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The Social Question as a Question of Consciousness
GA 189

1 March 1919, Dornach

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Im Laufe dieser Betrachtungen habe ich darauf hingewiesen, wie im Verlaufe der Menschheitsentwickelung sich zeigt, daß im Innersten der menschlichen Seele, in dem unbewußten Inneren der menschlichen Seele etwas ganz anderes vorgehen kann, als mehr an der Oberfläche dieser menschlichen Seele vorgeht. Der Mensch kann, wie wir öfter vernommen haben, glauben, er strebe diesem oder jenem nach, während er in Wahrheit in den Tiefen seiner Seele Impulse hat, die ganz, ganz anderem nachstreben. Diese Wahrheit kommt insbesondere für unsere Zeit in Betracht. Wir sehen heute eine ganze Menschenklasse in einer bestimmten Artung eines Wollens, von der wir nun schon öfter gesprochen haben. Gerade da zeigt es sich aber, wie an der Seelenoberfläche, da, wo sich im Bewußtseinszeitalter das Bewußtsein entwickelt, sich etwas ganz, ganz anderes bildet, als unten in den Seelentiefen, wo Impulse nach Verwirklichung streben, von denen heute eben im Bewußtsein noch nichts Wirkliches vorhanden ist.

[ 1 ] In the course of these reflections, I have pointed out how, throughout the course of human development, it becomes evident that something entirely different can be taking place in the innermost depths of the human soul—in its unconscious depths—than what is happening more on the surface of that soul. As we have often heard, a person may believe they are striving for this or that, while in truth, in the depths of their soul, they have impulses that strive for something quite, quite different. This truth is particularly relevant for our time. Today we see an entire class of people caught up in a certain kind of will, which we have now spoken of on several occasions. Yet it is precisely here that it becomes evident how, on the surface of the soul—where consciousness develops in the Age of Consciousness—something entirely, entirely different takes shape than in the depths of the soul, where impulses strive toward realization, of which nothing real yet exists in consciousness today.

[ 2 ] Wenn wir uns das moderne Proletariat mit Bezug darauf ansehen, was ihm bewußt ist, so finden wir in diesem Bewußtsein, was wir auch schon öfter erwähnt haben, drei Dinge; drei Dinge, von denen dieses proletarische Bewußtsein heute ausgefüllt wird. Es ist erstens die materialistische Geschichtsauffassung; zweitens die Anschauung, daß allem, was in der Welt vorgeht, in Wahrheit bis jetzt Klassenkämpfe zugrunde gelegen haben, daß überall nur Klassenkämpfe sind und das, wovon die Menschen glauben, daß es vorgeht, nur eine Spiegelung von Klassenkämpfen sei; und das dritte ist, was ich Ihnen ja auch schon öfter charakterisiert habe, die Mehrwertlehre, die Lehre von dem Mehrwert, der durch die unbezahlte Arbeitskraft der Arbeiter geliefert wird, und der den Profit ausmacht, der von dem Arbeitgeber dem Arbeiter abgenommen wird, ohne daß der Arbeiter dafür irgendeine Entschädigung erhält. Aus diesen drei Gliedern setzt sich im wesentlichen das zusammen, was im Bewußtsein des Proletariats die Impulse ausmacht, aus denen die moderne soziale Bewegung ihre so oder so zu beurteilenden Kräfte schöpft.

[ 2 ] If we examine the modern proletariat in terms of its consciousness, we find—as we have already mentioned on several occasions—three elements in that consciousness; three elements that define this proletarian consciousness today. First is the materialist conception of history; second is the view that everything that happens in the world has, in truth, been based on class struggles up to now, that there are only class struggles everywhere, and that what people believe is happening is merely a reflection of class struggles; and the third is what I have already described to you on several occasions: the theory of surplus value—the theory of the surplus value produced by the workers’ unpaid labor, which constitutes the profit extracted from the worker by the employer without the worker receiving any compensation for it. These three elements essentially constitute the impulses in the consciousness of the proletariat from which the modern social movement draws its forces—forces that may be judged in one way or another.

[ 3 ] Damit ist dasjenige bezeichnet, was im Bewußtsein des Proletariats lebt. Im Bewußtsein aber der gegenwärtigen Menschheit, zu der im wesentlichen gerade die Gefühle des Proletariats hindrängen, in den tieferen Seelenschichten auch des Proletariats leben drei andere Dinge. Nur weiß von diesen drei anderen Dingen die Welt heute recht wenig. Die Welt strebt wenig nach Selbsterkenntnis, und daher weiß sie nichts von dem, was eigentlich in den Seelentiefen danach strebt, geschichtlich verwirklicht zu werden. Diese drei anderen Dinge sind: erstens eine der neueren Zeit angemessene Durchdringung des geistigen Lebens, dasjenige was man Geisteswissenschaft auf die eine oder andere Art nennen kann; das zweite ist Freiheit des Gedankenlebens, Gedankenfreiheit; das dritte ist im echten und wahren Sinne Sozialismus. Nach diesen drei Dingen strebt auch das Proletariat. Aber es weiß nichts davon. Und seine Instinkte folgen den anderen drei Dingen, von denen ich gesagt habe, daß sie im Oberflächenteil des Seelenlebens, im eigentlichen Bewußtsein, tätig sind.

[ 3 ] This refers to what lives in the consciousness of the proletariat. But in the consciousness of present-day humanity—into which, in essence, the feelings of the proletariat are pressing their way—there are three other things that also live in the deeper layers of the soul, including that of the proletariat. It is just that the world today knows very little about these three other things. The world has little desire for self-knowledge, and therefore knows nothing of what is actually striving in the depths of the soul to be historically realized. These three other things are: first, a penetration of spiritual life appropriate to modern times—that which can be called spiritual science in one way or another; the second is freedom of thought, freedom of the mind; the third is socialism in the genuine and true sense. The proletariat, too, strives for these three things. But it knows nothing of them. And its instincts follow the other three things, which I have said are active in the superficial part of soul life, in actual consciousness.

[ 4 ] Nun stellt sich gerade an diesem Unterschiede des bewußten proletarischen Strebens und der unterbewußten Impulse mit besonderer Deutlichkeit heraus, daß ein völliger Gegensatz zwischen diesen beiden ist. Nehmen Sie die materialistische Geschichtsauffassung. Sie ist hervorgegangen aus dem Materialismus der neueren Zeit überhaupt, der seit vier Jahrhunderten in der Menschenentwickelung heraufgestiegen ist. Dieser Materialismus hat bei den führenden Klassen der Menschheit zuerst auf dem Felde der Naturwissenschaft sich geltend gemacht, hat sich dann über die Wissenschaft überhaupt ausgedehnt, und beim modernen Proletariat, das im Grunde genommen nur das Erbe der bürgerlichen, wissenschaftlich orientierten Vorstellungsart angenommen hat, hat sich der Materialismus dann umgewandelt in die materialistische Geschichtsauffassung. Diese materialistische Geschichtsauffassung geht davon aus, daß eigentlich alles geistige Leben nur gewissermaßen der Rauch ist, der aufsteigt aus den Vorgängen des Wirtschaftslebens, aus alldem, was sich im Gebiete des ökonomischen Lebens der Menschheit abspielt. Wirklich im geschichtlichen Verlaufe des Menschenlebens ist nur das, was eben im Gebiete der Warenerzeugung, der Produktion, des Handels, der Konsumtion vorgeht, und je nach dem die Menschen in der einen oder anderen Weise in einem Zeitalter gewirtschaftet haben, je nach dem haben sie dies oder jenes religiös geglaubt, diese oder jene Kunstform gepflegt, das oder jenes als ihr Recht, als ihre Sittlichkeit angesehen. Das geistige Leben ist im wesentlichen eine Ideologie, das heißt, es hat keine in ihm selbst liegende Wirklichkeit, ist ein Spiegelbild desjenigen, was sich als Wirtschaftskämpfe draußen abspielt. Es kann wiederum zurückwirken auf die Wirtschaftskämpfe, was die Menschen in ihre Vorstellungen aufgenommen haben, was sie künstlerisch empfinden, was sie im sittlichen Wollen zum Ausdruck bringen. Aber letzten Endes ist alles geistige Leben eine Spiegelung des äußeren wirtschaftlichen Lebens. Das ist im wesentlichen, was man materialistische Geschichtsauffassung nennt. Wenn auch das menschliche Leben nur eine Spiegelung von rein äußerlichen, materiellen wirtschaftlichen Kräften ist, und wenn hinzukommt, daß die Welt überhaupt nur Sinnliches ist, und die Gedanken der Menschen nur etwas sind, was das Sinnliche abspiegelt, und wenn dann der Mensch nur in solchen Vorstellungen leben will, nur solches als wirklich empfinden will, was in der Sinnenwelt sich zeigt, sich offenbart — dann ist dies eine Abkehr von allem wirklichen Geistesleben, dann bedeutet das, daß der Mensch darauf verzichtet, etwas als einen selbständigen, in sich ruhenden Geist anzuerkennen.

[ 4 ] It is precisely in this distinction between conscious proletarian striving and subconscious impulses that it becomes particularly clear that there is a complete contrast between the two. Take the materialist conception of history. It has emerged from modern materialism in general, which has been on the rise in human development for four centuries. This materialism first made its mark among the ruling classes of humanity in the field of natural science, then spread to science in general, and among the modern proletariat—which, in essence, has merely adopted the legacy of the bourgeois, scientifically oriented worldview—materialism has since transformed into the materialist conception of history. This materialist conception of history assumes that, in essence, all spiritual life is, so to speak, merely the smoke that rises from the processes of economic life—from everything that takes place in the realm of humanity’s economic existence. Indeed, in the historical course of human life, the only reality is what occurs in the realm of commodity production, manufacturing, trade, and consumption; and depending on how people have conducted their economic affairs in one way or another during a given era, they have held this or that religious belief, cultivated this or that art form, and regarded this or that as their law or their morality. Spiritual life is essentially an ideology; that is to say, it has no reality inherent in itself but is a reflection of what unfolds externally as economic struggles. In turn, what people have internalized in their ideas, what they experience artistically, and what they express in their moral will can have a reciprocal effect on these economic struggles. But ultimately, all spiritual life is a reflection of external economic life. This is essentially what is called the materialist conception of history. If human life is merely a reflection of purely external, material economic forces, and if we add to this the fact that the world consists solely of the sensible realm, and that human thoughts are merely a reflection of the sensible, and if, furthermore, human beings wish to live only in such perceptions, to perceive as real only that which appears and reveals itself in the sensory world—then this is a turning away from all true spiritual life; it means that human beings renounce recognizing anything as an independent, self-contained spirit.

[ 5 ] So hat die neuere Zeit ihre Bemühung darauf gerichtet, immer mehr und mehr Beweise dazu heranzutragen, um behaupten zu dürfen, daß es einen selbständigen, im Übersinnlichen lebenden Geist, ein Geistiges überhaupt, nicht gibt. Das spielt sich ab an der Oberfläche des menschlichen Seelenlebens. Das macht im wesentlichen den Inhalt des neueren Bewußtseins aus, nachdem die Menschheit in das Zeitalter des Bewußtseins eingetreten ist. In den alleruntersten Gründen des Seelenlebens aber strebt gerade die neuere Menschheit nach dem Geist hin. Sie hat, man möchte sagen, ein innerstes, tiefstes Bedürfnis nach Geist. Ein Blick auf die Entwickelung der Menschheitsgeschichte zeigt dieses. Wir blickten oftmals zurück auf die besondere Geistesart der ersten nachatlantischen Kulturperiode, auf die besondere Geistesart der indischen Kulturperiode; nun haben wir von den verschiedensten Gesichtspunkten aus diese indische Kulturperiode charakterisiert. Das, was wir über sie kennengelernt haben, wird dem, der unbefangen die Dinge anzuschauen vermag, sagen können, daß eine solche Art, geistig zu leben, wie sie in der uralten, nur von der Geisteswissenschaft aufzufindenden indischen Kulturperiode liegt, daß eine solche Artung des Geisteslebens beruht auf den unbewußten Intuitionen; wohl gemerkt auf unbewußten Intuitionen, denn es war ja atavistisches Geistesleben. So daß wir sagen können: in dieser ersten nachatlantischen Kulturperiode haben wir unbewußte Intuitionen als Quelle des Geisteslebens.

[ 5 ] Thus, in recent times, efforts have been directed toward gathering more and more evidence in order to be able to assert that there is no independent spirit living in the supersensible realm—indeed, that there is no such thing as the spiritual at all. This takes place on the surface of human soul life. This essentially constitutes the content of modern consciousness, now that humanity has entered the age of consciousness. Yet at the very deepest levels of soul life, modern humanity is striving toward the spirit. It has, one might say, an innermost, deepest need for the spirit. A look at the development of human history reveals this. We have often looked back at the distinctive spiritual character of the first post-Atlantean cultural epoch, at the distinctive spiritual character of the Indian cultural epoch; now we have characterized this Indian cultural epoch from a wide variety of perspectives. What we have learned about it will reveal to anyone capable of viewing things impartially that such a way of living spiritually—as found in the ancient Indian cultural period, which can only be discovered through spiritual science—is based on unconscious intuitions; mind you, on unconscious intuitions, for it was, after all, an atavistic spiritual life. So we can say: in this first post-Atlantean cultural period, we have unconscious intuitions as the source of spiritual life.

[ 6 ] Wenn wir dann weitergehen und uns das urpersische Geistesleben ansehen und wiederum fragen: Woraus fließt es? — so werden wir finden, dieses urpersische Geistesleben, es fließt aus unbewußten Inspirationen.

[ 6 ] If we then go on to examine the primordial Persian spiritual life and ask again: From what does it spring? — we will find that this primordial Persian spiritual life springs from unconscious inspirations.

[ 7 ] Das dritte, das ägyptisch-chaldäische Geistesleben, fließt aus unbewußten Imaginationen. Dieses ägyptisch-chaldäische Geistesleben ragt ja schon herein in die ersten historischen Zeiten, und man kann da schon, wenn man nur die Geschichte unbefangen genug betrachtet, darauf kommen, daß man es in der alten Wissenschaft der Ägypter, in der alten Wissenschaft der Chaldäer mit unbewußten, aber im Seelenleben lebenden Imaginationen zu tun hatte.

[ 7 ] The third, the Egyptian-Chaldean spiritual life, springs from unconscious imaginings. This Egyptian-Chaldean spiritual life already extends into the earliest historical periods, and if one views history with sufficient objectivity, one can conclude that the ancient science of the Egyptians and the ancient science of the Chaldeans dealt with unconscious imaginations that were nonetheless alive in the life of the soul.

[ 8 ] Nun kam das griechisch-lateinische Geistesleben. Im griechischl-ateinischen Geistesleben blieben schon noch die Imaginationen, aber die Imaginationen durchdrangen sich mit Begriffen, mit Ideen. Das war das Wesentliche, was das griechische Leben auszeichnete, daß die Griechen in der Menschheitsentwickelung als erste das hatten, was früher nicht in dieser Menschheitsentwickelung als seelischer Impuls vorhanden war. Die Griechen hatten bereits Ideen, Begriffe. Das Genauere habe ich in meinen «Rätseln der Philosophie» dargestellt. Aber alle Begriffe der Griechen waren durchzogen von Bildlichkeit, von Imaginationen. — Das merkt man heute nicht, insbesondere in jenem sonderbaren Griechentum, von dem unsere Gymnasial- und Universitätsbildung spricht, merkt man das nicht. — Wenn der Grieche zum Beispiel das Wort «Idee» aussprach, so war das, was er dabei ins Seelenauge faßte, nicht etwas so abstrakt Begriffliches, wie es bei uns heute der Seele vorschwebt, wenn wir das Wort Idee aussprechen. Der Grieche hatte, wenn er das Wort Idee aussprach, die Vorstellung, daß vor ihm gewissermaßen etwas Visionäres schwebt, das aber doch deutlich in einen Begriff gefaßt ist. Es war etwas Anschauliches. Idee ist zugleich Gesicht. Im Griechischen würde man von «Ideologie» nicht eigentlich haben sprechen können, obwohl das Wort dem Griechischen nachgebildet ist; jedenfalls nicht so haben sprechen können, daß man dasselbe dabei empfunden hätte, was man heute empfindet, wenn man von Ideologie spricht; denn dem Griechen waren seine Ideen etwas Wesenhaftes, etwas vom Bilde Durchzogenes.

[ 8 ] Then came the Greco-Latin spiritual life. In the Greco-Latin spiritual life, the imaginations still remained, but they were interwoven with concepts and ideas. That was the essential feature that distinguished Greek life: that the Greeks were the first in human development to possess what had not previously existed in that development as a spiritual impulse. The Greeks already had ideas and concepts. I have described this in more detail in my *Riddles of Philosophy*. But all the Greeks’ concepts were permeated by imagery, by imaginations. — You don’t notice that today, especially in that peculiar version of Greek culture that our high school and university education talks about; you don’t notice it. — When a Greek, for example, uttered the word “idea,” what he perceived in the eye of his soul was not something as abstract and conceptual as what comes to mind for us today when we say the word “idea.” When the Greek uttered the word “idea,” he had the impression that something visionary, as it were, was hovering before him—yet it was clearly grasped as a concept. It was something concrete. An “idea” is at the same time a “vision.” In Greek, one could not strictly speaking have spoken of “ideology,” even though the word is modeled on Greek; at any rate, one could not have spoken of it in such a way that one would have felt the same thing as one feels today when speaking of ideology; for to the Greeks, their ideas were something essential, something permeated by image.

[ 9 ] I. Urindische Kulturperiode: Unbewußte Intuitionen als Quelle des Geisteslebens

[ 9 ] I. The Proto-Indian Cultural Period: Unconscious Intuitions as the Source of Spiritual Life

[ 10 ] II. Urpersische Kulturperiode: Unbewußte Inspirationen als Quelle des Geisteslebens

[ 10 ] II. The Primordial Persian Cultural Period: Unconscious Inspirations as the Source of Spiritual Life

[ 11 ] III. Ägyptisch-chaldäische Kulturperiode: Unbewußte Imaginationen als Quelle do; Geisteslebens

[ 11 ] III. The Egyptian-Chaldean Cultural Period: Unconscious Imaginations as a Source of Spiritual Life

[ 12 ] IV. Griechisch-lateinische Kulturperiode: Unbewußte Imaginationen mit Begriffen

[ 12 ] IV. The Greek-Latin Cultural Period: Unconscious Imaginations with Concepts

[ 13 ] V. Neue Zeit: Begriffe, die nach Imaginationen streben

[ 13 ] V. The Modern Era: Concepts That Strive for Imagination

[ 14 ] Nun ist das Eigentümliche, daß in unserer fünften nachatlantischen Zeit zunächst die Imaginationen verlorengegangen sind und daß die Begriffe für die Bewußtseinsseele geblieben sind. Unser neueres Geistesleben ist so nüchtern, so trocken, aus diesem Geistesleben ist alles Bildhafte herausgepreßt worden und geblieben ist die Abstraktion, die die Leute, die gebildet sein wollen, ganz besonders lieben. Die neuere Zeit lebt ja gewissermaßen von Abstraktion und will alles, alles auf irgendeinen abstrakten Begriff gebracht haben. Gerade in dem, was man bürgerlich praktisches Leben nennt, gerade da herrscht der abstrakte Begriff im allerumfänglichsten Sinne. Aber schon macht sich wiederum geltend — und das charakterisiert gerade unsere Gegenwart und wird die nächste Zukunft im besonderen Maße charakterisieren —, schon macht sich wieder geltend, daß die Tiefen der menschlichen Seelen, die unterbewußten Impulse der menschlichen Seelen wiederum nach Imaginationen streben. So daß man sagen kann: Begriffe, die nach Imaginationen streben.

[ 14 ] Now, what is peculiar is that in our fifth post-Atlantean epoch, the imaginations were the first to be lost, while the concepts for the conscious soul remained. Our modern spiritual life is so sober, so dry; everything pictorial has been squeezed out of this spiritual life, and what remains is abstraction, which people who want to be considered educated are particularly fond of. The modern age, after all, thrives, so to speak, on abstraction and wants to reduce everything—absolutely everything—to some abstract concept. Precisely in what is called bourgeois practical life, precisely there, the abstract concept reigns supreme in the most comprehensive sense. But already—and this is precisely what characterizes our present and will characterize the near future to a particular degree—already it is becoming evident once more that the depths of the human soul, the subconscious impulses of the human soul, are once again striving toward imaginations. So that one can say: concepts that strive toward imaginations.

[ 15 ] Diesem Streben nach Imaginationen kommt unsere Geisteswissenschaft entgegen. Aber eben der weitaus überwiegende Teil der Menschheit weiß noch nichts von dem, was da in seiner Seele drunten ist. Daher sieht er dasjenige, was Geistesleben ist, in den bloßen Begriffen, in den bloßen Vorstellungen und ist mit diesen Vorstellungen ziemlich hilflos. Denn Begriffe als solche haben für sich keinen eigentlichen Inhalt. Und es ist das Schicksal der leitenden Kreise bisher gewesen, daß sie immer mehr und mehr eine gewisse Vorliebe für rein begriffliches Denken entwickelt haben. Aber diese Vorliebe für rein begriffliches Denken erzeugte etwas anderes. Hilflos ist dieses rein begriffliche Denken; es erzeugt das Streben nach einer Anlehnung an diejenige Wirklichkeit, die man nicht ablehnen kann, weil sie sich eben den Sinnen anpaßt: an die äußere sinnliche Wirklichkeit. Dieser Glaube an die bloß äußere sinnliche Wirklichkeit ist im wesentlichen entstanden aus der begrifflichen Hilflosigkeit der modernen Menschheit.

[ 15 ] Our spiritual science responds to this quest for imaginations. But the vast majority of humanity still knows nothing of what lies deep within their souls. Therefore, they perceive spiritual life as mere concepts, mere ideas, and are quite at a loss with these ideas. For concepts as such have no actual content of their own. And it has been the fate of the leading circles thus far that they have developed, more and more, a certain preference for purely conceptual thinking. But this preference for purely conceptual thinking gave rise to something else. This purely conceptual thinking is helpless; it gives rise to a striving to rely on the reality that cannot be rejected because it adapts itself to the senses: to external sensory reality. This belief in mere external sensory reality has essentially arisen from the conceptual helplessness of modern humanity.

[ 16 ] Auf allen Gebieten des geistigen Lebens drückt sich diese Hilflosigkeit des Begriffslebens aus. In der Wissenschaft will man vor allen Dingen experimentieren, damit durch das Experiment irgend etwas herauskomme, was der Sinnenwelt sonst nicht gegeben ist, weil, wenn man die Sinneswelt bloß vorstellungsgemäß verarbeitet, man über diese Sinneswelt nicht hinauskommt. Denn die Begriffe selbst enthalten keine Realität.

[ 16 ] This helplessness of conceptual life is evident in all areas of intellectual life. In science, the primary aim is to experiment so that the experiment yields something that is not otherwise present in the sensory world; for if one merely processes the sensory world through imagination, one cannot go beyond it. For concepts themselves contain no reality.

[ 17 ] In der Kunst gewöhnte man sich immer mehr und mehr, das Modell anzubeten, sich rein zu halten an dasjenige, was das äußere Objekt gibt. Und es ist im wesentlichen wiederum das Schicksal gewesen der bisher leitenden Kreise der Menschheit, in der Kunst immer mehr und mehr hinzutreiben nach einer Art bloßen Studiums der äußeren sinnlichen Wirklichkeit. Man strebte immer mehr und mehr da hin, die äußere sinnliche Wirklichkeit aufzufassen. Etwas aus dem Geiste heraus zu schöpfen und es durch die Mittel der Kunst hinzustellen, das ging immer mehr und mehr verloren. Man strebte nur nach Naturalismus, nach einer Nachahmung desjenigen, was die Natur als solche in der Außenwelt darstellt, weil aus dem abstrakten Geistesleben nichts hervorquoll, was selbständig für sich gestaltet werden konnte.

[ 17 ] In art, people became increasingly accustomed to idolizing the model, to sticking strictly to what the external object provides. And it has essentially been the fate of the circles that have led humanity thus far to be driven, in art, more and more toward a kind of mere study of external sensory reality. There was an ever-increasing striving to grasp external sensory reality. The ability to create something from the spirit and to express it through the means of art was increasingly lost. People strove only for naturalism, for an imitation of what nature as such presents in the external world, because nothing sprang forth from abstract spiritual life that could be shaped independently on its own.

[ 18 ] Nehmen Sie die Entwickelung der neueren Künste, so werden Sie das überall bewahrheitet finden. Diese neueren Künste strebten, soweit das nur irgend sein kann, immer mehr und mehr nach Naturalismus hin, nach einer Darstellung dessen, was man äußerlich sieht und wahrnimmt. Das gipfelte zuletzt in dem, was man Impressionismus nannte. Diejenigen, die vor dem Impressionismus gestrebt haben nach Künstlerischem, versuchten, irgendein äußeres Objekt in der Kunst wiederzugeben. Aber da kamen diejenigen, die die letzten Konsequenzen aus alle dem zogen und sagten: Ja, wenn ich nun wirklich einen Menschen oder einen Wald vor mir habe und diesen Menschen oder diesen Wald male, so gebe ich ja gar nicht das wieder, was mein Eindruck ist; denn ich stehe vor einem Wald, ich stehe vor einem Menschen — und in dem Augenblicke, wo ich vor dem Wald stehe, da bescheint ihn die Sonne in einer gewissen Weise, aber nach wenigen Augenblicken ist die Sonnenbeleuchtung eine ganz andere. Was soll ich denn dann eigentlich festhalten, wenn ich naturalistisch sein will? Ich kann ja gar nicht festhalten, was mir die Außenwelt zeigt, denn diese Außenwelt hat ja alle Augenblicke ein anderes Gesicht. Ich will einen Menschen malen, der lächelt — aber das nächste Mal macht er ein griesgrämiges Gesicht! Was soll ich denn nun eigentlich machen? Soll ich über das lächelnde das griesgrämige Gesicht darübersetzen? Wenn ich darstellen will, was äußere Objekte sind in ihrem Bleiben in der Zeit, so müßte ich schon die Objekte selber zwingen. Naturobjekte lassen sich nicht zwingen, aber die menschlichen Objekte müßte man schon zwingen, wenn sie Modell sitzen, möglichst die Pose des Ausdrucks zu behalten. Aber dann machen sie, wenn man versucht, die Natur nachzuahmen, den Eindruck, wie wenn sie vom Starrkrampf befallen wären, wenn man sie naturalistisch machen will. So geht es also nicht. — Und so wurden sie Impressionisten, welche nur den unmittelbaren, vorübergehenden Eindruck festlegen wollten. Dann muß man aber nicht mehr ganz und gar naturalistisch sein, sondern muß schon allerlei Mittel anwenden, wodurch man nicht die Natur nachahmt, sondern den Schein hervorruft, den die Natur in einem Augenblicke als Offenbarung auf einen macht. Und da entstand die Klippe; man wollte gerade, um recht naturalistisch zu sein, impressionistisch werden; und siehe da, man konnte im Impressionismus nicht mehr naturalistisch sein. Jetzt wendete sich das Ganze um. Jetzt versuchten einige nicht mehr Impressionen zu geben, nicht mehr den äußeren Eindruck festzuhalten, sondern gerade das, was in ihrem Inneren aufstieg, und sollte es noch so primitiv sein; das Innere, das da aufsteigt, das suchten sie festzuhalten. Und diese wurden Expressionisten.

[ 18 ] If you consider the development of the modern arts, you will find this to be true everywhere. These modern arts strove, as far as was humanly possible, more and more toward naturalism—toward a representation of what one sees and perceives externally. This ultimately culminated in what came to be known as Impressionism. Those who, prior to Impressionism, sought artistic expression attempted to reproduce some external object in art. But then came those who drew the ultimate conclusions from all of this and said: “Yes, if I really have a person or a forest in front of me and I paint that person or that forest, I am not actually reproducing my impression; for I am standing in front of a forest, I am standing in front of a person—and at the very moment I stand before the forest, the sun is shining on it in a certain way, but after a few moments the sunlight is completely different.” What, then, am I actually supposed to capture if I want to be naturalistic? I can’t possibly capture what the external world shows me, for this external world has a different face every moment. I want to paint a person who is smiling—but the next moment he’s making a sullen face! What am I actually supposed to do? Should I superimpose the sullen face over the smiling one? If I want to depict what external objects are in their permanence over time, I would have to force the objects themselves. Natural objects cannot be forced, but human subjects would have to be compelled, when they sit as models, to maintain the pose and expression as much as possible. But then, when one tries to imitate nature, they give the impression of being seized by a spasm if one wants to render them naturalistically. So that won’t work. — And that is how the Impressionists came to be, who wanted only to capture the immediate, fleeting impression. But then one no longer has to be entirely naturalistic; instead, one must employ all sorts of means through which one does not imitate nature, but evokes the appearance that nature presents to one in a single moment as a revelation. And that is where the pitfall arose: one wanted to become Impressionist precisely in order to be truly naturalistic; and lo and behold, one could no longer be naturalistic within Impressionism. Now the whole situation turned around. Now some no longer sought to convey impressions, no longer to capture the external impression, but precisely what arose within them—no matter how primitive it might be; they sought to capture that inner force that arose within them. And these became Expressionists.

[ 19 ] Denselben Gang könnten wir auf dem Gebiete des sittlichen, ja sogar des Rechtslebens darlegen; überall dieses Streben aus der Vorliebe für das abstrakte Geistesleben heraus. Man muß nur die Entwickelung der neueren Menschheit daraufhin in der richtigen Art ansehen, dann wird man schon darauf kommen, daß überall dieses Streben nach Abstraktion drinnensteckt. Was ist beim modernen Proletariat daraus geworden? Dieses moderne Proletariat ist, als es an die Maschine gestellt wurde, eingespannt wurde in den modernen, seelenlosen Kapitalismus, eben mit seinem ganzen Schicksal nur im Wirtschaftsleben gewesen. Dieselbe Vorstellungsrichtung, welche die Angehörigen der bürgerlichen Kreise zum Naturalismus gebracht haben, haben das Proletariat zu der Lehre gebracht, die sich in der materialistischen Geschichtsauffassung ausdrückt. Überall, wo man hinblickt, sieht man, daß das Proletariat eben nur die letzten Konsequenzen desjenigen gezogen hat, was sich innerhalb der bürgerlichen Kreise ausgebildet hat — die letzten Konsequenzen, vor denen dann diese bürgerlichen Kreise so furchtbar zurückschaudern.

[ 19 ] We could trace the same pattern in the realm of moral life, and indeed even in legal life; everywhere we see this striving stemming from a preference for abstract intellectual life. One need only view the development of modern humanity in the right light to realize that this striving for abstraction is present everywhere. What has become of this among the modern proletariat? When this modern proletariat was placed before the machine and harnessed to modern, soulless capitalism, its entire destiny lay solely in economic life. The same line of thought that led members of bourgeois circles to naturalism has led the proletariat to the doctrine expressed in the materialist conception of history. Everywhere one looks, one sees that the proletariat has merely drawn the ultimate conclusions from what has developed within bourgeois circles—the very conclusions that these bourgeois circles so dreadfully recoil from.

[ 20 ] Wie hat man es innerhalb der Bürgerkreise mit dem Religiösen gehalten? Mit dem Religiösen hat man es zum Beispiel auf einem Gebiete in Bürgerkreisen so gehalten: Man hatte früher wenigstens atavistisch dunkle Vorstellungen von dem Christus-Mysterium. Man hatte sich verschiedene Vorstellungen darüber ausgebildet, wie in dem Jesus der Christus drinnen lebte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erst hat es sich herausgebildet, daß man aus dem abstrakten Geistesleben heraus sich keine Vorstellung mehr machen konnte, wie in dem Jesus der Christus gelebt hat. So beschränkte man sich auf das, was sich innerhalb der Sinneswelt abgespielt hat im Beginne der christlichen Entwickelung, auf die bloße Jesulogie. Der Jesus wurde immer mehr und mehr als äußerer Mensch betrachtet. Der Christus, der der übersinnlichen Welt angehört, verschwand immer mehr und mehr. Das abstrakte Seelenleben fand keinen Weg zu dem Christus, begnügte sich mit dem Jesus. Was machte daraus das proletarische Bewußtsein? Das proletarische Bewußtsein sagte: Wozu brauchen wir dann überhaupt noch eine besondere religiöse Anschauung über den Jesus? Die Bürgerlichen haben ja den Jesus bereits zu dem schlichten Mann aus Nazareth gemacht. Der ist unseresgleichen selbstverständlich, wenn er der schlichte Mann aus Nazareth ist. Wir sind abhängig vom Wirtschaftsleben, warum soll der nicht vom Wirtschaftsleben abhängig gewesen sein? Hat noch irgend jemand ein Recht, ihm eine besondere andere Mission zuzuschreiben, ihn den Begründer eines ganz neuen Menschheitszeitalters zu nennen, da er ja doch nur der schlichte Mann aus Nazareth war, der eben seinerzeit aus den wirtschaftlichen Vorgängen heraus, in die er versetzt war, das behauptet hat, was er eben behauptet hat? — Die wirtschaftlichen Vorgänge muß man studieren in der Zeit, als das Christentum begonnen hat; und die Art und Weise, wie ein schlichter Handwerker, der dem Handwerk entlaufen ist und im Herumziehen allerlei Ideen entwickelt hat im Sinne der Wirtschaftsordnung des damaligen Palästina, das muß man studieren; daraus wird man dann ersehen, warum der Jesus gerade das behauptet hat, was er behauptet hat. Letzte Konsequenz der modernen protestantischen Theologie, das ist auch die materialistische Jesus-Lehre des modernen Proletariats, die eben keine den Menschen noch tragende Kraft mehr hat.

[ 20 ] How did the middle classes view religion? In one area, for example, the middle classes viewed religion as follows: In the past, they had at least some atavistic, vague notions about the mystery of Christ. They had developed various ideas about how Christ lived within Jesus. It was only in the course of the 19th century that it became clear that, from an abstract spiritual life, one could no longer form a conception of how Christ lived within Jesus. Thus, people limited themselves to what had taken place within the sensory world at the beginning of Christian development—to mere Jesusology. Jesus came to be regarded more and more as an external human being. The Christ, who belongs to the supersensible world, faded from view more and more. Abstract spiritual life found no path to the Christ and was content with Jesus alone. What did proletarian consciousness make of this? Proletarian consciousness said: Why, then, do we even need a special religious view of Jesus at all? After all, the bourgeoisie have already turned Jesus into the simple man from Nazareth. He is, of course, one of us if he is the simple man from Nazareth. We are dependent on economic life; why shouldn’t he have been dependent on economic life? Does anyone still have the right to attribute a special, different mission to him, to call him the founder of an entirely new era of humanity, since he was, after all, only the simple man from Nazareth who, at the time, based on the economic circumstances in which he found himself, simply asserted what he asserted? — One must study the economic conditions of the time when Christianity began; and one must study the way in which a simple craftsman, who had abandoned his trade and, while wandering about, developed all sorts of ideas in line with the economic order of Palestine at that time; from this, one will then see why Jesus asserted precisely what he did. The ultimate consequence of modern Protestant theology is the materialistic doctrine of Jesus espoused by the modern proletariat, which no longer possesses any power to sustain humanity.

[ 21 ] Mit Bezug auf das zweite, auf die Gedankenfreiheit, die innerliche Gedankeninitiative, ist es wiederum das unterbewußte tiefere Seeleninnere der modernen Menschheit, was danach strebt. Dasjenige, was auf der Oberfläche des Seelenlebens im Bewußtsein lebt, macht sich vor, daß es gerade nach dem Gegenteile zu streben habe, und strebt auch nach dem Gegenteile. Daher rumort das Unterbewußte in einer radikalen Opposition, die eben in unseren furchtbaren Gegenwartskämpfen zum Ausdrucke kommt. Autoritätsfrei wollten die leitenden Bürgerkreise der neueren Zeit werden. Sie sind hineingeplumpst in alle möglichen Arten von Autoritätsglauben. Vor allen Dingen sind sie hineingeplumpst in einen blinden Autoritätsglauben gegenüber all dem, was irgendwie in die Sphäre des Staates einbezogen ist, der die höchste Autorität für das Bürgertum geworden ist.

[ 21 ] With regard to the second—freedom of thought, the inner initiative of thought—it is once again the deeper, subconscious innermost being of modern humanity that strives for it. That which lives on the surface of the soul’s life, in consciousness, deludes itself into believing that it must strive for the very opposite, and indeed strives for the opposite. Hence, the subconscious rumbles in radical opposition, which finds expression precisely in our terrible contemporary struggles. The leading circles of modern society wanted to be free of authority. They have fallen headlong into all manner of beliefs in authority. Above all, they have fallen headlong into a blind belief in authority toward everything that is in any way connected to the sphere of the state, which has become the highest authority for the bourgeoisie.

[ 22 ] Was spielt eine größere Rolle in diesem modernen Bürgertum als das «fachmännische Urteil»! Der Mensch frägt nach dem fachmännischen Urteil und führt dieses Fragen nach dem fachmännischen Urteil eben auch in sein äußeres Leben ein. Derjenige, der abgestempelt mit dem Diplom der Universität in das Leben hinaustritt, der weiß die Dinge; den frägt man mit Bezug auf das, was Gott mit der Menschheit vorhat, wenn er ein Theologe ist. Man frägt ihn mit Bezug auf das, was im Menschenleben Recht ist, wenn er ein Jurist ist; man frägt ihn, was dem Menschen Heilung bringen kann, wenn er ein Mediziner ist, und man frägt ihn über alle möglichen Dinge der Welt, wenn er aus irgendeiner Ecke der philosophischen Fakultät heraus kommt. Die moderne Menschheit, ein kleiner Kreis wenigstens, hat immer gelächelt, wenn der Blick auf ein Buch des ehrwürdigen Philosophen der vorkantischen Zeit, Wolf, fiel. Und dieses Buch trägt den Titel so ungefähr: «Über die Natur, über die Menschenseele, über den Staat, über die Geschichte und über alle vernünftigen Dinge überhaupt.» Über ein solches Buch lächelt man. Aber daß in den geistigen Laboratorien, die der Staat aufgerichtet hat für die Menschen, alles dasjenige gebraut werde, was der Inhalt der Vernunft sein soll für die Menschen, daran glauben die leitenden Kreise in der neueren Zeit mit aller Festigkeit. Das heißt, diese leitenden Kreise haben keineswegs danach gestrebt, daß jeder sein eigenes Bewußtsein habe, sondern sie haben danach gestrebt, das Bewußtsein zu uniformieren, es so einzurichten, daß es im Grunde im weitesten Sinne ein Staatsbewußtsein ist. «Staatsbewußtsein» ist das moderne Bewußtsein viel mehr geworden, als die Menschen eigentlich glauben. Die Menschen denken sich den Staat als ihren Gott, der ihnen das gibt, was sie brauchen. Sie brauchen sich nicht weiter mit den Dingen zu beschäftigen, denn der Staat sorgt ja dafür, daß alle vernünftigen Zweige des Lebens geregelt werden.

[ 22 ] What plays a greater role in this modern bourgeoisie than the “expert opinion”! People seek expert opinions and carry this quest for expert opinions into their external lives as well. The person who steps out into life bearing the stamp of a university degree knows these things; if he is a theologian, people ask him about God’s plans for humanity. If he is a lawyer, they ask him about what is right in human life; people ask him what can bring healing to human beings if he is a physician, and they ask him about all manner of things in the world if he comes from some corner of the philosophy department. Modern humanity—at least a small circle of it—has always smiled whenever their gaze fell upon a book by the venerable pre-Kantian philosopher, Wolf. And this book bears a title something like: “On Nature, on the Human Soul, on the State, on History, and on All Rational Matters in General.” One smiles at such a book. But the leading circles of modern times believe with absolute conviction that in the intellectual laboratories the state has established for people, everything that is supposed to constitute the content of reason for humanity is being concocted. That is to say, these ruling circles have by no means strived for everyone to have their own consciousness; rather, they have striven to standardize consciousness, to shape it so that, in the broadest sense, it is essentially a state consciousness. “State consciousness” has become the modern consciousness far more than people actually realize. People conceive of the state as their god, who gives them what they need. They need not concern themselves further with these matters, for the state ensures that all rational aspects of life are regulated.

[ 23 ] Ausgeschlossen von dem Staatsleben war das Proletariat mit Ausnahme der paar Gebiete, in die man es in das Staatsleben in demokratischen Staatsgebilden hineingelassen hat. Das Proletariat war ganz — selbst mit dem, was den ganzen Menschen nach sich zieht, mit seiner Arbeitskraft — in das Wirtschaftsleben eingespannt. Das Proletariat zog nun wiederum nur für sein Leben die letzte Konsequenz. Der moderne bürgerliche Mensch hat ein Staatsbewußtsein, wenn er das auch nicht immer zugibt, aber er macht sehr gerne Staat mit diesem Staatsbewußtsein. Man braucht wahrhaftig nicht bloß auf seine Karten drucken zu lassen «Reserveleutenant und Professor», um mit dem Staatsbewußtsein Staat zu machen, man kann es in ganz anderer Form machen. Aber das Proletariat hatte kein Interesse am Staat. Es war in das Wirtschaftsleben eingespannt. Daher fühlte es nun wiederum so, daß sein Fühlen die letzte Konsequenz des bürgerlichen Fühlens wurde, aber entsprechend seinem Leben. Sein Bewußtsein wurde das Klassenbewußtsein des Proletariats. Und so sehen wir eigentlich, weil nun diese Klasse des Proletariats nichts zu tun hat mit dem Staate, dieses Klassenbewußtsein auf Internationalismus gebaut. Also diese Dinge sind notwendig. Zu dem modernen Staate konnte nur der Bürgerliche hinneigen, weil der moderne Staat für den Bürgerlichen sorgt, und der Bürgerliche für sich gesorgt haben will. Der Staat aber sorgte nicht für den Proletarier. Der fühlte sich nur in der Welt drinnenstehend, insofern er seiner Klasse angehörte. Und die proletarische Klasse ist überall in der gleichen Art vorgegangen durch alle Staaten durch. Daher bildete sich dieses internationale Proletariat heraus, dieses internationale Proletariat, welches sich fühlte im bewußten Gegensatz gegen alles dasjenige, was bürgerlich war, und was mit derselben Kraft des Bewußtseins nach dem Staate und nach den Staatsfaktoren hinstrebte. Und es gab eine außerordentlich suggestive Ausbildung dieses Klassenbewußtseins im Proletariat in der modernen Zeit. Ich weiß nicht, wie viele von Ihnen proletarische Versammlungen besucht haben. Wie schlossen diese proletarischen Versammlungen denn immer? Sie schlossen immer damit, daß man in proletarischer Konsequenz das nachgemacht hat, was so viele bürgerliche Veranstaltungen aus ihren bürgerlichen Interessen heraus angegeben haben. Womit schloß man zum Beispiel in Mitteleuropa die bürgerlichen Versammlungen? Mit dem Kaiserhoch! Oder man begann damit. Jede Proletarier-Versammlung schloß: «Es lebe die internationale revolutionäre Sozialdemokratie!» Man muß nur bedenken, was für eine ungeheure suggestive Kraft dieses von Woche zu Woche vom Proletarier gehörte Wort bedeutet, und wie das ein Einheitsbewußtsein durch die Massen treibt, so daß jede Gedankenfreiheit selbstverständlich ausgetrieben wird. Es saß das fest in der Seele. Es gab ja, wenn auch immer weniger, aber es gab in früheren Zeiten von Bürgerlichen einberufene Versammlungen, zu denen auch Sozialdemokraten eingeladen wurden. Der Vorsitzende sagte dann am Schluß: Ich bitte die Herren Sozialdemokraten zuerst hinauszugehen, denn ich werde jetzt die Versammlung auffordern, sich von den Sitzen zu erheben und das Kaiserhoch auszubringen. — Es hat in früheren Zeiten proletarische Versammlungen gegeben, wobei Bürgerliche zu den Diskussionen zugelassen waren. Der proletarische Vorsitzende hat am Schluß gesagt: Ich bitte die Herren der bürgerlichen Klasse jetzt sich hinauszubegeben, denn es wird das Hoch auf die internationale revolutionäre Sozialdemokratie ausgebracht. — So ist zusammengeschweißt worden, was die Seelen durchzog als das sie uniformierende Klassenbewußtsein. Das Gegenteil von dem, was gerade in den Herzen tiefer unten sitzt, das Gegenteil von der Sehnsucht nach individueller Gedankenfreiheit, nach einer individuellen Formung des Bewußtseins! Das ist das zweite.

[ 23 ] The proletariat was excluded from political life, with the exception of the few areas where it was admitted to political life within democratic political structures. The proletariat was entirely—even with everything that defines a whole human being, including its labor power—harnessed to economic life. The proletariat, in turn, drew the ultimate conclusion solely for the sake of its own survival. The modern bourgeois individual possesses a sense of the state, even if he does not always admit it, but he is very eager to use this sense of the state to shape the state itself. One truly does not need merely to have “Reserve Lieutenant and Professor” printed on one’s business cards to engage in state affairs with this sense of the state; one can do so in entirely different ways. But the proletariat had no interest in the state. It was bound up in economic life. Consequently, its feelings became the ultimate consequence of bourgeois sentiment—but in accordance with its own way of life. Its consciousness became the class consciousness of the proletariat. And so we see, in fact, that because this class of the proletariat has nothing to do with the state, this class consciousness is founded on internationalism. These things, then, are necessary. Only the bourgeois could be drawn to the modern state, because the modern state provides for the bourgeois, and the bourgeois wants to be provided for. The state, however, did not provide for the proletarian. The proletarian felt himself to be part of the world only insofar as he belonged to his class. And the proletarian class has proceeded in the same way throughout all states. Thus, this international proletariat emerged—an international proletariat that saw itself in conscious opposition to everything bourgeois, and that, with the same intensity of consciousness, strove toward the state and its institutions. And there was an extraordinarily powerful development of this class consciousness among the proletariat in modern times. I do not know how many of you have attended proletarian gatherings. How did these proletarian gatherings always conclude? They always concluded by imitating, in a proletarian manner, what so many bourgeois events had proclaimed out of their bourgeois interests. How, for example, did bourgeois gatherings in Central Europe conclude? With a cheer for the emperor! Or they began with it. Every proletarian assembly concluded with: “Long live international revolutionary social democracy!” One need only consider what immense suggestive power this phrase—heard week after week by the proletariat—holds, and how it drives a sense of unity through the masses, so that any freedom of thought is naturally driven out. It was firmly rooted in the soul. There were, albeit fewer and fewer, but in earlier times there were meetings convened by the bourgeoisie to which Social Democrats were also invited. The chairperson would then say at the end: “I ask the gentlemen Social Democrats to leave first, for I will now call upon the assembly to rise from their seats and shout ‘Long live the Emperor!’” — In earlier times, there were proletarian assemblies to which members of the bourgeoisie were admitted to participate in the discussions. At the end, the proletarian chairperson would say: “I ask the gentlemen of the bourgeois class to step outside now, for we are about to raise a toast to international revolutionary social democracy.” — This is how what permeated their souls—the class consciousness that unified them—was forged. The very opposite of what lies deep within their hearts, the opposite of the longing for individual freedom of thought, for an individual shaping of consciousness! That is the second point.

[ 24 ] Das dritte, was in den Tiefen der modernen Seele drängt, sich zu verwirklichen, das ist der Sozialismus — der Sozialismus, der einfach dadurch zu kennzeichnen ist, daß man sagt: Die moderne Seele strebt im Zeitalter des Bewußtseins dahin, daß der einzelne sich fühlen möchte in dem sozialen Organismus drinnen. Man will schon den sozialen Organismus als solchen begründen, man will sich als Mensch als Glied dieses sozialen Organismus fühlen, man will drinnenstehen in irgendeiner Weise. Das heißt, man will von einem solchen Bewußtsein sich durchdringen, daß man immer die Empfindung als Mensch hat: was ich tue, tue ich so, daß ich weiß, wieviel Anteil an mir der soziale Organismus hat, und wie wiederum ich Anteil habe an dem sozialen Organismus. Der Mensch lebt ja im sozialen Organismus drinnen. Aber, wie gesagt, heute ist noch die Empfindung für den sozialen Organismus nur in den unterbewußten Seelenregionen vorhanden.

[ 24 ] The third thing that is striving to come to fruition in the depths of the modern soul is socialism—socialism, which can be characterized simply by saying: In the age of consciousness, the modern soul strives for the individual to feel as though they are part of the social organism. One wants to establish the social organism as such; one wants to feel, as a human being, that one is a member of this social organism; one wants to be part of it in some way. That is to say, one wants to be imbued with a consciousness such that, as a human being, one always has the feeling: whatever I do, I do it in such a way that I know how much of the social organism is part of me, and how, in turn, I am part of the social organism. After all, human beings live within the social organism. But, as I said, today the sense of the social organism is still present only in the subconscious regions of the soul.

[ 25 ] Wenn heute ein Maler ein Bild malt, wird er mit Recht sagen: Dieses Bild muß mir bezahlt werden, denn ich habe meine Kunst in dieses Bild hineingelegt. — Was ist seine Kunst? — Seine Kunst ist etwas, was die Gesellschaft, was der soziale Organismus ihm erst möglich gemacht hat. Gewiß, es hängt von seinem Karma, von seinen früheren Erdenleben ab; aber daran glauben die Leute heute auch nicht, wobei sie sich freilich in Selbsttäuschung befinden. Aber insofern wir nicht den Anteil betrachten, den unsere durch die Geburt aus höheren Regionen herabsteigende Individualität uns an unserem Können gibt, insofern sind wir ja ganz abhängig, in dem was wir können, von dem sozialen Organismus. Aber der moderne Mensch beachtet das in seinem Bewußtsein nicht. Und so ist statt des sozialen Empfindens zunächst im Bewußtsein seit vier Jahrhunderten immer mehr und mehr eine egoistische, eine antisoziale Denkart entstanden; die antisoziale Denkart, die sich namentlich darin ausdrückt, daß jeder eigentlich zunächst an sich denkt und so viel als möglich herauszubekommen versucht aus dem sozialen Organismus. Das Gefühl, alles wieder zurückgeben zu müssen an den sozialen Organismus, was man von ihm bekommen hat, das haben heute wenige. Gerade in den leitenden bürgerlichen Kreisen ist mit Bezug auf das Geistesleben allmählich der denkbar größte Egoismus heraufgestiegen, der Egoismus, der den bloßen geistigen Genuß als etwas besonders Berechtigtes für den Menschen ansieht, der sich diesen geistigen Genuß verschaffen kann. Man hat aber keinen Anspruch auf geistigen Genuß, der einem durch den sozialen Organismus bereitet wird, wenn man nicht an dem Orte, an den man in der Welt gestellt ist, ein entsprechendes Äquivalent dem sozialen Organismus wiederum zurückgeben will. Das muß man sich klarmachen.

[ 25 ] When a painter paints a picture today, he will rightly say: I must be paid for this picture, for I have poured my art into it. — What is his art? — His art is something that society, that the social organism, has first made possible for him. Certainly, it depends on his karma, on his previous earthly lives; but people today do not believe in that either, although they are, of course, deluding themselves. But insofar as we do not consider the contribution that our individuality—descending through birth from higher regions—makes to our abilities, insofar are we entirely dependent, in what we can do, on the social organism. But modern human beings do not take this into account in their consciousness. And so, instead of a sense of social solidarity, an egoistic, antisocial way of thinking has gradually taken hold in consciousness over the past four centuries; an antisocial way of thinking that is expressed, in particular, in the fact that everyone thinks first and foremost of themselves and tries to extract as much as possible from the social organism. Few people today feel the need to give back to the social organism everything they have received from it. Precisely in the leading bourgeois circles, with regard to intellectual life, the greatest conceivable egoism has gradually arisen—an egoism that regards mere intellectual enjoyment as something to which a person who can procure this enjoyment is particularly entitled. However, one has no claim to the spiritual enjoyment provided by the social organism unless one is willing to give back a corresponding equivalent to the social organism in the place where one is situated in the world. One must make this clear to oneself.

[ 26 ] Nun hat wiederum das Proletariat, das ja nicht hat teilnehmen dürfen an dem geistigen Teil des sozialen Organismus, das im Wirtschaftsleben und in dem seelenlosen Kapitalismus eingespannt ist, es hat nur die letzte Konsequenz dieses bürgerlichen Egoismus gezogen in der Mehrwertslehre. Der Arbeiter sieht, er produziert ja eigentlich dasjenige, was in der Fabrik, an der Maschine hergestellt wird, also will er auch haben, was dafür einkommt. Er will nicht, daß ein Teil davon abgezogen wird und woanders hingeht. Und weil er nichts anderes sieht als den Kapitalisten, der ihn an die Maschine stellt, so glaubt er selbstverständlich, daß aller Mehrwert an den Kapitalisten geht, und muß sich zunächst kämpfend gegen den Kapitalisten wenden. Objektiv betrachtet steckt natürlich in dem, was dem sogenannten Mehrwert entspricht, etwas ganz anderes noch. Was ist Mehrwert? Mehrwert ist alles dasjenige, was durch Handarbeit produziert wird, ohne daß dafür diese Handarbeit eine Entschädigung bekommt. Denken Sie sich, es gäbe keinen Mehrwert, alles würde den Bedürfnissen des Handarbeiters zufließen. Was gäbe es dann nicht? Selbstverständlich keine geistige Kultur, überhaupt keine weitere Kultur; es gäbe nur Wirtschaftsleben, es gäbe überhaupt nur, was durch Handarbeit zutage gefördert werden kann. Es kann sich gar nicht darum handeln, daß der Mehrwert der Handarbeit zufließt, sondern nur darum, daß der Mehrwert in einem Sinne, mit dem der Handwerker einverstanden sein kann, verwendet werde. Das wird aber nur geschehen, wenn man den Handwerker dazu heranzieht, Verständnis zu haben für die Wege, die der Mehrwert nimmt.

[ 26 ] Now, the proletariat—which, after all, has not been allowed to participate in the intellectual aspect of the social organism and is instead harnessed to economic life and soulless capitalism—has merely drawn the ultimate conclusion of this bourgeois egoism in the theory of surplus value. The worker sees that he is, in fact, the one producing what is manufactured in the factory, at the machine; therefore, he also wants to receive what is earned from it. He does not want a portion of it to be taken away and sent elsewhere. And because he sees nothing but the capitalist who puts him at the machine, he naturally believes that all surplus value goes to the capitalist, and must therefore initially turn against the capitalist in struggle. Objectively speaking, of course, there is something entirely different at play in what corresponds to so-called surplus value. What is surplus value? Surplus value is everything that is produced by manual labor without that labor receiving compensation for it. Imagine if there were no surplus value—if everything were directed toward meeting the needs of the manual laborer. What would be missing then? Naturally, intellectual culture—no culture at all; there would be only economic life; there would be nothing at all except what manual labor can bring to light. It cannot be a matter of surplus value accruing to manual labor, but only of surplus value being used in a way that the artisan can agree with. But this will only happen if the artisan is brought in to understand the paths that surplus value takes.

[ 27 ] Hier berührt man den Punkt, wo am meisten gesündigt worden ist von der bürgerlichen Ordnung der neueren Zeit. Man hat die Maschinen, die Fabriken begründet, man hat den Handel begründet, das Kapital auch in Zirkulation gebracht, man hat den Arbeiter an die Maschine gestellt, in die kapitalistische Wirtschaftsordnung eingespannt. Da hatte er arbeiten sollen. Aber man hat nicht darauf gesehen, etwas anderes vom Arbeiter zu brauchen, als seine Arbeitskraft. In einem gesunden sozialen Organismus muß vom Arbeiter nicht nur die Arbeitskraft gebraucht werden, sondern auch die Ruhe, dasjenige, was an seiner Kraft übrigbleibt, wenn er gearbeitet hat. Und nur diejenigen Kapitalisten sind eigentlich berechtigt, welche ebenso Interesse haben an Ersparnis, an der nötigen Ersparnis der Arbeitskraft des Proletariers, wie sie ein Interesse haben an der wirtschaftlichen Verwendung der Arbeitskraft. Diejenigen Kapitalisten haben nur eine Berechtigung, die dafür sorgen, daß der Arbeiter nach einer bestimmten Arbeitszeit irgendwie an das herankommen kann, was allgemein menschliches geistiges und sonstiges Bildungsgut ist.

[ 27 ] Here we touch upon the point where the bourgeois order of modern times has sinned the most. Machines and factories were established; trade was established; capital was put into circulation; workers were placed at the machines and harnessed to the capitalist economic order. That is where he was supposed to work. But no one considered needing anything else from the worker besides his labor power. In a healthy social organism, it is not only the worker’s labor power that must be utilized, but also his rest—that which remains of his strength after he has worked. And only those capitalists are truly justified who have as much interest in conservation—in the necessary conservation of the proletarian’s labor power—as they have in the economic utilization of that labor power. The only capitalists who are justified are those who ensure that, after a certain working period, the worker can somehow gain access to what constitutes the general human intellectual and other cultural heritage.

[ 28 ] Dazu muß man dieses Bildungsgut erst haben. Die bürgerliche Gesellschaftsklasse hatte dieses Bildungsgut entwickelt; daher konnte sie gut allerlei populäre Bildungsanstalten begründen. Was hat man nicht alles getan an solchen Volksküchen des geistigen Lebens! Was ist auf diesem Gebiete alles gegründet worden. Aber zu welchem Bewußtsein konnte der Proletarier bei diesen Volksküchen des geistigen Lebens kommen? Zu keinem anderen, als daß ihm da die Bürgerlichen etwas abgeben, was sie unter sich ausgekocht haben. Da hatte er natürlich das Mißtrauen: Aha, die wollen mich bürgerlich machen, indem sie mir ihre Milch der frommen Denkungsart da in der Volksküche einflößen. Diese ganzen bürgerlichen Wohlfahrtsbewegungen, sie sind durch die Art, wie sie waren, vielfach Schuld an den Tatsachen, die heute so schreckhaft an dem Horizont des sozialen Lebens auftauchen. Was heute auftritt, stammt eben aus viel ernsteren Untergründen, als man gewöhnlich meint. Den Mehrwert will ich haben! — das ist das egoistische Prinzip, das als letzte Konsequenz des bürgerlichen Egoismus, der nun auch den Mehrwert haben wollte, erscheint. Wiederum zieht das Proletariat die letzte Konsequenz. Und statt des Sozialismus, der in den Untergründen der Seelen ist, erscheint auf der Oberfläche des Seelenlebens im Bewußtsein die Mehrwertslehre, die im eminentesten Sinne antisozial ist. Denn wenn jeder das einheimst, was der Mehrwert ist, so heimst er es ein für seinen Egoismus.

[ 28 ] To do this, one must first possess this educational heritage. The bourgeois social class had developed this educational heritage; that is why it was well-positioned to establish all manner of popular educational institutions. What efforts were not made in these “people’s kitchens” of intellectual life! How much was established in this field. But what kind of awareness could the proletarian possibly gain from these “people’s kitchens” of intellectual life? None other than the realization that the bourgeoisie were handing him something they had concocted among themselves. Naturally, he was suspicious: “Aha, they want to turn me into a bourgeois by灌输ing their ‘milk of pious thinking’ into me right there in the ‘people’s kitchen.’” All these bourgeois welfare movements, by the very nature of how they operated, are in many ways to blame for the realities that are now looming so menacingly on the horizon of social life. What is happening today stems from much more serious underlying causes than is generally believed. “I want the surplus value!”—that is the egoistic principle that appears as the ultimate consequence of bourgeois egoism, which now also wanted the surplus value. Once again, the proletariat draws the ultimate conclusion. And instead of socialism, which lies in the depths of the soul, the doctrine of surplus value—which is antisocial in the most eminent sense—appears on the surface of spiritual life, in consciousness. For if everyone reaps what constitutes surplus value, they reap it for the sake of their own egoism.

[ 29 ] Und so haben wir heute, meine lieben Freunde, einen Sozialismus, der nicht sozialistisch ist, so wie wir heute ein Streben haben nach einem Bewußtseinsinhalt, der kein Bewußtseinsinhalt ist, sondern der das Ergebnis des wirtschaftlichen Zusammenhanges einer Menschenklasse ist, und sich ausdrückt im Klassenbewußtsein des Proletariats. Und so haben wir heute ein Geistesstreben, welches den Geist verleugnet und seine letzte Konsequenz in der matenalistischen Geschichtsauffassung gefunden hat.

[ 29 ] And so today, my dear friends, we have a socialism that is not socialist, just as we have a quest for a content of consciousness that is not a content of consciousness, but rather the result of the economic conditions of a class of people, expressed in the class consciousness of the proletariat. And so today we have an intellectual pursuit that denies the spirit and has found its ultimate consequence in the materialist conception of history.

[ 30 ] Diese Dinge müssen durchschaut werden, sonst versteht man nicht, was in der Gegenwart lebt. Und wie wenig waren die Bürgerkreise geneigt, nach dieser Richtung hin wirklich ein Durchschauen der Verhältnisse auszubilden, wie wenig sind sie heute noch, nachdem die Tatsachen so deutlich, so brennend sprechen, geneigt, sich dieses Bewußtsein anzueignen.

[ 30 ] These things must be understood; otherwise, one cannot grasp what is happening in the present. And how little were the bourgeois circles inclined to truly develop an understanding of the situation in this direction; how little are they inclined even today—now that the facts speak so clearly, so poignantly—to acquire this awareness.

[ 31 ] Es wird auf keinem anderen Wege möglich sein, statt des antisozialen Strebens im Proletariat von heute ein wirklich soziales Streben herauszubringen, als daß man versucht, das Wirtschaftsleben auf seine gesunde selbständige Basis zu stellen als ein Glied des sozialen Organismus, das seine eigene Gesetzgebung und seine eigene Verwaltung hat, in das sich nicht mehr der Staat hineinmischt. Mit anderen Worten, es muß angestrebt werden, daß der Staat auf keinem Gebiete selbst Wirtschafter ist. Dann kann sich das, was in den Tiefen der Menschenseelen ersehnt wird, wirklicher Sozialismus im Wirtschaftsleben ausbilden. Und es muß angestrebt werden, daß von diesem Wirtschaftsleben abgesondert ist das Leben des eigentlichen politischen Staates, der nun seinerseits weder einen Anspruch macht auf das Wirtschaftsleben noch auf das eigentliche Geistesleben, auf das Kulturleben, Schulleben und so weiter. Wenn dieses Staatsleben keinen Anspruch macht nach beiden Seiten hin, wenn es das bloße Rechtsleben verkörpert, dann bringt es das zum Ausdruck, was hier in der physischen Welt das Verhältnis begründet von Mensch zu Mensch, jenes Verhältnis, das alle Menschen gleich vor dem Gesetze macht. Nur ein solches Staatsleben entwickelt eine wirkliche Freiheit des Gedankens. Und als ein drittes Glied des gesunden sozialen Organismus muß sich das auf sich gestellte Geistesleben ausbilden, das auch aus der Wirklichkeit des Geistes heraus schöpfen kann, das zu wirklicher Geisteswissenschaft vordringen muß. — Was in den Tiefen der Menschenseelen heute erstrebt wird, ist schon der gesunde soziale Organismus, der aber dreigliedrig sein muß.

[ 31 ] There is no other way to replace the antisocial aspirations of today’s proletariat with truly social aspirations than by attempting to place economic life on a sound, independent footing—as a part of the social organism that has its own legislation and its own administration, in which the state no longer interferes. In other words, the goal must be for the state not to act as an economic agent in any area. Only then can what is yearned for in the depths of the human soul—true socialism in economic life—take shape. And we must strive to ensure that the life of the actual political state is separate from this economic life; the state, for its part, must make no claim to economic life, nor to spiritual life proper—that is, cultural life, school life, and so on. If this state life makes no claim to either sphere, if it embodies the mere legal life, then it expresses what, here in the physical world, establishes the relationship between human beings—that relationship which makes all people equal before the law. Only such a state life fosters true freedom of thought. And as a third member of the healthy social organism, the independent spiritual life must develop—one that can also draw from the reality of the spirit and that must advance toward true spiritual science. — What is being strived for today in the depths of human souls is already the healthy social organism, which, however, must be threefold.

[ 32 ] So kann man auch die Dinge betrachten, wie wir sie heute betrachtet haben. Und Geisteswissenschaft soll in diesem Sinne, wie ich oft betont habe, ernst und tief genommen werden, nicht als etwas, das man nur so wie eine Sonntagnachmittagspredigt hinnimmt; denn das ist bürgerlich. Bürgerlich ist es, neben seinem Wirtschaftsleben, das man zur Not nur für den kleinen Kreis selbst besorgt, wenigstens selbst zu besorgen glaubt, und neben dem Staatsleben, für das man den Staat sorgen läßt, auch so ein bißchen Geistesleben zu entwickeln, je nachdem man sich für aufgeklärt hält, indem man zum Pfarrer geht, oder indem man sich der Theosophie widmet oder dergleichen. Es ist gut bürgerlich. Und eminent bürgerlich hat gerade die theosophische Bewegung das Geistesleben in der neueren Zeit hingestellt. Man kann sich nichts Bürgerlicheres denken als diese moderne theosophische Bewegung. Sie ist so recht aus dem Bedürfnisse des Bürgertums als eine sektiererische Geistesbewegung hervorgewachsen. Das war der Kampf, seit wir versucht haben, aus dieser theosophischen Bewegung etwas herauszuarbeiten, was durchdrungen sein sollte vom modernen Menschheitsbewußtsein und als Bewegung in die Menschheit hineingestellt werden sollte. Immer war der Widerstand des bürgerlichen sektiererischen Elementes da, das tief verankert ist im Oberflächenteil der menschlichen Seele. Aber man muß darüber hinauskommen. Das anthroposophische Streben muß als ein solches erfaßt werden, welches von der Zeit gefordert wird, welches uns nicht kleine, sondern große Interessen geben soll, welches uns nicht bloß dazu anleitet, uns in kleinen Zirkeln zusammenzusetzen und Zyklen zu lesen. Es ist ja gut, wenn man Zyklen liest; ich bitte Sie, durchaus jetzt nicht daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, daß nun keine Zyklen in der Zukunft gelesen werden sollen; aber man soll dabei nicht stehenbleiben. Man soll das, was in den Zyklen steht, wirklich ins Menschenleben einführen — aber nicht so, wie sich manche es vorstellen, sondern so, daß man zunächst das Verhältnis zum Bewußtsein der neueren Zeit sucht. Nicht darauf kommt es an, wenn ich so etwas sage, daß jetzt daraus das Bewußtsein erwächst: also wir sollen nicht sektiererisch Zyklen lesen, lesen wir also keine mehr; sondern darauf kommt es an, daß wir erst recht Zyklen lesen, aber dann auch sehen, daß das, was in den Zyklen enthalten ist, auch wirklich in unsere Lebenskraft übergeht. Dann wird das die beste soziale Nahrung für die in der Gegenwart strebenden Seelen sein. Denn so ist schon alles gedacht, und so ist schließlich auch unser Bau gedacht, namentlich in dem, was künstlerisch mit ihm angestrebt wird. Er ist gedacht durchaus im Sinne der neueren Zeit, und er kann in einer anderen als in dieser Art in der Gegenwart ganz und gar nicht gedacht werden. Ich weiß nicht, ob Sie sich schon überlegt haben, wie gerade dieser Bau auch in sozialer Beziehung ein Produkt der allerallerneuesten Zeit ist, und wie zu ihm gehört, daß man auch im Sinne dieser allerallerneuesten Zeit strebt. Denken Sie sich doch einmal: ein Bau, dessen Inneres gar keinen Zweck hat, oder wenigstens ein größerer Teil des Inneren gar keinen Zweck hat, wenn er für sich selbst dastehen soll. Er muß im Zusammenhange mit der ganzen übrigen Weltordnung stehen, wenn er überhaupt einen Sinn haben soll; selbst bei Tag würde es oben in der Kuppel stockfinster sein, die finsterste Nacht würde sein, wenn nicht von außen das elektrische Licht hineinkäme. Ganz angewiesen auf das, was draußen geschieht, ist gerade dieser Bau mit Bezug auf so wichtige Dinge, daß man in ihm etwas sieht. Er ist so recht herausgeboren aus dem Allerallerneuesten. Daher muß er sich auch im Zusammenhange entwickeln mit dem, was aber auch jetzt innerlich, nicht an der Oberfläche der Seele, die allerneueste Zeit gerade als Geistiges anstreben muß,

[ 32 ] That is another way of looking at things, as we have done today. And spiritual science, as I have often emphasized, should be taken seriously and deeply in this sense—not as something one merely accepts like a Sunday afternoon sermon; for that is bourgeois. It is bourgeois to develop a little spiritual life—in addition to one’s economic life, which, if necessary, one manages only for one’s own small circle (or at least believes one does), and in addition to one’s civic life, which one leaves to the state to manage)—depending on how enlightened one considers oneself, either by going to church, or by devoting oneself to theosophy, or the like. It is thoroughly bourgeois. And the Theosophical Movement, in particular, has presented spiritual life in modern times as eminently bourgeois. One cannot imagine anything more bourgeois than this modern Theosophical Movement. It has truly grown out of the needs of the bourgeoisie as a sectarian spiritual movement. That has been the struggle ever since we attempted to develop something out of this theosophical movement that would be imbued with modern human consciousness and established as a movement within humanity. The resistance of the bourgeois, sectarian element—which is deeply rooted in the superficial part of the human soul—has always been present. But we must move beyond this. The anthroposophical endeavor must be understood as one that is demanded by the times, one that is meant to give us not petty but great interests, one that does not merely lead us to gather in small circles and read the cycles. It is, of course, good to read the cycles; I ask you not to draw the conclusion from this that no more cycles should be read in the future; but one should not stop there. One should truly introduce what is written in the cycles into human life—but not in the way some people imagine, but rather by first seeking a relationship to the consciousness of the modern age. When I say something like this, the point is not that a certain mindset should arise from it—namely, that since we shouldn’t read the cycles in a sectarian way, we shouldn’t read them at all; rather, the point is that we should read the cycles all the more, but then also see to it that what is contained in the cycles truly flows into our life force. Then this will be the best social nourishment for the souls striving in the present. For everything has already been conceived in this way, and ultimately our building has also been conceived in this way, particularly in terms of its artistic aspirations. It has been conceived entirely in the spirit of the modern era, and it cannot be conceived in the present in any other way than this. I don’t know if you’ve already considered how this particular building, even in a social sense, is a product of the very, very latest era, and how it is inherent to it that we strive in the spirit of this very, very latest era. Just imagine: a building whose interior serves no purpose at all—or at least a large part of whose interior serves no purpose—if it is to stand on its own. It must be connected to the entire rest of the world order if it is to have any meaning at all; even during the day, it would be pitch-black up in the dome—it would be the darkest of nights—if electric light did not shine in from outside. Entirely dependent on what happens outside, this very structure relates to such important matters that one perceives something within it. It is truly born out of the very, very newest. Therefore, it must also develop in connection with what—even now, inwardly, not on the surface of the soul—the very newest era must strive for precisely as something spiritual,

[ 33 ] So könnten Sie sich vieles überlegen, was mit diesem Bau im Zusammenhange steht. Der Bau ist schon ein Repräsentant des modernsten Geisteslebens, und wird nur dann richtig verstanden, wenn man den Gedanken hat, daß er wie eine Art Kometenstern ist, der aber einen Schwanz nachziehen muß. Der Schwanz besteht darin, daß nun wirklich das, was gefühlsmäßig von der Anthroposophie ausstrahlt, in den Menschenseelen lebt. Aber es möchte leicht geschehen, daß viele sich so ähnlich zu diesem Bau stellen mit Bezug auf das, was ich eben gesagt habe, wie sich manche Katholiken, gerade führende Katholiken, zur modernen Astronomie gestellt haben, als sie die Kometen zu gewöhnlichen Weltenkörpern gemacht haben, während sie vorher als Zuchtruten galten, die von irgendeinem sinnlich gedachten Geist zum Himmelsfenster herausgehalten werden. Da kam eine Zeit, wo die katholisch orientierten Führer nicht mehr ableugnen konnten, daß es mit den Kometen eine ähnliche Bewandtnis habe, wie mit den anderen Himmelskörpern; da kamen sie auf ein Auskunftsmittel. Einige ganz Gescheite sagten: Nun ja, der Komet besteht aus dem Kern und aus dem Schwanz; für den Kern können wir nicht ableugnen, daß er ein Himmelskörper ist wie ein anderer, aber der Schwanz ist es nicht, der hat noch denselben Ursprung, den man früher gedacht hat. — So könnte es auch sein, daß die Menschen das Bewußtsein bekommen: Nun ja, den Bau wollen wir noch gelten lassen; aber all die vertrackten Empfindungen, die sich an den Bau als Schwanz angliedern sollen, von denen wollen wir nichts wissen. Aber dieser Bau gehört als ein Komet mit seinem Schwanz zusammen, und es wird notwendig sein, daß alles, was mit ihm in Verbindung steht, auch mit ihm in Verbindung empfunden wird.

[ 33 ] You could, for example, reflect on many aspects related to this building. The building is indeed a representation of the most modern spiritual life, and can only be properly understood if one conceives of it as a kind of comet—one that, however, must trail a tail. This tail consists in the fact that what anthroposophy radiates emotionally now truly lives within human souls. But it could easily happen that many people adopt a similar attitude toward this building—in light of what I have just said—as some Catholics, particularly leading Catholics, did toward modern astronomy when they reduced comets to ordinary celestial bodies, whereas previously they were regarded as rods of discipline held up to the window of the heavens by some sensually conceived spirit. Then came a time when Catholic leaders could no longer deny that comets were similar in nature to other celestial bodies; so they devised a way to explain them. Some very clever people said: Well, a comet consists of a nucleus and a tail; as for the nucleus, we cannot deny that it is a celestial body like any other, but the tail is not—it still has the same origin that was previously thought. — So it could also be that people come to realize: “Well, let’s accept the structure for now; but as for all those intricate sensations that are supposed to be attached to the structure as a tail—we want nothing to do with them.” But this structure belongs together as a comet with its tail, and it will be necessary that everything connected to it be perceived as connected to it as well.