Goetheanism
An Impulse for Transformation and a Concept of Resurrection
Human and Social Science
GA 188
1 February 1919, Dornach
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Goetheanism, tr. SOL
Elfter Vortrag
Eleventh Lecture
[ 1 ] Der Sozialismus ist der Meinung, daß dasjenige, was er sozialistische Wirtschaftsordnung nennt, eine unmittelbare und notwendige, ursachengemäße Fortsetzung sei dessen, was sich in der Wirtschaftsordnung innerhalb der letzten Jahrhunderte in der Entwickelung der Menschheit nach und nach ergeben hat. Gewissermaßen meint der, welcher heute der proletarisch-sozialistischen Lebensauffassung ist, daß die kapitalistische Wirtschaftsordnung von selbst übergehen müsse nach und nach in die sozialistische Wirtschaftsordnung, und dies aus dem einfachen Grunde, weil innerhalb dessen, was sich herausgebildet hat in den letzten Jahrhunderten durch den Kapitalismus, die sozialistische Wirtschaftsordnung gewissermaßen schon stecke. Manche sagen, um diesen Gedankengang, wie sie glauben, präzis charakterisieren zu können: Jede menschliche Ordnung, jede Lebensordnung enthält, wenn sie gewissermaßen in der Kulmination, auf dem Gipfel ihrer Entwickelung angelangt ist, dann schon den Keim für das Folgende.
[ 1 ] Socialism holds that what it calls the socialist economic order is a direct, necessary, and logical continuation of what has gradually emerged in the economic order over the course of the last few centuries as part of human development. In a sense, those who today adhere to the proletarian-socialist view of life believe that the capitalist economic system must gradually transition on its own into the socialist economic system, for the simple reason that the socialist economic system is, in a sense, already embedded within what has emerged over the past few centuries through capitalism. Some say, in order to characterize this line of thought precisely, as they believe: Every human order, every way of life, once it has, so to speak, reached the culmination, the pinnacle of its development, already contains the seed of what is to follow.
[ 2 ] Nun, äußerlich betrachtet, ich möchte sagen, statistisch betrachtet — und die Statistik lieben ja die sozialistischen Gelehrten ganz besonders — hat das, was ich eben auseinandergesetzt habe als sozialistische Ordnung, sehr viel für sich. Die moderne Technik hat nämlich auf gewissen Gebieten übergeführt — wir können summarisch den Vorgang in der folgenden Weise charakterisieren —, was früher ein überschaubarer, in der Obhut der menschlichen Individualität stehender Betrieb war, in den Großbetrieb. Man braucht nur auf die moderne Eisenindustrie als ein ganz hervorragendes Beispiel zu sehen, und man wird finden, daß diese moderne Eisenindustrie zusammenfassen mußte eine ganze Unsumme von Verrichtungen, die alle zuletzt dahin gipfeln, gewisse Produkte zu schaffen, die aber nur durch das Zusammenwirken komplizierter Vorgänge geschaffen werden können. Um solche Riesenbetriebe, wie sie das moderne Wirtschaftsleben herausgebildet hat, betreiben zu können, bedarf es großer Kapitalmassen, Kapitalanhäufungen, denen gegenüber das Wirtschaftsleben früherer Zeiten eine Lächerlichkeit gewesen wäre. In diesen Kapitalanhäufungen liegt nun aber auch für den einzelnen Besitzer oder für eine Gruppe von Besitzern solcher Riesenbetriebe die Möglichkeit, eine große Arbeiterschaft zu beschäftigen. Dadurch, daß die Betriebe sich ins Riesenhafte ausgedehnt haben, ist innerhalb der Betriebe zusammengebracht worden eine große Arbeiterschaft. Die Verkehrsverhältnisse haben außerdem noch dazu geführt, daß solche Riesenbetriebe nicht vereinzelt stehen können, weil sie die Konkurrenz nicht aushalten würden; daß sie in einer gewissen Weise sich zusammengeschlossen haben, wodurch noch größere Umfänge einer zusammengehörigen sozialen Gruppe von Unternehmern und Arbeitern geschaffen worden sind. So meint der sozialistische Gedanke der neueren Zeit, das Wirtschaftsleben selbst habe in einer gewissen Weise zur Sozialisierung geführt, und das, was nun die Begleiterscheinungen dieser Sozialisierung seien, das müsse notwendigerweise diesen ganzen Prozeß fortsetzen.
[ 2 ] Well, viewed from the outside—or, I might say, from a statistical perspective—and socialist scholars are, after all, particularly fond of statistics—what I have just described as a socialist order has a great deal going for it. Modern technology has, in certain areas—and we can briefly characterize the process as follows—transformed what used to be a manageable enterprise under the care of the individual into a large-scale enterprise. One need only look at the modern iron industry as a prime example, and one will find that this modern iron industry has had to bring together a vast number of operations, all of which ultimately culminate in the creation of certain products—products that, however, can only be created through the interplay of complex processes. In order to operate such giant enterprises as modern economic life has brought into being, vast amounts of capital are required—accumulations of capital that would have made the economic life of earlier times seem laughable by comparison. Yet it is precisely these accumulations of capital that provide the individual owner or a group of owners of such giant enterprises with the means to employ a large workforce. Because these enterprises have expanded to enormous proportions, a large workforce has been brought together within them. Furthermore, economic conditions have meant that such giant enterprises cannot operate in isolation, as they would not be able to withstand the competition; they have, in a sense, joined forces, thereby creating even larger entities comprising a cohesive social group of entrepreneurs and workers. Thus, modern socialist thought holds that economic life itself has, in a certain sense, led to socialization, and that the accompanying phenomena of this socialization must necessarily continue this entire process.
[ 3 ] Die Fortsetzung würde darinnen bestehen, daß nun nicht mehr der einzelne Unternehmer in weitem Umfange eine Arbeitsgemeinschaft zusammenbrächte, sondern daß die Gemeinwesen, Staat, Kommune, Genossenschaften die Unternehmer selbst werden, so daß gewissermaßen nur der Sozialisierungsprozeß, der durch das moderne technisch-wirtschaftliche Leben schon eingetreten ist, in einer geregelten Weise fortgesetzt werde.
[ 3 ] The next step would be that it would no longer be the individual entrepreneur who brings together a large-scale cooperative, but rather that the public entities—the state, municipalities, and cooperatives—would become the entrepreneurs themselves, so that, in a sense, the process of socialization, which has already begun through modern technical and economic life, would simply continue in an orderly manner.
[ 4 ] Nun wirkt im Grunde genommen der Gedanke, den ich soeben geäußert habe, mit einer ungeheuren suggestiven Kraft auf das moderne Proletariat. Dieses moderne Proletariat muß von dem, der die Verhältnisse wirklich restlos ins Auge fassen will, auch hinsichtlich seiner Seelenverfassung betrachtet werden. Und da zeigt sich wirklich, daß solche Gedanken eine außerordentlich starke suggestive Kraft auf das moderne Proletariat haben. Diese suggestive Kraft beruht darauf, daß sich in der "Tat der moderne Arbeiter ausgeliefert glaubt dem Unternehmertum, und daß er glaubt, dieser Auslieferung nur dadurch zu entkommen, daß er das, was der Unternehmer besorgt, selbst mitbesorgt.
[ 4 ] Now, essentially, the idea I have just expressed exerts an immense suggestive power on the modern proletariat. Anyone who truly wishes to grasp the situation in its entirety must also consider this modern proletariat in terms of its state of mind. And there it becomes truly apparent that such ideas exert an extraordinarily strong suggestive power over the modern proletariat. This suggestive power is based on the fact that, in practice, the modern worker feels at the mercy of entrepreneurship, and that he believes he can escape this predicament only by taking on, for himself, the very tasks that the entrepreneur performs.
[ 5 ] Nun liegt es in der Natur der neueren Menschheit — und es wird dieses durch die verschiedensten Gründe bewirkt —, sich einseitigen Gedanken gerne hinzugeben. Heilung für mancherlei Verhältnisse wird nur dadurch kommen, daß man abläßt von diesem Hange, sich einseitigen Gedanken hinzugeben und daß man lernt, die Dinge allseitig zu betrachten. So die Entwickelung des modernen kapitalistisch-technischen Wirtschaftslebens mit seiner Kulmination nach der Sozialisierung betrachten, heißt eigentlich nichts anderes, als die modernen, naturwissenschaftlich tauglichen Gedankenformen auf das Wirtschaftsleben anwenden. Von einem andern Gesichtspunkte aus habe ich Ihnen diese Tatsache gestern auseinandergesetzt.
[ 5 ] It is in the nature of modern humanity—and this is brought about by a wide variety of reasons—to readily indulge in one-sided thinking. A remedy for many situations will come only by abandoning this tendency to indulge in one-sided thinking and by learning to view things from all angles. Thus, viewing the development of modern capitalist-technological economic life—with its culmination in socialization—means nothing other than applying modern, scientifically sound forms of thought to economic life. I explained this fact to you yesterday from a different perspective.
[ 6 ] Nun aber, wenn man rein naturwissenschaftlich betrachtet, so wie die naturwissenschaftliche Gedankenform in der neueren Zeit geworden ist, dann bleiben aus einer solchen Betrachtungsweise gewisse Impulse notwendig fort. Natürlich, wenn man solche Dinge auseinandersetzt, muß man mancherlei sagen, das, wenn es mißverstanden wird, leicht anfechtbar ist. Sie wissen aber, welche Methoden notwendig sind gerade in der geisteswissenschaftlichen Betrachtung, und werden sich daher auch überzeugt halten davon, daß das Folgende auch nur eine Beleuchtung von einer Seite ist, aber eine Beleuchtung von einer Seite, die man braucht.
[ 6 ] However, if one considers the matter purely from a scientific perspective—as the scientific way of thinking has come to be in recent times—then certain impulses are necessarily left out of such an approach. Of course, when one examines such matters, one must say many things that, if misunderstood, are easily open to criticism. But you know which methods are necessary, particularly in the study of the humanities, and will therefore be convinced that what follows is merely an illumination from one perspective—but an illumination from a perspective that is needed.
[ 7 ] Die rein naturwissenschaftliche Betrachtungsweise, welche die Erscheinungen bloß nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung betrachtet, ist im Grunde sowohl auf den gesunden als auch auf den kranken Organismus anwendbar. Sie können den gesunden Organismus physiologisch betrachten, und Sie werden, wenn Sie stehenbleiben wollen bei dem, was die moderne Naturwissenschaft besonders liebt, überall den Zusammenhang von Ursache und Wirkung konstatieren können. Sie können aber geradeso, wenn Sie bei dieser Abstraktion — Zusammenhang von Ursache und Wirkung — stehenbleiben, den kranken Organismus pathologisch betrachten. Auch in dem kranken Organismus hängt alles nach Ursache und Wirkung zusammen. Und legt man einseitig, abstrakt nur zugrunde eine nach Ursache und Wirkung orientierte Folge der Ereignisse, dann bleibt der Impuls, den man auf der einen Seite als gesunden, auf der andern Seite als kranken Impuls bezeichnen muß, notwendigerweise fort. Er fällt heraus aus der Betrachtungsweise. Das ist für die naturwissenschaftliche Betrachtungsweise mit Bezug auf die Aufgaben, welche die Naturwissenschaft zunächst in der neueren Zeit sucht, nicht weiter schlimm. Das wird aber schlimm, wenn man dieselbe Denkweise anwenden will auf die sozialen Vorgänge, denn da läßt sich nicht aus dem Werdeprozeß der Menschheit einfach der Unterschied zwischen dem Gesunden und dem Kranken ausschließen. Das läßt sich nicht tun. Und das ist es, was zunächst hauptsächlich betont werden muß, daß, so wie die Menschen heute vor den durch die Wirklichkeit so brennend gewordenen sozialen Fragen stehen, ihnen eben durchaus fehlt die Möglichkeit, ein Urteil zu gewinnen, ob irgend etwas ein gesunder oder kranker Prozeß ist, ob irgend etwas gefördert werden muß oder geheilt werden muß. Deshalb, könnte man sagen, liegt eine solche Tragik über der modernen Menschheit, weil gerade dieser Unterschied, den ich eben annähernd charakterisiert habe, fehlt.
[ 7 ] The purely scientific approach, which views phenomena solely in terms of the law of cause and effect, is essentially applicable to both healthy and diseased organisms. You can view the healthy organism physiologically, and if you wish to focus on what modern natural science particularly favors, you will be able to observe the relationship between cause and effect everywhere. However, if you remain within this abstraction—the relationship between cause and effect—you can just as easily view the diseased organism pathologically. Even in the diseased organism, everything is interconnected through cause and effect. And if one takes as a basis—one-sidedly and abstractly—a sequence of events oriented solely toward cause and effect, then the impulse—which must be described as a healthy impulse on the one hand and a diseased impulse on the other—necessarily remains outside the scope of consideration. It falls outside the framework of this approach. This is not particularly problematic for the scientific approach with regard to the tasks that the natural sciences have primarily sought to address in recent times. However, it becomes problematic when one attempts to apply the same mode of thinking to social processes, for there the distinction between what is healthy and what is diseased cannot simply be excluded from the process of human development. That cannot be done. And this is what must be emphasized first and foremost: that, just as people today are confronted with social questions that have become so pressing due to reality, they are utterly lacking the ability to judge whether something is a healthy or unhealthy process, whether something needs to be fostered or healed. That is why, one might say, such a tragedy hangs over modern humanity—because precisely this distinction, which I have just roughly characterized, is lacking.
[ 8 ] Wenn man die moderne, seit drei oder vier Jahrhunderten gehende Entwickelung der Menschheit ins Auge faßt, wenn man namentlich verfolgt, wie sich das, was Kapitalismus genannt wird, entwickelt hat, dann muß man auch noch einen andern Gesichtspunkt als den der Zusammendrängung der Betriebe in Großbetriebe und ähnliches ins Auge fassen. Man muß zum Beispiel die Frage durchgreifend stellen: Wie steht eigentlich die kapitalistische Produktionsweise im gesamten Gesellschaftsprozeß der Menschheit drinnen? Man kann darüber eigentlich nur ein Urteil gewinnen, wenn man die moderne kapitalistische Produktionsweise mit Bezug auf einen gewissen Gesichtspunkt mit der Produktionsweise des ehemaligen Handwerkers vergleicht. Der ehemalige Handwerker, er fertigte seine Produkte, er lieferte seine Produkte an den Konsumenten, und durch die Bezahlung seiner Produkte war er in die Möglichkeit versetzt, seinerseits zu leben. Verfolgt man ein solches Handwerkerleben, verfolgt man überhaupt das Produktionsleben früherer Jahrhunderte, namentlich bis etwa zum Jahre 1300, so findet man, daß die Menschen sich haben bezahlen lassen oder Waren eingetauscht haben meinetwillen für das, was sie produziert haben. Für das, was sie produziert haben, verschaffen sie sich dasjenige, was zu ihrem Lebensunterhalte notwendig war. Das war in gewissem Sinne eine eingeschränkte Wirtschaft, aber es war eine Wirtschaft, welche eng gebunden war an die Persönlichkeit. Alle Hervorbringung war auch eng gebunden an persönliche Tüchtigkeit, an persönlichen Eifer, an die Ehre, die jemand darinnen sah, ein Produkt so gut als möglich zu machen und so weiter. Bedeutungsvolle moralische Impulse waren in der Zeit des einfachen Handwerkerlebens mit der wirtschaftlichen Ordnung verbunden.
[ 8 ] When one considers the modern development of humanity over the past three or four centuries—and, in particular, traces how what is called capitalism has developed—one must also take into account a perspective other than that of the consolidation of businesses into large enterprises and the like. For example, one must ask the fundamental question: How does the capitalist mode of production actually fit into the overall social process of humanity? One can really only form a judgment on this by comparing the modern capitalist mode of production—from a certain perspective—with the mode of production of the artisan of the past. The artisan of old manufactured his products, delivered them to the consumer, and through the payment for his products was enabled to make a living. If one traces the life of such an artisan—or, indeed, the economic life of earlier centuries, specifically up to around the year 1300—one finds that people were paid or exchanged goods for what they produced. In exchange for what they produced, they obtained what was necessary for their livelihood. In a certain sense, this was a limited economy, but it was an economy that was closely tied to the individual. All production was also closely tied to personal skill, personal zeal, and the honor that one saw in making a product as good as possible, and so on. Significant moral impulses were linked to the economic order during the era of simple artisan life.
[ 9 ] Das alles ist anders geworden im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte. Nachdem ein Übergang war vom 15. Jahrhundert bis etwa ins 16., 17. Jahrhundert hinein, ist die Sache in den letzten drei bis vier Jahrhunderten anders geworden. Denn in diesen letzten drei bis vier Jahrhunderten entwickelte sich eigentlich erst so recht das, was man kapitalistische Produktionsweise nennen kann. Wenn man nun dem nachgeht, was der sozialen Frage wirklich zugrunde liegt und nicht abstellt auf das, was die Leute glauben, so muß folgendes Merkmal ins Auge gefaßt werden: Das Wesentliche für den Kapitalisten, insofern er ein Glied der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist, besteht nicht darin, sich wie der Handwerker seinen Lebensstand zu verschaffen, sondern dafür zu sorgen, daß das Kapital Zuwachs erhält, daß es sich vermehrt. Dasjenige, um was das Kapital wächst, das ist der Profit. Also nicht das Arbeiten auf den Lebensstatus, sondern das Arbeiten auf den Profit hin, das ist das besonders Charakteristische der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Dadurch aber wird im hohen Maße das Kapital als solches verselbständigt. Nicht wahr, wenn eine gewisse Kapitalmasse sich im Laufe der Jahre durch den Produktionsprozeß vermehrt, wenn sie wächst, und wenn das geradezu der Zweck der Kapitalbildung ist, so wird ja von allem Persönlichen losgelöst dasjenige, was eigentlich die Hauptsache im Wirtschaftsprozeß ist. Und das ist der Gesichtspunkt, der bei der richtigen Beurteilung der modernen sozialen Frage vor allen Dingen in Betracht kommt, diese Loslösung des Wirtschaftsprozesses von dem Persönlichen.
[ 9 ] All of this has changed over the course of the last three to four centuries. After a transitional period from the 15th century through roughly the 16th and 17th centuries, things have changed in the last three to four centuries. For it was during these last three to four centuries that what can truly be called the capitalist mode of production first began to develop in earnest. If one now examines what really underlies the social question—rather than relying on what people believe—the following characteristic must be taken into account: The essential goal for the capitalist—insofar as he is a member of the capitalist economic order—is not to secure his livelihood, as the artisan does, but to ensure that capital grows and multiplies. That by which capital grows is profit. Thus, it is not working to secure one’s livelihood, but working toward profit—that is the defining characteristic of the capitalist economic order. As a result, however, capital as such becomes highly autonomous. After all, if a certain mass of capital increases over the years through the production process—if it grows—and if that is precisely the purpose of capital accumulation, then what is actually the main element in the economic process becomes detached from all personal considerations. And this is the perspective that must be taken into account above all else in the proper assessment of the modern social question: this detachment of the economic process from the personal.
[ 10 ] Leider haben die wenigsten Menschen der heutigen gebildeten Stände wirklich Neigung, sich mit diesen Dingen zu befassen; wenn sie dies nämlich tun würden, könnten sie schon sehen, wie der moderne Mensch gewissermaßen getrennt ist von alldem, was den Wirtschaftsprozeß eigentlich ausmacht. Ich frage Sie: In welchem Grade ist denn heute außerhalb ganz eng umgrenzter Kreise Freude am Produkte, das man erzeugt, vorhanden? Was durchgreifend in der Wirtschaftsordnung früherer Epochen war, daß der Mensch zum Beispiel an jedem Schlüssel, den er hervorbrachte, seine große Freude hatte, seine Ehre dareinsetzen mußte, die Sache so gut als möglich zustande zu bringen, das ist vorbei. Der Mensch ist gewissermaßen abgetrennt von dem Wirtschaftsprozeß als solchem. Höchstens auf künstlerischem Gebiete und auf dem, was dem künstlerischen Gebiete verwandt ist, findet noch statt, was früher wie ein durchgreifendes moralisches Moment das Handwerk durchzogen hat. Man kann nicht einmal sagen, daß im geistigen Leben die Verbindung des Menschen mit seiner Leistung aufrechterhalten geblieben ist. Sehen Sie sich an all die Professoren, die in den oder jenen Fächern tätig sind, ob die Leute nun wirklich ganz menschlich verwachsen sind mit demjenigen, was sie hervorbringen!
[ 10 ] Unfortunately, very few people in today’s educated classes are truly inclined to concern themselves with these matters; for if they were to do so, they would see how modern man is, in a sense, cut off from everything that actually constitutes the economic process. I ask you: To what extent, outside of very narrowly defined circles, is there joy today in the products one creates? What was pervasive in the economic order of earlier eras—that people, for example, took great joy in every key they produced and staked their honor on making it as well as possible—is a thing of the past. People are, so to speak, cut off from the economic process as such. At most, in the artistic realm and in fields related to it, we still find what used to permeate craftsmanship as a profound moral element. One cannot even say that, in intellectual life, the connection between people and their achievements has been maintained. Just look at all the professors working in various disciplines—are these people truly, on a human level, connected to what they produce?
[ 11 ] Aber in umfassender Weise hängt das schon zusammen mit diesem Grundcharakter der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die ja schließlich in alles eingreift. Aus den gestrigen Schlußbemerkungen können Sie das entnehmen. Aus diesem Grundcharakter der kapitalistischen Wirtschaftsordnung geht es hervor, daß der Mensch gewissermaßen losgelöst ist in seinen persönlichen Aspirationen von dem objektiver und objektiver werdenden Wirtschaftsprozeß. Die Folge davon ist eine ganz weitgehende und färbt die ganze sozialistische Auffassung von heute. Es entsteht nämlich der Glaube, daß wirklich dieses ungesunde Abtrennen der menschlichen Produktion von dem Menschen selbst und dem, was ihn interessiert, gerade festgelegt werden müßte in einer neuen Wirtschaftsordnung. Wo denkt man heute daran, wiederum ein Band zu suchen zwischen dem Menschen und seinen Hervorbringungen? Im Gegenteil, man denkt daran, den Wirtschaftsprozeß so weit wie nur irgend möglich nach außen zu verlegen, vom Menschen abzusondern. Und die Folge davon würde sein, daß der Mensch auf andern Gebieten Befriedigung suchen müßte für dasjenige, was eigentlich mit seiner Persönlichkeit, was mit allen Interessen seines Wesens zusammenhängt. So wirkt dieses Vorurteil auf das, was man heute sozialistische Ideale nennt. Führen wir uns einmal vor Augen, worinnen das sozialistische Ideal für weite Kreise heute besteht.
[ 11 ] But in a broader sense, this is already connected to the fundamental nature of the capitalist economic system, which, after all, permeates everything. You can see this from yesterday’s concluding remarks. It follows from this fundamental character of the capitalist economic order that human beings are, in a sense, detached in their personal aspirations from the economic process, which is becoming increasingly objective. The consequence of this is far-reaching and colors the entire socialist conception of today. Namely, the belief arises that this unhealthy separation of human production from the individual himself and from what interests him must, in fact, be enshrined in a new economic order. Who today even thinks of seeking to reestablish a bond between the individual and his creations? On the contrary, the aim is to shift the economic process as far outward as possible, separating it from the individual. And the consequence of this would be that people would have to seek fulfillment in other areas for what is actually connected to their personality and to all the interests of their being. This is how this prejudice affects what are today called socialist ideals. Let us consider what the socialist ideal consists of for broad circles today.
[ 12 ] Da haben wir vier Punkte, in denen wir zusammenfassen können alles dasjenige, was gewissermaßen sozialistisches Ideal mit Bezug auf die Struktur des menschlichen Gesellschaftsorganismus ist. Erstens strebt dieses sozialistische Ideal danach, daß alle Produktionsbetriebe Eigentum der Gemeinschaft werden, sei diese Gemeinschaft der Staat oder die Kommune oder Genossenschaften; daß, mit andern Worten, abgeschafft werde aller Privatbesitz an Produktionsmitteln, daß die Produktionsmittel alle Gemeineigentum werden, so daß alle Betriebe durch die Gemeinschaft auch geführt werden müssen.
[ 12 ] Here we have four points that allow us to summarize everything that, in a sense, constitutes the socialist ideal with regard to the structure of the human social organism. First, this socialist ideal strives for all means of production to become the property of the community—whether that community is the state, the municipality, or cooperatives—and, in other words, for all private ownership of the means of production to be abolished, so that the means of production become common property and all enterprises must therefore be managed by the community.
[ 13 ] Das zweite ist innerhalb des sozialistischen Ideals, daß die Produktion geregelt werde nach dem Bedarf, das heißt, daß die Produktion sich nicht regle frei nach Angebot und Nachfrage, daß nicht, wenn da oder dort ein Artikel verlangt wird, ein Produktionszweig für diesen Artikel eröffnet wird, sondern daß gewissermaßen staatlich oder “ kommunal oder genossenschaftlich festgestellt werde: Das benötigen die Leute, also errichtet die Gemeinschaft einen Produktionsbetrieb für diesen Artikel, der da benötigt wird. Ein drittes ist die demokratische Regelung der Arbeits- und Lohnverhältnisse, und ein viertes ist, daß jeder Mehrwert der Gemeinschaft zufällt. Damit haben wir ungefähr die vier Glieder des sozialistischen Ideals vor unsere Seele hingestellt. Ich wiederhole: Alle Produktionsbetriebe sollen Eigentum der Gemeinschaft werden, die Produktion soll geregelt werden nach dem Bedarf; die Arbeits- und Lohnverhältnisse sollen demokratisch geregelt werden; jeglicher Mehrwert, das heißt, jeglicher Profit soll an die Gemeinschaft abgeliefert werden.
[ 13 ] The second aspect of the socialist ideal is that production should be regulated according to need—that is, that production should not be left to the free play of supply and demand; that when a particular item is in demand here or there, a new branch of production for that item should not simply be established, but rather that the state, or “local authorities or cooperatives,” should determine: ‘This is what people need,’ so the community establishes a production facility for that item, which is needed there. A third element is the democratic regulation of working conditions and wages, and a fourth is that all surplus value accrues to the community. With this, we have outlined the four main components of the socialist ideal. I repeat: All production facilities are to become the property of the community; production is to be regulated according to need; working and wage conditions are to be regulated democratically; and all surplus value—that is, all profit—is to be turned over to the community.
[ 14 ] In diesen vier Punkten liegt in der Tat für Millionen und Millionen von Menschen heute das, was sie anstreben. Und dem gegenüber besteht schon die absolute Notwendigkeit, zu fragen: Wie ist es möglich, den Menschen klarzumachen, daß diese vier sogenannten Ideale absolut unmöglich sind innerhalb der wirklichen menschlichen Gemeinschaft?
[ 14 ] These four points do, in fact, represent what millions and millions of people today aspire to. And in light of this, there is an absolute necessity to ask: How is it possible to make people understand that these four so-called ideals are absolutely impossible within a real human community?
[ 15 ] Nicht wahr, wenn die Menschen vor dreißig Jahren so viel Eifer gezeigt hätten für die soziale Frage, als heute notgedrungen einzelne Menschen in denjenigen Ländern zeigen, wo die alten Regierungen weggejagt worden sind — in den Ländern, wo die alten Regierungen nicht weggejagt worden sind, wird noch kein Interesse gezeigt —, man könnte sogar sagen, wenn die Menschen damals einen Teil jenes Interesses gezeigt hätten für die soziale Frage, das sie heute zeigen, so wäre die Sache schon gut gewesen, so wäre alles anders gekommen. Aber da, wo den Leuten noch nicht das Wasser in den Mund rinnt, ist es ja heute noch nicht möglich, ein wirklich durchgreifendes Interesse für die sozialen Rätsel zu wecken. Das, was in dieser Richtung das führende, sogenannte intelligente Bürgertum versäumt hat in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten, das ist doch ungeheuerlich. Und es schickt sich an, dieselben Dinge weiter zu versäumen, nur auf einem andern Gebiete. Das, was heute vor allen Dingen notwendig ist, das ist, daß die Menschen begreifen lernen: so wie der einzelne Organismus geisteswissenschaftlich begriffen werden muß, so muß auch der soziale Organismus geisteswissenschaftlich begriffen werden. Man muß endlich auf diesem Gebiete hinauskommen über die wesenlosen Abstraktionen. Man kann schon anknüpfen da an tiefere menschliche Interessen, tiefere menschliche Impulse, die gerade jetzt in dieser Epoche der Menschheit hereinwirken in die menschliche Entwickelung.
[ 15 ] Isn’t it true that if people thirty years ago had shown as much zeal for social issues as individual people are now inevitably showing in those countries where the old governments have been overthrown—in the countries where the old governments have not been overthrown, no interest is yet being shown— one could even say that if people back then had shown even a fraction of the interest in social issues that they show today, things would have turned out well, and everything would have been different. But where people aren’t yet salivating over the prospect, it’s still not possible today to arouse a truly profound interest in social issues. What the leading, so-called intelligent bourgeoisie has failed to do in this regard over the past two to three decades is truly outrageous. And it is poised to continue failing to address these very issues, only in a different sphere. What is needed above all else today is for people to come to understand that just as the individual organism must be understood from a spiritual-scientific perspective, so too must the social organism be understood from a spiritual-scientific perspective. We must finally move beyond meaningless abstractions in this field. Here we can already draw upon deeper human interests and deeper human impulses that are currently influencing human development in this epoch of humanity.
[ 16 ] Die gegenwärtige Schläfrigkeit der Menschheit ist eine ungeheure, und notwendig ist ein Aufwachen nach einer gewissen Richtung hin. Wie oft hört man heute das sonderbare Urteil da, wo man überhaupt Geisteswissenschaft berücksichtigt: Geisteswissenschaft sei ja nicht nötig für denjenigen Menschen, der glaube und im guten alten Sinne ein Christ sei, und übrigens sei der Glaube einfach und die Geisteswissenschaft kompliziert und es sei daher nicht einzusehen, warum man das Komplizierte für das Einfache umtauschen sollte. Aber dieses bequeme Kleben an dem Einfachen, dieses ruchlose bloße Glauben, dieses bequeme Pochen: Wir brauchen nicht daran zu denken, wir brauchen nicht nach Wahrheit zu forschen, uns gibt es der Glaube ein —, das trägt im tieferen Sinne des Wortes die Schuld an den katastrophalen Ereignissen, in denen wir leben. Und es muß immer wieder und wiederum betont werden, daß dieses die Schuld trägt. Wehe, wenn sich nicht genügend Menschen im Leben finden, die Herz und Sinn haben für eine völlige Hingabe an ernstes, innerlich arbeitsreiches Denken und Forschen nach den Wahrheiten! Denn die Zeiten sind vorüber, wo man an die geistige Welt bloß zu glauben brauchte, wo man hier im physischen Dasein auf der faulen Haut liegen durfte und glauben konnte, man werde erlöst werden von den Mächten, um die man sich nicht weiter kümmert, und die ihrerseits das ihrige beitragen werden zu der entsprechenden Erlösung. Dasjenige, worauf es ankommt im Fortgange der Menschheit, das ist, daß der Mensch nicht bloß an Gott und die Götter glaubt, sondern daß er den Gott und die Götter in seinem eigenen Wesen wirksam sein läßt, daß er einfließen läßt die Kräfte der geistigen Welt in das, was er selber tut, was er tut im alleralltäglichsten Leben. Was wir tun vom Morgen bis zum Abend, das muß so geschehen, daß göttlich-geistige Kraft in unseren Tun ist. Es wird in unserem Tun nur sein, wenn es vor allen Dingen in unserem Denken ist. Den Gott tätig, nicht bloß glaubensinhaltlich in uns aufnehmen, das ist es, was die Aufgabe der modernen Menschheit ist. Nicht bloß über Gott denken, sondern so denken, daß in unseren Gedanken der Gott lebt, darauf kommt es an. Gibt man sich einem solchen Ideale hin, dann wird man schon das nötige Interesse entwickeln für alles dasjenige, wofür nun leider in den letzten Jahrzehnten von dem weitaus größten Teile der modernen Menschheit kein Interesse entwickelt worden ist.
[ 16 ] Humanity’s current lethargy is immense, and it is necessary for people to awaken and move in a certain direction. How often does one hear this strange judgment today, even in circles where spiritual science is taken into account at all: that spiritual science is not necessary for those who believe and are Christians in the good old sense; and, moreover, that faith is simple and spiritual science is complicated, and therefore it is hard to see why one should exchange the complicated for the simple. But this complacent clinging to the simple, this reckless mere belief, this complacent insistence—“We need not think about it, we need not search for truth; faith provides it for us”—is, in the deepest sense of the word, to blame for the catastrophic events in which we live. And it must be emphasized again and again that this is to blame. Woe betide us if there are not enough people in the world who have the heart and mind for a complete devotion to serious, intellectually demanding thinking and the search for truths! For the times are past when one merely had to believe in the spiritual world, when one could laze about here in physical existence and believe that one would be redeemed by powers one did not concern oneself with, and that these powers, for their part, would contribute their share to the corresponding redemption. What matters for the progress of humanity is not merely that a person believes in God and the gods, but that he allows God and the gods to be active within his own being, that he allows the forces of the spiritual world to flow into what he himself does—into his most everyday activities. What we do from morning to night must be done in such a way that divine-spiritual power is present in our actions. It will be present in our actions only if it is, first and foremost, present in our thinking. To take God into ourselves as an active presence—not merely as an object of faith—that is the task of modern humanity. Not merely to think about God, but to think in such a way that God lives within our thoughts—that is what matters. If one devotes oneself to such an ideal, one will naturally develop the necessary interest in all those things for which, unfortunately, the vast majority of modern humanity has shown no interest in recent decades.
[ 17 ] Worauf es ankommt, das ist, daß wir die Möglichkeit finden, den Menschen klarzumachen, daß eine Umkehr in der ganzen Gedankenwelt notwendig ist. Es ist höchste Zeit; denn nachdem von den sogenannten Intellektuellen versäumt worden ist, nach dieser Richtung zu wirken, erwachen jetzt die wüstesten Instinkte der Menschheit fast über die ganze zivilisierte Welt, wenigstens über einen großen Teil der zivilisierten Welt hin. Glauben Sie, daß, wenn diese Instinkte der Menschheit eine bestimmte Kulmination, einen bestimmten Höhepunkt erlangt haben, daß sie dann leicht zu bannen sind? Bis sie sich wiederum selbst verzehren, wird lange, lange Zeit vergehen. Nur bis zu einem gewissen Zeitpunkte hin wirkt Lehre, wirkt Vorbild zur Besänftigung, zur Zügelung der Instinkte der Menschheit. Das Tier in der Menschheit strebt nach der Oberfläche hin, weil versäumt worden ist, das Edlere in der Menschenwesenheit anzuregen. Und hier stehen wir an dem Punkt, wo über die moralische Seite der modernen sozialen Frage gesprochen werden muß. Ich sagte: Das, was ich das letzte Merkmal der kapitalistischen Wirtschaftsordnung genannt habe, Vermehrung des Kapitals als solches, das Wachsen des Kapitals, das hinstrebt nicht nach den Leistungen, sondern nach Profit —, das löst den Menschen los von seinem Produkte. Und in dieser Loslösung des Menschen von seinem Produkte liegt ein wesentliches Charakteristikon der ganzen modernen Entwickelung. Aber in der Welt ist es so, daß in der Regel nicht eine Erscheinung ohne die andere auftritt, sondern daß Erscheinungen in der verschiedensten Weise zusammengehören. Sie können nicht über einen weichen Erdboden gehen, ohne daß sich zu gleicher Zeit auf diesem Boden die Fußspuren eindrücken. Das ist ein Beispiel, das Sie überall anwenden können, um zu sehen, wie in der wirklichen Welt immer eins zu dem andern gehört. Was die moderne Welt zugetrieben hat der im modernen Kapitalismus liegenden Vermehrung des Kapitals, dem Wachsen des Kapitals, das hat eben auf der andern Seite — nicht einseitig logisch, aber wirklichkeitslogisch — verknüpft mit dem Aufkommen des Kapitalismus die Interesselosigkeit, die wir in der modernen Menschheit gerade für die tiefsten Impulse der menschlichen Seele finden. Auf der einen Seite das Herausschälen der menschlichen Persönlichkeit aus dem Wirtschaftsprozeß, auf der andern Seite die Austrocknung dieser Persönlichkeit, die sich aus dem Wirtschaftsprozeß herausgelöst hat, gerade für die intimsten Eigenschaften des geistig-seelischen Wesens des Menschen. Beide Dinge gehören zusammen. Beide Dinge haben jenes furchtbare Treiben der modernen Großstädte, in denen der Kapitalismus seine besonderen Sitze aufgeschlagen hat, hervorgebracht, wo auf der einen Seite der Kapitalismus wirkt, auf der andern Seite die Interesselosigkeit für die intimsten Fragen des menschlichen innersten Wesens herrscht.
[ 17 ] What matters is that we find a way to make people understand that a complete shift in our entire way of thinking is necessary. It is high time; for since the so-called intellectuals have failed to work toward this end, humanity’s most savage instincts are now awakening throughout almost the entire civilized world—or at least across a large part of it. Do you believe that once these instincts of humanity have reached a certain culmination, a certain peak, they will then be easy to quell? A long, long time will pass before they consume themselves again. Only up to a certain point do teaching and example serve to soothe and restrain the instincts of humanity. The animal in humanity strives toward the surface because the nobler aspects of human nature have been neglected. And here we have reached the point where we must discuss the moral aspect of the modern social question. I said: What I have called the final characteristic of the capitalist economic order—the accumulation of capital as such, the growth of capital that strives not for achievement but for profit—separates human beings from their products. And in this separation of human beings from their products lies an essential characteristic of the entire modern development. But in the world, it is the case that, as a rule, one phenomenon does not occur without the other; rather, phenomena are interconnected in the most diverse ways. You cannot walk across soft ground without leaving footprints in that ground at the same time. This is an example you can apply anywhere to see how, in the real world, one thing always belongs to another. What has driven the modern world—the accumulation of capital inherent in modern capitalism, the growth of capital—has, on the other hand—not in a one-sided logical sense, but in a logic grounded in reality—been linked, with the advent of capitalism, to the lack of interest that we find in modern humanity precisely in regard to the deepest impulses of the human soul. On the one hand, the extraction of the human personality from the economic process; on the other hand, the withering away of this personality—which has detached itself from the economic process—precisely in regard to the most intimate qualities of the human being’s spiritual and psychological nature. Both things belong together. Both have given rise to that terrible hustle and bustle of modern cities, where capitalism has established its strongholds—places where, on the one hand, capitalism is at work, and on the other, indifference prevails toward the most intimate questions of the human innermost being.
[ 18 ] Diese Dinge sind in der äußeren Erscheinung vielfach verhüllt, und nur einer genaueren Betrachtungsweise werden sie offenbar. Sie können natürlich sagen: Es gibt doch eine große Anzahl von Menschen, die durchaus nicht beteiligt sind an dem modernen kapitalistischen Prozeß. — Gewiß, es sind wenige, die daran beteiligt sind in direkter Weise, aber in indirekter Weise ist die ganze moderne Menschheit, namentlich auch die gebildete moderne Menschheit an dem kapitalistischen Prozesse beteiligt. Dadurch beteiligt, daß die Existenzen abhängen von der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Es sei einer ein Künstler: Wie er früher für den Fürsten produziert hat oder für den Papst, so produziert er heute für den Kapitalisten. Und wenn Sie solche Fäden, wie sie sich von der Kunst heute zum Kapitalismus schlingen, über die verschiedensten Gebiete des Lebens ziehen, dann werden Sie sehen, wie der Kapitalismus seine Fangarme nach allen Seiten ausgebreitet hat, insbesondere über das geistige Leben. Da wirkt allerdings sehr viel Unbewußtes in diesen Dingen drinnen, das, wenn man bloß die Oberfläche des Lebens ansieht, sich nicht gleich enthüllt.
[ 18 ] These things are often concealed beneath the surface, and only upon closer examination do they become apparent. Of course, you might say: There are, after all, a large number of people who are not at all involved in the modern capitalist process. — Certainly, few are directly involved in it, but indirectly, all of modern humanity—and especially the educated modern public—is involved in the capitalist process. They are involved in that their very livelihoods depend on the capitalist economic order. Take an artist, for example: just as he once produced works for a prince or for the Pope, so today he produces for the capitalist. And if you trace the threads that wind their way from art today to capitalism across the most diverse areas of life, you will see how capitalism has spread its tentacles in all directions, especially over intellectual life. There is, of course, a great deal of the unconscious at work in these matters, which does not immediately reveal itself if one looks only at the surface of life.
[ 19 ] Ich werde jetzt einen unbewußten oder unterbewußten Prozeß etwas charakterisieren müssen: Diese Verobjektivierung des Produktionsprozesses, dieses Loslösen des Produktionsprozesses von den menschlichen Aspirationen, wie sie sich vollziehen im modernen Kapitalismus, bedarf in gewissem Sinne der Rechtfertigung. Die Menschen brauchen ja immer eine Rechtfertigung für dasjenige, was sie tun, und es kommt ihnen nicht darauf an, wenn sie sich rechtfertigen wollen, die Wahrheit zu erforschen, sondern es kommt ihnen nur darauf an, etwas zu sagen, was sie rechtfertigt. Nehmen Sie ein naheliegendes Beispiel. Die Entente hat gesiegt; es handelt sich darum, diesen Sieg zu rechtfertigen. Daher sagt man dasjenige, was eben von der Entente heute gesagt wird, nicht, weil das die Wahrheit ist, sondern weil man den Sieg rechtfertigen muß. So ist es auch im einzelnen menschlichen Leben. Was liegt den meisten Menschen an der wirklichen Ergründung der Wahrheit! Es liegt ihnen an der Rechtfertigung desjenigen, was sie tun. Das ist es, was der Kapitalismus will: Vor allen Dingen rechtfertigen sein Dasein. Er kann es nur rechtfertigen, wenn er den alleräußersten materiellen Prozeß, den materiellsten wirtschaftlichen Prozeß in seinem Spiegelbilde, in der Vermehrung des Kapitals beobachtet. Dann aber muß, wenn gerechtfertigt sein soll in dieser physischen Welt die kapitalistische Wirtschaftsordnung, ausgeschaltet sein alles das, was geistig-seelische Angelegenheiten sind. Die müssen auf ein besonderes Gebiet kommen. Mag der Pfarrer auf seiner Kanzel über die Dinge des Glaubens sprechen, wie er will — ich kann es glauben, ein anderer kann es glauben, ich kann es lassen zu glauben, ein anderer kann es lassen zu glauben —, er redet von einer ganz andern Welt. In der Welt, in der man leben muß, da kann es nicht so zugehen, wie es der Pfarrer von der Kanzel sagt, selbstverständlich nicht, da muß es kapitalistisch zugehen.
[ 19 ] I will now have to describe an unconscious or subconscious process: This objectification of the production process, this detachment of the production process from human aspirations, as it takes place in modern capitalism, requires justification in a certain sense. After all, people always need a justification for what they do, and when they want to justify themselves, they are not concerned with seeking the truth, but only with saying something that justifies them. Take an obvious example. The Entente has won; the task is to justify this victory. That is why people say what is being said about the Entente today—not because it is the truth, but because the victory must be justified. The same is true in the life of each individual. What do most people care about truly fathom the truth! What matters to them is justifying what they do. That is what capitalism wants: above all, to justify its existence. It can only justify itself by observing the most extreme material process—the most material economic process—in its own reflection: the accumulation of capital. But then, if the capitalist economic order is to be justified in this physical world, everything pertaining to spiritual and emotional matters must be excluded. These must be relegated to a separate sphere. The pastor may speak from his pulpit about matters of faith as he pleases—I may believe it, another may believe it; I may choose not to believe it, another may choose not to believe it—but he is speaking of an entirely different world. In the world in which we must live, things cannot be as the pastor says from the pulpit—of course not; there, things must be run on a capitalist basis.
[ 20 ] So hat gerade der extreme Kapitalismus auf der einen Seite dieses furchtbar abstrakte moralisch-geistige Leben hervorgerufen, welches sich ganz abtrennen will von allen äußeren Wirklichkeiten des Daseins. Ebenso schlimm im modernen Leben wie auf der einen Seite der materielle Kapitalismus, hat auf der andern Seite gewirkt jene Gesinnung, die da sagt: Ach, was kümmere ich mich um Ahriman! Ahriman mag Ahriman bleiben, ich widme mich den Impulsen des Innersten meiner Seele, ich gebe mich der geistigen Welt hin, ich suche die geistige Welt so, wie ich sie in meinem Inneren finden kann; die Angelegenheiten der Seele interessieren mich. Was kümmert mich dieses ahrimanische Kredit-, Geld-, Vermögens- und Besitzwesen! Was kümmert mich der Unterschied zwischen Rente und Zins, zwischen Bruttoeinnahmen und Reingewinn und so weiter. Ich kümmere mich um die Angelegenheiten meiner Seele! — Aber, wie der Mensch eine Einheit ist nach Leib, Seele und Geist, und wie ihm zwischen Geburt und Tod Leib und Seele und Geist zusammengebunden sind, so sind im äußeren physischen Dasein verbunden diejenigen Impulse, die wir finden können durch das innerste Gefüge unserer Seele, und diejenigen Impulse, die in der äußeren Wirtschaftsordnung liegen. Und ebenso schuldig an dem modernen Katastrophalen, wie es auf der einen Seite die materialistischen Kapitalisten sind mit ihrer Denk- und Gesinnungsweise, ebenso schuldig sind diejenigen, die auf der andern Seite nur fromm, nur geisteswissenschaftlich sein wollen, in ihrem Sinne dieses Geisteswissenschaftliche abstrakt einschränken und sich nicht einlassen auf die Durchdringung der alltäglichen Wirklichkeit mit einem eingreifenden Denken. Das ist es, was mich immer wieder und wiederum bewogen hat, zu Ihnen davon zu sprechen, daß Sie doch ja nicht diese anthroposophische Geistesbewegung als eine Gelegenheit nehmen sollen, bloße Sonntagnachmittagspredigten zu hören, die einem wohltun in der Seele, weil sie einem davon sprechen, daß das Leben ein Ewiges ist und so weiter, sondern daß Sie diese anthroposophische Bewegung nehmen als den Weg, die modernen Aufgaben des Daseins, die so brennend an uns herandringen, wirklich sinngemäß anzugreifen. Und eine der ersten Notwendigkeiten ist diese: zu verstehen, wo begonnen werden muß, und daß alles nichts hilft, wenn die Menschen nicht den Zugang gewinnen zu einem unbefangenen Denken.
[ 20 ] Thus, extreme capitalism, on the one hand, has given rise to this terribly abstract moral and spiritual life, which seeks to sever itself entirely from all external realities of existence. Just as harmful in modern life as material capitalism on the one hand has been, on the other hand, the attitude that says: Oh, why should I care about Ahriman! Let Ahriman remain Ahriman; I devote myself to the impulses of the innermost part of my soul; I surrender myself to the spiritual world; I seek the spiritual world as I can find it within myself; the affairs of the soul are what interest me. What do I care about this Ahrimanic world of credit, money, wealth, and possessions! What do I care about the difference between annuity and interest, between gross income and net profit, and so on. I concern myself with the affairs of my soul! — But just as the human being is a unity of body, soul, and spirit, and just as body, soul, and spirit are bound together within him between birth and death, so too are the impulses we can find within the innermost structure of our soul and those impulses lying in the external economic order connected in our outer physical existence. And just as much to blame for the modern catastrophe as the materialistic capitalists are on the one hand—with their way of thinking and their mindset—are those on the other hand who wish only to be pious, only to be spiritual scientists, who in their own sense restrict this spiritual science to the abstract and do not engage in penetrating everyday reality with an active, intervening thought. This is what has moved me time and again to speak to you about the fact that you should certainly not take this anthroposophical spiritual movement as an opportunity listen to mere Sunday afternoon sermons that soothe the soul because they tell you that life is eternal and so on, but rather that you should take this anthroposophical movement as the path to truly and meaningfully address the modern challenges of existence that press so urgently upon us. And one of the first necessities is this: to understand where one must begin, and that nothing will help if people do not gain access to unbiased thinking.
[ 21 ] Und hier möchte ich am Schlusse der heutigen Betrachtungen dasjenige aussprechen, an was dann morgen bei einer praktisch-sozialen Betrachtung weiter angeknüpft werden soll. Was ich aussprechen werde, wird scheinbar sehr weit abliegen von allem sozialistischen Denken oder Denken über die soziale Frage, aber Sie werden morgen sehen, wie nahe das liegt, was scheinbar fern liegt, und wie wir gerade durch diese Betrachtungen werden zurechtrücken können die vier Punkte, die ich Ihnen als die Glieder des sozialistischen Ideals angegeben habe. Die Menschen sagen im Leben so oft: Die Meinungen sind verschieden, Überzeugungen sind verschieden, der eine glaubt das, der andere glaubt jenes. — Sieht das nicht so aus, als ob, wenn wir uns unserem Denken hingeben, der eine sich diese, der andere sich jene Gedanken machen kann, und diese und jene Gedanken dann berechtigt sein können? Es sieht so aus, und ist doch durchaus nicht so. Unter Berücksichtigung des Umstandes, daß eine jede Charakteristik einer Sache im höheren Sinne immer gewissermaßen eine Photographie von der einen Seite ist, daß es also Beleuchtungen von den verschiedensten Seiten gibt — immer vorausgesetzt, daß dies berücksichtigt wird —, haben alle Menschen über ein und dieselbe Sache die gleiche Meinung in ihrem tiefsten Inneren. Es gibt nicht zwei Menschen in der Welt, die über ein und dieselbe Sache — wie gesagt, immer unter der gemachten Voraussetzung — nicht dieselbe Meinung haben. Das gibt es nicht. Warum reden denn die Menschen doch von verschiedenen Meinungen? Weil sich zwischen die Wahrheit und zwischen dasjenige, was der Mensch vernimmt in seinem Inneren, sein Emotionelles schiebt, sein egoistisches Vorurteil schiebt und ihm die Sache verzerrt, karikiert. Wahrhaftig verschieden sind die Menschen nur mit Bezug auf ihre Emotionen, nicht mit Bezug auf ihre Begriffe und Ideen. Hat man einmal den Zugang zu einem wirklichen Begriff gewonnen, so kann man über diesen Begriff nicht anderer Meinung sein als ein anderer Mensch, der ebenfalls den Zugang zu diesem Begriff gewonnen hat. Und es ist die größte Frivolität der Seele, zu glauben, daß man ein gewisses Recht auf subjektive Meinungen habe. Dieses Recht auf subjektive Meinungen hat man nicht, sondern man hat als Mensch die Verpflichtung, hinauszudringen über seine Subjektivität zu dem Objektiven. Um in diesem Punkte das Richtige zu sehen, ist allerdings sehr notwendig, daß man alle die Fehlerquellen berücksichtigt, die aus den menschlichen Emotionen folgen. Ein Mensch glaubt, er kann von irgendeiner Sache überzeugt sein. Oftmals ist der Grund, warum er glaubt, daß er von irgendeiner Sache überzeugt ist, kein anderer, als daß er zu faul ist, den Begriff wirklich ins Auge zu fassen. Ja, man muß schon auf diese innerlich moralische Seite der Menschennatur hinweisen, wenn man auf dasjenige hinweisen will, was der heutigen Zeit not tut.
[ 21 ] And here, at the conclusion of today’s reflections, I would like to express what we will then build upon tomorrow in a practical-social analysis. What I am about to say will seem very far removed from all socialist thinking or thinking about the social question, but tomorrow you will see how close that which seems distant actually is, and how, precisely through these reflections, we will be able to clarify the four points I have presented to you as the components of the socialist ideal. People so often say in life: Opinions differ, convictions differ; one person believes this, another believes that. — Doesn’t it seem as though, when we give ourselves over to our thinking, one person might have these thoughts and another those, and that both these and those thoughts might then be valid? It seems that way, and yet it is by no means so. Taking into account the fact that every characterization of a thing, in the higher sense, is always, in a sense, a photograph from one side—that is, that there are perspectives from the most diverse angles—provided, of course, that this is taken into account—all people share the same opinion about one and the same thing in their innermost being. There are not two people in the world who do not share the same opinion about one and the same thing—as I said, always under the aforementioned assumption. That simply does not exist. Why, then, do people speak of differing opinions? Because their emotions and their selfish prejudices interpose themselves between the truth and what a person perceives within themselves, distorting and caricaturing the matter for them. People are truly different only in terms of their emotions, not in terms of their concepts and ideas. Once one has gained access to a true concept, one cannot disagree about that concept with another person who has likewise gained access to it. And it is the greatest frivolity of the soul to believe that one has a certain right to subjective opinions. One does not have this right to subjective opinions; rather, as a human being, one has the obligation to transcend one’s subjectivity and reach the objective. To see the truth in this matter, however, it is absolutely necessary to take into account all the sources of error that arise from human emotions. A person believes they can be convinced of a certain thing. Often, the reason they believe they are convinced of a certain thing is none other than that they are too lazy to truly grapple with the concept. Indeed, one must point to this inner moral aspect of human nature if one wishes to highlight what is needed in today’s world.
[ 22 ] Diese heutige Zeit ist ja vor allen Dingen voller Hochmut, voller Emotionen selbst in dem, was man objektive Wissenschaft nennt, und gar nicht geneigt, den Zugang zu suchen zu dem Urteil, das in wirklichen Ideen und in wirklichen Begriffen liegt. Wohin sollen wir aber kommen, wenn die brennenden sozialen Rätsel, die jetzt vor der Türe stehen, aus den Emotionen der Menschen heraus gelöst werden ? Sie wissen: Es gibt Imaginationen, es gibt Inspirationen, es gibt Intuitionen. In Wahrheit liegt alles dasjenige, was mit Bezug auf die ökonomischen, die wirtschaftlichen und wirtschaftsgesetzlichen Zusammenhänge ergründet werden muß, in Imaginationen; alles dasjenige, was im Wirtschaftsorganismus ergründet werden muß, das liegt in Imaginationen. Diese Imaginationen mögen ja bei den meisten Menschen nur aus dem Unbewußten herausdämmern in Ahnungen. Aber dann sind diese Ahnungen besser als die er studierten Begriffe, die heute vielfach in der Menschheit figurieren. Alles, was in dem lebt, das man nennen kann das geistige Leben, was wir so charakterisiert haben, wie wir das geistige Leben als ein Glied der künftigen Gesellschaftsordnung charakterisiert haben, alles das beruht auf Inspirationen: geistiger Organismus. Und alles das, was nun wirklich losgelöst vom Menschen existieren darf, ja losgelöst vom Menschen existieren muß, das, worinnen die Menschen gleich sein müssen, gleich, wie man sagt, vor dem Gesetze, das kann nur auf Intuitionen beruhen. Darauf beruht also der, man könnte sagen, politische Organismus. Imagination: Wirtschaftsorganismus — Inspiration: Geistiger Organismus — Intuition: Politischer Organismus.
[ 22 ] The present age is, above all, full of arrogance, full of emotions—even in what is called objective science—and not at all inclined to seek access to the judgment that lies in true ideas and true concepts. But where will we end up if the burning social puzzles now at our doorstep are solved based on people’s emotions? You know: there are imaginations, there are inspirations, there are intuitions. In truth, everything that must be explored in relation to economic, business, and economic-legal contexts lies in imaginations; everything that must be explored within the economic organism lies in imaginations. For most people, these imaginations may indeed only dawn from the unconscious as hunches. But these hunches are better than the studied concepts that are so prevalent among humanity today. Everything that lives within what we might call spiritual life—which we have characterized as a component of the future social order—all of that is based on inspiration: the spiritual organism. And everything that may truly exist independently of human beings—indeed, that must exist independently of human beings—that in which human beings must be equal, equal, as one says, before the law—can only be based on intuition. The political organism, so to speak, is thus based on this. Imagination: economic organism — Inspiration: spiritual organism — Intuition: political organism.
[ 23 ] In dieser Weise müssen zusammenwirken wirklich Inspiration, Intuition, Imagination in der Gestaltung der Lebensverhältnisse. Da muß man nur einmal bedenken, daß dies so ist. Und dann wird man auch einsehen, wie im Grunde genommen nur aus geisteswissenschaftlichen Methoden heraus die sozialen Fragen, die heute vor der Türe nicht nur stehen, sondern brennen, in die Richtung ihrer Lösung gebracht werden können. Das ist es, worauf es ankommt: ablegen alle Lässigkeit, alle Bequemlichkeit im Denken, und wirklich losgehen auf dasjenige, was die Menschenseele mit der Wirklichkeit verbindet. Das kann letzten Endes doch nur dahin bringen, wohin wir kommen müssen in der Gegenwart. Von diesem Gesichtspunkte aus wollen wir dann morgen die vier Glieder des sogenannten sozialistischen Ideals einmal charakterisieren, kritisch besprechen.
[ 23 ] In this way, inspiration, intuition, and imagination must truly work together in shaping the conditions of life. One need only consider for a moment that this is indeed the case. And then one will also come to realize that, fundamentally, it is only through spiritual scientific methods that the social issues—which today are not merely at our doorstep but are burning with urgency—can be steered toward their resolution. That is what matters: to cast aside all carelessness and complacency in thinking, and to truly set out toward that which connects the human soul with reality. Ultimately, this can only lead us to where we must go in the present. From this perspective, let us then characterize and critically discuss the four elements of the so-called socialist ideal tomorrow.
