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Goetheanism
An Impulse for Transformation and a Concept of Resurrection
Human and Social Science
GA 188

5 January 1919, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Sie werden aus den gestrigen Betrachtungen ersehen haben, wie leicht der ganze Entwickelungsgang der Menschheit mißzuverstehen ist, und wie er insbesondere von vielen Seiten in der Gegenwart mißverstanden wird zum Schaden sowohl der gegenwärtigen Erkenntnis wie auch zum Schaden des gegenwärtigen sozialen Strebens der Menschheit. Wir wollen heute einmal einige Ergebnisse der Geisteswissenschaft vor unsere Seele führen, die solcher Art sind, daß sie, ich möchte sagen, von der andern Seite hineinleuchten können in Dinge, die rätselhaft sind, wenn man sich auf die Vorstellungen beschränkt, die sich die Gegenwart von ihnen macht. Ich habe Ihnen gesagt, daß der Mensch mit der Gegenwart nur dann zurechtkommen wird, wenn er sich entschließt, durch ein Hingehen zum Geisteswege sich wirklich neu zu orientieren, sowohl in bezug auf sein Verhältnis zur äußeren Natur, da die alten Orientierungsmittel nicht mehr ausreichen, wie auch mit Bezug auf das Verhältnis von Mensch zu Mensch, da auch da die alten Orientierungsmittel nicht mehr ausreichen, um einzusehen, welche Impulse für die gegenwärtige soziale Struktur der Menschheit nötig sind. Man muß sich ja, will man in diesen Dingen: zurechtkommen, ganz ernstlich vor die Seele rücken, daß so, wie der Mensch heute im Erdendasein zwischen Geburt und Tod hineingestellt ist in die Welt, er nur die äußere Offenbarung der eigentlichen Wesenheit sieht, wie er auch eigentlich nur zu der äußeren Offenbarung seines Mitmenschen in ein Verhältnis tritt.

[ 1 ] You will have seen from yesterday’s reflections how easily the entire course of human development can be misunderstood, and how it is currently misunderstood by many, to the detriment of both present-day knowledge and humanity’s current social aspirations. Today, let us bring to mind some findings of spiritual science that are of such a nature that they can, I would say, shed light from the other side on things that remain enigmatic when one limits oneself to the conceptions that the present day forms of them. I have told you that human beings will only be able to cope with the present if they resolve to truly reorient themselves by turning toward the spiritual path—both with regard to their relationship to the external natural world, since the old points of reference are no longer sufficient, as well as with regard to the relationship between human beings, since there, too, the old points of reference are no longer sufficient to understand what impulses are necessary for the present social structure of humanity. Indeed, if one wishes to come to terms with these matters, one must take very seriously the fact that, just as human beings today are placed in the world during their earthly existence between birth and death, they see only the outer manifestation of their true being, just as they actually relate only to the outer manifestation of their fellow human beings.

[ 2 ] Das Leben gestaltet sich für die verschiedenen Epochen der Menschheitsentwickelung verschieden, und wir bemühen uns, diese Dinge gerade mit Bezug auf den gegenwärtigen Menschen wirklich zu studieren. Denn in der gegenwärtigen Zeitepoche entscheidet sich für den Erdenmenschen sehr viel. Bis ins 15. Jahrhundert, und, man könnte sagen, weil die Dinge nicht gleich auf einen Schlag vorübergehen, bis in die Gegenwart herein stand der Mensch eigentlich noch immer mehr oder weniger unter der Erbschaft alter Begriffe, alter Impulse. Dieser fünfte nachatlantische Zeitraum ist ja in einer gewissen Beziehung mit Bezug auf die menschliche Entwickelung etwas Außerordentliches. Denn nicht wahr, Sie wissen: Wenn man die gesamte Erdenentwickelung nimmt, so gliedert sie sich in sieben aufeinanderfolgende große Epochen, von denen die vierte die atlantische war, die jetzige fünfte die nachatlantische ist; dann würde die sechste, dann die siebente kommen. In der atlantischen Periode liegt gewissermaßen eine Art Entscheidung. Denn bis dahin war ja das gesamte Erdendasein eine Wiederholung vom früheren Saturn-, Sonnen-, Mondendasein. In der atlantischen Periode liegt eine Art Entscheidung, aber eben nur ein Anfang einer Entscheidung. Nur vorbereitet haben sich da die Dinge, die sich eigentlich erst ausbilden sollen in der folgenden Erdenentwickelung. So daß der Mensch bis zur atlantischen Zeit eigentlich nur dasjenige war, was er als Saturn-, Sonnen- und Mondenmensch in andern Formen schon war. In der atlantischen Zeit aber war er nur in Andeutung dasjenige, was er als eigentlicher Erdenmensch werden soll. Dann geht es weiter, und jetzt sind wir in der fünften nachatlantischen Periode. In der nachatlantischen Periode, durch die urindische, urpersische Entwickelung und so weiter traten schon immer bestimmtere und bestimmtere Verhältnisse auf. Aber die griechisch-lateinische Zeit, die vierte nachatlantische Periode, liefert wiederum doch nur eine Art Wiederholung, wenn auch in anderer Form, dessen, was in der Atlantis auf einem andern Daseinsniveau schon vorhanden war. Erst jetzt in der fünften nachatlantischen Periode, in einer Zeit, die seit dem 15. Jahrhundert begonnen hat, steht der Mensch gewissermaßen so in seiner Gesamtentwickelung drinnen, daß so recht merkbare, in seinem Wesen merkbare neue Impulse auftreten. Sie waren früher nicht so merkbar; jetzt treten sie in seinem Wesen merkbar auf, und noch immer haben sie sich nur angedeutet. Die furchtbaren katastrophalen Ereignisse in unserer Zeit, von denen man schon sagen kann, daß sie die Menschheit ganz kolossal erschüttern werden, sie sind der Ausdruck dafür, daß sich neue Verhältnisse in die Menschheitsentwickelung hereinbegeben. Und ich habe Ihnen ja angedeutet, wie diese neuen Verhältnisse von einer gewissen Seite her dadurch zu charakterisieren sind, daß man darauf hinweist, wie man deutlich wahrnimmt ein Hereinfluten einer geistigen Welle, herrührend gewissermaßen von einem Aufsteigen in der Entwickelung der Geister der Persönlichkeit.

[ 2 ] Life takes on different forms in the various epochs of human development, and we strive to truly study these matters with specific reference to modern humanity. For in the present epoch, a great deal is at stake for human beings on Earth. Up until the 15th century—and, one might say, because things do not come to an end all at once—right up to the present, human beings were actually still, to a greater or lesser extent, under the influence of old concepts and old impulses. This fifth post-Atlantean period is, in a certain sense, something extraordinary with regard to human development. For, as you know, if one considers the entire history of Earth, it is divided into seven successive great epochs, of which the fourth was the Atlantean, the current fifth is the post-Atlantean; then the sixth would come, followed by the seventh. The Atlantean period marks, so to speak, a kind of turning point. For up to that point, the entire existence of the Earth had been a repetition of the earlier Saturn, Sun, and Moon phases. The Atlantean period marks a kind of turning point, but only the beginning of one. It was merely a time of preparation for the things that were actually to take shape in the subsequent development of the Earth. So that up until the Atlantean period, human beings were essentially only what they had already been in other forms as Saturn, Sun, and Moon beings. In the Atlantean period, however, they were only a hint of what they were to become as true Earth beings. Then the process continued, and now we are in the fifth post-Atlantean period. In the post-Atlantean period, through the early Indian, early Persian developments, and so on, increasingly defined conditions have always emerged. But the Greco-Latin era—the fourth post-Atlantean period—in turn offers only a kind of repetition, albeit in a different form, of what was already present in Atlantis on a different level of existence. Only now, in the fifth post-Atlantean period—an era that began in the 15th century—has humanity, so to speak, reached a stage in its overall development where truly noticeable new impulses, perceptible in its very nature, are emerging. These were not so noticeable before; now they are becoming perceptible in humanity’s nature, though they have so far only been hinted at. The terrible, catastrophic events of our time—which we can already say will shake humanity to its very core—are an expression of the fact that new conditions are entering into human development. And I have already indicated to you how these new conditions can be characterized from a certain perspective by pointing out how one clearly perceives the influx of a spiritual wave, arising, as it were, from an ascent in the development of the spirits of the personality.

[ 3 ] Nun bemerkt man, wenn man geisteswissenschaftlich gerade diese eigentümliche Seelenverfassung ins Auge faßt, in welcher der Mensch der Gegenwart hier auf der Erde ist, man bemerkt gegenwärtig also in geisteswissenschaftlicher Anschauung recht stark, wie der Mensch sich eigentlich der Offenbarungen des Naturseins sowohl wie des Seins seiner Mitmenschen nur dann bewußt ist, wenn er wahrnimmt, oder wenn er äußerlich wollend tätig ist und nichts weiß von den wirklichen Wesenheiten, in die er eben doch in einer gewissen Weise hineinwachsen muß im Laufe seiner Entwickelung, und in die er hineingewachsen sein wird, wenn die Entwickelung weitergegangen sein wird. Der Mensch ist ja, wie Sie wissen, in der Welt so drinnenstehend, daß er, wenn man grob charakterisiert, die umliegende Welt wahrnimmt im Mineralreich, im Pflanzenreich, im Tierreich und in seinem eigenen Reich, im Menschenreich. Das ist dasjenige, was sichtbar um den Menschen herum ist. Und im sichtbaren Menschenreich spielt sich ja auch ab dasjenige, was aus dem Wollen hervorgeht und was in der sozialen Struktur eine gewisse Ordnung finden soll.

[ 3 ] Now, when one considers from a spiritual-scientific perspective precisely this peculiar state of mind in which modern human beings find themselves here on Earth, one currently perceives quite strongly, from a spiritual scientific perspective, how human beings are actually aware of the manifestations of natural existence as well as the existence of their fellow human beings only when they perceive, or when they are actively engaged in external volitional activity, and know nothing of the real entities into which they must, in a certain way, grow in the course of their development, and into which they will have grown by the time their development has progressed further. As you know, human beings are situated in the world in such a way that—to put it roughly—they perceive the surrounding world in the mineral kingdom, the plant kingdom, the animal kingdom, and in their own kingdom, the human kingdom. This is what is visibly present around human beings. And it is within the visible human realm that what arises from the will and is meant to find a certain order within the social structure actually takes place.

[ 4 ] Nun, es haben die Menschen vielfach nachgedacht — aber mit einem ungenügenden Denken nachgedacht —, wie der Mensch zu seiner Umgebung steht. Man hat die Ergebnisse dieses Nachdenkens in verschiedenen Erkenntnistheorien verarbeitet. Aber es kann bei diesen Erkenntnistheorien nicht sehr viel herauskommen. Und dasjenige, was heute schulmäßig in diesen Erkenntnistheorien den jungen Leuten, die dann philosophisch zu der Welt sprechen sollen, gelehrt wird, das ist wirklich recht ungenügendes Zeug. Denn eine wahre Einsicht in das, was sich da eigentlich in der Menschenumgebung offenbart, gewinnt man ja doch nur, wenn man die Sache geisteswissenschaftlich betrachtet. Auf der einen Seite kann der Mensch hinblicken auf das mineralische und auf das Pflanzenreich, auf der andern Seite auf das Tierreich und das menschliche Reich selbst. Beides, sowohl Mineralreich und Pflanzenreich wie Menschenreich und Tierreich, enthüllt sich ihm so, daß er, wenn er jetzt im theoretischen Sinne ehrlich ist, in der Enthüllung, in der Offenbarung Widersprüche bemerkt. Er kann nicht zurechtkommen mit der Art, wie sich ihm auf der einen Seite das Mineralreich, das Pflanzenreich, auf der andern Seite das Tierreich und Menschenreich offenbart. Und wenn die Menschen glauben zurechtzukommen, so rührt das nur von einer gewissen Stumpfheit her. Sie wollen nicht auf alle die Zweifel, welche heraussprühen aus der Beobachtung der Naturreiche, eingehen, weil sie zu bequem sind dazu. Nun aber, wenn man etwas vordringt in der Erkenntnis, wenn man sich etwas schult in der Richtung, die angegeben ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann verwandelt sich in einer gewissen Beziehung sowohl der Anblick des Mineral- und Pflanzenreiches wie auch der Einblick in das Verhältnis zu Tier- und Menschenreich. Die Menschen haben unbewußt heute schon in hohem Grade eine eben nicht zum Bewußtsein kommende Empfindung von dieser Verwandlung. Aber es bleibt eben unbewußt, so wie ich gesagt habe, daß unbewußt heute der Mensch in der ganz natürlichen Entwickelung vor den Hüter der Schwelle hintritt. Es ist eigentlich immer eine gewisse Furcht vor der Wahrheit, welche die Menschen unbewußt abhält, nun wirklich so vorzudringen, daß sie zu dieser Verwandlung kommen. Ich rede in Imaginationen, in Imaginationen, die in Worte umgesetzt sind. Man kann die Dinge nicht anders wirklich treffend charakterisieren. Denn wenn man in sich lebendig macht dasjenige, was man lebendig machen kann, indem man auf sich das anwendet, was in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben ist, so wird man, mit dieser verwandelten Erkenntniskraft hinblickend auf das Mineral- und Pflanzenreich, immer etwas empfinden wie Furcht. Nicht wahr, Sie müssen nicht erschauern, nicht eine Gänsehaut bekommen bei der Charakteristik dieser Verhältnisse. Die Menschen gehen ihnen aus dem Wege, weil sie Furcht haben: daraus müssen Sie schon verstehen, daß natürlich, wenn man solche Verhältnisse schildert, es auch so ist, daß man eine gewisse Gänsehaut bekommen kann; deshalb haben ja eben die Leute gerade Furcht. Es ist immer etwas bei der vorgerückten Erkenntnis, wenn man das Mineralreich und Pflanzenreich dann ins Auge faßt, wie Leichengeruch, den man empfindet, ein Leichengeruch, der einem wie in einem lebendigen Gefühl das charakterisiert, was im Mineral und Pflanzenreich lebt. Dagegen, wenn man das Tier- und das Menschenteich in der verwandelten Erkenntnis anschaut, dann hat man immer eine Empfindung, die man so charakterisieren kann, daß man sagen möchte: Eigentlich — nicht wahr, Sie verzeihen mir, daß ich diese Imagination in Worte umsetze — bleiben doch die Menschen, auch die vorgerücktesten, solange sie in diesem physischen Leibe weilen, gegenüber dem, was in ihnen in Wirklichkeit steckt, immer Kinder, richtige Kinder. Es ist einfach wahr, daß im Menschen viel mehr steckt, als er herausentwickeln kann, herausoffenbaren kann aus seinem Wesen zwischen Geburt und Tod.

[ 4 ] Well, people have thought a great deal—though with insufficient depth—about how human beings relate to their surroundings. The results of this reflection have been incorporated into various theories of knowledge. But these theories of knowledge cannot yield very much. And what is taught today in schools within these theories of knowledge to young people—who are then expected to speak philosophically about the world—is really quite inadequate stuff. For a true insight into what is actually revealed in the human environment can only be gained by approaching the matter from the perspective of spiritual science. On the one hand, human beings can look at the mineral and plant kingdoms; on the other hand, at the animal kingdom and the human kingdom itself. Both the mineral and plant kingdoms, as well as the human and animal kingdoms, reveal themselves to them in such a way that, if they are honest in a theoretical sense, they perceive contradictions in this revelation. They cannot make sense of the way in which, on the one hand, the mineral and plant kingdoms, and on the other, the animal and human kingdoms, reveal themselves to them. And if people believe they can make sense of it, this stems only from a certain dullness. They do not want to address all the doubts that spring from the observation of the natural kingdoms, because they are too complacent to do so. But if one delves deeper into knowledge, if one trains oneself in the direction indicated in How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?, then, in a certain sense, both the view of the mineral and plant kingdoms and the insight into their relationship to the animal and human kingdoms are transformed. Even today, people already have, to a high degree and unconsciously, a sense of this transformation that does not yet rise to consciousness. But it remains unconscious, just as I have said that, in the course of their entirely natural development, people today unconsciously approach the Guardian of the Threshold. It is actually always a certain fear of the truth that unconsciously prevents people from truly advancing to the point where they arrive at this transformation. I am speaking in imaginations—in imaginations that have been put into words. There is really no other way to accurately characterize these things. For when one brings to life within oneself that which can be brought to life—by applying to oneself what is described in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds—one will, looking upon the mineral and plant kingdoms with this transformed power of knowledge, always feel something akin to fear. Isn’t that right? You need not shudder or get goosebumps at the description of these conditions. People avoid them because they are afraid: from this you must surely understand that, naturally, when such conditions are described, it is also true that one can get a certain kind of goosebumps; that is precisely why people are afraid. There is always something about advanced insight—when one then contemplates the mineral and plant kingdoms—like the smell of a corpse that one senses, a smell of a corpse that, as if in a living sensation, characterizes what lives in the mineral and plant kingdoms. In contrast, when one looks at the animal and human kingdoms with this transformed insight, one always has a sensation that can be characterized in such a way that one might say: Actually—and please forgive me for putting this image into words—as long as they dwell in this physical body, human beings, even the most advanced among them, remain, in relation to what is truly within them, always children, real children. It is simply true that there is much more within a human being than he or she can develop or reveal from his or her being between birth and death.

[ 5 ] Sie sehen daraus, weil man ja in dieser übersinnlichen Erkenntnis vom Schein allmählich immer mehr zu der wahren Wirklichkeit aufsteigt, daß — indem man diese Welt außen, so wie sie ist, ansieht, betrachtet —, man es eigentlich nur mit einem Schein zu tun hat. Denn der Leichengeruch, von dem ich Ihnen gesprochen habe, und die Kinderei der Menschen — verzeihen Sie — verhüllen sich. Der Leichengeruch findet, wenn ich so sagen darf, an unserem physischen Menschen eine zu stumpfe Nase, die ätherische Nase ist nicht genügend ausgebildet. Und die Kinderei der Menschen, die läßt uns nicht recht zum Geständnis kommen, daß sie da ist, weil wir als Menschen schon einmal zu eingebildet sind dazu. Aber so ist doch die Sache. Und indem man dies, was ich eben jetzt charakterisiert habe, auseinanderhält, weist man ja zu gleicher Zeit darauf hin, daß im Menschen viel mehr steckt, als betätigt werden kann. Man kann sich dann die Frage aufwerfen: Ja, in Mineralien, in Pflanzen nimmt der Mensch keine Wirklichkeiten wahr; in Tieren, und nicht einmal in seinem eigenen Menschenwesen, nimmt er auch nicht Wirklichkeiten wahr. Worauf ist denn eigentlich dann der Mensch eingestellt hier auf der Erde? Er ist nämlich merkwürdigerweise eingestellt auf Wesen, die weder dem mineralischen und Pflanzenreich, noch dem Tier- und Menschenreich angehören, sondern die zwischendrinnen liegen. Auf eine Art Pflanzentiere oder Tierpflanzen ist er eingestellt. Wenn es Wesen geben würde hier auf der Erde, die weder Pflanzen noch Tiere sind, sondern die bloße Pflanzennatur haben in bezug auf ihre innere Organisation, aber die gehen könnten, Wesen, welche nicht Muskel und Blut hätten, sondern welche in ihrer Anatomie so wären wie die Pflanzen, die nur solche Zellen hätten und solche Gewebe wie die Pflanzen, die sich aber willkürlich bewegen könnten wie die Tiere, oder wenn auf unserer Erde Tiere herumwandeln würden, die eben, wenn sie sterben, so etwas hinterlassen wie eine Pflanzenleiche: dann würde für solche Wesen der Mensch in seiner ganzen Seelenverfassung wirklich eingestellt sein. Die würde er, solche Wesen würde der Mensch eigentlich hier in seinem Erdendasein fassen können. Aber das Merkwürdige ist wiederum: Diese Wesen können ihrerseits nicht im Erdendasein sein, diese Wesen sind nur in andern Welten zu finden. Sie sind ihrerseits so, daß sie im Erdendasein nicht gedeihen könnten. Also man kann sagen: Dem Menschen fehlt eigentlich dasjenige Erkenntnisvermögen — und das ist in der Gegenwart besonders sichtbar —, welches ihn befähigt, unmittelbar einzudringen in das Wesen von Mineralien und Pflanzen und auch von Tieren und Menschen. Und die Wesen, die er wohl unmittelbar wahrnehmen würde ihrer ganzen Konstitution nach, die können wieder sich nicht auf der Erde aufhalten. So merkwürdig steht der Mensch mit Bezug auf sein Verhältnis zu der umgebenden Natur.

[ 5 ] You can see from this—since in this supersensible knowledge one gradually ascends from appearance to true reality—that when one looks at and contemplates this external world as it is, one is actually dealing only with an appearance. For the stench of decay I spoke to you about, and the childishness of human beings—forgive me—mask themselves. The stench of decay, if I may put it that way, finds our physical being to have a nose too dull; the etheric nose is not sufficiently developed. And people’s childishness—it prevents us from truly acknowledging that it exists, because we, as human beings, are simply too conceited for that. But that is indeed the case. And by distinguishing what I have just described, one simultaneously points out that there is much more within the human being than can be brought into play. One can then ask oneself the question: Yes, in minerals and plants, human beings do not perceive realities; in animals—and not even in their own human nature—they do not perceive realities either. To what, then, is the human being actually attuned here on Earth? Strangely enough, they are attuned to beings that belong neither to the mineral nor the plant kingdom, nor to the animal nor the human kingdom, but lie in between. They are attuned to a kind of plant-animal or animal-plant. If there were beings here on Earth that were neither plants nor animals, but which had purely plant-like nature in terms of their internal organization, yet could walk, beings that had neither muscles nor blood, but whose anatomy were like that of plants—possessing only the same cells and tissues as plants—yet could move at will like animals; or if animals were to roam our Earth that, upon dying, left behind something like a plant carcass: then human beings, in their entire soul constitution, would truly be attuned to such beings. He would be; humanity would actually be able to grasp such beings here in its earthly existence. But the strange thing is, in turn: These beings, for their part, cannot exist in earthly life; these beings are to be found only in other worlds. They are, for their part, such that they could not thrive in earthly life. So one can say: Human beings actually lack the capacity for insight—and this is particularly evident today—that would enable them to penetrate directly into the essence of minerals and plants, as well as animals and human beings. And the beings whose entire constitution they would indeed perceive directly cannot, in turn, dwell on Earth. Such is the peculiar state of human beings with regard to their relationship to the surrounding natural world.

[ 6 ] Aber auch zu sich selbst steht der Mensch hier auf der Erde in einem merkwürdigen Verhältnisse. Der Mensch ist auf der einen Seite ein vorstellendes Wesen. Wenn er aber das Vorstellungsvermögen betätigt, dann verliert er im Vorstellen seine eigene Wesenheit. Und diese eigene Wesenheit, die im Vorstellen nicht zutage treten kann, die hat er eigentlich nur dadurch, daß etwas, der Wille, aus dem Unbewußten heraufwirkt. Würde der Wille nicht heraufwirken, würden wir nicht den Willen in uns verspüren, die ganze Welt käme uns gespenstig vor, wenn wir sie nur vorstellen könnten. Wir würden eine gespenstige Welt vor uns haben, so wie ungefähr die Welt der naturwissenschaftlichen Begriffe ist; die wäre dann wirklich unsere Welt. Denken Sie sich, wenn die Welt so ausschauen würde, wie die Naturwissenschafter oder Zoologen es beschreiben, denken Sie, wenn nichts anderes da wäre, als was in Büchern über Botanik und Mineralogie steht — die wirklichen Pflanzen und Gesteine enthalten ja viel mehr, als was in den Büchern steht, aber denken Sie sich, Sie würden geführt in eine Welt, wie sie in den Büchern beschrieben ist, wo nicht mehr da wäre, als was in den Büchern beschrieben ist: es wäre nur eine Gespensterwelt, eine richtige Gespensterwelt. Nur dadurch ist diese Welt keine Gespensterwelt, daß immer der Wille mitspricht. Wenn Sie fliegen könnten, nicht mit einem Apparat, sondern selbst fliegen, das heißt, wenn Sie keinen Boden unter den Füßen brauchten, könnten Sie sich also frei bewegen ohne Boden, dann würden Sie nahe daran kommen, die Welt so gespenstig wahrzunehmen. Sie würde Ihnen, wenn Sie nur im wachen Zustande mit den Augen die Welt verfolgen würden, sehr gespenstig schon erscheinen; nicht so stark, wie der Naturforscher sie beschreibt, aber sie würde Ihnen da schon sehr gespenstig erscheinen. Sie haben ein solides Gefühl von dem Weltendasein nur dadurch, daß Sie mit den Füßen auf dem Boden stehen. Und dieses Drücken mit Ihren Füßen auf den Boden, das gibt Ihnen das Gefühl, das mit dem Willen verwandt, das nur eine Abschwächung des Willens ist, daß Sie nicht bloß in einer Gespensterwelt sind, sondern in einer soliden Welt. Wenn Sie dieses Gefühl nicht hätten, sondern nur sehen würden, dann würde Ihnen die Welt sehr gespenstig vorkommen. Was im Unterbewußten sich abspielt, das sagen Sie sich nämlich nicht. Im Unterbewußten spielt sich stets das ab, daß eigentlich der Mensch sich sagt, im Unterbewußten sagt er es sich: Ja, eigentlich schaut die Welt wie ein Gespenst aus! Aber wenn die Welt so wäre, wie sie mir meine Augen zeigen, da könnte ich nicht fest stehen, da müßte ich untersinken. Und ich sinke doch nicht unter, also ist die Welt nicht so, wie sie mir meine Augen zeigen. — Dieser Schluß wird im Unbewußten fortwährend gemacht. So kompliziert ist das ganz gewöhnliche, alltäglichste Verhältnis zur Welt. Es ist immer ein unbewußter Schluß, der in gewisser Beziehung aus dem Willen stammt. Also beim bloßen Vorstellen fehlt uns eigentlich — wenn ich mich jetzt gelehrt, das heißt, pedantisch ausdrücken will — das Subjekt, das fällt heraus. Daß wir ein Subjekt haben, uns mit der Welt zusammenfühlen, kommt aus dem Willen.

[ 6 ] But even in relation to himself, the human being here on earth finds himself in a peculiar situation. On the one hand, the human being is a thinking being. But when he exercises his power of thought, he loses his own essence in the very act of thinking. And this very essence of their own being—which cannot come to light in the act of imagining—they actually possess only because something, the will, works its way up from the unconscious. If the will did not work its way up, if we did not feel the will within us, the whole world would seem ghostly to us, even if we could merely imagine it. We would have a ghostly world before us, much like the world of scientific concepts; that would then truly be our world. Imagine if the world looked the way natural scientists or zoologists describe it; imagine if there were nothing else there but what is written in books on botany and mineralogy—the actual plants and rocks, of course, contain much more than what is in the books, but imagine you were led into a world as described in the books, where there were nothing more than what is described in the books: it would be nothing but a ghostly world, a true ghostly world. The only reason this world is not a ghostly world is that the will always plays a part. If you could fly—not with a machine, but fly on your own, that is, if you didn’t need the ground beneath your feet, so that you could move freely without the ground—then you would come close to perceiving the world as ghostly. Even if you were simply to observe the world with your eyes while awake, it would already seem very ghostly to you; not as strongly as the naturalist describes it, but it would still seem very ghostly to you. You have a solid sense of your existence in the world only because your feet are planted on the ground. And this pressure of your feet against the ground gives you the feeling—which is related to the will, which is merely an attenuation of the will—that you are not merely in a ghostly world, but in a solid world. If you did not have this feeling, but only saw, then the world would seem very ghostly to you. For you do not tell yourself what is going on in your subconscious. What is constantly happening in the subconscious is that, deep down, a person tells themselves—in the subconscious, they tell themselves: “Yes, actually, the world looks like a ghost! But if the world were the way my eyes show it to me, I wouldn’t be able to stand firm; I’d have to sink. And yet I don’t sink, so the world isn’t the way my eyes show it to me.” — This conclusion is constantly being drawn in the unconscious. That’s how complicated our very ordinary, everyday relationship with the world is. It is always an unconscious conclusion that, in a certain sense, stems from the will. So in mere imagination, we actually lack—if I may now express myself in a scholarly, that is, pedantic way—the subject; it falls away. The fact that we have a subject, that we feel ourselves united with the world, comes from the will.

[ 7 ] Und wiederum, wenn wir wollen, wenn wir den Willen entwickeln, da fehlt uns eigentlich das Objekt. Das Objekt, das kommt uns gar nicht ordentlich solid zum Bewußtsein. Wenn ich einfach dieses Büchelchen hier von der linken Seite zur rechten Seite herüberheben will und es auch wirklich tue — ja, das eigentliche Objekt des Wollens, das kommt nicht zum Bewußtsein. Sie sehen den Weg, den das Büchelchen macht, die Vorstellung, die gespenstet so hinein in das Wollen, aber das eigentliche Objekt des Wollens kommt nicht zum Bewußtsein. So daß der Mensch sowohl, indem er vorstellend ist, wie auch, indem er wollend ist — das ist wiederum grotesk ausgesprochen, weil man eine Imagination in Worte kleiden muß —, daß der Mensch eigentlich sowohl als Vorstellender wie als Wollender, verzeihen Sie, ein Krüppel ist. Er stellt gespenstig vor und will eigentlich unvollständig. Was der Mensch wirklich ist, das ist eigentlich weder in der Vorstellung noch im Willen ganz drinnen, das ist wiederum in der Mitte drinnen zwischen dem Vorstellen und dem Willen. Aber da ist die Sache so, daß uns das nicht zum Bewußtsein kommen kann im gewöhnlichen Leben. Geradeso wie in die äußere Natur das Pflanzentier nicht eintreten kann, so kann dem Menschen nicht zum Bewußtsein kommen, was er eigentlich ist. Deshalb habe ich Ihnen von einem andern Gesichtspunkte diese Tatsache öfter ausgesprochen, indem ich Ihnen sagte: Das eigentliche Ich nimmt der Mensch wahr wie ein Loch in den Ereignissen des Lebens. Nicht wahr, man muß sich darüber nur klar sein, daß man Löcher auch wahrnehmen kann. Vom Schlafen weiß der Mensch nichts, er wacht, schläft, wacht, schläft, wacht, schläft; aber indem er sein Leben überblickt, da stellt sich ihm das ausgesparte Bewußtsein, das Bewußtseinsloch in den Lebenslauf hinein, und er sieht gerade so, wie wenn er eine Fläche hat, die weiß ist und die schwarze Löcher hat, wo er eigentlich nichts sieht, so sieht er die Bewußtseinslöcher des Schlafes. Aber so ist es mit unserem Ich auch in unserem Wachleben. Unser Ich wird nicht in Wahrheit ins Bewußtsein hereingehoben, sondern im Bewußtsein ist von diesem Ich nur ein Loch, und die Wahrnehmung dieses Loches macht uns darauf aufmerksam, daß wir eben das wirkliche Ich haben.

[ 7 ] And again, when we want something—when we develop the will—we actually lack the object. The object does not properly and solidly enter our consciousness. If I simply want to lift this little book here from the left side to the right side and actually do so—yes, the actual object of the will does not enter into consciousness. You see the path the little book takes, the mental image that haunts the act of willing, but the actual object of the will does not enter into consciousness. So that the human being, both insofar as he is a thinker and insofar as he is a volition—which is, again, a grotesque way of putting it, because one must clothe an imagination in words—that the human being is, in fact, both as a thinker and as a volition, forgive me, a cripple. He thinks in a ghostly way and actually wills incompletely. What a human being really is is actually not fully present either in imagination or in the will; it lies, in turn, in the middle between imagination and the will. But the fact is that this cannot come to our consciousness in ordinary life. Just as the plant-animal cannot enter into external nature, so too can a human being not become conscious of what he actually is. That is why I have often spoken to you about this fact from another perspective, telling you: Human beings perceive the true self as a gap in the events of life. Isn’t it true that one need only be aware that gaps can also be perceived? Human beings know nothing of sleep; they wake, sleep, wake, sleep, wake, sleep; but when they look back over their life, the missing consciousness—the hole in consciousness—appears within the course of their life, and they see it just as if they had a white surface with black holes where they actually see nothing; in the same way, they see the holes in consciousness caused by sleep. But this is also how it is with our “I” in our waking life. Our “I” is not, in truth, brought into consciousness; rather, in consciousness there is only a hole where this “I” should be, and the perception of this hole makes us aware that we do indeed have the real “I.”

[ 8 ] Diese Dinge, die dem heutigen groben Menschen noch wie eine Spintisiererei erscheinen, sie müssen allmählich ein elementares Bewußtsein der Menschen werden. Denn man kann nicht in der Zukunft auf solche Glaubensvorstellungen das Leben gründen, wie man es in vergangenen Zeiten hat gründen können, weil noch die Reste und die Nachwirkungen atavistischen Hellsehens vorhanden waren. In der Zukunft wird man auf deutlich durchschaubare Grundlagen das Leben stellen müssen. Zu den alltäglichen Vorstellungen wird das gehören müssen, daß man auf das Mineral- und Pflanzenreich so hinschaut, wie Goethe hingeschaut hat, der nur das Phänomen angesehen hat, der nicht geglaubt hat, daß in dem Phänomen etwas anderes als höchstens die Grundphänomene, die Urphänomene sich offenbaren, aber daß die Phänomene nicht in Gedanken ausdrückbare Naturgesetze offenbaren. Nach Naturgesetzen hat Goethe nie geforscht, das wäre ihm sehr phantastisch erschienen. Die Phänomene hat er verfolgen wollen, denn es zeigt uns die äußere Welt im mineralischen und Pflanzenreiche nichts als die Wahrnehmungen, die Erscheinungen. So muß der Mensch hinschauen auf die äußere Welt, daß er sich bewußt ist: Ich sehe im Mineral- und Pflanzenreich eigentlich nur die Außenseite; und wenn ich dem Tier- und Menschenreiche gegenüberstehe, sehe ich eigentlich auch nur etwas, was wie ein Embryo des ganzen Wesens ist. — Das muß auch so sein. Sehen Sie, im Mineral- und Pflanzenreiche sind ja in Wirklichkeit vorhanden Wesen, die sich nur nach einer gewissen Seite hin enthüllen, wenn der Mensch sie anschaut, weil sie, ich möchte sagen, sich nicht anders enthüllen können. Denn im Mineral- und Pflanzenreiche lebt etwas, was man vollständig nur erkennt, wenn man — nun verstehen Sie mich recht — zurückblickt auf diejenige Welt, aus der man herausgekommen ist, als man durch die Geburt dieses physische Dasein angetreten hat. Könnten Sie mit jenem Bewußtsein, das über die Geburt nach rückwärts hinausgeht, gedächtnismäßig behaftet bleiben nach der Geburt, könnten Sie also das Geborenwerden als ein solches Ereignis in Ihrem Leben betrachten, wie etwa, sagen wir, den Übergang vom fünfzehnten zu dem sechzehnten Jahre, würde nicht nach rückwärts der Faden des Bewußtseins abreißen, weil das Bewußtsein ganz andersartig war vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis, so würden Sie ohne weiteres eine ganz andere Ansicht über das Mineral- und Pflanzenreich bekommen, als Sie nur dadurch bekommen, daß Sie sie anschauen vom Standpunkte des Lebens zwischen Geburt und Tod. Denn Sie würden sich dann folgendes sagen: Ich bin herausgetreten aus dem geistigen Reich durch die Geburt. Ich bin hier in dieses physische Reich eingetreten. Warum habe ich denn das getan? Warum bin ich denn da nicht drinnen geblieben in dem geistigen Reiche? Warum hat es mich denn überhaupt auf die Erde heruntergelockt? Denn man kann von einem solchen Locken sprechen. Da könnten Sie dann sagen, wenn Sie sich erinnern könnten: Es hat mich auf die Erde heruntergelockt aus dem Grunde, weil plötzlich im Laufe meiner Entwickelung zwischen Tod und neuer Geburt ich in eine Sphäre hineinkam, wo es so aussah, als ob gewisse Wesen herausgeflohen wären, als ob sie eigentlich drinnen sein sollten, fehlten und nicht drinnen sind. — Wenn ich mich grob ausdrücken darf: In der letzten Zeit vor der Geburt erlebt man in der geistigen Welt auf Schritt und Tritt, daß einem da Wesen fehlen, die eigentlich hergehören und die nicht da sind. Es zeigt alles: diese Wesen fehlen. Und tritt man jetzt durch die Geburt, so sind in den Mineralien und in den Pflanzen diese Wesen da, aber wie Verbannte, wie wenn diese Wesen verbannt wären aus der Welt, in der man drinnen war, und wie wenn sie nicht vollständig gedeihen könnten, halb sterben würden und daher den Leichengeruch bilden, halb sterben würden in der Welt, in die man eingetreten ist. Man sehnt sich vor der Geburt nach der Bekanntschaft mit gewissen Verbannten. Man weiß nur: Da sind verbannte Wesen, aber wo sind die? Da geht man in die physische Welt heraus und nimmt sie wahr, aber, ich möchte sagen, einbalsamiert, mumifiziert. Denn in der Welt, in die man eingetreten ist, können sie nicht anders sein als einbalsamiert, als mumifiziert, vertrocknet. Das ist die vollständig richtige Empfindung, wenn man der Mineral- und pflanzlichen Welt so gegenübertritt, daß man in ihr die Wesen sieht, die verbannt sind aus der geistigen Welt, aus der Sphäre, in der man gerade war, bevor man in das physische Leben eintreten mußte.

[ 8 ] These things, which still seem like mere speculation to the coarse-minded people of today, must gradually become part of people’s basic consciousness. For in the future, one will not be able to base one’s life on such beliefs as one could in times past, when the remnants and aftereffects of atavistic clairvoyance were still present. In the future, one will have to base one’s life on clearly transparent foundations. Part of our everyday understanding will have to be viewing the mineral and plant kingdoms as Goethe did—who looked only at the phenomenon itself, who did not believe that anything other than, at most, the fundamental phenomena, the primordial phenomena, were revealed in the phenomenon, but rather that the phenomena reveal natural laws that cannot be expressed in thought. Goethe never sought to discover laws of nature; that would have seemed very fanciful to him. He sought to follow the phenomena, for the external world in the mineral and plant kingdoms reveals to us nothing but perceptions, the appearances. Thus, a person must look at the external world in such a way that they are aware: In the mineral and plant kingdoms, I actually see only the outer side; and when I face the animal and human kingdoms, I actually see only something that is like an embryo of the whole being. — It must be so. You see, in the mineral and plant kingdoms there are, in reality, beings that reveal themselves only from a certain perspective when a human being looks at them, because—I would say—they cannot reveal themselves in any other way. For in the mineral and plant kingdoms there lives something that can only be fully recognized when one—now understand me correctly—looks back upon the world from which one emerged when one entered this physical existence through birth. If you could retain, in memory, that consciousness which extends backward beyond birth—if, that is, you could regard being born as an event in your life, such as, say, the transition from the fifteenth to the sixteenth year—and if the thread of consciousness did not break off as you looked backward, because consciousness was entirely different before birth or, rather, before conception—then you would naturally gain a completely different perspective on the mineral and plant kingdoms than you do simply by viewing them from the standpoint of life between birth and death. For you would then say to yourself: I have stepped out of the spiritual realm through birth. I have entered this physical realm. Why did I do that? Why didn’t I remain in the spiritual realm? Why did it lure me down to Earth in the first place? For one can speak of such a luring. Then you might say, if you could remember: It lured me down to Earth because, suddenly, in the course of my development between death and a new birth, I entered a sphere where it seemed as though certain beings had fled—as though they were supposed to be there but were missing and not present. — If I may put it bluntly: In the final period before birth, one experiences at every turn in the spiritual world that beings are missing who actually belong there but are not present. Everything points to this: these beings are missing. And when one now passes through birth, these beings are present in the minerals and plants, but as if in exile—as if they had been banished from the world one had been in, and as if they could not fully thrive, were half-dying, and thus produced the smell of decay, half-dying in the world one has entered. Before birth, one longs to become acquainted with certain exiles. One knows only this: there are exiled beings, but where are they? Then one steps out into the physical world and perceives them, but—I would say—embalmed, mummified. For in the world one has entered, they cannot be anything other than embalmed, mummified, withered. This is the entirely correct sensation when one approaches the mineral and plant worlds in such a way that one sees in them the beings who have been banished from the spiritual world, from the sphere in which one was just before one had to enter physical life.

[ 9 ] Und wenn man auf Tiere und Menschen hinschaut und ihre Kinderei sieht, dann kommt man darauf, wenn man einen Blick auf die tiefere Wesenheit entwickeln kann, daß diese Tiere und Menschen, so wie sie einmal in der Welt hier sind, in der wir zwischen Geburt und Tod leben, nie fertig werden, nie eigentlich ihr ganzes, durch ihr Innenwesen bedingtes Leben zum Abschluß bringen. Wer Tiere richtig anschaut, wer sie anschauen kann mit vollständiger innerer lebendiger Erkenntniskraft, der weiß zwar, daß die Tiere nicht unsterblich sind, aber er weiß auch, daß die Tiere die ganze Tragik dieser Nichtunsterblichkeit in ihren Gruppenseelen durchmachen. Die Gruppenseelen sind ja hinausdauernd über das individuelle Leben des Tieres; aber dasjenige, was hier auf der Erde ist von den Tieren, das ist, wie ich schon neulich sagte, eigentlich krank, das ist so, daß es verdirbt, weil es in eine andere Welt gehört und in diese Welt hinein verbannt ist. Und der Mensch seiner äußeren physischen Gestalt nach ist auch in diese Welt hinein verbannt; daher bleibt er verkrüppelt, bleibt ein Kind. Der Mensch bleibt ein Kind. Das Tier ist überhaupt in seinem Wesen seiner physischen Gestalt nach vertrocknet, denn das, was zu Tier und Mensch gehört, das findet man, wenn man durch den Tod geht und in die geistige Welt unmittelbar eintritt, die man nun nach dem ’Tode betrachtet. Denn eigentlich beschreibt man einen Kreis in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Das, was einem verborgen bleibt hier vom Tier- und Pflanzenreich, weswegen man wahrnimmt, daß Tiere und Menschen Verbannte sind aus der geistigen Welt — der Mensch der äußeren physischen Gestalt nach —, das nimmt man zunächst wahr, indem man durch die Pforte des Todes eintritt in die geistige Welt. Da macht man eine Entwickelung durch, und man kommt dazu, daß einem immer mehr und mehr nach dieser Weltenmitternacht, die ich in dem Mysteriendrama beschrieben habe, klar wird: Da fehlt etwas, und was da fehlt, das ist gewissermaßen davongelaufen aus der geistigen Welt. Dem läuft man nach durch die Geburt und findet es dann im mineralischen und Pflanzenreich auf der physischen Erde. Über das Mineral- und pflanzliche Reich ist man eigentlich nicht erstaunt, wenn man durch die Geburt ins Dasein tritt, denn man hat es erwartet. Daß man auch hier auf der: physischen Erde Tiere findet und den Menschen mit einer äußeren Gestalt, die nur vollkommener ist, aber an das Tier erinnert, das ist etwas, was einen einigermaßen erstaunt, nachdem man geboren worden ist mit der Bewußtseinsveranlagung. Man fängt aber an, es zu begreifen, wenn man weiß: Mit dieser äußeren Gestalt der Tiere und Menschen ist ja ein Anfang gegeben, der erst weiterwächst in der Welt, in die man eintritt durch die Todespforte.

[ 9 ] And when one observes animals and human beings and sees their childlike nature, one comes to realize—if one can develop a deeper insight into their essence—that these animals and human beings, as they exist in this world where we live between birth and death, never truly reach completion; they never actually bring their entire life—as determined by their inner being—to a close. Anyone who truly observes animals—who can observe them with a fully developed, inner, living power of insight—knows, of course, that animals are not immortal, but they also know that animals experience the full tragedy of this mortality within their group souls. The group souls, after all, endure beyond the individual life of the animal; but that which of the animals is here on Earth is, as I said recently, actually sick—it is decaying because it belongs to another world and has been banished into this one. And the human being, in terms of his outer physical form, is also banished into this world; therefore, he remains crippled, remains a child. The human being remains a child. The animal, in its very essence and physical form, has withered away, for what belongs to animals and human beings can be found when one passes through death and enters directly into the spiritual world, which one now observes after “death.” For in reality, one traces a circle in the life between death and new birth. What remains hidden from us here in the animal and plant kingdoms—which is why we perceive that animals and human beings are exiles from the spiritual world (human beings in terms of their outer physical form)—is first perceived when one enters the spiritual world through the gate of death. There one undergoes a process of development and comes to realize, more and more after this “midnight of the world” that I described in the Mystery Drama, that something is missing—and what is missing has, so to speak, fled from the spiritual world. One pursues it through birth and then finds it in the mineral and plant kingdoms on the physical earth. One is not really surprised by the mineral and plant kingdoms when one enters existence through birth, for one has expected them. The fact that one also finds animals here on the physical Earth—and human beings with an outer form that is merely more perfect but still reminiscent of the animal—is something that surprises one to some extent after one has been born with the predisposition of consciousness. But one begins to understand it when one realizes: This outer form of animals and human beings marks a beginning that continues to grow in the world one enters through the gate of death.

[ 10 ] Man könnte sagen: Für die abstrakten und vollständig ausgedörrten Glaubensvorstellungen, die noch geblieben sind — früher waren ja diese Vorstellungen viel lebendiger und gaben dem Menschen wirklich etwas — in unser Bewußtseinszeitalter herein, für die steht zu unvermittelt [nebeneinander] dasjenige, was die Menschen hier in der physischen Welt wahrnehmen, und dasjenige, was sie sich vorstellen sollen, daß es der Welt zugrunde liegt, welche der Mensch durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das, was der Mensch durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, bleibt deshalb heute den Menschen so zweifelhaft und kann so leicht von dem grob materialistischen Geiste geleugnet werden, weil ja der Mensch, indem er in das Zeitalter der Bewußtseinsseele, das heißt, ins intellektuelle Zeitalter eingetreten ist, dadurch nur in Spiegelbildern im Bewußtsein lebt, wie ich ausgeführt habe. Er kann also auch nur in Spiegelbildern leben, wenn er über die Wahrnehmungen hinausgeht, in die ihm, wie ich Ihnen angedeutet habe, im Aufstehen der Füße der Wille hineinspielt. Aber wenn kein Wille hineinspielt — und ins unsterbliche Leben nach dem Tode spielt ja kein Wille hinein — und der Mensch nur darauf angewiesen ist, in den Spiegelbildern des Vorstellens das vor seine Seele zu rücken, was die Welt ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, dann wird ihm diese Welt zweifelhaft, nicht nur gespenstig, sondern zweifelhaft. Ja, man kann sogar folgendes sagen: Wenn sich die Menschen darauf versteifen würden, nur Naturwissenschaften gelten zu lassen, nur die gespenstige Welt sich vor Augen zu rücken, welche die Naturwissenschaft gibt, so haben sie eigentlich recht, das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, überhaupt das Leben nach dem Durchgang durch die Todespforte zu leugnen.; Denn was die Naturwissenschaft gibt, sind ja nur Bilder, ist ja gespenstig. Und das hört auch auf, indem der Mensch durch die Todespforte tritt. Die Naturwissenschaft kann nichts enthalten von dem, was der Mensch erlebt in dem Reiche nach dem Tode und vor der Geburt. Denn sehen Sie: In den Mineralogiebüchern und in den Botanikbüchern und in allem, was damit zusammenhängt, Physiologie, Geologie und so weiter, in all den Vorstellungen, die Sie überhaupt aufnehmen können über Pflanzen und Mineralien, da können Sie ja nur etwas aufnehmen über Wesen, die hier hinein verbannt sind in die physische Welt. Und wiederum in den Tieren und in den Menschenkörpern können Sie auch nur etwas wahrnehmen, was hier hinein verbannt ist — auch in den Zoologiebüchern und Anthropologiebüchern —, und damit setzt sich ja im Grunde, wenn man das im weitesten Sinne denkt, alles Wissen zusammen: Sie können nur dasjenige wahrnehmen, was hier in der Verbannung lebt. Aber wenn Sie bedenken, daß vor der Geburt Ihnen die Wesen gerade fehlen — also da sind sie ja nicht —, die Sie hier erleben nach der Geburt, daß in Tieren und Menschen dasjenige erlebt wird, was hier nicht vorhanden ist, so werden Sie begreifen, daß in das gewöhnliche naturwissenschaftliche Vorstellungsleben gar nichts von dem unsterblichen Leben hereingehen kann, daß die Naturwissenschaft von sich aus ganz recht hat, wenn sie sich um das unsterbliche Leben gewissermaßen nicht kümmert, weil sie in Bildern lebt. Und daher ist es so, daß in dem Zeitalter seit dem 15. Jahrhundert, in dem die naturwissenschaftlichen Vorstellungen alle Kreise beherrschen, der Mensch auf der einen Seite gewissermaßen die robuste, rohe Natur hat, die ihm eigentlich allein als Wirklichkeit gilt, und auf der andern Seite ein Reich, das er nur mit den abgeschwächten Spiegelbildern des Zeitalters der Bewußtseinsseele erreichen will, wo es ihm eigentlich so vorkommt, wie wenn er sich sagt: Nun, indem ich darauf komme, daß das nur Spiegelbilder sind, die ich da denke und im Unterbewußtsein kommt er darauf, denn dann wird er ein Zweifler an der Unsterblichkeit —, dann wäre ich, wenn ich glaubte, daß diese Spiegelbilder und auch mein eigenes Spiegelbild nach meinem Tode noch da seien, ebenso dumm, wie wenn ich glaubte, daß mir aus dem Spiegel an der Wand die Menschen entgegenkommen, daß sie nicht bloß sich spiegelten, sondern mir entgegenkämen.

[ 10 ] One might say: For the abstract and completely withered beliefs that still remain—in the past, these beliefs were much more vibrant and truly gave people something—as they enter our age of consciousness, they stand in abrupt juxtaposition with what people perceive here in the physical world, and what they are supposed to imagine lies at the foundation of the world that a person experiences between death and a new birth. What a person experiences between death and a new birth therefore remains so doubtful to people today and can so easily be denied by the crudely materialistic spirit, because, as I have explained, by entering the age of the conscious soul—that is, the intellectual age—a person lives in consciousness only through mirror images. Thus, even when he goes beyond the perceptions—into which, as I have indicated to you, the will intervenes when he stands on his feet—he can still only live in mirror images. But if no will is at work—and in the immortal life after death, no will is at work—and human beings are dependent solely on bringing before their souls, through the mirror images of imagination, what the world is like between death and a new birth, then this world becomes doubtful to them—not merely ghostly, but doubtful. Indeed, one might even say the following: If people were to insist on accepting only the natural sciences, on bringing before their eyes only the ghostly world presented by the natural sciences, then they would actually be right to deny life between death and a new birth—indeed, to deny life after passing through the gate of death altogether; For what the natural sciences provide are, after all, only images; they are, in fact, ghostly. And this also comes to an end when a person passes through the gate of death. The natural sciences can contain nothing of what a person experiences in the realm beyond death and before birth. For you see: In the books on mineralogy and botany, and in everything related to them—physiology, geology, and so on—in all the concepts you can possibly grasp about plants and minerals, you can only take in information about beings who are confined here to the physical world. And likewise, in animals and in human bodies, you can also perceive only what is confined here—including in zoology and anthropology textbooks—and this, when considered in the broadest sense, is essentially the sum total of all knowledge: you can perceive only that which lives here in confinement. But if you consider that before birth these beings are precisely absent—that is, they are not there— the beings you experience here after birth—that what is experienced in animals and humans is precisely what is not present here—then you will understand that nothing of the immortal life can enter into the ordinary scientific imagination; that natural science, in and of itself, is quite right when it, so to speak, pays no attention to the immortal life, because it lives in images. And that is why, in the era since the 15th century, in which scientific concepts dominate all spheres, human beings, on the one hand, have, so to speak, the robust, raw nature that they actually regard as the only reality, and on the other hand, a realm that they seek to reach only through the faded mirror images of the age of the conscious soul, where it actually seems to them as if they were saying to themselves: “Well, since I realize that these are only mirror images that I am conceiving”—and in the subconscious they come to this realization, for then they become doubters of immortality— then, if I believed that these reflections—and also my own reflection—would still be there after my death, I would be just as foolish as if I believed that people were coming toward me from the mirror on the wall, that they were not merely reflected but were actually coming toward me.

[ 11 ] Es liegt einfach im Charakter dieses Zeitalters der Entwickelung der Bewußtseinsseele, daß dem Menschen, wenn er nicht aufrücken will zu einer geistigen Erfassung der Welt, immer mehr und mehr der Zusammenhang schwindet mit der Welt, in die er eintritt, wenn er durch die Todespforte tritt. Und es schwindet ihm aus der Vorstellung, es schwindet ihm aus dem bewußten Leben, aber es schwindet ihm nicht aus der Sehnsucht. Und selbst die schlimmsten Unsterblichkeitsleugner haben in ihren Untergründen in der Willenssphäre, aus der ja die Sehnsucht stammt, sie haben Sehnsucht, von der Welt etwas zu erfahren, in die der Mensch durch die Todespforte eintritt, aus der er herausgetreten ist, indem er durch die Geburtspforte gegangen ist. Sehnsucht haben sie. An dieser Sehnsucht ist sogar die Gegenwart krank. Und die mancherlei Krankheiten der Gegenwart drücken sich aus, weil diese Sehnsucht in den Menschen waltet und der Mensch keine bewußten Vorstellungen für diese Sehnsucht finden kann. Wenn etwas in unserer Willenssphäre lebt, was der Mensch mit der Vorstellung nicht bewältigen kann — man muß da wiederum sehr radikale Begriffe entwickeln, wenn man über diese Dinge redet —, dann fängt er an zu toben. Das ist das Wesen des Tobens, der Tobsucht, daß etwas in der Willenssphäre lebt, was der Mensch nicht mit seinem Vorstellungsvermögen umfassen kann. Und wenn die Menschen sich nicht dazu bequemen werden, einzugehen auf die Erfassung der geistigen Welt, um durch das Erfassen der geistigen Welten dasjenige zu umfassen, was in der Willenssphäre sich schon herausgestaltet, dann wird die Toberei in der Welt immer größer und größer werden, die Toberei, die sich heute als das nächste Stadium nach dem nicht eintretenden, aber von den Menschen immer erhofften Friedensschluß eben für die Menschen einstellt. Das ist nicht etwas, worüber man reden kann wie in einem Kegelklub, wo man nach den gewöhnlichen philiströsen Vorstellungen meint, da oder dort über das oder jenes Abhilfe schaffen zu können, indem man sich verständigt, nein, das ist etwas, was mit dem tiefsten Wesen der menschlichen Entwickelung zusammenhängt. Der Mensch kann sich nicht dagegen sträuben, daß dasjenige in ihm sich entwickelt, was in seine Willenssphäre eintritt. Darüber hat er keine Macht. Er kann nur sich dazu entschließen, bewußt in die Geistessphäre so einzudringen, daß er das verstehen lernt, was in seine Willenssphäre eindringt. Dadurch wird an Stelle der Toberei geordnetes Menschenzusammenleben sich entwickeln können in der Zukunft.

[ 11 ] It is simply in the nature of this age of the development of the conscious soul that, unless a person is willing to advance toward a spiritual understanding of the world, their connection with the world they enter when they pass through the gate of death gradually fades away. And it fades from their imagination, it fades from their conscious life, but it does not fade from their longing. And even the most ardent deniers of immortality have, deep down in the sphere of the will—from which this longing originates—a yearning to learn something about the world into which a human being enters through the gate of death, the world from which they emerged by passing through the gate of birth. They have this longing. Even the present is afflicted by this longing. And the various ills of the present manifest themselves because this longing reigns within human beings, and human beings cannot find conscious concepts to express this longing. When something lives within our sphere of the will that human beings cannot grasp with their imagination—one must again develop very radical concepts when speaking of these things—then they begin to rage. This is the essence of rage, of fury: that something lives within the sphere of the will that human beings cannot encompass with their power of imagination. And if people are not willing to engage in the comprehension of the spiritual world—in order, through this comprehension, to grasp that which is already taking shape in the sphere of the will—then the frenzy in the world will grow ever greater and greater: the frenzy that today presents itself as the next stage following the peace settlement that has not materialized, but which people have always hoped for—is now taking shape for humanity. This is not something one can discuss as if in a bowling club, where, according to ordinary philistine notions, one might think it possible to remedy this or that here or there by coming to an agreement; no, this is something connected to the deepest essence of human development. Human beings cannot resist the development within themselves of that which enters their sphere of will. They have no power over this. They can only resolve to consciously penetrate the spiritual sphere in such a way that they learn to understand what enters their sphere of will. Through this, orderly human coexistence will be able to develop in the future in place of the current chaos.

[ 12 ] Sie sehen, es ist keine Angelegenheit, die den Menschen nur subjektiv angeht, daß der Mensch sich hinwende zur geistigen Welt, die sich offenbaren will durch eine besondere Welle des Geschehens in unserer Zeit, sondern es ist eine objektive Notwendigkeit, daß der Mensch sich der geistigen Welt zuwendet im Zeitalter der Bewußtseinsseele. Denn Veränderungen sind eben eingetreten in der Menschheitsentwickelung.

[ 12 ] You see, it is not merely a subjective matter for human beings to turn toward the spiritual world, which seeks to reveal itself through a particular wave of events in our time; rather, it is an objective necessity for human beings to turn toward the spiritual world in the Age of the Consciousness Soul. For changes have indeed taken place in the development of humanity.

[ 13 ] Bis zu dem Zeitpunkt, in dem sich abgespielt hat im Erdenleben das Mysterium von Golgatha, kam alles das, was der Mensch brauchte, um in der Welt hier einigermaßen sicher zu stehen, eben aus dem Schlafe. Man hat anders geschlafen, wenn das auch die heutigen Physiologen nicht zugeben, vor dem Mysterium von Golgatha, als man jetzt schläft. Solche prophetischen Naturen, denen sich in Träumen so Großartiges geoffenbart hat wie den hebräischen Propheten, die gibt es daher auch in dieser Form nicht mehr; denn den Seinen gibt es der Herr heute nicht mehr im Schlafe. Er hat es ihnen gegeben. Das ist eben der große Übergang in der Entwickelung. Und nicht nur den prophetischen Naturen wurden die Bilder der Zukunft gegeben, sondern die Gedanken wurden den Menschen noch bis in die griechische Zeit hinein aus dem Schlaf heraus gegeben. Wenn man aufwachte, brachte man sich die Gedanken mit. Es war der menschliche Organismus noch so konstruiert, daß man sich die Gedanken mitbrachte. Das hat noch eine Weile nachgewirkt, obschon die Sache so war, daß die Menschen eigentlich schon im 15. Jahrhundert kopflos geworden sind — verzeihen Sie! —, das heißt: Der Kopf war nicht mehr recht zu brauchen, der Kopf konnte nicht mehr aus dem Schlaf heraus die Gedanken mitbringen.

[ 13 ] Until the time when the Mystery of Golgotha took place in earthly life, everything a person needed to stand reasonably secure in this world came precisely from sleep. People slept differently before the Mystery of Golgotha—even if today’s physiologists won’t admit it—than they do now. That is why prophetic souls, to whom such magnificent things were revealed in dreams as to the Hebrew prophets, no longer exist in this form; for the Lord no longer gives such revelations to His own in their sleep. He has already given them these revelations. That is precisely the great transition in human development. And it was not only to prophetic souls that visions of the future were given; rather, thoughts were still bestowed upon people from within their sleep well into the Greek era. When one awoke, one brought those thoughts with oneself. The human organism was still structured in such a way that one brought these thoughts with oneself. This continued to have an effect for a while, even though the reality was that people had actually already lost their heads—pardon the expression!—in the 15th century; that is to say: the head was no longer of much use; the head could no longer bring thoughts with it from sleep.

[ 14 ] Es ist schon ein Resultat der Geisteswissenschaft, zu erkennen, daß unser Kopf seit dem 15. Jahrhundert ein recht viel weniger brauchbares Werkzeug geworden ist, viel vertrockneter ist, als er vorher war. Aber so recht bemerklich macht sich das erst in der Gegenwart, und es wird sich immer mehr bemerklich machen, wenn nicht ein Ersatz geschaffen wird, so daß das Ausgedünstete des Kopfes wiederum von der geistigen Welt her ersetzt wird. Denn bis in unsere Zeit, bis in das 19. Jahrhundert herein, da war noch immer die andere Natur, die Brustnatur des Menschen gewöhnt an das, was der Kopf aus dem Schlafe heraus noch während der griechisch-lateinischen Zeit bekam. Die Brustnatur war daran gewöhnt, und da haben die Menschen noch die nachwirkenden Impulse in ihre Kopflosigkeit herein gehabt. Sie war noch daran gewöhnt; ich möchte sagen, die Geste des Gedankens, den Schatten des Gedankens hatten die Menschen noch. Aber auch dieser Schatten wird vergehen, die Menschen werden gar keine Gedanken haben, wenn sie sich nur ihrem Kopfe überlassen wollen. Und so ist es ja auch, und es zeigt sich darin, daß die Menschen nicht denken wollen. Immer weniger wollen sie denken. Sie möchten auf der einen Seite sich von der Natur die Gedanken diktieren lassen, am liebsten bloß experimentieren und sich vom Experiment sagen lassen, was sie denken sollen. Selber denken möchten die Menschen nicht. Dazu haben sie auch gar kein rechtes Vertrauen, denn was sie ausdenken, das, meinen sie, ist ja doch keine Wirklichkeit. Es ist ja auch, wenn man die bloßen Gedanken nimmt, keine Wirklichkeit. Aber man kann gewahr werden: Das Denken, nicht die Gedanken, das muß aktiv werden. Dieses Aktivwerden des Denkens, das kommt von dem Hereinspielen der geistigen Welt. Und Sie können heute, wenn Sie wirklich anfangen, aktiv zu denken, gar nicht anders, als die geistige Welt in sich hereinspielen zu lassen. Sonst denken Sie nicht, sonst denken Sie so wenig, wie die Naturforscher heute denken, die sich am liebsten vom Experiment oder der Naturforschung alles diktieren lassen möchten, oder so wenig, wie heute die sozialen Forscher denken, die eigentlich, weil sie nicht aktiv sein wollen, weil sie nicht wirklich soziale Impulse erfassen, welche nur in der Aktivität erfaßt werden können, mit dem arbeiten, was historisch erforscht werden kann, was Vererbung ist. Denken Sie doch nur einmal, wie die Menschen darauf verfallen sind, weil sie nicht mehr selbst die Impulse haben, durch welche die soziale Struktur geschaffen werden kann, zurückzuschauen in die Zeit, wo noch Gedanken sich gebildet haben. Die Menschen sehen nur von einem falschen Gesichtswinkel aus die Sache an. Rousseau war es, der den Menschen den Naturzustand vorgemacht hatte, weil er es spürte: aus der Gegenwart kann man nichts gewinnen, wenn man nicht aktiv wird im Sinn der Erkenntnis höherer Welten. Und der moderne Sozialismus, der ergeht sich am liebsten darinnen, Urzustände der Menschheit zu studieren — das ist ja dasjenige, worein sich besonders die Sozialisten vertiefen —, primitive Zustände zu studieren, zu studieren an allerwildesten Urvölkern und primitivsten Völkern, um zu verstehen, wie die Menschen in der sozialen Zusammenfassung sein sollen. Wer mit diesen Sachen bekannt ist, der weiß das. Überall eine gewisse Furcht vor dem, was so notwendig hereindringt als die erste Morgenröte des Zusammenhangs mit der geistigen Welt, eine gewisse Furcht vor dem aktiven Denken.

[ 14 ] It is indeed a finding of spiritual science that, since the 15th century, our head has become a far less useful tool, much more dried up than it was before. But this has only really become noticeable in the present day, and it will become increasingly noticeable unless a substitute is created, so that what has evaporated from the head is once again replaced by the spiritual world. For right up to our time, right into the 19th century, the other nature—the human breast nature—was still accustomed to what the head received from sleep even during the Greco-Roman era. The nature of the breast was accustomed to this, and people still had the lingering impulses within their headlessness. It was still accustomed to this; I would say that people still possessed the gesture of thought, the shadow of thought. But even this shadow will fade; people will have no thoughts at all if they are willing to leave themselves entirely to their heads. And that is indeed the case, and it is evident in the fact that people do not want to think. They want to think less and less. On the one hand, they would like to have their thoughts dictated by nature; they would prefer simply to experiment and let the experiment tell them what to think. People do not want to think for themselves. Nor do they have any real confidence in doing so, for whatever they think up, they believe, is not reality after all. After all, if you consider mere thoughts in isolation, they are not reality. But one can become aware that it is thinking—not the thoughts themselves—that must become active. This activation of thinking comes from the spiritual world coming to play a role within us. And today, if you truly begin to think actively, you cannot help but allow the spiritual world to come to play a role within you. Otherwise you do not think; otherwise you think as little as today’s natural scientists, who would prefer to have everything dictated to them by experimentation or natural science, or as little as today’s social scientists, who—because they do not want to be active, because they do not truly grasp social impulses that can only be grasped through activity—work with what can be historically researched, namely heredity. Just think for a moment how people have fallen into this state—because they no longer possess the impulses through which social structure can be created—and look back to a time when thoughts were still being formed. People view the matter solely from a false perspective. It was Rousseau who presented the state of nature to humanity, because he sensed it: nothing can be gained from the present unless one becomes active in the sense of gaining insight into higher worlds. And modern socialism, which delights most in studying the primordial states of humanity—this is, after all, what socialists in particular immerse themselves in—studying primitive conditions, studying the wildest indigenous peoples and the most primitive peoples, in order to understand how human beings should be organized in society. Anyone familiar with these matters knows this. Everywhere there is a certain fear of what so necessarily breaks through like the first dawn of connection with the spiritual world—a certain fear of active thinking.

[ 15 ] Daher versteht man so schwer dasjenige, was auf aktives Denken Anspruch macht, wie zum Beispiel meine «Philosophie der Freiheit». Da sind die Gedanken anders, als die heut üblichen Gedanken sind. Und beim Lesen dieses Buches hören die Menschen manchmal sehr bald auf zu lesen, aus dem einfachen Grunde: sie möchten es lesen wie ein anderes Buch. Aber, nicht wahr, die andern Bücher, die man heute besonders gern hat, nun, die liest man, setzt sich hin auf die Chaiselongue, legt etwas den Rücken zurück, dann wird man möglichst passiv und läßt so die Gedankenbilder vorbeigehen. Manche Menschen betreiben ja das Lesen schließlich überhaupt nur noch so. Betrügen Sie sich nicht, indem Sie glauben, daß sie die Zeitungen oftmals anders lesen, diese Menschen — nicht wahr, die Anwesenden sind immer ausgenommen, selbstverständlich —, es mischen sich nur manchmal Emotionen hinein, Sorgen hinein; aber auch die Zeitungen, die so sensationell aufgenommen werden, die werden .auch so gelesen, daß die Bilder so vorbeihuschen. Ja, so läßt sich so etwas, wie es versucht worden ist darzustellen in der «Philosophie der Freiheit», nicht lesen. Da muß man sich immerfort einen Ruck geben, damit diese Gedanken einen nicht einschläfern. Denn darauf ist nicht gerechnet, daß man auf der Chaiselongue bloß sitzt. Man kann ja sitzen, selbstverständlich, kann sogar den Rücken zurücklehnen, aber man muß dann versuchen, aus dem ganzen Menschen, gerade dadurch, daß man die äußere Leiblichkeit in Ruhe gebracht hat, das innere geistigseelische Wesen in Bewegung zu setzen, so daß das ganze Denken in Bewegung kommt. Anders geht es nicht vorwärts, sonst schläft man ein. Es schlafen auch viele dabei ein, und das sind nicht einmal die unehrlichsten. Die unehrlichsten sind diejenigen, welche die «Philosophie der Freiheit» lesen wie ein anderes Buch und dann glauben, daß sie wirklich die Gedanken verfolgt haben. Sie haben sie nicht verfolgt, sondern sie haben sie nur so übersetzt wie Worthülsen; sie lesen nur so die Worte und nehmen nicht heraus, was eigentlich aus den Worten erst folgt, wie wenn man am Feuerstein den Stahl schlägt. Das ist schon dasjenige, was beansprucht werden muß von dem, was in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft in die Menschheitsentwickelung eingreifen muß, denn dadurch wird die Menschheit allmählich in gesunder Art sich in die geistige Welt hinauf erheben. An dem aktiven Denken wird sich entzünden die innere Verwandtschaft des Menschen mit der geistigen Welt, und dann wird der Mensch immer weiter hinaufkommen. Er kann ja heute schon sehr weit kommen, wenn er solche Dinge beobachtet, wie sie in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind. Aber auch da ist hinlänglich darauf hingedeutet, daß es doch notwendig ist, daß das kohärente, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, das zusammenhängende Denken, wo niemals der Gedankenfaden abreißt, sondern alles am Gedankenfaden verfolgt wird, vorzugsweise entwickelt werde.

[ 15 ] That is why it is so difficult to understand works that demand active thinking, such as my Philosophy of Freedom. The ideas in it are different from those commonly held today. And when reading this book, people sometimes stop reading very quickly, for the simple reason that they want to read it like any other book. But, isn’t it true that the other books people particularly enjoy today—well, they read them by sitting down on a chaise longue, leaning back a little, then becoming as passive as possible and letting the mental images pass by. After all, some people read exclusively in this way these days. Do not deceive yourselves into believing that these people often read the newspapers differently—of course, those present here are always an exception—it’s just that emotions and worries sometimes creep in; but even the newspapers that are received with such sensation are read in such a way that the images simply flit by. Yes, something like what was attempted to be presented in The Philosophy of Freedom cannot be read that way. One must constantly rouse oneself so that these thoughts do not lull one to sleep. For it is not intended that one simply sit on a chaise longue. One can sit, of course, and even lean back, but one must then try—precisely by bringing one’s outer physicality to rest—to set one’s inner spiritual and soul-life in motion with one’s whole being, so that one’s entire thinking is set in motion. Otherwise, one cannot make progress; otherwise, one falls asleep. Many do fall asleep while reading it, and they are not even the most dishonest ones. The most dishonest are those who read The Philosophy of Freedom as if it were just another book and then believe that they have truly followed the thoughts. They have not followed them, but have merely treated them as empty phrases; they merely read the words and do not extract what actually follows from them—just as when one strikes steel against flint. This is precisely what must be demanded of what is to intervene in the development of humanity in the present and in the near future, for through this, humanity will gradually and in a healthy way rise up into the spiritual world. It is through active thinking that humanity’s inner kinship with the spiritual world will be kindled, and then humanity will ascend ever higher. Indeed, humanity can already go very far today by observing such things as are described in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds. But even there, it is sufficiently indicated that it is nevertheless necessary to develop, above all, coherent—if I may use the term—connected thinking, in which the thread of thought never breaks, but everything is pursued along that thread of thought.

[ 16 ] Aus alten Zeiten mischt sich in diese heute noch mehr oder weniger unklar und unbewußt gebliebene Sehnsucht, mit dem bewußten Denken aufzurücken in die Sphäre, wo die Geister sind — was man kann —, es mischt sich erst recht hinein ein müdes Verharrenwollen beim inkohärenten Denken. Ich habe schon neulich darauf aufmerksam gemacht: Es ist den Menschen unbequem, immer fortschreiten zu sollen mit dem bewußten Denken von Schritt zu Schritt. Sie möchten lieber durch ein mehr unbewußtes, nicht mit den Gedanken zu verfolgendes Gebiet gehen, und dann erst wiederum den nächsten Schritt machen, nicht wahr? Es ist nicht so, daß man Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist und die, wie Sie wissen, in gesunder Weise rechnet mit dem steten Verfolgen der Gedanken, nicht verstehen kann, wenn man die Gedanken wirklich rege macht; sondern es wünschen die Menschen nur, sie anders zu verstehen, als man sie verstehen muß. Statt eines steten Verfolgens des Gedankens wünschen die Menschen, daß der Gedankenfaden immer abreißt. Wenn Sie sich vertiefen in das, was Ihnen die Geisteswissenschaft gibt, dann können Sie, wenn Sie sich nur wirklich energisch vertiefen — haben Sie Geduld, das kann im heutigen Zeitalter nur in Andeutungen noch vorhanden sein —, schon heute, indem Sie die Kraft der Gedanken entwickeln, um mit den Gedanken Saturn, Sonne und Mond zu verfolgen, wie sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» beschrieben sind, diese Entwickelung bis da herein verfolgen, wo der Mensch dasteht in der Welt, und bis in Ihr eigenes Leben dringen, und mit dem also intensiver gemachten Gedanken Ihr eigenes Leben durchdringen. Dann kommen Sie zu gewissen, wenn auch anders aussehenden, als man es haben wollte, aber durchaus in dem Zusammenhange, in der Kohärenz des Denkens liegenden Vorstellungen, die Sie aufklären über Ihr Wesen, über die Art, wie Sie sind, über Ihren Charakter. Sie können nämlich, indem Sie wirklich lebendig machen, was über Saturn, Sonne und Mond und dann über die Erdenentwickelung gesagt ist, und das anwenden auf sich als einzelnen Menschen, fortschreiten bis zu Ihrem eigenen Wesen, nur müssen Sie mit dem Gedanken fortgehen zu Ihrer Selbstanschauung, nicht den Gedanken abreißen lassen, sondern kohärent den Gedanken lassen, ihn zusammenhängen lassen. Das, was der Mensch heute auf diese Weise rechtmäßig beginnt, klärt ihn bis zu dem Grade, bis zu dem er aufgeklärt sein soll, über sein eigenes, persönliches Wesen auf. In diese Sehnsucht, die aber beim Menschen mehr oder weniger unbewußt noch vorhanden ist, mischt sich etwas anderes hinein mit dem Abreißen des Gedankenfadens, so etwas Errechnetes. Der Mensch möchte über sein Wesen Aufklärung gewinnen. Was tut er? Er nimmt eine alte, antiquierte Wissenschaft, die durchaus in bezug auf ihre Ehrwürdigkeit nicht herabgesetzt werden soll, selbstverständlich, aber die einer Erklärung bedarf, wenn sie in das neue Zeitalter hereingestellt werden soll, und rechnet, wobei er alle Augenblicke den Gedankenfaden abreißen läßt, Sternkonstellationen aus; nachher kann der Gedankenfaden abreißen, und rein äußerlich, ohne Denken soll sich entwickeln dieses Wesen des Menschen, so wie er dasteht auf der Erde.

[ 16 ] From ancient times, this longing—which has remained more or less unclear and unconscious to this day—to advance, through conscious thought, into the sphere where the spirits dwell—as far as one is able—is intertwined with a weary desire to cling to incoherent thinking. I pointed this out recently: It is uncomfortable for people to always have to advance step by step with conscious thought. They would rather move through a more unconscious realm that cannot be followed with the mind, and only then take the next step, wouldn’t you agree? It is not that one cannot understand spiritual science—as it is meant here and which, as you know, in a healthy way relies on the constant pursuit of thoughts—if one truly engages the mind actively; rather, people simply wish to understand it differently than one must. Instead of constantly pursuing a thought, people wish for the thread of thought to break off repeatedly. If you immerse yourself in what spiritual science offers you—and if you do so with genuine energy (be patient, for in this day and age this can only be present in hints)—you can, even today, by developing the power of thought to follow Saturn, the Sun, and the Moon, as described in my Outline of Esoteric Science, you can trace this development all the way to where humanity stands in the world, penetrate into your own life, and, with thought thus intensified, permeate your own life. Then you will arrive at certain insights—even if they appear differently than one might wish, yet thoroughly rooted in the context and coherence of thought—that will enlighten you about your being, about the nature of who you are, and about your character. For by truly bringing to life what has been said about Saturn, the Sun, and the Moon—and then about the development of the Earth—and applying this to yourself as an individual human being, you can progress to your own nature; you must simply continue with the thought toward your self-perception, not allowing the thought to be interrupted, but letting it remain coherent, letting it hang together. What a person legitimately begins in this way today enlightens them about their own personal nature to the very degree to which they are meant to be enlightened. Into this longing—which, however, still exists more or less unconsciously in human beings—something else intermingles when the thread of thought is broken: something calculated. A person wishes to gain insight into their own nature. What does he do? He takes an old, antiquated science—which, of course, should by no means be disparaged in terms of its venerability, but which requires explanation if it is to be brought into the new age—and calculates star constellations, all the while constantly breaking the thread of thought; afterward, the train of thought may break off, and purely externally, without thinking, this nature of humankind is to develop, just as it stands here on Earth.

[ 17 ] Sehen Sie: Die römisch-katholische Kirche, wie ich gestern dargestellt habe, verleugnet dasjenige, was heute das Allernotwendigste ist; aber gerade wenn man so etwas nimmt wie die Beschreibung der inneren Beschauung des Johannes vom Kreuz, so kann dieses erfüllt werden, wenn man heute im Sinne der Entwickelung lebt, entsprechend «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Was in diesem Buche enthalten ist, das ist — gerade für die heutige Zeit — die Befolgung desjenigen, was ein Mensch wie der heilige Johannes vom Kreuz will, während die katholische Kirche das ableugnet und heute noch immer die alte Art des Johannes vom Kreuz auch auf den heutigen Menschen angewendet wissen will, wie es auch manche Menschen tun. Sie wollen nicht, weil sie zu bequem sind, jenes aktive Leben im Geiste, das schon auf einer sehr stark wirkenden Stufe vorhanden ist, wenn man solche Vorstellungen aufnimmt, wie sie in der Geisteswissenschaft gegeben werden. Sie wollen das in gebräuchlicheren Gedanken bis in die unmittelbare Gegenwart herein fortsetzen, wollen lieber beim alten bleiben, damit ihnen herausspringe aus den Ungedanken dasjenige, was sie aufklären soll über ihren gegenwärtigen Menschen. Selbstverständlich ist über das also Ehrwürdige kein absprechendes Ürteil gefällt; aber hingewiesen werden muß von allen Seiten darauf, daß man dasjenige nicht verleugnen darf, was in den geistigen Notwendigkeiten der gegenwärtigen Menschheitsentwickelung, die in das Zeitalter der Bewußtseinsseele eintritt, eben gelegen ist. Darum handelt es sich, daß man wirklich versteht, was heute von dem Menschen gewollt wird in der Weltenentwickelung. Ich glaube, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf — es ist ja nur eine «facon de parler» —, daß aus dem rechten Empfinden gerade desjenigen, was die Menschen heute unbequem finden und nicht wollen, immer mehr und mehr sich die bessere Stellung zur Geisteswissenschaft ergeben wird, und erst, wenn sich diese bessere Stellung zur Geisteswissenschaft ergibt, dann wird diese auch das soziale Leben befruchten. Dann wird der Mensch über das Menschenleben sich aufklären können, weil er dann nur die starken Gedanken hat, um sich über das Menschenleben aufzuklären. Denn bei dieser Aufklärung über das Menschenleben, da leidet der gegenwärtige Mensch an einem sehr mißlichen Umstande. Ob Sie Leninist oder Trotzkist oder ob Sie Marxist sind, oder ob Sie sonst irgendwie denken, die soziale Struktur des Menschen in der richtigen Weise auszuformen: in alldem lebt ein mißlicher Umstand, der nicht durchschaut wird, auch praktisch nicht durchschaut wird, wenn man nicht von Geisteswissenschaft sich befruchten läßt. Nicht wahr, der Mensch ist ja nun einmal ins Zeitalter der Bewußtseinsseele eingetreten. Er muß bewußt entwickeln dasjenige, was als soziale Struktur sich erhebt. Anders geht es gar nicht. Er muß bewußt drinnenstehen in der Welt; es ist einmal notwendig, daß der Mensch bewußt drinnensteht. Nur soll er auch das Verhältnis von Mensch zu Mensch, das Leben in der Sozietät, das soziale Leben bewußt auffassen. Daran hindert ihn nämlich ein mißlicher Umstand. Das Fatale ist, daß der Mensch immer nur einen Menschen vorstellen kann. Genau ebenso, wie nicht zwei Menschen — physische Menschen, meine ich —, wie nicht zwei Dinge — physische Dinge meine ich jetzt wiederum — gleichzeitig an einem Ort sein können, was das Gesetz der Undurchdringlichkeit ausmacht, so können im menschlichen Bewußtsein nicht gleichzeitig zwei Menschen sein, gleichzeitig zwei Menschen wirklich real vorgestellt werden. Das ist sehr wichtig, daß man das berücksichtigt. Aber man kann nicht mit dem andern Menschen leben, ohne daß man ihn vorstellt, und man kann auch kein Wissen über das soziale Zusammenleben ausbilden, ohne daß man den andern Menschen vorstellt. Aber heute ist es so, daß der Mensch, weil er immer nur einen Menschen vorstellen kann, es gewöhnlich vorzieht, nur sich vorzustellen, seinen Menschen vorzustellen. Und das soziale Denken begnügt sich auch damit, ein Zusammenleben zu fordern, wo immer nur der Mensch selbst von sich vorgestellt wird. Der Mensch kommt nicht los von der Vorstellung seines Selbstes; er redet sich oft ein, davon loszukommen, aber er kommt in Wirklichkeit heute noch nicht leicht davon los. Nur wenn er sich bemüht, die Zumutungen zu erfüllen, die durch die Geisteswissenschaft gestellt sind, dann gewinnt er allmählich die Möglichkeit, von sich etwas loszukommen. Denn Geisteswissenschaft setzt solche Gedanken in die Welt, die sehr weite Perspektiven erreichen. Dadurch kommt der Mensch in die Gewohnheit hinein, von sich loszukommen. Wie der Mensch heute, wenn er Spiritist wird, noch egoistischer wird, als er früher schon war, so wird er selbstloser, wenn er auf dem andern Wege, auf dem Wege der Geisteswissenschaft in die geistige Welt eindringen will. Daher ist Geisteswissenschaft nicht bloß die Überlieferung einer Wissenschaft, sondern ist tatsächlich dasjenige, was für die Erziehung der gegenwärtigen Menschheit zum sozialen Leben unbedingt notwendig ist. Daher wird auch kein Heil entstehen, wenn man nicht in diesem Punkt anfängt, wenn man nicht wirklich daran denkt: bei dem Vorstellen muß angefangen werden. Man kann nicht sozial reformieren, wenn man nicht beim Schulwesen anfängt, beim Unterricht der Menschen anfängt. Und versäumt man dieses, so versäumt man die Möglichkeit, daß die Menschen Begriffe aufnehmen, welche ihre Sehnsuchten umfassen. Und sie werden immer tobsüchtiger werden, die Menschen, wenn ich mich radikal ausdrücken will.

[ 17 ] See: The Roman Catholic Church, as I explained yesterday, denies what is most essential today; but precisely when one takes something like St. John of the Cross’s description of inner contemplation, this can be fulfilled if one lives today in accordance with the principles of development, as outlined in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds. What is contained in this book is—especially for the present time—the following of what a person like St. John of the Cross desires, whereas the Catholic Church denies this and still insists today on applying the old way of St. John of the Cross to modern people, as some people do. Because they are too comfortable, they do not want that active life in the spirit, which is already present at a very potent level when one takes in the ideas presented in spiritual science. They wish to carry this forward into the immediate present using more conventional thoughts; they prefer to stick to the old ways so that what is meant to enlighten them about their present-day humanity might emerge from their unthinking minds. Of course, no disparaging judgment is passed on what is so venerable; but it must be pointed out from all sides that one must not deny what is precisely inherent in the spiritual necessities of the present development of humanity, which is entering the age of the conscious soul. This is what is at stake: truly understanding what is required of human beings today in the development of the world. I believe—if I may use the expression, though it is merely a “façon de parler”—that out of a proper sense of precisely what people today find uncomfortable and do not want, a better attitude toward spiritual science will increasingly emerge; and only when this better attitude toward spiritual science emerges will it also enrich social life. Then people will be able to gain insight into human life, because they will then possess only the powerful thoughts necessary to gain such insight. For in this process of gaining insight into human life, people today suffer from a very unfortunate circumstance. Whether you are a Leninist or a Trotskyist, or a Marxist, or whether you think in any other way about shaping human social structure in the right way: in all of this there is a difficult circumstance that is not understood—not even understood in practical terms—unless one allows oneself to be enriched by spiritual science. Isn’t it true that humanity has now entered the age of the conscious soul? Humanity must consciously develop what emerges as social structure. There is no other way. Humanity must stand consciously within the world; it is simply necessary for humanity to stand there consciously. But they must also consciously grasp the relationship between human beings, life in society, and social life. For there is a troublesome circumstance that prevents them from doing so. The fatal problem is that a person can always conceive of only one other person at a time. Just as two people—physical people, I mean—or two things—again, physical things—cannot be in one place at the same time, which is what the law of non-interpenetration entails, so too in human consciousness two people cannot be present simultaneously; two people cannot be truly and realistically conceived of at the same time. It is very important to take this into account. But one cannot live with another person without imagining them, nor can one develop any understanding of social coexistence without imagining the other person. Yet today, because a person can only ever imagine one person at a time, they usually prefer to imagine only themselves—to imagine their own self. And social thinking, too, is content to demand a form of coexistence in which only the individual presents himself. People cannot break free from the concept of their own self; they often convince themselves that they can break free from it, but in reality, even today, they still cannot easily do so. Only when he strives to fulfill the demands set forth by spiritual science does he gradually gain the ability to detach himself somewhat from his own self. For spiritual science introduces into the world ideas that reach very broad perspectives. Through this, human beings develop the habit of detaching themselves from their own selves. Just as a person today, when he becomes a spiritualist, becomes even more selfish than he was before, so he becomes more selfless when he seeks to enter the spiritual world by the other path—the path of spiritual science. Therefore, spiritual science is not merely the transmission of a body of knowledge, but is in fact what is absolutely necessary for the education of present-day humanity toward social life. Therefore, no salvation will come about unless one begins at this point, unless one truly considers this: one must begin with the imagination. One cannot carry out social reform unless one begins with the school system, with the education of people. And if one neglects this, one misses the opportunity for people to absorb concepts that encompass their deepest longings. And people will become increasingly frenzied—if I may put it bluntly.

[ 18 ] Also so ist der innere Zusammenhang. Man möchte nur, daß gerade dieser innere Zusammenhang überschaut würde. Man möchte, daß vor allen Dingen dieser innere Zusammenhang gefühlt werde von jedem, welcher an die Geisteswissenschaft herantritt und in ihr bis zu dem einen oder bis zu dem andern Punkt leben möchte. Das ist etwas, was überlegt sein will von jedem, der es mit der Geisteswissenschaft und mit der geisteswissenschaftlichen Bewegung ernst nehmen will. Es läßt sich nicht gut übersehen, es läßt sich nicht gut außer acht lassen, daß, wenn man zur Geisteswissenschaft in eine Beziehung tritt, von der Geisteswissenschaft in gewissem Sinne die Anforderung an das Menschengemüt ja gestellt wird, die Interessen über die engen persönlichen Interessen hinaus zu erweitern. Es ist wirklich so, daß, indem von Geisteswissenschaft gesprochen wird, man einfach von Dingen spricht, welche notwendig machen, wenn man sich in ein richtiges Verhältnis zu ihnen setzen will, daß der Mensch sich von seinen engsten Interessen loslöst. Er soll nur keine Angst bekommen, daß er deshalb ein unpraktischer Mensch wird; er wird ein viel praktischerer. Dasjenige, in das sich die Menschen nach und nach hineingebracht haben dadurch, daß sie so ungeistig geworden sind, das ist ja nur der Glaube, daß sie praktisch sind. In Wirklichkeit sind ja die Praktiker heute furchtbar unpraktische Leute. Und die Praktiker haben ja eigentlich diese Katastrophe der Menschheit herbeigeführt. Und darinnen liegt schon etwas ungeheuer Wichtiges, daß man eigentlich immer voraussetzen muß, wenn man recht verstehen will das Geisteswissenschaftliche: Loslösen muß man sich von seinen engsten Interessen. Man muß etwas loskommen von seiner unmittelbaren Persönlichkeit, denn es tut nicht gut, wenn man in die geisteswissenschaftliche Bewegung die engen persönlichen Interessen hereinträgt. Das bewirkt gerade immer irgendeinen Unfug in dem Verhältnis, durch das man zur Geisteswissenschaft in Beziehung tritt. Darinnen liegt ja natürlich auch dasjenige, was heute die geisteswissenschaftliche Bewegung noch schwierig macht. Manchmal haben die Menschen theoretisch und abstrakt den guten Willen, in die Geisteswissenschaft hineinzugehen mit ihrem eigenen Denken und Fühlen und ihrem Wollen, aber sie bringen doch nicht ganz die Kraft auf, nun wirklich in die Losgelöstheit einzutreten, die doch schon einmal gefordert werden muß, um richtig zu verstehen, was vom Standpunkt der Geisteswissenschaft aus gesprochen wird. Also eine Art von Geisteszustand, der nicht ohne weiteres in der heutigen Welt vorhanden ist, sondern wovon vielfach das Gegenteil in der heutigen Welt vorhanden ist, der wird gefordert, wenn geisteswissenschaftliche Bewegung heilsam sein soll. Denn dadurch unterscheidet sich das ehrliche Vorbringen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse von allem andern, was in der Gegenwart auftritt, daß dieses ehrliche Vorbringen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse ja auch keine persönliche Angelegenheit ist, nicht das Vorbringen einer persönlichen Meinung. Würde ich die Ansicht haben müssen, daß ich nur persönliche Meinungen vortrage, daß ich nicht dasjenige vortrage, was sich eben heute offenbart, was gerade der Menschheit notwendig ist, so würde ich lieber schweigen. Denn persönliche Meinungen und persönliche Aspirationen geltend zu machen in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung, das ist eigentlich etwas Unerlaubtes. Das sollte nicht stattfinden. Gerechtfertigt ist eine solche Bewegung, wie sie hier angestrebt wird, nur dann, wenn vorliegt der Wille, nur das vorzubringen, was sich aus der geistigen Welt heraus beobachten läßt.

[ 18 ] So this is the inner connection. One simply wants this inner connection, in particular, to be grasped. One wants, above all, for this inner connection to be felt by everyone who approaches spiritual science and wishes to live within it to one degree or another. This is something that needs to be carefully considered by anyone who wishes to take spiritual science and the spiritual science movement seriously. It cannot be easily overlooked, nor can it be easily disregarded, that when one enters into a relationship with spiritual science, spiritual science, in a certain sense, places a demand on the human mind to expand its interests beyond narrow personal interests. It is truly the case that when we speak of spiritual science, we are simply speaking of things that, if one wishes to establish a proper relationship with them, necessitate that a person detach themselves from their narrowest interests. One should not be afraid that this will make them an impractical person; on the contrary, it will make them a much more practical one. What people have gradually brought upon themselves by becoming so unspiritual is, after all, nothing more than the belief that they are practical. In reality, today’s “practical” people are terribly impractical. And it is precisely these “practical” people who have brought about this catastrophe for humanity. And therein lies something immensely important that one must always assume if one wishes to truly understand spiritual science: one must detach oneself from one’s narrowest interests. One must detach oneself somewhat from one’s immediate personality, for it is not beneficial to bring narrow personal interests into the spiritual science movement. This invariably leads to some kind of disruption in the relationship through which one engages with spiritual science. This, of course, is also what still makes the spiritual science movement difficult today. Sometimes people have, in theory and in the abstract, the good will to enter into spiritual science with their own thinking, feeling, and willing, but they still cannot quite muster the strength to truly enter into that detachment which is, after all, a prerequisite for properly understanding what is spoken from the standpoint of spiritual science. In other words, a certain state of mind—one that is not readily found in today’s world, but rather the opposite of which is often prevalent—is required if the spiritual science movement is to be beneficial. For this is what distinguishes the honest presentation of spiritual scientific insights from everything else that appears in the present: that this honest presentation of spiritual scientific insights is not a personal matter, nor is it the expression of a personal opinion. If I were to believe that I am merely presenting personal opinions—that I am not presenting what is revealing itself today, what humanity needs at this very moment—then I would prefer to remain silent. For asserting personal opinions and personal aspirations within a spiritual science movement is, in fact, something impermissible. That should not take place. A movement such as the one being pursued here is justified only if there is a willingness to present only what can be observed from the spiritual world.

[ 19 ] Nicht wahr, wenn Sie erzählen, wie irgendeine Stadt ausschaut, so können Sie ja unter Umständen interessant oder langweilig erzählen, aber wie die Stadt ausschaut, hängt doch nicht von Ihnen ab. Sie erzählen Objektives. So wenig muß, was Sie selbst wollen, was Sie selbst meinen, in der Geisteswissenschaft zum Ausdruck kommen. Es muß das geistig Beobachtete in der Geisteswissenschaft nach den heutigen Anforderungen wirken. Wer selbst nur Persönliches eigentlich wollen kann, der kann das, was in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung walten soll, eigentlich deshalb doch nur mangelhaft verstehen. Er verwechselt immer dasjenige, was in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung, wie sie hier gemeint ist, walten soll, mit etwas anderem, was so recht erst wiederum aus der Persönlichkeit genommen ist. Wie viele kommen an die Geisteswissenschaft heran und möchten gerade dasjenige, was ihnen paßt als ihre Meinung, durch die Geisteswissenschaft gerechtfertigt haben. Mit jenem offenen Sinn, der notwendig ist für das Empfangen der Geisteswissenschaft, ist man nicht immer ausgerüstet. Man ist vielmehr oftmals an die Geisteswissenschaft herankommend mit etwas ganz anderem als diesem offenen Sinn. Man hätte gern, wenn dies oder jenes wahr wäre und man dann auf irgendeine Weise — indem man zugibt, der geisteswissenschaftliche Forscher kann über die Wahrheit etwas wissen — sich einredet: Das, was man selber meine, das sage er. Dann ist einem das angenehm. Aber man muß diesen feinen Unterschied bemerken; es ist ein feiner Unterschied, aber es ist ein ungeheuer weithin strahlender Unterschied, ein weithin bedeutsamer Unterschied, ob man nun wirklich die Mitteilungen aus der geistigen Welt aufnehmen will, oder ob man eigentlich nur bestätigt haben will, was einem selbst als Meinung gefällt. Und man wird nur in sorgfältigster Selbsterforschung, in gewissenhafter Selbsterforschung den Unterschied finden. Den Unterschied bemerkt mancher nicht, der zur Geisteswissenschaft herankommt; aber dieser Unterschied muß bemerkt werden. Und bemerkt man diesen Unterschied, dann wird man schon gewahr werden, daß durch eine geisteswissenschaftliche Bewegung etwas von einem neuen Lebensstrom, der vorher nicht da war, gehen muß. Es kann wirklich nicht so sein, daß eine geisteswissenschaftliche Bewegung nur ein sanfter Windzug ist, der dem entgegenkommt, der die Philisterhaftigkeit seines bisherigen Daseins dieser Geisteswissenschaft entgegenbringt und nun glaubt, dasjenige, was er so gern für wahr erkennen würde aus dieser Philisterhaftigkeit heraus, bekräftigt zu sehen durch diese Geisteswissenschaft.

[ 19 ] Isn’t it true that when you describe what a city looks like, you may tell the story in an interesting or boring way, but what the city actually looks like does not depend on you. You are describing something objective. Similarly, what you yourself want or think need not be expressed in spiritual science. In spiritual science, what is spiritually observed must take effect in accordance with today’s requirements. Anyone who can really only want what is personal can, for that very reason, only understand what is meant to prevail in a spiritual scientific movement in a deficient way. Such a person always confuses what is meant to prevail in a spiritual scientific movement—as understood here—with something else that is, in turn, derived entirely from the personality. How many people approach spiritual science wishing to have precisely what suits them as their own opinion justified by spiritual science. One is not always equipped with the open-mindedness necessary for receiving spiritual science. Rather, one often approaches spiritual science with something entirely different from this open-mindedness. One would like this or that to be true, and then, in some way—by admitting that the spiritual scientist may know something about the truth—one convinces oneself: “What I myself believe is what he is saying.” Then one feels comfortable with it. But one must notice this subtle difference; it is a subtle difference, yet it is a difference with immense far-reaching implications, a difference of great significance—whether one truly wishes to receive the messages from the spiritual world, or whether one actually only wants confirmation of what one personally finds appealing as an opinion. And one will find this difference only through the most careful self-examination, through conscientious self-examination. Many who approach spiritual science fail to notice this difference; but this difference must be recognized. And once one recognizes this difference, one will already become aware that a spiritual-scientific movement must bring with it something of a new current of life that was not there before. It really cannot be the case that a spiritual scientific movement is merely a gentle breeze that comes to meet those who bring the philistine nature of their previous existence to this spiritual science and now believe that what they so dearly wish to recognize as true—arising from this philistine nature—will be confirmed by this spiritual science.

[ 20 ] Geht man in diesem Punkte ernst und gewissenhaft vor, will man nicht bloß das bestätigt haben, was man eigentlich selber meint, dann wird man sich auch auseinandersetzen mit mancherlei Dingen, die gerade in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung als, ich möchte sagen, neue Dinge auftreten müssen, und die zum Schaden werden müssen, wenn man sie nicht beachtet. In einer solchen im Anfange begriffenen Bewegung, wie es die geisteswissenschaftliche Bewegung ist, kann manches zum Schaden gereichen, was in alten, vertrockneten Bewegungen, die nichts mehr nützen, oder wenig nützen, nicht so sehr zum Schaden gereichen kann. In solche Feinheiten müßte man sich eigentlich einlassen. Mit dem Bestreben, seine eigenen Meinungen, seine eigenen Aspirationen nur bekräftigt zu sehen von der geisteswissenschaftlichen Offenbarung her, hängt es dann zusammen, daß man eigentlich ein merkwürdiges Retuschieren entfaltet mit Bezug auf dasjenige, was auftritt, ganz naturgemäß auftritt innerhalb einer geisteswissenschaftlichen Bewegung. Man muß in der geisteswissenschaftlichen Bewegung darauf aufmerksam sein, daß Erscheinungen mit Menschen nicht so genommen werden können wie in einem Kegelklub oder sonst irgendwo, wo sich die Menschen in ihrer ganzen Breite, die sie durch die Außenwelt bekommen haben, wo sie nichts Neues zu bekommen brauchen, enthüllen können. Man muß schon ernst machen damit, daß man nicht durch seine eigenen Vorstellungen die Intentionen der Geistesforschung bezeugen soll, sondern man muß da wirklich sich bereit machen, die Dinge aufzunehmen. Man soll sich doch vorstellen, daß da etwas hereinfließen will in die Welt, das immer weiter und weiter sich ausbreiten soll, so daß man alles, was man aufnimmt, eigentlich mit dem Bewußtsein aufnehmen sollte: Man wird manche Zusammenhänge, die man jetzt noch nicht überschaut, erst später überschauen. — Diesen guten Willen, gewissermaßen immer alles als Vorbereitung aufzunehmen, wird ja derjenige ganz gewiß nicht haben, der persönliche Aspirationen in den geisteswissenschaftlichen Betrieb hineinträgt, denn der will so schnell wie möglich mit den Dingen fertig werden und biegt die Dinge nach seinen gewöhnlichen Meinungen um. Er biegt nicht seine Meinungen nach der Geisteswissenschaft um, sondern er biegt die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse nach seinen Meinungen um. Und so stellt sich oftmals besonders so etwas heraus, wie das ist, was ich in der folgenden Art charakterisieren möchte.

[ 20 ] If one approaches this matter seriously and conscientiously—if one does not merely seek confirmation of what one already believes—then one will also have to grapple with various issues that, particularly within a spiritual scientific movement, are bound to arise as, I might say, new phenomena, and which are bound to cause harm if they are ignored. In a movement such as the spiritual science movement, which is still in its infancy, many things can prove harmful that would not be nearly as harmful in old, stagnant movements that are no longer of any use, or of little use. One really ought to engage with such subtleties. The desire to see one’s own opinions and aspirations confirmed solely by spiritual scientific revelation is connected to the fact that one actually engages in a peculiar kind of retouching with regard to what arises—quite naturally—within a spiritual scientific movement. Within the spiritual science movement, one must be aware that people’s manifestations cannot be taken at face value as they might be in a bowling club or anywhere else where people can reveal themselves in their full breadth—the breadth they have acquired through the external world—and where they have no need to acquire anything new. One must take this seriously: one should not use one’s own preconceptions to interpret the intentions of spiritual research, but must truly prepare oneself to receive these things. One should imagine that something is seeking to flow into the world, something that is meant to spread farther and farther, so that everything one takes in should actually be received with the awareness that: One will only come to grasp certain connections—which one cannot yet see—later on. —This willingness, so to speak, to always receive everything as preparation, will certainly not be found in someone who brings personal aspirations into the work of spiritual science, for such a person wants to get things done as quickly as possible and bends the facts to fit their usual opinions. They do not adapt their opinions to spiritual science, but rather adapt the insights of spiritual science to their own opinions. And so what often emerges is precisely something like what I would like to characterize in the following way.

[ 21 ] Nicht wahr, der Geisteswissenschafter muß ja die Welt in einer gewissen Weise beurteilen, die Welt der Natur und auch die Welt der Menschen. Darinnen besteht ja die geisteswissenschaftliche Erziehung, daß man sich und seine Umwelt und sein Verhältnis zur Umwelt neu beurteilen lernt, daß man etwas tiefer hineinschauen lernt in die Welt. Nun kommt es sehr häufig vor, wenn es sich darum handelt, daß, sagen wir, das Verhältnis von drei Menschen wirkt, gesagt wird: Ja, der Geisteswissenschafter B beurteilt den Menschen A in einer bestimmten Weise. — Und sehen Sie, sobald man nur ein wenig die Sphäre überschreitet, die die gewöhnliche Philistersphäre ist, die ja heute häufig ist, dann können sich immer zwei Standpunkte geltend machen mit Bezug auf eine solche Urteilsbildung von Mensch zu Mensch. Der eine Standpunkt ist der Standpunkt der Vernünftigkeit, der zweite Standpunkt ist der Standpunkt des Mitgefühles. So daß der B den A beurteilen kann, und je nachdem eine innere Notwendigkeit vorliegt, kann der B dem A gegenüber bald einmal irgend etwas tun aus reinem Mitgefühl. Paßt es dann dem C, die Sache abzulehnen, weil er nicht weiter darüber nachdenkt, weil er nicht voraussetzt: da könnte eine Notwendigkeit vorliegen des reinen Mitgefühles, dann urteilt der aus reiner Vernünftigkeit und sagt: Wie kann man so etwas machen! — Oder aber es spricht diese innere Notwendigkeit so, daß man nun einmal nicht das Mitgefühl, sondern aus gewissen Gründen, die vorliegen, die Vernünftigkeit walten läßt. Ja, wenn es dem andern besser paßt, so läßt er jetzt das Mitgefühl sprechen, und nun verurteilt erund sagt: Was ist der B für ein nichtmitfühlender Mensch! Was ist das für ein liebloser Mensch, was ist das für ein trockener Vernunftmensch! Der beurteilt das nur von dem Standpunkt der Vernünftigkeit aus! — Und so können die stärksten Verkennungen entstehen gerade bei demjenigen, der sich bemüht, den inneren Nerv des Daseins zu ergreifen, wo er manchmal etwas aus dem Vernünftigen, manchmal gerade etwas aus Mitgefühl tun muß. Wenn es dem andern dann paßt, so beurteilt er das, was aus Vernunft geschehen ist, nach dem Gesichtswinkel des Mitgefühls, das, was aus Mitgefühl geschehen ist, nach dem Gesichtswinkel der Vernunft, und er kann immer verurteilen oder loben, je nachdem er will. Zum Richtigen kommt man nicht auf diesem Wege, zum Richtigen kommt man nur, wenn man sich erst frägt: Ich muß den Fall mir anschauen, ich muß anschauen, aus welchem Grunde hier Mitgefühl oder Vernünftiges gewaltet hat. — Dadurch entstehen die kleinen Mißverständnisse des Lebens, die sich oftmals zu den furchtbarsten Verheerungen innerhalb des menschlichen Zusammenlebens auswachsen, und über die uns gerade hinwegtragen soll dasjenige, was die geisteswissenschaftliche Erziehung in uns macht. Denn das Leben ist so, daß es sich dualistisch äußert, und weil es sich dualistisch äußert, kann man immer, je nachdem es einem paßt, irgendeinen Fall beurteilen. Das wird aber ganz wenig in Betracht gezogen, und das wird vor allen Dingen nicht in Betracht gezogen gegenüber der geisteswissenschaftlichen Lehre selber. Die muß auch aus gewissen Intentionen in die Welt gesetzt werden. Je nachdem es einem paßt, kann man den einen oder den andern Standpunkt im einzelnen Fall wählen, wenn man nicht eingeht auf dasjenige, was aus tieferen Gründen heraus der Geistesforscher tun muß. Er kann oftmals mißverstanden werden. Und wenn man nicht eingeht auf dasjenige, was er tun muß aus innerer Verpflichtung gegenüber den Tatsachen, dann kann man alles mißverstehen, denn die Welt äußert sich einmal dualistisch.

[ 21 ] Isn't it true that the student of the humanities must assess the world in a certain way—both the natural world and the human world? That is, after all, what a humanities education is all about: learning to reassess oneself, one's environment, and one's relationship to that environment; learning to look a little more deeply into the world. Now it happens very often, when the relationship between, say, three people is at issue, that people say: Yes, the scholar of the humanities B judges person A in a certain way. — And you see, as soon as one steps even slightly beyond the sphere of ordinary philistinism—which is, after all, quite common today—two points of view can always assert themselves with regard to such a judgment from one person to another. One point of view is that of reason; the second is that of compassion. So that B can judge A, and depending on whether an inner necessity exists, B may soon do something for A out of pure compassion. If C then sees fit to reject the matter—because he doesn’t think it through further, because he doesn’t assume that there might be a necessity for pure compassion—then he judges from a purely rational standpoint and says: “How can anyone do such a thing!” — Or, on the other hand, this inner necessity speaks in such a way that one does not let compassion prevail, but rather, for certain reasons at hand, lets reason take the lead. Indeed, if it suits the other person better, he now lets compassion speak, and he condemns and says: “What an uncaring person B is!” What a heartless person, what a cold, rational person! He judges this solely from the standpoint of reason! — And so the greatest misunderstandings can arise precisely in the person who strives to grasp the inner essence of existence, where he must sometimes act out of reason and sometimes out of compassion. If it suits the other person, then he judges what was done out of reason from the perspective of compassion, and what was done out of compassion from the perspective of reason, and he can always condemn or praise, as he pleases. One does not arrive at the truth this way; one arrives at the truth only when one first asks oneself: I must examine the situation; I must examine the reason why compassion or reason prevailed here. — This gives rise to the small misunderstandings of life, which often grow into the most terrible devastation within human coexistence, and it is precisely what spiritual scientific education instills in us that is meant to carry us beyond them. For life is such that it manifests itself dualistically, and because it manifests itself dualistically, one can always judge any given case as one sees fit. But this is taken into account very little, and above all, it is not taken into account in relation to the spiritual scientific teaching itself. That teaching, too, must be brought into the world with certain intentions. Depending on one’s convenience, one can choose one point of view or the other in a particular case if one does not take into account what the spiritual researcher must do for deeper reasons. He can often be misunderstood. And if one does not take into account what the researcher must do out of an inner obligation to the facts, then everything can be misunderstood, for the world expresses itself, after all, in dualistic terms.

[ 22 ] Man kann zum Beispiel in folgenden Fehler verfallen: Man kann gerade, wenn man so recht darauf aus ist, das zu wollen, das bestätigt zu haben, was einem paßt, in den schlimmsten Autoritätsglauben verfallen. Gerade auf dem Gebiete, auf dem auch Geisteswissenschaft tätig sein will, die nur den Menschen zum ganz freien, auf sich selbst stehenden Wesen machen will, kann natürlich der Autoritätsglaube sich geltend machen, tut es auch im weitesten Umfange sehr häufig. Aber der andere Pol des Autoritätsglaubens ist der Autoritätshaß. Und im Grunde genommen ist ein Mensch, der nicht durch Eingehen auf die Tatsachen, die geoffenbart werden aus der geistigen Welt, sich zur Geisteswissenschaft hingedrängt fühlt, sondern der von der Autorität getragen diese Wahrheiten haben will und der an Autorität glauben will, weil das bequemer ist, als auf die Dinge einzugehen, er ist so, daß er furchtbar leicht überspringen kann vom Autoritätsglauben, der immer eine bestimmte Art von Autoritätsliebe hat, zum Autoritätshaß. Und solche Erscheinungen, wie sie gerade in unserer Bewegung aufgetreten sind, dieses Überspringen von blinder Autoritätsanbetung, die manchmal mit einer gewissen Schamlosigkeit sogar eingestanden wird in dem Momente, wo man dann zum Haß übergegangen ist, dieses Übergehen von blinder Autoritätsanbetung zum Haß, das ist schon etwas, was innerlich als eine Gefahr vorliegt. Das ist sehr wichtig, daß man diese Zusammenhänge ins Auge faßt, denn diese Zusammenhänge sind es, welche ungeheuer schwierig machen, eine geisteswissenschaftliche Bewegung heute in einer gedeihlichen Weise zu gestalten. Sie muß in gedeihlicher Weise um des Heiles der Menschheit willen gestaltet werden.

[ 22 ] For example, one can fall into the following error: Precisely when one is so eager to want to confirm what suits one, one can fall into the worst kind of belief in authority. Precisely in the field in which spiritual science seeks to be active—a field that aims solely to make human beings completely free, self-reliant beings—belief in authority can naturally assert itself, and indeed does so very frequently on a vast scale. But the opposite extreme of belief in authority is hatred of authority. And fundamentally, a person who does not feel drawn to spiritual science by engaging with the facts revealed from the spiritual world, but who, carried along by authority, wants to accept these truths and wants to believe in authority because it is more convenient than engaging with the facts, is someone who can very easily slip from belief in authority—which always involves a certain kind of love of authority—to hatred of authority. And such phenomena as have recently arisen in our movement—this leap from blind worship of authority, which is sometimes even admitted with a certain shamelessness at the very moment when one has then turned to hatred; this transition from blind worship of authority to hatred—this is indeed something that poses an inner danger. It is very important to take these connections into account, for it is these connections that make it immensely difficult to shape a spiritual science movement in a fruitful way today. It must be shaped in a fruitful way for the sake of humanity’s salvation.

[ 23 ] Ich habe in meinem Leben eine ganze Anzahl von Menschen gefunden, die geistige Menschen waren, die ehrlich gesucht haben nach einem Weg in die Geisteswissenschaft hinein, in, nun eben, so oder so geartete Geisteswissenschaft hinein, die auch in einer gewissen Weise vorgerückt waren in ihrer Entwickelung. Ein gewisser Typus daraus waren Enttäuschte, solche, die in irgendeiner von den jetzigen spirituellen Bewegungen enttäuscht worden waren, und die einem dann da oder dort begegnet sind. Wie viele sind von der BlavatskyBewegung, der Besant-Bewegung, andern Bewegungen heute enttäuscht! Die charakteristische Erscheinung ist nicht die, daß so kuriose Umschläge stattfinden, wie sie gerade bei uns in der anthroposophischen Bewegung stattfinden, sondern daß man da Leute findet, die in einer gewissen Weise geistig fortgeschritten sind; nach längeren Zeiten findet man sie wiederum, aber sie sagen: Sie haben total unrecht! — Das ist nicht selten, daß man solche Menschen trifft. Die Geistigkeit ist heute überhaupt nicht sehr häufig, aber solche Menschen gibt es schon, die einem nach einiger Zeit sagen: Sie haben eigentlich unrecht, denn sehen Sie, daß man die Dinge, die Sie da in der Geisteswissenschaft verkünden, öffentlich verkündigt vor den Menschen, das hat doch gar keinen Sinn! Die Menschen sind doch nicht geneigt, sie anzunehmen, sie sind doch gar nicht reif dazu. Es hat nur einen Sinn, in sich selber das auszubilden und einsam damit zu bleiben. — Solche Menschen habe ich viel gefunden, die das sagen! Und es ist geradezu ein Charakteristikon des geistig wirklich fortgeschrittenen Menschen, daß es ihm gar nicht mehr einfällt, zu seinen Mitmenschen darüber zu sprechen, sondern er behält die Sache bei sich. Dieser Menschen gibt es gar nicht so wenige in der Welt. Ich habe mit diesen Menschen nie einverstanden sein können nach dem, was ich von der geistigen Welt erkenne, aus einem gewissen inneren Grund. Diese Menschen wirken ja nützlich im geistigen Zusammenhang, aber es werden diese Menschen zu Einsiedlern, wenn sie auch manchmal ganz in gesellschaftlichem Zusammenhange bleiben. Man kann ja Einsiedler werden, nicht wahr, trotzdem man Lackstiefel trägt und ein Hotelleben führt. Man sieht dann also dieses zweifache Menschenleben, das eine Anzahl von Menschen führen; sie sind sogar moderne Hotelmenschen, haben Lackstiefel und meinetwillen sogar Zylinderhut, aber führen dieses äußere Leben, um sich zu maskieren, um sich innerlich zu verbergen, haben ihr innerliches Geistesleben, das sie ihren Mitmenschen nicht mitteilen wollen. Das erscheint einem als ein Tun, das nicht richtig ist, das ein Versündigen gegen die Menschheit ist. Denn es ist ja richtig: Solche Menschen wirken schon im geistigen Leben, es geht in die geistige Strömung hinein, was sie erleben; der Mensch ist ja nicht bloß ein abgeschlossenes Wesen, also was er erlebt, hat in der geistigen Welt einen Wert und seine Bedeutung — aber es spielt da immer die Zeitfrage eine Rolle. Solche Menschen, die gegenwärtig so leben wie manche, die ich kennengelernt habe, auf solche Weise, die wirken schon etwas in der geistigen Welt, aber das kommt erst zur Reife nach langer Zeit, in späteren Zeitepochen der Menschheit. Dann kann aber und würde ganz gewils, wenn es nur solche immer gäbe, die ja als Eremiten ihr geistiges Sein entwickeln und nicht lehren wollen dasjenige, was sie wissen aus der geistigen Welt, was sie in sich entwickelt haben, dann würde die äußere Menschheit in der Zeit, wo die Früchte dieser Leute reif werden, schon so verfallen sein, daß sie es nicht mehr aufnehmen könnte. Die Erdenentwickelung würde gefährdet sein, es würde der Anschluß versäumt werden. Wir leben eben in der heutigen Zeit so, daß diese gewissen geistigen Wahrheiten, von denen wir sprechen, unbedingt der Menschheit mitgeteilt werden müssen. Es geht nicht mit der Gesinnung, die zum Beispiel ein Bekannter von mir äußerte, der in gewissem Sinne ein geistig fortgeschrittener Mensch war. Er kam nach Berlin. Ich sagte zu ihm, ob er nicht von mir einen Vortrag hören wolle, nur um zu sehen, wie da die Bewegung getrieben wird — es ist jetzt schon lange her —, da sagte er: Nein, einen Vortrag halten und zu den Leuten zu sprechen, das hat doch keinen Zweck! Uns auf ein Stündchen zusammenzusetzen und so ein bißchen zu reden, das ist mir sehr angenehm, aber geistige Dinge möglichst aus dem Spiele lassen; die muß jeder mit sich selber abmachen! — So einen Höflichkeitsbesuch sich gegenseitig machen, von Alltäglichkeiten reden, das ist das beste gerade bei dieser Art geistig strebsamer Menschen. Und diese Gesinnung findet sich sehr häufig. Es wäre behaglicher, solch einer Gesinnung gemäß nachzuleben. Und behaglich ist es gerade nicht in der Gegenwart, vor die Menschheit hinzutreten und dasjenige, was man mitzuteilen als eine Verpflichtung empfindet, mitzuteilen. Aber das sollte bei einer geisteswissenschaftlichen Bewegung durchaus berücksichtigt werden, daß aus einer inneren Notwendigkeit heraus gewirkt wird, daß es nicht eine Wahl ist, sondern die Einhaltung einer Verpflichtung, was so geschieht.

[ 23 ] In my life, I have encountered quite a number of people who were spiritual individuals, who were sincerely seeking a path into spiritual science—into, well, spiritual science of one kind or another—and who had also, in a certain sense, advanced in their development. One particular type among them were the disillusioned—those who had been disappointed by one of the current spiritual movements and whom one then encountered here and there. How many are disappointed by the Blavatsky movement, the Besant movement, and other movements today! The characteristic phenomenon is not that such curious reversals take place, as they do right here in our anthroposophical movement, but that one finds people there who are spiritually advanced in a certain way; after a long time, one encounters them again, but they say: “You are completely wrong!” — It is not uncommon to meet such people. Spirituality is not very common at all today, but there are indeed such people who, after some time, say to you: “You’re actually wrong, because look—proclaiming the things you teach in spiritual science publicly before people makes no sense at all! People aren’t inclined to accept them; they’re simply not ready for it.” It only makes sense to cultivate this within oneself and remain alone with it. — I have encountered many such people who say this! And it is, in fact, a defining characteristic of the truly spiritually advanced person that it no longer even occurs to them to speak to their fellow human beings about it; rather, they keep the matter to themselves. There are actually quite a few such people in the world. Based on what I perceive of the spiritual world, I have never been able to agree with these people, for a certain inner reason. These people do, of course, play a useful role in the spiritual context, but they become hermits, even if they sometimes remain fully within social contexts. One can become a hermit, can’t one, even while wearing patent leather boots and leading a hotel-dweller’s life. So one sees this dual human life that a number of people lead; they are even modern hotel-goers, wearing patent leather boots and, for all I care, even top hats, but they lead this outward life to mask themselves, to hide their inner selves—they have an inner spiritual life that they do not wish to share with their fellow human beings. This strikes one as an action that is not right, that is a sin against humanity. For it is indeed true: such people are already active in the spiritual life; what they experience flows into the spiritual current; a human being is not merely a self-contained being, so what they experience has value and significance in the spiritual world—but the question of time always plays a role there. Such people, who currently live as some I have met do, in this way, do indeed have an effect in the spiritual world, but this only comes to fruition after a long time, in later epochs of humanity. But then—and this would certainly be the case if there were always such people who, as hermits, develop their spiritual being and do not wish to teach what they know from the spiritual world, what they have developed within themselves—by the time the fruits of these people’s efforts ripen, outer humanity would already have declined to such an extent that it could no longer receive it. Earth’s evolution would be endangered; the connection would be lost. We live in such a way today that these particular spiritual truths we are speaking of absolutely must be communicated to humanity. It is not possible to adopt the attitude expressed, for example, by an acquaintance of mine who was, in a certain sense, a spiritually advanced person. He came to Berlin. I asked him if he’d like to hear a lecture from me, just to see how the movement is run—it’s been a long time now—and he said: “No, giving a lecture and speaking to people serves no purpose! Sitting down together for an hour or so and chatting a bit is very pleasant for me, but let’s leave spiritual matters out of it as much as possible; everyone has to work that out for themselves! — Paying each other a courtesy visit, talking about everyday matters—that’s the best approach, especially with this kind of spiritually aspiring people. And this attitude is very common. It would be more comfortable to live in accordance with such an attitude. And it is certainly not comfortable in the present day to step before humanity and share what one feels compelled to share. But this should definitely be taken into account in a spiritual-scientific movement: that one acts out of an inner necessity, that it is not a choice, but the fulfillment of an obligation that brings this about.

[ 24 ] Ich habe diese Worte am Schluß der heutigen Betrachtungen angebracht, weil ich immer wieder die Gelegenheit ergreifen möchte, auf das aufmerksam zu machen, was notwendig ist, wenn man ernst machen will, so wie ernst gemacht werden sollte mit einer geisteswissenschaftlichen Bewegung in der Gegenwart. Denn dasjenige, was sonst aus einer solchen geisteswissenschaftlichen Bewegung gemacht werden kann, wenn persönliche Aspirationen, persönlicher Ehrgeiz hereingetragen werden, das kann zu schweren Schäden führen, muß zu schweren Schäden führen. Es hat ja außerdem noch die Schattenseite, daß derjenige, der selbst nur meint, Persönliches durch die Geisteswissenschaft bestätigt zu finden, gar nicht unterscheiden kann, ob der andere die Sache nun auch bloß aus persönlichen Ambitionen treibt. Dadurch kommen dann die allerschlimmsten Verhängnisse.

[ 24 ] I have included these words at the end of today’s reflections because I would like to take every opportunity to draw attention to what is necessary if one is to take seriously—as one ought to take seriously—a spiritual scientific movement in the present day. For what such a spiritual science movement can otherwise become—when personal aspirations and personal ambition are introduced into it—can lead to serious harm; indeed, it must lead to serious harm. Moreover, there is also the downside that those who merely believe they are finding personal confirmation through spiritual science are completely unable to discern whether others are also pursuing the matter solely out of personal ambition. This is what leads to the very worst consequences.

[ 25 ] Nun, ich wollte auf solche Dinge hinweisen. Wir sprechen dann am nächsten Freitag wiederum weiter.

[ 25 ] Well, I wanted to point out things like that. We'll continue our discussion next Friday.