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Goetheanism
An Impulse for Transformation and a Concept of Resurrection
Human and Social Science
GA 188

2 February 1919, Dornach

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Zwölfter Vortrag

Twelfth Lecture

[ 1 ] Ich habe gestern angeführt die vier hauptsächlichsten Glieder des gegenwärtigen sozialistischen Programms. Sie sind, wie Sie sich erinnern werden: Erstens: Die Produktionsbetriebe sind überzuführen in Vergesellschaftung. Zweitens: Die Produktionen haben sich zu richten nach dem Bedarf. Drittens: Arbeits- und Lohnverhältnisse seien demokratisch zu regeln. Viertens: Jeglicher Mehrwert falle an die Gemeinschaft. — Wir haben schon gestern auf einiges hinweisen müssen, welches uns zeigte, daß innerhalb jener Urteils- und Empfindungsströmungen, die zu diesem viergliedrigen Programm geführt haben, doch nicht bloß solche vom Menschen ganz losgelöste Tatsachen liegen, wie sozialdemokratische Gesinnung heute aus dem ableitet, was wir ja kennengelernt haben als materialistische Geschichtsauffassung und als Lehre vom ökonomischen Klassenkampfe. Es spielen in die Dinge, die heute geworden sind, die sich namentlich als Anschauungen und als Aspirationen des Proletariats festgesetzt haben, geistige Potenzen, geistige Impulse hinein. Und es wird verhängnisvoll werden, wenn man sich nicht genügend Einsicht verschaffen will, wie stark die geistigen Impulse sind, die in den Verlauf des sozialistischen Denkens und sozialistischen Wollens der neueren Zeit hineinspielen. Man kann sagen: Das Auffälligste in diesem sozialistischen Denken und sozialistischen Wollen ist das absolute Mißtrauen in ein jegliches Mitsprechen der menschlichen Moralität, der menschlichen Ethik bei der Ordnung des sozialen Organismus. Es liegt einfach wie ein Bodensatz dem proletarischen Denken und Wollen zugrunde, nicht daran zu glauben, daß bei den herrschenden Klassen irgendwelche moralischen Impulse oder auch nur geistigen Impulse irgend etwas zur Lösung des sozialen Problemes beitragen könnten.

[ 1 ] Yesterday I outlined the four main points of the current socialist program. As you will recall, they are: First, the means of production must be socialized. Second, production must be based on need. Third: Labor and wage conditions must be regulated democratically. Fourth: All surplus value shall accrue to the community. — Yesterday we were already compelled to point out certain things that showed us that within those currents of thought and sentiment that have led to this four-part program, there are not merely facts entirely detached from human beings, as social-democratic thinking today derives from what we have come to know as the materialist conception of history and the doctrine of the economic class struggle. Spiritual forces and spiritual impulses play a role in the developments of today, which have established themselves specifically as the views and aspirations of the proletariat. And it will prove disastrous if one fails to gain sufficient insight into just how powerful the spiritual impulses are that influence the course of socialist thought and socialist will in modern times. One might say: The most striking feature of this socialist thought and socialist will is the absolute distrust of any role played by human morality or human ethics in the organization of the social organism. It simply lies at the very foundation of proletarian thought and will—like a sediment—not to believe that any moral impulses, or even merely spiritual impulses, on the part of the ruling classes could contribute in any way to the solution of the social problem.

[ 2 ] Man täusche sich über diese Dinge nicht, namentlich nicht durch den Wortlaut, der manchmal auch von Sozialisten gehört werden kann. Gewiß, dieser Wortlaut ist besonders da, wo kritisiert wird, wo über die Fehler der herrschenden Klassen gesprochen wird, so, daß manches in den herrschenden Klassen moralisch verurteilt wird. Aber da, wo das sozialistische Proletariat sich vollbewußt besinnt auf dasjenige, wovon es etwas erhofft in der neueren Zeit, da sagt es nur: Selbst wenn die herrschenden Klassen sich vornehmen würden, aus moralischen Impulsen heraus irgendeine Besserung der sozialen Lage des Proletariats anzustreben, sie könnten es ja gar nicht. Eine Besserung kann sich nur ergeben aus dem wirklichen Klassenkampf, aus dem Kampf der ökonomischen Interessen und ökonomischen Kräfte als solchen. — Es ist außerordentlich wichtig, daß man sich das voll klarmacht. Denn was heute vielleicht noch als ein Rest eines Glaubens und Vertrauens in die moralische Kraft der herrschenden Klassen da ist, das wird auch noch verschwinden.

[ 2 ] Let us not be misled by these things, especially not by the rhetoric that is sometimes heard even from socialists. Certainly, this rhetoric is particularly prevalent when criticism is voiced, when the mistakes of the ruling classes are discussed, in such a way that certain aspects of the ruling classes are morally condemned. But when the socialist proletariat fully and consciously reflects on what it hopes for in the present era, it says only this: Even if the ruling classes were to resolve, out of moral impulse, to strive for some improvement in the social condition of the proletariat, they would be utterly incapable of doing so. An improvement can only result from the real class struggle, from the struggle of economic interests and economic forces as such. — It is extremely important to fully grasp this. For whatever may still remain today as a remnant of faith and trust in the moral power of the ruling classes will also disappear.

[ 3 ] Klarmachen muß man sich, daß aus jenen Voraussetzungen des Kapitalismus heraus, von denen ich gestern gesprochen habe, die sogenannte Intelligenz, die intellektuellen Führer der heutigen Menschheit allmählich im weitesten Umkreise selber zu einem Unglauben gekommen sind mit Bezug auf die Kraft moralischer oder sogar geistiger Impulse. Auch die bürgerlichen Kreise halten ja im tiefsten Grunde ihres Herzens nicht viel von der wirksamen Kraft moralischer Impulse. Gewiß, sie sprechen viel von solchen moralischen Impulsen, aber gegenüber dem, wie dann diese Dinge auftreten, erscheint oftmals dieses Sprechen wie eine mehr oder weniger bewußte oder unbewußte Unwahrhaftigkeit. Denn vergessen wir niemals eine der verhängnisvollsten Tatsachen in der Entwickelung der Menschheit der Gegenwart, eine Tatsache, die wir von den verschiedensten Gesichtspunkten aus schon berührt haben; wir können sie etwa so charakterisieren: Wir haben heute auf der einen Seite ein gewisses Vertrauen zu einem reinen, man möchte sagen, moralitätsfreien, geistfreien Wissen über die äußeren Naturdinge. Bedenken Sie nur, wie sehr die Gegenwart danach strebt, das Naturwissen so zu gestalten, daß nur ja keine Beziehung herrscht zwischen den Gedanken, die man sich über das Naturwesen macht und den Gedanken, die man sich macht über die moralische Weltenordnung. Eine charakteristische Tatsache ist ja diese, daß zum Beispiel die römisch-katholische Kirche, welche unter ihren Priestern wahrhaftig gründlich gelehrte Leute hat, darauf aufmerksam macht, daß die gelehrten Leute, die in ihren Reihen sind, nur ja sich bloß an die äußeren sinnlichen Tatsachen halten und nur ja nicht versuchen sollen, in das, wie man sagt, rein kausale Wissen mit Bezug auf die äußeren Tatsachen irgend etwas hineinzumischen, was auf Geistiges oder Moralisches sich bezieht. Höchstens gleichnisweise wird man das tun.

[ 3 ] One must realize that, given the conditions of capitalism I spoke of yesterday, the so-called intelligentsia—the intellectual leaders of today’s humanity—have gradually, across the broadest spectrum, come to disbelieve in the power of moral or even spiritual impulses. Even bourgeois circles, deep down in their hearts, do not think much of the effective power of moral impulses. Certainly, they speak a great deal about such moral impulses, but in light of how these things actually play out, this talk often appears to be a more or less conscious or unconscious insincerity. For let us never forget one of the most fateful facts in the development of present-day humanity—a fact we have already touched upon from a wide variety of perspectives; we might characterize it something like this: Today, on the one hand, we have a certain confidence in a pure—one might say, morality-free, spirit-free—knowledge of external natural phenomena. Just consider how much the present age strives to shape scientific knowledge of nature in such a way that there is absolutely no connection between the ideas one forms about the natural world and the ideas one forms about the moral order of the world. A characteristic fact is indeed this: for example, the Roman Catholic Church, which has truly thoroughly learned people among its priests, points out that the learned people in its ranks should by no means mix anything relating to the spiritual or moral into what is called purely causal knowledge regarding external facts with anything relating to the spiritual or moral. At most, this may be done by way of analogy.

[ 4 ] Und auf der andern Seite nehmen Sie diejenigen Dinge, die heute von den verschiedensten, als berufen geltenden Stellen und Leuten über moralische, ethische, geistige Fragen geschrieben werden. Gewiß, es werden mancherlei mehr oder weniger salbungsvolle oder auch nicht salbungsvolle, pathetische oder nicht pathetische, zum Mitleid hinstrebende oder Abscheu erregen wollende ethische Impulse und Ideale aufgezählt. Aber überzeugen Sie sich einmal und nehmen Sie solche Schriften wirklich zur Hand: Fragen Sie sich, was man heute gewinnen kann gegenüber den brennenden Fragen der Gegenwart, die man die sozialen Fragen, die sozialen Rätsel nennt, aus diesen Ethikbüchern oder geistigen Büchern der Gegenwart? Nichts, aber auch gar nichts! Zurückgezogen in gewisser Beziehung hat sich dasjenige, was ethisches Denken ist, von dem unmittelbar, alltäglich im sozialen Leben Wirksamen. Sie können immer und immer wieder in ethischen Büchern solche Begriffe finden, wie Wohlwollen, Liebe Liebe ist besonders beliebt —, Vornehmheit, Recht — Recht ist wieder besonders beliebt — und ähnliche Dinge. Aber so, wie da gesprochen wird, hat es keine Kraft, um im Menschen zu wirken. Es hat keine moralische Impulsivität, was da in moralischen Begriffen abstrakt an die Menschen herantritt. So hat man auf der einen Seite eine ins Ethische, ins Moralische hinüberspielende Rhetorik, die nicht imstande ist, den Menschen wirklich zu ergreifen, und so hat man das, was die Menschen ergreift, die ökonomische Ordnung, die sich gar nicht mehr um diese bloß rhetorische Ethik kümmert, sondern nur noch bauen will auf die bloßen Gedanken von der Naturkausalität, und in die ökonomische, in die wirtschaftliche Ordnung der Menschheit auch nur diese Naturkausalität hineinbringen will.

[ 4 ] And on the other hand, consider what is being written today by a wide variety of institutions and individuals regarded as authoritative on moral, ethical, and spiritual issues. Certainly, all manner of ethical impulses and ideals are enumerated—some more or less sanctimonious, others not; some melodramatic, others not; some seeking to evoke compassion, others intended to arouse revulsion. But see for yourself and actually pick up such writings: Ask yourself, what can one gain today from these contemporary books on ethics or spirituality in the face of the burning issues of the present—what are called social issues, social conundrums? Nothing, absolutely nothing! In a certain sense, ethical thinking has withdrawn from what is immediately and daily at work in social life. Time and again in books on ethics, you can find terms such as benevolence, love—love is particularly popular—, nobility, justice—justice is also particularly popular—and similar concepts. But the way these concepts are discussed there, they lack the power to have an effect on people. What approaches people in such abstract moral terms lacks moral impetus. Thus, on the one hand, there is rhetoric that leans toward the ethical and the moral but is incapable of truly moving people; and on the other hand, there is what does move people—the economic order—which no longer concerns itself with this merely rhetorical ethics at all, but seeks only to build upon the mere ideas of natural causality, and seeks to incorporate only this natural causality into the economic order of humanity.

[ 5 ] Wo hören Sie heute, wenn die Leute, die aus den sogenannten intelligenten Kreisen hervorgegangen sind, ethisch reden wollen, oder wo lesen Sie heute, wenn die Leute ethisch schreiben wollen, etwas, was wirklich an den Menschen so herantritt, daß aus den ethischen Forderungen unmittelbar sozialökonomische werden? Das wäre heute gerade das Wesentliche, daß ein gerader Weg gehen würde von Ethik, Religion und Geistigkeit zu den alleralltäglichsten ökonomischen, volkswirtschaftlichen sozialen Fragen. Diesen Weg zu. wissen, das darf nicht versäumt werden, wenn nicht noch größeres Unheil in die Menschheit hineinkommen soll, als in der letzten Zeit schon hineingekommen ist. Denn mit Bezug auf diese Dinge macht die sozialistisch-proletarische Partei der Gegenwart von ihrem rechtesten Flügel zu ihrer Mitte bis zu ihrem linkesten Flügel alles dasjenige mit, was sie als Erbschaft angetreten hat von der kapitalistischen Bourgeoisie, wie sie in den letzten Jahrhunderten sich heraufentwickelt hat. Das ist ja das Eigentümliche dieser Bourgeoisie, daß sie auf der einen Seite ganz verobjektiviert, losgelöst hat den Kapitalbildungsprozeß, die Wirtschaft, von den persönlichen Aspirationen des Menschen, und daß auf der andern Seite diese Bourgeoisie, ganz gleichgültig, ob sie hinneigt zu dieser oder jener traditionellen Religionsgemeinschaft oder zu irgendeiner neueren Sektenbildung, daß diese Bourgeoisie, weil sie das für vornehm, für richtig hält, das Seelenleben getrennt führen will von dem alltäglichen Leben und so alle Übersicht über das Leben verliert, jene Übersicht, die gerade den heutigen Menschen so notwendig wäre. Ich habe Mitglieder dieser Anthroposophischen Gesellschaft kennengelernt, die haben zum Beispiel unter anderem eine Frage gestellt wie diese: Ja, soll man denn einen Menschen in die Gesellschaft hereinnehmen, der in einer Bierbrauerei ist, also mitwirkt dazu, daß die Leute Bier trinken? — Ich will hier weder für noch gegen das Biertrinken sprechen; der Ausgangspunkt der Leute war eben dieser, daß sie gegen das Biertrinken waren. Man kann in einem solchen Falle dann nur sagen: Ja, sehen Sie, Sie urteilen ungefähr gerade so weit, als Ihre Nase geht; denn, nicht wahr, Ihr Nasenurteil reicht gerade so weit, daß Sie das Mitglied sehen oder Nichtmitglied sehen, das in einer Bierbrauerei eine verhältnismäßig gleichgültige Stellung hat. Aber ich rede von Tatsachen. Sie haben Aktien, Sie haben auch allerlei Bankpapiere: Wissen Sie denn, wieviel Bier Sie brauen mit Ihren Aktien, mit Ihren Bankpapieren? Darum kümmern Sie sich gar nicht; Sie kümmern sich nur um dasjenige, was Ihnen unmittelbar vor die Nase tritt.

[ 5 ] Where do you hear today—when people who have emerged from so-called intellectual circles want to speak about ethics—or where do you read today—when people want to write about ethics—something that truly speaks to people in such a way that ethical demands immediately become socio-economic ones? That would be the very essence of today: a direct path leading from ethics, religion, and spirituality to the most everyday economic, macroeconomic, and social issues. Knowing this path—this must not be neglected, lest even greater calamity befall humanity than has already befallen it in recent times. For with regard to these matters, the socialist-proletarian party of today—from its far-right wing through its center to its far-left wing—goes along with everything it has inherited from the capitalist bourgeoisie, as it has developed over the past few centuries. That is, after all, the peculiarity of this bourgeoisie: on the one hand, it has completely objectified and detached the process of capital formation—the economy—from human personal aspirations; and on the other hand, this bourgeoisie, regardless of whether it leans toward this or that traditional religious community or toward some newer sectarian movement—that this bourgeoisie, because it considers it refined and proper, seeks to keep its inner life separate from everyday life and thus loses all perspective on life—the very perspective that is so necessary for people today. I have met members of this Anthroposophical Society who, for example, asked a question like this: “Well, should we admit into the Society someone who works in a brewery—that is, who contributes to people drinking beer?”—I do not wish to speak here either for or against drinking beer; the people’s starting point was precisely that they were against drinking beer. In such a case, one can only say: “Well, you see, you’re judging only as far as your nose reaches; for, isn’t it true, your judgment based on smell extends just far enough to distinguish between a member and a non-member who holds a relatively insignificant position in a brewery.” But I’m talking about facts. You own stocks; you also own all sorts of bank securities: Do you even know how much beer you’re brewing with your stocks, with your bank securities? You don’t care about that at all; you care only about what’s right under your nose.

[ 6 ] Nicht darum handelt es sich, irgend jemanden zu tadeln, weil er so oder so denkt, sondern darum, auf die Inkonsequenz, auf das Inkohärente, auf das Unübersichtliche dieses Denkens hinzuweisen. Denn das ist das größte Unglück in unserer Zeit, daß die Menschen aus Bequemlichkeit bei diesem unzusammenhängenden, inkohärenten Denken, bei dieser inneren Inkonsequenz verbleiben und verbleiben wollen, weil sie nicht die Brücke schlagen wollen von Ethik, Religion, Geistigkeit auf der einen Seite zur andern Seite, zu dem unmittelbar realen Leben, das heute in der Gestalt der sozialen, ökonomischen Forderungen, der sozialen Rätsel überhaupt vor diese Menschheit hintritt.

[ 6 ] The point is not to criticize anyone for thinking one way or another, but rather to point out the inconsistency, the incoherence, and the confusion inherent in this way of thinking. For this is the greatest misfortune of our time: that people, out of convenience, remain—and wish to remain—in this disjointed, incoherent way of thinking, in this inner inconsistency, because they do not want to bridge the gap between ethics, religion, and spirituality on the one hand to the other hand—to the immediately real life that confronts humanity today in the form of social and economic demands and social enigmas.

[ 7 ] In dieser Beziehung muß in der Tat vieles noch gelernt werden. Erinnern Sie sich nur daran, wie ich doch immer wieder und wiederum betont habe, daß bei der Behandlung der sozialen Frage in der Gegenwart das Allerwichtigste der Hinblick auf die geistigen Angelegenheiten ist. Die Schulfragen, die Fragen des geistigen Lebens überhaupt, das sind die allerwichtigsten. Man kann sogar, wenn man tiefer in die Dinge hineinblickt, sagen: Solange ihr das geistige Leben abhängig sein lasset von der politischen Gemeinschaft, solange ihr die geistige Gemeinschaft, das geistige Leben abhängig sein laßt, aufgesogen sein lasset von der bloßen politischen Gemeinschaft, so lange könnt ihr tun, was ihr wollt, ihr werdet nicht zurechtkommen. Dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß das Schulwesen frei auf sich selbst gestellt wird, daß die Behandlung der geistigen Angelegenheiten frei auf sich gestellt wird. Und die Menschheit hat im Grunde genommen gar nicht sehr viel Zeit, dies zu tun, denn es könnte sehr bald zu spät sein dazu. Denn Zeit ist nur so lange, als man es in der Hand hat, durch das wilde Wüten der Instinkte hindurch überhaupt noch an die innere Wesenheit der Menschen heranzukommen. Versuchen Sie heute, Menschen, die im sozialen Chaos der Gegenwart ihre wütenden Instinkte schon entwickelt haben, versuchen Sie, ihnen zu predigen; Sie werden ausgelacht. Das ist es, warum man immer wieder und wiederum an die Herzen, an die Seelen appellieren möchte, daß doch gehört werde auf dasjenige, was eigentlich notwendig ist. Geradeso wie die Entwickelung in den Kapitalismus hinein in den letzten Jahrhunderten die Beschäftigung mit dem Geistigen und dadurch die Beschäftigung mit der Welt überhaupt ins völlig Unklare getrieben hat, so will anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft diese Dinge zur Klarheit bringen.

[ 7 ] In this regard, there is indeed still much to be learned. Just recall how I have emphasized time and again that, when addressing social issues today, the most important consideration is the focus on spiritual matters. Educational issues—and questions of spiritual life in general—are the most crucial of all. In fact, if one looks more deeply into these matters, one can even say: As long as you allow spiritual life to be dependent on the political community—as long as you allow the spiritual community and spiritual life to be dependent on, or absorbed by, the mere political community—then no matter what you do, you will not succeed. What is at stake is that the school system be left to its own devices, that the handling of spiritual matters be left to its own devices. And humanity, when all is said and done, does not have very much time to do this, for it could very soon be too late. For time is only available as long as one can, amidst the wild raging of instincts, still reach the inner essence of human beings at all. Try today to preach to people who, in the social chaos of the present, have already developed their raging instincts; you will be laughed at. That is why one wants to appeal again and again to people’s hearts and souls, so that they may heed what is actually necessary. Just as the development toward capitalism over the past few centuries has driven the engagement with the spiritual—and thereby the engagement with the world as a whole—into complete obscurity, so too does anthroposophically oriented spiritual science seek to bring clarity to these matters.

[ 8 ] Betrachten wir einmal den ersten Punkt in dem viergliedrigen sozialistischen Ideal: Überführung der Produktionsbetriebe in gemein.sames Eigentum, in Gesellschaftseigentum. Ja, um was es sich dabei handelt, das hängt gerade ab von geistigen Fragen, von einer klaren Einsicht in gewisse Antworten auf geistige Fragen. Was wird denn eigentlich Geisteswissenschaft, wenn sie nicht bloß als eine trockene Theorie genommen wird, den menschlichen Seelen bringen? Drei Dinge wird diese Geisteswissenschaft den menschlichen Seelen bringen: Erstens nicht bloß einen Glauben an irgendein Geistig-Göttliches, sondern eine Anschauung, wenn auch vielleicht nur eine durch Begriffe vermittelte, dafür aber für den gesunden Menschenverstand erfaßbare Anschauung von den geistigen Welten. Gegenüber dem verwaschenen, oftmals pantheistischen oder möglichst unbestimmten Sprechen von der geistigen Welt gibt die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft Anschauungen von dieser geistigen Welt, redet von ganz bestimmter Gliederung der geistigen Wesen, von einer Gliederung hierarchischer Ordnungen innerhalb der geistigen Welt, gibt Anschauungen der geistigen Welt, die ebenso konkret sind wie die Anschauungen über das mineralische, das pflanzliche, das tierische Reich innerhalb der physischen Welt. Diese Anschauungen, sie wurden gänzlich beiseite geschoben durch die Entwickelung der letzten Jahrhunderte. Bedenken Sie nur, wie heute die Menschen pochen auf den Glauben ohne Anschauung! Das ist das Charakteristische der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, daß sie von der geistigen Welt Anschauung geben will.

[ 8 ] Let us consider the first point in the four-part socialist ideal: the transfer of means of production to common ownership, to social ownership. Indeed, what this actually entails depends precisely on spiritual questions—on a clear understanding of certain answers to spiritual questions. What, then, will spiritual science—if it is not merely regarded as a dry theory—actually bring to the human soul? This spiritual science will bring three things to the human soul: First, not merely a belief in some spiritual-divine entity, but a vision—albeit perhaps one mediated through concepts, yet one that is comprehensible to sound common sense—of the spiritual worlds. In contrast to the vague, often pantheistic, or deliberately indefinite talk about the spiritual world, anthroposophically oriented spiritual science provides insights into this spiritual world; it speaks of a very specific structure of spiritual beings, of a hierarchy of orders within the spiritual world, and provides insights into the spiritual world that are just as concrete as the insights into the mineral, plant, and animal kingdoms within the physical world. These insights have been completely pushed aside by the developments of the last few centuries. Just consider how people today insist on faith without insight! This is the defining characteristic of anthroposophically oriented spiritual science: that it seeks to provide insight into the spiritual world.

[ 9 ] Ein zweites, was diese Geisteswissenschaft dem gibt, der sie nicht bloß als nüchterne, trockene Theorie nimmt, sondern der Herz und Seele davon ergreifen läßt, ist wirkliche, unermeßlich weitgehende Menschenachtung und Menschenschätzung. Kann denn eine geistige Lebensauffassung, die sich so darlebt, wie sie versucht worden ist darzuleben zum Beispiel in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», zu etwas anderem führen, wenn sie von der ganzen Seele, nicht nur von dem theoretischen Verstande aufgenommen wird, als zu einer wirklichen Menschenschätzung? Denken Sie, der ganze Kosmos wird betrachtet, insoferne der Mensch hineingestellt ist in diesen Kosmos. Es ist ja im Grunde genommen, indem nicht bloß gesprochen wird von der Erdenentwickelung, sondern sogar von Monden-, Sonnen- und Saturnentwickelung, immer der Mensch, der betrachtet wird. Vergleichen Sie in dieser Beziehung anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft mit der gewöhnlichen Naturwissenschaft der Gegenwart. Die läßt sich führen zu solchen Hypothesen wie der KantLaplaceschen. Sie geht nicht weit zurück, verglichen mit dem, zu welchem zurückgegangen wird in der Monden-, Sonnen-, Saturnanschauung; sie geht zurück zu einem gewissen Erdenzustand. Allein in jenem philosophisch naturwissenschaftlichen Wahnsinn, den man Kant-Laplacesche Theorie nennt, ist ja längst schon der Mensch verloren. Da ist er nicht mehr drinnen, da ist ein grauer Urnebel, von dem diese wahnsinnige Theorie, die man heute aber als wissenschaftlich empfindet, spricht. Diesem Verlust des Menschen schon innerhalb des Irdischen selber steht gegenüber die Betrachtung der Geisteswissenschaft, die im ganzen Kosmos den Menschen aufsucht. Gewiß, man kann das tun, indem man auf die Sache bloß gescheite Gedanken wendet, indem man die Sache bloß theoretisch verfolgt. Wer aber das nicht bloß theoretisch verfolgt, sondern wem die Verfolgung dieser Sache innerster Gehalt seines ganzen Menschenwesens ist, für den folgt aus einer solchen Weltenbetrachtung eine in unermeßliche Weiten gehende Menschenschätzung, Schätzung des Menschen als solchen.

[ 9 ] A second thing that this spiritual science offers to those who do not merely regard it as a sober, dry theory, but who allow it to capture their hearts and souls, is genuine, immeasurably profound respect for and appreciation of humanity. Can a spiritual view of life—one lived out as I have attempted to do, for example, in my *Outline of Esoteric Science*—lead to anything other than a genuine appreciation of humanity when it is embraced by the whole soul, not merely by the theoretical intellect? Consider that the entire cosmos is viewed insofar as the human being is situated within this cosmos. After all, when we speak not merely of the Earth’s evolution but even of the evolution of the Moon, the Sun, and Saturn, it is always the human being who is being considered. In this regard, compare anthroposophically oriented spiritual science with the conventional natural science of the present day. The latter leads to hypotheses such as the Kant-Laplacean one. It does not go very far back, compared to what is traced in the view of the Moon, Sun, and Saturn; it goes back only to a certain state of the Earth. Yet in that philosophical-scientific madness known as the Kant-Laplacean theory, humanity has long since been lost. Man is no longer present there; instead, there is a gray primordial nebula of which this insane theory—which is, however, regarded as scientific today—speaks. This loss of the human being even within the earthly realm itself is countered by the perspective of spiritual science, which seeks out the human being throughout the entire cosmos. Certainly, one can do this by merely applying intelligent thoughts to the matter, by pursuing it purely theoretically. But for those who do not pursue it merely theoretically, but for whom the pursuit of this matter is the innermost essence of their entire human being, such a view of the world gives rise to an appreciation of humanity that extends into immeasurable expanses—an appreciation of humanity as such.

[ 10 ] Die Schätzung des Menschen als solchen, die fehlt jener modernen Anschauung, die nur auf das äußerlich Sinnliche geht. Geisteswissenschaft bleibt in der Wirklichkeit, ihr ist gerade die äußere Sinnlichkeit ein Scheinbild. Aber wenn man bei der äußeren Wirklichkeit stehenbleibt, hat man kein Korrektiv, kein solches Korrektiv, wie die Geisteswissenschaft es hat, indem sie den kosmischen Menschen betrachtet und dadurch zur Menschenschätzung kommt, im Gegensatz zu dem, was manchmal die sinnliche Anschauung über den Menschen aussagt. Diese materialistische Anschauung kann zu keiner Menschenschätzung kommen; sie müßte ja unwahr sein. Sie müßte ja den einzelnen empirischen Menschen, den alltäglichen Menschen, das heißt das, was sie von diesem Menschen weiß, unbedingt schätzen. Nun, das geht wohl nicht gerade!

[ 10 ] That modern view, which focuses solely on the outwardly sensory, lacks an appreciation of the human being as such. Spiritual science remains grounded in reality; for it, the outwardly sensory is merely an illusion. But if one stops at external reality, one has no corrective—no corrective such as spiritual science possesses—by considering the cosmic human being and thereby arriving at an appreciation of humanity, in contrast to what sensory perception sometimes asserts about human beings. This materialistic view cannot arrive at any appreciation of humanity; it would, after all, have to be untrue. It would, after all, have to unconditionally value the individual empirical human being, the everyday human being—that is, what it knows about this human being. Well, that’s hardly possible!

[ 11 ] So ist die Geisteswissenschaft erstens der Weg zur geistigen Anschauung gegenüber dem bloßen Glauben, so ist sie der Weg zur echten Menschenschätzung gegenüber jener Gleichgültigkeit gegen die Menschen, die notwendigerweise aus der bloß materialistischen Anschauung folgt. Noch ein Drittes. Es gibt natürlich im Kosmos Dinge und Vorgänge außerhalb des Menschen. Wie betrachtet die Geisteswissenschaft diese Dinge und Vorgänge außerhalb des Menschen? Alle in bezug auf den Menschen! Es wird ja nichts betrachtet als in bezug auf den Menschen. Das mineralische, das pflanzliche, das tierische Reich, mit Bezug auf den Menschen werden sie betrachtet von der Geisteswissenschaft. Das gibt eine gewisse Schätzung desjenigen, was neben dem Menschen, oder man könnte auch sagen: unter dem Menschen in der äußeren physischen Welt vorhanden ist. Nehmen Sie jene Empfindung, die eine echt geisteswissenschaftliche ist, und die aus der Geisteswissenschaft heraus Christian Morgenstern genommen und in dichterische Form umgeprägt hat: Der Mensch fühlt sich auf der Höhe der physischen Erdenreiche. Unter ihm ist das tierische, das pflanzliche, das mineralische Reich. Aber wenn dieses pflanzliche Reich empfindungsgemäß nachdenken könnte über das mineralische, was müßte es sich sagen? Ich neige mich in Ehrfurcht vor dir, du Mineral, denn dir verdanke ich mein Dasein. Gäbest du mir nicht den Boden, trotzdem du niedriger bist in der hierarchischen Naturordnung als ich, gäbest du mir nicht den Boden, ich könnte nicht sein. Ebenso muß sich in Ehrfurcht neigen das Tier zur Pflanze und sagen: Ich danke dir mein Dasein. — Und so hinauf. Jedes höhere Reich neigt sich in Ehrfurcht vor dem niedrigeren Reich.

[ 11 ] Thus, spiritual science is, first of all, the path to spiritual insight as opposed to mere belief; it is also the path to genuine respect for humanity as opposed to the indifference toward human beings that necessarily follows from a purely materialistic worldview. And there is a third point. There are, of course, things and processes in the cosmos that exist outside of human beings. How does spiritual science view these things and processes outside of human beings? All in relation to human beings! After all, nothing is considered except in relation to human beings. The mineral, plant, and animal kingdoms—spiritual science views them in relation to human beings. This fosters a certain appreciation for what exists alongside human beings—or, one might also say, beneath human beings—in the outer physical world. Consider that sentiment—which is truly spiritual-scientific—that Christian Morgenstern drew from spiritual science and recast in poetic form: Human beings feel themselves to be at the pinnacle of the physical kingdoms of the Earth. Below them lie the animal, plant, and mineral kingdoms. But if this plant kingdom could reflect, in a sensorial way, upon the mineral kingdom, what would it say to itself? I bow to you in reverence, O mineral, for I owe my existence to you. If you did not provide me with the soil—even though you are lower in the hierarchical order of nature than I am—if you did not provide me with the soil, I could not exist. Likewise, the animal must bow in reverence to the plant and say: I thank you for my existence. — And so on upward. Every higher kingdom bows in reverence before the lower kingdom.

[ 12 ] So findet Geisteswissenschaft die Möglichkeit, auch die andere Welt mit Bezug auf den Menschen anzuschauen, in ein richtiges Verhältnis zu bringen. Nach drei Richtungen hin greift Geisteswissenschaft ein, wenn sie einzugreifen vermag in das geistige Leben, in das Leben aber auch des Materiellen in der Gegenwart: Erstens durch geistige Anschauung; zweitens durch Menschenschätzung; drittens durch richtige Wertung aller Dinge der Welt gegenüber dem Menschen. Ohne daß diese Dinge eintreten, bleibt jede Forderung der Sozialisierung der Produktionsbetriebe eine wesenlose Forderung. Denn solange nicht vorhanden sind die drei genannten Vorbedingungen in der Stellung des Menschen zur Welt, zu andern Menschen und zur Geistigkeit, so lange ist es unmöglich, daß richtige Impulse in dem Gemeinschaftsleben herrschen, das irgend etwas sozialistisch betreiben soll.

[ 12 ] In this way, spiritual science finds the means to view the other world in relation to the human being and to place it in its proper context. Spiritual science intervenes in three ways—when it is able to intervene—in spiritual life, but also in material life in the present: first, through spiritual insight; second, through respect for human beings; third, through the proper evaluation of all things in the world in relation to human beings. Unless these conditions are met, any call for the socialization of production enterprises remains a hollow demand. For as long as the three preconditions mentioned—regarding humanity’s relationship to the world, to other human beings, and to the spiritual realm—are not in place, it is impossible for the right impulses to prevail in community life, which is supposed to pursue any kind of socialist endeavor.

[ 13 ] Ebensowenig ist es möglich, den zweiten Punkt irgendwie zu realisieren: Regelung der Produktion nach dem Bedarf. Ja, der Bedarf ist ja nicht irgend etwas, was statistisch aufgenommen werden kann und wonach sich eben anderes regeln läßt. Der Bedarf im wirklichen Leben wandelt sich fortwährend, metamorphosiert sich fortwährend. Ich bitte, ich möchte einmal, daß jemand feststellt, wie groß im Jahre 1840 der Bedarf der Menschen nach elektrischen Eisenbahnen war! Dieser Bedarf wird hervorgezaubert durch den Kulturprozeß selber, wird verwandelt durch den Kulturprozeß selbst. Wollen Sie nach einem vorhandenen Bedarf die Produktion regeln, wollen Sie der Produktion nicht Initiative geben, so bringen Sie den Bedarf zur Stagnation. Sie können allein das richtige Verhältnis zwischen Bedarf und Produktion herstellen, wenn Sie den sozialen Organismus dreifach gliedern. Dann ist im lebendigen Zusammenwirken die Regelung von selbst da zwischen Produktion und Bedarf, wie zwischen den andern Impulsen des sozialen Organismus. — Arbeits- und Lohnverhältnisse sollen demokratisch geregelt werden. Ja, da handelt es sich darum, daß eine Demokratie gar nichts hilft, wenn nicht die richtige Menschenschätzung zugrunde liegt, jene Menschenschätzung, die wirklich nur gründlich in die menschliche Seele geschrieben werden kann aus der Geisteswissenschaft heraus. Demokratie enthält immer das Ferment zu ihrem eigenen Untergang, wenn sie nicht zu gleicher Zeit den Keim zu wirklicher Menschenschätzung enthält.

[ 13 ] Nor is it possible to implement the second point in any way: regulating production according to demand. After all, demand is not simply something that can be recorded statistically and used as a basis for regulating other factors. Demand in real life is constantly changing, constantly undergoing a metamorphosis. I ask you: could anyone determine just how great people’s need for electric railroads was in 1840? This need is conjured up by the cultural process itself and is transformed by that same process. If you seek to regulate production based on an existing need—if you refuse to allow production to take the initiative—you will cause that need to stagnate. You can establish the proper balance between demand and production only if you structure the social organism into three parts. Then, through living interaction, the balance between production and demand—as well as between the other impulses of the social organism—arises of its own accord. — Labor and wage conditions should be regulated democratically. Yes, the point is that democracy is of no use whatsoever unless it is based on the right regard for human beings—that regard which can truly be inscribed deeply into the human soul only through spiritual science. Democracy always contains the seeds of its own downfall unless it simultaneously contains the seeds of genuine regard for human beings.

[ 14 ] Der Mehrwert — das ist der vierte Punkt — soll der Gemeinschaft überliefert werden. Meine lieben Freunde, ich möchte sagen: Bei einer solchen Sache ertappt man gerade das absolut in sich unmögliche Denken einer solchen Richtung. Was ist denn der Mehrwert? Der Mehrwert ist dasjenige, was gerade das marxistische Proletariat als das Unmögliche, als das Abzuschaffende. tadelt. Damit es keinen Mehrwert mehr gibt, soll eine sozialistische Ordnung begründet werden. In dieser sozialistischen Ordnung ist ein Wesentliches, daß kein Mehrwert mehr da wäre. Aber einer ihrer idealen Punkte ist, daß dieser Mehrwert an die Gemeinschaft abgeliefert werden soll! Das figuriert in der Tat unter den besonderen Punkten. Warum figuriert es? Ja, weil schon Mehrwert da sein wird, und weil die Tatsache, daß Mehrwert da sein wird, auf das Programm seinen Schatten wirft. Aber das ist der Schatten, der durchaus auf das Programm fällt. Der wirft wiederum seine ganze Finsternis zurück auf die ganze Theorie.

[ 14 ] Surplus value—this is the fourth point—is to be handed over to the community. My dear friends, I would like to say: In a matter such as this, one catches precisely the utterly self-contradictory thinking of such a school of thought. What, after all, is surplus value? Surplus value is precisely what the Marxist proletariat condemns as impossible, as something to be abolished. A socialist order is to be established so that there will be no more surplus value. An essential feature of this socialist order is that there would be no more surplus value. But one of their ideal points is that this surplus value is to be handed over to the community! This does indeed appear among the specific points. Why does it appear? Yes, because surplus value will still exist, and because the fact that surplus value will exist casts a shadow over the program. But this is the shadow that falls squarely on the program. It, in turn, casts all its darkness back onto the entire theory.

[ 15 ] Und so lebt die heutige Menschheit taumelnd in einer furchtbaren Finsternis, die nur erhellt werden kann, wenn man die Unbequemlichkeit überwindet, vom Glauben zum Anschauen, von der bloßen empirisch gegebenen Stellung des einen Menschen zum andern, zur wirklichen Menschenschätzung zu kommen, von dem bloßen Essen der Dinge und ähnlichem zu jener Würdigung der außermenschlichen Dinge in der Welt, die ja gegeben ist, wenn man anthroposophisch weiß, alle Dinge auf den Menschen zu beziehen.

[ 15 ] And so humanity today stumbles through a terrible darkness that can only be illuminated by overcoming the discomfort of to move from belief to direct perception, from the mere empirically given relationship of one human being to another to a genuine appreciation of humanity, and from the mere consumption of things and the like to that appreciation of non-human things in the world which is indeed possible when, through anthroposophical knowledge, one relates all things to the human being.

[ 16 ] So eng hängt das Schicksal geisteswissenschaftlicher Bestrebungen mit den sozialen Rätseln der Gegenwart zusammen. Und mehr als jenes Bedürfnis, Geisteswissenschaft überhaupt zu verbreiten, liegt dem, welchem es ernst ist um die Geisteswissenschaft, das Bedürfnis auf der Seele: in den Menschen ein Gefühl hervorzurufen davon, wie notwendig gerade für die wichtigsten und berechtigtsten Bedürfnisse der Gegenwart eine Ausbreitung derjenigen Ideen, Gefühle und Willensimpulse ist, die allein aus der Geisteswissenschaft kommen können. Nun, wir werden ja auch über diese Dinge noch weiter sprechen.

[ 16 ] The fate of spiritual scientific endeavors is so closely intertwined with the social enigmas of the present. And more than the need to spread the humanities in general, those who are serious about the humanities feel a deeper need in their hearts: to awaken in people a sense of how necessary it is—especially for the most important and legitimate needs of the present—to spread those ideas, feelings, and impulses of will that can come solely from the humanities. Well, we will, of course, continue to discuss these matters further.