 15. Jahrhundert, in dem die naturwissenschaftlichen Vorstellungen alle Kreise beherrschen, der Mensch auf der einen Seite gewissermaßen die robuste, rohe Natur hat, die ihm eigentlich allein als Wirklichkeit gilt, und auf der andern Seite ein Reich, das er nur mit den abgeschwächten Spiegelbildern des Zeitalters der Bewußtseinsseele erreichen will, wo es ihm eigentlich so vorkommt, wie wenn er sich sagt: Nun, indem ich darauf komme, daß das nur Spiegelbilder sind, die ich da denke und im Unterbewußtsein kommt er darauf, denn dann wird er ein Zweifler an der Unsterblichkeit —, dann wäre ich, wenn ich glaubte, daß diese Spiegelbilder und auch mein eigenes Spiegelbild nach meinem Tode noch da seien, ebenso dumm, wie wenn ich glaubte, daß mir aus dem Spiegel an der Wand die Menschen entgegenkommen, daß sie nicht bloß sich spiegelten, sondern mir entgegenkämen.
[ 10 ] Man könnte sagen: Für die abstrakten und vollständig ausgedörrten Glaubensvorstellungen, die noch geblieben sind — früher waren ja diese Vorstellungen viel lebendiger und gaben dem Menschen wirklich etwas — in unser Bewußtseinszeitalter herein, für die steht zu unvermittelt [nebeneinander] dasjenige, was die Menschen hier in der physischen Welt wahrnehmen, und dasjenige, was sie sich vorstellen sollen, daß es der Welt zugrunde liegt, welche der Mensch durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das, was der Mensch durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, bleibt deshalb heute den Menschen so zweifelhaft und kann so leicht von dem grob materialistischen Geiste geleugnet werden, weil ja der Mensch, indem er in das Zeitalter der Bewußtseinsseele, das heißt, ins intellektuelle Zeitalter eingetreten ist, dadurch nur in Spiegelbildern im Bewußtsein lebt, wie ich ausgeführt habe. Er kann also auch nur in Spiegelbildern leben, wenn er über die Wahrnehmungen hinausgeht, in die ihm, wie ich Ihnen angedeutet habe, im Aufstehen der Füße der Wille hineinspielt. Aber wenn kein Wille hineinspielt — und ins unsterbliche Leben nach dem Tode spielt ja kein Wille hinein — und der Mensch nur darauf angewiesen ist, in den Spiegelbildern des Vorstellens das vor seine Seele zu rücken, was die Welt ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, dann wird ihm diese Welt zweifelhaft, nicht nur gespenstig, sondern zweifelhaft. Ja, man kann sogar folgendes sagen: Wenn sich die Menschen darauf versteifen würden, nur Naturwissenschaften gelten zu lassen, nur die gespenstige Welt sich vor Augen zu rücken, welche die Naturwissenschaft gibt, so haben sie eigentlich recht, das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, überhaupt das Leben nach dem Durchgang durch die Todespforte zu leugnen.; Denn was die Naturwissenschaft gibt, sind ja nur Bilder, ist ja gespenstig. Und das hört auch auf, indem der Mensch durch die Todespforte tritt. Die Naturwissenschaft kann nichts enthalten von dem, was der Mensch erlebt in dem Reiche nach dem Tode und vor der Geburt. Denn sehen Sie: In den Mineralogiebüchern und in den Botanikbüchern und in allem, was damit zusammenhängt, Physiologie, Geologie und so weiter, in all den Vorstellungen, die Sie überhaupt aufnehmen können über Pflanzen und Mineralien, da können Sie ja nur etwas aufnehmen über Wesen, die hier hinein verbannt sind in die physische Welt. Und wiederum in den Tieren und in den Menschenkörpern können Sie auch nur etwas wahrnehmen, was hier hinein verbannt ist — auch in den Zoologiebüchern und Anthropologiebüchern —, und damit setzt sich ja im Grunde, wenn man das im weitesten Sinne denkt, alles Wissen zusammen: Sie können nur dasjenige wahrnehmen, was hier in der Verbannung lebt. Aber wenn Sie bedenken, daß vor der Geburt Ihnen die Wesen gerade fehlen — also da sind sie ja nicht —, die Sie hier erleben nach der Geburt, daß in Tieren und Menschen dasjenige erlebt wird, was hier nicht vorhanden ist, so werden Sie begreifen, daß in das gewöhnliche naturwissenschaftliche Vorstellungsleben gar nichts von dem unsterblichen Leben hereingehen kann, daß die Naturwissenschaft von sich aus ganz recht hat, wenn sie sich um das unsterbliche Leben gewissermaßen nicht kümmert, weil sie in Bildern lebt. Und daher ist es so, daß in dem Zeitalter seit dem 15. Jahrhundert, in dem die naturwissenschaftlichen Vorstellungen alle Kreise beherrschen, der Mensch auf der einen Seite gewissermaßen die robuste, rohe Natur hat, die ihm eigentlich allein als Wirklichkeit gilt, und auf der andern Seite ein Reich, das er nur mit den abgeschwächten Spiegelbildern des Zeitalters der Bewußtseinsseele erreichen will, wo es ihm eigentlich so vorkommt, wie wenn er sich sagt: Nun, indem ich darauf komme, daß das nur Spiegelbilder sind, die ich da denke und im Unterbewußtsein kommt er darauf, denn dann wird er ein Zweifler an der Unsterblichkeit —, dann wäre ich, wenn ich glaubte, daß diese Spiegelbilder und auch mein eigenes Spiegelbild nach meinem Tode noch da seien, ebenso dumm, wie wenn ich glaubte, daß mir aus dem Spiegel an der Wand die Menschen entgegenkommen, daß sie nicht bloß sich spiegelten, sondern mir entgegenkämen.
[ 11 ] Es liegt einfach im Charakter dieses Zeitalters der Entwickelung der Bewußtseinsseele, daß dem Menschen, wenn er nicht aufrücken will zu einer geistigen Erfassung der Welt, immer mehr und mehr der Zusammenhang schwindet mit der Welt, in die er eintritt, wenn er durch die Todespforte tritt. Und es schwindet ihm aus der Vorstellung, es schwindet ihm aus dem bewußten Leben, aber es schwindet ihm nicht aus der Sehnsucht. Und selbst die schlimmsten Unsterblichkeitsleugner haben in ihren Untergründen in der Willenssphäre, aus der ja die Sehnsucht stammt, sie haben Sehnsucht, von der Welt etwas zu erfahren, in die der Mensch durch die Todespforte eintritt, aus der er herausgetreten ist, indem er durch die Geburtspforte gegangen ist. Sehnsucht haben sie. An dieser Sehnsucht ist sogar die Gegenwart krank. Und die mancherlei Krankheiten der Gegenwart drücken sich aus, weil diese Sehnsucht in den Menschen waltet und der Mensch keine bewußten Vorstellungen für diese Sehnsucht finden kann. Wenn etwas in unserer Willenssphäre lebt, was der Mensch mit der Vorstellung nicht bewältigen kann — man muß da wiederum sehr radikale Begriffe entwickeln, wenn man über diese Dinge redet —, dann fängt er an zu toben. Das ist das Wesen des Tobens, der Tobsucht, daß etwas in der Willenssphäre lebt, was der Mensch nicht mit seinem Vorstellungsvermögen umfassen kann. Und wenn die Menschen sich nicht dazu bequemen werden, einzugehen auf die Erfassung der geistigen Welt, um durch das Erfassen der geistigen Welten dasjenige zu umfassen, was in der Willenssphäre sich schon herausgestaltet, dann wird die Toberei in der Welt immer größer und größer werden, die Toberei, die sich heute als das nächste Stadium nach dem nicht eintretenden, aber von den Menschen immer erhofften Friedensschluß eben für die Menschen einstellt. Das ist nicht etwas, worüber man reden kann wie in einem Kegelklub, wo man nach den gewöhnlichen philiströsen Vorstellungen meint, da oder dort über das oder jenes Abhilfe schaffen zu können, indem man sich verständigt, nein, das ist etwas, was mit dem tiefsten Wesen der menschlichen Entwickelung zusammenhängt. Der Mensch kann sich nicht dagegen sträuben, daß dasjenige in ihm sich entwickelt, was in seine Willenssphäre eintritt. Darüber hat er keine Macht. Er kann nur sich dazu entschließen, bewußt in die Geistessphäre so einzudringen, daß er das verstehen lernt, was in seine Willenssphäre eindringt. Dadurch wird an Stelle der Toberei geordnetes Menschenzusammenleben sich entwickeln können in der Zukunft.
[ 11 ] Es liegt einfach im Charakter dieses Zeitalters der Entwickelung der Bewußtseinsseele, daß dem Menschen, wenn er nicht aufrücken will zu einer geistigen Erfassung der Welt, immer mehr und mehr der Zusammenhang schwindet mit der Welt, in die er eintritt, wenn er durch die Todespforte tritt. Und es schwindet ihm aus der Vorstellung, es schwindet ihm aus dem bewußten Leben, aber es schwindet ihm nicht aus der Sehnsucht. Und selbst die schlimmsten Unsterblichkeitsleugner haben in ihren Untergründen in der Willenssphäre, aus der ja die Sehnsucht stammt, sie haben Sehnsucht, von der Welt etwas zu erfahren, in die der Mensch durch die Todespforte eintritt, aus der er herausgetreten ist, indem er durch die Geburtspforte gegangen ist. Sehnsucht haben sie. An dieser Sehnsucht ist sogar die Gegenwart krank. Und die mancherlei Krankheiten der Gegenwart drücken sich aus, weil diese Sehnsucht in den Menschen waltet und der Mensch keine bewußten Vorstellungen für diese Sehnsucht finden kann. Wenn etwas in unserer Willenssphäre lebt, was der Mensch mit der Vorstellung nicht bewältigen kann — man muß da wiederum sehr radikale Begriffe entwickeln, wenn man über diese Dinge redet —, dann fängt er an zu toben. Das ist das Wesen des Tobens, der Tobsucht, daß etwas in der Willenssphäre lebt, was der Mensch nicht mit seinem Vorstellungsvermögen umfassen kann. Und wenn die Menschen sich nicht dazu bequemen werden, einzugehen auf die Erfassung der geistigen Welt, um durch das Erfassen der geistigen Welten dasjenige zu umfassen, was in der Willenssphäre sich schon herausgestaltet, dann wird die Toberei in der Welt immer größer und größer werden, die Toberei, die sich heute als das nächste Stadium nach dem nicht eintretenden, aber von den Menschen immer erhofften Friedensschluß eben für die Menschen einstellt. Das ist nicht etwas, worüber man reden kann wie in einem Kegelklub, wo man nach den gewöhnlichen philiströsen Vorstellungen meint, da oder dort über das oder jenes Abhilfe schaffen zu können, indem man sich verständigt, nein, das ist etwas, was mit dem tiefsten Wesen der menschlichen Entwickelung zusammenhängt. Der Mensch kann sich nicht dagegen sträuben, daß dasjenige in ihm sich entwickelt, was in seine Willenssphäre eintritt. Darüber hat er keine Macht. Er kann nur sich dazu entschließen, bewußt in die Geistessphäre so einzudringen, daß er das verstehen lernt, was in seine Willenssphäre eindringt. Dadurch wird an Stelle der Toberei geordnetes Menschenzusammenleben sich entwickeln können in der Zukunft.
[ 12 ] Sie sehen, es ist keine Angelegenheit, die den Menschen nur subjektiv angeht, daß der Mensch sich hinwende zur geistigen Welt, die sich offenbaren will durch eine besondere Welle des Geschehens in unserer Zeit, sondern es ist eine objektive Notwendigkeit, daß der Mensch sich der geistigen Welt zuwendet im Zeitalter der Bewußtseinsseele. Denn Veränderungen sind eben eingetreten in der Menschheitsentwickelung.
[ 12 ] Sie sehen, es ist keine Angelegenheit, die den Menschen nur subjektiv angeht, daß der Mensch sich hinwende zur geistigen Welt, die sich offenbaren will durch eine besondere Welle des Geschehens in unserer Zeit, sondern es ist eine objektive Notwendigkeit, daß der Mensch sich der geistigen Welt zuwendet im Zeitalter der Bewußtseinsseele. Denn Veränderungen sind eben eingetreten in der Menschheitsentwickelung.
[ 13 ] Bis zu dem Zeitpunkt, in dem sich abgespielt hat im Erdenleben das Mysterium von Golgatha, kam alles das, was der Mensch brauchte, um in der Welt hier einigermaßen sicher zu stehen, eben aus dem Schlafe. Man hat anders geschlafen, wenn das auch die heutigen Physiologen nicht zugeben, vor dem Mysterium von Golgatha, als man jetzt schläft. Solche prophetischen Naturen, denen sich in Träumen so Großartiges geoffenbart hat wie den hebräischen Propheten, die gibt es daher auch in dieser Form nicht mehr; denn den Seinen gibt es der Herr heute nicht mehr im Schlafe. Er hat es ihnen gegeben. Das ist eben der große Übergang in der Entwickelung. Und nicht nur den prophetischen Naturen wurden die Bilder der Zukunft gegeben, sondern die Gedanken wurden den Menschen noch bis in die griechische Zeit hinein aus dem Schlaf heraus gegeben. Wenn man aufwachte, brachte man sich die Gedanken mit. Es war der menschliche Organismus noch so konstruiert, daß man sich die Gedanken mitbrachte. Das hat noch eine Weile nachgewirkt, obschon die Sache so war, daß die Menschen eigentlich schon im 15. Jahrhundert kopflos geworden sind — verzeihen Sie! —, das heißt: Der Kopf war nicht mehr recht zu brauchen, der Kopf konnte nicht mehr aus dem Schlaf heraus die Gedanken mitbringen.
[ 13 ] Bis zu dem Zeitpunkt, in dem sich abgespielt hat im Erdenleben das Mysterium von Golgatha, kam alles das, was der Mensch brauchte, um in der Welt hier einigermaßen sicher zu stehen, eben aus dem Schlafe. Man hat anders geschlafen, wenn das auch die heutigen Physiologen nicht zugeben, vor dem Mysterium von Golgatha, als man jetzt schläft. Solche prophetischen Naturen, denen sich in Träumen so Großartiges geoffenbart hat wie den hebräischen Propheten, die gibt es daher auch in dieser Form nicht mehr; denn den Seinen gibt es der Herr heute nicht mehr im Schlafe. Er hat es ihnen gegeben. Das ist eben der große Übergang in der Entwickelung. Und nicht nur den prophetischen Naturen wurden die Bilder der Zukunft gegeben, sondern die Gedanken wurden den Menschen noch bis in die griechische Zeit hinein aus dem Schlaf heraus gegeben. Wenn man aufwachte, brachte man sich die Gedanken mit. Es war der menschliche Organismus noch so konstruiert, daß man sich die Gedanken mitbrachte. Das hat noch eine Weile nachgewirkt, obschon die Sache so war, daß die Menschen eigentlich schon im 15. Jahrhundert kopflos geworden sind — verzeihen Sie! —, das heißt: Der Kopf war nicht mehr recht zu brauchen, der Kopf konnte nicht mehr aus dem Schlaf heraus die Gedanken mitbringen.
[ 14 ] Es ist schon ein Resultat der Geisteswissenschaft, zu erkennen, daß unser Kopf seit dem 15. Jahrhundert ein recht viel weniger brauchbares Werkzeug geworden ist, viel vertrockneter ist, als er vorher war. Aber so recht bemerklich macht sich das erst in der Gegenwart, und es wird sich immer mehr bemerklich machen, wenn nicht ein Ersatz geschaffen wird, so daß das Ausgedünstete des Kopfes wiederum von der geistigen Welt her ersetzt wird. Denn bis in unsere Zeit, bis in das 19. Jahrhundert herein, da war noch immer die andere Natur, die Brustnatur des Menschen gewöhnt an das, was der Kopf aus dem Schlafe heraus noch während der griechisch-lateinischen Zeit bekam. Die Brustnatur war daran gewöhnt, und da haben die Menschen noch die nachwirkenden Impulse in ihre Kopflosigkeit herein gehabt. Sie war noch daran gewöhnt; ich möchte sagen, die Geste des Gedankens, den Schatten des Gedankens hatten die Menschen noch. Aber auch dieser Schatten wird vergehen, die Menschen werden gar keine Gedanken haben, wenn sie sich nur ihrem Kopfe überlassen wollen. Und so ist es ja auch, und es zeigt sich darin, daß die Menschen nicht denken wollen. Immer weniger wollen sie denken. Sie möchten auf der einen Seite sich von der Natur die Gedanken diktieren lassen, am liebsten bloß experimentieren und sich vom Experiment sagen lassen, was sie denken sollen. Selber denken möchten die Menschen nicht. Dazu haben sie auch gar kein rechtes Vertrauen, denn was sie ausdenken, das, meinen sie, ist ja doch keine Wirklichkeit. Es ist ja auch, wenn man die bloßen Gedanken nimmt, keine Wirklichkeit. Aber man kann gewahr werden: Das Denken, nicht die Gedanken, das muß aktiv werden. Dieses Aktivwerden des Denkens, das kommt von dem Hereinspielen der geistigen Welt. Und Sie können heute, wenn Sie wirklich anfangen, aktiv zu denken, gar nicht anders, als die geistige Welt in sich hereinspielen zu lassen. Sonst denken Sie nicht, sonst denken Sie so wenig, wie die Naturforscher heute denken, die sich am liebsten vom Experiment oder der Naturforschung alles diktieren lassen möchten, oder so wenig, wie heute die sozialen Forscher denken, die eigentlich, weil sie nicht aktiv sein wollen, weil sie nicht wirklich soziale Impulse erfassen, welche nur in der Aktivität erfaßt werden können, mit dem arbeiten, was historisch erforscht werden kann, was Vererbung ist. Denken Sie doch nur einmal, wie die Menschen darauf verfallen sind, weil sie nicht mehr selbst die Impulse haben, durch welche die soziale Struktur geschaffen werden kann, zurückzuschauen in die Zeit, wo noch Gedanken sich gebildet haben. Die Menschen sehen nur von einem falschen Gesichtswinkel aus die Sache an. Rousseau war es, der den Menschen den Naturzustand vorgemacht hatte, weil er es spürte: aus der Gegenwart kann man nichts gewinnen, wenn man nicht aktiv wird im Sinn der Erkenntnis höherer Welten. Und der moderne Sozialismus, der ergeht sich am liebsten darinnen, Urzustände der Menschheit zu studieren — das ist ja dasjenige, worein sich besonders die Sozialisten vertiefen —, primitive Zustände zu studieren, zu studieren an allerwildesten Urvölkern und primitivsten Völkern, um zu verstehen, wie die Menschen in der sozialen Zusammenfassung sein sollen. Wer mit diesen Sachen bekannt ist, der weiß das. Überall eine gewisse Furcht vor dem, was so notwendig hereindringt als die erste Morgenröte des Zusammenhangs mit der geistigen Welt, eine gewisse Furcht vor dem aktiven Denken.
[ 14 ] Es ist schon ein Resultat der Geisteswissenschaft, zu erkennen, daß unser Kopf seit dem 15. Jahrhundert ein recht viel weniger brauchbares Werkzeug geworden ist, viel vertrockneter ist, als er vorher war. Aber so recht bemerklich macht sich das erst in der Gegenwart, und es wird sich immer mehr bemerklich machen, wenn nicht ein Ersatz geschaffen wird, so daß das Ausgedünstete des Kopfes wiederum von der geistigen Welt her ersetzt wird. Denn bis in unsere Zeit, bis in das 19. Jahrhundert herein, da war noch immer die andere Natur, die Brustnatur des Menschen gewöhnt an das, was der Kopf aus dem Schlafe heraus noch während der griechisch-lateinischen Zeit bekam. Die Brustnatur war daran gewöhnt, und da haben die Menschen noch die nachwirkenden Impulse in ihre Kopflosigkeit herein gehabt. Sie war noch daran gewöhnt; ich möchte sagen, die Geste des Gedankens, den Schatten des Gedankens hatten die Menschen noch. Aber auch dieser Schatten wird vergehen, die Menschen werden gar keine Gedanken haben, wenn sie sich nur ihrem Kopfe überlassen wollen. Und so ist es ja auch, und es zeigt sich darin, daß die Menschen nicht denken wollen. Immer weniger wollen sie denken. Sie möchten auf der einen Seite sich von der Natur die Gedanken diktieren lassen, am liebsten bloß experimentieren und sich vom Experiment sagen lassen, was sie denken sollen. Selber denken möchten die Menschen nicht. Dazu haben sie auch gar kein rechtes Vertrauen, denn was sie ausdenken, das, meinen sie, ist ja doch keine Wirklichkeit. Es ist ja auch, wenn man die bloßen Gedanken nimmt, keine Wirklichkeit. Aber man kann gewahr werden: Das Denken, nicht die Gedanken, das muß aktiv werden. Dieses Aktivwerden des Denkens, das kommt von dem Hereinspielen der geistigen Welt. Und Sie können heute, wenn Sie wirklich anfangen, aktiv zu denken, gar nicht anders, als die geistige Welt in sich hereinspielen zu lassen. Sonst denken Sie nicht, sonst denken Sie so wenig, wie die Naturforscher heute denken, die sich am liebsten vom Experiment oder der Naturforschung alles diktieren lassen möchten, oder so wenig, wie heute die sozialen Forscher denken, die eigentlich, weil sie nicht aktiv sein wollen, weil sie nicht wirklich soziale Impulse erfassen, welche nur in der Aktivität erfaßt werden können, mit dem arbeiten, was historisch erforscht werden kann, was Vererbung ist. Denken Sie doch nur einmal, wie die Menschen darauf verfallen sind, weil sie nicht mehr selbst die Impulse haben, durch welche die soziale Struktur geschaffen werden kann, zurückzuschauen in die Zeit, wo noch Gedanken sich gebildet haben. Die Menschen sehen nur von einem falschen Gesichtswinkel aus die Sache an. Rousseau war es, der den Menschen den Naturzustand vorgemacht hatte, weil er es spürte: aus der Gegenwart kann man nichts gewinnen, wenn man nicht aktiv wird im Sinn der Erkenntnis höherer Welten. Und der moderne Sozialismus, der ergeht sich am liebsten darinnen, Urzustände der Menschheit zu studieren — das ist ja dasjenige, worein sich besonders die Sozialisten vertiefen —, primitive Zustände zu studieren, zu studieren an allerwildesten Urvölkern und primitivsten Völkern, um zu verstehen, wie die Menschen in der sozialen Zusammenfassung sein sollen. Wer mit diesen Sachen bekannt ist, der weiß das. Überall eine gewisse Furcht vor dem, was so notwendig hereindringt als die erste Morgenröte des Zusammenhangs mit der geistigen Welt, eine gewisse Furcht vor dem aktiven Denken.
[ 15 ] Daher versteht man so schwer dasjenige, was auf aktives Denken Anspruch macht, wie zum Beispiel meine «Philosophie der Freiheit». Da sind die Gedanken anders, als die heut üblichen Gedanken sind. Und beim Lesen dieses Buches hören die Menschen manchmal sehr bald auf zu lesen, aus dem einfachen Grunde: sie möchten es lesen wie ein anderes Buch. Aber, nicht wahr, die andern Bücher, die man heute besonders gern hat, nun, die liest man, setzt sich hin auf die Chaiselongue, legt etwas den Rücken zurück, dann wird man möglichst passiv und läßt so die Gedankenbilder vorbeigehen. Manche Menschen betreiben ja das Lesen schließlich überhaupt nur noch so. Betrügen Sie sich nicht, indem Sie glauben, daß sie die Zeitungen oftmals anders lesen, diese Menschen — nicht wahr, die Anwesenden sind immer ausgenommen, selbstverständlich —, es mischen sich nur manchmal Emotionen hinein, Sorgen hinein; aber auch die Zeitungen, die so sensationell aufgenommen werden, die werden .auch so gelesen, daß die Bilder so vorbeihuschen. Ja, so läßt sich so etwas, wie es versucht worden ist darzustellen in der «Philosophie der Freiheit», nicht lesen. Da muß man sich immerfort einen Ruck geben, damit diese Gedanken einen nicht einschläfern. Denn darauf ist nicht gerechnet, daß man auf der Chaiselongue bloß sitzt. Man kann ja sitzen, selbstverständlich, kann sogar den Rücken zurücklehnen, aber man muß dann versuchen, aus dem ganzen Menschen, gerade dadurch, daß man die äußere Leiblichkeit in Ruhe gebracht hat, das innere geistigseelische Wesen in Bewegung zu setzen, so daß das ganze Denken in Bewegung kommt. Anders geht es nicht vorwärts, sonst schläft man ein. Es schlafen auch viele dabei ein, und das sind nicht einmal die unehrlichsten. Die unehrlichsten sind diejenigen, welche die «Philosophie der Freiheit» lesen wie ein anderes Buch und dann glauben, daß sie wirklich die Gedanken verfolgt haben. Sie haben sie nicht verfolgt, sondern sie haben sie nur so übersetzt wie Worthülsen; sie lesen nur so die Worte und nehmen nicht heraus, was eigentlich aus den Worten erst folgt, wie wenn man am Feuerstein den Stahl schlägt. Das ist schon dasjenige, was beansprucht werden muß von dem, was in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft in die Menschheitsentwickelung eingreifen muß, denn dadurch wird die Menschheit allmählich in gesunder Art sich in die geistige Welt hinauf erheben. An dem aktiven Denken wird sich entzünden die innere Verwandtschaft des Menschen mit der geistigen Welt, und dann wird der Mensch immer weiter hinaufkommen. Er kann ja heute schon sehr weit kommen, wenn er solche Dinge beobachtet, wie sie in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind. Aber auch da ist hinlänglich darauf hingedeutet, daß es doch notwendig ist, daß das kohärente, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, das zusammenhängende Denken, wo niemals der Gedankenfaden abreißt, sondern alles am Gedankenfaden verfolgt wird, vorzugsweise entwickelt werde.
[ 15 ] Daher versteht man so schwer dasjenige, was auf aktives Denken Anspruch macht, wie zum Beispiel meine «Philosophie der Freiheit». Da sind die Gedanken anders, als die heut üblichen Gedanken sind. Und beim Lesen dieses Buches hören die Menschen manchmal sehr bald auf zu lesen, aus dem einfachen Grunde: sie möchten es lesen wie ein anderes Buch. Aber, nicht wahr, die andern Bücher, die man heute besonders gern hat, nun, die liest man, setzt sich hin auf die Chaiselongue, legt etwas den Rücken zurück, dann wird man möglichst passiv und läßt so die Gedankenbilder vorbeigehen. Manche Menschen betreiben ja das Lesen schließlich überhaupt nur noch so. Betrügen Sie sich nicht, indem Sie glauben, daß sie die Zeitungen oftmals anders lesen, diese Menschen — nicht wahr, die Anwesenden sind immer ausgenommen, selbstverständlich —, es mischen sich nur manchmal Emotionen hinein, Sorgen hinein; aber auch die Zeitungen, die so sensationell aufgenommen werden, die werden .auch so gelesen, daß die Bilder so vorbeihuschen. Ja, so läßt sich so etwas, wie es versucht worden ist darzustellen in der «Philosophie der Freiheit», nicht lesen. Da muß man sich immerfort einen Ruck geben, damit diese Gedanken einen nicht einschläfern. Denn darauf ist nicht gerechnet, daß man auf der Chaiselongue bloß sitzt. Man kann ja sitzen, selbstverständlich, kann sogar den Rücken zurücklehnen, aber man muß dann versuchen, aus dem ganzen Menschen, gerade dadurch, daß man die äußere Leiblichkeit in Ruhe gebracht hat, das innere geistigseelische Wesen in Bewegung zu setzen, so daß das ganze Denken in Bewegung kommt. Anders geht es nicht vorwärts, sonst schläft man ein. Es schlafen auch viele dabei ein, und das sind nicht einmal die unehrlichsten. Die unehrlichsten sind diejenigen, welche die «Philosophie der Freiheit» lesen wie ein anderes Buch und dann glauben, daß sie wirklich die Gedanken verfolgt haben. Sie haben sie nicht verfolgt, sondern sie haben sie nur so übersetzt wie Worthülsen; sie lesen nur so die Worte und nehmen nicht heraus, was eigentlich aus den Worten erst folgt, wie wenn man am Feuerstein den Stahl schlägt. Das ist schon dasjenige, was beansprucht werden muß von dem, was in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft in die Menschheitsentwickelung eingreifen muß, denn dadurch wird die Menschheit allmählich in gesunder Art sich in die geistige Welt hinauf erheben. An dem aktiven Denken wird sich entzünden die innere Verwandtschaft des Menschen mit der geistigen Welt, und dann wird der Mensch immer weiter hinaufkommen. Er kann ja heute schon sehr weit kommen, wenn er solche Dinge beobachtet, wie sie in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind. Aber auch da ist hinlänglich darauf hingedeutet, daß es doch notwendig ist, daß das kohärente, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, das zusammenhängende Denken, wo niemals der Gedankenfaden abreißt, sondern alles am Gedankenfaden verfolgt wird, vorzugsweise entwickelt werde.
[ 16 ] Aus alten Zeiten mischt sich in diese heute noch mehr oder weniger unklar und unbewußt gebliebene Sehnsucht, mit dem bewußten Denken aufzurücken in die Sphäre, wo die Geister sind — was man kann —, es mischt sich erst recht hinein ein müdes Verharrenwollen beim inkohärenten Denken. Ich habe schon neulich darauf aufmerksam gemacht: Es ist den Menschen unbequem, immer fortschreiten zu sollen mit dem bewußten Denken von Schritt zu Schritt. Sie möchten lieber durch ein mehr unbewußtes, nicht mit den Gedanken zu verfolgendes Gebiet gehen, und dann erst wiederum den nächsten Schritt machen, nicht wahr? Es ist nicht so, daß man Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist und die, wie Sie wissen, in gesunder Weise rechnet mit dem steten Verfolgen der Gedanken, nicht verstehen kann, wenn man die Gedanken wirklich rege macht; sondern es wünschen die Menschen nur, sie anders zu verstehen, als man sie verstehen muß. Statt eines steten Verfolgens des Gedankens wünschen die Menschen, daß der Gedankenfaden immer abreißt. Wenn Sie sich vertiefen in das, was Ihnen die Geisteswissenschaft gibt, dann können Sie, wenn Sie sich nur wirklich energisch vertiefen — haben Sie Geduld, das kann im heutigen Zeitalter nur in Andeutungen noch vorhanden sein —, schon heute, indem Sie die Kraft der Gedanken entwickeln, um mit den Gedanken Saturn, Sonne und Mond zu verfolgen, wie sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» beschrieben sind, diese Entwickelung bis da herein verfolgen, wo der Mensch dasteht in der Welt, und bis in Ihr eigenes Leben dringen, und mit dem also intensiver gemachten Gedanken Ihr eigenes Leben durchdringen. Dann kommen Sie zu gewissen, wenn auch anders aussehenden, als man es haben wollte, aber durchaus in dem Zusammenhange, in der Kohärenz des Denkens liegenden Vorstellungen, die Sie aufklären über Ihr Wesen, über die Art, wie Sie sind, über Ihren Charakter. Sie können nämlich, indem Sie wirklich lebendig machen, was über Saturn, Sonne und Mond und dann über die Erdenentwickelung gesagt ist, und das anwenden auf sich als einzelnen Menschen, fortschreiten bis zu Ihrem eigenen Wesen, nur müssen Sie mit dem Gedanken fortgehen zu Ihrer Selbstanschauung, nicht den Gedanken abreißen lassen, sondern kohärent den Gedanken lassen, ihn zusammenhängen lassen. Das, was der Mensch heute auf diese Weise rechtmäßig beginnt, klärt ihn bis zu dem Grade, bis zu dem er aufgeklärt sein soll, über sein eigenes, persönliches Wesen auf. In diese Sehnsucht, die aber beim Menschen mehr oder weniger unbewußt noch vorhanden ist, mischt sich etwas anderes hinein mit dem Abreißen des Gedankenfadens, so etwas Errechnetes. Der Mensch möchte über sein Wesen Aufklärung gewinnen. Was tut er? Er nimmt eine alte, antiquierte Wissenschaft, die durchaus in bezug auf ihre Ehrwürdigkeit nicht herabgesetzt werden soll, selbstverständlich, aber die einer Erklärung bedarf, wenn sie in das neue Zeitalter hereingestellt werden soll, und rechnet, wobei er alle Augenblicke den Gedankenfaden abreißen läßt, Sternkonstellationen aus; nachher kann der Gedankenfaden abreißen, und rein äußerlich, ohne Denken soll sich entwickeln dieses Wesen des Menschen, so wie er dasteht auf der Erde.
[ 16 ] Aus alten Zeiten mischt sich in diese heute noch mehr oder weniger unklar und unbewußt gebliebene Sehnsucht, mit dem bewußten Denken aufzurücken in die Sphäre, wo die Geister sind — was man kann —, es mischt sich erst recht hinein ein müdes Verharrenwollen beim inkohärenten Denken. Ich habe schon neulich darauf aufmerksam gemacht: Es ist den Menschen unbequem, immer fortschreiten zu sollen mit dem bewußten Denken von Schritt zu Schritt. Sie möchten lieber durch ein mehr unbewußtes, nicht mit den Gedanken zu verfolgendes Gebiet gehen, und dann erst wiederum den nächsten Schritt machen, nicht wahr? Es ist nicht so, daß man Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist und die, wie Sie wissen, in gesunder Weise rechnet mit dem steten Verfolgen der Gedanken, nicht verstehen kann, wenn man die Gedanken wirklich rege macht; sondern es wünschen die Menschen nur, sie anders zu verstehen, als man sie verstehen muß. Statt eines steten Verfolgens des Gedankens wünschen die Menschen, daß der Gedankenfaden immer abreißt. Wenn Sie sich vertiefen in das, was Ihnen die Geisteswissenschaft gibt, dann können Sie, wenn Sie sich nur wirklich energisch vertiefen — haben Sie Geduld, das kann im heutigen Zeitalter nur in Andeutungen noch vorhanden sein —, schon heute, indem Sie die Kraft der Gedanken entwickeln, um mit den Gedanken Saturn, Sonne und Mond zu verfolgen, wie sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» beschrieben sind, diese Entwickelung bis da herein verfolgen, wo der Mensch dasteht in der Welt, und bis in Ihr eigenes Leben dringen, und mit dem also intensiver gemachten Gedanken Ihr eigenes Leben durchdringen. Dann kommen Sie zu gewissen, wenn auch anders aussehenden, als man es haben wollte, aber durchaus in dem Zusammenhange, in der Kohärenz des Denkens liegenden Vorstellungen, die Sie aufklären über Ihr Wesen, über die Art, wie Sie sind, über Ihren Charakter. Sie können nämlich, indem Sie wirklich lebendig machen, was über Saturn, Sonne und Mond und dann über die Erdenentwickelung gesagt ist, und das anwenden auf sich als einzelnen Menschen, fortschreiten bis zu Ihrem eigenen Wesen, nur müssen Sie mit dem Gedanken fortgehen zu Ihrer Selbstanschauung, nicht den Gedanken abreißen lassen, sondern kohärent den Gedanken lassen, ihn zusammenhängen lassen. Das, was der Mensch heute auf diese Weise rechtmäßig beginnt, klärt ihn bis zu dem Grade, bis zu dem er aufgeklärt sein soll, über sein eigenes, persönliches Wesen auf. In diese Sehnsucht, die aber beim Menschen mehr oder weniger unbewußt noch vorhanden ist, mischt sich etwas anderes hinein mit dem Abreißen des Gedankenfadens, so etwas Errechnetes. Der Mensch möchte über sein Wesen Aufklärung gewinnen. Was tut er? Er nimmt eine alte, antiquierte Wissenschaft, die durchaus in bezug auf ihre Ehrwürdigkeit nicht herabgesetzt werden soll, selbstverständlich, aber die einer Erklärung bedarf, wenn sie in das neue Zeitalter hereingestellt werden soll, und rechnet, wobei er alle Augenblicke den Gedankenfaden abreißen läßt, Sternkonstellationen aus; nachher kann der Gedankenfaden abreißen, und rein äußerlich, ohne Denken soll sich entwickeln dieses Wesen des Menschen, so wie er dasteht auf der Erde.
[ 17 ] Sehen Sie: Die römisch-katholische Kirche, wie ich gestern dargestellt habe, verleugnet dasjenige, was heute das Allernotwendigste ist; aber gerade wenn man so etwas nimmt wie die Beschreibung der inneren Beschauung des Johannes vom Kreuz, so kann dieses erfüllt werden, wenn man heute im Sinne der Entwickelung lebt, entsprechend «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Was in diesem Buche enthalten ist, das ist — gerade für die heutige Zeit — die Befolgung desjenigen, was ein Mensch wie der heilige Johannes vom Kreuz will, während die katholische Kirche das ableugnet und heute noch immer die alte Art des Johannes vom Kreuz auch auf den heutigen Menschen angewendet wissen will, wie es auch manche Menschen tun. Sie wollen nicht, weil sie zu bequem sind, jenes aktive Leben im Geiste, das schon auf einer sehr stark wirkenden Stufe vorhanden ist, wenn man solche Vorstellungen aufnimmt, wie sie in der Geisteswissenschaft gegeben werden. Sie wollen das in gebräuchlicheren Gedanken bis in die unmittelbare Gegenwart herein fortsetzen, wollen lieber beim alten bleiben, damit ihnen herausspringe aus den Ungedanken dasjenige, was sie aufklären soll über ihren gegenwärtigen Menschen. Selbstverständlich ist über das also Ehrwürdige kein absprechendes Ürteil gefällt; aber hingewiesen werden muß von allen Seiten darauf, daß man dasjenige nicht verleugnen darf, was in den geistigen Notwendigkeiten der gegenwärtigen Menschheitsentwickelung, die in das Zeitalter der Bewußtseinsseele eintritt, eben gelegen ist. Darum handelt es sich, daß man wirklich versteht, was heute von dem Menschen gewollt wird in der Weltenentwickelung. Ich glaube, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf — es ist ja nur eine «facon de parler» —, daß aus dem rechten Empfinden gerade desjenigen, was die Menschen heute unbequem finden und nicht wollen, immer mehr und mehr sich die bessere Stellung zur Geisteswissenschaft ergeben wird, und erst, wenn sich diese bessere Stellung zur Geisteswissenschaft ergibt, dann wird diese auch das soziale Leben befruchten. Dann wird der Mensch über das Menschenleben sich aufklären können, weil er dann nur die starken Gedanken hat, um sich über das Menschenleben aufzuklären. Denn bei dieser Aufklärung über das Menschenleben, da leidet der gegenwärtige Mensch an einem sehr mißlichen Umstande. Ob Sie Leninist oder Trotzkist oder ob Sie Marxist sind, oder ob Sie sonst irgendwie denken, die soziale Struktur des Menschen in der richtigen Weise auszuformen: in alldem lebt ein mißlicher Umstand, der nicht durchschaut wird, auch praktisch nicht durchschaut wird, wenn man nicht von Geisteswissenschaft sich befruchten läßt. Nicht wahr, der Mensch ist ja nun einmal ins Zeitalter der Bewußtseinsseele eingetreten. Er muß bewußt entwickeln dasjenige, was als soziale Struktur sich erhebt. Anders geht es gar nicht. Er muß bewußt drinnenstehen in der Welt; es ist einmal notwendig, daß der Mensch bewußt drinnensteht. Nur soll er auch das Verhältnis von Mensch zu Mensch, das Leben in der Sozietät, das soziale Leben bewußt auffassen. Daran hindert ihn nämlich ein mißlicher Umstand. Das Fatale ist, daß der Mensch immer nur einen Menschen vorstellen kann. Genau ebenso, wie nicht zwei Menschen — physische Menschen, meine ich —, wie nicht zwei Dinge — physische Dinge meine ich jetzt wiederum — gleichzeitig an einem Ort sein können, was das Gesetz der Undurchdringlichkeit ausmacht, so können im menschlichen Bewußtsein nicht gleichzeitig zwei Menschen sein, gleichzeitig zwei Menschen wirklich real vorgestellt werden. Das ist sehr wichtig, daß man das berücksichtigt. Aber man kann nicht mit dem andern Menschen leben, ohne daß man ihn vorstellt, und man kann auch kein Wissen über das soziale Zusammenleben ausbilden, ohne daß man den andern Menschen vorstellt. Aber heute ist es so, daß der Mensch, weil er immer nur einen Menschen vorstellen kann, es gewöhnlich vorzieht, nur sich vorzustellen, seinen Menschen vorzustellen. Und das soziale Denken begnügt sich auch damit, ein Zusammenleben zu fordern, wo immer nur der Mensch selbst von sich vorgestellt wird. Der Mensch kommt nicht los von der Vorstellung seines Selbstes; er redet sich oft ein, davon loszukommen, aber er kommt in Wirklichkeit heute noch nicht leicht davon los. Nur wenn er sich bemüht, die Zumutungen zu erfüllen, die durch die Geisteswissenschaft gestellt sind, dann gewinnt er allmählich die Möglichkeit, von sich etwas loszukommen. Denn Geisteswissenschaft setzt solche Gedanken in die Welt, die sehr weite Perspektiven erreichen. Dadurch kommt der Mensch in die Gewohnheit hinein, von sich loszukommen. Wie der Mensch heute, wenn er Spiritist wird, noch egoistischer wird, als er früher schon war, so wird er selbstloser, wenn er auf dem andern Wege, auf dem Wege der Geisteswissenschaft in die geistige Welt eindringen will. Daher ist Geisteswissenschaft nicht bloß die Überlieferung einer Wissenschaft, sondern ist tatsächlich dasjenige, was für die Erziehung der gegenwärtigen Menschheit zum sozialen Leben unbedingt notwendig ist. Daher wird auch kein Heil entstehen, wenn man nicht in diesem Punkt anfängt, wenn man nicht wirklich daran denkt: bei dem Vorstellen muß angefangen werden. Man kann nicht sozial reformieren, wenn man nicht beim Schulwesen anfängt, beim Unterricht der Menschen anfängt. Und versäumt man dieses, so versäumt man die Möglichkeit, daß die Menschen Begriffe aufnehmen, welche ihre Sehnsuchten umfassen. Und sie werden immer tobsüchtiger werden, die Menschen, wenn ich mich radikal ausdrücken will.
[ 17 ] Sehen Sie: Die römisch-katholische Kirche, wie ich gestern dargestellt habe, verleugnet dasjenige, was heute das Allernotwendigste ist; aber gerade wenn man so etwas nimmt wie die Beschreibung der inneren Beschauung des Johannes vom Kreuz, so kann dieses erfüllt werden, wenn man heute im Sinne der Entwickelung lebt, entsprechend «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Was in diesem Buche enthalten ist, das ist — gerade für die heutige Zeit — die Befolgung desjenigen, was ein Mensch wie der heilige Johannes vom Kreuz will, während die katholische Kirche das ableugnet und heute noch immer die alte Art des Johannes vom Kreuz auch auf den heutigen Menschen angewendet wissen will, wie es auch manche Menschen tun. Sie wollen nicht, weil sie zu bequem sind, jenes aktive Leben im Geiste, das schon auf einer sehr stark wirkenden Stufe vorhanden ist, wenn man solche Vorstellungen aufnimmt, wie sie in der Geisteswissenschaft gegeben werden. Sie wollen das in gebräuchlicheren Gedanken bis in die unmittelbare Gegenwart herein fortsetzen, wollen lieber beim alten bleiben, damit ihnen herausspringe aus den Ungedanken dasjenige, was sie aufklären soll über ihren gegenwärtigen Menschen. Selbstverständlich ist über das also Ehrwürdige kein absprechendes Ürteil gefällt; aber hingewiesen werden muß von allen Seiten darauf, daß man dasjenige nicht verleugnen darf, was in den geistigen Notwendigkeiten der gegenwärtigen Menschheitsentwickelung, die in das Zeitalter der Bewußtseinsseele eintritt, eben gelegen ist. Darum handelt es sich, daß man wirklich versteht, was heute von dem Menschen gewollt wird in der Weltenentwickelung. Ich glaube, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf — es ist ja nur eine «facon de parler» —, daß aus dem rechten Empfinden gerade desjenigen, was die Menschen heute unbequem finden und nicht wollen, immer mehr und mehr sich die bessere Stellung zur Geisteswissenschaft ergeben wird, und erst, wenn sich diese bessere Stellung zur Geisteswissenschaft ergibt, dann wird diese auch das soziale Leben befruchten. Dann wird der Mensch über das Menschenleben sich aufklären können, weil er dann nur die starken Gedanken hat, um sich über das Menschenleben aufzuklären. Denn bei dieser Aufklärung über das Menschenleben, da leidet der gegenwärtige Mensch an einem sehr mißlichen Umstande. Ob Sie Leninist oder Trotzkist oder ob Sie Marxist sind, oder ob Sie sonst irgendwie denken, die soziale Struktur des Menschen in der richtigen Weise auszuformen: in alldem lebt ein mißlicher Umstand, der nicht durchschaut wird, auch praktisch nicht durchschaut wird, wenn man nicht von Geisteswissenschaft sich befruchten läßt. Nicht wahr, der Mensch ist ja nun einmal ins Zeitalter der Bewußtseinsseele eingetreten. Er muß bewußt entwickeln dasjenige, was als soziale Struktur sich erhebt. Anders geht es gar nicht. Er muß bewußt drinnenstehen in der Welt; es ist einmal notwendig, daß der Mensch bewußt drinnensteht. Nur soll er auch das Verhältnis von Mensch zu Mensch, das Leben in der Sozietät, das soziale Leben bewußt auffassen. Daran hindert ihn nämlich ein mißlicher Umstand. Das Fatale ist, daß der Mensch immer nur einen Menschen vorstellen kann. Genau ebenso, wie nicht zwei Menschen — physische Menschen, meine ich —, wie nicht zwei Dinge — physische Dinge meine ich jetzt wiederum — gleichzeitig an einem Ort sein können, was das Gesetz der Undurchdringlichkeit ausmacht, so können im menschlichen Bewußtsein nicht gleichzeitig zwei Menschen sein, gleichzeitig zwei Menschen wirklich real vorgestellt werden. Das ist sehr wichtig, daß man das berücksichtigt. Aber man kann nicht mit dem andern Menschen leben, ohne daß man ihn vorstellt, und man kann auch kein Wissen über das soziale Zusammenleben ausbilden, ohne daß man den andern Menschen vorstellt. Aber heute ist es so, daß der Mensch, weil er immer nur einen Menschen vorstellen kann, es gewöhnlich vorzieht, nur sich vorzustellen, seinen Menschen vorzustellen. Und das soziale Denken begnügt sich auch damit, ein Zusammenleben zu fordern, wo immer nur der Mensch selbst von sich vorgestellt wird. Der Mensch kommt nicht los von der Vorstellung seines Selbstes; er redet sich oft ein, davon loszukommen, aber er kommt in Wirklichkeit heute noch nicht leicht davon los. Nur wenn er sich bemüht, die Zumutungen zu erfüllen, die durch die Geisteswissenschaft gestellt sind, dann gewinnt er allmählich die Möglichkeit, von sich etwas loszukommen. Denn Geisteswissenschaft setzt solche Gedanken in die Welt, die sehr weite Perspektiven erreichen. Dadurch kommt der Mensch in die Gewohnheit hinein, von sich loszukommen. Wie der Mensch heute, wenn er Spiritist wird, noch egoistischer wird, als er früher schon war, so wird er selbstloser, wenn er auf dem andern Wege, auf dem Wege der Geisteswissenschaft in die geistige Welt eindringen will. Daher ist Geisteswissenschaft nicht bloß die Überlieferung einer Wissenschaft, sondern ist tatsächlich dasjenige, was für die Erziehung der gegenwärtigen Menschheit zum sozialen Leben unbedingt notwendig ist. Daher wird auch kein Heil entstehen, wenn man nicht in diesem Punkt anfängt, wenn man nicht wirklich daran denkt: bei dem Vorstellen muß angefangen werden. Man kann nicht sozial reformieren, wenn man nicht beim Schulwesen anfängt, beim Unterricht der Menschen anfängt. Und versäumt man dieses, so versäumt man die Möglichkeit, daß die Menschen Begriffe aufnehmen, welche ihre Sehnsuchten umfassen. Und sie werden immer tobsüchtiger werden, die Menschen, wenn ich mich radikal ausdrücken will.
[ 18 ] Also so ist der innere Zusammenhang. Man möchte nur, daß gerade dieser innere Zusammenhang überschaut würde. Man möchte, daß vor allen Dingen dieser innere Zusammenhang gefühlt werde von jedem, welcher an die Geisteswissenschaft herantritt und in ihr bis zu dem einen oder bis zu dem andern Punkt leben möchte. Das ist etwas, was überlegt sein will von jedem, der es mit der Geisteswissenschaft und mit der geisteswissenschaftlichen Bewegung ernst nehmen will. Es läßt sich nicht gut übersehen, es läßt sich nicht gut außer acht lassen, daß, wenn man zur Geisteswissenschaft in eine Beziehung tritt, von der Geisteswissenschaft in gewissem Sinne die Anforderung an das Menschengemüt ja gestellt wird, die Interessen über die engen persönlichen Interessen hinaus zu erweitern. Es ist wirklich so, daß, indem von Geisteswissenschaft gesprochen wird, man einfach von Dingen spricht, welche notwendig machen, wenn man sich in ein richtiges Verhältnis zu ihnen setzen will, daß der Mensch sich von seinen engsten Interessen loslöst. Er soll nur keine Angst bekommen, daß er deshalb ein unpraktischer Mensch wird; er wird ein viel praktischerer. Dasjenige, in das sich die Menschen nach und nach hineingebracht haben dadurch, daß sie so ungeistig geworden sind, das ist ja nur der Glaube, daß sie praktisch sind. In Wirklichkeit sind ja die Praktiker heute furchtbar unpraktische Leute. Und die Praktiker haben ja eigentlich diese Katastrophe der Menschheit herbeigeführt. Und darinnen liegt schon etwas ungeheuer Wichtiges, daß man eigentlich immer voraussetzen muß, wenn man recht verstehen will das Geisteswissenschaftliche: Loslösen muß man sich von seinen engsten Interessen. Man muß etwas loskommen von seiner unmittelbaren Persönlichkeit, denn es tut nicht gut, wenn man in die geisteswissenschaftliche Bewegung die engen persönlichen Interessen hereinträgt. Das bewirkt gerade immer irgendeinen Unfug in dem Verhältnis, durch das man zur Geisteswissenschaft in Beziehung tritt. Darinnen liegt ja natürlich auch dasjenige, was heute die geisteswissenschaftliche Bewegung noch schwierig macht. Manchmal haben die Menschen theoretisch und abstrakt den guten Willen, in die Geisteswissenschaft hineinzugehen mit ihrem eigenen Denken und Fühlen und ihrem Wollen, aber sie bringen doch nicht ganz die Kraft auf, nun wirklich in die Losgelöstheit einzutreten, die doch schon einmal gefordert werden muß, um richtig zu verstehen, was vom Standpunkt der Geisteswissenschaft aus gesprochen wird. Also eine Art von Geisteszustand, der nicht ohne weiteres in der heutigen Welt vorhanden ist, sondern wovon vielfach das Gegenteil in der heutigen Welt vorhanden ist, der wird gefordert, wenn geisteswissenschaftliche Bewegung heilsam sein soll. Denn dadurch unterscheidet sich das ehrliche Vorbringen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse von allem andern, was in der Gegenwart auftritt, daß dieses ehrliche Vorbringen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse ja auch keine persönliche Angelegenheit ist, nicht das Vorbringen einer persönlichen Meinung. Würde ich die Ansicht haben müssen, daß ich nur persönliche Meinungen vortrage, daß ich nicht dasjenige vortrage, was sich eben heute offenbart, was gerade der Menschheit notwendig ist, so würde ich lieber schweigen. Denn persönliche Meinungen und persönliche Aspirationen geltend zu machen in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung, das ist eigentlich etwas Unerlaubtes. Das sollte nicht stattfinden. Gerechtfertigt ist eine solche Bewegung, wie sie hier angestrebt wird, nur dann, wenn vorliegt der Wille, nur das vorzubringen, was sich aus der geistigen Welt heraus beobachten läßt.
[ 18 ] Also so ist der innere Zusammenhang. Man möchte nur, daß gerade dieser innere Zusammenhang überschaut würde. Man möchte, daß vor allen Dingen dieser innere Zusammenhang gefühlt werde von jedem, welcher an die Geisteswissenschaft herantritt und in ihr bis zu dem einen oder bis zu dem andern Punkt leben möchte. Das ist etwas, was überlegt sein will von jedem, der es mit der Geisteswissenschaft und mit der geisteswissenschaftlichen Bewegung ernst nehmen will. Es läßt sich nicht gut übersehen, es läßt sich nicht gut außer acht lassen, daß, wenn man zur Geisteswissenschaft in eine Beziehung tritt, von der Geisteswissenschaft in gewissem Sinne die Anforderung an das Menschengemüt ja gestellt wird, die Interessen über die engen persönlichen Interessen hinaus zu erweitern. Es ist wirklich so, daß, indem von Geisteswissenschaft gesprochen wird, man einfach von Dingen spricht, welche notwendig machen, wenn man sich in ein richtiges Verhältnis zu ihnen setzen will, daß der Mensch sich von seinen engsten Interessen loslöst. Er soll nur keine Angst bekommen, daß er deshalb ein unpraktischer Mensch wird; er wird ein viel praktischerer. Dasjenige, in das sich die Menschen nach und nach hineingebracht haben dadurch, daß sie so ungeistig geworden sind, das ist ja nur der Glaube, daß sie praktisch sind. In Wirklichkeit sind ja die Praktiker heute furchtbar unpraktische Leute. Und die Praktiker haben ja eigentlich diese Katastrophe der Menschheit herbeigeführt. Und darinnen liegt schon etwas ungeheuer Wichtiges, daß man eigentlich immer voraussetzen muß, wenn man recht verstehen will das Geisteswissenschaftliche: Loslösen muß man sich von seinen engsten Interessen. Man muß etwas loskommen von seiner unmittelbaren Persönlichkeit, denn es tut nicht gut, wenn man in die geisteswissenschaftliche Bewegung die engen persönlichen Interessen hereinträgt. Das bewirkt gerade immer irgendeinen Unfug in dem Verhältnis, durch das man zur Geisteswissenschaft in Beziehung tritt. Darinnen liegt ja natürlich auch dasjenige, was heute die geisteswissenschaftliche Bewegung noch schwierig macht. Manchmal haben die Menschen theoretisch und abstrakt den guten Willen, in die Geisteswissenschaft hineinzugehen mit ihrem eigenen Denken und Fühlen und ihrem Wollen, aber sie bringen doch nicht ganz die Kraft auf, nun wirklich in die Losgelöstheit einzutreten, die doch schon einmal gefordert werden muß, um richtig zu verstehen, was vom Standpunkt der Geisteswissenschaft aus gesprochen wird. Also eine Art von Geisteszustand, der nicht ohne weiteres in der heutigen Welt vorhanden ist, sondern wovon vielfach das Gegenteil in der heutigen Welt vorhanden ist, der wird gefordert, wenn geisteswissenschaftliche Bewegung heilsam sein soll. Denn dadurch unterscheidet sich das ehrliche Vorbringen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse von allem andern, was in der Gegenwart auftritt, daß dieses ehrliche Vorbringen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse ja auch keine persönliche Angelegenheit ist, nicht das Vorbringen einer persönlichen Meinung. Würde ich die Ansicht haben müssen, daß ich nur persönliche Meinungen vortrage, daß ich nicht dasjenige vortrage, was sich eben heute offenbart, was gerade der Menschheit notwendig ist, so würde ich lieber schweigen. Denn persönliche Meinungen und persönliche Aspirationen geltend zu machen in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung, das ist eigentlich etwas Unerlaubtes. Das sollte nicht stattfinden. Gerechtfertigt ist eine solche Bewegung, wie sie hier angestrebt wird, nur dann, wenn vorliegt der Wille, nur das vorzubringen, was sich aus der geistigen Welt heraus beobachten läßt.
[ 19 ] Nicht wahr, wenn Sie erzählen, wie irgendeine Stadt ausschaut, so können Sie ja unter Umständen interessant oder langweilig erzählen, aber wie die Stadt ausschaut, hängt doch nicht von Ihnen ab. Sie erzählen Objektives. So wenig muß, was Sie selbst wollen, was Sie selbst meinen, in der Geisteswissenschaft zum Ausdruck kommen. Es muß das geistig Beobachtete in der Geisteswissenschaft nach den heutigen Anforderungen wirken. Wer selbst nur Persönliches eigentlich wollen kann, der kann das, was in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung walten soll, eigentlich deshalb doch nur mangelhaft verstehen. Er verwechselt immer dasjenige, was in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung, wie sie hier gemeint ist, walten soll, mit etwas anderem, was so recht erst wiederum aus der Persönlichkeit genommen ist. Wie viele kommen an die Geisteswissenschaft heran und möchten gerade dasjenige, was ihnen paßt als ihre Meinung, durch die Geisteswissenschaft gerechtfertigt haben. Mit jenem offenen Sinn, der notwendig ist für das Empfangen der Geisteswissenschaft, ist man nicht immer ausgerüstet. Man ist vielmehr oftmals an die Geisteswissenschaft herankommend mit etwas ganz anderem als diesem offenen Sinn. Man hätte gern, wenn dies oder jenes wahr wäre und man dann auf irgendeine Weise — indem man zugibt, der geisteswissenschaftliche Forscher kann über die Wahrheit etwas wissen — sich einredet: Das, was man selber meine, das sage er. Dann ist einem das angenehm. Aber man muß diesen feinen Unterschied bemerken; es ist ein feiner Unterschied, aber es ist ein ungeheuer weithin strahlender Unterschied, ein weithin bedeutsamer Unterschied, ob man nun wirklich die Mitteilungen aus der geistigen Welt aufnehmen will, oder ob man eigentlich nur bestätigt haben will, was einem selbst als Meinung gefällt. Und man wird nur in sorgfältigster Selbsterforschung, in gewissenhafter Selbsterforschung den Unterschied finden. Den Unterschied bemerkt mancher nicht, der zur Geisteswissenschaft herankommt; aber dieser Unterschied muß bemerkt werden. Und bemerkt man diesen Unterschied, dann wird man schon gewahr werden, daß durch eine geisteswissenschaftliche Bewegung etwas von einem neuen Lebensstrom, der vorher nicht da war, gehen muß. Es kann wirklich nicht so sein, daß eine geisteswissenschaftliche Bewegung nur ein sanfter Windzug ist, der dem entgegenkommt, der die Philisterhaftigkeit seines bisherigen Daseins dieser Geisteswissenschaft entgegenbringt und nun glaubt, dasjenige, was er so gern für wahr erkennen würde aus dieser Philisterhaftigkeit heraus, bekräftigt zu sehen durch diese Geisteswissenschaft.
[ 19 ] Nicht wahr, wenn Sie erzählen, wie irgendeine Stadt ausschaut, so können Sie ja unter Umständen interessant oder langweilig erzählen, aber wie die Stadt ausschaut, hängt doch nicht von Ihnen ab. Sie erzählen Objektives. So wenig muß, was Sie selbst wollen, was Sie selbst meinen, in der Geisteswissenschaft zum Ausdruck kommen. Es muß das geistig Beobachtete in der Geisteswissenschaft nach den heutigen Anforderungen wirken. Wer selbst nur Persönliches eigentlich wollen kann, der kann das, was in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung walten soll, eigentlich deshalb doch nur mangelhaft verstehen. Er verwechselt immer dasjenige, was in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung, wie sie hier gemeint ist, walten soll, mit etwas anderem, was so recht erst wiederum aus der Persönlichkeit genommen ist. Wie viele kommen an die Geisteswissenschaft heran und möchten gerade dasjenige, was ihnen paßt als ihre Meinung, durch die Geisteswissenschaft gerechtfertigt haben. Mit jenem offenen Sinn, der notwendig ist für das Empfangen der Geisteswissenschaft, ist man nicht immer ausgerüstet. Man ist vielmehr oftmals an die Geisteswissenschaft herankommend mit etwas ganz anderem als diesem offenen Sinn. Man hätte gern, wenn dies oder jenes wahr wäre und man dann auf irgendeine Weise — indem man zugibt, der geisteswissenschaftliche Forscher kann über die Wahrheit etwas wissen — sich einredet: Das, was man selber meine, das sage er. Dann ist einem das angenehm. Aber man muß diesen feinen Unterschied bemerken; es ist ein feiner Unterschied, aber es ist ein ungeheuer weithin strahlender Unterschied, ein weithin bedeutsamer Unterschied, ob man nun wirklich die Mitteilungen aus der geistigen Welt aufnehmen will, oder ob man eigentlich nur bestätigt haben will, was einem selbst als Meinung gefällt. Und man wird nur in sorgfältigster Selbsterforschung, in gewissenhafter Selbsterforschung den Unterschied finden. Den Unterschied bemerkt mancher nicht, der zur Geisteswissenschaft herankommt; aber dieser Unterschied muß bemerkt werden. Und bemerkt man diesen Unterschied, dann wird man schon gewahr werden, daß durch eine geisteswissenschaftliche Bewegung etwas von einem neuen Lebensstrom, der vorher nicht da war, gehen muß. Es kann wirklich nicht so sein, daß eine geisteswissenschaftliche Bewegung nur ein sanfter Windzug ist, der dem entgegenkommt, der die Philisterhaftigkeit seines bisherigen Daseins dieser Geisteswissenschaft entgegenbringt und nun glaubt, dasjenige, was er so gern für wahr erkennen würde aus dieser Philisterhaftigkeit heraus, bekräftigt zu sehen durch diese Geisteswissenschaft.
[ 20 ] Geht man in diesem Punkte ernst und gewissenhaft vor, will man nicht bloß das bestätigt haben, was man eigentlich selber meint, dann wird man sich auch auseinandersetzen mit mancherlei Dingen, die gerade in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung als, ich möchte sagen, neue Dinge auftreten müssen, und die zum Schaden werden müssen, wenn man sie nicht beachtet. In einer solchen im Anfange begriffenen Bewegung, wie es die geisteswissenschaftliche Bewegung ist, kann manches zum Schaden gereichen, was in alten, vertrockneten Bewegungen, die nichts mehr nützen, oder wenig nützen, nicht so sehr zum Schaden gereichen kann. In solche Feinheiten müßte man sich eigentlich einlassen. Mit dem Bestreben, seine eigenen Meinungen, seine eigenen Aspirationen nur bekräftigt zu sehen von der geisteswissenschaftlichen Offenbarung her, hängt es dann zusammen, daß man eigentlich ein merkwürdiges Retuschieren entfaltet mit Bezug auf dasjenige, was auftritt, ganz naturgemäß auftritt innerhalb einer geisteswissenschaftlichen Bewegung. Man muß in der geisteswissenschaftlichen Bewegung darauf aufmerksam sein, daß Erscheinungen mit Menschen nicht so genommen werden können wie in einem Kegelklub oder sonst irgendwo, wo sich die Menschen in ihrer ganzen Breite, die sie durch die Außenwelt bekommen haben, wo sie nichts Neues zu bekommen brauchen, enthüllen können. Man muß schon ernst machen damit, daß man nicht durch seine eigenen Vorstellungen die Intentionen der Geistesforschung bezeugen soll, sondern man muß da wirklich sich bereit machen, die Dinge aufzunehmen. Man soll sich doch vorstellen, daß da etwas hereinfließen will in die Welt, das immer weiter und weiter sich ausbreiten soll, so daß man alles, was man aufnimmt, eigentlich mit dem Bewußtsein aufnehmen sollte: Man wird manche Zusammenhänge, die man jetzt noch nicht überschaut, erst später überschauen. — Diesen guten Willen, gewissermaßen immer alles als Vorbereitung aufzunehmen, wird ja derjenige ganz gewiß nicht haben, der persönliche Aspirationen in den geisteswissenschaftlichen Betrieb hineinträgt, denn der will so schnell wie möglich mit den Dingen fertig werden und biegt die Dinge nach seinen gewöhnlichen Meinungen um. Er biegt nicht seine Meinungen nach der Geisteswissenschaft um, sondern er biegt die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse nach seinen Meinungen um. Und so stellt sich oftmals besonders so etwas heraus, wie das ist, was ich in der folgenden Art charakterisieren möchte.
[ 20 ] Geht man in diesem Punkte ernst und gewissenhaft vor, will man nicht bloß das bestätigt haben, was man eigentlich selber meint, dann wird man sich auch auseinandersetzen mit mancherlei Dingen, die gerade in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung als, ich möchte sagen, neue Dinge auftreten müssen, und die zum Schaden werden müssen, wenn man sie nicht beachtet. In einer solchen im Anfange begriffenen Bewegung, wie es die geisteswissenschaftliche Bewegung ist, kann manches zum Schaden gereichen, was in alten, vertrockneten Bewegungen, die nichts mehr nützen, oder wenig nützen, nicht so sehr zum Schaden gereichen kann. In solche Feinheiten müßte man sich eigentlich einlassen. Mit dem Bestreben, seine eigenen Meinungen, seine eigenen Aspirationen nur bekräftigt zu sehen von der geisteswissenschaftlichen Offenbarung her, hängt es dann zusammen, daß man eigentlich ein merkwürdiges Retuschieren entfaltet mit Bezug auf dasjenige, was auftritt, ganz naturgemäß auftritt innerhalb einer geisteswissenschaftlichen Bewegung. Man muß in der geisteswissenschaftlichen Bewegung darauf aufmerksam sein, daß Erscheinungen mit Menschen nicht so genommen werden können wie in einem Kegelklub oder sonst irgendwo, wo sich die Menschen in ihrer ganzen Breite, die sie durch die Außenwelt bekommen haben, wo sie nichts Neues zu bekommen brauchen, enthüllen können. Man muß schon ernst machen damit, daß man nicht durch seine eigenen Vorstellungen die Intentionen der Geistesforschung bezeugen soll, sondern man muß da wirklich sich bereit machen, die Dinge aufzunehmen. Man soll sich doch vorstellen, daß da etwas hereinfließen will in die Welt, das immer weiter und weiter sich ausbreiten soll, so daß man alles, was man aufnimmt, eigentlich mit dem Bewußtsein aufnehmen sollte: Man wird manche Zusammenhänge, die man jetzt noch nicht überschaut, erst später überschauen. — Diesen guten Willen, gewissermaßen immer alles als Vorbereitung aufzunehmen, wird ja derjenige ganz gewiß nicht haben, der persönliche Aspirationen in den geisteswissenschaftlichen Betrieb hineinträgt, denn der will so schnell wie möglich mit den Dingen fertig werden und biegt die Dinge nach seinen gewöhnlichen Meinungen um. Er biegt nicht seine Meinungen nach der Geisteswissenschaft um, sondern er biegt die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse nach seinen Meinungen um. Und so stellt sich oftmals besonders so etwas heraus, wie das ist, was ich in der folgenden Art charakterisieren möchte.
[ 21 ] Nicht wahr, der Geisteswissenschafter muß ja die Welt in einer gewissen Weise beurteilen, die Welt der Natur und auch die Welt der Menschen. Darinnen besteht ja die geisteswissenschaftliche Erziehung, daß man sich und seine Umwelt und sein Verhältnis zur Umwelt neu beurteilen lernt, daß man etwas tiefer hineinschauen lernt in die Welt. Nun kommt es sehr häufig vor, wenn es sich darum handelt, daß, sagen wir, das Verhältnis von drei Menschen wirkt, gesagt wird: Ja, der Geisteswissenschafter B beurteilt den Menschen A in einer bestimmten Weise. — Und sehen Sie, sobald man nur ein wenig die Sphäre überschreitet, die die gewöhnliche Philistersphäre ist, die ja heute häufig ist, dann können sich immer zwei Standpunkte geltend machen mit Bezug auf eine solche Urteilsbildung von Mensch zu Mensch. Der eine Standpunkt ist der Standpunkt der Vernünftigkeit, der zweite Standpunkt ist der Standpunkt des Mitgefühles. So daß der B den A beurteilen kann, und je nachdem eine innere Notwendigkeit vorliegt, kann der B dem A gegenüber bald einmal irgend etwas tun aus reinem Mitgefühl. Paßt es dann dem C, die Sache abzulehnen, weil er nicht weiter darüber nachdenkt, weil er nicht voraussetzt: da könnte eine Notwendigkeit vorliegen des reinen Mitgefühles, dann urteilt der aus reiner Vernünftigkeit und sagt: Wie kann man so etwas machen! — Oder aber es spricht diese innere Notwendigkeit so, daß man nun einmal nicht das Mitgefühl, sondern aus gewissen Gründen, die vorliegen, die Vernünftigkeit walten läßt. Ja, wenn es dem andern besser paßt, so läßt er jetzt das Mitgefühl sprechen, und nun verurteilt erund sagt: Was ist der B für ein nichtmitfühlender Mensch! Was ist das für ein liebloser Mensch, was ist das für ein trockener Vernunftmensch! Der beurteilt das nur von dem Standpunkt der Vernünftigkeit aus! — Und so können die stärksten Verkennungen entstehen gerade bei demjenigen, der sich bemüht, den inneren Nerv des Daseins zu ergreifen, wo er manchmal etwas aus dem Vernünftigen, manchmal gerade etwas aus Mitgefühl tun muß. Wenn es dem andern dann paßt, so beurteilt er das, was aus Vernunft geschehen ist, nach dem Gesichtswinkel des Mitgefühls, das, was aus Mitgefühl geschehen ist, nach dem Gesichtswinkel der Vernunft, und er kann immer verurteilen oder loben, je nachdem er will. Zum Richtigen kommt man nicht auf diesem Wege, zum Richtigen kommt man nur, wenn man sich erst frägt: Ich muß den Fall mir anschauen, ich muß anschauen, aus welchem Grunde hier Mitgefühl oder Vernünftiges gewaltet hat. — Dadurch entstehen die kleinen Mißverständnisse des Lebens, die sich oftmals zu den furchtbarsten Verheerungen innerhalb des menschlichen Zusammenlebens auswachsen, und über die uns gerade hinwegtragen soll dasjenige, was die geisteswissenschaftliche Erziehung in uns macht. Denn das Leben ist so, daß es sich dualistisch äußert, und weil es sich dualistisch äußert, kann man immer, je nachdem es einem paßt, irgendeinen Fall beurteilen. Das wird aber ganz wenig in Betracht gezogen, und das wird vor allen Dingen nicht in Betracht gezogen gegenüber der geisteswissenschaftlichen Lehre selber. Die muß auch aus gewissen Intentionen in die Welt gesetzt werden. Je nachdem es einem paßt, kann man den einen oder den andern Standpunkt im einzelnen Fall wählen, wenn man nicht eingeht auf dasjenige, was aus tieferen Gründen heraus der Geistesforscher tun muß. Er kann oftmals mißverstanden werden. Und wenn man nicht eingeht auf dasjenige, was er tun muß aus innerer Verpflichtung gegenüber den Tatsachen, dann kann man alles mißverstehen, denn die Welt äußert sich einmal dualistisch.
[ 21 ] Nicht wahr, der Geisteswissenschafter muß ja die Welt in einer gewissen Weise beurteilen, die Welt der Natur und auch die Welt der Menschen. Darinnen besteht ja die geisteswissenschaftliche Erziehung, daß man sich und seine Umwelt und sein Verhältnis zur Umwelt neu beurteilen lernt, daß man etwas tiefer hineinschauen lernt in die Welt. Nun kommt es sehr häufig vor, wenn es sich darum handelt, daß, sagen wir, das Verhältnis von drei Menschen wirkt, gesagt wird: Ja, der Geisteswissenschafter B beurteilt den Menschen A in einer bestimmten Weise. — Und sehen Sie, sobald man nur ein wenig die Sphäre überschreitet, die die gewöhnliche Philistersphäre ist, die ja heute häufig ist, dann können sich immer zwei Standpunkte geltend machen mit Bezug auf eine solche Urteilsbildung von Mensch zu Mensch. Der eine Standpunkt ist der Standpunkt der Vernünftigkeit, der zweite Standpunkt ist der Standpunkt des Mitgefühles. So daß der B den A beurteilen kann, und je nachdem eine innere Notwendigkeit vorliegt, kann der B dem A gegenüber bald einmal irgend etwas tun aus reinem Mitgefühl. Paßt es dann dem C, die Sache abzulehnen, weil er nicht weiter darüber nachdenkt, weil er nicht voraussetzt: da könnte eine Notwendigkeit vorliegen des reinen Mitgefühles, dann urteilt der aus reiner Vernünftigkeit und sagt: Wie kann man so etwas machen! — Oder aber es spricht diese innere Notwendigkeit so, daß man nun einmal nicht das Mitgefühl, sondern aus gewissen Gründen, die vorliegen, die Vernünftigkeit walten läßt. Ja, wenn es dem andern besser paßt, so läßt er jetzt das Mitgefühl sprechen, und nun verurteilt erund sagt: Was ist der B für ein nichtmitfühlender Mensch! Was ist das für ein liebloser Mensch, was ist das für ein trockener Vernunftmensch! Der beurteilt das nur von dem Standpunkt der Vernünftigkeit aus! — Und so können die stärksten Verkennungen entstehen gerade bei demjenigen, der sich bemüht, den inneren Nerv des Daseins zu ergreifen, wo er manchmal etwas aus dem Vernünftigen, manchmal gerade etwas aus Mitgefühl tun muß. Wenn es dem andern dann paßt, so beurteilt er das, was aus Vernunft geschehen ist, nach dem Gesichtswinkel des Mitgefühls, das, was aus Mitgefühl geschehen ist, nach dem Gesichtswinkel der Vernunft, und er kann immer verurteilen oder loben, je nachdem er will. Zum Richtigen kommt man nicht auf diesem Wege, zum Richtigen kommt man nur, wenn man sich erst frägt: Ich muß den Fall mir anschauen, ich muß anschauen, aus welchem Grunde hier Mitgefühl oder Vernünftiges gewaltet hat. — Dadurch entstehen die kleinen Mißverständnisse des Lebens, die sich oftmals zu den furchtbarsten Verheerungen innerhalb des menschlichen Zusammenlebens auswachsen, und über die uns gerade hinwegtragen soll dasjenige, was die geisteswissenschaftliche Erziehung in uns macht. Denn das Leben ist so, daß es sich dualistisch äußert, und weil es sich dualistisch äußert, kann man immer, je nachdem es einem paßt, irgendeinen Fall beurteilen. Das wird aber ganz wenig in Betracht gezogen, und das wird vor allen Dingen nicht in Betracht gezogen gegenüber der geisteswissenschaftlichen Lehre selber. Die muß auch aus gewissen Intentionen in die Welt gesetzt werden. Je nachdem es einem paßt, kann man den einen oder den andern Standpunkt im einzelnen Fall wählen, wenn man nicht eingeht auf dasjenige, was aus tieferen Gründen heraus der Geistesforscher tun muß. Er kann oftmals mißverstanden werden. Und wenn man nicht eingeht auf dasjenige, was er tun muß aus innerer Verpflichtung gegenüber den Tatsachen, dann kann man alles mißverstehen, denn die Welt äußert sich einmal dualistisch.
[ 22 ] Man kann zum Beispiel in folgenden Fehler verfallen: Man kann gerade, wenn man so recht darauf aus ist, das zu wollen, das bestätigt zu haben, was einem paßt, in den schlimmsten Autoritätsglauben verfallen. Gerade auf dem Gebiete, auf dem auch Geisteswissenschaft tätig sein will, die nur den Menschen zum ganz freien, auf sich selbst stehenden Wesen machen will, kann natürlich der Autoritätsglaube sich geltend machen, tut es auch im weitesten Umfange sehr häufig. Aber der andere Pol des Autoritätsglaubens ist der Autoritätshaß. Und im Grunde genommen ist ein Mensch, der nicht durch Eingehen auf die Tatsachen, die geoffenbart werden aus der geistigen Welt, sich zur Geisteswissenschaft hingedrängt fühlt, sondern der von der Autorität getragen diese Wahrheiten haben will und der an Autorität glauben will, weil das bequemer ist, als auf die Dinge einzugehen, er ist so, daß er furchtbar leicht überspringen kann vom Autoritätsglauben, der immer eine bestimmte Art von Autoritätsliebe hat, zum Autoritätshaß. Und solche Erscheinungen, wie sie gerade in unserer Bewegung aufgetreten sind, dieses Überspringen von blinder Autoritätsanbetung, die manchmal mit einer gewissen Schamlosigkeit sogar eingestanden wird in dem Momente, wo man dann zum Haß übergegangen ist, dieses Übergehen von blinder Autoritätsanbetung zum Haß, das ist schon etwas, was innerlich als eine Gefahr vorliegt. Das ist sehr wichtig, daß man diese Zusammenhänge ins Auge faßt, denn diese Zusammenhänge sind es, welche ungeheuer schwierig machen, eine geisteswissenschaftliche Bewegung heute in einer gedeihlichen Weise zu gestalten. Sie muß in gedeihlicher Weise um des Heiles der Menschheit willen gestaltet werden.
[ 22 ] Man kann zum Beispiel in folgenden Fehler verfallen: Man kann gerade, wenn man so recht darauf aus ist, das zu wollen, das bestätigt zu haben, was einem paßt, in den schlimmsten Autoritätsglauben verfallen. Gerade auf dem Gebiete, auf dem auch Geisteswissenschaft tätig sein will, die nur den Menschen zum ganz freien, auf sich selbst stehenden Wesen machen will, kann natürlich der Autoritätsglaube sich geltend machen, tut es auch im weitesten Umfange sehr häufig. Aber der andere Pol des Autoritätsglaubens ist der Autoritätshaß. Und im Grunde genommen ist ein Mensch, der nicht durch Eingehen auf die Tatsachen, die geoffenbart werden aus der geistigen Welt, sich zur Geisteswissenschaft hingedrängt fühlt, sondern der von der Autorität getragen diese Wahrheiten haben will und der an Autorität glauben will, weil das bequemer ist, als auf die Dinge einzugehen, er ist so, daß er furchtbar leicht überspringen kann vom Autoritätsglauben, der immer eine bestimmte Art von Autoritätsliebe hat, zum Autoritätshaß. Und solche Erscheinungen, wie sie gerade in unserer Bewegung aufgetreten sind, dieses Überspringen von blinder Autoritätsanbetung, die manchmal mit einer gewissen Schamlosigkeit sogar eingestanden wird in dem Momente, wo man dann zum Haß übergegangen ist, dieses Übergehen von blinder Autoritätsanbetung zum Haß, das ist schon etwas, was innerlich als eine Gefahr vorliegt. Das ist sehr wichtig, daß man diese Zusammenhänge ins Auge faßt, denn diese Zusammenhänge sind es, welche ungeheuer schwierig machen, eine geisteswissenschaftliche Bewegung heute in einer gedeihlichen Weise zu gestalten. Sie muß in gedeihlicher Weise um des Heiles der Menschheit willen gestaltet werden.
[ 23 ] Ich habe in meinem Leben eine ganze Anzahl von Menschen gefunden, die geistige Menschen waren, die ehrlich gesucht haben nach einem Weg in die Geisteswissenschaft hinein, in, nun eben, so oder so geartete Geisteswissenschaft hinein, die auch in einer gewissen Weise vorgerückt waren in ihrer Entwickelung. Ein gewisser Typus daraus waren Enttäuschte, solche, die in irgendeiner von den jetzigen spirituellen Bewegungen enttäuscht worden waren, und die einem dann da oder dort begegnet sind. Wie viele sind von der BlavatskyBewegung, der Besant-Bewegung, andern Bewegungen heute enttäuscht! Die charakteristische Erscheinung ist nicht die, daß so kuriose Umschläge stattfinden, wie sie gerade bei uns in der anthroposophischen Bewegung stattfinden, sondern daß man da Leute findet, die in einer gewissen Weise geistig fortgeschritten sind; nach längeren Zeiten findet man sie wiederum, aber sie sagen: Sie haben total unrecht! — Das ist nicht selten, daß man solche Menschen trifft. Die Geistigkeit ist heute überhaupt nicht sehr häufig, aber solche Menschen gibt es schon, die einem nach einiger Zeit sagen: Sie haben eigentlich unrecht, denn sehen Sie, daß man die Dinge, die Sie da in der Geisteswissenschaft verkünden, öffentlich verkündigt vor den Menschen, das hat doch gar keinen Sinn! Die Menschen sind doch nicht geneigt, sie anzunehmen, sie sind doch gar nicht reif dazu. Es hat nur einen Sinn, in sich selber das auszubilden und einsam damit zu bleiben. — Solche Menschen habe ich viel gefunden, die das sagen! Und es ist geradezu ein Charakteristikon des geistig wirklich fortgeschrittenen Menschen, daß es ihm gar nicht mehr einfällt, zu seinen Mitmenschen darüber zu sprechen, sondern er behält die Sache bei sich. Dieser Menschen gibt es gar nicht so wenige in der Welt. Ich habe mit diesen Menschen nie einverstanden sein können nach dem, was ich von der geistigen Welt erkenne, aus einem gewissen inneren Grund. Diese Menschen wirken ja nützlich im geistigen Zusammenhang, aber es werden diese Menschen zu Einsiedlern, wenn sie auch manchmal ganz in gesellschaftlichem Zusammenhange bleiben. Man kann ja Einsiedler werden, nicht wahr, trotzdem man Lackstiefel trägt und ein Hotelleben führt. Man sieht dann also dieses zweifache Menschenleben, das eine Anzahl von Menschen führen; sie sind sogar moderne Hotelmenschen, haben Lackstiefel und meinetwillen sogar Zylinderhut, aber führen dieses äußere Leben, um sich zu maskieren, um sich innerlich zu verbergen, haben ihr innerliches Geistesleben, das sie ihren Mitmenschen nicht mitteilen wollen. Das erscheint einem als ein Tun, das nicht richtig ist, das ein Versündigen gegen die Menschheit ist. Denn es ist ja richtig: Solche Menschen wirken schon im geistigen Leben, es geht in die geistige Strömung hinein, was sie erleben; der Mensch ist ja nicht bloß ein abgeschlossenes Wesen, also was er erlebt, hat in der geistigen Welt einen Wert und seine Bedeutung — aber es spielt da immer die Zeitfrage eine Rolle. Solche Menschen, die gegenwärtig so leben wie manche, die ich kennengelernt habe, auf solche Weise, die wirken schon etwas in der geistigen Welt, aber das kommt erst zur Reife nach langer Zeit, in späteren Zeitepochen der Menschheit. Dann kann aber und würde ganz gewils, wenn es nur solche immer gäbe, die ja als Eremiten ihr geistiges Sein entwickeln und nicht lehren wollen dasjenige, was sie wissen aus der geistigen Welt, was sie in sich entwickelt haben, dann würde die äußere Menschheit in der Zeit, wo die Früchte dieser Leute reif werden, schon so verfallen sein, daß sie es nicht mehr aufnehmen könnte. Die Erdenentwickelung würde gefährdet sein, es würde der Anschluß versäumt werden. Wir leben eben in der heutigen Zeit so, daß diese gewissen geistigen Wahrheiten, von denen wir sprechen, unbedingt der Menschheit mitgeteilt werden müssen. Es geht nicht mit der Gesinnung, die zum Beispiel ein Bekannter von mir äußerte, der in gewissem Sinne ein geistig fortgeschrittener Mensch war. Er kam nach Berlin. Ich sagte zu ihm, ob er nicht von mir einen Vortrag hören wolle, nur um zu sehen, wie da die Bewegung getrieben wird — es ist jetzt schon lange her —, da sagte er: Nein, einen Vortrag halten und zu den Leuten zu sprechen, das hat doch keinen Zweck! Uns auf ein Stündchen zusammenzusetzen und so ein bißchen zu reden, das ist mir sehr angenehm, aber geistige Dinge möglichst aus dem Spiele lassen; die muß jeder mit sich selber abmachen! — So einen Höflichkeitsbesuch sich gegenseitig machen, von Alltäglichkeiten reden, das ist das beste gerade bei dieser Art geistig strebsamer Menschen. Und diese Gesinnung findet sich sehr häufig. Es wäre behaglicher, solch einer Gesinnung gemäß nachzuleben. Und behaglich ist es gerade nicht in der Gegenwart, vor die Menschheit hinzutreten und dasjenige, was man mitzuteilen als eine Verpflichtung empfindet, mitzuteilen. Aber das sollte bei einer geisteswissenschaftlichen Bewegung durchaus berücksichtigt werden, daß aus einer inneren Notwendigkeit heraus gewirkt wird, daß es nicht eine Wahl ist, sondern die Einhaltung einer Verpflichtung, was so geschieht.
[ 23 ] Ich habe in meinem Leben eine ganze Anzahl von Menschen gefunden, die geistige Menschen waren, die ehrlich gesucht haben nach einem Weg in die Geisteswissenschaft hinein, in, nun eben, so oder so geartete Geisteswissenschaft hinein, die auch in einer gewissen Weise vorgerückt waren in ihrer Entwickelung. Ein gewisser Typus daraus waren Enttäuschte, solche, die in irgendeiner von den jetzigen spirituellen Bewegungen enttäuscht worden waren, und die einem dann da oder dort begegnet sind. Wie viele sind von der BlavatskyBewegung, der Besant-Bewegung, andern Bewegungen heute enttäuscht! Die charakteristische Erscheinung ist nicht die, daß so kuriose Umschläge stattfinden, wie sie gerade bei uns in der anthroposophischen Bewegung stattfinden, sondern daß man da Leute findet, die in einer gewissen Weise geistig fortgeschritten sind; nach längeren Zeiten findet man sie wiederum, aber sie sagen: Sie haben total unrecht! — Das ist nicht selten, daß man solche Menschen trifft. Die Geistigkeit ist heute überhaupt nicht sehr häufig, aber solche Menschen gibt es schon, die einem nach einiger Zeit sagen: Sie haben eigentlich unrecht, denn sehen Sie, daß man die Dinge, die Sie da in der Geisteswissenschaft verkünden, öffentlich verkündigt vor den Menschen, das hat doch gar keinen Sinn! Die Menschen sind doch nicht geneigt, sie anzunehmen, sie sind doch gar nicht reif dazu. Es hat nur einen Sinn, in sich selber das auszubilden und einsam damit zu bleiben. — Solche Menschen habe ich viel gefunden, die das sagen! Und es ist geradezu ein Charakteristikon des geistig wirklich fortgeschrittenen Menschen, daß es ihm gar nicht mehr einfällt, zu seinen Mitmenschen darüber zu sprechen, sondern er behält die Sache bei sich. Dieser Menschen gibt es gar nicht so wenige in der Welt. Ich habe mit diesen Menschen nie einverstanden sein können nach dem, was ich von der geistigen Welt erkenne, aus einem gewissen inneren Grund. Diese Menschen wirken ja nützlich im geistigen Zusammenhang, aber es werden diese Menschen zu Einsiedlern, wenn sie auch manchmal ganz in gesellschaftlichem Zusammenhange bleiben. Man kann ja Einsiedler werden, nicht wahr, trotzdem man Lackstiefel trägt und ein Hotelleben führt. Man sieht dann also dieses zweifache Menschenleben, das eine Anzahl von Menschen führen; sie sind sogar moderne Hotelmenschen, haben Lackstiefel und meinetwillen sogar Zylinderhut, aber führen dieses äußere Leben, um sich zu maskieren, um sich innerlich zu verbergen, haben ihr innerliches Geistesleben, das sie ihren Mitmenschen nicht mitteilen wollen. Das erscheint einem als ein Tun, das nicht richtig ist, das ein Versündigen gegen die Menschheit ist. Denn es ist ja richtig: Solche Menschen wirken schon im geistigen Leben, es geht in die geistige Strömung hinein, was sie erleben; der Mensch ist ja nicht bloß ein abgeschlossenes Wesen, also was er erlebt, hat in der geistigen Welt einen Wert und seine Bedeutung — aber es spielt da immer die Zeitfrage eine Rolle. Solche Menschen, die gegenwärtig so leben wie manche, die ich kennengelernt habe, auf solche Weise, die wirken schon etwas in der geistigen Welt, aber das kommt erst zur Reife nach langer Zeit, in späteren Zeitepochen der Menschheit. Dann kann aber und würde ganz gewils, wenn es nur solche immer gäbe, die ja als Eremiten ihr geistiges Sein entwickeln und nicht lehren wollen dasjenige, was sie wissen aus der geistigen Welt, was sie in sich entwickelt haben, dann würde die äußere Menschheit in der Zeit, wo die Früchte dieser Leute reif werden, schon so verfallen sein, daß sie es nicht mehr aufnehmen könnte. Die Erdenentwickelung würde gefährdet sein, es würde der Anschluß versäumt werden. Wir leben eben in der heutigen Zeit so, daß diese gewissen geistigen Wahrheiten, von denen wir sprechen, unbedingt der Menschheit mitgeteilt werden müssen. Es geht nicht mit der Gesinnung, die zum Beispiel ein Bekannter von mir äußerte, der in gewissem Sinne ein geistig fortgeschrittener Mensch war. Er kam nach Berlin. Ich sagte zu ihm, ob er nicht von mir einen Vortrag hören wolle, nur um zu sehen, wie da die Bewegung getrieben wird — es ist jetzt schon lange her —, da sagte er: Nein, einen Vortrag halten und zu den Leuten zu sprechen, das hat doch keinen Zweck! Uns auf ein Stündchen zusammenzusetzen und so ein bißchen zu reden, das ist mir sehr angenehm, aber geistige Dinge möglichst aus dem Spiele lassen; die muß jeder mit sich selber abmachen! — So einen Höflichkeitsbesuch sich gegenseitig machen, von Alltäglichkeiten reden, das ist das beste gerade bei dieser Art geistig strebsamer Menschen. Und diese Gesinnung findet sich sehr häufig. Es wäre behaglicher, solch einer Gesinnung gemäß nachzuleben. Und behaglich ist es gerade nicht in der Gegenwart, vor die Menschheit hinzutreten und dasjenige, was man mitzuteilen als eine Verpflichtung empfindet, mitzuteilen. Aber das sollte bei einer geisteswissenschaftlichen Bewegung durchaus berücksichtigt werden, daß aus einer inneren Notwendigkeit heraus gewirkt wird, daß es nicht eine Wahl ist, sondern die Einhaltung einer Verpflichtung, was so geschieht.
[ 24 ] Ich habe diese Worte am Schluß der heutigen Betrachtungen angebracht, weil ich immer wieder die Gelegenheit ergreifen möchte, auf das aufmerksam zu machen, was notwendig ist, wenn man ernst machen will, so wie ernst gemacht werden sollte mit einer geisteswissenschaftlichen Bewegung in der Gegenwart. Denn dasjenige, was sonst aus einer solchen geisteswissenschaftlichen Bewegung gemacht werden kann, wenn persönliche Aspirationen, persönlicher Ehrgeiz hereingetragen werden, das kann zu schweren Schäden führen, muß zu schweren Schäden führen. Es hat ja außerdem noch die Schattenseite, daß derjenige, der selbst nur meint, Persönliches durch die Geisteswissenschaft bestätigt zu finden, gar nicht unterscheiden kann, ob der andere die Sache nun auch bloß aus persönlichen Ambitionen treibt. Dadurch kommen dann die allerschlimmsten Verhängnisse.
[ 24 ] Ich habe diese Worte am Schluß der heutigen Betrachtungen angebracht, weil ich immer wieder die Gelegenheit ergreifen möchte, auf das aufmerksam zu machen, was notwendig ist, wenn man ernst machen will, so wie ernst gemacht werden sollte mit einer geisteswissenschaftlichen Bewegung in der Gegenwart. Denn dasjenige, was sonst aus einer solchen geisteswissenschaftlichen Bewegung gemacht werden kann, wenn persönliche Aspirationen, persönlicher Ehrgeiz hereingetragen werden, das kann zu schweren Schäden führen, muß zu schweren Schäden führen. Es hat ja außerdem noch die Schattenseite, daß derjenige, der selbst nur meint, Persönliches durch die Geisteswissenschaft bestätigt zu finden, gar nicht unterscheiden kann, ob der andere die Sache nun auch bloß aus persönlichen Ambitionen treibt. Dadurch kommen dann die allerschlimmsten Verhängnisse.
[ 25 ] Nun, ich wollte auf solche Dinge hinweisen. Wir sprechen dann am nächsten Freitag wiederum weiter.
[ 25 ] Nun, ich wollte auf solche Dinge hinweisen. Wir sprechen dann am nächsten Freitag wiederum weiter.
