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Goetheanism
An Impulse for Transformation and a Concept of Resurrection
Human and Social Science
GA 188

2 February 1919, Dornach

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Zwölfter Vortrag

Zwölfter Vortrag

[ 1 ] Ich habe gestern angeführt die vier hauptsächlichsten Glieder des gegenwärtigen sozialistischen Programms. Sie sind, wie Sie sich erinnern werden: Erstens: Die Produktionsbetriebe sind überzuführen in Vergesellschaftung. Zweitens: Die Produktionen haben sich zu richten nach dem Bedarf. Drittens: Arbeits- und Lohnverhältnisse seien demokratisch zu regeln. Viertens: Jeglicher Mehrwert falle an die Gemeinschaft. — Wir haben schon gestern auf einiges hinweisen müssen, welches uns zeigte, daß innerhalb jener Urteils- und Empfindungsströmungen, die zu diesem viergliedrigen Programm geführt haben, doch nicht bloß solche vom Menschen ganz losgelöste Tatsachen liegen, wie sozialdemokratische Gesinnung heute aus dem ableitet, was wir ja kennengelernt haben als materialistische Geschichtsauffassung und als Lehre vom ökonomischen Klassenkampfe. Es spielen in die Dinge, die heute geworden sind, die sich namentlich als Anschauungen und als Aspirationen des Proletariats festgesetzt haben, geistige Potenzen, geistige Impulse hinein. Und es wird verhängnisvoll werden, wenn man sich nicht genügend Einsicht verschaffen will, wie stark die geistigen Impulse sind, die in den Verlauf des sozialistischen Denkens und sozialistischen Wollens der neueren Zeit hineinspielen. Man kann sagen: Das Auffälligste in diesem sozialistischen Denken und sozialistischen Wollen ist das absolute Mißtrauen in ein jegliches Mitsprechen der menschlichen Moralität, der menschlichen Ethik bei der Ordnung des sozialen Organismus. Es liegt einfach wie ein Bodensatz dem proletarischen Denken und Wollen zugrunde, nicht daran zu glauben, daß bei den herrschenden Klassen irgendwelche moralischen Impulse oder auch nur geistigen Impulse irgend etwas zur Lösung des sozialen Problemes beitragen könnten.

[ 1 ] Ich habe gestern angeführt die vier hauptsächlichsten Glieder des gegenwärtigen sozialistischen Programms. Sie sind, wie Sie sich erinnern werden: Erstens: Die Produktionsbetriebe sind überzuführen in Vergesellschaftung. Zweitens: Die Produktionen haben sich zu richten nach dem Bedarf. Drittens: Arbeits- und Lohnverhältnisse seien demokratisch zu regeln. Viertens: Jeglicher Mehrwert falle an die Gemeinschaft. — Wir haben schon gestern auf einiges hinweisen müssen, welches uns zeigte, daß innerhalb jener Urteils- und Empfindungsströmungen, die zu diesem viergliedrigen Programm geführt haben, doch nicht bloß solche vom Menschen ganz losgelöste Tatsachen liegen, wie sozialdemokratische Gesinnung heute aus dem ableitet, was wir ja kennengelernt haben als materialistische Geschichtsauffassung und als Lehre vom ökonomischen Klassenkampfe. Es spielen in die Dinge, die heute geworden sind, die sich namentlich als Anschauungen und als Aspirationen des Proletariats festgesetzt haben, geistige Potenzen, geistige Impulse hinein. Und es wird verhängnisvoll werden, wenn man sich nicht genügend Einsicht verschaffen will, wie stark die geistigen Impulse sind, die in den Verlauf des sozialistischen Denkens und sozialistischen Wollens der neueren Zeit hineinspielen. Man kann sagen: Das Auffälligste in diesem sozialistischen Denken und sozialistischen Wollen ist das absolute Mißtrauen in ein jegliches Mitsprechen der menschlichen Moralität, der menschlichen Ethik bei der Ordnung des sozialen Organismus. Es liegt einfach wie ein Bodensatz dem proletarischen Denken und Wollen zugrunde, nicht daran zu glauben, daß bei den herrschenden Klassen irgendwelche moralischen Impulse oder auch nur geistigen Impulse irgend etwas zur Lösung des sozialen Problemes beitragen könnten.

[ 2 ] Man täusche sich über diese Dinge nicht, namentlich nicht durch den Wortlaut, der manchmal auch von Sozialisten gehört werden kann. Gewiß, dieser Wortlaut ist besonders da, wo kritisiert wird, wo über die Fehler der herrschenden Klassen gesprochen wird, so, daß manches in den herrschenden Klassen moralisch verurteilt wird. Aber da, wo das sozialistische Proletariat sich vollbewußt besinnt auf dasjenige, wovon es etwas erhofft in der neueren Zeit, da sagt es nur: Selbst wenn die herrschenden Klassen sich vornehmen würden, aus moralischen Impulsen heraus irgendeine Besserung der sozialen Lage des Proletariats anzustreben, sie könnten es ja gar nicht. Eine Besserung kann sich nur ergeben aus dem wirklichen Klassenkampf, aus dem Kampf der ökonomischen Interessen und ökonomischen Kräfte als solchen. — Es ist außerordentlich wichtig, daß man sich das voll klarmacht. Denn was heute vielleicht noch als ein Rest eines Glaubens und Vertrauens in die moralische Kraft der herrschenden Klassen da ist, das wird auch noch verschwinden.

[ 2 ] Man täusche sich über diese Dinge nicht, namentlich nicht durch den Wortlaut, der manchmal auch von Sozialisten gehört werden kann. Gewiß, dieser Wortlaut ist besonders da, wo kritisiert wird, wo über die Fehler der herrschenden Klassen gesprochen wird, so, daß manches in den herrschenden Klassen moralisch verurteilt wird. Aber da, wo das sozialistische Proletariat sich vollbewußt besinnt auf dasjenige, wovon es etwas erhofft in der neueren Zeit, da sagt es nur: Selbst wenn die herrschenden Klassen sich vornehmen würden, aus moralischen Impulsen heraus irgendeine Besserung der sozialen Lage des Proletariats anzustreben, sie könnten es ja gar nicht. Eine Besserung kann sich nur ergeben aus dem wirklichen Klassenkampf, aus dem Kampf der ökonomischen Interessen und ökonomischen Kräfte als solchen. — Es ist außerordentlich wichtig, daß man sich das voll klarmacht. Denn was heute vielleicht noch als ein Rest eines Glaubens und Vertrauens in die moralische Kraft der herrschenden Klassen da ist, das wird auch noch verschwinden.

[ 3 ] Klarmachen muß man sich, daß aus jenen Voraussetzungen des Kapitalismus heraus, von denen ich gestern gesprochen habe, die sogenannte Intelligenz, die intellektuellen Führer der heutigen Menschheit allmählich im weitesten Umkreise selber zu einem Unglauben gekommen sind mit Bezug auf die Kraft moralischer oder sogar geistiger Impulse. Auch die bürgerlichen Kreise halten ja im tiefsten Grunde ihres Herzens nicht viel von der wirksamen Kraft moralischer Impulse. Gewiß, sie sprechen viel von solchen moralischen Impulsen, aber gegenüber dem, wie dann diese Dinge auftreten, erscheint oftmals dieses Sprechen wie eine mehr oder weniger bewußte oder unbewußte Unwahrhaftigkeit. Denn vergessen wir niemals eine der verhängnisvollsten Tatsachen in der Entwickelung der Menschheit der Gegenwart, eine Tatsache, die wir von den verschiedensten Gesichtspunkten aus schon berührt haben; wir können sie etwa so charakterisieren: Wir haben heute auf der einen Seite ein gewisses Vertrauen zu einem reinen, man möchte sagen, moralitätsfreien, geistfreien Wissen über die äußeren Naturdinge. Bedenken Sie nur, wie sehr die Gegenwart danach strebt, das Naturwissen so zu gestalten, daß nur ja keine Beziehung herrscht zwischen den Gedanken, die man sich über das Naturwesen macht und den Gedanken, die man sich macht über die moralische Weltenordnung. Eine charakteristische Tatsache ist ja diese, daß zum Beispiel die römisch-katholische Kirche, welche unter ihren Priestern wahrhaftig gründlich gelehrte Leute hat, darauf aufmerksam macht, daß die gelehrten Leute, die in ihren Reihen sind, nur ja sich bloß an die äußeren sinnlichen Tatsachen halten und nur ja nicht versuchen sollen, in das, wie man sagt, rein kausale Wissen mit Bezug auf die äußeren Tatsachen irgend etwas hineinzumischen, was auf Geistiges oder Moralisches sich bezieht. Höchstens gleichnisweise wird man das tun.

[ 3 ] Klarmachen muß man sich, daß aus jenen Voraussetzungen des Kapitalismus heraus, von denen ich gestern gesprochen habe, die sogenannte Intelligenz, die intellektuellen Führer der heutigen Menschheit allmählich im weitesten Umkreise selber zu einem Unglauben gekommen sind mit Bezug auf die Kraft moralischer oder sogar geistiger Impulse. Auch die bürgerlichen Kreise halten ja im tiefsten Grunde ihres Herzens nicht viel von der wirksamen Kraft moralischer Impulse. Gewiß, sie sprechen viel von solchen moralischen Impulsen, aber gegenüber dem, wie dann diese Dinge auftreten, erscheint oftmals dieses Sprechen wie eine mehr oder weniger bewußte oder unbewußte Unwahrhaftigkeit. Denn vergessen wir niemals eine der verhängnisvollsten Tatsachen in der Entwickelung der Menschheit der Gegenwart, eine Tatsache, die wir von den verschiedensten Gesichtspunkten aus schon berührt haben; wir können sie etwa so charakterisieren: Wir haben heute auf der einen Seite ein gewisses Vertrauen zu einem reinen, man möchte sagen, moralitätsfreien, geistfreien Wissen über die äußeren Naturdinge. Bedenken Sie nur, wie sehr die Gegenwart danach strebt, das Naturwissen so zu gestalten, daß nur ja keine Beziehung herrscht zwischen den Gedanken, die man sich über das Naturwesen macht und den Gedanken, die man sich macht über die moralische Weltenordnung. Eine charakteristische Tatsache ist ja diese, daß zum Beispiel die römisch-katholische Kirche, welche unter ihren Priestern wahrhaftig gründlich gelehrte Leute hat, darauf aufmerksam macht, daß die gelehrten Leute, die in ihren Reihen sind, nur ja sich bloß an die äußeren sinnlichen Tatsachen halten und nur ja nicht versuchen sollen, in das, wie man sagt, rein kausale Wissen mit Bezug auf die äußeren Tatsachen irgend etwas hineinzumischen, was auf Geistiges oder Moralisches sich bezieht. Höchstens gleichnisweise wird man das tun.

[ 4 ] Und auf der andern Seite nehmen Sie diejenigen Dinge, die heute von den verschiedensten, als berufen geltenden Stellen und Leuten über moralische, ethische, geistige Fragen geschrieben werden. Gewiß, es werden mancherlei mehr oder weniger salbungsvolle oder auch nicht salbungsvolle, pathetische oder nicht pathetische, zum Mitleid hinstrebende oder Abscheu erregen wollende ethische Impulse und Ideale aufgezählt. Aber überzeugen Sie sich einmal und nehmen Sie solche Schriften wirklich zur Hand: Fragen Sie sich, was man heute gewinnen kann gegenüber den brennenden Fragen der Gegenwart, die man die sozialen Fragen, die sozialen Rätsel nennt, aus diesen Ethikbüchern oder geistigen Büchern der Gegenwart? Nichts, aber auch gar nichts! Zurückgezogen in gewisser Beziehung hat sich dasjenige, was ethisches Denken ist, von dem unmittelbar, alltäglich im sozialen Leben Wirksamen. Sie können immer und immer wieder in ethischen Büchern solche Begriffe finden, wie Wohlwollen, Liebe Liebe ist besonders beliebt —, Vornehmheit, Recht — Recht ist wieder besonders beliebt — und ähnliche Dinge. Aber so, wie da gesprochen wird, hat es keine Kraft, um im Menschen zu wirken. Es hat keine moralische Impulsivität, was da in moralischen Begriffen abstrakt an die Menschen herantritt. So hat man auf der einen Seite eine ins Ethische, ins Moralische hinüberspielende Rhetorik, die nicht imstande ist, den Menschen wirklich zu ergreifen, und so hat man das, was die Menschen ergreift, die ökonomische Ordnung, die sich gar nicht mehr um diese bloß rhetorische Ethik kümmert, sondern nur noch bauen will auf die bloßen Gedanken von der Naturkausalität, und in die ökonomische, in die wirtschaftliche Ordnung der Menschheit auch nur diese Naturkausalität hineinbringen will.

[ 4 ] Und auf der andern Seite nehmen Sie diejenigen Dinge, die heute von den verschiedensten, als berufen geltenden Stellen und Leuten über moralische, ethische, geistige Fragen geschrieben werden. Gewiß, es werden mancherlei mehr oder weniger salbungsvolle oder auch nicht salbungsvolle, pathetische oder nicht pathetische, zum Mitleid hinstrebende oder Abscheu erregen wollende ethische Impulse und Ideale aufgezählt. Aber überzeugen Sie sich einmal und nehmen Sie solche Schriften wirklich zur Hand: Fragen Sie sich, was man heute gewinnen kann gegenüber den brennenden Fragen der Gegenwart, die man die sozialen Fragen, die sozialen Rätsel nennt, aus diesen Ethikbüchern oder geistigen Büchern der Gegenwart? Nichts, aber auch gar nichts! Zurückgezogen in gewisser Beziehung hat sich dasjenige, was ethisches Denken ist, von dem unmittelbar, alltäglich im sozialen Leben Wirksamen. Sie können immer und immer wieder in ethischen Büchern solche Begriffe finden, wie Wohlwollen, Liebe Liebe ist besonders beliebt —, Vornehmheit, Recht — Recht ist wieder besonders beliebt — und ähnliche Dinge. Aber so, wie da gesprochen wird, hat es keine Kraft, um im Menschen zu wirken. Es hat keine moralische Impulsivität, was da in moralischen Begriffen abstrakt an die Menschen herantritt. So hat man auf der einen Seite eine ins Ethische, ins Moralische hinüberspielende Rhetorik, die nicht imstande ist, den Menschen wirklich zu ergreifen, und so hat man das, was die Menschen ergreift, die ökonomische Ordnung, die sich gar nicht mehr um diese bloß rhetorische Ethik kümmert, sondern nur noch bauen will auf die bloßen Gedanken von der Naturkausalität, und in die ökonomische, in die wirtschaftliche Ordnung der Menschheit auch nur diese Naturkausalität hineinbringen will.

[ 5 ] Wo hören Sie heute, wenn die Leute, die aus den sogenannten intelligenten Kreisen hervorgegangen sind, ethisch reden wollen, oder wo lesen Sie heute, wenn die Leute ethisch schreiben wollen, etwas, was wirklich an den Menschen so herantritt, daß aus den ethischen Forderungen unmittelbar sozialökonomische werden? Das wäre heute gerade das Wesentliche, daß ein gerader Weg gehen würde von Ethik, Religion und Geistigkeit zu den alleralltäglichsten ökonomischen, volkswirtschaftlichen sozialen Fragen. Diesen Weg zu. wissen, das darf nicht versäumt werden, wenn nicht noch größeres Unheil in die Menschheit hineinkommen soll, als in der letzten Zeit schon hineingekommen ist. Denn mit Bezug auf diese Dinge macht die sozialistisch-proletarische Partei der Gegenwart von ihrem rechtesten Flügel zu ihrer Mitte bis zu ihrem linkesten Flügel alles dasjenige mit, was sie als Erbschaft angetreten hat von der kapitalistischen Bourgeoisie, wie sie in den letzten Jahrhunderten sich heraufentwickelt hat. Das ist ja das Eigentümliche dieser Bourgeoisie, daß sie auf der einen Seite ganz verobjektiviert, losgelöst hat den Kapitalbildungsprozeß, die Wirtschaft, von den persönlichen Aspirationen des Menschen, und daß auf der andern Seite diese Bourgeoisie, ganz gleichgültig, ob sie hinneigt zu dieser oder jener traditionellen Religionsgemeinschaft oder zu irgendeiner neueren Sektenbildung, daß diese Bourgeoisie, weil sie das für vornehm, für richtig hält, das Seelenleben getrennt führen will von dem alltäglichen Leben und so alle Übersicht über das Leben verliert, jene Übersicht, die gerade den heutigen Menschen so notwendig wäre. Ich habe Mitglieder dieser Anthroposophischen Gesellschaft kennengelernt, die haben zum Beispiel unter anderem eine Frage gestellt wie diese: Ja, soll man denn einen Menschen in die Gesellschaft hereinnehmen, der in einer Bierbrauerei ist, also mitwirkt dazu, daß die Leute Bier trinken? — Ich will hier weder für noch gegen das Biertrinken sprechen; der Ausgangspunkt der Leute war eben dieser, daß sie gegen das Biertrinken waren. Man kann in einem solchen Falle dann nur sagen: Ja, sehen Sie, Sie urteilen ungefähr gerade so weit, als Ihre Nase geht; denn, nicht wahr, Ihr Nasenurteil reicht gerade so weit, daß Sie das Mitglied sehen oder Nichtmitglied sehen, das in einer Bierbrauerei eine verhältnismäßig gleichgültige Stellung hat. Aber ich rede von Tatsachen. Sie haben Aktien, Sie haben auch allerlei Bankpapiere: Wissen Sie denn, wieviel Bier Sie brauen mit Ihren Aktien, mit Ihren Bankpapieren? Darum kümmern Sie sich gar nicht; Sie kümmern sich nur um dasjenige, was Ihnen unmittelbar vor die Nase tritt.

[ 5 ] Wo hören Sie heute, wenn die Leute, die aus den sogenannten intelligenten Kreisen hervorgegangen sind, ethisch reden wollen, oder wo lesen Sie heute, wenn die Leute ethisch schreiben wollen, etwas, was wirklich an den Menschen so herantritt, daß aus den ethischen Forderungen unmittelbar sozialökonomische werden? Das wäre heute gerade das Wesentliche, daß ein gerader Weg gehen würde von Ethik, Religion und Geistigkeit zu den alleralltäglichsten ökonomischen, volkswirtschaftlichen sozialen Fragen. Diesen Weg zu. wissen, das darf nicht versäumt werden, wenn nicht noch größeres Unheil in die Menschheit hineinkommen soll, als in der letzten Zeit schon hineingekommen ist. Denn mit Bezug auf diese Dinge macht die sozialistisch-proletarische Partei der Gegenwart von ihrem rechtesten Flügel zu ihrer Mitte bis zu ihrem linkesten Flügel alles dasjenige mit, was sie als Erbschaft angetreten hat von der kapitalistischen Bourgeoisie, wie sie in den letzten Jahrhunderten sich heraufentwickelt hat. Das ist ja das Eigentümliche dieser Bourgeoisie, daß sie auf der einen Seite ganz verobjektiviert, losgelöst hat den Kapitalbildungsprozeß, die Wirtschaft, von den persönlichen Aspirationen des Menschen, und daß auf der andern Seite diese Bourgeoisie, ganz gleichgültig, ob sie hinneigt zu dieser oder jener traditionellen Religionsgemeinschaft oder zu irgendeiner neueren Sektenbildung, daß diese Bourgeoisie, weil sie das für vornehm, für richtig hält, das Seelenleben getrennt führen will von dem alltäglichen Leben und so alle Übersicht über das Leben verliert, jene Übersicht, die gerade den heutigen Menschen so notwendig wäre. Ich habe Mitglieder dieser Anthroposophischen Gesellschaft kennengelernt, die haben zum Beispiel unter anderem eine Frage gestellt wie diese: Ja, soll man denn einen Menschen in die Gesellschaft hereinnehmen, der in einer Bierbrauerei ist, also mitwirkt dazu, daß die Leute Bier trinken? — Ich will hier weder für noch gegen das Biertrinken sprechen; der Ausgangspunkt der Leute war eben dieser, daß sie gegen das Biertrinken waren. Man kann in einem solchen Falle dann nur sagen: Ja, sehen Sie, Sie urteilen ungefähr gerade so weit, als Ihre Nase geht; denn, nicht wahr, Ihr Nasenurteil reicht gerade so weit, daß Sie das Mitglied sehen oder Nichtmitglied sehen, das in einer Bierbrauerei eine verhältnismäßig gleichgültige Stellung hat. Aber ich rede von Tatsachen. Sie haben Aktien, Sie haben auch allerlei Bankpapiere: Wissen Sie denn, wieviel Bier Sie brauen mit Ihren Aktien, mit Ihren Bankpapieren? Darum kümmern Sie sich gar nicht; Sie kümmern sich nur um dasjenige, was Ihnen unmittelbar vor die Nase tritt.

[ 6 ] Nicht darum handelt es sich, irgend jemanden zu tadeln, weil er so oder so denkt, sondern darum, auf die Inkonsequenz, auf das Inkohärente, auf das Unübersichtliche dieses Denkens hinzuweisen. Denn das ist das größte Unglück in unserer Zeit, daß die Menschen aus Bequemlichkeit bei diesem unzusammenhängenden, inkohärenten Denken, bei dieser inneren Inkonsequenz verbleiben und verbleiben wollen, weil sie nicht die Brücke schlagen wollen von Ethik, Religion, Geistigkeit auf der einen Seite zur andern Seite, zu dem unmittelbar realen Leben, das heute in der Gestalt der sozialen, ökonomischen Forderungen, der sozialen Rätsel überhaupt vor diese Menschheit hintritt.

[ 6 ] Nicht darum handelt es sich, irgend jemanden zu tadeln, weil er so oder so denkt, sondern darum, auf die Inkonsequenz, auf das Inkohärente, auf das Unübersichtliche dieses Denkens hinzuweisen. Denn das ist das größte Unglück in unserer Zeit, daß die Menschen aus Bequemlichkeit bei diesem unzusammenhängenden, inkohärenten Denken, bei dieser inneren Inkonsequenz verbleiben und verbleiben wollen, weil sie nicht die Brücke schlagen wollen von Ethik, Religion, Geistigkeit auf der einen Seite zur andern Seite, zu dem unmittelbar realen Leben, das heute in der Gestalt der sozialen, ökonomischen Forderungen, der sozialen Rätsel überhaupt vor diese Menschheit hintritt.

[ 7 ] In dieser Beziehung muß in der Tat vieles noch gelernt werden. Erinnern Sie sich nur daran, wie ich doch immer wieder und wiederum betont habe, daß bei der Behandlung der sozialen Frage in der Gegenwart das Allerwichtigste der Hinblick auf die geistigen Angelegenheiten ist. Die Schulfragen, die Fragen des geistigen Lebens überhaupt, das sind die allerwichtigsten. Man kann sogar, wenn man tiefer in die Dinge hineinblickt, sagen: Solange ihr das geistige Leben abhängig sein lasset von der politischen Gemeinschaft, solange ihr die geistige Gemeinschaft, das geistige Leben abhängig sein laßt, aufgesogen sein lasset von der bloßen politischen Gemeinschaft, so lange könnt ihr tun, was ihr wollt, ihr werdet nicht zurechtkommen. Dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß das Schulwesen frei auf sich selbst gestellt wird, daß die Behandlung der geistigen Angelegenheiten frei auf sich gestellt wird. Und die Menschheit hat im Grunde genommen gar nicht sehr viel Zeit, dies zu tun, denn es könnte sehr bald zu spät sein dazu. Denn Zeit ist nur so lange, als man es in der Hand hat, durch das wilde Wüten der Instinkte hindurch überhaupt noch an die innere Wesenheit der Menschen heranzukommen. Versuchen Sie heute, Menschen, die im sozialen Chaos der Gegenwart ihre wütenden Instinkte schon entwickelt haben, versuchen Sie, ihnen zu predigen; Sie werden ausgelacht. Das ist es, warum man immer wieder und wiederum an die Herzen, an die Seelen appellieren möchte, daß doch gehört werde auf dasjenige, was eigentlich notwendig ist. Geradeso wie die Entwickelung in den Kapitalismus hinein in den letzten Jahrhunderten die Beschäftigung mit dem Geistigen und dadurch die Beschäftigung mit der Welt überhaupt ins völlig Unklare getrieben hat, so will anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft diese Dinge zur Klarheit bringen.

[ 7 ] In dieser Beziehung muß in der Tat vieles noch gelernt werden. Erinnern Sie sich nur daran, wie ich doch immer wieder und wiederum betont habe, daß bei der Behandlung der sozialen Frage in der Gegenwart das Allerwichtigste der Hinblick auf die geistigen Angelegenheiten ist. Die Schulfragen, die Fragen des geistigen Lebens überhaupt, das sind die allerwichtigsten. Man kann sogar, wenn man tiefer in die Dinge hineinblickt, sagen: Solange ihr das geistige Leben abhängig sein lasset von der politischen Gemeinschaft, solange ihr die geistige Gemeinschaft, das geistige Leben abhängig sein laßt, aufgesogen sein lasset von der bloßen politischen Gemeinschaft, so lange könnt ihr tun, was ihr wollt, ihr werdet nicht zurechtkommen. Dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß das Schulwesen frei auf sich selbst gestellt wird, daß die Behandlung der geistigen Angelegenheiten frei auf sich gestellt wird. Und die Menschheit hat im Grunde genommen gar nicht sehr viel Zeit, dies zu tun, denn es könnte sehr bald zu spät sein dazu. Denn Zeit ist nur so lange, als man es in der Hand hat, durch das wilde Wüten der Instinkte hindurch überhaupt noch an die innere Wesenheit der Menschen heranzukommen. Versuchen Sie heute, Menschen, die im sozialen Chaos der Gegenwart ihre wütenden Instinkte schon entwickelt haben, versuchen Sie, ihnen zu predigen; Sie werden ausgelacht. Das ist es, warum man immer wieder und wiederum an die Herzen, an die Seelen appellieren möchte, daß doch gehört werde auf dasjenige, was eigentlich notwendig ist. Geradeso wie die Entwickelung in den Kapitalismus hinein in den letzten Jahrhunderten die Beschäftigung mit dem Geistigen und dadurch die Beschäftigung mit der Welt überhaupt ins völlig Unklare getrieben hat, so will anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft diese Dinge zur Klarheit bringen.

[ 8 ] Betrachten wir einmal den ersten Punkt in dem viergliedrigen sozialistischen Ideal: Überführung der Produktionsbetriebe in gemein.sames Eigentum, in Gesellschaftseigentum. Ja, um was es sich dabei handelt, das hängt gerade ab von geistigen Fragen, von einer klaren Einsicht in gewisse Antworten auf geistige Fragen. Was wird denn eigentlich Geisteswissenschaft, wenn sie nicht bloß als eine trockene Theorie genommen wird, den menschlichen Seelen bringen? Drei Dinge wird diese Geisteswissenschaft den menschlichen Seelen bringen: Erstens nicht bloß einen Glauben an irgendein Geistig-Göttliches, sondern eine Anschauung, wenn auch vielleicht nur eine durch Begriffe vermittelte, dafür aber für den gesunden Menschenverstand erfaßbare Anschauung von den geistigen Welten. Gegenüber dem verwaschenen, oftmals pantheistischen oder möglichst unbestimmten Sprechen von der geistigen Welt gibt die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft Anschauungen von dieser geistigen Welt, redet von ganz bestimmter Gliederung der geistigen Wesen, von einer Gliederung hierarchischer Ordnungen innerhalb der geistigen Welt, gibt Anschauungen der geistigen Welt, die ebenso konkret sind wie die Anschauungen über das mineralische, das pflanzliche, das tierische Reich innerhalb der physischen Welt. Diese Anschauungen, sie wurden gänzlich beiseite geschoben durch die Entwickelung der letzten Jahrhunderte. Bedenken Sie nur, wie heute die Menschen pochen auf den Glauben ohne Anschauung! Das ist das Charakteristische der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, daß sie von der geistigen Welt Anschauung geben will.

[ 8 ] Betrachten wir einmal den ersten Punkt in dem viergliedrigen sozialistischen Ideal: Überführung der Produktionsbetriebe in gemein.sames Eigentum, in Gesellschaftseigentum. Ja, um was es sich dabei handelt, das hängt gerade ab von geistigen Fragen, von einer klaren Einsicht in gewisse Antworten auf geistige Fragen. Was wird denn eigentlich Geisteswissenschaft, wenn sie nicht bloß als eine trockene Theorie genommen wird, den menschlichen Seelen bringen? Drei Dinge wird diese Geisteswissenschaft den menschlichen Seelen bringen: Erstens nicht bloß einen Glauben an irgendein Geistig-Göttliches, sondern eine Anschauung, wenn auch vielleicht nur eine durch Begriffe vermittelte, dafür aber für den gesunden Menschenverstand erfaßbare Anschauung von den geistigen Welten. Gegenüber dem verwaschenen, oftmals pantheistischen oder möglichst unbestimmten Sprechen von der geistigen Welt gibt die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft Anschauungen von dieser geistigen Welt, redet von ganz bestimmter Gliederung der geistigen Wesen, von einer Gliederung hierarchischer Ordnungen innerhalb der geistigen Welt, gibt Anschauungen der geistigen Welt, die ebenso konkret sind wie die Anschauungen über das mineralische, das pflanzliche, das tierische Reich innerhalb der physischen Welt. Diese Anschauungen, sie wurden gänzlich beiseite geschoben durch die Entwickelung der letzten Jahrhunderte. Bedenken Sie nur, wie heute die Menschen pochen auf den Glauben ohne Anschauung! Das ist das Charakteristische der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, daß sie von der geistigen Welt Anschauung geben will.

[ 9 ] Ein zweites, was diese Geisteswissenschaft dem gibt, der sie nicht bloß als nüchterne, trockene Theorie nimmt, sondern der Herz und Seele davon ergreifen läßt, ist wirkliche, unermeßlich weitgehende Menschenachtung und Menschenschätzung. Kann denn eine geistige Lebensauffassung, die sich so darlebt, wie sie versucht worden ist darzuleben zum Beispiel in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», zu etwas anderem führen, wenn sie von der ganzen Seele, nicht nur von dem theoretischen Verstande aufgenommen wird, als zu einer wirklichen Menschenschätzung? Denken Sie, der ganze Kosmos wird betrachtet, insoferne der Mensch hineingestellt ist in diesen Kosmos. Es ist ja im Grunde genommen, indem nicht bloß gesprochen wird von der Erdenentwickelung, sondern sogar von Monden-, Sonnen- und Saturnentwickelung, immer der Mensch, der betrachtet wird. Vergleichen Sie in dieser Beziehung anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft mit der gewöhnlichen Naturwissenschaft der Gegenwart. Die läßt sich führen zu solchen Hypothesen wie der KantLaplaceschen. Sie geht nicht weit zurück, verglichen mit dem, zu welchem zurückgegangen wird in der Monden-, Sonnen-, Saturnanschauung; sie geht zurück zu einem gewissen Erdenzustand. Allein in jenem philosophisch naturwissenschaftlichen Wahnsinn, den man Kant-Laplacesche Theorie nennt, ist ja längst schon der Mensch verloren. Da ist er nicht mehr drinnen, da ist ein grauer Urnebel, von dem diese wahnsinnige Theorie, die man heute aber als wissenschaftlich empfindet, spricht. Diesem Verlust des Menschen schon innerhalb des Irdischen selber steht gegenüber die Betrachtung der Geisteswissenschaft, die im ganzen Kosmos den Menschen aufsucht. Gewiß, man kann das tun, indem man auf die Sache bloß gescheite Gedanken wendet, indem man die Sache bloß theoretisch verfolgt. Wer aber das nicht bloß theoretisch verfolgt, sondern wem die Verfolgung dieser Sache innerster Gehalt seines ganzen Menschenwesens ist, für den folgt aus einer solchen Weltenbetrachtung eine in unermeßliche Weiten gehende Menschenschätzung, Schätzung des Menschen als solchen.

[ 9 ] Ein zweites, was diese Geisteswissenschaft dem gibt, der sie nicht bloß als nüchterne, trockene Theorie nimmt, sondern der Herz und Seele davon ergreifen läßt, ist wirkliche, unermeßlich weitgehende Menschenachtung und Menschenschätzung. Kann denn eine geistige Lebensauffassung, die sich so darlebt, wie sie versucht worden ist darzuleben zum Beispiel in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», zu etwas anderem führen, wenn sie von der ganzen Seele, nicht nur von dem theoretischen Verstande aufgenommen wird, als zu einer wirklichen Menschenschätzung? Denken Sie, der ganze Kosmos wird betrachtet, insoferne der Mensch hineingestellt ist in diesen Kosmos. Es ist ja im Grunde genommen, indem nicht bloß gesprochen wird von der Erdenentwickelung, sondern sogar von Monden-, Sonnen- und Saturnentwickelung, immer der Mensch, der betrachtet wird. Vergleichen Sie in dieser Beziehung anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft mit der gewöhnlichen Naturwissenschaft der Gegenwart. Die läßt sich führen zu solchen Hypothesen wie der KantLaplaceschen. Sie geht nicht weit zurück, verglichen mit dem, zu welchem zurückgegangen wird in der Monden-, Sonnen-, Saturnanschauung; sie geht zurück zu einem gewissen Erdenzustand. Allein in jenem philosophisch naturwissenschaftlichen Wahnsinn, den man Kant-Laplacesche Theorie nennt, ist ja längst schon der Mensch verloren. Da ist er nicht mehr drinnen, da ist ein grauer Urnebel, von dem diese wahnsinnige Theorie, die man heute aber als wissenschaftlich empfindet, spricht. Diesem Verlust des Menschen schon innerhalb des Irdischen selber steht gegenüber die Betrachtung der Geisteswissenschaft, die im ganzen Kosmos den Menschen aufsucht. Gewiß, man kann das tun, indem man auf die Sache bloß gescheite Gedanken wendet, indem man die Sache bloß theoretisch verfolgt. Wer aber das nicht bloß theoretisch verfolgt, sondern wem die Verfolgung dieser Sache innerster Gehalt seines ganzen Menschenwesens ist, für den folgt aus einer solchen Weltenbetrachtung eine in unermeßliche Weiten gehende Menschenschätzung, Schätzung des Menschen als solchen.

[ 10 ] Die Schätzung des Menschen als solchen, die fehlt jener modernen Anschauung, die nur auf das äußerlich Sinnliche geht. Geisteswissenschaft bleibt in der Wirklichkeit, ihr ist gerade die äußere Sinnlichkeit ein Scheinbild. Aber wenn man bei der äußeren Wirklichkeit stehenbleibt, hat man kein Korrektiv, kein solches Korrektiv, wie die Geisteswissenschaft es hat, indem sie den kosmischen Menschen betrachtet und dadurch zur Menschenschätzung kommt, im Gegensatz zu dem, was manchmal die sinnliche Anschauung über den Menschen aussagt. Diese materialistische Anschauung kann zu keiner Menschenschätzung kommen; sie müßte ja unwahr sein. Sie müßte ja den einzelnen empirischen Menschen, den alltäglichen Menschen, das heißt das, was sie von diesem Menschen weiß, unbedingt schätzen. Nun, das geht wohl nicht gerade!

[ 10 ] Die Schätzung des Menschen als solchen, die fehlt jener modernen Anschauung, die nur auf das äußerlich Sinnliche geht. Geisteswissenschaft bleibt in der Wirklichkeit, ihr ist gerade die äußere Sinnlichkeit ein Scheinbild. Aber wenn man bei der äußeren Wirklichkeit stehenbleibt, hat man kein Korrektiv, kein solches Korrektiv, wie die Geisteswissenschaft es hat, indem sie den kosmischen Menschen betrachtet und dadurch zur Menschenschätzung kommt, im Gegensatz zu dem, was manchmal die sinnliche Anschauung über den Menschen aussagt. Diese materialistische Anschauung kann zu keiner Menschenschätzung kommen; sie müßte ja unwahr sein. Sie müßte ja den einzelnen empirischen Menschen, den alltäglichen Menschen, das heißt das, was sie von diesem Menschen weiß, unbedingt schätzen. Nun, das geht wohl nicht gerade!

[ 11 ] So ist die Geisteswissenschaft erstens der Weg zur geistigen Anschauung gegenüber dem bloßen Glauben, so ist sie der Weg zur echten Menschenschätzung gegenüber jener Gleichgültigkeit gegen die Menschen, die notwendigerweise aus der bloß materialistischen Anschauung folgt. Noch ein Drittes. Es gibt natürlich im Kosmos Dinge und Vorgänge außerhalb des Menschen. Wie betrachtet die Geisteswissenschaft diese Dinge und Vorgänge außerhalb des Menschen? Alle in bezug auf den Menschen! Es wird ja nichts betrachtet als in bezug auf den Menschen. Das mineralische, das pflanzliche, das tierische Reich, mit Bezug auf den Menschen werden sie betrachtet von der Geisteswissenschaft. Das gibt eine gewisse Schätzung desjenigen, was neben dem Menschen, oder man könnte auch sagen: unter dem Menschen in der äußeren physischen Welt vorhanden ist. Nehmen Sie jene Empfindung, die eine echt geisteswissenschaftliche ist, und die aus der Geisteswissenschaft heraus Christian Morgenstern genommen und in dichterische Form umgeprägt hat: Der Mensch fühlt sich auf der Höhe der physischen Erdenreiche. Unter ihm ist das tierische, das pflanzliche, das mineralische Reich. Aber wenn dieses pflanzliche Reich empfindungsgemäß nachdenken könnte über das mineralische, was müßte es sich sagen? Ich neige mich in Ehrfurcht vor dir, du Mineral, denn dir verdanke ich mein Dasein. Gäbest du mir nicht den Boden, trotzdem du niedriger bist in der hierarchischen Naturordnung als ich, gäbest du mir nicht den Boden, ich könnte nicht sein. Ebenso muß sich in Ehrfurcht neigen das Tier zur Pflanze und sagen: Ich danke dir mein Dasein. — Und so hinauf. Jedes höhere Reich neigt sich in Ehrfurcht vor dem niedrigeren Reich.

[ 11 ] So ist die Geisteswissenschaft erstens der Weg zur geistigen Anschauung gegenüber dem bloßen Glauben, so ist sie der Weg zur echten Menschenschätzung gegenüber jener Gleichgültigkeit gegen die Menschen, die notwendigerweise aus der bloß materialistischen Anschauung folgt. Noch ein Drittes. Es gibt natürlich im Kosmos Dinge und Vorgänge außerhalb des Menschen. Wie betrachtet die Geisteswissenschaft diese Dinge und Vorgänge außerhalb des Menschen? Alle in bezug auf den Menschen! Es wird ja nichts betrachtet als in bezug auf den Menschen. Das mineralische, das pflanzliche, das tierische Reich, mit Bezug auf den Menschen werden sie betrachtet von der Geisteswissenschaft. Das gibt eine gewisse Schätzung desjenigen, was neben dem Menschen, oder man könnte auch sagen: unter dem Menschen in der äußeren physischen Welt vorhanden ist. Nehmen Sie jene Empfindung, die eine echt geisteswissenschaftliche ist, und die aus der Geisteswissenschaft heraus Christian Morgenstern genommen und in dichterische Form umgeprägt hat: Der Mensch fühlt sich auf der Höhe der physischen Erdenreiche. Unter ihm ist das tierische, das pflanzliche, das mineralische Reich. Aber wenn dieses pflanzliche Reich empfindungsgemäß nachdenken könnte über das mineralische, was müßte es sich sagen? Ich neige mich in Ehrfurcht vor dir, du Mineral, denn dir verdanke ich mein Dasein. Gäbest du mir nicht den Boden, trotzdem du niedriger bist in der hierarchischen Naturordnung als ich, gäbest du mir nicht den Boden, ich könnte nicht sein. Ebenso muß sich in Ehrfurcht neigen das Tier zur Pflanze und sagen: Ich danke dir mein Dasein. — Und so hinauf. Jedes höhere Reich neigt sich in Ehrfurcht vor dem niedrigeren Reich.

[ 12 ] So findet Geisteswissenschaft die Möglichkeit, auch die andere Welt mit Bezug auf den Menschen anzuschauen, in ein richtiges Verhältnis zu bringen. Nach drei Richtungen hin greift Geisteswissenschaft ein, wenn sie einzugreifen vermag in das geistige Leben, in das Leben aber auch des Materiellen in der Gegenwart: Erstens durch geistige Anschauung; zweitens durch Menschenschätzung; drittens durch richtige Wertung aller Dinge der Welt gegenüber dem Menschen. Ohne daß diese Dinge eintreten, bleibt jede Forderung der Sozialisierung der Produktionsbetriebe eine wesenlose Forderung. Denn solange nicht vorhanden sind die drei genannten Vorbedingungen in der Stellung des Menschen zur Welt, zu andern Menschen und zur Geistigkeit, so lange ist es unmöglich, daß richtige Impulse in dem Gemeinschaftsleben herrschen, das irgend etwas sozialistisch betreiben soll.

[ 12 ] So findet Geisteswissenschaft die Möglichkeit, auch die andere Welt mit Bezug auf den Menschen anzuschauen, in ein richtiges Verhältnis zu bringen. Nach drei Richtungen hin greift Geisteswissenschaft ein, wenn sie einzugreifen vermag in das geistige Leben, in das Leben aber auch des Materiellen in der Gegenwart: Erstens durch geistige Anschauung; zweitens durch Menschenschätzung; drittens durch richtige Wertung aller Dinge der Welt gegenüber dem Menschen. Ohne daß diese Dinge eintreten, bleibt jede Forderung der Sozialisierung der Produktionsbetriebe eine wesenlose Forderung. Denn solange nicht vorhanden sind die drei genannten Vorbedingungen in der Stellung des Menschen zur Welt, zu andern Menschen und zur Geistigkeit, so lange ist es unmöglich, daß richtige Impulse in dem Gemeinschaftsleben herrschen, das irgend etwas sozialistisch betreiben soll.

[ 13 ] Ebensowenig ist es möglich, den zweiten Punkt irgendwie zu realisieren: Regelung der Produktion nach dem Bedarf. Ja, der Bedarf ist ja nicht irgend etwas, was statistisch aufgenommen werden kann und wonach sich eben anderes regeln läßt. Der Bedarf im wirklichen Leben wandelt sich fortwährend, metamorphosiert sich fortwährend. Ich bitte, ich möchte einmal, daß jemand feststellt, wie groß im Jahre 1840 der Bedarf der Menschen nach elektrischen Eisenbahnen war! Dieser Bedarf wird hervorgezaubert durch den Kulturprozeß selber, wird verwandelt durch den Kulturprozeß selbst. Wollen Sie nach einem vorhandenen Bedarf die Produktion regeln, wollen Sie der Produktion nicht Initiative geben, so bringen Sie den Bedarf zur Stagnation. Sie können allein das richtige Verhältnis zwischen Bedarf und Produktion herstellen, wenn Sie den sozialen Organismus dreifach gliedern. Dann ist im lebendigen Zusammenwirken die Regelung von selbst da zwischen Produktion und Bedarf, wie zwischen den andern Impulsen des sozialen Organismus. — Arbeits- und Lohnverhältnisse sollen demokratisch geregelt werden. Ja, da handelt es sich darum, daß eine Demokratie gar nichts hilft, wenn nicht die richtige Menschenschätzung zugrunde liegt, jene Menschenschätzung, die wirklich nur gründlich in die menschliche Seele geschrieben werden kann aus der Geisteswissenschaft heraus. Demokratie enthält immer das Ferment zu ihrem eigenen Untergang, wenn sie nicht zu gleicher Zeit den Keim zu wirklicher Menschenschätzung enthält.

[ 13 ] Ebensowenig ist es möglich, den zweiten Punkt irgendwie zu realisieren: Regelung der Produktion nach dem Bedarf. Ja, der Bedarf ist ja nicht irgend etwas, was statistisch aufgenommen werden kann und wonach sich eben anderes regeln läßt. Der Bedarf im wirklichen Leben wandelt sich fortwährend, metamorphosiert sich fortwährend. Ich bitte, ich möchte einmal, daß jemand feststellt, wie groß im Jahre 1840 der Bedarf der Menschen nach elektrischen Eisenbahnen war! Dieser Bedarf wird hervorgezaubert durch den Kulturprozeß selber, wird verwandelt durch den Kulturprozeß selbst. Wollen Sie nach einem vorhandenen Bedarf die Produktion regeln, wollen Sie der Produktion nicht Initiative geben, so bringen Sie den Bedarf zur Stagnation. Sie können allein das richtige Verhältnis zwischen Bedarf und Produktion herstellen, wenn Sie den sozialen Organismus dreifach gliedern. Dann ist im lebendigen Zusammenwirken die Regelung von selbst da zwischen Produktion und Bedarf, wie zwischen den andern Impulsen des sozialen Organismus. — Arbeits- und Lohnverhältnisse sollen demokratisch geregelt werden. Ja, da handelt es sich darum, daß eine Demokratie gar nichts hilft, wenn nicht die richtige Menschenschätzung zugrunde liegt, jene Menschenschätzung, die wirklich nur gründlich in die menschliche Seele geschrieben werden kann aus der Geisteswissenschaft heraus. Demokratie enthält immer das Ferment zu ihrem eigenen Untergang, wenn sie nicht zu gleicher Zeit den Keim zu wirklicher Menschenschätzung enthält.

[ 14 ] Der Mehrwert — das ist der vierte Punkt — soll der Gemeinschaft überliefert werden. Meine lieben Freunde, ich möchte sagen: Bei einer solchen Sache ertappt man gerade das absolut in sich unmögliche Denken einer solchen Richtung. Was ist denn der Mehrwert? Der Mehrwert ist dasjenige, was gerade das marxistische Proletariat als das Unmögliche, als das Abzuschaffende. tadelt. Damit es keinen Mehrwert mehr gibt, soll eine sozialistische Ordnung begründet werden. In dieser sozialistischen Ordnung ist ein Wesentliches, daß kein Mehrwert mehr da wäre. Aber einer ihrer idealen Punkte ist, daß dieser Mehrwert an die Gemeinschaft abgeliefert werden soll! Das figuriert in der Tat unter den besonderen Punkten. Warum figuriert es? Ja, weil schon Mehrwert da sein wird, und weil die Tatsache, daß Mehrwert da sein wird, auf das Programm seinen Schatten wirft. Aber das ist der Schatten, der durchaus auf das Programm fällt. Der wirft wiederum seine ganze Finsternis zurück auf die ganze Theorie.

[ 14 ] Der Mehrwert — das ist der vierte Punkt — soll der Gemeinschaft überliefert werden. Meine lieben Freunde, ich möchte sagen: Bei einer solchen Sache ertappt man gerade das absolut in sich unmögliche Denken einer solchen Richtung. Was ist denn der Mehrwert? Der Mehrwert ist dasjenige, was gerade das marxistische Proletariat als das Unmögliche, als das Abzuschaffende. tadelt. Damit es keinen Mehrwert mehr gibt, soll eine sozialistische Ordnung begründet werden. In dieser sozialistischen Ordnung ist ein Wesentliches, daß kein Mehrwert mehr da wäre. Aber einer ihrer idealen Punkte ist, daß dieser Mehrwert an die Gemeinschaft abgeliefert werden soll! Das figuriert in der Tat unter den besonderen Punkten. Warum figuriert es? Ja, weil schon Mehrwert da sein wird, und weil die Tatsache, daß Mehrwert da sein wird, auf das Programm seinen Schatten wirft. Aber das ist der Schatten, der durchaus auf das Programm fällt. Der wirft wiederum seine ganze Finsternis zurück auf die ganze Theorie.

[ 15 ] Und so lebt die heutige Menschheit taumelnd in einer furchtbaren Finsternis, die nur erhellt werden kann, wenn man die Unbequemlichkeit überwindet, vom Glauben zum Anschauen, von der bloßen empirisch gegebenen Stellung des einen Menschen zum andern, zur wirklichen Menschenschätzung zu kommen, von dem bloßen Essen der Dinge und ähnlichem zu jener Würdigung der außermenschlichen Dinge in der Welt, die ja gegeben ist, wenn man anthroposophisch weiß, alle Dinge auf den Menschen zu beziehen.

[ 15 ] Und so lebt die heutige Menschheit taumelnd in einer furchtbaren Finsternis, die nur erhellt werden kann, wenn man die Unbequemlichkeit überwindet, vom Glauben zum Anschauen, von der bloßen empirisch gegebenen Stellung des einen Menschen zum andern, zur wirklichen Menschenschätzung zu kommen, von dem bloßen Essen der Dinge und ähnlichem zu jener Würdigung der außermenschlichen Dinge in der Welt, die ja gegeben ist, wenn man anthroposophisch weiß, alle Dinge auf den Menschen zu beziehen.

[ 16 ] So eng hängt das Schicksal geisteswissenschaftlicher Bestrebungen mit den sozialen Rätseln der Gegenwart zusammen. Und mehr als jenes Bedürfnis, Geisteswissenschaft überhaupt zu verbreiten, liegt dem, welchem es ernst ist um die Geisteswissenschaft, das Bedürfnis auf der Seele: in den Menschen ein Gefühl hervorzurufen davon, wie notwendig gerade für die wichtigsten und berechtigtsten Bedürfnisse der Gegenwart eine Ausbreitung derjenigen Ideen, Gefühle und Willensimpulse ist, die allein aus der Geisteswissenschaft kommen können. Nun, wir werden ja auch über diese Dinge noch weiter sprechen.

[ 16 ] So eng hängt das Schicksal geisteswissenschaftlicher Bestrebungen mit den sozialen Rätseln der Gegenwart zusammen. Und mehr als jenes Bedürfnis, Geisteswissenschaft überhaupt zu verbreiten, liegt dem, welchem es ernst ist um die Geisteswissenschaft, das Bedürfnis auf der Seele: in den Menschen ein Gefühl hervorzurufen davon, wie notwendig gerade für die wichtigsten und berechtigtsten Bedürfnisse der Gegenwart eine Ausbreitung derjenigen Ideen, Gefühle und Willensimpulse ist, die allein aus der Geisteswissenschaft kommen können. Nun, wir werden ja auch über diese Dinge noch weiter sprechen.