Goetheanism
An Impulse for Transformation and a Concept of Resurrection
Human and Social Science
GA 188
10 January 1919, Dornach
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Vierter Vortrag
Vierter Vortrag
[ 1 ] Als gesprochen worden ist von dem, was die Menschen der Gegenwart abhält, sich zur Anerkennung der geistigen Welt zu finden, wie sie durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gemeint sein muß, so ist hingewiesen worden auf zwei Dinge in der menschlichen Seelenverfassung, die diese Abhaltung in der menschlichen Seele bewirken. Das ist auf die Mutlosigkeit, Kraftlosigkeit gegenüber der Anerkennung des Geistes, und auf die Interesselosigkeit gegenüber der wirklichen Gestalt des geistigen Lebens. Nun möchte ich gerade heute auf diese Dinge von einem Gesichtspunkte aus eingehen, von dem aus ich bisher noch weniger auf sie hingewiesen habe. Wenn solche Dinge besprochen werden, so muß immer berücksichtigt werden, daß der gewöhnliche, gesunde Menschenverstand — ich habe es oft gesagt — ausreicht, um alle Dinge der Geisteswissenschaft zu verstehen, um alle Dinge der Geisteswissenschaft vorurteilslos in sich aufzunehmen. Man hat, wenn ich so sagen darf, in unserer Gegenwart durch diese Tatsache, daß der richtig angewandte gesunde Menschenverstand ausreicht, um die Dinge der geistigen Welt zu verstehen, in einem gewissen Sinne dutch dieses bloße Verstehen, durch das vorurteilslose Aufnehmen alles dasjenige, was der untersuchende Geisteswissenschafter selbst von der geistigen Welt hat. Und man hat, wenn man nur den Mut und das Interesse hat, diese Dinge durch den gesunden Menschenverstand aufzunehmen, dann selbst die Möglichkeit, langsam und allmählich, je nachdem es das eigene Karma gestattet, in diese geistige Welt aufzusteigen. Das ist schon heute notwendig und wird immer mehr allen Menschen notwendig sein, die geistige Welt einfach im gesunden Menschenverstande so verstehen zu lernen, wie von der geistigen Welt in der Geisteswissenschaft gesprochen wird. Wie weit der Mensch sich reif machen kann, selbst in die geistige Welt hineinzuschauen, das ist eine ganz andere Frage, das ist eine Frage, welche auch nur abgemacht werden kann in jedem einzelnen intimsten Seeleninneren, und die auch jeder in diesem Seeleninneren richtig abmachen wird, wenn er einfach durch den gesunden, nicht durch naturwissenschaftliche oder andere Dinge beeinträchtigten Menschenverstand die Dinge der geistigen Welt zu verstehen sucht.
[ 1 ] Als gesprochen worden ist von dem, was die Menschen der Gegenwart abhält, sich zur Anerkennung der geistigen Welt zu finden, wie sie durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gemeint sein muß, so ist hingewiesen worden auf zwei Dinge in der menschlichen Seelenverfassung, die diese Abhaltung in der menschlichen Seele bewirken. Das ist auf die Mutlosigkeit, Kraftlosigkeit gegenüber der Anerkennung des Geistes, und auf die Interesselosigkeit gegenüber der wirklichen Gestalt des geistigen Lebens. Nun möchte ich gerade heute auf diese Dinge von einem Gesichtspunkte aus eingehen, von dem aus ich bisher noch weniger auf sie hingewiesen habe. Wenn solche Dinge besprochen werden, so muß immer berücksichtigt werden, daß der gewöhnliche, gesunde Menschenverstand — ich habe es oft gesagt — ausreicht, um alle Dinge der Geisteswissenschaft zu verstehen, um alle Dinge der Geisteswissenschaft vorurteilslos in sich aufzunehmen. Man hat, wenn ich so sagen darf, in unserer Gegenwart durch diese Tatsache, daß der richtig angewandte gesunde Menschenverstand ausreicht, um die Dinge der geistigen Welt zu verstehen, in einem gewissen Sinne dutch dieses bloße Verstehen, durch das vorurteilslose Aufnehmen alles dasjenige, was der untersuchende Geisteswissenschafter selbst von der geistigen Welt hat. Und man hat, wenn man nur den Mut und das Interesse hat, diese Dinge durch den gesunden Menschenverstand aufzunehmen, dann selbst die Möglichkeit, langsam und allmählich, je nachdem es das eigene Karma gestattet, in diese geistige Welt aufzusteigen. Das ist schon heute notwendig und wird immer mehr allen Menschen notwendig sein, die geistige Welt einfach im gesunden Menschenverstande so verstehen zu lernen, wie von der geistigen Welt in der Geisteswissenschaft gesprochen wird. Wie weit der Mensch sich reif machen kann, selbst in die geistige Welt hineinzuschauen, das ist eine ganz andere Frage, das ist eine Frage, welche auch nur abgemacht werden kann in jedem einzelnen intimsten Seeleninneren, und die auch jeder in diesem Seeleninneren richtig abmachen wird, wenn er einfach durch den gesunden, nicht durch naturwissenschaftliche oder andere Dinge beeinträchtigten Menschenverstand die Dinge der geistigen Welt zu verstehen sucht.
[ 2 ] Nun handelt es sich vor allen Dingen darum: Warum vermeiden es so viele Menschen, diesen gesunden Menschenverstand heute so walten zu lassen, daß er dasjenige verstehen kann, oder bereit ist, es aufzunehmen, was aus der Geisteswissenschaft kommt? Nun, über diese Frage kann man sich etwas unterrichten, wenn man hört, wie es eigentlich mit den Dingen und Wesen der geistigen Welt aussieht, wenn der Geistesforscher in diese Welt eintritt. Ältere Zeiten haben ihre Eingeweihten über vieles anders sprechen lassen in bezug auf die geistige Welt, als heute gesprochen werden muß. Aber es gibt selbstverständlich auch vieles, was in älteren Zeiten ähnlich gesagt werden konnte, wie es heute noch gesagt werden kann. So namentlich ist immer in einer Weise, die heute noch richtig ist, ausgesprochen worden, was eigentlich geschieht, wenn ein Mensch in einem seelisch unreifen Zustande in die geistige Welt eintreten will. Heute kann ja das so geschehen, daß der Mensch sich sagt: Ach was, gesunder Menschenverstand! — Den muß man aber mindestens anstrengen, wenn man die geistige Welt erfassen will! Diese Anstrengung lieben die Menschen nicht; sie lieben es mehr, auf Autoritätsglauben hin das oder jenes anzuerkennen. Gesunden Menschenverstand lieben heute die Menschen wirklich viel weniger, als sie glauben, und da möchten sie gewissermaßen diesen Gebrauch des gesunden Menschenverstandes umgehen und möchten, was ihnen leichter dünkt, wenn auch vielleicht das Urteil unbewußt gefällt wird, durch allerlei Brüten, das sie dann Meditation nennen und dergleichen, in die geistige Welt direkt eindringen. Gerade das ist sehr verbreitet, daß man eigentlich in die geistige Welt eindringen möchte mit Umgehung des gesunden Menschenverstandes. Da haben aber schon ältere in diese Dinge Eingeweihte das Richtige gesagt und wiederholen es heute immer wiederum. Wenn jemand unreif in seiner ganzen Seelenverfassung eindringen will in die geistige Welt, dann kommt es nur allzuleicht vor, daß er nach einiger Zeit seinen ganzen Versuch scheitern läßt; so ungefähr scheitern läßt, daß ihm ein Gefühl zurückbleibt, welches ähnlich ist dem, wenn man eine heißglühende Kohle anfaßt und in dem Zwischenzustand ist, sich zu verbrennen oder abzulassen. Diese Empfindung ist eine solche, die sehr häufig auftritt bei Meditanten. Sie versuchen nicht, in demselben Maße ihren gesunden Menschenverstand walten zu lassen wie den Eifer bei den sogenannten Übungen, die ja an sich selbstverständlich sehr berechtigt sind. Aber es ist immer betont worden: Der gesunde Menschenverstand darf nicht ausgeschlossen werden, und er muß aktiv, emsig angewendet werden. Wenn man versucht, eine Zeitlang so zu üben, daß man den gesunden Menschenverstand ausschließt, namentlich auch eine gewisse moralische Selbstzucht ausschließt, die man sich eben noch nicht erworben hat, dann tritt eben dieses Eigentümliche ein, daß man das Ganze so empfindet, wie wenn man mit den Fingern glühende Kohlen berührt, oder vielmehr nicht ganz berührt, sondern zurückzuckt. So zucken die Menschen vor der geistigen Welt zurück. Wie gesagt, es ist das immer betont worden. Es ist betont worden, weil es eine Erfahrung ist, die unzählige Lehrer der Geisteswissenschaft in früheren Zeiten, als sie atavistisch betrieben worden ist, gemacht haben, eine Erfahrung, die auch in der Gegenwart sehr vielfach gemacht werden kann. Es wird das betont, aber wir müssen heute einmal darauf sehen, was der Grund ist, warum diese Empfindung des Anrührens und Zurückzuckens wie vor glühender Kohle eigentlich eintritt.
[ 2 ] Nun handelt es sich vor allen Dingen darum: Warum vermeiden es so viele Menschen, diesen gesunden Menschenverstand heute so walten zu lassen, daß er dasjenige verstehen kann, oder bereit ist, es aufzunehmen, was aus der Geisteswissenschaft kommt? Nun, über diese Frage kann man sich etwas unterrichten, wenn man hört, wie es eigentlich mit den Dingen und Wesen der geistigen Welt aussieht, wenn der Geistesforscher in diese Welt eintritt. Ältere Zeiten haben ihre Eingeweihten über vieles anders sprechen lassen in bezug auf die geistige Welt, als heute gesprochen werden muß. Aber es gibt selbstverständlich auch vieles, was in älteren Zeiten ähnlich gesagt werden konnte, wie es heute noch gesagt werden kann. So namentlich ist immer in einer Weise, die heute noch richtig ist, ausgesprochen worden, was eigentlich geschieht, wenn ein Mensch in einem seelisch unreifen Zustande in die geistige Welt eintreten will. Heute kann ja das so geschehen, daß der Mensch sich sagt: Ach was, gesunder Menschenverstand! — Den muß man aber mindestens anstrengen, wenn man die geistige Welt erfassen will! Diese Anstrengung lieben die Menschen nicht; sie lieben es mehr, auf Autoritätsglauben hin das oder jenes anzuerkennen. Gesunden Menschenverstand lieben heute die Menschen wirklich viel weniger, als sie glauben, und da möchten sie gewissermaßen diesen Gebrauch des gesunden Menschenverstandes umgehen und möchten, was ihnen leichter dünkt, wenn auch vielleicht das Urteil unbewußt gefällt wird, durch allerlei Brüten, das sie dann Meditation nennen und dergleichen, in die geistige Welt direkt eindringen. Gerade das ist sehr verbreitet, daß man eigentlich in die geistige Welt eindringen möchte mit Umgehung des gesunden Menschenverstandes. Da haben aber schon ältere in diese Dinge Eingeweihte das Richtige gesagt und wiederholen es heute immer wiederum. Wenn jemand unreif in seiner ganzen Seelenverfassung eindringen will in die geistige Welt, dann kommt es nur allzuleicht vor, daß er nach einiger Zeit seinen ganzen Versuch scheitern läßt; so ungefähr scheitern läßt, daß ihm ein Gefühl zurückbleibt, welches ähnlich ist dem, wenn man eine heißglühende Kohle anfaßt und in dem Zwischenzustand ist, sich zu verbrennen oder abzulassen. Diese Empfindung ist eine solche, die sehr häufig auftritt bei Meditanten. Sie versuchen nicht, in demselben Maße ihren gesunden Menschenverstand walten zu lassen wie den Eifer bei den sogenannten Übungen, die ja an sich selbstverständlich sehr berechtigt sind. Aber es ist immer betont worden: Der gesunde Menschenverstand darf nicht ausgeschlossen werden, und er muß aktiv, emsig angewendet werden. Wenn man versucht, eine Zeitlang so zu üben, daß man den gesunden Menschenverstand ausschließt, namentlich auch eine gewisse moralische Selbstzucht ausschließt, die man sich eben noch nicht erworben hat, dann tritt eben dieses Eigentümliche ein, daß man das Ganze so empfindet, wie wenn man mit den Fingern glühende Kohlen berührt, oder vielmehr nicht ganz berührt, sondern zurückzuckt. So zucken die Menschen vor der geistigen Welt zurück. Wie gesagt, es ist das immer betont worden. Es ist betont worden, weil es eine Erfahrung ist, die unzählige Lehrer der Geisteswissenschaft in früheren Zeiten, als sie atavistisch betrieben worden ist, gemacht haben, eine Erfahrung, die auch in der Gegenwart sehr vielfach gemacht werden kann. Es wird das betont, aber wir müssen heute einmal darauf sehen, was der Grund ist, warum diese Empfindung des Anrührens und Zurückzuckens wie vor glühender Kohle eigentlich eintritt.
[ 3 ] Nun können wir, wenn wir Verständnis suchen für diese Tatsache, uns an eine Grundwahrheit unserer Geisteswissenschaft erinnern, die uns völlig geläufig ist, nämlich daran, wie wir uns als Menschen verhalten, wenn wir unser volles Leben, das zwischen Wachen und Schlafen wechselt, ins Auge fassen. Wenn wir die alten Ausdrücke beibehalten, so können wir sagen, daß wir, während wir schlafen, den physischen Leib und den ätherischen Leib im Bette liegen lassen und mit dem Ich und dem astralischen Leib in der Welt, die uns sonst umgibt, ausgeflossen sind, wenn ich mich so ausdrücken darf. Wir sind dann nicht in dem Gehäuse unseres Leibes, wenn wir schlafen, wir sind in der Welt ringsumher ausgegossen. Unser Bewußtsein als das eines Menschen ist dann, wenn wir schlafen, so gering. Wenn der Schlafzustand nicht durch Träume unterbrochen wird, was eine gewisse Erhöhung der Intensität des Bewußtseins bedeutet, sondern wenn wir den traumlosen Schlaf ins Auge fassen, dann ist unser Bewußtsein so gering, daß wir nicht die unendlich bedeutsame Summe von Erlebnissen gewahr werden, die wir durchmachen, wenn wir in dem Zustande zwischen Einschlafen und Aufwachen sind. Nun ist gerade das, was wir wirklich ins Auge fassen sollen, nicht das abstrakte Wort: Im Schlafe sind wir im Ich und im astralischen Leib außer dem physischen Leibe —, sondern das sollen wir ins Auge fassen, daß unser Leben ein ungeheuer reiches ist zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Wir wissen es nur nicht, weil unser Bewußtsein dann geschwächt ist, weil unser Schlafbewußtsein noch nicht so stark ist wie dasjenige Bewußtsein, das wir mit dem Werkzeuge des physischen Leibes verbinden können. In der Tat, ein ungeheuer intensives Erleben findet statt vom Ich und vom astralischen Leib innerhalb der Welt, in der wir sonst auch drinnen sind, ein intensives Erleben. Nur wird der Mensch durch seinen gewöhnlichen Erdenzustand behütet davor, dieses Leben unmittelbar wahrzunehmen, dieses Leben, das man entfaltet, indem man sich, wenn ich mich so ausdrücken darf, als Ich und astralischer Leib hindurchzwängt durch dieselben Dinge zunächst, in denen wir auch dann sind, wenn wir im Wachzustande uns unseres physischen Leibes und seiner Werkzeuge bedienen. Das Leben im Schlafzustand ist ein ungeheuer reiches. Aber dieses Leben hört nicht auf, wenn wir aufwachen und in unseren physischen Leib und Ätherleib untertauchen. Wir sind auch dann durch unser Ich und durch unseren astralischen Leib mit unserer Umwelt verbunden in einer Weise, von der das gewöhnliche Bewußtsein keine Ahnung hat. Nur wird es eben nicht bemerkt. Man kann nun dieses Verhältnis gerade genauer ins Auge fassen. Man kann sich fragen: Wie ist denn das nun eigentlich, was da als Verhältnis unseres Seelisch-Geistigen zu unserem Physisch-Leiblichen sich ergibt?
[ 3 ] Nun können wir, wenn wir Verständnis suchen für diese Tatsache, uns an eine Grundwahrheit unserer Geisteswissenschaft erinnern, die uns völlig geläufig ist, nämlich daran, wie wir uns als Menschen verhalten, wenn wir unser volles Leben, das zwischen Wachen und Schlafen wechselt, ins Auge fassen. Wenn wir die alten Ausdrücke beibehalten, so können wir sagen, daß wir, während wir schlafen, den physischen Leib und den ätherischen Leib im Bette liegen lassen und mit dem Ich und dem astralischen Leib in der Welt, die uns sonst umgibt, ausgeflossen sind, wenn ich mich so ausdrücken darf. Wir sind dann nicht in dem Gehäuse unseres Leibes, wenn wir schlafen, wir sind in der Welt ringsumher ausgegossen. Unser Bewußtsein als das eines Menschen ist dann, wenn wir schlafen, so gering. Wenn der Schlafzustand nicht durch Träume unterbrochen wird, was eine gewisse Erhöhung der Intensität des Bewußtseins bedeutet, sondern wenn wir den traumlosen Schlaf ins Auge fassen, dann ist unser Bewußtsein so gering, daß wir nicht die unendlich bedeutsame Summe von Erlebnissen gewahr werden, die wir durchmachen, wenn wir in dem Zustande zwischen Einschlafen und Aufwachen sind. Nun ist gerade das, was wir wirklich ins Auge fassen sollen, nicht das abstrakte Wort: Im Schlafe sind wir im Ich und im astralischen Leib außer dem physischen Leibe —, sondern das sollen wir ins Auge fassen, daß unser Leben ein ungeheuer reiches ist zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Wir wissen es nur nicht, weil unser Bewußtsein dann geschwächt ist, weil unser Schlafbewußtsein noch nicht so stark ist wie dasjenige Bewußtsein, das wir mit dem Werkzeuge des physischen Leibes verbinden können. In der Tat, ein ungeheuer intensives Erleben findet statt vom Ich und vom astralischen Leib innerhalb der Welt, in der wir sonst auch drinnen sind, ein intensives Erleben. Nur wird der Mensch durch seinen gewöhnlichen Erdenzustand behütet davor, dieses Leben unmittelbar wahrzunehmen, dieses Leben, das man entfaltet, indem man sich, wenn ich mich so ausdrücken darf, als Ich und astralischer Leib hindurchzwängt durch dieselben Dinge zunächst, in denen wir auch dann sind, wenn wir im Wachzustande uns unseres physischen Leibes und seiner Werkzeuge bedienen. Das Leben im Schlafzustand ist ein ungeheuer reiches. Aber dieses Leben hört nicht auf, wenn wir aufwachen und in unseren physischen Leib und Ätherleib untertauchen. Wir sind auch dann durch unser Ich und durch unseren astralischen Leib mit unserer Umwelt verbunden in einer Weise, von der das gewöhnliche Bewußtsein keine Ahnung hat. Nur wird es eben nicht bemerkt. Man kann nun dieses Verhältnis gerade genauer ins Auge fassen. Man kann sich fragen: Wie ist denn das nun eigentlich, was da als Verhältnis unseres Seelisch-Geistigen zu unserem Physisch-Leiblichen sich ergibt?
[ 4 ] Es wäre für unseren gegenwärtigen Erlebniszustand eine sehr schlimme Sache, wenn wir immerfort — was wir gar nicht tun, aber wenn wir es täten, müßten wir es immerfort tun, wir könnten gar nicht anders — wahrnehmen müßten, was wir schlafend mit den Dingen draußen im Raum und in der Zeit erleben. Unser Leib nämlich hat eine gewisse Eigentümlichkeit gegenüber diesen Erlebnissen. Er schwächt, so kann man sagen, diese Erlebnisse ab. Alles das, was wir eigentlich in Wahrheit erleben mit unserer Umwelt, das schwächt unser Leib ab, und wir nehmen nur die Abschwächung unseres Leibes wahr, nicht unsere wirklichen Erlebnisse. Unsere wirklichen Erlebnisse verhalten sich zu dem, was wir durch unseren Leib von unserer Umgebung wahrnehmen — und das ist ein sehr, sehr treffendes Bild, weil es eigentlich nicht bloß ein Bild ist, sondern einer okkulten Wirklichkeit entspricht —, unser Leib oder die Erlebnisse unseres Leibes verhalten sich zu unseren wirklichen Erlebnissen, wie sich das Sonnenlicht, das auf den Stein scheint und vom Stein so zurückkommt, so daß wir den Stein sehen können, zu dem wirklichen Sonnenlichte verhält, das uns oben von der Sonne entgegenschaut. Sehen Sie auf den Stein, auf den das Sonnenlicht fällt: Sie können den Stein anschauen, das reflektierte, das zurückgeworfene Licht können Sie mit Ihren Augen vertragen. Wenden Sie sich vom Stein zur Sonne und schauen starr in die Sonne, werden Sie geblendet. So ist es ungefähr mit dem Verhältnis unserer wirklichen Erlebnisse gegenüber unserer Umwelt zu dem, was wir durch die Werkzeuge unseres Leibes erleben. Das, was wir wirklich mit der Umgebung erleben, hat die Stärke des Sonnenlichtes, und dasjenige, was wir durch die Werkzeuge des Leibes erleben, hat von dieser Stärke bloß jene Abschwächung, welche das abgeschwächte Licht, das uns irgendein Gegenstand zurückwirft, von der Stärke des Sonnenlichtes hat. Wir sind Sonnenwesen in unserem innersten Menschen; aber wir können es jetzt noch nicht ertragen, Sonnenwesen zu sein. Daher müssen wir, so wie wir mit unseren äußeren physischen Augen sehen müssen auf das abgeschwächte Sonnenlicht, weil uns das direkte Sonnenlicht blendet, unsere Umgebung wahrnehmen durch das abgeschwächte Erlebnis unseres Leibes und seiner Werkzeuge, weil wir nicht unmittelbar uns entgegenstellen können dem, was wir wirklich von unserer Umgebung erleben. Wir sind tatsächlich so als Menschen, wie wenn wir geblendet wären vom Sonnenstrahl, und das, was wir von uns und von der Welt wissen, ist nicht unseres Wesens, ist nicht, als wenn es unmittelbar erlebt würde im strrömenden Sonnenstrahl, sondern ist so wie das Licht, das uns zurückgeworfen wird von den Gegenständen und das unsere Augen nicht mehr blendet. Daraus können Sie aber entnehmen, daß wenn Sie nun aufwachen in der Welt, die das gewöhnliche Bewußtsein nicht ertragen kann, Sie das Gefühl haben, wie wenn Sie im Sonnenstrahl drinnen wären, wie wenn Sie wirklich mit dem Sonnenstrahl leben würden. Und in der wirklichen Erfahrung, im wirklichen Erlebnis ist es sogar der sehr konzentrierte Sonnenstrahl.
[ 4 ] Es wäre für unseren gegenwärtigen Erlebniszustand eine sehr schlimme Sache, wenn wir immerfort — was wir gar nicht tun, aber wenn wir es täten, müßten wir es immerfort tun, wir könnten gar nicht anders — wahrnehmen müßten, was wir schlafend mit den Dingen draußen im Raum und in der Zeit erleben. Unser Leib nämlich hat eine gewisse Eigentümlichkeit gegenüber diesen Erlebnissen. Er schwächt, so kann man sagen, diese Erlebnisse ab. Alles das, was wir eigentlich in Wahrheit erleben mit unserer Umwelt, das schwächt unser Leib ab, und wir nehmen nur die Abschwächung unseres Leibes wahr, nicht unsere wirklichen Erlebnisse. Unsere wirklichen Erlebnisse verhalten sich zu dem, was wir durch unseren Leib von unserer Umgebung wahrnehmen — und das ist ein sehr, sehr treffendes Bild, weil es eigentlich nicht bloß ein Bild ist, sondern einer okkulten Wirklichkeit entspricht —, unser Leib oder die Erlebnisse unseres Leibes verhalten sich zu unseren wirklichen Erlebnissen, wie sich das Sonnenlicht, das auf den Stein scheint und vom Stein so zurückkommt, so daß wir den Stein sehen können, zu dem wirklichen Sonnenlichte verhält, das uns oben von der Sonne entgegenschaut. Sehen Sie auf den Stein, auf den das Sonnenlicht fällt: Sie können den Stein anschauen, das reflektierte, das zurückgeworfene Licht können Sie mit Ihren Augen vertragen. Wenden Sie sich vom Stein zur Sonne und schauen starr in die Sonne, werden Sie geblendet. So ist es ungefähr mit dem Verhältnis unserer wirklichen Erlebnisse gegenüber unserer Umwelt zu dem, was wir durch die Werkzeuge unseres Leibes erleben. Das, was wir wirklich mit der Umgebung erleben, hat die Stärke des Sonnenlichtes, und dasjenige, was wir durch die Werkzeuge des Leibes erleben, hat von dieser Stärke bloß jene Abschwächung, welche das abgeschwächte Licht, das uns irgendein Gegenstand zurückwirft, von der Stärke des Sonnenlichtes hat. Wir sind Sonnenwesen in unserem innersten Menschen; aber wir können es jetzt noch nicht ertragen, Sonnenwesen zu sein. Daher müssen wir, so wie wir mit unseren äußeren physischen Augen sehen müssen auf das abgeschwächte Sonnenlicht, weil uns das direkte Sonnenlicht blendet, unsere Umgebung wahrnehmen durch das abgeschwächte Erlebnis unseres Leibes und seiner Werkzeuge, weil wir nicht unmittelbar uns entgegenstellen können dem, was wir wirklich von unserer Umgebung erleben. Wir sind tatsächlich so als Menschen, wie wenn wir geblendet wären vom Sonnenstrahl, und das, was wir von uns und von der Welt wissen, ist nicht unseres Wesens, ist nicht, als wenn es unmittelbar erlebt würde im strrömenden Sonnenstrahl, sondern ist so wie das Licht, das uns zurückgeworfen wird von den Gegenständen und das unsere Augen nicht mehr blendet. Daraus können Sie aber entnehmen, daß wenn Sie nun aufwachen in der Welt, die das gewöhnliche Bewußtsein nicht ertragen kann, Sie das Gefühl haben, wie wenn Sie im Sonnenstrahl drinnen wären, wie wenn Sie wirklich mit dem Sonnenstrahl leben würden. Und in der wirklichen Erfahrung, im wirklichen Erlebnis ist es sogar der sehr konzentrierte Sonnenstrahl.
[ 5 ] Da haben Sie die Tatsache für dasjenige, was oftmals gesagt wird, daß die Leute wie heißglühende Kohlen das geisteswissenschaftliche Erlebnis wegwerfen. Sie kommen in eine Region des Erlebens hinein, in der so erlebt wird, wie das seelische Erlebnis ist, wenn Sie sich physisch den Finger verbrennen: da zucken Sie zunächst zurück, wollen ihn nicht verbrennen. Sie dürfen nur das, was ich sage, natürlich nicht umkehren: Niemand kann dadurch, daß er sich physisch den Finger verbrennt, zum geistigen Erlebnisse kommen. Deshalb sagte ich — in der Geisteswissenschaft muß immer genau gesprochen werden —, wie das seelische Erlebnis, wenn man sich den Finger verbrennt.
[ 5 ] Da haben Sie die Tatsache für dasjenige, was oftmals gesagt wird, daß die Leute wie heißglühende Kohlen das geisteswissenschaftliche Erlebnis wegwerfen. Sie kommen in eine Region des Erlebens hinein, in der so erlebt wird, wie das seelische Erlebnis ist, wenn Sie sich physisch den Finger verbrennen: da zucken Sie zunächst zurück, wollen ihn nicht verbrennen. Sie dürfen nur das, was ich sage, natürlich nicht umkehren: Niemand kann dadurch, daß er sich physisch den Finger verbrennt, zum geistigen Erlebnisse kommen. Deshalb sagte ich — in der Geisteswissenschaft muß immer genau gesprochen werden —, wie das seelische Erlebnis, wenn man sich den Finger verbrennt.
[ 6 ] Tatsächlich ist es so, daß der Eintritt in die geistige Welt zunächst durchaus nicht dasjenige ist, was im Menschen eitel Seligkeit bewirkt, sondern dieser Eintritt in die geistige Welt ist ein solcher, daß er — es gibt natürlich viele andere solche Erlebnisse — erkauft werden muß mit jener inneren, man könnte schon sagen Unseligkeit, welche man erlebt, wenn man sich zum Beispiel durch Feuer verbrennt. Geistig erlebt man zunächst genau dasselbe mit den Dingen und Wesenheiten und Vorgängen der geistigen Welt, wie wenn man sich zum Beispiel verbrennt. Die wirklichen Erfahrungen der geistigen Welt müssen durch solche leidvollen Erlebnisse erworben werden. Dasjenige, was von diesen Erfahrungen der geistigen Welt Seligkeit bereitet, was Befriedigung dem Leben gibt, das ist der Gedankennachglanz. Das kann derjenige, der durch Mitteilung diese Erlebnisse bekommt und durch den gesunden Menschenverstand sie auffaßt, ebenso haben wie derjenige, der eintritt in die geistige Welt. Nur müssen natürlich einzelne Menschen in die geistige Welt eintreten, sonst würde niemals irgend etwas erfahren werden können von der geistigen Welt.
[ 6 ] Tatsächlich ist es so, daß der Eintritt in die geistige Welt zunächst durchaus nicht dasjenige ist, was im Menschen eitel Seligkeit bewirkt, sondern dieser Eintritt in die geistige Welt ist ein solcher, daß er — es gibt natürlich viele andere solche Erlebnisse — erkauft werden muß mit jener inneren, man könnte schon sagen Unseligkeit, welche man erlebt, wenn man sich zum Beispiel durch Feuer verbrennt. Geistig erlebt man zunächst genau dasselbe mit den Dingen und Wesenheiten und Vorgängen der geistigen Welt, wie wenn man sich zum Beispiel verbrennt. Die wirklichen Erfahrungen der geistigen Welt müssen durch solche leidvollen Erlebnisse erworben werden. Dasjenige, was von diesen Erfahrungen der geistigen Welt Seligkeit bereitet, was Befriedigung dem Leben gibt, das ist der Gedankennachglanz. Das kann derjenige, der durch Mitteilung diese Erlebnisse bekommt und durch den gesunden Menschenverstand sie auffaßt, ebenso haben wie derjenige, der eintritt in die geistige Welt. Nur müssen natürlich einzelne Menschen in die geistige Welt eintreten, sonst würde niemals irgend etwas erfahren werden können von der geistigen Welt.
[ 7 ] Diese Tatsache, die ich angeführt habe, die muß berücksichtigt werden. Es ist im Grunde genommen nicht so schwierig, schon aus äußeren Tatsachen das zu entnehmen, was ich jetzt auseinandergesetzt habe. Sie werden überall finden, da wo im Ernste, nicht scharlatanhaft, von der geistigen Welt gesprochen wird, daß immer gesprochen wird von dem Durchgang nicht durch freudige, sondern durch leidvolle Erlebnisse. Und Sie wissen, wie oft ich es besprochen habe, daß derjenige, der sich ein wenig wirkliche Erkenntnisse der geistigen Welt im Leben erworben hat, auf die Schmerzen seines Lebens, auf das Leid seines Lebens nicht unwirsch zurückblickt. Denn ein solcher sagt sich: Die Freuden, die erhebenden Momente des Lebens nehme ich gewiß als eine göttliche Gabe dankbar hin und juble über mein Schicksal, daß mir solche freudvolle, erhebende Momente zuteil geworden sind; aber meine Erkenntnisse habe ich von meinen Schmerzen, meine Erkenntnisse habe ich von meinen. Leiden. — Das wird jeder sagen, der wirkliche Erkenntnisse der geistigen Welt erworben hat. Hier auf der physischen Erde lassen sich Erkenntnisse der geistigen Welt nicht anders als auf diese Weise erwerben.
[ 7 ] Diese Tatsache, die ich angeführt habe, die muß berücksichtigt werden. Es ist im Grunde genommen nicht so schwierig, schon aus äußeren Tatsachen das zu entnehmen, was ich jetzt auseinandergesetzt habe. Sie werden überall finden, da wo im Ernste, nicht scharlatanhaft, von der geistigen Welt gesprochen wird, daß immer gesprochen wird von dem Durchgang nicht durch freudige, sondern durch leidvolle Erlebnisse. Und Sie wissen, wie oft ich es besprochen habe, daß derjenige, der sich ein wenig wirkliche Erkenntnisse der geistigen Welt im Leben erworben hat, auf die Schmerzen seines Lebens, auf das Leid seines Lebens nicht unwirsch zurückblickt. Denn ein solcher sagt sich: Die Freuden, die erhebenden Momente des Lebens nehme ich gewiß als eine göttliche Gabe dankbar hin und juble über mein Schicksal, daß mir solche freudvolle, erhebende Momente zuteil geworden sind; aber meine Erkenntnisse habe ich von meinen Schmerzen, meine Erkenntnisse habe ich von meinen. Leiden. — Das wird jeder sagen, der wirkliche Erkenntnisse der geistigen Welt erworben hat. Hier auf der physischen Erde lassen sich Erkenntnisse der geistigen Welt nicht anders als auf diese Weise erwerben.
[ 8 ] Und nun können Sie es verstehen, warum die Leute zurückzucken vor dem Verständnisse der geistigen Welt, trotzdem dieses Verständnis mit dem gesunden Menschenverstand zu erwerben ist. Man zuckt ja gewöhnlich nur vor dem nicht zurück im Verstehen, vor dem man auch nicht zurückzuckt im äußeren Leben. Nun wären Sie natürlich höchst unvernünftig und närrisch, wenn Sie sich willkürlich die Finger verbrennen wollten, um einmal auch zu wissen, wie das ist. Und wiederum, wenn Sie sich die Finger verbrennen, so geben Sie so wenig auf das seelische Erlebnis dabei acht, daß Sie auch da nicht eine eigentliche Erfahrung erwerben, wie es ist, wenn man sich die Finger verbrennt. Ja es gibt sogar eine psychologische Tatsache, welche richtig nur aufgefaßt wird, wenn man sie in dem Lichte sieht, das aus diesen Erkenntnissen fließt. Sie werden vielleicht schon bemerkt haben — ich spreche das nicht zu einem einzelnen von Ihnen, denn jedem einzelnen mute ich das natürlich nicht zu, sondern ich glaube selbstverständlich nur, daß er von diesen Dingen gehört hat —, aber Sie werden es von andern gehört und an andern gemerkt haben, daß sie, wenn sie sich die Finger verbrennen, schreien. Nun, warum schreien manche Menschen, wenn sie sich die Finger verbrennen? Aus dem einfachen Grunde, weil man durch dieses Schreien das seelische Erlebnis dabei übertönt. Die Menschen schreien und jammern überhaupt bei Schmerzen, um sie sich zu erleichtern. Und so können sie auch nicht den vollen Inhalt des Schmerzes im vollen Bewußtsein dann erleben, wenn sie schreien; das ist wirklich ein Übertönen des Leides, die Äußerung des Leides. Kurz, der Mensch hat im gewöhnlichen Leben nicht viel Erfahrung über diejenigen Dinge, die in der geistigen Welt erfahren werden. Dennoch liegt das vor, daß man durch den gesunden Menschenverstand die Dinge begreifen kann, weil sie überall Analogien haben in der äußeren physischen Welt, in der wir unsere Erfahrungen machen. Unverständlich sind die Dinge des geistigen Lebens eben durchaus nicht, aber man muß sich dazu entschließen, gewisse Seeleneigenschaften zu steigern, zum Beispiel den Mut. Man muß einfach den Mut haben, den man gewöhnlich nicht hat, wenn man etwas tut, wovor man zurückzuckt, weil es weh tut. Diesen Mut muß man haben, denn in die geistige Welt einzudringen, tut immer weh. Also man muß gewisse Seelenkräfte steigern. Das ist notwendig, das wollen aber sehr viele Menschen in der Gegenwart nicht, Seeleneigenschaften steigern in der systematischen Weise, wie es angegeben ist zum Beispiel in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Würden sie sie steigern, dann würde auch in ihrem Begriffsvermögen, in ihrem gesunden Menschenverstand leicht walten dasjenige, was notwendig ist, um durch diesen gesunden Menschenverstand die Erlebnisse des Fingers in der geistigen Welt, das in diesem Sinne nun, wie ich es geschildert habe, ein leidvolles ist, zu verstehen. Wir leben einmal in einer Epoche, in der eine solche Steigerung der menschlichen Seelenverfassung notwendig ist, weil sonst die Menschheit ihr Erdenziel nicht erreichen kann, weil sonst Katastrophe über Katastrophe eintreten müßte und endlich das Chaos kommen würde.
[ 8 ] Und nun können Sie es verstehen, warum die Leute zurückzucken vor dem Verständnisse der geistigen Welt, trotzdem dieses Verständnis mit dem gesunden Menschenverstand zu erwerben ist. Man zuckt ja gewöhnlich nur vor dem nicht zurück im Verstehen, vor dem man auch nicht zurückzuckt im äußeren Leben. Nun wären Sie natürlich höchst unvernünftig und närrisch, wenn Sie sich willkürlich die Finger verbrennen wollten, um einmal auch zu wissen, wie das ist. Und wiederum, wenn Sie sich die Finger verbrennen, so geben Sie so wenig auf das seelische Erlebnis dabei acht, daß Sie auch da nicht eine eigentliche Erfahrung erwerben, wie es ist, wenn man sich die Finger verbrennt. Ja es gibt sogar eine psychologische Tatsache, welche richtig nur aufgefaßt wird, wenn man sie in dem Lichte sieht, das aus diesen Erkenntnissen fließt. Sie werden vielleicht schon bemerkt haben — ich spreche das nicht zu einem einzelnen von Ihnen, denn jedem einzelnen mute ich das natürlich nicht zu, sondern ich glaube selbstverständlich nur, daß er von diesen Dingen gehört hat —, aber Sie werden es von andern gehört und an andern gemerkt haben, daß sie, wenn sie sich die Finger verbrennen, schreien. Nun, warum schreien manche Menschen, wenn sie sich die Finger verbrennen? Aus dem einfachen Grunde, weil man durch dieses Schreien das seelische Erlebnis dabei übertönt. Die Menschen schreien und jammern überhaupt bei Schmerzen, um sie sich zu erleichtern. Und so können sie auch nicht den vollen Inhalt des Schmerzes im vollen Bewußtsein dann erleben, wenn sie schreien; das ist wirklich ein Übertönen des Leides, die Äußerung des Leides. Kurz, der Mensch hat im gewöhnlichen Leben nicht viel Erfahrung über diejenigen Dinge, die in der geistigen Welt erfahren werden. Dennoch liegt das vor, daß man durch den gesunden Menschenverstand die Dinge begreifen kann, weil sie überall Analogien haben in der äußeren physischen Welt, in der wir unsere Erfahrungen machen. Unverständlich sind die Dinge des geistigen Lebens eben durchaus nicht, aber man muß sich dazu entschließen, gewisse Seeleneigenschaften zu steigern, zum Beispiel den Mut. Man muß einfach den Mut haben, den man gewöhnlich nicht hat, wenn man etwas tut, wovor man zurückzuckt, weil es weh tut. Diesen Mut muß man haben, denn in die geistige Welt einzudringen, tut immer weh. Also man muß gewisse Seelenkräfte steigern. Das ist notwendig, das wollen aber sehr viele Menschen in der Gegenwart nicht, Seeleneigenschaften steigern in der systematischen Weise, wie es angegeben ist zum Beispiel in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Würden sie sie steigern, dann würde auch in ihrem Begriffsvermögen, in ihrem gesunden Menschenverstand leicht walten dasjenige, was notwendig ist, um durch diesen gesunden Menschenverstand die Erlebnisse des Fingers in der geistigen Welt, das in diesem Sinne nun, wie ich es geschildert habe, ein leidvolles ist, zu verstehen. Wir leben einmal in einer Epoche, in der eine solche Steigerung der menschlichen Seelenverfassung notwendig ist, weil sonst die Menschheit ihr Erdenziel nicht erreichen kann, weil sonst Katastrophe über Katastrophe eintreten müßte und endlich das Chaos kommen würde.
[ 9 ] Nun habe ich aber, indem ich diese Dinge erörtert habe, gerade in dieser Zeit, in der es ganz besonders notwendig ist, ein anderes stark betont. Das ist, daß man mit jener Abschwächung der Seelenverfassung, die nun schon einmal vorhanden ist beim gegenwärtigen Menschen, vorzüglicher Naturforscher im gegenwärtigen Sinne des Wortes sein kann, und man kann auch mit diesem Verstande, der nicht der gesunde Menschenverstand ist, sondern der durch naturwissenschaftliche Autorität hochgetragene Menschenverstand ist, dasjenige, was die Außenseite unserer physischen Umgebung ist, gerade gut verstehen; man kann es nicht innerlich geistig verstehen, aber man kann die Außenseite gerade gut verstehen. Was man aber nicht kann mit den Begriffen, welche die Naturwissenschaft gibt, nicht kann mit dem, was gerade an Aufwendung des Denkens die heutige Menschheit gewöhnt ist, das ist: Ordnung bringen in die nach und nach chaotisch werdende soziale Struktur des menschlichen Zusammenlebens. Mit andern Worten: Die sozialen Forderungen der Gegenwart und der nächsten Zukunft, sie werden niemals lösbar sein durch dasjenige, was das Denken über die Natur und Naturerscheinungen genannt werden kann. Gerade in diesem Punkte müssen unsere Zeitgenossen noch ungeheuer viel lernen. Gerade in diesem Punkte gehen einmal unsere Zeitgenossen nicht mit dem, was Geisteswissenschaft aus dem innersten Verständnis des Wesens unserer Welt heraus sagen muß. Geisteswissenschaft muß ja trotz aller Einwände, die immer mehr und mehr heute gemacht werden, gerade in diesem Punkte sagen: Wie auch herumgepfuscht und herumgedoktert wird auf dem Gebiete der sozialen Fragen, all dieses Herumpfuschen und Herumdoktern wird zu nichts führen, ja im Gegenteil, es wird zu noch gröBerer sozialer Verwirrung führen, als es in einzelnen Gebieten des Erdendaseins schon da ist, wenn nicht anerkannt wird, daß die Einsichten in die sozialen Fragen nur aus der geistigen Erfassung des Weltendaseins kommen können. Die sozialen Fragen müssen geisteswissenschaftlich gelöst werden. Alles übrige ist auf diesen Gebieten Dilettantismus.
[ 9 ] Nun habe ich aber, indem ich diese Dinge erörtert habe, gerade in dieser Zeit, in der es ganz besonders notwendig ist, ein anderes stark betont. Das ist, daß man mit jener Abschwächung der Seelenverfassung, die nun schon einmal vorhanden ist beim gegenwärtigen Menschen, vorzüglicher Naturforscher im gegenwärtigen Sinne des Wortes sein kann, und man kann auch mit diesem Verstande, der nicht der gesunde Menschenverstand ist, sondern der durch naturwissenschaftliche Autorität hochgetragene Menschenverstand ist, dasjenige, was die Außenseite unserer physischen Umgebung ist, gerade gut verstehen; man kann es nicht innerlich geistig verstehen, aber man kann die Außenseite gerade gut verstehen. Was man aber nicht kann mit den Begriffen, welche die Naturwissenschaft gibt, nicht kann mit dem, was gerade an Aufwendung des Denkens die heutige Menschheit gewöhnt ist, das ist: Ordnung bringen in die nach und nach chaotisch werdende soziale Struktur des menschlichen Zusammenlebens. Mit andern Worten: Die sozialen Forderungen der Gegenwart und der nächsten Zukunft, sie werden niemals lösbar sein durch dasjenige, was das Denken über die Natur und Naturerscheinungen genannt werden kann. Gerade in diesem Punkte müssen unsere Zeitgenossen noch ungeheuer viel lernen. Gerade in diesem Punkte gehen einmal unsere Zeitgenossen nicht mit dem, was Geisteswissenschaft aus dem innersten Verständnis des Wesens unserer Welt heraus sagen muß. Geisteswissenschaft muß ja trotz aller Einwände, die immer mehr und mehr heute gemacht werden, gerade in diesem Punkte sagen: Wie auch herumgepfuscht und herumgedoktert wird auf dem Gebiete der sozialen Fragen, all dieses Herumpfuschen und Herumdoktern wird zu nichts führen, ja im Gegenteil, es wird zu noch gröBerer sozialer Verwirrung führen, als es in einzelnen Gebieten des Erdendaseins schon da ist, wenn nicht anerkannt wird, daß die Einsichten in die sozialen Fragen nur aus der geistigen Erfassung des Weltendaseins kommen können. Die sozialen Fragen müssen geisteswissenschaftlich gelöst werden. Alles übrige ist auf diesen Gebieten Dilettantismus.
[ 10 ] Da müssen wir, um von einem gewissen Gesichtspunkte aus über die Dinge zu sprechen, uns an das andere wenden. Was die Menschen gegenwärtig so sehr abhält, an das Geisteswissenschaftliche heranzudringen, das ist die Interesselosigkeit gegenüber dem geistigen Leben. Diese Interesselosigkeit gegenüber dem geistigen Leben haben ja fast alle Naturforscher der Gegenwart. Sie sind gleichgültig gegenüber dem geistigen Leben. Sie negieren es oder bringen in Gesetze, was sie mit den physischen Sinnen beobachten, was sich durch das Mikroskop oder Teleskop beobachten läßt; aber sie haben kein Interesse an dem, was jeder Blick, jeder wirkliche Blick in die Natur verrät: daß hinter den Naturerscheinungen und Naturtatsachen Geistiges waltet. Aber insbesondere ist diese Interesselosigkeit gegenüber dem Geiste heute vorhanden bei denen, die in den sozialen Fragen herumpfuschen und herumdoktern wollen. Und da liegt noch ein besonderer Grund vor.
[ 10 ] Da müssen wir, um von einem gewissen Gesichtspunkte aus über die Dinge zu sprechen, uns an das andere wenden. Was die Menschen gegenwärtig so sehr abhält, an das Geisteswissenschaftliche heranzudringen, das ist die Interesselosigkeit gegenüber dem geistigen Leben. Diese Interesselosigkeit gegenüber dem geistigen Leben haben ja fast alle Naturforscher der Gegenwart. Sie sind gleichgültig gegenüber dem geistigen Leben. Sie negieren es oder bringen in Gesetze, was sie mit den physischen Sinnen beobachten, was sich durch das Mikroskop oder Teleskop beobachten läßt; aber sie haben kein Interesse an dem, was jeder Blick, jeder wirkliche Blick in die Natur verrät: daß hinter den Naturerscheinungen und Naturtatsachen Geistiges waltet. Aber insbesondere ist diese Interesselosigkeit gegenüber dem Geiste heute vorhanden bei denen, die in den sozialen Fragen herumpfuschen und herumdoktern wollen. Und da liegt noch ein besonderer Grund vor.
[ 11 ] Aus mancherlei Dingen, die ich in der letzten Zeit besprochen habe, werden Sie entnehmen können, daß wir in einem ganz besonderen inneren Seelenleben sind, wenn wir als Mensch dem Menschen gegenüberstehen. Ich habe es radikal ausgedrückt, in welcher Seelenverfassung wir da sind, wenn wir als Mensch dem Menschen gegenüberstehen. Ich habe Ihnen gesagt: Eigentlich hat das einander Gegenüberstehen von Mensch zu Mensch auf uns immer etwas Einschläferndes. Wir schlafen mit Bezug auf die innersten Eigentümlichkeiten unseres Menschenwesens eigentlich ein durch die Gegenwart des andern Menschen. Daß wir durch unser äußeres Verhalten über dieses Einschlafen getäuscht werden, das ist nicht zu verwundern. Denn gewiß, wir sehen mit Augen den andern Menschen, wir reichen ihm sogar die Hand und betasten ihn, aber das hindert doch nicht, daß unser tieferes menschliches Wesen durch den andern Menschen eingeschläfert wird. So wie wir abends mit Bezug auf die äußere Natur einschlafen, so schläft etwas in uns ein durch die Gegenwart des andern Menschen. Aber wenn es einschläft, hört es deshalb nicht auf, wirksam zu sein. Und so finden immerfort Wirkungen von Mensch zu Mensch statt im sozialen Leben, über die die Menschen gerade dadurch, daß sie mit Menschen zusammen sind, kein klares Bewußtsein haben können. Gerade das Wichtigste im sozialen Leben entgeht den Menschen in bezug auf das gewöhnliche Bewußtsein, weil für dieses Wichtigste im sozialen Leben eigentlich gerade das Vorstellungsvermögen eingeschläfert wird und der Mensch instinktiv handelt. Kein Wunder, daß im sozialen Leben heute, wo im Bildvorstellen der Intellekt am leichtesten einzuschläfern ist, die wüstesten Instinkte walten und sogar als wüsteste Instinkte für ganz berechtigt erklärt werden, weil das klare Denken über diese Dinge einfach durch das Zusammensein von Mensch und Mensch eingeschläfert wird. Aber in dem Augenblicke, wo der Mensch in die geistige Welt eintritt, da wacht das auf, was eingeschläfert wird, da wird klar, was zwischen Mensch und Menschen waltet. Da können daher auch gefunden werden die Lösungen der sogenannten sozialen Fragen und sozialen Forderungen. Die können also nur gefunden werden, wie ich schon einmal hier sagte, jenseits der Schwelle des sinnlichen Bewußtseins. Und was die Menschheit wird haben wollen in der Zukunft von sogenannten Lösungen der sozialen Fragen, das wird, wenn es wahre Lösungen der sozialen Fragen sein sollen, nur gewonnen werden können auf dem Wege der Geisteswissenschaft, das heißt, der Wissenschaft vom Übersinnlichen, weil alles Zusammenleben der Menschen in seinen intimeren Unterlagen übersinnlicher Natur ist.
[ 11 ] Aus mancherlei Dingen, die ich in der letzten Zeit besprochen habe, werden Sie entnehmen können, daß wir in einem ganz besonderen inneren Seelenleben sind, wenn wir als Mensch dem Menschen gegenüberstehen. Ich habe es radikal ausgedrückt, in welcher Seelenverfassung wir da sind, wenn wir als Mensch dem Menschen gegenüberstehen. Ich habe Ihnen gesagt: Eigentlich hat das einander Gegenüberstehen von Mensch zu Mensch auf uns immer etwas Einschläferndes. Wir schlafen mit Bezug auf die innersten Eigentümlichkeiten unseres Menschenwesens eigentlich ein durch die Gegenwart des andern Menschen. Daß wir durch unser äußeres Verhalten über dieses Einschlafen getäuscht werden, das ist nicht zu verwundern. Denn gewiß, wir sehen mit Augen den andern Menschen, wir reichen ihm sogar die Hand und betasten ihn, aber das hindert doch nicht, daß unser tieferes menschliches Wesen durch den andern Menschen eingeschläfert wird. So wie wir abends mit Bezug auf die äußere Natur einschlafen, so schläft etwas in uns ein durch die Gegenwart des andern Menschen. Aber wenn es einschläft, hört es deshalb nicht auf, wirksam zu sein. Und so finden immerfort Wirkungen von Mensch zu Mensch statt im sozialen Leben, über die die Menschen gerade dadurch, daß sie mit Menschen zusammen sind, kein klares Bewußtsein haben können. Gerade das Wichtigste im sozialen Leben entgeht den Menschen in bezug auf das gewöhnliche Bewußtsein, weil für dieses Wichtigste im sozialen Leben eigentlich gerade das Vorstellungsvermögen eingeschläfert wird und der Mensch instinktiv handelt. Kein Wunder, daß im sozialen Leben heute, wo im Bildvorstellen der Intellekt am leichtesten einzuschläfern ist, die wüstesten Instinkte walten und sogar als wüsteste Instinkte für ganz berechtigt erklärt werden, weil das klare Denken über diese Dinge einfach durch das Zusammensein von Mensch und Mensch eingeschläfert wird. Aber in dem Augenblicke, wo der Mensch in die geistige Welt eintritt, da wacht das auf, was eingeschläfert wird, da wird klar, was zwischen Mensch und Menschen waltet. Da können daher auch gefunden werden die Lösungen der sogenannten sozialen Fragen und sozialen Forderungen. Die können also nur gefunden werden, wie ich schon einmal hier sagte, jenseits der Schwelle des sinnlichen Bewußtseins. Und was die Menschheit wird haben wollen in der Zukunft von sogenannten Lösungen der sozialen Fragen, das wird, wenn es wahre Lösungen der sozialen Fragen sein sollen, nur gewonnen werden können auf dem Wege der Geisteswissenschaft, das heißt, der Wissenschaft vom Übersinnlichen, weil alles Zusammenleben der Menschen in seinen intimeren Unterlagen übersinnlicher Natur ist.
[ 12 ] Wenn man aber diejenigen Dinge geistig erleben will, die sich auf Mensch und Menschheit beziehen, die sich auf die menschliche soziale Struktur beziehen, da muß man in sein ganzes Vorstellungsvermögen, in alles das, was man erlebt, etwas hineinbringen, wovon Sie gleich sehen werden, daß es heute im gewöhnlichen Bewußtsein kaum vorhanden ist. Es gibt nur eines hier in der physischen Welt an Empfindungen, an Gefühlen, welche gleich sind mit den Empfindungen und Gefühlen, die jemand haben muß, wenn er nicht wesenlos, sondern wesentlich die sozialen Gesetze, die sozialen Impulse erforschen will. Das gibt es nur eingeschränkt hier in der physischen Welt, und zwar dann, wenn ein vollständig gesundes, ein vollständig richtiges Verhältnis vorhanden ist zwischen Vater, Mutter und Kind, im Heranziehen von Vater, Mutter und Kind. In aller, was sonst erlebt werden kann im Umkreis der Welt zwischen Mensch und Mensch, gibt es das nicht zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein.
[ 12 ] Wenn man aber diejenigen Dinge geistig erleben will, die sich auf Mensch und Menschheit beziehen, die sich auf die menschliche soziale Struktur beziehen, da muß man in sein ganzes Vorstellungsvermögen, in alles das, was man erlebt, etwas hineinbringen, wovon Sie gleich sehen werden, daß es heute im gewöhnlichen Bewußtsein kaum vorhanden ist. Es gibt nur eines hier in der physischen Welt an Empfindungen, an Gefühlen, welche gleich sind mit den Empfindungen und Gefühlen, die jemand haben muß, wenn er nicht wesenlos, sondern wesentlich die sozialen Gesetze, die sozialen Impulse erforschen will. Das gibt es nur eingeschränkt hier in der physischen Welt, und zwar dann, wenn ein vollständig gesundes, ein vollständig richtiges Verhältnis vorhanden ist zwischen Vater, Mutter und Kind, im Heranziehen von Vater, Mutter und Kind. In aller, was sonst erlebt werden kann im Umkreis der Welt zwischen Mensch und Mensch, gibt es das nicht zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein.
[ 13 ] Nun versuchen Sie, diese Mutterliebe sich klarzumachen, jene Liebe, welche die Mutter entfaltet, wenn sie ein Kind unmittelbar geboren hat, diese ganz selbstverständlich aus der Natur quellende Mutterliebe zum Kinde — Sie können es schon in diesem Radikalismus tun —, und fragen Sie jetzt, ob in all den wissenschaftlichen Untersuchungen, welche Gelehrte gewöhnlich pflegen — auch solche Gelehrte, welche sozialwissenschaftliche Untersuchungen machen —, diese Mutterliebe waltet? Diese Mutterliebe muß man haben zu den Gedanken, die man über die soziale Struktur entfaltet, wenn diese Gedanken wesentlich sein sollen und nicht wesenlos. Es gibt im menschlichen Leben nichts anderes, was sozial richtig gedacht sein könnte, als dasjenige, welches mit Mutterliebe sozial gedacht ist.
[ 13 ] Nun versuchen Sie, diese Mutterliebe sich klarzumachen, jene Liebe, welche die Mutter entfaltet, wenn sie ein Kind unmittelbar geboren hat, diese ganz selbstverständlich aus der Natur quellende Mutterliebe zum Kinde — Sie können es schon in diesem Radikalismus tun —, und fragen Sie jetzt, ob in all den wissenschaftlichen Untersuchungen, welche Gelehrte gewöhnlich pflegen — auch solche Gelehrte, welche sozialwissenschaftliche Untersuchungen machen —, diese Mutterliebe waltet? Diese Mutterliebe muß man haben zu den Gedanken, die man über die soziale Struktur entfaltet, wenn diese Gedanken wesentlich sein sollen und nicht wesenlos. Es gibt im menschlichen Leben nichts anderes, was sozial richtig gedacht sein könnte, als dasjenige, welches mit Mutterliebe sozial gedacht ist.
[ 14 ] Und nun nehmen Sie die verschiedenen sozialen Reformatoren und sozialen Denker. Versuchen Sie zum Beispiel so etwas auf sich wirken zu lassen, wie die Schriften von Karl Marx, Schmoller oder Roscher, oder wen Sie wollen, und fragen Sie sich, ob diese, indem sie ihre sogenannten sozialpolitischen Gesetze ausdenken, in diesem Ausdenken der sozialpolitischen Gesetze dasselbe walten lassen, was sonst in der Mutterliebe zu dem Kinde lebt, wenn sich diese Mutterliebe gesund entfaltet? Aber auf das muß man hinweisen: Eine gesunde Lösung der sogenannten sozialen Frage ist nicht anders möglich, als wenn diese Lösung kommt von Denkern, welche — Sie werden verstehen, was ich meine, wenn ich mich jetzt so ausdrücke — Mutterliebe entfalten können beim Lösen ihrer Probleme. Es ist eine sehr menschliche Sache, von der die Lösung der sozialen Forderungen in der Gegenwart abhängt. Es ist nicht eine Sache des Scharfsinns oder der gewöhnlichen Klugheit oder des Gelehrtenglaubens, sondern es ist eine Sache der Erhöhung der Liebefähigkeit bis zu dem Grade, wie sich Mutterliebe entfaltet, oder wir können auch sagen, die unmittelbare, intime Liebe in dem Zusammenleben von Vater, Mutter und Kind.
[ 14 ] Und nun nehmen Sie die verschiedenen sozialen Reformatoren und sozialen Denker. Versuchen Sie zum Beispiel so etwas auf sich wirken zu lassen, wie die Schriften von Karl Marx, Schmoller oder Roscher, oder wen Sie wollen, und fragen Sie sich, ob diese, indem sie ihre sogenannten sozialpolitischen Gesetze ausdenken, in diesem Ausdenken der sozialpolitischen Gesetze dasselbe walten lassen, was sonst in der Mutterliebe zu dem Kinde lebt, wenn sich diese Mutterliebe gesund entfaltet? Aber auf das muß man hinweisen: Eine gesunde Lösung der sogenannten sozialen Frage ist nicht anders möglich, als wenn diese Lösung kommt von Denkern, welche — Sie werden verstehen, was ich meine, wenn ich mich jetzt so ausdrücke — Mutterliebe entfalten können beim Lösen ihrer Probleme. Es ist eine sehr menschliche Sache, von der die Lösung der sozialen Forderungen in der Gegenwart abhängt. Es ist nicht eine Sache des Scharfsinns oder der gewöhnlichen Klugheit oder des Gelehrtenglaubens, sondern es ist eine Sache der Erhöhung der Liebefähigkeit bis zu dem Grade, wie sich Mutterliebe entfaltet, oder wir können auch sagen, die unmittelbare, intime Liebe in dem Zusammenleben von Vater, Mutter und Kind.
[ 15 ] Nun werden Sie mit Recht einen Einwand machen. Sie werden sagen: Nun, auf der Erde ist die Sache schon einmal so eingerichtet, daß die soziale Struktur gewissermaßen zu ihrer engsten Kleinheit die Familie hat, und auf der Erde ist diese Familie als solche selbstverständlich voll berechtigt, und es kann doch nicht die ganze Menschheit eine Familie werden! — Das ist ein Einwand, der natürlich sofort kommen wird. Aber wenn man ausdenken soll soziale Gesetze mit Mutterliebe, so müßte eigentlich daraus folgen, daß die ganze Menschheit eine Familie wird. Das kann natürlich nicht sein. Nur derjenige, der sich Rechenschaft davon gibt, was ein wahrer Gedanke und kein scharlatanhaft abstrakter Gedanke ist, der wird sich gestehen müssen, daß natürlich so unmittelbar der Mensch sich nicht zu jedem Kinde so verhalten kann wie zu seinem Kinde, daß nicht jedes Kind sich zu jeder andern Frau, zu jedem andern Mann so verhalten kann, wie es sich zum Vater, zur Mutter verhält und so weiter. Also kann nicht die ganze Menschheit eine Familie werden. Das ist ganz richtig, aber eben weil das richtig ist, liegt eine andere Notwendigkeit vor. Wir können so, wie wir als physische Menschen hier auf der physischen Erde leben, ganz und gar nicht aus der ganzen Menschheit eine Familie gründen, und wer das wollte, der würde natürlich einen Unsinn wollen. Aber wir können es in anderem Sinne doch. Und in anderem Sinne muß es sogar geschehen. Zum physischen Menschen können wir nicht so stehen, wie Vater, Mutter und Kind stehen. Aber wenn in der Menschheit Platz greifen wird die Erkenntnis, daß in jedem Menschen ein Geistig-Seelisches lebt, daß in jedem Menschen durch die Augen herausleuchtet ein göttlich-geistiges Wesen, aus seinen Worten erklingt die Botschaft eines göttlich-geistigen Wesens, wenn mit andern Worten nicht mehr bloß in abstracto anerkannt wird, daß der Mensch eine unsterbliche Seele hat, sondern in unmittelbarer Empfindung im Gegenübertreten von Mensch zu Mensch es anerkannt wird: Schaue ich dem Menschen ins Auge, so leuchtet mir heraus eine Unendlichkeit, höre ich den Menschen sprechen, so spricht nicht bloß der physische Ton, sondern es erklingt das göttlich-geistige Wesen seiner Seele —, wird das unmittelbare Empfindung, so wie wir irgendeine Fläche blau oder rot empfinden, werden wir empfinden können, daß der Mensch, indem er sich äußert, göttlich-geistiger Natur ist, lernen wir nicht bloß glaubensgemäß anerkennen, daß der Mensch eine unsterbliche Seele hat, sondern nehmen wir diese unsterbliche Seele in der Äußerung des Menschen, unmittelbar wahr: dann ist der Moment eingetreten, wo wir zwar nicht in bezug auf den physischen Menschen, aber mit Bezug auf dasjenige, was der Mensch intim in seinem Inneren birgt als geistig-seelischer Mensch, uns so verhalten können, wie wenn die ganze Menschheit eine große Familie wäre. Denn zu dem Geistig-Seelischen eines jeden Menschen können wir in diese Beziehung treten. Das ist dasjenige, was aber allein möglich machen wird, all einzig, die Lösung der sogenannten sozialen Frage. Daher ist diese Lösung der sozialen Frage einfach gegeben in der Anerkennung der göttlich-geistigen Natur des Menschen, in der Anerkennung dessen, daß dasjenige, was vom Menschen hier als physischer Leib auf der Erde herumgeht, nur der äußere Ausdruck ist für etwas, was in jedem Menschen aus der Ewigkeit hereinleuchtet. Zu dem, was uns da im Menschen aus der Ewigkeit hereinleuchtet, können wir uns verhalten in demselben Sinne, wie wir uns im richtigen Verhältnis der engsten Familie verhalten. Das können wir, können wir in jeder Richtung. Wir können dann, wenn wir dies anerkennen, jene Menschenliebe aufbringen, die so groß ist wie die Familienliebe.
[ 15 ] Nun werden Sie mit Recht einen Einwand machen. Sie werden sagen: Nun, auf der Erde ist die Sache schon einmal so eingerichtet, daß die soziale Struktur gewissermaßen zu ihrer engsten Kleinheit die Familie hat, und auf der Erde ist diese Familie als solche selbstverständlich voll berechtigt, und es kann doch nicht die ganze Menschheit eine Familie werden! — Das ist ein Einwand, der natürlich sofort kommen wird. Aber wenn man ausdenken soll soziale Gesetze mit Mutterliebe, so müßte eigentlich daraus folgen, daß die ganze Menschheit eine Familie wird. Das kann natürlich nicht sein. Nur derjenige, der sich Rechenschaft davon gibt, was ein wahrer Gedanke und kein scharlatanhaft abstrakter Gedanke ist, der wird sich gestehen müssen, daß natürlich so unmittelbar der Mensch sich nicht zu jedem Kinde so verhalten kann wie zu seinem Kinde, daß nicht jedes Kind sich zu jeder andern Frau, zu jedem andern Mann so verhalten kann, wie es sich zum Vater, zur Mutter verhält und so weiter. Also kann nicht die ganze Menschheit eine Familie werden. Das ist ganz richtig, aber eben weil das richtig ist, liegt eine andere Notwendigkeit vor. Wir können so, wie wir als physische Menschen hier auf der physischen Erde leben, ganz und gar nicht aus der ganzen Menschheit eine Familie gründen, und wer das wollte, der würde natürlich einen Unsinn wollen. Aber wir können es in anderem Sinne doch. Und in anderem Sinne muß es sogar geschehen. Zum physischen Menschen können wir nicht so stehen, wie Vater, Mutter und Kind stehen. Aber wenn in der Menschheit Platz greifen wird die Erkenntnis, daß in jedem Menschen ein Geistig-Seelisches lebt, daß in jedem Menschen durch die Augen herausleuchtet ein göttlich-geistiges Wesen, aus seinen Worten erklingt die Botschaft eines göttlich-geistigen Wesens, wenn mit andern Worten nicht mehr bloß in abstracto anerkannt wird, daß der Mensch eine unsterbliche Seele hat, sondern in unmittelbarer Empfindung im Gegenübertreten von Mensch zu Mensch es anerkannt wird: Schaue ich dem Menschen ins Auge, so leuchtet mir heraus eine Unendlichkeit, höre ich den Menschen sprechen, so spricht nicht bloß der physische Ton, sondern es erklingt das göttlich-geistige Wesen seiner Seele —, wird das unmittelbare Empfindung, so wie wir irgendeine Fläche blau oder rot empfinden, werden wir empfinden können, daß der Mensch, indem er sich äußert, göttlich-geistiger Natur ist, lernen wir nicht bloß glaubensgemäß anerkennen, daß der Mensch eine unsterbliche Seele hat, sondern nehmen wir diese unsterbliche Seele in der Äußerung des Menschen, unmittelbar wahr: dann ist der Moment eingetreten, wo wir zwar nicht in bezug auf den physischen Menschen, aber mit Bezug auf dasjenige, was der Mensch intim in seinem Inneren birgt als geistig-seelischer Mensch, uns so verhalten können, wie wenn die ganze Menschheit eine große Familie wäre. Denn zu dem Geistig-Seelischen eines jeden Menschen können wir in diese Beziehung treten. Das ist dasjenige, was aber allein möglich machen wird, all einzig, die Lösung der sogenannten sozialen Frage. Daher ist diese Lösung der sozialen Frage einfach gegeben in der Anerkennung der göttlich-geistigen Natur des Menschen, in der Anerkennung dessen, daß dasjenige, was vom Menschen hier als physischer Leib auf der Erde herumgeht, nur der äußere Ausdruck ist für etwas, was in jedem Menschen aus der Ewigkeit hereinleuchtet. Zu dem, was uns da im Menschen aus der Ewigkeit hereinleuchtet, können wir uns verhalten in demselben Sinne, wie wir uns im richtigen Verhältnis der engsten Familie verhalten. Das können wir, können wir in jeder Richtung. Wir können dann, wenn wir dies anerkennen, jene Menschenliebe aufbringen, die so groß ist wie die Familienliebe.
[ 16 ] Der Einwand gilt ja selbstverständlich nicht, und es wäre auch sehr oberflächlich, wenn man die Dinge so betrachtete: Ja, aber es gibt doch auch schlechte Menschen! — Meine lieben Freunde, es gibt auch schlechte Kinder, die wir eben strafen müssen; aber wir bestrafen sie mit Liebe! In dem Augenblicke, wo wir in den Menschen hereinleuchten sehen das Göttlich-Geistige, werden wit, wo es notwendig ist, bestrafen, aber wir werden mit Liebe bestrafen. Wir werden vor allen Dingen eines lernen, was wir nur, ich möchte sagen, instinktiv üben, wenn wir familienhaft einem andern Menschen gegenüberstehen: Wenn wir familienhaft einem andern Menschen gegenüberstehen, dann strafen wir, aber wir hassen nicht den Menschen. Wir hassen nicht den Menschen, der unser Sohn ist, auch wenn wir ihn strafen, aber wir hassen das Laster, das er hat. Den Menschen lieben wir; seine Untaten und seine Ungezogenheit, die hassen wir, da wissen wir zu trennen zwischen dem Menschen und etwas, was ihn angefallen hat. Wenn die Menschen einmal jenen großen, gewaltigen Unterschied verstehen werden, der da besteht zwischen Menschenliebe und Haß auf die Untaten, die den Menschen anfallen, dann wird ein richtiges Verhältnis von Mensch zu Mensch sich einstellen. Wir haben, wenn wir unserer innersten menschlichen Natur folgen, niemals die Möglichkeit, einen Menschen zu hassen. Wir haben selbstverständlich viele Veranlassung, menschliche Verbrechen, Untaten, menschliche Charakterschwäche, menschliche Charakterlosigkeit zu hassen. Der große Irrtum, den wir im sozialen Verhalten begehen, besteht dann in der Regel darin, daß wir dasjenige, was wir der Untat und dem Verbrechen entgegenbringen sollen, auf den Menschen übertragen. Wir tun es heute instinktiv, müssen uns aber dessen bewußt sein, daß die neuere Entwickelung der Menschheit in der Linie liegt, zu trennen zwischen dem Haß gegenüber der Untat, und der Liebe, die man zu dem Menschen trotzdem empfindet.
[ 16 ] Der Einwand gilt ja selbstverständlich nicht, und es wäre auch sehr oberflächlich, wenn man die Dinge so betrachtete: Ja, aber es gibt doch auch schlechte Menschen! — Meine lieben Freunde, es gibt auch schlechte Kinder, die wir eben strafen müssen; aber wir bestrafen sie mit Liebe! In dem Augenblicke, wo wir in den Menschen hereinleuchten sehen das Göttlich-Geistige, werden wit, wo es notwendig ist, bestrafen, aber wir werden mit Liebe bestrafen. Wir werden vor allen Dingen eines lernen, was wir nur, ich möchte sagen, instinktiv üben, wenn wir familienhaft einem andern Menschen gegenüberstehen: Wenn wir familienhaft einem andern Menschen gegenüberstehen, dann strafen wir, aber wir hassen nicht den Menschen. Wir hassen nicht den Menschen, der unser Sohn ist, auch wenn wir ihn strafen, aber wir hassen das Laster, das er hat. Den Menschen lieben wir; seine Untaten und seine Ungezogenheit, die hassen wir, da wissen wir zu trennen zwischen dem Menschen und etwas, was ihn angefallen hat. Wenn die Menschen einmal jenen großen, gewaltigen Unterschied verstehen werden, der da besteht zwischen Menschenliebe und Haß auf die Untaten, die den Menschen anfallen, dann wird ein richtiges Verhältnis von Mensch zu Mensch sich einstellen. Wir haben, wenn wir unserer innersten menschlichen Natur folgen, niemals die Möglichkeit, einen Menschen zu hassen. Wir haben selbstverständlich viele Veranlassung, menschliche Verbrechen, Untaten, menschliche Charakterschwäche, menschliche Charakterlosigkeit zu hassen. Der große Irrtum, den wir im sozialen Verhalten begehen, besteht dann in der Regel darin, daß wir dasjenige, was wir der Untat und dem Verbrechen entgegenbringen sollen, auf den Menschen übertragen. Wir tun es heute instinktiv, müssen uns aber dessen bewußt sein, daß die neuere Entwickelung der Menschheit in der Linie liegt, zu trennen zwischen dem Haß gegenüber der Untat, und der Liebe, die man zu dem Menschen trotzdem empfindet.
[ 17 ] Mit der Anerkennung solcher Wahrheiten würde mehr getan sein für die Lösung der heute brennenden sozialen Forderungen als mit manchem andern, was heute als sozialistische Pfuscherei oder sozialistischer Doktrinarismus durch die Welt geht. Es ist gegenüber dem Materialismus, der überall das derb Materielle braucht, schwierig, von solchen Dingen wirkungsvoll zu sprechen, aus dem einfachen Grunde, weil die Menschen heute — was schädlicher ist als die materialistischen Theorien — in ihren Instinkten vielfach materialistisch sind. Das Verbrechen, die Charakterlosigkeit, die kann man nicht sehen, die sind nicht materiell vorhanden; weil man aber das Materielle hassen will, hält man sich an den materiellen Menschen mit seinem Haß. Daraus entstehen unzählige Mißverständnisse.
[ 17 ] Mit der Anerkennung solcher Wahrheiten würde mehr getan sein für die Lösung der heute brennenden sozialen Forderungen als mit manchem andern, was heute als sozialistische Pfuscherei oder sozialistischer Doktrinarismus durch die Welt geht. Es ist gegenüber dem Materialismus, der überall das derb Materielle braucht, schwierig, von solchen Dingen wirkungsvoll zu sprechen, aus dem einfachen Grunde, weil die Menschen heute — was schädlicher ist als die materialistischen Theorien — in ihren Instinkten vielfach materialistisch sind. Das Verbrechen, die Charakterlosigkeit, die kann man nicht sehen, die sind nicht materiell vorhanden; weil man aber das Materielle hassen will, hält man sich an den materiellen Menschen mit seinem Haß. Daraus entstehen unzählige Mißverständnisse.
[ 18 ] Was auch als ein schlimmes Mißverständnis daraus entsteht, ist, daß man manchmal aus irgendwelchen mißverstandenen Empfindungen und Gefühlen heraus auch nach der andern Richtung den Menschen mit dem verwechselt, was er tut. Man wird lässig in der Beurteilung desjenigen, was die Menschen tun, indem man sagt: Ach, wir wollen doch dem Menschen nicht weh tun; Menschenliebe zwingt mich, da oder dort ein Auge zuzudrücken. — Geschieht die Beurteilung der Sache nur so, daß man das Auge richtet auf dasjenige, was als Untat getan wird, und nicht den Menschen in seinem innersten Seelenleben mit der Untat verwechselt, dann wird schon das richtige Urteil erfließen. Bequemer ist es auf der einen Seite, wenn man ohnedies jemanden nicht mag, gegen ihn, wie man oftmals sagt, gerecht zu sein; bequem ist es aber auch, Fehler, durch die ein Mensch schädlich wirken kann in der äußeren Welt, zu entschuldigen, weil einem das so paßt. Im Gesamtzusammenhang der Menschheit kommt ungeheuer vieles darauf an, daß wir trennen können dasjenige, worauf wirklich unsere Antipathie gehen darf, und dasjenige, was der Mensch als solcher unmittelbar ist.
[ 18 ] Was auch als ein schlimmes Mißverständnis daraus entsteht, ist, daß man manchmal aus irgendwelchen mißverstandenen Empfindungen und Gefühlen heraus auch nach der andern Richtung den Menschen mit dem verwechselt, was er tut. Man wird lässig in der Beurteilung desjenigen, was die Menschen tun, indem man sagt: Ach, wir wollen doch dem Menschen nicht weh tun; Menschenliebe zwingt mich, da oder dort ein Auge zuzudrücken. — Geschieht die Beurteilung der Sache nur so, daß man das Auge richtet auf dasjenige, was als Untat getan wird, und nicht den Menschen in seinem innersten Seelenleben mit der Untat verwechselt, dann wird schon das richtige Urteil erfließen. Bequemer ist es auf der einen Seite, wenn man ohnedies jemanden nicht mag, gegen ihn, wie man oftmals sagt, gerecht zu sein; bequem ist es aber auch, Fehler, durch die ein Mensch schädlich wirken kann in der äußeren Welt, zu entschuldigen, weil einem das so paßt. Im Gesamtzusammenhang der Menschheit kommt ungeheuer vieles darauf an, daß wir trennen können dasjenige, worauf wirklich unsere Antipathie gehen darf, und dasjenige, was der Mensch als solcher unmittelbar ist.
[ 19 ] Ich habe oft betont: Nicht eine Kritik der Kultur und Zeitverhältnisse soll das sein, was in solchen Zusammenhängen von diesem Orte aus ausgesprochen wird, sondern eine einfache Charakteristik. Daher werden Sie es auch verstehen, wenn ich sage: Die sogenannte abendländische zivilisierte Menschheit, die Menschheit Europas mit ihrem amerikanischen Anhang, die mußte eine Zeitlang durchgehen durch dieses Stadium, nicht nur die Dinge naturwissenschaftlich materialistisch zu nehmen, sondern auch. das Leben materialistisch zu nehmen, indem man die Menschen verwechselt mit ihren Taten in dem angedeuteten Sinne. Das lag in der Erziehung: damit sich die andern Eigenschaften richtig entwickeln können, mußten die Menschen durchgehen durch das Stadium des Materialismus auch auf diesem Gebiete. Aber Menschen, die zurückgeblieben sind auf früheren Kulturstufen, die haben Mannigfaltiges sich bewahrt von früheren Kulturstufen, in denen es noch atavistisches Hellsehen gab. Und atavistisches Hellsehen hat dann im Gefolge ganz bestimmte Empfindungsrichtungen und Seelenverfassungen. Wir Europäer können erst gewachsen werden dem, was von gewissen Seiten auf uns anstürmt, wenn wir dies bedenken, was heute ausgeführt worden ist. Denn vergessen wir zum Beispiel folgendes nicht: Denker, die als sehr erleuchtet angesehen werden, wie zum Beispiel Immanuel Kant, sprechen — und das ist ja nur aus gewissen Untergründen nicht des Christentums, sondern des Kirchentums heraus — von dem radikal Bösen in der menschlichen Natur. Und wie verbreitet ist dieser Irrtum — wir können es schon so nennen-, daß die menschliche Natur eigentlich in ihrem Inneren böse ist! In der zivilisierten Welt Europas und ihrem amerikanischen Anhang sagt man: Wenn die menschliche Natur nicht gebändigt wird, so ist sie böse. — Das ist eigentlich eine europäische Ansicht, das ist eine Ansicht des europäischen Kirchentums.
[ 19 ] Ich habe oft betont: Nicht eine Kritik der Kultur und Zeitverhältnisse soll das sein, was in solchen Zusammenhängen von diesem Orte aus ausgesprochen wird, sondern eine einfache Charakteristik. Daher werden Sie es auch verstehen, wenn ich sage: Die sogenannte abendländische zivilisierte Menschheit, die Menschheit Europas mit ihrem amerikanischen Anhang, die mußte eine Zeitlang durchgehen durch dieses Stadium, nicht nur die Dinge naturwissenschaftlich materialistisch zu nehmen, sondern auch. das Leben materialistisch zu nehmen, indem man die Menschen verwechselt mit ihren Taten in dem angedeuteten Sinne. Das lag in der Erziehung: damit sich die andern Eigenschaften richtig entwickeln können, mußten die Menschen durchgehen durch das Stadium des Materialismus auch auf diesem Gebiete. Aber Menschen, die zurückgeblieben sind auf früheren Kulturstufen, die haben Mannigfaltiges sich bewahrt von früheren Kulturstufen, in denen es noch atavistisches Hellsehen gab. Und atavistisches Hellsehen hat dann im Gefolge ganz bestimmte Empfindungsrichtungen und Seelenverfassungen. Wir Europäer können erst gewachsen werden dem, was von gewissen Seiten auf uns anstürmt, wenn wir dies bedenken, was heute ausgeführt worden ist. Denn vergessen wir zum Beispiel folgendes nicht: Denker, die als sehr erleuchtet angesehen werden, wie zum Beispiel Immanuel Kant, sprechen — und das ist ja nur aus gewissen Untergründen nicht des Christentums, sondern des Kirchentums heraus — von dem radikal Bösen in der menschlichen Natur. Und wie verbreitet ist dieser Irrtum — wir können es schon so nennen-, daß die menschliche Natur eigentlich in ihrem Inneren böse ist! In der zivilisierten Welt Europas und ihrem amerikanischen Anhang sagt man: Wenn die menschliche Natur nicht gebändigt wird, so ist sie böse. — Das ist eigentlich eine europäische Ansicht, das ist eine Ansicht des europäischen Kirchentums.
[ 20 ] Es gibt eine Menschheit, die hat diese Ansicht nicht, die hat sich aus früheren Zeiten eine andere Ansicht bewahrt. Das ist zum Beispiel die chinesische Menschheit. In der chinesischen Weltanschauung als solcher herrscht der Satz, herrscht das Prinzip: Der Mensch ist von Natur aus gut! — Es ist ein gewaltiger Unterschied, der eine viel gröBere Rolle spielt, als man meint, in jenem Konflikte der Menschheit, der sich ausbilden wird. Freilich, wenn man heute von diesen Dingen redet, glauben einem die Leute das ebensowenig, wie wenn man im Jahre 1900 von dem Krieg gesprochen hätte, in dem wir jetzt drinnenstehen. Aber wahr ist es deshalb doch, daß ein Konflikt sich vorbereitet auch zwischen der asiatischen und der europäischen Menschheit. Und da werden noch ganz andere Dinge eine Rolle spielen, als sie gespielt haben, oder noch spielen und weiter spielen werden in dem katastrophalen Konflikt, in dem wir drinnenstehen.
[ 20 ] Es gibt eine Menschheit, die hat diese Ansicht nicht, die hat sich aus früheren Zeiten eine andere Ansicht bewahrt. Das ist zum Beispiel die chinesische Menschheit. In der chinesischen Weltanschauung als solcher herrscht der Satz, herrscht das Prinzip: Der Mensch ist von Natur aus gut! — Es ist ein gewaltiger Unterschied, der eine viel gröBere Rolle spielt, als man meint, in jenem Konflikte der Menschheit, der sich ausbilden wird. Freilich, wenn man heute von diesen Dingen redet, glauben einem die Leute das ebensowenig, wie wenn man im Jahre 1900 von dem Krieg gesprochen hätte, in dem wir jetzt drinnenstehen. Aber wahr ist es deshalb doch, daß ein Konflikt sich vorbereitet auch zwischen der asiatischen und der europäischen Menschheit. Und da werden noch ganz andere Dinge eine Rolle spielen, als sie gespielt haben, oder noch spielen und weiter spielen werden in dem katastrophalen Konflikt, in dem wir drinnenstehen.
[ 21 ] Das ist schon in der ganzen Empfindungsweise ein großer Unterschied, ob man wie der Chinese davon überzeugt ist: Der Mensch ist von Natur aus gut — oder wie der Europäer: Der Mensch ist von Natur aus mit dem radikal Bösen behaftet —, das ist schon ein großer Unterschied, ob ein Mensch so oder so denkt, vom völkermäßigen Weltanschauungsstandpunkte aus. Daß der eine Mensch so und der andere so denkt, das äußert sich in dem ganzen Lebenstemperament, in der ganzen Lebensseelenverfassung. Die Menschen bleiben ja zumeist an den Äußerlichkeiten der Lebenskonflikte hängen; was in den innersten Naturen zugrunde liegt, darauf nehmen sie gewöhnlich doch wenig Rücksicht.
[ 21 ] Das ist schon in der ganzen Empfindungsweise ein großer Unterschied, ob man wie der Chinese davon überzeugt ist: Der Mensch ist von Natur aus gut — oder wie der Europäer: Der Mensch ist von Natur aus mit dem radikal Bösen behaftet —, das ist schon ein großer Unterschied, ob ein Mensch so oder so denkt, vom völkermäßigen Weltanschauungsstandpunkte aus. Daß der eine Mensch so und der andere so denkt, das äußert sich in dem ganzen Lebenstemperament, in der ganzen Lebensseelenverfassung. Die Menschen bleiben ja zumeist an den Äußerlichkeiten der Lebenskonflikte hängen; was in den innersten Naturen zugrunde liegt, darauf nehmen sie gewöhnlich doch wenig Rücksicht.
[ 22 ] Ich will nur eines erwähnen. Sehen Sie, dieser Umstand, daß der europäische Mensch, wenn er es sich auch gewöhnlich nicht gesteht, im Grunde genommen immer überzeugt ist, daß der Mensch eigentlich schlecht ist und daß er erst brav werden muß durch Erziehung und durch Bändigung, Staats- oder sonstige Bändigung, diese Tatsache hängt historisch-notwendig innig zusammen mit etwas anderem: sie hängt damit zusammen — nicht die Tatsache selbst, aber die Empfindungsqualitäten, die ihr zugrunde liegen —, daß der europäische Mensch ein gewisses Leben in der Seele ausgebildet hat in der Form, die man mit Logik und Wissenschaft bezeichnet. Daher werden Sie es begreiflich finden, daß wirkliche Kenner des Chinesischen, das heißt nicht europäische Kenner, sondern Chinesen selber, Kenner des Chinesischen, die auch Europa kennengelernt haben, wie zum Beispiel der Ihnen hier öfter erwähnte Ku Flung-Ming, daß die betonen, es gäbe in der chinesischen Sprache keine Gegenworte für Logik und Wissenschaft. Was wir europäische Wissenschaft nennen, was wir europäische Logik nennen, dafür hat also der Chinese überhaupt kein Wort, weil er die Sache nicht hat, weil dasjenige, wovon die Europäer glauben, daß es chinesische Wissenschaft ist, etwas ganz anderes ist, als was wir Wissenschaft nennen, und was wir Logik nennen, etwas ganz anderes, als wovon wir Europäer glauben, es sei Logik in der Seele der Chinesen. So verschieden sind die Menschen auf der Erde! Darauf muß man den Blick richten. Ohne daß man den Blick darauf richtet, ist ein fruchtbares Reden über das soziale Problem ja nicht möglich. Wenn man aber auf solches den Blick richtet, dann erweitert sich der geistige Horizont. Und diese Erweiterung des geistigen Horizontes, die ist es namentlich, welche für das gesunde Verständnis von Geisteswissenschaft notwendig ist.
[ 22 ] Ich will nur eines erwähnen. Sehen Sie, dieser Umstand, daß der europäische Mensch, wenn er es sich auch gewöhnlich nicht gesteht, im Grunde genommen immer überzeugt ist, daß der Mensch eigentlich schlecht ist und daß er erst brav werden muß durch Erziehung und durch Bändigung, Staats- oder sonstige Bändigung, diese Tatsache hängt historisch-notwendig innig zusammen mit etwas anderem: sie hängt damit zusammen — nicht die Tatsache selbst, aber die Empfindungsqualitäten, die ihr zugrunde liegen —, daß der europäische Mensch ein gewisses Leben in der Seele ausgebildet hat in der Form, die man mit Logik und Wissenschaft bezeichnet. Daher werden Sie es begreiflich finden, daß wirkliche Kenner des Chinesischen, das heißt nicht europäische Kenner, sondern Chinesen selber, Kenner des Chinesischen, die auch Europa kennengelernt haben, wie zum Beispiel der Ihnen hier öfter erwähnte Ku Flung-Ming, daß die betonen, es gäbe in der chinesischen Sprache keine Gegenworte für Logik und Wissenschaft. Was wir europäische Wissenschaft nennen, was wir europäische Logik nennen, dafür hat also der Chinese überhaupt kein Wort, weil er die Sache nicht hat, weil dasjenige, wovon die Europäer glauben, daß es chinesische Wissenschaft ist, etwas ganz anderes ist, als was wir Wissenschaft nennen, und was wir Logik nennen, etwas ganz anderes, als wovon wir Europäer glauben, es sei Logik in der Seele der Chinesen. So verschieden sind die Menschen auf der Erde! Darauf muß man den Blick richten. Ohne daß man den Blick darauf richtet, ist ein fruchtbares Reden über das soziale Problem ja nicht möglich. Wenn man aber auf solches den Blick richtet, dann erweitert sich der geistige Horizont. Und diese Erweiterung des geistigen Horizontes, die ist es namentlich, welche für das gesunde Verständnis von Geisteswissenschaft notwendig ist.
[ 23 ] Und wenn man nach den mancherlei Dingen frägt — wir haben ja heute schon zwei Dinge berührt, können noch ein drittes berühren —, wenn man frägt, warum die Menschen sich gewohnheitsmäßig heute noch so fernhalten von den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, so ist unter anderem auch der Grund vorliegend, daß die Horizonte, der geistige Horizont der gegenwärtigen Menschheit ein sehr enger ist. Wie sich der Mensch auch hervortut, groß tut mit seinem geistigen Horizont in der Gegenwart, der geistige Horizont der gegenwärtigen Menschen ist ein sehr enger. Er zeigt sich in seiner Enge namentlich dadurch, daß der Mensch in der Regel es in der Gegenwart außerordentlich schwierig hat, mit Bezug auf gewisse Dinge aus sich selber herauszugehen. Und das beeinflußt nicht nur sein Verständnis, das beeinflußt auch sein ganzes Sympathie- und Antipathieleben.
[ 23 ] Und wenn man nach den mancherlei Dingen frägt — wir haben ja heute schon zwei Dinge berührt, können noch ein drittes berühren —, wenn man frägt, warum die Menschen sich gewohnheitsmäßig heute noch so fernhalten von den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, so ist unter anderem auch der Grund vorliegend, daß die Horizonte, der geistige Horizont der gegenwärtigen Menschheit ein sehr enger ist. Wie sich der Mensch auch hervortut, groß tut mit seinem geistigen Horizont in der Gegenwart, der geistige Horizont der gegenwärtigen Menschen ist ein sehr enger. Er zeigt sich in seiner Enge namentlich dadurch, daß der Mensch in der Regel es in der Gegenwart außerordentlich schwierig hat, mit Bezug auf gewisse Dinge aus sich selber herauszugehen. Und das beeinflußt nicht nur sein Verständnis, das beeinflußt auch sein ganzes Sympathie- und Antipathieleben.
[ 24 ] Ich möchte Ihnen eine Tatsache, die einer ganzen Anzahl von Ihnen ja als Tatsache bekannt ist — das heißt, die Wirkung dieser Tatsache ist einer ganzen Anzahl von Ihnen bekannt —, die ich schon einmal erwähnt habe, noch einmal erwähnen. Sie wissen, daß ein gewisses Verhältnis bestanden hat vor Jahren zwischen der sogenannten Theosophischen Gesellschaft und denjenigen Menschen, die heute die Anthroposophische Gesellschaft bilden. Nun habe ich gerade von hervorragenden Mitgliedern der 'Theosophischen Gesellschaft Merk würdiges erlebt. Ich habe ja schon im Anfange dieses Jahrhunderts, wie Sie wissen, Mitteilungen aus der sogenannten Akasha-Chronik veröffentlicht, Mitteilungen, von denen ich sagen darf, ebenso wie von allem übrigen, das ich aus der geistigen Welt mitteile, daß es auf persönlicher Erfahrung beruht. Als diese Mitteilungen gelesen wurden von einem hervorragenden Mitgliede der Theosophischen Gesellschaft, konnte man gar nicht verstehen, daß es so etwas gibt. Man fragte mich: Wie kommen diese Mitteilungen zustande? — Und es war gar nicht möglich, sich überhaupt zu verständigen, weil die wirklich der heutigen Zeit angemessene Methode geisteswissenschaftlicher Forschung in jenem Kreise überhaupt ganz unbekannt war. Da forschte man auf mehr mediale Weise. Man wollte eigentlich im Grunde das Medium oder die mediumähnliche Person genannt haben, durch welche diese Akasha-Chronik-Mitteilungen zustande gekommen sind. Daß sie wirklich durch eine gewisse, ins Übersinnliche hineinragende menschliche Seelenverfassung in unmittelbarer Beobachtung sich ergeben, das hielt man für unmöglich. In solchen Dingen spricht sich menschliche Engherzigkeit aus. Man hält, selbst auf einem so wichtigen Gebiete, nur das für möglich, was einem geläufig ist, was einem nahe liegt.
[ 24 ] Ich möchte Ihnen eine Tatsache, die einer ganzen Anzahl von Ihnen ja als Tatsache bekannt ist — das heißt, die Wirkung dieser Tatsache ist einer ganzen Anzahl von Ihnen bekannt —, die ich schon einmal erwähnt habe, noch einmal erwähnen. Sie wissen, daß ein gewisses Verhältnis bestanden hat vor Jahren zwischen der sogenannten Theosophischen Gesellschaft und denjenigen Menschen, die heute die Anthroposophische Gesellschaft bilden. Nun habe ich gerade von hervorragenden Mitgliedern der 'Theosophischen Gesellschaft Merk würdiges erlebt. Ich habe ja schon im Anfange dieses Jahrhunderts, wie Sie wissen, Mitteilungen aus der sogenannten Akasha-Chronik veröffentlicht, Mitteilungen, von denen ich sagen darf, ebenso wie von allem übrigen, das ich aus der geistigen Welt mitteile, daß es auf persönlicher Erfahrung beruht. Als diese Mitteilungen gelesen wurden von einem hervorragenden Mitgliede der Theosophischen Gesellschaft, konnte man gar nicht verstehen, daß es so etwas gibt. Man fragte mich: Wie kommen diese Mitteilungen zustande? — Und es war gar nicht möglich, sich überhaupt zu verständigen, weil die wirklich der heutigen Zeit angemessene Methode geisteswissenschaftlicher Forschung in jenem Kreise überhaupt ganz unbekannt war. Da forschte man auf mehr mediale Weise. Man wollte eigentlich im Grunde das Medium oder die mediumähnliche Person genannt haben, durch welche diese Akasha-Chronik-Mitteilungen zustande gekommen sind. Daß sie wirklich durch eine gewisse, ins Übersinnliche hineinragende menschliche Seelenverfassung in unmittelbarer Beobachtung sich ergeben, das hielt man für unmöglich. In solchen Dingen spricht sich menschliche Engherzigkeit aus. Man hält, selbst auf einem so wichtigen Gebiete, nur das für möglich, was einem geläufig ist, was einem nahe liegt.
[ 25 ] Nun, ich habe gerade ‚dieses Beispiel angeführt, weil man ja gar nicht in die Geisteswissenschaft eindringen kann, wenn man engherzig ist. Aber im gewöhnlichen Leben ist diese Engherzigkeit heute das übliche: alles immer auf den persönlichen, gerade gewohnten Standpunkt zurückzubeziehen. Das ist es, was jene bedenken müßten vor allen Dingen, die sich gerade zu unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung bekennen. Ich werde jetzt etwas sagen, was ja, wenn man die Dinge nur innerlich systematisch sagen würde, vielleicht nicht so gesagt zu werden brauchte, was aber im äußeren Lebenszusammenhange zu sagen schon notwendig ist. Diejenigen, die sich genauer um unsere Bewegung bekümmern, wissen ja, wie sehr die Quellen dieser Bewegung angegriffen werden, angefeindet werden, gehaßt werden von manchen, die vorerst gute Anhänger waren. Ich habe schon das letzte Mal von verschiedenen Gesichtspunkten über diese Dinge gesprochen. Nun, es ist nicht überflüssig, sich die Gründe solcher Gegnerschaften von gewissen Seiten klarzumachen. Über die Gründe solcher Gegnerschaften da oder dort habe ich ja das letzte Mal gesprochen. Aber besonders intensiv werden solche Gegnerschaften sehr häufig dann, wenn sie auftreten bei Leuten, welche diesen oder jenen, sagen wir okkulten Gesellschaften angehören. Der Haß mancher der oder jener Gesellschaft Angehörigen, der sich entwickelt gegenüber dem, was hier als Geisteswissenschaft vertreten wird, der ist manchmal ein wirklich stark hervorstechender, und er nimmt manchmal groteske Formen an, und es ist nicht unnötig, diese Dinge ins Auge zu fassen, denn wir sollen alles ins Auge fassen, was uns gerade dazu bringen kann, mit völligem Ernste dieser Bewegung anzugehören. Es ist ja wahr, mit nichts wird in der Welt mehr Scharlatanerie getrieben als mit der Vertretung von geistigen Angelegenheiten durch allerlei Gesellschaften. Daher ist es so leicht, dasjenige zu verdächtigen, was als geisteswissenschaftliche Bewegung auftritt, weil ja wirklich so viel Scharlatanerie in der Welt getrieben wird. Derjenige, der es dann will, kann leicht Zustimmung finden, wenn er sagt: Ja, da ist einmal eine Gesellschaft aufgetreten, die hat behauptet, daß sie die Weisheit aller Welt vertreibt; es hat sich nachher als Scharlatanerie enthüllt. Und dann ist dort eine andere aufgetreten: wieder hat es sich als Scharlatanerie enthüllt! — Das muß zugegeben werden, solche Scharlatanerien gibt es unendlich viel in der Welt. Da muß man schon Unterscheidungsvermögen haben, um das Wahre von dem Scharlatanhaften zu unterscheiden.
[ 25 ] Nun, ich habe gerade ‚dieses Beispiel angeführt, weil man ja gar nicht in die Geisteswissenschaft eindringen kann, wenn man engherzig ist. Aber im gewöhnlichen Leben ist diese Engherzigkeit heute das übliche: alles immer auf den persönlichen, gerade gewohnten Standpunkt zurückzubeziehen. Das ist es, was jene bedenken müßten vor allen Dingen, die sich gerade zu unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung bekennen. Ich werde jetzt etwas sagen, was ja, wenn man die Dinge nur innerlich systematisch sagen würde, vielleicht nicht so gesagt zu werden brauchte, was aber im äußeren Lebenszusammenhange zu sagen schon notwendig ist. Diejenigen, die sich genauer um unsere Bewegung bekümmern, wissen ja, wie sehr die Quellen dieser Bewegung angegriffen werden, angefeindet werden, gehaßt werden von manchen, die vorerst gute Anhänger waren. Ich habe schon das letzte Mal von verschiedenen Gesichtspunkten über diese Dinge gesprochen. Nun, es ist nicht überflüssig, sich die Gründe solcher Gegnerschaften von gewissen Seiten klarzumachen. Über die Gründe solcher Gegnerschaften da oder dort habe ich ja das letzte Mal gesprochen. Aber besonders intensiv werden solche Gegnerschaften sehr häufig dann, wenn sie auftreten bei Leuten, welche diesen oder jenen, sagen wir okkulten Gesellschaften angehören. Der Haß mancher der oder jener Gesellschaft Angehörigen, der sich entwickelt gegenüber dem, was hier als Geisteswissenschaft vertreten wird, der ist manchmal ein wirklich stark hervorstechender, und er nimmt manchmal groteske Formen an, und es ist nicht unnötig, diese Dinge ins Auge zu fassen, denn wir sollen alles ins Auge fassen, was uns gerade dazu bringen kann, mit völligem Ernste dieser Bewegung anzugehören. Es ist ja wahr, mit nichts wird in der Welt mehr Scharlatanerie getrieben als mit der Vertretung von geistigen Angelegenheiten durch allerlei Gesellschaften. Daher ist es so leicht, dasjenige zu verdächtigen, was als geisteswissenschaftliche Bewegung auftritt, weil ja wirklich so viel Scharlatanerie in der Welt getrieben wird. Derjenige, der es dann will, kann leicht Zustimmung finden, wenn er sagt: Ja, da ist einmal eine Gesellschaft aufgetreten, die hat behauptet, daß sie die Weisheit aller Welt vertreibt; es hat sich nachher als Scharlatanerie enthüllt. Und dann ist dort eine andere aufgetreten: wieder hat es sich als Scharlatanerie enthüllt! — Das muß zugegeben werden, solche Scharlatanerien gibt es unendlich viel in der Welt. Da muß man schon Unterscheidungsvermögen haben, um das Wahre von dem Scharlatanhaften zu unterscheiden.
[ 26 ] Aber es kann ein anderer Fall eintreten. Es kann zum Beispiel eine gewisse Unsicherheit in der Seele eintreten. Solche Unsicherheit kann in folgendem bestehen: Ein solcher Mensch kann dann bekanntwerden mit dem, was hier getrieben wird. Wenn er nun nicht einen offenen Sinn hat, wenn er Persönliches verfolgt, dann kann er in folgende zwiespältige Seelenstimmung kommen. Er kann auf alle Gefahren hinweisen, er kann sich sagen: Ach, wie ist das nun? Ich habe ja so oft gehört von geheimen oder sonstigen Gesellschaften; etwas von Erkenntnis, wirklicher Erkenntnis habe ich da nicht erlebt! Man redet zwar von allem Möglichen, es steht in den Büchern, es wird in den Ritualen verzapft, aber so lebendige Erkenntnis fließt da nicht. Ist nun dasjenige, was sich da Anthroposophie nennt, von derselben Art, oder ist es etwas anderes? — Da kann er in zwiespältige Seelenstimmung kommen. Wenn man nicht eingehen kann auf dasjenige, was hier wirklich lebt, ist es so, daß man sich, trivial übersetzt, sagen kann: Ist das derselbe Schwindel wie der Schwindel, der mir eigentlich angenehmer ist, weil er nicht so große Anforderungen stellt?
[ 26 ] Aber es kann ein anderer Fall eintreten. Es kann zum Beispiel eine gewisse Unsicherheit in der Seele eintreten. Solche Unsicherheit kann in folgendem bestehen: Ein solcher Mensch kann dann bekanntwerden mit dem, was hier getrieben wird. Wenn er nun nicht einen offenen Sinn hat, wenn er Persönliches verfolgt, dann kann er in folgende zwiespältige Seelenstimmung kommen. Er kann auf alle Gefahren hinweisen, er kann sich sagen: Ach, wie ist das nun? Ich habe ja so oft gehört von geheimen oder sonstigen Gesellschaften; etwas von Erkenntnis, wirklicher Erkenntnis habe ich da nicht erlebt! Man redet zwar von allem Möglichen, es steht in den Büchern, es wird in den Ritualen verzapft, aber so lebendige Erkenntnis fließt da nicht. Ist nun dasjenige, was sich da Anthroposophie nennt, von derselben Art, oder ist es etwas anderes? — Da kann er in zwiespältige Seelenstimmung kommen. Wenn man nicht eingehen kann auf dasjenige, was hier wirklich lebt, ist es so, daß man sich, trivial übersetzt, sagen kann: Ist das derselbe Schwindel wie der Schwindel, der mir eigentlich angenehmer ist, weil er nicht so große Anforderungen stellt?
[ 27 ] Die Dinge, die ich hiermit ausspreche, sind nicht so irreal. Und sie sind vor allen Dingen aus dem Grunde ausgesprochen, weil ich darauf hinweisen will, daß schon eben Ernst und Würde — was ich oft gesagt habe — und Unterscheidungsvermögen notwendig ist, damit nicht das Unangenehme eintritt, was sehr häufig eintritt, daß wirkliches Geistesleben um einem herum ist, während man eigentlich lieber das Gerede über das geistige Leben haben möchte, denn das ist bequemer. Gerade der Umstand, daß hier das wahr ist, was ich in meinem Buche «Theosophie» betont habe, daß nur von geistigen Erfahrungen geredet wird, gerade das ist, was so viel Gegnerschaften hervorruft. Die Gegnerschaft der Theosophischen Gesellschaft ist auch eigentlich erst in dem Momente gekommen, als dort bemerkt worden ist, daß hier Anspruch darauf erhoben wird, daß wirkliche geistige Erfahrungen besprochen werden. Das konnte man nicht vertragen. Man wollte zwar gern Leute haben, die nachsprechen dasjenige, was dort vorgetragen wird, die mit einem gewissen Eifer das nachsprechen; aber selbständige geistige Forschung, das war doch im Grunde genommen die große Sünde wider den heiligen Geist der Theosophischen Gesellschaft. Und diese selbständige Geistesforschung, die hat es heute noch nicht gar so leicht in der Welt. Darauf wollte ich auch neulich am Schluß in meiner Betrachtung hindeuten. Und es wird Ihnen schon nötig sein, gerade diese Dinge mit gesundem Sinn, aber auch mit vollem Ernst ins Auge zu fassen. Die Zeit ist ernst, und das muß ernst sein, was wir als das Heilmittel der Zeit aus der geistigen Welt heraus empfangen wollen.
[ 27 ] Die Dinge, die ich hiermit ausspreche, sind nicht so irreal. Und sie sind vor allen Dingen aus dem Grunde ausgesprochen, weil ich darauf hinweisen will, daß schon eben Ernst und Würde — was ich oft gesagt habe — und Unterscheidungsvermögen notwendig ist, damit nicht das Unangenehme eintritt, was sehr häufig eintritt, daß wirkliches Geistesleben um einem herum ist, während man eigentlich lieber das Gerede über das geistige Leben haben möchte, denn das ist bequemer. Gerade der Umstand, daß hier das wahr ist, was ich in meinem Buche «Theosophie» betont habe, daß nur von geistigen Erfahrungen geredet wird, gerade das ist, was so viel Gegnerschaften hervorruft. Die Gegnerschaft der Theosophischen Gesellschaft ist auch eigentlich erst in dem Momente gekommen, als dort bemerkt worden ist, daß hier Anspruch darauf erhoben wird, daß wirkliche geistige Erfahrungen besprochen werden. Das konnte man nicht vertragen. Man wollte zwar gern Leute haben, die nachsprechen dasjenige, was dort vorgetragen wird, die mit einem gewissen Eifer das nachsprechen; aber selbständige geistige Forschung, das war doch im Grunde genommen die große Sünde wider den heiligen Geist der Theosophischen Gesellschaft. Und diese selbständige Geistesforschung, die hat es heute noch nicht gar so leicht in der Welt. Darauf wollte ich auch neulich am Schluß in meiner Betrachtung hindeuten. Und es wird Ihnen schon nötig sein, gerade diese Dinge mit gesundem Sinn, aber auch mit vollem Ernst ins Auge zu fassen. Die Zeit ist ernst, und das muß ernst sein, was wir als das Heilmittel der Zeit aus der geistigen Welt heraus empfangen wollen.
[ 28 ] Davon wollen wir dann morgen weiterreden.
[ 28 ] Davon wollen wir dann morgen weiterreden.
