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Goetheanism
An Impulse for Transformation and a Concept of Resurrection
Human and Social Science
GA 188

11 January 1919, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fünfter Vortrag

[ 1 ] Wenn man die Bedeutung geisteswissenschaftlichen Eindringens in die Welt für die Gegenwart ins Auge fassen will, so darf man nicht außer acht lassen, daß dieses Eindringen, wie wir aus den verschiedensten Betrachtungen, die wir angestellt haben, ja schon entnehmen können, mit sich bringen wird eine wesentliche Erhöhung der menschlichen Auffassung des Mysteriums von Golgatha. Und man kann sagen, wer nicht nur mit dem gewöhnlichen, vernünftigen Nachdenken, sondern mit seiner ganzen Seele, mit seinem ganzen Gemüte sich vereinigt mit den Erkenntnissen der geisteswissenschaftlichen Forschung, der wird sich, wenn er irgendwie zusammenhängt mit der neueren Kultur, die Frage doch immer wieder aufwerfen müssen: Wie steht der durch geisteswissenschaftliches Erkennen in einem gewissen Sinne verwandelte Mensch zu dem Mysterium von Golgatha? — Wir haben von den verschiedensten Gesichtspunkten aus unseren Blick auf dieses wichtigste Menschheitsereignis geworfen. Wir wollen heute versuchen, auf dieses Menschheitsereignis hinzublicken so, daß wir uns bestreben werden, die Strömung, die ausgeht von diesem Mysterium, bis in die neueste Zeit herein zu verfolgen. Daran kann in einem gewissen Sinne erwiesen werden die Fruchtbarkeit geisteswissenschaftlichen Erkennens, daß es diesem gelingt, oder wenigstens gelingen kann, in einem ähnlichen Sinne das Weltengeschehen, das Menschheitsgeschehen bis in die Gegenwart herein geistig zu begreifen, während eigentlich sonst gewöhnlich die menschliche Betrachtung vor einer Durchgeistigung der neuesten Geschichte zurückschreckt.

[ 1 ] Wenn man die Bedeutung geisteswissenschaftlichen Eindringens in die Welt für die Gegenwart ins Auge fassen will, so darf man nicht außer acht lassen, daß dieses Eindringen, wie wir aus den verschiedensten Betrachtungen, die wir angestellt haben, ja schon entnehmen können, mit sich bringen wird eine wesentliche Erhöhung der menschlichen Auffassung des Mysteriums von Golgatha. Und man kann sagen, wer nicht nur mit dem gewöhnlichen, vernünftigen Nachdenken, sondern mit seiner ganzen Seele, mit seinem ganzen Gemüte sich vereinigt mit den Erkenntnissen der geisteswissenschaftlichen Forschung, der wird sich, wenn er irgendwie zusammenhängt mit der neueren Kultur, die Frage doch immer wieder aufwerfen müssen: Wie steht der durch geisteswissenschaftliches Erkennen in einem gewissen Sinne verwandelte Mensch zu dem Mysterium von Golgatha? — Wir haben von den verschiedensten Gesichtspunkten aus unseren Blick auf dieses wichtigste Menschheitsereignis geworfen. Wir wollen heute versuchen, auf dieses Menschheitsereignis hinzublicken so, daß wir uns bestreben werden, die Strömung, die ausgeht von diesem Mysterium, bis in die neueste Zeit herein zu verfolgen. Daran kann in einem gewissen Sinne erwiesen werden die Fruchtbarkeit geisteswissenschaftlichen Erkennens, daß es diesem gelingt, oder wenigstens gelingen kann, in einem ähnlichen Sinne das Weltengeschehen, das Menschheitsgeschehen bis in die Gegenwart herein geistig zu begreifen, während eigentlich sonst gewöhnlich die menschliche Betrachtung vor einer Durchgeistigung der neuesten Geschichte zurückschreckt.

[ 2 ] Wenn man das Mysterium von Golgatha ins Auge faßt, so wird man vor allen Dingen darauf hingewiesen, daß dieses Mysterium von Golgatha nicht begriffen, nicht verstanden werden kann, wenn man nur ausgehen will von einer materiellen Betrachtung des Weltgeschehens. Man kommt nur dann zu einem wirklichen Verständnisse des Mysteriums von Golgatha, wenn man den Versuch macht, ein geistiges Ereignis geistig aufzufassen. Gewiß, Sie können sagen: Das Mysterium von Golgatha ist doch ein physisches Ereignis der physischen Welt, wie andere historische Ereignisse. — Allein ich habe Ihnen erst neulich angedeutet: Die Wissenschaft der Gegenwart, wenn sie ehrlich ist, kann das nicht sagen. Sie kann nicht die Evangelien in demselben Sinn als historische Urkunden anerkennen wie andere historische Urkunden, und sie kann die paar historischen Notizen, die es außer den Evangelien gibt über das Mysterium von Golgatha, die höchst anfechtbar sind, auch nicht in dem Sinne wie historische Urkunden hinnehmen, so wie etwa die historischen Nachrichten über Sokrates oder Alexander den Großen oder über Julius Cäsar oder über den Kaiser Augustus und dergleichen. Das ist es gerade — wir haben es öfter betont —, was das besondere Verhältnis der Geisteswissenschaft zu dem Mysterium von Golgatha ausmacht, daß diese Geisteswissenschaft das Mysterium von Golgatha als eine Realität hinstellen wird in dem Augenblicke, wenn alle andern Methoden der Menschheit und alle andern Wege der Menschheit versagen werden, an das Mysterium von Golgatha als einer Realität heranzukommen. Denn das Mysterium von Golgatha muß als ein geistiges Ereignis geistig aufgefaßt werden. Nur durch das geistige Auffassen des Mysteriums von Golgatha kommt man auch an die äußere Wirklichkeit dieses Mysteriums von Golgatha heran.

[ 2 ] Wenn man das Mysterium von Golgatha ins Auge faßt, so wird man vor allen Dingen darauf hingewiesen, daß dieses Mysterium von Golgatha nicht begriffen, nicht verstanden werden kann, wenn man nur ausgehen will von einer materiellen Betrachtung des Weltgeschehens. Man kommt nur dann zu einem wirklichen Verständnisse des Mysteriums von Golgatha, wenn man den Versuch macht, ein geistiges Ereignis geistig aufzufassen. Gewiß, Sie können sagen: Das Mysterium von Golgatha ist doch ein physisches Ereignis der physischen Welt, wie andere historische Ereignisse. — Allein ich habe Ihnen erst neulich angedeutet: Die Wissenschaft der Gegenwart, wenn sie ehrlich ist, kann das nicht sagen. Sie kann nicht die Evangelien in demselben Sinn als historische Urkunden anerkennen wie andere historische Urkunden, und sie kann die paar historischen Notizen, die es außer den Evangelien gibt über das Mysterium von Golgatha, die höchst anfechtbar sind, auch nicht in dem Sinne wie historische Urkunden hinnehmen, so wie etwa die historischen Nachrichten über Sokrates oder Alexander den Großen oder über Julius Cäsar oder über den Kaiser Augustus und dergleichen. Das ist es gerade — wir haben es öfter betont —, was das besondere Verhältnis der Geisteswissenschaft zu dem Mysterium von Golgatha ausmacht, daß diese Geisteswissenschaft das Mysterium von Golgatha als eine Realität hinstellen wird in dem Augenblicke, wenn alle andern Methoden der Menschheit und alle andern Wege der Menschheit versagen werden, an das Mysterium von Golgatha als einer Realität heranzukommen. Denn das Mysterium von Golgatha muß als ein geistiges Ereignis geistig aufgefaßt werden. Nur durch das geistige Auffassen des Mysteriums von Golgatha kommt man auch an die äußere Wirklichkeit dieses Mysteriums von Golgatha heran.

[ 3 ] Was ist das Wichtigste in dem Mysterium von Golgatha? Es ist nicht anders, trotz aller sogenannten liberalisierenden Theologie des Protestantismus: Das Wichtigste an dem Mysterium von Golgatha ist der Auferstehungsgedanke. Und wahr bleibt doch der Paulinische Ausspruch: «Und wäre der Christus nicht auferstanden, so wäre unsere Predigt eitel, und eitel auch euer Glaube.» Das heißt: Notwendig ist zum Christentum, zum wahren, wirklichen Christentum, die Möglichkeit, einzusehen, daß der Christus Jesus durch den Tod gegangen ist und diesen Tod dadurch besiegt hat, daß er nach einer gewissen Zeit lebendig wiederum mit der Erdenentwickelung sich verbunden hat. Das aber gehört selbstverständlich in bezug auf seine innere Gesetzmäßigkeit nur geistigen Welten an.

[ 3 ] Was ist das Wichtigste in dem Mysterium von Golgatha? Es ist nicht anders, trotz aller sogenannten liberalisierenden Theologie des Protestantismus: Das Wichtigste an dem Mysterium von Golgatha ist der Auferstehungsgedanke. Und wahr bleibt doch der Paulinische Ausspruch: «Und wäre der Christus nicht auferstanden, so wäre unsere Predigt eitel, und eitel auch euer Glaube.» Das heißt: Notwendig ist zum Christentum, zum wahren, wirklichen Christentum, die Möglichkeit, einzusehen, daß der Christus Jesus durch den Tod gegangen ist und diesen Tod dadurch besiegt hat, daß er nach einer gewissen Zeit lebendig wiederum mit der Erdenentwickelung sich verbunden hat. Das aber gehört selbstverständlich in bezug auf seine innere Gesetzmäßigkeit nur geistigen Welten an.

[ 4 ] Nun habe ich Sie auch auf etwas anderes hingewiesen, was, wenn es vom bloßen Vernunftsstandpunkt ehrlich ins Auge gefaßt wird, geradezu einem das Herz zersprengen könnte, weil es einen jener Widersprüche darstellt, die es im Leben immer geben muß und die die Logik immer wegräumen möchte: Der Christus ist getötet worden. Das unschuldigste über die Erde gegangene Wesen ist getötet worden durch Menschenschuld! — Man kann auf diese Menschenschuld hinblicken und sie so ansehen, wie man Menschenschuld, so große menschliche Schuld ansieht. Das ist die eine Seite der Sache. Dann aber muß man zu der andern Seite der Sache blicken und sich sagen: Und wenn der Christus nicht hingerichtet worden wäre, wenn der Christus nicht durch den Tod gegangen wäre, so könnte es im wahren Sinne kein Christentum geben. Das heißt, die größte Schuld der Menschen war notwendig dazu, daß der größte Segen in die Erdenentwickelung hineingekommen ist, daß die Erdenentwickelung ihren Sinn bekommen hat. Man könnte geradezu paradox davon sprechen: Wenn die Menschen damals nicht jene Schuld, jene größte Schuld auf sich geladen hätten, wäre der Sinn der Erde nicht erfüllt. — Und man bezeichnet dadurch eben einen jener großen, radikalen Widersprüche, die das Leben gibt und die die Logik immer aus der Welt schaffen will. Denn worauf geht die Logik aus? Die Logik geht darauf aus, wenn sie irgendwo einen Widerspruch findet, ihn zu beseitigen. Aber die Logik weiß heute noch nicht, was sie damit tut: Die Logik selber tötet für das menschliche Auffassen mit dem Hinwegräumen des Widerspruches das Leben. Und daher kommt der Mensch zu keiner lebendigen Auffassung, wenn er bloß mit abstrakter Logik diese Auffassung gestalten will. Deswegen kommt der Mensch nur zu einer Auffassung des Lebendigen, wenn er über die Logik hinaufsteigen will zu Imagination, Inspiration und Intuition.

[ 4 ] Nun habe ich Sie auch auf etwas anderes hingewiesen, was, wenn es vom bloßen Vernunftsstandpunkt ehrlich ins Auge gefaßt wird, geradezu einem das Herz zersprengen könnte, weil es einen jener Widersprüche darstellt, die es im Leben immer geben muß und die die Logik immer wegräumen möchte: Der Christus ist getötet worden. Das unschuldigste über die Erde gegangene Wesen ist getötet worden durch Menschenschuld! — Man kann auf diese Menschenschuld hinblicken und sie so ansehen, wie man Menschenschuld, so große menschliche Schuld ansieht. Das ist die eine Seite der Sache. Dann aber muß man zu der andern Seite der Sache blicken und sich sagen: Und wenn der Christus nicht hingerichtet worden wäre, wenn der Christus nicht durch den Tod gegangen wäre, so könnte es im wahren Sinne kein Christentum geben. Das heißt, die größte Schuld der Menschen war notwendig dazu, daß der größte Segen in die Erdenentwickelung hineingekommen ist, daß die Erdenentwickelung ihren Sinn bekommen hat. Man könnte geradezu paradox davon sprechen: Wenn die Menschen damals nicht jene Schuld, jene größte Schuld auf sich geladen hätten, wäre der Sinn der Erde nicht erfüllt. — Und man bezeichnet dadurch eben einen jener großen, radikalen Widersprüche, die das Leben gibt und die die Logik immer aus der Welt schaffen will. Denn worauf geht die Logik aus? Die Logik geht darauf aus, wenn sie irgendwo einen Widerspruch findet, ihn zu beseitigen. Aber die Logik weiß heute noch nicht, was sie damit tut: Die Logik selber tötet für das menschliche Auffassen mit dem Hinwegräumen des Widerspruches das Leben. Und daher kommt der Mensch zu keiner lebendigen Auffassung, wenn er bloß mit abstrakter Logik diese Auffassung gestalten will. Deswegen kommt der Mensch nur zu einer Auffassung des Lebendigen, wenn er über die Logik hinaufsteigen will zu Imagination, Inspiration und Intuition.

[ 5 ] Äußerlich gesehen stellt sich das Mysterium von Golgatha so dar, daß in einem gewissen Zeitpunkt in einer wenig genannten Provinz des Römischen Weltreiches der Mensch Jesus geboren wird, dreißig Jahre hindurch auf die Weise, wie wir das öfters besprochen haben, lebt, dann durchgeistigt wird von dem Christus, als Christus Jesus drei weitere Jahre lebt, im dritten Jahre durch den Tod geht und aufersteht. Zunächst bleibt dieses Ereignis unberücksichtigt im weiten Römischen Reiche. Durch die Jahrhunderte hindurch wirkt dieses Ereignis so, daß es die Kultur der zivilisierten Welt ganz und gar nicht nur umgestaltet, sondern völlig erneuert. Das ist zunächst die Außenseite. In die Innenseite dringt man ein, wenn man versucht, sich klarzumachen, wie aus dem Judentum heraus und mitten innerhalb der heidnischen Welt dieses Mysterium von Golgatha entstanden ist. Das Judentum hat in seiner Religionsauflassung etwas, was radikal verschieden ist von aller heidnischen Religionsauffassung. Man kann geradezu sagen: Judentum und Heidentum nehmen sich aus wie die zwei Pole einer Religionsauffassung überhaupt.

[ 5 ] Äußerlich gesehen stellt sich das Mysterium von Golgatha so dar, daß in einem gewissen Zeitpunkt in einer wenig genannten Provinz des Römischen Weltreiches der Mensch Jesus geboren wird, dreißig Jahre hindurch auf die Weise, wie wir das öfters besprochen haben, lebt, dann durchgeistigt wird von dem Christus, als Christus Jesus drei weitere Jahre lebt, im dritten Jahre durch den Tod geht und aufersteht. Zunächst bleibt dieses Ereignis unberücksichtigt im weiten Römischen Reiche. Durch die Jahrhunderte hindurch wirkt dieses Ereignis so, daß es die Kultur der zivilisierten Welt ganz und gar nicht nur umgestaltet, sondern völlig erneuert. Das ist zunächst die Außenseite. In die Innenseite dringt man ein, wenn man versucht, sich klarzumachen, wie aus dem Judentum heraus und mitten innerhalb der heidnischen Welt dieses Mysterium von Golgatha entstanden ist. Das Judentum hat in seiner Religionsauflassung etwas, was radikal verschieden ist von aller heidnischen Religionsauffassung. Man kann geradezu sagen: Judentum und Heidentum nehmen sich aus wie die zwei Pole einer Religionsauffassung überhaupt.

[ 6 ] Sehen wir zunächst deshalb auf das Heidentum hin. Alles Heidentum — ob nun das, was ich sagen will, bei dem Heidentum mehr oder weniger kaschiert ist oder nicht — geht doch davon aus, das GöttlichGeistige aus der Natur heraus irgendwie für die menschliche Anschauung zu gewinnen. Heidnische Religion ist im wesentlichen zugleich Naturanschauung. Mehr oder weniger unbewußt liegt immer das zugrunde, daß der Heide hinschaut auf die Natur, daß er fühlt: aus dem Werden und Weben der Naturerscheinungen steigt auch der Mensch auf; daß er sich verwandt fühlt als Mensch in seinem ganzen Dasein, in seinem ganzen Werden mit dem, was in der Natur da ist und in der Natur wird. Und dann versucht der Heide gewissermaßen als die Krönung dessen, was er als Naturanschauung gewinnen kann, dasjenige mit seiner Seele zu ergreifen, was göttlich-geistig in dieser Natur lebt. In alten Zeiten sehen wir dieses dadurch, daß der Mensch in die Lage kommt, aus seiner eigenen leiblichen Natur heraus das Göttlich-Geistige in Visionen, in atavistischem Hellsehen zu ergreifen. In dem hochgebildeten Griechentum sehen wir, wie der Mensch versucht, das Göttlich-Geistige im reinen Denken zu ergreifen. Aber überall sehen wir, wie der Mensch, indem er Heide ist, sich einen geraden Weg zu bahnen versucht von der Betrachtung der Natur aufwärtssteigend zu der Krönung des Naturgebäudes in der Anschauung des Göttlich-Geistigen innerhalb der Natur. |

[ 6 ] Sehen wir zunächst deshalb auf das Heidentum hin. Alles Heidentum — ob nun das, was ich sagen will, bei dem Heidentum mehr oder weniger kaschiert ist oder nicht — geht doch davon aus, das GöttlichGeistige aus der Natur heraus irgendwie für die menschliche Anschauung zu gewinnen. Heidnische Religion ist im wesentlichen zugleich Naturanschauung. Mehr oder weniger unbewußt liegt immer das zugrunde, daß der Heide hinschaut auf die Natur, daß er fühlt: aus dem Werden und Weben der Naturerscheinungen steigt auch der Mensch auf; daß er sich verwandt fühlt als Mensch in seinem ganzen Dasein, in seinem ganzen Werden mit dem, was in der Natur da ist und in der Natur wird. Und dann versucht der Heide gewissermaßen als die Krönung dessen, was er als Naturanschauung gewinnen kann, dasjenige mit seiner Seele zu ergreifen, was göttlich-geistig in dieser Natur lebt. In alten Zeiten sehen wir dieses dadurch, daß der Mensch in die Lage kommt, aus seiner eigenen leiblichen Natur heraus das Göttlich-Geistige in Visionen, in atavistischem Hellsehen zu ergreifen. In dem hochgebildeten Griechentum sehen wir, wie der Mensch versucht, das Göttlich-Geistige im reinen Denken zu ergreifen. Aber überall sehen wir, wie der Mensch, indem er Heide ist, sich einen geraden Weg zu bahnen versucht von der Betrachtung der Natur aufwärtssteigend zu der Krönung des Naturgebäudes in der Anschauung des Göttlich-Geistigen innerhalb der Natur. |

[ 7 ] Eine solche Anschauung — und das bemerkt man auch, wenn man gründlich, ich kann ja die Dinge heute nur skizzieren, auf das Wesen alles Heidentums eingeht — kann nicht kommen zu einer völligen Erfassung der moralischen Impulse des Menschengeschlechtes. Denn wenn man noch so sehr aus der Natur heraus versucht, den göttlich-geistigen Impuls zu erkennen, es bleibt dieser göttlich-geistige Impuls ohne moralische Ingredienz. In der hochgebildeten heidnischen Religion der Griechen sehen wir, wie die Götter eigentlich nicht gerade viel moralische Impulse in sich enthalten.

[ 7 ] Eine solche Anschauung — und das bemerkt man auch, wenn man gründlich, ich kann ja die Dinge heute nur skizzieren, auf das Wesen alles Heidentums eingeht — kann nicht kommen zu einer völligen Erfassung der moralischen Impulse des Menschengeschlechtes. Denn wenn man noch so sehr aus der Natur heraus versucht, den göttlich-geistigen Impuls zu erkennen, es bleibt dieser göttlich-geistige Impuls ohne moralische Ingredienz. In der hochgebildeten heidnischen Religion der Griechen sehen wir, wie die Götter eigentlich nicht gerade viel moralische Impulse in sich enthalten.

[ 8 ] Radikal polarisch entgegengesetzt — natürlich, alles drückt sich äußerlich mehr oder weniger maskiert aus, indem das Wesentliche in diese oder jene Verwandlung sich einkleidet, aber im wesentlichen ist es eben möglich, zu sagen: Radikal polarisch entgegengesetzt drückt sich die Sache im Judentum aus. — Das Judentum könnte genannt werden, wenn man sich trivial aussprechen wollte, die eigentliche Entdeckung des moralischen Impulses im Menschenwerden. Das ist das Charakteristische der alten jüdischen Religion, daß der Jahveimpuls im wesentlichen die Menschheit so durchwebt und durchwellt, daß sein Weben und Wesen Moralisches auch in die Menschheitsentwickelung hineinbringt. Damit entstand aber gerade für die jüdische Religionsauffassung eine Schwierigkeit, welche die heidnische Religionsauffassung nicht hatte. Diese Schwierigkeit lag darinnen, daß das Judentum nicht in die Lage kam, zu der Natur ein verständnisvolles Verhältnis zu gewinnen. Der Gott Jahve durchwellt und durchwebt das Menschenleben. Aber wenn nun der Mensch auf den den Menschen zur Geburt bringenden Jahvegott hinblickt, der nun auch die Sünden bestraft und die guten Taten belohnt im Laufe des Lebens, und dann wegblickt von dem Jahvegott zu den Naturereignissen, in die ja auch der Mensch auf dieser Erde eingesponnen ist, dann besteht zweifellos eine Unmöglichkeit, die Naturereignisse in Einklang zu bringen mit dem Wirken des Jahvegottes. Das ganze Tragische dieses Nicht-in-Einklangbringen-Könnens der Naturereignisse mit dem Impuls des Jahvegottes drückt sich ja aus in der großen, gewaltigen Tragödie des Buches Hiob, wo wir besonders darauf hingewiesen werden, wie rein im Naturlauf der Gerechte leiden kann, ins Elend kommen kann, und wie er im Widerspruch mit dem, was die Natur bringt, an die Gerechtigkeit seines Jahveimpulses zu glauben hat. Aber der ganze Grundton, dieser tief-tragische Grundton des Buches Hiob, der, ich möchte sagen, gegenüber der Natur weltenfremd hereinklingt in die menschliche Seele, er zeigt uns an, welche Schwierigkeit besteht zwischen einer reinen Auffassung desjenigen, was die Jahvewesenheit eigentlich ist, und einem unbefangenen Hinblicken auf das, was sich als der Lauf der natürlichen Ereignisse, in die der Mensch eingesponnen ist, vor dem menschlichen Blick und vor dem menschlichen Leben hauptsächlich darstellt. Und doch, dieser Jahvegott, dieser Jahveimpuls, was ist er denn anders für die wirklichen Versteher des Alten Testaments als das innerste Wesen, das in der menschlichen Seele selbst webt? Wozu wird die althebräische Auffassung getrieben dadurch, daß sie so polarisch entgegengesetzt der im Heidentum stark hervortretenden Naturanschauung entgegengestellt ist?

[ 8 ] Radikal polarisch entgegengesetzt — natürlich, alles drückt sich äußerlich mehr oder weniger maskiert aus, indem das Wesentliche in diese oder jene Verwandlung sich einkleidet, aber im wesentlichen ist es eben möglich, zu sagen: Radikal polarisch entgegengesetzt drückt sich die Sache im Judentum aus. — Das Judentum könnte genannt werden, wenn man sich trivial aussprechen wollte, die eigentliche Entdeckung des moralischen Impulses im Menschenwerden. Das ist das Charakteristische der alten jüdischen Religion, daß der Jahveimpuls im wesentlichen die Menschheit so durchwebt und durchwellt, daß sein Weben und Wesen Moralisches auch in die Menschheitsentwickelung hineinbringt. Damit entstand aber gerade für die jüdische Religionsauffassung eine Schwierigkeit, welche die heidnische Religionsauffassung nicht hatte. Diese Schwierigkeit lag darinnen, daß das Judentum nicht in die Lage kam, zu der Natur ein verständnisvolles Verhältnis zu gewinnen. Der Gott Jahve durchwellt und durchwebt das Menschenleben. Aber wenn nun der Mensch auf den den Menschen zur Geburt bringenden Jahvegott hinblickt, der nun auch die Sünden bestraft und die guten Taten belohnt im Laufe des Lebens, und dann wegblickt von dem Jahvegott zu den Naturereignissen, in die ja auch der Mensch auf dieser Erde eingesponnen ist, dann besteht zweifellos eine Unmöglichkeit, die Naturereignisse in Einklang zu bringen mit dem Wirken des Jahvegottes. Das ganze Tragische dieses Nicht-in-Einklangbringen-Könnens der Naturereignisse mit dem Impuls des Jahvegottes drückt sich ja aus in der großen, gewaltigen Tragödie des Buches Hiob, wo wir besonders darauf hingewiesen werden, wie rein im Naturlauf der Gerechte leiden kann, ins Elend kommen kann, und wie er im Widerspruch mit dem, was die Natur bringt, an die Gerechtigkeit seines Jahveimpulses zu glauben hat. Aber der ganze Grundton, dieser tief-tragische Grundton des Buches Hiob, der, ich möchte sagen, gegenüber der Natur weltenfremd hereinklingt in die menschliche Seele, er zeigt uns an, welche Schwierigkeit besteht zwischen einer reinen Auffassung desjenigen, was die Jahvewesenheit eigentlich ist, und einem unbefangenen Hinblicken auf das, was sich als der Lauf der natürlichen Ereignisse, in die der Mensch eingesponnen ist, vor dem menschlichen Blick und vor dem menschlichen Leben hauptsächlich darstellt. Und doch, dieser Jahvegott, dieser Jahveimpuls, was ist er denn anders für die wirklichen Versteher des Alten Testaments als das innerste Wesen, das in der menschlichen Seele selbst webt? Wozu wird die althebräische Auffassung getrieben dadurch, daß sie so polarisch entgegengesetzt der im Heidentum stark hervortretenden Naturanschauung entgegengestellt ist?

[ 9 ] Es wird die althebräische Auffassung dadurch mit Notwendigkeit hingetrieben zu der Anschauung eines Wesens, das an der menschlichen Natur, so wie diese menschliche Natur einmal in der Gegenwart des Erdendaseins ist, außer dem Jahveimpuls seinen Anteil hatte: Paradiesesschlange, Luzifer, Satan, ein Wesen, das dem Gotte entgegensteht, dem Jahvegotte, muß Anteil haben an dem, wie der Mensch innerhalb des Erdendaseins geworden ist. Der Bekenner des Alten Testamentes muß den Jahvegott als den innersten Impuls, an den er seine Verehrung, zu dem er seine Ergebung hinrichtet, ansehen; allein er ist nicht imstande, diesem Jahveimpuls den alleinigen Anteil an dem Zustandekommen des Menschen zuzuschreiben. Er muß dem, was dann im Mittelalter Teufel genannt wird, einen wesentlichen Anteil an dem Menschen zuschreiben. Und es ist doch nur Dilettantismus — wenn man auch glaubt, daß es furchtbar gelehrt ist —, wenn dieser Gegensatz zwischen dem Jahvegotte und dem Teufel, der alten Schlange, so hingestellt wird, als ob es derselbe Gegensatz wäre wie etwa zwischen Ormuzd und Ahriman in der persischen Religion. Die persische Religion ist in ihrem Grundwesen doch heidnischer Natur, und Ormuzd und Ahriman stehen sich so gegenüber, daß man zu ihrem Wesen aufsteigen kann in der Weltanschauung, wenn man von der Naturanschauung aufsteigt. Auch der ganze Prozeß des Weltenkampfes, den sich die persische Religion aus dem Kampfe zwischen Ormuzd und Ahriman vorstellt, auch der ist ein solcher Prozeß, wie ihn die andern heidnischen Religionen in ihre Religionsvorstellungen aufgenommen haben. Dasjenige aber, was als Gegensatz gedacht wird im Alten Testamente zwischen dem Jahveimpuls und dem Impuls des Satans, wie er im Buche Hiob auftritt, das ist ein moralischer Gegensatz, und die ganze Schilderung dieses Gegensatzes ist durch und durch durchsetzt mit moralischen Noten in Buch Hiob. Da wird in der Tat hingewiesen auf ein geistiges Reich, in dem Gutes und Böses ist, das etwas anderes ist als das Naturreich. Und man kann sagen: Zur Zeit, als in der Menschheitsentwickelung das Mysterium von Golgatha herannahte, war die Menschheit dazu gelangt, mit diesen beiden Hauptströmungen, mit dem heidnischen Weg nach dem Göttlichen und dem jüdischen Weg nach dem Göttlichen, nicht fertigzuwerden. Beide aber waren aufs Höchste ausgebildet. Denn man darf nicht vergessen, man muß immer wieder daran erinnern: Eine solche feine Geistigkeit, eine solche Höhe des menschlichen Vorstellungslebens, wie sie im griechischen Heidentum sich entwickelt hatte, die ist eben einzig in der menschlichen Entwickelung. Die ist auch nicht wieder erreicht seither, war auch vorher nicht da. Und umgekehrt: Ein solches durch die Naturereignisse unbeirrtes Festhalten an dem moralischen Jahveimpuls, wie es im Buche Hiob dargestellt ist, das ist auch einzig, das ist auch sonst nicht zu finden. Das Buch Hiob ist schon eines der Wunderwerke der menschlichen Entwickelung, gerade nach dieser Richtung hin.

[ 9 ] Es wird die althebräische Auffassung dadurch mit Notwendigkeit hingetrieben zu der Anschauung eines Wesens, das an der menschlichen Natur, so wie diese menschliche Natur einmal in der Gegenwart des Erdendaseins ist, außer dem Jahveimpuls seinen Anteil hatte: Paradiesesschlange, Luzifer, Satan, ein Wesen, das dem Gotte entgegensteht, dem Jahvegotte, muß Anteil haben an dem, wie der Mensch innerhalb des Erdendaseins geworden ist. Der Bekenner des Alten Testamentes muß den Jahvegott als den innersten Impuls, an den er seine Verehrung, zu dem er seine Ergebung hinrichtet, ansehen; allein er ist nicht imstande, diesem Jahveimpuls den alleinigen Anteil an dem Zustandekommen des Menschen zuzuschreiben. Er muß dem, was dann im Mittelalter Teufel genannt wird, einen wesentlichen Anteil an dem Menschen zuschreiben. Und es ist doch nur Dilettantismus — wenn man auch glaubt, daß es furchtbar gelehrt ist —, wenn dieser Gegensatz zwischen dem Jahvegotte und dem Teufel, der alten Schlange, so hingestellt wird, als ob es derselbe Gegensatz wäre wie etwa zwischen Ormuzd und Ahriman in der persischen Religion. Die persische Religion ist in ihrem Grundwesen doch heidnischer Natur, und Ormuzd und Ahriman stehen sich so gegenüber, daß man zu ihrem Wesen aufsteigen kann in der Weltanschauung, wenn man von der Naturanschauung aufsteigt. Auch der ganze Prozeß des Weltenkampfes, den sich die persische Religion aus dem Kampfe zwischen Ormuzd und Ahriman vorstellt, auch der ist ein solcher Prozeß, wie ihn die andern heidnischen Religionen in ihre Religionsvorstellungen aufgenommen haben. Dasjenige aber, was als Gegensatz gedacht wird im Alten Testamente zwischen dem Jahveimpuls und dem Impuls des Satans, wie er im Buche Hiob auftritt, das ist ein moralischer Gegensatz, und die ganze Schilderung dieses Gegensatzes ist durch und durch durchsetzt mit moralischen Noten in Buch Hiob. Da wird in der Tat hingewiesen auf ein geistiges Reich, in dem Gutes und Böses ist, das etwas anderes ist als das Naturreich. Und man kann sagen: Zur Zeit, als in der Menschheitsentwickelung das Mysterium von Golgatha herannahte, war die Menschheit dazu gelangt, mit diesen beiden Hauptströmungen, mit dem heidnischen Weg nach dem Göttlichen und dem jüdischen Weg nach dem Göttlichen, nicht fertigzuwerden. Beide aber waren aufs Höchste ausgebildet. Denn man darf nicht vergessen, man muß immer wieder daran erinnern: Eine solche feine Geistigkeit, eine solche Höhe des menschlichen Vorstellungslebens, wie sie im griechischen Heidentum sich entwickelt hatte, die ist eben einzig in der menschlichen Entwickelung. Die ist auch nicht wieder erreicht seither, war auch vorher nicht da. Und umgekehrt: Ein solches durch die Naturereignisse unbeirrtes Festhalten an dem moralischen Jahveimpuls, wie es im Buche Hiob dargestellt ist, das ist auch einzig, das ist auch sonst nicht zu finden. Das Buch Hiob ist schon eines der Wunderwerke der menschlichen Entwickelung, gerade nach dieser Richtung hin.

[ 10 ] Die Menschheit war gewissermaßen in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha herannahte, in einer Sackgasse angelangt. Sie konnte nicht weiter. Sie hatte begriffen, oder zu begreifen versucht, auf der einen Seite die Natur im alten Sinne, auf der andern Seite die moralische Welt im alten Sinne. Sie konnte nicht weiter. Beides war, äußerlich ausgestaltet, in der menschlichen Anschauung zu einem höchsten Gipfel gelangt, aber man konnte nicht weiter. Es ist nun wirklich so, daß die Weltenentwickelung in Gegensätzen erfolgt. Sie rückt nicht einfach so vor, so bequem, wie es sich die moderne Entwickelungslehre denkt, daß so eine aufsteigende geradlinige Entwickelung stattfindet. Diese moderne Entwickelungslehre denkt sich: Erst das Einfache, dann geradlinig aufsteigend das Folgende und so weiter. So ist diese Entwickelung nicht, sondern dieser Entwickelung liegt eine andere zugrunde, indem gewisse Entwickelungsimpulse zu einem Höchsten kommen, aber gleichzeitig mit diesen zu einem Höchsten kommenden Impulsen entwickeln sich andere, die zu einem Tiefsten kommen. Immer laufen zwei Strömungen: die eine kommt zur höchsten äußeren Entfaltung, und indem gerade die eine zur höchsten äußeren Entfaltung kommt, kommt die andere zur höchsten inneren Entfaltung. Und in derselben Zeit, in welcher auf der einen Seite die Menschen dazu gekommen sind, eine gewisse Höhe zu erreichen in bezug auf die heidnische Auflassung, auf der andern Seite eine gewisse Höhe zu erreichen in bezug auf die jüdische Auffassung, war dasjenige, was sich im Innern der Erdenmenschheit entwickelte, nicht anders zu erreichen als durch ein solches Ereignis, das — wenn es äußerlich sich gleichsam abspielte wie ein Weltsymbol — selber geschichtlich geschah.

[ 10 ] Die Menschheit war gewissermaßen in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha herannahte, in einer Sackgasse angelangt. Sie konnte nicht weiter. Sie hatte begriffen, oder zu begreifen versucht, auf der einen Seite die Natur im alten Sinne, auf der andern Seite die moralische Welt im alten Sinne. Sie konnte nicht weiter. Beides war, äußerlich ausgestaltet, in der menschlichen Anschauung zu einem höchsten Gipfel gelangt, aber man konnte nicht weiter. Es ist nun wirklich so, daß die Weltenentwickelung in Gegensätzen erfolgt. Sie rückt nicht einfach so vor, so bequem, wie es sich die moderne Entwickelungslehre denkt, daß so eine aufsteigende geradlinige Entwickelung stattfindet. Diese moderne Entwickelungslehre denkt sich: Erst das Einfache, dann geradlinig aufsteigend das Folgende und so weiter. So ist diese Entwickelung nicht, sondern dieser Entwickelung liegt eine andere zugrunde, indem gewisse Entwickelungsimpulse zu einem Höchsten kommen, aber gleichzeitig mit diesen zu einem Höchsten kommenden Impulsen entwickeln sich andere, die zu einem Tiefsten kommen. Immer laufen zwei Strömungen: die eine kommt zur höchsten äußeren Entfaltung, und indem gerade die eine zur höchsten äußeren Entfaltung kommt, kommt die andere zur höchsten inneren Entfaltung. Und in derselben Zeit, in welcher auf der einen Seite die Menschen dazu gekommen sind, eine gewisse Höhe zu erreichen in bezug auf die heidnische Auflassung, auf der andern Seite eine gewisse Höhe zu erreichen in bezug auf die jüdische Auffassung, war dasjenige, was sich im Innern der Erdenmenschheit entwickelte, nicht anders zu erreichen als durch ein solches Ereignis, das — wenn es äußerlich sich gleichsam abspielte wie ein Weltsymbol — selber geschichtlich geschah.

[ 11 ] So konnte es nur der Tod des Geistes sein, der der Erde den Sinn gibt. Höchstes Leben, wie dieses Leben im Lauf des Altertums sich entwickelte, zu seinem Gipfel gebracht, bedeutete zu gleicher Zeit innerlich spirituell die Notwendigkeit des Todes. Nur aus dem Tode konnte dann neues Leben hervorgehen. Dieser Tod auf Golgatha ist daher der notwendig größte Gegensatz zu dem üppigen Leben, das die Weltanschauung erlangt hat im Griechentum und Judentum in dieser Zeit.

[ 11 ] So konnte es nur der Tod des Geistes sein, der der Erde den Sinn gibt. Höchstes Leben, wie dieses Leben im Lauf des Altertums sich entwickelte, zu seinem Gipfel gebracht, bedeutete zu gleicher Zeit innerlich spirituell die Notwendigkeit des Todes. Nur aus dem Tode konnte dann neues Leben hervorgehen. Dieser Tod auf Golgatha ist daher der notwendig größte Gegensatz zu dem üppigen Leben, das die Weltanschauung erlangt hat im Griechentum und Judentum in dieser Zeit.

[ 12 ] Gewiß, man kann die Sache von den verschiedensten Gesichtspunkten darstellen. Wir haben das auch schon getan. Aber man kann auch zum Beispiel folgendes sagen. Man kann sagen: Alle alten Weltanschauungen, die ja doch alle mehr oder weniger fußten auf atavistischem Hellsehen, die erst im Griechentum zu dem reinen Gedanken vorgerückt waren, alle diese alten Weltanschauungen waren daraufhin angelegt, endlich den Menschen hier auf der Erde zu finden. Und das ist schon — namentlich im Griechentum, in einer andern Weise im Judentum — gerade zur Zeit des Mysteriums von Golgatha geschehen. Geht man zurück in die noch früheren Zeiten, so findet man: Der Mensch ist gewissermaßen mit dem, was er über sich selbst denkt, näher dem Göttlichen. Er ist noch nicht mit seiner Auffassung zu sich selbst herangekommen. In der Zeit, in der das Mysterium von Golgatha geschah, war der Mensch mit seiner eigenen Auffassung zu sich selbst herangekommen. Da tritt denn, wenn so etwas geschieht, eines jener Ereignisse ein, wo ein Geschehen gewissermaßen durch seine eigene Kraft in sein Gegenteil umschlägt.

[ 12 ] Gewiß, man kann die Sache von den verschiedensten Gesichtspunkten darstellen. Wir haben das auch schon getan. Aber man kann auch zum Beispiel folgendes sagen. Man kann sagen: Alle alten Weltanschauungen, die ja doch alle mehr oder weniger fußten auf atavistischem Hellsehen, die erst im Griechentum zu dem reinen Gedanken vorgerückt waren, alle diese alten Weltanschauungen waren daraufhin angelegt, endlich den Menschen hier auf der Erde zu finden. Und das ist schon — namentlich im Griechentum, in einer andern Weise im Judentum — gerade zur Zeit des Mysteriums von Golgatha geschehen. Geht man zurück in die noch früheren Zeiten, so findet man: Der Mensch ist gewissermaßen mit dem, was er über sich selbst denkt, näher dem Göttlichen. Er ist noch nicht mit seiner Auffassung zu sich selbst herangekommen. In der Zeit, in der das Mysterium von Golgatha geschah, war der Mensch mit seiner eigenen Auffassung zu sich selbst herangekommen. Da tritt denn, wenn so etwas geschieht, eines jener Ereignisse ein, wo ein Geschehen gewissermaßen durch seine eigene Kraft in sein Gegenteil umschlägt.

[ 13 ] Wenn Sie ein Pendel ansehen, welches nach links und rechts ausschlägt, so werden Sie folgendes finden — ich habe das Bild öfter gebraucht: Indem dieses Pendel hierher ausschlägt (es wird gezeichnet), fällt es durch die Schwerkraft wieder zurück bis hierher, und indem es hier heruntergesunken ist durch die Schwerkraft, kann in diesem Augenblicke, weil der Faden direkt entgegengesetzt ist der Richtung der Schwerkraft, die Schwerkraft nicht wirken. Aber das Pendel bleibt nicht still stehen. Warum? Weil durch das Herunterfallen, wie man in der Physik sich ausdrückt — es ist spirituell nicht richtig, aber man kann das Wort ja anwenden —, das Pendel so viel Beharrungskraft in sich aufgenommen hat, daß es durch diese eigene Beharrungskraft nach der andern Seite ausschlägt. Diese Beharrungskraft ist aber in dem Momente erschöpft, Null geworden, wo das Pendel links so weit ausgeschlagen hat, als es rechts ausgeschlagen hat. Die Bewegung nach links wird durch die eigene Beharrungskraft des Pendels bewirkt, erschöpft sich aber. Das ist überhaupt ein allgemeines Gesetz der Vorgänge in der Welt, daß etwas geschieht, und im Geschehen vernichtet sich der Impuls des Geschehens. So aber, in dem Augenblicke, in welchem heidnische und jüdische Kultur auf einem Höhepunkt angelangt waren, war die Kraft, durch die sie sich bis dahin gebracht haben, erschöpft, auf einem Nullpunkt angekommen. Und es bedurfte eines neuen Impulses, der in die Welt hereinkam, um die Entwickelung weiter zu lenken. Und dieser Impuls war der Christus, für den die Hülle des Jesus vorbereitet war in der Weise, wie wir das kennen.

[ 13 ] Wenn Sie ein Pendel ansehen, welches nach links und rechts ausschlägt, so werden Sie folgendes finden — ich habe das Bild öfter gebraucht: Indem dieses Pendel hierher ausschlägt (es wird gezeichnet), fällt es durch die Schwerkraft wieder zurück bis hierher, und indem es hier heruntergesunken ist durch die Schwerkraft, kann in diesem Augenblicke, weil der Faden direkt entgegengesetzt ist der Richtung der Schwerkraft, die Schwerkraft nicht wirken. Aber das Pendel bleibt nicht still stehen. Warum? Weil durch das Herunterfallen, wie man in der Physik sich ausdrückt — es ist spirituell nicht richtig, aber man kann das Wort ja anwenden —, das Pendel so viel Beharrungskraft in sich aufgenommen hat, daß es durch diese eigene Beharrungskraft nach der andern Seite ausschlägt. Diese Beharrungskraft ist aber in dem Momente erschöpft, Null geworden, wo das Pendel links so weit ausgeschlagen hat, als es rechts ausgeschlagen hat. Die Bewegung nach links wird durch die eigene Beharrungskraft des Pendels bewirkt, erschöpft sich aber. Das ist überhaupt ein allgemeines Gesetz der Vorgänge in der Welt, daß etwas geschieht, und im Geschehen vernichtet sich der Impuls des Geschehens. So aber, in dem Augenblicke, in welchem heidnische und jüdische Kultur auf einem Höhepunkt angelangt waren, war die Kraft, durch die sie sich bis dahin gebracht haben, erschöpft, auf einem Nullpunkt angekommen. Und es bedurfte eines neuen Impulses, der in die Welt hereinkam, um die Entwickelung weiter zu lenken. Und dieser Impuls war der Christus, für den die Hülle des Jesus vorbereitet war in der Weise, wie wir das kennen.

[ 14 ] So kann man sagen: Wenn ein Mensch ganz hätte durchschauen können zur Zeit, in der unsere Zeitrechnung das Jahr Null setzt, was eigentlich innerlich in der Menschheit vorgeht, so hätte er sagen müssen: Die Menschheit trifft in diesem Zeitpunkt das tragische Schicksal, daß die Kräfte, die ihr gegeben worden sind beim Ausgange der Erdenentwickelung, in der Zeit, in welcher wir angekommen sind, zwar diese Menschheit zur höchsten Entfaltung gebracht haben in bezug auf ihre innere Seelenverfassung, aber sich zugleich erschöpft haben. Es trifft sie der Tod der Menschheitskultur, die im Sinne jener Impulse verlief, welche die Alten wie eine Erbschaft der Menschheit am Ausgangspunkt der Erdenentwickelung empfangen haben. — Dann konnte einer, der das Geschick der Menschheit so empfunden hätte, aufblicken zu dem Berge Golgatha und das äußere geschichtliche Symbolum sehen, den sterbenden Jesusleib, den sterbenden Repräsentanten der Menschheit, und konnte aus der Auferstehung die Hoffnung gewinnen, daß ein neuer Impuls die Menschheit nicht verlassen wird auf der Erde, sondern sie weiterführen wird; aber ein Impuls, der nicht hervorgehen konnte aus dem, was bis dahin die Erde hat den Menschen geben können. Das heißt, die Menschheit mußte aufsehen zu etwas, was die Erde nicht geben konnte, indem sie auf Golgatha hinsah und auf Golgatha die Möglichkeit einer Weiterentwickelung der Menschheit von Golgatha aus empfand. Aufsehen zu etwas, was in die Erdenentwickelung als ein neuer Einschlag hereinkam, das mußte derjenige, oder hätte derjenige müssen, der die Dinge der Menschheitsentwickelung innerlich in dem damaligen Zeitpunkt durchschaut hätte. Das war vor sich gegangen, und das war die Bedeutung desjenigen, was vor sich gegangen war. Ob man nun mehr oder weniger so oder so dieses Ereignis aufgefaßt hat, das ist Sache der äußeren Geschichte. Das für das Christentum Wesentliche ist, daß dies geschehen ist und dies als objektive Tatsache sich abgespielt hat. Christentum ist nicht eine Lehre, Christentum ist die Anschauung dieses in der Erdenentwickelung sich abspielenden objektiven Ereignisses.

[ 14 ] So kann man sagen: Wenn ein Mensch ganz hätte durchschauen können zur Zeit, in der unsere Zeitrechnung das Jahr Null setzt, was eigentlich innerlich in der Menschheit vorgeht, so hätte er sagen müssen: Die Menschheit trifft in diesem Zeitpunkt das tragische Schicksal, daß die Kräfte, die ihr gegeben worden sind beim Ausgange der Erdenentwickelung, in der Zeit, in welcher wir angekommen sind, zwar diese Menschheit zur höchsten Entfaltung gebracht haben in bezug auf ihre innere Seelenverfassung, aber sich zugleich erschöpft haben. Es trifft sie der Tod der Menschheitskultur, die im Sinne jener Impulse verlief, welche die Alten wie eine Erbschaft der Menschheit am Ausgangspunkt der Erdenentwickelung empfangen haben. — Dann konnte einer, der das Geschick der Menschheit so empfunden hätte, aufblicken zu dem Berge Golgatha und das äußere geschichtliche Symbolum sehen, den sterbenden Jesusleib, den sterbenden Repräsentanten der Menschheit, und konnte aus der Auferstehung die Hoffnung gewinnen, daß ein neuer Impuls die Menschheit nicht verlassen wird auf der Erde, sondern sie weiterführen wird; aber ein Impuls, der nicht hervorgehen konnte aus dem, was bis dahin die Erde hat den Menschen geben können. Das heißt, die Menschheit mußte aufsehen zu etwas, was die Erde nicht geben konnte, indem sie auf Golgatha hinsah und auf Golgatha die Möglichkeit einer Weiterentwickelung der Menschheit von Golgatha aus empfand. Aufsehen zu etwas, was in die Erdenentwickelung als ein neuer Einschlag hereinkam, das mußte derjenige, oder hätte derjenige müssen, der die Dinge der Menschheitsentwickelung innerlich in dem damaligen Zeitpunkt durchschaut hätte. Das war vor sich gegangen, und das war die Bedeutung desjenigen, was vor sich gegangen war. Ob man nun mehr oder weniger so oder so dieses Ereignis aufgefaßt hat, das ist Sache der äußeren Geschichte. Das für das Christentum Wesentliche ist, daß dies geschehen ist und dies als objektive Tatsache sich abgespielt hat. Christentum ist nicht eine Lehre, Christentum ist die Anschauung dieses in der Erdenentwickelung sich abspielenden objektiven Ereignisses.

[ 15 ] Und nun sehen wir, wie diese Anschauung vom Christentum sich merkwürdig ausbreitet. Von einem andern Gesichtspunkte habe ich neulich ja dieselbe Tatsache entwickelt. Heute wollen wir nur das betrachten, wie über die Länder des Judentums, des griechischen Heidentums, des römischen Heidentums hin die Anschauung von dem Christus-Impuls, der in die Erdenentwickelung hereingekommen ist, sich ausbreitet. Man kann nicht umhin, wenn man unbefangen die geschichtliche Entwickelung betrachtet, sich doch zu sagen: Ja, so recht innerlich Wurzel gefaßt hat das Christentum ganz gewiß nicht im Judentum, abet, trotzdem sogar die Evangelien aus Griechentum heraus geschrieben sind, auch nicht im Griechentum, und erst recht nicht im Römertum des Römischen Weltreiches. Sie brauchen nur den Katholizismus, der ja das Übriggebliebene jenes Christentums ist, das aus dem Römischen Weltreiche sich herausentwickelt hat, zu nehmen und brauchen von diesem römischen Katholizismus nur zu nehmen das allerdings in seiner Art große und gewaltige Meßopfer, so werden Sie sehen, welche eigentümliche Bedeutung zugrunde liegt gerade der Ausbreitung der christlichen Auffassung durch das alte Römische Weltreich.

[ 15 ] Und nun sehen wir, wie diese Anschauung vom Christentum sich merkwürdig ausbreitet. Von einem andern Gesichtspunkte habe ich neulich ja dieselbe Tatsache entwickelt. Heute wollen wir nur das betrachten, wie über die Länder des Judentums, des griechischen Heidentums, des römischen Heidentums hin die Anschauung von dem Christus-Impuls, der in die Erdenentwickelung hereingekommen ist, sich ausbreitet. Man kann nicht umhin, wenn man unbefangen die geschichtliche Entwickelung betrachtet, sich doch zu sagen: Ja, so recht innerlich Wurzel gefaßt hat das Christentum ganz gewiß nicht im Judentum, abet, trotzdem sogar die Evangelien aus Griechentum heraus geschrieben sind, auch nicht im Griechentum, und erst recht nicht im Römertum des Römischen Weltreiches. Sie brauchen nur den Katholizismus, der ja das Übriggebliebene jenes Christentums ist, das aus dem Römischen Weltreiche sich herausentwickelt hat, zu nehmen und brauchen von diesem römischen Katholizismus nur zu nehmen das allerdings in seiner Art große und gewaltige Meßopfer, so werden Sie sehen, welche eigentümliche Bedeutung zugrunde liegt gerade der Ausbreitung der christlichen Auffassung durch das alte Römische Weltreich.

[ 16 ] Was ist denn im Grunde genommen die Messe? Die Messe und auch andere Zeremonien der katholischen Kirche sind in ihrer Grandiosität, ihrer unvergleichlichen Größe eben doch entnommen den alten heidnischen Mysterien. Und sobald Sie auf das Ritual des Katholizismus hinschauen und es richtig verstehen, so haben Sie in diesem Ritual eine Wiedergabe des Weges der Einweihung in den alten heidnischen Mysterien. Die Hauptteile der Messe: Verkündigung, Opferung, Wandelung, Kommunion, stellen dar den Weg des Einzuweihenden aus den alten heidnischen Mysterien. In die Form des alten heidnischen Mysteriums mußte eingekleidet werden der Christus-Impuls, um sich zu verbreiten durch die Gegenden des Römischen Weltreiches. Und wie dasjenige, was durchlebt worden ist in der Anschauung des Christus Jesus, sich dargestellt hat denen, die vertraut waren mit den Ergebnissen der Initiation in den alten heidnischen Mysterien, das können Sie ja in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» nachlesen. Da ist dargestellt, wie auf Golgatha auf den Schauplatz der Weltgeschichte hinausgestellt worden ist dasjenige, was sonst in den geheimnisvollen Tiefen der Mysterieneinweihung als einzelnes menschliches Erlebnis auf einem andern Plane sich immer dargestellt hat. Und so sehen wir, daß eingetaucht wird in heidnisches Ritual das Geheimnis des Christentums in der Ausbreitung über die gebildeten Länder des vierten nachatlantischen Zeitraums, den wir als den griechisch-lateinischen bezeichnen. Da lebt dasjenige, was man als Idee von dem Christus-Impuls hat, im Ritual weiter, da lebt es im Meßopfer weiter. Im Grunde genommen lebt es heute noch immer so im Meßopfer im Katholizismus weiter. Denn ein richtiger Katholik ist derjenige, der den Christus Jesus in seinem ganzen Geheimnis empfindet, wenn am Altare emporgehoben wird die Hostie, das sich in den Leib des Christus verwandelnde Brot. In dieser rituellen Handlung empfindet der wirkliche Katholik, der die heidnische Form des Christentums empfindet, dasjenige, was er empfinden soll. Da ist nicht ein unmittelbares Verhältnis zu dem Christus Jesus, da ist ein Verhältnis, daß gesucht wird, an den Menschen heranzudringen durch die Form des heidnischen Rituals.

[ 16 ] Was ist denn im Grunde genommen die Messe? Die Messe und auch andere Zeremonien der katholischen Kirche sind in ihrer Grandiosität, ihrer unvergleichlichen Größe eben doch entnommen den alten heidnischen Mysterien. Und sobald Sie auf das Ritual des Katholizismus hinschauen und es richtig verstehen, so haben Sie in diesem Ritual eine Wiedergabe des Weges der Einweihung in den alten heidnischen Mysterien. Die Hauptteile der Messe: Verkündigung, Opferung, Wandelung, Kommunion, stellen dar den Weg des Einzuweihenden aus den alten heidnischen Mysterien. In die Form des alten heidnischen Mysteriums mußte eingekleidet werden der Christus-Impuls, um sich zu verbreiten durch die Gegenden des Römischen Weltreiches. Und wie dasjenige, was durchlebt worden ist in der Anschauung des Christus Jesus, sich dargestellt hat denen, die vertraut waren mit den Ergebnissen der Initiation in den alten heidnischen Mysterien, das können Sie ja in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» nachlesen. Da ist dargestellt, wie auf Golgatha auf den Schauplatz der Weltgeschichte hinausgestellt worden ist dasjenige, was sonst in den geheimnisvollen Tiefen der Mysterieneinweihung als einzelnes menschliches Erlebnis auf einem andern Plane sich immer dargestellt hat. Und so sehen wir, daß eingetaucht wird in heidnisches Ritual das Geheimnis des Christentums in der Ausbreitung über die gebildeten Länder des vierten nachatlantischen Zeitraums, den wir als den griechisch-lateinischen bezeichnen. Da lebt dasjenige, was man als Idee von dem Christus-Impuls hat, im Ritual weiter, da lebt es im Meßopfer weiter. Im Grunde genommen lebt es heute noch immer so im Meßopfer im Katholizismus weiter. Denn ein richtiger Katholik ist derjenige, der den Christus Jesus in seinem ganzen Geheimnis empfindet, wenn am Altare emporgehoben wird die Hostie, das sich in den Leib des Christus verwandelnde Brot. In dieser rituellen Handlung empfindet der wirkliche Katholik, der die heidnische Form des Christentums empfindet, dasjenige, was er empfinden soll. Da ist nicht ein unmittelbares Verhältnis zu dem Christus Jesus, da ist ein Verhältnis, daß gesucht wird, an den Menschen heranzudringen durch die Form des heidnischen Rituals.

[ 17 ] In einer ganz andern, intim menschlichen Weise tritt das Christentum doch erst auf, indem es von den zivilisierten Ländern des Südens, die es eingetaucht haben in das Heidentum oder in das Judentum, zu den nordischen Barbaren kommt. Diese nordischen Barbaren sind deshalb auch zunächst so dem Christentum sich gegenüberstellend, daß sie dieses Christentum in einer viel primitiveren Form aufnehmen. Und durch eine lange Zeit hindurch sind ja diese nordischen Barbaren Arianer, das heißt, sie lassen sich nicht ein auf die komplizierten Vorstellungen, die im heidnischen Ritual einfach verkörpert sind, sondern sie stellen sich doch mehr oder weniger den Christus Jesus vor als eine Art Idealmenschen, als einen gesteigerten, ins Göttliche emporgehobenen, idealisierten Menschen, als den ersten Bruder der Menschheit, aber doch als den Bruder der Menschheit. Die Frage interessiert sie nicht so sehr, wie zu irgendeinem unbekannten Gotte der Christus steht; die Frage interessiert sie dagegen außerordentlich, wie die menschliche Natur zu der Christus-Natur steht, welches Verhältnis unmittelbar das menschliche Herz, das menschliche Gemüt zu dem Idealmenschen Christus Jesus haben kann. Und mit den Anschauungen über die äußerliche, menschliche, gesellschaftliche Struktur verbindet sich dieses. Der Christus wird ein besonderer König, ein besonderer Volksführer. Wie man sich vorgestellt hat, daß man folgt dem Führer, zu dem man Vertrauen hat, so will man folgen dem Christus Jesus als dem besonders erlauchten Führer. Da tritt etwas ein, was man nennen könnte das Suchen eines persönlichen Verhältnisses zu dem Christus Jesus, im Gegensatz zu dem komplizierten, nur im realisierten imaginativen Bilde des Rituals ausdrückbaren Verhältnisse, das man im Süden gewonnen hat.

[ 17 ] In einer ganz andern, intim menschlichen Weise tritt das Christentum doch erst auf, indem es von den zivilisierten Ländern des Südens, die es eingetaucht haben in das Heidentum oder in das Judentum, zu den nordischen Barbaren kommt. Diese nordischen Barbaren sind deshalb auch zunächst so dem Christentum sich gegenüberstellend, daß sie dieses Christentum in einer viel primitiveren Form aufnehmen. Und durch eine lange Zeit hindurch sind ja diese nordischen Barbaren Arianer, das heißt, sie lassen sich nicht ein auf die komplizierten Vorstellungen, die im heidnischen Ritual einfach verkörpert sind, sondern sie stellen sich doch mehr oder weniger den Christus Jesus vor als eine Art Idealmenschen, als einen gesteigerten, ins Göttliche emporgehobenen, idealisierten Menschen, als den ersten Bruder der Menschheit, aber doch als den Bruder der Menschheit. Die Frage interessiert sie nicht so sehr, wie zu irgendeinem unbekannten Gotte der Christus steht; die Frage interessiert sie dagegen außerordentlich, wie die menschliche Natur zu der Christus-Natur steht, welches Verhältnis unmittelbar das menschliche Herz, das menschliche Gemüt zu dem Idealmenschen Christus Jesus haben kann. Und mit den Anschauungen über die äußerliche, menschliche, gesellschaftliche Struktur verbindet sich dieses. Der Christus wird ein besonderer König, ein besonderer Volksführer. Wie man sich vorgestellt hat, daß man folgt dem Führer, zu dem man Vertrauen hat, so will man folgen dem Christus Jesus als dem besonders erlauchten Führer. Da tritt etwas ein, was man nennen könnte das Suchen eines persönlichen Verhältnisses zu dem Christus Jesus, im Gegensatz zu dem komplizierten, nur im realisierten imaginativen Bilde des Rituals ausdrückbaren Verhältnisse, das man im Süden gewonnen hat.

[ 18 ] Wodurch geschieht dieses? Ja, diese barbarischen Völkerschaften, zu denen da das Christentum im Norden dringt, die sind der Keim desjenigen, was später auftreten soll in der menschlichen Entwickelung als der fünfte nachatlantische Zeitraum. Sie sind nur in der Zeit, als die Menschen des vierten nachatlantischen Zeitraums verhältnismäßig schon auf einer Höhe angekommen waren, noch nicht einmal recht Mensch geworden. Sie nehmen noch in eine primitive menschliche Wesenheit herein dasjenige auf, was in eine hochentwickelte Menschheit herein nur in Form der realisierten Imaginationen des Rituals kommen kann. In die Barbarenherzen und Barbarengemüter herein wird dasjenige aufgenommen in einer intimen, persönlichen Weise, was im Überschlagen der menschlichen Natur in hohe Geistigkeit im Süden doch nur in verheidnischter Form aufgenommen worden ist.

[ 18 ] Wodurch geschieht dieses? Ja, diese barbarischen Völkerschaften, zu denen da das Christentum im Norden dringt, die sind der Keim desjenigen, was später auftreten soll in der menschlichen Entwickelung als der fünfte nachatlantische Zeitraum. Sie sind nur in der Zeit, als die Menschen des vierten nachatlantischen Zeitraums verhältnismäßig schon auf einer Höhe angekommen waren, noch nicht einmal recht Mensch geworden. Sie nehmen noch in eine primitive menschliche Wesenheit herein dasjenige auf, was in eine hochentwickelte Menschheit herein nur in Form der realisierten Imaginationen des Rituals kommen kann. In die Barbarenherzen und Barbarengemüter herein wird dasjenige aufgenommen in einer intimen, persönlichen Weise, was im Überschlagen der menschlichen Natur in hohe Geistigkeit im Süden doch nur in verheidnischter Form aufgenommen worden ist.

[ 19 ] Und so sehen wir, daß in einer ganz verschiedenen Weise der Keim des Christus-Impulses in die südlichen Herzen und in die Herzen der nordischen Barbaren fällt. Diese nordischen Barbarenherzen sind weit weniger reif als die Herzen der Völker des Südens, und in ihre Unreife hinein senkt sich der Christus-Impuls. Die merkwürdige Tatsache liegt vor, daß im ganzen Süden durch das christianisierte Judentum, dutch das christianisierte Griechentum, durch das christianisierte Römertum sich das Christentum so einlebt, daß sich vor den ChristusImpuls, der an die Menschheit herannaht, die Christus-Vorstellung setzt, die man in der Weise ausgestaltet, wie man sie nach den alten Seelenerlebnissen hat ausgestalten können. Denn diese alten Menschen hatten ein bedeutendes Seelenleben, ein in einem gewissen Sinne grandios ausgebildetes Seelenleben. Die nordischen Barbaren hatten ein primitives, einfaches Seelenleben, das an das Allernächste nur gewöhnt war, an die allernächsten Verhältnisse persönlicher Art zwischen Mensch und Mensch. Und in diese nächsten Verhältnisse herein strömte der Christus-Impuls. Diese Menschen hatten gar keine Vorstellung einer wissenschaftlichen Erkenntnis, wie sie bei den Griechen ausgebildet war, einer politischen Anschauung über eine Staatsstruktur, wie sie bei den Römern ausgebildet war. Das gab es bei den nördlichen Barbaren nicht. Ihr Vorstellungsleben in der Seele war, man möchte sagen, frei. Sie konnten nicht viel denken. Sie konnten jagen, sie konnten kriegführen, sie konnten ein bißchen Ackerbau, sie ‚konnten auch anderes — Sie brauchen das ja nur über die alten nordischen Barbaren nachzulesen —; aber irgendeine entwickelte Wissenschaft bildeten sie nicht aus. Vor den Christus-Impuls trat keine Vorstellung; der konnte selbst als Christus-Impuls zu den Leuten kommen. Daher kann man sagen: Zu den südlichen Menschen kam der Christus so, daß er haltmachen mußte vor dem Vorstellungsleben, das sie ihm entgegenbrachten. Diese südlichen Menschen stellten ein Tor auf: Durch das mußt du erst kommen —, sagten sie dem Christus. Dieses Tor war noch dasjenige, das gezimmert war aus den alten, überlieferten Vorstellungen. Die nordischen Barbaren hatten kein solches Tor; ganz weit offen war der Einlaß, der Christus-Impuls kam selbst da herein. Zwischen dem Volk oder den Völkern, die da als nordische Barbaren sich auslebten, zu denen der Christus kam, und dem Jesus selber, zu dem als einzelner Mensch der Christus kam, ist nur ein gradueller Unterschied. In Palästina kam der Christus zu dem einzelnen Menschen Jesus. Dann breitete sich der Impuls aus über die südlichen Länder. Da war überall das Tor des Vorstellungslebens da, da konnte ‘ er nicht so hinein, wie er in den Menschen Jesus hinein konnte. Wie zu den nördlichen Barbaren der Christus-Impuls kam, da konnte er allerdings nicht zu den einzelnen Menschen überall hinein — die waren keine Jesusse —, aber in die Völkerseelen konnte er hinein; die nahmen ihn als Christus in einer gewissen Beziehung auf. Und ein ähnlicher Prozeß spielte sich ab zwischen den Volksseelen und dem Christus wie zwischen dem Jesus und dem Christus.

[ 19 ] Und so sehen wir, daß in einer ganz verschiedenen Weise der Keim des Christus-Impulses in die südlichen Herzen und in die Herzen der nordischen Barbaren fällt. Diese nordischen Barbarenherzen sind weit weniger reif als die Herzen der Völker des Südens, und in ihre Unreife hinein senkt sich der Christus-Impuls. Die merkwürdige Tatsache liegt vor, daß im ganzen Süden durch das christianisierte Judentum, dutch das christianisierte Griechentum, durch das christianisierte Römertum sich das Christentum so einlebt, daß sich vor den ChristusImpuls, der an die Menschheit herannaht, die Christus-Vorstellung setzt, die man in der Weise ausgestaltet, wie man sie nach den alten Seelenerlebnissen hat ausgestalten können. Denn diese alten Menschen hatten ein bedeutendes Seelenleben, ein in einem gewissen Sinne grandios ausgebildetes Seelenleben. Die nordischen Barbaren hatten ein primitives, einfaches Seelenleben, das an das Allernächste nur gewöhnt war, an die allernächsten Verhältnisse persönlicher Art zwischen Mensch und Mensch. Und in diese nächsten Verhältnisse herein strömte der Christus-Impuls. Diese Menschen hatten gar keine Vorstellung einer wissenschaftlichen Erkenntnis, wie sie bei den Griechen ausgebildet war, einer politischen Anschauung über eine Staatsstruktur, wie sie bei den Römern ausgebildet war. Das gab es bei den nördlichen Barbaren nicht. Ihr Vorstellungsleben in der Seele war, man möchte sagen, frei. Sie konnten nicht viel denken. Sie konnten jagen, sie konnten kriegführen, sie konnten ein bißchen Ackerbau, sie ‚konnten auch anderes — Sie brauchen das ja nur über die alten nordischen Barbaren nachzulesen —; aber irgendeine entwickelte Wissenschaft bildeten sie nicht aus. Vor den Christus-Impuls trat keine Vorstellung; der konnte selbst als Christus-Impuls zu den Leuten kommen. Daher kann man sagen: Zu den südlichen Menschen kam der Christus so, daß er haltmachen mußte vor dem Vorstellungsleben, das sie ihm entgegenbrachten. Diese südlichen Menschen stellten ein Tor auf: Durch das mußt du erst kommen —, sagten sie dem Christus. Dieses Tor war noch dasjenige, das gezimmert war aus den alten, überlieferten Vorstellungen. Die nordischen Barbaren hatten kein solches Tor; ganz weit offen war der Einlaß, der Christus-Impuls kam selbst da herein. Zwischen dem Volk oder den Völkern, die da als nordische Barbaren sich auslebten, zu denen der Christus kam, und dem Jesus selber, zu dem als einzelner Mensch der Christus kam, ist nur ein gradueller Unterschied. In Palästina kam der Christus zu dem einzelnen Menschen Jesus. Dann breitete sich der Impuls aus über die südlichen Länder. Da war überall das Tor des Vorstellungslebens da, da konnte ‘ er nicht so hinein, wie er in den Menschen Jesus hinein konnte. Wie zu den nördlichen Barbaren der Christus-Impuls kam, da konnte er allerdings nicht zu den einzelnen Menschen überall hinein — die waren keine Jesusse —, aber in die Völkerseelen konnte er hinein; die nahmen ihn als Christus in einer gewissen Beziehung auf. Und ein ähnlicher Prozeß spielte sich ab zwischen den Volksseelen und dem Christus wie zwischen dem Jesus und dem Christus.

[ 20 ] Das ist das innere Geheimnis dieser Wanderung des Christentums durch die südlichen Länder zu den nördlichen Barbaren. Aber sie waren wirklich nicht sehr weit, diese nördlichen Barbaren. Und wenn auch der Christus unmittelbar hinein konnte, so sah es nicht sehr vornehm in den Wohnungen aus, die er da betreten konnte. Primitive, primitivste Vorstellungen waren da. Ich möchte sagen: Wie unter der Decke der Weltenentwickelung enfaltete sich erst dasjenige, was schon hoch ausgebildet im Süden war, aber auf einer vorhergehenden Stufe. Was hoch ausgebildet war im Süden auf der vierten nachatlantischen Kulturstufe, der griechisch-lateinischen, das war noch ganz embryonal im Norden und wartete bis später. So daß man sagen kann: Wir haben die vierte nachatlantische Kulturstufe und haben die fünfte nachatlantische Kulturstufe. Wir wissen: die vierte nachatlantische Kulturstufe, 747 vor dem Ereignis von Golgatha, geht bis zum Jahre 1413, und dann geht es weiter; wir leben jetzt in der fünften nachatlantischen Kulturstufe. Wenn man irgendeinen Punkt der vierten nachatlantischen Kulturstufe nimmt, sagen wir einen Punkt im 5. Jahrhundert vor dem Ereignis von Golgatha, so war die Entwickelung in den griechisch-lateinischen Ländern vorgeschritten, bei den nordischen Barbaren sehr zurück. Die wartete erst auf die spätere Entfaltung, da kam derselbe Punkt erst viel später. Das heißt, im Norden war man, wenn auch auf einer höheren Stufe, auf demselben Punkt, auf dem man im Süden früher war, erst viel später. Das ist wichtig, daß man so etwas ins Auge faßt. Denn nur durch solches Ins-Auge-Fassen kommt man darauf, wie sich die innere Entwickelung, die innere Entfaltung des menschlichen Lebens über die Erde hin gestaltet.

[ 20 ] Das ist das innere Geheimnis dieser Wanderung des Christentums durch die südlichen Länder zu den nördlichen Barbaren. Aber sie waren wirklich nicht sehr weit, diese nördlichen Barbaren. Und wenn auch der Christus unmittelbar hinein konnte, so sah es nicht sehr vornehm in den Wohnungen aus, die er da betreten konnte. Primitive, primitivste Vorstellungen waren da. Ich möchte sagen: Wie unter der Decke der Weltenentwickelung enfaltete sich erst dasjenige, was schon hoch ausgebildet im Süden war, aber auf einer vorhergehenden Stufe. Was hoch ausgebildet war im Süden auf der vierten nachatlantischen Kulturstufe, der griechisch-lateinischen, das war noch ganz embryonal im Norden und wartete bis später. So daß man sagen kann: Wir haben die vierte nachatlantische Kulturstufe und haben die fünfte nachatlantische Kulturstufe. Wir wissen: die vierte nachatlantische Kulturstufe, 747 vor dem Ereignis von Golgatha, geht bis zum Jahre 1413, und dann geht es weiter; wir leben jetzt in der fünften nachatlantischen Kulturstufe. Wenn man irgendeinen Punkt der vierten nachatlantischen Kulturstufe nimmt, sagen wir einen Punkt im 5. Jahrhundert vor dem Ereignis von Golgatha, so war die Entwickelung in den griechisch-lateinischen Ländern vorgeschritten, bei den nordischen Barbaren sehr zurück. Die wartete erst auf die spätere Entfaltung, da kam derselbe Punkt erst viel später. Das heißt, im Norden war man, wenn auch auf einer höheren Stufe, auf demselben Punkt, auf dem man im Süden früher war, erst viel später. Das ist wichtig, daß man so etwas ins Auge faßt. Denn nur durch solches Ins-Auge-Fassen kommt man darauf, wie sich die innere Entwickelung, die innere Entfaltung des menschlichen Lebens über die Erde hin gestaltet.

[ 21 ] Man bedenke nur, wie hoch diese griechisch-lateinische Kultur war in der Zeit, als in dieser griechisch-lateinischen Kultur der große Mensch — man kann ihn nicht einen Philosophen bloß nennen —, Plato aufstand, Plato mit seinem Hinaufwenden des menschlichen Gemütes zu den Ideen. Das sind nicht die abstrakten Ideen, von denen der heutige Mensch faselt, das sind Geistwesen selber, zu denen Plato aufschaut, indem er von Ideen spricht. Derjenige, der Plato wirklich kennt, weiß, auf welcher Höhe diese alte griechisch-lateinische Kultur der vierten nachatlantischen Kulturperiode stand. In der Zeit, als hervorragte aus dem Griechentum der große Plato, da mußte die nordische Barbarenkultur noch vieles durchmachen, bis sie ihrerseits aus ihrem eigenen Fleisch und Blut heraus, wenn auch jetzt für die fünfte nachatlantische Zeit, dasselbe hervorbrachte, wie es aus dem Griechentum hervorgebracht worden war, als Plato da war.

[ 21 ] Man bedenke nur, wie hoch diese griechisch-lateinische Kultur war in der Zeit, als in dieser griechisch-lateinischen Kultur der große Mensch — man kann ihn nicht einen Philosophen bloß nennen —, Plato aufstand, Plato mit seinem Hinaufwenden des menschlichen Gemütes zu den Ideen. Das sind nicht die abstrakten Ideen, von denen der heutige Mensch faselt, das sind Geistwesen selber, zu denen Plato aufschaut, indem er von Ideen spricht. Derjenige, der Plato wirklich kennt, weiß, auf welcher Höhe diese alte griechisch-lateinische Kultur der vierten nachatlantischen Kulturperiode stand. In der Zeit, als hervorragte aus dem Griechentum der große Plato, da mußte die nordische Barbarenkultur noch vieles durchmachen, bis sie ihrerseits aus ihrem eigenen Fleisch und Blut heraus, wenn auch jetzt für die fünfte nachatlantische Zeit, dasselbe hervorbrachte, wie es aus dem Griechentum hervorgebracht worden war, als Plato da war.

[ 22 ] Und wann erst hatte die nordische Barbarennatur aus ihrem eigenen Fleisch und Blut heraus sich zu einer solchen Höhe emporgearbeitet, auf der in einer früheren Zeitepoche Plato schon stand? Das war zur Zeit Goethes. Das, was Platonismus im Griechentum ist, das ist Goetheanismus für den fünften nachatlantischen Zeitraum. Wieviel Jahre verfließen denn in einem Kulturzeitraum? Sie wissen, wenn Sie die 1413 nehmen nach dem Mysterium von Golgatha, und die 747 vorher, so gibt das einen Kulturzeitraum; das sind 2160, etwas über 2000 Jahre. Das ist ungefähr auch die Zeit, die verfließt zwischen Plato und Goethe; ein Kulturzeitraum, nur hinausgeschoben, liegt zwischen beiden.

[ 22 ] Und wann erst hatte die nordische Barbarennatur aus ihrem eigenen Fleisch und Blut heraus sich zu einer solchen Höhe emporgearbeitet, auf der in einer früheren Zeitepoche Plato schon stand? Das war zur Zeit Goethes. Das, was Platonismus im Griechentum ist, das ist Goetheanismus für den fünften nachatlantischen Zeitraum. Wieviel Jahre verfließen denn in einem Kulturzeitraum? Sie wissen, wenn Sie die 1413 nehmen nach dem Mysterium von Golgatha, und die 747 vorher, so gibt das einen Kulturzeitraum; das sind 2160, etwas über 2000 Jahre. Das ist ungefähr auch die Zeit, die verfließt zwischen Plato und Goethe; ein Kulturzeitraum, nur hinausgeschoben, liegt zwischen beiden.

[ 23 ] Und indem wir auf Plato blicken, tritt uns eines bei Plato hervor, was grandios herausleuchtet aus der übrigen antiken Kultur. Es tritt uns bei Plato das entgegen, was in dem Worte liegt, wo Platos Philosophie zur religiösen Weihe sich erhebt, wo er sagt: Gott ist das Gute-, wo er eine Ahnung bekommt davon, daß verbunden werden muß die ideengemäße Naturanschauung mit der moralischen Weltenordnung: das Göttliche ist das Gute. Und damit tritt für das Griechentum die Erwartung des Christentums ein.

[ 23 ] Und indem wir auf Plato blicken, tritt uns eines bei Plato hervor, was grandios herausleuchtet aus der übrigen antiken Kultur. Es tritt uns bei Plato das entgegen, was in dem Worte liegt, wo Platos Philosophie zur religiösen Weihe sich erhebt, wo er sagt: Gott ist das Gute-, wo er eine Ahnung bekommt davon, daß verbunden werden muß die ideengemäße Naturanschauung mit der moralischen Weltenordnung: das Göttliche ist das Gute. Und damit tritt für das Griechentum die Erwartung des Christentums ein.

[ 24 ] Damit aber wäre in der nordischen Welt mit Goethe auf eine Erwartung hingedeutet, auf eine Erwartung einer Erneuerung des Christentums. Wer könnte auch Goethe innerlich anders anschauen als so, daß in ihm eine Erwartung liegt einer Erneuerung der Auffassung des Mysteriums von Golgatha! Der Knabe Goethe, der siebenjährige, steht noch wie ein Heide vor der Natur, wiederholt sein Griechentum. Er nimmt ein Notenpult, legt darauf allerlei Steine und Felsarten als Repräsentanten der Naturvorgänge, zündet oben ein Räucherkerzchen an unmittelbar an dem Sonnenlichte, das er durch ein Brennglas auffängt, um dem großen Gotte der Natur ein Opfer darzubringen. Rein heidnische Naturverehrung; darinnen lebt nichts von einem Christus Jesus. Darinnen lebt der Gott, der in der Natur angeschaut werden kann. Und Goethe ist bis zum innersten Wesen hinein intim ehrlich. Er bekennt sich nicht äußerlich zu irgendeiner Gottheit, zu irgendeinem Göttlichen, mit dem er sich nicht innerlich ehrlich verbinden kann. Annehmen diejenige Gottesvorstellung, die ihm ein Priester sagt, das kann er nicht; lernen äußerlich dasjenige, was nicht ihm aus der innersten Seele quillt, das kann er nicht. So quillt noch 1780 aus seinem Inneren hervor sein Prosahymnus an die Natur, jener wunderbare Prosahymnus an die Natur, der da beginnt: Natur, wir sind von ihr umgeben und umschlungen. Ungewarnt und ungebeten nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arm entsinken... Alles ist Natur. Wir gehören ihr an; sie treibt sich mit uns fort. Auch das Unnatürlichste ist Natur. Die größte Philisterei hat etwas von ihrem Genie. Sie hat mich hineingestellt, sie wird ihr Werk nicht hassen. Alles ist ihr Verdienst, alles ihre Schuld.

[ 24 ] Damit aber wäre in der nordischen Welt mit Goethe auf eine Erwartung hingedeutet, auf eine Erwartung einer Erneuerung des Christentums. Wer könnte auch Goethe innerlich anders anschauen als so, daß in ihm eine Erwartung liegt einer Erneuerung der Auffassung des Mysteriums von Golgatha! Der Knabe Goethe, der siebenjährige, steht noch wie ein Heide vor der Natur, wiederholt sein Griechentum. Er nimmt ein Notenpult, legt darauf allerlei Steine und Felsarten als Repräsentanten der Naturvorgänge, zündet oben ein Räucherkerzchen an unmittelbar an dem Sonnenlichte, das er durch ein Brennglas auffängt, um dem großen Gotte der Natur ein Opfer darzubringen. Rein heidnische Naturverehrung; darinnen lebt nichts von einem Christus Jesus. Darinnen lebt der Gott, der in der Natur angeschaut werden kann. Und Goethe ist bis zum innersten Wesen hinein intim ehrlich. Er bekennt sich nicht äußerlich zu irgendeiner Gottheit, zu irgendeinem Göttlichen, mit dem er sich nicht innerlich ehrlich verbinden kann. Annehmen diejenige Gottesvorstellung, die ihm ein Priester sagt, das kann er nicht; lernen äußerlich dasjenige, was nicht ihm aus der innersten Seele quillt, das kann er nicht. So quillt noch 1780 aus seinem Inneren hervor sein Prosahymnus an die Natur, jener wunderbare Prosahymnus an die Natur, der da beginnt: Natur, wir sind von ihr umgeben und umschlungen. Ungewarnt und ungebeten nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arm entsinken... Alles ist Natur. Wir gehören ihr an; sie treibt sich mit uns fort. Auch das Unnatürlichste ist Natur. Die größte Philisterei hat etwas von ihrem Genie. Sie hat mich hineingestellt, sie wird ihr Werk nicht hassen. Alles ist ihr Verdienst, alles ihre Schuld.

[ 25 ] Intim aus dem Innersten heraus quillt diese Anschauung selber, weil Goethe sie so ehrlich sucht, wie er sie als Repräsentant seiner Stufe der Menschheit suchen muß, in der nichts Christliches liegt. Im ganzen Prosahymnus «Die Natur» finden Sie eine wunderbare Hinneigung zum Gotte, fast noch wie beim siebenjährigen Knaben, der sich seinen heidnischen Altar richtet aus Naturprodukten, aber nichts Christliches. Denn Goethe steht als ehrlicher Repräsentant in dem fünften nachatlantischen Zeitraum drinnen, der für ihn der Zeitraum der Erwartung ist. Daß es aber beim Heidnischen nicht bleiben kann, das drückt sich bei Goethe auf der einen Seite dadurch aus, daß er auch wissenschaftlich zu seiner grandiosen Naturanschauung kommt, die sich in seiner Morphologie, in seiner Farbenlehre ausdrückt; es drückt sich auf der andern Seite aber auch aus dadurch, daß er über diese Naturanschauung, über dieses Heidentum hinausgehen muß. Und nehmen Sie von diesem Gesichtspunkte den innersten Impuls des «Faust», nehmen Sie von diesem Gesichtspunkte aus namentlich dasjenige, was Goethe hineingeheimnißt hat in das «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», von jener Wiedergeburt des Menschen, die sich ausdrückt in diesem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» und versuchen Sie dann nicht, oberflächlich zu bleiben, sondern heranzudringen an dasjenige, was in Goethes Sinn lebte, dann kommt Ihnen der Gedanke: Hier lebt in einer Menschenseele ein neuer Christus-Impuls, ein neuer Impuls der Menschheitsverwandlung, wie er durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist, ein Streben nach einer neuen Auffassung dieses Mysteriums von Golgatha. Denn es atmet das ganze «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» Erwartungsstimmung.

[ 25 ] Intim aus dem Innersten heraus quillt diese Anschauung selber, weil Goethe sie so ehrlich sucht, wie er sie als Repräsentant seiner Stufe der Menschheit suchen muß, in der nichts Christliches liegt. Im ganzen Prosahymnus «Die Natur» finden Sie eine wunderbare Hinneigung zum Gotte, fast noch wie beim siebenjährigen Knaben, der sich seinen heidnischen Altar richtet aus Naturprodukten, aber nichts Christliches. Denn Goethe steht als ehrlicher Repräsentant in dem fünften nachatlantischen Zeitraum drinnen, der für ihn der Zeitraum der Erwartung ist. Daß es aber beim Heidnischen nicht bleiben kann, das drückt sich bei Goethe auf der einen Seite dadurch aus, daß er auch wissenschaftlich zu seiner grandiosen Naturanschauung kommt, die sich in seiner Morphologie, in seiner Farbenlehre ausdrückt; es drückt sich auf der andern Seite aber auch aus dadurch, daß er über diese Naturanschauung, über dieses Heidentum hinausgehen muß. Und nehmen Sie von diesem Gesichtspunkte den innersten Impuls des «Faust», nehmen Sie von diesem Gesichtspunkte aus namentlich dasjenige, was Goethe hineingeheimnißt hat in das «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», von jener Wiedergeburt des Menschen, die sich ausdrückt in diesem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» und versuchen Sie dann nicht, oberflächlich zu bleiben, sondern heranzudringen an dasjenige, was in Goethes Sinn lebte, dann kommt Ihnen der Gedanke: Hier lebt in einer Menschenseele ein neuer Christus-Impuls, ein neuer Impuls der Menschheitsverwandlung, wie er durch das Mysterium von Golgatha geschehen ist, ein Streben nach einer neuen Auffassung dieses Mysteriums von Golgatha. Denn es atmet das ganze «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» Erwartungsstimmung.

[ 26 ] Da wo Plato im Griechentum steht, da steht Goethe innerhalb des fünften nachatlantischen Zeitraums. Die Frage: Wo steht Goethe? —, die führt uns dazu, zu sagen: Wie Plato mit seiner Definition des Göttlichen als des Guten hinwies für die Auffassung des vierten nachatlantischen Zeitraums auf das Mysterium von Golgatha, so wies Goethe mit den Aussprüchen, die herausklingen aus dem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» hin zu einer erneuerten Auffassung des Mysteriums von Golgatha, die da kommen muß. Das ist die Antwort auf die Frage: Wo steht Goethe?

[ 26 ] Da wo Plato im Griechentum steht, da steht Goethe innerhalb des fünften nachatlantischen Zeitraums. Die Frage: Wo steht Goethe? —, die führt uns dazu, zu sagen: Wie Plato mit seiner Definition des Göttlichen als des Guten hinwies für die Auffassung des vierten nachatlantischen Zeitraums auf das Mysterium von Golgatha, so wies Goethe mit den Aussprüchen, die herausklingen aus dem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» hin zu einer erneuerten Auffassung des Mysteriums von Golgatha, die da kommen muß. Das ist die Antwort auf die Frage: Wo steht Goethe?

[ 27 ] Wie kann man bis in die neuesten Tage herein sich das Menschheitsgeschehen durchgeistigt vorstellen? Die äußere geschichtliche Auffassung, die nur so hintereinander aufzählt die Menschen und die Vorgänge, die sagt eigentlich gar nichts, was wirklich innerlich den Menschen ergreifen könnte. Sieht man aber auf das Innerliche des Geschehens, sieht man, wie in demselben Punkt des fünften nachatlantischen Zeitraums, in dem für den vierten Plato stand, nun Goethe steht, dann enthüllt sich einem die geistige Welle, die durch die Welt west bis in die neuesten Tage herein. In den neuesten Tagen wird gewöhnlich für die gegenwärtige Menschheit die Geschichte recht ungeistig in ihrer Auffassung. Goetheanismus ist zugleich Erwartungsstimmung einer Neuauffassung des Mysteriums von Golgatha.

[ 27 ] Wie kann man bis in die neuesten Tage herein sich das Menschheitsgeschehen durchgeistigt vorstellen? Die äußere geschichtliche Auffassung, die nur so hintereinander aufzählt die Menschen und die Vorgänge, die sagt eigentlich gar nichts, was wirklich innerlich den Menschen ergreifen könnte. Sieht man aber auf das Innerliche des Geschehens, sieht man, wie in demselben Punkt des fünften nachatlantischen Zeitraums, in dem für den vierten Plato stand, nun Goethe steht, dann enthüllt sich einem die geistige Welle, die durch die Welt west bis in die neuesten Tage herein. In den neuesten Tagen wird gewöhnlich für die gegenwärtige Menschheit die Geschichte recht ungeistig in ihrer Auffassung. Goetheanismus ist zugleich Erwartungsstimmung einer Neuauffassung des Mysteriums von Golgatha.

[ 28 ] Anders kommt man nicht zu einem Verständnisse desjenigen, was um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert geschehen ist, als dadurch, daß man in dieser Weise versucht hineinzudringen in das Innere des Menschheitsgeschehens. Es kann jemand manche erhebenden Vorstellungen hervorrufen in Menschenherzen, wenn er heute zu erneuern versucht gewisse Empfindungen, die erregt wurden im alten Heidentum, sagen wir, wenn hinaufgeschaut wurde zu der Vorstellung der großen Isis des Ägyptertums. Aber gewiß auch zur Zeit Platos haben die Vorstellungen über die ägyptische Isis als der Impuls, der durch alle Natur waltet, den Menschen entgegengeklungen. Hören wir heute über die Isis, hören wir über die Isis, ohne uns mit aller Macht zu erneuern das, was Menschen in jener Zeit empfunden haben, so bleibt es bei den Worten. Wenn man ehrlich ist, bleibt es bei den Worten. Wenn man sich nicht an Wortklängen berauscht, bleibt es bei den Worten; es ergreift nicht das Herz. Was kann der moderne Mensch tun, wenn er dieselben Vorstellungen erwecken will in seinem Inneren, die im Altertum erweckt worden sind im menschlichen Herzen, wenn von der Isis gesprochen wurde? Der moderne Mensch kann den Prosahymnus Goethes über die Natur auf sich wirken lassen. Es wird da so zur modernen Menschheit gesprochen, wie zur alten Menschheit gesprochen worden ist, wenn von der Isis gesprochen wurde. Da klingt ‚auch unmittelbar das aus den geheimnisvollen Tiefen des Weltenalls heraus, was herausgeklungen hat, wenn zum alten Menschen von der Isis gesprochen worden ist. |

[ 28 ] Anders kommt man nicht zu einem Verständnisse desjenigen, was um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert geschehen ist, als dadurch, daß man in dieser Weise versucht hineinzudringen in das Innere des Menschheitsgeschehens. Es kann jemand manche erhebenden Vorstellungen hervorrufen in Menschenherzen, wenn er heute zu erneuern versucht gewisse Empfindungen, die erregt wurden im alten Heidentum, sagen wir, wenn hinaufgeschaut wurde zu der Vorstellung der großen Isis des Ägyptertums. Aber gewiß auch zur Zeit Platos haben die Vorstellungen über die ägyptische Isis als der Impuls, der durch alle Natur waltet, den Menschen entgegengeklungen. Hören wir heute über die Isis, hören wir über die Isis, ohne uns mit aller Macht zu erneuern das, was Menschen in jener Zeit empfunden haben, so bleibt es bei den Worten. Wenn man ehrlich ist, bleibt es bei den Worten. Wenn man sich nicht an Wortklängen berauscht, bleibt es bei den Worten; es ergreift nicht das Herz. Was kann der moderne Mensch tun, wenn er dieselben Vorstellungen erwecken will in seinem Inneren, die im Altertum erweckt worden sind im menschlichen Herzen, wenn von der Isis gesprochen wurde? Der moderne Mensch kann den Prosahymnus Goethes über die Natur auf sich wirken lassen. Es wird da so zur modernen Menschheit gesprochen, wie zur alten Menschheit gesprochen worden ist, wenn von der Isis gesprochen wurde. Da klingt ‚auch unmittelbar das aus den geheimnisvollen Tiefen des Weltenalls heraus, was herausgeklungen hat, wenn zum alten Menschen von der Isis gesprochen worden ist. |

[ 29 ] Und bedenken wir einmal, wie wir Unrecht tun, Unrecht der Weltenentwickelung und Unrecht unserem eigenen Herzen, wenn wir nicht so hören wollen, wenn wir lieber uns rein äußerlich versetzen wollen, weil das einen alten Nimbus hat, in die Art und Weise, wie über die Isis gesprochen worden ist von den alten Menschen. Wenn von den alten Menschen von der Isis gesprochen wurde, klang aus alldem heraus ein uralt heiliges Geheimnis. Und die Sprache unserer Zeit darf von demselben Geheimnis sprechen, wahrhaftig und wirklich so tief, wie von der ägyptischen Priesterlippe es kam, wenn über die Isis gesungen worden ist. Wir dürfen nicht verkennen, wenn Tiefe waltet im neuen Geistesleben. Dann werden wir uns auch wiederum so recht als Menschen fühlen, wenn wir nicht prosaisch in unserer Empfindung werden, wenn das Heilige zu uns in der Weise tönt, wie es aus dem neueren Impuls der geschichtlichen Entwickelung heraustönen will. Und dann, wenn wir uns, ich möchte sagen, heidnisch vorbereiten an so etwas, wie der Prosahymnus es ist, dann werden wir mit all jenen Weiterungen der Seele, die uns da überkommen können, mit allen Vertiefungen der Seele, die da im Inneren sich uns erlebbar machen, mit allen Erhebungen der Seele, die uns empfindbar werden, in so etwas vertiefen, wie in manche «Faust»-Szenen oder in das «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», wo wir die erwartungsvolle Stimmung einer neuen Auffassung des Mysteriums von Golgatha bei dem modernsten aller Menschen ausgesprochen finden.

[ 29 ] Und bedenken wir einmal, wie wir Unrecht tun, Unrecht der Weltenentwickelung und Unrecht unserem eigenen Herzen, wenn wir nicht so hören wollen, wenn wir lieber uns rein äußerlich versetzen wollen, weil das einen alten Nimbus hat, in die Art und Weise, wie über die Isis gesprochen worden ist von den alten Menschen. Wenn von den alten Menschen von der Isis gesprochen wurde, klang aus alldem heraus ein uralt heiliges Geheimnis. Und die Sprache unserer Zeit darf von demselben Geheimnis sprechen, wahrhaftig und wirklich so tief, wie von der ägyptischen Priesterlippe es kam, wenn über die Isis gesungen worden ist. Wir dürfen nicht verkennen, wenn Tiefe waltet im neuen Geistesleben. Dann werden wir uns auch wiederum so recht als Menschen fühlen, wenn wir nicht prosaisch in unserer Empfindung werden, wenn das Heilige zu uns in der Weise tönt, wie es aus dem neueren Impuls der geschichtlichen Entwickelung heraustönen will. Und dann, wenn wir uns, ich möchte sagen, heidnisch vorbereiten an so etwas, wie der Prosahymnus es ist, dann werden wir mit all jenen Weiterungen der Seele, die uns da überkommen können, mit allen Vertiefungen der Seele, die da im Inneren sich uns erlebbar machen, mit allen Erhebungen der Seele, die uns empfindbar werden, in so etwas vertiefen, wie in manche «Faust»-Szenen oder in das «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», wo wir die erwartungsvolle Stimmung einer neuen Auffassung des Mysteriums von Golgatha bei dem modernsten aller Menschen ausgesprochen finden.

[ 30 ] Das ist etwas, was ich Ihnen andeuten wollte über ein Finden Goethes und des Goetheanismus, nicht nur so, wie das oftmals gemacht wird, dieses Finden, sondern über ein Finden, das den GoetheGeist eben findet im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung zum Verständnisse der unmittelbaren Gegenwart, zum Erkraften jener Impulse, die wir brauchen, wenn wir uns so recht hineinstellen wollen in die Gegenwart und in die nächste Zukunft, in die wir uns nicht schlafend, wie ich oftmals betonte, sondern wachend hineinzustellen haben, wenn wir uns nicht versündigen wollen an dem Gang der Menschheitsentwickelung. Davon dann morgen weiter.

[ 30 ] Das ist etwas, was ich Ihnen andeuten wollte über ein Finden Goethes und des Goetheanismus, nicht nur so, wie das oftmals gemacht wird, dieses Finden, sondern über ein Finden, das den GoetheGeist eben findet im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung zum Verständnisse der unmittelbaren Gegenwart, zum Erkraften jener Impulse, die wir brauchen, wenn wir uns so recht hineinstellen wollen in die Gegenwart und in die nächste Zukunft, in die wir uns nicht schlafend, wie ich oftmals betonte, sondern wachend hineinzustellen haben, wenn wir uns nicht versündigen wollen an dem Gang der Menschheitsentwickelung. Davon dann morgen weiter.